HORIZONT
- der etwas andere Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 13.10.2002 :Them: Durst auf Leben ?
Begrüßung durch Andrea Hausmann:
Herzlich willkommen liebe Kinder und liebe Erwachsene bei unserem Horizont-Gottesdienst. Schön, dass Ihr und Sie bei uns sind und wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen. Wir feiern diesen Gottesdienst zur Ehre und in der Gegenwart Gottes, des Vaters, des Sohnes Jesus Christus und des Heiligen Geistes. Amen!
Haben Sie auch so einen Durst? Ich kann es fast nicht mehr aushalten, dabei ist es doch gar nicht so heiß heute und das Mittagessen war auch nicht zu scharf. Eigentlich habe ich auch nicht zu wenig getrunken! Vielleicht ist es ja auch gar nicht fehlende Flüssigkeit- vielleicht ist es etwas ganz anderes, das es zu stillen gilt? Etwas, das sich nur so anfühlt wie Durst, der ständig gestillt werden will und nie aufzuhören scheint? So eine Art Lebens – Dauer - Durst! Vielleicht Durst auf Leben? Dieses komische Gefühl, dieser innere Drang kommt besonders dann, wenn die Zeit nur noch so dahinplätschert. Wenn schon wieder ein Tag, oder die Woche vorbei ist und vieles was ich tun wollte einfach zu kurz kam oder gar nicht gemacht wurde. Wenn ich mal wieder das Gefühl habe: Ich werde gelebt und kann gar nicht mehr selber beeinflussen was ich eigentlich tun will und was nicht?
Ja, dann habe ich richtig: DURST AUF LEBEN.
Endlich aufhören mit diesem alten Trott, raus aus den alten Stiefeln, mich auf etwas anderes neues einlassen können, auch wenn ich zuerst gar nicht weiß, was auf mich zu kommt. Einfach eine frische Quelle anzapfen, das frische prickelnde Wasser in mich hineinfließen lassen, die Müdigkeit des Alltäglichen damit aus mir herausspülen können und meinen unendlichen Durst damit löschen! So einen Durststiller brauche ich, Sie auch? Ich hoffe, Volker Gäckle hat uns so einen Durstlöscher mitgebracht!
Weiterre Gedanken zum Thema von Jürgen Hausmann:
Ich möchte Ihnen 3 kurze Beispiele aus meiner Sicht nennen:
Die Krüge hoch ! So hiess es auf dem Volksfest bis letzten Sonntag. Durst auf Leben stillen ? 3 Millionen Besucher auf dem Volksfest haben in 16 Tagen fast 3 Millionen Maß Bier getrunken. Ich denke, dass in den meisten Fällen der Durst auf Leben zumindest für ein paar Stunden gestillt wurde. Abschalten von Firma, Familie, von sich selbst. Kann Alkohol unseren Durst auf Leben stillen? Ich habe da so meine Bedenken.
Szenenwechsel: Mir ging es im Sommer so, dass ich so richtig ausgelaugt von mehreren Geschäftsreisen nach USA und Asien zurückkam. Mein Leben wurde von der Firma vorgeschrieben, ich wurde gelebt. Nein sagen war unmöglich, denn auf einen Aufschwung haben wir schon ein Jahr lang gewartet. Ich hatte so richtigen Durst auf Leben. Im Urlaub, ziemlich zurückgezogen mit meiner Familie 3 Wochen lang auf einem Segelboot waren Ruhe und Gespräche sehr durststillend für mich. Ich hatte das Gefühl, wieder selbst zu leben.
Letzter Szenenwechsel: Ja, Durst auf Leben? Welchen Durst vermittelt uns die Werbung? Trainierte Körper, Frauen wie Männer, die nur das Beste versprechen, Wünsche von den Augen ablesen, allzeit bereit sind für alles, was wir wollen. Da muss ich doch wirklich Durst auf Leben bekommen – oder ? Ja, diesen Durst auf Leben kriegen leider viel zu viele Ehepartner und verlassen Partner und Kinder, selbst wenn die Kinder erst 2 oder 3 Jahre alt sind. Ob dieser Durst auf Leben wohl den Preis dafür wert ist ? Ob dieser Durst auf Leben durch einen Partnertausch wohl dauerhaft gestillt wird ? Wie stark ist eigentlich meine Abwehrkraft gegen diese Einwirkung der Medien in meine Sinne?
Ansprache von Volker Gäckle:
"Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!"
Jeder Mensch hat Durst nach Leben. Jeder Mensch hat einen Riesendurst nach erfülltem Leben. Erfülltes Leben ist ein Grundbedürfnis unseres Menschseins. Ohne Erfüllung können wir nicht leben. Das ist kein Luxus, ohne den es im Notfall auch geht. Jeder Mensch sehnt sich nicht nur nach ein bisschen Spaß und Fun, sondern jeder Mensch sehnt sich nach tiefem, erfülltem Leben.
