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Wann beginnt vor Gott die Ehe? Sind wir nicht schon verheiratet wenn wir miteinander Sex haben?


In der Bibel steht an keiner Stelle, dass man in irgendeiner Form getraut werden oder einen Vertrag (wie beim Standesamt) unterschreiben muss um als verheiratet zu gelten bzw. eine Ehe zu schließen. Oft wurde die Ehe mit dem ersten Geschlechtsverkehr vollzogen. Sind damit zwei Menschen nicht also schon verheiratet wenn sie miteinander schlafen? Wann beginnt vor Gott eine Ehe?

Dies ist eine unter Christen leider sehr weit verbreitete These. Auch Martin Luther hat damals geschrieben:
Wenn ein Bub zu seinem Mädel hinaufsteigt in die Kammer, und die beiden sind sich einig vor Gott, so beginnt in dem Augenblick die Ehe...

Die Vorstellung ist zwar sehr populär - da sie ja theoretisch rechtfertigen würde dass zwei Menschen miteinander schlafen bevor sie kirchlich bzw. standesamtlich getraut wurden - entspricht aber nicht dem was in der Bibel steht.

Als Hauptargument hierfür wird immer wieder die Hochzeit zwischen Isaak und Rebekka angeführt:
1. Mose 24 65-67 (Schlachter):Und Rebekka blickte auf und sah Isaak. Da ließ sie sich vom Kamel herab und sprach zu dem Knecht: Wer ist jener Mann, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht sprach: Das ist mein Herr! Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.
Und der Knecht erzählte dem Isaak alles, was er ausgerichtet hatte. Da führte sie Isaak in das Zelt seiner Mutter Sarah und nahm die Rebekka, und sie wurde seine Frau, und er gewann sie lieb. [...]


Dabei werden allerdings immer wieder einige Kleinigkeiten vergessen, insbesondere die von Gott gedachte Reihenfolge:

1. Vater und Mutter verlassen


Schon zu Beginn der Bibel liest man:
1. Mose 2, 24 (Schlachter):Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.

1. Vater und Mutter verlassen
2. Seiner Frau anhangen
3. Ein Fleisch werden

"Vater und Mutter verlassen" ist hier relativ eindeutig: Es beschreibt das Verlassen der Eltern und das Gründen eines eigenen Haushaltes. Der Ausdruck "Ein Fleisch werden" ist eigentlich auch noch recht bekannt. Hiermit ist in der Bibel schlicht und ergreifend der Geschlechtsverkehr gemeint. Es beschreibt aber gleichzeitig eine SEHR tiefe und innige Beziehung zwischen Mann und Frau. Eine Beziehung die nicht mehr getrennt werden kann (aus zwei Personen wird eine).
Bild
Das dritte Element - "seiner Frau Anhangen" - ist schon etwas schwieriger zu interpretieren. Es wird an anderer Stelle oft auch für Geschlechtsverkehr verwendet (z.B. 1. Korinther 6, 16), was man hier allerdings ausschließen kann, da dieser Punkt bereits genannt wurde (ein Fleisch werden). Ähnliche Worte (griechisch προσκολλα in der LXX) tauchen an anderer Stelle der Bibel oft im Zusammenhang von einem Bund, einer sehr tiefen Beziehung oder einer starken und sehr engen Bindung auf. So wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass wir Gott "anhängen" sollen (5. Mose 10, 20, 5. Mose 13, 5). In 2.Koenige 5, 27, ist davon die Rede, dass einem eine Krankheit ewig anhaftet.
Hier wird deutlich, dass mit "Anhangen" mehr gemeint ist als einfach nur Wohnung und Bett miteinander zu teilen. Es ist eine sehr starke Beziehung zwischen zwei Menschen, die auf lange Zeit ausgelegt ist, eine Beziehung die mit derjenigen zwischen Gott und uns vergleichbar ist, ein Bund für's Leben, den Mann und Frau miteinander eingehen. Wenn auch nicht eindeutig ergründbar ist, ob mit dem "Anhangen" eine Hochzeitsfeier gemeint ist so wird doch klar, was für eine Vorstellung Gott von Ehe hat: Sie soll eine verbindliche und langfristrige Beziehung sein.
Fassen wir zusammen: Eine Ehe wird initiert, indem...
1. die Eltern verlassen und ein gemeinsamer Haushalt gegründet wird
2. die Partner in einer verbindlichen, engen Beziehung leben, die nicht gelöst werden kann
3. Geschlechtsverkehr stattfindet.

