HORIZONT - der etwas andere Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 17.10.2004 :

Thema: Sind wir noch zu retten?

Einleitung zum Thema von Jürgen Hausmann:

Sind wir noch zu retten ? Das frage ich mich persönlich schon seit einiger Zeit. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere in der Zeitung.

Der Karstadt-Quelle Konzern: Schwere Managementfehler führen den Konzern in den Ruin. Der verantwortliche Ex-Karstadt-Boss Wolfgang Urban, erhält für seine Fehlentscheidungen im März eine Ablösesumme von 10 M€. Jetzt müssen 5500 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Der Opel Konzern: Vor ein paar Tagen kam die Nachricht von General Motors, dass bei Opel in Europa 12.000, davon in Deutschland etwa 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Was passiert mit den vielen Familien, die dadurch auf eine Krise zusteuern ? Solide gewachsene Konzerne scheinen in sich zusammenzufallen.

Ich selbst arbeite in einer Firma mit weltweit etwa 30.000 Mitarbeitern. Seit Jahren wird mehr und mehr die Produktion von Deutschland und USA weg nach Asien verlagert. Das scheint, Vorteile zu bringen, zumindest, wenn man nicht genauer hinsieht. Noch etwas krasser hat vor Kurzem einer meiner Kunden seinen Mitarbeitern gedroht, 3000 Arbeitsplätze in der Forschung und Entwicklung in Deutschland abzubauen und diese Arbeitsplätze in Tschechien mit tschechischen Ingenieuren aufzubauen. Wie hätte uns das getroffen? Wir als Steuerzahler hätten die Arbeitslosengelder für die 3000 deutschen Ingenierure bezahlen müssen. Wir hätten über EU-Gelder die Ingenieure in Tschechien subventionert. Sind wir eigentlich noch zu retten ?

Reden wir über unser Eheglück. Derzeit werden etwa 214 Tausend Ehen pro Jahr geschieden. Von den vor 20 Jahren geschlossenen Ehen sind über die Hälfte der Ehen geschieden. Die Muster, die zu den Scheidungen führen, sind fast immer die gleichen. Männer und Frauen sind so unterschiedlich, dass sie meist nicht richtig miteinander kommunizieren können. Für ein Auto, sogar für ein Mofa brauchen wir einen Führerschein. Wir müssen theoretischen und praktischen Unterricht nehmen und eine Prüfung ablegen. In eine Partnerschaft, die weitaus komplizierter sein kann, gehen wir unvorbereitet hinein. Sind wir noch zu retten ? Was tun wir unseren Kindern damit an ?

Ansprache von Pfarrer Stefan Hermann :

Sind wir noch zu retten - Horizont am 17.10.04

Sind wir noch zu retten? Wir – ja wir? Also auch Sie und ich?

Ich weiß nicht, wie oft Ihnen dieser Spruch schon über die Lippen gekommen oder durch die Gehirnwendungen gedrungen ist: „Ja, ist denn der noch zu retten?" Und die Antwort ist eigentlich schon von vornherein völlig klar: Nein!

Ganz schön mutig deshalb, dass Sie heute hierher gekommen sind. Denn unsre Frage, der wir uns stellen, unsre Frage zielt ja diesmal nicht auf andere, die mal so nebenbei ne Meise verpasst bekommen. Nein, die Frage zielt auf uns – auf Sie und mich.

„Sind wir also noch zu retten?" Wir, ja wir? Ganz ehrlich, manchmal frag ich mich das tatsächlich – durchaus mit einem Unterton. Kein Wunder, bei dem, was man tagaus, tagein serviert bekommt – durch den Äther, per Kabel oder via Satellit. „Bad news are good news", die Klaviatur der Medien bietet allerhand. Nicht nur sex sells, sondern auch Gewalt. Nachrichten als Horror-Gruselkabinett, als ob wir nicht schon die Nase voll davon hätten. Hauptsache die Quote stimmt. Und wir schalten trotzdem ein. Was kann denn einen Seemann noch erschüttern? Betroffenheit ist oft von kurzer Dauer, solange man nicht selbst betroffen ist.

Und dann gibt’s da noch ne Menge Dinge, bei der sich anscheinend auch die Frage stellt, ob das alles noch zu retten ist. Dem Internet sei Dank: „Ist die Kindheit noch zu retten?", fragt da jemand ernsthaft – sicher nicht ganz falsch. Und wie sieht’s bitteschön mit der Großtrappe aus, mit der ostdeutschen Platte, dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, dem Sozialstaat, den Parteien und so weiter und so fort?

