Am Ende von Psalm 33 richtet der Verfasser unseren Blick noch einmal auf den großen und wunderbaren Gott. Es lohnt sich, seine Hoffnung auf IHN zu setzen. Auf ihn warten wir nie vergeblich. Voll Zuversicht können wir durch unsere Tage gehen, denn er steht uns mit seiner Hilfe und mit seinem Schutz zur Seite. Freude soll der Grundton unseres Herzens sein, denn sein »heiliger Name« ist das gute Programm für unser Leben: der große »Ich bin«, Jesus Christus. In ihm ist Gott ganz und gar für uns. »In keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden« (Apg. 4, 12). Könnte der Psalmbeter uns etwas Besseres mit in unseren Tag hineingeben als diese Zuversicht auf die uneingeschränkte Fürsorge und Liebe Gottes? »Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied« (Ps. 28, 7; 40, 18; Jes. 41, 10). So können wir in aller Unruhe, in allem, was uns bedrängt und belastet, bei ihm zur Ruhe kommen. Es lohnt sich, auf den allmächtigen Gott zu schauen und sich immer wieder neu seine Größe und seine unübertroffene Schöpferkraft bewusst zu machen. Er, der alles durch seine Weisheit ins Leben gerufen hat, unser Schöpfer, und der, der über den Mächtigen dieser Welt wacht, er wird auch in Zukunft der Herr sein. Mit einer Segensbitte schließt der Beter den Psalm ab, so, als wolle er »Amen« darunter schreiben: So sei es! »Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.« (Lies Ps. 62, 2. 3. 6-9; 27, 13. 14; 31, 20.)
IM HEBRÄERBRIEF (5,11- 6,20)
Von unserem Hohenpriester, zu dem wir in jeder Anfechtung unsere Zuflucht nehmen und zum Gnadenthron kommen können, lasen wir im vorausgehenden Abschnitt Kapitel 4, 14 - 5, 10. Er ist allen, die ihm gehorchen, Urheber des ewigen Heils geworden. In Kapitel 7 geht die Botschaft von Jesus, unserem Hohenpriester, weiter. Dazwischen finden wir wieder einen seelsorgerlichen Teil, der von Hebräer 5, 11 - 6, 20 reicht. Was wir in diesem Abschnitt an Ermahnungen lesen, müssen wir im Licht der Liebe unseres Hohenpriesters zu uns verstehen. »Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid.« Von Jesus Christus, unserem Hohenpriester, hat der Apostel noch viel zu sagen, aber warum findet er es schwer zu erklären? Der Grund liegt in den Hörern. Der Briefschreiber stellt hier eine seelsorgerliche Diagnose: Ihr seid abgestumpft gegenüber dem Wort Gottes. Kennen wir den Zustand, in dem uns das Bibelwort nicht mehr anspricht? Wie kommt man in eine solche Verfassung? Die Antwort finden wir in Hebräer 4, 2 und 6, 7. 8: »Das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband.« »Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott. Wenn sie aber Dornen und Disteln trägt, bringt sie keinen Nutzen und ist dem Fluch nahe, sodass man sie zuletzt abbrennt.« Hier ist von fruchtbarem und unfruchtbarem Land die Rede. Am mangelnden Regen liegt es nicht, dass nur auf dem einen Acker Frucht wächst, auf dem anderen aber Dornen und Disteln. (Lies Jes. 5, 1-6; 55, 10. 11; Matth. 7, 16-20; Mark. 4, 2-8. 14-20.) Wie wird unser Leben fruchtbar für Gott?
»Ihr seid träge geworden zum Hören.« So beurteilt der Verfasser des Briefes den Zustand der Hebräerchristen. Heute besitzen viele zwar eine eigene Bibel. Davon hätten die Hebräerchristen nicht zu träumen gewagt! Aber das Urteil von der Trägheit zum Bibellesen und zum Hören auf das Wort Gottes betrifft auch uns. Wir sind angefochtene Leute. Die Massenmedien werben um unsere Aufmerksamkeit und konkurrieren mit der Bibel. So vieles sollten wir beruflich oder aus Interesse gelesen oder gesehen haben! Das kostet Zeit. Unsere Zeit aber ist begrenzt. Deshalb ist eine der wichtigsten täglichen Entscheidungen die, wofür wir unsere Zeit investieren. Doch vielleicht erscheint uns das sorgfältige Lesen des Wortes Gottes gegenüber Filmen, Zeitschriften, spannenden Büchern oder dem Internet zu mühsam. Diese Medien bieten ständig Neues. Die Bibel dagegen kennen wir schon. Wirklich? Chips schmecken besser als Vollkornbrot. Aber wer kann sich schon von Chips gesund ernähren? »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht« (Matth. 4, 4). Unseren täglichen Termin mit Gott zum Hören auf ihn und zum Reden mit ihm haben wir so dringend nötig wie die Luft zum Atmen, um ein Segen und eine Hilfe für die Menschen zu sein, denen wir heute begegnen. »Wer der Welt dienen will, muss zuerst auf Gott hören. Es ist meine Berufung, ein Mann des Gebets und des Hörens zu sein« (K. Bockmühl). Das Wort Gottes wird interessant, wenn Gottes Licht darauf fällt und ich merke, jetzt redet der Herr zu mir persönlich. Ich bin gemeint. Darum kann ich ihn immer neu bitten: »Rede, Herr, dein Knecht hört!« (1. Sam. 3, 10; lies Hes. 33, 7; Hab. 2, 1; Hebr. 3, 7. 8).
Manchmal ist es gut, sich zu besinnen: Wie lange lebe ich eigentlich schon mit Jesus? Gottes Ziel für uns ist, dass wir im Glauben wachsen. Wir sollen uns nicht in perfekte Heilige verwandeln, sondern immer abhängiger von Jesus werden. Beim Kind zeigt sich Wachstum in Erlangung immer größerer Selbständigkeit, bei einem Kind Gottes äußert sich Wachstum in immer tieferer Verbundenheit mit Jesus. Jesus kündigte seinen Jüngern an: »Ohne mich könnt ihr nichts tun«, und Petrus prophezeite er: »Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst!« (Joh. 21, 18; lies Joh. 15, 4. 5. 7. 8; Eph. 4, 15; Kol. 1, 10; 2. Petr. 3, 18; 1. Joh. 2, 12-14). »Ihr solltet der Zeit nach schon Lehrer sein.« Dabei geht es nicht darum, ein entsprechendes Amt in der Gemeinde zu haben, aber Glaubensgespräche führen zu können, anderen geistlich weiterhelfen zu können, damit auch sie ein Unterscheidungsvermögen entwickeln, um falsche Lehren erkennen zu können. Stattdessen brauchten die Hebräerchristen wieder Unterricht in den Glaubensgrundlagen. Der Verfasser vergleicht sie mit Babys, die feste Speisen noch nicht vertragen. Diese Christen sind geistlich unmündig geblieben. (Lies Eph. 4, 14; Kol. 2, 8.) Luther schreibt: »Sie hätten bei der Länge der Zeit Meister sein müssen, wären sie nur mit unermüdlichem Eifer um das Verständnis der Schrift bemüht gewesen. So waren sie lässig und haben das Land der Verheißung, die Heilige Schrift, darinnen Milch und Honig fließt, nicht bearbeitet.« Tipps: »Bearbeiten« Sie Ihre Bibel mit Farbstiften, mit denen Sie kennzeichnen, was Ihnen wichtig geworden ist, oder auch mit Fragezeichen am Rand der Stellen, die Sie nicht verstehen. Fragen Sie jemanden, der sich auskennt. Lernen Sie Bibelworte auswendig! Das weckt neue Freude am Wort Gottes.
»Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein Unmündiger.« Wie äußert sich diese Unmündigkeit? Der geistlich Unerfahrene lässt sich von jeder Strömung mitreißen. Eine ganze Gemeinde kann von Unerfahrenheit geprägt sein. Bibelabschnitte, die die Botschaft von der »teuren Nachfolge« und vom Gericht enthalten, stoßen bei ihr unter Umständen auf Unverständnis oder Ablehnung. (Lies Matth. 16, 24-26; 11, 6; Joh. 6, 59-69.) Paulus hatte Not mit den »Unmündigen« in Korinth, die die Gemeinde zu spalten drohten (1. Kor. 3, 1-4). »Feste Speise ist für die Vollkommenen, die durch Übung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen.« Mit den Vollkommenen sind nicht sündlose, sondern reife und bewährte Christen gemeint. Was ist ihr Kennzeichen? Sie haben Stetigkeit in ihrem Glaubensleben, eine klare Linie und Unterscheidungsvermögen. Ein Kind Gottes bekommt das durch beständige Übung, durch Anwendung des Wortes Gottes im Alltag. Es schärft unsere Sinne, dass wir Gottes Stimme im Bereich unseres Lebenswandels und im Bereich der biblischen Lehre von anderen Stimmen unterscheiden lernen. Wir lernen zu identifizieren, was nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmt. - Bewährte Christen haben länger Geduld in schwierigen Lagen, weil sie schon Erfahrungen mit der Treue ihres Herrn gemacht haben und damit, wie er Gebet erhört. Sie tragen die Last der Verantwortung für die Gemeinde mit, vor allem auch im Gebet, und können ein Wort der Ermahnung aus Liebe und Besorgnis wagen. (Lies Hebr. 3, 13; 10, 23-25.) Jeder von uns soll zur geistlichen Reife gelangen. Das ist Gottes Ziel für uns. (Lies Hebr. 6, 11. 12; 10, 19-22.) Unterscheidungsvermögen wollte Gott auch seinem Volk Israel vermitteln durch das Gesetz. Beständig sollten sie fragen: Was ist gut, und was ist böse in Gottes Augen? (Lies 1. Sam. 3, 9; Ps. 19, 8. 9; 119, 9-11.)
Der Schreiber des Hebräerbriefes hat ein klares Anliegen für die Briefempfänger. Er will sie anspornen, Jesus entschlossen nachzufolgen, damit sie im Glauben wachsen. Darum möchte der Schreiber ihnen nicht noch einmal Anfangsunterricht erteilen, sondern »feste Speise« geben. Die Themen des Anfangsunterrichts erwähnt er in 6, 1. 2. Mit der »Buße von den toten Werken« meint er die Umkehr von dem alten Leben ohne Gott mit seinen bösen Auswirkungen, mit seinen toten Werken. Aus der Sicht Gottes ist der Mensch, der ohne ihn lebt, geistlich tot. Ein geistlich Toter aber kann nur »tote Werke« hervorbringen, die Todeslinien in unser Leben zeichnen. Hochmut, Stolz, Hass, Neid, Streit, Eifersucht, Ehebruch, Unehrlichkeit zerstören das Miteinander und verbreiten die Kälte des Todes. Auch so genannte gute Werke können »tote Werke« sein, wenn wir sie zu unserer Ehre tun, »um von den Menschen gesehen zu werden« oder »um uns den Himmel zu verdienen«. Das hat Jesus bereits für uns getan. (Lies Matth. 6, 1-4; Luk. 18, 9-14.) Allein die Verbindung mit Gott führt zum Leben. Der »Glaube an Gott«, das kindliche Vertrauen zu ihm und zu seinem Wort, öffnet die Tür zum Vater. Der Schreiber will mit den Briefempfängern auch nicht über die Taufe oder die Handauflegung sprechen. Wenn jemand ein Amt in der Gemeinde übernahm, wurden ihm zur Segnung die Hände aufgelegt. (Lies Apg. 6, 1-6; 1. Tim. 4, 14-16; 5, 22; 2. Tim. 1, 6.) Hier kann man geistlich stehen und stecken bleiben, indem man sich darauf beruft: »Ich bin getauft, ich bin gesegnet worden mit Handauflegung. « Doch es geht um unsere Lebensverbindung mit Jesus, die wir durch sein Wort, seinen Geist und das Gebet in unserem Alltag haben können. So werden wir geistlich reife Kinder Gottes. (Lies 1.Kor. 15, 10; 2.Kor. 3, 5; Phil. 1,10. 11; 4,12. 13.)
Taufen, Handauflegung, Auferstehung der Toten und das ewige Gericht waren Streitfragen, über die die Hebräerchristen mit ihren ehemaligen jüdischen Glaubensgenossen immer wieder in Auseinandersetzung gerieten. Doch es ging um mehr. Vielleicht spielte der eine oder andere unter ihnen mit dem Gedanken, wieder in die Synagoge zurückzukehren. Die Verfolgung und gesellschaftliche Isolation hätten dann ein Ende (vgl. Hebr. 10, 32-34). Der Apostel macht klar, dass es für die Briefempfänger um Sein oder Nichtsein geht. Die Hebräerchristen waren Judenchristen, die von der Synagoge umworben wurden, wieder dorthin zurückzukehren. Dazu aber mussten sie Jesus öffentlich als Messias abschwören und ihn als Gotteslästerer ansehen. Sie würden damit bestätigen, dass das Todesurteil des Hohen Rates gegen Jesus rechtmäßig war. Das klingt in Vers 6 an, dass »sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen«. Ebenso finden wir in Hebräer 10, 29, dass derjenige Strafe verdient hat, »der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat«. Der abgefallene Christ tritt nicht zurück in eine Neutralität Jesus gegenüber, sondern er wird zum Gegner von Jesus. Abfall bedeutet Feindschaft gegen Jesus und nicht Verleugnung wie bei Petrus. Er konnte ja darüber weinen und wollte zurück zu seinem Herrn. (Lies Luk. 22, 31. 32. 60-62.) Hier aber sind Menschen gemeint, die absolut nicht zurückwollen, und nun zu Gegnern von Jesus werden. Dass der Verfasser seelsorgerlich schreibt, wird deutlich in Kapitel 6, 9. 10. Es soll eine Warnung sein, ähnlich der, wie sie der erhöhte Herr einzelnen Gemeinden in den Sendschreiben am Anfang der Offenbarung sagen ließ (Offb. 2, 4. 5; 3, 1-3. 14-17. 20). Wir können zu Jesus kommen mit der aufrichtigen Bitte von Psalm 139, 23. 24.
»Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende.« Der Apostel teilte hier sein tiefstes Verlangen mit für die Menschen, die Gott ihm anvertraut hatte. Deshalb wagte er es auch, ihnen ein so ernstes, warnendes Wort zu schreiben (V. 4-6). Er wünschte sich, dass sie alle ans Ziel gelangten und er sie vor Gottes Thron wieder treffen würde. Das Wesen unserer Hoffnungsgewissheit beschreibt Paulus so: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben« (1. Kor. 2, 9; lies Hebr. 12, 22-24. 28; Offb. 7, 14-17; 22, 3-5). Er zeigte den Empfängern damals und uns heute, dass wir in Jesus das volle Heil haben und es nicht noch woanders vermuten müssen. Die Hebräerchristen suchten es im Judentum. Die Galaterchristen suchten es in einer Ergänzung ihres Glaubens an Jesus durch die Einhaltung des jüdischen Gesetzes. Doch das Heil, das uns der Sohn Gottes am Kreuz errungen hat, bedarf keiner Ergänzung und reicht aus für Zeit und Ewigkeit. Vielleicht sind wir als Menschen, die in einer multikulturellen Gesellschaft leben, angefochten von der Frage: »Sollten wir Christen allein den Weg zur Rettung und zum Heil kennen?« Ja, es hat Gott gefallen, der gesamten Menschheit in seinem Sohn Jesus Christus das Heil anzubieten: »Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben« (Joh. 3, 16; lies Röm. 5, 8; 8, 32; 2. Kor. 5, 19-21; Hebr. 9, 12; 10, 12-14). Wir haben das Heil allein durch Jesus Christus, allein aus Gnaden, nicht durch eigene Verdienste, und allein aus Glauben. Jesus selbst ist der Inhalt unserer Hoffnungsgewissheit.
