MONTAG, 1.MAI

PSALM 32, 5; JAKOBUS 5, 16

»Endlich gestand ich dir meine Sünde; mein Unrecht wollte ich nicht länger verschweigen. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Vergehen bekennen. Da vergabst du mir meine ganze Schuld.« Nicht bereinigte Schuld drückt unsere Seele zusammen. Wenn wir sie aber bekennen und sie uns selber zuschreiben, dann schreibt der Herr sie uns nicht mehr zu: »Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, . . . « Das Eingestehen und Bekennen von Schuld bedeutet eine spürbare Entlastung: »Beichtµ macht leicht!« Wie wehmütig und entlastend zugleich mag es dem verlorenen Sohn ums Herz gewesen sein, als er sagte: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und sagen: Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner« (Luk. 15, 18-20). Mit dem Eingeständnis der Schuld beginnt die wirksame Hilfe, die den Schuldig-Gewordenen in Bewegung bringt: Auf zum Vater mit meinem Elend! »Jesus erzählt diese Geschichte, damit wir dem Sohn die Worte nachsprechen und sie für uns selbst übernehmen: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen! Ich melde keine Ansprüche mehr an; aber ich will in deiner Nähe sein. - Die Vergebung des Vaters drückt sich in einer ganzen Reihe einprägsamer Handlungen aus: Er umarmt und küsst den Sohn zum Zeichen der Wiedereinsetzung in seine Sohnesrechte. Er lässt das offizielle Sohnesgewand holen, den Ring der Bevollmächtigung und die Schuhe als Zeichen des Besitzrechts. Das alles soll vor aller Augen deutlich machen, in welch umfassendem Sinne der Fortgelaufene wieder der Sohn ist« (U. Parzany). Diese Erfahrung kann heute jeder machen, der seine Schuld zum Vater bringt und seine Vergebung annimmt. (Lies Jes. 38, 17; 43, 25; 44, 22; 1. Joh. 4, 9. 10.)

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DIENSTAG, 2.MAI

PSALM 32, 6. 7; 69, 14-19

Durch die Vergebung seiner Schuld ist für David die Tür in die Gegenwart Gottes wieder offen. Alles Blockierende und Trennende ist weggenommen. Der Zugang zu Gott, die Begegnung mit ihm ist jederzeit wieder möglich. »Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit, da du zu finden bist.« Es gilt, die gegebene Bedenkzeit zur Umkehr zu nutzen. Heute ist der Tag der Rettung. Heute ist der Tag des Heils. (Lies Ps. 95, 7; 2.Kor. 6, 2; Hebr. 3, 7. 8.) Als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, und die Stadt vor ihm lag, »weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient« (Luk. 19, 41. 42)! Die Arme dessen, der sich liebevoll zu den Sündern neigt, sind weit offen. Wer zu Jesus umkehrt, und das Gespräch mit ihm sucht, erfährt, dass der Herr auf Gebet antwortet. David bestätigt das anhand von vier Erfahrungen: o Keine heranflutenden Wassermassen können ihn erreichen (V. 6). Tobende Wasserfluten galten dem Glaubenden von jeher als Zeichen göttlichen Gerichts. Doch wer täglich von der Vergebung Gottes lebt, der ist in Sicherheit vor dem Gericht. (Lies Röm. 8, 1. 31-34.) o David kann sagen: »Du bist ein Bergungsort für mich« (V. 7). Die Anklagen Satans gegen uns laufen bei Gott ins Leere. Und der Beter weiß sich in Gottes Händen geborgen. Wir haben einen wunderbaren Anwalt, der uns vor dem Vater vertritt. (Lies Hebr. 2, 17; 4, 16.) o David hat erfahren: »Vor Bedrängnis behütest du mich« (V. 7). Vergebene Schuld darf ihn nicht mehr unter Druck setzen. Bei Gott gibt es inneren Frieden und äußere Ruhe. (Lies Ps. 27, 5-7.) o »Du umgibst mich mit Rettungsjubel« (V. 7). Erfahrene Vergebung entzündet neue, tiefe Freude. (Lies Ps. 33, 1; Luk. 15, 7. 10.)

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MITTWOCH, 3.MAI

PSALM 32, 8; 86, 11

Nachdem David über die Not der Sünde und die Freude der Vergebung gesprochen hat, ergreift nun Gott selber das Wort: »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.« In seinem Gott findet David einen vertrauenswürdigen Lehrmeister und einen zuverlässigen »Piloten« für seinen weiteren Lebensweg. Noch liegt die Zukunft vor ihm im Dunkeln. Aber in dieses Dunkel hinein fällt ein helles Licht. »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege« (Ps. 119, 105). Gottes Zusage macht Mut, sich seiner Führung anzuvertrauen. Es gilt, in Rufnähe zu bleiben, auf seine Weisungen zu achten und sie mit der Gewissheit im Herzen zu befolgen: »Er führet mich auf rechter Straße; dafür bürgt er mit seinem Namen.« Nicht immer sind die Wege, die er führt, leicht zu gehen. Von Hananias wissen wir, dass er sehr erschrocken war, als Jesus ihn zu Saulus von Tarsus schickte. Hananias brachte seine Bedenken gegen den Christen-Verfolger vor. Aber Jesus ermutigte seinen Boten; und Hananias überwand seine Furcht. Von jener unvergesslichen Begegnung und deren Folgen lesen wir in Apostelgeschichte 9, 10-25. Später erlebte Paulus selber, wie er vom Geist Gottes geleitet wurde, als er auf seiner zweiten Missionsreise nicht wusste, wie der Herr den weiteren Weg geplant hatte. (Lies Apg. 16, 6-10.) Manchmal verschließt Gott die eine oder andere Tür. Aber er lässt niemanden, der mit ihm im Gespräch bleibt, im Ungewissen. Geben wir ihm doch vertrauensvoll unser Ja mit den Worten eines Liedes: »Jesus, dir nach, weil du rufst! Dir folgen, weil du bist, der du bist: einzigartig, unvergleichlich, dir will ich folgen, großer Herr« (G. Schnitter).

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DONNERSTAG, 4.MAI

PSALM 32, 8. 9; 2.CHRONIK 16, 9a

»Ich will dich mit meinen Augen leiten.« Wie wichtig ist es, den Blickkontakt mit unserem Herrn zu halten! Wo trotziger und störrischer Eigensinn bereinigt und vergeben ist, kann man Gott wieder in die Augen schauen. Dann wird er jeden, der fragend zu ihm aufschaut, mit seinen Augen leiten. Wer dagegen rechthaberisch an seinem Unrecht festhält und vermessen eigene Wege geht, der gleicht einem Maultier oder Pferd, das nur mit Zaum und Zügel zu bändigen ist. David hatte Gottes Hand hart zu spüren bekommen, sie lag Tag und Nacht schwer auf ihm. - Jahre später ließ Gott König Sanherib sagen: »Weil du gegen mich tobst und dein Übermut mir zu Ohren gekommen ist, will ich dir einen Ring in die Nase legen und ein Gebiss ins Maul, und will dich auf dem Weg zurückführen, den du gekommen bist« (Jes. 37, 29). Gott lässt den Trotzigen nicht einfach laufen. Er geht ihm in Geduld nach und bringt ihn wieder auf den richtigen Weg, - wenn es sein muss, mit machtvollem Eingreifen. (Lies Jona 2, 1-11.) Nicht nur für Jona bahnte Gott einen Weg, auf dem er zur Besinnung und zur Umkehr kam. Nachdem Petrus seinen Herrn dreimal verleugnet und der Hahn gekräht hatte, wandte sich Jesus nach seinem Jünger um und sah ihn an. Wie tief muss dieser Blick Simon Petrus berührt haben! »Petrus ging hinaus und weinte bitterlich« (Luk. 22, 61. 62). Unser Versagen muss aber nicht das Letzte sein; denn »die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil . . . ; darum will ich auf ihn hoffen« (Klagel. 3, 22-24).

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FREITAG, 5.MAI

PSALM 32, 10; MATTHÄUS 7, 24-27

David spricht in Vers 10 von den grundlegenden Gegensätzen im Leben des gottlosen und des Gott vertrauenden Menschen. Wer die guten Gebote Gottes verachtet, schafft sich viel Kummer, wer aber dem Herrn vertraut, wird seine Güte erfahren. Im Neuen Testament wird davon berichtet, dass Jesus diesen Gegensatz aufgriff und seine Zuhörer zu einer Standortbestimmung einlud. Er sprach von dem klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute, sodass es den Stürmen und Fluten standhielt. Er schilderte aber auch das törichte Verhalten eines Bauherrn, der sich damit begnügte, sein Haus auf Sandboden zu setzen, sodass Sturm und Wellen es zerstörten. Die Deutung liegt auf der Hand: Mach dir klar, lieber Mensch, ob du dein Lebenshaus auf den »ewigen Felsen« baust oder ob du es buchstäblich in den Sand setzt (vgl. 5. Mose 32, 4. 15; 1. Sam. 2, 2; Jes. 26, 4; 44, 6-9). Es ist entscheidend, und du selbst kannst entscheiden, welchen Bauplan du verfolgen willst: das Leben in der Gemeinschaft mit Gott oder in Distanz zu ihm. - Bei einer anderen Gelegenheit lud Jesus seine Zuhörer mit anderen Bildworten zum Leben mit Gott und damit zum ewigen Leben bei Gott ein. Dabei verschweigt der Herr nicht, welch schreckliches Ende auf die Menschen wartet, die ohne Gott leben wollen. »Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden« (Matth. 7, 13. 14)! Im Wort Gottes stoßen wir immer wieder auf diesen krassen Gegensatz mit seinen jeweiligen Folgen. (Lies Ps. 37, 16-24; Spr. 28, 1; Offb. 22, 13-15.) Lasst uns nicht müde werden, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen!

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SAMSTAG, 6.MAI

PSALM 32, 11; PHILIPPER 4, 4

Es gibt keinen anderen Weg in die Gemeinschaft mit Gott als den, der durch die schmale Tür der Buße führt. »Der kann sich freuen, dem die Schuld vergeben ist. Der hat es gut, dem die Sünde abgenommen ist. Wohl dem, dem der Herr seine Vergehen nicht anrechnet« (G. Schnitter). Wie David am Anfang seines Psalms dreimal von der Vergebung sprach, dass Gott »die Übertretungen vergibt, die Sünde bedeckt und die Schuld nicht anrechnet«, so beschließt er sein Lied mit einem dreifachen Aufruf zur Freude: »Freuet euch des Herrn und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.« Sprudelnde Freude über die erfahrene Vergebung triumphiert über jenes zermürbende Verschweigen von begangenem Unrecht. Neue Lebensperspektiven eröffnen sich dem, der vorher niedergedrückt und durch seine Sünde isoliert war. Die Frau am Jakobsbrunnen, die gekommen war, um Wasser zu schöpfen, und im Gespräch mit Jesus die »Quelle lebendigen Wassers« gefunden hatte, »vergaß« ihren Krug am Brunnenrand. Sie hatte ihre Schuld erkannt und Vergebung erfahren. Sie, die wegen ihres schlechten Lebenswandels verachtet wurde, lief nun als Freudenbotin in die Stadt zurück. Diese Frau war so grundlegend verändert nach ihrer Begegnung mit Jesus, dass ihr die Menschen von Samaria Gehör schenkten und sich nun selber auf den Weg zu Jesus machten. »Es ist das Größte, was uns Menschen während unseres Lebens angeboten wird: Gott lädt uns ein zu einem Freudenfest an seinem Tisch« (K. Heim). (Lies Joh. 4, 5-19. 28-30. 39-42.) Vom Kirchenvater Augustin wird berichtet, dass er den 32. Psalm oftmals unter Tränen gelesen hat und ihn am Ende seines Lebens gegenüber seinem Krankenbett an die Wand schreiben ließ, um getröstet zu werden.

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IN DER LIEBE DES EVANGELIUMS LEBEN -

GALATER 5, 24 - 6,18

SONNTAG, 7.MAI

GALATER 5, 24-26

Wir erinnern uns, dass die Gemeinden in der Landschaft Galatien in Bezug auf ihren Glauben an Jesus Christus in Schwierigkeiten geraten waren. Es tauchten jüdische Lehrer bei ihnen auf, die sie davon überzeugen wollten, es sei unbedingt nötig, auch das mosaische Gesetz zu beachten. Der Glaube allein genüge nicht, um vollgültiges Mitglied des Volkes Gottes zu sein. Als Paulus das zu Ohren kam, schritt er energisch dagegen ein: der Glaube allein genüge, um völlige Rettung und völliges Heil in Christus zu erlangen und ein Leben unter der Gnade Gottes zu führen. (Lies Gal. 2, 19-21.) Er stellte ihnen den Unterschied zwischen den »Werken des Fleisches« und der »Frucht des Geistes« dar (siehe Gal.5,19-23). Das Gesetz richtet und bestraft die Werke des Fleisches, nicht aber, was aus dem Geist Gottes heraus getan wird, denn »die dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt«, d.h. dem Christus übergeben, der das Strafgericht darüber sich selbst aufgeladen hat. Deshalb sind die Galater in Christus zu einem neuen Leben unter der Herrschaft des Geistes Gottes befreit. Das soll nun aber auch in ihrem Lebenswandel sichtbar werden. Dazu benötigen sie nicht die Hilfe des Gesetzes, sondern die des Heiligen Geistes, der mit Christus durch den Glauben in ihnen wohnt (Eph. 3, 16. 17). Deshalb ermahnt Paulus die Galater, diese Kraftquelle, die sie in sich tragen, auch zu benutzen, indem sie nicht nach »eitler Ehre trachten« und nicht einander herausfordern oder beneiden. Der Mangel an Liebe untereinander führte dazu, sich mit Hilfe der Erfüllung von Gesetzesvorschriften der Verpflichtung zu gegenseitiger Anerkennung zu entziehen und dennoch eine achtbare Stellung in der Gemeinde einzunehmen. (Lies 1. Kor. 16, 14; Kol. 3, 14; 1. Petr. 4, 8.)

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MONTAG, 8. MAI

GALATER 6, 1. 2

Paulus geht es in seinem Brief nicht um die korrekte Darstellung theologischer Sachverhalte. Er meint die Galater ganz persönlich. Jeder Einzelne ist ihm nahe, und jeden Einzelnen sieht er als wichtigen Teil der Gemeinschaft. Wenn ein Glied in eine Sünde abrutscht, werden andere in Mitleidenschaft gezogen. Dann ist Seelsorge nötig. Offenbar war sie vernachlässigt worden. Denn Paulus ermahnt: »Brüder, wenn sich einer von euch etwas zuschulden kommen lässt und sündigt, dann sollt ihr ihn als Menschen, die Gottes Geist leitet, verständnisvoll wieder zurechtbringen. Seht aber zu, dass ihr dabei nicht in dieselbe Gefahr geratet.« (Lies Jak. 5, 19. 20; Matth. 18, 15; 1. Thess. 5, 14; 1. Kor. 10, 12.) Wie viel Liebe ist nötig, einen Sünder im »Geist der Sanftmut« zurechtzubringen und ihn nicht zusammenzustauchen oder ihm »den Kopf zu waschen«! Geistliche Sanftmut und Milde wird der Seelsorger gegenüber einem Schuldigen anwenden, der um seine eigene Bedürftigkeit an Gnade und Vergebung weiß. Um Missverständnisse auszuschließen: Der Fehltritt des Schuldigen soll vom Seelsorger nicht entschuldigt werden. Das kann nur Jesus tun, indem er den Sünder, wenn er um Vergebung bittet, wahrhaftig ent-schuldigt. Wie verschieden Gesetz und Gnade den Sünder behandeln, zeigt uns die Begegnung, die Jesus mit der Ehebrecherin hatte: Johannes 8, 1-11. Die Schriftgelehrten möchten die Frau gesteinigt sehen, wie es das Gesetz in diesem Fall vorschreibt. Die Selbstgerechtigkeit spricht ihnen dabei aus den Augen. Jesus packt das Erbarmen mit diesem »Häufchen Elend«, das da vor ihn hingezerrt wurde. Es packt ihn auch der Zorn über die Hinterhältigkeit der Pharisäer, die ihn, den Sündentilger, zwingen wollen, das Todesurteil auszusprechen. Die heimliche Sündenverstrickung der Würdenträger aufdeckend, gibt er der Ehe- brecherin eine zweite Chance.

