HORIZONT - Gottesdienst in Filderstadt - Bernhausen vom 13.2.2000 :

 

Beweise mir Gott!

 

Zusammenfassung:

„Beweise mir Gott!" Diese Aufforderung hört man von Zeit zu Zeit. Wer nach einem Beweis für Gott fragt, fragt nach Gott, und das ist gut so. Wer so fragt, will Sicherheit über Gott gewinnen. Er will „hinter die Kulissen" sehen, was wirklich an Gott dran ist. Er will überzeugt und nicht überredet werden. Wer so fragt und darauf auch eine Antwort hören will, zeigt, dass er mit Gott noch nicht fertig ist. Deshalb nehme ich diese Aufforderung „Beweise mir Gott!" sehr ernst.

Um zu einer Antwort zu kommen, frage ich: Was bedeutet eigentlich „beweisen"?

„Beweisen" kann man auf verschiedenen Wegen:

  1. Einen Gegenstand kann man mit den 5 Sinnen wahrnehmen (z.B. ein Buch sehen à Wahrnehmung, Empirie).
  2. Mathematische Formeln kann man logisch nachvollziehen und auflösen (4+5=9 à Logik, Verstand).

Was ist ein Beweis? Eine „Darlegung der Richtigkeit oder Unrichtigkeit von Urteilen durch logische oder empirische Gründe" (Brockhaus). Folglich kann man in den Bereichen „Verstand" und „Wahrnehmung mit unseren 5 Sinnen" beweisen.

Aber schon hier gilt: Jedes Ding erfordert seinen eigenen Weg der Erkenntnis. (Man kann ein Buch nicht hören!). Eine falsche Erkenntnismethode ergibt ein falsches oder kein Ergebnis.

Es gibt vieles auf der Welt, was man mit Verstand und Sinneswahrnehmung gar nicht erfassen kann, z.B. Liebe. Man kann manche Dinge nicht beweisen, aber spüren oder fühlen (Gefühle).

Wie kann man Gott beweisen? Mit dem Verstand, mit den 5 Sinnen, mit Gefühlen? Gar nicht, denn Gott ist ganz anders. Also braucht es einen anderen Erkenntnisweg. Fragen wir doch Jesus!

Jesus wurde einmal gefragt, was Gott von den Menschen wolle. Er antwortete: „Gott will nur eines: Glaubt an den, den er gesandt hat." Darauf sagten die Leute zu ihm: „Beweise erst einmal, dass du im Auftrag Gottes handelst, dann glauben wir dir." (Johannesevangelium 6,28-40) Die Leute wollten erst sehen – und dann glauben. Aber Jesus hat sich auf diese Reihenfolge nicht eingelassen. Und das hatte einen guten Grund: Glauben heisst, sich auf Gott einzulassen, ihm zu vertrauen. Vertrauen kann man nur mit seiner ganzen Person, ohne Vorbehalt. Gott kann ich nicht wahrnehmen, bevor ich ihm vertraue, sondern nur, indem ich ihm vertraue. Gott erst sehen wollen, damit ein Mensch daraufhin an ihn glauben kann, ist ein falscher Erkenntnisweg, denn Sehen als Vorbedingung für das Vertrauen zerstört das Vertrauen. Liebesbeweise sind Gift für die Liebe. („Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.")

 

Gott fordert uns auf, ihm zu vertrauen. Und er weiss, dass wir damit unsere Probleme haben, denn wer zu einem anderen Vertrauen finden will, geht immer ein Risiko ein. Thomas, einer der Jünger, konnte nicht glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Er wollte erst sehen, bevor er das glaubte. Jesus erfüllte diesmal seinen Wunsch (das einzige mal in der Bibel!), sagte dann aber: „Freuen dürfen sich alle, die nicht sehen und doch glauben." Lassen Sie es auf einen Versuch ankommen. Wer Gott vertraut, dem schenkt er das wahre Leben.

