Samstag, 1. November

1. Könige 17, 1-16; 2. korinther 1, 10 Vielleicht f ragen wir uns bei der Beschäft igung mit diesen Geschicht en, ob uns der Berichterstat ter gar nicht ein Rabenwunder oder ein Mehl- und Ölwunder erzählen wollte, sondern einfach Glaubensaussagen macht, die uns das Handeln und Wirken des lebendigen Gottes ins Bewusstsein rufen wollen. Wenn das so ist, dann liegt das Wunder nicht mehr bei den Raben oder dem Mehl oder dem Öl, sondern darin, dass Gott lebt, dass er unter uns wirkt, dass er sich dieser Welt und uns Menschen zuwendet , dass er uns liebt, fü r uns sorgt, auch gerade dort, wo wir mit unseren Möglichkeiten ans Ende gekommen sind. Die Wunder, die uns in diesem Bericht übermit- telt werden, sind zwar von großer Bedeutung, das eigentliche Wunder aber ist der tr eue Got t, de r si ch de n Se inen offe nbar t. Er spricht z u Eli a. Der Herr verbindet sein Wor t mit einem Auf trag f ür Elia: »Geh!« Diesem Auf trag gehorcht der P rophet im festen Glauben. Er br icht auf und erf ährt, dass alles eintr iff t, was Gott ihm verheißen hat. So erschließen sich Elia die unbegrenzten Möglichkeiten seines Got tes (2. Petr. 1, 3). Die tägliche Nah- rung ist sichergestellt. – Unser Herr lehrt uns, wie sehr wir auf seine Gaben angewiesen sind: »Unser tägliches Brot g ib uns heut e!« Doch nicht nur hung rige Mägen brauchen Nahrung, auch hungr ige Seelen. Jesus sagt von sich selber: »Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekom- men ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit« (Joh. 6, 51). Durch ihn wird die Dür re überwunden und der Hunger des menschlichen Herzens gest illt. So wird uns zugesprochen : Sei ohne Sorge, fürchte dich nicht! (Lies Matth. 4, 4; Joh. 4, 14; 6, 35; 7, 37; Off b. 22, 17.)

Anfang

Sonntag, 2. November

1. Könige 18, 1-29 An zwei Orten hat te Elia schon wichtige Lernziele er reicht. Sowohl am Bach Krit als auch in Zarpat hat te er geler nt, Got t vorbehaltlos zu vert rauen. Jetzt hieß es, einen neuen Schr itt zu wagen, den Got t ihn gehen hieß. Laut ete die Bot schaft des Her rn vor Jahren: »Geh weg!«, so hieß sie jetzt: »Geh hin! « Drei Jahre lagen zwischen dem einen und dem anderen Er eignis. Wir dürfen annehmen, dass diese Zeit eine Vorbereitung des P ropheten für das war, was der schärfst e Konflikt werden sollte. Drei Jahre können lang sein – und doch blieb Elia ein Hörender und Abwartender. (Vgl. 1. Sam. 3, 9; Spr. 20, 12.) Sein Auftrag war an Gottes Reden gebunden; Tag f ür Tag mag er gefragt haben: »Her r, was soll ich tun?« Als dann Got t endlich redete, muss das eine große Überraschung gewesen sein! Das, was jetzt von ihm verlangt wurde, war kein Kinderspiel; aber doch gleichzeitig die Bestätigung, dass Gott sein Wort einhält. Wir dürfen nicht vergessen, dass Elia der am meisten gesuchte Mann im ganzen Königreich war. Die »Fahndungsplakate« waren überall ausgehängt . Und nun soll er sich melden! Beim aufmerksamen Hören auf den biblischen Text werden wir zwei Überr aschungen erleben: · Elia war nicht der Einzige in Israel, der Gott fürchtete. Da waren die übrig gebliebenen P ropheten, die so etwas wie Gemeinden oder Bibelschulen eingerichtet hatten. · Oba dj a, e iner aus der nächsten Umgebung des Königs, li eß diesen Prophe - ten Fürsorge angedeihen und ret tete sie so vor dem sicheren Tod. Diese Tat sachen mussten eine st arke Er mutigung f ür Elia sein, Ahab gegen- über zutreten. Wir wunder n uns vielleicht, dass der König ihn zwar sehr verächtlich empfängt , aber ihn doch nicht umbringen lässt. Ob er inzwischen wieder eine Ahnung bekommen hatte von dem , der alle Welt regiert? (Lies Spr. 8, 15-17; Ps. 66, 7; Hes. 20, 33.)

Anfang

Montag, 3. November

1. Könige 18, 2. 15-20 Elia hatte allen Grund, sich beim König zu melden; denn es war einget rof- f en, was er vor Jahren prophezeit hatte: Kein Regen, kein Tau, kein Wasser, keine Ernte – nur Tod. In dieser zweiten Begegnung mit Ahab tritt Elia kühn auf und weist die Schuldzuweisung zu rück: Nicht ich bin schuldig, sondern du, weil du nichtsnutzige Götzen angebetet hast (V. 18). Damit war klar, dass der eigentliche Konflikt, der an diesem Tag ausget ragen werden sollte, einen Beweis für die Einzigartigkeit und Überlegenheit des lebendigen und wahren Gottes erbringen musste. Es sollte einen Macht erweis des lebendigen Gottes gegenüber den nicht igen heidnischen Got theiten geben. Elia entwickelt einen Plan und legt ihn Ahab vor. Ort des Geschehens sollte der Berg Karmel sein. Ahab wagt keinen Widerspruch und die Herbeigeru- f enen stellen sich ein. Jeder hat wohl beg riff en, dass es um die Grundsatz- Entscheidung ging, wem sie als Einzelne und als Volk dienen wollten. Es muss eine ungeheure Spannung über dem Kar mel gelegen haben. Elia stellte schon zu Beginn die entscheidende Frage, die sich durch diesen Tag ziehen sollte: »Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?« (V. 21; vgl. Matth. 6, 24; Jak. 4, 4). Die Anfrage Elias hat ihre Gültigkeit nicht verloren – auch für die Jesus-Gemeinde nicht. Ein bisschen da, ein bisschen dort – die Ver mi- schung geschieht un versehens. So beginnt die Got tesentf remdung langsam im Herzen Fuß zu fassen. Die Folge ist ein tiefer innerer Riss im Herzen eines Menschen. »Das ist der Riss im innersten Bereich unseres Lebens. Wir laufen auf zwei Geleisen. Es ist wie eine Schizophrenie. Wir gehen nicht so weit, die Existenz Gottes zu leugnen, aber wir wagen es auch nicht, sie wirklich zu glauben« (W. Pfendsack). Heute können wir die Ent scheidung tref fen: »Ich aber und mein Haus wollen dem Herr n dienen« (Jos. 24, 15).

Anfang

Dienstag, 4. November

1. Könige 18, 22-29 Es mag sein, dass sich uns beim Lesen der Elia-Geschichten die Frage auf- drängt, worin der Unter schied zwischen dem einzig wahren Gott, für den Elia st reitet , und den anderen Göttern besteht. »Baal ist der Got t, der den Menschen bestät igt. Der Her r ist der Got t, der den Menschen unterwirf t. Baal, das ist Wind in die Segel, wobei der Mensch selbst am Steuer sitzt; der Herr, das ist der Anspruch vom Himmel her, bei dem das Kommando gewechselt wird. Baal, das ist der Gott ohne Buße, der Gott ohne Forde- rung; der Herr ist der Gott, der unser Wollen und Wünschen an seine Gebote bindet. Mit dem Baal schließt man einen Beistandspakt; vor dem Herrn streckt man die Waffen. Den Baal r uft man an, wenn man in Not ist; den Herrn hat man vor Augen allezeit. Den Baal speist man mit Opfern ab, von denen man hofft , dass sie sich bezahlt machen; dem Herrn übergibt man sich selbst mit Leib und Seele zum Eigent um« (H. Lamparter). Baal gegen Jahwe – das war die Herausforderung dieses Tages. Doch keiner der Anwesenden reagierte dar auf, niemand stellte sich eindeutig auf Elias und damit Got tes Seite. Das Volk schwieg, weil es den Herrn nicht mehr vor Augen hatte. Was sich auf dem Kar mel abspielte, tr iff t den Ner v unsrer Zeit. Wir sehen, dass es gerade in einer zunehmend multikulturellen und multi- relig iösen Zeit darauf ankommt, am Gott sein Gottes festzuhalten. Er ist der unvergleichliche, der einzig-eine, der wahre und lebendige Gott. Dafür war Elia entschlossen zu kämpfen. Dabei würden weder beein- druckende Zahlen noch weltliche Macht den Kampf dieses Tages ent schei- den. Feuer vom Himmel sollte das Zeichen sein. (Vgl. 3. Mose 9, 23. 24.) Elia hatte Gott auf seiner Seite. Das war wicht iger als alles. (Lies 5. Mose 10, 12; Pred. 12, 13; Micha 6, 8.)

