NICHTS WIE HIN ZU JESUS!

SONNTAG, 1.OKTOBER

PSALM 90, 1; 62, 9

»Nichts wie hin«, sagen manche Leute, wenn es etwas Besonderes zu sehen oder zu kaufen gibt. »Nichts wie hin!« An diesen Worten wird deutlich, dass es im Augenblick nichts Wichtigeres gibt, als dieses Angebot wahrzunehmen. »Nichts wie hin«, das kann auch ein Motto sein für die Menschen, die dem Herrn Jesus Christus gehören. Nichts wie hin zu dem, der einlädt, zu ihm zu kommen. Einmal sind wir Christen dieser Einladung zum ersten Mal gefolgt, und seitdem können wir es wissen: Zu jeder Zeit und in jeder Lage darf ich mich an ihn wenden, innerlich bei ihm ankommen und mein Herz bei ihm ausschütten. Denn Jesus sagt: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen« (Joh. 6, 37). Denken wir daran, wenn etwas schief gelaufen ist, wenn wir etwas Falsches taten, wenn wir durch Worte verletzt wurden oder wir selber andere verletzt haben, dass wir unverzüglich mit Jesus darüber reden können? Denken wir daran, wenn uns ein Problem beunruhigt und wenn wir den Zusammenhang nicht verstehen und keinen Ausweg sehen? »Dann nichts wie hin zu ihm!« Das sollte unsere Reaktion sein. »Vater, dann lauf ich zu dir nach Haus, schütte meine Not bei dir aus, schütte meine Angst bei dir aus, schütte meine Last bei dir aus« (E. Schnitter). Nichts wie hin zu IHM! Kennen wir diese Sehnsucht, mit ihm zu reden, und sind wir dankbar dafür? In der Bibel finden wir Menschen, die in besonderen Situationen so dachten und handelten. Einige von ihnen wollen wir in den kommenden Tagen näher betrachten. Wollen wir nicht auch heute in Bewegung sein, hin zu unserem Herrn? (Lies 2.Mose 33,7; 2.Chron.17, 3. 4; Ps.27, 4. 5; 34,7; 71, 3.)

Anfang

MONTAG, 2.OKTOBER

MATTHÄUS 3, 1-3. 11; JOHANNES 1, 35-40 1. Nichts wie hin zu Jesus bei der wichtigsten Suchaktion! Johannes und Andreas warteten, wie auch viele andere Juden, auf den verheißenen Messias. Dabei spielte die Frage nach dem Zeitpunkt seines Kommens nicht die wichtigste Rolle. Als Wartende und Suchende bewegte sie eine sehr persönliche Frage: Wird der Messias das bringen, was in meinem Leben fehlt, und kann ich bei ihm loswerden, was mich quält? Auf ihrer Suche schlossen sich die beiden Männer zunächst Johannes dem Täufer an. Er hatte von dem Einen geredet, der nach ihm kommen werde, und für den er nur der Wegbereiter sei. Er würde nicht irgendwann kommen, sondern er war schon mitten unter ihnen. Darum forderte Johannes seine Zuhörer auf, sich in ihren Herzen auf den Kommenden vorzubereiten. Die beiden Männer wollten ihn finden und wussten nicht wie. Doch dann waren sie dabei, als Johannes auf einen Menschen zeigte und erklärte: Der ist es! Er nimmt die Sünde der Welt auf sich und trägt sie weg. »Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.« Als gottesfürchtige Juden dachten sie sofort an das Passalamm, »ein Lamm ohne Fehler«, das Jahr für Jahr geschlachtet werden musste als Zeichen der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens. (Lies 2.Mose 12, 1-13.) Wahrscheinlich erinnerten sich Johannes und Andreas auch an die Stelle im Propheten Jesaja: »Er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird« (Jes. 53, 7). Daran knüpfte der Täufer in seiner Verkündigung über das Lamm Gottes an. Ist es auch mein persönliches Bekenntnis, dass Jesus für mich das Lamm Gottes ist, das meine Sünden weggetragen hat? (Lies 1. Petr. 1, 18. 19; 2. Kor. 5, 18-21.)

Anfang

DIENSTAG, 3.OKTOBER

JOHANNES 1, 35-40; 5.MOSE 4, 29

Johannes und Andreas hatten erkannt, dass sie Jesus, das »Lamm Gottes« brauchten. »Er ist's!« Darum nichts wie hin zu Jesus!, und sie liefen hinter ihm her. Als Jesus sich nach ihnen umschaute, kamen sie miteinander in ein Gespräch. Und die beiden entschlossen sich, bei Jesus zu bleiben. Viele Menschen sind auf der Suche nach Anerkennung, Erfolg, Geld oder anderen Besitztümern, um ihren Lebensdurst zu stillen. Antwort auf die tiefsten Fragen und Sinnerfüllung finden wir nur, wenn wir Jesus Christus, den Sohn Gottes, suchen. »Kommt und seht!«, hieß seine Einladung an die beiden Männer. (Lies Ps. 139, 2; Matth. 12, 25a; Mark. 2, 8; Luk. 6, 8; Joh. 2, 25.) »Kommt und seht!«, diese Einladung gilt besonders allen, die auf der Suche sind, weil sie merken, dass ihnen das Wichtigste fehlt. Nichts wie hin zu Jesus!, »denn dieser ist's«. Für die beiden Männer wurde die Erstbegegnung mit Jesus zu einem Tag mit der wichtigsten Weichenstellung ihres Lebens. Es gibt immer wieder Stunden und Tage, an denen wir Entscheidungen zu treffen haben. Aber die Entscheidung für ein Leben mit Jesus Christus ist die wichtigste im Leben, denn mit ihr werden die Weichen für das irdische Leben und für die Ewigkeit gestellt. (Lies Hes. 33, 11; Joh. 8, 12; Offb. 3, 20.) »Wir haben den Messias gefunden«, sagte Andreas danach zu seinem Bruder Simon, der ebenfalls ein Suchender war, und Andreas führte Petrus zu Jesus. Welch ein Geschenk! Ein Glaubensanfänger wird ein Segen für andere, die sich wiederum von der guten Nachricht über das Lamm Gottes ansprechen lassen und mit Jesus in Kontakt kommen. (Lies Joh. 1, 41-51.)

Anfang

MITTWOCH, 4.OKTOBER

JOHANNES 11, 17-22; PSALM 73, 16. 17

2. Nichts wie hin zu Jesus mit aller Not! Trauer und Enttäuschung erfüllten Martas Herz. Lazarus, der geliebte Bruder, war tot. Für Marta war eine Welt zusammengebrochen, ihr Vertrauen zu Jesus tief erschüttert. Man hatte den Herrn rechtzeitig über die schwere Erkrankung seines Freundes informieren können, doch Jesus traf erst in Betanien ein, nachdem Lazarus schon vier Tage tot war. Als Marta von der Ankunft des Herrn erfuhr, hatte sie nur einen Wunsch: Nichts wie hin zu ihm! Die Enttäuschung über ihn und die große Trauer musste sie mit ihm selbst besprechen. Sieben Tage lang dauerte die in Israel übliche Trauerwoche. Marta hätte bei ihren Trauergästen sitzen bleiben können; denn es war ja doch alles zu spät. Es blieben nur noch Trauer und Klage - nicht aber für Marta. Wie oft bleiben wir sitzen mit unserer Trauer und mit unserem Nicht-Verstehen. Wir überlassen uns dem Gedanken-Karussell, aus dem das Aussteigen immer schwerer zu werden scheint. Und doch - es gibt noch eine »Ausstiegs- hilfe«, wenn wir tun, was Marta tat: Sie lief zu Jesus. Ihr Inneres ist noch vom Tod des Bruders gefangen, und sie begrüßt Jesus mit dem Vorwurf: »Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.« Marta wusste, dass Jesus Macht hat, auch Todkranke zu heilen. Alles, was in ihrem Herzen war, schüttete sie beim Herrn aus. Und Jesus rügte sie nicht. Wie Marta dürfen auch wir Jesus alles fragen und ihm alles sagen. »Liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus« (Ps. 62, 9; lies Ps. 55, 23; 37, 5).

