IN GOTTES HÄNDEN GEBORGEN - PSALM 31

SAMSTAG, 1.OKTOBER

PSALM 31, 1-25

In Psalm 31 gibt David uns Einblick in sein Herz. Seine Worte spiegeln seinen Alltag wider. Wie Wellenberge, die immer neu heranrollen, kamen Verfolgung, Verleumdung, Gefahren und Schrecken über ihn. Wie bewältigte er diese bedrückenden Umstände? Wiederholt sprach er sein Vertrauen Gott gegenüber aus: »Auf dich, Herr, traue ich. - In deine Hände befehle ich meinen Geist. - Ich freue mich, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not« (V. 1. 6. 8). Wenn wir den Psalm im Zusammenhang lesen, fällt auf, mit welch getroster Gewissheit David seinen Weg geht: Mein Gott ist Herr der Geschicke und der Geschichte. Er hat mein Leben und alles, was sich auf diesem Erdenrund abspielt, in seiner guten Hand. Mit ihm kann ich über alles sprechen. Er schenkt mir seine bewahrende und rettende Nähe. Nicht die schutzlose Tiefe, in die David gestoßen wurde, hielt ihn gefangen. Nein, er war nicht verstoßen, Gott hörte und erhörte ihn. Der Herr richtete den Zerschlagenen durch seine Güte neu auf. War David eben noch der Verzweiflung nahe, so wird ihm jetzt bewusst: Ich bin von Gott geliebt, er übersieht mich nicht, er hört mich, wenn ich rufe. (Lies Ps. 94, 9; 2. Sam. 22, 7; Jes. 65, 24.) Vielleicht befindet sich jemand von uns in einer ähnlichen Lage wie David. Er darf wissen: Der Weg zu Gott steht mir jederzeit offen. Zu ihm darf ich immer kommen und meine Nöte vor ihm aussprechen. Er hört mich und kommt jedem, der ihm vertraut, mit seiner Güte entgegen. »Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser« (Ps. 19, 15; lies Ps. 28, 6. 7; 145, 1. 5-7).

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SONNTAG, 2.OKTOBER

PSALM 31, 2-7; 71, 1-5

David führt ein sehr intensives Gespräch mit Gott über seine notvolle Situation. Gleich dreimal bittet er den Herrn in den ersten Versen um sein rettendes Eingreifen: »Lass mich doch entrinnen, sei mein Retter, reiße mich heraus!« David spricht diese Worte mit großer Eindringlichkeit, die zeigt, unter welch massivem Druck er stand. Er markiert diese Dringlichkeitsstufe noch mit dem Zusatz »eilends«. David bittet um Gottes Führung, weil er seinen Weg allein nicht mehr sehen und gehen kann. Er bittet Gott, ihm sein Ohr zu leihen und auf sein Schreien zu hören und ihn doch aus dem verfänglichen Netz, das ihn umgarnt, zu befreien. »Bei dir, Herr, berge ich mich; lass mich ewig nicht zuschanden werden; rette mich nach deiner Gerechtigkeit.« »So wie David hier zu Gott ruft, so betet nur einer, der ganz unten ist und keinen Grund mehr sieht, selbstsicher zu sein. Er hat erkannt, dass ihm nichts anderes mehr bleibt, als auf den Herrn zu vertrauen, dass kein anderer mehr da ist, der ihm helfen könnte, als allein der Herr« (B. Peters). »Herr, auf dich vertraue ich.« Es ist ein Unterschied, ob jemand so spricht, wenn alles reibungslos läuft, oder wenn es ein dunkles Tal zu durchwandern gilt. Wie schnell sagen wir: »Herr, ich vertraue dir.« Sprechen wir es auch dann von Herzen aus, wenn Menschen uns verlassen (V. 12) oder wenn man uns vergisst (V. 13) oder wir verleumdet werden (V. 14)? Wenn wir uns Gott wirklich anvertrauen, bekennen wir damit, dass seine Wege mit uns gut und recht sind. Auch wenn uns der Boden unter unseren Füßen wankt, fallen wir nie tiefer als in seine bergende Hand. (Lies 5. Mose 33, 26. 27; 2. Chron. 16, 9a; Ps. 34, 8; 91, 4.)

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MONTAG, 3.OKTOBER

PSALM 31, 2-7; 62, 3. 7. 8

David setzt sein Vertrauen bewusst auf Gott: » . . . denn du bist mein Fels und meine Burg.« Es gab in Israel viele zerklüftete und ausgehöhlte Felsen, in denen der von Feinden gejagte David sich verbergen konnte. Unzählige Male benutzt er das Bild vom Felsen für seinen Gott und macht damit deutlich: Bei Gott bin ich sicher, geschützt und bewahrt. »Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke! Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz« (Ps. 18, 2. 3; lies Ps. 28, 1; 71, 3; 92, 14-16). David erwähnt auch in Psalm 31, 3, dass Gott für ihn wie eine Burg ist. Dort weiß er sich von Gott gewissermaßen in »Schutzhaft« genommen. Da ist er vor seinen Verfolgern in Sicherheit, aber auch vor sich selbst. »Wer sich selbst ein wenig kennen gelernt hat, der weiß, dass der größte Feind nicht der andere, sondern sein eigenes Herz ist. Ihm bedeutet es Freiheit, von Gott so beschlagnahmt zu werden, dass sein eigennütziger Wille gefangen ist« (B. Peters; vgl. 2. Kor. 10, 5). Die tiefe Geborgenheit, die David in Gott fand, korrespondiert mit der Bitte: » . . . um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.« Du, Herr, sollst groß herauskommen, weil du mit deinem Namen für mich bürgst. Die, die gegen mich agieren, sollen sehen, dass du dein Versprechen einlöst und dich auf meine Seite stellst, ja, dass du mich den besten Weg führst und leitest. (Lies Hes. 20, 8. 9. 14. 22. 44.) David weiß: Gott tut mir unverdient Gutes. Je mehr wir über Gottes unverdiente Güte nachdenken, umso größer wird unsere Dankbarkeit und unsere Liebe zum Herrn. (Lies Ps. 66, 1-4; 72, 18. 19.)

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DIENSTAG, 4.OKTOBER

PSALM 31, 5. 6; 25, 15

»Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.« Davids Feinde waren voller List und Intrigen. Mit immer neuen Attacken versuchten sie, ihm eine Falle zu stellen und ihn wie einen ängstlich flatternden Vogel in einem Netz gefangen zu halten. Diese bittere Erfahrung musste David wiederholt machen. (Lies Ps. 35, 7; 38, 13; 64, 6; 142, 1-8.) Doch mitten in der bedrängenden Situation erlebte er Gottes helfendes Eingreifen. »Unsere geistlichen Gegner sind alle vom gleichen Schlag. Sie versuchen, uns mit Tücke in die Falle zu treiben. Aber der Herr ist jeder Not gewachsen. Seine Allmacht zerreißt das Netz, das menschliche Klugheit gelegt hat. Wenn wir arme Wichte im Netz sind, Gott ist es noch lange nicht« (C. H. Spurgeon). David klammerte sich an Gott und stellte allen ihn bedrohenden Gefahren die Kraft seines Gottes entgegen: »Du bist meine Stärke.« Der Beter weiß sich im Bund mit dem, dessen schöpferische Kraft von niemandem überboten werden kann. Unsere eigene Kraft würde uns nur wenig nützen, Gottes Kraft aber reicht immer aus, um uns zu befreien. Sie ist jedem noch so feindlich massiven Angriff gewachsen. Als Jeremia von Zedekia, dem König von Juda, im Gefängnis festgehalten wurde, betete er: »Ach, Herr HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich; . . . HERR Zebaoth ist dein Name, groß von Rat und mächtig von Tat, und deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder, . . . und hast dein Volk Israel aus Ägyptenland geführt durch Zeichen und Wunder, mit mächtiger Hand, mit ausgestrecktem Arm und mit großem Schrecken« (Jer. 32, 17. 19. 21; lies Jer. 32, 27; Hiob 42, 2). Bis heute ist er derselbe starke Gott geblieben.

