HORIZONT - der etwas
andere Gottesdienst in
Filderstadt - Bernhausen vom 10. 4.2005 :
Thema: Wieviel Erfolg macht glücklich ?
Bsp. ZDF-Reihe
37°: Bahne Rabe: Schlagmann des Deutschland-Achters, der 1988 in Seoul die
Goldmedaille gewonnen hat. Ein Baum von Mann, einer der von der Natur aus schon
10% mehr Leistungspotential mitgegeben war, als allen anderen. Der mit einer
Urkraft, die Schlagzahl beim Rudern und damit das Tempo vorgeben konnte. Und
nun geschieht das Tragische, dass sich dieser Riese zu Tode hungert:
Magersucht. Da weigert sich ein Mensch, der in seiner Sportart alles gewonnen
hatte, was man gewinnen kann, zu essen. Da zerstört ein Mensch seinen Körper,
dem er diese ganzen sportlichen Erfolge zu verdanken hat.
Das Interessante
war dann, dass noch einmal die Bilder gezeigt wurden von der Siegerehrung 1988.
Es begann schon beim Zieleinlauf als das Boot über die Ziellinie glitt und es
immer diesen Pieps macht, da brechen erst mal alle zusammen, aber dann riss
einer nach dem anderen die Hände hoch und freute sich über den Sieg, nur Bahne
Rabe nicht. Und als dann alle auf dem Treppchen standen, die Goldmedaille um
den Hals, Blumenstrauß in der Hand, da jubelte alles, nur einer stand da oben
wie bei einer Beerdigung: Bahne Rabe.
Sein Problem war,
dass er alle Ziele erreicht hatte, die ein Ruderer erreichen kann, und damit
waren die Ziele weg und eine gähnende Leere war da!
Anderes Beispiel:
Als Reinhold Messner zum ersten Mal ohne Sauerstoff den Mount Everest bestiegen
hatte, wurde er anschließend von Reportern nach seinen Gefühlen in diesem
Moment gefragt. Und er gab dann eine überraschende Antwort. Als er mit seinem
Kameraden oben auf dem Gipfel stand, erfüllte ihn auf einmal einen große Leere.
Er hatte sein ganzes Leben auf dieses Ziel hin gearbeitet und jetzt war es weg.
Jetzt waren die Ziele weg.
Ich will eine
These wagen: Das Streben nach Erfolgen kann ein Leben ausfüllen, die Erfolge
selbst aber können das nicht. Erfolge erfüllen uns nicht! Das Streben nach
Erfolg vielleicht schon, aber der Erfolg selbst nicht. Ich habe erst kürzlich
eine kleine Anekdote von einem Berater für Unternehmen und Spitzenkräfte
gelesen. Ein Vorstandsmitglied eines großen Bauunternehmens war in seiner
Beratung und er fragte dann diesen Manager, was er für ein Ziel habe. Der
antwortete kurz und präzise: „Vorstandsvorsitzender“. Der Berater sagte dann:
„Ich kenne einige, die diese Position erreicht haben und ganz oben an der
Leiter angekommen sind. Da oben ist ein kleines Schildchen angebracht, das aber
nur diejenigen lesen können, die eben ganz oben angekommen sind.“ Darauf fragte
dann der Baumanager, ob er es ihm nicht verraten würde, was da drauf steht. Der
Berater sagte: „Auf diesem Schildchen steht: Hier ist das Ende der Leiter!“
Jede
Erfolgskarriere ist immer begrenzt. Es gibt immer ein Ende.
Ich will noch mal
eine Schippe tiefer graben: An diesen Extrembeispielen wird noch etwas
deutlich, was für uns alle gilt. In jedem von uns steckt die große Sehnsucht
durch unsere Leistung und unsere Erfolge unser Dasein zu rechtfertigen. Ob wir
uns dessen bewusst sind oder nicht. Einer meiner theologischen Lehrer hat es einmal
so auf den Punkt :
„Wir müssen in jedem Augenblick zeigen, dass wir es verdienen, da zu sein, beachtet, angesprochen, gegrüßt, geehrt oder zumindest des Widerspruchs gewürdigt zu werden.“ (Oswald Bayer)
Vor anderen, vor
mir selbst und auch vor Gott – und dabei ist es völlig nebensächlich ob ich an
Gott glaube oder nicht. In meinen Zwängen mich selbst beweisen zu müssen, ist
er immer gegenwärtig.