Anfang

DONNERSTAG, 5.OKTOBER

JOHANNES 11, 20-25; PSALM 73, 23-28

»Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, was du von ihm erbittest.« Mit diesen Worten sprach Marta in aller Aussichtslosigkeit ihr Vertrauen aus. Sie übte sich darin, dennoch zu vertrauen. Obwohl Jesus nicht sofort kam, schenkte Marta ihm ihr Vertrauen, das nicht abgerissen war. »Auch jetzt noch weiß ich . . . « (V. 22). Marta wusste, dass die Kraft des Herrn stärker ist als der Tod (Luk. 7, 11-17). Dass Marta aber nicht mit einer sofortigen Auferweckung ihres Bruders rechnete, wird in Vers 24 deutlich. Welche Haltung nehmen wir ein, wenn es der Herr anders macht, als wir es erbeten, erwartet und erhofft und unserer Meinung nach gebraucht haben? Halten wir dann im Vertrauen am Herrn fest: Aber auch jetzt weiß ich, dass du mich liebst, denn deine Liebe hört nicht auf. (Lies Jer. 31, 3; 1.Kor. 13, 8a.) Aber auch jetzt weiß ich, dass du bei mir bleibst, denn deine Treue hört nicht auf. (Lies Ps. 25, 10; 146, 6; 1. Kor. 1, 9; 10, 13.) Aber auch jetzt weiß ich, dass du mich recht führst, denn dein Tun ist vollkommen (5.Mose 32, 4; Ps. 145, 17). Aber auch jetzt weiß ich, dass alles für mich zum Guten mitwirkt, denn dein Tun wird für die Deinen zum Segen. (Lies Röm. 8, 28; Hebr. 12, 11.) Wie Marta dürfen wir vor Jesus unseren Kummer ausbreiten und zugleich den Entschluss fassen: Herr Jesus Christus, ich verstehe nicht, . . . - aber ich vertraue dir. Vielleicht ist heute der Entschluss dran, ihm alles, was in unserem Herzen ist, anzuvertrauen. Wir glauben ja nicht »ins Blaue hinein«, sondern vertrauen dem, der von sich gesagt hat: »Ich bin die Auferstehung und das Leben.«

Anfang

FREITAG, 6.OKTOBER

MARKUS 10, 46-52

3. Nichts wie hin zu Jesus mit der Last unseres Lebens! Die Blinden und Bettler gehörten damals zu den Ärmsten der Armen, und mancher Blinde wird sein Bettlerdasein verbittert und resigniert ertragen haben. Bartimäus aber gehörte nicht zu denen, die aufgegeben hatten. Er dachte nicht: Mir kann niemand helfen. Nein, als Jesus in seine Nähe kam, wusste er: Der kann mir helfen! Bartimäus erkannte seine Gelegenheit. Die Kunde von den wunderbaren Heilungen wird auch ihm zuOhren gekommen sein. (Vgl.Mark.7,32-37; 8, 22-25.) Und dann kam der Herr persönlich vorbei, und Bartimäus rief mit aller Kraft nach Jesus, dem Sohn Davids. Mit dieser Anrede hatte der blinde Bettler Jesus von Nazareth als denMessias Israels ausgerufen.Während viele Menschen in Israel Jesus »den Nazarener« nannten, hob Bartimäus ihn über die rein menschliche Ebene hinaus und kümmerte sich nicht darum, ob es den anderen Menschen angenehm war oder nicht. Für ihn war jetzt nur wichtig, die Gele- genheitzunützen. Jesus,derSohnDavids,warda;denbrauchteer.Dashießdoch: Jesus, ichweiß,werdubist. Ichweiß,wasdukannst,undichweiß,wasichbrauche. Von Bartimäus können wir lernen, ehe wir Jesus unsere Bitten vortragen, darüber nachzudenken, wer ER (für uns) ist. Darum ist es hilfreich, am Beginn unseres Betens den Herrn anzuschauen und anzubeten. Auch die Anrede von Bartimäus »Jesus, du Sohn Davids« glich einer Anbetung. »Ich kann doch erst eine Bitte aussprechen, wenn ich davon überzeugt bin, dass der im Gebet Angesprochene die Kraft und Macht hat, meine Bitte zu erfüllen. Ohne anbetendes Lob gibt es kein vertrauendes Bitten. Gott kann, davon lebt unser Beten« (H. Krimmer). (Lies Matth. 6, 9-13; Phil. 4, 6. 7.)

Anfang

SAMSTAG, 7.OKTOBER

MARKUS 10, 46-52

Bartimäus wusste, wer Jesus ist und was Jesus kann! Darum bat er den Herrn, ihm das Augenlicht zu schenken. Und er glaubte an Jesus - ohne zu sehen. »Die meisten Enttäuschungen im Glaubensleben kommen daher, dass wir schon schauen wollen, was wir erst einmal glauben sollen« (K. Scherer). Glauben heißt, sich »mit Haut und Haar« dem Herrn zu überlassen und ihm alles zuzutrauen. Darum wird Abraham der Vater der Glaubenden genannt, weil er über das Menschen-Unmögliche und die Aussichtslosigkeit hinwegsehend zu seinem Schöpfer aufblickte. Abraham schaute auf den großen Gott, der sich ihm geoffenbart hatte. Mit seiner Zusage wollte er fest rechnen. (Lies 1.Mose 15, 1-5; Röm. 4, 18-22.) Bartimäus wollte sehend werden. Jesus blieb stehen und rief ihn zu sich. Bartimäus wollte nur eins: Nichts wie hin zu Jesus mit der Last seines Lebens! Er ließ seine Bettler-Utensilien zurück und war voller Erwartung auf Jesus ausgerichtet. Dieser nahm ihm die Last der Blindheit ab. - Nicht immer nimmt Jesus uns jede Last weg, die wir ihm im Gebet gebracht haben. Unter mancher Last werden wir - Jesus weiß, wie lange - leben müssen. Aber wir sollen dies im Aufblick zu dem tun, der der »Anfänger und Vollender des Glaubens« ist. Wer vertrauensvoll zu Jesus aufschaut, wird seine Last nicht mürrisch oder verbittert tragen, sondern unter der Last ein dankbarer und ein zufriedener Mensch werden. Immer dürfen wir den »Weg des Bartimäus« unter die Füße nehmen: Nichts wie hin zu Jesus mit der Last! Ob er sie uns dann abnimmt oder ob er uns neu stärkt und ermutigt, das dürfen wir getrost unserem Herrn überlassen. (Lies Ps. 32,10; Spr. 3, 5; Jes. 26,4; 50, 10.)

Anfang

SONNTAG, 8.OKTOBER

JOHANNES 21, 1-4; MATTHÄUS 11, 28. 29 4. Nichts wie hin zu Jesus nach dem Versagen! Die Selbstsicherheit und die Überzeugung von der eigenen Rechtschaffenheit zerbrach bei Petrus in jener Nacht, als er seinen Herrn aus Angst verleugnete. Die Stunden und Tage danach waren für Petrus sehr schwer. Dann hörte er von der Auferstehung des Herrn. In 1.Korinther 15,3-5 entdecken wir, dass es zu einer persönlichen Begegnung mit Petrus kam. Wenn in dieser Begegnung dem Versager die Vergebung vom Herrn zugesprochen wurde, blieb etwas Entscheidendes ungeklärt für Petrus. Vergebung hatte er, aber war er noch brauch- bar im Dienst für den Herrn, der ihm zugesagt hatte: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen«? Hatte Petrus sich vielleicht bei diesen Worten des Herrn im Jüngerkreis umgeschaut mit dem Gedanken: Mich nennt der Herr einen Felsen, nicht euch!? Ich soll das tragende Element sein, nicht ihr! (Vgl. Matth. 16, 15-23.) Aber was Simon Petrus bei sich selbst für felsenfest gehalten hatte, war nun jämmerlich zerschlagen. War er noch brauchbar für den Herrn? - »Ich will fischen gehen!« Ob dieser Entschluss Simons etwas mit seiner Unsicherheit zu tun hatte? Einige der Jünger gingen mit, und in jener Nacht fingen sie nichts. Wahrscheinlich waren sie ziemlich enttäuscht; denn sie werden mit dem Erlös aus dem Fischfang gerechnet haben. Ohne ihr Wissen ist der Herr ihnen nahe. Als sie mit ihrem Schiff und den leeren Netzen zum Ufer fahren, steht Jesus schon dort. Sie erkennen ihn nicht. Kennen wir das nicht auch? Wir sind mit unseren Angelegenheiten so sehr beschäftigt, mit unseren Enttäuschungen, Sorgen und Ängsten, dass wir nicht wahrnehmen: Jesus ist ganz nah bei mir und erwartet mich schon, wie er es versprochen hat. (Lies Jes. 57, 15; Ps. 34, 19.)