HEBRÄER 6, 12-15; RÖMER 4, 17-21 Der Apostel hat den brennenden Wunsch, »dass ihr ja nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen ererben«. Hier warnt er die Briefempfänger noch einmal vor der Trägheit, die nicht mit Gottes Verheißungen rechnet. Wie können wir Gottes Verheißungen in Besitz nehmen? Durch Glauben und Geduld. Wir sind dabei keine Pioniere, sondern haben »Vorgänger« in der Schrift, in deren Fußstapfen wir treten und durch deren Vorbild wir uns ermutigen lassen können. Hier wird unser Blick auf Abraham gelenkt, der Gottes Verheißung empfing (1.Mose 12, 1-3). Abraham erfuhr die Treue Gottes, indem der Herr ihm durch sein wunderbares Handeln den verheißenen Sohn schenkte (1.Mose 21, 2-7). Nach der Opferung Isaaks bekräftigte Gott noch einmal seine Zusage mit einem Eidschwur (1.Mose 22, 16-18). Ein Mensch schwört immer bei einem Größeren. Aber bei wem sollte Gott schwören? Es gibt keinen, der größer, höher und machtvoller ist als er. Deshalb schwor er bei sich selbst, um Abraham der Erfüllung der Verheißung gewiss zu machen, auch wenn Abraham selbst sie nicht mehr erleben sollte. Wie liebevoll neigte sich Gott in diesem Schwur zu Abraham und zu uns, die wir durch den Glauben zu den Nachkommen Abrahams gehören. »Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben« (Gal. 3, 9. 29). Gott hatte es nicht nötig zu schwören, dass sein Wort wahr ist. Aber uns Kleingläubigen gegenüber »verbürgte er sich mit seiner heiligen Person für das gegebene Wort. Er machte sich selbst zum Unterpfand dafür, dass sein Wort unverbrüchliche Wahrheit ist und in Erfüllung gehen wird« (F. Laubach).
»So wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.« Der Glaube ergreift die Verheißung, die Geduld harrt aus und wartet, bis sie erfüllt ist. Wir leben in einer Zeit, da alles schnell gehen muss. Aber unser Gott ist dem Diktat der Eile nicht unterworfen. Er hat ein anderes Zeitmaß (Ps. 90, 4). Die Zeit des Wartens auf die Erfüllung von Gottes Zusage kann zwar zur Anfechtung werden, aber sie vermag auch unsere »Glaubensmuskeln« zu stärken. Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geistes. (Lies Gal. 5, 22. 23.) Abraham »behielt lange Mut«. Das ist die Bedeutung des griechischen Wortes für Geduld, das hier steht. So erlangte er die Verheißung. Diese Aussage wird gemacht (V. 15), obwohl es dabei nicht ohne Krisen abging (1.Mose 16, 1-4). Nicht nur Abraham und seine leiblichen Nachkommen sind Erben der Verheißung, sondern auch wir, die wir an Jesus Christus glauben, erben mit ihm. (Lies Röm. 4, 16; 9, 6-8; Gal. 4, 7. 28.) Der Inbegriff unseres Erbes und unserer Hoffnung ist Jesus selbst. Durch ihn sind wir, wie ein Schiff durch den Anker, festgemacht in der Gegenwart Gottes. Als unser Vorläufer und Wegbereiter ist er in den Himmel eingegangen. - Der Tempel in Jerusalem stellte im Alten Bund ein Abbild des himmlischen Heiligtums dar (Hebr. 8, 5). Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester das Allerheiligste, den Ort der Gegenwart Gottes, betreten. Doch als Jesus am Kreuz starb, zerriss der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste abtrennte. Indem er unsere Schuld sühnte, bahnte er uns den Weg ins himmlische Allerheiligste der Gegenwart Gottes. Durch ihn dürfen wir nun Tag für Tag zum Thron Gottes kommen. Ganz gleich wie hoch die Wellen schlagen, dort, bei unserem himmlischen Vater und bei Jesus Christus, können wir festgemacht und verankert sein. (Lies Hebr. 4, 16; 9, 11. 12.)
Heinrich Coerper, der Gründer der Liebenzeller Mission, schrieb einmal: »Vertrauen ist die Hand, die uns befähigt, die unsichtbaren Dinge zu ergreifen. Schwindet das Vertrauen, so schwindet die Fähigkeit, mit den unsichtbaren, ewigen Dingen in Verbindung zu stehen.« Wie können wir Vertrauen auf den »Unsichtbaren« praktizieren, wie halten wir's fest, auch wenn wir in Versuchung kommen, es wegzuwerfen? 1. Sollen wir unser Vertrauen wegwerfen, weil . . . ? Abraham, der auch der »Vater des Glaubens« genannt wird, war nicht nur einmal nahe daran, das Vertrauen aufzugeben. Er hatte wunderbare Verheißungen von Gott erhalten. Nun war es höchste Zeit, dass sie eingelöst wurden, denn mit fortschreitendem Alter sprach alles gegen das von Gott Verheißene. (Lies 1. Mose 12, 2; 13, 16; 15, 1-5.) So sagte Abraham nach der wiederholten Zusage zum Herrn: »Herr, mein Gott, du versprichst mir sehr viel. Aber wie kannst du mir das alles geben, wenn du mir das eine nicht gibst, das du mir schon lange versprochen hast?! Ich bin alt, und es sieht ganz danach aus, als würde ich eines Tages ohne Kinder sterben, obwohl du mir Nachkommen versprochen hast, aus denen ein großes Volk werden soll. Du löst deine Verheißungen nicht ein. Soll ich noch daran glauben, was du mir versprochen hast, wenn meine bisherige Erfahrung dagegen spricht?« Vertrauendes Rechnen mit dem Unsichtbaren, wenn so viel Sichtbares dagegen spricht? Diese Frage bewegt manchen unter uns, der gern vertrauen möchte. Viel Entlastung will Gott uns schenken, wenn wir wie Abraham, David und Asaf unsere Zweifel und Nöte vor ihm aussprechen. Lesen wir es nach in Psalm 18, 2-7; 40, 1-5a; 73, 21-28!
Nicht nur Abraham bekam wunderbare Verheißungen von Gott, auch wir werden mit vielfältigen Zusagen des Herrn beschenkt. Manchmal reden sie so deutlich in unsere Lage hinein, dass wir sie als persönliche Zusage Gottes annehmen. Dann aber spricht so viel gegen ihre Erfüllung, obwohl wir mit ihr rechneten und sie anscheinend so dringend brauchten. Aber es geschieht nichts. Soll man weiter vertrauen, wenn Gott nicht antwortet? Vertrauen, wenn alles anders läuft, als man sich das vorgestellt hatte? War das nicht auch die Not der Jünger, als ihr Herr von seinem bevorstehenden Leiden sprach? Es passte ganz und gar nicht in ihre Vorstellungen vom Messias. Dass Jesus der Christus war, hatten sie erkannt und ihn als Sohn Gottes geehrt. (Vgl. Matth. 16, 15-17.) Doch dazu schien das Leiden-Müssen nicht zu passen. Den Sieg über alle Feinde, die Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden und die vollkommene Gottesherrschaft, das alles erwarteten sie. Trotz richtiger Erkenntnisse hatten die Jünger zu der Zeit die eigentliche Bedeutung seines Kommens noch nicht verstanden. Das Unvorstellbare geschah: Jesus wurde verraten und gefangen genommen. Da überwältigte sie die Furcht, und sie flohen (Matth. 26, 56). So konnten sie auch der Botschaft von der Auferstehung ihres Herrn nicht sofort glauben. »Ich glaube es nicht, es sei denn, ich kann es sehen und ihn berühren«, sagte der Jünger Thomas. (Lies Joh. 20, 24-29.) Doch ist das wirklich Vertrauen, wenn man in der Erwartung lebt, der Herr werde unseren Vorstellungen und Plänen entsprechend handeln? Dann fällt es allerdings schwer, bedingungslos dem Herrn zu vertrauen, der so anders ist und handelt, als wir es dachten. Die Frage bedarf der Klärung: Wem vertrauen wir - unseren Vorstellungen oder dem Herrn? (Lies Ps. 37, 5; Spr. 3, 5.)