Anfang

Mittwoch, 5. November

1. Könige 18, 23-39 War es Zufall, dass das Zeichen des wahren Gottes verzehrendes Feuer sein sollte? Nein, denn Baal wurde schlechthin als Gott des Feuers und der Sonne angebet et. Aber, er war eben nur ein von Menschen gemachter Got t. Elias Plan war der Kr aft und Macht angemessen, die die verschiedenen Sei- ten den rivalisierenden Got theiten zuschrieben. Aber gerade nun passierte es den falschen Priestern zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie den heimlichen Feuer funken nicht unt er das Holz schieben konnten. Die Baals- pr iester und das Volk führten alle Anweisungen des Propheten aus. Es ist überhaupt er staunlich, wie sich an diesem Tag und an diesem Ort alles um die Person des v on Gott gesalbten P ropheten dreht und selbst die Mächtigs- ten des Landes ihm Gehorsam leisten. Mit Bedacht gab Elia den Baalsanhängern den Vor trit t. Man bekommt bei- nahe Mitleid mit ihnen, wenn man liest, dass ihr Gott weder antwortet noch handelt. Sie tun alles, um ihn in Bewegung zu br ingen, bis hin zur Selbst- verst ümmelung – und das bis zum Abend. Es war eine Auf wärt sspirale, die sie zur Ekst ase führte. Schreien, Flehen, Tanzen, Hüpf en, Bitten, eine Szene des Chaos und des Wahnes! (Vgl. 2. Mose 32, 1-6.) Aber gerade durch das Schweigen der Göt zen verschaf ft sich Gott Gehör. Die Nichtigkeit und Ohn- macht der Götter wird überdeutlich. »So also ist es mit dem Baal! Wer sich an ihn hängt, wer ihm nachwandelt und ihm Opfer zollt, der ist und bleibt bet rogen« (H. Lamparter; vgl. Ps. 115, 4-6). Wir aber wissen: Eines Tages werden alle Menschen ihre Knie vor dem König aller Könige, dem einzig wahren Gott, beugen. (Lies Phil. 2, 10; Jes. 45, 22. 23.)

Anfang

Donnerstag, 6. November

1. Könige 18, 30-46 In scharf em Kont rast zum Schweigen der Götzen redet Gott eine deut liche Sprache. Er redet durchs Feuer, das das Opfer verzehr t. Ein Chr ist unsrer Z eit sagte: »Wenn der Mensch horcht, redet Gott. Wenn der Mensch gehorcht , handelt Gott.« Elia rief das Volk zu sich und damit zum Herr n! Jetzt war ein bewusster Entscheidungsschrit t f ür jeden dran! Ent scheidungsstunden wird es auch immer wieder f ür uns geben: Wir müssen im Alltag deutlich machen, zu w em w ir gehören woll en. El ia baute einen mächtigen A ltar aus zwölf gew al- t igen Steinen – jeder Stamm des Volkes war dadurch repräsent iert. Wir können es uns gut vorstellen, wie jeder Handg rif f E lias scharf und kr itisch von allen beobachtet wurde. Aber dieser t ut nichts für sich, sondern alles zur Ehre Gottes. (Dazu Ps. 115, 1; 1. Sam. 2, 30; Jer. 13, 15. 16.) Das vorberei- tete Opfer wurde auf den Alt ar gelegt, und nun geschieht etwas Un vorher- gesehenes. Ein Wasserkübel um den anderen wird über den Altar ausgegos- sen. All es trie ft vor Nä sse. K lar, da könnte sel bst der beste menschli che Tri ck kein Feuer entf achen. Elia indes wollte vollkommen sicher sein, dass jeder Zuschauer die eigentliche Bot schaf t von dem lebendigen Gott , der das Unmögliche möglich macht, begrif f. Angesicht s dieser unmöglichen Situa- t ion sprach Elia ein einfaches, schlichtes Gebet . Mit diesem Gebet legte er die Unmöglichkeiten und sich selbst in Gottes Hand. Und er vert raute dar auf, dass der Herr ein Gott ist, der Gebet erhör t. »Erhöre mich, o Herr!« Und Gott ant wortete augenblicklich. »Da fiel das Feuer des Herr n herab« (V. 38). Das Feuer war eins, wicht iger aber ist die Tat sache, dass Gott die Herzen der Menschen berühr te, damit sie sich wieder ihm zuwenden soll- ten. (Lies Jos. 24, 23; 1. Chron. 28, 9; Hebr. 3, 7-12.)

Anfang

Freitag, 7. November

1. Könige 18, 40 »Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! «, bekannte das Volk einmütig. Und dann musste das Land von den falschen Propheten bef reit werden. Sie wur- den alle getötet – eine toder nste Gerichtsst unde Gottes hat te geschlagen. Wir mögen f assungslos fr agen: Ist Gott gr ausam? Nein, er ist nicht grau- sam, sonder n heilig. Das ist sein Wesen. Gott ist so heilig, dass nicht s Böses vor ihm bestehen kann. Alle Bosheit, alle Got tlosigkeit, alle Sünde muss an seiner Heiligkeit verbrennen. Die Bibel berichtet uns, dass sogar Menschen des Glaubens wie tot vor Gott zur Erde sanken (Dan. 10, 4-9; Of fb. 1, 12-18). Es ist wirklich »schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen« (Hebr. 10, 31). So wollen wir das Geschehen auf dem Karmel und die Töt ung der falschen Propheten als er nstes Zeichen der Heiligkeit und Heimsuchung Gottes ansehen. Wer vor dem unbegreiflichen und bisweilen so bef remdlich erscheinenden Gott erzit tert, darf zugleich wissen, dass er sich in seinem Sohn Jesus Christus als der liebende Vat er geof fenbart hat. Got tes eigent- liche Absicht ist nicht die Vernicht ung, sondern die Ret tung des Sünders. (Lies Hes. 18, 23; Luk. 15, 10; 2. Petr. 3, 9.) Das sehen wir an Jesus, dem Gekreuzigten. Er ist das wahre Opferlamm, das an unserer Stelle durch den Gerichtszor n Gottes verbrannte. Die Auferweckung des Herrn Jesus Christus ist Gottes eigenes Qualitätssiegel, dass wir uns diesem Herr n wirklich anver trauen können. Wenn der heilige Gott uns seine Liebe so sehr erweist, ist es für einen Jesus-Nachfolger unmöglich – und darin liegt der g roße Unterschied zur Töt ung der Baalspriester – einen anderen Menschen, und sei er noch so got tlos und feindselig, niederzustr ecken. »Liebet eur e Feinde, tut wohl denen, die euch hassen« (Luk. 6, 27; lies Mat th. 5, 43-48; Luk. 6, 35; 23, 34).

Anfang

Samstag, 8. November

1. Könige 18, 41-46 Elia set zte in jenem geistlichen Kampf auf dem Berg Karmel das Gebet als Waf fe ein. Er benutzte es aber nicht als letzten Ausweg, sondern als einzi- ges Mittel. Es war sein schlichtes Gebet, das alles in Bewegung brachte. Ein schlichtes glaubensvolles Gebet kann eine Situat ion völlig ändern! Und wir dürfen in jeder Lage mit unserem Herrn sprechen und alles von ihm erwarten. (Lies Matth. 7, 7. 8; Joh. 14, 13. 14; 1. Joh. 5, 14.) An Elia erkennen wir auch die Bedeut ung und Kraft eines Got t hingegebe- nen Lebens. Durch sein Zeugnis wurden die Mächt igen zum Schweigen ge bracht, weil Gott selber sie berührt hat te. So viel Einfluss kann ein Einzel- ner auf seine Umgebung nehmen! (Vgl. Luk. 14, 1-6; 1. Petr. 2, 15. 16.) Aus Jakobus 5, 18 erf ahren wir, dass Elia den Her rn bat , der Dür rezeit ein Ende zu bereiten. Sollte Got t, der sich auf dem Karmel als allmächtiger Herr gezeigt hatte, nicht auch in der Lage sein, sich als Schöpfer über Himmel und Erde zu erweisen? Daran zweifelte Elia keinen Augenblick. Die Dürre würde ein Ende haben. War sie eigentlich vergeblich gewesen? Sicher nicht: Für Elia war sie eine intensive Glaubens-Schule. Für das Volk bereitete sie das Bekenntnis zu Jahwe vor, und selbst Ahab zeigte sich bestürzt und erschrocken. Die Frage ist nur, wie würde sich die Ber ührung durch den lebendigen Gott im täglichen Leben auswirken? Welche prakt ischen Konse- quenzen gälte es zu ziehen? Für Elia st and fest: Got t erhört Gebet , und so wunder t es nicht, dass der Prophet dem König zu essen und zu t rinken gebot, und den kommenden Regen, dessen Geräusch er schon vernahm, ankündigte. (Dazu Ps. 33, 4; Jer. 15, 19.) Während der König aß und t rank, stieg Elia auf den Gipfel des Kar- mel, um sich vor seinem Gott zu verneigen, bei dem kein Ding unmöglich ist . (Vgl. 1. Mose 18, 14; Jer. 32, 17.)