Auch Patentrezepte findet man zuhauf. Tipps a la „Erde retten leicht gemacht", „Rettung ist möglich, Politik von unten! Alles liegt an uns, an wem denn sonst!" Oder, so der gute Rat eines sogenannten Starökonomen namens Walter Sinn – wohl nicht immer ist ein Name auch Programm: „Weniger Geld fürs Nichtstun, die Zuwanderungsmagneten abschaffen, mehr Geld für Jobs, mehr Kinder mehr Rente, mehr Fortschritt". Parolen wie aus einer anderen Zeit. Romantisch, powervoll die einen: „Frisch, fromm, fröhlich zugepackt! Wir verändern, verbessern die Welt!", „Friss oder stirb!", die anderen. „Soll ich meines Nächsten Hüter sein! Der Stärkere gewinnt. Sankt Florian, Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an!"

Weit weniger optimistisch sieht die Prognose eines anderen Zeitgenossen aus – nachlesbar im world wide web: "Der Mensch rottet die Erde aus, verändert die Umwelt, zerstört die Ökosysteme, verändert global das Klima und gefährdet damit nicht nur die Natur, sondern sich selbst. Was ist die Wurzel des Übels? Zum einen die immer steigende Bevölkerung. Je mehr Menschen es gibt, desto mehr Nahrung brauchen sie, desto mehr fossile Brennstoffe. Zum anderen ist es die menschliche Kurzsichtigkeit oder Unfähigkeit, über längere Zeiträume oder in nicht linearen Zusammenhängen zu denken... Ich bin pessimistisch und glaube nicht, dass wir zu retten sind!"

Was nun? Der Mensch als Wurzel allen Übels oder als Retter? Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Sind wir noch zu retten? Hilft wirklich nichts mehr anderes als Galgenhumor a la: „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Volle Fahrt voraus auf das nächst beste Riff. Ich hab alles im Griff auf dem sinkenden Schiff!" Oder so etwas wie eine Inkompetenzkompensationskompetenz, wie ein Philosoph unsrer Tage sagt, die Fähigkeit, unsre Unfähigkeit zu vertuschen, die Einsicht, dass tatsächlich nichts mehr hilft – verdeckt durch ein feuchtfröhliches: Weiter so! "Freu dich des Lebens, solange das Lämpchen noch glüht!" So eine Art romantisches Candlelight-Dinner auf der sinkenden Titanic. "Freu dich, schöner Götterfunken, bald kommt das Delirium!" Eine Art Neubelebung des barocken Sinnspruchs "Carpe diem! Genieß das Leben!", freilich ohne die andere Seite der Medaille, das "Memento mori! Denke dran, dass du sterben wirst!" Dunkle Seiten werden ausgeblendet. Hochglanzbroschüren mit Glitter, Glanz und Gloria lesen sich halt besser als Todesanzeigen in schwarz-weiß.

Oder ist die Antwort auf die Frage, ob wir noch zu retten sind, ist das alles nur eine Frage der richtigen Brille. Ein Fall für den Optiker sozusagen. Ganz nach der beliebten Devise: Für den Pessimisten ist das Glas halb leer, für den Optimisten halb voll. Prinzip Hoffnung als Medizin gegen die bittere Pille der Wirklichkeit.

"Ich glaube, die Welt wird sich von selbst retten", formuliert ein Student im Chatroom hoffnungsfroh. "Ich glaube, die Welt wird sich von selbst retten. Hat sie ja bisher noch immer getan." Und ein nicht weniger optimistischer Zeitgenosse fügt hinzu "Irgendwas überlebt immer. Vielleicht nicht der Mensch, aber die Natur und das Leben selbst sind unzerstörbar. Und wenn die Menschheit sich selbst zugrunde richtet: Bitte, dann war das eben ein ast der Evolution, der sich nicht durchgesetzt hat. Kein Grund zu jammern, die Dinosaurier haben's auch nicht ewig gemacht. Ich finde es auch irgendwie beruhigend, dass das Leben selbst zumindest überleben wird und das Universum nicht irgendwann nur aus toter Materie besteht."