 

Filderstadt, 5.12.1999

Andreas Roß (Pfr.z.A. in Neuhausen)

 

Die ganze Ansprache :

Als Neuhausener, wo geht man da spazieren? Ganz klar, im Sauhag. So heisst ein Waldstück zwischen Wolfschlugen und Neuhausen. Da ging ich kürzlich spazierren mit meinem Fotoapparat, denn ich bin ja nur ein halber Pfarrer und zum Teil noch bei Bosch beschäftigt. Ich muss bei Bosch manchmal Fotos machen und den Film dann zu Hause vollschiessen. Und jetzt habe ich schon genug Bilder von meinen 3 Kindern. Ich war also unterwegs und hörte ein Rascheln im Gebüsch, nicht wie bei einer Maus oder einer Amsel - nein - es war etwas Grösseres. Ich dachte schon, endlich mal ein Wildschwein, etwas richtig Grosses. Ich hab den Foto draufgehalten und als das Ding hinter dem Busch vorkam, abgedrückt. Und das ist dabei rausgekommen : (Bild eines Stegosaurus, aufgenommen im Urweltmuseum Holzmaden). - Sauhag in Neuhausen - gehen sie dort auch mal spazieren! Dieses Bild hab' ich selbst gemacht! Das ist keine Fotomontage! Haben sie Zweifel, oder wie? Darf ich daran erinnern, dass ich von Beruf Pfarrer bin, mir glaubt man!

