HORIZONT
- der etwas andere Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 18. 7.2004 :Thema: Nach mir die Würmer !
Einleitung zum Thema von Jürgen Hausmann:
Nach mir die Würmer ! ? Wir haben ein ! und ein ? dahinter gesetzt.
Nach mir die Würmer !
Welche Lebenseinstellung verbirgt sich dahinter ? Ich kann hier tun und lassen, was ich will, nach mir die Würmer!
>> Totale Freiheit!
oder: Ich kann hier sowieso nichts bewirken, nach mir die Würmer!
>> Totale Resignation!
oder: Nach mir die Würmer! Und dann will ich meine Ruhe haben! Die Ewigkeit ist nur was für Weicheier, die die Wahrheit nicht ertragen können. Ich kann es selbst kaum mehr glauben, doch das war meine Einstellung noch vor 9 Jahren. Heute kann und will ich das gar nicht mehr wahrhaben.
Nach mir die Würmer ? Soll das schon alles gewesen sein ? Was ist der Sinn meines Lebens ?
Ein Leben lang schuften für ein Häusle und ein paar Wochen Urlaub im Jahr und dann die Würmer ? -- Soll das wirklich der Sinn unseres Lebens sein ? Ich denke, wir werden da heute noch einige Anregungen bekommen.
Abschrift der Ansprache von Andreas Malessa :
Unterhalten sich zwei Angestellte in der Firma: Sagt die eine: „Hast du auch gehört, unser Abteilungsleiter ist gestorben?" „Ja furchtbar tragisch, aber wer war der andere?" „Wie, welcher andere?" „Ja, mit unserem Abteilungsleiter?" „Wie mit unserem Abteilungsleiter?" „Ja, da ist auch einer gestorben!" „Nein!" „Doch! In der Todesanzeige stand: Mit ihm verloren wir einen unserer besten Mitarbeiter!"
Dass es ein Leben nach dem Tod gibt, das müssen wir glauben, aber wir wissen es nicht genau! Dass wir sterben müssen, das wissen wir ganz genau, aber wir können es nicht glauben.
Die Frage ist doch zu tiefst, ob niemand von Ihnen jemals einen Zweifel daran gehabt hat, wenn Christen so ohne weiteres sagen: „Es gibt ein Leben nach dem Tod!" Und sehr modisch ist es ja geworden zu sagen: „ Ach ne, also das ist mir alles zu kompliziert mit diesem Sterben und Auferstehen im christlichen Glaube, dann doch lieber Buddismus, die Ewige Wiederkehr." Der Kreislauf der Elemente: Immer wieder wenn meine Frau den Autoschlüssel sucht, sage ich:" Unser Chemielehrer hat gesagt, auf der Erde geht kein Stoff verloren, es kommt alles irgendwie mal wieder!" Und wenn man sich dann mit dem Buddismus beschäftigt, stellt man fest, der ganze Sinn und Zweck des Buddismus, der gar keine Religion ist, sondern eine Lebens- und Denkweise, eine atheistische ohne Gott und Gegenüber, man ist mit sich allein. Wenn man sich damit beschäftigt stellt man fest, deren höchstes Ziel ist es, genau diese Ewige Wiederkehr zu durchbrechen. Riesiges Missverständnis, Vietnamesen und Leute aus Sri Lanka lachen sich kaputt, wenn sie westliche Buddisten hören, als wäre das erstrebenswert. Nein, das Nirwana sei erstrebenswert! Und weil die Zweifel, wenn Sie ehrlich sind, natürlich da sind. Wer garantiert das denn, dass es ein Leben nach dem Tod gibt? Und weil die Alternativen so wenig handfest sind, weder Esotherik noch Buddismus können bessere Antworten geben, deshalb ist der Gedanke an das eigene Sterben müssen, sehr sehr unerträglich und wir schieben ihn gerne vor uns her, schieben ihn weit weg, weshalb ich nochmal erstaunt bin, dass an einem sonnigen Sonntag Nachmittag so viele sich mit dieser Frage beschäftigen. Meistens schieben wir es weit weg!
Sagt die Kundin in der Buchhandlung: „Ich hätte gerne ein Mitbringsel für einen Krankenbesuch, was können Sie mir empfehlen?" Sagt die Buchhändlerin: „Darf´s was religiöses sein?" „Ach nee danke, es geht ihr schon wieder besser!"