Der Erfolg ist ein ganz wesentliches Instrument meiner Rechtfertigung vor mir selbst, vor anderen und auch vor Gott.
Wo ich hinschaue,
sehe ich Menschen, die sich laufend rechtfertigen müssen. Überall gibt es
unsichtbare Gerichtshöfe, vor denen wir uns immer und immer wieder
rechtfertigen müssen.
Das gibt es den
Gerichtshof der öffentlichen Meinung, vor dem ich mich immer und immer wieder
fragen lassen muss, ob ich noch korrekt denke, ob ich mich korrekt benehme, ob
ich mich korrekt kleide, ob ich mich korrekt ausdrücke. Konkret wie es
konkreter gar nicht geht, wird dieser Gerichtshof tagtäglich in BILD-Zeitung:
Hier wird jeden Tag Gericht gehalten, hier werden Urteile gesprochen. Die einen
werden gerechtfertigt, die anderen verdammt. Und ich bin immer mitten drin,
weil ich beim Lesen ja ständig dabei bin, mich zu prüfen: Wie würde das Urteil
über mich lauten?
Es gibt den
Gerichtshof der Freizeitkultur, wo sich mehr und mehr eine Dopingkultur
entwickelt, weil Menschen es ohne aufputschende Mittel immer weniger schaffen,
einen Auftritt hinzubekommen, der von den anderen akzeptiert wird. Was in der
Sportwelt passiert, was im Showbusiness passiert, das passiert auch immer mehr
und öfter in der ganz normalen Freizeitwelt: Stimulans als Voraussetzung für
die Akzeptanz.
Schließlich gibt
es den Gerichtshof meines eigenen Gewissens, wo ich ständig mich selber anklage
und ständig gezwungen bin, mich selber vor mir zu rechtfertigen. Da werden
ständig die Lebensentscheidungen überprüft, da werden ständig die Beziehungen
verhandelt, in denen wir leben. Da steht ständig die Frage im Raum, ob ich mich
noch selber akzeptieren kann.
Wir stehen
ständig unter dem Druck unser Leben rechtfertigen zu müssen, auch wenn wir das
vielleicht so nicht ausdrücken würden. Und der Erfolg ist ein wesentliches
Instrument, um diesem Druck zu begegnen.
Solange wir das
zeigen können, sind wir glücklich; aber wenn uns dieser Beweis einmal schwer
fällt, dann ist die Lebenskrise da. Das muss nicht so krass sein, wie bei Bahne
Rabe, aber im verkleinerten Maßstab unseres Lebens passiert immer dasselbe:
Dann wenn ein Mensch in den Ruhestand geht, nicht mehr gebraucht wird, sich
nicht mehr beweisen kann. Dann wenn ein Mensch arbeitslos wird, wenn er krank
wird und seine Daseinsberechtigung nicht mehr unter Beweis stellen kann. Das
ist ja das eigentliche und tiefste Problem der Jugendarbeitslosigkeit: Dass
junge Menschen überhaupt nicht die Chance bekommen, sich dieser Welt zu
beweisen, oder wenigstens ihren Eltern, oder zumindest sich selbst es zu
zeigen, dass sie es verdient haben, da zu sein.
Der letzte Grund
für rechte Gewalt oder überhaupt für Gewalt, die in diesem Milieu gedeiht, ist,
dass man auf diese Weise wenigstens noch des Widerspruchs gewürdigt wird. Dass
man nur noch auf diese Art und Weise Beachtung und Aufmerksamkeit findet, auch
wenn sie nur negativ ist. Immer noch besser als gar nichts.