Anfang

MONTAG, 9.OKTOBER

JOHANNES 21, 1-7; PSALM 90, 1

Obwohl die Jünger den Mann am Ufer nicht erkannten, ließen sie sich von ihm zu einem zweiten Fischzug hinausschicken, und sie erlebten ein Wunder. Daran erkannte Johannes: »Es ist der Herr!« Als Petrus das hörte, warf er sich ins Wasser. War er erschrocken? Wollte er vor Jesus fliehen? Nein, er wollte schnell zu Jesus. Seine Zuflucht bei ihm suchen. Es gibt einen Zufluchtsort für beschämte Menschen und für solche, die in großer Unsicherheit von vielen Fragen umgetrieben sind und vor dem Kommenden Angst haben. »Herr, du bist unsere Zuflucht für und für.« Auch dann und gerade dann, wenn viel Grund wäre, in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen, sich vor diesem Herrn zu verstecken. Aber der Herr selbst ist der Zufluchtsort für solche wie Petrus und wie wir es sind. (Lies Jona 2, 2-7; Ps. 25, 4-12.) »Immer werden wir von Jesus schon erwartet. Woher wir auch kommen, ob aus enttäuschten Hoffnungen oder erfüllten Erwartungen, aus einer großen Freude oder einem tiefen Schmerz, ob aus erfolgreicher Arbeit oder aus bedrückendem Misslingen, immer ist Jesus, der Auferstandene, da und wartet auf uns. Selbst dann, wenn wir den Weg des Glaubens und Gehorsams verlassen haben, weil wir dem Betrug unseres Herzens und dem Gaukelspiel unserer Gefühle und Wünsche zum Opfer gefallen sind, ist er da und wartet auf uns. Er erwartet uns auch dann noch, wenn wir meinen, es nicht mehr wagen zu dürfen, ihm unter die Augen zu treten, weil wir uns der Sünde öffneten und von den brausenden Wassern der Schuld so vieles zerstört und weggeschwemmt wurde, was Jesus in langer und mühevoller Arbeit bei uns aufgebaut hatte. Auch dann wartet er auf uns. Wenn wir das nur im Bewusstsein trügen« (Horst Zentgraf). (Lies Jes. 1, 18; 55, 1; Joh. 6, 37; Ps. 36, 8.)

Anfang

DIENSTAG, 10.OKTOBER

JOHANNES 21, 8-19

»Ich traf eines Tages einen jungen Mann weinend an. Nach dem Grund ge- fragt, zog er sein neues Dienstbüchlein aus der Tasche, und da stand auf der ersten Seite: Untauglich. Untauglich haben sie mich erklärt, und er wollte sich nicht trösten lassen. Es gab im Leben des Petrus einen Tag, da wurde auch ihm mit feurigen Buchstaben der Befund ins Lebensbuch gedrückt: Untauglich zum Dienst in den Reihen des Königs. Und Petrus hat auch geweint. Nun aber ist der Tag, an dem ihm sein Herr den vernichtenden Stempel drei Mal durchstreicht, und drei Mal schreibt er darüber: Tauglich zum Dienst. Weide meine Lämmer, weide meine Schafe. Petrus wird seinen Augen und Ohren nicht getraut haben. Aber wenn es ihm der Herr in sein Lebensbuch schreibt, dann wird es so sein. Der Herr hat seinen Jünger in unerklärlicher Hirtentreue aufgesucht und hat ihm die Schande mit seinen Wundmalen zugedeckt. (Vgl. 1. Tim. 1, 12-17.) Christus hat sich des Petrus angenommen, wie der gute Hirte sich seiner Schafe annimmt. Der Auftrag kam, nachdem der Herr seinem Jünger die wichtigste Frage gestellt hat und sie von ihm beantwortet war. Hast du mich lieb? Der Sinn dieser Herrenfrage ist der: Simon Petrus, genügt dir meine Gnade? Bist du damit einverstanden, ein vom Hirten gefundener Petrus zu sein, der seine Tauglichkeit nicht hat verdienen können, sondern sie sich hat müssen schenken lassen« (W. Lüthi)? Manchmal braucht es Mut, dem Wort des Herrn standzuhalten, uns treffen und beschenken zu lassen. Aber dann gilt auch: Er bestellt diejenigen zu Hirten seiner Herde, die wissen, dass sie selber diesen Hirten und SEINE Weide dringend brauchen. (Lies 2. Kor. 12, 9. 10; 1. Kor. 1, 27.)

Anfang

MITTWOCH, 11.OKTOBER

JOHANNES 11, 2; 12, 1-8

5. Nichts wie hin zu Jesus mit einem dankbaren Herzen! Maria wollte dem Herrn, der ihr den Reichtum des Wortes Gottes erschlossen und seine Herrlichkeit in ihrem Geschwisterkreis geoffenbart hatte, ihre Liebe und Dankbarkeit zeigen. (Vgl. Luk. 10, 38-42; Joh. 11, 41-45.) Sie brachte ein kleines Vermögen zu Jesus: echtes, herrlich duftendes Salböl, das aus der Wurzel der Narden-Pflanze gewonnen wurde. Mit dieser erlesenen Kostbarkeit, für die man damals übrigens ein Jahr lang arbeiten musste, salbte Maria ihren Herrn, dessen Passion unmittelbar bevorstand. Während die Todfeinde von Jesus in Jerusalem seinen Prozess vorbereiteten, deckten ihm seine Freunde in Betanien den Tisch. Während Judas das Geld liebte und Jesus für ein Monatsgehalt verriet, liebte Maria den Herrn und schenkte dem Höchsten das Beste, was sie hatte und war. Sie weihte sich dem Herrn, um ihm immer nahe und zur Verfügung zu sein. Judas aber distanzierte sich immer mehr von Jesus. Während sich im Herzen von Judas Iskariot böse Energien zusammenbrauten, strömte aus dem Herzen Marias Dankbarkeit und Liebe. Liebe, die nicht berechnete, sondern sich dem hingab, der im Begriff stand, sein eigenes sündloses Leben - den Sündern zugute - in den Tod zu geben. Es ist das Größte und Kostbarste, das er für die Menschen hingibt. Nicht sein bisheriges Wirken war das Größte, nicht, dass Lazarus aus dem Grab geholt wurde, sondern dass Jesus stellvertretend für die Sünder stirbt. Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab kamen, um den Leichnam des Herrn zu salben, war es zu spät, denn der Herr war bereits auferstanden. Maria tat es im Voraus, aus Liebe hatte sie den rechten Zeitpunkt gewählt, ohne es genau zu wissen. Wie steht es um unsere dankbare Liebe zu Jesus? (Lies Joh. 14, 15; 5. Mose 10, 12; Röm. 12, 1. 2; Gal. 5, 6.) REICH UND FREI - 2. KORINTHER 9, 1 - 11, 15

Anfang

DONNERSTAG, 12.OKTOBER

2.KORINTHER 9, 1. 2

Wer hätte das gedacht! Paulus, der sich von Jesus Christus als Botschafter des Evangeliums berufen weiß, widmet nach Kapitel acht dem Thema Geldsammlung weitere fünfzehn Verse. Glaube hat in dieser Welt ganz praktisch auch mit Geldbörsen und Konten zu tun. Das geistliche Leben ist gefährdet von der Versuchung, Jesus Christus den Herrn des Lebens zu nennen, persönlichen Besitz aber eigenmächtig zu verwalten, Güter nicht als anvertrautes Gut zu verstehen. Jesus warnt: »Seht zu und hütet euch vor Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat« (Luk. 12, 15). In einer Welt, die von Geld regiert wird, müssen wir uns fragen lassen, was unsere Entscheidungen beeinflusst. (Lies Hebr. 13, 5.) Paulus weiß von den Korinthern in dieser Sache Gutes zu berichten. Sie kennen die finanzielle Not der Gemeinde in Jerusalem (vgl. 1.Kor. 16, 1-4). Sie sind entschlossen, gemeinsam Abhilfe zu schaffen (2. Kor. 8, 10). Sie haben begriffen, dass sie als Glied am Leib von Jesus Verantwortung füreinander tragen (siehe 1. Kor. 12, 25-27). Paulus bespricht diese Geldangelegenheit deshalb nicht geschäftsmäßig, sondern entfaltet sie in ihrer geistlichen Dimension. Er redet nicht von Spenden, sondern nennt das Vorhaben »Dienst (Diakonie) für die Heiligen« (vgl. 2.Kor. 8, 4). Und Dienst an denen, die zu Gott gehören, ist immer auch Dienst an Jesus. (Lies Matth. 10, 40-42.) Solches Geben hat Ewigkeitswert. Eine weitere Beobachtung steht in Verbindung mit Kapitel acht. Dort führt Paulus die mazedonischen Gemeinden als Vorbild und Ansporn für die Korinther an (V. 1. 2). Hier erfahren wir, dass Paulus andererseits die Korinther für die Gemeinden in Mazedonien beispielhaft vorstellte. Er will sie damit keinesfalls gegeneinander ausspielen. »Der Wetteifer, in den die Liebe die Gemeinden miteinander bringt, kommt hier ans Licht« (A. Schlatter). Es entspricht dem Rat aus Hebräer 10, 24: »Lasst uns einander anreizen zur Liebe und zu guten Werken.«

