Diese kurze Aussage kann auf den ersten Blick verwirren. Ist denn das höchste Ziel unseres Glaubens doch »nur« die persönliche Rettung? Und wo bleiben Geist und Leib, wenn nur die Seele das Ziel erreicht? Hier gilt zu beachten: Die biblische Sicht des Menschen ist immer ganzheitlicher Art. Wohl unterscheidet sie zwischen dem Organismus Leib (Ps. 139, 13-15), der Seele als die belebende Kraft, den Ort der Empfindungen (1. Mose 42, 21; Ps. 84, 3) und dem Geist, der Denken und Entscheidung steuert (Matth. 26, 41; Hebr. 4, 12). Sie spielt diese aber in ihrer Bedeutung nicht gegeneinander aus, wie es in der griechischen Philosophie der Fall ist, die den Leib als minderwertiges Gefängnis der Seele verstand. In der Bibel bedeutet Erlösung nicht Befreiung der Seele und des Geistes vom Leib, sondern Heiligung und Umwandlung des Menschen nach Geist, Leib und Seele. »Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus« (1.Thess.5,23). So wird verständlich, dass die drei genannten Begriffe gar nicht isoliert voneinander zu sehen sind. Seele kann deshalb allgemein den Menschen als Person beschreiben, wie es auch in unserem Vers der Fall ist. Vielleicht vermeidet Petrus einen direkten Bezug zum Leib, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken. Sie sollen nicht damit rechnen, vor körperlichen Leiden bewahrt zu werden. Gott kommt zum Ziel, auch wenn der irdische Leib Schaden nimmt (Matth. 10, 28). In der Ewigkeit werden wir nicht nur »Geistwesen« sein, sondern Träger des Auferstehungsleibes (1. Kor. 15, 42-44). Am Ende unseres Glaubensweges gelangen wir endlich vom Glauben zum Schauen, zu ungeteilter Gemeinschaft mit ihm. Wir werden ihn sehen, wie er ist (1. Joh. 3, 2)!
Petrus spricht von dem Geist unseres Herrn Jesus Christus in den Propheten des Alten Testamentes. Beinahe könnte man über diese aufregend wichtige Information wie über eine unbedeutende Randnotiz hinweglesen. Sie offenbart jedoch den untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Alten und Neuen Testament (2. Tim. 3, 14-17). Die Berichte des Alten Testamentes sind nicht überholt oder gar von einem völlig anderen Gottesbild erfüllt. Dort begegnen wir demselben Geist wie im Neuen Testament, spricht zu uns der dreieinige Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bereits die Erschaffung der Welt geschieht durch Christus (Kol. 1, 16; Hebr. 1, 2). Auf dem Weg in das gelobte Land ist Christus mitten unter dem auserwählten Gottesvolk gegenwärtig (1. Kor. 10, 4). Die Propheten künden Gottes Rettungsplan an, der sich in Jesus als dem Christus erfüllt (Jes. 49, 6; Micha 5, 1). So erklärt es Jesus rückblickend seinen Jüngern (Luk. 24, 45-47). Wir staunen dabei über den tiefen Einblick in das Leiden des Herrn und über die Schilderung überraschender Einzelheiten (Jes. 53, 5-9; Ps. 22, 16-19; Sach. 12, 10). Aber auch der Triumph des Gekreuzigten und die Einzigartigkeit des Gottesreiches werden anschaulich vor Augen gestellt (Jes. 53, 12; Hes. 34, 23-31). Dabei sind die Propheten keine unpersönlichen Mittler, die lediglich als Sprachrohr Gottes dienen. Petrus weiß es besser. Als eigenständige Persönlichkeiten, die Gott und seine Worte lieb haben, sind sie von der empfangenen Botschaft selber zutiefst bewegt. Sie fragen ernsthaft, wann und wie sich diese Ereignisse erfüllen. Unser Text besagt: »Mit größtem Eifer und unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten haben sie nachgeforscht.« Wie viel Sehnsucht kommt hierin zum Ausdruck! Fernab von jeder sichtbaren Erfüllung haben sie dennoch mit der Zuverlässigkeit des Wortes gerechnet und Gottes Heil erwartet (1.Mose 49, 18; Micha 7, 7; Jer. 29, 11). »Herr, lass auch meinen Weg in deinem Wort fest sein.« (Vgl. Ps. 119, 133.)
Nochmals bringt Petrus erstaunliche Gedanken zur Sprache. · Die Botschaft der Propheten gilt uns! Natürlich gab es für jeden Propheten einen unmittelbaren Auftrag in seiner Zeit an sein Volk. Aber die Zusage, dass Gott sein Volk und diese Welt retten und zur Vollendung bringen will, blieb für sie ferne Zukunft. Wir aber dürfen mit dem reden und leben, den jene Gottesmänner ersehnten und doch nicht kennenlernen konnten. Wir wollen heute bewusst für dieses Vorrecht danken und Gott loben. »Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Wil lens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre« (Eph. 1, 9. 10). · Die Botschaft des Evangeliums gilt uns! Vermutlich denkt Petrus an dieser Stelle an Paulus und seine Mitarbeiter, die in der Kraft des Heiligen Geistes als erste Missionare dafür sorgten, dass die gewaltige Nachricht von Gottes erfüllten Versprechen zu den Menschen kam. (Lies 2. Kor. 1, 20; 5, 20.) Wir können inzwischen auf eine lange Kette von Zeugen zurückblicken, durch die wir beschenkt und gesegnet wurden. Wir wollen Gott loben und ihm für jene Menschen danken, die uns von Jesus erzählten und im Glauben weiterhalfen. · Die Engel verfolgen Gottes Rettungsplan mit Spannung! Obgleich Engel nicht an die Grenzen unserer irdischen Welt gebunden sind und als Boten Gottes zu unseren Diensten eingesetzt werden (Hebr. 1, 14), haben sie dennoch keine Kenntnis über Gottes Pläne im Einzelnen. (Vgl. Mark. 13, 32; Eph. 3, 8-10.) Aber ihr Interesse daran ist groß, vermerkt Petrus. Wir wollen Gott loben und ihn bitten, uns vor innerer Gleichgültigkeit und Abstumpfung zu bewahren. Was wir jetzt mit Jesus erleben, rückblickend begreifen und in lebendiger Hoffnung erwarten dürfen, das sprengt alle menschlichen Vorstellungen und Wünsche (Röm. 11, 33).
Unser Text stellt die Verbindung her zwischen der Lebenswelt Josefs und Israels in Ägypten und den veränderten Umständen, in die Mose hineingeboren wurde. Vierhundert Jahre waren vergangen, und die Zeiten hatten sich geändert. Alles war äußerst schwierig geworden für die Hebräer. Josef war gestorben, und ein neuer Pharao, der nichts von ihm wusste, hatte die Macht ergriffen. Dennoch können wir eindeutig Gottes leitende Hand erkennen. Ihm war nichts aus dem Ruder gelaufen. Israel hatte das Versprechen Gottes, in die Freiheit zu gelangen; daran konnten selbst die härtesten, von den Ägyptern auferlegten Fronarbeiten und Misshandlungen nichts ändern. »Der Feind mag sich widersetzen, aber Gott wird sich immer als der Stärkere erweisen« (C. H. Mackintosh). (Lies Ps. 89, 14; Jes. 40, 26-28.) Inzwischen war aus der stattlichen Familie Jakobs ein großes Volk geworden. Der neue ägyptische Machthaber fühlte sich bedroht und erließ »schlaue« Ge setze, der Bevölkerungs-Explosion Herr zu werden. Dabei scheute er kein Mittel, sein teuflisches Ziel zu erreichen. Aber seine Strategien griffen nicht. Gott hatte sein Volk nicht aus den Augen verloren. Er ist den listigen wie bru talen Schachzügen des Feindes weit überlegen. (Vgl. 2. Chron. 32, 7; Ps. 95, 3; 1.Joh.4,4.) Während die Lage des Volkes immer unerträglicher wurde, fädelte Gott in der Stille seinen Rettungsplan ein. Da er seine Hand im Spiel hatte, wagten es die beiden mutigen Hebammen, den todbringenden Anweisungen Pharaos Widerstand zu leisten. Von ihnen wird berichtet, dass sie Gott fürchteten. Die Ehrfurcht vor Gott, dem Herrn des Himmels und der Erde, be stimmte ihr Handeln. Wer vor diesem Herrn kniet, kann vor den Menschen, und seien sie noch so böse, gerade stehen. »Die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens, um die Fallen des Todes zu meiden« (Spr. 14, 27; vgl. Spr. 22, 4; Ps. 34, 10; Apg. 5, 29).