So weit, so gut - vielleicht! Doch was, wenn uns ein Mann wie Erich Kästner schonungslos das letzte Quäntchen Hoffnung nimmt, das letzte Stücklein "heile Welt". "Durch rosarote Brillen", sagt er, "sieht die Welt rosarot aus. Das mag ein hübscher Anblick sein, aber es handelt sich um eine optische Täuschung. Es liegt an der Brille und nicht an der Welt. Wer beides miteinander verwechselt, wird sich wundern, wenn ihm das Leben die Brille von der Nase nimmt!"

Gedanken, über Gedanken - und wieder bleibt nur eines: allgemeine Verunsicherung. Noch immer steh ich da als armer Tor und bin so klug als wie zuvor! Ratlosigkeit, ob wir denn wirklich noch zu retten sind, und – wenn ja - welches Rezept dann denn nun wirklich hilft.

Rezepte bietet uns der Markt der Möglichkeiten mehr als genug – ein riesiger Bauchladen zum Zugreifen für den König Kunden. Greifen wir einmal drei davon heraus – vermutlich kennen Sie das eine oder andere – aus eigener Erfahrung:

Das erste, das genüsslich und erfolgreich feilgeboten wird: Das Ölgötzen-Modell. "Es kommt eh, wie's kommen muss. Deshalb hilft nur wirklich eines: Hände in den Schoß. Abwarten und Tee trinken. Starren wie die Ölgötzen!", so die freundliche Empfehlung. Risiken und Nebenwirkungen natürlich unbenannt. Das Ölgötzen-Modell.

Und dann gibt's dazu noch die leichte Variante. Das Scheuklappen-Modell. Frei nach dem alten Weisheitsmotto der drei Affen: "Am besten: Ich seh nichts, hör nichts, sage nichts! Ich tu halt so, als ob nichts wäre. Weiter so! Augen zu und durch!" Das Scheuklappenmodell - nicht weniger heiß begehrt. Auch wenn’s nicht immer funktioniert.

Und das dritte namens Don Quichote: "Jetzt erst recht. Hurra, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Anti-Frust-Produkt!", auch wenn's gegen Windmühlen geht. Das Don Quichote-Modell - buchstäblich ein Renner mit abnehmender Tendenz.

Ölgötze, Scheuklappen, Don Quichote - lauter nette Angebote. Jedes auf seine Weise attraktiv - auch in frommen Kreisen. Und doch hat jedes seinen Haken:

+Resignation a la "Ölgötzen-Modell" macht blind für das was, trotzdem möglich ist. Wer immer im Sessel hocken bleibt, wird schnell verhockt und völlig unbeweglich.

+Die Ignoranz der Marke "Scheuklappen" übersieht die Wirklichkeit, gaukelt falsche Tatsachen vor, eine scheinbar heile Welt, Selbstbetrug hoch fünf.

+Und der flotte "Don Quichote" übersieht geflissentlich die eigenen Grenzen. Und das Ende vom Lied: Aus Lust wird irgendwann mal Frust. Punktlandung bei Modell "Ölgötze" garantiert.

Gott sei Dank! Gibt’s noch ein anderes Rezept, eines, wie’s im wahrsten Sinn des Worts im Buche steht. Weniger pathetisch als die anderen drei Modelle, ich geb’s zu. Aber nicht weniger leidenschaftlich, engagiert. Eine Mixtur aus Tun und Lassen sozusagen – von wegen Hände in den Schoß! Augen zu und durch!" und „Jetzt erst recht!"

Sorge dich nicht, lebe!", heißt die erste Medizin. Ein Kreislaufmedikament sozusagen - gegen den ewigen Kreislauf, dass ich ständig um und für alles selber sorgen muss. Gegen das Herzkaspersyndrom, weil wir ständig innerlich und äußerlich auf Achse sind. Workoholics in Sachen Sorge bis zum burn out. „Mach dir keine Sorgen um deinen Lebensunterhalt", sagt da einer einfach so. „Leben ist mehr als Essen und Trinken. Und der Mensch ist mehr als seine Kleidung!"