2.KORINTHER 12, 7-10; HEBRÄER 10, 35 Kann man weiter vertrauen, wenn der Herr ein Gebet, das unserer Meinung nach wichtig ist, nicht erhört? Das Gebet des Paulus war eine richtige und für seinen Dienst entscheidende Bitte, der Herr möge die offensichtliche Begrenzung aus seinem Leben entfernen. Das Verlangen des Paulus, dem Herrn besser dienen zu können, war berechtigt, denn er war berufen und beauftragt zu einem Dienst, der unglaublich viel Kraft erforderte. Der Herr allein hätte ihm die Schwachheit nehmen können. Dreimal hatte Paulus deshalb zum Herrn gefleht. Dann hatte er aufgehört zu bitten - nicht aber zu vertrauen. Gott hatte eindeutig geantwortet: »Meine Gnade ist genug für dich« (2. Kor. 12, 9). »Wer Gott folgt, riskiert seine Träume, setzt eigene Pläne aufs Spiel. Auch als Verlierer kommt ihr nicht zu kurz. Gott bringt euch an sein gutes Ziel. Vertraut auf den Herrn für immer; denn er ist der ewige Fels« (Th. Lehmann; J. Swoboda). (Lies Röm. 8, 38. 39; 2. Tim. 1, 12; Hebr. 11, 13.) 2. Wir entscheiden uns für das Vertrauen, obwohl . . . ! »Werft euer Vertrauen nicht weg!« Das schließt ein: Entscheidet euch immer wieder neu dafür! Warum kam diese Aufforderung zu den Hebräerchristen? Sie befanden sich in einer gefährlichen Situation: sie waren im Glauben ermüdet. Um des Herrn willen hatten sie Spott und teilweise auch Verfolgung erlitten. Der Blick auf Jesus war verdunkelt. Das Sichtbare und das konkrete Erleben waren realer geworden als der beharrliche Glaube, der an der Verheißung festhält. Wenn wir im Vertrauen müde werden, hat der Herr auch heute ein ermutigendes Wort für uns: »Verlasst euch auf den Herrn immerdar, denn Gott der Herr ist ein Fels ewiglich« (Jes. 26, 4; lies Ps. 125, 1).
»Mit dem Glauben der Hebräerchristen steht es offenbar nicht zum Besten. Sie haben ihn zwar nicht über Bord geworfen, sie glauben an Jesus Christus, sie sind Christen und wollen es auch bleiben. Aber es ist nicht mehr der Glaube, der Berge versetzt und mit seinem Gott über die Mauer springt, ein Glaube ist's, der nur noch mühsam seine Schwingen hebt, er gleicht dem Funken, der unter der Asche glimmt. Mancher fragt sich vielleicht im Stillen: Lohnt es sich denn, Christ zu sein? Was habe ich denn davon? Sie haben bittere Erfahrungen gemacht. Eine Welle der Verfolgungen ist über sie hinweggegangen. So sind sie im Lauf ermattet. Und wir? Uns geht es erstaunlich gut, und das Evangelium hat freien Raum, aber auch dieses hat seine Gefahr. Wir sind ein glaubensmüdes Geschlecht geworden und ein ungeduldiges Geschlecht, aber es geht ums Durchhalten. Unsere fromme Betriebsamkeit ist oft eine fadenscheinige Kulisse für die innere Glaubensmüdigkeit« (H. Lamparter). (Lies Jes. 40, 29-31; 2. Kor. 4, 16.) Denken wir noch einmal an Abraham, der enttäuscht war, weil Gott sein Versprechen noch nicht eingelöst hatte. Aber Gott hatte seine Verheißung eindrücklich wiederholt. Abraham sollte das unzählbare Heer der Sterne anschauen. So zahlreich wird seine Nachkommenschaft sein, auch wenn der Sohn noch nicht da war. Abraham wurde vor die Entscheidung gestellt, weiterhin dem Wort Gottes zu vertrauen. Er entschied sich dafür, dem Herrn zu vertrauen, obwohl noch vieles dagegen sprach. »Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.« Neues Vertrauen beginnt mit einem Willensentschluss. Allerdings enthält der Entschluss für etwas meistens eine Entscheidung gegen etwas anderes. Das bedeutet Kampf. Beim Entschluss für das Vertrauen fällt die Entscheidung gegen das Sorgen. (Lies Röm. 8, 37; 2. Kor. 10, 5; 1. Joh. 5, 4.)
MATTHÄUS 6, 24-33; PHILIPPER 4, 5. 6 Es gibt viele Gründe, sich Sorgen zu machen. Jesus behauptet auch nicht, dass kein Grund vorhanden ist. Gelegentlich nennt er sogar schwerwiegende Gründe: »Wenn sie euch führen werden in die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeit . . . « (Luk. 12, 11) - Der Herr wird auch die Beweggründe der Marta gesehen haben, die sich als Gastgeberin so viel Sorge und Mühe machte (Luk. 10, 41). Der Herr sieht aber auch, dass der Sorgengeist zerstörerische Kräfte entfaltet: Matthäus 13, 18-23. Fragen wir uns ruhig: Was ändert sich an einer Situation, wenn wir uns Sorgen machen? In der Regel nichts, aber auch gar nichts! Wir werden unruhiger, nervöser, bisweilen gereizt und ungeduldig. Und nicht selten nerven wir unsere Umgebung oder machen anderen (insgeheim) Vorwürfe und ein schlechtes Gewissen. »Wir glauben und vertrauen Gott, dass er uns erlöst hat, aber wir bringen es nicht fertig, in den alltäglichen Dingen auf seine Hilfe zu warten. Sorge ist eigentlich ein Kennzeichen des Menschen ohne Gott. Der Glaube aber kann gegen die Sorge angehen. Man kann sich im Vertrauen üben, es gibt einen Weg, den Jesus in der Bergpredigt . . . nennt: Sucht vielmehr zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann werden euch alle diese Dinge hinzugefügt werden. Viele Christen haben erfahren, dass Gott zu diesem Wort steht. Wenn wir einmal geklärt haben, was in unserem Leben an erster Stelle stehen soll, ordnet sich alles andere, und der himmlische Vater versorgt uns dann mit allem Nötigen. Wer die Sache Gottes zu seiner eigenen macht, wird erfahren, dass Gott seine Angelegenheiten zu den seinen macht« (O. Sanders). (Lies Ps. 37, 4; 127, 2.)