Vor 50 Jahren gab es zwei Tabus, über die sprach niemand oder öffentlich sowieso nicht. Das war Sex und Sterben! Das erste Tabu ist leidlich enttabuisiert und zwar so doll, dass es uns schon wieder zum Hals raushängt und man beim Blick ins Fernsehen, Medien, Kino und Zeitschriften am liebsten sagen würde: „Können wir auch mal irgendeine Woche mal nicht über Sex reden?"
Aber das Sterben ist immer noch tabuisiert. Thema Nr. 2 aus den 50ziger Jahren scheint immer noch tabuisiert zu sein und wenn, dann oberflächlich drüber sprechen.
Der Gedanke an die eigene Endlichkeit ist unerträglich, da ich nicht weiß, wann das Ende kommt und täglich an einem unsichtbaren Abgrund entlang zu laufen ist ein schrechlicher Gedanke und übt ungeheuren Druck auf die Sinnhaftigkeit und Effizienz des Lebens aus. Wenn ich nicht weiß wie lange ich lebe, dann muss es jeder Tag aber bringen. Carpe diem, nutze den Tag! Nichts dagegen! Aber herausgekommen ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen, ein Leben nach dem Motto: Ich will alles und zwar sofort!
Das geht aber nicht, denn wenn man die Maximalforderung stellt, in minimaler Zeit, kommt Null dabei raus! Und das ist der Lebensfrust vieler Jugendlicher!
Programme, die uns über Kulturveranstaltungen in einer Großstadt informieren, informieren uns ja nicht nur über all das, was es möglicherweise alles gibt, sondern sie machen uns auch Angst, was wir möglicherweise alles verpassen!
Manchmal sagt meine Frau, wenn ich mir anschaue, was heute alles in Stuttgart läuft: „Da bleiben wir am besten zu Hause!"
Ein ungeheurer Druck auf die Sinnhaftigkeit und den Lebensgenuss. Der heutige Tag muss es bringen, als hätten wir Hummeln im Hintern, als stünden wir unter Zeitdruck.
Milan Kundera schreibt in seinem Buch: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, (Wir SWR-Stuttgart Mitarbeiter sagen natürlich immer, die unerträgliche Seichtigkeit in Mainz) aber gemeint ist natürlich die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. In diesem Roman gibt es den Satz: Wir sind wie Schauspieler, die ohne Text und Drehbuch auf die Bühne gestoßen wurden. Wir wissen unsere Rolle nicht, aber alles muss sofort klappen, denn die Generalprobe ist gleichzeitig die Premiere und es gibt nur eine Aufführung. Sie heißt:
Mein Leben!
Wir haben keine Stichworte, kein Drehbuch, kennen unsere Rolle nicht, aber alles muss sofort klappen, denn die Generalprobe ist die Premiere und es gibt nur eine Show, die heißt mein Leben! Ich hab nur eins! Und alles soll sofort klappen? Jetzt verstehen Sie, warum manche Menschen in der Mitte ihres Lebens aus allem ausbrechen. Den Beruf hinschmeißen, nein, erst die Frau hinschmeißen, dann den Beruf hinschmeißen, und sagen: „Können wir nochmal bei Null anfangen, Herr Regisseur? Bis jetzt war´s nicht so. Ich möchte nochmal. Alles auf Anfang, bitte Licht aus!"
Das geht nicht! Denn der Sand im Stundenglas rieselt unerbittlich weiter. Deshalb ist die Frage dringend und Sie hatten natürlich Recht herzukommen.
Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Und deshalb ist die Antwort der Christen auch provozierend. Denn ich muss Ihnen als Christ sagen:
„Nein, ES gibt kein Leben nach dem Tod! ER gibt ein Leben nach dem Tod!"
Und das ist keine Haarspalterei, denn es gibt ein Leben nach dem Tod, wäre ein Naturgesetzt. Das kann ich Ihnen aber nicht beweisen. Niemand kann das. Und Naturgesetze sollte man normalerweise beweisen können. ER gibt ein Leben nach dem Tod. Das ist Gnade. Das Gegenteil von Natur. Woher weiß ich das, dass Gott ein Leben nach dem Tod gibt? Es ist ja noch keiner von drüben wiedergekommen!, sagt der Volksmund. „Doch!", sage ich als Christ. EINER! Aber eben auch nur einer und an den muss ich mich halten!