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MITTWOCH, 5.OKTOBER

PSALM 31, 6; LUKAS 23, 46

»In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.« Anstatt sich mit Sorgen über seine Zukunft zu quälen, vertraute David sein Innerstes den starken Händen Gottes an. Er stellte seinen Geist gewissermaßen unter die »Aufsicht« Gottes. Das könnte für uns heute heißen: Ich möchte nicht mehr nach meinen Vorstellungen schalten und walten. Ich merke, dass ich mich nicht selbst aus dem Labyrinth meiner Gedankenrunden befreien kann. Ich stelle mein Denken, mein Urteilen und Planen, mein ganzes Leben unter deine Regie. David gab sich ohne jeden Vorbehalt in die Hände Gottes. In diesem Vertrauen konnte er ruhig leben und auch ruhig ans Sterben denken. Er sprach es sogar als vollendete Tatsache aus, dass Gott ihn von seinen Feinden erlöst hat, obwohl sie ihn, wie die folgenden Verse zeigen, noch angriffen. »Wir sollten immer wieder neu unser Leben dem Herrn Jesus anvertrauen. Dann mag das Leben an einem seidenen Faden hängen, dann mögen die Schwierigkeiten zahllos wie der Sand am Meer werden - wir leben doch in Frieden, Zuversicht und Freude. Wir sind geborgen in Gott« (C. H. Spurgeon). (Lies 1. Petr. 2, 23; 4, 19; 2. Tim. 1, 12.) Nicht nur David betete diese Worte »Ich befehle meinen Geist in deine Hände!« Jesus selber machte sie sich in seiner schwersten Stunde am Kreuz von Golgatha zu eigen. Was sich hier wie ein gewaltiger Widerspruch anhört, kommt gerade in jener dunkelsten Stunde zusammen: äußerste Gottverlassenheit und innigstes Gottvertrauen. Auf dem Weg des Vertrauens kommen wir gewiss ans Ziel. So war es bei Jesus, so sehen wir es bei Stephanus, der mit denselben Worten unter dem Steinhagel seiner Feinde starb. (Lies Apg. 7, 54-60.)

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DONNERSTAG, 6.OKTOBER

PSALM 31, 7; JESAJA 26, 3

Schon zu Davids Zeiten mussten die Menschen sich entscheiden, ob sie es mit nichtigen Götzen oder mit dem lebendigen Gott halten wollten. Wenn David davon spricht, dass er die hasst, die sich an nichtige Götzen halten, »dann geht es nicht um Menschenhass und Menschenverachtung, sondern es geht um den radikalen Abschied von den Praktiken des Götzendienstes« (D. Schneider). David akzeptierte das Gedankengut und Handeln der Menschen nicht, die sich abergläubischem Denken und Brauchtum hingegeben hatten. Er nannte ihre Götzen »Nichtse des Nichts«, um ihre totale Wertlosigkeit deutlich zu machen. Er toleriert keine morschen Stützen, die nicht halten, was sie zu sein scheinen. Wie viel esoterisches Gedankengut und okkulte Praktiken durchziehen heute unsere Gesellschaft! Haben wir den Mut, uns für eine kompromisslose Jesusnachfolge zu entscheiden und uns bewusst - auch in der Öffentlichkeit - von satanischen Irreführungen zu distanzieren?! (Lies Jer. 8, 19-23; 14, 20-22; 1. Thess. 1, 8-10.) David spricht hier klar aus, worauf er sein Leben gründet: »Ich aber hoffe auf den Herrn.« Das mag heute für viele Menschen so unmodern klingen wie damals für David; aber er wagte es trotzdem, sein Vertrauen ganz auf Gott zu setzen. Bei ihm fand er festen Halt in den Wirren seiner Tage. Von seinem Gott wusste er sich gehalten bei allen Angriffen und in aller Anfechtung. Deshalb konnte er auch die wichtige Empfehlung weitergeben: »Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.« »Wie groß ist deine Güte, Herr, die du bewahrt hast denen, die dich fürchten, und erweisest vor den Leuten denen, die auf dich trauen.« »Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand« (Ps. 37, 5; 31, 20; Spr. 3, 5; lies Ps. 37, 38-40; Jes. 50, 10).

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FREITAG, 7.OKTOBER

PSALM 31, 8. 9; 18, 20.37

»Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not.« Die Hoffnung, die David auf Gott gesetzt hatte, wirkte sich bei ihm spürbar aus. Er konnte sich wieder freuen und fröhlich sein, weil er Gottes Güte erfahren hatte. Gott selber kümmerte sich um sein Elend und gab ihn nicht den Feinden preis. Wie oft hatte David Gottes helfende Hand erfahren! Saul und seine Leute kesselten ihn in der Wüste Sif ein, aber Gott gab ihn nicht in ihre Hände. Saul verfolgte ihn auf Schritt und Tritt, um ihn zu töten. Aber Gottes Augen wachten Tag und Nacht über David. Der Herr schützte ihn vor Saul. Gott kannte die unzähligen Ängste Davids und sah die Ausweglosigkeit. Aber im spannendsten Augenblick, als die Sache für David endgültig verloren schien, griff der Herr ein, um David zu helfen. Gott selber schaffte ihm den ersehnten weiten Raum. (Lies 1. Sam. 23, 14-28.) Immer wieder berichtet die Bibel darüber, dass Gott selber in höchst notvolle Situationen eingriff, um Menschen aus ihrer Bedrängnis in die Freiheit zu führen: Die drei Männer, von denen wir in Daniel 3, 20-30 lesen, entkamen unversehrt und sogar ohne einen Brandgeruch dem glühenden Feuerofen. Ähnlich erging es Daniel in der Löwengrube. Er bezeugte König Darius: »Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten« (Dan. 6, 11-29). Von den Aposteln wird uns berichtet, dass der Engel des Herrn in der Nacht die Türen des Gefängnisses öffnete und sie befreite (Apg. 5, 17-20). Auch uns kann er heute aus der Enge in den ersehnten weiten Raum führen.

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SAMSTAG, 8.OKTOBER

PSALM 31, 10-19; 34, 5

Dadurch, dass David festen Halt bei Gott gefunden hat und sich in Gottes guter Hand geborgen weiß, kann er nun einen ehrlichen Blick in die bodenlose Tiefe seiner Not wagen. David beschreibt sein tiefes Leid im Einzelnen. Er schüttet sein Herz vor Gott aus und fleht ihn geradezu stürmisch um Gnade an. Die Angst bedrängte ihn, er konnte nicht mehr klar sehen, er fühlte sich völlig kraftlos, gefangen in Kummer und Seufzen. Seine Bedränger verspotteten ihn, seinen Nachbarn war er zur Last geworden. Seine Bekannten dachten nur mit Schrecken an ihn und wandten sich von ihm ab. Er kam sich vor wie ein zerbrochenes Gefäß, das wertlos und nur noch zum Wegwerfen recht war. Er bemerkte, dass die ihm feindlich gesonnenen Menschen sogar vorhatten, seinem Leben ein Ende zu machen. Davids Gesundheit war ruiniert, der Ruf zerstört, das Leben in akuter Gefahr. Düsterer, trostloser und hoffnungsloser kann es wohl kaum im Leben eines Menschen aussehen. Dennoch gab David sich selber nicht auf. Er setzte allen Widerwärtigkeiten ein entschiedenes »Aber« entgegen: »Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen« (V. 15. 16a). »Während David noch klagt und sich das Todesurteil seiner Gegner vergegenwärtigt, ereignet sich in ihm die Wende durch das Gebet. Weil Gebet solch ein tief bewegtes Geschehen ist, ändert sich der Klang der Worte und mit ihnen die Situation des Beters. Die Veränderung besteht nicht darin, dass die Bedränger gewichen wären, sondern dass David selbst mitten in der Klage sich aufs Neue Gott ausliefert: Ich aber, Herr, habe auf dich vertraut. Du bist mein Gott « (D.Schneider). (Lies 1.Sam.1,6-20; Ps.25,2; 55,17-20; 57,2-4; 2.Tim.1,6-12.)

