HORIZONT - Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 23. 7.2000 :

 

Ich will raus !

 

"Regen fälIt, kalter Wind, Himmel grau, Frau schägt Kind. Keine Nerven und so allein. Das Paradies kann das nicht sein. Männer kommen müd' nach Haus, kalte Seele fliegt hinaus. Kind muss weinen, Kind muss schrei'n. Schrei'n macht müde, Kind schläft ein. Ich hab' Heimweh, Fernweh, Sehnsucht. Ich weiß nicht, was es ist. Keine Sterne in der Nacht, kleines Kind ist aufgewacht. Kind fragt, wo die Sterne sind - ach, was weiß denn ich, mein Kind! Ist der große Schwefelmond eigentlich von wem bewohnt? Warum ist der Himmel leer? Ist da oben keiner mehr? Ich hab' Sehnsucht. Ich will nur weg, ganz weit weg. Ich will raus! Warum hast du mich gebor'n? Bevor ich da war, war ich schon verlor'n. Land der Henker, Niemandsland. Das Paradies ist abgebrannt. Ich hab' Heimweh, Fernweh, Sehnsucht. Ich weiß nicht, was es ist. Ich will nur weg, ganz weit weg. Ich will raus!"

Was wir gehört haben, ist der "letzte Schrei". Nicht, weil die Formation "Purple Schulz"(von denen dieser Song stammt) wieder "trendy" wäre. Sondern im wahrsten Sinn des Worts "der letzte Schrei". Da kann einer nicht mehr. Da ist einer am Ende. Und er schreit es in sich hinein oder er schreit es deutlich hinaus: "Ich will raus!"

"Ich will raus!" schreit einer heraus aus dem Beziehungsgeflecht der Familie. Um 's plakativ zu sagen: Mann und Frau und Kind leben nicht in einer heilen Welt, sondern im heillosen Chaos - Häuser ohne Seelen, Männer ohne Kraft, Frauen ohne Nerven, Kinder ohne Lachen. "Ich will raus!" schreit der Mensch, weil er Zusammenleben par excellence hier nicht findet.

Nein, "das Paradies kann das nicht sein", deshalb "nur weg, ganz weit weg", wohin auch immer, irgendwo ist es immer noch besser als an diesern Ort! "Ich will raus!" - das ist der letzte Schrei eines Menschen, ob er nun in Beziehungen oder alleine lebt. Der auf die tausend ungelösten Fragen eine Antwort sucht, damit er nicht mehr länger klagen und sagen muss: "Ach, was weiß denn ich, mein Kind!" Der den Himmel stürmt, weil er so gerne widerlegen wollte, was alle Welt sagt: "Der Himmel ist leer!"

"Ich hab Heimweh, Fernweh!" Was ich suche, scheint so weit weg. Hier ist das "Land der Henker", das "Niemandsland", wo man arbeitet und dabei doch alle Arbeit am Ende als umsonst erlebt, wo man zu den Gewinnern gehören will und sich am Ende doch immer verloren fühlt, wo man sich um ein rechtes Dasein bemüht und am Ende doch immer defizitär gelebt hat. wo man überhaupt das Leben will - und am Ende doch immer nur der Tod wartet. Hier ist "Land der Henker", "Niemandsland" - und darum der letzte Schrei: "Ich will raus!" - dorthin, wonach Ich Heimweh habe, die namenlose Heimat.

Es gab einen Menschen namens Elia, der war sogar ein ganz frommer Mensch, ein sogenannter Prophet, also ein Sprachrohr Gottes. Sogar von dem erzählt die Bibel, dass er auch den letzten Schrei ausstieß: "Ich will raus!" Er wollte seine Aufgabe aufgeben. Die Leute fanden ihn total daneben und lachten ihn aus. Er fühlte sich verfolgt, und darum verfolgte er kein Ziel mehr. Er floh in die Wüste und warf sich in den Staub: "Ich will raus! Ich will sterben! Es Ist genug! Es bringt alles nichts!"

Die Bibel erzählt dann, wie ein Bote Gottes in der Wüste des Wegs kam, Elia schlafen ließ, um ihn dann wachzurütteln, ihm zu essen zu geben, ihm gut zuzureden und ihn auf den Weg zu schicken mit den Worten: Wenn du auch "raus" aus allem willst - Gott will dich weiter "drin" haben in allem.

Du darfst deine Aufgabe nicht aufgeben! Du musst dich nicht aus deinen Beziehungen begeben! Ich brauche dich dort, wo du bist! Ich werde dich dort segnen, wo du bleibst! (Die Bibel, 1. Könige 19)

Wenn Sie den Song von "Purple Schulz" total präsent finden, dann sollen Sie hören, dass Elias Geschichte ebenso heute gilt. Wenn Sie so fühlen, wie der Sänger gesungen hat, dann sollen Sie wissen, dass auch heute ein Bote in Ihrer Lebenswüste des Wegs kommt. Dieser Bote heißt Jesus.

Jesus lässt Sie ausruhen, um Sie dann wachzurütteln, Sie zu stärken, Ihnen zuzureden:

"Ich will, dass du bleibst, wo du bist. Ich will, dass du den Weg weitergehst, den du begonnen hast. Wenn du mich mit dir gehen Iässt, wirst du sehen - es ist ein guter Weg. Denn Ich bin da, um dir die Schuld zu nehmen, weil Ich für die Menschen gestorben bin. Ich bin da, um deine Beziehungen zu heilen, weil ich die Beziehung der Menschen zu Gott wiederhergestellt habe. Ich bin da, um dir eine Perspektive über den Tod hinaus zu eröffnen, weil ich auferstanden bin. Ich bin also da, um deinem Leben in all seinen Bezügen Sinn zu geben. So wirst du Gott erleben auf dem Weg. Und wirst gesegnet sein."

Als Bote des Gottesboten Jesus darf ich Ihnen weitersagen, dass dies wahr werden kann:

Aus "Niemandsland" wird immer mehr Gottesland. Aus "Henkersland" wird immer mehr Lebensland.

Plakativ - und wahr - wie das Lied zu Beginn, so plakativ - und wahr - ist auch der Satz zum Schluss: "Wer flieht, vergeht - wer bleibt, besteht."

Wenn Sie Jesus "rein"lassen, müssen Sie nicht mehr "raus".

Von Herzen wünsche ich, dass Sie's wirklich erleben.

 

Pfarrerr Ulrich Scheffbuch, 23.7.2000

 

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