Die Frage: Gibt er mir ein Leben nach dem Tod? Wir werden immer präziser, merken Sie das?, hängt an der Frage: Ist Jesus auferstanden oder nicht?
Ein allgemeines Leben nach dem Tod kann Ihnen niemand beweisen, auch ich nicht!
Dass Gott Ihnen ein Leben nach dem Tods schenkt, hängt aber an der Frage ob Jesus auferstanden ist oder nicht. Nämlich ob er Sie mit in dieses ewige Leben zieht oder nicht! Und jetzt kann man sagen: „Oh, das ist doch nicht so wichtig, ob Jesus auferstanden ist oder nicht. Ja, das ist halt eine Glaubensfrage." Nein! Das ist die entscheidende Frage! Es ist doch ein Unterschied ob sich Millionen Christen an jedem Sonntag Morgen nur im Gedenken an einen großartigen Verstorbenen versammeln, dann können wir auch eine Goethegemeinschaft machen oder Moerike ist ja gerade ganz doll in. Dann treffen wir uns einfach und denken an wichtige Menschen, von denen wir aber definitiv wissen, dass sie mausetot sind. Oder ob wir die Gegenwart eines real erfahrbaren Anwesenden feiern. Das kann nicht private Einstellungsfrage sein, nach dem Motto: Kann´ste halten wie der Klemptner den Hammer! Es geht nämlich um Sinn oder Unsinn vom Christsein überhaupt.
Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist unsere Predigt leer und wir sind Lügner!, sagt Paulus. Mehr noch, wir sind bejammernswerter als alle anderen Menschen.
Warum? Weil wir einer Illusion nachgelaufen sind.
Ich möchte weder als Lügner noch als Illusionär vor Ihnen stehen und deswegen meine Einladung, die Frage ob wir berechtigter Weise auf ein Leben nach dem Tode hoffen können oder nicht, hängt davon ab, ob Jesus auferstanden ist oder nicht. Und da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten der Untersuchung.
Also, ich gehe erstens als Naturwissenschaftler ran und sage:
Ein vorher oder nachher feststellbaren ähnlichen Fall gibt es nicht. Naturwissenschaft vergleicht ja immer. Also ist vorher schon mal jemand vom Tode auferstanden? Nein! Können wir ein Experiment machen? Wer möchte sich zur Verfügung stellen? Auch nicht! Also die Naturwissenschaft sagt: Nein! Gut, dann gehe ich halt als Archäologe, als Historiker ran!
Was fragt eine Archäologe immer zuerst? Wo ist das Grab?
Tja, Pech! Wo ist das Grab? Die Ortsangaben des Neuen Testamentes in der Bibel sind seit dem Umbau Jerusalems unter Kaiser Hadrians 130 n. Chr. wertlos geworden. Den Stadtplan können Sie vergessen. Im 2. Jahrhundert verblasst die Erinnerung an das Grab Jesu vollends. Und als 324 n. Chr. unter Kaiser Konstantin es nicht nur legal sondern auch gesellschaftlich schick wird, Christ zu sein,. Als der so richtig im Trend liegt, da entdeckt man plötzlich die Grabeshöhle unter dem Jerusalemer Venustempel wieder und weiht sie 335 mit großem Pomp und Getöse ein. Also da muss man gar kein Journalist sein, um da skeptisch zu fragen ob das wirklich, na nichts gegen schöne große Tempel, wo die Touristen na.., aber die Taxifahrer in Jerusalem fragen heute noch die Touristen, zu welchem Grab Jesu darf ich Sie fahren?
Ich gehe drittens, wenn das als Naturwissenschaftler nicht klappt und als Archäologe nicht klappt, als Kriminalist ran.
Na klar. Was fragt ein Kriminalist als erstes? Wer sagen die Zeugen?
Über 500 sollen es ja gewesen sein, laut Neuem Testament! Über 500, die den Auferstandenen gesehen haben. Tja, aber jetzt kucken wir mal im Matthäusevangelium, Markusevangelium, Lukasevangelium, Johannesevangelium und dann noch ein Kapitel bei Paulus. Wurde der Tonnenschwere Grabstein in Gegenwart der Jüngerinnen entfernt oder fanden sie ihn bereits weggerollt vor? Waren eine, zwei oder drei Frauen am Grab? Waren Petrus und Johannes schon dabei oder nicht? Saß ein Engel in der geöffneten Gruft oder traten zwei Engel erst später hinzu?