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SONNTAG, 9.OKTOBER

PSALM 31, 16; 139, 16

»Meine Zeit steht in deinen Händen.« Der souveräne Schöpfer und Herr dieser Welt hält unser kleines Leben in seiner starken Hand. »Wir sind kein herrenloses Gut am Strand des Schicksals. Wir werden auf dem Meer der Geschicke nicht sinnlos hin- und hergeworfen. Gott selber lenkt unser Leben auf sein großes Ziel hin« (C. H. Spurgeon). Welch starker Trost für angefochtene und besorgte Herzen! Das kommt auch in einem Lied zum Ausdruck:

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Der Verfasser, Peter Strauch, schreibt über die Entstehung dieses Liedes: »Jahresschlussgottesdienst in Witten. Jeder bekommt am Ende eine Spruchkarte. Auf meiner steht ein Bibelwort aus Psalm 31: Meine Zeit steht in deinen Händen. Treffender könnte das Wort nicht sein. Vor mir liegt ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Mein Terminkalender ist so dicht gefüllt, dass ich nicht weiß, wie ich die Zeit überstehen soll. Ungelöste Probleme kommen dazu. Dann dieses Bibelwort. Meine Zeit liegt in der Hand Gottes. Ich bin geborgen, kann mich entspannen, alles wird gut. Daraus entsteht ein Lied. Anfang Januar, im Ferienbibelkurs mit jungen Leuten, singen wir es zum ersten Mal.« - Zur persönlichen Vertiefung: Lukas 12, 16-31.

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MONTAG, 10.OKTOBER

PSALM 31, 17-19; 4.MOSE 6, 24-26

David erinnert sich in seinem Gebet an den aaronitischen Segen. »Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.« Unter Gottes persönlichem Segen und Geleitschutz - so können auch wir zuversichtlich in diesen Tag gehen. (Lies Ps. 4, 7-9; 67, 2. 3; 80, 4. 8. 20.) Dort, wo Gottes Angesicht über uns leuchtet, sind wir nie allein gelassen. Er hört unser Schreien und antwortet zu seiner Zeit. Er weist uns den Weg, wenn wir zu ihm rufen: »Hilf mir durch deine Güte! Herr, lass mich nicht zuschanden werden, denn ich rufe dich an« (V. 17. 18a). Zu ihm kommen wir nie vergeblich. Gott ist ja nur ein Gebet weit von uns entfernt. Martin Luther drückte es einmal sehr markant aus: »Greif nicht nach oben, wenn du Gott suchst, er ist nicht in luftiger Höhe, er ist bei uns im Schlamm und arbeitet, dass ihm die Haut raucht.« Wenn David in seinem Gebet Gott zum zweiten Mal bittet: »Lass mich nicht zuschanden werden« (V. 2. 18), ist das nicht ein Ausdruck des Unglaubens. Es ist vielmehr ein entschlossenes Rufen, ein vertrauensvolles Beten, das nicht müde wird in der Erwartung, dass Gott eingreifen wird, selbst wenn alles verfahren und hoffnungslos aussieht. Beharrlich bleibt David im Gespräch mit Gott, sodass ihm das Handeln der Gottlosen und derer, die Lügen verbreiten und sich stolz und frech geben, nicht schaden kann (V. 18b. 19). David hält sich an den, der das letzte Wort auch über ihrem Leben sprechen wird. Das gibt dem Beter tiefe Gelassenheit. (Lies Ps. 73, 1-17. 23. 24.)

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DIENSTAG, 11.OKTOBER

PSALM 31, 20-23; EPHESER 5, 19. 20

In Psalm 31 spricht David nicht weniger als viermal von der Güte Gottes. Der Beter schätzt sich glücklich, er freut sich von Herzen und jubelt darüber, dass über seinem Leben Gottes Güte, seine Freundlichkeit und sein Erbarmen walten (V. 8). Darum kann er auch in der Auseinandersetzung mit denen, die ihm nicht wohlgesonnen sind, an Gottes Güte appellieren (V.17) und darüber staunen, dass ihn der Herr kraft seiner Güte vor Bitterkeit bewahrt und im ehr- fürchtigen Vertrauen auf seine Hilfe erhalten hat (V. 20). Über so viel erfahrene Güte Gottes findet der Beter zur Anbetung seines wunderbaren Herrn (V. 22). Es ist ein großes Geschenk, dass David trotz schwerster Leid-Erfahrungen nicht hart und bitter wurde, dass das Lob Gottes in seinem Herzen nicht verstummt ist. Das ist menschlich nicht machbar, aber der Leidgeprüfte trägt die Verantwortung dafür, dass das Gespräch mit dem Herrn nicht abreißt, dass er seinen Blick immer wieder auf den richtet, der »gnädig und barmherzig« ist, »geduldig und von großer Güte« (Ps. 103, 8). In den harten Zerreißproben richtete David seinen Blick auf Gott, der gut zu ihm war. Keine noch so hohe Sorgenmauer, auch kein selbstverschuldetes Leiden (V. 11), konnte ihm den Blick für Gottes unermessliche Güte verbauen. »Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist« (Ps. 36, 6). An anderer Stelle bezeugt David: »Denn der König hofft auf den Herrn und wird durch die Güte des Höchsten fest bleiben« (Ps. 21, 8). Er hält im Auf und Ab des Lebens daran fest, dass »die Wege des Herrn lauter Güte und Treue sind für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten« (Ps. 25, 10).

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MITTWOCH, 12.OKTOBER

PSALM 31, 24. 25; 1. PETRUS 1, 8. 9

Nachdem David zum Lob über Gottes Güte aufgerufen hat (V. 22), fordert er uns zur Liebe gegenüber Gott auf. »Es kann niemand Gott loben, wenn er ihn nicht zuvor lieb gewonnen hat; ebenso kann niemand Gott lieben, wenn Gott ihm nicht aufs Liebevollste und Allerbeste bekannt ist. Wo aber erfahren wird, wie er ein solcher Gott ist, der in die Tiefe sieht und den Armen, Verachteten, Elenden, Jammervollen, Verlassenen hilft und denen, die gar nichts sind, da wird er einem herzlich lieb« (Martin Luther). (Lies Ps. 18, 1. 2; Luk. 7, 47.) Durch Gottes Liebe wurde Davids Leben reich und weit. Lieben wir Jesus? Er, der uns zuerst geliebt hat, sehnt sich nach unserer Liebe (1. Joh. 4, 19). Nicht unsere Aktivitäten für ihn sollen an erster Stelle stehen, sondern dem Herr selbst gehört der erste Platz. (Lies Luk. 10, 38-42; Joh. 14, 21. 23.) Am Ende von Psalm 31, nachdem David uns einen tiefen Einblick in sein Leben gegeben hat, fordert er uns auf: »Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harrt.« Es steht für David fest, dass Gott um all seine Belange weiß und ihn nie allein lassen wird. Das gibt ihm eine tiefe Gelassenheit, die auf Gottes Stunde warten kann. »Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien« (Ps. 40, 2; lies Jes. 33, 2; Klagel. 3, 25. 26). Christen, die im täglichen Leben auf den Herrn harren, die sein Handeln aktiv erwarten, sind auch hineingenommen in das Warten auf jenen Tag, an dem er wiederkommen wird. »Nur noch eine kleine Weile, dann wird er, der da kommen soll, erscheinen und nicht mehr auf sich warten lassen« (D. Bonhoeffer). Mit dieser herrlichen Zukunftsaussicht können auch wir getrost und unverzagt in jeden neuen Tag gehen.

