Freitag,1.September Philipper 1,1; 2,12-18; Galater 2,20.
"Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu" - wo hielten sie sich auf, als sie den Brief schrieben? "Mit letzter Sicherheit lässt sich das nicht sagen; nur so viel geht aus dem Brief selbst hervor, dass sich Paulus in Haft befindet. Auf Grund einer gehässigen Verleumdung hatte ihm die Staatsgewalt den Prozess gemacht. Wurde der Brief aus Rom geschrieben, wofür vieles spricht, so handelte es sich um einen verschleppten Prozess, der sich über Jahre hingezogen hatte. Was seinen Ausgang betraf, war das Schlimmste zu befürchten: das Todesurteil, die Hinrichtung. Keine beneidenswerte Lage, ganz im Gegenteil! Und doch bezeugt schon der Gruß: Hier greift ein Mann zur Feder, der die Welt mitsamt dem Tod unter den Füßen hat. Jesus Christus, der Welt- und Todesüberwinder, ist sein Retter, Gebieter und Richter" (H. Lamparter). Diesem Herrn wollte Paulus ausschließlich sein Leben zur Verfügung stellen: "Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde" (Phil.3,7.8; lies Matth.13,44-46). Auch wir wollen uns der Frage stellen: Welchen Platz nimmt Jesus in meinem Leben ein? Leider kann man selbst als wiedergeborener Christ seinen Alltag nach eigenem Ermessen gestalten und nicht nach Gottes Willen und Weisung fragen. Das wurde Petrus zum Verhängnis, als er im Hof des Hohenpriesters Jesus verleugnete. Wie schwer wurde ihm diese Stunde! Bitterlich weinend über sein Versagen lief er hinaus (Matth.26,69-75). Doch Jesus ließ seinen Jünger nicht fallen. Mit der Frage: "Hast du mich lieb, Petrus?", öffnete er ihm die Tür zum Neuanfang. (Lies Joh.21,15-17; Jes.54,8.)
Samstag,2.September Philipper 1,1.2; Epheser 2,19-22.
Mit ihrem Brief wandten sich Paulus und Timotheus "an alle Heiligen in Christus Jesus in Philippi". Warum heißt es "Heilige"? Wohnten in Philippi besonders vorbildliche Menschen, die ein moralisch einwandfreies Leben führten? Hatten sie sich durch Gutestun Stufe um Stufe emporgearbeitet, um schließlich die Auszeichnung "Heilige" zu erhalten? "Heilige in Christus", so nennt Paulus die Christen in Philippi. Er spricht sie nicht auf ihre natürliche, menschliche Herkunft an, sondern auf die von Gott empfangene Stellung. Durch Jesu Sterben und Auferstehen wurden sie zu Heiligen. "Mit einem Opfer hat Jesus für immerdar vollendet, die geheiligt werden" (Hebr.10,14). Heilige sind Menschen, die durch ihre Umkehr zu Jesus Christus gehören, Vergebung ihrer Schuld erfuhren und so in eine völlig neue Beziehung zu Gott kamen. (Lies Joh.17,19; 1.Kor.6,11; Eph.5,25b-27.) Keiner von uns ist von Natur aus heilig. Auch scheinbar gute Anlagen machen keinen "Heiligen-Schein". Aber Jesus gewährt jedem, der zu ihm kommt, totalen Schuldenerlass. Er sagt dem schuldbeladenen Sünder: "Ich habe für dich die Schuld bezahlt!" Der Schuldbrief ist zerrissen! Du kannst entlastet deinen Weg gehen! "Gott hat den durch Christi Kreuzesleiden beglichenen Schuldbrief, dessen Satzungen uns immer anklagten, aus dem Wege geräumt und hat ihn ans Kreuz genagelt - an jenes Kreuz, an welchem all seine Forderungen mehr als befriedigt wurden" (Kol.2,14.15; lies 2.Kor.5,17-21). Heilige sind wir, weil wir zu dem Heiligen gehören, durch den wir heilig gemacht wurden. Ob die Menschen unserer Umgebung uns als "Heilige" erkennen und uns diesen Namen zugestehen? Paulus weiß, wieviel Unheiliges noch an uns klebt. Deshalb schloss er seinen Brief an die Thessalonicher mit dem Gebet: "Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus" (1.Thess.5,23; lies 1.Petr.1,14-19).
Sonntag,3.September Philipper 1,1.2; Jesaja 54,10.
Mit einem Segenswunsch grüßt Paulus die Gemeinde in Philippi. "Gnade und Friede sei mit euch von Gott, unserem Vater, und von dem Herrn Jesus Christus!" Welch eine Ermutigung, die der Apostel an den Anfang seines Briefes stellt! Wenn er das Wort "Gnade" aussprach, war es kein leerer, gedankenloser Wunsch, vielmehr verband er damit das schmerzliche Wissen: Verdient hat Gottes Gnade, Gottes Freispruch niemand, denn "der Lohn der Sünde ist der Tod". Aber Gott ist uns mit seiner Gnade entgegengekommen. (Lies Röm.3,20-26; Eph.2,8.9; 1.Tim.1,12-15.) Dieses tiefe Erleben musste Paulus an andere weitergeben: Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden (Röm.5,20). Ein Pfarrer erzählte aus seiner Gemeinde in der Uckermark, wie er eines Tages mit einem alten Bauern zusammentraf. Der hatte sich von einer schweren Krankheit wieder erholt. "Da habe ich etwas Merkwürdiges erlebt", erzählte der Bauer. "Ich träumte, ich sei gestorben und an der Himmelstür angekommen, doch die war verschlossen. Auf mein Anklopfen öffnete sie sich einen kleinen Spalt. Ich wurde nur gefragt: 'Kennst du das Wort?' Ich erschrak. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und erwachte." - "Kennt Ihr nun das Wort?", fragte ich ihn. "Ja, es heißt Gnade!", war seine Antwort. - Gnade schließt uns die Tür zum Himmel auf. (Lies Eph.2,4-9.) Gottes Gnade reicht aber auch für unsere bewegten Tage voller Sorgen und Nöte. Selbst wenn sich Berge von Schwierigkeiten auftürmen oder beunruhigende Nachrichten uns treffen, hat unser Vater im Himmel Gnade genug für jeden Augenblick unseres Lebens. Wir können getrost und zuversichtlich in den neuen Tag gehen. "Machtvoll waltet über uns seine Gnade!" (Lies 2.Kor.9,8; 12,9; Ps.84,12.13.)
Montag,4.September Philipper 1,2; Johannes 14,27.
"Gnade und Friede von Gott", spricht Paulus der Gemeinde in Philippi zu. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht nach Frieden sehnen würde, ob er es nun offen ausspricht oder im Verborgenen sich wünscht. Und diesem Sehnen nach Frieden kommt der lebendige Gott entgegen. Der Friede mit Gott - und vielfach auch untereinander - ist durch die Sünde gestört. Gott selber fand einen Weg, wie der Friede zwischen ihm und uns wieder hergestellt werden konnte. Er sandte seinen Sohn als Friedensbringer, Friedensstifter in die Welt. Paulus schreibt davon in den Briefen: "Er ist unser Friede... Er hat Frieden gemacht, Frieden den Fernen und Frieden den Nahen." "Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in Jesus alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz (Eph.2,14.17; Kol.1,19-22). Friede von Gott und Friede mit Gott ist das wunderbare Angebot, das Jesus heute allen Menschen macht. Wenn Sünde vergeben ist, das Gewissen entlastet, dann erfahren wir, was Friede zutiefst ist. "Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus" (Röm.5,1; lies Jes.53,5; Ps.29,11). Friede ist auch eine Herzensverfassung, die in enger Beziehung zu unserem Gehorsam Gott gegenüber steht. Schon durch den Propheten Jesaja ließ er seinem Volk sagen: "O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen" (Jes.48,18). Nichts bricht dem Strom der Gnade und des Friedens in unserem Leben so die Bahn, wie es die Anerkennung der Herrschaft Jesu über unserem Leben tut. Nichts schafft allerdings auch so viel Unruhe, wie die Verweigerung des Gehorsams ihm gegenüber, und wenn es "nur" in einem Bereich unseres Lebens wäre. (Lies Ps.119,165; Jes.26,3; Joh.16,33; Phil.4,7.)