Fand die erste Begegnung mit dem Auferstandenen noch am Grabe statt, auf dem Weg nach Jerusalem oder erst später in Galiläa? Bitteschön, jede dieser Versionen wird in der Bibel erzählt! Und das brauchen wir als Christen auch gar nicht zu verheimlichen, wie das mit Zeugenaussagen so ist. Ja.
Horst Tappert. Horst tappert im Dunkeln! Rührt glubschäugig in der Kaffeetasse und sagt: „Harri, so kommen wir nicht weiter!"
Also, versuche ich Nummer vier. Eine vergleichende Religionswissenschaft und sage. Ja, das ganze spielt ja im Judentum. Elia, der Mann Gottes, der Prophet, der ist doch irgendwie mit einem feurigen Wagen am Tod vorbei in den Himmel gefahren. Und auch der Henoch, da hat man kein Grab gefunden. Und nun erwarten fromme Juden das Wiedererscheinen großer nichtverstorbener Propheten. Aha, da vermute ich mal, der fromme Jude hoffte also auf solche Erscheinungen. Umgehung des Todes, Rückkehr ins Diesseits, Wiedererscheinung von Toten oder Kontakt mit Toten. Das war für den Tempelbesucher nichts neues. Neu und anstößig an dieser Botschaft Jesus, der Gekreuzigte, den wir doch erst vor drei Tagen grausamst hingerichtet haben, der sei auferstanden. Neu an dieser Botschaft und anstößig ist, dass die Frauen am Grab, Maria und Maria Magdalena, ihn mit dem Gekreuzigten identifizieren. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Die Mädchen dürfen doch eine Erscheinung gehabt haben. Ja aber nichts dagegen, bitteschön! Visionen, Hallunzinationen, Traumgesichte, Wahnvorstellungen oder tatsächliche Erscheinungen, nichts dagegen. Das gibt es im Judentum! Religionswissenschaftlich erklärbar. Anstößig ist, dass sie behaupten, es sei Jesus gewesen. Woher wissen sie das so genau? Die trauernde Maria hält ihn für einen Gärtner, die Emmausjünger halten ihn für einen Wanderer, der gesamte Jüngerkreis hält ihn für ein Gespenst.
Wen haben sie da gesehen, bitteschön? Also was begründet die Kontinuität, also die Durchgängigkeit des gekreuzigten Jesus, zum auferstandenen Christus?
Die Geschichte von der Erscheinung des Auferstandenen im Garten, ist eigentlich die Geschichte von der Interpretation einer Erscheinung. So deuten die zwei Frauen, wen sie da gesehen haben. Und wenn ich ein Pharisäer wäre oder ein römischer Beamter, würde ich sagen, „Woher wisst ihr, dass er es war? So ganz genau habt ihr ihn doch nicht wieder erkannt?" Und jetzt rutschen einige von ihnen schon ganz unruhig hin und her und denken, also bis jetzt hat er nur Argumente gegen die Auferstehung gebracht! Wann kriegt er denn die ganz fromme Kurve?
Jetzt!
Es gibt sehr stichhaltige Argumente und es ist nicht alles nur Nebel und Hoffnung, Nicht deshalb: Ewigkeit ist nur etwas für Weicheier, weil sie die harte Wahrheit nicht wahrhaben wollen, dass wir nun mal nur dieses Leben hätten!
Nein! Es gibt stichhaltige Argumente. Weder Jünger noch jüdische Pharisäer, also die damaligen Gesetzteslehrer, noch römische Beamte, können eine Leiche vorzeigen, obwohl alle drei ein brennendes Interesse daran haben.
Als erstes die Jünger haben ein Interesse daran. Es gibt eine Verfolgung. Jetzt haben wir diesen einen Krakeler niedergemacht, aber Vorsicht, dass jetzt seine Truppe nicht noch weiter..., jetzt müssen wir auch das Feuer ganz austreten. Warum verstecken die sich wohl im Obergemach, auf dem Dachboden und schließen sich ein? Es ist eine Progromstimmung gegen sie. Sie könnten also, wenn jetzt ein Gerücht aufkommt, was nur ein Gerücht ist, Jesus lebt!, sagen: „Nein, nein, jetzt macht mal halblang, halt den Ball flach, natürlich gibt es eine Leiche!" Sie würden sich eine Menge Verfolgung ersparen, wenn sie ihn vorzeigen könnten. Können sie aber nicht!
