Simeon hat sich in das Wort Gottes vertieft. Er war mit ihm vertraut. Der Heilige Geist, der auf ihm ruhte, hat Simeon das Geheimnis dieses Kindes aufgedeckt. (Vgl. 1. Kor. 2, 10. 16; Eph. 1, 9.) Es war ein bewegender Moment, als der betagte Simeon das Kind auf seine Arme nahm. Simeon wusste: Dieses Kind ist kein gewöhnliches Kind, es ist der lang erwartete Trost Israels . Simeon kann nicht anders, als Gott zu loben und zu ehren, auch wenn er weiß, dass seine Lebens-Zeit bald zu Ende geht. Jetzt hat Gott sein Versprechen erfüllt, darum kann Simeon im tiefen Frieden aus dieser Welt zu scheiden. Meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Mit den Augen des Glaubens hat er in diesem Kind das ewige Heil Gottes erblickt. In seinem Lobpreis nimmt Simeon vertraute Worte des Alten Testamentes auf, die ihn ein Leben lang begleitet haben und auf deren Erfüllung er sehnsüchtig gewartet hatte. Gott ist treu, und Simeon hatte auf Gottes Treue gebaut. Vers 31 zeigt uns, dass Simeon in Jesus aber nicht nur den ersehnten Messias für Israel sah, sondern das Heil für die ganze Welt. (Dazu Jes. 42, 6; 49, 6; Micha 5, 3; Joh. 4, 42; 1. Tim. 3, 16; 1. Joh. 4, 14.) Alles, was Simeon in dieser Stunde aussprach, rief bei Maria und Josef Verwunderung hervor. Mit dem Blick eines Propheten sah er, dass sich an diesem Kind das Leben vieler Menschen entscheiden würde. Denn es wird entweder ihr Richter oder ihr Retter sein. Viele werden sich ihm leidenschaftlich widersetzen und dadurch zeigen, dass sie gegen Gott sind. Der Schmerz darüber wird Maria wie ein Schwert durchs Herz dringen.
Als Noomi nach Bethlehem gekommen war, hatten die Frauen, denen sie ihr Leid klagte, auf ihre bitteren Vorwürfe gegen Gott keine Antwort geben können (Kap. 1, 20. 21). Jetzt, am Ende der Geschichte, ergreifen sie das Wort. Sie machen deutlich, dass Gott Noomi keineswegs verlassen hat. Durch Rut hat er ihr ein Kind geschenkt, das sie in ihrem Alter versorgen wird. Darum geben sie dem Neugeborenen den Namen Obed . Er bedeutet Diener . Dabei wusste keiner der Beteiligten, dass Obed der Großvater Davids werden würde, des größten Königs, den Israel je gesehen hat. Gottes Pläne sind viel größer, als Menschen auch nur erahnen können. Als Stammeltern Davids gehören Rut und Boas zu den Vorfahren des Herrn Jesus Christus. Er ist der wahre Knecht Gottes, der von sich selber sagte: Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele (Mark. 10, 45). Messiasqualität ist dienen, sich hingeben, erlösen. Messiasqualität ist Opfer, Einsatz, Verzicht, Hingabe. Messiasqualität ist aber vor allem Güte. Messiasqualität, wie sie im Buch Rut aufleuchtet, heißt mit gütigem Herzen dienen. (F. Rienecker) Das abschließende Geschlechtsregister ist kein lückenloser Stammbaum, diente er doch dazu, eine bestimmte Abstammung nachzuweisen. Bemerkenswert ist, dass Boas an siebter Stelle platziert ist, was immer ein besonderer Platz der Ehre in einer Genealogie war. So hat die menschlich tief bewegende Familiengeschichte ihren Platz gefunden in der großen Geschichte des Heilshandelns Gottes. Noch einmal leuchtet die große Treue Gottes auf. Der treue Gott findet einen Weg durch alle Not und beschenkt uns mit seinem Segen. (Lies Ps. 16, 11; 18, 31; 25, 9. 10. 12; 77, 14.) sorget nicht Matthäus 6, 25-34
Unser Thema vom Sorgen beginnt eigentlich mit Vers 24. Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (d. h. Besitz, Vermögen). Spricht Jesus hier die Reichen an, und ab Vers 25 die Armen, die sich um Essen, Trinken, Kleidung viel mehr sorgen müssen als begüterte Menschen? Sicher nicht. Sorgen haben reiche und arme Leute. Jesus zielt vielmehr auf das Herz des Menschen, er sei reich oder arm. Es geht darum, woran einer sein Herz hängt. Es kann sowohl am Besitz als auch an den Sorgen des Lebens hängen. Beides wäre Götzendienst. Darum sorgt nicht um euer Leben, . . . Überlass vielmehr alle deine Sorgen und Lasten dem Herrn! Er wird dich wieder aufrichten; denn er sorgt für dich. Niemals lässt er den scheitern, der treu zu ihm steht. Nun sind wir schon mitten im Thema Sorgen . In unserem Abschnitt können wir sieben Entdeckungen machen, die uns helfen, unsere Sorgen auf den Herrn zu werfen. Zuerst halten wir fest: Wir sorgen uns viel zu oft. Müssten die Jesus-Leute nicht die sorglosesten Menschen sein? Jagen und rennen und schaffen wir nicht oft so, als ob unser Herr nicht um uns besorgt wäre? (Lies Ps. 127, 2; Spr. 10, 22.) Aber müssen wir denn nicht sorgen? Fürsorge und Vorsorge sind wichtig, gehören sie doch zu einem verantwortungsbewussten Leben. Der Gegensatz zur Sorge heißt nicht alles laufen lassen , sondern Vertrauen. Welche Sorgen sollten wir heute an Jesus, unseren großen Für- und Versorger, abgeben? (Lies Ps. 23, 1; 34, 10; Phil. 4, 19.)
Wenn unser Herr vom Sorgen spricht, meint er das grüblerische und quälende Sich-Absorgen und Ängstigen. Das Fatale daran ist, dass der Sorgende sich verhält, als gäbe es keinen Vater im Himmel einen Vater, der wohl nicht weiß, wie es mir geht, was ich brauche und was nicht. So ist die Sorge eine mit Zittern und Zagen an die Zukunft gestellte Frage. Sie ist die bange Frage, wie es denn werden soll, denn diese Zukunft ist ja voll bedrohender Möglichkeiten. Unser Alltag ist von sehr handfesten und realistischen Sorgen erfüllt, es gibt viel Grund zur Sorge, darum ist das Wort von Jesus zum Thema Sorgen ein sehr aufregendes Wort. Aufregend deshalb, weil er damit mitten in unseren Alltag hineinspricht. Damit wird dieser Text zu einem harten Brocken (H. Thielicke). Jesus mutet den Seinen diesen harten Brocken zu, nicht um uns mal die Meinung zu sagen , sondern weil er ein tief seelsorgerliches Anliegen vertritt. Darauf weist unsere zweite Entdeckung hin: Wir haben einen Vater im Himmel. Jeder Mensch, der ein Kind Gottes geworden ist, hat einen Vater im Himmel. Unser himmlischer Vater ist ein liebender und gleichzeitig ein allwissender Vater. Er weiß, was sein Kind braucht. Wissen wir klugen Leute denn überhaupt, was wir wirklich brauchen? Oft machen wir Gott Vorschläge, wie er dies und jenes machen könnte. Aber eigentlich genügt es, dass unser himmlischer Vater Bescheid weiß. Wie tröstlich ist es, dass er am besten weiß, was wir brauchen, viel besser, als wir selber es wissen können. Das ist eine große Entlastung: Denn, wenn er sich bestens auskennt, ist uns die letzte Verantwortung für uns abgenommen. Wie zeigt sich das in 2. Mose 13, 17. 18. 20-22; 14, 5. 9-14?