Jesus hat einmal
eine Geschichte über solch einen äußerst erfolgsorientierten Menschen erzählt,
der sein Leben komplett auf Erfolg getrimmt hat. Für seine damaligen Zuhörer
hat Jesus das Ambiente der Landwirtschaft gewählt, und als Protagonisten seiner
Geschichte wählte er einen Großbauern.
Die Geschichte
ist ziemlich bekannt, aber angesichts der Pisa-Studie, will ich sie noch mal
kurz vorlesen und zwar im Orignalwortlaut:
16 Und er
sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld
hatte gut getragen.
17 Und er dachte bei sich selbst und sprach:
Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte
19 und will sagen zu meiner
Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe,
iß, trink und habe guten Mut!
20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese
Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du
angehäuft hast?
21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt
und ist nicht reich bei Gott.
Da ist ein
Mensch, der alles hat, was man sich nur wünschen kann. Hätte Jesus die
Geschichte heute erzählt, hätte er wahrscheinlich einen Firmengründer in der
IT-Branche genommen. Dieser Bauer hier ist so eine Art antiker Bill Gates. Nur
unser Freund hier hat seine Kohle nicht mit Software, sondern mit Feldware
gemacht. Sein Feld hatte auch reiche Frucht gebracht, d.h. er hatte Erfolg mit
seiner Arbeit. Fette Maiskolben, dicke Getreideähren. Es boomte bei ihm auf dem
Acker.
Und jetzt ist
seine Reaktion sehr interessant. Er macht sofort neue Pläne, er startet sofort
ein neues Projekt mit dem Titel: neue Scheune.
Vielleicht sagt
ihr: Logisch, was denn sonst. Entschuldigt, wenn ich hier stehn bleibe, aber
ich finde das krank: Er könnte doch erst mal ne Fete! Ein Schampus aufmachen
und mit seinen Mitarbeitern feiern. Er könnte denen doch mal danke sagen. Er
könnte überhaupt mal danke sagen, sozusagen ein Erntedankfest feiern können.
Aber auf die Idee
kommt er überhaupt nicht. Er verliert völlig aus dem Blick, dass sein Erfolg zu
mindestens 95% von Faktoren abhängt, die er nicht beeinflussen kann. Was konnte
er dafür, dass der Boden fruchtbar war, dass das Wetter mitgespielt hat, dass
es keinen Krieg und keine Inflation gab in seinem Land usw. usf.
Bei uns ist das
nicht anders: Auch wenn man nicht auf dem Acker steht, sondern seinen Alltag in
einem Büro zubringt: Unser Erfolg hängt zu 95% von Faktoren ab, die ich nicht
oder nur bedingt beeinflussen kann. Was können Sie dafür, dass Sie genügend
Gripps haben, dass Sie in einem Land leben, wo es zumindest halbwegs eine
gewisse Chancengleichheit gibt usw. Alles das ist nicht vollkommen, aber es ist
auch alles andere als selbstverständlich.
Bitte vergessen
Sie das nicht: Alle unsere Erfolge sind zu 95% geschenkt. Haben Sie schon
mal „Danke“ dafür gesagt? Danke an den, der Sie gemacht hat?
Unser
Ackerschollentycoon hier verliert an solchen Dinge keinen Gedanken und das hat
mit seiner Blickrichtung zu tun. In der Bibel sagt dieser Mann ganze vier
Sätze. Aber in diesen vier Sätzen sagt er zehnmal „ich“, „mein“, „meine“. Zehnmal
geht es nur um ihn. Er dreht sich nur um sich selbst. Ich, Ich, Ich, alles
andere ist egal.
Und es dürfte
auch kein Zufall sein, dass es in dieser Geschichte keine Dialogpartner gibt,
keine Personen, zu denen dieser Großbauer in einer Beziehung steht. Wer in
seinem Leben ständig nur über sich redet, der kann und muss irgendwann nur noch
mit sich selber reden.
Sein ganzes Leben
ist ein einziges Selbstgespräch. Er redet nicht mit anderen, er redet nicht mit
Gott. Er redet nur mit sich selbst, nach dem Motto: Was muss ich tun, damit’s
mir gut geht? Ich bin sicher ihr kennt das! Ich kenne das aus meinem Leben!