Anfang

Sonntag, 9. November

1. Könige 18, 41- 46 Elia zog sich in die Stille auf den Gipfel des Karmel zurück. Er bat Gott um den ersehnten Regen. »Auch wir brauchen vordringlich die stille Zeit mit Gott, wenn der gnädige Regen Got tes in unser Leben mit seinen Spannun- gen, Konflikten und Schwierigkeiten, in unsere Zeit mit ihrer ausweglosen Verfahrenheit kommen soll« (W. Pfendsack; vgl. Ps. 37, 7; 46, 11; 62, 2). Anders als zuvor (V. 36-38) fand E lias Gebet in dieser Situat ion keine umge- hende Erhörung. Sechs Mal musste er den Diener schicken, damit er nach dem Wet ter Ausschau hielte. Nicht nur Got t wartet auf unser Beten, auch wir müssen auf sein Eingreifen warten. Of t viele Tage. Erkennen wir die Spannung, die über jedem Gebet liegt? »Es ist nicht s da«, war die Botschaf t des Diener s. Kein Wölkchen! Kennen wir das? Es ist nichts da an Verände- r ung, an Umkehr, es bleibt alles beim Alten . . . Doch dann er füllt Gott überr aschend sein Versprechen! Jetzt ist seine Stunde gekommen. Jetzt nach langem Warten! »Das Warten der Gerechten f ühr t zur Freude . . . « (Spr. 10, 28; vgl. Röm. 12, 12; Micha 7, 7). Der Herr ent scheidet , wann der r ichtige Zeit punkt da ist. Wir wissen, dass er ant wor- tet, und t rot zdem kann unser Herz noch von Mutlosigkeit erf üllt sein. Von Elia lernen wir: Er setzte sein Ver trauen nicht auf sein Gef ühl, sondern auf Gottes Zusagen. – Jetzt gibt der Mann Gottes auch Ahab wieder Anweisun- gen. »Zieh die Regenbereif ung auf, jage davon . . . !« Es g ibt nichts mehr, was die beiden auf halten soll ; weder A hab noch El ia. Ein w inziges Wölkchen w ar das einzige, was er sah – und doch, sein Herz war voller Erwar tung. Dann geschah es! Es regnete in Strömen. (Vgl. Ps. 68, 10; Jes. 55, 10. 11.)

Gott zeigt uns den richtigen Weg

Vorbilder Aus der Apostelgeschichte (Teil 4)

Anfang

Montag, 10. November

Apostelgeschichte 23, 23 - 24, 9

Wie Paulus nach Rom kam

Paulus als Zeuge vor dem Statthalter Felix Während seiner drei Missionsr eisen hatte Paulus in Kleinasien und Gr ie- chenland viele Gemeinden gegründet . Nun hielt er Ausschau nach einem noch uner reichten Gebiet . Er dachte daran, nach Westen zu reisen und nahm Spanien in seinen Blick. Dazu brauchte der Apostel einen neuen Stützpunkt – die Gemeinde in Rom. Nicht nur aus diesem Grund sehnte er sich danach, sie endlich besuchen zu können (Röm. 1, 9-11; 15, 20-28). Lange und intensiv hat te Paulus f ür sein Vorhaben zu Gott gebetet. Aber die Antw or t lie ß auf sich war ten. Der He rr f ührte Paulus auf la ngen, schw ie- r igen Wegen nach Rom. In Jerusalem konnte er gerade noch einem Mord- anschlag fanat ischer Juden entgehen, um dann im Schutz einer römischen Soldatentr uppe nach Cäsarea zum Statthalter Felix gebracht zu werden. Paulus war zwar ein Gefangener der römischen Besat zungsmacht und musste sich einem Verhör nach dem anderen stellen, aber er wusste sich in allem in der guten Hand Got tes. Der Apostel trug die Zusage seines Herrn im Her zen und war gewiss, das er seinen Diener nach Rom führen würde. (Lies Apg. 23, 11.) In Cäsarea über gab man Paulus mit entsprechenden »Aktennot izen« dem Stat thalter Felix. Dieser beraumt e umgehend eine Gerichtsverhandlung an, zu der auch die Ankläger aus Jerusalem erwar tet wurden. Bis dahin aber sollten fünf Tage vergehen. Wir dü rfen davon ausgehen, dass Paulus diese Zeit zum betenden Nachdenken vor Got t nutzte. (Vgl. Apg. 16, 25.) Vielleicht kannte er auch die Worte des Her rn an seine Jünger. Lesen wir dazu Mat thäus 10, 17-20. Jesus-Nachfolger geraten unter Druck wegen Jesus. Sie werden benachteiligt, verleumdet , verachtet, ja, auch gefoltert . Aber gerade im Leiden will ihnen Jesus seine Herrlichkeit offenbaren. (Lies 1. Pet r. 4, 12-16.)

Anfang

Dienstag, 11. November

Apostelgeschichte 24, 1-21

Der Anwalt, den sich die Jer usalemer Würdenträger als Sprecher er wählt hatten, verstand sein Geschäf t. Wortgewandt rühmte er – wie es damaliger Redekunst ent sprach – die Verdienste des Statthalter s Felix. Allerdings ent- sprach es nicht den Tatsachen, dass die Juden ausgerechnet unter Felix »großen Frieden erlangt haben«. Aber die Hervorhebung eines fr iedfert igen, wohlwollenden Ref or mators ließ die Anklage des angeblichen »Auf rührers« Paulus umso schärfer erscheinen: · Paulus sei eine Pest für die Juden und das Land, weil er im ganzen Impe- rium einen Aufruhr anzet tele. · Er sei Anf ührer der Sekte der Nazarener und als solcher ebenfalls ein Aufrührer. · Er wolle den Tempel in Jerusalem entheiligen, was nichts anderes als Aufruhr bedeutete. Jede Unr uhestiftung, die den Frieden im Land gef ährdete, wurde von den Römer n mit der Hinrichtung des Anf ührers bestraf t. Der Hohepriest er konnte hoffen, das Ohr des Statthalters gefunden zu haben. Felix aber dürft e die Absicht der Delegation aus Jer usalem durchschaut haben. (Vgl. V. 22a.) Außerdem verlangt e das römische Recht , dass der Angeklagte sich verteidigen dur fte. Und auch Paulus wusst e die r ichtigen Worte zu wählen. Fassen wir seine Argumente zusammen:

Gottes hat f ür ihn höchste Autor ität (V. 14; vgl. Röm. 15, 4; 2. Tim. 3, 16. 17). · Er glaubt an die Auferstehung der Gerechten (zum ewigen Leben) und der Unger echten (zum Gericht) (V. 15). · Er übt sich darin, vor Gott und Menschen ein reines Gewissen zu bewah- ren (V. 16).

