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Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Parteien, Wahlen, Demokratie, Gesetze Glaube und Politik

Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon Caramillus » 8. August 2017 19:00

Ich möchte mich dem allgemeinem Bemühen in den Threads beim Thema zu bleiben anschließen. Nachdem ich in die jüdischen Wurzeln des Marxismus ansprach, konnte sich lütt-matten zur abendländischen Monarchie äußern. Darauf möchte ich im Rahmen eines neuen Themas eingehen.

Zuerst muß ich mich lustigerweise etwas wie Bert80 anhören:
lütt-matten hat geschrieben:Die Ursache für diese Ideen gründen sich aus meiner Sicht auf die Reformation.

Diese Sicht konnte man ja schon in anderen Threads durchscheinen sehen. Diese Linie kommt aus katholischen Gedankenmühlen einerseits, die in Luther eine Art Beginn des Liberalismus sehen wollen. Andererseits wird dies von meist aus dem angelsächsischem Kulturraum stammenden Linken so gestreut, um von linken Gräueltaten abzulenken.

Für uns von engerem Belang finde ich hier zunächst, daß wir die gedankliche Disziplin, sauber im historischen Kontext zu denken, nicht verlassen.

Ansonsten hatte Abischai dazu ja auch gesprochen:
was-war-die-ursache-für-den-heutigen-feminismusoe-t17589-40.html#p495188

lütt-matten hat geschrieben:Man ist sich gar nicht im Klaren, wie weit man diese Obrigkeiten des Christentums hinterfragen muss

Allerdings! Umso erfreuter bin ich, daß du es versuchst.


lütt-matten hat geschrieben:das geht Jahrtausende zurück.

Was meinst du genau damit? Zwischen Christus und Luther liegen etwa 15 Jahrhunderte, nicht Jahrtausende.


lütt-matten hat geschrieben:Vor 100 Jahren hatten wir zum Beispiel noch den Kaiser Wilhelm II. Er nannte sich "von Gottes Gnaden", um damit seine Herrschaft zu begründen.

Diese Begründung hatte sich ja nicht der Hohenzoller ausgedacht, sie kam ja in Europa mit dem Absolutismus auf; also nach dem Mittelalter. Diese Trennung zu verstehen ist wichtig.


lütt-matten hat geschrieben:Aus dieser Sicht muss eben das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt werden. Evangelische Protestanten sind es gewohnt die Obrigkeit des Papstes zu hinterfragen, aber was ist mit den weltlichen Obrigkeiten, die sich auf Gott berufen?

Das führt uns zurück zum Opathema dieses Threads: der Textkritik. Da hatten wir ja über Bibelfälschung geredet. Und ein Strang unter vielen, ist ja, Leuten z.B. Römer 13 tendenziell interpretiert unter die Nase zu reiben und so Kadavergehorsam einzufordern.

Das funktioniert ganz gut, solche gibts ja auch im Forum. Und auch, wenn z.B. ein CDU-Kanzler den Amtseid schwört "so wahr mir Gott helfe"; offenbar nehmen das viele Christen für bare Münze. Die raten einem dann an, für die CDU zu stimmen, zum Bleistift.

Ja, was sachste da noch?

Näher zum Thema:

Die Könige zur Zeit Luthers beriefen sich ja nicht auf Gott in der Art der absolutistischen Herrscher, sondern auf das germanische Stammessystem. Und das war in Europa vor dem Christentum da.

Also lütt, wie weit genau, müssen wir jene Obrigkeiten hinterfragen?

Was denkst du? Was meintest du?
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon jsc » 8. August 2017 19:47

Ich dachte schon es ginge dir darum:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erfundenes_Mittelalter
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon Caramillus » 8. August 2017 19:58

Ja, die Phantomzeiten sind zum Teil tatsächlich erfunden. Aber nicht die Zeit Karls des Großen. Die Arbeit Illigs hinsichtlich der ägyptischen Chronologie sind da schon viel besser. Auch die Babarenstürme im alten Griechenland und der "Bronzezeit-Kollaps" sind nicht so passiert, wie die offizielle Geschichtsschreibung es uns weismachen will.
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon lütt-matten » 8. August 2017 20:59

Caramillus hat geschrieben:
lütt-matten hat geschrieben:Die Ursache für diese Ideen gründen sich aus meiner Sicht auf die Reformation.

Diese Sicht konnte man ja schon in anderen Threads durchscheinen sehen. Diese Linie kommt aus katholischen Gedankenmühlen einerseits, die in Luther eine Art Beginn des Liberalismus sehen wollen. Andererseits wird dies von meist aus dem angelsächsischem Kulturraum stammenden Linken so gestreut, um von linken Gräueltaten abzulenken.
Hi Caramillus,
zuerst also dieser Punkt. Ich verstehe nicht ganz, was dies mit Gräueltaten zu tun haben soll. Es geht hier nicht um irgendwelche Gräueltaten, sondern darum, dass Luther - vielleicht auch ohne es beabsichtigt zu haben - die bestehenden Ordnungen hinterfragte.
Dr. Martin Luther hat geschrieben:Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!