Manchmal denken wir: Schlimmer kann es nicht mehr kommen. So mochten auch viele Israeliten gedacht haben. In diese Zeit fiel die Geburt Moses. Seine Eltern warfen ihre Liebe und ihr Vertrauen auf Gott nicht weg. (Lies 5. Mose 28, 1-6; Ps. 128, 4; Hebr. 10, 35.) Amram und Jochebed sagten Ja zu ihrem Kind. Liebevoll versorgten und beschützten sie den kleinen Sohn. Auf dem Todesstrom plätscherte die wohlverwahrte »Mini-Arche« als Zeichen des Lebens. Welch ein Glaubensmut, welch eine starke Hoffnung, die es im Schrecken der entdeckten Arche nicht aufgibt, den lebendigen und wahren Gott durch Vertrauen zu ehren! »Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibt ewiglich« (Ps. 111, 10; Spr. 1, 7; 9, 10). Dieser Gott lenkt Menschenherzen wie Wasserbäche. Darum erbarmt sich die Tochter Pharaos, darum willigte sie ein, den Säugling für eine längere Zeit bis zum Abstillen des Kindes einer »fremden« Frau zu überlassen. So kam Mose in seine eigene Familie zurück. Das war kein Zufall, nein, hier bündelten sich die Macht Gottes und die Macht des Glaubens, um die göttliche Souveränität vor aller Welt kundzutun. (Vgl. Spr. 16, 9; Hebr. 11, 23; Ps. 27, 13. 14.) Jochebed, Moses Mutter, wusste darum und nutzte die geschenkte Zeit, ihrem Sohn zu vermitteln, dass das Vertrauen auf Gott auch in schweren Krisen durchhält und seine Tragkraft nicht verliert. (Vgl. Ps.78,4b-6.) »Vom Moment seiner Geburt an kämpfte sie entschlossen für das Leben ihres Sohnes« (H. Müller). Es war ihr sehr wichtig, dass Gottes Plan im Leben ihres Sohnes verwirklicht wird (Jer. 29, 11; Spr. 15, 33). Gelassen konnte sie Gott zutrauen, dass dies gelingen würde.
Mose wurde als ägyptischer Prinz erzogen und auf sein zukünftiges Amt als königlicher Erbe vorbereitet. Eine Führungsrolle war ihm sicher. Die Frage war allerdings, wen und in wessen Autorität und Kraft sollte er führen? Mose realisierte, dass Gott eine Aufgabe für ihn hatte, aber ihm fehlte die Weisheit, auf Gottes Zeitpunkt zu warten. Wissen und Weisheit sind nicht automatisch identisch. Mose handelte voreilig, und die Auswirkungen waren folgenschwer (Spr. 19, 2; Pred. 7, 9). Die Tatsache, dass er sich zu seinen Landsleuten stellte, um der großen Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten, zeugt von Charakter. Sein mitfühlendes Herz für seine geplagten Brüder und sein Motiv zu helfen, waren gut. Aber seine Vorgehen verwerflich. Moses gute Absichten wurden von seinen Landsleuten nicht erkannt. Von seinem gut gemeinten Entschluss und seinem scheinbaren Heldentum blieben nichts übrig als Furcht und Flucht. Wenn Gott die Seinen erzieht, wird er zunächst den eigenmächtigen Plänen und Taten zu Leibe rücken. Ganz zu schweigen davon, dass Ungerechtigkeiten, Misshandlungen, Bosheiten nicht mit Gewalt gelöst werden können. Dazu Hiob 5, 17. 18; Psalm 118, 18; Sacharja 4, 6. Haben wir's nicht schon ähnlich erlebt wie Mose? Wir fällten Entscheidungen, ohne Gott zu fragen. Wir konnten nicht geduldig auf seinen Rat warten. So zogen wir unsere eigenen Pläne durch. Ist dann alles aus? Gott sei Dank nicht. Mose erlebte, dass seine Flucht zunächst an einem Brunnen ein Ende nahm. Er erfuhr, dass Gott ihn nicht abschrieb wegen seines hitzköpfigen Handelns. Er ließ ihn weder verdursten noch lässt er den Sünder fallen. Hier in der Wüste lernte es Mose wieder, Anschluss an die wahre Quelle des Lebens zu finden. (Vgl. Ps.36, 10; Joh. 4, 10.)
Mit seiner Flucht nach Midian hatte Mose ganz natürlich auf sein Versagen reagiert. Nichts wie weg! »Gott aber sah nach den Söhnen Israel, und er kümmerte sich um sie.« Der Herr sieht uns an jedem Ort und nimmt sich unser an (Ps. 139, 9. 10). Für Mose war der lange Aufenthalt in Midian eine Zeit der Vorbereitung auf seine eigentliche Lebensaufgabe. Mose brauchte diese Zeit in der Fremde für sein inneres Leben. Er hatte Grund genug, über den Gott seiner Väter und über sich selbst nachzudenken. Drei wichtige Lektionen galt es zu lernen: 1. Dienende Demut (V. 16.17) Mose sah, welche Konflikte sich am Brunnen abspielten und half den Bedrängten. Mehr noch: Er schöpfte eifrig Wasser für ihre Herde. Wie anders verteidigte Mose jetzt die in Not Geratenen! Nicht genug damit. Mose wächst über sich hinaus, indem er ihnen viel Arbeit abnimmt. (Vgl. Ps. 119, 71; Joh. 3, 30.) »Wenn du das Werk eines Propheten tun sollst, lerne zuerst, dass du kein Zepter dazu brauchst, sondern eine Hacke« (B. v. Clairvaux). 2. Bereitwillige Unterordnung (V. 17-22) Mose war sich nicht zu gut, im Nomadenzelt zu leben und anstelle einer ägyptischen Prinzessin die Nomadin Zippora zu heiraten. Wir können daraus schließen, dass Mose bereit wurde, jeglichen Herrschaftsanspruch auf den mächtigsten Thron der damaligen Zeit aufzugeben, um sich dem Gott des Himmels und der Erde zu unterstellen. Mose bejahte seine veränderte Situation. »Unterordnung befreit uns von der schrecklichen Bürde, immer unsere eigenen Wege gehen zu müssen« (R. Forster). (Vgl. Mark. 8, 34. 35.) 3. Geduldiges Warten (V. 23-25) Vierzig Jahre etwa lebte Mose in den Wüsten-Regionen. Der ägyptische König war gestorben. Trotzdem griff Mose nicht eigenmächtig in die Geschicke seines Volkes ein. Er hatte Grundlegendes in der »Hochschule Gottes« gelernt Lektionen, die er später für seine Führungsaufgaben brauchen würde. (Vgl. Ps. 37, 7; 130, 6; Spr. 10, 28.)