Anfang

Mittwoch, 12. November

Apostelgeschichte 24, 21-27 »Wegen der Auferstehung der Toten werde ich heute von euch gerichtet.« Wie kommt Paulus ger ade auf dieses T hema und nennt es als Grund seiner Verhaftung? Für die Glaubensrichtung der Pharisäer war die Auferstehung kein P roblem, aber die Sadduzäer glaubten nicht an ein Leben nach dem Tod. Die Priesterschaf t des Tempels in Jerusalem gehörte aber durchweg zu den Sadduzäern, die deshalb Paulus zum Schweigen br ingen wollten. Felix dagegen horchte auf, weil er »genauere Kenntnis von dem Weg« hatte und sich mit Paulus dar über unterhalten wollte (V. 22-24). So vert agte er die Entscheidung, ob er den Apostel f ür schuldig befinden sollte oder nicht , gewährte ihm jedoch Hafterleichterung. Warum aber ließ er ihn nicht frei? Felix war nicht so human, wie es hier den Anschein hat. Er war bekannt f ür seine Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaf t. Der Histor iker Tacit us schrieb über ihn: »Er übte die kaiserliche Macht mit der Gesinnung eines Sklaven aus.« Felix war in der Tat einst ein Sklave gewesen, war aber f rei- gekommen und a rbe itete sich auf de r Kar rier eleite r Sprosse für Sprosse nach oben. Und dieser i nteressi erte sich f ür eine n Paulus? Es war r isk ant, sich m it dem Apostel einzulassen, wie der St atthalter sehr bald bemerkte (V. 25). Dennoch ließ er Paulus in den folgenden zwei Jahren immer wieder holen, um sich mit ihm zu unterhalten, allerdings nicht uneigennützig: Vers 26. Felix war vom Wort Got tes im Innersten getroffen worden. Aber sein Leben wollte er offensichtlich nicht ändern. Geld, Sex und Gewalt gehör ten zu seinem Lebensstil, an dem er f esthielt bis zum Ende. Zwei Jahre nach der Ve r haf tung des Paulus w urde er vom K aiser abgesetzt , da er ei nen Aufstand besonders brut al niedergeschlagen hat te. Sein Nachfolger hieß Porcius Festus. »Und weil Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterließ er ›dem Fest us‹ den Paulus gefangen.« (Dazu Apg. 26, 29; 2. Tim. 2, 9. 10.)

Anfang

Donnerstag, 13. November

Apostelgeschichte 25, 1-12

Der Weg nach Rom wird endlich frei

Paulus verbrachte nun schon zwei Jahre in Unter suchungshaft . Als römi- scher Bürger durfte er ohne Urteil nicht länger gefangen gehalten werden. Deshalb beeilt e sich Festus, den Fall wieder auf zurollen. Sein Ant ritt sbe- such in Jerusalem bot dazu Gelegenheit (V. 2. 3). Wieder waren die Ankläger zur Stelle und beschuldig ten Paulus in dessen Abwesenheit schwer. Sie baten Fest us, den Apostel nach Jerusalem holen zu lassen. Ob der Römer den bösen und brutalen Entschluss der Ankläger durchschaut hatte? Fest us aber entschied, den Angeklagten in Cäsarea zu lassen. Got t selber ist es, der Menschenher zen lenkt wie Wasserbäche. Ihm f ällt es nicht schwer, auch einen heidnischen Römer zur Ret tung seines treuen Dieners einzusetzen. (Vgl. Ps. 33, 13-22; Apg. 21, 30-36.) Wieder kam es mit den »Hohen P riester n und vornehmst en Juden« in Cäsarea zum Prozess. Sie »brachten viele und schwer e Beschuldigungen vor«. Die Ant wort Paulus’ lässt erkennen, an welche »Vergehen« sie dachten. Paulus bezeugt: »Weder gegen das Geset z der Juden noch gegen den Tem- pel noch gegen den Kaiser habe ich in irgendeiner Weise gesündigt« (V. 8). Auch Fest us bemühte sich, den jüdischen Vert retern der Anklage entgegen- zukommen, um die Ruhe in der Pr ovinz aufrecht zuerhalten. Es ging ihm nicht um die Festst ellung von Recht und Unrecht. Er musste sich vor dem Kaiser politisch profilieren, um nicht – wie sein Vorgänger – vom mächt igs- ten Her rscher e ntlassen z u werden. De shalb f ragte de r Stat thalter den ange- klag ten Paulus nach dem weiteren Verhandlungsort (V. 9). Sollte der Apostel sich den Hohen P riestern ausliefer n und damit einem gewaltsamen Tod aussetzen oder dem Kaiser in Rom, dessen Ur teil ungewiss sein würde? Paulus wusste vom Herr n, welchen Weg dieser ihm gezeigt hatte (Kap. 23, 11; lies Ps. 18, 22. 23; 25, 4. 5. 9; 32, 8; 143, 8-10).

Anfang

Freitag, 14. November

Apostelgeschichte 25, 12-27

»Vor Statthalter und Könige werdet ihr gef ühr t werden um meinetwillen« Ehe Paulus vor den Kaiser in Rom tr eten sollt e, wart ete noch eine wichtige Aufgabe auf ihn: Er sollte seinen Herrn auch vor König Agrippa II. und seiner Schwester Berenike bezeugen. Der König war ein Urenkel Herodes des Großen und Regent unt er römischer Oberhoheit. Er herr schte über Teil- gebiete Israels und kannte sich gut im Judentum aus. Als Paulus in den Verhör saal geführt wurde, sah er sich einer hochkarät igen Versammlung gegenüber (V. 23). Agrippa erlaubt e dem Angeklagten, f ür sich selbst zu sprechen (Apg. 26, 1). Trot z er fahrenen Unrechts kann Paulus auf jede Polemik verzichten. Er bleibt ruhig, sachlich und freundlich. Denn Paulus weiß sich von Gott geführt und in seiner Hand. (Lies Ps. 23, 3; 31, 4.) Schauen wir uns die Rede des Apostels im Überblick an (Apg. 26, 2-23)! · Paulus bleibt seinem Gegenüber die angemessene Acht ung nicht schuldig (V. 2. 3; vgl. 1. Petr. 3, 15). · Er ber uf t sich auf seinen hohen Bekanntheitsgrad unter den Juden, die um seine Frömmigkeit von Jugend auf und seinen Dienst als ernsthaften Pharisäer wissen (V. 4. 5). · Er erinner t daran, dass der Glaube der Zwölf Stämme Israels die Hof fnung wachhält, dass Gott mächt ig ist , von den Toten auf zuer wecken (V. 6-8). War um sollte der Apostel schiefliegen, wenn doch das jüdische Volk auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes hofft? · Paulus verschweigt nicht sein schweres Unrecht , das er Christus und seiner Gemeinde angetan hat (V. 9-11). · Er berichtet , dass der erhöhte Her r ihm persönlich erschienen ist, ihn berufen und beauf tragt hat (V. 12-18). · Er betont, dass er dem Missions-Auf trag seines Herrn gehorsam geworden ist und Juden und Heiden zur Umkehr zu Jesus auffordert (V. 19-23).

Anfang

Samstag, 15. November

Apostelgeschichte 26, 23-32

Paulus’ wichtigstes Thema

Zum fünf ten Mal seit seiner Gefangennahme erwähnt Paulus seinen jüdi- schen Gegnern gegenüber die Auferstehung des Herr n Jesus Christus (Apg. 23, 6b; 24, 15. 21; 26, 8). War um legt der Apost el solch großen Wert auf die leibhaft ige Auferstehung des Her rn? »Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nicht ig.« (Lies 1. Kor. 15, 3. 4. 16-22.) Der Tod und die Furcht vor ihm ist eine Geißel der Menschheit . Was wird nicht alles unter- nommen, um den Tod zu verharmlosen und seine Härte zu verdrängen oder zu ignorier en! Gott aber will, dass die, die unter der Her rschaf t des Todes leben und leiden, den Weg in seine ewige Welt finden. »Wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.« Dar in liegt die Überwindung Satans, des großen Lebensf eindes, des Machthabers des Todes. (Lies Hebr. 2, 14; 2. Tim. 1, 9. 10.) Mit seine r Auferstehung aber hat Jesus den Tod überwunden und besiegt. Wer sich diesem Herrn anvertraut , wird leben, selbst wenn er st irbt. (Lies Joh. 11, 25. 26.) Wer von Christ us angenommen ist, ist letztlich die Todesangst los (Hebr. 2, 15). War um? Weil Jesus gesagt hat: »Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat , hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben übergegangen« (Joh. 5, 24). Das Sterben ist keine Katast rophe mehr, sondern Heimgang ins Vaterhaus. (Siehe Joh. 14, 2; 2. Kor. 5, 1. 8.) Während der »hochedle« Fest us die Verkündigung von der Auferstehung des Herrn für Schwachsinn hält , schweigt König Ag rippa II – peinlich berühr t? Paulus weiß, dass der König den Propheten des Alten Bundes glaubt. Was hinder t ihn, an Jesus, den Messias Gottes, zu glauben? Es war Agr ippa sicher klar, dass sein Zusammenleben mit seiner Schwester Berenike nicht dem Willen Gottes ent sprach.