Zweitens, die Pharisäer. Sie haben einen Gotteslästerer hingerichtet. Jetzt plötzlich heißt es, den gibt´s immer noch. Wart´s mal ab, der predigt da nochmal. Da sagen die: „Jetzt ist aber mal Schluss!", und zeigen die Leiche. Haben sie nicht!
Und im übrigen war Jerusalem nicht so groß, dass nicht eine gut organisierte römische Razzia einen Leichnahm zu Tage gebracht hätte. Die Römer wissen ganz genau, wie gefährlich politische Beerdigungen sind. So doof wie die polnische kommunistische Regierung in den 80´er Jahren, die den Priester Popeljuschko umbrachte und in einen Autokofferraum steckte, so doof sind die Römer noch nie gewesen. Oder die weiße Regierung unter Bota und de Clerk. Jede Beerdigung zu Apartheitszeiten in Südafrika war eine riesige Demonstration und hat neue Anhänger gebracht. So Vorsicht, bevor jetzt neue Anhänger und radikale Fans entstehen, wollen wir aber sagen:" Er ist mausetot und wir behalten die Leiche auch!"
Die Römer können es nicht.
Zweites Argument. Der Trennungsschmerz, der den Frauen eventuell eine Wahnvorstellung vor Augen gemalt hätte, sie konnten es nicht wahrhaben und sehnten sich so sehr danach, und was ich mir lang genug einrede, das sehe ich auch. Der war nicht da. Allen Jüngerinnen und Jüngern war die Begegnung mit dem Auferstandenen zunächst peinlich. Sie waren enttäuscht, sie waren wütend. Drei Jahre ihres Lebens hatten sie investiert, waren ihm gefolgt und jetzt war Pustekuchen. Sie hatten doch drei konkrete Hoffnungen. Dass er die Heiligkeit des Tempels wiederherstellt, dass er das mosaische Gesetz, die 10 Gebote wieder in Kraft setzt und dass er die Römer rausschmeißt. Nichts von diesen drei Dingen ist eingetreten. Alle politischen Ziele, Pustekuchen! Sie sind alle wütend. Sie sind sauer! Sie sind ratlos und allein! Und die Begegnungen mit ihm, also von einer heißgestimmten Erwartungshaltung nicht bestimmt!
Und drittens. Das Zeugnis der Frau ist nicht gültig! Damals galten Zeugenaussagen von Frauen vor Gericht als nicht justiziabel, als nicht gerichtsverwertbar. Und jetzt denken Sie verehrte Damen im Raume, mal ganz scharf nach. Wenn die Jünger die Auferstehung des Jesus von Nazareth nur vorgetäuscht hätten, ein Riesenbluff, hätten sie dann zwei Frauen als erste Kronzeugen benannt. Also das wäre dann wirklich der Lacher am Juristenstammtisch. Ich möchte niemandem wehtun, aber das wäre so, als wenn bei einer Polizeiaufnahme eines Unfalls jemand sagt: „Wissen Sie, ja, dann kam der von links und das hat mein Hund auch gesehen!"
Es ist damals so gewesen! Die Aussage einer Frau war Null vor Gericht! Wenn die Jünger also die Auferstehung nur vorgetäuscht hätten, dann wäre es das dümmste gewesen, was sie hätten machen können, zwei Frauen als Kronzeugen zu nennen.
Haben sie aber. Es sind die ersten Verkündiger der Auferstehung. Und jetzt denken wir geschwind den Umkehrschluss. Die Tatsache, dass es zwei Frauen sind, die als erste den lebendigen Jesus von Nazareth kontinuirlich identifizieren und als lebendig bezeugen, diese Tatsache ist das stärkste Argument dafür, dass die Auferstehung wirklich passiert ist. Und ehrlich gesagt, sehe ich darin wieder mal unseren schmunzelnden humorvollen Gott im Himmel. Der nämlich den ganzen Chauvies in ihren Richterroben eine Kopfnuss verpasst hat.
Es sind Frauen, die als erste den Auferstandenen bezeugen!