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- GALATER 3,15-4, 20

DONNERSTAG, 13.OKTOBER

GALATER 3, 15-20; 1.MOSE 15, 1-6

In seinem Brief an die Galater kämpft Paulus um die Wahrheit des Evangeliums. Die Christen damals waren in Gefahr, mit ihrem Glauben auf Abwege zu geraten - nicht zurück in die Welt, sondern hin zu einer Frömmigkeit, die sich aus einer Werkgerechtigkeit verstand und sich nicht mehr allein auf die von Gott geschenkte Gnade stützte. Es ging um ein »Jesus Und«. Die Galater meinten auf einmal, dass Jesus allein nicht genügte, um tatsächlich zum Volk Gottes dazuzugehören. Es mussten noch bestimmte Bedingungen aus den jüdischen Gesetzesvorschriften erfüllt werden. »Das stimmt nicht!«, ruft Paulus ihnen zu, »Jesus hat doch schon alles für eure Rettung getan! Glaubt von ganzem Herzen und ausschließlich an ihn, und ihr werdet leben!« (Vgl. Gal. 3, 1-3. 6-9; Eph. 2, 8. 9.) Noch einmal greift Paulus auf den Abraham-Glauben zurück, indem er den Bund Gottes mit Abraham mit einem rechtskräftig festgelegten Testament, das verbindlich geachtet wird, vergleicht. Niemand wird etwas hinzufügen oder streichen (V. 15). Auch wenn das Gesetz Gottes 430 Jahre nach Abraham hinzugefügt wurde, setzt es doch den Glaubens-Bund mit Abraham nicht außer Kraft (V. 17)! Denn die Verheißung der Nachkommenschaft an Abraham - z. B. in 1. Mose 22, 17. 18 - zielt letztlich nicht auf die vielen einzelnen Nachkommen Abrahams, sondern auf den Einen, auf Jesus Christus (V. 16). Durch Jesus und Jesus allein werden alle, die sich ihm anvertrauen, Gesegnete sein. »Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus« (Eph. 1, 3). Welch ein Vermächtnis, welch ein Testament halten wir da in Händen! Gott möchte uns mit Epheser 1, 4-14 unser »Erbe« ins Herz und ins Leben schreiben. Markieren wir ruhig einmal in unserer Bibel, was er uns alles geschenkt hat!

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FREITAG, 14.OKTOBER

GALATER 3, 18-24; PSALM 139, 17

Paulus will den Galater-Christen die Weite göttlichen Planens und Handelns erschließen, damit sie aus dem engen Horizont ihres gesetzlichen Denkens herausfinden. »Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken.« Dem werden wir wohl zustimmen, wenn wir uns mit diesem Brief beschäftigen. Dennoch soll uns die Tiefe und Weite der Gedanken Gottes nicht verborgen bleiben, auch wenn seine Gedanken wirklich höher sind als unsere (dazu Jes. 55, 8-11). Das zu erkennen soll uns ins Staunen und in die Anbetung versetzen. Die Weisheit Gottes werden wir nicht ausloten. Und doch heißt es: »In Christus sind verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis« (lies Kol. 2, 2-4). Mit Jesus ist uns dieser geistliche Reichtum ganz nahe gekommen. Der Heilige Geist in uns wird die »inneren Augen unseres Herzens« öffnen, damit wir mehr und mehr für die »geistlichen Güter« und deren Urheber Verständnis und Einsicht gewinnen (lies Eph. 1, 18-20). Paulus ist dabei, den Galatern die Funktion des Gesetzes zu erklären. Sie sollen verstehen, dass die göttliche Verheißung, die Abraham erhalten hat, das Gesetz überbietet. Die Verheißung hat Abraham ein Erbe zugesprochen, ohne dass er etwas dafür leisten musste. Es ist ein Geschenk. Das Gesetz schenkt nichts, sondern fordert unbedingten Gehorsam und die Bestrafung des Ungehorsamen. »Was soll nun das Gesetz? Es wurde um der Übertretung willen hinzugefügt, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt«, nämlich Jesus Christus, der die Bestrafung der Gesetzesübertreter auf sich selbst genommen und die Glaubenden von aller Schuld freigesprochen hat. Nebenbei erfahren wir, dass das Gesetz durch Engel angeordnet und durch Mose vermittelt wurde (siehe Hebr. 2, 2; Apg. 7, 38. 53; 5. Mose 5, 1-5). DieVerheißung aber ist ohne Mittler direkt von Gott Abraham zugesprochen worden. Sie überbietet das Gesetz.

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SAMSTAG, 15.OKTOBER

GALATER 3, 21-29

Auch wenn die Zehn Gebote dem Mose von Engeln übergeben wurden, ist es doch Gottes Gesetz. Seine Engel werden nichts anderes vermitteln wollen als er selbst. Mit dem Gesetz wird aber die Verheißung nicht aufgehoben. Es kann ja nicht das geben, was die Zusagen Gottes bringen: Leben. Leben in diesem Sinn ist nur möglich, wenn der Mensch seine Sünden los ist und Jesus Christus ihn gerechtfertigt hat. Das geschieht durch Glauben. Darauf kommt es an. Die Galater sollen nicht den Boden des Glaubens verlassen. Das tun sie aber, wenn sie meinen, dem Namen »Jesus« noch ein »Und« hinzufügen zu müssen. Das Gesetz ist gut und hat seine bestimmte Aufgabe in der Heilsgeschichte. Denn wie anders hätte der Mensch seine Schuld vor Gott erkannt, seine umfassende Unfähigkeit, den Willen Gottes erfüllen zu können, und seine unbedingte Erlösungsbedürftigkeit? Wie anders hätte er erkennen können: »Ich bin ein elender Mensch. Ich weiß, dass in mir wirklich nichts Gutes wohnt.« »Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden« (V. 24). Wenn das geschehen ist, ist der »Zuchtmeister« abgelöst, »denn ihr alle seid Kinder Gottes durch den Glauben an Christus Jesus« (V. 26). Jetzt schafft er in uns, was Gott an uns sehen will. (Lies Phil. 2, 12b-15; 1. Thess. 5, 23. 24; Hebr. 13, 20. 21.) Glaube an Jesus und du bist gerechtfertigt. Denn er selbst hat für dich alles getan. Er ist deine Gerechtigkeit. Welch eine Erleichterung, welch eine Befreiung für jeden, der darauf vertraut - er sei Jude oder einer aus den Völkern; er sei ein unbedeutender Mensch oder ein Großer; er sei ein Mann oder eine Frau; da gibt es keinen Unterschied. »Denn ihr seid in Christus zusammengeschlossen und gehört deshalb zur Nachkommenschaft Abrahams.«

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SONNTAG, 16.OKTOBER

GALATER 3, 27; KOLOSSER 3, 9b-11

»Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt Christus angezogen.« Das will Paulus den Galatern wieder in Erinnerung bringen. Sie sind getauft worden. Die Taufe erschöpft sich nicht in einem Ritus. Sie ist ein klares und eindeutiges Bekenntnis zu Jesus vor der ganzen Gemeinde und vor Gott. Paulus ermahnt die Galater: Hört einmal her! Ihr seid bei der Taufe mit dem Tod des Herrn Jesus Christus eins geworden. Ihr seid - geistlich gesprochen - mit ihm zusammen gestorben und begraben worden. Mit ihm zusammen seid ihr auch wieder auferweckt worden zu einem neuen Leben in Christus. So innig ist eure Beziehung mit ihm - gewesen? Habt ihr nicht Christus »angezogen«? Wollt ihr ihn wieder ausziehen? Gefällt euch sein Gewand nicht? Die Galater werden das sicher abstreiten: Nein - wir wollen noch bessere Christen werden. Wir wollen ihm näher kommen, sein Geheimnis tiefer ergründen. - Vielleicht wollten sie auch durch ihren religiösen Eifer mehr Ansehen in der Gemeinde finden und mit sich selbst zufrieden über ihren Einsatz sein. So ist Christus aber nicht »angezogen« - und auch nicht sein Jünger. Er trägt ein »schlichtes, unauffälliges Kleid«, und fällt doch auf in seiner Art, Gott und den Menschen zu begegnen. Er macht nicht viel Aufhebens um seine Erscheinung und darüber, wie er seinem Glauben Ausdruck verleiht. Er lebt ihn einfach und hält sich bei seinem Meister auf dem Laufenden, indem er sich z. B. immer wieder Kolosser 3, 12-14 vor Augen hält. Das ist die »Jesus-Garderobe«. Die wollen wir heute nicht im Schrank hängen lassen, sondern wirklich anziehen. Da wird nicht eine »fromme Schau abgezogen«, sondern durch Jesus erneuerte Menschen sind erfrischend und wohltuend anders als »alle Welt«. Dazu Matth. 5, 13-16; Philipper 2, 15; 4, 8.