Es ist hilfreich, wenn wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir unser Vertrauen einem Herrn geschenkt haben, dessen Liebe zu uns unvergleichlich ist. Er ist der gute Hirte, der uns unter Einsatz seines Lebens aus dem tödlichen Gestrüpp der Welt befreit und uns »zu Schafen seiner Weide gemacht hat« (Ps. 95, 7; 100, 3). Ihm dürfen wir uns auch an diesem Tag anvertrauen. »Wer bezeugt Der Herr ist mein Hirte, der sagt damit: Ich bin sein Schaf und folge ihm, wie das Schaf dem Hirten folgt. Das Schaf hat nur das eine zu tun - dem Hirten nachzufolgen. Damit ist ihm für jeden Tag verbürgt und zugesichert, was es für diesen Tag braucht. In Sturm und Sonnenschein, in Gesellschaft mit anderen oder auf einsamem Pfad, am frischen Wasser oder durch finstere Täler folgt es getrost seinem Hirten. Welche Freude, einen Hirten zu haben, der keinen Fehler macht! Einen Hirten, der den Namen jedes einzelnen Schafes weiß; und nicht nur den Namen, sondern auch seine Geschichte. Wer diesem Herrn gehört, der muss auf Wegen des Glaubens gehen. Dazu gehört, dass wir uns ihm ganz anvertrauen dürfen, und zwar Tag für Tag, bei jeder neuen Biegung des Weges, in Bezug auf alles, was heute oder morgen unserer warten mag. Er hat mich aus der Obrigkeit der Finsternis und aus der Knechtschaft befreit, er hat auch das Recht, mich auf seinen Wegen zu führen . . . Sage deinem Herrn, dass du ihm vertrauen willst wie nie zuvor. Vertraue ihm, dass er dich in seiner Treue Schritt für Schritt, über Tal und Hügel, durch Sturm und Sonnenschein ins Vaterhaus bringen wird, wo du für alle Ewigkeit geborgen bist« (O. Stockmayer). (Lies 1. Mose 28, 15; Jes. 41, 10; 1. Petr. 5, 7.)
Wir haben im ersten Teil unseres Themas auch einen Blick auf den Jünger Thomas geworfen, der seine Bedingung für das Glauben-Können stellte. Er wollte erst sehen und dann glauben. Als der auferstandene Herr wieder zu seinen Jüngern kam, ging er auf Thomas ein: »Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, höre auf, ungläubig zu sein und glaube.« Der Herr sagte nicht: »Glaube wieder«, sondern einfach »Glaube«. Der Glaube sollte jetzt beginnen, weil Thomas bisher mehr an seine Vorstellungen vom Messias geglaubt hatte, als an den Herrn selbst. Thomas traf die Entscheidung und brauchte keine Beweise mehr, er hatte Jesus erkannt. Das war der Auftakt zur Anbetung des Sohnes Gottes: »Mein Herr und mein Gott.« (Lies Hos. 6, 3; Joh. 4, 42; 11, 27; Apg. 8, 37; Phil. 2, 11.) Nun ging es nicht mehr darum, was Thomas von Jesus wollte, sondern was der Herr von Thomas wollte. Im Leben des Thomas würden noch viele Situationen kommen, in denen er nichts von dem sehen konnte, was der Herr ihm und den anderen Jüngern verheißen hatte. Doch Thomas hatte sich für den Auferstandenen entschieden, ohne genau zu wissen, was kommen würde. Auch in unserem Leben wird es zukünftig Situationen geben, in denen es so aussieht, als wäre unser Vertrauen umsonst. Welche Befürchtungen im Blick auf die unbekannte Zukunft beschäftigen unsere Gedanken? Entscheiden wir uns für das unbedingte Vertrauen gegenüber dem Herrn, obwohl wir nicht wissen, was kommt? Er hat den Jüngern damals und uns versprochen: »Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.« Dafür hat er sich mit seinem Namen verbürgt, der bedeutet: »Gott ist mit uns« (Matth. 28, 20b; 1, 23).
Dem Herrn vertrauen, obwohl er die Bitte um Entfernung des »Dorns« nicht erhörte? Das war die Entscheidung, die Paulus treffen musste. Er hat kein viertes und fünftes Mal mehr gebeten. Im ersten Teil unseres Themas fragten wir: Hat Paulus aufgehört zu vertrauen, als er aufhörte, darum zu bitten? War er sehr enttäuscht, weil der Herr nicht geantwortet hatte, obwohl es für ihn eine Kleinigkeit gewesen wäre, eine Last, die sein Diener so gern losgeworden wäre, wegzunehmen? Doch Paulus hörte auf zu bitten, denn er hatte die unerwartete Antwort seines Herrn mit dem Herzen gehört und verstanden. Paulus entschied sich für das Vertrauen, obwohl Gottes Antwort ganz anders ausfiel: »Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft von Christus durch mich wirke. Da ich weiß, dass es für Christus geschieht, bin ich guten Mutes in Schwach- heit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.« Da Paulus seinen Herrn verstanden und ihm zugestimmt hatte, konnte er nun für die Schwachheit danken. Ihm war die Allmacht Gottes in der Antwort des Herrn offenbar geworden. So konnte er sagen: »Darum rühme ich mich nun dessen, was ich so gerne loshaben wollte.« Seine Entscheidung zu vertrauen war eindeutig. »Ich nun«, das heißt: Ich habe mich entschlossen anzunehmen, was ich erleide. Ich erkenne, dass ihm meine eigene Kraft oft im Wege stand und er sie mir darum nimmt. Ich sage ja zu dem, wozu ich eigentlich viel lieber nein sagen möchte, ich sage ja und vertraue mich meinem Herrn an. (Lies Jes. 26, 3. 4; 50, 10; Ps. 31, 6. 16; 1.Petr. 4, 19.)
Heute lassen wir zwei Frauen zu Wort kommen, die sich für das beharrliche Vertrauen auf Jesus entschieden hatten. Im Jahr 1944 schrieb Corrie ten Boom einen Brief aus der Einzelhaft in Scheveningen, wo sie von viel Grausamkeit umgeben war: »Ich habe den Herrn gebeten, mich aus diesem Gefängnis herauszuholen. Er antwortete: Meine Gnade ist genug für dich. Ich versuchte, nicht ungeduldig zu werden. Ich weiß ja, dass ich hier keine Minute länger sein werde, als Gott es für mich für nötig hält. Ich bin auch nicht wirklich allein, denn da ist so eine gesegnete Verbundenheit mit dem Herrn. In meinem Herzen ist Lobgesang. Denn die Gemeinschaft mit dem Herrn ist so frohmachend, dass ich sogar dankbar bin für das Alleinsein, dabei finde ich es doch sonst immer so herrlich, mit anderen zusammen zu sein. Ich unterhalte mich viel mit meinem Heiland, ich erhalte einen tieferen Einblick in die Zeit und Ewigkeit.« (Lies Mark. 5, 36; Joh. 11, 40; Spr. 16, 20.) Christa von Viebahn betete in schwierigen Situationen oft: »Ich vertraue dir, Herr Jesus.« Als im Zweiten Weltkrieg das Haus in Stuttgart ausbrannte, wurde sie nach jener schrecklichen Nacht gefragt: »Wie siehst du das nun? Du hattest doch dem Herrn vertraut, dass er euch bewahren werde.« Ihre Antwort: »Ich kann nicht anders, als ihm zu vertrauen. Er nimmt das Gute, um das Beste zu geben.« Ihr Herz blieb still in Gott. Vertrauen war ihr zum Standpunkt geworden. Das brachte sie so zum Ausdruck: »Nein, nicht verschont, und doch durch die Nacht dem großen Gott noch viel näher gebracht. Wir nahmen es willig aus seiner Hand, was er an Verlust für gut befand. Er lehrte durch Nacht uns und Dunkel vertrauen, durchs richtende Feuer sein Angesicht schauen.« (Lies Spr. 23, 26.)
»Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.« Unser Vertrauen bedeutet dem Herrn viel. Es erfreut ihn, und er antwortet darauf. Ist es nicht schon eine wunderbare Antwort, wenn Frieden in unser Herz einzieht, obwohl sich an der notvollen Situation nichts geändert hat, wir aber im Vertrauen zu ihm trotzdem ja sagen konnten? »Im Annehmen liegt Frie- den« (A. Carmichael). Vergessen wir nicht, dass wir mit dem Herrn über alles reden dürfen, wie schwer uns auch eine Sache fällt. Das ist eine besondere Gabe an Kinder Gottes. Schauen wir noch einmal auf die Menschen der Bibel, um die es im ersten und zweiten Teil unseres Themas hauptsächlich ging. Dem Abraham verhieß Gott eine Belohnung, nachdem er sich entschieden hatte, dem Herrn neu zu vertrauen, obwohl so vieles dagegen stand. Gott sprach: »Fürchte dich nicht, Abraham, ich bin dein Schild, und dein Lohn wird sehr groß sein.« »Abraham braucht sich nicht zu fürchten vor dem, was kommen wird. Über allem, was geschehen wird, steht das Trostwort Gottes: Ich bin dein Schild. Der Schild war im Altertum eine tragbare Schutzwehr. Der Kämpfende schützt mit einem Schild aus Holz, Flechtwerk, Leder oder Metall seinen Körper . . . Gott ist Schild, das heißt: Gott lässt es nicht zu, dass die Pfeile, die zeitweise bedrohlich auf den Menschen niederprasseln, diesem schaden können. Der Lohn, von dem Gott hier spricht, ist keine göttliche Gegenleistung, für die Abraham eine Vorleistung erbracht hätte. Der Lohn ist freie Gabe Gottes. Nicht Abraham spricht davon, sondern Gott« (Hj. Bräumer). (Lies Ps. 19, 10. 12; Offb. 22, 12.)
Als der Unglaube und Zweifel bei Thomas überwunden war, sagte der Herr zu ihm etwas, das auf den ersten Blick nach einer Korrektur aussieht: »Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.« Dieses Wort ist jedoch vielmehr eineVerheißung. Ihr ging das Erkennen des Herrn und das Bekenntnis, dass Thomas Jesus als seinem Herrn und Gott ganz gehören wollte, voraus. Ist der Zuspruch der Seligkeit nicht auch so zu verstehen: »Thomas, selig bist du, wenn du in Zukunft nicht siehst und doch glaubst?« Selig wird man nicht durch pures Wissen, sondern durch Glauben. Wer Jesus ist, und was er aus Liebe für unser Heil tat, erkennen wir nicht anhand immer besserer Beweise, sondern indem wir uns persönlich im Glauben Jesus zuwenden. Seitdem Jesus zum Vater zurückging, sind unzählige Menschen aus vielen Nationen zum Glauben gekommen, ohne zu sehen. So mächtig wirkten das Wort Gottes und der Geist Gottes zusammen, dass schon Petrus den Christen seiner Zeit schreiben konnte: »Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb, und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht und werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude« (1. Petr. 1, 8). Auch wir gehören zu denen, die an Jesus Christus glauben und ihm folgen, ohne ihn gesehen zu haben. Diese Glaubenden preist Jesus selig. Warum? Weil wir im Glauben aufsehen können zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr. 12, 1. 2), indem wir sein Wort in uns wirken lassen und im Gebet ihm Antwort geben. Das Reden mit dem Herrn hält uns von unnützem Reden und Handeln fern, und wir kommen Gott nahe. (Lies Ps. 145, 18; Hebr. 10,22. 23.)
Vertrauen lohnt sich. Der Apostel entdeckte, dass er sein Leben nicht in eigener Kraft bewältigen muss, sondern dass Christus in ihm lebt. Paulus bezeichnet diese Erkenntnis als Geheimnis und herrlichen Reichtum, weil »Christus in euch die Hoffnung der Herrlichkeit ist« (Kol. 1, 26. 27). Demnach ist Christsein nicht ein Bemühen aus eigener Kraft, sondern ein Leben, das von der Kraft Gottes bestimmt wird. Dieses »Leben im Geist« erfuhr Paulus als Entlastung: »Ich bin mit Christus gekreuzigt; ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir, und was ich lebe, das lebe ich im Glauben . . . « Wie sieht unsere alltägliche Wirklichkeit aus? »Es ist doch so: Uns verlangt nach Leben, aber so, wie ich es mir vorstelle, und nicht, wie Gott es meint. Aber nur, wenn ich mich von meinem egozentrischen Leben trenne, werde ich das Leben Christi in mir haben. An wie vielen Dingen will ich noch festhalten, von denen ich denke, dass sie den Sinn des Lebens ausmachen, aber im Grunde lassen sie mich unbefriedigt, weil Gott mich für mehr erschaffen hat? Deshalb wende ich mich dem Kreuz zu. Dort stirbt Jesus und gibt alles hin. Seine Liebe überwältigt mich. Der furchtbare Preis lässt mich erschrecken. Doch endlich komme ich und gebe mich ihm hin. Was ich bisher krampfhaft festhielt, meine Ehren und Anerkennungen, Güter und Menschen lasse ich nun los. Wenn ich meine Hand öffne und loslasse, was ich mir mit solcher Ernsthaftigkeit erworben habe, dann füllt er meine Hand mit sich selbst. Das Licht der Gegenwart Gottes leuchtet auf. Das Leben ist nun ein beständiges Vertrauen auf Christus, der sich durch seine Liebe als vertrauenswürdig erwiesen hat« (D.Williams). (Lies 2. Kor. 8, 9; Eph. 3, 17-19.)
SCHÄTZE DES GLAUBENS FÜR LEUTE VON HEUTE:
Im September 1947 schrieb Christa von Viebahn, die Gründerin des Diakonissenmutterhauses Aidlingen, biblische Andachten zum Thema VOM REDEN HINTER DEM RÜCKEN. Wir sind überzeugt, dass die Ausführungen in unserer Zeit besonders aktuell sind. Die Aufbereitung der Andachten erforderte eine erhebliche Bearbeitung des Sprachgebrauchs, nicht des Inhalts, und eine Kürzung der Original-Texte. Unsere betagten Leserinnen und Leser, die »Mutter Christa« noch persönlich gekannt haben, mögen diesen Umstand - aus Liebe zur jungen Generation - bitte nachsehen!
PSALM 10, 7. 8; 140,4.12. 13; JAKOBUS 4,11. 12 Unsere Welt steht unter der Herrschergewalt Satans. Das erste, was wir von ihm wissen, ist dies, dass er den heiligen Gott verleumdete. (Vgl. 1.Mose 3, 1-5.) Von der Menschheit wird gesagt: »Ihre Rede ist faul wie der Gestank aus einem offenen Grab. Sie ist durch und durch verlogen. Ihr Reden ist tödlich wie Otterngift. Ihr Mund ist voller Flüche und bitterer Worte« (Röm. 3, 13. 14). (Lies Ps. 12, 2-6; Spr. 6, 12-19.) In diese verkehrte Menschheit sind wir hineingeboren. Das Gebot »Du sollst keine falsche Aussage über einen deiner Mitmenschen machen« kennt zwar alle Welt - dennoch ist die Welt voller Verleumdung. Millionenfach sind die Falsch-Aussagen, die durch Reden über Abwesende hinter dem Rücken - durch nachteilige Andeutungen - durch böswillige Gerüchte in das Ohr und Herz anderer Menschen ausgestreut werden. Der Herr Jesus Christus sagt: »Ihr Schlangenbrut! Wie können böse und hinterhältige Menschen wie ihr reden, was gut und richtig ist? Denn immer bestimmt ja euer Herz, was ihr sagt. Ein guter Mensch spricht gute Worte aus einem guten Herzen, und ein böser Mensch spricht böse Worte aus einem bösen Herzen. Ich sage euch: Am Tag des Gerichts müsst ihr euch für jedes böse Wort, das ihr sagt, verantworten« (Matth. 12, 34-36). Verleumdungen und Ohrenbläserei bilden eine allgemeine Sündengewohnheit, sodass es fast kein Zusammensein von Menschen gibt, bei welchem diese Sünde nicht begangen wird. Achte darauf - in Familie und Gesellschaft, im Restaurant, im Geschäft, unterwegs im Bus oder Flugzeug. Prüfe einmal, wie selten eine Anzahl von Personen einige Stunden beisammen ist, ohne dass Nachteiliges über Abwesende geredet wird. Und doch sagt die Schrift: »Verleumdet eure Mitmenschen nicht . . . Hege in deinem Herzen keinen Hass gegen irgendeinen anderen Menschen . . . !« (3.Mose 19, 16. 17; lies Spr. 10, 31; 17, 20; Jes. 3, 8-11).