Anfang

Sonntag, 16. November

Apostelgeschichte 27, 1-13

Reise gegen den Wind

Lukas, der Arzt und t reue Mitarbeiter des Paulus, hat te sich entschlossen, den Apostel auf der Reise nach Rom zu begleiten. Erkennbar wird dies dar an, dass der Bericht in der »Wir-For m« verfasst ist. – Paulus sollte mit einem Gefangenent ransport nach Rom gebracht werden. Ein Haupt mann namens Julius organisierte diese Reise. Mit ihm hatte Paulus es gut get rof- f en. A ls sie in Sidon (Libanon) das erst e Ma l anle gten, e rhi elt der Apostel die Erlaubnis, zu Freunden zu gehen, damit sie ihn mit dem Nöt igen versorgen konnten. Die Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern tröstete und erfr ischte ihn. Die Freunde rüsteten ihn mit allem aus, was er für die Reise benötigte. Sie werden ihn auch mit ihren Gebeten begleitet haben. – Julius und sein Gefangenent ransport setzten ihre Schiff sreise entlang der Küste fort , »weil die Winde widr ig waren«. Das Segelschif f konnte nur mit Mühe auf Kur s gehalten werden. Der Herbst kündigte sich an und verhieß f ür die Reise nichts Gutes. Der Hauptmann aber war sicher nicht der Einzige, der noch vor dem Winter Rom er reichen wollte. Er suchte nach einem Schiff mit einem mutigen Kapitän, der ein Risiko nicht scheute. Im Hafen von Myra (südliche Küste der Türkei) entdeckte er ein alexandr inisches Schiff, das Ku rs auf It alien nehmen sollte. Jetzt konnte die lange Reise richtig losge- hen – wenn da nicht der widrige Wind gewesen wär e, der ein schnelles Vorankommen unmöglich machte (V. 7. 8). Zweimal betont Lukas, dass es nur »mit Mühe« vorwärtsging. Offenbar schien die Durchsetzung eigener Wünsche (vor dem Winter in Rom zu sein ) wichtiger zu sein als die Rück- sicht auf Ladung und Passagiere. Paulus war nur ein Gefangener. Er konnte den Lauf der Reise nicht beeinflussen – oder doch? (Vgl. Ps. 20, 8; Phil. 4, 6.)

Anfang

Montag, 17. November

Apostelgeschichte 27, 7-20

Unter größter Anst rengung der Schif fsbesatzung err eichten sie einen Ort namens »Guthafen« auf der Insel Kreta. Sie hatten wegen des hef tigen Winde s v iel Zeit verloren. Lukas’ Z eitangabe deute t auf die Monate Septem- ber / Oktober hin. Das Risiko für die Schiff fahrt erhöhte sich besorgniserre- gend. Jetzt meldete sich der Gefangene Paulus zu Wort, gewiss nicht, weil er et wa Angst um sich hatt e (V. 10). Wollte man wirklich Menschen, Ladung und Schiff aufs Spiel setzen? Paulus f and beim Kapitän kein Gehör. Julius, der den Befehl hät te geben können, die Reise zu unterbrechen, verließ sich auf das Urteil des Steuer mannes, zumal sich »Guthafen« als »Schlechthafen« erwies, ungeeignet, hier zu überwintern. Musste Paulus jetzt ein weiteres unfreiwilliges Abenteuer auf sich nehmen? (Siehe 2. Kor. 11, 25-28.) War die Lage, in der er sich befand, Fügung Gottes? Oder wollt e der Widersacher verhindern, dass der Völkerapostel Rom erreichte? Oder wollte der Herr ein weiteres Mal durch Paulus reden und seine Überlegenheit über Machen- schaf ten und Naturmächt e demonstr ieren, damit ein Julius, ein Kapitän und ein Steuermann, Besatzung und Gefangene nach dem wahren Gott fragten und zu dem beteten, dem auch die Nat urgewalt en zu Gebot e ste- hen? (Vgl. Ps. 107, 23-31.) – Ein sanfter Südwind leitete die Kat ast rophe ein. Ein solcher Wind in dieser Jahreszeit kündet oft einen massiven Wet ter- wechsel an. Wusste der Kapitän das nicht? Die gute Absicht, einen besseren Hafen zum Über wintern zu er reichen ( V. 12), führte stattdessen direkt in den Sturm hinein. – Auch wir können in Situationen geraten, in denen der Wind einer Fehlentscheidung an unserem Lebensschif f rüt telt. Dann sollten wir innehalten und darüber mit Got t ins Gespräch kommen. Bei ihm können wi r uns ausspre chen, ihn um Vergebung bitte n und Neuor ienti erung finden. (Lies Jona 2, 2-7.)

Anfang

Dienstag, 18. November

Apostelgeschichte 27, 14-26

Paulus als Zeuge von Jesus in Seenot

Eurakylon – so der Name dieses Nordost-Windes – verwandelt e das stille Meer in eine tobende Sturmflut. Kapitän und Mannschaf t waren machtlos. Verzweifelt ließen sie das Schif f treiben. Sie hatt en es nicht mehr in der Hand. Lukas berichtet von den Bemühungen, das Schiff zu stabilisieren – vergeblich. Schließlich war f man die Ladung und das Schif fsger ät über Bord – erfolglos. Können wir uns über die Verhält nisse an Bord ein Bild machen? Tag und Nacht nichts als Finster nis, keine Sterne, die eine Orient ier ung hätten geben können, kein Sonnenlicht. Zuletzt schwand alle Hoff nung auf Rettung, berichtet Lukas. Sie warteten auf den schrecklichen Augenblick, in dem das Schiff auseinanderbrechen oder gegen einen Felsen geschleudert werden würde. Paulus schaute nicht zum ersten Mal dem Tod ins Auge. Sollte sein Wunsch, die Gemeinden in Rom kennenzulernen, sich doch nicht erfüllen? Kam jet zt sein Ende? – Schiffsmannschaft und Passag iere waren dem Unwetter macht los ausgeliefer t – doch Got t war es nicht. Durch die Sturmnacht hin- durch drang er zu Paulus vor und sprach mit ihm durch einen Engel (V. 23). Man muss nicht betonen, dass diese himmlische Begegnung mitten in der Katastrophe seine Lebensgeister wieder belebte. Er, der Gefangene, stand auf und redete allen gut zu : »Männer, ihr hät tet von Anf ang an auf mich hören sollen . . . « (V. 21. 22). Die Angesprochenen war en er schöpf t, mit ihrer Kraft am Ende und voller Angst vor dem Tod. Und da sagt dieser seltsame Mann in Fesseln: »Ein Engel Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, stand in dieser Nacht bei mir . . . « Hät te es ein überzeugenderes Bekenntnis zu dem Gott Israels und seiner Macht geben können? (Lies Dan. 3, 28; 6, 22. 23.)

Anfang

Mittwoch, 19. November

Apostelgeschichte 27, 23-44

Gerettet

Durch Gottes Gnade wird der gef angene Paulus zur »Schlüsselfigur« auf dem dahintreibenden Schiff. Es war noch immer dunkel um sie her um, aber Paulus wusste, wie es weitergehen würde. Um des hohen Missionsauf trags willen wollte Gott alle Schif fsreisenden ret ten. In der vierzehnten Nacht des Unwetters entdeckten die Mat rosen, dass sie gegen eine Küste getr ieben wurden. War sie felsig oder sandig? Aus Angst , doch noch mit dem Schif f gegen Felsen geschmetter t zu werden, versuchten die Matrosen zu fliehen. Da wird Paulus auf einmal zum Befehlshaber (V. 31). Mit Tagesanbruch gibt der Apostel die nächste Anweisung. Zwei Wochen lang hatten sie nicht s essen können. Jetzt fordert Paulus sie auf, et was zu sich zu nehmen, »denn dies gehört zu eurer Ret tung« (V. 33. 34). Mit gutem Beispiel vorangehend, dankte er vor aller Ohren seinem Gott f ür das Brot. »Alle aber wurden guten Mutes und nahmen auch selbst Speise zu sich.« – Noch waren sie nicht an Land. Als das Schif f auf einer Sandbank f est saß, kam es noch einmal zu einer krit ischen Situat ion, in der Paulus mit den übrigen Gef angenen bei- nahe ums Leben gekommen wäre (V. 42. 43). Nur durch das Eingreifen des Hauptmanns Julius ste ckten die Soldaten ihre Schwerte r wiede r ein. Schließ- lich gelang es allen zweihundertsechsundsiebzig Per sonen, das ret tende Land lebend zu err eichen. Paulus’ Voraussage hatte sich Wor t für Wort erfüllt. Wie viele der Ger etteten mochten sich nach diesem Erleben und Z eugnis des gefangenen Apostels entschlossen haben, künft ig dem Gott zu vertrauen und den anzubeten, der auf Gebete wirklich ant wor tet? (Lies Ps. 50, 14. 15; 62, 2; 65, 2. 3; 145, 18. 19; 72, 18. 19.)

