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Kreuze für Bayern

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Re: Kreuze für Bayern

Beitragvon SK35483 » 19. Mai 2018 08:27

lütt-matten hat geschrieben:Und genau so wenig, wie der Kommunismus, so führt auch der von Marx kritisierte Kapitalismus nicht dort hin.

Der Kapitalismus wird aber in der westlichen Christenheit als Teil der natürlichen Ordnung verstanden, weil in Folge der völligen Entfremdung und Heroisierung der Arbeit überhaupt kein Bewusstsein für seine institutionelle Errichtung und Zementierung vorhanden ist. Schon Karl Marx hat dies erkannt, wie er im 24. Kapitel des ersten Band des Kapital schreibt :
"So wurde das von Grund und Boden gewaltsam expropriierte, verjagte und zum Vagabunden gemachte Landvolk durch grotesk-terroristische Gesetze in eine dem System der Lohnarbeit notwendige Disziplin hineingepeitscht, -gebrandmarkt, -gefoltert.

Es ist nicht genug, daß die Arbeitsbedingungen auf den einen Pol als Kapital treten und auf den andren Pol Menschen, welche nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft. Es genügt auch nicht, sie zu zwingen, sich freiwillig zu verkaufen. Im Fortgang der kapitalistischen Produktion entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit die Anforderungen jener Produktionsweise als selbstverständliche Naturgesetze anerkennt. Die Organisation des ausgebildeten kapitalistischen Produktionsprozesses bricht jeden Widerstand, die beständige Erzeugung einer relativen Übervölkerung hält das Gesetz der Zufuhr von und Nachfrage nach Arbeit und daher den Arbeitslohn in einem den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals entsprechenden Gleise, der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse besiegelt die Herrschaft des Kapitalisten über den Arbeiter. Außerökonomische, unmittelbare Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise. Für den gewöhnlichen Gang der Dinge kann der Arbeiter den "Naturgesetzen der Produktion" überlassen bleiben, d.h. seiner aus den Produktionsbedingungen selbst entspringenden, durch sie garantierten und verewigten Abhängigkeit vom Kapital. Anders während der historischen Genesis der kapitalistischen Produktion. Die aufkommende Bourgeoisie braucht und verwendet die Staatsgewalt, um den Arbeitslohn zu "regulieren", d.h. innerhalb der Plusmacherei zusagender Schranken zu zwängen, um den Arbeitstag zu verlängern und den Arbeiter selbst in normalem Abhängigkeitsgrad zu erhalten. Es ist dies ein wesentliches Moment der sog. ursprünglichen Akkumulation."

Quelle : http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_741.htm


Und Max Weber widmete diesem Sachverhalt sein ganzes Hauptwerk :
": die Reformation trug die rationale christliche Askese und Lebensmethodik aus den Klöstern hinaus in das weltliche Berufsleben."

Quelle : http://www.zeno.org/Soziologie/M/Weber, ... skese#N725

"Es liegt auf der Hand, wie mächtig das ausschließliche Streben nach dem Gottesreich durch Erfüllung der Arbeitspflicht als Beruf und die strenge Askese, welche die Kirchenzucht naturgemäß gerade den besitzlosen Klassen aufnötigte, die »Produktivität« der Arbeit im kapitalistischen Sinn des Wortes fördern mußte. Die Behandlung der Arbeit als »Beruf« wurde für den modernen Arbeiter ebenso charakteristisch wie für den Unternehmer die entsprechende Auffassung des Erwerbes."

Quelle : http://www.zeno.org/Soziologie/M/Weber, ... cher+Geist


Dazu eine Anmerkung aus einem Artikel von Telepolis :
"Ora et labora wird gemeinhin mit "Bete und arbeite" übersetzt, doch weist das lateinische Verb laborare eine breitere Bedeutung auf: Neben "arbeiten" bedeutet es auch leiden, sich abmühen, in Not sein."
...
"Die benediktinische Ordensregel könnte somit auch mit "bete und leide" übersetzt werden. Durch die Mühsal und das Leid harter körperlicher Arbeit eiferten die Mönche dem Leiden Jesu Christi nach, um hierdurch dem Himmelreich näher zu kommen. Konkrete körperliche Tätigkeit wurde somit zu einem bloßen Mittel, mit dem ein außer ihr liegender abstrakter Zweck erreicht werden sollte: das Seelenheil des arbeitenden Mönches, der durch Gebet und Leid schaffende Arbeit ins Paradies einzugehen hoffte. Damit wird aber Arbeit auch zu einem religiös konnotierten Selbstzweck, der unabhängig von der konkreten Tätigkeit und ihrem Nutzen für den Arbeitenden ausgeführt wird, um ein "äußeres" und jenseitiges Ziel zu verwirklichen."

Quelle : https://www.heise.de/tp/features/Ora-et ... 63145.html


Der Dreiteiler von Telepolis kann ich sehr emfehlen.

Gruß, Sven
Jeder sollte sich fragen, ob er sein Gegenüber verstehen will, oder nur eine Begründung sucht, sich über ihn mit Recht aufregen zu dürfen, einfach nur weil er anders ist und denkt.
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