HORIZONT
- der etwas andere Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 6. 5.2001 :
Wie sag ich’s meinem Kinde? - Mit Kindern glauben lernen
Eine Freundin aus nördlicheren Gefilden hat sich mit ihrer 3-Jährigen Tochter zu Besuch angesagt. Als Ausflugsziel wurde die Wilhelma ausgesucht. Während die kleine Besuchergruppe an den Tiergehegen vorbeiging, hörten sie immer wieder ein lautstarkes Brüllen der Löwen. Schließlich kamen sie zu den Löwen. Eine große Menschenmenge hatte sich vor dem Löwengehege gesammelt. Immer wieder war ein lautstarkes Brüllen zu vernehmen. In der Wilhelma war Löwenhochzeit. Plötzlich fragt die 3-Jährige ihre Mama: „Mama, warum brüllen die Löwen so?" Die Mutter spürt nicht nur den fragenden Blick der Tochter, sondern auch die neugierigen Blicke der Umstehenden. Sie antwortete: „Der Löwe hat einen Bollerhusten." Darauf erwiderte die Tochter:" Der arme Löwe. Muss er bei seinem Bollerhusten auch Medizin nehmen?" Alle brachen in schallendes Gelächter aus.
Ich möchte die Antwort der Mutter nicht werten. Diese humorvolle Episode zeigt uns, dass wir in den unterschiedlichsten Lebenssituationen unvermittelt vor der Frage stehen:
Wie sag ich’s meinem Kinde?
Das geht nicht nur Eltern so, auch Großeltern, Verwandte, Bekannte, Menschen, die mit Kindern zu tun haben, sehen sich manchmal vor diese Frage gestellt.
Wie sag ich’s meinem Kinde? Da sind die Fragen der Kinder nach unserem Körper. Wo geht das Essen hin? Wie kommt das Baby in Mamas Bauch?
Kinder fragen nach den Zusammenhängen unseres Körpers. Sie wollen und brauchen eine Antwort darauf. Nun ist es unsere Aufgabe zu überlegen: Wie sag ich’s meinem Kinde? Ich denke, es ist keine peinliche, sondern eine wichtige Frage. Machen wir uns die Mühe, altersgemäße, verständliche Antworten zu geben gerade in der sexualethischen Aufklärung.
Eng damit verbunden ist der seelische Bereich. Sprechen wir mit unseren Kindern über den Umgang mit unseren Gefühlen. Allerhand treibt ein Kinderherz um, da ist die Eifersucht, die Rivalität und Konkurrenz unter Geschwistern oder in der Schule, die Angst, etwas falsch zu machen, Angst, vor Unbekanntem, Wut und Enttäuschung. Beobachten sie ihr Kind genau, versuchen sie seine Gefühle zu erspüren und plötzlich sehen sie die vermeintliche Bockigkeit differenziert und spüren den seelischen Schmerz. Hier sind wir herausgefordert, denn auch wir Erwachsene tun uns oft schwer, über unsere Empfindungen zu sprechen.
Als Eltern sorgen wir uns um unsere Kinder, wir ernähren ihren Körper mit Nahrung, und wir nähren ihre Seele, indem wir ihnen Liebe und Zuwendung schenken. Nun gibt es noch einen dritten Bereich, der unser Menschsein auszeichnet. Unseren Geist - gleichsam eine Antenne, die über das Vorfindliche hinausfragt. Das ist der Bereich in dem wir nach Gott fragen, nach dem woher und wohin unseres Lebens. Unsere Kinder brauchen für ihre Entwicklung Nahrung und Pflege in allen drei Lebensbereichen. Wenn wir die Nahrung in einem der Bereiche zu kurz kommen lassen, wird unser Kind an dieser Stelle Hunger leiden. Bei Fragen im Bereich des Geistes, wir können auch sagen, im religiösen Bereich, stellen wir uns vermehrt die Frage. Wie sag ich’s meinem Kinde? Das hat verschiedene Ursachen. In unserer Gesellschaft gibt es das ungeschriebene Gesetz: darüber spricht man nicht. Außerdem ist das ein Bereich, in dem wir nicht immer mit fertigen Antworten gewappnet sind.