Dieses Hinterfragen und sein eigenes Gewissen als Teil der Grundlage des eigenen Handelns zu verstehen, sehe ich als Ursache und Vorlage für späteres Handeln anderer und nun eben auch für den Feminismus. Dabei will ich Luther hier nicht als ultimativen Startpunkt ansehen, es kann schon vor ihm ähnliche gegeben haben, aber bei ihm führte es eben zu diesen weitreichenden Änderungen. Es gab schließlich eine Kirchenspaltung.

Caramillus hat geschrieben:Die Könige zur Zeit Luthers beriefen sich ja nicht auf Gott in der Art der absolutistischen Herrscher, sondern auf das germanische Stammessystem. Und das war in Europa vor dem Christentum da.

Also lütt, wie weit genau, müssen wir jene Obrigkeiten hinterfragen?

Was denkst du? Was meintest du?
Der Vergleich kam ja nur, weil der heutige Feminismus als "gegen die Ordnungen Gottes" verstanden wurde. Aber "gegen die Ordnungen Gottes" war und wäre aus meiner Sicht auch jedes christliche Kaiser- und Königstum, alle Fürsten und Adeligen. Deren Handeln und ihre Folgen in der Geschichte wäre eben auch noch zu hinterfragen. Wenn man nun das Thema "Unterordnung" aufgreift, dann ist es eben strittig, ob diese Herrscher als biblische Obrigkeiten wirklich legitim waren.
Römer 11, 24 (Schlachter 2000):Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel eher können diese, die natürlichen [Zweige], wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!
Als Heidenchristen sind wir in den edlen Ölbaum Israel eingepfropft und somit ein Teil dieses Baumes. Nun zählen aber nicht mehr die germanischen Stämme, es zählt der königliche Stamm Juda und darin das Haus Davids und daraus der Sohn Davids, welcher Jesus Christus ist. Wie kann es also daneben noch eingepfropfte Stämme und Zweige geben, die ein Königstum für sich beanspruchen?

Aus meiner Sicht wurden gleich zu Beginn der Christianisierung Europas diese Weichen nicht richtig gestellt. Man hätte damals darauf hinweisen müssen, dass es kein anderes Königstum geben kann, als nur das aus dem Hause Davids; ansich völlig doch logisch. Jeder gläubige König hätte das einsehen können.

Gottes Segen! :)
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon Regula Falsi » 13. August 2017 10:17

lütt-matten hat geschrieben:- - -
Römer 11, 24 (Schlachter 2000):Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel eher können diese, die natürlichen [Zweige], wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!
Als Heidenchristen sind wir in den edlen Ölbaum Israel eingepfropft und somit ein Teil dieses Baumes. Nun zählen aber nicht mehr die germanischen Stämme, es zählt der königliche Stamm Juda und darin das Haus Davids und daraus der Sohn Davids, welcher Jesus Christus ist. Wie kann es also daneben noch eingepfropfte Stämme und Zweige geben, die ein Königstum für sich beanspruchen?

Tja, wer sind die Germanen...Unter anglo-keltischen Völkern - Großbritannien, USA, Kanada, Australien - gibt es Organisationen, die die Auffassung vertreten, dass die Kelten Nachfahren der “verlorenen zehn Stämme” sind.

Ein aus dem Nahen Osten stammender Christ behauptete mir gegenüber, Nachfahre jüdischer Könige zu sein. Doch wer etwas Mathematik beherrscht, kann leicht zeigen, dass es unter Weißen fast unmöglich ist, nicht salomonisches Blut in sich zu tragen...
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon Joeni » 13. August 2017 12:53

lütt-matten hat geschrieben:Aber "gegen die Ordnungen Gottes" war und wäre aus meiner Sicht auch jedes christliche Kaiser- und Königstum, alle Fürsten und Adeligen. Deren Handeln und ihre Folgen in der Geschichte wäre eben auch noch zu hinterfragen. Wenn man nun das Thema "Unterordnung" aufgreift, dann ist es eben strittig, ob diese Herrscher als biblische Obrigkeiten wirklich legitim waren.

Interessantes Thema, ich komme vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmal darauf zurück. Aber hier musst Du schon mal ganz exakt trennen zwischen hinterfragen und unterordnen. Hinterfragen sollen wir nämlich alles - außer Gottes Wort. Unterordnen müssen wir uns manchmal trotzdem.
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Re: Das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit hinterfragt

Beitragvon lütt-matten » 13. August 2017 21:16

Joeni hat geschrieben:Hinterfragen sollen wir nämlich alles - außer Gottes Wort.
Lieber Joeni,
das würde ich aber noch mal hinterfragen! ;) Hinterfragen und in Frage stellen ist nicht dasselbe. Hinterfragen sucht den Zusammenhang und das Warum einer Sache. Bessere Fragen kann man doch kaum haben, oder?

Gottes Segen! :)
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