Und der das sagt, dessen Name ist Programm: "Jesus" heißt der in der Sprache der damaligen Zeit - auf deutsch schlicht und einfach nur: "Gott hilft!" Und eben dieser "Gott hilft", dieser Jesus fügt dann noch hinzu - so als ob er's uns beweisen müsste: "Schaut doch auf die Vögel - sie säen nicht, sie sammeln auch keine Vorräte. Und schaut doch auf die Blumen. Sie arbeiten nicht, und doch sind sie wunderschön! Wenn Gott für diese Vögel und für diese Blumen sorgt, wenn die ihm so sehr wichtig sind, weshalb macht ihr euch dann noch Sorgen. Lasst es euch sagen, lasst es euch gesagt sein: Euer Vater im Himmel sorgt für euch. Traut ihm doch einfach etwas zu! Vertraut ihm! Schenkt ihm euer Vertrauen. Dann wisst ihr, dass ihr noch zu retten seid. Denn dann wisst ihr: Gott sorgt für euch!"

Sorge dich nicht, lebe. Lebe im Vertrauen: Es ist für dich gesorgt! Gott sorgt für dich! Sorge dich nicht, lebe! Nicht in der Angst, ob da noch was zu retten ist, nicht in Zukunftsangst, sondern in Zuversicht. In der Zuversicht: Gott kommt und nicht das Nichts - das ist Zukunft: Gott kommt auf dich zu!

Und der Apostel Paulus unterstreicht das noch, wenn er uns sagt: "Ihr seid nicht mehr zu retten - weil ihr schon gerettet seid. Jawohl, ihr seid gerettet - hier und heute, jetzt!" Wieder hat diese Rettung einen ganz konkreten Anhaltspunkt. Wieder macht sich diese Rettung an einem ganz konkreten Punkt fest - an der Hoffnung! Ganz genau nämlich sagt er uns: "Ihr seid zur Hoffnung hin gerettet!" Und hinter diesem Passiv ""ihr seid" steckt wieder das gleiche Subjekt wie bei dem, was Jesus sagt: Gott!

Und doch ist dieser Paulus kein Traumtänzer, kein Utopist. Trotzdem sieht dieser Paulus der sogenannten Wirklichkeit ins Auge. Er verschweigt nämlich nicht, wie's um uns steht und diese Welt. Nur ein paar wenige Worte vorher spricht er sogar davon, dass die ganze Schöpfung stöhnt und seufzt, ja dass sie darauf wartet, endlich von der ganzen Last der Vergänglichkeit befreit zu werden. Und er verschweigt auch nicht, dass Menschen, die Gott vertrauen, immer wieder an ihre Grenzen kommen, ja sogar keine Worte mehr finden, wie sie mit Gott reden sollen. Doch gerade dann, so Paulus, gerade dann steht Gott auf unsrer Seite, gerade dann hilft uns dieser "Gott hilft!", der selbst einmal geschrien hat: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" Gerade in unsrem Seufzen und Stöhnen, gerade wenn wir verzweifelt fragen, ob wir noch zu retten sind, gerade dann gilt uns Gottes Sympathie. Gerade dann sind wir Gott höchst sympathisch. Gerade dann leidet Gott mit uns - das heißt nämlich Sympathie: Miteinander durch dick und dünn gehen, nicht nur in den Hochzeiten des Lebens, sondern auch ganz unten, in den Krisen, wenn alles zwischen den Händen zu zerrinnen droht. Gerade dann sagt Gott: You never walk alone. Du bist nie allein, gar nie - weil wir Freunde für's Leben sind. Unzertrennlich, felsenfest.

Deshalb sind wir sogar dann noch zu retten, wenn wir ganz am Ende sind, sogar am Ende unsres Lebens. Weil Gott sogar dann noch helfen kann und hilft. So wie's uns ein Kinderschimpfwort eigentlich ganz hilfreich ins Stammbuch schreibt - vermutlich kennen Sie's: "Angsthase, Pfefferhase, morgen kommt der Osterhase!" Denn nicht nur Pfeffer hilft einem Angsthasen auf die Beine, der verhockt in der Ecke hockt, sondern erst recht Ostern - auch wenn der Osterhase dazu eigentlich gar nicht passt. Denn Ostern, der Auferstehungstag des jämmerlich gekreuzigten "Gott hilft!", Ostern ist der Hoffnungstag schlechthin. Der Tag, der überdeutlich zeigt: "Ja, wir sind immer noch zu retten! Wir sind gerettet! Wir haben allen Grund zur Hoffnung. Gott hat's uns gezeigt: Am Ende steht nicht das Nichts! Nein, am Ende steht das Leben. Das Leben, das Gott selbst ist und gibt! Am Ende steht Gott mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Wir sind noch zu retten! Wir sind gerettet - ja! - durch Gott!"

