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Verständnis von Pressefreiheit

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Verständnis von Pressefreiheit

Beitragvon stereotyp » 20. April 2018 16:57

Hallo!

Wir ihr vielleicht gehört habt, hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Werbeblocker wie "Adblock Plus" oder "µBlock" legal sind. Und dass die hiesige Medienlandschaft zunehmend Finanzierungsprobleme hat, ist auch hinlänglich bekannt.
Springer-Verlag hat geschrieben:Wir sehen im heutigen Urteil eine Verletzung der über Artikel 5 Grundgesetz geschützten Pressefreiheit, weil Werbeblocker die Integrität von Onlinemedien und deren Finanzierung gezielt zerstören

Das muss man sich mal klar machen, wie die Argumentation von Springer (eins der größten Medienhäuser) funktioniert... die meinen, weil sie kein Geld mehr mit Zeitungen verdienen, wäre die Pressefreiheit gefährdet.
Pressefreiheit ist allerdings kein Recht von Medienhäusern ggü. Privatpersonen, sondern ein Recht der Bürger ggü. ihrem Staat. D.h. jeder darf Presse sein, oder sich ungehindert aus jeglicher Presse unterrichten.
Es bedeutet NICHT, dass irgendwelche Konzerne am Leben erhalten werden müssen, wie das die Rechtsverdreher des Springer-Verlags auslegen.

Interessant ist, dass im Koalitionsvertrag unter der Überschrift "Soziale Sicherheit gerecht und verlässlich gestalten" folgendes zu lesen ist
Meedia.de; Koalitionsvertrag hat geschrieben:Zur Sicherung der bundesweiten Versorgung mit Presseerzeugnissen für alle Haushalte – in Stadt und Land gleichermaßen – wird bei Minijobs von Zeitungszustellerinnen und Zeitungszustellern der Beitrag zur Rentenversicherung, den die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu tragen haben, befristet für die Dauer von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2022, von 15 auf 5 Prozent abgesenkt.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.. mit "Soziale Sicherheit gerecht und verlässlich gestalten" verkaufen die uns diesen Lobbyismus. Und das von der SPD. Das ist die heutige Politik. Lügen die uns an? Oder wollen die uns einfach nur ein X für ein U vormachen?

MfG
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Re: Verständnis von Pressefreiheit

Beitragvon jsc » 20. April 2018 18:09

Vermutlich versuchen sie (bewusst?) die Begriffe "Pressefreiheit" und "Pressevielfalt" zu vermischen? Klar wenn weniger Presse gemacht werden kann weil alle pleite gehen leider die Vielfalt und eine geschwächte Monokultur an Presse kann natürlich leichter eingeschränkt werden. Ob Beiträge der Bild da ein großer Verlust wäre wage ich zu bezweifeln...
Im Zuge dieses Gerichtsverfahren hatte Bild ja einmal (Freudscher Versprecher?) gesagt, dass sie ihre "Berichtserstattung" nur um ihre Werbung herum einfließen lassen...
Pressefreiheit bezieht sich ja hauptsächlich auf das Recherchieren, da das Veröffentlichen ja auch von der Meinungsfreiheit abgedeckt wäre...
Das Problem mit den Werbeblockern ist ja nur ein Massenphänomen geworden weil mit Werbung getrackt und spioniert wird. Und weil man es mit der Werbung vollkommen übertrieben hat. Wer erinnert sich noch daran, dass man früher sich freiwillig eine Werbeleiste installiert hat (gab ein paar Peanuts im Monat) weil sie nicht gestört hat. Wenn die Seiten dazu übergehen würden nur noch Text und Bild Werbung einzubetten, sie selbst zu hosten und das Tracking stoppen dann hätten die meisten Menschen kein Problem damit. Aber dafür ist es vielleicht schon zu spät?
Ich schütze mich nicht nur per uBlock sondern halte auch uMatrix mittlerweile für unverzichtbar...

Bezüglich "am Leben halten":
Wie seht ihr das? Wenn jetzt wirklich fast alle Presse Erzeuger pleite gehen würden, weil man einfach kein Geld damit verdienen könnte. Was würde passieren? Wer hat neben seiner Tätigkeit im normalen Beruf noch Zeit investigative Recherche zu betreiben? (So etwas kann Monate beanspruchen) und wäre dann bereit dies kostenfrei ins Netz zu stellen? Würden dann nur noch Hartz iv Empfänger Presse erzeugen können? Oder muss der Staat dann Presse subventionieren? Wie könnte so etwas aussehen OHNE Einfluss auf die Berichterstattung zu haben?
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Re: Verständnis von Pressefreiheit

Beitragvon stereotyp » 20. April 2018 21:09

Hmm..
jsc hat geschrieben:Das Problem mit den Werbeblockern ist ja nur ein Massenphänomen geworden weil mit Werbung getrackt und spioniert wird. Und weil man es mit der Werbung vollkommen übertrieben hat.