Und das stärkste Argument, wie kommt es, dass ein Häuflein verängstigter, wütender, verbitterter und enttäuschter, meist ungebildeter Handwerker, Fischer, Beamte, Tagelöhner und dann noch ein paar gesellschaftlich diskriminierte Frauen über Nacht zu einer Stoßtruppe werden, die unter Einsatz ihres Lebens das gesamte römische Reich aufrollen. Also das würde nicht mal Motivationstrainer Jürgen Höller schaffen. Glaub an dich, du schaffst es! Stell dich vor den Spiegel und sage:" Shakar!" Nein, das erklärt es nicht ganz. Wie aus einem Team wo heute jeder Personalchef sagen würde, die funktionieren nicht zusammen, über zwei Generationen hinweg, die Bewegung wird, die wir heute als das Christentum oder die Kirche kennen. Nur mit Motivation und Begeisterung ist das nicht zu erklären. Es ist die Erfahrung, Ja, Jesus lebt! Ich bin nirgendwo, zu keiner Zeit allein. Er ist da! Und dass er nicht augenfällig da ist, auch hier nicht sichtbar, ist eigentlich kein Nachteil. Ihre irdischen Augen sahen immer nur das, was sie in ihm sehen wollten. Der Mensch sieht was vor Augen ist und das ist herzlich wenig.
Es gibt einen wunderschönen Mythos der Duala im Süden von Kamerun, danach ist die Hafenstadt benannt. Die sagen:" Jeder Mensch hat zwei Augenpaare. Aber das erste Augenpaar, das die ewigen Dinge sehen kann, schließt sich bei der Geburt und öffnet sich erst wieder im Tod. Und für die Zeit dazwischen, die ja die kürzeste ist, da haben wir zwei Augenpaare, die sehen immer so die physischen und materiellen Dinge."
Nein, dass Jesus nur mit dem Herzen zu sehen ist, zu spüren und zu erfahren ist, halte ich für keinen Nachteil! Die Frage ist nur, ob Sie darauf vertrauen. Dass er auferstanden ist und lebt, denn er sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!"
Und die Frage ob ich durch diesen Tunnel "Tod" herauskomme, hinten, ist keine Frage meiner religiösen Meinung zu irgendwelchen wabernden Spekulationen in unserer Gesellschaft, sondern, wer entscheidet ob der Waggon hinten durch den Tunnel durchkommt, wenn die Lokomotive schon durchgefahren ist und auf der anderen Seite rauskommt? Woran hängt es?
Ja, daran, woran es hängt! Ob ich mich anhängig gemacht habe. An der Kupplung hängt es. Ob ich angehängt bin! Ja, ich muss in den dunklen Tunnel! Auch ich muss sterben! Aber ER gibt ein Leben nach dem Tod! Denn ich sehe bereits dass die Lokomotive auf der anderen Seite des Tunnels draußen ist. Und eins hab ich, meine Anhängerkupplung. Und die heißt Glaube und Taufe! Ich habe mich in der Taufe eingehängt und werde hindurchgezogen werden. Mit hindurchgezogen werden!
Wenn du zweifelst ob es das gibt, schreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen, dann sag deine Zweifel Gott und siehe du betest schon.
Wir wissen nicht, was jenseits des Todes ist und es wird uns alles furchtbar fremd vorkommen, sagt Helmut Thielicke, Theologieprofessor in Hamburg, großer Ethiker, bei dem ich das Glück hatte, noch die letzten Jahre seines Lebens zu studieren.
Es wird uns alles fremd vorkommen auf der anderen Seite. Nur eins ist mir kontinuirlich bekannt. Das hab ich hier schon gehört. Die Stimme meines guten Hirten. Denn wer hier schon die Stimme seines guten Hirten gehört hat, dem wird sie dort vertraut vorkommen.
Haben Sie sich anhängig gemacht? Das entscheidet darüber ob nach mir die Würmer kommen oder die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen!
Und wenn Sie jetzt sagen, na ja Malessa, machen Sie mal die Backen nicht so voll, es ist zwar recht tröstlich wenn man dran glaubt, aber woher weiß ich denn, oder woher wissen Sie persönlich, dass es den Himmel gibt?