Und diese Hoffnung setzt ungeahnte Kräfte frei. Diese Hoffnung, die belebt! Diese Hoffnung macht dynamisch, voller Energie!

Auf diese Reihenfolge kommt es an: Nicht ich bin der Retter dieser Welt. Nicht auf mein Tun und Lassen kommt es an, ob wir noch zu retten sind. Sondern auf das, was Gott getan hat und tut. Auf diesen "Gott hilft!", diesen Jesus, den Retter der Welt. Eine Entlastung sondersgleichen. Nicht ich bin der Nabel dieser Welt, aber auch nicht andere, die so gerne Nabelschau halten. Sondern Gott. Der Gott, der uns einlädt: "Sorge dich nicht, lebe! Lebe im Vertrauen auf mich! Lebe im Vertrauen darauf: Es ist für dich gesorgt. Ich sorge für dich. Du bist gerettet. You never walk alone!"

Nicht umsonst ist der Sonntag für uns Christen der erste Tag der Woche. Als wichtiges Zeichen: Alle Arbeit fängt mit Ruhe an! In der Ruhe liegt die Kraft. Als wichtiges Signal: Die Woche beginnt nicht mit dem Alltag und seinen Sorgen, sondern mit dem Hoffnungstag, dem Tag der Auferstehung Jesu. Dem Tag, der überdeutlich macht: "Ihr seid, du bist gerettet! Mensch, es gibt Grund zur Hoffnung! Deshalb: Gib dich nicht auf! Deshalb: Lebe nicht, um dich zu sorgen. Sondern umgekehrt: Sorge dich nicht, lebe! Lebe, arbeite, handle nicht aus deiner Kraft, sondern aus der Kraft, die Gott dir schenkt! Aus der Dynamik des Vertrauens: "Ich bin gerettet! Gott sorgt für mich - jeden Tag - bis an das Ende dieser Welt!"

"Sind wir noch zu retten?", hatten wir gefragt. Und die unterschiedlichsten Antworten erhalten. Die meisten hinterließen nichts als Ratlosigkeit, als Aporie. Nur ein Stichwort, so das Ergebnis, nur ein Stichwort hilft uns bei der Frage wirklich weiter: das Stichwort, die Lebenshaltung: "Gott vertrauen" Weshalb?

Weil das Vertrauen beides in sich trägt: die Ruhe und die Kraft, das Nehmen und das Geben. Jenseits von verhockter Ölgötzenmentalität, die sich einem blinden Schicksal ausgeliefert fühlt. Jenseits von Scheuklappenmodellen a la: "Augen zu und durch!". Aber auch jenseits von blindem Aktionismus a la Don Quichote, der sich am Ende doch nur aufreibt und verzehrt - bis zum Umfallen, ganz wörtlich gemeint.

Vertrauen weiß: "Es ist für mich gesorgt! Ich, mein Leben, diese Welt hat Zukunft, weil Gott zu mir, zu uns gekommen ist und kommt! Wir sind gerettet - zur Hoffnung hin!"

Vertrauen schöpft aus dieser Ruhe Kraft. Und schenkt zurück, sich selbst. Wer solches Vertrauen selbst erfährt, kann wieder selbst vertrauen. Nur wer für sich gesorgt weiß, kann für andre sorgen. Ein solches Vertrauen, eine solche Liebe, eine solche Gelassenheit setzt ungeahnte Kräfte frei, ohne sich dabei zu verzehren.

Allein schon das wäre Rettung genug! Allein schon das, wäre Antwort genug, auf die Frage: "Sind wir noch zu retten?" Doch Gott gibt noch einen drauf, nämlich sich selbst: den Retter mit dem Namen, der Programm ist: "Gott hilft!" Er und nur er, dieser Jesus, dieser Name ist die Rettung. Die eindeutige Antwort auf die Frage, ob wir noch zu retten sind. Die eindeutige, unzweideutige Antwort: "Ja, du bist gerettet. Deshalb: Sorge dich nicht, sondern lebe! Gott hilft! Amen

 

Pfarrer Stefan Hermann, Oktober 2004

 

 

 

20.10.2004 JH/ZT

 

 

 

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