In der Wüste erfährt Mose Gottes Führung. Es war kein Zufall, dass er mit seiner Herde an den Berg Horeb kam. Dort wollte Gott ihm alles sagen, was er jetzt wissen musste; und er wollte sein Herz prüfen (Spr.17,3; Ps.11,4.5). Aus dem brennenden und nicht verbrennenden Dornbusch rief er Mose zweimal beim Namen. Gott kannte und liebte Mose trotz seiner dunklen Vergangenheit. Der Herr sprach Mose an einem ganz gewöhnlichen Arbeitstag und Ort an. »So ist das bei Gott: Ohne Ankündigung redet er mit gewöhnlichen Leuten an gewöhnlichen Orten« (H.Müller). Allerdings kann das Reden Gottes den Alltag auch ganz und gar auf den Kopf stellen. Wie gut, dass Mose jetzt hörbereit war: »Hier bin ich ich will hören, was du mir zu sagen hast.« Zunächst aber sollte Mose einen starken Eindruck von Gottes Heiligkeit bekommen. (Vgl. 2.Mose15,11; Jos.24,19; Ps.99,5.) Es geht darum, die abgenutzten und staubigen Sandalen eines eingefleischten Denkens und Handelns abzulegen, um den Herrn zu erkennen und zu lieben. Dann aber sollte Mose einen starken Eindruck von Gottes Treue bekommen. In all den Jahren hatte der Herr nicht nur Mose, sondern auch sein Volk im Herzen behalten. Er, der ewig treue Gott, liebte die Seinen. Sie waren nicht verstoßen, sondern als Gottes Eigentum auserwählt. Gott kannte ihr Elend, ihr kummervolles Weinen und Schreien und versprach, sie aus dem alten Leben in Ägypten in ein neues und befreites Leben zu führen. Dieser Herr hält auch uns in unseren Problemen und Nöten die Treue. (Lies Ps. 69, 6. 20; 94, 11; Matth. 6, 8; Luk. 12, 30.)
Am Berg Horeb legte Gott Mose offen vor, wie ER dem Volk Israel helfen wollte. Der Herr berief Mose zum Befreier und Leiter seines Volkes. Mose sollte der Überbringer des göttlichen Willens sein. Dazu musste er nach Ägypten zurückkehren. Zurück an den Ort seines Versagens. Wie mochte es im Herzen Moses ausgesehen haben? Wie viel Unsicherheit und Beschämung mochten in ihm aufgestiegen sein? Wie unwürdig, ungeeignet und unbrauchbar mochte er sich angesichts dieses großen Auftrags gefühlt haben! Doch Mose sollte erfahren, dass Gott Sünder in seinen Dienst nimmt. Der Herr hatte Mose wahrlich eine große, ja übermenschliche Aufgabe zugedacht, als er ihn berief. (Vgl. Jes. 43, 1; Matth. 10, 1; Mark. 3, 13; Joh. 10, 3; 1. Thess. 5, 24.) Verständlicherweise fürchtete sich Mose vor den Reaktionen seines Volkes und vor dem Widerstand Pharaos. Angesichts drohender Konflikte hatte Mose doch nichts zu melden. »Wer bin ich aber auch?«
Aber es geht letztlich nicht darum, wer Mose ist, sondern wer Gott ist. Wahrscheinlich kommen uns manche Argumente Moses bekannt vor, wenn wir unser Leben anschauen. Doch wie Gott auf alle Einwände Moses eine gül tige Antwort gab, wird er sie auch uns geben, besonders, wenn wir an unserer Fähigkeit und Berufung zweifeln. Gott wollte Mose ja nicht als großartigen Befreier, sondern als ein Werkzeug in seiner Hand haben. Der Herr braucht keine Helden. Er tut sein Werk mit Leuten, die sich gebrauchen lassen. Der Herr will nicht nur unsere Fähigkeiten, sondern uns selbst haben. (Lies 2. Thess. 1, 11; Röm. 8, 30.)
Dreimal finden wir in diesem Textabschnitt den Satz: »Und der Herr sprach ...« Das Reden des Herrn hilft uns, ihn besser kennenzulernen. Unser Gott sucht das Gespräch mit uns! Dass der Höchste und Heilige, der treue und barmherzige Gott, mit uns spricht, ist etwas unerhört Großes. Mose und Aaron lernen: Nur das, was Gott ihnen sagt, sollen sie tun. Zuvor hatte Mose aber noch einiges zu klären. So muss er nach midianitischem Brauch seinen Schwiegervater um Erlaubnis bitten, nach Ägypten zurückkehren zu dürfen. Schließlich wollte Mose in gutem Einvernehmen mit Jitro seine Rückkehr starten. Wie wichtig das war, werden wir später noch sehen. Wir wissen nicht, ob er Jitro von seiner Gottesbegegnung und seiner Berufung erzählt hat. Es gibt so etwas wie ein Beziehungs-Geheimnis zwischen Gott und uns. Nicht alle unsere Erfahrungen mit Gott brauchen andere zu wissen. Sie werden aber durch unser Verhalten und unsere Taten sichtbar. (Siehe Matth.5,16; 2.Kor.9, 8; Phil. 1, 6.) Dann war da noch die Sache mit seinem unbeschnittenen Sohn. Gott erinnert Mose unmissverständlich an dieses scheinbar kleine Versäumnis. Da aber die Beschneidung das Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk war, drohte dem Verantwortlichen die Todesstrafe (1.Mose 17,14). Ungehorsam würde das Zerbrechen des Bundes bedeuten. Wer aber im Namen Gottes redet und handelt, kann sich keine Halbheiten leisten. Blitzartig erkannte Zippora, Moses Frau, was zu tun war. Darum musste Mose nicht sterben, und er wurde Zippora als Bräutigam (Mann) neu geschenkt (Blut-Bräutigam: im Blut liegt das Leben). Wie wichtig ist es, dass wir einander helfen, Gottes Wort und Willen zu beachten! Dazu Lukas 17, 3 und Hebräer 10, 24.
Bevor Mose und Aaron beim Pharao vorsprachen, suchten sie das Gespräch mit den Ältesten des Volkes Israel. Das war im Blick auf die innere Einheit des Volkes Gottes sehr wichtig. (Vgl. 2.Mose 14,29-31.) Durch Gottes Güte fassten auch die Israeliten neues Vertrauen, und sie beteten gemeinsam den Herrn an. Vom Herrn gesandt und autorisiert, betreten Mose und Aaron nun den Königspalast. Was muss Mose empfunden haben, als er den Prachtbau betrat, der ihm vor Jahren so vertraut gewesen war? Jetzt aber »hielt er die Schmach des Christus für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens« (Hebr. 11, 26). Mose war nicht mehr der Prinzensohn von damals, sondern Gottes Knecht. (Vgl. Jes. 50, 5; Luk. 9, 62.) Wie es zu erwarten war, ging Pharao nicht auf die Bitte um Freilassung des Volkes ein. »Ich kenne den Herrn nicht, und ich will Israel auch nicht ziehen lassen.« Der unsichtbare Gott der Hebräer war für den ägyptischen König, der sich selbst »Sohn Gottes« nannte, bedeutungslos und machtlos. Wie 2.Mose 4, 21 andeutet, musste sich hier ein extrem harter Kampf entzünden, den Pharao mit brutaler Gewalt auf dem Rücken der verhassten Israeliten austrug (2.Mose 5, 6ff). Verständlich, dass sich die hebräischen Aufseher nicht nur bei Pharao beschwerten, sondern auch Mose und Aaron die Schuld an der ganzen Misere gaben. Die Einheit im Volk Gottes drohte auseinanderzubrechen. In dieser Not »wandte sich Mose an den Herrn« (5, 22). Gott, der ein Hörer des Gebets ist, antwortete ihm: »Du wirst es sehen.« Welch eine hoheitsvolle, zukunftsweisende Verheißung! Gewalt, Missbrauch, Vertrauensbrüche haben nicht das letzte Wort. »Du wirst es sehen!« (Dazu Ps. 40, 1-6; 119, 18; Micha 7, 15; Jes. 28, 29.)