Und wir bringen im Laufe unseres Lebens eine Menge Zeit damit zu und wir geben eine Menge Geld dafür aus, um erfülltes Leben zu finden. Wir tun uns viel Stress an, um unser Leben erfüllt zu machen.
Wir versuchen heute unser Leben so zu gestalten, wie einen Tag im Erlebnispark. Immer mehr Menschen glauben, dass ein volles Leben, ein erfülltes Leben ist. Dass ein Leben, das voll ist von Erlebnissen und Erfahrungen, ein schönes Leben ist.
Wir hecheln heute 70 und wenn’s hochkommt 80 Jahre einem Erlebnis nach dem anderen hinterher. Wir stopfen an Ereignissen, Events und Abenteuerurlauben rein, was rein geht und am Ende stellen wir uns die Frage: War’s schön? War’s erfüllt? Haben wir unseren Durst gestillt?
Und weil wir glauben, dass unser Leben nur dann erfüllt und glücklich sein kann, wenn es voll ist, haben wir gleichzeitig eine unglaubliche Angst, etwas zu verpassen. Immer mehr Menschen legen sich in ihrem Leben nicht mehr auf irgendetwas fest in der Angst, dadurch das Leben verpassen zu können.
Junge Menschen leben heute mit diesem Alptraum, das Leben zu verpassen. Das ist auch das eigentliche und tiefste Problem an der Jugendarbeitslosigkeit.
Wir leben heute alle mit der Angst, das Leben verpassen zu können. Mit der Angst, am eigentlichen Leben vorbeizuleben und deshalb stopfen wir alles in unser Leben rein, was reingeht, und verzweifeln dabei, weil wir merken, es wird nicht schöner. Unser Leben wird durch die Fülle der Ereignisse nicht schöner.
Und das schlimme ist: Weil wir alle erfülltes Leben brauchen, wie die Luft zum Atmen, werden wir erpressbar. Wir sind bereit hohe Preise zu zahlen für etwas, von dem ich mir ein bisschen Erfüllung verspreche, von dem ich mir so etwas wie inneren Frieden verspreche.
Ich kenne junge Menschen, die sich mit Drogen eingelassen haben. Es ging nur darum, mal was anderes kennen zu lernen. Es ging nur darum, einmal kurz aus der Eintönigkeit des Alltags auszusteigen. Es geht nur darum, einmal das Leben spüren zu können. Ein bisschen spüren zu können. Aber der Preis ist hoch, viel zu hoch. Heute sind sie nicht nur abhängig, sondern auch krank, einige sind sehr krank.
Der Durst nach Leben macht uns erpressbar. Er macht uns unkritisch. Da sieht man über alles drüber weg. Man bringt diese innere Stimme zum Schweigen, die sagt: Pass auf! Wer richtig Durst hat, der ist nicht mehr kritisch. Der ist nicht mehr wählerisch. Wer wirklich mal Durst hatte, der weiß wie das ist. Da wird getrunken, was einem in die Finger kommt. Und so ist das mit der Leben auch. Je größer der Mangel ist, um so eher nimmt man, was man kriegen kann. Auch wenn es uns kaputt macht.
Das ist die Not unseres Lebens: Dass wir so oft aus der falschen Quelle trinken. Dass wir so oft versuchen unseren Durst nach erfülltem Leben mit Dingen zu stillen, die das nicht können. Jesus sagt einmal im Johannesevangelium einige Kapitel weiter vorne zu einer ungeheuer lebensdurstigen und gleichzeitig ungeheuer enttäuschten jungen Frau diesen Satz: "Wer von irdischem Wasser trinkt, der wird wieder Durst haben!" So ist das! Und das stimmt ja nicht biologisch, das gilt ja auch für unseren Lebensdurst.
Irdische Dinge können den Durst unseres Lebens nicht stillen. Irdischer Erfolg kann unseren Durst nach Leben nicht stillen. Es gibt Menschen, die glauben, wenn ich einmal meinen Namen mit Titeln garniert habe, dann ist auch mein Leben erfüllt. Volle Visitenkarte ist gleich erfülltes Leben. Sportliche Erfolge sind gleich erfülltes Leben. So etwas kann mich kurzfristig erfrischen, aber dann werde ich wieder Durst haben.
Irdischer Reichtum kann das auch nicht. Viele Menschen glauben immer noch, dass ein volles Bankkonto ein erfülltes Leben garantiert.
Ich könnte so viele Geschichten erzählen von steinreichen aber unglücklichen Menschen. Nein, ich glaube nicht mehr, dass Geld unseren Lebensdurst stillt.
„Wer von irdischem Wasser trinkt, der wird wieder Durst haben!" sagt Jesus.
Erfülltes Leben lässt sich nicht über den Erfolg, den Reichtum oder die Erlebniskultur gewinnen. Erfülltes Leben ist von ganz anderen Faktoren abhängig:
Die Voraussetzung für erfülltes Lebens sind eine versöhnte Vergangenheit und eine von Hoffnung geprägte Zukunft.