Gott ist unser guter und liebender Vater. Wir dürfens auch ganz persönlich sagen: Mein Vater! Er wohnt im Himmel, er ist der Herr über Himmel und Erde, ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum sagt Jesus zu uns: Sorgt nicht! Aber sieht unsere Welt nicht entsetzlich unväterlich aus? Ist sie nicht gnadenlos, vaterlos und schrecklich verwaist? Der viele Tingeltangel in der Welt ist doch nur dazu da, uns das zu verhüllen und ein wenig davon abzulenken. Wir von uns aus können nicht auf die Idee kommen, zu sagen ÅUnser Vater. Nur unter einer Bedingung können wir es doch. Wenn der Vater zuerst zu uns gesprochen hat, wenn er sich uns bezeugt hat und wir darum die Garantie besitzen, dass es ihn tatsächlich gibt. Jesus hat uns das Vaterunser beten gelehrt, denn durch Jesus hat der Vater zu uns gesprochen, nur durch Jesus konnte Gott unser Vater werden. Jesus sagt: ÅIhr lebt in einer Welt der Wunden, der Krankheiten und der Kriege. Ihr hadert mit Gott und fragt ihn, wie er das alles zulassen kann. Ihr fragt: Wie sollte er unser Vater sein? Aber er schickt mich mitten in eure Schmerzen. Und wer mich sieht, der sieht den Vater. Christus ist der Garant dafür, dass es diesen Vater für uns gibt (H. Thielicke). Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst, der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist. Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen, Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten, Amen (C. Zehender)! (Lies Ps. 103, 13; Jes. 63, 16; Jer. 31, 9. 20; Joh. 8, 18. 28. 42; 14, 6; 2. Kor. 6, 18.)
Bei der dritten Entdeckung geht es darum, was wir dürfen: Wir dürfen mit der Größe dieses Vaters rechnen und über diese Größe staunen. Sehr liebevoll macht Jesus die Größe und Fürsorge seines Vaters an kleinen Dingen der Schöpfung deutlich. Gott gibt den Lilien und den Vögeln, was sie brauchen, sie können sorglos leben und tun es auch. Die Vögel galten damals in Israel als leichtsinniges Völklein, das keine Arbeit erledigen kann wie der Mensch. Sie tun nichts und können ja auch nicht tun, was dem Menschen aufgetragen ist: Säen und Ernten. Aber der himmlische Vater ernährt sie doch. So groß ist er, dass er das Kleinste in seiner Schöpfung nicht übersieht. Die Lilien auf dem Feld sind wildwachsende Pflanzen, eigentlich Anemonen, sie wachsen und gedeihen, ohne dass sie etwas dazu zu tun brauchen. Dabei übertreffen sie in ihrer Schönheit die Schönheit und die Pracht des Königs, der in Israel Inbegriff von Glanz und verschwenderischem Reichtum war: Salomo! (Lies 2. Chron. 9, 22-24.) Für manch einen bleibt es ein Rätsel, warum in der Natur nicht nur Zweckmäßigkeit, sondern auch eine unübertreffliche Schönheit herrscht. Es gibt nur eine Erklärung dafür: Weil Gottes Größe sich im Universum und im Mikrokosmos spiegelt. Dass er sich um alle Kreatur kümmert, kann für uns ein Erweis seiner Liebe und Fürsorge sein. Das zu erkennen ist ein großes Vorrecht, und es mit Bewunderung zu bedenken, erfüllt uns mit Freude. Wir wollen in das Lob der Psalm-Sänger einstimmen: Psalm 8, 1-10; 104, 27. 28. 35b.
Als Viertes ist zu entdecken, wer wir sind. Wir Menschen sind viel wertvoller als ein Vogel oder eine Lilie auf dem Feld. Von ihrem Ende her gesehen, ist die wunderschöne Lilie nur Brennmaterial. Die Lilien zählten damals zu den Pflanzen des Feldes, sie wurden bei der Ernte mit abgemäht, in Bündeln zusammengefasst und im Winter als Brennmaterial verwendet. Kinder Gottes haben ein unvergängliches Leben empfangen und dürfen das ewige Leben schon jetzt in der Gemeinschaft mit dem Herrn leben. Darum ist Gottes Fürsorge für uns viel größer als seine Fürsorge für alle anderen Geschöpfe, denn uns Menschen verlieh Gott eine besondere Würde. Am sechsten Schöpfungstag sprach der Herr: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel . . . Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn (1. Mose 1, 26. 27). Der Mensch geht aus Gott hervor als das Letzte, das Neue, das Bild Gottes. Der Mensch ist keine Art eines neuen Lebewesens, sondern etwas absolut Neues. Der Mensch ist erschaffen nach dem Abbild Gottes, er repräsentiert Gott in dieser Welt. Er kann Gott entsprechen, das heißt, er ist so geschaffen, dass etwas zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf geschehen kann. Der Schöpfer schuf sein Geschöpf so, dass er zu ihm reden und dieses auf ihn hören kann. Es ist eine Beziehung da, die sich nur zwischen Persönlichkeiten entfalten kann. Der Mensch steht im vis à vis zu Gott (Hj. Bräumer). (Lies Matth. 10, 31; 12, 12.) Wir dürfen um unseren besonderen Stand wissen, aber auch um das standesgemäße Leben!
Für das standesgemäße Leben des Jesus-Nachfolgers halten wir die fünfte Entdeckung fest: Eines ist wichtiger als alles andere. Wir Christen kennen das Wort vom Trachten nach dem Reich Gottes vielleicht auswendig, aber bestimmt es unser Leben? Trachtet zuerst , das heißt doch: Richtet die ganze Aufmerksamkeit auf den Herrn! In einem alten Konfirmanden-Buch gab es die Frage: Was soll deine vornehmste Sorge sein in diesem Leben? Antwort: Dass ich dem Ruf Gottes folge und das Himmelreich gewinne, wie Christus sagt: ÅTrachtet zuerst nach dem Reich Gottes. Verlangen wir danach? Wie zeigt sich das ganz praktisch in unserem Leben? Dieses Besorgt-Sein ist uns nicht freigestellt, nein, es wird ernstlich geboten. Das Trachten der Jesus-Nachfolger ist darauf gerichtet, dass Gott in ihrem Leben ganz zur Herrschaft, ganz zu seinem Herrenrecht kommt. Und sie trachten auch danach, dass der Herr bei anderen zu deren Heil und Seligkeit auch zu seiner Herrschaft und zu seinem Recht kommt (F. Grünzweig). (Lies 5. Mose 10, 12; 11, 1. 13. 14; 32, 4-6; Jos. 22, 5; Luk. 10, 27.) Gott zuerst! das könnte der Leitsatz für unsere Jesus-Nachfolge sein. Menschen haben ganz verschiedene Leitsätze, an denen deutlich wird, was ihnen wirklich wichtig ist. Wir wollen es wagen, uns zu prüfen: Welche Leitsätze prägen mein Leben? Haben Jesus und das Reich Gottes in allem den Vorrang (Kol. 1, 18)? Woran zeigt sich das in meinem Alltag? Welche Tätigkeiten muss ich lassen, welche tun, damit ich seinem Gebot Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes gehorsam werde? (Lies Matth. 16, 25; Phil. 3, 7-12.)