Also gut, gut so. Sie lassen sich offenbar kein X für ein U vormachen. Das finde ich in Ordnung. Das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für unser Thema heute, wo es darum geht: Beweise mir Gott! Dann denke ich, sie sind nicht zuletzt wegen dieses Themas gekommen. Wer sagt; Beweise mir Gott!, der will sich auch kein X für ein U vormachen lassen, der will der Sache auf den Grund gehen. Der will sich nicht irgendwas von Gott erzählen lassen. Wenn sie sich irgendwas von Gott oder der Gottheit erzählen lassen wollen, empfehle ich ihnen Ende diesen Monats nach Stuttgart zu gehen auf die Esotherika, nicht Erotika, Esotherika! Das ist eine Esotherikmesse in Stuttgart, da kriegen sie alles zu hören, was sie wollen. Aber sie wollen nicht hören, was nicht fundiert wäre. Deshalb sind sie hier und es ist ihr gutes Recht, hier nicht überredet, sondern überzeut zu werden. Gut - da lasse ich mich gern drauf ein. Beweise mir Gott! Ich schlage vor, dass wir am Anfang erst ein Mal überlegen, wie das mit dem beweisen ist. Was ist beweisen? Das kann man ganz kurz machen. Dass ich hier ein Buch in Händen halte, das kann ich ihnen beweisen, das können Sie fühlen, wenn ich es ihnen in die Hand gebe. Was wir mit unseren 5 Sinnen wahrnehmen können, das können wir auch beweisen. sehen, schmecken, riechen, tasten, hören, - es soll ja auch Menschen mit einem 6. Sinn geben, das ist aber noch wenig erforscht. Also, was wir mit unseren 5 Sinnen wahrnehmen können, das können wir beweisen. Dass 4 + 5 acht ist, - das können Sie mir jetzt problemlos widerlegen. Mathematik ist logisch aufgebaut, man braucht logischen Sachverstand. Wir haben unsere 5 Sinne und wir haben unser logisches Denken und das braucht man, um beweisen zu können. Ich habe im Brockhaus nachgeschaut, was ist ein Beweis? "Ein Beweis ist die Darlegung der Richtigkeit oder Unrichtigkeit von Urteilen durch logische oder impirische Gründe." Also auf gut deutsch, ob ein Urteil richtig ist oder nicht richtig, das kann ich darlegen entweder durch logische Gründe, den logischen Verstand oder durch empirische Gründe, also durch die Wahrnehmung mit den 5 Sinnen. Bei der Wahrnehmung mit den 5 Sinnen geht es aber nicht darumm, irgendwelche Erfahrungen auszutauschen. Es geht nicht nur um Erfahrungen, es muss für einen anderen einsichtbar sein, übertragbar sein. Wenn ich zu ihnen sage: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass BMW fahren das beste ist auf der Welt, dann melden sich jetzt gleich die Trabbi-Fahrer. Es muss übertragbar sein, nachweisbar übertragbar sein, Empirie nennt man das. Das sind Beweise und auf diesem Gebiet kann man beweisen. Und wenn man das beachtet, kann man auf vielen verschiedenen Bereichen Beweise darstellen. Zum Beispiel folgendes: Ein Physiker kann ihnen beweisen, dass eine Vogelfeder und ein Apfel im Vakuum gleich schnell fallen. Das ist kaum zu glauben, aber im Vakuum ist das so. Ein Biologe beweist ihnen, dass Pflanzen mit Hilfe von Sonnenlicht Sauerstoff erzeugen können. Ein Mathematiker kann ihnen beweisen, dass die Summe aller Winkel in einem Dreieck 180 Grad ergeben. Ein Chemiker kann ihnen beweisen, dass es Benzolverbindungen gibt, die täuschend echt nach Orange schmecken. Oder glauben sie im Ernst, die Orangenlimonade in der Fantaflasche hätte auch nur von der Ferne jemals eine Orange gesehen. Schauen sie mal drauf, natürliche und naturidentische Aromastoffe, das sind Benzolverbindungen, Aromate. Das alles kann man beweisen. Aber schon hier muss man sehr sorgfältig vorgehen. Ich kann eine Sache nur dann beweisen, wenn ich den richtigen Weg der Beweismethode wähle. Jetzt machen wir einen Feldversuch hier in Bernhausen, bitte absolute Stille im Raum - hören sie das Buch? Nein sie hören es nicht, denn hören ist bei dieser Art von Wahrnehmung die falsche Erkenntnismethode. Wenn sie eine falsche Erkenntnismethode auswählen, kommen sie auch bei solchen einfachen Dingen zu keinem, oder wenn, dann zu einem falschen Ergebnis. Es kommt auf die richtige Erkenntnismethode an. Und jetzt ist es so, dass man selbst mit unseren 5 Sinnen und mit unserem logischen Denken viele Dinge garnicht nachvollziehen kann, garnicht wahrnehmen kann. Stellen sie sich vor, der Stepke, etwa 5. Klasse, kommt von der Schule heim, legt ein Blatt Papier und einen Kuli auf den Küchentisch und sagt: "Mama, jetzt beweise mir Mal, dass du mich lieb hast, schriftlich!" Dabei kommt nichts raus.

Hier ist das Ende des Beweisens erreicht, und ich möchte beweisen so wie es der Brockhaus macht, beschränken auf die Wahrnehmung mit den 5 Sinnen und mit dem logischen Denken. Hier kommen sie nicht mehr weiter mit dem Beweisen. Und deswegen bin ich auch der Meinung, wenn jemand sagt: "Ich glaube nur das, was ich sehe.", das greift viel zu kurz. Kennen sie den Satz von St.Exuperie: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Er war kein Christ, doch ist das ein sehr berühmter Satz. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, wenn dann jemand sagt, er glaubt nur das, was er sieht, der tut mir fast leid. Man braucht manchmal eine andere Erkenntnismethode, fühlen, spüren, Gefühle, Emotionen. Liebe kann man nicht beweisen, das geht nicht!