Anfang

Donnerstag, 20. November

Apostelgeschichte 28, 1-6

Aufenthalt auf Melite

Durchnässt standen die Schif f br üchigen an einem kalten und regner ischen Morgen am St rand von Melite (ver mutl. Malta). Sie wurden von den Einhei- mischen mit großer Freundlichkeit empfangen, die den Zustand der Gest randeten rasch erfasst hatten und ein Feuer anzündeten. Auch Paulus grif f zu und raff te eine Menge Reisig zusammen, die er auf das Feuer legte. Da biss sich eine Giftschlange an seiner Hand fest. In den Augen der Malte- ser konnte das nichts Gutes bedeuten. Ihr Aberglaube verleitete sie zu der Ansicht , dass Paulus ein Mörder sein musste, den Dike (Gött in der Rache) nicht länger leben lassen wollte. Der vermeintliche Verbrecher schleuderte die Schlange ins Feuer und fiel nicht, wie es die Einheimischen er war teten, tot um. (Siehe Luk. 10, 18. 19; Ps. 91, 13. 14.) Als die Malteser den Apostel un versehrt vor sich sahen, dachten sie in ihrem Aberglauben, Paulus sei ein Got t. (Vgl. Apg. 14, 8-15.) Wie leicht- und aber- gläubig können Menschen sein, die keinen festen Halt im lebendigen Gott haben! Paulus liegt auch jetzt alles daran, dass die Bewohner Melites den wahren Gott kennenlernen. Er ist der Starke, der helfen, heilen und retten will und kann. »Siehe, ich bin der Herr, der Gott alles Fleisches! Sollte mir irgendein Ding zu wunderbar sein?« (Jer. 32, 27) Schnell sprach sich herum, dass der Gott , dem Paulus dient, ein wunderbarer Herr ist. Die Kranken suchten den Apostel auf, und er heilte sie in der Kraft Gottes. Keine Frage – die ganze Reise über wurde Paulus vom Geist Got tes geleitet. Die Führ un- gen geschahen zum Wohl derer, die im Aberglauben verhaftet und von Krankheiten geschlagen waren. Nicht Paulus war dabei die Hau ptsache, um die sich alles drehte, sonder n die Hilfsbedür ftigen, die ohne die Ber ühr ung mit der Kraft Got tes verkommen wären.

Anfang

Freitag, 21. November

Apostelgeschichte 28, 11-16

Die letzte Etappe

Drei Monate mussten die Schif fbrüchigen auf Melite aushar ren, bis im Fr ühjahr die Schifff ahrt wieder auf genommen wurde. In Puteoli gingen sie von Bord. Die let zten 200 km nach Rom sollten zu Fuß zurückgelegt wer- den. Es f ügte sich aber, dass Paulus und Lukas in P uteoli eine Gemeinde fanden. Dort konnten sie sich (unter Bewachung) sieben Tage von den Stra- pazen der Reise erholen, bevor der Fußmarsch ihnen wieder alle Kr aft abverlangen würde. War es nicht ein f reundliches Z eichen von Gott, dass am A nf ang und am Ende der Re ise Paulus unter Br üde rn verble iben konnte? Der Her r sorgt für seine Boten, indem er Ruhezeiten in ihr Leben einordnet. Denn auch Diener Gott es haben Grenzen der Kraf t. Die let zte Etappe des langen Weges dür fte den Gedanken ver stärkt haben, dass sie sich jetzt mit jedem Schritt der römischen Hauptst adt näherten. Paulus konnte nicht wissen, was ihn dort er war tete. Julius war f reundlich zu ihm gewesen. Würde er in Rom auch einen »Julius« haben? Während die Wanderer sich der Welthauptstadt näher ten, kamen ihne n bereit s die Brüder entgegen (V. 15). Paulus dankte und f asste Mut. Gott wusste, dass er eine Er mutigung br auchte, und ließ sie ihm zukommen. In Rom selber gewährte man dem Apostel freundliche Haf tbedingungen. Er wurde nicht in einen finsteren Kerker geworfen, sondern bekam nur Hausarrest. In einer Woh- nung nahm er – unter Bewachung – seinen evangelist ischen Dienst wieder auf (V. 17-31). Er war ans Ziel gekommen, unerreichbar für seine Feinde, geschützt durch die römische Wache, aktiv darin, das E vangelium auch in dieser heidnischen Welt bekannt zu machen. Enge, begrenzte Wirkungs- rä ume sind kei n wi rkli che s Hi nder nis für Gott, dass sein Hei lsangebot i n al le Welt kommt. (Vgl. Phil. 1, 3-8. 12-14.)

Leben mit zwei Blickrichtungen

Anfang

Samstag, 22. November

Psalm 121, 1-8; 123, 1

Auf der Schwäbischen Alb befindet sich mitten auf einer Wiese ein seltsames Kunstwerk. Es lohnt sich, auszusteigen und hinzugehen, um es näher zu bet rachten. Ein riesengroßes Brillengestell aus Metall ist zu sehen. Auf- f allend ist der Unterschied zwischen dem linken und dem rechten »Glas«. Schaut man bei dieser Brille durch das linke »Glas«, dann sieht das Auge in die Landschaft , schaut man durch das rechte, muss man den Kopf heben, denn dieses Glas ist auf den Himmel ger ichtet. Wie wäre es, wenn wir eine solche Brille t ragen würden? Ziemlich anstrengend, ja unmöglich. Und doch: Im über tragenen Sinn kennzeichnet diese doppelte Blickricht ung den Alltag eines Christenlebens. Der Arzt und Liederdichter Johann Schef fler (genannt: Angelus Silesius) hat es ähnlich ausgedrückt: »Zwei Augen hat die Seel’: Eins schauet in die Zeit, das andere wendet sich hin in die Ewigkeit .« Wie of t mochten Abraham und Sara sich gefrag t haben: Wann endlich wird Gott uns den ver sprochenen Sohn schenken? Die biologische Sachlage war eindeutig: Ihnen würden Kinder versagt bleiben. Welch eine Kränkung! Gott aber nahm sein Wort nicht zur ück. Dann gab es einen entscheidenden Augenblick im Leben Abrahams: »Er sah seinen eigenen, schon er storbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutter- leibes der Sara« – aber dann sah er mit den Augen des Glaubens auf Gottes Verheißung. Der Herr hatte ihn buchstäblich aufgefordert: »Blicke doch auf zum Himmel . . . « Sieh auf zu mir ! Sieh nicht nur auf die irdischen Gegeben- heiten. Hebe deinen Kopf hoch und schau auf mich, den Anfänger und Vollende r des Glaube ns. (Lies 1. Mose 15, 1-6; Röm. 4, 17-21.) Zwei Blickrich- t ungen – mit ihnen wollen wir uns in den nächst en Tagen ausf ührlicher bef assen. In drei Schr itten wo llen wir uns unser em Thema nähern. Erstens: Als C hr is- ten blicken wir in die Zeit, in unsere Gegenwart. Es ist der Blick in die Umgebung; es ist der Blick in meine persönlichen Lebensumstände, und es ist der Blick ins eigene Herz. Zweitens: Als Christen richten wir den Blick auch auf die Ewigkeit. Es ist der Blick auf unseren Herrn und der Blick in die zukünf tige Herrlichkeit. Beide Blickrichtungen sollen uns drittens zu einer gewissen G esamt-Schau helfen. Dabei sehen wir noch einmal in unsere Umgebung, auf die persönlichen Lebensumstände und ins eigene Herz.