Er dreht sich nur
um sich selbst und er redet nur mit sich selbst! Das Thema seines Lebens ist
der Erfolg, den er hat und der Erfolg, den er noch will.
Ein Mensch, der
alles hat, nur eines hat er nicht: Er hat keinen Frieden mit sich selbst! Das
ist sein Problem. Man muss ja mal genau hinhören, was der zu seiner Seele hier
sagt: Liebe Seele, wenn’s so weit ist mit den neuen Scheunen, dann kannst Du
ruhig sein. Dann kannst Du fröhlich sein! Das heißt doch, dass seine Seele
jetzt keine Ruhe hat, dass er jetzt nicht fröhlich ist. Dieser Mensch hat
alles, nur das eine fehlt ihm: Ruhe für seine Seele. Er hat keinen Frieden mit
sich selbst.
Kein Mensch kann
mit sich allein Frieden finden. Ich kann mit mir allein keinen Frieden finden,
weil ich gar keinen Frieden in mir habe. Ich kann in mir kein Glück finden,
weil in mir kein Glück drin ist. Genau wie dieser Bauer könnte ich bis in
Ewigkeit größere Scheunen bauen und würde trotzdem keinen Frieden finden.
Diese Geschichte
endet sehr tragisch. Bevor er auch nur einen seiner Pläne verwirklichen kann,
tritt Gott auf den Plan und beendet all sein planen. „Du Narr“, heißt es hier. Ich
kenne in der ganzen Bibel kein deftigeres Schimpfwort im Munde Gottes. „Du
Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann
gehören, was du angehäuft hast?“
Dass diese
Geschichte so endet ist kein Zufall. Denn nur vom Ende her, lässt sich der
Wert und der Sinn unserer Erfolge beurteilen. Der Tod – so könnte man sagen
– hat eine heuristische Funktion, d.h. eine aufdeckende, erhellende Funktion,
die das Wesen und den Wert eines Lebens ins rechte Licht rückt.
Ein
amerikanisches Sprichwort sagt: „Wen die Götter zerstören wollen, dem
schicken sie 30 Jahre lang Erfolg.“ Die wesentlichen Fortschritte
unseres Leben machen wir nicht im Erfolg, sondern im Scheitern, im
Zusammenbruch und im Neuanfang. Der Charakter eines Menschen kann gerade in
schwierigen Zeiten zur Reife gelangen. Unser Lebensprofil wird gewöhnlich nicht
in Zeiten des Erfolges geformt. In solchen Zeiten nutzt sich unser Charakter
eher ab. Es sind die Krisen und das Scheitern, die uns wirklich weiter bringen.
Ich habe vorher
von diesem Baumanager erzählt, der bei diesem Unternehmensberater war und
Vorstandsvorsitzender werden wollte. Vier Wochen nach diesem Gespräch rief der
seinen Berater wieder an und war fix und fertig. Er war nicht
Vorstandsvorsitzender geworden, sondern von der Karriereleiter gestürzt. Und
gleichzeitig war sein Sohn an einer lebensgefährlichen Krankheit erkrankt. Es
folgten dann Monate tiefer Dunkelheit, Verzweiflung und Ohnmacht, seelischer
Schmerzen, negativer Gefühle, Trauer, Depression, Wut, Resignation. Kurze Zeit
darauf wurde er in einem anderen Unternehmen Vorstandsvorsitzender und sein
Sohn wurde wieder gesund. Da rief er wieder seinen Berater an und sagte: „Nie
möchte ich diese Erfahrung im Nachhinein missen. Das, was ich in dieser Zeit
für mein Leben lernte, war mehr als die vielen Jahre in erfolgreicher
Geschäftsführung.“
Dieser Berater
war Johannes Czwalina aus Basel. Er ist einer der erfolgreichsten Management-
und Unternehmensberater im deutschsprachigen Raum. Er berät Spitzenmanager und
Firmen im gesamten deutschsprachigen Raum. Er ist seit vielen Jahren Christ,
aber das hat ihn nicht vor tiefen Lebenskrisen bewahrt. Seine Ehe ist
gescheitert und vor über 10 Jahren wollte er seinem Leben ein Ende setzen – aus
lauter Verzweiflung und nur ein Wunder Gottes hat ihn davor bewahrt.