So, danke, dass sie bis jetzt noch dabei sind, jetzt zum eigentlichen Thema, wie ist das mit Gott, wie machen wir das mit dem Beweis von Gott? Machen wir das mit den 5 Sinnen oder mit dem logischen Denken - oder mit Gefühlen? Und ich schlage vor, dass wir an dieser Stelle Jesus fragen, und zwar deshalb, weil er von vielen als Religionsstifter anerkannt ist. Und ich denke als Religionsstifter muss man ein Fachmann für Glaubensfragen sein, für Religion. Also frage ich Jesus: Wie ist das mit dem beweisen von Gott? Und ich habe Glück, denn es sind schon andere vor mir gekommen und haben Jesus gefragt. Da kommen etliche Leute zu Jesus. Er ist mal wieder unterwegs um zu predigen, mit den Leuten zu diskutieren über Gott und sie fragen ihn ersthaft: "Was müssen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen? Was will Gott von uns?" Stellen sie sich das einmal vor, wenn ein Konfirmant zum Pfarrer kommen würde und diese Fragen stellen würde, da kriegt der Pfarrer leuchtende Augen und sagt:"Endlich fragt mal einer. Die 10 Gebote, du sollst niemand umbringen, du sollst nicht stehlen, du sollst -nicht einmal in Gedanken- Ehebruch vollziehen, du sollst den Gameboy deines Nachbarn nicht begehren,...." Solche elementaren Grundregeln - aber all das hat Jesus nicht gebracht sondern Jesus hat nur eins gesagt: "Gott verlangt nur eins von euch. Glaubt an den, den er gesandt hat." Mit anderen Worten, Jesus ist vor die Leute hingestanden und hat gesagt: Gott will nur eins von Euch, glaubt an mich!