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MONTAG, 17.OKTOBER

GALATER 4, 1-7; KOLOSSER 2, 8. 15. 20

Auf immer neue Weise versucht Paulus den Galatern klarzumachen, dass sie durch den Glauben an Christus zur Nachkommenschaft Abrahams gehören und damit dem Volk Gottes einverleibt sind. Sie müssen dazu nichts mehr tun. Hier nun stellt der Apostel einen Vergleich mit dem römischen Erbrecht an, um das Einst und Jetzt im Leben der Galater zu beschreiben. Ein Gutsherr hat seinen Sohn als Erben eingesetzt. Wenn der Vater stirbt, ist der Sohn noch nicht volljährig. Deshalb wird ein Vormund eingesetzt. Der Sohn ist zwar reich, aber sein Erbe unerreichbar. Was die Rechte anbelangt, ist der Sohn nicht mehr als ein Sklave. Er muss auf den festgesetzten Termin warten, bis er über sein Erbe verfügen kann. An diesem Tag muss der Vormund den Sohn freigeben. Er hat nichts mehr zu bestimmen, was den Erben betrifft. »So waren auch wir, als wir unmündig waren, unter die Elemente (Mächte) der Welt versklavt.« Paulus wendet nun das Beispiel an: Die Zeit des Erben unter der Regie des Vormunds vergleicht er mit dem Leben unter dem Gesetz oder unter den heidnischen Göttern. Das sind die Elemente oder Mächte der Welt, die den Menschen unfrei sein lassen. Die »Mächte dieser Welt« ist ein universaler Begriff, der alles einschließt, was die Gottesherrschaft über den Menschen behindert oder zerstört. Ob es nun um ein religiös geprägtes Leben geht oder um ein Leben unter dem Gesetz mit seinen Leistungszwängen, es ist kein freies, sondern ein eingeschlossenes Leben. Erst recht wird der Lebenswandel im Heidentum für den Menschen zum Sklavenhaus. Er ist nicht sein eigener Herr, wie er annimmt. Aber dann, »wenn der Sohn Gottes euch frei macht, seid ihr wirklich frei«. (Lies Joh. 8, 31-36; Luk. 1, 68-75.)

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DIENSTAG, 18.OKTOBER

GALATER 4, 1-11; 5, 1

Paulus schrieb an die Philipper: »Ich vergesse, was dahinten ist, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist« (3, 13). Das ist eine wichtige »Gehhilfe« für den Glaubensweg. Es hilft nicht, immer wieder das Alte hervorzuholen und darüber zu grübeln. Wenn aber die Segel des Glaubens schlaff am Mast hängen, ist es unter Umständen angebracht, über das Einst und Jetzt nachzudenken. Wie sah das Leben ohne Jesus aus? Wie war es denn, als wir dem Trend des Zeitgeistes verfallen waren? Möglicherweise lebten wir ein wohlgeordnetes und anständiges Leben und waren damit zufrieden. Eigentlich war eine Änderung nach unserem Empfinden nicht nötig - bis das Licht des Heiligen Geistes das Sündige zum Vorschein brachte und wir erschreckt erkannten: So kann ich einmal nicht vor dem heiligen Gott erscheinen. Der Graben zwischen ihm und mir ist viel zu tief. Wir gingen zum Kreuz und beugten uns tief vor dem, der für uns starb. Wir erlebten, wie Lasten von uns abfielen, und wurden froh und hoffnungsvoll. Nun sind wir müde geworden und überlegen, ob es sich lohnt, weiterhin am Glaubensweg festzuhalten. Das Leben ohne Gott scheint uns verlockend zuzuwinken: »Komm zurück, und du bist frei von allen christlichen Zwängen.« (Dazu 4. Mose 14, 3. 4; 11, 5. 6.) Können wir wirklich hinter das zurück, was wir einmal ganz bewusst verlassen haben? Nein, es gibt kein Zurück. Wer über das Kreuz ins neue Leben eingetreten ist, kann das nicht ungeschehen machen. Aber etwas anderes ist möglich, und die Galater waren im Begriff, dies zu tun: Wir können uns neuen oder alten »Vormündern« beugen und in eine Gefangenschaft geraten und Lasten tragen, die Gott für uns nicht vorgesehen hatte. (Lies Eph. 4, 11-16; Hebr. 11,9; 2.Kor.1,21. 22.)

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MITTWOCH, 19.OKTOBER

GALATER 4, 4-11. 19

»Als aber die Zeit erfüllt war . . . « - Wie der Vater in seinem Testament einen bestimmten Zeitpunkt festgesetzt hat, an dem seinem Erben die Vollmacht über den väterlichen Besitz übergeben werden soll und er damit in alle Sohnesrechte eingesetzt wird, so hat Gott einen Zeitpunkt festgesetzt, an dem er den Mächten dieser Welt und auch dem Gesetzesweg einen Punkt setzte. Denn beides - die Anpassung an die Welt und ein Leben, das sich auf festgelegte Vorschriften stützt (V. 10) - bescheren uns ein drückendes Joch. Gott sah und sieht die geheime und offenkundige Sklaverei, in die wir uns durch unseren Eigensinn hineinmanövrieren. Er sandte seinen Sohn, um den Gefangenen die Freiheit zu bringen. Jesus musste in die menschlichen Verhältnisse hineinsteigen und die alles zerstörende Sünde an sich selbst erleiden bis zum Tod. Er wurde in das Volk, das unter dem Gesetz lebte, hineingeboren, um es in die Freiheit zu führen. Aus den Unmündigen sollten Kinder Gottes werden. Das galt auch für die einst heidnischen Galater: »Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater.« Diese Vater-Sohn-Beziehung beendet jeden Sklavendienst und berechtigt, in die Reihen der »Himmelserben« einzutreten (V. 7; lies 1. Petr. 1, 3. 4). Allerdings: »Ihr wisst, um welchen Preis ihr freigekauft seid, damit ihr nun nicht mehr ein sinn- und nutzloses Leben führen müsst . . . Nicht mit Silber oder Gold seid ihr freigekauft worden - sie verlieren ihren Wert - sondern mit dem kostbaren Blut von Jesus Christus, der rein und ohne Sünde zum Opferlamm Gottes wurde« (1. Petr. 1, 18. 19). Ob sich die Galater wirklich noch dieses Opfers bewusst waren? Paulus befürchtet jedenfalls, dass seine ganze Mühe, ihnen das Evangelium zu erklären, damit sie ihr Leben danach ausrichteten, umsonst war. (Dazu Phil. 2, 16; 1. Thess. 3, 5; Jes. 49, 4.)

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DONNERSTAG, 20.OKTOBER

GALATER 4, 12-20; JESAJA 40, 28-31

Seine erste Begegnung mit den Galatern, auf die Paulus nun zu sprechen kommt, wurde von einer Krankheit des Apostels überschattet. Er fühlte sich schwach und elend. Aber seine Botschaft war mit göttlicher Kraft erfüllt (Röm. 1, 16). Er konnte nicht mit seiner äußeren Erscheinung imponieren. Das Evangelium stellte ihn in den Schatten. Das war ihm recht so. Gott richtet sich bei der Wahl seiner Boten nicht nach menschlichen Idealvorstellungen, die oft recht unbarmherzig sind. Er setzt andere Maßstäbe an, die geeignet sind, dass seine Kraft herausgestellt und geehrt wird. Man kann sich denken, dass Paulus sicher gern weniger anfällig für Krankheiten gewesen wäre. Er musste es aber lernen, mit seiner Schwäche zu leben und zu arbeiten (siehe 2.Kor. 12, 7-10). Der wird eher sein ganzes Vertrauen auf Gott setzen, der seine Schwachheit erkennt und annimmt. Paulus erlebte es an sich selbst, wie leicht der Mensch sich selber rühmt. Darum sagte er ja zu seiner Behinderung, zumal sie ihn noch enger an seinen Herrn band. Als er zu den Galatern kam, befürchtete er wohl, sie würden sich seines schlechten Zustandes wegen von ihm abwenden. »Obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet . . . , sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus« (vgl. 2. Kor. 5, 20). - Das Erleiden körperlicher Schwäche kann auch ein Prüfstein dafür sein, in welchem Maß Jesus Christus in uns lebt. Es gibt Christen, die sich so intensiv mit ihren Krankheiten beschäftigen, dass sie es nicht für möglich halten, dass der Herr auch sie gebrauchen kann. Paulus erlebte seine körperlichen Grenzen als harte Anfechtung, doch er schaute auf Jesus und rechnete mit seiner Auferstehungskraft - Tag für Tag, Stunde für Stunde. So blieb er dem Auftrag des Herrn treu. (Lies 2. Tim. 4, 5-8; Apg. 20, 24; 21, 13.)