Genau diese beiden Dinge will uns Jesus schenken. Jesus sagt: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!"
Indem Jesus am Kreuz von Golgatha durch die Vergebung der Schuld mir die Versöhnung meiner Vergangenheit ermöglicht und durch die Verheißung des ewigen Lebens an den, der an ihn glaubt, eine Perspektive für die Zukunft eröffnet, erfüllt er die Grundbedingungen für ein erfülltes Heute.
Wenn einmal im Gericht Gottes der Teufel und alle bösen Mächte dieser Welt uns anklagen werden, weil wir aus verbotenen Quellen getrunken haben, dann wird Jesus aufstehen. Und Jesus wird sagen: „Oh ja, ihr habt völlig recht. Den, den ihr da anklagt, das ist ein totaler Sünder und ich muss euch in allen Anklagepunkten recht geben. Aber trotzdem werde ich ihn nicht verurteilen, denn sein Schuld ist schon beglichen, die habe ich schon bezahlt. Und er hat sich das gefallen lassen. Er war demütig genug, um dieses Geschenk der Vergebung anzunehmen. Und er war auch demütig genug, um an mich zu glauben. Deshalb soll er leben in Ewigkeit!" Und dann wir Gott sagen: „Weil mein Sohn ihm vergibt, will ich ihm auch vergeben!"
Durch das stellvertretende Sterben Jesu ist Versöhnung möglich. Nun kann ich meine eigene Schuld abgeben und Menschen, die an mir schuldig geworden sind, vergeben. Wo Vergebung ist, kann Wasser fließen, lebendiges Wasser. Wasser, das unseren Lebensdurst stillt. Vom Kreuz fließt das Wasser des Lebens: das Wasser der Vergebung, das Wasser des Neuanfangs, das Wasser der Ewigkeit. Wer hier trinkt, der hat das Leben und damit eine von Hoffnung geprägte Zukunft - bis in alle Ewigkeit. Dieses Wasser brauchen wir, sonst verdursten unsere Seelen, sonst verdurstet unser Leben, sonst vertrocknet unsere Hoffnung.
Viele von uns kommen aus einer Wüste - aus der Wüste eines unerfüllten Lebens. Voller Durst nach Erfüllung und innerem Frieden. Viele kommen aus einer der Wüste einer Familiensituation, die Sie langsam zermürbt. Aus Familien, die am Alkohol kaputt gehen, aus Ehen, die von der Untreue untergraben werden, aus Beziehungen, die von Hass, Neid und Habgier zerfressen werden.
Dieser Gottesdienst soll so etwas wie ein Oase sein. Sie können hier ihren Durst stillen. Gehen Sie bitte nicht einfach wieder unverändert zurück in die Wüste ihres Lebens. In die Wüste einer Ehe, die schon lange keine mehr ist. In die Wüste einer Sucht, die Ihnen ganz langsam aber sicher die Luft abschnürt und Sie einsam macht.
Ich möchte Sie heute abend herzlich bitten: Kommen Sie zur Quelle! Lassen Sie es sich gefallen, dass Jesus ihre Vergangenheit versöhnt, indem er ihre Schuld wegnimmt! Lassen Sie sich von Jesus eine von Hoffnung geprägte Zukunft eröffnen, indem sie im Glauben an ihn seine Verheißungen festhalten.
Ich werde nun ein Gebet sprechen und Sie können, wenn Sie möchten, es einfach still für sich mitsprechen.
Herr Jesus Christus, ich danke dir daß du mich kennst und daß du weißt wer ich bin. Ich danke dir, daß du meinen Durst auf Leben kennst und dass du das verstehst.
Ich danke dir aber auch, daß ich nicht so bleiben muss, wie ich bin. Danke, dass du am Kreuz für mich gestorben bist, dass du mir die Schuld vergeben willst und mich und meine Vergangenheit versöhnen möchtest.
Herr Jesus Christus, es tut mir Leid, dass ich aus so vielen anderen Quellen getrunken habe, die nicht in Ordnung sind vor dir. Es tut mir Leid, dass ich vieles getan habe, wozu du nicht "Ja" sagst. Ich bitte dich dafür um Vergebung.
Ich möchte heute mit dir neu anfangen und neu Hoffnung gewinnen. Ich will versuchen es zu glauben, dass du mich in Ewigkeit nicht verloren gehen lässt, sondern mir eine lebendige Hoffnung gibst über den Tod hinaus. Gib mir dazu deinen Heiligen Geist und hilf mir auch in den Grenzen meines Lebens durch ihn Erfüllung zu erleben. Amen.
Segen von Andrea Hausmann:
Du bist die Quelle, die meine Sehnsucht stillen kann.
Du bist die Quelle, fang in mir an.
Quelle des Lebens, die allezeit fließt, die täglich genug für mich hat.
Quelle des Lebens, wer davon genießt, den machst du stark und satt.
So segne Du uns Gott! Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen
14.10.2002 JH