In 2. Mose 7-10 wird uns in einem erschreckenden Ausmaß deutlich, wie furchtbar es ist, den offen erklärten Willen Gottes und seine ernste Zeichensprache (Gerichts-Plagen) hartnäckig zu verachten. Daran ändert auch nichts der »religiöse Anstrich«, den sich der ägyptische König gibt (Kap. 9, 27. 28; 10, 16. 17). Mose, der von Gott Bevollmächtigte, blickte hinter die Fassade: »Ich weiß aber: Du und deine Großen, ihr fürchtet euch immer noch nicht vor Gott, dem Herrn« (Kap. 9, 30). »Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen« (Hebr.10,31). Gott ist weder ein gutmütiger noch ein griesgrämiger alter Opa. Der Herr lässt weder fünfe gerade sein noch rächt er sich an den Bösen. Gott ist heilig. Und wenn schon die himmlischen Wesen von Ehrfurcht erfüllt »heilig, heilig, heilig« ausrufen, wie viel mehr haben sündige Menschen sich vor ihm zu beugen (Jes. 6, 2-5)! Müsste einen da nicht die nackte Angst packen? Es gibt einen großen Unterschied zwischen Angst und (Ehr)furcht vor Gott. Angst hat grundsätzlich ihren Platz in einer von Gott abgefallenen Welt. Der Mensch reagiert auf Gemeinheiten, Verletzungen, Erschütterungen mit Angst. Jesus bestätigt dies: »In der Welt habt ihr Angst ...« (Joh.16, 33). Die Ehrfurcht vor Gott aber ist keine irdische, sondern eine geistliche Größe. Wo sündige Menschen von Gottes Heiligkeit und Lichtherrlichkeit berührt werden, erkennen sie, dass sie als Sünder unter dem Gericht Gottes stehen, aber als seine Geliebten unter der Gnade Gottes. Darum ist es möglich, Ängste überwinden und der Güte Gottes trauen zu lernen. Denn der Herr macht einen Unterschied zwischen »Ägypten« und »Israel«. (Lies 2. Mose 8, 18; 9, 4; 10, 23; 11, 7.) Mitten im Gericht empfangen die Israeliten Gottes unverdiente Güte und Gnade. »Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich« (Ps. 138, 7a; vgl. Ps. 103, 17-22; 118, 5; Nah. 1, 7).
Neun schreckliche Plagen waren bereits über Ägypten ergangen. Das letzte Gericht Gottes, der Tod aller erstgeborenen Söhne Ägyptens, würde nicht nur großes familiäres Leid bringen, sondern es traf das Land Ägypten als gesellschaftlich-politische Größe. Denn der Erstgeborene galt als Träger der väterlichen Kraft und Autorität. Er trug eine besondere Verantwortung für die Zukunft seiner Familie und seines Volkes. Während Ägypten seine Hoffnungsträger begraben musste, schenkte Gott seinem Volk Zukunft und Hoffnung. Nicht, weil die Israeliten die besseren Menschen waren, sondern weil sie einen Stellvertreter hatten, der statt ihrer starb und sie so vor dem Gottesgericht verschonte. Diese Verschonung aber (Päsach, Passa) hatte Gott an den Glaubensgehorsam seines Volkes geknüpft. (Lies 2.Mose 12,5-14.) Als Zeichen des Lebens galten die mit Blut bestrichenen Türpfosten; denn das Leben eines Geschöpfes ist in seinem Blut (3. Mose 17, 11). Ohne den fehlerlosen Stellvertreter, dessen Blut das Zeichen der Verschonung vor dem Tod ist, gibt es keinen Auszug aus dem Sklaven-Dasein und keinen Einzug ins Land der Freiheit. Das gilt auch für uns. Alle Opfer im Alten Bund sind im einzigartigen Opfer, das Jesus als Lamm Gottes stellte, zusammengefasst. Dazu Jesaja 53, 7; Johannes 1, 36; Römer 5, 8-10. »Kennst du den Mann, der dort am Kreuze starb? Kennst du das Heil, das er für dich erwarb? Sündenvergebung und Gerechtigkeit, Freiheit, Glück und Seligkeit, auch schon hier in dieser Zeit« (A.Lau). Das größte und wichtigste in unserem Leben ist, dass wir Jesus persönlich kennen. »Ich kenne den Herrn nicht«, äußerte Pharao verächtlich. »Ich kenne ihn nicht«, leugnete Petrus angsterfüllt. Aber er ließ sich vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn helfen. So wurde er ein mutiger Bekenner der Erlösung, die Jesus Christus schenkt: 1.Petrus 1,18-23.
Ägypten lag hinter Israel das Rote Meer vor ihnen! Was war das Schlimmere? Dazu kam noch, dass Gott sie einen Umweg geführt hatte (2. Mose 13, 18). Dieser Umweg führte sie in eine Sackgasse und war eigentlich ein Rückzieher. Doch Gott hatte alles ganz bewusst geplant. »Einerseits führte er die Ägypter in die Irre, andererseits hatte er einen detaillierten Plan für die Israeliten« (H. Müller). Er wollte sein Volk am Roten Meer eine Erfahrung machen lassen, die es nie wieder vergessen würde. »Israel wäre nie so reich geworden an göttlichen Offenbarungen und Herrlichkeiten, wenn der Herr nicht diesen Weg gewählt hätte« (J. Kroeker). Der kürzeste Weg ist nicht automatisch der Beste! Auf ihrer Wanderung durch die Wüste hatten die Israeliten außerdem etwas, was keine Nation je besaß: die sichtbare Herrlichkeit Gottes. (Vgl. Röm. 9, 4.) Sie standen unter Gottes persönlicher Führung. Die Rettung aus der Knechtschaft und der Weg in die Freiheit waren somit unmittelbar an Gott gebunden. Während Israel nun am Ufer rastete und überlegte, wie es an dieser ungünstigen Stelle weiterziehen sollte, war Pharao nicht untätig geblieben. Er hatte sein Heer gerüstet und begann die Verfolgungsjagd. Vers 9 berichtet, dass die Ägypter das Volk einholten. Eine Horrorszene! Dahinein spricht Mose das Fürchtet-euch-nicht des Herrn. (Vgl. 2. Kön. 6, 16; 1. Chron. 22, 13; Ps. 23, 4; 56,5; Matth.14,27.) Indem Mose den Zuspruch des Herrn verkündet, zeigt er damit auch etwas von seiner inneren Glaubensstärke. Mose lässt sich von Gott gebrauchen und ist mit seinem ausgestreckten Stab so etwas wie Gottes verlängerter Arm. Unsere Arme erschlaffen und ermüden, aber wenn Gott uns unter die Arme greift, sind wir stark. Damit gehört allein ihm, dem herrlichen Retter, alle Macht und Ehre und Anbetung. (Siehe 1. Sam. 2, 1-4. 9; Jes. 40, 27-31.)
Die einzigartige Hilfe Gottes, die Israel beim Durchzug durchs Rote Meer erfuhr, schien ziemlich schnell in Vergessenheit geraten zu sein. Hatten sie vor kurzem noch gesungen: »Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang« (2. Mose 15, 2), stimmten sie nun bittere Klagelieder an. Jetzt verfolgten sie zwar nicht mehr die Ägypter, aber der erbärmliche Durst und der nagende Hunger waren zu ihren Feinden geworden. Mara, Elim und Refidim waren Weg-Stationen auf beschwerlichen Wüstenwegen, die vom Wunder-Handeln Gottes zeugten. Vielleicht denken wir manchmal: Eigentlich müssten die Israeliten doch gelernt haben, dass Gott sie nicht im Stich lässt. Aber das Menschenherz ist »ein trotzig und verzagt Ding« (Jer. 17, 9). Gott lässt uns durch die Wüste wandern, damit wir uns selber besser kennenlernen, nicht, um uns fertig zu machen, sondern um uns SEINE Barmherzigkeit, Liebe und Treue zu offenbaren. Es geht dem Herrn vor allem darum, dass wir ihn selber besser kennenlernen und dass unsere Beziehung zu ihm vertieft und gefestigt wird. Das hatten Mose, Aaron und Hur im Blick, als der Erzfeind Israels, das Kriegsheer der Amalekiter, Gottes Volk angriff. (Lies 2. Mose 17, 8-16.) In den Augen Gottes waren die Amalekiter für das Gottes-Gericht reif geworden. (Vgl. 5. Mose 25, 17-19.) Die Kämpfer Israels waren gewissermaßen die Gerichts-Vollstrecker Gottes. Wie schon Israel damals, sollen erst recht die Jesus-Nachfolger heute einen geistlichen Nutzen aus der Kampf-Geschichte ziehen: »...in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet« (2. Chron. 20, 12). Der Blick auf unseren siegreichen Herrn und das vertrauensvolle Gespräch mit ihm schlagen den Feind unserer Seele in die Flucht.