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Unser Herr sagte nicht: Es genügt, zwischendurch auch an das Reich Gottes zu denken, sondern: Denkt vor allem anderen daran! Das ist ein richtiges Abenteuer, weil wir die Macht der Gewohnheit kennen, die uns diktiert: Zuerst musst du dies und jenes machen, zuerst, zuerst, zuerst, . . . Es würde sich im Lauf eines Tages manches anders ordnen und gestalten, wenn wir anfingen, schon am Morgen (also zuerst) unsere persönliche Zeit mit Gott zu haben. Das ist gewiss kein sklavisches Gesetz. Es mag Lebensphasen geben, in denen dies wirklich nicht möglich ist. Aber wir müssen die Zeit mit Gott als einen festen Termin einplanen, wenn wir Jesus in allem den Vorrang geben wollen. Unser Herr selber hielt sich während seines Erdenlebens an die Prioritätenliste Gottes. Lesen wir dazu Markus 1, 32-39. Welch riesiges Arbeits-Pensum hatte Jesus zu bewältigen und zu verkraften! Aber er verzettelte sich nicht darin. Er hetzte nicht von einem zum anderen. Sein Ziel bestand nicht darin, alles tun zu müssen. Nein, er begegnete der Arbeits-Fülle und den vielen Menschen, weil er genau das tat, was der Vater ihn zu tun hieß. Das allerdings wollte und musste er tun. Woran wir das erkennen? Gleich am nächsten Morgen hielt der Herr seine persönliche Zeit mit Gott. Er besprach alles mit seinem Vater, um dann an einem anderen Ort seinen Dienst zu tun auch wenn sein Jünger Petrus davon ausging, dass Jesus seine Tätigkeit vom Vortag fortsetzen würde. Ja, er half noch ein wenig nach: Alle suchen dich! Doch der Herr suchte und erfüllte den Willen seines Vaters. (Lies Luk. 2, 49-51; Matth. 14, 23; Luk. 5, 16; 6, 12; 9, 18. 28.)
Die sechste Entdeckung kann den Entschluss zur Folge haben: Ich will daran festhalten, dass ich nicht zu kurz komme, wenn Jesus in meinem Leben an erster Stelle steht. . . . so wird euch das Übrige alles zufallen. Die gute Versorgung durch den Herrn bestätigt David in seinem Hirten- Psalm: Auch da, wo es von den äußeren Umständen her ganz anders aussieht, bin ich von meinem Herrn bestens versorgt. Er ist mein Hirte, darum fehlt es mir an nichts, auch wenn ich manches nicht habe. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang (Ps. 23, 1; 5. 6a). Davids Herr ist auch unser Herr, er will seine Leute mit allem versorgen, was sie brauchen. Was sie wirklich brauchen, weiß er ja am allerbesten. Wenn wir das verstanden haben und von ihm das Lebensnotwendige erwarten, dann sind wir nicht mehr zersorgte , sondern versorgte und damit geborgene Leute. Viele Christen haben gerade hier erfahren, dass Gott zu seinem Wort steht. Wenn wir einmal geklärt haben, was in unserem Leben an erster Stelle stehen soll, ordnet sich alles andere wie von selbst, unser Vater versorgt uns mit allem Nötigen. Es sind die tieferen Anliegen und Bitten des Herzens gemeint, nicht alle gelegentlich in uns auftauchenden Wünsche. Es sind gar manche Dinge, die unsere Natur sich wohl wünschen möchte, um die wir aber nicht bitten werden, wenn uns der Herr und sein Wille das Kostbarste ist (O.Chambers; C.H.Spurgeon). (Lies 2. Chron. 15, 15; Ps. 34, 9; 38, 10; 73, 25; 17, 15.)
Bei der siebten Entdeckung geht es um unsere Zuversicht: Vor allem ist unser Vertrauen gefragt! Da unsre Neigung, sich zu sorgen, sehr groß ist, ist der Entschluss, Jesus zu vertrauen immer wieder zu vollziehen. Ich darf jede Sorge, sobald sie auftaucht, sofort zu meinem Herrn tragen. Wenn wir in 1. Petrus 5, 7 die Aufforderung lesen: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch , können wir es auch ganz persönlich ausdrücken: Jede Sorge wirf auf ihn; denn er sorgt für dich und für mich. Dora Rappard (1842-1923) war Mutter von zehn eigenen Kindern, von denen zwei sehr früh starben, der älteste Sohn verstarb Jahre später im Studentenalter. Über ihre Tätigkeit als Familienfrau weit hinaus wurde sie für die Pilgermission St. Chrischona bei Basel eine sehr geschätzte Seelsorgerin, Evangelistin, Schriftstellerin und Dichterin. Aus ihrer Feder stammt der Text des folgenden Liedes: 1) Hast du eine Sorgenlast, die dir raubet Fried und Rast, Jesu Herz dir offen steht: Mach aus Sorgen ein Gebet! 2) Glühet tief in deiner Brust irdischer Hoffnung süße Lust, achte fein, wo Jesus geht, werde stille im Gebet! 3) Bist du traurig und allein, drückt dich bittre Seelenpein, dein Erbarmer dich versteht; suche Tröstung im Gebet! 4) Droht des Feindes Macht und List, flieh zu dem, der Sieger ist, und von seiner Majestät ziehe Kraft an im Gebet! 5) Willst du Jesu Diener sein, sorg im stillen Kämmerlein, dass sein Geist dich rein umweht, hole Weisung im Gebet! 6) Was dein Herze auch bewegt, ob sich Schmerz, ob Wonne regt, flieh zu Jesus früh und spät, mach aus allem ein Gebet! (Quelle: Lieder für die Gemeinde, Ich will dir danken, Hänssler-Verlag.) (Lies Phil. 4, 6; Matth. 7, 7. 11; Jak. 1, 5.)