Ha.. interessant.... Aber ich wette, die sind einen Kuhhandel eingegangen. In diesem bereits etwas älteren Artikel beschreibt ein "Netzwerkstratege" in typischem Marketing-Tonfall warum die Verlage in Google, Facebook, Twitter und Co vielmehr einen Segen sehen sollten. Diese Technologiefirmen würden ihnen nämlich ein effektives und (vermeintlich) kostenloses Forum bieten. Sie haben diesen - zugegebenermaßen - schnellen Wandel verschlafen. Sie sind träge und können mit den schnelleren und günstigeren alternativen Angeboten nicht mithalten. Werbeanzeigen sind - da sind sich alle einig - das letzte was ihnen bleibt.
Wie du schon richtig sagtest, findet das Tracking hauptsächlich über fremde (also nicht zur besuchten Domain gehörende) Inhalte (Java-Skript, Bilder, Cookies,..) statt. Und so gewinnen alle.. Facebook übernimmt das Hosting, Google analysiert die Daten und Springer übernimmt das "Storytelling". Und das alles fürs Allgemeinwohl:
Netzwerkstrategen hat geschrieben:Dieser Journalismus muss zu den Leuten gelangen, muss sie erreichen, bewegen und in ihren Bann ziehen, damit auch tatsächlich die notwendigen Meinungen gebildet und Veränderungen angestoßen werden.



jsc hat geschrieben:Wie seht ihr das? Wenn jetzt wirklich fast alle Presse Erzeuger pleite gehen würden, weil man einfach kein Geld damit verdienen könnte. Was würde passieren?
Entweder man stirbt als Held, oder lebt so lange, bis man selbst zum bösen wird.
- The Dark Knight (2008) :)

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Re: Verständnis von Pressefreiheit

Beitragvon stereotyp » 21. April 2018 13:37

Hallo,

jsc hat geschrieben:Vermutlich versuchen sie (bewusst?) die Begriffe "Pressefreiheit" und "Pressevielfalt" zu vermischen?

Sieht aus, als hättest du recht gehabt.

Katarina Barley (SPD) hat geschrieben:Eine Verpflichtung, dass Algorithmen pluralistischer ausgestaltet werden, halte ich für machbar und nicht schwierig


Mit Algorithmen meint sie vermutlich EdgeRank, Facebooks Newsfeed Generator. Er dient eigentlich dazu, den mitunter gewaltigen Strom von Benachrichtigungen automatisch zu filtern. Dabei wird u.a. die Beziehung zum Absender, Gewicht und Aktualität zur Auswahl genutzt.
Wenn man sich die Funktionsweise des Algorithmus so vorstellt, wird eigentlich klar, dass Filterblasen im Internet keine bösen Nebenerscheinungen sozialer Netzwerke sind, sondern lediglich das Nutzerverhalten widerspiegeln.

jsc hat geschrieben:Würden dann nur noch Hartz iv Empfänger Presse erzeugen können? Oder muss der Staat dann Presse subventionieren? Wie könnte so etwas aussehen OHNE Einfluss auf die Berichterstattung zu haben?
Naja.. also an subventionierter Presse mangelt es uns ja nicht.
Das, was die Presse so wichtig macht und ihr den Namen "Vierte Gewalt" gab, sehen wir gerade in den alternativen Medien, die tatsächlich eher Nebenberuflich geführt werden. Die Zeitungen sterben, weil sie schlicht belanglos sind. Es mangelt uns ja nicht an reißerischen Titeln oder schmächtigen Informationen. Das bekommen auch Hart-IV'ler hin.

Die Presse, also die hiesige "Lügenpresse", glaubt nicht mehr daran, dass Presse eigentlich die professionelle Vertreibung diverser Beobachtungen ist. Sie muss weder etwas (schon gar nicht "mustergültig") repräsentieren oder "machen". Dass sie Narrativen anhängen, eigene Weltbilder haben, bleibt allen Medienhäuser selbst überlassen.

Eigentlich verhält sich das mit der Presse genau wie mit der Demokratie. Politiker sollen die Bürger repräsentieren. Dazu müssen sie ihre Sorgen wahrnehmen, zu einem Grundsatzprogramm formulieren und zur Wahl stellen. Dazu werden üblicherweise Organisationen (Parteien/Verlage) gegründet, die in ihren verschiedenen Ausgestaltungen idealerweise repräsentativ für die Gesellschaft/Lese-Kunden sind.

Doch haben alle diese Organisationen angefangen, sich mehr aktiv als passiv an der Meinungsbildung zu beteiligen. Das ist sowohl für Parteien, als auch für die Presse, mehr als bedenklich.

Demokratie ist ein Prinzip, kein Zustand.

MfG
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