Für mich war meine Bekehrung und Berufung, wo ich Christ wurde und wo ich mich für meine verschiedenen Berufe entschied, dauerte 45 Minuten und passierte am 20. Februar 1970, da war ich 15 Jahre alt und es war die Beerdigungsveranstaltung eines 39-jährigen Mannes und seine Frau saß mit dem 3. Kind schwanger in der ersten Reihe. Auf dieser Beerdigung habe ich gespürt, der Auferstandene geht durch die Reihen und legt uns die Hände auf. Und wenn das nicht der Auferstandene ist, kannst du dir gleich einen Platz in der Psychiatrie buchen. Das war so unwiderlegbar zu spüren, und ich tue eigentlich seit diesem Tag 1970 nichts anderes. Da habe ich mir das vorgenommen und ein paar Sekunden lang im Laufe meines Berufslebens hab ich den Himmel auch schon gesehen. Nicht oft, nicht lange aber ein paar Sekunden riss so der Vorhang zur Ewigkeit auf. Es gibt in Köln so einen Verein, den gibt’s in der Zwischenzeit auch wo anders. "Wünsch dir was e.V." Leute spenden Geld, damit sterbenskranke Kinder sich Wünsche erfüllen können, die sonst unerfüllbar wären.
Und die kleine Lydi will gerne mal auf dem Hochseil balancieren im Zirkus. Sie träumt, dass sie mit so einem Schirm über das Rund geht. Und Simoneit Barum stand auf dem Neumarkt mit einem großen Viermaster und die russische Hochseilartistin Tatjana Alexaijewa nimmt die Lydi auf die Schultern und dann gehen sie über das Hochseil. Und hinterher sagt dieses krebskranke achtjährige Mädchen:
„Mir tat nichts weh und ich hatte überhaupt keine Angst und die Leute haben geschaut! Und im Himmel, das weiß ich ganz genau, ist jeden Abend Zirkus!"
Amen!
Fragen zur Predigt:
1) Was heißt für Sie davor und danach, bzw. vor oder nach einer Wiedergeburt?
Ich komme aus einem christlichen Elternhaus aber wenn die Pubertät in den Spät 68ern stattfand, wo sowieso Revolution angesagt war, dann hat man nur ein Anliegen, alles abzustreiten, was die Alten einem mitgegeben haben und das muss ein Kind, finde ich auch. Das ist ja immer eine Mischung aus Unvernunft und natürlicher Entwicklung, so dass ich auf keinen Fall Christ sein wollte und auch alles getan hab, um meinen christlichen Eltern das Leben für ein paar Jahre heftigst zu erschweren. Ja, das ist nicht lustig, wenn man in einer Kleinstadt die beste Unterhaltungsband ist, die sämtliche Besäufnisse bespielt und das steht dann in der Zeitung und alle wissen, das ist der Sohn vom Pastor. Das ist nicht toll. Also es war für meine Eltern nicht leicht. Also ich wollte definitiv kein Christ sein und wollte Journalist werden und habe gesagt, ich gehe zur linkesten Zeitung, die es damals gab, die TAZ gab es noch nicht, aber die FR, die Frankfurter Rundschau.
Ich ging zur linkesten Zeitung die es gab und hab gesagt, was muss man für eine Ausbildung anfangen, um Journalist zu werden und die Welt wachzurütteln. Also man verstand Journalismus sozusagen politisch missionarisch, wie die Rechten es heute verstehen. Da sagten die, da muss man Theologie studieren. Ich fragte was? Ja, studieren Sie Theologie. Die Auskunft kriegte ich in Frankfurt bei der FR. Und ich hatte gehofft da sind RAF Sympathisanten oder so. Und da sagte ich warum?
Erstens, Sie lernen lesen, was steht da und was steht da nicht. Sie lernen einen Text auslegen. Zweitens, Sie lernen schreiben, sie lernen sprechen und Sie haben mit Menschen zu tun, eher wie ein Psychologiestudent. Dann kam ich nach Hause und hab zu meinem Vater gesagt, die haben mir gesagt um Journalist zu werden muss ich Theologie studieren. Da hat mein Vater gesagt: BINGO! Also das war vorher!
Und auf der Beerdigung von Wolfgang Dück, hinzufügen muss ich noch, dass vier Jungs, wir waren die vier letzten, die noch mit ihm gesprochen hatten. Er hatte bei uns gepredigt, in unserem Ort und wir sind nur hingegangen, weil es hieß, die Pfarrer sind dagegen, dass der kommt. Ja, das war das beste Werbeargument für Teenager.