Als Jesus mit seinen zwölf Jüngern unterwegs war, gingen sie in der Regel nicht nebeneinander, sondern hintereinander her. Der Meister ging voran, die Schüler folgten ihm Schritt für Schritt. Dieses Bild verdeutlicht uns: Folge dem Herrn Schritt für Schritt, und vertraue ihm Schritt für Schritt. Wir dürfen uns das Vertrauen erbitten und es uns schenken lassen. Dann bekommen wir ein wenig von der königlichen Freiheit der Kinder Gottes zu schmecken . . . Unser erstes Interesse gilt dann nicht mehr der Frage, der bangen und zweifelnden Frage, ob Gott helfen wird, sondern es gilt der anderen Frage, der fröhlichen und gewissen und gleichsam neugierigen Frage, wie Gott helfen wird. In diesem Zusammenhang sagt Blaise Pascal einmal, es sei herrlich, im wilden Wetter auf einem Schiff zu fahren, wenn man wisse, dass es nicht untergehen könne. Das ist die stürmische Freude des Christenlebens, das ist auch sein Lachen und sein Humor und seine sieghaft überwindende Kraft, dass unser Leben nun ein solches Schiffklein ist, in dem Jesus Christus mit drin ist und das nicht untergehen kann. Wir dürfen das Leben mit allem, was dazugehört, aus dem Frieden der Gemeinschaft mit diesem Herrn ansehen. Ich kenne einen Christen, der durch schwerstes Leid und durch große Gefahren gegangen ist und gegenwärtig geht und der mir einmal sagte: ÅDie geistliche Gefahr meines Lebens besteht gar nicht mehr darin, dass ich zu wenig mit Gott rechne, nein, Gott hat mich durch seine unzähligen und unglaublich pünktlichen Durchhilfen sehr kühn gemacht in der Art, wie ich ihn nun wirken und helfen lasse. Dieser Mann hat etwas von der Fürsorge Gottes und von der Sorglosigkeit der Kinder Gottes erfahren (H. Thielicke). (Lies Röm. 8, 32; Phil. 4, 13. 19.)
Wenn die Angst vor dem, was kommen könnte, allzu groß wird, dann solltest du einen Augenblick das Schreien und Flehen lassen, dann solltest du Gott mitten in den Wettern zu loben wagen, wie ihn die Jünger im Gefängnis lobten, denn Gott loben heißt, die Welt und auch unser kleines Leben vom Ende her und vom Sieg Gottes her zu sehen, und in diesem Lob kann sich dann unser kampfverstrickter Blick erholen und wieder Maß und Richtung gewinnen. Wer gewiss ist, dass am Ende der Frieden Gottes für die Seinen stehen wird, der darf nicht nur aus der Tiefe schreien, der darf auch aus der Tiefe loben, und wer Gott lobt, der fürchtet sich nicht (H. Thielicke). (Lies Hiob 35, 10; Ps. 149, 1-5; Apg. 16, 25.) In unserem Textabschnitt aus dem Matthäus-Evangelium haben wir sieben wichtige Tatbestände gefunden. Der Herr sagt: Sorget nicht! An diesem Wort wird uns deutlich, dass wir sehr viel sorgen. Dem setzt unser Herr entgegen, dass wir einen Vater im Himmel haben, der für uns sorgt. Darum wollen wir mit der Allmacht und Allwissenheit dieses Vaters rechnen. Als sein Ebenbild hat er uns dazu berufen, in herzlicher und vertrauter Gemeinschaft mit ihm zu leben. Er will in allem den Vorrang in unserem Leben haben. Denn wir sind ihm unendlich wichtig. Es lohnt sich, ihn wirklich Herr sein zu lassen und ihm ganz zu vertrauen. Immer wieder gilt es, sein Wort zu uns reden zu lassen. Der Herr schenkt uns nicht immer ein neues Wissen, aber er will immer mit uns ins Gespräch kommen. Dazu gehören auch diejenigen Bibelworte und -texte, die uns sehr vertraut sind. Gott grüßt uns durch sie heute und morgen. (Lies 5. Mose 32, 47; Spr. 30, 5; Ps. 18, 31; 119, 111. 140; Joh. 15, 7; Apg. 17, 11.) die Herrlichkeit des Sohnes Gottes im Hebräerbrief (8, 1 -9, 28) Vielleicht erscheinen uns Sprache und Bilder, die der Hebräerbrief enthält, schwer verständlich. Er knüpft an alttestamentliche Prophetie an, die Gott auch bildhaft durch die Stiftshütte, die Priester und die Opfer gegeben hat. Hilfreich ist dazu die kleine bebilderte Broschüre Das Heiligtum Gottes in der Wüste Sinai von P. F. Kiene / J. Rouw, Christliche Schriftenverbreitung, Postfach100153, 42490 Hückeswagen, csv-verlag.de, Preis: 2 Euro.
Die Hauptsache bei dem, was wir besprechen, ist dies: Wir haben einen solchen Hohen Priester, der zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel sitzt. Wenn der Apostel von der Hauptsache spricht, meint er nicht einen Hauptpunkt neben anderen, sondern die Hauptsache überhaupt, auf die alles ankommt. Einen anderen Hauptpunkt gibt es schlechthin nicht. Dass Jesus sich zur Rechten Gottes im Himmel gesetzt hat und unser Hoher Priester ist, bedeutet für uns Rettung Tag für Tag. Er ist beim Vater und hat Anteil an seiner Macht. Er kann uns Augenblick für Augenblick seine Führung und Kraft schenken. Er hat uns nicht verwaist in der Welt zurückgelassen, sondern ist für uns da. Die Auswirkung davon wurde in Hebräer 7, 25 beschrieben: Er kann bis aufs Äußerste die retten, die durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten. (Lies Hebr. 1, 3; Joh. 17, 9. 15.) Und in Hebräer 4, 16 lasen wir die Aufforderung: So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe. Obwohl wir das eigentlich wissen, fallen wir leicht in die alte Angewohnheit des Sorgens zurück. Grübeleien helfen nicht weiter. Stattdessen dürfen wir die Lasten bei unserem Hohen Priester abladen immer und immer wieder. Er kann unsre aufgewühlte Seele zur Ruhe bringen. Er ist für alle Bereiche unseres Lebens zuständig. Tag und Nacht haben wir Zugang zu ihm. Er handelt, wenn wir ihn zu unserer Zuflucht machen. (Lies Jes. 64, 3; Ps. 3, 2-4; 18, 3. 7. 17. 29; 55, 23; 62, 2. 9; 118, 5. 6.)
Als Jesus auf Erden war, konnte er nicht Priester, geschweige denn Hoher Priester sein. Warum? Weil er nicht aus dem Stamm Levi und der Familie Aarons war, sondern aus dem Stamm Juda und der Familie Davids. Gott hatte David versprochen, dass der Messias ein Nachkomme von ihm sein sollte. (Lies 2. Sam. 7, 11-16; Luk. 1, 26-33.) Die Priester in der Stiftshütte dienten einem Abbild und Schatten des Himmlischen , einem Modell, das etwas von dem Heiligtum, das im Himmel ist, wiedergab, auch wenn es gleichsam nur die Umrisse des Dargestellten erkennen ließ. Gott hatte Mose auf dem Berg ein Bild schauen lassen, wie die Stiftshütte aussehen sollte, und gesagt: Siehe zu, dass du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist (2. Mose 25, 40). Hinter der Stiftshütte steht die himmlische Wirklichkeit, die das Modell bei Weitem übertrifft. Dieses Haus spiegelt die Gedanken Gottes wider. Es soll von der Herrlichkeit des Himmels erzählen, von dem neuen Jerusalem. Dort ist alle Herrlichkeit in dem Sohn Gottes, in unserem Herrn Jesus Christus, zusammengefasst (P. F. Kiene / J. Rouw). Von dort aus dient er uns als unser Hoher Priester, der zur Rechten Gottes im Himmel sitzt. (Lies Hebr. 9, 24.) Ist es nicht zum Staunen, dass Gott uns durch einen Bauplan und eine Dienstordnung für die Priester etwas vom Plan seiner Erlösung für Israel und alle Völker mitteilt? Der Bauplan für die Stiftshütte war übrigens zugleich auch der Bauplan für den späteren Tempel. Doch das Priestertum mit der Stiftshütte und später auch dem Tempel gehören zum Alten Bund. Jesus aber ist Mittler eines besseren Bundes als des am Sinai geschlossenen.