Einem Kind die Welt zu erschließen, ist eine schöne und nicht immer einfache Aufgabe.
Ich möchte mit ihnen diesen dritten Bereich etwas genauer beleuchten, damit sie ihn mit ihren Kindern angstfrei angehen können. Darum mein Untertitel:
Wie sag ich’s meinem Kinde? - Mit Kindern glauben lernen.
Wie wurde es mir gesagt?
Unsere eigenen Erfahrungen bestimmen unser Handeln und unseren Erziehungsstil oft unbewusst mit. Denken sie einmal zurück: In welchem Zusammenhang haben sie zum ersten Mal etwas über Gott gehört? Und welche Gefühle verbinden sie damit? Das ist eine sehr persönliche Frage. Vielleicht erschrecken sie dabei.
Ist ihnen Gott überhaupt vorgestellt worden? Oder wurde seine Existenz grundsätzlich infrage gestellt?
Haben ihre Eltern oder Großeltern ihnen einen Gott vorgestellt, bei dem sie Geborgenheit erfahren konnten und dem sie ihr Leben anvertrauen wollen in guten und schlechten Zeiten?
Es gibt aber auch ganz andere Erfahrungen: Ich möchte es einmal so nennen: Gott als pädagogischer Lückenbüßer. Wo die Eltern nicht mehr weiterkamen, wurde Gott als letzte Kontrollinstanz eingesetzt. „Der liebe Gott sieht alles und bestraft alles!" und ähnliche Sätze erwecken im Kind dann die Vorstellung eines strafenden Richtergottes, ein Gott der Buchhaltung führt und immense Leistungen von uns verlangt. Eine Vertrauensbasis ist hier schwer möglich, wo Zwang und schlechte Gefühle erzeugt wurden. Die Folgerung einer solchen religiösen Erziehung für die nächste Generation ist: Entweder wiederholen die jungen Eltern den gleichen Fehler oder sie kommen zu dem Schluss: So möchte ich meine Kinder nicht erziehen! Wenn dann keine Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt, ist es einfach vom Tisch. Das heißt: es kommt nicht mehr vor. Die Kinder werden dann mit ihren religiösen Fragen alleingelassen. Für viele ist Religion sowieso Privatsache über die man nicht spricht. Viele Kinder erfahren heute eine religiöse Vernachlässigung, indem sie auf sich allein gestellt bleiben. Eingangs haben wir schon gesehen, wie wichtig die Ausbildung der Dimension des Geistes für ein Kind ist. Kinder brauchen Anregungen und Begleitung um sich orientieren zu können.
Egal, wie ihre persönliche Bilanz ausgefallen ist. Ob sie ihre religiöse Erziehung als Hilfe oder als Stolperfalle erlebt haben. Dabei müssen sie nicht stehen bleiben, sie können weitergehen, das ist wichtig.
Was sagen und brauchen Kinder?
Ich möchte einmal behaupten, wer Kinder auf ihrem Lebensweg begleitet, bekommt es unwillkürlich mit der religiösen Dimension des Lebens zu tun.
Schon Kinder erleben Situationen, oder Begegnungen, bei denen die vertraute Welt fragwürdig wird und eine neue, tiefe Dimension durchleuchtet. Es ist, als ob sie vor einem Fenster stehen, und merken, die Welt ist mehr, als das was ich sehen und hören kann. Schon Kinder kommen an solchen Fenstern, die aus unserer Welt hinausweisen, vorbei.
Den ersten Blick aus dem Fenster dieser Welt macht schon ein Säugling, da er die Abhängigkeit von seinen Eltern erlebt. Sie müssen sich als Vertrauenspersonen erweisen. Ein Kind kann nur leben, wenn und weil es geliebt wird. Hier erfährt ein Kind schon bevor es sprechen kann, was Grundvertrauen und Hoffnung ist. Keimhaft ist hier schon die Frage nach Gott angelegt: Gibt es in dieser Welt eine Liebe, auf die ich mich letztlich verlassen kann?