Sie können sich denken, dass die Leute sich damit nicht zufriedengegeben haben. Und sie haben nachgefragt: "Wir wollen erst mal ein Wunder sehen, dann glauben wir die" Erst sehen, erst ein Wunder, dann glauben- und was kam dann ? Sie kennen vielleicht verschiedene Wunder von Jesus, mich wundert es noch bis heute, dass er nicht zum Schutzheiligen der Gastronomie geworden ist, machte Wasser zu Wein. Das ist für manche Winzer im Rheingebiet hochinteressant. Nein, kein Wunder, nichts, kein Beweis, garnichts. Jesus steht nur hin und sagt:"Ich schenke euch das wahre Leben. Und ich werde keinen abweisen, der zu mir kommt und es will. Vertraut mir." Schwach, schwache Nummer, kein Beweis. Hat Jesus denn nichts stärkeres zu bieten als ein: Vertraut mir! Nichts, kein Futter für das logische Denken. Keine Versuchsreihe für die 5 Sinne. Nicht einmal ein lausiger Appell: Fühlt ihr denn nicht Gott in euch? Nichts. Und warum nicht? Das ist jetzt eine sehr schwierige Frage. Warum gibt Jesus in vollem Bewusstsein hier eine ganz schwache Figur ab? Weil er nicht anders kann. Weil Gott ganz anders ist als alles, was wir kennen. Weil wir mit unseren bisherigen Erkenntnismethoden und den Beweisen, nicht einmal mit dem erweiterten Beweisen, mit Gefühlen usw., keinen Schritt weiterkommen. Es geht nicht. Gott ist ganz anders, wir brauchen einen völlig anderen Erkenntnisweg für Gott, und dieser heisst in einem Wort gesagt: glauben. Es gibt keinen anderen Weg, Gott zu erfahren, als an ihn zu glauben. Das ist jetzt vielleicht eine Enttäuschung für alle die, die gekommen sind und gedacht haben -wie die Leute, die Jesus angesprochen haben- erst beweisen, dann glauben. Nein, es gibt keinen anderen Weg Gott zu erfahren, als an ihn zu glauben. Das heisst, als sich auf ihn einzulassen, als ihm zu vertrauen. Und mit dem Vertrauen ist das eine ganz besondere Sache. Vertrauen kann ich nur mit meiner ganzen Person! Das ist existenziell, ich lasse mich ganz auf einen anderen ein - oder garnicht. Glauben sie mir, der altbekannte Satz: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." ist eine Lüge. Wer vertraut und gleichzeitig kontrolliert, macht Vertrauen kaputt. Das ist eine Lüge - in der Wirtschaft sehr verbreitet - aber in der Wirtschaft gibt es ja noch mehr verbreitete Lügen. Ich kenne das aus eigner Erfahrung, Vertrauen kann man nur mit der ganzen Person. Und deswegen kann ich Gott nicht wahrnehmen, wenn das der einzige Weg ist Gott zu erfahren, ihm zu vertrauen. Gott kann ich nicht wahrnehmen, bevor ich ihm vertraue, sondern nur - indem ich ihm vertraue. Nicht vor dem Vertrauen bekomme ich etwas von Gott mit sondern nur dadurch, dass ich ihm vertraue. Ich erinnere nochmal, die Leute haben zu Jesus gesagt:"Wir wollen erst ein Wunder sehen, dann glauben wir dir". Und ich behaupte, das ist eine falsche Erkenntnismethode, das führt zu nichts, damit kommen die nicht weiter. Das ist genauso wie wenn der Stepke zur Mama sagt: Beweise mir, dass du mich lieb hast! Keine Chance auf ein Ergebnis. Das ist genauso, wie wenn ich zu einem von ihnen sage: "Fax mir eine Pizza rüber." Faxen geht, so hat man früher kommuniziert, als es noch kein email gab. Pizza gibts auch, wenn sie auch vom Heimservice ziemlich pappig rüberkommt. Aber Pizza faxen, das geht nicht. Beweisen gibts. Gott gibts auch. Aber Gott beweisen, das geht nicht. Und es ist nicht nur so, dass es kein Ergebnis gibt, es ist noch viel schlimmer: Wenn ich beweisen als Vorbedingung für das Vertrauen sehe, dann mache ich Vertrauen kaputt! Von wegen "Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser." Kontrolle zerstört Vertrauen! Wenn ich zuerst beweisen will, mache ich dann Vertrauen kaputt, das zerstört Vertrauen. Denn der Unterschied ist, Vertrauen, das ist existenziell, mit der ganzen Person. Wenn ich jemand vertraue, ich lege wirklich meine Hand in die seine offene Hand - und er lässt seine Hand offen, ich kann meine Hand jederzeit wieder wegnehmen. Beweisen - da will ich mich mit meiner Person erst mal raushalten, da will ich erst mal auf Distanz bleiben, nur keinen Fehler machen, sich nur nicht lächerlich machen. Beweisen als Vorbedingung auf Vertrauen - zerstört Vertrauen. Vielleicht kennen sie das, wenn sie in einer Partnerschaft sind. Kennen Sie den Satz: "Beweise mir mal, dass du mich lieb hast!" Als Partyspiel ganz nett - ich bin schon oft darauf reingefallen- aber ernstgemeint "Beweise mir, dass du mich lieb hast!" - Liebesbeweise sind Gift für die Liebe - nicht Sicherheit für die Liebe.