»Gerüchte sind verführerische Leckerbissen, die sich aber tief ins Herz eingraben« (Spr. 18, 8). Wie gierig werden meistens die bösen Nachreden aufgenommen und weitergetragen! Hundert sichere Behälter hat das Gedächtnis des natürlichen Menschen für Böses, das er über andere hört - aber für ein einziges Wort Gottes hat es kaum einen Raum. Gott sagt: »Du sitzt da und redest gegen deinen eigenen Bruder, den Sohn deiner Mutter verleumdest du. Bis jetzt habe ich geschwiegen, und du dachtest, ich sei wie du. Doch ich werde dich zurechtweisen und dir alle meine Anklagen vor Augen stellen« (Ps. 50, 20. 21; vgl. Ps. 64, 3-7). Die Zunge der Verleumder macht auch vor den Jesus-Nachfolgern nicht halt! Durch gutes und durch böses Gerücht wird wohl jeder treue Diener des Herrn hindurchmüssen. Die Hauptsache ist nur, dass wir unserem Herrn Ehre machen, dass wir keinen berechtigten Anstoß geben. (Lies 2. Kor. 6, 3-10.) - Wurde nicht Mose von seiner eigenen Schwester und von seinem Bruder bitterlich verleumdet (4.Mose 12, 1-10)? Ja, den Sohn Gottes selbst nannten einige einen »Fresser und Weinsäufer«. Andere sagten von ihm: »Er ist von Satan, dem Obersten der Dämonen, besessen. Daher hat er die Macht, Dämonen auszutreiben« (Mark. 3, 22). Jesus, der mit Demut und Freundlichkeit erfüllt und gekommen war, um anderen zu dienen und sein Leben als Lösegeld zu geben für das Heil der Welt - ihn stempelte man zum Unruhestifter und Empörer. Was aber sagt Gott? »Warum bist du auf deine Bosheit noch stolz? . . . Wenn du redest, verletzt du wie ein scharfes Messer, du Lügner. Du liebst das Böse mehr als das Gute und die Lüge mehr als die Wahrheit« (Ps. 52, 3a. 4. 5).
EPHESER 4, 29; KOLOSSER 4, 6; JAKOBUS 3, 2-6 Ein gläubiger Christ, der durch den Heiligen Geist das Siegel der Gotteskindschaft empfing, ist ein Tempel, eine Wohnstätte Gottes geworden. Wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen (2.Kor. 5, 17; lies Eph. 4, 25-32). - Wo das Wahrheit ist: »Christus lebt in mir«, da werden auch unsere Worte durch Gottes Gnade bewahrt, da wird im Bewusstsein der Gegenwart des Herrn geredet. Da kann der Hörende die Einsicht gewinnen: Aus diesem Menschen redet Christus. »Herr, lass dir die Worte meines Mundes und die Gedanken meines Herzens gefallen, Herr, mein Fels und Erlöser« (Ps. 19, 15; lies Spr. 21, 23; Ps. 15, 1-3). Bei manchen Christen braucht es leider eine lange Zeit, bis sie erkennen, dass sie für ihre Worte verantwortlich sind, bis sie dem Heiligen Geist das Verfügungsrecht über ihre Zunge einräumen, bis das Gewissen so weit geprägt ist, dass es warnen und ermahnen darf. Paulus schreibt: »Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr rein und vorbildlich vor Christus steht, wenn er wiederkommt, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus, zur Ehre und zum Lobe Gottes« (Phil. 1, 9-11; lies Ps. 34, 12-17; 39, 2; Spr. 12, 17-22). Bei manchem Gläubigen ist es die angeborene Schwatzhaftigkeit, die er überwinden lernen muss. Bei anderen ist es die Neigung zu Spötteleien und albernem Geschwätz. (Lies Spr. 12, 23; 15, 2.) Diese Dinge sind in den Augen des natürlichen Menschen nicht immer schlecht, aber den Gläubigen verstricken sie in den Geist der Welt, und er hat kein gutes Gewissen dabei. Die Freude im Herrn Jesus Christus wird gestört. »Ein Mensch, der viel redet, versündigt sich leicht; wer seine Zunge im Zaum hält, zeigt Verstand« (Spr.10,19).
Der natürliche Mensch hat die Neigung, ständig neue Gerüchte und neuen Klatsch zu hören und weiterzutragen: »Alle Athener aber und die Fremden, die sich da aufhielten, brachten ihre Zeit mit nichts anderem zu, als etwas Neues zu sagen und zu hören« (Apg. 17, 21). Diese Neuigkeitskrämerei sollte bei Kindern Gottes nicht gefunden werden. Möchten wir doch so begierig sein nach neuen Lichtstrahlen aus dem Wort Gottes - nach neuen Unterweisungen des Heiligen Geistes. Wie viel Kostbares hat der Herr noch für uns bereit, wenn wir ihm unsere Gedankenwelt aufschließen und hingeben! Einen besonderen Charakter tragen die Schwätzereien übers Geld, in denen gerühmt wird, wie viel Vermögen dieser oder jener besitze, wie viel Geld mit diesem oder jenem Geschäft verdient wurde, das einer gewann oder verlor! Dieses Gerede ist unbewusst von der Gesinnung der Habsucht durchzogen. Es erzeugt in den Herzen ein stilles Begehren nach Reichtum. Es wirkt dazu mit, die Anschauungen aller Anwesenden in den Satansbetrug zu verwickeln, Reichtum sei tiefes Glück. (Lies Hiob 1, 21; Spr. 27, 24; Pred. 5, 15.) Solche Unterhaltungen wirken in weit höherem Maß als man denkt auf die Anschauungen der Beteiligten, besonders der Jugend. Deshalb sollte in den Häusern der Kinder Gottes Wachsamkeit herrschen hinsichtlich der Gesprächsthemen. Diese brauchen natürlich keineswegs nur geistliche Themen zu betreffen; auch das Irdische hat sein Recht, denn wir leben auf der Erde. Die Frage ist jedoch - unabhängig vom jeweiligen Thema -, ob die Gespräche den Geist von oben atmen: »Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.« (Lies Eph. 5, 3-21.)
Manche Weltmenschen laden so schlimme Sprüche und freche Witze ab, dass die Anständigen unter ihnen in dieser anrüchigen Atmosphäre leiden. Kinder Gottes wissen etwas Besseres; unter Christen erwartet man mit Recht andere Gesprächsgegenstände. Es ist traurig, wenn ein Gläubiger stattdessen über abwesende Brüder und Schwestern Nachteiliges erzählt. Wie oft wird da Bitteres weitergetragen oder harte Kritik geübt! Es wäre wohl viel weniger schädlich gewesen, wenn diese Christen sich über Fußball, Zirkus und Konzerte unterhalten hätten, als sich so zu versündigen an ihren Geschwistern in Christus. (Lies in Ruhe Jakobus 3, 2-17.) Dieses Reden hinter dem Rücken ist wie eine Pest, die im Finstern schleicht. Wie viel Not, wie viel Zerrissenheit ist dadurch in die Gemeinde des Herrn hineingetragen und unberechenbarer Schaden angerichtet worden! - Da fliegen unsichtbare Pfeile, die tödliche Wunden bringen. »Der Herr verabscheut einen falschen Zeugen, der Lüge verbreitet, und einen Menschen, der Uneinigkeit unter Brüdern sät« (Spr. 6, 19). Ob wir uns bewusst sind, dass nicht nur das Ausstreuen böser Nachrede Sünde ist, sondern auch das Annehmen der Verleumdung? »Du sollst kein falsches Gerücht aufnehmen . . . Halte dich fern von einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist« (2.Mose 23, 1a. 7a; lies 5.Mose 19, 15-20; Ps. 101, 5-8; Spr. 10, 18. 19). Zahllose Geschwister in Christus, die sich gegenseitig vertraut haben, sind einander durch böses Reden hinter dem Rücken entfremdet worden. Misstrauen und Bitterkeit zog in die Herzen ein (Spr. 11, 9-13). Wie oft schon wurden Diener Gottes von denselben Menschen mit böser Nachrede und verurteilender Kritik herabgesetzt, denen sie zuvor Wegweiser zum ewigen Leben gewesen waren! Sicherlich ist es Zeit, uns selbst zu prüfen, uns vor Gott und Menschen zu demütigen und unsere Schuld zu bekennen (Matth. 5, 23. 24).
Kaum wird der Name eines abwesenden Bruders, einer abwesenden Schwester genannt, so steigt in der Erinnerung des einen oder anderen etwas auf, was dieser oder jener Nachteiliges über ihn gehört oder gedacht hat. An diesem Abwesenden wäre gewiss manches zu loben; in diesem und jenem könnte er dein Vorbild sein. Es wäre nützlich zu sagen, wie er hier und dort in Barmherzigkeit und Weisheit gehandelt oder guten Rat gegeben hat. Der Heilige Geist mahnt und warnt: Sag das Nachteilige jetzt nicht! Aber nach kurzem inneren Kampf siegt das Böse, und die ungezügelte Zunge streut giftigen Samen aus. Was wahr ist, wird durch ungünstige Beleuchtung ins übelste Licht gestellt! Vermutungen werden als Tatsachen erzählt, der ungünstige Schein wird zur erwiesenen Wirklichkeit gemacht. Wenn das Gespräch beendet ist, gehen viele aus dem Haus, die diesen Bruder vorher schätzten und liebten. Jetzt steht er vor ihren Augen als eine höchst zweifelhafte Persönlichkeit, wie ein Baum, dem der Hagel Blüten und Blätter abschlug. Was hat der Bruder getan? Warum habt ihr so arg an ihm gehandelt? Der Arme ist unter die Ruf-Mörder gefallen. Er glaubte sich getragen von der Liebe und Fürbitte treuer Geschwister, aber sie haben ihn mit ihren Zungen tödlich verwundet. Bist du auch ein Schuldiger? - Wir wollen es doch tief zu Herzen nehmen, dass die Schrift uns zuruft: »Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm geht das Leben aus. Vermeide alle Falschheit des Mundes, und Verkehrtheit der Lippen halt von dir fern. Deine Augen sollen geradeaus schauen, und deine Blicke richte nach vorn!« (Spr. 4, 23-25; lies Hiob 11, 13-15; Hes. 18, 31; Spr. 17, 20). »Herr, stell eine Wache vor meinen Mund, eine Wehr vor das Tor meiner Lippen. Gib, dass mein Herz sich bösen Worten nicht zuneigt!« (Ps. 141, 3. 4a)
In achtbaren Familien schützt ein Bruder den anderen. Man sagt vor fremden Ohren nichts Nachteiliges voneinander. Gott handelt in seiner Familie auch so. Als Bileam das Volk Gottes verfluchen wollte, durfte er es nicht; er musste verkündigen: »Gott erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel« (4.Mose 23, 21). - Gewiss war manche Sünde im Volk Israel, manche Lüge, mancher Undank und Ungehorsam. Aber dem Feind gegenüber muss Bileam ausrufen: »Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel . . .!« (4.Mose 24, 5. 6). Was Gott an seinen Kindern zu tadeln hat, das sagt er ihnen in stiller Stunde der Abgeschlossenheit vor seinem Angesicht. (Lies Hiob 5, 17. 18; vgl. Joh. 13, 14; Gal. 6, 1. 2.) Aber es ist immer eine Blamage für das Reich Gottes, wenn Gläubige vor den Ohren der unbekehrten Welt einander beleidigen, herabsetzen oder verurteilen. Wie oft geschieht das in Briefen oder gar Veröffentlichungen! Fehlt da nicht das Bewusstsein für die Würde des Hauses Gottes? - Wie besorgt war Abraham um die Ehre Gottes vor den Nichtgläubigen! Als es Schwierigkeiten gab zwischen seinen und Lots Hirten, sagte er zu Lot: »Lass keinen Streit sein . . . wir sind doch Brüder« (1.Mose 13, 8). Und dann ließ er dem wesentlich jüngeren Lot die Wahl und den Vorteil. Abraham vergaß keinen Augenblick, dass sie als Bekenner Jahwes vor den Augen der Umwelt dastanden und dass ein Streit zwischen ihnen die Ehre Gottes schwer verletzt hätte in den Augen jener »Kanaaniter und Perisiter« (1. Mose 13, 7). - Die schlimmen Wunden werden oft nicht von der Welt zugefügt, sondern von gewissenlosen Kindern Gottes. Die Untreue der Gläubigen hält das Werk Gottes auf. Wir haben Ursache, uns über diese Sünden des Volkes Gottes tief zu demütigen. Wir tragen alle mit Schuld! (Vgl. Röm. 2, 24.)
MATTHÄUS 7, 1-5; RÖMER 14, 4. 10-13 Das Wort des Herrn Jesus Christus: »Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!« sollte einen Jesus-Nachfolger sehr vorsichtig machen in seinem Urteil - bereits in Gedanken, wie viel mehr im Gespräch! Christen sollen einander mit der Jesus-Liebe achten und lieben. (Lies Phil. 2, 1-4; Joh. 13, 34. 35; 1. Joh. 3, 16.) - Ungünstiges über Abwesende auszusprechen, ist ein Christ nur dann berechtigt, wenn er um der Wahrheit willen oder um der Sache Gottes willen dazu verpflichtet ist. Von solchen Fällen abgesehen, sollte man zuerst dem Betreffenden unter vier Augen sagen, was man gegen ihn hat - wodurch man sich gekränkt fühlt oder worin er verkehrt gehandelt hat. Der Herr sagt: »Habt Acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben« (Luk. 17, 3. 4). Wie leicht irren wir auch in unserem Urteil; wir sind viel zu rasch darin! »Jeder soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn . . .« (Jak. 1, 19. 20) - Es ist tief in unserem angeborenen Wesen, dass wir sehr klar und schnell den Splitter im Auge des Bruders sehen und uns berufen fühlen, ihm denselben herauszuziehen, während wir selbst einen Balken im Auge haben, ohne uns dessen auch nur bewusst zu sein. Wie unheilvoll sind Hochmut und Selbsttäuschung! (Lies Luk. 7, 39-42.) - Wenn jemand in unserer Gegenwart über einen anderen urteilt, sollten wir ihn freundlich fragen: »Hast du das dem Betreffenden schon selbst gesagt?« - Ein Christ sollte mit seinen Freunden und Gästen darin eins sein: »Wir wollen über keinen Abwesenden ungünstig urteilen.« Man hilft durch solche Hausregel vielen und verhütet manche Sünde. (Lies Phil. 4, 8. 9; Jak. 2, 8. 12. 13.)
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.