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FREITAG, 21.OKTOBER

GALATER 4, 15-20

Eine tiefe geistliche Beziehung kennzeichnete damals das Verhältnis der Galater zu Paulus. Sie sahen in ihm den bevollmächtigten Boten, den Gesandten von Jesus Christus selbst. Dankbar nahmen sie die Heilsbotschaft auf, die er ihnen brachte. Ihre Liebe zu Paulus war echt; sie ist daran zu erkennen, dass sie nicht auf sein elendes Äußere sahen, sondern in Paulus den sahen, der ihn gesandt hatte. Die Galater-Christen nahmen den Apostel auf, pflegten ihn, hörten ihm zu und lernten von ihm. Sie vertrauten ihm und sahen in ihm ihren geistlichen Vater. Warum konnte das nicht so bleiben? Paulus stellt den Galatern eine Frage, die auch uns sehr nachdenklich machen sollte: »Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage?« Jesus selbst ist die Wahrheit (Joh. 14, 6) und damit maßgebend für alle Aussagen, die den Anspruch erheben, wahr zu sein. Wie sehr knirschten die jüdischen Vertreter und Verfechter ihrer Glaubensauffassung mit den Zähnen, als Jesus ihnen die Wahrheit sagte! In den meisten Würdenträgern entbrannte eine tödliche Feindschaft gegen den Sohn Gottes (Luk. 4, 28. 29; Matth. 12, 13. 14). Paulus erlebte einst an sich selbst, wie die Lehre des Jesus von Nazareth sein Innerstes durchbohrte und ihn, den vorbildlichen Pharisäer, zu blindem Hass und blutiger Verfolgung derer antrieb, die an Jesus glaubten - bis die Wahrheit Gottes ihn von seinem Irrtum befreite. Fühlten sich die Galater nun wie auf einem verbotenen Weg erwischt, als sie die Argumente ihres geistlichen Vaters gegen die neuen Lehrer hörten, aber die Faszination der anderen Lehre nicht loslassen wollten und nun mit solcher Ablehnung gegen die Ermahnungen des Paulus reagierten? - Wie oft wollen wir etwas nicht wahrhaben, was aber unbestechlich wahr ist? (Lies Luk. 23, 39-43; Joh. 14, 1-10; 20, 25-27.)

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SAMSTAG, 22.OKTOBER

GALATER 4, 17-20

»Sie eifern um euch nicht gut« - zwischen die Galater und Paulus traten Leute, die das Evangelium des Apostels angriffen und mit »Korrekturen« versahen: Was euch dieser Mann gesagt hat, ist nicht ganz richtig. Es gibt da einige wichtige Vorschriften, die ihr zusätzlich noch beachten müsst, um vollgültige Mitglieder des Volkes Gottes zu sein. Ihr müsst selber auch etwas tun, um von Gott wirklich angenommen zu werden (V. 9. 10). Dagegen setzt der Apostel: Es ist nicht in Ordnung, wie sie euch umwerben. Sie versuchen, euch mir zu entfremden, um auf diese Weise eure Aufmerksamkeit leichter auf sich zu ziehen. Ein englischsprachiger Ausleger notierte dazu: »Die Irrlehrer erhoben den Anspruch auf Autorität in religiösen Fragen und behaupteten, Experten des Judentums und des Christentums zu sein. Indem sie den Wunsch der Gläubigen ansprachen, das Richtige zu tun, gewannen sie zahlreiche Anhänger. Paulus sagte, dass sie sich im Irrtum befanden und aus selbstsüchtigen Motiven handelten. Irrlehrer wirken oft respektabel und überzeugend. Deshalb müssen alle Lehren anhand der Bibel überprüft werden.« Wie wichtig, dass wir unsere Bibel gut kennen! Dass wir nicht nur über einzelne Verse und kleine Abschnitte nachdenken, sondern die ganze Bibel im Zusammenhang, Kapitel für Kapitel, lesen. (Vgl. Luk. 24, 25-27. 32.) Wir werden nicht immer alles sofort verstehen. Und doch werden wir gesegnet. Wir werden vom Geist Gottes geführt und geprägt und befähigt zu unterscheiden, was der »gesunden Lehre« entspricht und was nicht. (Vgl. 2. Tim. 3, 14-16; 4, 3-5.) Nichts verdient unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und Hingabe so sehr wie das Wort Gottes. In Psalm 19, 8ff erfahren wir, was wir persönlich davon haben. Jesus selbst prägte es seinen Jüngern tief ein: »Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen« (Mark. 13, 31).

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EIN LEBEN FÜR DEN HERRN DER WELT -

2. KORINTHER 5,11-6,10

SONNTAG, 23.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 11-13

»Das Wissen um eine Beurteilung unseres Lebens und Dienstes durch Jesus Christus am Ende unserer Tage bewahrt vor gefährlicher Selbstzufriedenheit.« Dieser gedankliche Rückblick auf 2. Korinther 5, 10 verbindet uns mit dem nun folgenden Abschnitt. Paulus handelt in Ehrfurcht vor Gott, dem unbestechlichen Richter, wenn er Menschen für Christus gewinnen will. Der Apostel kann dies mit reinem Gewissen bezeugen, mögen seine Kritiker ihm auch eigensüchtige Ziele unterstellen. (Vgl. 1. Kor. 9, 1-3.) Er möchte aber auch, dass die Gläubigen in Korinth seine wahre Einstellung erkennen. Ähnlich wie in 2. Korinther 3, 1 will er sich auf diese Weise nicht mit Eigenlob einschmeicheln, sondern Argumente für die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern bieten. Seine Liebe zu Gott und die Sorge um die Gemeinde sind in seinem Dienst die entscheidende Antriebskraft. So kann er besonnen auftreten, um Menschen geduldig mit dem Evangelium bekannt zu machen. Er weiß andererseits von Situationen, in denen er und seine Mitarbeiter »außer sich« waren. Ein Beispiel könnte die Auseinandersetzung in Apostelgeschichte 26, 24 sein, bei der Festus urteilt: »Paulus, du bist von Sinnen! Das große Wissen macht dich wahnsinnig.« Wie oft wurde in der Geschichte der entschiedene Einsatz für Jesus und das mutige Zeugnis von ihm als maßlos übertrieben eingeschätzt. Aber: »Wer immer die Liebe des Herrn Jesus Christus erfahren hat, der wird von ihr gepackt und verhaftet, wird an die Arbeit gestellt und angetrieben - bis zum Letzten. Die Ahnungslosen stehen immer nur kopfschüttelnd, weise Sprüche machend und zur Mäßigung ratend oder aber empört in der Landschaft herum, wenn sie einem Menschen begegnen, den die Leidenschaft der Liebe Gottes zu den Menschen entzündet hat. Die Ahnungslosen - das sind die, die sich die Liebe des Gekreuzigten nie schenken ließen, die nie etwas von der beseligenden Freiheit im Dienst für ihn erfuhren« (U. Parzany).

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MONTAG, 24.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 14. 15; RÖMER 14, 7-9 Paulus ist erfüllt von der Liebe, die ihm in Jesus Christus begegnet. Sie bedeutet für ihn nicht in erster Linie ein beschwingtes Gefühl, sondern die überwältigende Tatsache: Christus starb für mich. Als Sohn Gottes besaß Jesus dazu Vollmacht. Wir wissen aus unserem säkularen Umfeld, dass die Handlung eines bevollmächtigten Stellvertreters gilt, als hätten wir diese selbst getan. Entschuldigt sich ein Politiker für Kriegsvergehen an einem anderen Volk, so schließt diese Entschuldigung jeden Einzelnen des vertretenen Landes ein. Weitaus umfassender gültig ist der Tod von Jesus. »Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben.« Das ist unser Fundament, das nie ins Wanken gerät. Die Todesstrafe, die ich verdient habe, erlitt ein anderer. Dennoch gelte ich als gestorben und darf durch den, der auferstand, ebenfalls leben. Aber kann ich nun weiterleben, als wenn dies nicht geschehen wäre? Paulus antwortet: Das Sterben von Jesus bedeutet das Ende alles Sich-selber- Lebens! »Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.« So bezeugt Paulus in Apostelgeschichte 20, 24 seine Bereitschaft, in seinem Leben Gottes Angelegenheiten als vorrangig einzustufen. Heute treffen wir an vielen Orten auf ein abgestandenes, langweiliges Christentum. In manchen Kreisen kommt man vorwiegend zusammen, um zu spielen oder sich unterhalten zu lassen. »Doch Gott hat uns nicht für ein solches Billigleben geschaffen. Er will nicht nur, dass wir gerettet werden, nein, er will mehr; er will, dass wir als Gerettete kämpfen, siegen, anbeten und Freude und Leben die Fülle haben« (G. Verwer). Gott sucht Menschen, die für den leben, der für sie gestorben und auferstanden ist.