Gut, ich bin mir im Klaren, ich mache keine gute Figur vor ihnen. Sie sind gekommen, weil sie der Satz interessiert hat: Beweise mir Gott! Und ich stehe hier und sage: "Ich kann's nicht." Wenn ich es versuchen würde, würde das nicht nur ein Fiasko geben sondern ich würde ihnen den Weg zu Gott verbauen. Weil beweisen als Vorbedingung zu Vertrauen das vertrauen zerstört. Ich kann nicht anderes machen als hier stehen und die Worte wiederhlolen, die Jesus gesprochen hat: "Vertrauen sie Gott." Ich weiss auch, dass es nichts bringt, wenn ich jetzt hier hinstehe und sage: "Ich bin überzeugt, dass es Gott gibt!" Ich erzähle ihnen stundenlang, was ich mit ihm erlebt habe. Ich habe erfahren, es gibt ihn. Das hilft nichts, das hat schon ein anderer gemacht, diese Erfahrung, damals bei Jesus. Drei Jahre lang war er unterwegs mit seinen Jüngern und hat mit den Leuten geredet. Es war eine Aufbruchstimmung, endlich was wirklich neues, ein vollkommen neuer Anfang, ein Aufbruch, etwas aufregendes. Träume sind entstanden. Wünsche sind wahr geworden. Die haben aussergewöhnliches, paranormales erlebt. Und dann kommt da einfach dieser Tag an dem dieser Mann am Kreuz hängt und verreckt. Und das bedeutet gleichzeitig der Tod jeden Traumes. Alles vorbei, alles aus. Die Jünger waren am Boden, da war nichts mehr, was noch irgendwie Hoffnung geben könnte, kein Strohhalm mehr, an dem man sich festklammern könnte. Und einer von ihnen hat es nicht ausgehalten, bei den anderen dabeizusein, er hiess Thomas. Während die anderen so in der Hütte sassen, sagte er: "Ich muss raus, ich brauch Ruhe, ich muss mal allein sein." Und er ging raus aus Jerusalem und setzte sich auf einen Felsen, schaute auf die Stadt runter, schaute in das Gidrontal und versuchte irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Wie ist das, wenn alle Träume zerstört sind? Er ging dann wieder nach Hause nach einiger Zeit, zu den anderen, denn ein anderes Zuhause hatte er nicht mehr, ging zu der Hütte zu den Jüngern, und schon als er näherkam merkte er "da stimmt irgendwas nicht". Da kamen Stimmen entgegen. Da war es laut. Da schien sogar einer zu lachen. Und Thomas gieng etwas schneller, gieng in die Hütte hinein, machte die Tür auf und was er da sah, das passte überhaupt garnicht zu dem. Nur ein paar Stunden vorher ist er weggegangen und jetzt -er hatte Trauerstimmung verlassen, alle waren deprimiert- und jetzt strahlen sie ihn alle an und lachen und freuen sich. Einige weinen. Einer von ihnen sagt: "Thomas, du wirst es nicht glauben, wir haben gedacht, Jesus ist tot, aber er war hier, wir haben ihn gesehen. Er lebt." Ich kann mir gut vorstellen, dass Thomas in diesem Augenblick gedacht hat: Ihr seid völlig übergeschnappt. Es steht nicht in der Bibel aber wahrscheinlich hat er das gedacht. "Ihr habt sie nicht mehr alle. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Ihr macht euch alle was vor." Trauerpsychologie, usw, Visionen. "Wenn ich nicht meine Hand in seine legen kann und sehe, dass er da in den Händen diese Wundmale hat, wo sie diese Nägel durchgetrieben haben bei der Kreuzigung und wenn ich nicht meine Hand an seine Seite legen kann und fühlen kann, wo die Wunde ist, die der Soldat ihm beigebracht hat, um zu testen, ob er wirklich tot ist, dann glaube ich es nicht. Dann kann ich es nicht glauben. Das ist zu schön um wahr zu sein." Und wissen sie, was danach passierte? Nichts, eine Woche lang - nichts. Und 8 Tage später, sie hatten sich schon daran gewöhnt, dass nichts passiert, waren sie wieder alle beisammen in der Hütte. Euphorie bei den einen, Zweifel bei den anderen und da stand er plötzlich im Raum, dieser Jesus. Er stand einfach da im Raum und er ging direkt auf Thomas zu und sagte:"Friede sei mit euch! Thomas, du wolltest doch deine Hand in meine Hand legen und deine Hand in meine Wunde. Hier bin ich, mach's." Thomas brachte kein Wort mehr heraus und es war keine Rede mehr davon, Jesus zu berühren, nein, ihm steckte ein Kloß im Hals und alles, was er noch sagen konnte war: "Du bist mein Herr und du bist mein Gott." Und Jesus sagte zu ihm:"Jetzt glaubst du, weil du mich gesehen hast. Aber das wird eine Ausnahme bleiben. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." So war es damals. Ich habe Jesus, ich habe Gott nie gesehen mit meinen Augen, er stand nie vor mir. Und sie werden ihn auch nicht sehen - aber so wie Jesus damals dem zweifelnden Thomas entgegengekommen ist, so wird Gott auch ihnen entgegenkommen, so ist er Herrn Hausmann entgegengekommen, so ist er mir entgegengekommen und deswegen stehen wir hier vorne. Gott kann man begegnen. Und ich sage ihnen, warum ich darauf komme. Weil er einmal gesagt hat: "Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, werde ich mich von Euch finden lassen. Das sage ich, der Herr." Gott ist garnicht so einer, dem man nicht auf die Spur kommen könnte. Gottes Absicht ist es garnicht , sich zu verstecken. Sie müssen garnicht wie auf dem Plakat da drüben diese 28 km Leiter nach oben um zu fragen: "Gott bist du da?" Nein, Gott will sich finden lassen. Glauben sie, es würde den HORIZONT-Gottesdienst geben, wenn Gottes ureigene Absicht es wäre, sich lebenslang zu verstecken, sich nicht aufspüren zu lassen? Gott versteckt sich nicht vor uns und er ist uns garnicht fern und er will nicht unerkannt bleiben. Es erfordert keine besonderen Vorkenntnisse, Gott zu begegnen, aber es erfordert vollen Einsatz, nämlich Vertrauen, was nur mit der ganzen Person geht. Vielleicht ist da jemand unter ihnen, der schon ein bisschen daran rumdenkt an dem Thema und vielleicht auch schon mal so eine Art Gebet probiert hat und gesagt hat:"Gott, ich weiss garnicht, ob es dich gibt? Aber ich sag dir eins, wenn es dich gibt, dann mach dich doch mal irgendwie bemerkbar. Lass doch einmal irgendwie was von dir hören. Ich suche hier nach dir. Ich will ja an dich glauben aber ich kann's nicht, es geht einfach nicht. Kein Mensch wird mich davon überzeugen, dass es dich gibt, nur du kannst es. Bitte mach es, hilf mir zu glauben." Vielleicht ist jemand unter ihnen, der es schon probiert hat oder es probieren möchte und da kann ich nur eins dazu sagen: Gott sagt, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, dann lasse ich mich von euch finden. Mehr kann ich nicht sagen, vielen Dank fürs Zuhören.