Ein zweites Fenster, an dem das Kind vorbeikommen wird, hat mit dem Ende des Lebens, mit dem Sterben zu tun. Ein totes Tier oder der Tod eines lieben Verwandten will vom Kind durchdacht und verarbeitet werden. Da für das Kind der Tod vor allem mit Beziehungen zu tun hat, bedroht er die soziale Welt des Kindes. Die Frage nach dem Sinn des Ganzen entsteht. Für uns Eltern ein unangenehmer Themenbereich. Doch je stärker wir den Tod tabuisieren, umso größer ist sein Schrecken für die Menschen. Diese sehr persönliche Frage gibt uns als Erwachsene die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Kindern die Fundament unseres Lebenshauses zu prüfen.
Das dritte Fenster ist dann die ausdrückliche Frage nach Gott. Gott ist für Kinder geheimnisvoll und Anlass für viele Fragen. Was tut Gott? Wo wohnt er? Kann er mich sehen? Kann er sprechen? Eine Frage bringt die andere hervor.
Kinder fragen, weil sie sich mit ihrem ganzen Sein in der Welt verstehen wollen. Zum Selbst- und Weltverständnis gehört für sie untrennbar das Gottesverständnis.
Woher komme ich?
Wohin gehe ich?
Wer begleitet mich?
Diese drei Grundfragen treiben uns und unsere Kinder um. Oder anders formuliert:
Wer gibt mir Anerkennung?
Wo finde ich tiefe Geborgenheit?
Woraus ziehe ich Kraft und Stärke?
Wer oder was zeigt mir die Richtung für mein Leben an?
Wie gehen wir Erwachsene mit diesen Fragen um? Im Trubel des Alltags und der Arbeit, nehmen wir diese leisen Fragen oft gar nicht wahr. Die religiösen Kinderfragen sind eine Chance für uns Erwachsene. Wir schauen mit unserem Kind aus den Fenstern der Welt und stoßen dabei auf Grundfragen des Lebens. Die Klärung dieser Fragen ist auch für unser persönliches Leben wichtig. Unsere Kinder führen uns eine Spur, auf der wir vielleicht wieder der eigenen religiösen Lebensgeschichte begegnen, die oft im Jugendalter einen Abbruch erfuhr. Viele Erwachsene haben ihren Kinderglauben abgelegt und keine Alternative gefunden. Keine Glaubensform, die ihrem Leben als Erwachsenem entspricht. Eine Beziehung zu Gott, die die ungeklärten Fragen nach dem Leid aushält und trotzdem an Gott festhält.
Auf die Fragen der Kinder gibt es nicht immer eine einfache Antwort. Darum ist es für mich, die große Chance für uns Eltern. Machen wir uns mit unseren Kindern gemeinsam auf den Weg des Glaubens. Mit den Kindern können Eltern Gott neu entdecken.
Was und wie sagen wir’s unserm Kind?
Keine Angst vor Fragen. In Sachen Glauben müssen wir keine Prüfung ablegen, in der alle Antworten richtig sein müssen. Der Glaube an Gott ist kein multiple choice, bei dem ich die richtige Antwort ankreuzen muss, sondern eine lebendige Beziehung. Eine Beziehung lebt nicht von fertigen, richtigen Antworten, sondern von der Zeit, die man sich schenkt, von den gemeinsamen Unternehmungen und Gesprächen. So ist das auch in der Glaubensbeziehung. Auch hier gilt der bekannte Satz: „Wir können unseren Kindern sagen, was wir wollen, sie tun doch das, was sie sehen."
Ein Kind sieht, was Eltern tun (z.B. in den Gottesdienst gehen, beten) und was es für sie bedeutet. Glaube ist ein Gemeinschaftsereignis, das man in der Familie erleben kann. Die Familie ist der erste Lernort in Sachen Glauben.
Nehmen wir unsere Kinder in unsere Glaubensbeziehung hinein. Lassen wir sie auf eine ganz natürliche Weise daran Anteil haben. Mitleben und miterleben dürfen, ist das erste. Dabei merkt ein Kind, meine Eltern vertrauen einem Größeren.
