Wer ist Jesus? Was hat Paulus den Irrlehren, die die Kolosser mit dem verhängnisvollen JESUS UND bedrängen, entgegenzusetzen? Argumente, die beweisen, dass die Irrlehren falsch sind? Argumente können gut und hilfreich sein, auf die Wahrheit hinzuweisen. Aber sie reichen nicht aus, um die Macht der Irrlehre zu überwinden. Deshalb ist es Paulus wichtig, die Kolosser auf die Person, auf die Wesensart von Jesus aufmerksam zu machen. »Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes.« Wissen wir, was das heißt? Jesus sagte einst seinen Jüngern: »Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat; und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat . . . Glaubt mir, dass ich ihm Vater bin und der Vater in mir ist« (Joh. 12, 44. 45; 14, 11). Glauben wir, dass wir in Jesus Gott selbst gegenüberstehen? Paulus nennt Christus auch den »Erstgeborenen aller Schöpfung «. »Vor aller Zeit ist Christus gezeugt, nicht geschaffen. Was bedeutet das? Zeugen heißt, Vater eines Lebewesens zu werden; schaffen oder erschaffen heißt machen. Das ist der Unterschied: Der Zeugende erzeugt ein Wesen seiner eigenen Art ein Mensch zeugt Menschen, ein Biber kleine Biber, ein Vogel Eier, aus denen kleine Vögel schlüpfen. Wer dagegen etwas macht, bringt etwas hervor, das sich von seiner eigenen Art unterscheidet. Der Vogel macht ein Nest, der Biber baut Dämme, der Mensch ein Rundfunkgerät . . . Das muss uns klar werden: Was Gott zeugt, ist Gott; wie Mensch ist, was der Mensch zeugt« (C. S. Lewis). Viele sehen in Jesus einen hervorragenden Menschen, der nur Gutes getan hat. Sie sind bereit, ihn als Menschen zu akzeptieren und zu bewundern und gegebenenfalls in ihr eigenes Glaubenssystem aufzunehmen, aber als GOTT UND HERRN? (Lies 2.Kor.4,1-6; Joh. 20, 26-29.)
»In Jesus ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden.« Er war nicht nur dabei, sondern ist selbst die Kraft allen Schaffens. Es ist der HERR, der auch in uns schafft, was vor Gott wohlgefällig ist (vgl. Phil. 2, 13). Nicht »guter Mensch«, nicht »Sozial-Reformer«, nicht »Revolutionär«, sondern Gott. Nur er kann sich die Mächte und Gewalten untertan machen und sie beherrschen, die Throne und Herrschaften, das Sichtbare und die unsichtbare Welt. Er hat alles und alle in der Hand. Nichts können sie ohne seine Erlaubnis tun. Ja, unser Herr ist größer und mächtiger, als wir dachten. Nicht wenige denken, mit den unsichtbaren Mächten nach ihrem Gutdünken verfahren und sie sich dienstbar machen zu können. Sie wollen sich Zugang zur verborgenen Welt verschaffen, um ihre Erkenntnisse zu erweitern. Doch sie werden nichts anderes erreichen, als von den Kräften geknechtet zu werden, die sie zu ergründen suchten. Nur einer ist mächtig zu beherrschen, was höher sein will als er: Christus, durch den alles geschaffen ist und der allen Dingen ihren Sinn gibt. »Er ist vor allem« (vgl. Micha 5, 1; Offb. 3, 14). Jesus sprach einmal mit einigen jüdischen Gegnern über Abraham: »Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?! Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich« (Joh. 8, 56-59). Später betete Jesus: »Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war« (Joh. 17, 5). Wer ist größer und herrlicher als Jesus Christus? Wer will ihn überflügeln? Wer könnte ihm seine Macht streitig machen? Mit Matthäus 28,18; Epheser 1,20-23 und Offenbarung 1, 8. 18 kann ich zuversichtlich in jeden neuen Tag gehen.
»Alles besteht durch ihn.« Wie kurzsichtig und töricht, Jesus Christus nicht »Herr« zu nennen! Wie vermessen, ihn ignorieren zu wollen! Es kommt der Tag, an dem sich jedes Knie vor ihm beugen muss (Phil. 2, 10. 11). Paulus bemüht sich sehr, den Kolossern Christus vor Augen zu malen, damit ihnen bewusst wird, mit wem sie es zu tun haben und dass sie vollständig und tief greifend von den zweifelhaften Angeboten der irregeleiteten Lehrer Abstand nehmen. Er zeigt den Kolossern, dass Gott in Christus sich nicht in fernen Himmeln aufhält, um von dort »vielleicht« eines Tages wiederzukommen. Jesus ist ihnen vielmehr schon jetzt ganz nahe, indem er in ihnen wohnt und Haupt der Gemeinde und jedes einzelnen Glaubenden ist, und sei er noch so gering. Jesus Christus ist auch der Anfang der neuen Schöpfung, die völlige und siegreiche Überwindung all dessen, was durch den Sündenfall unter die Herrschaft des Todes geraten ist. (Siehe Röm. 8, 19-23; Offb. 21, 1-5a.) Als Erster ist er aus den Toten auferstanden. Allen, die ihre Hoffnung auf ihn gesetzt haben, ist er ins ewige Leben vorangegangen und wartet auf alle, die noch kommen werden. Paulus bezeugte den Sieg des Herrn über Tod und Verderben, wo immer sich die Gelegenheit bot: Zum Beispiel, als er in Cäsarea in Gefangenschaft saß: Apostelgeschichte 26,23. (Vgl. Ps.119,46; 2.Tim.1,8.) Alle Welt sollte es hören, welch ein herrlicher Herr der Sohn Gottes ist. Welche Nachricht kann packender sein als die, dass Christus den Tod zunichte gemacht und unvergängliches Leben ans Licht gebracht hat (2. Tim. 1, 10)? Lassen wir uns einreihen in die Schar derer, die das Evangelium von Jesus Christus bekannt machen! (Lies Röm. 1, 16; 2. Kor. 5, 20.)
»Er ist der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei« (V.18b). Jesus Christus hat absoluten Vorrang. Das entspricht dem ersten Gebot: »...du sollst keine anderen Götter haben neben mir« (2. Mose 20, 3). Wieder werden wir auf die Göttlichkeit Jesus hingewiesen. Jesus ist durch nichts anderes zu ersetzen: » ...denn es gefiel der ganzen Fülle (Gott) in ihm (Jesus) zu wohnen« (V.19). So groß und alles überragend ist unser Herr! Unser Verstand erreicht hier seine Grenze. Aber der Glaube betet an. Doch »welch kleinen Jesus haben wir oft. Wie reden wir manchmal so hin, als wäre er unseresgleichen und als wäre sein Erlösungswerk eben eine kleine Freundlichkeit. Welch kleinen Jesus haben wir oft auf den Bildern vor Augen, einen Jesus, dem man es nicht zutrauen kann, dass vor ihm die Dämonen zittern, die Pforten des Totenreichs aufspringen und Sturm und Wogen verstummen« (W. de Boor). Zwar hat sich Jesus erniedrigt bis zum Tod, sodass niemand, der ihn sah, seine Hoheit erkennen konnte. Er ließ sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen und sich unsere Sünden aufladen. Er nahm sie mit in seinen Tod und erwirkte für uns den Freispruch vor dem Gottesgericht. Aber nicht allein das. Er nahm uns mit sich in sein Leben und stellte uns vor seinen himmlischen Vater und »sagte«: Hier sind deine Kinder, für die ich alles bezahlt habe. Jetzt sind sie mit dir versöhnt. Vor dir gerechtfertigt leben sie mit mir ein neues Leben, dem der Tod nichts mehr anhaben kann. Diese einzigartige Versöhnung durch Jesus Christus gilt jedem, der sich mit Leib und Leben an ihn gebunden hat. (Lies 1. Petr. 2, 22-25; 1. Joh. 2, 2; 4, 9. 10.)
Für immer versöhnt Es gefiel Gott nicht nur, mit seiner ganzen Fülle in seinem Sohn zu wohnen, sondern durch ihn alles mit sich zu versöhnen, das heißt die Trennwand zu durchbrechen, die der Mensch in seinem Ungehorsam hochgezogen hatte (Jes. 59, 2). Nun ist Friede nicht weltweit, aber für alle, die »Gottes Kinder« sind. Diesen Frieden zu schaffen hatte seinen teuren Preis: »...Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes.« (Vgl. 2. Mose 12, 21-23; Matth. 26, 27. 28.) Nicht durch ein Macht-Wort, sondern durch die Selbst-Opferung des Sohnes Gottes konnte Versöhnung geschehen. (Dazu Joh. 10, 17. 18; Hebr. 2, 14; 9, 14.) Der Friede mit Gott ist die Folge der Versöhnung, die das Opfer des Sohnes Gottes am Kreuz erwirkt hat. Frieden wird durch Vergebung zuteil. Er ist hochwertiger als alle Diamanten der Welt; denn er schenkt Heilung für verletzte und zerbrochene Seelen. »Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt, ob Stürme auch drohen von fern, mein Herze im Glauben doch allezeit singt: Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn« (H. G. Spafford). (Dazu Kol. 1, 2; 3, 15; Röm. 1, 7; Joh. 14, 27; 16, 33; 2. Thess. 3, 16.) Paulus befürchtete, dass der Friede mit Gott bei den Kolossern durch ihr Experimentieren mit dem Glauben ins Wanken geraten könnte. Die angestrebte Erweiterung ihrer Erkenntnisse würde vielleicht in einen bösen Rückfall ins alte Leben führen. Das durfte nicht geschehen. Deshalb ruft er ihnen in Erinnerung: »Auch euch... hat er nun versöhnt« (V.21.22). Das ist ihr fester »Standort«. Sie verdanken es Jesus, dass sie diese Stellung vor Gott einnehmen konnten. Er gab dafür sein Leben hin. »Durch seinen Tod hat euch Christus mit Gott versöhnt, sodass ihr einmal ohne Sünde und ohne Makel vor Gott stehen könnt« (Vgl. Jud. 24. 25.)
Einst hatten die Kolosser sich nicht für den lebendigen Gott interessiert. Dementsprechend war ihre Gesinnung. Sie brachte böse Werke hervor, Werke zum Schaden für die anderen und zum Vorteil für sich selbst. Sie mögen sich damals mit ihrem Leben ohne Gott für klug gehalten haben, für weitsichtig und realistisch. In Wahrheit waren sie Gottes Feinde, dem Leben aus Gott entfremdet (Eph. 2, 12). Das änderte sich, als Jesus Christus in ihr Leben trat und sie erfuhren, dass er am Kreuz auch ihre Schuld gesühnt hatte. Jetzt haltet euch auch daran fest!, ermutigt und ermahnt Paulus. »Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!« (Offb. 3, 11) »Bleibt nur fest und unerschütterlich in eurem Glauben, und lasst euch durch nichts davon abbringen.« Mancher mag denken: Leichter gesagt als getan. Wie viel Bücher und Artikel sind geschrieben worden, die den biblischen Glauben in Frage stellen und etlichen den Glauben zerstört haben! Nun, eine »Glaubensversicherung« gibt es nicht, die für den Schaden aufkommt oder dem Kunden ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Es gibt aber so etwas wie einen Vertrag, einen ewig gültigen Bund, der von Gottes Seite nie gekündigt wird. Wir haben auch einen Anwalt, einen Fürsprecher, der für uns vor Gott eintritt: Hebräer 4,14-16. Wir werden mit unseren Zweifeln und Fragen nicht alleingelassen. Mit allem haben wir freien Zutritt zu unserem Herrn und können vor ihm alles ausschütten, was sich in unserm Inneren angesammelt hat. Das Gespräch mit Jesus wird uns wieder zurechtbringen, und die Gewohnheit, alles Gelesene und Gehörte mit dem zu vergleichen, was die Bibel uns sagt, wird unser inneres Auge schulen, um Wahrheit und Irrtum voneinander zu unterscheiden. Zur Vertiefung: Klagelieder 3,40; Römer 12,2; 2.Korinther 13,5; Epheser 5, 10; Philipper 1, 10; 1. Thessalonicher 5, 21.
Die »Hoffnung des Evangeliums« ist wie ein starkes Geländer an den gefährlichen Abgründen der Welt, wie ein Leucht-Streifen im Nebel des Zeitgeistes. Wer wollte allen Ernstes abstürzen und sein Leben riskieren? Wer im Nebel auf Nimmerwiedersehen verschwinden? Die »Hoffnung des Evangeliums« schenkt Halt und Orientierung. Aber wir müssen das schützende Geländer auch festhalten und uns an die Weg-Markierung halten. Wir mögen unterwegs Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit empfinden wir haben ja auch nichts in der Hand außer dem Wort Gottes. Aber dieses Wort hat die Kraft, Satan in die Flucht zu schlagen (Matth. 4, 10. 11), Sünder zu reinigen und zu heiligen (Joh. 13, 10; Eph. 5, 26). Und von diesem Wort sagt Jesus: Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte bleiben ewig bestehen (Matth. 24, 35). Welch ein hoffnungsvolles Evangelium! Es stärkt uns während unserer Wanderschaft auf der Erde und verbindet uns zugleich mit dem Himmel. Solange wir hier leben, sind wir »Diener des Evangeliums«, das kein »leeres Wort« ist (5.Mose 32,47), sondern ein Wort, das bewirkt, was Gott gefällt und ausführt, wozu er es gesandt hat (Jes. 55, 11b). Es ist ein Wort, das weltweit verkündigt werden muss. Paulus, der erste Missionar für die Völker, hat in unermüdlichem Einsatz zur Verbreitung in der damaligen Welt beigetragen. Unter viel Kampf und Verfolgung predigte er in Synagogen oder unter freiem Himmel, in Häusern und Sälen, auf Reisen oder im Gefängnis, den Blick nach vorne, auf das Ziel, gerichtet. (Lies Phil. 3, 12-14; 1. Kor. 1, 22-24; 9, 16; 2. Kor. 4, 5; Apg. 20, 24; 2. Tim. 4, 6-8.) Viele sind damals mit dem Apostel gezogen und haben ihn in seinem Auftrag unterstützt. Ihnen und uns gilt die Anweisung: »Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre« (2.Tim.4,2). DER HERR IST KÖNIG PSALM 93 UND 94
»Der Herr ist König!« Wie mit einem weithin hörbaren Fanfarenstoß wird der Psalm eröffnet. Alle Welt soll es wissen: »Der Herr ist König!« Hier geht es nicht um eine weltliche Regierungsform, sondern um den Anspruch Gottes auf sein Volk: 2. Mose 19, 6a; 1. Petrus 2, 9. Zugleich ist ER der »König der Zeitalter«, der »ewige König«. Er hat und behält die Fäden der Weltgeschichte in seiner Hand. »Er, der König der Könige und Herr der Herren!« (1. Tim. 1, 17; lies Dan. 4, 34; Offb. 19, 16; Ps. 24, 7-10; 47, 7-9). Was für die Welt im Großen gilt, betrifft erst recht unsere kleine Lebenswelt, besonders unsere Herzenswelt. Hier möchte er als »der König der Könige« regieren. Es gibt unzählige »kleine Königreiche« in unserem Leben, in denen wir selbst das Sagen haben (wollen). Kann es sein, dass ich recht behalten, das letzte Wort haben muss; dass ich es immer noch »besser« weiß als andere? Kann es sein, dass ich meine, über alles und jeden Bescheid wissen zu müssen? Kann es sein, dass wir uns an unsere Stellung klammern und anderen kaum Freiraum zur Entfaltung lassen? Kann es sein, dass mich Ehrgeiz, Ungeduld und Unbarmherzigkeit treiben? Kann es sein, dass ich mich in Szene setzen muss? Umso erstaunlicher ist, wie Jesus an den Seinen handelt. Er bietet uns einen herrlichen Tausch an, indem er zu uns sagt: Ich will dein König sein. Lass mich auf deinem Herzensthron sitzen. Übergib mir deine »kleinen Königreiche « und folge der leisen Stimme des Heiligen Geistes. Tu es immer wieder und vertraue darauf, dass ICH die Fäden in der Hand habe. Auf diesem Weg ereignet sich das Wunder, dass seine Nachfolger das Königreich darstellen, zu dem er sie berufen und gemacht hat (Offb. 1, 5. 6; lies Matth. 21, 5; Kol. 3, 15).
Psalm 93 und 94 gehören zur Gruppe der Königspsalmen (Ps.92-100). Es lässt sich ein gewisser Aufbau feststellen. Psalm 93 öffnet uns den Blick für den König. Die Tatsache: »Gott ist König« soll sich tief in unser Bewusstsein einprägen. Wir brauchen den beständigen Blickkontakt mit unserem König. Die Augen des Glaubens schauen gewissermaßen durch die Nebelwand der Sorgen hindurch auf den, der auf dem Thron sitzt. (Lies Ps.25,15; 123,1.2; Hebr.3,1; 12,3.) Mit eindrücklichen Bildern wird in unserem Psalm die Königsherrschaft Gottes beschrieben: »Der Herr ist geschmückt und umgürtet mit Kraft. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Von Anbeginn steht dein Thron fest, du bist ewig.« Allerdings wird die Herrschaft des Königs angegriffen, sein Thron von stürmisch tosenden Wellen bedroht. Doch »der Herr thront über der Flut, der Herr thront als König in Ewigkeit« (Ps. 29, 10). Doch »mächtiger als die brausenden Meereswogen ist der Herr in der Höhe«. Psalm 94 spricht im Grunde dieselbe Wahrheit aus, nur ohne Bild: Der Thron des Königs ist von Menschen umlagert, angegriffen von Hochmütigen, Widerspenstigen, von Spöttern. »Sie reden trotzig daher, es rühmen sich alle Übeltäter. Sie zerschlagen dein Volk und plagen dein Erbe.« Der Thron des Königs ist ein von Feinden umzingelter Thron. Und doch kommt von diesem Thron im entscheidenden Moment Hilfe; denn »der Herr wird sein Volk nicht verstoßen, noch sein Erbe verlassen. Der Herr ist mein Schutz, mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht« (Ps. 94, 14. 22; 66, 1-7; 9, 1-11). Das ermutigt uns, mit unserem König, der regiert, heute zu rechnen. Er macht meine Probleme zur Königssache. Meine Sorgen und Ängste sind bei ihm gut aufgehoben, sodass ich geborgen und getrost auch in einem »dunklen Tal« wandern kann.
Wir können eine weitere Verbindung zwischen Psalm 93 und Psalm 94 entdecken: Psalm 93 spricht von der besonderen Qualität des königlichen Hauses: »Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses . . . für alle Zeiten.« Der Beter in Psalm 94 spricht davon, dass er in dieses Haus hineingegangen ist: Es gleicht einer sicheren Burg, die den müden Kämpfer birgt und beschützt (V. 22). Wir stehen nicht allein auf dem Kampfplatz des Lebens. In den Konfliktsituationen des Alltags können wir uns zuversichtlich zu unserem Gott flüchten. »Wohl dem, den du erwählst und zu dir lässt, dass er in deinen Vorhöfen wohne; der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tempel« (Ps. 65, 5; lies Ps. 84, 1-13; Spr. 18, 10). Wir können noch eine dritte Parallele zwischen den beiden Psalmen entdecken: Psalm 93 zeigt den König als souveräne Person: »Der Herr ist König, mit Majestät bekleidet. Der Herr ist umgürtet mit Macht!« Psalm 94 spricht von seinem souveränen Handeln, von seinem Wirken als Richter: »Erhebe dich, Richter der Erde!« Er ist der aktive Herrscher über alles, was auf dieser Erde geschieht. Selbst der stärkste Vorstoß gegen seinen Thron und gegen seine Leute kann ihn nicht ins Wanken bringen. Er ist und bleibt der Regierende und der Richter über alle Menschen. Er behält das Geschehen auf dieser Welt in seiner Hand. »Der Herr ist unser Richter, der Herr ist unser Feldherr, der Herr ist unser König er wird uns retten!« Auch dort, wo wir im Augenblick nichts von Gottes souveräner Herrschaft sehen, wo die Zustände unklar, unsicher und undurchsichtig sind, bleibt es unsere Sache, ihm zu vertrauen. Er wird uns gewiss nicht fallen lassen. Nachzulesen in Josua 1, 5; Psalm 118, 4-16; 74, 12.
Nach dem kurzen Überblick über Psalm 93 und 94 wollen wir eingehender über den König und das Leben in seinem Reich nachdenken. Psalm 93 beginnt mit der Feststellung: »Gott ist König.« Es gab nie eine Zeit, in der Gott nicht König war. »Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Von Anbeginn steht dein Thron fest! Von Ewigkeit her bist du« (V. 1b). Und in Vers 5 wird bestätigt, dass er für immer König bleiben wird: »Dein Wort ist wahrhaftig und gewiss; deinem Hause kommt Heiligkeit zu, Herr, für alle Zeiten!« (Lies Jer. 10, 6. 7. 10a; Offb. 15, 2. 3; 17, 14.) Aber leben wir nicht manchmal so, als hätten wir nur einen Gott, der in vergangenen Zeiten handelte, und nur einen König, der sich in fernerer Zukunft für uns einsetzt? Sparen wir die gegenwärtige Zeit nicht dann und wann aus und sind deshalb oft so niedergeschlagen und entmutigt? Heute, in unserer Zeit, jetzt, in dieser Stunde, ist Gott gegenwärtig. Er ist unser König, der heute regiert. Nicht Satan und die Mächte der Finsternis sind die überlegenen Größen! Nicht die Verhältnisse bestimmen unabwendbar mein Leben. Ich bin nicht einfach Menschen und Mächten ausgeliefert, und auch finstere Machenschaften dürfen nicht ein willkürliches Spiel mit mir treiben nein, Gott ist König, und ich gehöre zu seinem Reich. Das Festhalten an dieser unumstößlichen Tatsache wirkt befreiend und macht froh. Es verändert unsere Grundstimmung. Es führt heraus aus einer dunklen und ängstlichen Gedankenwelt und macht uns zu Königsboten! »Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die Frieden verkündigen, die gute Botschaft bringen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König« (Jes. 52, 7; lies Zef. 3, 14-17).
»Gott ist König!« »Alle die Welt umlauernden Chaosmächte in ihrer imponierenden Kraft versinken vor dem hocherhabenen und weltüberlegenen Gott« (H.J.Kraus). Die höchsten Wasserwellen, die heftigsten Stürme fegen unseren König nicht vom Thron. Der Herr in der Höhe ist noch größer, noch stärker. Wir haben einen Gott, der allem überlegen ist und der zu seiner Zeit dem Toben Einhalt gebietet. Wenn auch bisweilen unser Lebensboot in wilden Wellen unterzugehen droht, bleibt es dabei: »Mächtiger ist der Herr in der Höhe!« Sollte der Herr, der die Schöpfung durch sein Wort aus dem Nichts schuf, der Naturgewalten durch sein Wort verstummen lässt, nicht auch unsere aufgewühlten Herzen durch sein Wort berühren und beruhigen? (Lies 2.Kön.20,4.5; Ps.107,20.29; Matth.8,23-27.) Welch ein Trost, wenn auch wir sagen und singen können, was Gott in schwerem persönlichen Leid Elisabeth und Gerhard Schnitter schenkte: »Aber der Herr ist immer noch größer, größer als ich denken kann. Er hat das ganze Weltall erschaffen. Alles ist ihm untertan. Wellen der Angst kommen auf mich zu, beklemmen und hemmen, nehmen mir die Ruh... Wellen der Schuld überrollen mich, bedrücken, blockieren und vermehren sich . . . Wellen des Leides fesseln meinen Blick, verdunkeln und lähmen, ziehen mich zurück . . . Wellen der Sorge strömen durch den Tag, sie treiben und quälen, werden mir zur Plag.« Doch dann bahnt der Herr die Straße ans rettende Ufer: »Durch alle Wellen trägt er mich an Land. Geborgen, voll Freude fass ich seine Hand. Ist auch das Brausen übermächtig groß er geht auf den Wellen, und er lässt nicht los.« (Lies Ps. 46, 2-6. 11. 12; 29, 10. 11; Jes. 43, 2; Hiob 38, 8-11.)
Warum wird uns die überwältigende Größe und Macht Gottes so gewaltig vor Augen gestellt, sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament? (Lies Eph. 1, 19-22; 1. Petr. 3, 22; 1. Joh. 4, 4; 5, 4.) »So groß ist Gottes Überlegenheit, dass die sich aufbäumenden Wellen an die Stufen seines Thrones überhaupt nicht heranreichen. Unangreifbar ist seine Macht in der Höhe. Diese Erkenntnis, dass kein Aufruhr irdischer Gewalten der Herrschaft Gottes gefährlich werden kann, hat eine unmittelbar überzeugende Kraft. Seine Schöpfermacht wäre nicht Allmacht, wenn es anders wäre. Aber es ist ein Ding, darum zu wissen, und ein ander Ding, diese Gewissheit in den Sturmzeiten der Geschichte wirklich festzuhalten. Dazu bedarf es des Glaubens, der in den nicht minder unverbrüchlichen Zeugnissen Gottes verankert ist« (H. Lamparter). »Dein Wort ist wahrhaftig und gewiss« (V.5a; vgl. Ps.33,4). Unser Glaube kommt aus dem verkündigten Wort Gottes (Röm. 10, 17) und erstarkt durch die Einwurzelung ins Wort Gottes (Jer. 17, 8). Das besagt: Geistliche Stärke und Reife erwächst aus der Wortverkündigung und dem Bibelstudium. Können wir uns noch ins Wort Gottes vertiefen? Oder gleichen wir geistlichen »Flach-Wurzlern«? Wie können wir Oberflächlichkeit und Nachlässigkeit dem Wort Gottes gegenüber überwinden? Indem wir unsere Bibelzeiten fest einplanen und sie regelmäßig halten und aufbauend gestalten (Kol. 3, 16). Viele leiden darunter, dass sie sich kaum konzentrieren können und so vergesslich sind. Der Herr weiß darum und rät uns: Lies laut und sorgfältig. (Vgl.Apg.8,30.31.) Mach's schriftlich. (Dazu 2.Mose 17,14; Jer.30,2; Hes.43, 11.) Wiederhole. (Siehe 5.Mose 6,5-9; Spr.3,3; 4,21; Luk.8,15.) Verarbeite im Gebet (Apg. 4, 18-21. 23-31). Tu's gleich (Matth. 21, 28-32). »Lieber Herr, befestige meine Schritte durch dein Wort, und gib keinem Unrecht Macht über mich! Ich will über deine Gebote nachdenken und mich an deine Wege halten. Amen.«
In Psalm 93, 2. 5 spricht der Beter Gott persönlich an. Der König aller Könige wird in seiner Heiligkeit geehrt und angebetet. Heiligkeit setzt eine Schranke, vor der wir zurückbleiben müssten, wenn nicht der König selbst einen Weg bereitet hätte. Das ist am Kreuz von Golgatha geschehen. Hier hat der heilige Gott unsere Sünde gerichtet und seine Gerechtigkeit aufgerichtet. Mit großen Buchstaben prägte Paulus den Christen in Korinth ein: »Täuscht euch nicht: Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher,... Habgierige,... werden nicht am Reich Gottes teilhaben. Das sind etliche von euch gewesen, doch jetzt sind eure Sünden abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus und in dem Geist unseres Gottes« (1. Kor. 6, 9-11; Apg. 26, 18). Durch Jesus sind wir vor Gott gerecht gesprochen und geheiligt, ja für immer vollkommen gemacht worden (1. Kor. 1, 30; Hebr. 10, 14). Der Vater sieht uns ganz in Christus »eingehüllt« und darum als solche, die er für immer vollkommen gemacht hat auch wenn wir uns alles andere als »vollkommen« erleben. Wie viele Verletzungen und Verschmutzungen tragen wir noch an und in uns! Wir müssten verzagen, wenn wir Gottes Ordnung »Seid heilig; denn ich bin heilig!« als Appell verstehen. Wir würden uns selber pausenlos überfordern. Doch genau das will unser Herr nicht. Der König aller Könige hat uns gewissermaßen zu Königskindern gemacht, die es jetzt lernen, in diesen neuen Stand und in diese neue Würde hineinzuwachsen. Was müssen kleine Prinzen nicht alles lernen aber sie sind doch nicht auf sich selbst gestellt! Die Königskinder des großen Königs haben einen einzigartigen Berater. Er, der Heilige Geist, achtet darauf, dass sie sich täglich in der Schmutzschleuse des königlichen Hauses reinigen und ihre Persönlichkeit vom Willen des Königs prägen lassen: Epheser 4, 17-32.
Nachdem wir in Psalm 93 den weltüberlegenen König gesehen haben, bringt uns Psalm 94 an den Ort der irdischen Verhältnisse, den Ort der Schwierigkeiten. »Wie lange sollen die Gottlosen, o Herr, prahlen? Sie halten viele und freche Reden; stolz überheben sich alle Übeltäter. Sie knechten dein Volk, o Herr, und unterdrücken dein Erbteil.« Der Kontrast zwischen dem allmächtigen König und den offenen Konflikten der Glaubenden ist scharf. Die Leute des Königs sind hart angegriffen. Sie kämpfen im Gegenwind des Unglaubens und Hochmuts. Sie erleiden Spott und Verachtung, Ablehnung und Unterdrückung, Verleumdung und Gewalttätigkeit. Als Paulus nach schwerer Verfolgung in Lystra wieder nach Ikonion und Antiochia zurückkehrte, »stärkten sie die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten ihnen, dass wir durch viele Bedrängnisse ins Reich Gottes eingehen müssen« (Apg.14,22). Jesus selber hatte seinen Jüngern angekündigt: »Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihrige lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum hasst euch die Welt« (Joh. 15, 18-20; lies Joh. 16, 1-4. 33; Matth. 10, 28-32). In der einen oder anderen Weise erfahren auch wir den Widerstand der Welt. Der Druck wird massiver, je weiter sich ein Volk von Gott und seinem guten Wort entfernt, und je nachhaltiger der Mensch zum Maßstab aller Dinge gemacht wird. Täglich sind wir herausgefordert, ein Leben unter Druck in Gottes Kraft durchzustehen. Wir sind »in« der Welt, aber nicht »von« der Welt (Joh.15,19; 17,14.16; 1.Joh.4,4.5). Wir leben in ihr mit der Jesus-Gesinnung und nicht in der »Gesinnung des Fleisches«. (Lies Phil. 2, 5ff; Röm. 8, 6. 7; 1. Petr. 4, 1; 1. Kor. 2, 12; 2. Kor. 5, 15. 16.)
Zu allem Druck von außen kommt noch der Angriff auf das Vertrauen. Es ist eine besonders verletzende Lüge Satans, zu behaupten: Gott kümmert sich nicht um deine Angelegenheiten! Nicht Gottes Existenz wird hier geleugnet, sondern sein Interesse an uns Menschen. Aber Gott verliert die Seinen nicht aus den Augen. Er sieht, hört und weiß, was alles gegen sie geplant wird. Das gottlose Denken, Reden und Treiben ist vor ihm aufgedeckt. (Lies Ps. 34, 16-20; Jes. 36, 13-21; 37, 5-7.) Despoten und Mörder meinen, dass Gott keinen Einblick in ihr Wirken hat: Er schaut nicht hin, merkt es nicht, fragt nicht danach, hat's vergessen. Als ob Gott ein Mensch wäre! Denkt doch nach, ihr Narren, wann endlich werdet ihr klug? Wie kann der, der euch Ohren und Augen gab, taub oder blind sein? Wie sollte der, der den Menschen Erkenntnisse gibt, sich nicht auskennen? Ja, mehr noch, er achtet sehr sorgfältig auf Beleidigungen und Kränkungen und geht nicht achtlos darüber hinweg. Darum können sich die Hilf- und Schutzlosen ihm anvertrauen. Ihr Schicksal liegt in seiner Hand. Warum kann der Beter so sicher sein? Er weiß es aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Damals, als die Israeliten als hart bedrängte Sklaven klagten und weinten, sah der Herr ihren Jammer und sprach: »Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen,... ja, ich kenne ihre Leiden. Darum bin ich herabgekommen, sie aus der Gewalt der Ägypter zu erretten und sie herauszuführen.« »Gott hat mir seine Telefonnummer anvertraut. Ohne Geheimzahl oder PIN kann ich ihn jederzeit direkt erreichen: Rufe mich an, so höre ich dich (vgl. Ps. 91, 15; 50, 15). Gott signalisiert mir online seine 24-stündige Rufbereitschaft « (H. Steinacker).
Am Kreuz hat Jesus den Sieg über Satan, Sünde, Tod und Hölle vollbracht. Seine Auferstehung von den Toten hat diesen Sieg von höchster Instanz bestätigt. Die Himmelfahrt von Jesus hat seinen Sieg vollendet. Er »setzte sich zur Rechten Gottes« (Mark. 16, 19). Dort sitzt er auf dem Thron und »lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit« (Offb.4,9-11). Nun erfüllte sich auch Psalm 45,7: »Gott, dein Thron bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reichs ist ein gerechtes Zepter (Herrscherstab).« In den Verwirrungen, Versuchungen und Verirrungen unserer Zeit dürfen wir vertrauensvoll daran festhalten: Der Herr regiert im Großen wie im Kleinen. Er ist so groß, dass er sich auch um mein kleines Leben und meinen bunten oder eintönigen Alltag kümmert. Hier möchte er die Herrschaft seiner Liebe, seiner Güte und Geduld aufrichten. (Lies Jak. 5, 7-18.) Ein Christ, der unendlich viel Unrecht und Leid zu ertragen hatte, äußerte einmal: »Man möchte manchmal mit Eisenbahnschienen dreinschlagen. Aber das ist nicht die Jesus-Art.« Von Jesus heißt es: »...der, geschmäht, nicht wieder schmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet; der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben« (1. Petr. 2, 23.24). Vergessen wir's nicht: Die segnenden Hände, die Jesus während seiner Auffahrt in den Himmel über den Seinen ausbreitete, sind durchbohrte Hände. Sie sagen uns, dass sein Leiden unser Leid umfängt und dass er seinen Sieg mit uns teilen will. Er spricht dir zu: »Fällt's dir zu schwer, ich geh voran, ich steh dir an der Seite, ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite« (nach J.Scheffler). (Lies 2.Mose 13,21; Micha 2,13.)
»Der Herr erbarmt sich seiner Bekümmerten.« Das gilt auch für unseren ganz persönlichen Kummer. Er verspricht: »Ich will ihre Trauer in Freude verwandeln und will sie trösten und erfreuen in ihrem Kummer« (Jer. 31, 13b). Das Wort »Kummer« hatte in der mittelhochdeutschen Sprache die Bedeutung: Schutt, Müll, Belastung, Mühsal, Gram, Not, Bedrückung. Bekümmert-Sein macht traurig, müde und kraftlos. Es lässt der Freude keinen Raum. Es dörrt aus, wie eine blühende Pflanze eintrocknet. »Wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut« (Spr. 15, 13). Wie kann man aus all dem herausfinden? Der König selbst kommt uns zur Hilfe. Er, der das Böse richtet, tröstet die Bedrückten und richtet sie auf. »Ich hatte viele Kümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele« (V.19; lies Ps.37,23.24). Hanna, die aufs Äußerste geplagt war durch Verachtung und Demütigungen der Peninna, schüttete ihr Herz bei Gott aus. »Aus großem Kummer und Herzeleid habe ich geredet« (1. Sam. 1, 16-20; 2, 1-4). Als Simon Petrus einmal »in sich bekümmert« war, weil er nicht wusste, was das Gebot Gottes, das dem jüdischen Gesetz entgegenstand, bedeuten sollte, standen schon die Männer vor der Tür, die ihn zu Kornelius bringen sollten (Apg. 10, 9-20). Als die Jünger wegen der scheinbaren Ver schwendung des kostbaren Salböls Maria attackierten, sprach Jesus: »Was betrübt ihr diese Frau, sie hat ein gutes Werk getan« (Matth. 26, 10). Wir merken, der Herr sieht unseren Kummer, und er entlastet uns. Aber es gilt auch: »Wirf Sorgen und Schmerzen ins liebende Herz des mächtig dir helfenden Jesus. Wenn Kummer dich quält, wenn alles dir fehlt, so fleh zu deinem Erbarmer. Er erleichtert die Last voll Mitleid und fasst und hebt sie mit mächtigen Händen« (Verf. unbekannt; Jes. 50, 10; Ps. 55, 23).
»Ich hatte viele Kümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.« In einem Nachrichtenblatt der KOMMUNITÄT ADELSHOFEN gab Sr. Magdalene Rodewald Einblick in Tagebuchaufzeichnungen, die sie vor Jahren notiert hatte: »Ich meinte, ich könnte die Lasten nicht mehr tragen. Viele Ereignisse häuften sich: Schwierigkeiten in der Seelsorge an Einzelnen, es geht anscheinend nicht vorwärts, andere sind resigniert, sehen Jesus nicht in seiner großen Liebe, empfinden Nachfolge als Zwang, körperliche Schwäche im persönlichen Leben, Ringen um Menschen. Einen Höhepunkt innerer Not hatte ich während einer Bibelwoche. Kurz vor Beginn des Abends in der Kirche erreichten mich zwei schlechte Nachrichten am Telefon. Sollte ich weinen? Nein, ich muss ja gleich vor Menschen stehen und soll davon reden, wie wichtig der Auftrag ist, das Wort Gottes zu verkündigen. Ich bin innerlich zerrissen. In mir sieht es qualvoll aus. Als die Glocken läuteten, ging ich nach draußen. Ich sagte Jesus alle meine Not: Herr, du hast alles in der Hand, auch alle Bedrängnis und meinen Kummer um die Menschen. Du bist weitaus größer als alle Schwierigkeiten, und dein Wort bleibt bestehen, wenn auch um mich her alles wankt. Ich gehöre dir für Zeit und Ewigkeit und achte jetzt nicht auf meine Gefühle, sondern verkündige dein lebendiges Wort. Du bleibst der Herr bis in Ewigkeit. Eine große Last fiel von mir ab. Ich konnte mit echter, aus Jesus kommender Freude und Freiheit den Menschen das Evangelium weitersagen. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass zur selben Stunde an diesem Abend der Herr Jesus bei einem Menschen auf wunderbare Weise eingegriffen hatte. Ja, wirklich, Jesus trägt durch!« (Lies Ps. 25, 15-20; 56, 1-4; 119, 143. 151; 1. Petr.5,7.)
Damals ermutigte Sr. Magdalene Rodewald viele Leser; und auch uns kann ihr Rat helfen: »Ich möchte Ihnen Mut machen, in Krisensituationen, wenn alles zusammenzubrechen droht, wenn Sie vor dem Ruin stehen und keinen Ausweg sehen, Ihr Herz vor Jesus Christus auszuschütten. Er hört Sie bestimmt, auch wenn Sie nicht gleich ein Wunder sehen. Sieht man nicht in solchen Augenblicken alle Nöte und Ängste weitaus größer, als sie sind? Wie Riesen stehen dann die Schmerzen, Ängste und Ausweglosigkeiten drohend vor einem. In diesen Augenblicken ist dann entscheidend, worauf wir schauen. Auf die Riesen? Oder entscheiden wir uns für einen Blickwechsel auf Jesus, unseren Herrn, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden? Auf diesen Blickwechsel kommt es an: Weg von der Not hin zu Jesus. Der Blick auf Jesus rettet uns aus der Verzweiflung. Er sieht meinen Schmerz, die tiefsten Nöte, das Unverstandensein, auch meine Sünde, dass ich nicht in Demut drunterbleiben möchte. (Lies Hebr. 12, 2. 3; Hab. 3, 18. 19; Ps. 77, 11-21.) Vollziehe ich diesen Blickwechsel hin auf meinen großen Fürsprecher Jesus Christus, dann werde ich ruhiger und gelassener, weil ich die Sache, die mir zu schwer war, dem größten Herrn Himmels und der Erde anvertraut habe, dann sehe ich die Riesen nicht mehr übergroß, sondern so, wie sie tatsächlich sind, dann werde ich daran erinnert, dass ich ja mit Menschen für diese Not gemeinsam beten kann, dann finde ich plötzlich einen Weg, um die Situation zu bewältigen, dann lebe ich Stunde um Stunde bewusst im Glauben an die Allmacht Gottes und warte auf sein Eingreifen, dann kommt es früher oder später zum fröhlichen Dank für die herrliche Durchhilfe Gottes.«
Der Psalmbeter fällt dem Widersacher nicht zum Opfer. Er begibt sich vom Ort der Schwierigkeiten an den Ort des Gebets. Was ihm auch widerfährt, er wendet sich Gott zu. Keine Verleumdung, keine Verfolgung kann ihn hindern, mit Gott, seinem König, zu reden: »Herr, du Gott der Vergeltung, erscheine! Erhebe dich, Richter der Erde, vergilt den Stolzen ihr Tun!« Der Name »Gott der Vergeltung«, »Gott der Rache« mag uns erschrecken. »Oft genug wird von Unwissenden über die schrecklichen Rachepsalmen gescholten. Wer den Psalter kennt, wird nicht so sprechen. Der Ausdruck Rache heißt hier nichts anderes als Gericht. Gericht bringt aber zurecht und setzt dem Unrecht ein Ende. Wer das Unrecht hasst, wird den Richter lieben. Dass die Haltung des Glaubenden im Neuen Testament anders ist als die des Frommen im Alten Testament, das dankt er allein dem Gekreuzigten, der das Gericht für alle getragen hat. (Lies Röm. 3, 23-26; 2. Kor. 5, 21; 1. Petr. 2, 24.) Wer aber seine Zuflucht nicht bei Gott nimmt, dem geht diese unbeschreiblich große Gabe der Gnade verloren. Es geht dem Beter nicht um private Angelegenheiten, er leidet mit dem Volk Gottes, das niedergedrückt und entrechtet wird« (H. Brandenburg). Ein König war damals für das Recht, das im Gesetz des Herrn verankert war, zuständig. (Lies 5. Mose 17, 18-20.) Deshalb ist der Psalmbeter berechtigt, sich in seiner entrechteten Situation an den König aller Könige zu wenden und ihn um sein gerechtes Richten zu bitten. »Der aller Welt Richter ist, sollte der nicht recht richten?« (1. Mose 18, 25b; Ps. 98, 8. 9; 48, 11; 103, 6) »Was dein Herz anficht, stellt er in sein Licht, frage ihn und zage nicht, rechne mit ihm. Rechne mit ihm, einzig nur mit ihm, steht auch alles wider dich, rechne mit ihm!« (H. E. Alexander)
»Herr, du Gott der Vergeltung, erscheine!« Der Beter beabsichtigt nicht, selber das Urteil über seine Feinde zu sprechen. Er hält sich an die biblische Wei- sung, das Gericht und die Abrechnung Gottes mit allem Bösen dem Herrn zu überlassen. Gott allein steht es zu, zu SEINER Zeit Vergeltung zu üben und seine Gerechtigkeit aufzurichten. »Rächt euch niemals selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr« (5. Mose 32, 35; Röm. 12, 19; lies 3. Mose 19, 18; 1. Sam. 24, 12-14). Der Beter beschließt, dem Handeln Gottes auf gar keinen Fall vorzugreifen, sondern die Sache im Gebet vor Gott auszubreiten. Die Gefahr ist groß, sich zu verteidigen, selber Vergeltung zu üben und zurückzuschlagen. Der Beter aber übergibt die ganze Angelegenheit seinem Gott. Das Gebet ist die wirksamste Waffe, die uns geschenkt ist, wenn wir Demütigungen, Verachtung und Feindseligkeiten erfahren oder empörendes Unrecht uns trifft. »Ich aber, ich würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen, der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind.« »Mein Gott, ich lobe dich und bitte: Schweige nicht! Rücksichtslos gehen gottlose Menschen gegen mich vor, sie reißen ihren Mund auf und verleumden mich. Sie bedrängen und beschimpfen mich mit hasserfüllten Worten; sie bekämpfen mich ohne jeden Grund. Meine Liebe zu ihnen beantworten sie mit Feindschaft, ich aber bete weiter zu dir« (Hiob 5, 8. 9; Ps. 109, 1-4). Eine Frau erzählte: »In einer äußerst prekären Situation erreichte mich, während ich betete, das Wort: Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein. Das half mir auf in meiner unsagbar schweren Lage.« (Lies 1. Petr. 2, 21-23.)
Im Gebet wendet sich der Bedrängte direkt an die »Unvernünftigen und Toren «. Hier wird nicht der Mangel an Intelligenz angesprochen, sondern der Mangel an Gotteserkenntnis. Vielfältig hat König Salomo im Buch der Sprüche die Torheit des »Toren« beschrieben (1, 7. 22; 8, 5; 10, 23; 14, 8. 24; 15, 2. 7. 14; 18,6.7). Ein »Tor« charakterisiert den Menschen, der in seiner von Gott gelösten Denk- und Lebensweise in der Oberflächlichkeit und Streitsucht stecken geblieben ist. Auch im Neuen Testament begegnet uns Unvernunft und Torheit. »Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, er kann es nicht verstehen.« »Wir predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit« (1. Kor. 2, 14; 1, 23. 24; lies Röm. 1, 18-22). Noch immer stoßen sich viele an Jesus, dem Gekreuzigten. Sie verstehen nicht, warum Blut fließen musste und schließen von daher auf einen blutdürstigen Gott. Und der passe nicht zum Gott der Liebe. Warum das Blutvergießen? Weil Gott seinen Sohn zum Lamm Gottes bestimmt hat. Es ist der sündlose Stellvertreter, der mit seiner Lebenshingabe sündige Menschen aus der Todeszelle freikaufte. Leben kann nur mit Leben bezahlt werden. Wenn das keine Liebe ist! »Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden. Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden« (Röm. 5, 8-10).
Der Psalmbeter erkennt, dass gerade in den schwierigen Situationen Gottes Erziehungsprogramm greift. Mitten im Dickicht der Bedrängnis und des harten Widerstandes bekennt er: »Wohl dem, den du, Herr, in Zucht nimmst und lehrst ihn durch dein Gesetz.« So hart es für uns ist: In der Not erfahren wir den Beistand und die Arbeit Gottes an unserem Herzen ganz anders als in »guten« Zeiten. Das erkennen wir nicht immer in den Schwierigkeiten. Manchmal bleiben Fragen auch ein Leben lang offen. Es kann sogar so aussehen, als ob Gott gegen uns wäre. Und doch sollen wir wissen: Der Herr hat keine Freude daran, uns zu quälen. Diese Erfahrung machte auch der Prophet Jeremia. Er spricht schonungslos offen darüber: Klagelieder 3, 1. 7-9. 19-27. 31-33. Gott behält wirklich und immer unser Wohl im Auge. Er verspricht: »Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen ich weiß, was ich für Gedanken über euch habe,... Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung« (Jes.57,16; Jer.29,11; vgl. Spr. 3, 11. 12; 15, 5; Ps. 66, 10-12). Im Rückblick auf sein von vielen Schikanen geprägtes Leben konnte Josef zu seinen Brüdern sagen: »Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk« (1.Mose 50,20). Josef glich einem »jungen Fruchtbaum an der Quelle«, darum konnten »seine Zweige über die Mauer wachsen«. Wir müssen uns an unserer Mauer, an den engen Grenzen, nicht wund reiben. Unser Herr hilft uns, sie als Chance zu sehen und anzunehmen, so dass wir, »gepflanzt an den Wasserbächen« des Wortes Gottes, wachsen und reifen und bleibende Frucht tragen.
Der Psalmbeter berichtet von den Gefahren und Ängsten, die ihn umgeben, aber auch vom »göttlichen Begleitschutz«. Auffallend, dass er einen sucht, der für ihn ist. Wörtlich heißt es in Vers 16: »Wer wird für mich aufstehen gegen die Übeltäter? Wer wird für mich auftreten gegen die, die Böses tun?« Es ist sicher hilfreich, wenn wir Freunde haben, die uns begleiten und beistehen, weil sie für uns sind. Sie können uns guten Rat geben, mit uns und für uns beten. Was aber wäre es, wenn Gott nicht für uns wäre? Der Beter bekennt: »Hätte der Herr mir nicht geholfen, wäre ich schon längst tot. Als ich schrie: Ich falle, hielt mich doch deine Gnade, Herr, aufrecht« (V. 17. 18; Bibelübersetzung NEUES LEBEN). Inmitten der Angst und Unsicherheit gibt Gott sicheren Halt. »Du schaffst Raum meinen Schritten unter mir, und meine Knöchel haben nicht gewankt« (Ps. 18, 37; lies 1. Sam. 2, 9a; Ps. 121, 3). Es gibt holprige Wegstrecken in unserem Leben, Steinschläge des Bösen, Straßen-Blockaden der Mutlosigkeit und Angst. So erging es einer jüngeren, schwer erkrankten Frau. Sie bezeugte: »ER führet mich auf rechter Straße, auch wenn sie manche Schlaglöcher hat.« In den dunkelsten Tagen ihres Lebens hielt die Frau daran fest: Jesus steht mir bei. Er ist ganz und gar für mich und tritt für mich ein, um mir zu helfen. Gottes Zusage tröstete die Kranke: »Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir!... Ich stärke dich auch,... ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit« (Jes. 41, 10). Wenn wir in Nöten unterzugehen drohen, dürfen wir uns tragen lassen von dem Gott, der sich mit der Gabe seines Sohnes dafür verbürgt hat, dass er für uns ist. (Lies Röm. 8, 31-34; Gal. 2, 20; vgl. Ps. 56, 10; 57, 3; 118, 6; Jes. 26, 12.)
Der Beter lässt uns tief in seine innere Verfassung schauen. Er sagt wörtlich: »Als viele unruhige Gedanken in mir waren, liebkosten deine Tröstungen meine Seele.« So Anteil nehmend steht er uns zur Seite. »Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet« (Jes. 66, 13a). »Vielleicht sind wir aus einem besonderen Grund heute bekümmert. Geschäftige Gedanken, bohrende Gedanken, traurige Gedanken, enttäuschte Gedanken, ängstliche Gedanken, verwirrende Gedanken sie alle können in Scharen daherkommen. Aber mit ihnen, in zahlreicheren Scharen und in größeren Mengen, kommen die himmlischen Tröstungen. Gottes Tröstungen werden uns erquicken, sobald wir ihnen in unserem Herzen Raum geben, sie werden uns besänftigen« (A. Carmichael). (Lies Jes. 51, 3. 12; Ps. 71, 19-21; 86, 17; Jer. 31, 13.) Den Übergriffen und Angriffen der Feinde zum Trotz weiß sich der Psalmbeter unter Gottes Schutz geborgen. Übersehen wir nicht das kleine, entscheidende Wörtchen »aber« bzw. »doch«. Sorgenvolle Gedanken stürzen den Beter in Unruhe, rauben ihm die Kraft und den letzten Nerv, treiben ihn in die Enge. Es sind Tatsachen; daran ist nichts zu ändern. Wirklich? Der Beter weiß: Wenn sich die Umstände nicht ändern, kann ich doch meine Einstellung zu ihnen verändern. Ich will das Aber des Vertrauens aussprechen. »Aber der Herr ist meine Burg«, mein Schutz, mein sicherster Zufluchtsort. Es ist nicht einfach, sich zum Aber des Vertrauens zu entschließen, doch es ist möglich. Denn im Glauben verbinden wir uns mit dem Herrn, der selber schwersten Angriffen des Feindes ausgesetzt war und sie siegreich überwand. Er, der im Leiden Bewährte, tröstet uns in unserer Bedrängnis: »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« (Joh.16,33b). Schon jetzt sollen wir gute Erfahrungen mit 1.Johannes 5,4 machen. (Vgl. Hebr.5,7; Röm. 8, 18; 1. Kor. 15, 57; 2. Kor. 4, 16-18.) Heute und morgen findet das traditionelle Pfingst-Jugendtreffen des Diakonis senmutterhauses Aidlingen statt, zu dem wir etwa 5.000 Jugendliche erwarten. Ein inhaltsreiches und erfrischendes Programm zum Thema »UnEndlich frei« soll unseren Gästen helfen, die Befreiung durch Jesus und die verbindliche »Freiheit in Christus« neu zu entdecken.
Pfingsten ist ein besonderer Tag. Im Kalender Gottes ist er gewissermaßen rot markiert. Das tat Gott immer mit den Tagen, die er besonders aus allen anderen Tagen hervorhob. Um den »Pfingsttag« besser verstehen zu können, müssen wir uns zuerst mit den anderen besonderen Tagen befassen: Nach der Schöpfung der Welt machte Gott den »Ruhetag«. Bevor Adam und Eva ihre Arbeit aufnehmen, dürfen sie erst einmal staunen über ihren Schöpfer und seine großartige Schöpfung. An diesem Ruhetag verbringt das erste Menschenpaar viel Zeit mit Gott. Es gibt nichts Schöneres als die Gemeinschaft mit Gott. Ein besonderer Tag im Kalender Gottes war der Geburts-Tag seines Sohnes, als dieser den Himmel für eine Zeit lang verließ und ein Mensch wurde, um uns in unserer Traurigkeit, in unserer Schuld und Angst zu verstehen und zu helfen. Weihnachten der Tag der Liebe (Joh. 3, 16-18). Besonders markiert ist der Karfreitag. Er ist Gottes Antwort auf den schrecklichsten Tag in der Geschichte. Es war der Tag des Ungehorsams. Adam und Eva hörten nicht auf Gottes Wort. Sie übertraten sein Gebot, das sie vor dem Tod schützen sollte. Darum mussten sie das Paradies verlassen. Seitdem leben alle Menschen »jenseits von Eden«. Seitdem regieren Streit, Lüge, Hass, Mord und Tod die Welt. Seitdem sind alle Menschen Gefangene des Bösen, ja Sklaven der Sünde (Joh.8,34; Röm.6,16). Und das Schlimmste daran ist, dass uns niemand befreien kann, weil ja alle in der Todeszelle der Sünde sitzen. Außer Jesus. Er ließ sich nicht ein einziges Mal von der Sünde gefangennehmen. Er kaufte uns aus der Sklaverei los. Jesus bezahlte mit dem Teuersten, was er hatte, mit seinem eigenen sündlosen Leben (1.Petr.1,18.19). Das war der Tag der Erlösung (Joh. 8, 36).
Der Tod konnte Jesus nicht festhalten. Er ist von den Toten auferstanden. Der Tag der Auferstehung von Jesus Christus spricht davon, dass der »Vertrag « des Freikaufs wirklich und für immer gültig ist. Jeder, der sich von Jesus aus der Sklaverei der Sünde befreien lässt das passiert nicht automatisch, sondern bedarf meiner ausdrücklichen Zustimmung und »Unterschrift« der muss den »alten Sklaventreibern« nicht mehr gehorchen. Denn der Befreite hat jetzt einen neuen Herrn einen guten Herrn, der ihn liebt und stark macht, dem Bösen siegreich zu widerstehen. Warum das möglich ist? Davon sprechen die beiden nächsten Tage im Kalender Gottes. Vierzig Tage nach seiner Auferstehung kehrte Jesus in den Himmel zurück, um von dort seine Königsherrschaft über alle Mächte und Gewalten auszuüben. Auf der Erde hingegen sollte durch die weltweite Verkündigung des Evangeliums christliche Gemeinde entstehen und wachsen. Darum sandte Jesus zehn Tage nach seiner Rückkehr zum Vater den Heiligen Geist. (Lies Apg. 1, 8; 2, 1-4.) Jesus hatte seinen Jüngern versprochen, sie niemals alleinzulassen. Er wollte ihnen auf eine neue Art und Weise ganz nahe sein. Jesus versprach, nicht nur bei ihnen (Matth.28,20b), sondern auch in ihnen zu sein: »An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch« (Joh. 14, 20). Jesus wollte damit sagen: Wenn ich euch den Heiligen Geist sende, werdet ihr eine ganz neue Gemeinschaft mit dem Vater und mit mir kennenlernen. (Siehe Röm. 8, 15; Gal. 4, 6; 1. Kor. 1, 9; 1. Joh. 1, 3.) Diese Gemeinschaft macht euch stark, so zu leben, wie es Gott gefällt. Dann werdet ihr auch offene Augen und Herzen für eure Glaubensbrüder und die Gottfernen bekommen: Wie Jesus den Menschen diente, so auch ihr bis zu jenem großen Festtag, an dem ihr ihn sehen werdet.
Wie am Anfang, so ist es dem Beter auch am Ende seines Psalms wichtig, darauf hinzuweisen, dass alle Vergeltung in Gottes Händen liegt. Aber es gibt einen Unterschied zwischen den Eingangsversen und dem Abschlussvers. Am Anfang steht der Notruf, am Schluss der Siegesruf am Anfang bestimmen Fragen das Gebet, am Schluss strahlt die Gewissheit über den königlichen Sieg auf. »Der Herr, unser Gott, wird vertilgen, wird vernichten.« Mit großem Ernst weist der Psalmbeter schon hinüber in jene Zeit, in der der Satan und der Tod und »alle, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben« sind, in den Feuersee geworfen werden (Offb. 20, 10. 14. 15). Die Grundlage für diesen offenbaren Schluss-Sieg Gottes wurde gelegt, als der Sohn Gottes am Kreuz ausrief: »Es ist vollbracht!« Am Kreuz hat Gott »die Mächte und Gewalten völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In Christus hat er den Triumph über sie gehalten« (Kol. 2, 15). Öffentlich, vor den Augen der Menschen, hat Jesus am Kreuz den Sieg über die Sünden- und Verderbensmächte errungen. Das bezeugte der römische Hauptmann, als er erkannte: So kann nur einer siegen, Jesus Christus, der Sohn Gottes (Mark.15, 37-39). Bis heute ist der Sieg des Herrn den Glaubenden offenbar. Am Ende der Zeit wird er der ganzen Welt offenbar werden. Für die einen wird es die schrecklichste aller Offenbarungen sein, für die Seinen jedoch unaussprechliche Freude: Wir lesen Offenbarung 21, 1-4. 8. 27; 22, 15. Noch leben wir in der Zeitspanne, in der der Herr geduldig auf die Umkehr zu ihm wartet (2. Petr. 3, 9). In diesem Zeitraum darf schon jetzt, mitten in den Widerwärtigkeiten unseres Alltags, viel vom Sieg unseres Königs sichtbar werden. Unsere kleinen Siege leben von seinem großen Sieg. (Lies 1. Petr. 2, 9-11; 4, 7-14.)
Wozu eigentlich braucht uns Gott? An den folgenden Tagen werden wir über einige Jesus-Nachfolger aus der Zeit der frühen Kirche nachdenken, die sich von Gott gebrauchen ließen. Wir lernen dabei vor allem die »Randfiguren«, die Unscheinbaren, die »Stillen im Land« kennen. In diesem Zusammenhang stellen sich die Fragen: Braucht Gott uns wirklich? Brauchen nicht wir ihn? »Wir sind Teilhaber des Christus geworden« (Hebr. 3, 14). Gott wollte den Menschen schon immer an dem, was er tut, beteiligen. So erwählt und sendet er die Jesus-Nachfolger mit einem klaren Auftrag zu ihren gottfernen Zeitgenossen. Das kann niemand aus eigener Kraft (Joh. 15, 5). Dazu brauchen wir ihn. In der Begegnung mit Christus entdeckt der Jünger des Herrn, »dass auch er sie brauchen will. So werden sie Werkzeuge in seiner Hand. Nicht willenlose mechanische Werkzeuge, vielmehr lebendige Werkzeuge, auch mit ihren Schwächen und Fehlern, mit ihrem vielfachen Versagen und Ungenügen, aber in allem doch geborgen im Wunder seiner Erwählung« (W. Pfendsack). Gott hat viele Anliegen für uns ganz persönlich und für die weltweite Jesus-Gemeinde. Was ihm aber ganz besonders am Herzen liegt, ist der Lauf des Evangeliums durch diese Welt. Dazu Matthäus 24, 14. Im Grunde ist dies die wichtigste Sache der Welt! Auch für mich? Jeder kann und sollte, entsprechend seiner Möglichkeiten, etwas dazu beitragen (1. Petr. 4, 10). Wir werden wirklich gebraucht. Unser Leben ist bedeutungsvoll für Gott. Bitten wir ihn um Ideenreichtum, wie wir uns am hochaktuellen und doch befristeten Bau- Unternehmen »Reich Gottes« beteiligen können. Als »lebendige Steine« werden wir genau den Platz ausfüllen, den uns der Herr des Reiches anwies (1.Petr.2, 5). Nur so bricht sich sein Reich Bahn in unsrer Zeit und Welt (1. Tim. 2, 4).
Wie unspektakulär diente Jesus den Menschen: Er predigte. Der Herr gibt dem Ruf zur Umkehr und der Verkündigung des Evangeliums höchste Priorität. Der Verkündigungs-Dienst, der missionarische Ruf »Lasst euch versöhnen mit Gott!« rangiert vor allen anderen Aktivitäten. Beachten wir dazu die Reihenfolge der kleinen »Aktions-Liste« in Matthäus 10, 7. 8. Mit vier Männern startete Jesus seine Mission. Sie hatten einen harten Alltag zu bestehen. Und doch nahmen sie sich Zeit für Glaubensfragen. Wir dürfen annehmen, dass sie Jesus bereits durch Johannes den Täufer kennengelernt hatten. (Siehe Joh. 1, 35-42.) Aus einer Bekanntschaft wurde Freundschaft. Aus der Freundschaft erwuchs eine verbindliche Jüngerschaft. Bezeichnend für dieses Wachstum ist die Bereitschaft, auf Jesus zu hören und ihm ohne Wenn und Aber zu gehorchen. Gewiss geht der Herr auf Fragen und Überlegungen ein. Aber dann kommt der Zeitpunkt, an dem eine Entscheidung fällig ist. Wenn er ruft und beruft, gibt es kein neutrales Niemandsland. Wir können ja oder nein sagen. Ein Jein gibt es in der Jesus-Nachfolge nicht. Das Entscheidende im Leben des Jüngers ist und bleibt der Gehorsam. (Vgl.1.Sam. 15, 22.) Wenn wir uns einmal aus unseren alten Verhältnissen durch seinen Ruf gelöst haben, ist die neue Marschrichtung klar: »Komm, folge MIR nach!« Der Meister geht voran, der Jünger geht kraft SEINES Wortes hinter IHM her. (Lies Jes. 30,21; Joh. 10,27. 28; 1. Petr.2,21; Offb.14, 4.) Von Jesus gerufen zu sein, ist ein unvergleichliches Vorrecht. Es gibt dem Nachfolger einen neuen Daseinssinn. Jesus berief die vier Männer, als er »ein wenig weiterging«. Er suchte die Menschen und musste dabei nicht einmal weit gehen. Es gibt viele Menschen in unserer Nähe, die Jesus auch lieben, und die er gebrauchen will. Nehmen wir sie wahr? (Dazu Hes. 34, 4. 16; Luk. 15, 4; Apg. 9, 10-20.)
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.