Wer von uns hat`s nicht schon tausendmal gehört, von Kindern und Jugendlichen und vielleicht auch
von Erwachsenen, wenn`s darum ging, etwas nicht zu tun: "es macht keinen Spaß"?
Und wer von uns genießt umgekehrt nicht ein spontan gekauftes Eis, "just for fun"?
Doch, es ist schon fast so etwas wie eine Forderung, ein Anspruch an das Leben: "Spaß muß sein!".
Cool und locker muß etwas, muß jemand daherkommen, gut drauf sein, wenn er bei uns landen will.
Dabei kommt doch das Leben, je älter wir werden, oft ganz anders daher: so, wie vorhin ge-
sehen und gehört: mit Ernst, mit den Problemen von Arbeitsüberlastung und Arbeitslosigkeit, mit
Ungerechtigkeit und Einsamkeit.
Und da kann einem das Lachen durchaus vergehen!
Was also suchen wir da eigentlich, wenn wir Spaß suchen?
Sind es nicht vor allem bestimmte Gefühle wie Entspannung, Entlastung, Befriedigung, ja Erfüllung?
Gefühle also, die viel mit Kindheitserinnerungen und Kindheitssehnsüchten zu tun haben.
So daß sich durchaus mit gutem Grund an dieser Stelle von so etwas wie Regression reden ließe, der
Sehnsucht nach einer heilen, gestillten, beglückenden Kindheitswelt; eine Sehnsucht, die unter Umstän-
den auch eine ganze Gesellschaft ergreifen kann.
Doch selbst wenn hier viel Infantiles, Kritisierenswertes zu nennen wäre, bleibt es doch eine Tatsache:
wir suchen Spaß, Vergnügen, Lust, ganz offenkundig, weil wir sie brauchen!
Und so hat auch das Thema unseres Gottesdienstes sein Recht: "Leben, das Spaß macht".
Nur sollten wir diese Aussage befragen. Sollten dahinter einen Doppelpunkt setzen und fragen, welches
Leben denn Spaß macht? Und was das überhaupt ist, der Spaß?
Der Duden verrät uns, daß unser deutsches Wort Spaß vom italienischen Wort "spasso" sich ab-
leitet und "Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen" bedeutet.
Wen es sprachlich noch näher interessiert, den wundert nicht, daß dieses italienische Wort auf das
Lateinische "expassare" = "ausbreiten, zerstreuen" bzw. auf "expandere" = ausspannen zurückgeht.
Wo also suchen die Leute ihr Vergnügen, ihren Zeitvertreib, ihre Zerstreuung?
Da fällt jeder und jedem von uns sicherlich eine ganze Menge ein: der klassische Bereich der Kultur
zum Beispiel: Musik, Theater, Film usw.
In den letzten Jahren immer noch wichtiger geworden dann das ganze Feld des Sports, der Fitness, des
schönen, durchgestylten Körpers.
Und natürlich darf beim Spaß die Lust nicht fehlen, und damit das weite Feld der Sexualität.
Für manche muß es gar nichts Ausgefallenes sein, woran sie Spaß und Freude haben: geht es uns
vielleicht sogar selber so, daß wir unsere Familie und unseren Beruf, nicht immer, aber oft, auch
als einen Ort des Vergnügens erleben?
Aber wahrscheinlich empfinden wir es trotzdem ähnlich: daß uns eine solche Aufzählung noch nicht
vollständig befriedigt.
Und so frage ich noch einmal: Leben, das Spaß macht, wie muß das sein?
Und würden uns da nicht allen letztlich doch ähnliche Qualitäten einfallen:
daß es befriedigend sein muß, vielfältig, interessant, abwechslungsreich, spannend, gesund, erfüllt und,
und, und...
Ein Ideal also? Und darin unerreichbar?
Manchmal hat man schon den Eindruck. Wenn man sich die schöne, heile Welt der Werbung anschaut,
die perfekte Glanzwelt, die uns von den Medien vermittelt wird.
Die Realität aber, und ich möchte dabei niemandem zu nahe treten, sieht doch oft ganz andes aus:
wir sind müde und gestreßt, überfordert und genervt, gereizt und erschöpt.
Deshalb frage ich ein weiteres Mal: was hilft denn nun im richtigen Leben, in unserem nämlich, zu
einem Leben, das Spaß macht?
Wirklich nur die dauernde Steigerung der Reize, die fortgesetzte Erhöhung der Dosis dessen, was uns
aufputscht, aufgeilt, antörnt?
Ich setze dagegen, daß ein Leben, das Spaß macht, nur ein solches ist, das Sinn hat.
Und ein Leben, das Sinn hat, besteht, wie das Wort Spaß und Sinn aus vier Buchstaben, aus vier Feldern:
Leistung. Für Christen festzumachen an ihrem Getauftsein.
3. Klaren, guten Vorstellungen vom Leben. Solchen voller Hoffnung, von denen die Bibel so viele ent-
hält.
4. Klaren, guten Zielen. Für die zu leben sich lohnt. Und die sich für Christen herleiten vom letzten
Ziel, der Ewigkeit Gottes. Die ER nicht ohne uns verbringen will!
Ein Leben, das Spaß macht, ist eines, das Sinn hat!
Ein Leben, das Sinn hat, ist dann auch eines, das Leid, Schmerzen, ja den Tod nicht ausklammern muß.
Diese Prüffelder des Lebens, die in einem letzten Sinn keinem erspart bleiben.
Ein Leben, das Sinn hat, muß dann auch keines mehr sein, in dem es vor allem um das Haben geht.
Geben können, hergeben können und teilen, wird dann mehr und mehr möglich.
Eine ganz andere Perspektive tut sich auf.
Vielleicht nicht mehr die herkömmliche Spaß - Perspektive.
Aber die einer Leidenschaft, zu leben. Und mitzuleiden. Wenn wir an die Bilder der Helfer von Eschede
denken. An das Trösten, das Bergen, das Blutspenden, das Kaffekochen, alles Helfen.
Gespeist aus einer Kraft, die so nur der Glaube an Gottes Möglichkeiten schenkt.
Ja, Leben das Spaß macht, ist ein Leben, das Ernst macht mit der Freude an Gott!
Und mit der Fürsorge für seine Geschöpfe!
Pfarrer Christian Kohler 7.6.1998