Amtsträger, Vorsteher, verantwortliche Leiter brauchen weise Berater. Mose war an den Rand seiner Kräfte gekommen. Der Dienst für Gott ermüdete nicht nur Mose selber, sondern auch das Volk (V. 18). Wer als Verantwortungsträger meint, alles selber machen zu müssen, wird eines Tages nervös, erschöpft oder erstarrt sein. Er funktioniert nur noch oder bricht zusammen. Mose hatte die Größe, sich sagen zu lassen: »Das Geschäft ist dir zu schwer, du kannst es nicht allein ausrichten.« Der Rat seines Schwiegervaters ist weise und einfach zugleich. Im Vertrauen auf den Gott Israels (V.10-12) rät er Mose zu einer klar strukturierten Gemeinde (V. 21. 22). Auch Jesus, auf dem »der Geist der Weisheit und des Verstandes ruhte« (Jes. 11, 2), versah seinen Dienstauftrag nicht im Alleingang. In nur drei Jahren vertraute er einer kleinen Jüngergruppe sein weltweites Missionswerk an. Es gilt allerdings zu beachten, dass Strukturveränderungen, Gremienarbeit und Teambildungen getragen und durchdrungen sein sollen von Gottvertrauen, Gebet und Glaubensgehorsam (2. Mose 18, 16. 19. 21). Echtes Gottvertrauen erweist sich auch darin, eine bisherige Verantwortung wirklich abzugeben und sie zu übergeben, wohl wissend, dass der andere es anders machen darf. Wenn wir nur bei Jesus bleiben! (Vgl. Joh. 20, 21-23; 2. Tim. 2, 2.) Niemand aber denke, er sei »überflüssig«, weil er kraftlos, unfähig, krank, alt, nicht mehr gefragt ist. Jesus schiebt keinen ab. Bist du im Orchester der Jesus-Gemeinde »nur« eine Piccolo-Flöte, dann spiele sie fröhlich. Denn unser »großer Dirigent« wird dich schmerzlich vermissen, wenn du dein Instrument zur Seite legst. »Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes ..., damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!« (1.Petr.4,10)
Mose und das Volk Gottes waren am »Gottesberg« angekommen. Hier hatte Mose Gottes Stimme gehört und seine Berufung empfangen. Einsam war Mose damals gewesen; jetzt begleiteten ihn mehr als zwei Millionen Menschen, denen Gott eine neue Bestimmung zu geben gedachte: Als Eigentum Gottes soll Israel dem Herrn ein Königreich von Priestern sein. Wie können sie dieser Bestimmung entsprechen? 1. Hören, was Gott sagt (V.3-6.9) Vergangene Glaubens-Erfahrungen wollen ermutigen, Gott auch in Zukunft zu vertrauen. Der Herr hatte sein Volk bis hierher an den Berg der Gottesoffenbarung, zu sich, in seine heilige Nähe, gebracht. Hier sollten sie mit offenen Herzensohren das Leitbild für ihr Leben als »königliches Priestertum« empfangen (2. Mose 20, 1ff). Der Hörende kann gehorchen, und der Gehorsame hört. »Hören will ich, was Gott, was der Herr reden wird . . . « (Ps. 85, 9). »Dieses Reden Gottes und dieses Hören Israels sollte hinfort die verborgene Kraftquelle sein« (J. Kroeker). Auf Gottes Wort hören und ihm gehorchen, schenkt dem Glaubenden neue Kraft, seinen Alltag zu bewältigen. Dazu 5. Mose 4, 1 und Sprüche 23, 19. 2. Reinigen, was beschmutzt ist (V.10.11.14) Gott ist heilig! Keiner kann ihm in lässiger Einstellung begegnen. Keiner ist rein genug, um sich Gott zu nahen. »Wenn der Himmel die Erde berührt, ist Ehrfurcht angesagt« (H. Müller). Wie gehen wir mit unseren Schmutzstellen um? »Reinigt die Hände, ihr Sünder!« (Jak.4,8; vgl. Jes.1,16; Jer.4,14; 1.Joh. 3, 1-3) 3. Ernst nehmen, was verwehrt ist (V.12.21b) Gott hatte eine Grenze gezogen, die das Volk nicht überschreiten durfte. So nahe Gott uns gekommen ist, so »fern« ist er noch: »Gott wohnt in einem unzugänglichen Licht« (1. Tim. 6, 16). Umso mehr dürfen wir uns freuen, dass wir durch Jesus »nahegebracht« sind (Eph. 2, 13). Aber vereinnahmen lässt Gott sich nicht.
Vieles hat Mose mit seinem Volk und mit Gott auf der vierzig Jahre dauernden Wanderung erlebt. Er hat dabei auch Fehler gemacht. So wie wir. Einer war besonders belastend und der Grund dafür, dass Gott ihm den Einzug in das verheißene Land versagte. Jetzt neigte sich Moses Leben seinem Ende zu. Wird er loslassen können, seine Lebensaufgabe abgeben? Er bereitete seinen Abschied bewusst vor, indem er Josua als seinen Nachfolger einsetzte. Mose hatte besonders in schweren Stunden gelernt, dem Herrn zu vertrauen und ihn beim Wort zu nehmen. Darum prägte er dem Volk Gottes ein, dass alles darauf ankommt, dem Herrn zu gehorchen. Mose war in den strapaziösen Jahren, in denen er mit einem undankbaren, wankelmütigen, mürrischen Volk unterwegs war, nicht bitter geworden. Er »war ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden« (4. Mose 12, 3). Offensichtlich hatte er die vergangenen Schwierigkeiten geistlich bewältigt. Auf diesem Hintergrund können wir die Segnungen besser verstehen, die er über den Stämmen Israels aussprach. Er konnte sie angesichts seines bevorstehenden Todes segnen, weil er wusste: Gott macht es gut. Er steht zu seinem Wort. Sein Plan wird sich erfüllen. Mose segnet, indem er an Gottes unabänderliche Liebe erinnert (5. Mose 33, 3; vgl. Jes. 54, 8). Er segnet das Volk, indem er es an den persönlichen Schutz Gottes erinnert (5.Mose 33,28. 29). (Lies Ps.9,10; 46,8; 69,30.) Mose segnet Israel, obwohl die neue Generation, die kurz vor dem Einzug ins verheißene Land stand, um kein Haar besser war als die alte. »Barmherzig und gnädig ist der Herr, langsam zum Zorn und groß an Gnade« (Ps. 103, 8; lies 2. Mose 34, 6; Joel 2, 12. 13; Eph. 1, 3-8).
Paulus hatte eine berechtigte Sorge, wenn er an die Gemeinde in Kolossä dachte. »Wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt«, heißt es in Kapitel 1, 23. Er bezweifelte nicht den Glauben der Kolosser. Aber er betrachtete mit wachsender Unruhe kursierende Lehraussagen, die einige Lehrer, die nicht beauftragt waren, in Umlauf gebracht hatten (Kol.2,16-23). Er warnte die Gemeinde vor einer selbstgefälligen Frömmigkeit und stellte ihnen den unvergleichlichen Christus vor Augen (Kol.1,15-20). »Er ist das Haupt seines Leibes, nämlich der Gemeinde.« Diesen »Leib« zu pflegen, ist die »Passion« des Paulus. Mit dem Begriff »Passion« wird der Leidensweg des Christus bezeichnet. Er bedeutet aber auch »leidenschaftliche Hingabe«. Paulus ist an der Bildung des »Christus-Leibes« stark beteiligt und heftig darum bemüht, dass die Glieder intakt sind und es auch bleiben. Was meint er aber damit, wenn er schreibt: »Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze an meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde.« Es geht hier nicht um das Leiden des Herrn der Sünde wegen. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Der Apostel meint mit den »Christus- Drangsalen« das Leiden als Jesus-Nachfolger, wie der Herr es seinen Jüngern deutlich gesagt hatte. (Lies Matth. 10, 16-22. 34-39.) Paulus gibt nun seinen Körper für das, was noch fehlt von den Bedrängnissen des Christus am Leib seiner Gemeinde. Der Herr ermutigt aber auch seine Nachfolger: Fürchtet euch nicht! Ich bin bei euch jeden Tag! Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden! (Lies 1. Petr. 1, 3-9.)