Wir haben schon gesehen, dass Kinder religiöse Erfahrungen machen. Diese Erfahrung braucht Sprache. Sie will ausgedrückt werden. Geben wir unseren Kindern Worte und Begriffe dafür. Durch biblische Geschichten erhalten wir und unsere Kinder eine Sprache für solche Erfahrungen. Denken wir noch einmal an die großen oft unausgesprochenen Fragen der Kinder: Wer bin ich und wer darf ich sein? Ein Mensch bildet sein Selbst- wer er ist- in der Spannung zwischen Wollen und Dürfen aus. Oft heischen noch Erwachsene nach der Anerkennung, die sie als Kind nie erfahren haben. Als Eltern merken wir aber auch unsere Grenzen. Nur Gott kann einem Kind die Anerkennung schenken, durch die es zu einem freien Gegenüber aller Menschen werden kann. Es erfährt sich von Gott gewollt, geliebt und gewürdigt. Auf die Frage: Wo komme ich her? Antwortet die Bibel: Gott hat alles erschaffen auch dich und mich. Dass wir von Gott geschaffen sind und nicht, was wir leisten, verleiht uns eine besondere Würde und unserem Leben Sinn.
Von Gott sprechen, heißt Geschichten erzählen. Biblische Geschichten sind Hoffnungsgeschichten, die Kindern eine hoffnungsvolle Zukunft eröffnen. In der Bibel stellt sich Gott als unser Schöpfer vor, der in seinem Sohn Jesus Christus uns nahe kommt. Wie ein Vater mit ausgebreiteten Armen wartet er auf uns. Auch in leidvollen Situationen begleitet er uns als der gute Hirte. Doch damit nicht genug. Er hat den Tod überwunden und eröffnet uns eine Perspektive über unser Leben hinaus auf ein ewiges Leben in seinem Reich. Als Erwachsene tun wir uns manchmal mit dem schwer, was jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Anders Kinder. Sie verarbeiten das Gehörte an ihren Verständnismöglichkeiten. Dabei tauchen dann interessante Fragen auf. Gibt es im Himmel etwas zu essen? Sie übertragen Erfahrungen aus ihrer Alltagswelt. Was meinen sie: Gibt es im Himmel etwas zu essen? - Na klar. Die Bibel erzählt von einem Festmahl in Gottes Welt. Nehmen wir die Fragen unserer Kinder auf. Ich weiß nicht, wie sie es machen, wenn sie eine Kinderfrage nicht beantworten können. Wenn ich was nicht weiß, erkundige ich mich. Ein Ausflug in die Bücherei, bei Fragen über Indianer oder Tiere. Das Gleiche gilt für Fragen über den Glauben. Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Das ist nicht schlimm. Überlegen wir gemeinsam, wie wir eine Antwort finden können.
Manchmal hilft auch eine Rückfrage: Was meinst denn du? Sie sehen dann den Hintergrund der Frage und können darauf eingehen.
Gerade im Blick auf Jugendliche ist es wichtig, Fragen und Probleme offen zu besprechen, den Kampf mit den Gedanken nicht zu scheuen. Als Erwachsene sind wir auch nicht über alle Glaubensfragen erhaben, auch wir sind noch auf dem Weg, ringen um Deutungshilfen. Bügeln wir nicht vorschnell alles glatt.
Wir können mit unseren Kindern über Gott reden, aber auch mit ihm. Ein betender Mensch bringt seine Lebenserfahrung zu Gott. So erlebt ein Kind: Ich kann Gott alles sagen. Er ist unsichtbar und doch ansprechbar. Er ist bei mir, auch wenn ich ihn nicht sehe.
Kinder erwarten von uns keine vorgefertigten Erwachsenenantworten. Ich möchte uns Mut machen, dass wir gemeinsam nachdenken über unsere existentiellen Fragen und Zweifel. So lernen unsere Kinder, dass Gott kein Schönwettergott und kein Wunschautomat ist, sondern unser Schöpfer und Erhalter zu dem wir ihn Höhen und Tiefen, mit Gewissheit und mit Zweifel, in Lob und Klage kommen können.
Ich habe ihnen kein Rezeptbuch vorbereitet, nach dem Schema: Man nehme..." Ich habe herausgestellt, dass Glauben eine lebendige Beziehung zu Gott meint. Was sie ihrem Kind sagen, muss sich in ihrem Leben wiederspiegeln und mit ihrer Person gedeckt sein. Da gibt es keine Schablonen und auch in diesem Bereich leben wir als Eltern von der Vergebung, denn Scheitern gibt es auch.
Unsere Haltung Gott gegenüber ist die eine Seite der Glaubensmedaille. Das können wir unseren Kindern nur vorleben. Das können wir nicht erzeugen. Die andere Seite ist der Inhalt. Was wir glauben. Das ist für uns Christen nicht beliebig. Die Bibel gibt uns da Wege vor.
Lassen sie mich noch ein paar Anregungen nennen, die unseren Kindern den Inhalt des christlichen Glaubens erschließen.
Eine Kinderbibel kann dabei hilfreich sein.
Der Kindergottesdienst, vielleicht auch mal mit den Eltern gemeinsam besucht, bietet die Möglichkeit, den Glauben zu feiern.
Christliche Kinder- und Jugendlieder vertiefen den Inhalt des Glaubens.
Ich weiß nicht, welche Gefühle sie bei dem Gedanken an Weihnachten und Ostern überkommen. Familienstress und Krisenstimmung? Man kann’s auch anders sehen. Ich freue mich, dass wir jedes Jahr Feiertage haben, an denen wir unsere Beziehung zu Gott und seine Beziehung zu uns Menschen feiern können. Es sind Gedenktage gegen die Vergesslichkeit.
Weihnachten: Gott will bei uns ankommen.
Ostern: Gottes Liebe siegt. Der Tod ist besiegt.
Himmelfahrt: Vatertag: Der auferstandene Jesus geht zu seinem Vater im Himmel zurück, darum können wir Jesus nicht sehen.
Pfingsten: Gott lässt uns nicht allein- er gibt seinen Geist, Mut und Kraft, so dass Menschen von ihm weitererzählen bis heute.
Die Inhalte sind da. Die Feste auch. Füllen wir sie und erschließen unseren Kindern damit unseren christlichen Glauben.
Im Judentum zB ist es beim Passafest, dem großen Befreiungsfest die Aufgabe der Kinder, Fragen nach der Bedeutung des Festes zu stellen. Die Eltern antworten dann mit der Glaubensgeschichte, die sie mit Gott erlebt haben.
Wie sagt es Gott uns?
Gott unser himmlischer Vater lässt uns nicht im Unklaren. Er schickt seinen Sohn Jesus Christus in die Welt, um uns seinen Rettungsweg für uns Menschen zu zeigen. Im Johannesevangelium ist uns so etwas wie eine Aufklärungsgeschichte Jesu überliefert.
Da kommt bei Nacht ein älterer Herr zu Jesus und will ihn über das Leben mit Gott befragen. Wie geht das? Wie kann ich glauben? Jesus antwortet: Durch eine Neugeburt beginnt das Leben im Glauben. Das konnte sich Nikodemus nicht so recht vorstellen - „von neuem geboren werden" - Wie sollte das zugehen?
Einer Geburt geht eine Schwangerschaft voraus. Einer geistlichen Geburt geht eine geistliche Schwangerschaft voraus. Vielleicht hat Gottes Geist sie berührt. Ihnen ist klargeworden, dass ihr Leben eine andere Richtung nehmen soll. Sie haben gehört, dass sie bei Jesus die Last ihres Lebens ablegen können. Sie tragen einen Gedanken in sich, der sie nicht mehr loslässt. Diese Schwangerschaft ist ein Leben in der Hoffnung, aber noch nicht in der Gewissheit. Man kann nicht für immer schwanger bleiben. Es kommt der Tag, da setzen die Wehen ein. So auch in unserer Beziehung zu Gott. Wir können eine gewisse Zeit in der Schwebe leben, aber dann kommt der Tag der geistlichen Geburt, an dem wir gefragt sind: Willst du persönlich dein Leben Jesus anvertrauen? Hier sind wir gefragt. Damit kann unser Glaubensgeburtstag beginnen. Jesus sagt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Um Wege des Glaubens zu beschreiten ist man nie zu jung und nie zu alt.
Amen.
Pfarrerin Claudia Hermann, Filderstadt - Bonlanden