Frage zum Thema aus dem Puplikum: Was ist, wenn ich mich nicht traue, mich auf diesen Herrn einzulassen?

Pfarrer Andreas Ross:

Ich würde vorschlagen in diesem Fall etwas zu tun, was als Methode aus der Wirtschaft kommt, aber ganz gut ist, nämlich eine Risikofolgenabschätzung zu machen. Überlegen sie sich 2 Dinge:

1) Was ist das Beste, das dabei herauskommen kann?

2) Was ist das Schlimmste, das mir dabei passieren kann?

Sollten sie sich einmal selber überlegen. Was ist das Risiko, das ich eingehen kann, das ich eingehen will? Wenn das Schlimmste, was rauskommen kann ist, dass sie eigentlich nichts zu verlieren haben, denn wenn sie jetzt in Bernhausen Menschen kennen, die sagen: "Ich glaube an Gott", denen sie aber anmerken, sie haben damit ihren Verstand, ihre Gefühle, ihr logisches Denken nicht abgegeben sondern vereinbaren das, dann könnte es sein, dass das Risiko ein relativ kleines ist, ausser vielleicht festzustellen, da ist garnichts. Ich vermute, es ist nicht grösser aber jeder muss für sich selbst überlegen: Was ist das Schlimmste, was mir passieren kann?

 

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