Paulus erfuhr am eigenen Leib, was es heißt, um des Glaubens an Jesus willen zu leiden (2.Kor.6,4-10; 11,23-28). Wenden wir uns noch einmal der Aussage des Apostels zu: »...ich erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.« Paulus wusste, dass er seinem Herrn nie näher sein konnte als in der Leidens-Gemeinschaft mit Jesus (Phil. 3, 10). Diese Nähe zu Jesus ergab sich aus Paulus Dienst, bezieht sich aber auch auf seine Berufung: »Ich werde ihm zeigen, wie sehr er für meinen Namen leiden muss« (Apg. 9, 15. 16). Paulus war einst auf dem Weg nach Damaskus, um die Jesus-Gemeinde bis aufs Blut zu verfolgen. Nun hatte er selbst teil an diesen Leiden, nicht als Vergeltung, sondern um den Segen des »Leidens um Jesus willen« zu erfahren. Weiter schreibt Paulus vom Geheimnis des verkündigten Evangeliums. Es ist »jetzt seinen Heiligen geoffenbart worden«. In den Zeiten des Alten Bundes blieb es verborgen. Israel, dem erwählten Volk Gottes, gehörten die herrlichen Verheißungen Gottes (vgl. Röm.9,4.5). Wie aber stand es um die Völkerwelt? Sie kannte die frohe Botschaft nicht. Aber Gott, der Schöpfer der Himmel und der Erde, dachte an sie, die auch zu seiner Schöpfung gehören. Zwar waren sie verstrickt in ihren abgöttischen Kulten, doch das Angebot der Rettung durch Jesus Christus galt auch ihnen. »Ihnen wollte Gott zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.« Deshalb gehörten die ehemals heidnischen Kolosser auch zum Volk Gottes, das wie Israel ein Anrecht hat auf alle Verheißungen Gottes, die auf eine herrliche Zukunft hinweisen. (Lies 1. Tim. 1, 1; Eph. 1, 3-14; Offb. 1, 5. 6; 7, 9-12.)
Das Geheimnis, von dem Paulus an die Kolosser-Christen schrieb, ist für Glaubende kein Rätsel mehr. Jesus Christus selbst, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes und der Erstgeborene der alten und neuen Schöpfung, ist in ihr Leben hineingekommen. Ihre Blicke bleiben nicht mehr am Sichtbaren und Zeitlichen hängen. Sie haben eine neue Perspektive für die Gegenwart und Zukunft. In Jesus Christus ist ihnen das ewige Leben geschenkt, an dem sie schon jetzt teilhaben. (Vgl. Eph. 2, 4-7.) Das gelüftete Geheimnis bietet ihnen mehr als die Luftschlösser jener Versprechen, die menschlichem Wunschdenken und abwegigen Illusionen entsprangen. (Siehe Kol.2,4.8; Röm.16,18; 2. Kor. 11, 13-15; 2. Petr. 2, 1-4.) Die Hoffnung der Gemeinde in Kolossä und aller Gemeinden in der ganzen Welt ist Jesus und Jesus allein! Ihn gilt es festzuhalten, im Leben wie im Sterben. Wir sind noch nicht vollendet und noch nicht im Himmel, sondern stehen mit beiden Beinen auf dieser Erde und müssen uns dem Kampf stellen, den es kostet, in Jesus zu bleiben (Joh. 15, 4. 5). Paulus kostete es damals viel Mühe und Überzeugungsarbeit, die Gemeinden vor zerstörerischen Lehren zu warnen und immer wieder Jesus in die Mitte zu stellen. »Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen, wozu ich mich auch bemühe und kämpfend ringe.« Paulus konnte das nicht aus seiner eigenen Kraft heraus vollbringen. Er nahm die Kraft dessen in Anspruch, der kräftig in ihm wirkte. Deshalb predigte, lehrte und ermahnte der Apostel christusgemäß und nicht in der Weisheit der Philosophen, auch wenn sie manche richtigen Erkenntnisse von sich gaben. Paulus redete in der Vollmacht, die Jesus Christus ihm gegeben hatte.
»Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort von Christus.« Wir sind dankbar, dass in unserem Kulturkreis das Evangelium frei gepredigt und weitergesagt werden kann. In Gottesdiensten, Bibelzeiten und Hauskreisen hören wir das biblische Wort. Und wie viele pflegen die gute Ordnung, täglich in einer persönlichen Zeit stiller Besinnung, die Bibel aufzuschlagen und darin zu lesen. In zahlreichen, gut sortierten christlichen Buchhandlungen wird eine große Menge geistlicher Literatur angeboten. Ja, die geistlichen Quellen sprudeln kräftig. Wir haben freien Zugang und können uns reichlich mit Material eindecken, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Jesus und die Bibel liebzumachen. Aber wir sollten uns auch immer wieder die Frage stellen: Wie gehe ich mit dem Gehörten und Gelesenen um? Hat es mich fester an Jesus gebunden? Lebt das biblische Wort in mir? Hat es mein Verhalten verändert? Wir machen uns nicht selbst zu solchen, die Jesus mit ungeteiltem Herzen nachfolgen. Jesus wirkt es durch sein Wort und seinen Geist. Meine Aufgabe besteht darin, Jesus mit seinem Wort und seiner Kraft freien Zugang zu mir zu gewähren und die Zimmer türen in meinem Lebenshaus nicht durch allerlei »Zeug« zuzustellen. Der Herr möchte, dass wir entrümpeln, aufräumen, neu ordnen und er hilft uns dabei. Schaffen wir die Abfälle unserer Selbstsucht, die Scherben der Unversöhnlichkeit und den Schutt unseres Ungehorsams unter sein Kreuz! (Lies 1. Kor. 3, 16; 6, 19; 2. Kor. 6, 16 -7, 1; Röm. 12, 1. 2.) Manchmal wird auch die Bitte um Vergebung unserem Nächsten gegenüber nötig sein, ein anderes Mal gilt es, einen Schaden wieder gutzumachen oder einen schuldhaften Mangel auszugleichen. Es mag sein, dass wir belächelt werden. Was macht das schon aus, wenn die Engel Gottes darüber jubeln, wenn auch nur ein Sünder Buße tut?
»Ich will euch wissen lassen, welchen Kampf ich um euch führe und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben.« Paulus leistet einen intensiven Gebetseinsatz für Leute, die er nicht persönlich kennt und die ihn nicht kennen. Das Gebet, die Fürbitte, der Brief überbrückt Entfernungen und schafft eine geistliche Gemeinschaft über hunderte und tausende von Kilometern hinweg. Ist das nicht eine Ermutigung für unsere Gebetszeit, wenn wir für Menschen beten, die wir nie gesehen haben und wahrscheinlich auch nie persönlich kennenlernen? Für den Geist Gottes gibt es keine unüberbrückbaren Entfernungen oder Grenzen. Er erreicht jeden Menschen im fernsten Winkel unserer Erde. Paulus betet für die Gemeinden, damit sie ermutigt werden, am Glauben festzuhalten. Darüber hinaus bittet er Gott, die »Herzens-Augen« für Christus, »das Geheimnis Gottes«, zu öffnen. (Vgl. Eph. 1, 15-19; 3, 16-19.) Diejenigen, die damals über das Evangelium Falschmeldungen verbreiteten, hatten etliche Geheimnisse auf Lager, mit denen sie Anhänger anwerben wollten. Nur ein paar »Eingeweihte« sollten um das »Verborgene« wissen. Das gab ihnen ein Gefühl der Macht über solche, die nicht eingeweiht waren. Welch ein Kontrast zur dienenden Liebe des Herrn Jesus Christus, der, fern aller Geheimniskrämerei, für alle Menschen den Weg zum Vaterherzen Gottes bahnte. Wer auch immer diesen Weg betritt und begeht, kann vom Christus-Geheimnis Gottes bezeugen: »Es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64, 3): ÅWas kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben. Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit« (1. Kor. 2, 9. 10).