Anfang

FREITAG, 13.OKTOBER

2.KORINTHER 9, 3-5; HEBRÄER 13, 5

Die in Kapitel sieben behandelten Auseinandersetzungen trugen vermutlich dazu bei, dass die begonnene Sammlung nicht mit ganzer Zielstrebigkeit verfolgt wurde. Paulus sieht sich mit in die Verantwortung gestellt, für einen guten Ausgang zu sorgen. Er sendet drei Brüder voraus mit dem Auftrag, die Sammlung zu Ende zu führen und eine korrekte Übergabe vorzubereiten (vgl. 2.Kor. 8, 6. 8. 22). Paulus rechnet mit einer großzügigen Gabe, bringt aber mit großer Selbstverständlichkeit als Gegensatz den Geiz ins Gespräch. Ist das nicht zu gewagt und sogar äußerst peinlich, Gläubigen gegenüber von der Möglichkeit des Geizes zu reden? Vielleicht berührt es uns deshalb so eigenartig, weil wir Geiz vor allem mit einer »Gier nach mehr« identifizieren. Es gibt aber auch verborgenen und mitunter frommen Egoismus. Außerdem schließt der Begriff Geiz die Bedeutung von übertriebener, falscher Sparsamkeit mit ein, hinter der sich auch eine gewisse Geldgier verbergen kann. Der Apostel sieht darin eine so reale Gefahr, dass er mehrfach Bezug darauf nimmt. Habsucht und Geldgier nennt er die Wurzel alles Übels (1. Tim. 6, 10; Eph. 5, 5). Er stuft Geiz als Götzendienst ein (Kol. 3, 5) und stellt ihn auf die gleiche Ebene mit Unzucht und jeder Art Unreinheit (Eph. 5, 3). In Vers fünf unseres Abschnittes macht Paulus deutlich, dass längst nicht nur geschlossene Portemonnaies, sondern sogar das, was ich gebe, den Charakter des Geizes tragen kann. Der Liederdichter Paul Gerhardt vermerkt in seinem Testament an seinen Sohn Paul Friedrich: »Tue Leuten Gutes, ob sie Dir es gleich nicht zu vergelten haben. Den Geiz fliehe als die Hölle. Lass Dir genügen an dem, was Du mit Ehren und gutem Gewissen erworben hast, ob es gleich nicht allzu viel ist. Beschert Dir aber der liebe Gott ein Mehreres, so bitte ihn, dass er Dich vor dem leidigen Missbrauch des zeitlichen Gutes bewahren wolle.«

Anfang

SAMSTAG, 14.OKTOBER

2.KORINTHER 9, 6. 7

Das Bild ist schlicht und anschaulich. Ein Landmann, der nur spärlich aussät, darf sich nicht wundern, wenn selbst bei guten Wachstumsbedingungen der Acker zur Erntezeit nur geringe Frucht trägt. Saat und Ernte stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Das leuchtet ein. Ob wir jedoch erfassen, welch ungeheure Konsequenz sich aus diesem Vergleich für unseren Alltag ergibt? Unsere Mittel, die wir anderen um Jesu willen zuwenden, sind geistlich gesehen demnach Saatkörner! Wohl helfen sie hier und jetzt, tragen aber Wirkungen in sich, die sich als Folge der Aussaat erst richtig entfalten und für Empfänger und Geber Segen bedeuten. Wie unvergleichlich ist unser Gott! Er stellt keine Forderungen, sondern lädt ein, uns diesem Segenskreislauf im Vertrauen auf ihn auszusetzen. Jesus lehrt: »Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen« (Luk. 6, 38; vgl. Spr. 11, 24. 25). Wir sprechen gerne die Ermutigung aus, alle Sorgen und Bedürfnisse im Gebet dem himmlischen Vater getrost anzubefehlen. Wir versäumen aber unter Umständen darauf hinzuweisen, dass Gott dem gibt, der selber bereit ist zu geben. »Viele besitzen den Glauben, Gott um das nötige Geld zu bitten, aber wenige haben das Vertrauen, es auch wieder getrost wegzugeben. Kein Wunder sind so manche Gläubige mittellos, auch mittellos im Glauben« (W. Nee). - Pfarrer Walter Lüthi erlebte, dass nach seiner Predigt über diese Gedanken des Korintherbriefes eine Gottesdienstbesucherin zu Hause einen Scheck zerriss, um einen neuen mit der doppelten Summe auszufüllen. Sie wusste, dass bei einer Gabe nicht die Größenordnung zählt, sondern die Herzenseinstellung. (Lies Mark. 12, 41-44.) Aber genau deshalb wurde jene Frau zu neuem Tun bewegt. Wie viel Schönes wurde bereits durch fröhliche Geber für Gottes Reich bewirkt!

Anfang

SONNTAG, 15.OKTOBER

2.KORINTHER 9, 8-10

Nehmen wir die Fülle dieser Aussagen genauer in Augenschein: o Gott gibt genug! »Volle Genüge haben« bedeutet »genug haben«, »Auskommen haben« entsprechend der Bitte: »Unser tägliches Brot gib uns heute« (Matth. 6, 11). Das heißt für uns: Wir haben einen himmlischen Vater, der für uns sorgt. Das schenkt Geborgenheit und Grund zu Zufriedenheit. o Gott gibt reichlich! »Wenn Gott Gnade gibt, tut er das nicht widerwillig, sozusagen nur mit dem kleinen Finger einer fest zusammengepressten Hand. Nein, Gottes Hände tragen Nägelmale und sind weit offen. Unbegrenzt geben sie aus der unerschöpfflichen Quelle« (A. Redpath). Das heißt für uns: Gott wird uns immer wieder in seinem Geben überraschen. Wir müssen dabei nicht zwischen geistlichen und materiellen Gaben trennen. Durch seinen Sohn hat er alles für uns bereit. (Lies Röm. 8, 32; vgl. Phil. 4, 19.) o Gott gibt, damit wir geben können! Als David erlebte, wie willig und fröhlich das Volk seinen Anteil zum Bau des Tempels zusammenlegte, war er sich dieses Zusammenhangs bewusst: »Herr, unser Gott, all dies Viele, das wir herbeigebracht haben, dir ein Haus zu bauen, deinem heiligen Namen, ist von deiner Hand gekommen, es ist alles dein« (1. Chron. 29, 16). Das heißt für uns: Gott ist es, der alles Geben überhaupt ermöglicht. o Gott gibt geistlichen Segen! Mit großer Zuversicht zeigt Paulus, dass Gott geben kann und will: »der wird auch euch geben« (V. 10). Es sollen Früchte der Gerechtigkeit wachsen. Wenn Psalm 112 die Gerechtigkeit des Gebenden rühmt, so ist dies im jüdischen Sinn zu verstehen. Hier werden die Werke der Gerechtigkeit anerkannt wie Beten, Fasten und Almosengeben und nicht jene falschen Bemühungen, um gerecht zu werden durch Werke. Das heißt für uns: Glaubensschritte sind gefragt, um das göttliche Geheimnis zu erleben, dass Gott zum Geben immer genug gibt.

Anfang

MONTAG, 16.OKTOBER

2.KORINTHER 9, 11-15

Beschenkt werden und beschenken - das ist gelebte Dankbarkeit, die wechselseitig froh macht und erfüllt. In den ersten Jahren nach dem Krieg ereignete sich folgende Begebenheit: Ein schwerkranker Medizinprofessor erhielt in einer Zeit, da man überall Hunger litt, durch einen guten Freund ein halbes Brot. Er sorgte sich um die heranwachsende Tochter seines Nachbarn und ließ das Brot ihnen zukommen. Die Familie aber wollte das wertvolle Geschenk nicht für sich behalten und schenkte es einer armen alten Witwe. Die Witwe brachte es ein paar Häuser weiter zu ihrer Tochter, die für ihre drei kleinen Kinder nichts mehr zu essen hatte. Die junge Frau musste an den kranken Professor denken, der ohne Bezahlung zu fordern, ihrem Sohn das Leben gerettet hatte. Aus tief empfundenem Dank gab sie es an ihn weiter. Der Professor erkannte an einem Papierstückchen am Boden sein Brot sofort wieder und sagte: »Dies Brot hat viele satt gemacht, obwohl keiner davon gegessen hat. Dies Brot ist heilig, es gehört Gott.« Er konnte genesen und bewahrte das Brot bis zu seinem Lebensende auf als dankbares Zeichen der Hoffnung. (Vgl. 1. Kön. 17, 10-16.) Am Ende dieses Kapitels wollen wir uns noch einmal bewusst machen, dass Paulus sich nicht scheut, von Geld zu reden und zu einer freigebigen Kollekte aufzurufen. Er weiß um die elementar wichtige geistliche Bedeutung dieses Lebensbereiches. In der deutschen Übersetzung von Vers 12 entgeht uns in dieser Sache ein wichtiger Aspekt. Paulus spricht an dieser Stelle gar nicht von »Sammlung«, sondern gebraucht einen Begriff, aus dem später unser Wort »Liturgie« wurde, das die feierliche Ordnung des Gottesdienstes mit Anbetung, Dank und Fürbitte beschreibt. Unser ganzes Leben und Geben darf ein Dankabstatten sein für Gottes unaussprechliche Gabe, sodass noch viele Gott danken. Zur weiteren Vertiefung: Römer 12, 1-8.