Dieser Johannes
Czwalina geht jeden Monat ein- bis zweimal zu einer Beerdigung von wildfremden
Leuten. Er sagt, die Begegnung mit dem Tod und der Trauer holt ihn immer wieder
auf den Boden zurück. In Psalm 90,12 steht: „Lehre uns bedenken, dass wir
sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Es kam einmal ein Bericht über
ihn im Schweizer Fernsehen und ein Manager auf Zürich schrieb ihm darauf hin
eine Karte und sagte: „Unsere Friedhöfe sind voll von unentbehrlichen
Managern.“
Ich kann das als
Pfarrer bestätigen: Auf den Friedhöfen und in den Trauergesprächen kann man
viel fürs Leben leben.
Bsp. Professor an
einer Eliteuni in den USA bittet seine Studenten, eine Woche lang mit folgender
Übung zu leben: „Nehmen Sie an, Sie hätten nur dieses eine Semester zu
leben. Während dieses Semesters sollen Sie als Student an der Uni bleiben. Stellen
Sie sich vor, wie Sie dieses Semester verbringen würden und führen Sie über
diese Zeit Tagebuch.“
Während dieser
Woche geschah etwas merkwürdiges. Die Studenten fingen an, ihren Eltern zu
schreiben. Sie versicherten sie ihrer Liebe, Zuneigung und Wertschätzung. Sie
versöhnten sich mit Geschwistern und Freunden, wo die Beziehung in der Krise
war. Der Tenor ihres Handelns waren Maßnahmen der Liebe. Alles war bestimmt vom
Gedanken des baldigen Todes. Plötzlich wurden ganz neue Werte für ihr Leben
bestimmend.
Da klärt sich auch noch einmal diese Frage, was wirklich glücklich macht. Wie finde ich Glück mit mir selbst?
In der Bibel,
genauer im Römerbrief des Apostels Paulus steht dieser eine Satz: „Nachdem
wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott
durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Und weiter heißt es: „Gott erweist seine
Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder
waren.“
Unser Glück besteht in der Liebe Gottes, der uns ganz
voraussetzungslos liebt und annimmt. Das einzige was unser Leben tragen kann
und ihm einen festen Halt verleiht ist die Erfahrung der bedingungslosen Liebe,
der vorbehaltlosen Anerkennung meiner Existenz. Ohne die Zusage, dass ich
jenseits meines Aussehens, jenseits meines Reichtums, jenseits meiner Titel und
Leistungen bedingungslos angenommen bin, wird unser Leben immer ungeborgen
bleiben.
Es ist doch bei uns nicht anders als bei Kindern. Kinder entwickeln ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein doch nicht über ihre Leistungen, sondern über die zugesprochene und erfahrene Liebe ihrer Eltern.
Umgekehrt wird ein Kind, das diese Liebe nicht erfahren hat, sich diese Liebe immer verzweifelt mit seiner Leistung verdienen wollen – und es doch nicht können. Es wird immer ungeborgen sein.
Was unserem Leben Glück und Geborgenheit verleiht, ist das Wissen und die Gewissheit, dass ich ein geliebtes Kind meines himmlischen Vaters bin.
Und wer sich geliebt weiß, der kann bescheiden bleiben, der kann auch gelassen und getröstet bleiben, komme was da wolle.
Karl Barth in
Harvard: Was ist die erhabenste Erkenntnis, die sie in Ihrem Leben gemacht
haben.
“Jesus
loves me, yes I know, cause the bible tells me so!”
Ich wünsche
Ihnen, dass Ihnen irgendwann einmal in ihrem Leben dieselbe Erkenntnis
geschenkt wird.
Volker Gäckle, Studiendirektor
Albrecht Bengel Haus, April 2005
13. 4.2005 JH/ZT