Der Prophet Jeremia hatte den Neuen Bund angekündigt (V. 8-12). Was zeichnet den Neuen Bund gegenüber dem Alten Bund aus? Er beruht auf besseren Verheißungen. Was verspricht uns Gott? 1. Gottes Wille steht uns nicht mehr von außen als Forderung gegenüber, sondern Gott will ihn durch seinen Geist in unser Herz schreiben. Sein Geist gibt uns die Kraft und die Freude, dass wir Gottes Willen von Herzen tun können. Gott hat gleichsam den Motor bei seinen Kindern ausgewechselt. Der Geist Gottes als der neue Motor ist das entscheidend Neue am Neuen Bund. So hat es auch der Prophet Hesekiel angekündigt: Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun (Hes. 36, 26. 27). Der Geist Gottes ist wie ein neuer, sehr viel leistungsstärkerer Motor, den Gott uns gab, als wir Jesus unser Leben anvertrauten. Der Heilige Geist ist der Beistand, den Jesus ankündigte, der uns befähigt, Gottes Willen zu tun. (Lies Joh. 14, 15-20. 23.) Mit dem alten Motor unserer eigenen moralischen Anstrengung kriegen wir das nicht hin. Haben wir schon erfahren, dass wir durch den Geist Gottes von Herzen sagen konnten: Deinen Willen zu tun, mein Gott, ist meine Lust, und dein Gesetz ist in meinem Herzen ? (Ps. 40, 9; vgl. Ps. 37, 31; Jer. 31, 33; 2. Kor. 3, 3).
Was zeichnet den Neuen Bund gegenüber dem Alten Bund aus? 2. Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Alle werden Gott kennen, die zum Bundesvolk gehören. Der Neue Bund zerstört das Vorrecht der Priester und Schriftgelehrten und macht die Bahn für ein allgemeines Priestertum frei (O. Michel). Durch seine Beteiligung am Opferdienst wurde der Priester im Alten Bund zum Mittler zwischen Gott und seinem Volk. Im Neuen Bund dagegen ist Jesus Christus der alleinige Mittler. Sein Opfer ist ein für allemal gültig, denn mit einem einzigen Opfer hat er die, welche geheiligt werden, für immer vollendet (Hebr. 10, 14). Das neue Bundesvolk besteht aus Teilhabern des Heiligen Geistes (6, 4). Dadurch hat Gott seinen Willen in unser Herz geschrieben. Indem wir seinen Willen kennen, kennen wir sein Wesen, seine Art. Denn alle werden mich kennen, vom Kleinen bis zum Großen unter ihnen. Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken. Erstaunlich ist, mit welcher Klarheit Kleine , z. B. Kinder, das Evangelium von Jesus Christus erfassen können. Der Heilige Geist ist bei seinem Wirken am Herzen eines Menschen nicht abhängig von dessen Intelligenzquotienten, nicht von Bildung und Begabung. Gottes Angesicht wird uns viel mehr verdunkelt durch Sünde. Wenn wir Sünde festhalten, besteht Verdunklungsgefahr . Sie wird beseitigt, wenn wir sie bekennen und Gott um Vergebung bitten. (Lies 1. Joh. 1, 9.) Obwohl das Kreuz von Jesus und der Neue Bund dem Alten Bund ein Ende setzen, kommt er gerade dadurch in seinem tiefsten Sinn zur Vollendung.
Der Gottesdienst im Alten Bund hatte drei Kennzeichen: Er war beschränkt auf die Stiftshütte, später auf den Tempel und auf äußere Ordnungen. Das war im Alten Bund von Gott so gewollt, bis er die neue Ordnung in Kraft setzte (V. 10). Johannes 4, 20-24 hilft uns zu verstehen, was damit gemeint ist. In Vers 1-6 schildert der Verfasser die Stiftshütte. Entscheidend dabei war die Zweiteilung. Im vorderen Teil, dem Heiligtum, taten die Priester ihren Dienst. Die Priester dienten Gott gleichsam aus der Ferne. Zwischen ihnen und der Gegenwart Gottes war der Vorhang, der das Heiligtum vom Allerheiligsten trennte. Durch das Blut, das der Hohe Priester einmal im Jahr, am Großen Versöhnungstag, auf den goldenen Deckel der Bundeslade sprengte, geschah Versöhnung. Das war die Voraussetzung, dass die Priester ihren Dienst im Heiligtum überhaupt tun konnten. Das dritte Kennzeichen wird in Versen 9 und 10 genannt. Die Opfer, Riten und Gaben können das Gewissen nicht entlasten, nicht befreien und unser Herz nicht befriedigen. Erst Jesus hat uns Leben und volle Genüge gebracht. (Lies Joh. 10, 10; 7, 37-39.) Worin besteht im Bild der Stiftshütte ausgedrückt der Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Bund? Der Zutritt in die Gegenwart Gottes war nicht möglich. Doch seit Golgatha ist der Vorhang zerrissen! Die Barriere unserer Schuld ist niedergerissen. Sie ist durch den reinen und sündlosen Sohn Gottes rechtskräftig gesühnt! Denn wir sind gereinigt durch das Blut des Lammes und haben Gottes Geist empfangen! Durch ihn können wir uns mit Freimütigkeit Gott nahen und in Gemeinschaft mit Gott leben! (Lies Matth. 27, 50. 51; Hebr. 10, 19. 20; Eph. 2, 13. 14. 18; 3, 12; Joh. 1, 29; Offb. 1, 6.)
Als aber Christus kam als ein Hoher Priester der zukünftigen Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch das Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Wodurch übertraf das Opfer von Jesus den Alten Bund mit seinen Opfern? Jesus ging nicht in das irdische Heiligtum ein, sondern er ist nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt in das himmlische Heiligtum eingegangen, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen (V. 24). Er hat uns versöhnt mit seinem eigenen Blut. Denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen! (Hebr. 10, 4) Die Tieropfer des Alten Bundes konnten Schuld nicht sühnen. Doch jedes Mal, wenn ein Israelit wegen einer Sündenlast in der Stiftshütte oder später im Tempel ein Tier opferte, sah Gott hinter dem Tieropfer schon das Opfer seines Sohnes. Die Tieropfer wiesen symbolisch voraus auf das Kreuz von Golgatha, von dem sie ihre Gültigkeit und Bedeutung empfingen. Am Kreuz trug Jesus nicht nur die Strafe für die Schuld aller kommenden Generationen, sondern auch für die Israeliten, die im Alten Bund ein Tieropfer im Glauben dargebracht hatten. Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes. 53, 5). Erst im Himmel werden wir die Bedeutung des Kreuzestodes des Gottessohnes zutiefst zu erfassen vermögen, aber schon jetzt können wir in die Anbetung der himmlischen Welt mit einstimmen, wie sie uns in Offenbarung 5, 9-14 vor Augen gestellt wird.