Dienstag,5.September Philipper 1,3-5; Psalm 100,4.
Der Apostel Paulus pflegte mit der Gemeinde in Philippi eine herzliche Verbindung, sodass er ihnen schreiben konnte: "Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke - was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und tue das Gebet mit Freuden." Der Dank gegen Gott bestimmte das Leben des Paulus und Timotheus. Ihr Gedenken wurde zum Danken, weil sie nicht gedankenlos ihre Tage durchlebten. In dreizehn Briefen des Paulus lesen wir, dass er in seinen Gebeten unablässig für die Gemeinden dankt, trotz mancher Mängel unter ihnen, trotz vieler Nöte und Schwierigkeiten, die ihn bedrückten. (Lies Röm.1,8; 1.Kor.1,4; Kol.1,3.) Die Korinther machten Paulus das Danken nicht leicht. Die einen betonten zum Beispiel: "Wir gehören zu Paulus", andere aber standen auf der Seite von Apollos, die dritten betonten ihre Zugehörigkeit zu Kephas, und eine letzte Gruppe sagte sogar: "Wir gehören zu Christus!" Und jeder meinte, im Recht zu sein. An die Galater schrieb Paulus: "Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt" (Gal.1,6.7). Trotz allem, was schmerzlich und belastend war, hielt Paulus daran fest: "Ich danke meinem Gott." Wer anfängt, Gott für seine Mitchristen, auch für schwierige und unzugängliche zu danken, der sieht sie bald mit anderen Augen. Gott kann das Verhältnis zu ihnen als Folge unseres Einflusses auf sie verändern. In unserem Zusammensein um die Bibel haben wir es schon manchmal erlebt, wie der Herr auf Dank und Fürbitte hin eine neue Vertrauensbasis schuf. Allerdings kostete das auch etwas: durch einen schmerzhaften Prozess der Selbsterkenntnis entstand Neues - in uns und auch untereinander. So kamen wir miteinander dem Ziel Gottes näher, der Verwandlung in die Art Jesu. Lasst uns nicht aufhören, füreinander zu danken und zu beten! (Lies Eph.1,15.16; 1.Thess.5,18; 2.Chron.20,21.22.)
Mittwoch,6.September Philipper 1,3-5; Epheser 3,14-17.
Bei Paulus lernen wir, dass Gebet Arbeit ist. Er schreibt: "Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke, was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden, für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis heute." Echtes, anhaltendes Beten bleibt nicht ohne Wirkung. Von Martin Luther stammt die treffende Aussage: "Beter sind die Säulen, die das Dach der Welt tragen." Was wir heute brauchen, das sind solche Säulen, die sich einreihen lassen in die Schar derer, die bereit sind, die Lasten und Nöte unserer Tage priesterlich vor Gott zu tragen. (Lies Eph.1,15-19; Kol.4,2.3.12.) Wir können in unserer nächsten Umgebung damit beginnen. Viele Menschen haben niemanden, der für sie betet, und viele wissen nichts von der Kraft der Fürbitte. Sind vielleicht unter unseren Nachbarn, unseren Arbeitskollegen solche, für die niemand betet? Viele Schüler haben keine betenden Eltern. Es gibt so viele junge Menschen, die im Umbruch unserer Tage keinen Halt finden, die in unserer Gesellschaft gestrandet sind. Sie brauchen unsere Fürbitte. In unseren christlichen Kreisen brauchen wir wache Leute, deren Aktivität im Beten besteht. In einer Bibelstunde wurden die Teilnehmer angeregt, für eine Person aus ihrem Kreis täglich zu beten. Der Leiter sagte: "Ich garantiere Ihnen, Sie werden in kürzester Zeit den Menschen mit anderen Augen sehen. Sie werden sich für ihn interessieren. Sie werden sich freuen, wenn er in der Bibelstunde dabei ist, und Sie werden ihn vermissen, wenn sein Platz leer ist." Füreinander beten, aneinander in der Fürbitte denken und miteinander Lasten vor Gott tragen, das schafft wirkliche Gemeinschaft untereinander. (Lies Apg.12,1-5.12; 1.Tim.2,1-4.) "Lasst eure Hände nicht vom Thron! Durch eure Hände will Gott geben in Nacht und Not sein Licht, sein Leben. O kommt, umlagert Gottes Thron!"
Donnerstag,7.September Philipper 1,3-6; 1.Petrus 5,10.11.
Das Gespräch mit seinem Herrn hatte bei dem Apostel Paulus unbedingten Vorrang. Der betende Umgang mit Jesus war sein Geheimnis, aus dem er Kraft und Mut für den Dienst schöpfte, der ihm anvertraut war. Deshalb konnte er der Gemeinde in Philippi schreiben: "Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird´s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu." Paulus wusste, die "Heiligen in Christus Jesus... in Philippi" waren nicht sich selbst überlassen auf dem Weg durch diese Welt. Auch wenn der Widersacher sich regte, Paulus vertraute darauf, dass sie "durch Gottes Macht geschützt und im Glauben bewahrt" das Ziel erreichen. (Lies Jud.24.25.) Lebte Paulus nicht zu sehr im Optimismus, wenn er an die Gemeinde in Philippi dachte? Vielleicht gab es doch einige, die einen guten Anfang gemacht hatten, doch dann auf der Strecke geblieben sind? Musste er sich nicht Sorgen und Gedanken machen, ob alle wirklich am Evangelium festhielten? Er kannte ja das wankelmütige Herz der Menschen. Aber Paulus ließ sich im Vertrauen nicht wankend machen, er blickte zuversichtlich auf zu seinem Herrn, "dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens". So konnte er voll Vertrauen schreiben: "Der in euch angefangen hat, der wirds auch vollenden." Damit machte er deutlich, dass das Bestehen der Gemeinde nicht von ihm und seinem Wirken abhing, sondern: Jesus selbst ist um seine Gemeinde besorgt, er wird sie ans Ziel bringen. Das schrieb Paulus auch der Gemeinde in Kolossä: "Ihr seid mit Gott versöhnt, indem Christus seinen heiligen Leib dahingegeben hat in den Tod. Denn ihr sollt heilig, tadellos und ohne Flecken vor das Angesicht Gottes gebracht werden. Allerdings müsst ihr nun im Vertrauen fest gegründet und unerschüttert bleiben." Dass Jesus an den Seinen so interessiert ist und alle Macht für sie einsetzt, ist anbetungswürdig. (Lies 1.Thess.5,23.24; 2.Thess.2,13-17; 3,3.5; 2.Tim.4,16-18.)
Freitag,8.September Philipper 1,6; Römer 8,38.39.
"Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden!" Das Wissen, dass es eine Vollendung unseres Glaubenslebens gibt, kann uns trösten und ermutigen. Jesus lässt das Werk, das ihn alles gekostet hat, nicht halbfertig liegen, so wie wir es manchmal tun, wenn uns eine Arbeit nicht gelingen will oder wenn wir nicht weiterwissen. "Er wirkt das Wollen und das Vollbringen er wirds für mich vollenden." Diese Gewissheit nimmt auch der Unsicherheit des Lebens den Stachel. Unter Unsicherheit leiden viele Menschen in unseren Tagen. Wer sich aber Jesus anvertraut hat, ist im besten Sinne "versichert" und geborgen in der Liebe Gottes für Zeit und Ewigkeit! (Lies Joh.10,27-30; Hebr.6,11.18.19.) Als David sich auf der Flucht vor Saul in einer aussichtslosen Lage befand, betete er in der Höhle: "Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu dem Gott, der es für mich vollendet." Auf Gottes Eingreifen setzte er sein ganzes Vertrauen. Und Gott rettete ihn. (Lies Ps.57,2-4; 55,17; 138,7.8.) "Vollenden" ist Gottes Sache, für Menschen unmöglich. Als Jesus am Kreuz starb, war sein letztes Wort ein Siegesruf: "Es ist vollbracht!" Damit schuf er die Grundlage für unsere Vollendung. E.Thurneysen schreibt: "Wie klein ist unser Vertrauen zu Gott, wie dünn und fadenscheinig unsere Hoffnung, unsere Zuversicht auf sein Heil. Wie breitet sich immer wieder die große Traurigkeit über uns aus, dass wir denken: es wird doch nicht anders mit mir, ich komme nicht vorwärts in meinem Glaubensleben. Aber nun heißt es: Es ist ja doch ein Anfang da in dir. Steh auf, lass dich nicht einfangen von den Einflüsterungen deiner Schwermut. Jesus Christus hat Macht über dich. Greife hindurch durch alles, was dich hindern will, greife nach deinem Gott, der auch in dir das gute Werk angefangen hat. Schreie zu ihm aus der Tiefe, in der du dich befindest; denn beten heißt: dorthin greifen, wo Jesus Christus den Sieg errungen hat." (Lies Jer.29,11.12; 33,2.3; Hes.36,33-36.)
Samstag,9.September Philipper 1,7-11; Röm.13,8-10.
Paulus lebte in der Zuversicht, dass Gott das angefangene Werk in jedem einzelnen Glaubenden vollenden wird. Zugleich lässt er einen Blick in sein Herz tun, wenn er der Gemeinde in Philippi schreibt: "Ihr liegt mir ganz besonders am Herzen, weil ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige. Gott allein weiß, wie sehr ich mich nach euch sehne; liebe ich euch doch so, wie auch Jesus Christus euch liebt." Paulus als Jünger Jesu ist ein Mann der Liebe. Die Beziehungen seines Herzens sind durch die Liebe Christi bestimmt. Was prägt unsere Beziehungen? Liebe und Freundlichkeit, Wärme und Herzlichkeit oder eher Kühle und Distanz, gegenseitiges Vergleichen oder Ablehnung? (Lies 1.Kor.13,1-7; Eph.4,30-5,2.) Dann fügt der Apostel hinzu: "Ich bete darum, dass eure Liebe immer tiefer und reicher wird, dass sie begleitet sei von klarer Einsicht und von dem richtigen Feingefühl." In erster Linie ging es Paulus darum, dass die Liebe zu Jesus im Leben der Glaubenden zunahm. Jesusliebe ist die treibende Kraft, die geistliches Leben weckt und vertieft. Sie ist auch die Grundlage zu einem verbindlichen Leben in der Gemeinschaft. Wird die Liebe zu Jesus in uns überschattet und verdrängt, zerbricht etwas in unserem Verhältnis zu ihm und zu den Nächsten. "Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe" (Eph.4,15.16). Wenn unsere Liebe zu Jesus neu auflebt, hat kraftloses und langweiliges Christsein ein Ende. Wir können Jesus darum bitten. (Lies Ps.16,2; 63,1-9.)
Sonntag,10.September Philipper 1,8-11; Jakobus 2,8.
"Gott allein weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; liebe ich euch doch so, wie auch Jesus Christus euch liebt." Welch ein Maßstab! Aber der Tag, an dem Jesus ihn mit unergründlicher Liebe zu sich zog, hat sich Paulus tief eingeprägt. "Mir ist Barmherzigkeit widerfahren, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war...", schreibt er an Timotheus. Jesu Liebe allein motivierte ihn zu der Liebe, mit der er nun den Philippern begegnete. Trotz der räumlichen Distanz bestanden warme und herzliche Beziehungen zu ihnen. Diese Verbundenheit durchzieht den ganzen Brief. Die Philipper antworteten mit der liebenden Fürsorge für den Apostel. Das Gebet füreinander trägt wesentlich dazu bei, dass unsere Beziehungen nicht erkalten oder getrübt werden. (Lies Gal.5,6.) H.Krimmer schreibt: "Zu Beziehungsstörungen kommt es durch die Suche nach Selbstverwirklichung, Stolz, Berechnung oder unangemessene Kritik. Man will den anderen ummodeln. Er soll sich meinen Wünschen, meiner Meinung anpassen. Wenn du es darauf anlegst, beim anderen etwas zu finden, was falsch ist, du wirst es finden. Ganz sicher. Wenn du die Beziehung der Liebe darauf gründen willst, dass der andere vollkommen ist und keine Fehler hat, und dann aufhörst zu lieben, sobald du etwas an ihm entdeckst, was dir nicht gefällt, dann kannst du gleich aufhören. (Lies Matth.5,22.24; Eph.4,32.) Paulus schreibt den Philippern: 'Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke, und tue das Gebet mit Freuden.' Hier spürt man echte Zusammengehörigkeit, und zugleich die Freude, die mit der Liebe zusammenhängt. Vielleicht ist deshalb so viel Nichtverstehen und so viel Streit und Uneinigkeit in unseren Gemeinden, weil es an der Liebe fehlt. Jesus sagt den Jüngern: 'Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt.'" - Füreinander danken, füreinander beten heilt gestörte Beziehungen. (Lies Gal.6,1.2; Röm.15,5-7.)
Montag,11.September Philipper 1,8-11; 1.Johannes 4,16.
"Ihr nehmt Anteil an meiner Gefangenschaft um des Evangeliums willen. Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus. Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung." Paulus stellt uns die Philipper als lockendes Beispiel einer Gemeinschaft vor Augen, die von echter Liebe und Fürsorge geprägt ist. Er beschreibt nicht das Wunschbild einer solchen Gemeinschaft. Seine Worte gründeten sich auf die Erfahrung, die er mit den Christen in Philippi gemacht hatte. Wie steht es bei uns? Können wir so lieben? Lieben, obwohl wir die Nöte unserer Beziehungen untereinander genau kennen, obwohl in unseren Augen der andere den Keil zwischen uns getrieben hat und bei uns keine Schuld für die Entzweiung liegt? Aber Lieblosigkeit ist keine Kleinigkeit! Ihr Ursprung liegt in unserem Herzen. Jesus sagt: "Aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken und mit ihnen Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Verleumdung und Beleidigung" (Matth.15,19; lies Gal. 5,19-21). Zum Glück gibt es einen Weg, dass eine ungetrübte Gemeinschaft wieder hergestellt werden kann: "Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu reinigt uns von aller Sünde." "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist" (1.Joh.1,9; Röm.5,5). Reinigung, Vergebung und Liebe sind wie Schlüssel und Schloss zu einer echten Gemeinschaft unter Christen. "Ich bete darum, dass eure Liebe reicher und tiefer wird, je mehr ihr Gottes Willen erkennt und euch darnach richtet." Liebe gibt dem Herzen Kraft und Weite. Das macht Mut, einen Neuanfang zu wagen. (Lies 1.Thess.2,8; 1.Joh.5,1-3; 3.Joh.5.6.)
Dienstag,12.September Philipper 1,8-11; Römer 12,13.