Somit ist Sex weder die Ehe an sich, noch wird eine Ehe durch Geschlechtsverkehr geschlossen. Sex ist TEIL der Ehe, so wie ein Rad Teil eines Autos ist.
a) Ein Auto ohne Räder ist kein vollständiges Auto
b) Räder alleine machen noch kein Auto aus
c) Ein Rad alleine ohne Auto macht für sich genommen überhaupt keinen Sinn und hat losgelöst von einem wie auch immer gerarteten Gefährt überhaupt keine Existenzberechtigung.

So ist es auch beim Geschlechtsverkehr.
a) Eine Ehe ohne Sex ist keine vollständige Ehe
b) Sex alleine macht noch keine Ehe aus
c) Geschlechtsverkehr losgelöst von einer Ehe hat keine Existenzberechtigung

Leider wird heute genau umgekehrt zu der göttlichen Vorstellung vorgegangen. Man geht erst zusammen ins Bett, verlässt dann die Eltern und gründet schließlich einen gemeinsamen Haushalt und vielleicht - wenn einem mal irgendwann danach ist - wird dann noch geheiratet, als letztes Sahnehäubchen des Glücks...

2. Hochzeit und Eheschließung waren immer eine öffentliche Angelegenheit


Es gibt diverse biblische Belege von Hochzeiten. Diese haben alle eines gemeinsam: Eine Hochzeitsfeier. Im Falle von Isaak und Rebekka kommt der Knecht von Abraham zu Laban und seiner Familie, bekommt auf übernatürliche Art und Weise Rebekka gezeigt und hält bei ihrer Familie um ihre Hand an. Dies geschieht aber so, dass es jeder mitbekommt:
1. Mose 24, 54 (Schlachter):Da aßen und tranken sie, er samt den Männern, die mit ihm waren, und sie blieben dort über Nacht. Aber am Morgen standen sie auf, und er sprach: Laßt mich zu meinem Herrn ziehen!

Alle haben es mitbekommen. Nachdem Rebekka selbst und ihre Familie zugestimmt hatten gab es kein Zurück mehr. Die Hochzeit war beschlossene Sache. Als Rebekka in Vers 65 bei Isaak ankommt, verschleiert sie sich (s.o.). Daher liegt es nahe, dass es noch in irgendeiner Art und Weise Feierlichkeiten (mit entsprechender Zeremonie) gegeben hat und zwischen ihrer Ankunft und diesen Feierlichkeiten noch einige Tage lagen, in denen die beiden noch nicht "ein Fleisch" waren. Andernfalls hätte sich Rebekka nicht verschleiern brauchen - sie hätte gleich ins Zelt von Jakob gehen und "zur Sache" kommen können;-).
Zugegeben, Isaak und Rebekka sind für die Feierlichkeiten ein eher schlechtes Beispiel (es sei nur erwähnt, da diese Bibelstelle oft im Zusammenhang mit dem Thema Sex vor der Ehe aufgeführt wird). Viele andere Stellen in der Bibel weisen aber deutlich auf eine Hochzeitsfeier hin:

Laban lud ALLE Leute des Ortes ein, bei der Hochzeit von Jakob und Rahel bzw. Lea dabeo zu sein (1. 20 Mose 29, 22)
Simson verrichtete ein Hochzeitsmahl. Hier wird sogar ausdrücklich erwähnt, dass dies damals üblicher Brauch war (Richter 14, 10)
Die Hochzeit von Ruth und Boas wurde öffentlich vor dem ganzen Volk UND vor den Ältesten festgemacht (Ruth 4, 9)
Vergleiche auch zu neutestamentlichen Zeiten die Hochzeit von Kana (Johannes 2, 1-12), die ein gutes Beispiel dafür ist, dass es sich hier ganz eindeutig um eine (wie auch immer gerartete) Festlichkeit handelt, bei der viele Leute eingeladen waren.