Anfang

DIENSTAG, 17.OKTOBER

GALATER 6, 1; 2.KORINTHER 10, 1. 2

Bisher hat Paulus seinen eigenen Besuch nur allgemein angekündigt (2.Kor. 9, 4). Nun geht er darauf ein, was ihn bei seinem Kommen inhaltlich bewegt. Da erscheint das vorangehende Lob »Ich freue mich, dass ich mich in allem auf euch verlassen kann« (2. Kor. 7, 16) im Widerspruch zu stehen mit dem Ausblick, unter Umständen hart durchgreifen zu müssen. Der Unterschied liegt darin, dass Paulus sich ab Kapitel zehn mit einer speziellen Zielgruppe befasst. Er muss »gegen einige« (V. 2) entschlossen vorgehen, gegen jene selbst ernannten falschen Apostel (2.Kor. 11, 5. 13) und ihre Anhänger. Sie werfen ihm einen fleischlichen und damit selbstsüchtigen Lebenswandel vor, schwächliches Auftreten in der persönlichen Konfrontation, Großmäuligkeit aus der sicheren Entfernung. Damit untergraben sie seine Autorität und Glaubwürdigkeit als Apostel. Deshalb ist es spannend zu verfolgen, wie Paulus mit diesen Gegnern umgeht. Den Maßstab nennt er gleich zum Auftakt in Vers eins: Seine Mahnung geschieht in der Sanftmut und Güte des Herrn Jesus Christus. Vielleicht ist unsere deutsche Vorsilbe »sanft« schuld daran, dass wir Sanftmut vorschnell in Verbindung bringen mit leiser Stimme, lächelndem Gesicht, stiller Zurückhaltung und dem steten Bemühen um Harmonie. Doch Freundlichkeit, die es jedem recht machen will, ist letztlich keine helfende Liebe und hat nichts zu tun mit biblisch verstandener Sanftmut. Diese Art Mut ist wie Demut Ausdruck innerer Stärke. Sie ist keine Charaktereigenschaft und angelernte Tugend, sondern eine Wirkung des Heiligen Geistes (Gal. 5, 22. 23). Sanftmut hat es nicht nötig, Kränkungen im Zorn heimzuzahlen oder Überlegenheit auszuspielen, sondern agiert vielmehr aus der Geborgenheit in Gott. Deshalb fällt Paulus auch nicht in das andere Extrem, Schmähungen und Konflikte stillschweigend hinzunehmen. Er sucht ohne Bitterkeit das offene Gespräch, wie es nur der kann, der bei Jesus Zuflucht genommen und die Freiheit seiner Sanftmut geschenkt bekommen hat. Wie zeigt sich diese Geisteshaltung in Galater 2, 11-20?

Anfang

MITTWOCH, 18.OKTOBER

2.KORINTHER 10, 3-6

In der Lutherbibel lautet die Überschrift »Verteidigung des Apostels gegen persönliche Angriffe«. Aber bei genauem Hinsehen stellen wir fest, dass Paulus sich nicht verteidigt, sondern vielmehr aktiv einen Kampf aufnimmt. Im griechischen Text ist von einem Angriffskampf die Rede. Unerhört kriegerisch mutet dieses Bild an. In der weiteren Ausführung wird aber deutlich, wie wenig es hierbei um Gewalt und menschliche Taktik geht. Die Waffen: Sie sind geistlicher Art, entsprechen dem Geist der Wahrheit und der Kraft des Geistes (V. 4; vgl. Joh. 16, 13; Eph. 6, 13-17). Die Etappenziele: Es geht um Aufdeckung falscher gegnerischer Urteile, Überführung von Irrlehren und Veränderung des von Gott gelösten Denkens hin zur Ausrichtung auf Christus (V. 5). Das Endziel: Sieg wird nicht in der Vernichtung des Gegners gesehen, sondern in seiner Umkehr (V. 6). Wenn nötig, wird Paulus Gemeindezucht üben. Seine Erwartung ist jedoch ganz auf einen guten Ausgang gerichtet. »Ja, Paulus kann hier aus persönlicher Erfahrung reden, war er doch selber einst eine Befestigung, die Gott widerstand. Aber die Waffe der Sanftmut und Güte des Herrn hat diese Paulusfeste zerstört. Wenn der Auferstandene diese Festung geschleift hat, mit wem wird er dann nicht fertig? . . . Uns aber soll hier eine Ahnung davon aufgehen, zu welch einer hoffenden und kühn einschließenden Haltung der christusfeindlichen Welt gegenüber wir als Christen aufgefordert sind. Ist es nicht beschämend, wie vorzeitig und hurtig wir resignieren und vor den gottwidrigen Gegebenheiten zu kapitulieren bereit sind, schon im engsten Familienkreis, geschweige denn im großen Völkergeschehen « (W. Lüthi)? Wir wollen uns von Paulus zum Kampf des Glaubens ermutigen lassen (1. Tim. 6, 11. 12). Und auch für uns persönlich gilt der Sieg des Auferstandenen, der unsere angefochtenen und aufrührerischen Gedanken wieder einmünden lassen kann in Gottes Plan und Willen. (Lies Luk. 24, 23-45; Phil. 4, 7; vgl. Ps. 94, 19.)

Anfang

DONNERSTAG, 19.OKTOBER

2.KORINTHER 10, 7-11

Im Grunde können wir diesen Abschnitt nur mit großer Betroffenheit lesen. Das gibt es also: Christliche Frömmigkeit, die so selbstsicher und exklusiv sich gestaltet, dass sie sogar einem Apostel Paulus und anderen Mitstreitern die Zugehörigkeit zu Christus abspricht. Aber niemals darf die eigene Heilsgewissheit und Erkenntnis dazu benutzt werden, um sich über andere zu erheben. »Ausschließlichkeitsanspruch wirkt verderblich, weil das Christsein des andern grundsätzlich bestritten wird. Das ist falsches, verderbliches, keinem Menschen zustehendes Richten« (H. Krimmer). Jesus sagt: »Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet« (Matth. 7, 1; lies Röm. 14, 10-13; 1. Kor. 4, 5; Jak. 4, 11. 12). Paulus kontert nicht, indem er nun im Gegenzug ihnen den wahren Glauben abspricht. Er kämpft ja nicht gegen, sondern um seine Widersacher! Auch heute ist diese Blickrichtung wesentlich. Wir könnten versucht sein, im Einsatz für das Evangelium gegen Menschen zu kämpfen. Unser Auftrag aber lautet, Menschen für Jesus zu gewinnen. Wir wollen deshalb nicht gegen jemanden zu Felde ziehen, sondern um ihn ringen. Gottes Gemeinde soll gebaut werden (vgl. Eph. 2, 22; 4, 12). Das gelingt nicht, wenn man andere schlecht macht oder verächtlich von dem spricht, was ihnen wert und wichtig ist. Seit Jesus für uns am Kreuz starb, sind wir gewiesen, den Feind zu segnen und für ihn zu beten (Luk. 6, 27. 28; vgl. Röm. 12, 14-21). Das wird sich auf unseren Ton und in einem respektvollen Verhalten auswirken. Darin erklärt sich, weshalb Paulus seine Vollmacht nicht drastischer unter Beweis stellt. Er will ja aufbauen, nicht zerstören. Deshalb kann er, wenn nötig, in seinem Auftreten Zurückhaltung üben und sich als Schwächling bezeichnen lassen. Deshalb scheut er zu gegebener Zeit die harte Auseinandersetzung nicht und wirbt auch hierbei um den Gegner. »Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse« (1. Kor. 4, 1).

Anfang

FREITAG, 20.OKTOBER

2.KORINTHER 10, 12-18

Noch immer gilt unser Interesse der Art, wie Paulus seinen Gegnern und damit den Feinden des Evangeliums begegnet. Es fällt auf, dass er keine Namen nennt und keine konkreten Vergehen öffentlich anprangert, um das wahre Gesicht der Kritiker zu entlarven. Seine Reaktion ist durchgängig hilfreich. Er stellt nicht Menschen bloß, sondern zeigt an seinem Beispiel auf, welche Motive es zu prüfen und zu durchschauen gilt. Nur zwischen den Zeilen erfahren wir etwas von dem beschämenden Sachverhalt. Jene Gegner, die von außerhalb mit eigener Empfehlung in die Gemeinde kamen (2. Kor. 3, 1), sind maßlos in ihrer Selbsteinschätzung. Obwohl sie an der Gemeindegründung nicht beteiligt waren, treten sie auf, als könnten nur sie die Gemeinde zur geistlichen Höhe führen. In Wahrheit aber verführen sie durch falsche Lehren, bewirken Spaltung und würden in Konsequenz die Gemeinde zerstören. Die Korinther haben inzwischen klare Position bezogen. Das war die gute Nachricht, die Titus von seinem Besuch mitbrachte (2. Kor. 7, 14. 15). Lassen sich auch die Gegner aufrütteln oder gar zurückrufen? Paulus legt dar, wie er seine Arbeit beurteilt: 1. Er führt nur aus, was Gott ihm zugemessen hat. 2. Anlass zum Ruhm ist für ihn nur der Herr, der Wollen und Vollbringen schenkt (Phil. 2, 13). 3. Er unterstellt sich dem Urteil Gottes. - Das ist ungeheurer Zündstoff, denn damit bezieht der Apostel nicht nur gegensätzliche Stellung, sondern bezeugt: o Es gibt Freiheit von der zerstörenden Macht der Selbstgefälligkeit! Wenn einer sich selbst zum Maß aller Dinge setzt, muss er sein Leben selbst bewältigen. Und auch die Folgen seines Versagens und seiner Misserfolge muss er allein tragen. Wie entsetzlich einsam und sinnlos stellt sich am Ende das Leben dar. Aber es gibt einen Ausweg bei Gott, der uns von uns selbst erlöst. (Lies Tit. 2, 11-14.)

Anfang

SAMSTAG, 21.OKTOBER

2.KORINTHER 10, 15-18

Das Zeugnis des Apostels enthält eine weitere gute Nachricht: o Es gibt Freiheit von der zerstörenden Macht der Menschengefälligkeit! Wie viele Abhängigkeiten gibt es in unserem Medienzeitalter unter dem Druck der öffentlichen Meinung! Aber nicht allein Politiker, Stars und Sportler stehen in Gefahr, sich zu Sklaven ihrer Wähler und ihres Publikums zu machen. Mitunter unmerklich unterstellen wir uns dem Lob und dem Tadel anderer. Plötzlich bestimmt der andere neben mir über den Wert meiner Person und meiner Arbeit. Doch das Urteil der anderen ist oft gnadenlos und unberechenbar. Wie entsetzlich schutzlos und sinnlos stellt sich am Ende das Leben dar. Paulus jedoch kann sagen: »Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich kein Diener von Christus« (Gal. 1, 10; lies 1. Thess. 2, 4-6). Paulus hat sich dem unbestechlichen Urteil Gottes ausgesetzt, seine Schuld erkannt, Gottes Vergebung und Freispruch angenommen. Als Kind Gottes und Gesandter Gottes weiß er: »Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin« (1. Kor. 15, 10; vgl. Röm. 3, 23. 24). Dennoch begnügt sich Paulus nicht mit dem, was er bisher erreicht hat. Unabhängigkeit von Eigenlob und Menschenlob setzt Kräfte frei für den Dienst. Der Apostel hegt große Pläne. »Wir haben aber die Hoffnung, wenn euer Glaube wächst, bei euch noch viel mehr Raum zu gewinnen, unserem Wirkungskreis gemäß, um das Evangelium auch in den Gebieten jenseits von euch zu verkündigen« (Vers 15b. 16; Schlachter-Übersetzung). Vermutlich denkt Paulus dabei an seine Reisepläne nach Rom und Spanien, die er mutig in Angriff nehmen will, wenn Gott dazu Türen öffnet (vgl. Röm. 15, 23. 24). »So königlich frei von aller Angst und Hetze, so göttlich unbekümmert um alle menschliche Wertung, Beurteilung und Kritik, darf der an seinem ihm zugewiesenen Teilstück arbeiten, der sich von Gott Maß, Ziel und Grenze setzen lässt« (W. Lüthi).

Anfang

SONNTAG, 22.OKTOBER

2.KORINTHER 11, 1. 2

Der erfolgreiche römische Feldherr Scipio wurde von seinen Neidern angeklagt, in einem Feldzug Kriegsgelder veruntreut zu haben. Auf dem Forum Romanum sammelte sich viel Volks, um der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Scipio erschien mit sechs Untergebenen, die alle Pergamentrollen mit den Rechnungen und Quittungen bei sich führten, welche seine Unschuld beweisen konnten. Er aber sagte: »Entweder glaubt mir mein Volk so, auf meine Person und meine Taten hin, oder es soll mich verurteilen! Werft die Rechnungen in das Kohlenfeuer!« Ein Beifall brandete auf, der keinen Zweifel ließ: Er hatte die Menge für sich gewonnen. Mit einer selbstbewussten, eindrucksvollen Geste gelang es Scipio, Vertrauen wiederherzustellen. Warum nimmt es sich bei Paulus so viel bescheidener aus? In der Frage nach seiner Glaubwürdigkeit als Apostel geht es letztlich nicht um ihn, sondern um Christus. Deshalb kann er schreiben: »Ihr gestattet mir sicher, wenn ich mich jetzt auch einmal so töricht verhalte wie die anderen. Ich werbe geradezu eifersüchtig um euch, so wie Gott um euch wirbt« (V. 1. 2b). Er beschreibt seine Rolle als die eines Brautwerbers für den Bräutigam Jesus Christus. (Lies Matth. 9, 15; Joh. 3, 29.) Damit aber ist Gewaltiges ausgesprochen. Schon im Alten Testament wird die Verbindung zwi- schen Gott und seinem Volk mit der innigsten menschlichen Beziehung im Bild von Verlobung und Ehe beschrieben (Hos. 2, 21; Jer. 3, 8. 20). Im Neuen Testament gewinnt dieser Vergleich eine endzeitliche Bedeutung. Jesus wird seine Braut, die Gemeinde, zu sich holen zum großen Hochzeitsmahl (Matth. 25, 10; Offb. 19, 7-9). Das Ziel ist ewige Gemeinschaft. Keinem »Nebenbuhler« soll es gelingen, diese Verbindung zu zerstören. Darum ist Paulus im guten Sinne eifersüchtig bemüht. Der lebendige Gott wirbt auch um uns: »Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte« (Jer. 31, 3).

Anfang

MONTAG, 23.OKTOBER

2.KORINTHER 11, 3. 4

Aus Sorge und Liebe erinnert der Apostel an die Taktik des »altbösen Feindes«, vor allem Misstrauen zu säen und Gott gegenüber zu entfremden. Das ist dem Apostel wichtig, denn »noch wirken die falschen Lehrer in Korinth, haben täglichen Zugang zum Ohr der Gemeinde, und das ist gefährdend« (H. Krimmer). Man nimmt ihre Reden hin, ohne zu bedenken, dass auf die Dauer neuer Schaden daraus erwachsen kann. Aber »wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle« (1. Kor. 10, 12). Wie verfänglich ist bis heute ein Spektrum an christlichen Überzeugungen, die deshalb anziehend wirken, weil sie die Botschaft von Jesus erweitern: Christus und Zeichen und Wunder, Christus und besondere Geist-Erfahrungen, Christus und Gefühl, Christus und andere Religionen, Christus und . . . Ein neuer Erwartungsdruck ist die Folge, der seinen Tribut fordert. Christus aber will für die Gemeinde EIN UND ALLES sein (Kol. 3, 11). Deshalb gehörte für Paulus zur Missionsarbeit sorgfältige biblische Unterweisung. (Vgl. Apg. 18, 11; 19, 8-10; 28, 30. 31.) Er verkündigte: o keinen anderen Jesus als Jesus von Nazareth, den verheißenen Christus und Sohn des lebendigen Gottes (Apg. 18, 5; Kol. 1, 15-17). Durch seinen Tod und seine Auferstehung gibt es Versöhnung mit Gott. (Lies Kol. 1, 18-20.) Er wird wiederkommen und alles vollenden (Phil. 3, 20. 21). o keinen anderen Geist als Gottes Heiligen Geist, Offenbarung des dreieinigen Gottes (2.Kor. 3, 17). Er nimmt im Glaubenden Wohnung, versetzt in einen neuen Stand und wirkt Umgestaltung (Eph. 1, 13. 14; Gal. 5, 22. 23). Er schenkt Gaben und Vollmacht zum Bau der Gemeinde (Eph. 4, 7; 1. Thess. 1, 5). o kein anderes Evangelium als die gute Nachricht von Jesus Christus als dem Gekreuzigten (1. Kor. 1, 17. 18; 2, 2). Es ist die Freudenbotschaft von der Gnade Gottes und der Rettung durch Jesus (Apg. 20, 24; Röm. 1, 16). Es ist die Einladung in die Gemeinschaft mit dem Vater und in Gottes Familie (Eph. 2, 17-22).

Anfang

DIENSTAG, 24.OKTOBER

2.KORINTHER 11, 5. 6

»Von dir ist mein Ruhm, mein Sagen, dein erwähn ich immerzu. Viel, die spotten meiner Plagen, höhnen, was ich red und tu; aber du bist meine Stärke: Wenn ich Angst und Trübsal merke, lauf ich dich an; gönne mir, fröhlich stets zu sein in dir« (P.Gerhardt). Den Herrn rühmen! Das war die Vorgabe, mit der Paulus die Auseinandersetzung mit den Gegnern aufnahm (2. Kor. 10, 17). In diesem Licht ist auch unser Textabschnitt zu sehen. Was der Apostel hier und im Folgenden zu seiner eigenen Person sagt, zielt nicht auf eigene Ehre, sondern dient einer notwendigen Klarstellung. Zwei Vorwürfe im Hintergrund geben vermutlich dazu Anlass: 1. Seine Gegner scheinen sich als eine Art Superapostel auszugeben, die im Gegensatz zu ihm über große Redekünste verfügen. Bei den Griechen stand Rhetorik in hohem Ansehen. Tatsächlich kann Paulus in dieser Hinsicht nicht mithalten und schätzt sich selbst als ungeschickter Laie ein. Aber wie verträgt sich ausgerechnet dieser Mangel mit der Arbeit eines Berufsredners? Das erscheint befremdend, sind wir heute doch vielfach gewöhnt, von Begabungen auf Berufungen zu schließen. Gott aber ruft und sendet nicht nach einem festen Schema, das menschlich logisch erscheint, wie Begabung, Berufung, Schulung, Sendung. (Vgl. Jer.1, 4-9.) Zahlreiche Lebensgeschichten zeigen, wie überraschend und souverän Gott vorgeht. Manchmal beruft Gott einen Menschen und beschenkt ihn auf dem Weg des Gehorsams mit bisher ungeahnten Gaben. Mitunter bleiben sogar gewisse Gaben und günstige Voraussetzungen aus, die nach unserer Meinung vorhanden sein müssten. So behält der Berufene Mängel, die seinen »Ruhm« schmälern. Aber geistliche Vollmacht ist davon nicht abhängig. Sie ist immer Gott gewirkte Gnade und erwächst aus dem Geheimnis zwischen Gott und seinem Diener. Und was Gotteserkenntnis betrifft, ist Paulus kein Anfänger. Das hat Gott bereits reichlich bestätigt. (Vgl. 1. Kor. 2, 4-16; Eph. 3, 4-7.)

Anfang

MITTWOCH, 25.OKTOBER

2.KORINTHER 11, 7-15

2. Paulus wird vorgehalten, für seinen Dienst kein Entgelt zu nehmen, obgleich für »Hauptamtliche« eine entsprechende Regelung gilt (1. Kor. 9, 13. 14; Gal. 6, 6). Schließt er sich damit nicht selbst aus dem Kreis der autorisierten Gottesboten aus? Widersprüchlich erscheint auch die Tatsache, dass er sich die Unterstützung durch mazedonische Brüder gefallen lässt (vgl. Phil. 4, 15). Ist seine viel zitierte Liebe zu Korinth nur vorgetäuscht (1. Kor. 4, 14; 15, 1; 16, 24)? Paulus klärt zunächst den Sachverhalt. Er verzichtet ja bewusst zu Gunsten der Korinther auf eigene Vorrechte. Gleichzeitig bewahrt er sich damit seine Unabhängigkeit. Das erscheint besonders notwendig im Vergleich zur Praxis seiner Gegner, die Unterhalt in Anspruch nehmen und auf diesem Weg Gewinne erhoffen (2. Kor. 2, 17). Sie spielen eine trügerische Rolle. Und nun sieht der Apostel den Zeitpunkt gekommen, auf den eigentlichen Machtkampf aufmerksam zu machen, der sich hinter allen Auseinandersetzungen verbirgt. Es ist Satans Art, zu betrügen und sich zu verstellen. »Jedes Amt wird nachgeahmt und hat ein unechtes Gegenbild neben sich, weil die Macht, die es verschafft, und die Ehre, die es bringt, den kranken Trieb im Menschen reizen « (A. Schlatter). Die Lügenapostel lassen sich als Werkzeuge des Widersachers Gottes gebrauchen. Das ist kein triumphierendes Schlusswort. Es sind aufrüttelnde, schwerwiegende Worte zur Warnung. Im Blick auf die Korinther ändert Paulus sein Verhalten nicht. Um der Liebe willen bleibt er bei seinem Vorsatz, auch in Zukunft auf finanzielle Hilfe zu verzichten. Er weiß sich anders geführt (1. Kor. 9, 18; 2. Kor. 11, 12). H. Bezzel schreibt: »Es ist etwas Großes, in einer Welt der Ungewissheit seines Weges und Zieles gewiss zu bleiben. Jeder Weg ist mir recht, auf dem ich Jesus weiß, jede Arbeit mir teuer, die ich für Jesus tue, jede Heimsuchung wird wert, wenn und weil sie von Jesus kommt.«

Anfang

DIE GESCHICHTE DAVIDS - DIE FLUCHT (II)

DONNERSTAG, 26.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 1-5; 23, 19. 20; 24, 1-4. 17-23

Der Verrat

Die Stadt und Wüste Sif lag südöstlich von Hebron, auf gleicher Höhe mit En- Gedi am Toten Meer. In dieser felsigen Gebirgsgegend gab es für David und seine Mitstreiter viele Möglichkeiten, sich vor Saul zu verstecken. Sechshundert Männer konnten dennoch auf die Dauer nicht verborgen bleiben. Die Späher der Sifiter verfolgten misstrauisch jede Bewegung der »Rebellen«, obwohl es sich herumgesprochen haben dürfte, dass David unfreiwillig in diese Lage geraten war, und Saul ihn zu Unrecht verfolgte. Warum verrieten die Sifiter dem König Saul, wo David sich gerade aufhielt? Fühlten sie sich bedroht? Wollten sie ihre Staatstreue unter Beweis stellen? Hatte Saul mit ihnen einen »Handel« abgeschlossen? Kaum jemand übt Verrat für nichts. Er hat seinen Preis. Judas erhielt dreißig Silberlinge (Matth. 26, 14-16). Sein Verrat kostete Jesus das Leben. Der Verrat der Sifiter hatte nichts weniger im Sinn: Der von Gott erwählte zukünftige König Israels sollte samt seiner Getreuen beseitigt werden. (Vgl. Richt. 16, 18- 21; 1.Sam.18, 21.25; Neh.6,1.2; Matth. 10,21. 22; Offb. 6, 9. 10.) Mögen sich die Sifiter vor Stolz über ihren Erfolg, David ausfindig gemacht zu haben, an die Brust geschlagen haben, so waren sie doch nicht mehr als Handlanger des Bösen, der alles einsetzt, um die guten Pläne Gottes zu vereiteln, weil er die Menschen hasst und ihre Vernichtung anstrebt - übrigens auch die tödliche Beseitigung der Verräter, wie man am Schicksal des Judas ablesen kann (Matth. 27, 3-5). - David war auf der Hut. Er kannte seinen Feind und ließ es nicht zu, sich erhaben und sicher zu fühlen. Er wusste um seine Schwäche und nahm seine Zuflucht bei Gott. (Lies Ps. 9, 10. 11; 13, 2-6; 16, 1; 71, 3.)

Anfang

FREITAG, 27.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 1-5

Ein kühner Plan

Manche Ausleger meinen, hier liege eine Variante dessen vor, was in Kapitel 24 schon berichtet wurde. Dagegen spricht allerdings, dass die Berichte nur in zwei Punkten übereinstimmen: der Verrat durch die Sifiter und die 3000 Elitesoldaten Sauls, mit deren Hilfe er David fangen wollte - eine nicht zu schlagende Übermacht für 600 wüstenmüde Männer. Doch David verkroch sich nicht in den hinterletzten Winkel. Er suchte genauso wenig die offene Konfrontation. Er wusste sich seinem Feind unterlegen, wie er einst - was das menschliche Vermögen anbetraf - auch Goliat nicht gewachsen war. Nur durch die Kraft Gottes ging er damals als Sieger aus dem Kampf hervor. Als David nun von seinem verborgenen Beobachtungsposten Sauls Lager in Augenschein nahm (V. 5), erstarrte er zwar nicht vor Angst wie die Maus vor der Schlange, wusste aber gleich, dass nicht Menschentüchtigkeit oder Heeresmacht hier etwas ausrichten konnte, sondern nur der Geist und die Kraft Gottes (Sach. 4, 6). Er zitterte also nicht vor Angst, wie einst die Israeliten beim Anblick des riesenhaften Goliat erbebten. David musste sich aber überlegen, wie er Saul dazu bringen konnte, kampflos das Feld zu räumen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste David etwas riskieren, das man als tollkühn und selbstmörderisch bezeichnen könnte, wäre er sich der Hilfe Gottes nicht sicher gewesen: »Ich habe den Herrn stets vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken.« - » . . . dieses habe ich erkannt, dass Gott für mich ist« (Ps. 16, 8; 56, 10). Diese Erkenntnis befreit von allem Druck in notvollen Verhältnissen, auch wenn die Umstände sich nicht zum Guten wenden. Wer will uns Schaden zufügen, wenn ein Größerer mit uns ist? Dazu 2. Chronik 32, 6-8 und Römer 8, 31-37.

