HORIZONT
- der etwas andere Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 4. 2.2001 :
Krisen, die Chancen unseres Lebens ?
Überlegungen im Horizont - Gottesdienst am 4. 2. 2001 von Georg Terner, Bad Liebenzell
Krise: ... schwierige Situation - Zeitraum, der den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt.
Chance: Günstige Gelegenheit etwas Bestimmtes zu erreichen - Aussicht auf Erfolg.
Einführung: Menschen geraten in Krisen durch Einflüsse von aussen und innen.
In der Bibel:
Noah- in aussichtsloser Lage
Abraham- wenn man das Liebste hergeben soll
Joseph- wenn man einsam und verlassen ist
Elia- wenn man enttäuscht ist
Asaph- wenn man zu kurz kommt
Jesaja- wenn man erfolglos ist
Paulus- wenn die Vergangenheit quält
Krisen in unserem Leben:
Mobbing, Arbeitslosigkeit, Geldnot, Leid, Krankheit, Mißerfolg, alt werden; Depressionen, Zweifel , Ängste, Sorgen, ...
Der griechische Begriff - peirasmos - bedeutet:
Prüfung, Erprobung, Versuchung.
Eigentlich zielt dieser Begriff auf Stabilisierung, d.h. der, der ihr ausgesetzt ist, soll stärker und reiner aus ihr hervorgehen. Aber er hat auch eine andere Seite, die Seite der Zerstörung, wenn der Satan den Menschen versucht. Diese ganze Bandbreite ist in dem Begriff enthalten.
Martin Luther übersetzt mit Anfechtung, wenn es um eine Erprobung des Glaubens geht. Das deutsche Wort "anfechten" wird verwendet, wenn "ein Mensch in Unruhe versetzt wird, bzw. mit Sorge erfüllt wird." D.h., das Leben gerät ins Trudeln, ich verliere die Stabilität, mein Gleichgewicht ist gestört.
"Man kann davon ausgehen, dass wenn Gott einen Menschen versucht, dies immer zur Stabilisierung des Glaubens ist. Gott kann nicht zum Bösen versucht werden und er versucht auch niemand zum Bösen (Jak 1,13), d.h. Gottes Versuchung ist Anfechtung. Dazu schreibt Jak. 1,2Hfa.: ihr braucht nicht zu verzweifeln, wenn euer Glaube immerwieder hart auf die Probe gestellt wird. Im Gegenteil, freut euch darüber. Denn durch solche Bewährungsproben wird euer Glauben fest und unerschütterlich."
Wenn wir in Krisen geraten, heisst das also, dass unser Fundament in Bewegung geraten ist und dass wir keinen soliden Stand mehr haben. Wir geraten ins Trudeln und nicht wenige stürzen ab.
"Krisen sind Chancen?" Ist das nicht paradox? Es gehört wohl zum Wesen göttlicher Wahrheit, dass man oft nur widersprüchlich von ihr reden kann. Ein Paradoxon ist ein augenscheinlicher Widerspruch. Das filt jedoch nur von der Formulierung, nicht von der Praxis. Unter der Oberfläche entdecken wir eine Übereinstimmung der anscheinend widersprüchlichen Aussagen. Die göttliche Wahrheit will weniger diskutiert als gelebt werden.
Psalm 42,12: Warum bin ich so mutlos ? Muss ich denn verzweifeln ? Auf Gott will ich hoffen ! Ich weiss, ich werde ihn noch einmal preisen, ihn, meinen Gott, der mir hilft.
Martin Luthers Ratschläge für Angefochtene:
Der Segen der Anfechtung :
Mein Leben soll stabilisert werden.
Gott ist mir besonders nahe.
Jetzt ist die Chance zum Neuanfang.
Was kann ich tun ?
Willst du gesund werden? (Joh.5,6)
Kapitulieren (Martin Semmelrogge)
Petrus: ... ging hinaus und weinte bitterlich. (nach 3-maliger Verleumdung)
Die neue Perspektive :
Noah
beginnt das neue Leben mit Dankopfer.Abraham ist sich gewiss, dass Gott seine Verheissungen erfüllt.
Joseph erfährt, dass Gott es gut macht.
Elia gibt seine Aufgaben an einen Jüngeren ab.
Asaph freut sich, dass er in Gottes Hand geborgen ist.
Petrus empfängt Vergebung und einen neuen Auftrag.
Paulus vergisst, was einmal war und sieht nach vorne.
Luther erfährt, dass er den Himmel geschenkt bekommt.
Zusammenfassung:
Krisen sind leidvolle Einbrüche in den Ablauf des täglichen Lebens. Sie führen in die Tiefe, auf den Nullpunkt. Der Nullpunkt ist neutral. Es kann sowohl kälter wie auch wärmer werden. Das ist die Chance.
Gott möchte uns durch Krisen stabilisieren, der Satan will die Krisen zur Vernichtung benützen. Es kommt auf unsere Haltung an. Wollen wir die Krise alleine meistern - oder wenden wir uns Gott zu? Gott ist bereit zur Hilfe, er kann aber erst eingreifen, wenn wir kapitulieren. So nützen wir die Chance und erfahren den Segen, der in der Anfechtung liegt.
Amen.
Georg Terner, Bad Liebenzell