Da kommt einer, aber die Pfarrer sind dagegen. Zack, war der Saal voll. Und wir haben anschließend mit ihm gesprochen und der hat uns nicht viel anderes erzählt, als was ich Ihnen heute erzählt habe. Er hat darüber gesprochen, warum es vernünftig ist und man nicht dumm sein muss, um an die Auferstehung Jesu zu glauben. Und dass Jesus mehr ist als nur ein Lehrer. Gute Lehrer gab es jede Menge. Es gab auch Lao Tse oder Budda, nichts dagegen nur auferstanden für mich, ist nur EINER. So das hat er uns erklärt und dann hat er sich ins Auto gesetzt und war bei Glatteis auf einem unbeleuchteten LKW-Anhänger gefahren - tot. Und das interessante und das kann man nun wirklich nicht erklären, dass diese vier Jungs, die damals mit ihm als letztes gesprochen hatten, sind heute alle Pastoren. Und keiner wollte es damals werden. Also das war vorher und nachher. Und danach begann nicht etwa ein problemloses Leben in Heiligkeit und Reinheit sondern das normale wie Teenager sich weiterentwickeln aber immer mit dem Wissen, ich muss nicht jedem Tag alles abquetschen. Ich habe viel Zeit und große Gelassenheit und meine Fehler sind durch Christus schon vergeben. Das hat mein Verhältnis zu meinen Eltern entspannt und unseren ganzen späteren Lebensweg. Danach wurde ich Christ, der Fehler macht, sündigt aber eine Auferstehungshoffnung hat.
2) Gibt es auch ewiges Leben ohne Taufe?
Es, nicht. Nochmal, wir reden hier nicht über Naturgesetze. Wir reden nicht über kosmologische Zwangsläufigkeiten, wie die Tatsache, dass irgendwann in 2000 Jahren der Komet wiederkommt oder der Venusschatten zu sehen ist oder so.
Es gibt, nein, ER gibt! – Gott rettet, wen er will. Gott ist gnädig und bei IHM ist nichts unmöglich. Bei Gott sind alle Dinge möglich, sagt Jesus auf die Frage seiner Jüngerinnen und Jünger, als der den reichen Jüngling laufen lässt. Da kommt ein Mann zu Jesus und sagt:"Was muss ich tun?" Jesus sagt: „Du speziell, verkauf mal alles, da hängt nämlich dein Herz dran!" Sagt der: „Nee, das mach ich nicht!" Geht weg! Dann sagen seine Jünger:"Wie? Wer kann denn dann selig werdern, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt ist?" Und da sagt Jesus diese zwei berühmten Sätze von denen immer nur der erste zitiert wird:" Eher geht ein Kamel durch´s Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel!" Und leider macht das Sprichwort da Punkt.
Der Satz geht aber weiter: „Aber bei Gott sind alle Dinge möglich!"
Ich würde sagen: „Ich glaube nicht, dass sozusagen die Taufe eine Art Eintrittskarte ist und Petrus steht am Himmelstor und sagt: „Ihr Sitzplatz bitte!" und dann darfst du erst rein. Ich glaube, dass die Taufe uns aufgegeben ist, wir uns taufen lassen sollen.
Da kann man sich mal drüber unterhalten ob die Eltern ihre Kinder taufen lassen sollen, Gläubige getauft werden, - das vertiefen wir hier nicht. Aber jeder Mensch sollte getauft sterben, finde ich. Nur wenn ein Mensch aus irgendwelchen Gründen nun mal nicht getauft ist und an Christus als den Auferstandenen glaubt, bin ich der letzte, der Gott vorschreibt wie er sich jetzt zu verhalten hat."
Segen, gesprochen von Jürgen Hausmann :
Nun geht mit dem Segen Gottes in den Abend und die neue Woche:
Ihr seid reich, denn Gott segnet euch.
Ihr seid glückklich, denn Gott erfreut euch.
Ihr seid befreit, denn Gott sieht auf euch.
Ihr seid erlöst, denn Gott ist euch gnädig.
Ihr seid zielgerichtet, denn Gottes Augen leiten euch.Ihr seid Menschen des Friedens,
denn Gott gibt euch seinen Frieden.
So segnet euch Gott, der Vater
und der Sohn Jesus Christus
und der Heilige Geist.
Amen.
26. 7.2004 JH/ZT