»In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Ich sage das, damit euch niemand betrüge mit verführerischen Reden.« Christus hat uns alles geschenkt, um ein Leben zu führen, wie es Gott gefällt. Denn durch Jesus haben wir Gott kennengelernt, der uns in seiner Macht und Herrlichkeit zu einem neuen Leben berufen hat (2. Petr. 1, 3. 4). Das müssen wir uns nicht im Geringsten absprechen lassen. Viele ärgern sich über den Anspruch des Sohnes Gottes, der einzige Weg zum Vater zu sein. Wer sich diesem Anspruch des Herrn stellt, erlebt Gottes rettende Kraft (Joh. 14, 6; Röm. 1, 16). Leben wir mit Jesus, so ist er unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligkeit und unsere Erlösung (1. Kor. 1, 24. 30). Dieser geistliche Reichtum erschließt sich jedem, der in enger Lebensverbindung mit Jesus bleibt. Wie ein Baum in der Erde, so sollen Christen in Jesus »verwurzelt und gegründet«, stark »und fest im Glauben« sein. Und Paulus beeilt sich hinzuzufügen: »Seid reichlich dankbar für alles, was er euch geschenkt hat« (Kol.1,7b). »Reichlich« meint ausgiebig, unerschöpflich, verschwenderisch. Wir können Gott oftmals am Tag spontan und ungekünstelt danken. Aber diese Augenblicke bedürfen einer wichtigen Ergänzung: Zeit-Abschnitte stiller Besinnung. Dank entspringt dem Nachdenken über den unendlichen Segen der Erlösung und mündet ein in die Anbetung des Herrn. Dank und Anbetung vertragen keine Hetze, sondern verlangen Ruhe und Zeit. Wirkliche Dankbarkeit ist Denk-Arbeit des Herzens vor dem Thron Gottes. Wir stehen vor dem heiligen Herrn, legen unsere Sorgen und Sünden, Schmerzen und Verletzungen, ungelöste Fragen und Lasten ihm zu Füßen. Und wir geben dem Dank und dem Lob Gottes Raum in uns. Hilfreich kann z. B. ein Psalm, ein geistliches Lied oder ein biblischer Hymnus sein: Lukas 1, 46-55. 68-75; Philipper 2, 6-11.
Zunächst wiederholt Paulus die Warnung vor der Irreführung durch eine von Menschen erdachte Lehre (Kol. 2, 4): »Lasst euch von keiner Ideologie oder irgendwelchem leeren Gerede einfangen. All das haben sich Menschen ausgedacht; aber hinter ihren Gedanken stehen dunkle, dämonische Mächte und nicht Christus.« (Vgl. Eph. 4, 14; 1. Tim. 6, 20; Tit. 1, 14.) Dann beschreibt der Apostel, dass es außerhalb von Christus keinen »höheren Weg« gibt. »Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.« Da ist kein Raum für fremde Götter und Idole. »Denn der Herr ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der Herr hat den Himmel gemacht. Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum« (Ps. 96, 4-6). Auch wenn wir nicht in der Lage sind, die ganze Gottesfülle zu erfassen, so zeigt Paulus doch die unumstößlichen, in die Ewigkeit ragenden »Säulen«, auf denen unser Glaube ruht. Im Zentrum steht Christus in seiner ganzen Herrlichkeit, nicht fremd und unerreichbar, sondern uns als »Menschensohn« nahegebracht: · In ihm (Christus) wohnt die ganze Fülle (Gottes) Kol.2,9; 1,19.»Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade« (Joh. 1, 14. 16). · »An dieser Fülle habt ihr teil in ihm« Kol.2,10. (Vgl. Klagel.3,24; Ps.16,5; 73, 26.) ·»In ihm seid auch ihr beschnitten worden«, d. h. durch Christus vom alten Wesen abgetrennt Kol. 2, 11. (Siehe Kol. 3, 9. 10; Röm. 2, 29; Phil. 3, 3.)
Gottes Kraft ist durch Christus an uns und in uns tätig. Die Liste der Anklagen gegen uns ist gelöscht. Gott hat die Anklageschrift vernichtet, indem er sie ans Kreuz genagelt hat. Alle unsere Schuld hat er vergeben. Wer wagt es nun, gegen die Auserwählten Gottes Anklage zu erheben? Gott selbst ist es, der sie gerecht spricht. (Lies Röm. 8, 31-34.) Es gibt keine Macht, die höher, kräftiger oder wirksamer ist als die des lebendigen Gottes und des »Lammes«. (Siehe Joh. 1, 29; Offb. 5, 11-14.) Das möchte Paulus den Kolossern und uns einprägen. Gottes Kraft hat Christus von den Toten auferweckt »und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel, über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat« (Eph. 1, 20. 21). Wir beobachten die Mächte und Gewalten auch heute in unserer Welt, wie sie sich gebärden, gegeneinander kämpfen oder sich verbünden, um eine Lösung für die Weltprobleme zu suchen. Wir hören von den brodelnden religiösen Bewegungen und haben Angst, dass sie außer Kontrolle geraten. Wir glauben aber, dass dem »Herrn aller Herren« nichts aus dem Ruder läuft. (Siehe Joh.12, 31.32; Luk.10,18-20; Offb.12,9-12.) Deshalb wollen wir uns von den negativen Meldungen der Medien nicht den Blick auf das Ziel Gottes verbauen lassen. »Denn unser Bürgerrecht haben wir im Himmel. Von dort erwarten wir auch Jesus Christus, unseren Retter. Dann wird unser hinfälliger, sterblicher Leib verwandelt und seinem auferstandenen, unvergänglichen Leib gleich werden. Denn Christus hat Macht über alles« (Phil.3,20.21). Darum sind wir mit Christus in Gott verborgen tief geborgene Leute. Wir mögen um unseres Glaubens willen angefeindet, verleumdet, bespöttelt werden aber in allem haben wir Christus, der uns lieb hat, und darum geht es doch von Sieg zu Sieg. (Lies Ps. 84, 6-13.)
Der Gang durch Kolosser 2, 8-15 gleicht einem einzigartigen Triumphzug der neuen Schöpfung durch Jesus Christus. Erhaben ist das neue Leben aus Gott über alles menschliche Denken und Wollen, auch über alle (selbstgemachten) Probleme. Umso peinlicher sind die im folgenden Abschnitt genannten Streitpunkte. Sollten das Beachten von Speisevorschriften und Feiertagen (V. 16), die Engelverehrung, Visionen (V. 18) und der asketische Lebensstil (V. 21-23) tatsächlich eine Ergänzung dessen sein, was Paulus in den Zeilen vorher als konkurrenzlosen geistlichen Reichtum der Gläubigen gerühmt hat? Was Gott durch Christus an den Menschen getan hat, verbindet diesen mit der Ewigkeit. Die Dinge aber, womit die Kolosser durch andere Lehrer »beschäftigt« werden, kettet sie an das Irdische und Vergängliche. Keiner gewinnt an geistlicher Kraft oder sichert sich dadurch einen Platz im Himmel, dass er laut seiner Speisekarte bestimmte Speisen meidet. »Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst. Denn Gott hat ihn angenommen« (Röm.14,3; vgl. 1.Kor.8,8; 1.Tim.4,3). Gegenwärtig macht man sich besonderes viele Gedanken um die richtige Ernährung. Viele Bücher werden darüber geschrieben und unzählige Diäten angepriesen. Gesunde Kost ist gut, darf aber nicht die bestimmende Mitte unseres Lebens sein. (Lies 5. Mose 8, 11-18.) Was die (jüdischen) Feste und Feiertage betrifft, sind sie nur das schattenhafte Abbild von himmlischen Heilsgütern, nicht aber die Gestalt der Dinge selbst. Diese sind viel größer und herrlicher. Sie sind zusammengefasst und verkörpert in Jesus Christus. Er allein ist die Mitte. Alle Fragen um Essen, Trinken, Festen und Feiern müssen sich am unübertroffenen Erlösungswerk des Herrn messen lassen. Achten wir sorgfältig darauf, dass »uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine« (M. Schmalenbach).
»So lasst euch nun von niemanden ein schlechtes Gewissen machen... wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats.« Bei Neumond begann der Monat des Jüdischen Kalenders (4. Mose 10, 10; 28, 14). Das 3. Gebot gebietet, den Sabbat zu heiligen. Da Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist (Matth. 28, 1. 5-7), feierten die jungen Christen-Gemeinden an diesem Tag ihre Gottesdienste und das Herrenmahl (Apg. 20, 7). Später bekamen neben dem Auferstehungstag von Jesus die anderen besonderen Tage in der Heilsgeschichte Gottes (Geburt des Sohnes Gottes, seine Kreuzigung und Himmelfahrt und die Sendung des Heiligen Geistes) einen festen Platz in unserem Kalender. So wichtig die Besinnung auf die großen Taten Gottes ist und diese eigens einen Feiertag erhalten haben, so abstoßend ist deren Veräußerlichung und Verweltlichung. Schon die Propheten haben dies beklagt (Jes.1,11-15; Amos 5,21-24). Für Gott ist und bleibt unsere Herzenshaltung ihm gegenüber entscheidend. »Denn des Herrn Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist« (2. Chron. 16, 9a). Paulus prangert die eigenwillige Frömmigkeit an, die sich selber gefällt. Sie sucht nicht Christus, das Haupt seiner Gemeinde, sondern spektakuläre Erlebnisse, Verehrung der Engel und Vertrauen auf visionäre Phantasien. Eine derartige Frömmigkeit täuscht Demut vor, ist aber rechthaberisch, grundlos aufgeblasen (V. 18. 19). Sie hat sich aus dem Gefüge des »Christus-Leibes« gelöst und arbeitet dem geistlichen Wachstum der Gemeinde entgegen. Paulus muss so scharf reden. Er tut es ja auf dem Hintergrund der Herrlichkeit und Macht des Herrn Jesus Christus, die er den Kolossern vor Augen gemalt hat. An ihm können alle den Unterschied zwischen der Größe Gottes und der Selbstgefälligkeit der Menschen erkennen. (Lies Röm. 13, 14; Gal. 5, 17; Röm. 11, 36; 1. Kor. 8, 5. 6.)
In den Straflagern eines kommunistisch regierten Landes dürfen Gefangene, die sich als Christen bekannt haben, nicht zum Himmel aufschauen. Mit ihren gesenkten Köpfen sollen sie bezeugen, dass es im Himmel keinen Gott gibt. Wie viele in Freiheit lebende Christen senken aber freiwillig ihren Kopf, weil sie mutlos und niedergeschlagen sind! Sie haben die »lebendige Hoffnung« aus den Augen verloren. So mag es den Kolosser-Christen ergangen sein, als die Verfälschung des Evangeliums ihr schlichtes Vertrauen auf Christus zu erdrücken drohte. Der Apostel hatte die falsche Verkündigung entlarvt und scharf kritisiert. Aber nun ist Schluss damit: Schaut auf! Lenkt euren Blick auf das Kreuz und die Auferstehung unseres Herrn und auf das herrliche Ziel! Lasst euer Denken und Handeln nicht vereinnahmen von sonderbaren Lehrmeinungen und frömmelnden Vorschriften, die nicht dem Evangelium gemäß sind! Aber wie ist das möglich, wenn die Hoffnung geschwunden und der Glaube geknickt und nahezu erloschen ist? Der Apostel ermutigt mit einer außerordentlichen Tatsache: Als der Sohn Gottes am Kreuz starb, hat er dein altes Leben in seinen Tod mitgenommen. Und als er von den Toten auferstand, hat er dich in sein Auferstehungsleben mitgenommen. Zwar sind Irreführungen, Krankheiten, Sünde, Not und Tod noch nicht abgeschafft. Sie bedrohen uns tagtäglich. Aber wir hängen an Christus, wir sind mit ihm zusammengewachsen. Darum können wir uns aus der Asche des Versagens und der Mutlosigkeit erheben und »in Neuheit des Lebens wandeln« (Röm.6,4). Wir können es, weil Christus es kann. Wie wichtig, dass wir uns intensiv auf unseren Herrn und sein Erlösungswerk konzentrieren. Darin liegt eine wunderbare Klärung und Stärkung. Wir vertiefen uns betend in Römer 6, 5-14.
»Trachtet nicht nach dem, was auf Erden ist.« Warum nicht? Auf der Erde gibt es doch auch viel Schönes? Das stimmt, und wir dürfen uns darüber freuen, wir dürfen es dankbar genießen und verantwortlich verwalten. Der Apostel Paulus will aber daran erinnern, dass unser Leben auf der Erde nur ein Durchgang ist. Wir sind Reisende, die unterwegs sind zum Vaterhaus Gottes. Jesus ist uns vorangegangen, um uns dort »eine Stätte zu bereiten« (Joh. 14, 2). Wie bereiten wir uns eigentlich auf den Einzug in die himmlische Wohnung vor? Drehen wir uns hauptsächlich um unsere irdischen Belange oder »trachten wir zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit« (Matth. 6, 33)? Jesus spielt nicht die Erde gegen den Himmel aus, sondern er will, dass die Prioritäten stimmen; denn alles Irdische kann uns übermäßig gefangen nehmen: Markus 4, 18. 19; 10, 18-21; Matthäus 6, 19-21. 24-34. Der Apostel Paulus weist uns darauf hin, dass das neue Leben nicht eine irdische Gabe, sondern eine göttliche und ewige Gabe ist. »Euer wahres Leben ist mit Christus in Gott verborgen.« Dieses Leben ist im Himmel, in der ewigen Herrlichkeit Gottes, fest verankert und soll sich auf der Erde als Jesus gemäßes Leben bewähren. Zwar sind wir noch behaftet mit den Schwach heiten unseres vergänglichen Leibes. Wir leben noch in der gefallenen Welt. Wir werden vom Bösen versucht und können auch noch sündigen. Unser Zeugnis ist nicht immer so leuchtend und klar, wie wir das gerne hätten. Dennoch: Wir sind mit Christus zu einem neuen Leben auferweckt worden. Darum können wir der Jesus-Gesinnung immer mehr Raum geben und die Gesinnung der Welt überwinden. Wir lesen 1. Johannes 2, 12-17. SEI GETROST Kaum eine Zeit wird so verfälscht, verzuckert und vermarktet wie die Adventsund Weihnachtszeit. Während die Adventszeit zeichenhaft als Vorbereitungszeit auf den kommenden Christus steht, gilt die unmittelbare Weihnachtszeit als eine Zeit der Freude über den gekommenen Sohn Gottes. In diesem Jahr wollen wir die Vorbereitungs- und Freudenzeit mit drei Themen bedenken. In der vierwöchigen Adventszeit soll es um den Trost Gottes für uns gehen und um die Vorbereitung unserer Herzen. Wir haben dabei den Adventssonntagen keinen eigenen Text zugeordnet, um das jeweilige Thema für sich sprechen zu lassen. In der Weihnachtszeit wollen wir das einzigartige und in der Heiligen Schrift begründete Lied Paul Gerhardts »Ich steh an deiner Krippen hier« betrachten. Aus Platzgründen können wir die einzelnen Liedstrophen leider nur als Fließtext aufnehmen.
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.