Anfang

Sonntag, 23. November

Johannes 3, 16; 1. thessalonicher 5, 4

1. Der Blick in die Zeit Zum Blick in die Zeit gehört der Blick in unsere Umgebung. In einer Zeit- schrif t war zu lesen : »Jeder ist sich selbst der Nächste, es gilt, so viel wie möglich vom Diesseit s auszukost en, da das Jenseit s seine Bedeut ung ver- loren hat. Wir leben in einer Zeit der beispiellosen Got tvergessenheit, die of t nur dann durchbrochen wird, wenn eine Katastrophe geschieht . Dann heißt es anklagend: Wie konnte Gott das zulassen? Aber wir erleben auch ein merkwürdiges Phänomen : Unsere west liche Welt wird immer mehr ent- chr istlicht, gleichzeitig aber immer r eligiöser, die Esoterikwelle hat uns überrollt und ist salonfähig geworden. Der Geist des Antichr ist s macht sich Bahn, der leugnet, dass Jesus der Chr ist us ist, Gottes Sohn« (Ethos). Nicht viel anders waren die Sachverhalte zur Zeit der Apost el. Wir f ragen, was Paulus in seiner Umgebung wahrnahm, zum Beispiel, als er nach Athen kam. »Sein Geist ergr immte in ihm, da er die St adt voller Götzenbilder sah.« (Lies Apg. 17, 16. 22.) »Paulus, der den heiligen, lebendigen Gott kennt, sieht hier die ganze Verir rung der Menschheit. Athen war der Ort , an dem viele Men- schen ihre geist ige Bildung suchten, und die Menschen eines solchen Or tes gingen an Gott vorbei in der Fülle ihr er Religionen und Welt anschauungen. Athen galt in der Tat als ›fromme Stadt‹, alle Religion aber ist in sich selbst zwiespältig, sie meint irgendwie Got t und ist doch zugleich blind f ür Gott« (W. de Boor). Wie begegnen wir den Menschen in unserer multireligiösen und atheistischen Welt? Sind wir »Licht und Salz« in unserer Zeit und in unserer Umgebung? Menschen, die mutig, klar und f reundlich auf den Herrn Jesus Christus hinweisen? (Lies Matth. 5, 13. 14; 2. Kor. 9, 2.)

Anfang

Montag, 24. November

Epheser 4, 15; 2. Petrus 3, 18 Paulus hatte besonders jene Gemeinden vor Augen, die durch seinen Dienst entstanden waren. In den verschiedenen Briefen an sie drückte er seine Fr eude über ihr Glaubensleben aus. Doch er klagte auch über unmündige Christen, die immer noch in den »Kinderschuhen« steckten und an »Kinder- krankheiten« des Glaubens litten. Denn es gab St reit igkeiten wegen der unterschie dlichen A rt i n der Verk ündi gung de r Apostel . So rückte n mehr die Boten des Herrn in den Mitt elpunkt der Gespr äche als der Herr. Man erei- ferte sich gegeneinander über Größe und Bedeutung des Einzelnen. (Vgl. 1. Kor. 1, 10-17.) Der Apostel spricht das offen an. Was würde er heute fest- stel len, w enn er auf uns ere Gemei nde n und Gem einschaf ten blicken könnte? Was sehen wir? Was sieht der Her r? (Lies 1. Kor. 3, 1-4; 2. Kor. 6, 13-18; Eph. 4, 14; 1. Petr. 2, 2; Hebr. 5, 12.) Wir wollen dabei unsere ganz per sönliche Lebenssituat ion nicht übergehen. Mancher sieht dabei viel Schweres, das ihn bedrücken möchte: Krankheit, Schmerzen, viele Begrenzungen, Arbeitslosigkeit oder über mäßige Arbeit s- berge, ungelöste P robleme in der eigenen Familie, Sorgen um andere Men- schen. Doch manch einer hat angesichts seiner Lebensumstände auch die Kraft der Dankbarkeit entdeckt. Was erf ahren wir von Paulus über seine per sönliche Situat ion? Schauen wir eine seiner Aussagen in 1. Kor inther 4, 11-13 an: »Bis zu dieser Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße, w erden geschl agen und haben ke ine Bl eibe und arbeite n mühsam mit unse- ren eigenen Händen. Zum Kehricht der Welt sind wir geworden.« Das war kein leichtes, kein angenehmes Leben. Aber Paulus beschwert sich nicht , sondern nimmt seine Situation aus Got tes Hand: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht , . . . ich vermag alles durch den, der mich mächt ig macht! « (Lies Phil. 4, 10-13; 2. Kor. 9, 8; Jes. 40, 31.)

Anfang

Dienstag, 25. November

Römer 5, 6-8 Wie wir die persönlichen Verhält nisse wahrnehmen, das hat auch mit dem Blick in unser eigenes Herz zu tun. An einer Stelle im Neuen Testament bringt es Paulus auf den Punkt: »Ich bin ein elender Mensch, das Böse will ich nicht tun, und ich t ue es doch, und das Gute will ich tun, aber ich tue es nicht.« (Lies Röm. 7, 19-24.) Wer in der Nachfolge Jesus’ steht, der wird immer wieder erkennen, dass in unserer »Alt-Adams-Nat ur« nichts Gutes wohnt, sondern alle Möglichkeiten des Bösen in uns stecken. Paulus redet von dem unheimlichen Zwiespalt unserer Herzen: Wir tun etwas, das wir letztlich hassen. »Was Paulus hier sagt , ist keine Ansicht, über die man st rei- ten könnte, sondern es ist eine Aufdeckung von Tatsachen, die wir in unse- rem eigenen Leben und Wesen erkennen müssen . . . Erst als Erret teter kann der Mensch den Mut zu diesem Anblick seiner selbst haben, denn der durch Jesus Er rettete ist mehr als der Mensch aus Römer 7, sonst wäre das Evan- gelium nur eine Vertröstung auf den Himmel. Wer durch Jesus Errettung erfahren hat , kann mit Paulus sagen: ›Aber das Gesetz des Geistes des Lebens hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes, denn unser alter Mensch, der elende Mensch, ist mit Chr ist us gekreuzigt und begraben.‹ (Lies Röm. 6, 1-11.) Hart steht nun nebeneinander das ganze Elend des nat ürlichen Menschen und die Herrlichkeit des Menschen in Chr ist us Jesus« (W. de Boor). Das dürfen wir Christen auch sehen und wissen : Jesus, der gekreuzigt e und auf erst andene Herr lebt in mir. Wenn mich eine Versuchung packt , wenn Einsamkeit und Angst mich bedrücken, wenn ich ratlos und mut los bin, wenn ich anderen nicht vergeben kann, will ich ihm sagen: »Herr, du lebst in mir!«

Anfang

Mittwoch, 26. November

1. korinther 2, 9. 10; 2. chronik 20, 12. 20. 22. 2. Der Blick in die Ewigkeit Das meint vor allem den Blick auf den Herrn. Wer ihm gehört, darf mit dem Blick auf ihn leben. Ein Jesus-Nachfolger weiß um die Gegenwart seines Herrn und ist im Gespräch mit ihm. Und er ist es, der vor dem T hron Gottes f ür uns eintritt. »Nicht mit dem fleischlichen Auge sehen wir Jesus. Er zeigt sich uns nicht so, wie seine Z eitgenossen ihn geschaut und gekannt haben, nur der Glau- bensblick kann ihn erkennen. Für unseren Glaubensblick macht der Heilige Geist das Bild von Christus lebendig, wenn wir treu und gewissenhaft in den Quellen der Heiligen Schrif t for schen, denn es handelt sich ja um den Christus der Evangelien, wie er auf Erden gelebt und gelitten hat, gestor- ben, auferstanden und zum Himmel gefahren ist. Nur im Evangelium finden wir den wahren Christus mit allem, was er für uns ist, mit allem, was er für uns getan hat. Freue dich, dass dein Herr einen Namen hat, der über alle Namen ist, freue dich, dass ihm alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, in der sichtbaren und unsichtbaren Welt, und dass er stark genug ist, alle Fäden, sowohl deines äußeren Lebens als auch deines verborgenen Innenlebens, in der Hand zu halten und zu leiten. Wenn du im Glauben auf Jesus blickst, so darfst du gewiss sein, dass du nie einer Verlegenheit , einer Trübsal oder einer Versuchung begegnen wirst , die der Herr nicht nach deinem jeweiligen Vermögen auf der Waage des Heiligt ums gewogen und der er nicht ein solches Ziel gesetzt hätte, dass du sie nicht nur ert ragen, sondern darin weit überwinden kannst . Alles ist Christus untertan. Über- lasse dich ihm, r ichte deinen Blick auf ihn« (O. Stockmayer). (Lies P s. 16, 8; 141, 8; 13, 4.)