Was zeichnet den Neuen Bund gegenüber dem Alten Bund aus? Wodurch übertraf das Opfer von Jesus, dem Sohn Gottes, den Alten Bund? 3. Das Opfer von Jesus geschah ein für alle Mal und hat für immer Gültigkeit. Es muss nicht wiederholt oder ergänzt werden, weil es vollkommen ist. Die von ihm vollbrachte Erlösung gilt in Ewigkeit. Deshalb vermag sie uns Frieden in unserem Gewissen zu geben. Wir müssen nicht mehr mit einem schlechten Gewissen leben, weil wir jede Schuld sofort Jesus im Gebet bekennen und ihn um Vergebung bitten können. Was wir so nicht loswerden, können wir zu zweit im seelsorgerlichen Gespräch Gott bringen. Das Größte ist, dass Gott uns vergibt und wir wieder froh darüber werden, dass das Opfer von Jesus vollgültig ist. Gott hat es bestätigt, indem er Jesus vom Tod auferweckte. Der Tod, der der Sünde Sold ist, konnte ihn nicht halten, denn er war ohne Sünde. 4. Jesus kam als Hoher Priester der zukünftigen Güter . Damit wird unser ewiges Erbe beschrieben. Wir werden teilhaben an der Herrlichkeit Gottes und ihn von Angesicht zu Angesicht schauen und Gemeinschaft mit ihm haben, wie es in Offenbarung 21, 3. 4 und 22, 3. 4 geschildert wird: Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Das ist die Gewissheit, die wir im Blick auf die Zukunft jenseits unseres Todes haben. Damit können wir einander helfen und trösten.
Wodurch übertraf das Opfer von Jesus den Alten Bund? Wir können Gott nun in Wahrheit dienen, nicht mehr in toten Werken und Riten, mit denen wir unser Heil zu erwirken versuchten, sondern durch seinen Geist. Den toten Werken fehlte die Liebe zu Gott. Jeder von Jesus Erlöste darf Gott priesterlich dienen und hat Zugang zum König aller Könige. (Lies 1. Petr. 2, 9.) Welche Aufgaben hatte ein Priester? Er sollte für das Volk beten, es segnen und mit dem Wort Gottes bekannt machen. Das sind Aufgaben, die nun uns als Kindern Gottes und Priestern des Neuen Bundes zufallen. Am Thron Gottes können wir unsere eigenen Nöte und die der anderen, auch die unseres Volkes, im Gebet abladen. (Lies Eph. 6, 18; 1. Tim. 2, 1-4.) Martin Luther entdeckte beim Bibelstudium das allgemeine Priestertum wieder: Wir sind allesamt Priester, so viele wir Christen sind. Die aber, die wir Priester nennen, sind von uns erwählte Diener. Die geistliche Haltung des Priesters schilderte Luther so, dass der Priester einhergeht, alle Gebrechen des Volks auf sich nimmt, nicht anders, als wären sie sein Eigen. Er bittet Gott für sie, hört von ihm das Wort, womit er jedermann tröstet und hilft . . . und macht uns Gott zum Vater. Als Priester sind wir zum Segnen berufen: Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt! (1. Petr. 3, 9). Priesterdienst ist auch Wegweiser-Dienst. Jedes Kind Gottes kann einem anderen weitersagen, was Jesus ihm bedeutet und ihm den Weg zu Jesus zeigen. (Lies 2. Kor. 5, 19. 20.)
Da wir hoffnungslos verloren waren, hat Gott den Neuen Bund im Sinne eines Testaments gemacht. Das Wort, das hier im Griechischen steht, bedeutet sowohl Bund als auch Testament. Ein Bund besteht auf Gegenseitigkeit. Die Verpflichtung ist zweiseitig. So verpflichtete sich Israel beim Bundesschluss am Sinai, die Gebote Gottes zu halten. Da antwortete das ganze Volk: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun (2. Mose 19, 7. 8). Aber nicht nur Israel war unfähig, Gottes Bund zu halten, wir sind es ebenfalls, wenn nicht Gott selbst durch seinen Geist uns zu Hilfe kommt. Gott wusste, dass wir als ÅVerbündete nicht taugten. Darum hat er den Neuen Bund nicht zu einem Bund im Sinne des Alten, sondern zu einem Testament gemacht. Was wir niemals erwerben könnten, vermacht uns Gott im Testament, was wir nie verdienen könnten, schenkt er uns. Wir können keine Verbündeten Gottes sein, nur Erben. Der Ärmste und Unwürdigste kann ein Erbe Gottes werden. Ein Erbe erhält, was er nicht verdient hat. Als Erben Gottes werden wir überrascht von der großen Güte und Liebe, mit der Gott an uns gedacht hat (B. Rohner). Doch ehe wir erben konnten, hat er durch Jesus die Trennwand der Schuld, die zwischen ihm und uns stand, beseitigt (V. 26). So gewaltig ist das Opfer, so hoch der Preis, dass wir nur staunen und anbeten können. Wo ist ein Erblasser, der eines gewaltsamen Todes freiwillig stirbt, um unwürdigen Erben zum Erbe zu verhelfen? (B. Rohner) (Lies Röm. 8, 31-34.) Und wenn die Sünde ihre Macht über uns ausüben will, dann haben wir als Beistand den Heiligen Geist, der uns erinnert: Es ist vollbracht! (Lies 1. Petr. 1, 14-19; Eph. 6, 10. 11.)
Das irdische Heiligtum wurde gereinigt durch das Blut von Tieropfern. Doch diese haben im himmlischen Heiligtum keine Bedeutung. Nach der vollbrachten Erlösung ist Jesus in den Himmel selbst eingegangen und hat dort sein eigenes Blut vorgewiesen (V. 12). Deshalb darf man sein Opfer nicht anderen Opfern gleichstellen. Es ragt heraus durch seine Einmaligkeit, seine Endgültigkeit und seine Unwiederholbarkeit. Es ist einmalig dadurch, dass der Sohn Gottes sich selbst dargebracht hat, und es ist gültig für alle Menschen, sofern sie es im Glauben in Anspruch nehmen. Jetzt erscheint Jesus Christus vor dem Angesicht Gottes für uns (V. 24). Was heißt das? Wir verstehen es besser, wenn wir zurückblättern zu Hebräer 7, 25 und 8, 1. Jesus kann uns bis aufs Äußerste retten und lebt beständig, um für uns einzutreten. Wir sind dem Sohn vom Vater gegeben worden. Er ist verantwortlich vor dem Vater für uns und bringt uns ans Ziel. (Lies Joh. 17, 6. 11. 15-19.) Wir können unseren Hohen Priester und Hirten zu Hilfe rufen, wenn die Sünde an unsere Tür klopft. Er will uns helfen im Kampf gegen alle Versuchungen. Der Kampf und Sieg über die Sünde ist nicht kompliziert. Man benötigt dazu kein großes Wissen. Gott hat es den Unmündigen offenbart (Matth. 11, 25). Je mehr der Gläubige seine Hilflosigkeit erkennt, desto leichter wird er diesen Weg zum Sieg gehen, indem er so abhängig von seinem Heiland wird, dass er sich bei der kleinsten Versuchung sofort in seine mächtigen Arme wirft . . . Wenn wir im Kampf gegen die Sünde unterliegen, liegt es daran, dass wir nicht sofort bei unserem Heiland Unterstützung anforderten (O. Hallesby).
Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Wir kommen nicht immer wieder in anderer Gestalt auf die Welt, wie es die östliche Reinkarnationslehre sagt. Wenn dieses Leben misslungen ist, kann man sich nicht darauf vertrösten, dass es weitere Versuche gibt. Ein zweites Mal oder zehntes Mal zur Welt zu kommen, würde nicht helfen. Seine Schuld wäre der Mensch dadurch nicht losgeworden. Außerdem würde ihm die Erfahrung aus dem vorigen Leben nichts nützen. Er hätte ja keine Erinnerung daran. Nach diesem Leben kommt vielmehr das Gericht. Gott hat uns geschaffen nach seinem Bild, das heißt als Verantwortungs-Wesen. Wir werden vor ihm einmal Rechenschaft ablegen, was wir mit unserem Leben und allen Gaben, die er uns geschenkt hat, gemacht haben, wofür wir sie eingesetzt haben. Für den Bau seines Reiches oder für den Bau unseres Reiches? Die Ankündigung des Weltgerichts ist keine Drohbotschaft, sondern eine Frohbotschaft, weil mit diesem Gericht die Befreiung der Welt vom Bösen verbunden ist (G. Maier). Keiner, dem es gelungen ist, sich der Verantwortung vor einem menschlichen Gericht zu entziehen, wird diesem letzten Gericht entgehen. Der Alptraum eines Atheisten ist, dass mit dem Tod vielleicht doch nicht alles aus sein könnte. (Lies Offb. 20, 11-15; 2. Tim. 4, 1; Pred. 12, 14.) Entscheidend ist, dass unser Name im Buch des Lebens steht. Wer seine Zuflucht zum Kreuz nimmt, dessen Name schreibt Jesus Christus selbst da hinein. Dort gibt es Amnestie für Menschen, die die Last ihrer Schuld loswerden möchten, denn Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2, 4).
Wir gehen früher oder später auf das Alter und auf den Tod zu. Das ist eine unbequeme Wahrheit, gegen die Verdrängung nicht hilft. Aber wir können wie Mose beten: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden (Ps. 90, 12). Wir vermögen der Realität ins Auge zu sehen, weil wir wissen, was nach dem Tod kommt. Paulus schreibt: Das Leben ist für mich Christus und das Sterben Gewinn . . . Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser (Phil. 1, 21. 23; lies Luk. 23, 43; Röm. 14, 8; 2. Kor. 5, 8). Kinder Gottes erwartet nicht das Weltgericht, sondern das Preisgericht vor dem Richterstuhl Christi. Es geht darum, ob unser Leben Frucht für ihn gebracht hat. Durch seinen Geist will er sie jetzt in unserem Leben wirken. Frucht entsteht, indem wir mit Jesus in Verbindung bleiben. Es ist zum Staunen: Für die Frucht, die er in uns wirkte, werden wir von ihm Lob und Lohn empfangen. (Lies Joh. 15, 4. 5; 1. Joh. 2, 28; Röm. 14, 10; 2. Kor. 5, 10; 1. Kor. 3, 8; 4, 5.) Christus wird, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal ohne Beziehung zur Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten. Wenn Jesus wiederkommt, dann nicht noch einmal in Schwachheit und Demut, sondern mit Macht und Herrlichkeit. Dann wirbt er nicht mehr um die Menschen. Dann fragt er, wer auf ihn gewartet hat. Gehören wir schon zu den Wartenden, die ihr Leben in Ordnung gebracht haben? (H.-W. Neudorfer) Wie komme ich in den Himmel?
Kürzlich spielte ein Nichtsesshafter vor einem Supermarkt den alten Schlager: Wir kommen alle, alle in den Himmel . . . Kommen wirklich alle, alle in den Himmel? Da war ein junger Mann. Er kam aus geordneten Verhältnissen, führte ein vorbildliches Leben, und er glaubte an Gott. Doch in seinem Herzen kam er nicht zur Ruhe. Eines Tages wandte er sich an Jesus, kniete nieder und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich alles tun, um ganz sicher das ewige Leben zu bekommen? (Mark. 10, 17). Das soll unsere erste Frage sein: Was müssen wir tun, um in den Himmel zu kommen? Zunächst: Wir müssen gar nichts tun. Der junge Mann hatte ja alles versucht, die Gebote zu halten. Er wusste, dass sie ein außerordentlich guter Maßstab für unser Leben sind. Und doch spürte er: Da fehlt noch etwas Entscheidendes. Wie beantwortete Jesus seine Frage nach dem ewigen Leben? Wir lesen Markus 10, 21. Der Mann hielt sich streng an Gottes Gebote, ließ aber das Eine, das Wichtigste, das Erste außer Acht: Lies 2. Mose 20, 2. 3. Dieses erste Gebot spricht von der persönlichen Hingabe an den Erlöser-Gott. Anders kommt kein Mensch in den Himmel. Der junge Mann aber hatte sein Herz nicht an den einen Gott gehängt, sondern an sein eigenes Gut-Sein und an den Götzen Mammon . Dafür öffnete Jesus dem Mann die Augen. Lass los, was dich bindet und folge mir nach. Der Weg zum ewigen Leben, der Weg in den Himmel führt über Jesus, der von sich selbst gesagt hat: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kann ohne mich zum Vater kommen (Joh. 14, 6).
Geh hin, verkaufe alles, verschenke alles, komm, folge mir nach! Sind diese Forderungen nicht zu steil? Nein, sind sie nicht. Warum? Reichtum und Religiosität geben keine wirkliche, tiefe Zufriedenheit. Es bleibt eine gewisse Leere im Herzen. Die Sehnsucht nach Freude, nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Geborgenheit und Liebe bleibt ungestillt. Unser Herz verlangt nach bedingungsloser Liebe. Das ist genau der Punkt, den Jesus berührt: Er blickte ihn an, gewann ihn lieb . Vor allem, was wir tun und lassen, rangiert die voraussetzungslose Liebe Gottes zu uns. (Lies 5. Mose 7, 7. 8; Jes. 43, 4; 49, 15; Jer. 31, 3; Joh. 3, 16; 13, 1; 15, 9a.) Unabhängig davon, wer wir sind und was wir leisten, steht fest: Gott liebt dich. Denken wir an die zwei Söhne, von denen Jesus erzählte (Luk. 15, 11ff). Der eine forderte vorzeitig die Auszahlung seine Erbanteils, zog von zu Hause weg, führte ein sehr unmoralisches Leben. Aber der Vater hörte nicht auf, ihn zu lieben. Der andere Sohn blieb zu Hause. Er war rechtschaffen, arbeitete fleißig, führte ein moralisch gutes Leben. Der Vater hörte nicht auf, auch ihn zu lieben ihn, den Fleißigen und Unzufriedenen, den Rechtschaffenen und Selbstgerechten. (Siehe Pred. 7, 20.) Der eine lebte weit entfernt vom Vater im Talkessel der Sünde, der andere lebte beim Vater, innerlich distanziert im Talkessel der Selbstgerechtigkeit. Beides ist für den liebenden Vater gleich schlimm. Der große Sünder und der kleine Sünder leben getrennt von der Liebe und Güte des Vaters. Und Trennung ist Trennung. Aber der Vater möchte beide Söhne bei sich haben. Er möchte, dass beide Söhne seine Liebe erkennen und annehmen. Darauf wartet er.
Dass der Vater im Himmel seine Menschen bedingungslos liebt, will den Vielen gar nicht in den Kopf und noch weniger ins Herz gehen. Gibt es doch unendlich viel Leid und Not, Missetaten und Fehltritte, Enttäuschungen und Verletzungen! Ist Gott dafür verantwortlich? Nein, er nicht, aber wir sind es. Nicht Gott hat uns in den Abgrund gestoßen, wir haben uns von ihm abgewandt und sind von ihm abgefallen. Dieser Fall in die Tiefe zog im Lauf der Geschichte alle Schrecklichkeiten nach sich. (Dazu 1. Mose 4, 1-8; 6, 5. 12; Röm. 3, 12.) Der Vater, den Jesus in Lukas 15 schildert, hat den jüngeren Sohn nicht gezwungen, bei ihm zu bleiben. So lässt auch Gott dem Menschen die Freiheit. Das ist erstaunlich und schwer begreiflich. Aber nachdem der Mensch nach Gottes Willen in Freiheit und zur Freiheit erschaffen ist, lässt Gott dem Menschen den wirklich freien Entscheid. Gott lässt den Menschen die Straße ziehen, die er sich selber wählt, und lässt ihn nach seinem eigenen Wollen und Begehren schalten und walten. Merkwürdig ist nur, dass die Menschen, solange es ihnen gut geht, nicht an Gott denken. Wenn es ihnen aber schlecht geht, geben sie Gott die Schuld. Der jüngere Sohn im Gleichnis tut das aber nicht. Und das ist seine Rettung (F. Rienecker). Wie kam es dazu? Damit kommen wir zu unserer zweiten Frage: Wie bekommt ein Mensch Zutritt zum Himmel? Der Sohn besinnt sich. Er ging in sich. Er denkt an seinen Vater und daran, dass es ihm in seiner Nähe gut geht. Zugleich weiß er, dass er ohne seinen Vater ein Todeskandidat ist. Der Sohn entschließt sich. Ich will mich aufmachen. Man kann auch übersetzen: Ich will auferstehen. Ich will aus dem Tod heraustreten und ins Vaterhaus gehen. (Vgl. Ps. 41, 5; 51, 2-14; Luk. 18, 13. 14.)
Wie kommt es zum Umschwung vom Tod zum Leben? Der Sohn steht zu seiner Schuld. Ich will sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel (gegen Gott) und an dir. Der Sohn tut, wozu er entschlossen ist. Er steht auf und macht sich auf den Weg zu seinem Vater und bekennt seine Sünde ohne Beschönigung. Der Vater nimmt den Verlorenen aus purer Liebe und bedingungslos an. Er hebt den Nichtswürdigen in den Sohnes-Stand und lässt ein Freudenfest ausrichten. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. Die Liebe des irdischen Vaters, von dem Jesus erzählte, ist ein Abbild der Liebe des himmlischen Vaters. Dieser offenbarte seine Liebe noch ganz anders. Er sandte seinen einzigen Sohn zu uns. Unermüdlich lud er die Menschen in das Himmelreich Gottes ein: Er heilte Kranke, tröstete Traurige, sättigte Hungrige, weckte Tote zum Leben auf, befreite Besessene von Dämonen und vergab Menschen ihre Sünden. Damit war klar: Gott hat alles Heil an Jesus gebunden. (Siehe Apg. 4, 12.) Wer in den Himmel kommen will, braucht Jesus. Er hat uns den Zugang erschlossen, als er am Kreuz für unsere Sünde starb. Dort hat der schuldlose Sohn Gottes die Todes-Strafe, die über jeden Menschen wegen seiner Sünde verhängt ist, freiwillig erlitten, damit wir nicht zugrunde gehen müssen, sondern das ewige Leben bekommen. (Lies Jes. 53, 4-6; Matth. 1, 21; Luk. 23, 33. 34. 39-43; Röm. 5, 18. 19.) Nun ist der Himmel für alle Menschen offen. Aber es kommen nicht automatisch alle, alle in den Himmel (Jes. 55, 7; Hes. 18, 32).
Wir befassen uns heute mit der dritten Frage: Wer kommt denn nun in den Himmel? Jeder, der an den Sohn Gottes glaubt, geht nicht verloren, sondern hat das ewige Leben. Es geht also um mich persönlich. Es geht um meine Sünde, um mein Verlorensein und um mein persönliches Vertrauen. Das äußert sich im Gebet. Jesus ist nur ein Gebet weit von mir entfernt. Ihm darf ich mich im Gebet anvertrauen: Herr Jesus Christus, ich bin ein sündiger und verlorener Mensch. Ohne dich komme ich nicht in den Himmel. Ich brauche dich. Vielen Dank, dass du für meine Schuld gestorben bist. Bitte, vergib mir meine Sünden und mach aus mir einen Menschen, der dich liebt und dir gehorcht. Amen. Woher weiß ich, dass Jesus mein Gebet erhört hat? Und es wird geschehen: jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden (Apg. 2, 21; vgl. Röm. 8, 16; 1. Joh. 5, 11-13). Dieses Versprechen gilt; denn das Wort Gottes ist wahr und absolut zuverlässig. Wer sich Jesus anvertraut hat, ist gewissermaßen ein Bürger des Himmels geworden. Er lebt noch auf der Erde, aber nun so, dass andere Menschen diesen neuen Stand an seinem Lebensstil erkennen können. Denn wir sind nicht nur gerettet, dass wir selber in den Himmel kommen, sondern auch, dass wir anderen den Weg in Gottes Reich zeigen. Wir können für sie beten, ihnen ganz praktisch helfen und ihnen erzählen, wie wir selber auf den richtigen Weg gekommen sind. Wir benötigen dazu viel Liebe und einen langen Atem. Jesus wird uns schenken, was wir brauchen. Er führt, prägt und stärkt uns im Gebet und durch sein Wort. (Lies Ps. 119, 2; Luk. 11, 28; Röm. 15, 4; 2. Tim. 3, 16.)
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