3. Es gab durchaus auch Förmlichkeiten


Es wird immer angeführt, dass man zur Ehe keinen Vertrag brauche, dass es genüge sich einfach zu lieben und gegenseitig die Treue zu versprechen. Aber das ist ganz und gar nicht Gottes Art und Weise wie er Bünde schließt. Gott hat Bünde immer in Form von bestimmten Handlungen geschlossen. Damals war es zum Beispiel üblich einen Bund zu schließen, indem man ein Tier in der Mitte zerteilte und zwischen den beiden Hälften hindurchging. Dies machte Gott mit Abraham so (siehe 1. Mose 15,10-17. Auch bei der Eheschließung sehen wir, dass bestimmte Förmlichkeiten eingehalten wurden:

Die Ehe wurde damals nicht von den Partnern sondern von den Eltern angebahnt 1. Mose 24, 2-5
Die Eltern wurden ZUERST gefragt 1. Mose 24, 49-51
Der Braut UND deren Eltern wurden Brautgeschenke gemacht 1. Mose 24, 53
Es war üblich, dass Braut und Bräutigam sich vor der Hochzeit nicht sahan und dass sich die Braut verschleierte 1. Mose 24, 65
Zur Scheidung wurde ein Scheidebrief aufgesetzt 5. Mose 24,1. Auch wenn man es nicht explizit in der Bibel nachlesen kann, ist es durchaus naheliegend, dass wenn die Ehe in dieser Form schrifltich beendet wurde, sie auch vorher in ähnlicher Form besiegelt wurde.
die Ehe wurde öffentlich geschlossen (siehe oben)

4. Maria und Josef


Interessant ist diesbezüglich auch das Verhältnis von Maria und Josef
Matthaeus 1, 18-19 (Schlachter):Die Geburt Jesu Christi aber geschah auf diese Weise: Als nämlich seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, noch ehe sie zusammengekommen waren, erwies es sich, daß sie vom Heiligen Geist schwanger geworden war. Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht der öffentlichen Schande preisgeben wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen.

Maria war schwanger obwohl sie noch nicht mit Josef verheiratet war. Hier steht deutlich, dass sie dadurch Schande auf sich geladen hätte. Allen wäre klar gewesen, dass das Kind unehelich entstanden war. Wie aber hätte Schande auf sie kommen können, wenn die Ehe tatsächlich allein durch Geschlechtsverkehr zustande gekommen wäre? Warum erwähnt der Autor das hier noch gesondert? Wenn die Ehe damals durch Sex initiiert worden wäre, wären Maria und Josef (in den Augen des Volkes) verheiratet gewesen und alles wäre in Butter gewesen...

5. Enthaltung vor der Ehe?


Paulus schreibt deutlich im 1. Korintherbrief:
1. Korinther 7,9 (Schlachter):Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten; denn heiraten ist besser als in Glut geraten.

Diese Aussage würde keinen Sinn machen, wenn die Ehe tatsächlich mit dem Geschlechtsverkehr besiegelt würde. Wenn ein Paar automatisch mit dem ersten Geschlechtsakt verheiratet wäre, müsste Paulus hier nicht extra darauf hinweisen, dass ein Paar heiraten soll, wenn es Sex haben will.

6. Ehe und Staat


Liest man die Bibel, sieht man deutlich, dass Gott niemals bestehende Autoritäten übergeht (er führte das Volk Israel beispielsweise erst aus Ägypten nachdem der Pharao seine Zustimmung gegeben hatte). Auch gibt es diverse Bibelstellen, die klar schließen lassen, dass wir uns der staatlichen Autorität unterordnen sollen (z.B. Römer 13,1-2). In Deutschland ist es ganz klar so geregelt, dass man erst als verheiratet gilt, wenn man sich im Standesamt das Ja-Wort gegeben hat.

Es macht wenig Sinn, einzelne Verse aus dem Zusammenhang zu reißen. Wenn man nun aber darauf besteht, die Hochzeit von Isaak und Rebekka als biblisches Beispiel heranzuziehen, sollte man auch die anderen Teile einhalten - insbesondere den Teil bei dem die Ehe durch die Eltern angebahnt wird. Entweder übernimmt man alles 1 zu 1 oder sieht es im zeitlichen Kontext...
WENN man das ganze (was sinnvoll ist) im damaligen Kontext sieht, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass hier die damals üblichen Bräuche beschrieben sind. Dementsprechend wären heute eben auch die üblichen "Bräuche" zu beachten. Die wären in Deutschland eben
1. Standesamtliche Trauung vor dem Staat (um den Bund verbindlich zu machen)
2. Kirchliche Trauung (um den Bund der Öffentlichkeit bekannt zu machen)
3. Hochzeitsfeier...
...und DANN erst die Hochzeitsnacht (und nicht umgekehrt).

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