Anfang

SAMSTAG, 28.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 6-12

Es war Nacht. Saul schlief im innersten Lagerring, umgeben von seiner Leibwache und 3000 tapferen Männern. Der König wollte sich ausgeruht in den Kampf begeben und nichts überstürzen. David war ihm sicher - so dachte er. Dieser rüstete sich währenddessen für seinen gefährlichen Gang und suchte noch einen, der seinen Mut teilte und mit ihm ging. Abischai war sein Neffe, der Sohn seiner Schwester Zeruja. Er war sofort bereit. Reizte ihn das Abenteuer? Wusste er, worauf es David bei diesem Unternehmen ankam? Dem Anführer der Sechshundert ging es nicht um Effekthascherei. Alles war gut durchdacht. Auf keinen Fall sollte es zu einem Blutvergießen kommen. Abischai dachte anders. Er bemerkte den Speer am Kopfende des schlafenden Saul, sah sich ihn in Gedanken ergreifen und eine spektakuläre Tat ausführen, die ihn zum Helden gemacht hätte. Glücklicherweise fragte er vorher seinen Befehlshaber um Erlaubnis (V. 8). Dank Davids Einspruch blieb Saul am Leben und konnte weiterschlafen. David ging es darum, Saul vor 3000 Zeugen zu beweisen, dass er nicht nach dessen Thron greifen und sich mit Gewalt die Herrschaft aneignen wollte, sondern nach wie vor seine Stellung anerkannte (vgl. Kap. 24, 6-9) und nicht gedachte, sein Leben anzutasten. David wählte nicht den Weg der Machtergreifung, sondern des Gehorsams. Darin unterschied er sich von allen Königen Judas und Israels. - Die Auseinandersetzung zwischen Macht und Gehorsam ist auch in der Landschaft der Gemeinden nicht unbekannt. Wie viele kleine »Königreiche« werden beansprucht und zäh verteidigt, obwohl es doch nur ein Königreich gibt, an dem wir alle beteiligt sind, miteinander verbunden in einem Leib, dessen Haupt unser aller König ist und dem wir gehorchen. (Lies Gal. 5, 13-15; Eph. 4, 11-16.)

Anfang

SONNTAG, 29.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 10-16

Gespräch mit dem Feind

Ob Abischai die Entscheidung Davids verstand und akzeptierte (V. 9)? Wie gern hätte er seinen Onkel an Saul gerächt, der diesem so viel Unrecht angetan hatte! Durch Sauls Schuld musste er solch ein unstetes und gehetztes Leben führen. David sah sich jedoch nicht berechtigt, den König dafür zu bestrafen. Er blieb dabei, dem Gott Israels und nicht seinen verletzten Gefühlen zu gehorchen: »Sicher wird ihn der Herr schlagen, wenn SEINE Zeit kommt, dass er sterbe.« Das zu sagen, ist David nicht leicht gefallen, denn er bittet Gott um Beistand, dass er an diesem Entschluss, sich nicht selbst zu rächen, festhalten kann (V.11a). Mit Sauls Speer und Wasserkrug in der Hand schlichen David und Abischai unbemerkt und unerkannt aus dem feindlichen Lager. Das Unternehmen war ihnen gelungen, weil sie einen dritten Bundesgenossen hatten: »Niemand sah es, und niemand merkte es, und niemand wachte auf. Denn sie schliefen alle, weil ein tiefer Schlaf vom Herrn auf sie gefallen war.« - Der nächtliche Einsatz diente allerdings nur zur Vorbereitung dessen, was sich nun abspielte. Die Gefahr eines blutigen Kampfes war noch nicht vorüber. David musste anhand seiner Trümpfe Saul und seine Krieger kampfunwillig machen. Er begab sich in sicherer Entfernung an einen Ort, von dem aus man ihn gut sehen und hören konnte. Er konfrontierte den gerade aus dem Schlaf erwachten Oberbefehlshaber Abner mit der Tatsache, dass dieser in der vergangenen Nacht in seinem Amt versagt hatte. War das nicht auch eine Botschaft an Saul, mit der David sagen wollte: Du kannst dich auf deine eigenen Leute nicht verlassen? Sie setzen durch ihren Leichtsinn dein Leben aufs Spiel und hätten den Tod verdient! Und da verfolgst du mich, der dir heute Nacht kein Haar gekrümmt hat, obwohl ich die Gelegenheit dazu hatte? (Lies 3. Mose 19, 18; Röm. 12, 19; 1. Sam. 18, 29; 2. Sam. 7, 9; 22, 1-3.)

Anfang

MONTAG, 30.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 17-20; PSALM 16, 5-7

Wie sollte David nur mit seinem Feind umgehen, der nicht von ihm ablassen wollte? Der Flüchtling wollte Frieden und Sicherheit, der Verfolger wollte beides nicht gewähren. Wenn sie sich aber gegenüberstanden, wurde Saul zahm wie ein Lamm, bekannte seine Schuld und ließ den Schmerz darüber erkennen, dass David nicht mehr bei ihm war: »Ist das deine Stimme, mein Sohn David?« Der König wusste um das Unrecht, das er David antat. Sein zerrissenes Herz aber ließ es nicht zu, seine Eifersucht auf ihn zu begraben. »Warum jagt denn mein Herr seinem Knecht nach?«, hört er David fragen. Ja, warum tut Saul das? Er kann es seinem Schwiegersohn nicht sagen. Sollte er etwa öffentlich zugeben, dass der Neid ihn jagte? Oder ist es der HERR, der Saul gegen David aufgebracht hat (obwohl ER doch erwiesenermaßen auf der Seite des Verfolgten stand)? Sollte es doch so sein, »so lasse man IHN ein Speisopfer riechen«, nämlich den »Geruch der Beschwichtigung « (vgl. 1. Mose 8, 20. 21). Steckten aber Menschen hinter diesen Mordplänen, sollten sie verflucht, d.h. von Gott getrennt sein, weil sie David mit ihren Absichten aus dem Erbteil Israel vertrieben. Das Land ist ja Eigentum des HERRN, hier wird ER angebetet. Außerhalb der Grenzen herrschen die Götterkulte. Wollte David notgedrungen im Ausland heimisch werden, müsste er dort den Göttern dienen und wäre von dem Gott Israels getrennt, ja abgeschnitten. Das aber ist für ihn unvorstellbar und nicht akzeptabel. Davids Feind verbrauchte vergeblich seine ganze Energie, um einem einzelnen »Floh« nachzujagen. Er würde ihn nicht fangen können. David war der Berufene des Höchsten, der sich seine Erwählten nicht aus der Hand reißen lässt. - Dieser Tatbestand ermutigt Christen, die von inneren oder äußeren Feinden bekämpft und schwer gebeutelt werden. In allen Zerreißproben behält Gott die Fäden in der Hand. Es lohnt sich, ihm zu vertrauen. Dazu Jeremia 17, 5-8; Klagelieder 3, 19-26; Lukas 22, 31. 32 und Johannes 10, 27-29.

Anfang

DIENSTAG, 31.OKTOBER

1. SAMUEL 26, 21-25

Die Werbung des Feindes

»Komm zurück, mein Sohn David!« Lass doch alles wieder so sein, wie es früher war, als du mir auf der Harfe vorspieltest und für mich in den Kampf zogst. Habe keine Angst, ich tue dir nichts! Lass alles vergeben und vergessen sein! - Möglicherweise wäre David nur zu gern darauf eingegangen. Er und seine Begleiter wollten endlich in Frieden und unbehelligt im Land ihrer Väter wohnen. Konnte er dem Bekenntnis des Königs trauen und seine Einladung annehmen? Das Angebot Sauls war gewiss verführerisch (vgl.Matth. 4, 8-10). Es wäre so einfach gewesen, sich die Hand zu geben und alles gut sein zu lassen. David ahnte aber, dass dieser Handschlag ihn dem sicheren Tod ausgeliefert hätte. Denn der Geist, der von Saul Besitz ergriffen hatte, kämpfte dafür, die Pläne Gottes scheitern zu lassen, gemäß derer kein anderer als David König über Israel werden sollte. Nein, David traute Saul nicht über den Weg. Dennoch konnte der König seinen Speer ruhig wiederhaben, wenn ihn jemand abholte (V. 22). Zweimal hatte David Saul verschont, weil er dessen Leben hoch achtete (V. 24). Wer aber hatte Acht auf sein Leben? »Der Herr möge mich erretten aus aller Bedrängnis.« David konnte sich keinem Menschen anvertrauen. Er war völlig auf Gott geworfen. Nur bei ihm fand er Hilfe und Rettung. Daran änderte auch das Abschiedswort Sauls nichts (V. 25). Segensworte aus dessen Mund entbehrten jeder Aufrichtigkeit. (Lies Ps. 34, 20; 37, 39. 40; 62, 1-8.) - Wir sind nicht weniger auf Gott geworfen. Doch ist auch für uns gesorgt: »Ihr habt (durch Christus) die Welt überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist« (1. Joh. 4, 4).

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang