DIENSTAG, 1.NOVEMBER

2.KORINTHER 6, 6

Paulus erweist sich nicht nur im Umgang mit den äußeren Nöten als Diener Gottes. Er kann auch innere Wesenszüge nennen, an denen Christus erkennbar wird. Die zuerst angeführte Lauterkeit meint Reinheit und Transparenz im Blick auf Motive und Lebensführung. In den Seligpreisungen verspricht Jesus: »Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen« (Matth. 5, 8). Den Begriff »Erkenntnis« entfaltet A. Schlatter an dieser Stelle als »hellen Blick, der die Menschen und Dinge scharf erfasst«. Langmut wiederum spricht von einem langen Atem, der nicht so schnell aufgibt oder bitter wird, sondern Menschen nachgeht und um sie wirbt. In der Freundlichkeit erweist sich Nächstenliebe. Das griechische Wort bedeutet praktische Güte, die zum Helfen bereit ist. Gemeint ist also nicht eingeübte, lächelnde Höflichkeit, sondern jener ungeheuchelten Liebe entsprechend ehrliches Interesse aneinander. Wurde im Abschnitt zuvor unsere Aufmerksamkeit auf die Geduld gelenkt, so liegt das Gewicht in diesem Vers auf dem Hinweis »im Heiligen Geist«. Paulus spricht also von geistlichen Eigenschaften, die nicht Ergebnis unserer An- strengungen sind, sondern Frucht des Heiligen Geistes. »Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit« (Gal. 5, 22. 23a; vgl. Eph. 5, 9; 2. Petr. 1, 5-7). Das entlastet! Wir beten mit den Worten von W. I. Thomas: »Ich danke dir, Herr Jesus Christus, dass du auferstanden bist. Du wohnst in mir durch die Person deines Heiligen Geistes. Du hast von mir nie mehr als mein Versagen erwartet und doch ist mir durch dich Stärke für meine Schwachheit, Sieg für meine Niederlagen gegeben. Du selbst bist die Antwort auf mein ganzes Versagen! Im Glauben erkenne ich eine Zukunft, die du erfüllen willst mit dir selbst und allem, was du in deiner göttlichen Person bist! Du, Christus, bist meines Lebens Leben. Amen.«

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MITTWOCH, 2.NOVEMBER

2.KORINTHER 6, 4a. 7

Um in Jesus zu bleiben, brauchen wir die Beschäftigung mit Gottes Wort. Sinnvoll schließt sich deshalb dieser dritte Bereich an, der die notwendige Ausrüstung für den geistlichen Kampf nennt: o Das Wort der Wahrheit Diese Formulierung ist im Neuen Testament eine Bezeichnung für das Evangelium von Jesus. »Von der Hoffnung habt ihr schon zuvor gehört durch das Wort der Wahrheit, das Evangelium« (Kol. 1, 5; vgl. Eph. 1, 13). Mit dieser spezifischen Redewendung wird aber auch Wesentliches über das Wort selbst ausgesagt. Gottes Wort ist Wahrheit sowohl im Sinne von Glaubwürdigkeit als auch in der Bedeutung von Zuverlässigkeit. Gottes Wort sagt die Wahrheit und ist wahr, weil es hält, was es sagt. Auf dieses Wort gründet Paulus seine Verkündigung und weiß sich deshalb zur Wahrheit verpflichtet. o Kraft Gottes In 1. Korinther 2, 4. 5 schreibt Paulus: »Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft« (vgl. 1. Thess. 1, 5). Diener Gottes zeichnen sich nicht durch besondere Kraft und Stärke aus. Vielmehr wissen sie um das Wunder, dass trotz eigener Schwachheit Gottes Wort kraftvoll wirkt und Menschen aus dem Tod ins Leben rettet. Nur auf diesem Fundament kann Glaube gedeihen. o Waffen der Gerechtigkeit Wir können hier das Bild der Waffenrüstung aus dem Epheserbrief zur Veranschaulichung nehmen.Mit der Rechten ergreift der Kämpfende das Schwert des Geistes, das Wort Gottes (Eph. 6, 17). Er kann dieses Schwert als Waffe zum Angriff und zur Verteidigung einsetzen (vgl. Luk. 4, 3ff). Mit der Linken hält er den Schild des Glaubens zur Abwehr aller Geschosse des Feindes (Eph. 6,16). Mitten in den Spannungsfeldern investiert er Vertrauen in Jesus. Durch diese Ausrüstung bewährt sich Paulus als Diener Gottes.

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DONNERSTAG, 3.NOVEMBER

2.KORINTHER 6, 8

Der Widerstand der Welt gegen die Jesusbotschaft äußert sich in verschie- dener Hinsicht. Die Verse 4 und 5 sprachen von der Verfolgung der Boten und der damit verbundenen Bedrängnis. Ein in anderer Weise schwerer Angriff ist der Versuch, jemanden durch Verleumdung und Schmähung auszuschalten. Dieser Aspekt wird nun ins Blickfeld gerückt. Wohl erlebte Paulus auch Anerkennung. Er war aber stets darauf bedacht, keine falsche Ehre anzunehmen (Apg. 14, 8-18). Wie tief jedoch können falsche Beschuldigungen verletzen. Wie kränkend und schädigend wirken sich Halbwahrheiten aus, die den guten Ruf zerstören sollen und dieses Ziel mitunter sogar in der Öffentlichkeit erreichen. Wie kann es denn aussehen, sich mitten in einer solchen Zerreißprobe als Diener Gottes zu erweisen? Die Erfahrung zeigt, dass Selbstrechtfertigung oder gar Gegenanklage oft vermehrte Schwierigkeiten nach sich ziehen. Jesus verhielt sich anders. o Er verteidigte sich nicht, bezeugte aber weiterhin Gottes Wahrheit und Anspruch (Mark. 14, 60-62). o Er hinterfragte die falschen Vorwürfe und das ungerechtfertigte Verhalten seiner Gegner (Joh. 18, 23). o Er schwieg, wenn alles Nötige gesagt und ein ehrliches Gespräch unmöglich war (Matth. 27, 12-14; Luk. 22, 67. 68). o Er betete für seine Gegner (Luk. 23, 34; vgl. Luk. 6, 28). Jesus konnte so handeln, weil er sich mit dem Vater in Einklang wusste. »Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir« (Joh. 16, 32). Auch wir können einen Angriff von Lüge und Kränkung nur dann bewahrt durchstehen, wenn wir uns und unsere Anliegen in stärkeren Händen wissen. Jeremia übergab deshalb seine Angelegenheiten dem Herrn. »Ich habe dir meine Sache befohlen « (Jer. 11, 20; vgl. Ps. 17, 1-8). Und wir dürfen im Glauben in Anspruch nehmen, was wir in 1. Petrus 5, 6. 7 lesen: »So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.«

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FREITAG, 4.NOVEMBER

2.KORINTHER 6, 9. 10

Bereits in Vers 8 begegnen wir dem interessanten Schreibstil, der den Negativaussagen jeweils ein Positivbeispiel gegenüberstellt. Dies setzt sich nun bis Vers 10 fort. Paulus will die zahlreichen Bedrängnisse nicht beschönigen, aber er konfrontiert uns damit »nun so, dass diese vielfältig niederdrückende Lage nur als der dunkle Untergrund für die erhabene göttliche Gegenwirkung erscheint, die er immer aufs Neue erleben darf« (O. Schmitz). Zu seinem Dienstleben gehört die Erfahrung, dass er unbekannt, sterbend, gepeinigt, traurig, arm und besitzlos ist. So lautet seine nüchterne Bilanz. Aber durch Jesus weiß er um ein überwältigendes Gegengewicht. Er kann ebenso bezeugen, bekannt, lebendig, nicht preisgegeben, fröhlich und reich machend zu sein, einer, der in Jesus alles besitzt. (Lies Röm. 8, 32.) Jemand überdachte diesen Tatbestand mit folgenden Worten:

Gewinn oder Verlust?

Was bedeutet es nun, an Christus zu glauben, Freude oder Traurigkeit, Stärke oder Schwachheit, Gewinn oder Verlust, Glücklichsein oder Leiden,

Frieden oder Kampf?

Beides - und das Erste mitten im Zweiten. Was dem menschlichen Verstand paradox erscheint, ist bei Gott möglich. Wer von diesem Segen weiß, ist in der Tat reich. Nun wird es darum gehen, wie wir uns den Gegebenheiten stellen. Indem Paulus gute und schwere Wege bejaht und als Anlass nimmt, Jesus Christus und seine Kraft zu erfahren, geht er uns mutmachend voran. »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht« (Phil. 4, 11-13). Diener Gottes sind nie den Umständen selbst ausgeliefert, sondern stehen unter der Leitung und Obhut ihres Herrn. Seine Gegenwart verwandelt die jeweilige Situation - auch heute.

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MEIN GEIST SOLL UNTER EUCH BLEIBEN -

ERMUTIGUNGEN AUS DEM PROPHETEN HAGGAI

SAMSTAG, 5.NOVEMBER

HAGGAI 1, 1

Er trug den Namen »der Festliche« oder »Mann des Festes« und schrieb ein kleines biblisches Buch, das nach seinem Namen benannt ist: Haggai. Sein Buch umfasst nur zwei Kapitel. Er war also kein Mann vieler Worte und doch genügten sie, um das Volk Gottes zu ermutigen und in Bewegung zu setzen. Wir wissen relativ wenig über Haggai selbst. Es gibt keine Hinweise auf seine Herkunft. Unklar bleibt auch, welchen Beruf er hatte. Vermutlich war er über siebzig Jahre alt, als er innerhalb von vier Monaten vier verschiedene Prophezeiungen aussprach. Befassen wir uns zunächst mit der Zeit, in der Haggai lebte. Der Perserkönig Kyrus erlaubte 538 v. Chr. den im Exil lebenden Juden, in ihr Heimatland zurückzukehren (Esra 1, 1-4). Etwa fünfzigtausend Juden kehrten aus Babylon zurück nach Jerusalem. Unter ihnen waren Jeschua, der Hohepriester, und der Statthalter Serubbabel (Esra 3, 2). Doch wie trostlos sah alles aus! Den wunderschönen Tempel Salomos hatte Nebukadnezar 587 v. Chr. zerstören lassen. Es standen nur noch Ruinen. Wie schmerzlich muss das für die Zurückgekehrten gewesen sein, war doch der Tempel für die Juden der Ort, an dem sie ihren Gott anbeten konnten. Hier hatten sie früher die Gegenwart Gottes erlebt. Und wie sehr sehnten sie sich gerade jetzt danach. Im Jahr 536 v. Chr. begann das Volk Gottes mit dem Wiederaufbau des Tempels. Ihre Gefühle dabei waren eine Mischung aus Wehmut und Jubelfreude. (Lies Esra 3, 2-13.) Der Brandopferaltar wurde gerichtet, Holz wurde beschafft. Die Steinmetzen und Zimmerleute erhielten ihre Aufträge. Aber ein entmutigender und zum Teil gewaltsamer Widerstand der Nachbarn, der Überlebenskampf und andere Ursachen führten dazu, dass sie immer seltener auf der Baustelle waren. Der Tempelbau geriet ins Stocken. In diesen Jahren verschoben sich bei den Zurückgekehrten nahezu unbemerkt die Prioritäten.

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SONNTAG, 6.NOVEMBER

ESRA 4, 1-5

Wie sehr hatten die Juden im Exil auf die Rückkehr ins Land der Väter gewartet! Sie hatten geredet und geträumt von den Gottesdiensten im Tempel. Und nun war vieles verblasst. Eine geistliche Lähmung hatte sie erfasst. Es gab zwar noch Gottesdienste und Opferfeiern. Das Gesetz wurde gelesen, aber es hatte keine Konsequenzen mehr. Man war ausgefüllt mit dem Alltäglichen. Die Sorge um das eigene Fortkommen und Wohlergehen hatte sich breit gemacht. Der Wunsch nach Wohnkultur und Luxus wuchs. Die einst glaubensvoll Aufgebrochenen waren ständig beschäftigt und dabei doch enttäuscht, müde und mutlos. Ihre einstigen Glaubensziele, ihre Sendung und die Verheißungen Gottes waren ihrem Blick entschwunden. Und eines Tages wurde die Arbeit am Tempel eingestellt. Über viele Jahre blieb er eine Bauruine. »Die in Babel Gebliebenen gaben den Aufbruch, die Heimgekehrten den Tempelbau auf« (H. Frey). Dabei merkten sie nicht, wie sie Gott an die zweite Stelle setzten. Sie spürten zwar, dass sie nicht so recht vorankamen, dass alles irgendwie ganz schwierig war, aber sie konnten es nicht richtig einordnen. Der Herr sagte lange Zeit nichts dazu. Aber nachdem sechzehn Jahre ins Land gegangen waren, wurde Haggai von ihm beauftragt, Serubbabel und Jeschua darauf anzusprechen. Es ist das erste Mal seit dem Exil, dass Gott wieder zu einem Propheten spricht. Haggai konfrontierte Serubbabel und Jeschua mit der Wirklichkeit. Wir lesen Haggai 1, 2-11. In diesem Abschnitt geht es zunächst um eine Standortbestimmung. Sie zeigt die harte Wirklichkeit: viel Saatarbeit und geringe Ernte. Und das, was geerntet wurde, hatte wenig Nährwert. Gott hatte den Tau, der ein Zeichen seiner Fürsorge und seines Segens war, zurückgehalten. Nun hatte die Dürre alles ausgetrocknet.

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MONTAG, 7.NOVEMBER

HAGGAI 1, 2-8

Die Menschen im Volk Gottes plagten sich ab mit ihrer Arbeit und hungerten doch. Ihre Mühe, ihr Einsatz und Fleiß brachte enttäuschende Resultate. Dabei handelte es sich nicht zuerst um eine Naturkatastrophe, sondern um eine »Gotteskatastrophe«, wie ein Ausleger bemerkt. Die Schlussfolgerung der enttäuschten Leute jedoch war: Wie können wir da noch an Tempelbau denken? Woher sollten Motivation und Kraft kommen? Woher die Finanzen? Der Herr aber bedauert sie nicht, sondern fordert sie auf umzudenken. Gott sieht Ursache und Wirkung genau umgekehrt wie sie. Es stimmt nicht, dass die Zeit zum Tempelbau noch nicht da ist. Nicht weil die Zeiten so schlecht sind, kann und muss der Tempelbau warten. Sondern es geht ihnen schlecht, weil das Wichtigste zum Zweitrangigen wurde. Weil der Herr nicht mehr den gebührenden Platz in ihrem Herzen und ihrem Leben hat, deshalb erleben sie eine Enttäuschung um die andere. Sie lebten ganz praktisch die Umkehrung von dem, was Jesus einige hundert Jahre später sagte: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen« (Matth. 6, 33; lies Matth. 6, 19-27). Durch Haggai stellt der Herr klar: Nicht der Tempel kann warten, sondern das Private. Damit fordert er sie auf, ihre Beziehung zu ihm neu zu ordnen: »Geht hin auf das Gebirge und holt Holz und baut das Haus! Das soll mir angenehm sein, und ich will meine Herrlichkeit erweisen.« Es geht um Gehorsamsschritte. Gott zu ehren heißt, dem Herrn das ihm zukommende Gewicht zu geben durch Loben, aber nicht nur mit Worten, sondern im ganzen Verhalten und Wesen, im Gehorsam und eben auch im »Geht hin!« Eine Aufforderung, die seit Abraham bis heute immer neu zum Aufbruch ruft. (Lies 1. Mose 12, 1-4; Matth. 21, 28-32; 28, 18-20.)

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DIENSTAG, 8.NOVEMBER

HAGGAI 1, 2-13

»Baut das Haus!« In Vers 9 sagt der Herr, es ist »mein Haus«. Sie sollen dem Herrn einen Tempel bauen, nicht sich selbst. Auf welcher Baustelle arbeiten wir? Bauen wir das Haus Gottes, oder bauen wir uns einen Tempel? Geht es uns um die Ehre Gottes oder um unsere eigene? Suchen wir den Beifall der Menschen, oder wollen wir, dass sich der Herr an unserer Hingabe und unserem Gehorsam erfreuen kann? (Lies Gal. 1, 10; Eph. 5, 1. 2; Kol. 3, 17.) Viele Konflikte lassen sich vermeiden oder lösen, wenn wir das gemeinsame Ziel miteinander im Auge behalten: Es geht um den Bau des Reiches Gottes, damit der Vater verherrlicht wird. (Lies 1. Petr. 2, 1-5.) »Baut das Haus!« Das ist ein Ruf zur Buße und zur Umkehr. Am Gehorsam wird sich entscheiden, ob Gott die Gemeinschaft mit seinem Volk wieder herstellen kann. Der Aufruf, das Haus zu bauen, ist ein klarer Auftrag des Herrn; und was er aufträgt, macht er auch möglich. Bei aller Konfrontation klingt hier die erste Verheißung an: »Ich will meine Herrlichkeit erweisen« (V. 8). Serubbabel, Jeschua und das ganze Volk lassen diese Mahnung zu. Sie lassen sie an sich heran. Sie mauern sich nicht ein in einen Turm von Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit: Man macht in den eigenen Augen alles richtig, aber die anderen . . . Die sind . . . Und dann findet man ganz viel Falsches, Verkehrtes, Beklagenswertes. Mit seinem kritischen Urteil steht man dann haushoch darüber und merkt gar nicht, dass das eigene Herz voll Stolz, Unversöhnlichkeit und vielleicht sogar Bitterkeit ist. In Jerusalem darf der Herr die Leitenden und das Volk tadeln, ermahnen und ihnen sagen, was er von ihnen möchte. Sie sind offen für Korrektur, bereit, ihr Denken und Verhalten zu ändern, bereit zum Gehorsam. (Lies Jak. 3, 13-18.)

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MITTWOCH, 9.NOVEMBER

HAGGAI 1, 14

»Sie kamen und arbeiteten am Hause des Herrn Zebaoth, ihres Gottes.« Stellen wir uns der Frage: Wann habe ich mich das letzte Mal vom Herrn korrigieren und ermahnen lassen? Darf er mich zu einer Änderung meines Denkens und Verhaltens auffordern? Mit welcher Konsequenz? - Wer sich von Gott etwas sagen lässt, »zu dem redet Gott wieder, und die Segnungen brechen nicht ab« (H. Coerper). Wir lesen die zweite Rede Haggais in Kapitel 2, 1-9 und schauen sie etwas genauer an:

1. Die traurige Realität (V. 1-3)

Das angegebene Datum in Vers 1 macht deutlich, dass Haggai am letzten Tag des Laubhüttenfestes zum Volk redete. Angesprochen sind die Älteren im Volk; die, die über 70 sind, vielleicht 75, oder schon 80 und älter. Männer und Frauen, die nicht im Exil geboren sind, sondern die Verschleppung aus Jerusalem und dem Land der Väter miterlebt haben. Wie bescheiden und armselig musste ihnen das vorkommen, was sie nun vorhatten. Wie prunkvoll war der Tempel Salomos dagestanden! Und wie anders waren die Baubedingungen zu seiner Zeit! David hatte das Material für den Tempelbau sorgfältig vorbereitet. Es gab damals keinen Mangel an Bauarbeitern (1.Kön. 5, 27). Alles war reichlich vorhanden: Baustoffe, Werkzeuge, Menschen, die eingesetzt werden konnten. Nahezu unbegrenzte Ressourcen würden wir heute sagen. Und jetzt? »Ist das, was ihr heute seht und erlebt, nicht wie nichts in euren Augen?« Wie nichts!? »Ein niederschmetternder Eindruck. Enttäuschung, Verzagtheit, Resignation, Schmerz und Zweifel - all das schwingt hier mit« (G. Maier). Wie nichts - das war für die Angesprochenen zunächst schmerzliche Wirklichkeit. Sie erleben die Anfechtung der zweiten Generation, die ein Neues beginnen soll, aber nicht so recht weiß, ob es sich überhaupt lohnt. Passivität, alles laufen lassen, lag sicher manchen näher als glaubensvolle Aktivität. (Lies Jos. 1, 1-9; Hebr. 12, 1-3.)

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DONNERSTAG, 10.NOVEMBER

HAGGAI 2, 3

»Sieht es nicht wie nichts aus?« So fragen wir uns vielleicht auch manchmal, wenn wir »unsere Baustelle« betrachten. Sie kann Schule heißen, Wohnbereich im Altenheim, Station im Krankenhaus, Küche oder Garten, Büro, Haushalt, Verkündigungsdienst, Werkstatt oder vielleicht Ruhestand . . . Ist es nicht wie nichts? Ist nicht alles klein, unscheinbar, mühsam, ineffektiv? Soll sich da Gottes Herrlichkeit offenbaren können? Konnte sich der Herr früher nicht viel mehr verherrlichen? Auch unsere Gemeinschaft als Jesus-Nachfolger ist eine Art Baustelle. Auch sie soll ein Ort sein, an dem der Herr seine Gegenwart offenbaren kann. Deshalb ist es sehr wichtig, dass jeder an dieser Baustelle mitarbeitet und sich einbringt. Entziehe dich dieser Baustelle nicht. Sie hat eine große Verheißung. Dass die Baustelle »Gemeinschaft« angefochten ist, erfahren alle, die sich auf ein gemeinsames Leben einlassen: Dominik Klenk, Leiter der Kommunität »Offensive Junger Christen«, schrieb einmal: »Mehr und mehr ist uns aufgegangen, dass die zentrale Frage unserer Zeit ist, wie lebendige und echte Gemeinschaft noch gelingen kann. Ob in der Zweierschaft, Kleinfamilie, Gemeinde oder als Gesamtkirche, ob in der Kleingruppe oder als Weltgemeinschaft - weithin zeigt sich die Unfähigkeit, zu fruchtbarer Einheit miteinander zu kommen. Diese Unfähigkeit hat eine geistliche Dimension. Sie verhindert das Wirken des Geistes Gottes in dieser Welt. Wir sind uns bewusst, dass jeder Zerbruch und Verrat von Gemeinschaft ein Sieg der Mächte der Zerstörung bedeutet. Der Diabolos ist der Durcheinander- und Auseinander- bringer menschlicher Gemeinschaft. Er tut sein Zerstörungswerk zielgerichtet, weil echte Gemeinschaft immer das Abbild Gottes in der Welt darstellt. Gott selbst als der Dreieine ist Gemeinschaft. Echte Gemeinschaft ist weit mehr als ein schönes Ideal. Sie ist eine Kampfansage Gottes an die Zerstörungsmächte dieser Welt.« (Lies 1. Kor. 1, 4-7. 9-13; 3, 5-7. 16; Phil. 1, 27-2, 4.)

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FREITAG, 11.NOVEMBER

HAGGAI 2, 3

In einem Buch über die Gemeinschaft von Christen heißt es: »Zur Zeit der Gründung einer Gemeinschaft ist es leicht, die Flamme des Heldentums wach zu halten. Spannung mit der Umgebung feuert die Herzen zu Großmut an. Man möchte sich nicht kleinkriegen lassen. Schwieriger wird es erst, wenn die Jahre vergehen und man sich immer intensiver mit seinen eigenen Begrenzungen auseinandersetzen muss. Kein Heldentum beflügelt mehr die Einbildungskraft. Der Alltag scheint fade. All jene Dinge, von denen man sich endgültig losgesagt zu haben meint, stehen mit verführerischer Kraft wieder da: die Bequemlichkeit, das Sicherheitsbedürfnis, die Angst, gestört zu werden. Man hat nicht die Kraft, der Verführung zu widerstehen, seine Zunge zu beherrschen und anderen zu vergeben. Trennwände schießen in die Höhe. Man sondert sich ab. Wenn aber Liebe nicht in Taten und Worte mündet, ist sie Täuschung und Heuchelei« (J. Vanier). »Sieht es nicht aus wie nichts?«, fragt Gott sein Volk. Und wenn er uns so fragt? o Was können wir dem Herrn anbieten als Ort seiner Gegenwart? Als Ort, an dem er seine Herrlichkeit offenbaren kann? o Ist unsere Familie, unsere Gemeinschaft, der Platz, an dem wir leben, solch ein Ort? o Und wenn wir uns selbst betrachten? Ist unser Leben ein Tempel des lebendigen Gottes? Sieht es nicht manchmal aus »wie nichts«? Wie gut, dass der Herr mein Nichts, unser Nichts, nicht schönredet, sondern stehen lässt. Und für ihn ist unser Nichts nicht das Ende seiner Reichsgottesgeschichte. Welche Zusagen Gottes möchte ich in meine persönliche Situation einbeziehen: Jesaja 41, 14; 42, 3; 44, 1-8; Jeremia 1, 4-8?

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SAMSTAG, 12.NOVEMBER

HAGGAI 2, 3-5

»Wie nichts: so beginnt Gott sein Werk. Es lohnt sich, über dieses Baugesetz im Reich Gottes nachzudenken. Wie nichts erschien der Anfang, den Gott in einer gefallenen Menschheit mit Abraham gemacht hat. Wie nichts erschien der kleine David gegen den großen Goliath. Wie ein Senfkorn ist das, was Jesus in dieser Welt angefangen hat« (G. Maier). - Wie gut: Der Herr erwartet nicht, dass wir in eigener Kraft unsere Baustellen bewältigen. Wir müssen es nicht im persönlichen Leben, nicht an unserem Platz, an dem wir stehen, nicht als Gemeinschaft. Damals schenkte der Herr seinem Volk eine dreifache Ermutigung:

2. Die dreifache Ermutigung (V. 4. 5)

Die erste Ermutigung lesen wir in Haggai 2, 4: »Seid getrost und stark - und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der Herr Zebaoth.« Wieder werden alle angesprochen. Derjenige, der sich mit der Welt der Tische und Bänke befassen muss - Serubbabel, der Statthalter und Verwaltungsmann. Derjenige, der für den geistlichen Dienst zuständig ist, Jeschua. Und das ganze Volk. Alle sind gemeint. Alle brauchen diese dreifache Ermutigung. Nicht nur damals stand das Volk in Gefahr, der Resignation und Entmutigung Raum zu geben. Auch heute will uns vieles den Mut und die Zuversicht rauben. Kürzlich sagte jemand: »Resignation ist eine Visitenkarte des Teufels. Diese Visitenkarte sollten wir nicht annehmen.« - Wenn wir getrost sind, hat die Mutlosigkeit keinen Raum. Wir sind dann nicht geschwächt durch sorgende und entmutigende Gedanken, sondern innerlich stark und dadurch auch handlungsfähig. »Arbeitet!« Das ist ein ganz nüchterner Auftrag. Gott will den Tempel weder durch die Perser bauen lassen, noch soll er vom Himmel fallen. Trotz allen Widerständen von außen und allen Nöten in ihrem Alltag sollen seine Leute die Arbeit am Tempel fortsetzen. (Lies Matth. 20, 1-15; 25, 34-40; Joh. 13, 1-5. 15-17; Apg. 6, 1-7.)

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SONNTAG, 13.NOVEMBER

HAGGAI 2, 4

»Arbeitet!« Es soll die Menschen vom Volk Gottes weder die Konzentration auf eigene Interessen noch eine schwermütige Hoffnungslosigkeit hindern, aber auch kein sentimentaler Rückblick auf die guten alten Zeiten. Die Arbeit darf nicht wieder aufhören und auch nicht halbherzig getan werden. Um Gottes willen nicht und um ihretwillen nicht. Denn der Herr segnet, wo Menschen seine Anliegen zu den ihren machen. Unter der Verheißung Gottes wird jede Arbeit zum Segen. Es geht ja nicht nur um die Mauern, sondern um das, was durch die Arbeit möglich werden soll: das Lob Gottes und die Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk. (Lies Ps. 100, 1-5; Offb. 3, 8-12.) Es ist ein Vorrecht, zu den Bauleuten Gottes gehören zu dürfen. Unser Herr möchte, dass wir getrost und mit Freude erfüllt sind. Er möchte, dass wir trotz allen Widerständen in uns und um uns den Mut nicht sinken lassen und dranbleiben. Da sind nicht nur die Berufstätigen gemeint. Auch wer im Ruhestand ist, ist aufgefordert, am Bau des Reiches Gottes mitzuwirken. Vor über 70 Jahren schrieb ein Mann Gottes: »Das Größte, was jemand für die Sache Gottes und für die Menschen tun kann, ist das Gebet. Es ist nicht das Einzige, aber das Größte, und es schließt alles andere in sich. Die wahrhaft Großen auf Erden sind heute die Leute, die beten können. Ich meine nicht solche, die an die Macht des Gebetes zu glauben vorgeben, auch nicht solche, die diese Macht erklären können, sondern einfach solche, die sich Zeit dazu nehmen und beten. - Durch das Gebet verlange ich auf Grund des Sieges, den Jesus errang, dass sich der Feind von jedem Ort, von jedem Herzen zurückziehe, wofür ich einstehe.« (Lies Apg. 12, 5. 11. 12. 17; Jak. 5, 16b.)

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MONTAG, 14.NOVEMBER

HAGGAI 2, 4

»Ich bin mit euch.« Welch großartige Zusage! Sie gilt nicht nur irgendwelchen Großen im Reich Gottes. Sie gilt allen fünfzigtausend Heimkehrern, den Jüngeren und Älteren, und sie gilt uns. »Ich bin mit euch.« Damit hebt Gott den Abstand zwischen sich und dem sündigen Volk auf, beseitigt also die Trennung durch seine Vergebung. Noch mehr: Er verspricht seinen Beistand beim Tempelbau. Was können dann alle Mächte dagegen ausrichten? »Ich bin mit euch«, ist die Garantie Gottes, dass der Aufbau gelingt. Seine Möglichkeiten sind nicht erschöpft. Darum bleibt nicht hängen an besseren Zeiten, fixiert nicht die Zahl, »schaut nicht auf das bescheidene Baumaterial der Trümmersteine« (H. Brandenburg). Messt nicht nur eure Kraft! Blickt auf mich! Ich bin mit euch. (Lies Jes. 40, 26-31.) »Wenn wir auch nicht wissen, was die Zukunft bringen mag und ob die weltgeschichtlichen Ereignisse unserer Tage wirklich bereits der Anbruch der Endgeschichte sind, so steht doch eines fest: Gott wird Dienst, unendlich viel Dienst haben für alle, die priesterlich lieben und leiden können. - Manches ist bereits zusammengebrochen, manches wird noch zusammenbrechen, und dann gibt es aus diesen Ruinen nie etwas Neues, wenn nicht zuvor Menschen da sind, durch die Gott Neues schaffen kann. Gott macht nie Weltgeschichte ohne unser Mitwirken, er wirkt nie, ohne sich zuvor Träger der Geschichte erzogen zu haben. Gott sucht Persönlichkeiten, in denen sich seine schöpferischen Kräfte auswirken können. Denn Gott ist noch nicht am Ende« (J. Kroeker). Wie gut, dass es einen Haggai gab! Das war das Große an den alttestamentlichen Dienern Gottes, dass sie die Hoffnung für die Zukunft nicht verloren haben. Sie waren immer Männer des ewig Neuen und ließen sich nicht den Blick trüben für das Zukünftige. (Lies Jes. 52, 9. 10; Jer. 31, 3-6; 33, 6-11. 15. 16.)

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DIENSTAG, 15.NOVEMBER

HAGGAI 2, 5

Die zweite Ermutigung: Mein Wort gilt immer noch. An welches Wort, das Gott beim Auszug aus Ägypten mit seinem Volk vereinbart hatte, mag Haggai gedacht haben? Es wird uns nicht genau gesagt. Ein Gotteswort aber ist besonders beachtenswert: Wir lesen 2. Mose 19, 4-6. Dieses Wort hält zuverlässig fest: o »Ihr seid mein persönliches Eigentum.« Es geht dabei um mehr als um irgendeinen Besitz. Das hebräische Wort drückt eine höchste Kostbarkeit aus, wie sie sich nur Könige leisten können. Israel ist für den Herrn so etwas wie ein Kronjuwel, ausgesucht aus allen Völkern und von ihnen abgesondert. Israel, »der erstgeborene Sohn Gottes«, der ihm ans Herz gewachsen ist. Dabei hat das Volk auf diese besondere Stellung keinerlei Anspruch, und es gibt keinen Grund zur Überheblichkeit. (Lies 5. Mose 7, 7. 8a.) Das Volk Gottes soll und darf einfach staunen über Gottes Wahl. Über seinen Zuspruch und Anspruch: Du gehörst mir. Du bist für mich kostbar. Und ich will mit dir sein. Mit dieser Wahl hat Gott eine Aufgabe verbunden. Israel soll in dieser Welt nicht herrschen, sondern dienen. Er hat die Seinen zum Dienen berufen. Sie sollen ein Segen sein für andere Völker. o »Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern sein.« Die Aufgabe von Priestern ist es, eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Durch sie soll anderen Menschen klar werden, was Gottes Wille ist, aber sie sollen auch die Bitten und Nöte ihrer Mitmenschen vor Gott bringen. Zu diesem Priesterdienst ist das Volk Israel berufen - und auch wir Christen. (Lies Luk. 1, 68-75.) o »Ihr sollt mir ein heiliges Volk sein.« Israel ist dem Herrn geweiht. Es ist abgesondert für Gott, für die Gemeinschaft mit ihm und für die Aufgaben von ihm. (Lies Jes. 43, 21; Offb. 1, 5b. 6.)

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MITTWOCH, 16.NOVEMBER

2.MOSE 19, 4-8

Alle drei Zusagen Gottes an das Volk Israel werden im Neuen Bund auf uns, die wir Jesus nachfolgen, übertragen. Auch für uns gilt dieses Wort immer noch, obwohl es Petrus vor fast zwei Jahrtausenden geschrieben hat: »Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht« (1. Petr. 2, 9). In 2. Mose 19 erkennen wir noch einen wichtigen Grundsatz: Gottes Erwählung und Berufung, seine Bevorzugung und Indienstnahme fordert immer eine Antwort. »Und alles Volk antwortete einmütig und sprach: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun« (V. 8). (Lies Jos. 24, 13-18. 22-24.) - Manche unter uns haben ein besonderes Wort, mit dem der Herr sie berufen, sie zur Nachfolge und zum Dienst ermutigt hat. Viele werden ein Wort haben, mit dem der Herr seine Gegenwart zusagte. Diese Worte Gottes gelten immer noch. Der Herr ist immer noch Gott und steht auch in unserem Leben zu seinen Zusagen. Vielleicht fragt sich heute jemand, ob er es auf ein Wort Gottes hin wagen kann, sein Leben zum ersten Mal oder neu in die Waagschale zu legen und am Bau des Reiches Gottes mitzuarbeiten. Nun zur dritten Ermutigung: »Mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht!« (Hag. 2, 5) Für das Volk Israel war es eine zusätzliche Vergewisserung der Gegenwart Gottes und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass sie selbst es nicht schaffen werden. Gott unterstreicht dies durch ein persönliches Wort an Serubbabel, das wir in Sacharja 4, 6 lesen. »Das ist das Wort des Herrn an Serubbabel: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.« (Lies 2. Kor. 12, 9. 10.)

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DONNERSTAG, 17.NOVEMBER

SACHARJA 4, 6

Die Fertigstellung des Hauses Gottes wird nur durch den Heiligen Geist, das heißt in der Kraft Gottes, gelingen. Weder menschliche Macht noch Reichtum noch Durchhaltevermögen werden ausreichen, um das Werk zu vollenden. Nur durch den ständigen Zustrom des Heiligen Geistes, durch seine Kraft, kann das Volk weiterarbeiten und wird der Bau zur Ehre Gottes gedeihen. Das ist bei uns nicht anders. Wir sind genauso auf diese Zusage angewiesen: »Mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht.« Der Geist Gottes hilft uns, Furcht zu überwinden. Wir sollen uns vor der Aufgabe und Arbeit nicht fürchten, egal wie groß oder unübersehbar sie ist. Glaub nur: »Gott wird dich mit Öl versorgen . . . Mancher, der in der Arbeit des Herrn steht, wird von der Furcht gequält, er könne es auf Dauer nicht aushalten (nicht durchstehen). Das sollte aber nicht unsere Sorge sein. Christus lebt ewig, Christus liebt ewig, Christus ist immer und überall unser Genüge. Wirf dich ihm in die Arme. Lass alle deine Quellen in ihm sein. Lass ihn das in deinem Leben sein, was er nach Gottes Willen sein soll: Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung« (F. B.Meyer). Lies 1. Korinther 1, 26-31. 3. Die großartige Verheißung - Haggai 2, 9 »Es soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, als die des ersten war, spricht der Herr der Heerscharen; und an diesem Orte will ich Frieden (Heil) geben, spricht der Herr der Heerscharen.« Haggai sah als Prophet, was andere nicht sahen. Zwar hatte er den Blick für die Realität behalten: »Sieht es denn nicht aus wie nichts?« Und doch verliert er nicht den Mut. Er sieht den allmächtigen Gott, der sein herrliches Werk weiterführt und wunderbar vollenden wird.

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FREITAG, 18.NOVEMBER

HAGGAI 2, 9

Die Verheißung Gottes weist weit über die Zeit des Haggai hinaus in die Zukunft. Die Zusage des Herrn hat sich mehrfach erfüllt: »Die erste Erfüllung geschah unter Herodes, der den Tempel zum achten Weltwunder ausgestaltete, sodass seine weißen Prachtmauern und seine Goldplatten wie Schaum des Meeres glänzten. Eine zweite Erfüllung geschah durch den Kreuzestod von Jesus und die Ausgießung des Heiligen Geistes« (G. Maier). Im Neuen Testament ist nach Epheser 2, 21 die Jesus-Gemeinde der Tempel Gottes. Dieser ist »die Gemeinde dessen, der den Tempel des Herodes durch sein Kreuz außer Funktion setzte und in drei Tagen einen neuen Tempel baute. Jener Tempel im Herrn, zu dem sich die Gemeinde baut als eine Behausung Gottes im Geist« (H. Brandenburg). Eine dritte Erfüllung wird das neue Jerusalem sein. In Offenbarung 21, 22 lesen wir: »Und ich sah keinen Tempel darin, denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm.« Wir heute leben »zwischen« der zweiten und dritten Erfüllung. So gilt für uns: Im Hintergrund des Tagesgeschäftes, das oft hart genug sein mag, steht jener andere Tempelbau, den Gott selbst im Geiste baut, und am Ende wird er selber der Tempel sein. Mag unsere Baustelle noch Stückwerk sein, unsere Arbeit hat Verheißung. Deshalb ruft uns Haggai zu: Halte dich beharrlich zum Bau! Die große Zeit liegt nicht hinter dir, sondern vor dir. Da, wo du baust, will der Herr Frieden und Heil schenken. Weil das so ist, können wir getrost an unsere Baustellen gehen im Wissen: Er ist mit mir. Sein Wort gilt. Sein Geist wird in mir sein und unter uns bleiben. Ich brauche mich nicht zu fürchten. (Lies Joh. 14, 16. 17. 26. 27; Röm. 8, 15; 2. Tim. 1, 7-14; Offb. 21, 1-7.)

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DIE HERRLICHKEIT DES SOHNES GOTTES IM HEBRÄER-BRIEF (4,14 - 5,10)

SAMSTAG, 19.NOVEMBER

HEBRÄER 4, 14-16; RÖMER 10, 9

Der Hebräerbrief hat das Kennzeichen, dass er uns Jesus als unseren Hohenpriester vor Augen stellt. Von Kapitel 4, 14 bis 10, 31 wird das unser Thema sein.

1. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis zu Jesus, unseremHohenpriester!

Die Hebräerchristen waren entmutigt und in Gefahr, zum Judentum zurückzukehren. Das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes bewirkte eine schmerzhafte Trennung zwischen ihnen und ihren jüdischen Verwandten und Freunden. Warum unbedingt Jesus? Ist es nicht auch möglich, ohne ihn an den Gott der Bibel zu glauben? Die nächsten Kapitel über Jesus, unseren Hohenpriester, werden klar zeigen, warum das nicht geht. »Kann ich nicht ganz privat im Herzen an Jesus glauben?«, mag jemand fragen. »Was ich glaube, geht doch niemanden etwas an!?« Das Bekenntnis zu Jesus hat eine persönliche und eine öffentliche Seite. Was beinhaltet es? Das Jawort zu Jesus, dem Sohn Gottes, dass ich ihn im Leben und im Sterben als meinen Herrn anerkenne und ihm vertraue, weil er meine Schuld am Kreuz bezahlt und mir den Himmel geöffnet hat (Joh. 20, 28). Wo jedoch das Bekenntnis zu Jesus vor anderen fehlt, stimmt etwas nicht. Es wäre, wie wenn eine Ehefrau verbergen würde, dass sie mit ihrem Mann verheiratet ist. Das Gegenteil von bekennen ist verleugnen (Mark. 14, 66-72). Aber ist es nicht so: »Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über«? Karl Hartenstein, Prälat in Stuttgart während der Zeit des Kirchenkampfes im Dritten Reich, schrieb: »Es muss das Normale und Natürlichste sein, dass jeder bereit ist, freudig und tapfer, getrost und ohne Leidensscheu seinen Glauben zu bekennen und davon Zeugnis abzulegen, was Christus getan hat.« Jesus, unser erhöhter Herr, will uns Kraft und Mut dazu geben. (Lies Apg. 18, 9. 10; 2. Tim. 1, 7; Hebr. 10, 23. 32-34; 1. Petr. 3, 15. 16; Matth. 10, 32. 33.)

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SONNTAG, 20.NOVEMBER

HEBRÄER 4, 14-16; JOHANNES 17, 14-19 Warum sollten die Christen damals und wir heute standhaft bei Jesus bleiben und uns zu ihm bekennen?

2. Wir haben in Jesus einen unvergleichlichen Hohenpriester.

Israels irdischer Hoherpriester schattete als Modell den himmlischen Hohenpriester ab. Er sollte für die Sünden seines Volkes opfern, für sein Volk beten und es segnen mit dem Segen, den Gott ihm für die Israeliten gab (4.Mose 6, 22-27). Doch »wir haben einen Hohenpriester, der die Himmel durchschritten hat«. (Lies Hebr. 9, 11. 12. 24.) Wie am Großen Versöhnungstag der irdische Hohepriester durch den Vorhof ins Heiligtum und dann ins Allerheiligste schritt, um das Volk durch das Blut eines Opfertieres mit Gott zu versöhnen, so ist Jesus bei der Himmelfahrt »mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben«. Seitdem ist unsere Erlösung auf ewig besiegelt. An Pfingsten gab Gott sogar seinen Geist in das Herz seiner Jünger, weil ihre Schuld bedeckt war mit dem Blut seines Sohnes. Dadurch hatten sie und haben wir heute die Chance, schon jetzt in engster Verbindung mit dem himmlischen Heiligtum, unserer eigentlichen Heimat, zu leben. »Unser Bürgerrecht ist im Himmel.« Gleichzeitig sind wir auf Erden Fremdlinge und Pilger, sozusagen auf der Durchreise (Phil. 3, 20; lies Hebr. 11, 13-16; 13, 14; 1. Petr. 2, 11; 2. Petr. 2, 7-9). Kinder Gottes, die unter gottfernen Menschen leben, wissen um dieses Fremdlingsdasein. Da kann sie die Gewissheit stärken: Ich habe einen großen Hohenpriester und Herrn, zu dem ich mit Freimütigkeit kommen und Gnade zu rechtzeitiger Hilfe finden kann. Er gibt mir auch die Kraft, um am Bekenntnis zu Jesus festzuhalten und da, wo er mich hingestellt hat, sein Zeuge und Bote zu sein.

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MONTAG, 21.NOVEMBER

HEBRÄER 4, 15. 16; MATTHÄUS 4, 1-11

3. Wir haben einen Hohenpriester, der mit unseren Schwachheiten mitleidet.

Im Himmel gibt es keine Versuchung. Wie viel stärker als uns muss sie Jesus während seiner Erdenzeit belastet und angegriffen haben! Satan ließ alle Versuchungen auf ihn einstürmen. Der Widersacher reizte Jesus, nicht dem Willen Gottes, sondern seinem eigenen Willen zu leben, den Gehorsam gegen Gott aufzugeben, einen bequemeren Weg zu wählen, sich selbst einen Namen zu machen. Doch darin unterschied der Herr sich grundlegend von uns: Niemals gab er dem Versucher nach. »Jesus besaß die Möglichkeit, versucherischen Reizen nachzugeben. Dass er dabei sündlos blieb, ist das Ergebnis bewusster Entscheidung und angespannten Kampfes, nicht einfach Folge seiner göttlichen Natur« (F. Rienecker). »Worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden« (Hebr. 2, 17. 18). Da Jesus ganz Mensch war und versucht wurde wie wir, vermag er Mitgefühl mit unserer Schwachheit zu haben. »Schwachheit« meint unsere körperliche und glaubensmäßige Versuchlichkeit. Das Mitgefühl unseres Hohenpriesters gilt nicht der Sünde, aber dem Sünder, der unter seiner Versuchlichkeit und seinem Versagen leidet. Die Sünde ist vielmehr der Feind, der den Menschen zerstört. Aber Jesus hat die Sünde besiegt und uns von ihren Fesseln befreit. »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der Sünde tut, ist ein Sklave der Sünde. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.« Jesus kann uns bewahrt durch die Versuchung hindurchbringen. Darauf können wir uns in der Anfechtung berufen (Joh. 8, 34-36; Röm. 6, 22; 8, 2. 4. 12. 13; 1. Joh. 3, 8). Und wenn wir doch gesündigt haben? Dann wollen wir mit unserer Schuld zu Jesus gehen. Ermutigungen dazu: Lukas 15, 21; 1. Johannes 1, 9- 2, 1; Sprüche 28, 13.

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DIENSTAG, 22.NOVEMBER

HEBRÄER 4, 15. 16; MARKUS 7, 20-23

Dass wir als Menschen empfänglich sind für Sünde und versucht werden können, gehört seit dem ersten Ungehorsam des Menschen gegen Gott zu unserem Wesen. Die Sünde tritt nicht nur von außen an uns heran. Sie »haust« auch in uns. Doch seit Jesus Hausherr bei uns geworden ist, räumt er auf und schärft unseren Blick für ihre Verstecke und Versuche, die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Wie können wir »feindlichen Übernahmeversuchen« begegnen?

4. Lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade.

Seit Jesus unsere Schuld am Kreuz gesühnt hat, ist der Thron Gottes für uns zum Gnadenthron geworden. »Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!« Jesus, unser Hoherpriester, ist zur Rechten Gottes und wartet auf uns, dass wir uns von ihm helfen lassen in der Versuchung. Vor längerer Zeit lebte in New York eine deutsche Einwanderin, die durch viel Leid zu Jesus gefunden hatte und sich ihren Lebensunterhalt als Waschfrau verdiente. Sie hieß Sofie und durchlebte ihren Alltag mit ihrem Herrn. Wenn der Teufel mit seinen Versuchungen bei ihr anklopfte, sagte sie: »Herr Jesus, geh du an die Tür. Der alte Schurke ist draußen. Du weißt besser, wie man ihn behandeln muss.« Sofie bezog Hebräer 4, 16 ganz praktisch in ihr Leben ein. Sie hatte erfasst, dass nicht wir mit dem Versucher kämpfen, sondern dass wir Jesus vorschicken müssen. Sobald wir die Versuchung erkennen, brauchen wir uns weder auf sie noch auf den Feind zu konzentrieren. Wir wollen uns Jesus zuwenden und ihn um Rettung bitten. Mit Freimütigkeit sollen wir es tun, mit Freudigkeit, mit Gewissheit und kindlichem Vertrauen. Zur Bestätigung und Vergewisserung: Epheser 2, 18; 3, 12; Hebräer 7, 25; 10, 19-22.

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MITTWOCH, 23.NOVEMBER

HEBRÄER 5, 1-5; RÖMER 8, 31-34

Für den König wurde früher Briefpapier mit dem Wasserzeichen seiner Initialen hergestellt. Das Wasserzeichen war erkennbar, wenn man den Bogen gegen das Licht hielt. So hat Gott im Alten Testament an vielen Stellen »das Wasserzeichen « des Königs aller Könige eingefügt. Jesus selbst hat seine Zuhörer auf solche »königlichen Wasserzeichen« in der Schrift hingewiesen, die ihn ankündigen. (Lies Matth. 12, 39. 40; Luk. 24, 25-27; Joh. 3, 14. 15.) Auch in den Bildern der Stiftshütte finden wir solche »Wasserzeichen«. So weisen die Opfer hin auf das wahre Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt (Joh. 1, 29; Hebr. 10, 4-14). Auch das Amt des Hohenpriesters hatte solch eine über sich hinausweisende Bedeutung auf den wahren Hohenpriester Jesus Christus. Den Priester- oder gar Hohenpriesterberuf konnte man in Israel nicht wählen, wie man sich sonst für einen Beruf entscheidet. Gott bestimmte, dass die Nachkommen Aarons das Priesteramt ausüben sollten. Bei Aaron und seinen Söhnen lag eine Berufung von Gott vor. »Und niemand nimmt sich selbst die hohepriesterliche Würde, sondern er wird von Gott berufen wie Aaron.« Auch Jesus ernannte sich nicht selbst zum Hohenpriester, sondern der Vater hatte ihn dazu bestimmt und eingesetzt, als er zu ihm sprach: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt« (Ps. 2, 7). Mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt wurde Jesus in das Amt als himmlischer Hoherpriester für uns eingesetzt. Der Sohn des Vaters war Jesus von Ewigkeit her. Unser Hoherpriester wurde er, als er sein Leben für uns zum Opfer gab und der Vater ihn auferweckte und zu seiner Rechten setzte (Hebr. 9, 11. 12. 24; 10, 12-14). »Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.« Bei ihm sind wir geborgen für Zeit und Ewigkeit.

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DONNERSTAG, 24.NOVEMBER

MATTHÄUS 26, 57-68; JOHANNES 3, 19. 20 In der Jesus-Zeit wurde der Hohepriester von den Römern eingesetzt. Kaiphas war 18 n. Chr. vom Vorgänger des Pilatus eingesetzt worden. Er war der Schwiegersohn des Hannas, der das Haupt der damals mächtigen Hohenpriesterfamilie war. Sie war übrigens sehr geschäftstüchtig. Mit der Tempelreinigung griff Jesus eigentlich sie an, die die Konzessionen für die Verkaufsstände im Tempel vergab: ein gewinnbringendes Geschäft für sie! - Schon nach der Auferweckung des Lazarus hatte Kaiphas im Hohen Rat den Antrag gestellt, Jesus zu töten. Der irdische Hohepriester, der in seinem Amt ein Hinweis auf den himmlischen Hohenpriester sein sollte, verfolgte Jesus und trachtete ihm nach dem Leben! (Lies Joh. 11, 47-51.) Gab es im Leben von Jesus eine dramatischere Szene als die, bei der er als der wahre Hohepriester dem irdischen Hohenpriester in einer Gerichtsverhandlung als Angeklagter gegenüberstand? Wie waren hier die Rollen vertauscht! Kaiphas verhörte Jesus, kam aber nicht vorwärts, weil die Aussagen der falschen Zeugen nicht übereinstimmten. Schließlich fragte er Jesus: »Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber antwortete: Ich bin's« (Mark. 14, 61. 62). Der gesamte Hohe Rat hörte dieses Selbstzeugnis und verurteilte den Herrn daraufhin wegen Gotteslästerung zum Tod. So brachte der irdische Hohepriester den wahren Hohenpriester zu Tode. Deswegen nennt Johannes am Anfang des Buches der Offenbarung Jesus den treuen Zeugen (1, 5; 3, 14; 1. Tim. 6, 13). Er hätte sein Leben retten können, wenn er vor dem obersten jüdischen Gericht verleugnet hätte, wer er in Wahrheit war. Warum glaubten die Hohenpriester dem Zeugnis von Jesus nicht? Die Schrift müssen sie ja gekannt haben. Doch »sie liebten die Finsternis mehr als das Licht. Wer Böses tut, hasst das Licht.« Wo stehen wir?

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FREITAG, 25.NOVEMBER

HEBRÄER 5, 6; 1.MOSE 14, 18. 19

Nach dem Gesetz hätte Jesus gar nicht Priester sein können, weil er nicht aus dem Stamm Levi, sondern aus dem Stamm Juda war. Er kam aus dem Haus Davids, aus dem Königsgeschlecht (Hebr. 7, 12-14). Jesus ist nicht Hoherpriester nach der Ordnung, die Gott für Aaron und seine Nachkommen gegeben hatte. Er ist vielmehr Priester nach der Art Melchisedeks, so wie Gott es in Psalm 110, 4 geschworen hat. »Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« Was bedeutet das? Priestertum und Königtum waren nach dem Willen Gottes in Israel getrennt. Jesus aber ist Hoherpriester und König zugleich, wie wir es bei Melchisedek, dem König von Salem, finden. Gott gab seinem Volk drei besondere Berufe oder Ämter, die die Aufgaben des Messias im Voraus abbildeten. Damit kündigte Gott an, welche Bedeutung Jesus für uns haben wird. Als Jesus in seinem Volk verkündigte und lehrte, übte er das prophetische Amt aus. Da erfüllte sich, was Mose von ihm angekündigt hatte. (Lies 5.Mose 18, 15; Matth. 17, 5; Joh. 5, 45-47.) Als Prophet hat Jesus für alle Menschen die Wahrheitsfrage geklärt (Joh. 14, 6). Sein priesterliches Amt übte er aus, als er sich für uns zum Opfer darbrachte. Absolut einmalig ist, dass er Priester und Opfer zugleich ist (Hebr. 9, 12-14). So hat Jesus als Priester für alle Menschen, auch für uns, die Schuldfrage gelöst (Hebr. 7, 27; Röm. 3, 24-26). Seit seiner Himmelfahrt ist der Herr nun für uns als Hoherpriester zur Rechten des Vaters. (Lies 1. Petr. 3, 22; Matth. 28, 18.) Als König und Weltenrichter wird er wiederkommen und dann auch noch die Machtfrage lösen. (Lies Matth. 24, 30; 16, 27; Phil. 2, 9-11.) Dann wird sich die Verheißung aus Psalm 110, 4 erfüllen, dass er als unser Hoherpriester auch König sein wird »nach der Ordnung Melchisedeks«.

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SAMSTAG, 26.NOVEMBER

HEBRÄER 5, 2. 3. 7; MATTHÄUS 26, 36-46 Der irdische Hohepriester war selbst mit Schwachheit behaftet und musste als sündiger Mensch auch für seine eigenen Sünden opfern. Darum konnte er die Menschen verstehen, für die er im Tempel Opfer darbrachte. Dass nicht nur der irdische Hohepriester, sondern noch viel mehr Jesus als unser himmlischer Hoherpriester mitleiden kann mit unserer Schwachheit, wird deutlich an den Anfechtungen und der Angst, die Jesus in Gethsemane durchlitten hat. »Er begann sich zu entsetzen und betrübt zu sein«, wörtlich: »vor Angst innerlich heimatlos zu werden.« Diese Ausdrücke zielen hin auf das tiefste Grauen. Jesus ließ seine Jünger in sein Herz blicken, als er sprach: »Übertraurig ist meine Seele bis an den Tod.« In dieser abgrundtiefen Not rang er mit dem Vater: »Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.« Mit »Kelch« meinte Jesus den Kelch des Zorngerichtes Gottes, den er für die Sünde der ganzen Welt trinken sollte (Jes. 51, 17). Hier fragte der Sohn den Vater, ob die Erlösung nicht auf andere Weise, ohne die Trennung vom Vater, vollbracht werden könnte. Ihn bewegte nicht allein die Todesfurcht, sondern die Angst vor der tiefsten Einsamkeit um unserer Sünde willen, das Beben vor der Gottesferne, wenn er die Sünde der ganzen Welt tragen würde. Was Jesus hier durchlitten hat, können wir nicht nachempfinden, weil wir nicht sündlos und in ungetrübter Verbindung mit Gott sind. (Dazu 2. Kor. 5, 21; Hebr. 7, 26-28; Ps. 22, 2. 7-9.) »Er lebte aus einer unbegreiflichen Nähe zu Gott, die aus der Willensgemeinschaft mit Gott herrührt. Der Gottverbundene ohnegleichen sollte Gottverlassener ohnegleichen werden« (A. Pohl). Wie können wir ihm danken, dass er das für uns erlitten hat? Lies Römer 6, 13; 12, 1. 2; 14, 7. 8; 1. Korinther 6, 20; Philipper 1, 20. 21.

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SONNTAG, 27.NOVEMBER, 1.ADVENT

MATTHÄUS 21, 1-11

Siehe, dein König kommt zu dir!

Wer vom Ölberg aus zur Stadt hinübersieht, dem scheint es von Festpilgern zu wimmeln wie in einem Ameisenhaufen. Mischen wir uns unter die Menge! Da vorn läuft einer, der seine Frau ein wenig ängstlich ansieht: »Darf ich?«, und zieht sein Jackett aus, um es in den Straßenstaub zu legen. Als sie sein Zögern bemerkt, ruft sie ihrem Mann zu: »Du musst! Es ist der König!« Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Meldung: Der König kommt. Der König ist da! Endlich ist er da! Jetzt wird alles anders. Jetzt wird alles gut. Dabei dachten »die Jerusalemer Bürger nicht an eine irdische Herrscherfigur von der üblichen Art. Als Bibelkenner wussten sie, der wahre König ist Gott selbst. Sein Thron steht ewig fest. Die Naturgewalten können toben und stürmen, aber Gott hält die Welt fest. Die Spötter können lästern, aber seine Ehre tasten sie nicht an. Alle ihre Hoffnungen sahen sie nun in Jesus erfüllt. Er ist der starke König. Er schafft Recht. Er macht alle satt. Er wird für die kleinen Leute eintreten. Er wird die Bösen ausrotten. Darum jubelten sie. Nur eine Kleinigkeit hatten sie in ihrer Begeisterung übersehen. Beim Propheten Sacharja hieß die Ankündigung: Siehe, dein König kommt zu dir!« (W. Scheffbuch). Die meisten Menschen damals wollten Jesus nicht als Autorität haben, die über ihr Leben bestimmt. Deshalb erlebten sie auch nichts mit ihm und wandten sich kurze Zeit später enttäuscht von ihm ab. Aber Jesus will König sein - über mich. Er will das Böse besiegen - in meinem Leben. Er will sein Recht aufrichten - bei mir, in meinem Alltag. Der Prophet Jesaja zeigt uns, wie das praktisch aussehen kann: Jesaja 58, 6-12.

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MONTAG, 28.NOVEMBER

HEBRÄER 5, 7. 8; PHILIPPER 2, 6-8

Für Jesus war seine Verhaftung kein unabwendbares Schicksal. Er hätte in der Dunkelheit die Möglichkeit zum Entweichen gehabt. Doch Gott ersparte seinem Sohn dieses letzte, tiefste Weh nicht unsretwegen. Schon bisher war es der Lebensinhalt von Jesus gewesen, den Willen des Vaters zu tun. Er hatte seinen Jüngern bezeugt: »Meine Speise ist die, dass ich den Willen tue dessen, der mich gesandt hat« (Joh. 4, 34). Auch wenn es ihm diesmal am schwersten war, sprach er: »Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!« »Das höchste Gebetsanliegen von Jesus in Gethsemane war die vollkommene Einigung mit dem Willen des Vaters. Als der Sohn hatte er Anteil an Gottes Leben und Liebe. Das ließ ihn das Leidens- und Todesgeschick (zur Sünde gemacht, der Tod ist der Sünde Sold) als etwas Fremdartiges empfinden und brachte ihn in die Versuchung, seinen eigenen Willen dem Willen des Vaters entgegenzustellen. Doch indem er sich dem Willen Gottes auch da unterordnete, lernte er den Gehorsam« (nach E. Riggenbach). (Lies Jes. 50, 4-6; Röm. 6, 23; Gal. 3, 13.) Schon im zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhundert spotteten die Gegner des Christentums über dieses Zagen von Jesus, der in ihren Augen eine schlechte Figur abgegeben hatte. Sie wiesen auf Sokrates hin. Dessen Schüler Plato berichtete, er habe lächelnd den Giftbecher getrunken. Doch der Tod von Jesus hat weltweite und universale Bedeutung für alle Zeiten und in Ewigkeit. Er hat eine ganz andere Qualität und Tiefe als der Tod des Sokrates. Die Bedeutung liegt darin, wer hier stirbt und warum er stirbt: der reine Sohn Gottes, der sich Gottes Zorn für die Sünde der Welt aufladen lässt. (Lies Jes. 53, 6. 10; Joh. 3, 16; 1. Petr. 2, 24; 1. Joh. 2, 2.)

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DIENSTAG, 29.NOVEMBER

HEBRÄER 5, 8-10; 12, 1. 2

»Er hat an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt.« Gehorsam aus Vertrauen heraus gibt es nur auf Erden, nicht im Himmel. Jesus gehorchte dem Vater zu unserem Heil. »Und als er vollendet war, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden.« Nun können wir uns nach Jesus richten. Er will uns verändern und ihm ähnlich machen. Jesus sagt: »Lernt von mir!« (Matth. 11, 29). So wie Jesus seinem himmlischen Vater gehorchte, so gibt es auch für uns keine echte Gotteskindschaft und kein geistliches Wachstum ohne Gehorsam ihm gegenüber. Gehorchen hat mit horchen zu tun. Wenn wir von Herzen auf Gott hören, erwächst daraus das gehorsame Handeln. Freilich ist der Gehorsam in Verruf geraten und wird als Einengung unserer Freiheit gesehen. Doch Jesus hat uns befreit und erlöst, dass wir Gottes Willen tun können, sonst sind wir äußerlich zwar frei, aber innerlich versklavt an unsere Wünsche und Begierden. Martin Luther schrieb: »Das ist ein freier Wille, der nichts Eigenes will, sondern allein auf Gottes Willen schaut, wodurch er auch frei bleibt und nirgends anhängt oder anklebt. Siehe, das heißt wahrer Gehorsam.« (Lies 1. Kor. 7, 23; 9, 19; 2. Kor. 10, 5.) Glaube und Gehorsam gehören ganz eng zusammen, dass Paulus sogar vom »Glaubensgehorsam« spricht (Röm. 1, 5). »Jesus ist allen, die ihmgehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden.« Echter Glaube zeigt sich in der Frage: »Herr, was willst du, dass ich tun soll?« So fragte Paulus den auferstandenen Herrn, als er ihm vor Damaskus entgegentrat. Vom Gehorsam Jesus gegenüber war sein ganzes weiteres Leben bestimmt. Wie wunderbar konnte Gott ihn gebrauchen und sein Leben verändern! Wagen auch wir es immer wieder neu, Jesus diese Frage zu stellen? Einige Antworten darauf finden wir in Epheser 5, 17; Kolosser 3, 12. 13. 16. 17; 1. Thessalonicher 4, 3.

Das dritte Kapitel der Bibel erzählt von einer Katastrophe, die in unseren Medien keine Schlagzeilen macht. Oder doch? Genau genommen, erfahren wir in 1. Mose 3, wie die Katastrophen-Lawine ins Rollen kam. Die Welt, in die wir dort eintreten, ist die kleine, aber sehr glückliche Lebenswelt von Adam und Eva. Es ist die Zeit, als die Welt noch völlig in Ordnung war. Es gab keinen Streit, keine Lüge, keinen bösen Gedanken, keinen Egoismus, keine Umweltprobleme, keine Krankheit, keinen Tod.

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Doch dann wurde alles anders.

MITTWOCH, 30.NOVEMBER

1.MOSE 3, 1; 2, 16. 17

1. Der Mensch gibt sein Vertrauen zu Gott auf (3, 1-6) Schauen wir uns den biblischen Bericht sorgfältig an! Wir machen drei Beobachtungen: o Die Herkunft des Bösen: ein Rätsel. Die Schlange wird uns in 1.Mose 3, 1 als ein Geschöpf Gottes und zugleich als Werkzeug Satans vorgestellt. Ganz unvermittelt ist sie da. Die Spannung, die in der Zweideutigkeit der Schlange - Gottes Geschöpf und Werkzeug Satans - liegt, löst die Bibel nicht auf. Damit bleibt der Ursprung des Bösen als unerklärliches Geheimnis bestehen. »Nur so ist das zweifache Anliegen zu wahren: die Schuld wirklich ganz dem Menschen zu geben und zugleich die Unbegreifflichkeit, Unerklärbarkeit, Unentschuldbarkeit der Schuld zum Ausdruck zu bringen« (D. Bonhoeffer). Einer aber kennt umfassend und genau letzte verborgene Zusammenhänge: Gott, der allweise und allmächtige Herr. Von ihm bezeugt die Bibel, dass er ganz und gar frei von allem Bösen ist. (Lies Joh. 1, 4. 5; 8, 12; 1. Joh. 1, 5; Jak. 1, 17; Offb. 21, 23; 22, 5.) o Der Unterton der Schlange offenbart die böse Absicht. Schon an der Tatsache, dass Tiere nicht sprechen können, müssten Adam und Eva erkennen, dass hier ein »anderes geistiges Wesen« redet. Freilich, sie kannten als »anderen« Gesprächspartner Gott, ihren Schöpfer und besten Freund. Er verkehrte unverstellt, offen und frei mit ihnen. (Vgl. 1. Mose 3, 8.) Satan aber tarnt seine Aktion geschickt, für Menschen Gottes allerdings erkennbar, unter dem Deckmantel vorgetäuschter Freundlichkeit. Der Unterton und die Halbwahrheit, die in seiner Frage liegen, zielen auf die Untergrabung der Vertrauensbeziehung zwischen Gott und seinen Menschen. Die Frage der Schlange wird, wörtlich übersetzt, mit den Worten eingeleitet: »Ist es wirklich so?« Die Infragestellung des gegebenen und gebotenen Wortes Gottes ist bis heute eine satanische Versuchung, dem Wort Gottes zu misstrauen. Aber es gibt Hilfe: 1. Korinther 10, 13; Epheser 6, 12-17; Jakobus 1, 13; 1. Petrus 5, 6-10.

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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