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DIENSTAG, 25.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 16. 17

Für uns hat die Aussage »jemanden dem Fleisch nach zu kennen« einen fremdartigen Klang. Paulus denkt dabei an die natürliche Art gegenseitiger Einschätzung, an die alte Art miteinander umzugehen, ohne neues Leben in Jesus Christus zu besitzen. Man beurteilt einander nach äußeren Faktoren, der eigenen Erziehung und Tradition entsprechend. In diesem Sinn hatte Paulus früher sein Urteil über Jesus gebildet und seine Nachfolger eingeschätzt. Er verfolgte sie als Sektierer. Von nun an, das heißt, seit jener Christusbegegnung, verhält es sich anders. Christus und den Nächsten mit neuem Blick sehen, ist allerdings nicht eine fromme Aufbesserung unseres bisherigen Wesens. Es handelt sich um etwas völlig Neues, das nur durch eine Neuschöpfung möglich wird. Diese Veränderung ereignet sich allein auf dem Weg einer Neugeburt. »Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten« (1. Petr. 1, 3; vgl. Joh. 3, 3; Jak. 1, 18). Ist aber wirklich »alles« so erkennbar neu geworden? Die Erfahrungen mit uns selbst und mit anderen sprechen in unseren Augen oftmals dagegen. Wir sehen weiterhin das Alte und vermissen die Veränderung. Aber »es ist eine Wirklichkeit gemeint, die ich nicht einfach an mir selber als vorhanden feststellen kann, sondern die von Gott her in Christus da ist« (W. de Boor). Unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott (Kol. 3, 3). Wir leben in dieser Hinsicht in einem geistlichen Spannungsfeld. Wir haben neues Leben und sind eine neue Kreatur. Andererseits werden wir nicht im Augenblick unserer Bekehrung automatisch ein vollkommenes Spiegelbild von Jesus. Für den neuen Menschen beginnt ein organischer Entwicklungsprozess, der ein Leben lang währt (vgl. Kol. 3, 10). Dieser neue Mensch lebt von der Gemeinschaft mit Jesus.

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MITTWOCH, 26.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 18. 19

»Die Liebe des Christus drängt uns«, lesen wir in Vers 14. Eindrucksvoll setzt Paulus fort, wie umfassend diese Liebe gilt. Nach dem Hinweis auf den stellvertretenden Tod und dem Wunder einer neuen Schöpfung bringt er einen weiteren Aspekt ins Spiel: Wir sind mit Gott versöhnt! Das hier verwendete griechische Wort beschreibt allgemein das Wiederherstellen einer Beziehung nach Feindschaft. Es geht also um die positive Veränderung eines negativen Verhältnisses. In allen Religionen bemühen sich Menschen, durch eigenen Einsatz, Hingabe und Opferbereitschaft das Verhältnis zur Gottheit positiv zu beeinflussen. Dabei gibt es nie Gewissheit, wie diese Bemühungen bewertet werden und ob diese am Ende des Lebens von Bedeutung sind. Gott bleibt der Ferne, der zufrieden gestellt sein will. Was wir in unserem Text mitgeteilt bekommen, stellt alles auf den Kopf. Gott selbst versöhnt uns mit sich selbst durch Christus! Der heilige Gott ergreift die Initiative. Er liebt, gibt und handelt in seinem Sohn Jesus Christus. Wenn wir Christus begegnen, treffen wir auf den lebendigen Gott, der selbst den Kriegszustand aufhebt und aus Feindschaft Freundschaft, ja Kindschaft, werden lässt (Eph. 2, 14; Gal. 4, 5). »Als wir noch seine Feinde waren, hat Gott uns durch den Tod seines Sohnes mit sich selbst versöhnt. Um wie viel mehr werden wir, da wir jetzt Frieden mit Gott haben, am Tage des Gerichts bewahrt bleiben, nachdem ja Christus auferstanden ist und lebt. Lob und Dank sei ihm dafür! Schon jetzt sind wir durch unseren Herrn Jesus Christus mit Gott versöhnt« (Röm. 5, 10. 11). Aber sollte Gott so viel investieren, um dann die Welt wieder sich selbst zu überlassen? Das Wort von der Versöhnung ist auch die Beauftragung zum »Dienst der Versöhnung«. Versöhnte sind in die Pflicht genommen, andere über Gottes einzigartigen Brückenschlag zu informieren.

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DONNERSTAG, 27.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 20

Wir treffen nun auf ein besonderes Kennzeichen der unvergleichlichen Liebe, mit der Christus uns liebt. Obgleich er alles für uns aufgegeben hat (Phil. 2, 6-8), über alle Macht verfügt (Matth. 28, 18) und in Ewigkeit herrschen wird (Hebr. 1, 2-4), verpflichtet er nicht durch ein Machtwort in die Gottesgemeinschaft, sondern bittet um Annahme seines Geschenkes. Wenn eine irdische Amtsperson um etwas bittet, so ist es ein in höfliche Worte gekleideter Befehl, der keine freie Wahl einräumt. Ganz anders Gott. Er lässt durch seine Boten tatsächlich bitten, in die ausgestreckte Hand Gottes einzuschlagen. Er zwingt niemanden. Der Formulierung »Gott mahnt durch uns« entnehmen wir andererseits die Dringlichkeit, mit der Gott nach uns verlangt. »Wenn es bei der Arbeit des Paulus den Anschein hat, als wäre es eine Wohltat für Gott, wenn wir unserem Streit gegen ihn entsagen und ihm gehorchen, statt ihm zu widerstreben, und ihn loben, statt ihn zu leugnen oder zu schelten, als wäre es ein Gewinn für Christus, wenn wir uns ihm ergeben und uns von ihm zu Gott führen lassen, so ist dies deshalb Gottes nicht unwürdig, weil sein Wille, uns mit ihm zu versöhnen, von Anfang an das Geheimnis der Liebe in sich hat, die ihre Herrlichkeit darein setzt, uns die Herrlichkeit zu geben, und nach unserer Liebe verlangt« (A. Schlatter). In diesem Sinne für Jesus zu werben und zu ihm einzuladen, bereitet Freude und setzt kreative Energie frei. Aber es wäre zu unserem Schaden, wenn dieser Einsatz unsere tiefste Freude ist. Was bliebe dann von unserer Freude übrig, wenn Krankheit, Alter oder andere Faktoren uns diesen Wirkungsraum abschneiden? Wir wollen deshalb darum bitten, dass Jesus unsere ganz persönliche Freude bleibt und wir nicht aus dem Staunen über seine Größe und Liebe herauskommen.