Anfang

Donnerstag, 27. November

hebräer 12, 1. 2; 2. korinther 4, 18 »Durch den Blick auf seinen Herr n gewinnt Paulus einen Maßstab f ür die Gegenwart , die so schwer ist und ihn zu zermahlen droht. Der Durchblick lässt ihn klar und nüchtern den wirklichen Sachverhalt sehen. Der augen- blickliche schwierige Weg des Paulus wird dadurch in seiner Schwere abge- wertet, dass er ihn nicht mehr so bedrängen darf. Von diesem Blick her vollzieht sich täglich und in jeder Situation die Er neuerung seines inneren Menschen, die ihn befähigt , seinen Weg tapfer bis ans Ende zu gehen. Das wird nur denen zuteil, die mehr sehen, als unmit telbar vor Augen ist. Paulus br auchte keine künstlichen seelischen Anstrengungen und krampf haften inneren Klimmzüge zu machen, sondern gewann aus diesem Durchblick des Glaubens die Ruhe, Geborgenheit und Kraft , die seinen inneren Menschen von Tag zu Tag erneuer te« (E. Schnepel). Selbst in besonders har ten St unden seiner Gefangenschaft erlebte Paulus die Nähe seines Her rn: »Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle . . . der Herr aber st and mir bei und st ärkte mich« (2. Tim. 4, 16. 17). Paulus sah Jesus nicht mit seinen leiblichen Augen, aber er wusste, dass er bei ihm war. Auf den Herr n schauen heißt mit ihm rechnen, sich an den Unsichtbaren halten, als sähen wir ihn. (Vgl. Hebr. 11, 27.) Der Blick in die Ewigkeit ist vor allem der Blick auf unseren erhöhten Herr n. Das schließt ein, dass wir uns von dem abwenden, was unser e Sinne gefangen nimmt und uns hindert, zu Jesus auf zuschauen. Was nimmt heute unseren Blick gefangen und hindert uns darum, auf Jesus zu schauen? (Lies 2. Kön. 6, 17; Hiob 42, 5; Ps. 34, 6; 121, 1.)

Anfang

Freitag, 28. November

Lukas 10, 17-20; Philipper 3, 20 Als die Jünger nach einem Missionseinsatz zurückkamen, erzählten sie staunend, welche Macht mit dem Namen ihres Herrn verbunden war. Jesus hörte ihnen zu, doch dann r ichtete er ihren Blick auf den höchsten Grund zur Freude: das Buch des Lebens (Off b. 3, 5). »Freuet euch darüber, dass eure Namen im Himmel geschr ieben sind.« Es gibt in der himmlischen Welt ein Bürger verzeichnis, in das die Menschen eingetr agen werden, die die Erlösung durch Jesus für sich per sönlich in Anspr uch nehmen und darum erlöst sind. Unser Bürger recht im Himmel ist ein hohes Gut, das uns in Nöten standhaft sein lässt. An mehreren Stellen spricht das Wort Gottes von diesem Buch: »Es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen g ibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk erret tet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen« (Dan. 12, 1). »Und ich sah die Toten, Groß und Klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden auf get an. Und ein anderes Buch wurde auf getan, welches ist das Buch des Lebens« (Off b. 20, 12). »Es werden nur die hineingehen in das neue Jerusalem, die geschr ieben stehen im Buch des Lebens« (nach Off b. 21, 27). Darf er uns daran erinnern, wenn wir über uns selbst verzagt sind, unzuf rieden mit unserem (geistlichen ) Leben? Er sagt: »Fürchte dich nicht , ich habe dich erlöst , ich habe dich bei deinem Namen ger ufen, du bist mein«, dein Name ist im himmlischen Lebensbuch einget ragen, du bist mein Eigent um (Jes. 43, 1). Das gilt, und das bleibt! Welch ein Vorrecht, schon jetzt zu wissen, dass wir bei ihm zu Hause sind, und wir werden nach die- sem Leben »bei dem Herrn sein allezeit« (1. T hess. 4, 17b; lies Jes. 51, 11; 35, 10).

Anfang

Samstag, 29. November

Johannes 14, 2; 2. korinther 5, 1 Der Blick in die Ewigkeit ist vor allem ein Blick auf die kommende Vollen- dung. »Die meisten Menschen meinen, dass wir über den Himmel nicht viel wissen und auch nicht viel darüber erfahren können. Es stimmt, dass wir nicht alles wissen, was wir ger n wissen würden, trotzdem ist es er staunlich, wie viel wir wissen können. Davon können wir uns ein wunderbares Bild machen. Aber es ist unmöglich, sich den Himmel vor zustellen, ohne an den He rrn Jesus zu denken. Der Herr wi rd dort nicht all ein sein. Eine unz ähl bare Menge von Engeln ist dort . . . Dann wird die Gemeinde dort sein. Wir werden vereint sein mit allen Erlöst en . . . Aus allen Nationen, Völkern und Sprachen werden sie dort versammelt sein. Wir werden die Heiligen des Alten Testaments dor t sehen, wir werden mit Abraham, Isaak, Jakob und auch mit Joseph, Mose und Elia am T isch sit zen. Wir werden Got t sehen und es auch aushalten, weil wir dann ohne Sünde sind« (W. MacDonald). Es lohnt sich, mitten in unserem irdischen Leben, of t an die kommende Herrlichkeit zu denken; denn sie ist das Ziel, zu dem wir unterwegs sind. Auf einem Grabstein steht folgende Inschr ift: »Wenn du hier vorbeikommst , Fr emder, halt an! Wie du jetzt bist, so war ich einst , wie ich jet zt bin, so wirst du sein, deshalb bereite dich vor auf den Tod und folge mir.« Ein Unbekannter hat diese Worte gelesen und darunter eine Antwort einger itzt: »Ich bin nicht ber eit, dir zu folgen, ehe ich nicht weiß, wohin die Reise geht.« Wer dem Wort Got tes glaubt , darf die Reise mit Gewissheit fortsetzen und ander e auf den Weg zur ewigen Herrlichkeit einladen. Eine gewisse Vor freude darauf bedeutet Stärkung f ür unser Leben in der Gegenwart. (Lies Phil. 1, 21-25; Mat th. 6, 20.)

Anfang

Sonntag, 30. November,1. Advent

Johannes 15, 15

Wenn wir e ine Brille hätt en, mit der wir in zwe i Blickr ichtungen gleichze itig schauen könnten, ergäbe sich als Summe das, was beide Augen sehen. Der Blick des Christen in di e Zei t und in die Ewi gke it erg ibt ei n nahezu voll stän- diges Bild. 3. Die Gesamt-Schau Wie wirkt sie sich aus, wenn wir in unsere Z eit schauen? Paulus sah den Götzendienst in Athen, und gleichzeitig sah er Got t, den Vater des Herrn Jesus, auf dem höchsten T hron. Der Apostel hatte Entscheidendes zu sagen, weil er mehr wusste und sah als die Leute von Athen. (Lies Apg. 17, 23-27.) Auch in den Gemeinden konnte er klärende, tröstende Worte sagen, die du rch seine Gesamt-Schau möglich waren. Wir Chr isten haben in unserer Zeit und Umgebung Wesentliches zu sagen, weil wir beide Blickrichtungen im Auge haben. Worüber sprechen wir in unseren Gemeinden und Gemein- schaf ten und bei persönlichen Begegnungen? Haben wir den Mut, ein kla- res, sachliches und freundliches Wort zu den Ereignissen der Gegenwart aus dem Blickwinkel der Ewigkeit zu sprechen? Zu klaren Worten gehört auch ein eindeutiges Leben als Jesus-Nachfolger. »Was hilft ’s, wenn wir beim warme n Of en und e iner Pfe ife Tabak die Not stä nde uns erer Ze it be jamm ern? Hand anlegen müssen wir, und sei es auch ganz im Kleinen« (Chr ist ian F. Spittler, 1782-1867). Jeder ist an seinem Platz voll verantwort lich dafür, dass er am Reich Gottes mitbaut. Das »Hand-Anlegen« kann sehr unter- schiedlich aus sehen. Lesen wir Römer 12, 4-21 einmal unter der Fragestel- lung: »Her r, was ist meine Aufgabe? Was kann ich tun, damit an meinem Leben deutlich wird: Hier ist Jesus zu Hause?« Auf fallend ist die wohl wicht igste »Hand-Arbeit« – das anhaltende Gebet (V. 12b). Diese »Arbeit im Herrn« ist nicht vergeblich.

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang