»Siehe, wie dein Leben heute in meinen Augen hoch geachtet gewesen ist, so möge mein Leben hoch geachtet werden in den Augen des Herrn, und er möge mich erretten aus aller Bedrängnis.« Hätte David nicht wie einst im Kampf gegen Goliat sagen sollen: » . . . der Herr wird mich erretten« (1. Sam. 17, 37. 45. 46)? Ist er sich seines Herrn nicht mehr sicher? Hatten sich in seinem Verhältnis zu Gott Zweifel und Misstrauen eingeschlichen? Ist er unter dem Druck ständiger Verfolgung müde geworden? Kann er dieses unstete Leben nicht mehr ertragen, und meint er vielleicht, Gott erhöre seine Hilferufe nicht und sei ein bisschen böse auf ihn? Denn David scheint der Meinung zu sein, Gott müsse ihn für seinen Edelmut belohnen und ihn jetzt als Gegenleistung vor Saul schützen (V. 24b). David ist an eine Grenze gestoßen. Es ist ihm nicht gelungen, das fortgesetzte Vertrauen auf Gott aufrechtzuerhalten, weil er an irgendeinem Punkt seinem menschlichen Unvermögen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat als den unbegrenzten Möglichkeiten des lebendigen Gottes. Das stürzte ihn in tiefe Niedergeschlagenheit. Er muss gedacht haben, Gott habe ihn verlassen. Die Erkenntnis, dass Saul nicht aufhören würde, ihn töten zu wollen, stürzte ihn in eine große Hoffnungslosigkeit: Im Land seiner Väter gab es anscheinend keinen sicheren Ort für den künftigen König. »Und David dachte in seinemHerzen. . . « - Hier machten sich Gedanken breit, die Gott an den Rand drängten. David begann, seine Rettung selbst in die Hand zu nehmen. VomHimmel her geschah ja nichts. »Es gibt nichts Besseres für mich, als eilends in das Land der Philister zu entrinnen.« (Vgl. 1. Mose 12, 7. 10-13; 15, 2. 3; 16, 1. 2; 17, 17-19; 21, 7.)
David sah sich bedroht, gehetzt und vertrieben. Nur schnellstens die Gefahrenzone verlassen und dann endlich in Frieden leben! Er hatte es satt, von einem Versteck ins andere zu fliehen und sich den Kopf zu zerbrechen, wie er für sechshundert Männer und ihre Familien Nahrung herbeischaffen sollte. Nun war in seinen Augen der Übertritt zum Erzfeind Israels der einzig verbliebene Ausweg. Das ist das Ergebnis seines Nachdenkens. Er wählte das Exil, und Saul stellte tatsächlich die Verfolgung ein. Achisch, der König von Gat, nahm David mitsamt seiner Truppe auf, sicher, weil er sich davon Vorteile versprach. David hatte schon einmal Zuflucht bei ihm gesucht (Kap. 21, 11). Damals kam David allein. Jetzt brachte er sechshundert gute Kämpfer mit, die der König von Gat sicherlich bei Gelegenheit beanspruchen würde. Das war der Preis für den Seitenwechsel Davids, und es sah so aus, als beabsichtigte er einen längeren Aufenthalt bei den Philistern, denn er und seine Männer brachten auch ihre Familien mit. Es handelte sich bei diesem Übertritt nicht um eine kopflose Flucht, sondern um sorgfältige Planung. Erneut bewies David seine Fähigkeit als Anführer und Verantwortungsträger. Er ging kein unnötiges Risiko ein. Doch wie wollte er eine »religiöse Kollision« vermeiden, die unweigerlich auf ihn und seine Leute zukommen würde? Denn der Glaube an einen unsichtbaren Gott und die Götterkulte war unvereinbar. (Lies 5. Mose 5, 6-10; 6, 4-15; Jos. 23, 7.) Auch darüber hatte er schon nachgedacht. Um eine Vermischung seiner Leute mit den Philistern zu vermeiden, bat er Achisch um eine Stadt auf dem Land, nahe der Grenze zu Judäa: Ziklag. Die Bewohner waren zwar auch Philister, die David aber für sich gewinnen konnte. Ziklag wurde zu einer judäischen Stadt.
Den klug durchdachten Plänen Davids zum Trotz befand er sich noch immer in einer gefährlichen Krise. Seinen Glauben hatte er nicht aufgegeben. Im Verhältnis zu seinem Gott war jedoch eine merkliche Abkühlung eingetreten. War David enttäuscht von ihm, weil er sich nicht seiner Notlage so angenommen hatte, wie es der Vorstellung des künftigen Königs entsprach? Schmollte er deswegen und fuhr fort, seine eigenen Ideen zu verwirklichen? »Wenn Gott mir nicht hilft, dann muss ich es eben selber machen.« Die Verpflegung der Truppe Davids war ein Problem, das leicht zu Unruhen führen konnte, wenn es nicht gelöst würde. Die Philister waren sicher nicht bereit, diese Fremden mit Nahrungsmitteln zu beschenken. Das war auch nicht im Interesse Davids, der ja seine Unabhängigkeit wahren wollte. Er musste sich den Rücken freihalten, um jederzeit nach Judäa zurückkehren zu können. In Vers 7 ist die Dauer seines Aufenthaltes bei den Philistern schon angegeben. Davids Exil war also begrenzt. Oder sollte er an der Verwirklichung seines Königtums gezweifelt haben? Sah er »seine Felle davonschwimmen«? Was ging in ihm vor, als er sich entschloss, die mit den Philistern verbündeten Stämme (V. 8) zu überfallen und auszurauben, aber vor Achisch ganz andere Ziele (V. 10b. 11a.) für seine Raubzüge anzugeben? Es gelang ihm, den König von Gat zu täuschen (V. 12). Damit keine Zeugen gegen ihn aussagen konnten, hinterließ er eine blutige Spur von Vernichtung und Verwüstung. (Lies Spr. 6, 16-19; 8, 13.) Nur das Vieh und die Kleider der Überfallenen nahm er als Beute an sich und stellte die Versorgung seiner Truppe sicher. Dieses Problem war gelöst. Seine Beziehung zu Gott aber dürfte sehr gelitten haben. Denn David handelte nicht im Auftrag seines Herrn, sondern nach eigenem Gutdünken. Welch scharfer Kontrast zu Psalm 37, 5-8. 11. 29-31!
Es kam, was kommen musste: Die Philister machten gegen die Israeliten mobil. Der König von Gat erinnerte den künftigen König von Israel, dass dieser ihm verpflichtet sei: »Du erkennst sehr wohl, dass du und deine Männer mit mir im Heer ausziehen müssen.« Darauf David: »Du wirst erkennen, was dein Knecht tun wird.« Er bezeichnet sich klug als »Knecht des Achisch«, vermeidet jedoch preiszugeben, auf welcher Seite er kämpfen wird. Die Selbstbezeichnung Davids als »Knecht« verleitet Achisch, sich dessen Ergebenheit sicher zu sein und ernennt ihn zu seinem Leibwächter. So machte David sich und seine Männer - wenn auch nur pro forma - dem erklärten Feind Israels untertan. Sein Bestreben, sich der Verfolgung durch Saul zu entziehen, brachte ihn in die Nähe der viel größeren Gefahr, seine Zugehörigkeit und Ergebenheit gegenüber dem lebendigen Gott Israels zu verleugnen. (Lies 2.Kor. 6, 14-18.) Der unsichtbare Feind und Widersacher der Pläne Gottes zog die Schlinge, die er um Davids Hals gelegt hatte, immer enger. (Lies 1.Mose 3, 1-6; 2. Kor. 11, 3; 1. Petr. 5, 8.) Wann würde David sich endlich besinnen und diesem Dilemma entfliehen? - Der Herr der Himmel sah das alles und begann, sich auf eine Weise einzuschalten, wie es niemand vermutete oder erkannte. Als die Truppe Davids bei einer Militärparade an den Obersten der Philister vorbeizogen, wurde der Einspruch laut: »Was sollen diese Hebräer?« (Kap. 29, 3a). Der König von Gat bemühte sich sogleich zu erklären und zu rechtfertigen (V. 3b). Aber es half nichts. »Schick den Mann zurück!« (V. 4) Die Befehlshaber des Heeres wollten mit sicherem Spürsinn für ihre Feinde David nicht in ihren Reihen dulden. Und doch verbarg sich hinter dem harten Nein der Philisterherren das große Ja des Herrn aller Herren, der den eigensinnigen David nicht fallen ließ.
Wie David aus der Zwickmühle befreit wurde In den Augen des Achisch war David eine »Perle«, die er nicht gerne losließ. Wollte er jedoch ein treuer Philister bleiben, musste er es tun. Er lobte ihn zwar in den Himmel: »Du bist redlich - ich hätte dich gern mitgenommen - ich habe bei dir nichts Böses gefunden - aber den Fürsten gefällst du nicht. Du bist mir lieb wie ein Engel Gottes - aber die Obersten haben gesagt, dass du nicht mit uns kämpfen sollst (V. 6. 9). Und nun kehre zurück (nach Ziklag) . . . « (V. 7). David wird von den Philistern abgewiesen und weggeschickt. Ob ihn das wurmte? Oder ob er seine Rolle als hingegebener Untertan des Achisch zu Ende spielen wollte, indem er antwortete: »Was habe ich denn getan, dass ich nicht gegen die Feinde meines Herrn, des Königs, kämpfen soll« (V. 8)? Welchen König meinte er: den von Gat oder Saul, den er als seinen Herrn und König und sich selbst als dessen Knecht bezeichnete (Kap. 26, 17b. 18)? Hatte David noch den Überblick über die Herrschaftsverhältnisse in seinem Leben? Es ist nicht anzunehmen, dass er seine Herren wechselte wie ein Hemd. Dennoch sorgte er im Land der Philister für Irritation. Es war nicht mehr ganz eindeutig, auf welcher Seite er stand. (Dazu 1. Kön. 18, 21; 2. Kön. 17, 41; Matth. 6, 24; Offb. 3, 15.) »Macht euch früh auf . . . zieht fort.« Dieser Befehl des Philisterkönigs war für David einerseits eine Kränkung, andererseits ein Grund aufzuatmen. Er war der Gefahr entronnen, gegen seine Volksgenossen zu kämpfen oder das Risiko eines abermaligen Seitenwechsels eingehen zu müssen. Jetzt war er dabei, die verschlungenen Pfade der Doppeldeutigkeit zu verlassen und zur Eindeutigkeit seines Gottvertrauens umzukehren. Der Herr hatte etwas geschehen lassen, das David in seine Arme trieb. Gibt es schmerzliche Erfahrungen in meinem Leben, die mich näher zu Gott gebracht haben? Bitterkeiten müssen nicht das letzte Wort haben. (Dazu 1. Mose 50, 20; Ps. 66, 8-12; Jes. 38, 17; Jer. 29, 11-14a.)
Die Wege Gottes sind für uns bisweilen undurchschaubar und erscheinen verworren, dennoch sind sie zielgerecht geplant und dem Einzelnen angepasst. So erfuhr es David, auch wenn er es nicht durchschaute. Er hätte sich auf seinem selbst gewählten Weg fast rettungslos verheddert. Da griff der Herr ein und ließ ihm das zukommen, was er zur Kurskorrektur nötig hatte. Er wurde von den Philistern zurückgewiesen und damit vor Schlimmerem bewahrt. Und nun, als er in »seine« Stadt zurückkam, fand er sie beraubt und verbrannt. Seine Männer fanden ihre Familien nicht wieder, ebenso wenig die Einheimischen, die dort ansässig waren. Selbst David war betroffen, denn seine beiden Frauen waren auch verschleppt worden. Fassungslos standen alle vor dem Bild der Zerstörung und weinten, bis sie nicht mehr konnten. Nach der Klage kam der Zorn. Der Zorn suchte ein Opfer: David. Hatte er nicht die Amalekiter durch seine Raubüberfälle zu dieser Rache herausgefordert? »David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. Denn die Seele des Volkes war erbittert« (V. 6). Waren auch unter seinen eigenen Leuten solche, die bereit waren, sich an der Steinigung ihres Anführers zu beteiligen? David wurde von seinem »hohen Ross« heruntergerissen auf den Boden schmerzlicher Tatsachen. Das brauchte er jetzt. Der Herr selbst hatte Hand an ihn gelegt, um ihn wieder darauf zu bringen, bei wem er wirklich Hilfe fand. Jetzt heißt es endlich: »David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.« Er erlebte die Last der Verantwortung und die Einsamkeit, das Gefühl der Verlassenheit in der Aufgabe der Führerschaft. Er konnte es sich keine Stunde länger erlauben, auf sich selbst zu bauen. »Nur auf Gott vertraut still meine Seele, denn von ihm kommt meine Hilfe« (Ps. 62, 2; lies Ps. 38, 1-23).
»Aber David stärkte sich in seinem Gott.« Mitten in dieser aufgewühlten Atmosphäre und gefährlichen Stimmung, die jeden Augenblick in gewalttätige Auseinandersetzungen umzuschlagen drohte, nahm David seine Zuflucht zu Gott. Er brauchte jetzt einen kühlen Kopf und eine große Portion Vertrauen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Er musste etwas tun, und hatte auch schon eine Vorstellung davon, was er unternehmen sollte, um den Feinden ihre Beute wieder abzunehmen. Bevor er jedoch mit seinen Männern losstürmte, befragte er den Herrn: »Soll ich dieser Schar nachjagen? Werde ich sie einholen?« - David wollte wieder, dass Gott mit ihm ging. Er hatte gelernt, dass auch die klügsten Pläne in die Irre führen können, wenn Gott ausgeklammert wird. Der künftige König über Israel sollte nicht ein Meister der Intrige und Ränkespiele werden, sondern der Weisheit und dem Rat des Höchsten die oberste Priorität einräumen, denn »ich (der Herr) will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dir raten, meine Augen über dir offen halten« (Ps. 32, 8; Elberfelder-Übersetzung). (Lies Jes. 55, 8. 9; 59, 1; 4.Mose 11, 23; Jer. 32, 17. 26. 27; Jes. 11, 2; Ps. 73, 24.) - David erhält auf seine Frage (V. 8) eine Antwort, die ihn ermutigt, den Räubern nachzujagen, denn - so betont es der Urtext - gewiss wird er sie einholen und ganz bestimmt wird er die Gefangenen befreien. Gott stärkte ihm den Rücken und erfüllte David mit neuer Zuversicht. Seine Männer zogen mit, obwohl sie noch vom letzten Marsch erschöpft waren. Zweihundert Überanstrengte von ihnen durften zurückbleiben (V. 10). David schindet seine Mitstreiter nicht, wie es Despoten tun. Er achtete sie und kümmerte sich um sie. Er wollte keine unzufriedenen und rebellischen Untertanen, sondern solche, die ihrem König gerne folgten. (Vgl. 1. Petr. 5, 2-4; 2. Kor. 1, 24; Tit. 2, 7.)
Auf dem Weg den Feinden nach sehen die Kämpfer einen Mann auf dem Feld liegen, fast bewusstlos, am Verhungern und Verdursten. Es wird alles aufgezählt, was Davids Leute dem Fremden darreichten, um ihn wieder zu Kräften kommen zu lassen. Wie herzlos war dessen Herr mit ihm umgegangen (V. 13)! Es ist nicht verwunderlich, dass die erwiesene Wohltat, ja die Rettung seines Lebens, dem Ägypter die Zunge löste und er bereitwillig Auskunft gab. Er war »ein Geschenk des Himmels« für David, der durch ihn erfuhr, wo sich die Amalekiter mit der Beute aufhielten. Somit verlor er keine unnötige Zeit und konnte die Feinde überraschen. - David hatte einmal mehr erfahren, wie »vorteilhaft« das »Wandeln auf Gottes Wegen« ist. Er hätte sich die Information über den Verbleib der Amalekiter nicht selbst beschaffen können. Die Hilfe lag mitten auf seinem Weg. Mit dem »Samariterdienst« (vgl. Luk. 10, 33ff) erfuhr er, was er wissen musste. Seine Achtung vor dem fremden Leben erhielt ihm das Leben der Geraubten. Die Hilfestellungen Gottes auf unberechenbaren Wegen sind von unschätzbarem Wert. »Auf allen deinen Wegen erkenne nur ihn, dann ebnet er selbst deine Pfade.« »Wälze auf den Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln« (Spr. 3, 6; Ps. 37, 5; lies Ps. 25, 4. 5; 27, 11; 86, 11; 143, 8b). Die Amalekiter fühlten sich sicher. Sie waren ausgelassen und fröhlich wegen der großen Beute, die sie bei ihren Überfällen in Juda und im Land der Philister gemacht hatten. Im Morgengrauen gab es für sie allerdings ein böses Erwachen (V. 17). Ihr Glück verwandelte sich in Grauen. »David befreite alles, was die Amalekiter genommen hatten . . . es fehlte ihnen nichts, vom Kleinsten bis zum Größten, weder Söhne noch Töchter.«
David ist geistlich wieder im Lot. Mit einem Herzen voller Dankbarkeit für die erfahrene Hilfe trat er mit seiner Truppe und allen, die er befreit hatte, den Rückweg an. Sie erreichten den Bach, an dem die zweihundert Kämpfer erschöpft zurückgeblieben waren. Kaum kommen sie in Sicht, melden sich missgünstige Stimmen: Die kriegen nichts von der Beute (V. 22). »Aber David sagte: Macht es nicht so, meine Brüder, mit dem, was uns der Herr gegeben hat.« Er sieht das, was er zurück- und dazugewinnen konnte als Gabe Gottes an. Daran sollte jeder teilhaben, auch die, die nicht gekämpft hatten, sondern beim Tross geblieben waren (V. 24; lies Ps. 41, 1-3; Spr. 14, 21; 19, 17). David beschenkt auch den, der es nicht direkt verdient hat (vgl. Matth. 20, 10-16). Davids Güte erwuchs aus der Dankbarkeit Gott gegenüber. Es war ihm ein Bedürfnis, alle seine Leute an dem guten Ausgang des Unternehmens teilhaben zu lassen und auch daran zu denken, dass nicht ihre Kraft und ihre Geschicklichkeit den Erfolg gebracht hatten, sondern Gottes Beistand und Hilfe. Natürlich wusste er auch, dass seine Freigebigkeit die Herzen seiner Untertanen gewinnen würde. Dabei war nicht Selbstsucht und Berechnung mit im Spiel, sondern das Interesse, dass es seinen Mitstreitern gut ging. Nicht umsonst nimmt Gott David als Vorbild für alle folgenden Könige von Israel und Juda (vgl. 2.Kön. 8, 16-19; 14, 1-3; 18, 1-3). - Als David nach Ziklag kam, wandte er seinen inneren Blick wieder nach Juda, vor allem zu den Orten, durch die er bei seiner Flucht vor Saul gekommen war. Er sandte den Ältesten dort ebenfalls Gaben aus seiner Beute als Segensgeschenk. Damit fasste er die künftige Königsherrschaft wieder ins Auge und fand zu seinem Vertrauen auf die Verheißung Gottes zurück.JESUS SUCHT GEISTLICHE FRUCHT - MAKRUS 11, 1-33
Je näher ein Festpilger auf seiner Wanderung der geliebten Stadt Jerusalem kam, desto mehr wuchs die Freude in seinem Herzen, bis er endlich singen konnte: »Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, . . . wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des Herrn. Denn dort stehen die Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David. Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben. . . « (Ps.122, 2-7)! Jetzt kommt der »Sohn Davids« (Mark. 10, 47). Jetzt soll der Thron und das »Reich unseres Vaters David« aufgerichtet werden. Der Jubel des Volkes beim Einzug des Herrn in Jerusalem kannte keine Grenzen. Und doch: Dieser König würde nicht den Palast der Regierenden stürmen und erobern, um sich dann auf den »Thron des Hauses Davids« zu setzen. Nein, dieser König würde ganz anders »erhöht werden« - nämlich auf den »Thron« des Kreuzes. Dieser König will nicht mit Glanz und Gloria die Reiche und Throne der Welt erobern, sondern durch sein Leiden und Sterben Menschenherzen. Diesen Thron, das Zentrum der Persönlichkeit des Menschen, will er einnehmen und hier die Königsherrschaft seiner Liebe und Demut errichten. Welch ein Geheimnis! Wir vertiefen uns betend hinein: Johannes 3, 13-18 und 1. Johannes 4, 7-12. 19. »Liebe, die für mich gelitten und am Kreuze für mich starb, Liebe, die für mich gestritten, Friedµ und Freude mir erwarb, Liebe, dir sei Preis und Ruhm hier und dort im Heiligtum! Liebe, die mich schützt und schirmet, die so freundlich und so mild mich bewahrt, wenn Satan stürmet, die mir reicht des Glaubens Schild, Liebe, dir sei Preis und Ruhm hier und dort im Heiligtum« (nach J. Scheffler).
Dieser Abschnitt zeigt uns Jesus als den echten Messias. Im Heiligen Geist hatte der Herr die Gewissheit, dass er mit dem von ihm »geschauten« Reittier rechnen konnte, sonst hätte er nicht sagen können: » . . . ihr werdet ein Fohlen angebunden finden.« Die Erfüllung seiner Ankündigung (V. 4) erweist ihn als echten Messias - ebenso wie die Erfüllung der alttestamentlichen Prophetie (1. Mose 49, 10. 11; Sach. 9, 9). Es ist Gottes Wille, dass der wahre Messias- König »auf einem Esel reitend« in Jerusalem einzieht. Immer hatte der heilige Gotteswille oberste Priorität im Leben von Jesus. (Dazu Joh. 4, 34; Luk. 22, 42; Hebr. 10, 8. 9a; vgl. Matth. 6, 10.) Bis in die unscheinbaren Kleinigkeiten des Alltags ließ Jesus sich von Gott führen. Das sollen auch seine Jünger lernen. Darum gab er ihnen genaue Anweisungen. Und die Jünger gehorchten, mochten sie sich vielleicht auch gewundert haben über diesen merkwürdigen Auftrag. »Sie gingen hin und fanden das Fohlen.« In allem verhielten sie sich genauso, »wie Jesus ihnen geboten hatte«. Ob auch wir uns neu zum vertrauensvollen Gehorsam entschließen sollten? »Herr, ich warte auf dein Heil und tue nach deinen Geboten. Meine Seele hält sich an deine Mahnungen und liebt sie sehr. Ich halte deine Befehle und deine Mahnungen; denn alle meine Wege liegen offen vor dir« (Ps. 119, 166-168). Schließlich äußerte sich die Echtheit des Messias in seinem Anspruch (V. 3). Wenn Jesus des Fohlens »bedarf«, dann meldet er sein Anrecht als Herr über die Schöpfung an (vgl. Ps. 50, 10). Außerdem handelte es sich um ein Jungtier, »auf dem noch nie ein Mensch gesessen hatte« (Mark. 11, 2b). Das Neue, das Erste, das Unverbrauchte sollte IHM gehören, wie überhaupt der Schöpfer seine Hand auf alle Erstlinge seiner Schöpfung gelegt hatte (2.Mose 13, 1. 2). Gott gehört nicht einfach das Erst-Beste, sondern das Erste und das Beste: Römer 12, 1. 2.
Zweifellos, Jesus ist »der König Israels« (Joh. 12, 13; vgl. Zef. 3, 15). Darauf weisen das Ausbreiten der Kleider, die abgeschlagenen grünen Zweige und die lauten Jubelrufe hin: alles Zeichen der Ehrung, die sich mit der Hoffnung auf Israels Erlösung von allen seinen Feinden und der Aufrichtung eines irdischen Friedensreiches verbanden. Schon der Friedenskönig Salomo hatte in Israel einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Salomo war »größer als alle Könige der Erde an Reichtum und an Weisheit. Und die ganze Erde suchte das Angesicht Salomos, um seine Weisheit zu hören, die Gott in sein Herz gegeben hatte« (1. Kön. 10, 23. 24). Doch Salomo missbrauchte seine Macht. »So war sein Herz nicht ungeteilt mit dem Herrn, seinem Gott, wie das Herz seines Vaters David« (1. Kön. 11, 4b). Jesus aber war der Einzigartige, der wahre »Sohn Davids«, der Friedefürst Gottes in Person, der den Willen Gottes ungeteilt erfüllte. Jesus ist der »König der Könige und Herr der Herren« (1. Tim. 6, 15; vgl. 5. Mose 10, 17). Er »thront über allen Mächten und Gewalten« (Eph. 1, 21. 22). Dass er beim Einzug in Jerusalem auf einem Esel ritt, sollte nach Sacharja 9, 9 vor allem auf sein Wesen und seine innere Haltung hinweisen. Er kämpfte nicht mit irdischen, sondern mit geistlichen Waffen für die Aufrichtung des Reiches Gottes (vgl. Luk. 4, 5-8). Er drückte die Menschen nicht nieder, um sie zu unterwerfen, sondern beugte sich selbst zu ihnen nieder, er »entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an« (Phil. 2, 7; lies Mark. 10, 42-45; Joh. 13, 1. 3-5. 12-17; Phil. 2, 5). Dieser Geisteshaltung entsprechend, machte sich der Herr nicht auf den Weg in den Thronsaal der Mächtigen dieser Welt, sondern ins »Heilig- tum«, wo zeichenhaft der »Thron Gottes« stand. Jesus war entschlossen, den Weg in die heilige Gegenwart Gottes zu öffnen: Matthäus 27, 50. 51; Hebräer 1, 3; 8, 1; 9, 24.
Nachdem Jesus den Tempel in Augenschein genommen hatte, wanderte er mit seinen zwölf Jüngern zur Übernachtung nach Betanien. Am nächsten Morgen trat er mit dem Zwölferkreis den Rückweg nach Jerusalem an. Die nun folgenden Ereignisse geben der Inspektion des Tempels vom Vortag ihren Sinn: Es geht dem Herrn um das Haus Israel (symbolisiert im Feigenbaum) und um das Haus Gottes (Tempel). Der Feigenbaum gleicht einem fruchtlosen Gewächs, und der Tempel ist zu einer »Räuberhöhle« verkommen (V. 17b). Offenbar sieht Jesus den Zeitpunkt für gekommen, seinem Volk das Gericht Gottes über alle geistliche Fruchtlosigkeit und das Verharren in Sünde anzusagen. Wenden wir uns zuerst dem Feigenbaum zu: Als Jesus den Baum erreichte, »fand er nichts als Blätter«. Dieser unnormale Zustand des Feigenbaumes erinnerte ihn an die geistlich unnormale Verfassung seines Volkes. Wenn der Herr den Feigenbaum so radikal unter Strafe stellte, vollzog er an ihm ein prophetisches Zeichen: Wie der fruchtlose Feigenbaum Strafe erleidet, so Israel das Gericht Gottes, weil es seinen Messias ablehnt und keine Frucht für ihn bringt. Wir halten aber fest, dass Jesus das Volk Israel weder pauschal noch für immer und ewig verurteilt hat. (Lies Jer. 31, 37; Ps. 94, 14; Luk. 13, 34. 35; Röm. 11, 1. 25-29.) Wer an Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn glaubt, wird nicht verurteilt (Röm. 8, 1). Dann aber sucht Jesus die »Frucht des Geistes « in unserem praktischen Leben. Zur Vertiefung: Galater 5, 22-26; 6, 7-10. Vertrauensvoll darf ich den Herrn bitten: »Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben« (Paul Gerhardt, 1653).
»Es kommt der Herr zu seinem Tempel . . . Und wer wird bestehen, wenn er erscheint?« (Mal. 3, 1). »Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört: der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles« (Ps. 24, 3-6). Der Tempelbezirk war entartet zu einem Wirtschaftsbetrieb mit Banken und Verkaufsständen. Außerdem hatte es sich eingebürgert, dass man den heiligen Bezirk als Abkürzungsweg benutzte, vor allem, wenn es etwas zu tragen gab (V. 16). Gegen diesen lautstarken Hochbetrieb ging Jesus energisch vor: » . . . und begann auszutreiben.« Den gewonnenen Freiraum nutzte er zur Verkündigung des Wortes Gottes. Dabei wird deutlich: o Gott hatte den Tempel als Gebets- und Begegnungsstätte mit ihm gegeben. (Vgl. Jes. 6, 1-8; Luk. 2, 41ff; Joh. 7, 14ff.) Er ist nicht Schlupfwinkel, wie Räuber sich in ihrer Höhle verschanzen, sondern Offenbarungsstätte des Willens Gottes. »Denn des Herrn Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist« (2. Chron. 16, 9a). Wir kommen an der Frage nicht vorbei, was in unserem Leben zur äußeren Form geworden ist. o Mit Anbruch des Neuen Bundes sucht Gott betende Menschen, die sich Jesus Christus anvertraut haben, an jedem Ort: Johannes 4, 23. 24; Matthäus 18, 20. Lassen wir uns einreihen in die betende Gemeinde des Herrn? Dazu Apostelgeschichte 1, 14; 2, 42; 4, 24. 25. 29-31; 12, 5. o Wenn Gott die Welt- und Heilsgeschichte abschließt und er das himmlische Jerusalem schenkt, gilt: »Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, er und das Lamm« (Offb. 21, 22).
Die mächtige Bestürzung der jüdischen Öffentlichkeit über die Tempelreinigung findet im internen Jüngerkreis als tiefes Erschrecken über die Zeichenhandlung des Herrn am unfruchtbaren Feigenbaum seine Fortsetzung: »Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt« (V. 21). Damit wird in äußerster Konsequenz deutlich, dass es Jesus auf die geistliche Frucht ankommt. Wie Frucht für den Feigenbaum das Normale ist, so sollte für das Volk Israel - und darüber hinaus für die Jesus-Gemeinde des Neuen Bundes - das Fruchtbringen für Gott das Normale sein. Diese geistliche Frucht wächst aber nicht aus dem natürlichen Menschen, sondern aus dem Glauben an Gott. Darum sagt der Herr: »Habt Glauben an Gott!« In Johannes 14, 1 verbindet Jesus den Glauben an Gott mit dem Glauben an den Sohn Gottes: »Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!« Darüber lädt Gott den Glaubenden zu einem unerschütterlichen Vertrauen zu ihm ein, sodass der Glaubende Anteil bekommt am gewaltigen Tun des Allmächtigen. Denn Gott allein kann »Berge versetzen«. (Vgl. Ps. 97, 5; Jes. 40, 4. 5; Micha 1, 4; Nah. 1, 5.) Was auch immer uns in Angst und Schrecken versetzen und in Sorgen festhalten mag, welche Arbeitsberge sich auch vor uns auftürmen mögen, wir dürfen dennoch zuversichtlich sein und dem Herrn unser Vertrauen aussprechen: »Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge ein- fielen. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen« (Ps. 46, 2-6; lies Hiob 11, 18; Jes. 54, 10; Joh. 11, 40; Hebr. 10, 35. 38. 39; 12, 1-3; Jak. 1, 2-6).
MARKUS 11, 24-26; MATTHÄUS 7, 7; JOHANNES 15, 7 Nach einem Gottesdienst kam auf einen Mitarbeiter ein Mann zu, der bat: »Bitte beten Sie mit mir. Ich bin die ganze Wackelei in meinem Glauben so leid.« Im Gebet verbinden und verbünden wir uns mit dem, der von sich selbst gesagt hat: »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde« (Matth. 28, 18). Wir kennen dieses Wort in- und auswendig. Doch wie schnell kann unser Glaube einen Wackelkontakt bekommen, weil der »Draht zu Gott« Rost angesetzt hat und die Kontaktstellen verschmutzt sind. Jesus spricht den Zersetzungs- und Verschmutzungsprozess deutlich an: »Wenn ihr etwas gegen jemanden habt.« Was kann man nicht alles im Herzen gegen andere haben! Abneigung, Neid, Ungeduld, Geringschätzung, Groll und Bitterkeit, das Nachtragen und Verübeln, das Verharren und Stochern in alten Verletzungen. Doch der Herr ermutigt uns: Haltet eure Not in Gottes Vatergüte hinein. Die Vatergüte Gottes ist groß genug, »euch eure Übertretungen« zu vergeben. Sie ist immer gültig und stark genug, euch in den Schwierigkeiten des Lebens festzuhalten. Weil Gott in seiner Güte und Treue bei mir bleibt und mich festhält, kann ich loslassen, was mich in Unzufriedenheiten und Bitterkeiten gefangen hält. Das ereignet sich vornehmlich im Gebet. Wir können nicht wirksam zu DEM beten, der uns alle unsere Sünden vergeben vergibt, und dabei Missgunst, Rachsucht und Bitterkeit gegen einen anderen im Herzen festhalten. (Dazu 1. Mose 45, 5; 50, 20; Matth. 6, 12. 14. 15; Eph. 4, 32; Kol. 3, 13.) Zum Nachdenken: Jesus prägte seinen Jüngern ein, dass Gebetserhörungen nicht eine Belohnung Gottes für gute Leistungen sind, sondern eine geistliche Frucht. Die schenkt der Herr denen, die ihm demütig vertrauen und gehorchen. Mit diesen Ermutigungen kann ich getrost leben: Johannes 14, 13 und 1. Johannes 5, 14. 15.
Ein drittes Mal ging Jesus innerhalb weniger Tage in den Tempel hinein. Nach der Frage von Petrus und der Jünger-Belehrung des Herrn (V. 20ff) trat eine hochkarätige Abordnung der obersten jüdischen Behörde mit ihrer Frage an Jesus heran. Der Schock über die jüngsten Ereignisse im Tempel saß ihnen noch tief in den Knochen (V. 18). Ihre Fragen sind inhaltlich betrachtet sehr gut (V. 28). Sie bringen unverzüglich den springenden Punkt zur Sprache und verlangen eine eindeutige Antwort. Nur - die Fragen lassen sich nicht trennen von der Geisteshaltung der Fragenden. Gute Fragen aus einem bösen Herzen, mit übelster Absicht gestellt, sollten Jesus in eine Falle locken. Hätte der Herr gesagt, dass er seine Vollmacht von Gott habe, hätten sie ihn der Gotteslästerung beschuldigt. (Vgl. Mark. 2, 6. 7; 3, 2. 6. 22; 8, 31.) Wenn Jesus seine Taten aber in seinem eigenen Namen vollbracht hätte, hätten sie ihn als religiösen Fanatiker oder Gernegroß abgetan. Die Antwort, die Jesus gab, eröffnete er mit einer Gegenfrage: Geschah die Taufe des Johannes im Auftrag Gottes oder im Auftrag der Menschen? Die Antwort lag auf der Hand! Ist Johannes von Gott gesandt und bevollmächtigt, dann ist Jesus der Messias Gottes. (Lies Joh. 1, 26. 27. 29-34.) - Wenn die Taufe des Johannes aber »von Menschen« war, hätten die Vertreter der obersten Behörde »alles Volk« gegen sich gehabt. Außerdem wäre ihre eigene Machtposition beträchtlich ins Wanken geraten. Siehe Lukas 7, 29. 30! Der Rückzug der Männer in ihre vermeintliche Unwissenheit offenbarte nur, dass sie Jesus nicht als ihren Messias anerkennenwollten (Luk. 13, 34; Joh. 5, 40). Wer sich IHM verschließt, liefert sich der Menschenfurcht mit aller Wucht aus. »Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den Herrn vertraut, ist in Sicherheit« (Spr. 29, 25; vgl. Gal. 1, 10; Eph. 6, 5-9; 1. Thess. 2, 4).
APOSTELGESCHICHTE 16, 1-3; 2. TIMOTHEUS 1, 5; 3, 14. 15 1. AUS DEM LEBEN DES TIMOTHEUS Kindheit und Jugendzeit - alles fängt klein an. Wir finden in der Bibel keine zusammenhängende Lebensbeschreibung von Timotheus. Wenn wir etwas über ihn wissen wollen, müssen wir zahlreiche einzelne Bibelstellen bedenken. Dabei kommt uns der Apostel Paulus zu Hilfe. Durch ihn erfahren wir viel aus dem Leben und Dienst des Timotheus. Das ist ein ganz natürlicher Weg: Menschen berichten über Menschen. Wir tun es auch. Die Frage ist nur, wie wir es tun und was wir berichten. Wir sollten hier sehr sorgfältig vorgehen, etwa mit der Bitte: »Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz . . . « (Ps. 139, 23). - Oder mit einer fragenden Haltung: Welche Beweggründe veranlassen mich, dies oder jenes zu sagen? Geht es mir um die Wahrheit? Sage ich sie liebevoll? Geht es mir bei allem, was ich über den anderen sage, vorrangig darum, dass Jesus geehrt wird? (Vgl. Phil. 4, 8; Matth. 7, 3; Röm.2,1.) Wenn wir uns mit den biblischen Aussagen über Timotheus befassen, erkennen wir außerdem: Wir sollten einen Menschen nie losgelöst von seinem sozialen und familiären Umfeld sehen, und wir sollten nicht schon nach einer ersten Begegnung ein Urteil abgeben. - Die Namen der Mutter und Großmutter werden angegeben; beide waren gottesfürchtige gläubige Jüdinnen. Über den Vater erfahren wir nur, dass er Grieche war. Apostelgeschichte 16, 1-3 sagt uns, dass die gottesfürchtigen Erziehungsprinzipien dieser beiden Frauen das Leben des jungen Timotheus wesentlich beeinflussten. Oftmals unterschätzen wir den Wert christlicher Erziehung in Elternhaus, Kindergarten und Schule. Bedeutsam ist allerdings auch, dass nicht nur die gläubigen Mütter oder Großmütter gefragt sind, sondern auch die Väter. Jeder Mensch ist in irgendeiner Weise erzieherisch, formend und fördernd tätig. Bitten wir Gott darum, dass wir diese Verantwortung aus lauterem Herzen wahrnehmen. Dazu ermutigt uns 2. Korinther 9, 8.
Trotz der prägenden Erziehung der Mutter und Großmutter war die Kindheit und Jugend von Timotheus nicht problemlos. Wahrer Glaube kommt immer wieder auf den Prüfstand, um sich als authentisch zu bewähren. »Echten Glauben« bezeugt Paulus seinem Mitarbeiter in Philipper 2, 19-22. Die Schwierigkeiten lagen für Timotheus in seinem nächsten Umfeld. Zuerst können wir an seinen Vater denken. Es war allgemein bekannt, dass dieser nicht Jude, sondern Grieche war und deshalb ganz andere Werte hatte (Apg. 16, 3b). Wir haben hier also eine kulturell und religiös »geteilte« Familie vor uns. Das bedeutete ein Leben in höchst gegensätzlichen Welten. Für einen gläubigen Juden waren solche Mischehen untersagt (2.Mose 34,16; 5.Mose 7, 3). Trotzdem kamen sie in der jüdischen Diaspora manchmal vor. Diese Tatsache ist wahrscheinlich der Grund, warum Timotheus nicht als Kind beschnitten wurde. Es war und wird wohl immer schwer bleiben, mit einem ungläubigen Partner biblische oder geistliche Ziele erreichen zu wollen. Das gilt übrigens auch im Geschäftsleben, bei der Freizeitgestaltung und in Arbeitsgruppen. Darum rät uns das Wort Gottes: »Ziehet nicht am selben Joch mit den Ungläubigen« (2. Kor. 6, 14). Eine weitere Schwierigkeit für die gesunde geistliche Entwicklung des jungen Timotheus könnte auch die Diaspora-Situation der Christengemeinde in seinem Heimatort Lystra gewesen sein. Auch hier gab es Christenverfolgung, wie wir später sehen werden. - Eunike hatte ihrem Sohn den bedeutungsvollen Namen Timotheus (»Gott zur Ehre«) gegeben. Ist es möglich, Gott zur Ehre zu leben, auch wenn die Bedingungen dafür nicht optimal sind? An Timotheus sehen wir, dass es möglich ist. Ein Leben zu Gottes Ehre hängt nicht in erster Linie von den Lebensumständen ab, sondern davon, dass wir Gott uneingeschränkt HERR sein lassen und es ihm zutrauen, dass er uns bewahrt und führt. (Lies Ps. 16, 1; 17, 8; Phil. 1, 6.)
Von Kind auf kannte Timotheus die Heiligen Schriften. Seine Mutter hatte gemäß der Anweisung Gottes in 5.Mose 6, 6-9 gehandelt. Gerne wüssten wir, wie sie Timotheus die Worte »eingeschärft« hat. Ihr Beispiel ist nachahmenswert. Wenn sich die guten Worte Gottes unserem Gedächtnis einprägen, hat das Folgen für unseren Lebensstil. Bis ins hohe Alter kann man z.B. Bibelverse oder Abschnitte auswendig lernen. Wie nützlich dies ist, lesen wir in 2. Timotheus 3, 16. Doch eine christliche Erziehung und selbst viel Bibelwissen reichen nicht aus, um aus einem Menschen einen Jesus-Jünger zu machen. Es muss zu einer persönlichen Lebensbeziehung zu Christus kommen. Dazu 1. Johannes 5, 11-13. Gott selbst vollbringt dieses Beziehungswunder. Damit beginnt ein lebenslanger Prozess. Timotheus erlebte sein geistliches Wachstum auch so; dabei ist die Herzenshingabe an Jesus erst der Beginn. Wir können im Leben von Timotheus verschiedene Schritte beobachten: Er »kannte« die Schriften; er »glaubte« dem, was sie über Jesus Christus aussagten; er »lernte« von Paulus und schließlich war er persönlich »überzeugt«. Wir sehen daran Folgendes: o Wissen ist eine wichtige Grundlage, aber noch kein Leben. o Lernen ist gewiss nötig, aber es reicht nicht aus. o Glauben ist unverzichtbar, aber nicht machbar. Es ist allein Gottes unverdiente und große Gnade, die aus all dem die tiefe Herzensüberzeugung im Menschen schafft, dass er Gottes Kind ist. (Lies Röm. 9, 16.) Und dann ist es das Wirken des Heiligen Geistes, der Wollen und Vollbringen in uns zusammenkommen lässt. (Lies Phil. 2, 13; Hebr. 13, 21.) So entsteht in unserem Leben geistlicher Hunger und das Verlangen, Gott zu ehren. Es könnte sein, dass wir nur sehr wenig davon bei uns spüren; vielleicht ahnen wir, dass Jesus uns neu berühren und beleben muss. Darum dürfen wir ihn herzlich bitten. (Lies Ps. 90, 13; 80, 19b; 119, 25. 40. 88; Jes. 57, 15.)
Aus den vielen Schriftstellen, die vom Wachsen handeln, schließen wir, dass es ganz natürlich ist, wenn etwas wächst. Dabei ist zu beobachten, dass sowohl Böses als auch Gutes wachsen kann; manchmal sogar nebeneinander. Kann man Wachstum messen? Ganz bestimmt das Wachstum nach außen: man kann es zählen, wiegen, messen. Aber es gibt auch ein Wachstum nach innen. In einer Auslegung lesen wir: »Timotheus muss scheu und ängstlich gewesen sein. Wir wissen es, weil Paulus diesen Punkt ansprach (2. Tim. 1, 5-8. 13. 14; 1. Tim. 4, 14). Paulus lässt es einerseits nicht durchgehen, dass Timotheus in seiner natürlichen Schüchternheit und Zurückhaltung bleibt, andererseits ist es bemerkenswert, wie er ihm z. B. bei den Korinthern den Weg bereitet und um Verständnis und Rücksicht für ihn bittet« (1. Kor. 16, 10. 11). Angst und Mutlosigkeit können geistliches Wachstum hemmen. Aber wir können sie wie Timotheus überwinden lernen, indem wir uns bewusst machen und darauf vertrauen, dass Jesus größer und stärker ist (Joh. 14, 1; 16, 33; 1. Joh. 5, 4). - Angst und Verzagtheit sind aus zweierlei Gründen gefährlich: o Sie wirken gegen Gott. Wir dürfen ihr der Angst kein Mitbestimmungsrecht geben, sie leitet uns nicht richtig. Und trotzdem versteht uns Gott, wenn sie uns übermannt. Jesus selbst hatte mit großer Angst zu kämpfen. (Vgl. Jes. 53, 8; Hebr. 4, 14. 15; 5, 7.) o Sie halten uns vom Glaubens-Gehorsam ab. Das allerdings hat sie bei Timotheus nicht erreicht (2. Tim. 2, 1. 3-8). Er ist in zuversichtlichem Vertrauen auf den starken Gott gewachsen. Schritt für Schritt. Die Häufigkeit und der Grad der Angst können verschieden sein, aber wir haben die feste Zusage: »Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der Herr, dein Gott, wo immer du gehst« (Jos. 1, 9b; lies Jes. 43, 1. 2; Dan. 10, 12; Zef. 3, 16. 17a).
In Lystra »war ein Jünger mit Namen Timotheus«. Ihn verband eine tiefe Freundschaft mit Jesus, aber doch so, dass der Herr das Sagen hatte (Matth. 23, 8). Darum verbinden sich besonders zwei Merkmale mit echter Jüngerschaft: Einsatzbereitschaft und Gehorsam. Bei Timotheus finden wir sie in einem ausgewogenen Verhältnis. Das hing sicher damit zusammen, dass er im Blick auf alle Lebensbereiche mit Jesus im intensiven Gespräch blieb und genau das tat, was ihm der Herr in seinem Wort zeigte. (Lies Ps. 25, 4-10; 143, 10; 2. Tim. 3, 16. 17.) So ist Timotheus im Glauben gewachsen. Er wird zu den Jesus-Jüngern gezählt und gilt im ganzen Bezirk als bewährter Christ. Diesen wollte Paulus zum Mitarbeiter haben. Zunächst ist zu beobachten, dass der Apostel ein volles Ja zu ihm hatte. Für Paulus war Timotheus ein Geschenk, eine Gabe Gottes. Er lässt ihn »mit sich ziehen«. Dann sehen wir, dass Timotheus seinerseits sich nicht gezwungen fühlte, aktiv mitzuarbeiten. Offenbar willigte er gern in den Wunsch des Apostels ein. War es die brennende Jesusliebe, die Timotheus zum Gehorsam befähigte? Waren es die unzähligen Gebete seiner Großmutter Lois und seiner Mutter Eunike, auf die der Herr wunderbar geantwortet hatte? Gott nahm sie beim Wort. ER vergisst nicht die Stunde unserer Hingabe an ihn. Daraus wächst Frucht für die Ewigkeit (vgl. Joh. 15, 16). Es sind viele Faktoren, die hier aufeinander treffen und zusammenwirken. Timotheus hätte zwar die Möglichkeit gehabt, aus der verbindlichen Jesus- Nachfolge auszuscheren. Aber er tut es nicht, weil er das siegreiche Leben von Jesus in sich trägt. »Der Geist, der in euch lebt, ist größer als der Geist, der die Welt regiert« - darum »sei stark in der Gnade, die für dich in Christus Jesus ist« (1. Joh. 4, 4b; 2. Tim. 1, 9. 10).
Zum Stichwort »Berufung« fällt uns vieles ein, und die Bibel macht tatsächlich viele Aussagen zu diesem Thema. Wir sind berufen zum Frieden, zur Freiheit, zur Gemeinschaft mit Jesus, zum ewigen Leben . . . (1.Kor. 1, 9; 7, 15; Gal. 5, 13; 1. Tim. 6, 12). Alle diese Berufungen untermauern gewissermaßen unsere Berufung zum Dienst für Gott und geben ihr den nötigen Halt. Von keiner dieser Berufungen bleibt irgendjemand ausgeschlossen. Auch nicht von der Berufung zum Dienst (Joh. 13, 13-15). In ihr erfüllt sich der ganze Reichtum eines Lebens mit Christus. Gottes Berufung macht uns schön, sie verleiht unserem Leben ein Stück von seiner Herrlichkeit und lässt uns über uns selbst hinauswachsen. (Lies 2. Mose 34, 29; Apg. 6, 15; 2. Kor. 3, 18; vgl. Jes. 60, 1-3; Joh. 1, 14.) Wenn es um unsere Berufung zum Dienst geht, wollen wir immer neu beherzigen, dass es eine heilige Berufung ist. Der heilige Gott hat uns aus Liebe erwählt und uns, die wir von Haus aus absolut nichts Heiliges an uns haben, zum Dienst bestimmt. Gott vertraut den kostbaren und unvergänglichen Schatz irdenen und zerbrechlichen Gefäßen an. (Vgl. 2. Kor. 4, 10. 11.) »Unsere Errettung und Berufung gründen sich nicht auf etwas, das im Menschen zu finden ist« (A. Remmers). Sie erfolgen nach Gottes Barmherzigkeit, die wiederum keine Belohnung für unsere guten Taten ist. Sie ist unverdient. Vielleicht fragen wir uns manchmal: Warum greift Gott gerade nach mir? Er tut es nach seinem Plan, der schon vor der Erschaffung der Welt bestand. (Lies Eph. 1, 4-8.) »Gott hätte Anlass gehabt, sein Gericht gegen uns ins Auge zu fassen. Doch ins Auge gefasst hat er unsere grundlose Begnadigung, ja sogar unsere Indienststellung. Und eben dieses grundlose Erbarmen ist erschienen in Jesus« (F.Grünzweig). Dazu 1. Timotheus 1, 12-14.
2. DER DIENST DES TIMOTHEUS
Jedes Kind Gottes ist zum Dienst für Gott befreit und berufen (1.Thess.1,9.10). Allerdings können die einzelnen Dienstaufträge sehr verschieden sein. Timotheus hatte einen Dienstauftrag, der sich vorrangig dem missionarischen Gemeindebau widmete. Dass er diese Berufung an der Seite von Paulus ausüben durfte,war ein besonderes Vorrecht. Er lernte von ihmvor allem, dass es nichts in unserem Leben gibt, das uns hindern könnte, Gott zu dienen (Eph.6,19.20; Phil.1,12-14; Kol. 4,3.4; 2.Tim.2, 7-9). Dabei gab sich Timotheus keiner Illusion hin - er hatte doch in seiner Heimatstadt Lystra miterlebt, wie Paulus um seines Christuszeugnisses willen verfolgt wurde (Apg. 14, 11-20; 2. Tim. 1, 12). - Wir fragen uns vielleicht, wie es Timotheus geschafft hat, seinen konkreten Auftrag zu erfüllen. Das ist eine berechtigte Frage, weil sie irgendwann einmal für uns zur persönlichen Frage werden kann. Zwei Aspekte können uns Antwort geben: o Gott dienen heißt zuerst, zu ihm aufzuschauen, ihn anzuschauen und auf ihn zu hören (Ps. 16, 8). Diese konzentrierte Ausrichtung auf ihn und auf die erfahrene persönliche Berufung macht uns frei von Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit. Wer im Dienst für Gott vor den Augen Gottes lebt, ist frei von Augendienerei bei den Menschen. (Lies Gal. 1, 10; 1. Thess. 2, 4; 4, 1.) o Gott hat uns »Gnadengaben« geschenkt (1. Petr. 4, 10). Die Qualifikation von Timotheus lag nicht in seinem Wissen, seiner Erfahrung, seiner Hingabe, sondern in der Zurüstung durch Gott selbst. Interessant ist, dass die Gemeinde-Ältesten und Paulus diese von Gott geschenkte Begabungen bestätigten (2.Tim. 1, 6). Dadurch konnte Timotheus seinen Dienst in dem Bewusstsein tun, dass die Ältesten seinen Auftrag anerkannten und unterstützten. Egal, um welche Gaben es sich handelte, sie befähigten Timotheus zum Dienst. Paulus forderte ihn sogar auf, sie nicht zu vernachlässigen. »Durch Trägheit, Gleichgültigkeit oder zu starke Beschäftigung mit anderen Dingen kann jede Fähigkeit vernachlässigt werden« (A. Remmers).
Liebe ist die einzig akzeptable Legitimation jeden Dienstes für den Herrn. Sie ist es deshalb, weil ihre Sprache auch von den Gegnern der christlichen Botschaft verstanden wird. Die Jesus-Liebe ist es auch, die uns wirklich auf den Weg bringt. Jesus will seine Jünger unterwegs sehen, innerlich bereit, vorwärts zu gehen, etwas Neues in Angriff zu nehmen, etwas mit ihm zu wagen. (Vgl. Apg. 16, 6-10.) Die Liebe unseres Herrn befähigt uns zudem, auf das Leiten und Mahnen seines Geistes einzugehen. Es ist von weitreichender Bedeutung, ob wir in unserem Einsatz für das Reich Gottes eigene Wege gehen oder ob wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen. Jesus bringt seine Diener auch auf einsamen und schwierigen Dienstwegen durch und ermöglicht ihnen, die Gegenwart Gottes auf ganz neue Weise zu erfahren. Beröa war so ein Ort, an dem Timotheus und Silas von Paulus zurückgelassen wurden. (Lies Apg. 17, 11-14.) Drei Missionare, die im Auftrag einer christlichen Kommunität nach St.Petersburg gingen, berichten über die erste Zeit vor Ort: »Mit mulmigem Gefühl sitzen wir im Flugzeug nach St.Petersburg - jetzt beginnt unser neues Leben. Wir bergen uns in der Hand unseres himmlischen Vaters, von dem wir uns hierher gesandt wissen. E. M. erzählt uns noch auf der Fahrt zu ihrer Wohnung, dass der Anfang nicht leicht werden wird. Bei Registrierung, Wohnungssuche und Erstkontakt mit unseren unbekannten Arbeitgebern sind wir plötzlich auf uns gestellt - und ganz auf unseren Herrn angewiesen. Es fällt uns nicht immer leicht, aber wir sind sicher, dass Gott uns mit der Zusage seiner Kraft und Liebe (2. Tim. 1, 7) nach St. Petersburg gesandt hat.«
Timotheus war kein Einzelgänger. Er war zusammen mit Paulus, Silas, Titus und anderen eingebunden in ein Team. Auch Jesus hatte zusammen mit seinen 12 Jüngern ein Team gebildet (Mark. 3, 13ff). Teamarbeit setzt Integrität, aber auch die Bereitschaft zum Miteinander und Füreinander voraus. Dadurch, dass Timotheus von Paulus in ein Team gestellt wurde, konnte sein Potential für den Dienst zur Entfaltung kommen. Indem Paulus ihn anspornt, die ihm von Gott verliehenen Gaben zu entdecken und damit auf seine unverwechselbare Weise der Gemeinde zu dienen, hilft er Timotheus dazu, sich nicht von Personen abhängig zu machen, sondern sich unbeirrt vom Wort Gottes leiten zu lassen. Jeder, der zu einem Team gehört, erfährt etwas von der Gaben-Vielfalt und von gegenseitiger Ergänzung. Paulus beschäftigt sich ausführlich mit dieser Thematik. Ist Teamarbeit ein effektives und ein biblisches Prinzip? Die Antwort lautet: »Ja«. Daten zu 1. Korinther 12, 4-6: o Jedes Team-Mitglied bringt unterschiedliche Gaben und Fähigkeiten ein. o Team-Mitglieder mit der gleichen Gabe können diese unterschiedlich einsetzen. o Trotz aller Unterschiede ist es der gleiche Geist Gottes, der in jedem wirkt. o In einem Team gibt es keine »besondere« Gabe (1. Kor. 12, 17). o Die unterschiedlichen Gaben ergänzen sich gegenseitig (1. Kor. 12, 18-20). Der Bibellehrer Alfred Kuen führt in seinem Buch »Miteinander - Füreinander« aus, was unbedingt in ein Team hineingehört: die Verantwortung füreinander. Diese sollten wir auch ausüben, weil dadurch aktiv Veränderungsprozesse angestoßen werden. »Ermahnt euch gegenseitig« (Kol. 3, 16)! Das ist ein konstruktiver, aufbauender Auftrag; sein Ziel ist die Heiligung. »Die Aussicht auf die Wiederkunft von Christus stellt einen starken Anreiz dar, nicht nur zur persönlichen Heiligung (1. Joh. 3, 3), sondern auch darüber hinaus zur allgemeinen Heiligung« (A. Kuen). Haben wir dieses Ziel?
Es war bestimmt eine große Sache für Timotheus, zusammen mit Paulus in einem Team zu sein. Gemeinsam könnten die Schwierigkeiten nicht zu schwer zu bewältigen sein. Doch alles sollte anders kommen. Timotheus bekam Aufträge vom Apostel, die er nun alleine ausführen musste. Vom »wir« kam es zum »du aber«. Er sollte jetzt im Namen von Paulus auch in schwierigen Angelegenheiten aktiv werden. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass dies für Timotheus mit Angst und Zögern verbunden war. Vielleicht hat ihm Paulus deshalb die Worte »Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist« zugesprochen. Die Gnade unseres Herrn will auch uns angesichts schwieriger Aufträge stark und mutig machen. (Lies Phil. 4, 13; 2. Kor. 8, 9; 12, 9.) Die Gnade Gottes hält uns beständig fest, damit wir nicht unserer Wankelmütigkeit und Furchtsamkeit zum Opfer fallen. Es waren vor allem vier spezielle Aufträge an vier verschiedenen Orten, an denen Timotheus als Gesandter des Paulus eingesetzt wurde. War er wirklich nur der Gesandte des Apostels, oder war er nicht in erster Linie »Botschafter von Jesus Christus« wie auch wir (2.Kor. 5, 20)? Es gibt für Gottes Beauftragte zwar irdische Chefs, aber in erster Linie sind sie ihrem himmlischen Auftraggeber verpflichtet, weil er sie auch zum Dienst bevollmächtigt und begabt hat. In dieser Abhängigkeit hat Timotheus seine speziellen Aufträge erfüllt in: Thessalonich (1. Thess. 3, 2) - Korinth (1. Kor. 4, 17; 16, 10) - Philippi (Phil. 2, 19-24) - Ephesus (1. Tim. 3, 14). Jeder Auftrag hatte eine andere Nuance - aber jeder Dienstplatz war eine Chance, Gott die Ehre zu geben. Es gibt keinen Ort, an dem ich nicht durch mein Leben Gottes Namen groß machen könnte. Das Gotteslob kann uns dabei helfen. »Lobet den Herrn an allen Orten seiner Herrschaft« (Ps. 103, 22).
Waren es nicht zu hohe Anforderungen, die Paulus an den jungen Timotheus stellte? Können wir das überhaupt, rundum vorbildlich leben? Wenn wir mit unsrer eigenen Kraft rechnen, werden wir schnell an unsere Grenzen kommen. Timotheus wäre es auch so ergangen, wenn Paulus ihm nicht auch ein Geheimnis gesagt hätte: »Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen« (2.Tim. 2, 19). Timotheus wusste und glaubte, dass der Herr die Seinen kennt; darum konnte er an jedem Ort sicher auftreten und mit der notwendigen Flexibilität und dem erforderlichen Einfühlungsvermögen auf die jeweiligen Gemeindesituationen eingehen. In Thessalonich (1.Thess. 3, 2) sollte er die Christen stärken und ermahnen und darüber hinaus Paulus über den Glaubenstand der Thessalonicher informieren. Eine Aufgabe, zu der man viel Weisheit braucht. In Korinth war alles noch viel schwieriger. Dort herrschten Zwietracht, Unordnung, Hemmungslosigkeit, Streit, falsche Lehre (1. Kor. 3, 1-4). Kann man unter diesen Umständen überhaupt noch etwas ausrichten? Bestimmt nur, indem diese abgeirrten Christen an Wesentliches erinnert werden: o »Ihr aber gehört Christus« (1. Kor. 3, 23) o »Ihr seid teuer erkauft« (1. Kor. 6, 20) o »Das Wesen dieser Welt vergeht« (1. Kor. 7, 31b) In Philippi (Phil. 2, 19-24) scheint Timotheus einen schönen Auftrag zu haben: Er sollte »von Herzen besorgt« sein für die Philipper. Ephesus war mit einem ganz besonderen Auftrag verbunden. Timotheus sollte hier den Christen als Gemeindeleiter dienen in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit Paulus (1. Tim. 3, 14). Trotz wachsender Schwierigkeiten in der Gemeinde dankte Paulus für die Epheser-Christen. (Lies Eph. 1, 15. 16; 3, 14-17.) So hatte Timotheus zu lernen, dass die tragende Kraft für den Dienst in Verkündigung, Lehre und Seelsorge die Dankbarkeit für die Glaubensgeschwister ist.
»Beeile dich, bald zu kommen.« Es handelt sich bei dieser Bitte des Apostels um einen seiner letzten Aufträge an Timotheus. Paulus war alt und einsam geworden, bitter enttäuscht von Mitarbeitern. So etwas kann zu einer großen Belastung werden. In den vielerlei Nöten, die Jesusleute erleben, bedeutet die nahe Gemeinschaft mit den Glaubensgeschwistern eine enorme Stärkung. Im Fall des Apostels machten ihm aber nicht nur seine Altersbeschwerden und ein Gefühl der Einsamkeit zu schaffen. Was Paulus so zusetzte, war die Gewissheit darüber, dass er bald hingerichtet werden würde. Für Timotheus war es gewiss gut und richtig, wenn er seinem geistlichen Vater in diesen schweren Stunden nahe sein konnte, wie damals Elisa bei seinem Prophetenvater Elia war (2. Kön. 2). Auch wir sollen einander nicht im Stich lassen. Dazu Römer 12, 13. Besonders nicht in schweren Zeiten und besonders nicht unsere geistlichen Väter und Mütter. Sie sind uns Vorbilder, und wir haben ihnen viel zu (ver)danken (Phil. 3,17). Manchmal fragen wir uns, was wir für andere tun können. Allein unsere Gegenwart kann eine echte Stärkung bedeuten. Zur Bitte, doch recht bald zu kommen (d.h. noch vor dem Winter, V. 21), tritt nun noch eine »materielle«: »Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus ließ, bringe mit« (V. 13). Wir fragen uns, ob die Gemeinde in Rom die Bedürfnisse des Apostels nicht kannte. Warum konnten sie ihm keinen Mantel geben? Sehen wir die Not, die wirklichen Bedürfnisse unserer Mitmenschen? Es gibt nicht nur ein körperliches Frieren, es gibt sehr viel inneres »Frieren« in unsrer Welt. Christen sind »Klimaverbesserer«, weil sie die helle und warme Liebe Gottes in ihre dunkle und unterkühlte Umwelt bringen (Spr. 14, 21).
3. WERTSCHÄTZUNG IM MITEINANDER
»In Demut achte einer den andern höher als sich selbst.« Treffender könnte nicht gesagt werden, was die Bibel unter Wertschätzung versteht. Es geht nicht nur um eine Gleichwertigkeit, sondern um das Höher-Achten unseres Nächsten. Aus der Erfahrung werden wir sagen, dass dies sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich ist. Vielleicht steht deshalb der geistliche Schlüssel gleich am Anfang des Verses: »in Demut«. Mose war ein demütiger Mensch - obwohl er von Haus aus ein hitziges Temperament besaß. Aber in der »Hochschule Gottes« lernte er Demut (4.Mose 12, 3). Dem Demütigen wird sehr viel versprochen: Reichtum und Ehre (Spr. 22, 4) - Gnade (Spr. 3, 34) - Weisheit (Spr. 11, 2) Jesus selbst begegnete jedem seiner Mitmenschen mit einer hohen Wertschätzung: »Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matth. 11, 29). Eine wertschätzende Geisteshaltung hat positive Auswirkungen für ein konstruktives Miteinander der Christen. John D. Rockefeller sagte einmal: »Wertschätzung ist die Bemühung und die Fähigkeit, die geeigneten Mitarbeiter zufinden und zu halten.« Dass Paulus dies gelungen ist, wird an seiner Beziehung zu Timotheus deutlich. Eine wertschätzende Wahrnehmung des Gegenübers setzt individuelle, organisatorische und kooperative Kräfte frei und lässt dadurch Neues entstehen. Sie wird sich immer an vorhandenen Potentialen und nicht an den Problemen orientieren und so geistliches Wachstum stärken. Dann werden Verbindungen von Herz zu Herz entstehen. Sehnen wir uns danach, Wertschätzung zu erfahren? Wir werden gute Erfahrungen machen, wenn wir selbst Wertschätzung praktizieren. Danken, anerkennen, loben, Anteil nehmen und geben, sachliche und konstruktive Kritik üben . . . , das sind nur einige der vielen Möglichkeiten, Wertschätzung zu üben. Das kann jeder Christ lernen. Petrus ermahnt uns dazu: »Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König!« (1. Petr. 2, 17).
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.