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FREITAG, 28.OKTOBER

2.KORINTHER 5, 21; 1.KORINTHER 1, 30

Welche Gerechtigkeit gilt denn in Gottes Augen? In unserem alltäglichen Umfeld verbinden wir Gerechtigkeit mit der Bedeutung von Gleichbehandlung und Ausgewogenheit. Unter diesem Vorzeichen empfinden wir ein Gerichtsurteil mitunter als gerecht oder die Entscheidung einer Betriebsleitung als ungerecht. Gerechtigkeit in der Bibel beschreibt jedoch nicht eine vorbildliche Eigenschaft und Verhaltensweise eines Gläubigen, sondern sein Verhältnis zu Gott. Im Alten Testament bedeutet Gerechtigkeit Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes. Dies ergibt sich aus dem Bund Gottes mit seinem Volk. Bei seinen Bemühungen, Gottes Recht einzuhalten, stößt der Mensch an seine Grenzen. Sünde und Unzulänglichkeit verhindern eine Gerechtigkeit, die sich aus eigener Leistung rechnet. Gott allerdings geriet trotz der Sünde des Menschen und der Untreue seines Volkes nicht an das Ende seiner Möglichkeiten. Jesus als der eine Gerechte vertraute dem Vater völlig und erfüllte alle seine Forderungen. Wer ihm vertraut, gewinnt Anteil an seiner Gerechtigkeit, allein aus Gnade. »Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2, 4): Der Gerechte wird aus Glauben leben« (Röm. 1, 17; vgl. Phil. 3, 9). Auch an dieser Stelle wollen wir uns vergegenwärtigen, wie außergewöhnlich unsere Botschaft an diese Welt ist und wie befreiend es sich auf unsere Nachfolge und Freude auswirkt, mit diesen großen Zusagen unseren kleinen Tag zu bestreiten. An den Augustinermönch Georg Spenlein schrieb Martin Luther 1516: »Darum, mein lieber Bruder, lerne Christum, und zwar als den Gekreuzigten: Lerne ihm singen und, an dir selbst verzweifelnd, zu ihm sagen: Du, Herr Jesus, bist meine Gerechtigkeit, ich aber bin deine Sünde. Du hast angenommen, was mein ist, und mir gegeben, was dein ist. Was du nicht warst, das nahmst du an und gabst mir, was ich nicht war.«

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SAMSTAG, 29.OKTOBER

2.KORINTHER 6, 1. 2

Am Gardasee fand jemand über der Eingangstür einer alten Weinschänke auf dem Gasthausschild die Worte: »Al tempo perduto!« - »Zur verlorenen Zeit!« Vielleicht wollte der Urheber dieser Aufschrift mit bissigem Humor werben und warnen. Tatsache ist, dass wir Zeit sinnvoll nutzen oder auch vertändeln können. Verlorene Lebenszeit ist ein erschreckender Gedanke. Wir wollen dankbar wahrnehmen, dass Zeit ein einmaliges göttliches Geschenk ist. Zeit ist Gnade. Aber auch dies gilt: Gnade hat ihre Zeit! Kein Mensch kann bestimmen, wann Gott Raum gibt, ihn zu erkennen, sein Wort zu erfassen und umzusetzen. Zwei erschütternde Möglichkeiten spricht unser Text an. Wir können uns dem freundlichen Angebot Gottes gegenüber verschließen. Dann leben wir zwar mitten in der Gnadenzeit, aber für uns bleibt sie ohne Folgen. Wir sind vergeblich Beschenkte. Zum anderen spricht Gottes Wort mit großem Ernst davon, dass auf Gnadenzeit Gerichtszeit folgen kann. »Ich, der Herr, sage euch: Es kommt die Zeit, da schicke ich euch eine Hungersnot. Aber nicht nach Brot werdet ihr hungern und nicht nach Wasser verlangen. Nein, nach einem Wort von mir werdet ihr euch sehnen! Dann irren die Menschen ruhelos durchs Land, vom Toten Meer bis zum Mittelmeer, vom Norden bis zum Osten. Doch ihre Suche wird vergeblich sein: Ich, der Herr, antworte ihnen nicht« (Amos 8, 11. 12). Deshalb mahnt Paulus die Gemeinde, ihre Chance zu nutzen. Seine Mahnung steht in Verbindung mit 2. Korinther 5, 20. Im Wort von der Versöhnung kommt ja die Gnade Gottes zu ihnen. Das zitierte Prophetenwort unterstreicht die Bedeutung des Augenblicks. Jetzt ist die Zeit der Gnade, in der in Korinth alles geklärt werden sollte. (Vgl. Hebr. 3, 7. 8a.) Heute ist der Tag, an dem auch ich Vergebung annehmen kann und Zeit geschenkt bekomme, Gottes Willen zu tun.

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SONNTAG, 30.OKTOBER

2.KORINTHER 6, 3. 4a

Wenn die Gemeinde in Korinth die Gelegenheit zur Versöhnung ausschlägt, so liegt es nicht an Paulus und seinen Mitarbeitern. Sie haben in ihrem Reden und Tun keinen »Stolperstein« gelegt, der für Menschen zum Glaubenshindernis werden könnte. Sie leben unter der hohen Zielvorgabe, in allem als Diener Gottes erkennbar zu sein. Pfarrer Lüthi erzählte in einer Predigt von einem Mann, der vor Jahrzehnten in einem kleinen Dorf lebte und als bewusster Christ auf viel Ablehnung stieß. Als er als einziger Mann unter Frauen die Bibelstunde besuchte, überschüttete man ihn mit Spott. Er sammelte die Jugend zur Sonntagsschule mit derselben Entschlossenheit, wie er moderne Maßnahmen in der Landwirtschaft anregte. Aus Protest vergriff man sich an seinem Eigentum. Trotzdem ließ sich jener Gläubige nicht entmutigen, sich um die Belange der Dorfbewohner zu kümmern. Nach und nach vertraute man ihm gerade jene Ämter an, bei denen Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit gefragt waren. Sie konnten sich darauf verlassen, dass er niemanden übervorteilte. Seine Umgebung erkannte: Was dieser Mann tut, geschieht vor Gott und für Gott. Es ist Gottes-Dienst! Was beobachten Menschen bei uns? Wenn Paulus davon schreibt, dass er und seine Mitarbeiter sich in allem als Diener Gottes »erweisen« oder wörtlich »empfehlen«, so will er damit nicht ihre eigene Leistung hervorheben. Vielmehr wirft dieses Zeugnis ein helles Licht auf den Auftraggeber selbst. Wenn Gott seine Diener beauftragt, dann gibt er ihnen auch Kraft und Hilfe, um in den Herausforderungen bestehen zu können. Er überfordert nicht und lässt sie nicht allein. Jedem von uns persönlich gilt: »Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit« (Jes. 41, 10).

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MONTAG, 31.OKTOBER

2.KORINTHER 6, 4b. 5; 1.KORINTHER 4, 11-13 In den folgenden sieben Versen zählt Paulus das weite Feld ihrer Erprobung als Diener Gottes auf. Die genannten Beispiele können wir vier verschiedenen Bereichen zuordnen. Paulus beginnt mit einer Auflistung der äußeren Nöte und Schwierigkeiten. Wenn wir 2. Korinther 11, 23-27 als Ergänzung lesen, gewinnen wir einen kleinen Eindruck des großen Ausmaßes seiner Leiden. Er weiß, wovon er spricht. Es fällt auf, dass er in diesem Zusammenhang als Kennzeichen eines Dieners Gottes große Geduld erwähnt. Der Begriff »Geduld« ist wörtlich zu übersetzen mit »unter einer Last bleiben«. Wer regelmäßig zupacken und Lasten tragen muss, dessen Muskeln erstarken. Was wir im körperlichen Bereich beobachten, lässt sich auch auf den geistlichen Bereich übertragen. Wer unter einer Last bleibt, dem wachsen Kräfte zu, die der Ungeduldige nicht entwickeln kann. Das »Unter-der-Last-Bleiben« wirkt mit an der Stärkung des inneren Menschen. Wiederholt werden wir in der Bibel zur Geduld angehalten und ermutigt. »Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen« (Klagel. 3, 27; vgl. Luk. 21, 19; Röm. 12, 12; Offb. 13, 10). Wir sind uns jedoch sehr wohl bewusst, nicht einfach deshalb über Geduld zu verfügen, weil wir im Dienst für Gott stehen. Wir geraten sehr oft an unsere Grenzen. Welche Hilfe ist uns gegeben, Geduld zu lernen? »Geduld kann - geistlich recht verstanden - nur dann erkannt und gelebt werden, wenn wir auf Jesus blicken: Jesus unter dem Kreuz, wie er sein Kreuz trägt, das ist das eindrücklichste Bild der Geduld« (F.Melzer). Siegmund von Birken dichtet in seinem Lied »Jesu, deine Passion«: In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, wie du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen. Gib auch, Jesu, dass ich gern dir das Kreuz nachtrage, dass ich Demut von dir lern und Geduld in Plage.

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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