"Gott ist mein Zeuge, wie innig ich mich nach euch allen sehne mit dem Herzen des Herrn Jesus" (Elb.Übers.). Im Gespräch über diesen Text machten wir uns klar: Nachdem Paulus die Herzensbeziehungen zwischen sich und den Philippern so glücklich zum Ausdruck gebracht hat, geht es überraschend weiter: "Ich bete darum, dass eure Liebe reicher und tiefer wird, je mehr ihr Gottes Willen erkennt und euch darnach richtet." An der Liebe wird das Wachsen im Glauben und der Erkenntnis sichtbar. "Viel Wissen bläht auf, die Liebe aber erbaut."Liebe kann wachsen, sie will wachsen und sich weiten, über den Kreis der Nächsten hinaus auch die umfassen, die Jesus in seiner Liebe sucht. Sie will konkrete Schritte tun. (Vgl.2.Kor.8,1-5; 9,6-8; Spr.11,24.25.) Was uns heute durch Gottes Wort klar wird, will sich umsetzen in unserem Leben. (Lies Joh.13,34.35.) Wir können es uns nicht leisten, dass unsere Beziehungen untereinander nicht in Ordnung sind, sonst wird unser Zeugnis verdunkelt und unglaubwürdig. Trotzdem braucht niemand bedrückt stehenzubleiben, wenn er einen Mangel an Liebe bei sich empfindet. Öffne dein Herz dem Herrn, dass er durch dich lieben kann. - Zum Lieben gehört das Tragen. "Einer trage des andern Last, so erfüllt ihr das Gebot Christi" - das königliche Gebot der Liebe (Gal.6,2). Auf den Schultern und auf dem Herzen trug der Hohepriester im Alten Bund die Namen der Stämme des Volkes Israel (2.Mose 28,12.29.30). Wie leicht belasten wir einander, anstatt dass wir die Last des anderen mittragen, vor Gott tragen. "Er hat uns zu Priestern gemacht!" (Offb.1,5b.6; lies Röm.15,15.16; 1.Petr.2,5). Wir wollen füreinander da sein, unseren Egoismus begraben, der immer wieder unser Zusammengehören verdirbt. Dann beginnt und wächst eine Gemeinschaft, die sich einmal im Licht vor dem Thron Gottes vollenden wird.
WAS JESUS SEINEN JÜNGERN MITGIBT AUF DEN WEG
Mittwoch,13.September Johannes 15,1-8; Hebräer 13,20.21.
"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben... Wer in mir bleibt, bringt viel Frucht." Ehe Jesus ans Kreuz ging, gab er seinen Jüngern in den Abschiedsreden noch Entscheidendes mit auf den Weg. Unter anderem bereitete er sie darauf vor, dass sein Verhältnis zu ihnen in Zukunft ein anderes sein würde. Bisher lebte er als Mensch in ihrer Mitte. Nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt wird er in der Person des Heiligen Geistes bei ihnen, ja in ihnen, sein. Durch den Beistand des Heiligen Geistes werden sie verstehen lernen, wie eng Jesus trotz der äußeren Trennung mit ihnen verbunden bleibt. (Lies Joh.14,16-18.20.23.) Im Bild des Weinstocks mit seinen Reben zeigte er den Jüngern, wie sie in dieser Verbindung mit ihm ihren Auftrag auf Erden erfüllen können. Das Bild vom Weinstock ist kein neues Bild. Wir finden es schon im Alten Testament. (Lies Ps.80,9-16; Jes.5,1-7.) Welches Ziel hat ein Weingärtner, der seinen Weinberg bebaut? Er will, dass die Weinstöcke Frucht bringen, und er freut sich auf eine reiche Ernte. In der Frucht liegt die Bedeutung eines Weinstocks, sein Holz ist nichts wert (Hes.15,1-5). Israel, dessen Symbol der Weinstock war, hatte versagt und seine Bestimmung nicht erfüllt. (Lies Jer.2,21; Hos.10,1.2.) Gott pflanzte nun einen neuen Weinstock, einen edlen, echten Weinstock. Jesus sagt von sich: "Ich bin der wahre Weinstock." In seinem Leben fand der himmlische Weingärtner die Frucht, die er erwartete. Aus der Verbindung Jesu mit seinen Jüngern erwächst ganz natürlich auch Frucht in ihrem Leben. Sie müssen nicht unter äußerster Kraftanstrengung Frucht zustande bringen, Jesus wirkt die Frucht: "Aus mir wird deine Frucht gefunden" (Hos.14,9; lies Phil.1,9-11; 2,13).
Donnerstag,14.September Johannes 15,1.2.8; Galater 5,22.23.
1. Es geht um Frucht für Gott in unserem Leben
"Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt." Eine Rebe ist nicht für sich selbst da, sondern um Frucht zu bringen. Sechsmal wird das in unserem Abschnitt betont. Worin besteht die Frucht bei Jesus-Jüngern? An die Galaterchristen schreibt der Apostel Paulus: "Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Reinheit." Auch Heiligung ist Frucht für Gott. Der Missionar Andrew Murray sagt: "Der Einfluss, den ein heiliges Leben ausübt, ist Frucht." (Lies Röm.6,22.) Unsere tägliche Arbeit, getan in der Verbindung mit Jesus, bringt Frucht. Dass Menschen zu Jesus finden, ist Frucht. Frucht ist so vielfältig, wie unsere Aufgaben und unsere Umgebung es erfordern. Uns selbst bleibt die Frucht oft verborgen. Aber Jesus hat dem, der in Verbindung mit ihm lebt, viel Frucht zugesagt. "Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht." (Lies Joh.4,35.36; Röm.1,13; 15,18; Eph.5,8.9; Phil.1,21.22; 4,16.17.) Oft kommt es vor, dass Menschen in ihrem Leben mutlos sind, weil sie keinen Sinn und kein Ziel sehen, für das es sich zu leben lohnt. Eine junge Christin schrieb, nachdem sie eine Zeit innerer Leere durchlebte und dann ihre ganze Not vor Jesus gebracht hatte: "Jetzt ist mir die Gemeinschaft mit meinem Herrn wieder neu zur Freude geworden. Meine Bitte ist, dass Jesus so in mir wirken kann, dass mein Leben Frucht bringt, an der er sich wirklich freut."Es ist gut, wenn wir gleich beim Beginn des neuen Tages offen sind für das Reden Jesu, wenn wir uns durch sein Wort zeigen lassen, worauf es ihm ankommt. Es ist nicht eine äußere Art der Frömmigkeit, sondern die lebendige Verbindung mit ihm, die Echtheit unseres Glaubens und das Tun seines Willens, das ihm gefällt. "Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden... grünen, fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht." (Lies Ps.92,13-16;1,1-3; Jer.17,7.8.)
Freitag,15.September Johannes 15,1.2; Sprüche 6,23.
2. Die Tätigkeit des Weingärtners ist entscheidend
"Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner." Mancher Christ müht sich ab, um für Gott Frucht zu bringen. Obwohl er alle Kraft aufbietet, will es nicht gelingen. Woran liegt das? Mehr als die meisten anderen Pflanzen braucht ein Weinstock die Pflege des Weingärtners. Jesus sagt: "Mein Vater ist der Weingärtner. Jeder Schoss an mir, der keine Frucht bringt, nimmt er weg. Jeden fruchtbaren aber reinigt er, damit er mehr Frucht bringt." Der Vater als Weingärtner reinigt die Reben. Er tut nichts, was nicht seinem Vater-Sein entspricht. Welche Reben reinigt er? Wir würden denken: jede unfruchbare Rebe. Aber das Gegenteil ist der Fall: Er reinigt jede fruchtbare Rebe! Weil es ihm um mehr und gute Frucht geht, schneidet er an guten Reben alles Überflüssige weg. Sie bringen sonst viel Laubwerk hervor, aber man findet keine oder nur wenig Frucht. Weinstock um Weinstock sieht sich der Weingärtner genau an, um zu wissen, was er beschneiden muss und was bleiben kann. (Lies Hebr.12,5-11.) H.Brandenburg wies einmal darauf hin, wie Beschneiden praktisch aussehen kann. "Beschneiden - das ist das, was wir nicht wollen. Jesus aber hat gesagt: 'Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst', das heißt im übertragenen Sinn, der lasse seinen eigenen Willen beschneiden, denn bei Jesus-Jüngern geht es um den heiligen Willen Gottes, um den wir im Vaterunser bitten. Jesus hat uns das vorgelebt. Noch in Gethsemane sagte er: 'Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.' Es ist riskant, zu Gott zu sagen: Mach mit mir, was du willst, beschneide, wo es nötig ist. Wenn es ernst wird, fängt bei uns oft das Klagen an. Gehören wir zu den Leuten, die mehr seufzen als danken, mehr jammern als loben? Wir halten die Hand unseres Gottes auf, wenn wir mit unserem Geschick hadern, schieben damit das Winzermesser beiseite und sagen: Ich will das Beschneiden nicht." (Vgl.Jes.45,9-11; Luk.17,33; 5.Mose 32,3.4.)
Samstag,16.September Johannes 15,1.2; 1.Korinther 10,13.
"Mein Vater ist der Weingärtner." Gott nimmt nicht, um arm zu machen, sondern um Raum zu schaffen, daß er überschwenglich mehr Frucht geben kann. Das wird im Leben Friedrich von Bodelschwinghs (1831-1910) deutlich. 1869 verlor er innerhalb von vierzehn Tagen seine vier Kinder durch eine Keuchhustenepidemie. Auf das Grab des ersten Kindes schrieb er: "Der Herr ist mein Hirte." Auf das Grab der kleinen Elisabeth: "Mir wird nichts mangeln." Auf das Grab des dritten Kindes: "Er weidet mich auf grüner Aue", und beim vierten: "Er führt mich zum frischen Wasser." Unter Tränen drückte er auf diese Weise sein Vertrauen auf den Vater und sein Handeln aus. (Lies Hiob 1,20.21; Spr.3,11.12; Jer.29,11; Jes.43,2; Jak.1,2-4.) Später berichtete er, dass eines Tages gleichsam wie bei einem Vorhang vor seinem Inneren alles zerriss, sodass was bisher dunkel und unklar war, hell und bestimmt wurde. "Es gibt nichts Zufälliges auf der Welt, das menschliche Dasein wird von Gott gelenkt, nichts geschieht sinnwidrig - folglich konnte auch der Tod der Kinder nicht sinnwidrig sein. Gott war kein Bär, der nur zuschlug und verwüstete..." Bodelschwingh wartete. Auf was, das wusste er nicht. Vielleicht auf eine große Aufgabe, aber das war ihm nicht klar... Und dann wurde sie an ihn herangetragen. Zwei Herren aus Bielefeld baten ihn, die Leitung des Diakonissenhauses in Bethel und eines kleinen Hauses für epileptische Kinder zu übernehmen. Dort wurde er in den nächsten vierzig Jahren zum Vater für viele Hunderte kranker Kinder und Notleidender. Gott reinigte die Rebe, um viel Frucht für die Ewigkeit zu bringen. (Lies Joh.12,24-26; Ps.84,6-8.) Wir brauchen keine Angst zu haben. Der Vater macht keinen Fehler. Aber weil er uns liebt und fruchtbar machen will, kann er uns auch wehtun. (Lies Jes.27,2.3.)
Sonntag,17.September Johannes 15,3; Hebräer 4,12.
"Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe." Gott gebraucht sein Wort zu unserer Reinigung. "Gottes Wort hat nicht nur tröstende, sondern auch reinigende und richtende Funktion. Eine Predigt, die nur noch das Zuckerbrot der Gnade, aber nicht mehr das Salz des Gerichts enthält, ist falsch" (G.Maier). Gottes Wort beseitigt, was den Lebenszustrom vom Weinstock zu den Reben hemmt, was unser Verbundensein mit dem Herrn trübt, was unsere Beziehung belastet. Er hält uns sein Wort wie einen Spiegel vor, der uns unser Benehmen und Tun im göttlichen Licht zeigt. Der Blick in diesen Spiegel kann uns erschrecken und beschämen; er will uns aber auch helfen zur Reinigung. Paulus schreibt: "Die ganze Heilige Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und verhilft dazu, den Willen Gottes zu erkennen, die eigene Schuld einzusehen, sich Gott wieder zuzuwenden und ein Leben zu führen, das ihm gefällt" (2.Tim.3,16.17). Wenn wir auf Gottes Mahnen durch sein Wort eingehen, bringen wir Frucht. Vielleicht erinnert er uns während der Stillen Zeit: "In dieser Sache hast du dich nicht recht verhalten. Gehe hin und entschuldige dich!" Oder er stellt uns durch sein Wort die eindringliche Frage: "Hast du denen, die an dir schuldig geworden sind, wirklich vergeben?" Unseren Schuldnern zu vergeben - das ist Frucht, gewirkt durch die reinigende Kraft des Wortes Gottes. Nehmen wir uns Zeit, unser Tun und Lassen, unser Reden und Schweigen von Gottes Wort beleuchten zu lassen! Wenn wir uns der Reinigung durch sein Wort mehr aussetzen würden, würde uns vielleicht manches Reinigen durch Leiden erspart bleiben. "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; ... sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." (Lies Ps.119,60; Matth.6,12.14; 18,35; Joh.17,17; Eph.5,26.27; Röm.15,4.)
Montag,18.September Johannes 15,4.5; Epheser 3,16.17.
Am Anfang seiner Gleichnisrede sagte Jesus seinen Jüngern: Die Rebe muss ihre Frucht nicht durch Anstrengung selbst produzieren. Die Frucht kommt nur aus ihrer Verbindung mit dem Weinstock. Das Geheimnis des Fruchtbringens ist das Bleiben in Jesus. "Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt." Die Rebe kann sich nicht vom Weinstock lösen ohne Verlust. Sie kann sich auch nicht der Hand des Weingärtners entwinden ohne Verlust. Johannes, der diese Worte aufgeschrieben hat, hat sie zu Herzen genommen und mahnt viele Jahre später in seinem Brief: "Kinder, bleibt in ihm!" - "In Christus sollen wir bleiben. Kein anderer kann und darf an seine Stelle treten." Weil wir in uns selbst geistlich unfruchtbar sind, haben wir die Lebensgemeinschaft mit Jesus nötig. Der Herr ist nicht weit weg von uns, er lebt in uns; wir können beständig mit ihm im Gespräch sein und ihm jede Situation vertrauensvoll anbefehlen. Sein Geist leitet uns und korrigiert uns. "Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich, getrennt von mir, könnt ihr nichts tun." Können wir ohne Jesus nicht sehr viel tun? Alle Welt beweist das doch! Aber viel Arbeit, ja sogar Erfolg, ist nicht Frucht. Leitet uns der Geist Gottes, dann tun wir die Dinge anders, erhalten wir Ideen und beschreiten andere Wege. Wenn wir "in ihm bleiben", wird unser Leben verändert. "Ich will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun" (Hes.36,27). Wenn das die Menschen um uns her merken, werden sie fragend und können in Kontakt mit ihm kommen. So wirkt Jesus Frucht, die in der Ewigkeit wiedergefunden wird. (Lies Phil.2,5; Ps.40,9; 119,6.133.)
Dienstag,19.September Johannes 15,5; Sprüche 23,26.
"Ohne mich könnt ihr nichts tun." Bei einer Bibelarbeit erinnerte ein Teilnehmer an Jona. Jona wusste noch nichts von Jesu Wort vom Bleiben in ihm, aber sein Verhalten ist ein typisches Beispiel, wie wir es machen, wenn wir nicht "in Jesus bleiben", wenn wir meinen, "ohne ihn" besser dran zu sein. "Wenn Jona nur nicht auf den törichten Gedanken gekommen wäre, nein zu sagen zu Gottes Befehl und nach Tarsis zu fahren im Westen, während er nach Osten, nach Ninive, gehen sollte. Dadurch wurde sein Leben kompliziert. Schließlich war er in Todesgefahr. Nur Gottes Wunder rettete ihn. (Lies Jona 1,1-2,11.) Wenn man dem Herrn davonläuft, 'ohne ihn' einen Weg geht, dann werden die Schwierigkeiten nur größer. (Lies Spr.13,13.18; 15,10.) Auch wenn wir etwas aufschieben, an das Jesus uns erinnert, zum Beispiel etwas in Ordnung zu bringen oder eine Sünde zu bekennen, wird es mit jedem Tag schwerer. David hat das erlebt: 'Als ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand lag schwer auf mir... Da bekannte ich dir meine Sünde und verhehlte meine Missetat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir meine Sündenschuld.' Nur so wurde seine Verbindung mit Gott wieder hergestellt. (Lies Ps.32,1-5; Spr.28,13.14.) Je fester wir bei Jesus bleiben, je bereitwilliger wir uns seiner guten Führung anvertrauen, umso reicher wird auch der Segen Gottes. Wir sollten nicht der Versuchung nachgeben, 'ohne Jesus' zu planen und zu handeln. Die Entscheidung liegt bei uns: 'Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich, getrennt von mir, könnt ihr nichts tun.' - Herr, halt mich nahe bei dir jeden Tag, dass ich nicht fallen und abirren mag." (Lies 1.Kor.3,11-15; 2.Tim.2,20.21.)
Mittwoch,20.September Johannes 15,5.7; 1.Thessalonicher 5,17.
"Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht." Um in Jesus zu bleiben, müssen wir nicht umschulen und unseren Beruf wechseln. Wir können in Verbindung mit ihm und in der Abhängigkeit von ihm bleiben an jedem Arbeitsplatz und bei jeder Beschäftigung - im Büro oder am Fließband, in der Küche oder im Umgang mit Kindern, beim Planen und Einkaufen, bei allen Dingen, die unser Alltagsleben ausmachen. Oswald Chambers schreibt: "Es ist gleichgültig, in welchen Umständen ich lebe, ich kann darin so sicher in Jesus bleiben wie in einer Gebetsversammlung. Ich muss meine Lebensumstände nicht auf eigene Faust verändern. Jesus blieb bei Gott, wo immer er sich befand." Ohne Gemeinschaft mit Jesus gibt es keine Frucht in unserem Leben. "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Paulus drückt das in den Worten aus: "Ich vermag alles durch den, der mich stärkt, Christus." Und der Liederdichter: "Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her... Alles, Herr, bist du!" (Lies 2.Kor.3,5; 12,9.10; Ps.28,8; Sach.10,12.) Wir können nicht in dieser Verbindung und Abhängigkeit von Jesus bleiben ohne das Gebet. Er gibt uns dafür die wunderbare Verheißung: "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, mögt ihr bitten, was ihr wollt, so wird es euch widerfahren." Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber erkannte: "Alles Leben ist Begegnung." Wir können das auf unser Leben mit Jesus übertragen und formulieren: Alles geistliche Leben erwächst aus der Begegnung mit ihm, und aus ihr empfangen wir, was wir brauchen. Paulus schreibt: "Durch Christus seid ihr reich gemacht in allen Stücken, in aller Lehre und in aller Erkenntnis..." "Mein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus" (Joh.1,12; 1.Kor.1,5.7; Phil.4,19; lies Ps.73,25.26.28).
Donnerstag,21.September Johannes 15,7; Psalm 27,8.
"Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so bittet, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden." Jesus zeigt hier eine Wechselbeziehung zwischen unserem Gebet und seinem Wort auf. Er sagt, wenn wir sein Wort in unserem Herzen bewegen, darüber nachsinnen, dann können wir erhörlich beten. Wie kommt das? Wenn sein Wort in uns bleibt, haben wir Gottes Größe und Macht vor Augen und können deshalb viel zuversichtlicher und glaubensvoller beten. Seine Verheißungen gewinnen für uns Bedeutung. Unser Gebet erhält eine größere Weite. Durch den Zufluss aus dem Wort Gottes wird unser Gebetsleben lebendig. Gottes Anliegen werden zu unseren Anliegen. Üben wir uns, über der offenen Bibel zu beten und über einzelnen Bibelversen oder Abschnitten mit Gott ins Gespräch zu kommen. Das belebt unser geistliches Leben. So sprachen auch die Beter der Bibel mit Gott und beriefen sich auf sein Wort. (Lies Apg.4,24-26.29-31; 2.Sam.7,28.29; Jes.34,16-20; Dan.9,1-3.7-10.) "Wahrhaftiges Gebet ist nirgends selbstverständlich. Von ihm aber hängt der ganze Lauf unseres Lebens ab, besonders aber unsere Wirksamkeit. Gebet macht fruchtbar und Gebetslosigkeit ohnmächtig. Was wir haben, das empfangen wir. Wir können nicht geben, ohne zu nehmen im Gebet. - Wo es sich um lebendige Menschen handelt, da gibt es keine Technik, die uns die Hilfe Gottes ersparen könnte. Keine Wirksamkeit, die Menschen bilden will, keine Erziehung, keine Seelsorge gelingt ohne Gebet. 'Mit Gottes Hilfe', das gilt hier im vollen Ernst. Er aber will gebeten sein, wenn er etwas geben soll. Für wen man nicht gebetet hat, den wird man auch weder zur Wahrheit noch zur Gnade Gottes bringen" (W.Lütgert). Wir bringen Frucht durch Gebet. (Lies Eph.2,18-20; Phil.4,6; Hebr.4,16; Jak.5,16.)
Freitag,22.September Johannes 15,8; 2.Korinther 5,10.
"Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist." Vor dem Richterstuhl Christi wird es einmal um die Frucht unseres Lebens gehen. Was haben wir mit der Erlösung und all den Chancen des neuen Lebens, das uns geschenkt ist, gemacht? Gott hat sein Leben in uns gelegt und uns damit ein ungeheures Kapital anvertraut. Nutzen wir es? Vor dem Augenblick des Preisgerichts brauchen wir uns nicht zu fürchten, wenn wir Jesus Christus immer wieder die Blockaden ausliefern, die unsere Verbindung mit ihm beeinträchtigen. (Lies 1.Joh.1,7; 2,1.2.) Das Erstaunliche wird einmal sein, dass Jesus seine Jünger für die Frucht, die er selbst in ihrem Leben gewirkt hat, auch noch belohnt. Johannes mahnt in seinem ersten Brief: "Bleibt in ihm, damit, wenn er erscheint, wir Freudigkeit haben und uns nicht schämen müssen vor ihm bei seiner Wiederkunft." Es soll unser Gebetswunsch und unser Ziel sein, dass wir uns nicht schämen müssen, wenn wir Jesus eines Tages von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen (1.Joh.2,28; lies Luk.13,6-9; Röm.7,4; 14,10). Mancher fragt: Was habe ich vom Christsein? Was bringt es mir? Umgekehrt ist die Frage richtig: Was bringt mein Christsein für Gott? Bringt es ihm Frucht zu seiner Verherrlichung? Die Frucht dient nicht zur Verherrlichung des Jüngers, sondern des Vaters. (Lies Matth.5,16; Röm.15,7; Phil.1,9-11.) Wir erkennen hier eine wunderbare Einheit: Der Vater wird verherrlicht, indem der Sohn durch den Heiligen Geist in seinen Jüngern Frucht wirkt. So sind wir als Jünger Jesu in das liebende Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist hineingenommen. Dabei müssen wir uns nicht abmühen, sondern uns nur vertrauensvoll dessen bewusst sein, was wir sind: Rebe an Jesus, unserem Weinstock. (Lies Kol.1,27.)
Samstag,23.September Psalm 18,7-20; 68,20.
"Der Herr aber...!" - diese Worte finden wir vor allem in den Psalmen, aber auch an vielen anderen Stellen der Bibel. Was für ein Standpunkt! Was für ein Bekenntnis! Von Feinden umgeben, ihnen hilflos ausgeliefert und in großer innerer Not, sprach David es aus. Warum? Er hatte erfahren, dass der Herr allen Lagen, die bedrängend für ihn waren, gewachsen war und sie mit seinem machtvollen Eingreifen überwand. Welch ein Herr! - "Aber der Herr", das war Davids Hilfe, das kann unsere Hilfe sein. (Lies Ps.66,17-19; 37,39.40; Spr.16,9.) Wir wollen einige Situationen aus Davids Leben betrachten. In Psalm 18 heißt es: "Starke Feinde, Hasser, die mir zu mächtig waren, überwältigten mich, ... aber der Herr war meine Stütze, meine Zuversicht. Er führte mich heraus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust an mir, er hatte mich lieb." Haben nicht wir alle schon erlebt, dass es Feinde gibt, die uns zu mächtig sind? Sie überwältigen uns einfach, sei es die Angst oder die Niedergeschlagenheit, seien es Worte der Empörung oder Gedanken des Rückzugs. Was tun wir dagegen? Was tat David? "In äußerster Verzweiflung schrie ich zum Herrn. Ja, zu meinem Gott rief ich in meiner Not. Da hörte er mich in seinem Tempel, mein Notschrei drang durch bis an sein Ohr... Aber der Herr erfasste mich und befreite mich... er hielt mich fest und half mir aus Angst und Gefahr." - Nicht nur einmal erlebte David Zeiten des Angriffs. Feinde von außen und von innen bedrängten ihn. In Psalm 3 ist er auf der Flucht vor dem eigenen Sohn, vor Absalom. "Viele sagen von mir: Es ist keine Hoffnung mehr für ihn bei Gott." Auch da noch vertraute er sich Gott an: "Aber du, Herr, bist ein Schild um mich her, meine Ehre und der mein Haupt emporhebt." (Lies Ps.56,2-14; Röm.8,31-39.)
Sonntag,24.September Psalm 22,1-15; 37,28.
Wie verlassen war David, als er betend zu Gott schrie: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Auch Jesu Beten am Kreuz , als er um unserer Sünde willen die tiefste Gottverlassenheit erlitt, gleicht einem Schrei. Weil er diese Verlassenheit für uns ertragen hat, sind wir bei Gott als seine Kinder angenommen. Sind wir uns dessen bewusst und dankbar genug? (Lies 2.Kor.5,21; Kol.1,12-14.) Von David wissen wir nicht, warum er so verlassen war, dass er ausrief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Ein Mann, "der zu seiner Zeit dem Willen Gottes diente" (Apg.13,36), konnte so einsam in der Not sein - "ein Wurm und kein Mensch" (V.7) mehr! Trotz allem bricht in Vers 20 Davids Vertrauen sich Bahn: "Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!" "Mein Vater und meine Mutter verlassen mich,aber der Herr nimmt mich auf" (Ps.27,10; lies Jes.49,14-16; 2.Tim.4,16-18). Der Weg der Nachfolge kann uns in Einsamkeit führen. Wir können nie mit der Zustimmung aller rechnen. Manchen Weg müssen wir allein gehen, manches müssen wir in aller Stille allein überwinden. Doch wie David dürfen wir rufen: "Du aber, Herr, sei nicht ferne, eile zu meiner Hilfe!" Und wenn uns Verlust oder Ablehnung treffen, dürfen wir wissen: "Aber der Herr nimmt mich auf." Es gibt viele allein gelassene Menschen, auch unter Christen. Die Erfahrung Davids soll Einsamen zur Hilfe werden: Aber der Herr ist bei mir, bei ihm bin ich zu Hause, er verlässt mich nie. "Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele." "Du sollst erfahren Gottes Liebe, du sollst erfahren Gottes Macht. Wenn nur Vertrauen dir noch bliebe, so bist du sicher - bei ihm geborgen - Tag und Nacht." (Lies Jes.41,10; 43,1.2; Hebr.13,5b.6.)
Montag,25.September Psalm 34,20-23; Jesaja 50,7-10.
"Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr." Leiden blieben David nicht erspart. Leiden sind auch uns verheißen, doch mit dem Zusatz: "Aber aus alledem hilft der Herr!" Da sind die kleinen oder auch großen Leiden des Alltags. Man muss Unangenehmes, Verletzendes annehmen, ertragen, dulden. Denken wir daran: Aber der Herr hilft! Es gibt Leiden, die aus Krankheit, Schmerzen, Schwachheit oder Überforderung bestehen. Leiden durch Verfolgung, durch das Fallen in die Hände von Menschen, die Macht haben, uns zu quälen. David hatte durch solche Leiden zu gehen, doch er erfuhr auch das Wunder: "Aber aus alledem rettet der Herr." (Lies Ps. 94,17-22; 146,5.6; 55,17-19.23.) Von einer besonderen Erfahrung im Leiden schreibt der Apostel Petrus: "Gerade im Leiden ruht ja der Geist Gottes, der Geist der Herrlichkeit und der Macht auf euch. Die Welt lästert diesen Heiligen Geist, doch bei euch wird er verherrlicht." Gott beschenkt seine leidenden Kinder mit dem Geist der Herrlichkeit. (Lies 1.Petr.4,12-14.) Führt uns das nicht zum Staunen, dass Jesus immer noch größer ist? Er lässt uns nicht versucht werden über unser Vermögen, sondern schafft den Ausgang. "Er hat auf sich genommen unsere Schmerzen, durch seine Wunden sind wir geheilt." Paulus erfuhr in hohem Maße: "Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um." "Wir haben Kummer und Herzeleid und können uns dennoch beständig freuen. Arm sind wir und machen doch viele reich; wir besitzen nichts, und doch ist alles unser" (2.Kor.4,8.9; 6,10; lies Ps.102,18-21).
Dienstag,26.September Psalm 37,12.13; 2,1-4.
"Der Gottlose droht dem Gerechten ... aber der Herr lacht seiner, er sieht, dass sein Tag kommt." Wenn wir Nachrichten hören, erschrecken wir, wie viele Christen nah und fern von "Gottlosen" bedroht sind. Müssen wir nicht damit rechnen, dass bald eine weltweite Verfolgung ausbrechen könnte? Nur der Blick auf unseren erhöhten Herrn, der zur Rechten Gottes thront, kann unser Vertrauen stärken, dass die Herrschaft in seinen Händen bleibt. Bei allen erschütternden Nachrichten dürfen wir nicht versäumen, den Blick auf ihn zu richten: "Aber der Herr!" Der Feind der Christen ist der Feind Gottes, und er ersinnt zwar Böses, an vielen Orten scheint es, als hätte er die Macht. Aber wir halten uns an das Wort: "Der im Himmel thront, lacht seiner!" Er, der Höchste, ist immer der Überlegene, überlegen über alle bösen Absichten des Teufels. (Lies Ps.59,8.9; 118,7; 5.Mose 33,26.27.) Unseren Gott erschüttert sein Drohen nicht, und zu uns sagt er: "Fordere von mir, ich will dir zum Erbteil geben die Enden der Erde" (Ps.2,8). - David erlebte wiederholte Gegnerschaft, fühlte sich oft elend und arm, war in die Tiefe geworfen und sah den Tod vor sich. In Psalm 86 beschreibt er seinen Zustand: "Es erheben sich die Stolzen gegen mich, und eine Rotte von Gewalttätigen trachtet mir nach dem Leben... Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue" (V.14.15). Auch wenn viele gegen ihn waren, so wusste er doch: Mein Gott ist nicht gegen mich, er ist und bleibt barmherzig und gnädig und verwirft mich nicht, er überlässt mich ihnen nicht. - "Treu ist Gott und ohne Wandel, die Verheißung bleibet fest: Nicht das Kleinste seiner Worte er zur Erde fallen lässt!" (Lies Ps.124,1-8; Klagel.3,22-26.)
Mittwoch,27.September Römer 15,13; Psalm 25,1-3.
"Aber der Herr!" - diese Losung Davids ist wie ein Geheimwort, ein Schlüssel zum sieghaften Leben in Bedrängnissen. Wir finden sie auch im Neuen Testament als Bekenntnis und Zuspruch. Wenn wir unseren Alltag beleuchten, dann entdecken wir Situationen, in denen wir enttäuscht und mutlos, ohne Hoffnung für einen Menschen oder für eine Aufgabe sind. Paulus schreibt den Christen in Rom: "Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes." Lassen wir uns mit Freude und Frieden erfüllen, weil wir wissen: Aber Gott lebt! In seiner Gegenwart können wir unsere Schwäche zugeben, denn Gott ist mächtig und will uns mit seiner Kraft erfüllen. Er ist auch bereit, seinen Reichtum mit uns zu teilen und uns mit neuer Hoffnung zu erfüllen. Er kann es, denn er ist der "Gott der Hoffnung". "Sei nur still, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre; der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott" (Ps.62,6-9; lies Ps.130,5-7; Matth.17,20.21; 2.Kor.9,8). Weil er der "Gott des Friedens" ist, will er uns selbst in seinen Frieden hüllen und uns zu Friedensstiftern machen. Wenn wir sehr beunruhigt sind, sollen wir erfahren: "Aber der Herr!" Er ist der Ruhebringer, er will die Erregung unserer Herzen stillen. "Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen." (Lies Röm.12,12; Phil.4,6.7; 1.Petr.5,6.7; Jud.20.21.) "Ich habe dir meine Sache befohlen. Singet dem Herrn, lobet den Herrn, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften rettet" (Jer.20,13).
Donnerstag,28.September 1.Korinther 10,13; Hebräer 2,17.18.
In Anfechtungen und Versuchungen ist es lebensnotwendig, dass wir es glauben und vielleicht laut ausprechen: "Aber der Herr!" "Aber Gott ist treu, der es nicht zulässt, dass ihr über eure Kraft versucht werdet, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt." Der Feind weiß, wie er uns und unsere Mitgläubigen versuchen kann. Er verwickelt uns häufig in Aktivitäten, dass wir nicht richtig zur Stille und zum Gebet kommen. Durch das fehlende Gespräch mit Jesus entsteht ein Mangel, eine innere Leere in unserem Leben. Wenn wir das merken, wollen wir schnell zu ihm umkehren, denn er ist mächtig, so einzugreifen, dass der Feind uns nicht mehr ablenken oder schläfrig machen darf. - Eine uns wohl vertraute Versuchung ist die zum Ärger oder zum Rechthabenmüssen oder zum Aufgebrachtsein. Gibt es dafür ein Überwinden oder ist es eine Charakterschwäche, mit der man leben muss? Nein, es ist Sünde, "aber Gott ist treu" - für Sünde gibt es Vergebung und Überwindung! (Lies Luk.22,31.32; 1.Joh.4,4; 5,4.) Der Bibellehrer R.Swindoll schreibt: "Die Antwort auf den Ärger ist nicht kompliziert, sie ist nur schmerzhaft. Sie erfordert Aufrichtigkeit. Sie müssen als erstes den Ärger aufdecken und bloßstellen. Dann erfordert sie Demut. Sie müssen den Ärger vor dem Einen bekennen, der für solche Sünden starb. Es mag sogar notwendig für Sie werden, etwas in Ordnung zu bringen mit denen, die Sie aus verärgerter Bitterkeit beleidigt haben. Schließlich erfordert es die Bereitschaft, diesen Hang zum Ärger der regelmäßigen Überprüfung Gott unterzuordnen, und eine ehrliche, lernbereite Haltung." - Niemand braucht sich mit einem Charakter- oder Temperamentsfehler abzufinden. Wenn wir auf uns selbst angewiesen wären, dann ja, "aber der Herr ist treu, er macht, dass die Versuchung ein Ende findet". (Lies 1.Petr.1,18; Luk.10,19; Eph 4,26-32.)
Freitag,29.September Epheser 2,1-22; 3,20.21.
Jakob Kroeker erinnert in seinem Buch "Der verborgene Umgang mit Gott" an Fr.W.Baedeker, der in Russland vielen zu einem wunderbaren Segen geworden ist. "Er sprach bei uns im Süden Russlands sehr oft über ein und denselben Text, es waren die beiden Worte aus dem Epheserbrief: 'Gott aber!' Wohin er auch kam, welcher Not er auch begegnete, wieviel Finsternis und Unglaube ihn auch umgab, er wusste: Aus diesen Ruinen kann Gott ein Neues schaffen. Und er ist nicht enttäuscht worden. Die Segensspuren sind heute noch zu sehen auf all den Wegen, die er gezogen ist." - Wir haben von diesem "Gott aber" in den angeführten Stellen des Epheserbriefs gelesen: "Wir waren wie die anderen, aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in Sünden, mit Christus lebendig gemacht... Er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus." Beschreibt das nicht auch unseren Zustand, dass wir so gottfern, so jämmerlich wie alle anderen Menschen waren? Aber Gott hat das Wunder vollbracht und uns aus der tiefsten Tiefe zu sich emporgezogen. (Lies Ps.40,1-5; Joh.1,11-13; Eph.5,8; 1.Petr. 2,9.10.25.) "Nun aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr fern waret, nahe gebracht worden durch das Blut Christi." "Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." Was für eine Veränderung unserer Lage! Für uns ist nur das Eine wichtig, dass wir uns ihm überlassen, der in uns wirkt, und ihm gehört der Dank! "Dem aber, der weit mehr zu tun vermag als alles, was wir erbitten oder auch nur erdenken können, nach der Kraft, die in uns wirkt - dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen." (Lies 1.Kor.6,20; 2. Petr.3,18; Offb.1,5b.6.)
Samstag,30.September Psalm 145,9.14-21; Micha 5,8.
Wir sind von David ausgegangen - keine Not, kein Feind - auch keine Sünde - keine Angst und kein Glück konnte ihn vom Weg des Vertrauens zu seinem Gott abbringen. In allen Situationen machte er die Erfahrung: "Aber der Herr!" - er hält mich, er stützt mich, er tritt dem Feind entgegen. Er macht mich stark, er gibt mir den Sieg! Psalm 27 gibt uns Aufschluss über Davids Umgang mit dem Herrn: "Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert" - ein Heer von dunklen Gedanken, ein Heer von Erwartungen, von Problemen -, "so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht. Ich verlasse mich auf ihn... Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen" (Ps.27,3-13; lies Ps.138,7.8; 2.Kön.6,14-20; 2.Chron.14,8-12). Das gilt heute genauso: Auch wenn mein Verstand mir die Aussichtslosigkeit aller Bemühung um die verlorene Welt bescheinigt, weiß ich doch: Gott aber liebt, Gott aber sucht und rettet. Gott aber ist größer als die Machenschaften des Widersachers, Gott aber bringt ans Ziel! (Lies Jes.12,2; 1.Petr.1,3-9.) In der Verantwortung vor Agrippa bekennt der Apostel Paulus: "Ich habe zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und dann im ganzen jüdischen Land und den Heiden verkündigt, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren... Deshalb ergriffen mich die Juden im Tempel und suchten mich umzubringen. Aber da mir Hilfe von Gott widerfahren ist, so stehe ich bis auf diesen Tag und lege Zeugnis ab vor Kleinen und Großen" (Apg.26,19-22a). - "Ich bin der festen Zuversicht, dass der, welcher ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi." Wir wollen das Schlüsselwort des Glaubens und des Sieges glaubend für unseren Alltag nehmen: "Der Herr aber!"