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DIENSTAG, 9.MAI

GALATER 6, 2; RÖMER 8, 2-4

Da es den Galatern darum ging, das Gesetz zu erfüllen, zeigt Paulus ihnen, dass es tatsächlich im Rahmen des Evangeliums ein Gesetz gibt, das zu befolgen Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat: Johannes 13, 34. 35 (vgl. Röm. 13, 8-10). »Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.« Dieses Gesetz begnügt sich nicht damit, Vorschriften und Riten zu befolgen. Es fordert jeden Einzelnen in der Gemeinschaft heraus, sich den Bruder zum persönlichen Anliegen zu machen - im Gespräch, in der Fürbitte, in der praktischen Hilfe. (Vgl. Eph. 1, 15-19; Phil. 1, 3-5. 9-11; Hebr. 10, 24; 12, 15; 13, 3; Jak. 1, 22. 25. 27.) Jeder trägt sein Paket an Lasten: Wie können Sorgen und Ängste alle Lebensfreude nehmen! Es gibt Arbeit, die uns »über den Kopf wächst«. Wie schwer ist die Last der Schuld, die wir nicht bereit waren, an Jesus Christus abzugeben! Zu welcher Last kann die eigene Krankheit oder die Pflege eines kranken Angehörigen werden! Viele tragen tapfer die Last, die ihnen auferlegt ist und wachsen daran. Von diesen sagt man, dass sie belastungsfähig sind, von anderen, dass sie weniger belastbar sind. Wie gut, wenn es neben ihnen Menschen gibt, die bereit sind, ihre Schulter unter die Last zu schieben und mitzutragen! - »Ein jeder trage die Last des andern, so wie es Jesus für jeden tat . . . Er nahm uns von den Lasten das schwerste Stück. Er trug unsere Schuld, und dabei machte er unsre Hände und unseren Blick für die Lasten des anderen frei.« Im Lasten-Tragen ist keiner »zu schwach und zu ungeschickt, denn wer immer es will, der stellt fest: Auch der Schwächste kann tragen, was andre bedrückt, wenn er selbst sich von Gott tragen lässt« (M. Siebald).

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MITTWOCH, 10.MAI

GALATER 6, 3-5

Wer sich um die Lasten anderer kümmert, vollbringt nicht nur einen Liebesdienst, sondern bewahrt auch sich selbst vor Überheblichkeit. Da die Galater mit der Erfüllung von Gesetzen ihren Glauben »aufpolieren« wollten, standen sie in Gefahr, darüber stolz zu werden, dass sie so vorbildliche Christen seien. An dieser Gefahrenstelle hakt Paulus ein: »Wer sich einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein eigenes Leben genau überprüfen. Dann wird er nämlich erkennen, wie unberechtigt es ist, sich über andere zu erheben. Jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich. Das ist schon schwer genug.« Dass wir den Nächsten nicht betrügen sollen, leuchtet uns ein. Wie ist es aber mit der Selbsttäuschung (V. 3)? »Wir suchen uns unaufhörlich zu beweisen, dass wir jemand sind, und drehen uns ins beste Licht« (A. Pohl). Was aber sehen die Augen Gottes an uns? Die Gemeinde in Laodizea war sich ihrer Vorzüge sehr sicher. Der Herr aber hatte eine ganz andere Ansicht: »Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß« (Offb. 3, 17). Wie kann es zu solch einer gegensätzlichen Beurteilung kommen? Ist es nicht der Selbstgefälligkeit der Gemeinde von Laodizea zuzuschreiben, die auf dem Rücken der schwächeren Glieder gewachsen ist? Wer sich selbst ins rechte Licht setzen will, muss den anderen in den Schatten stellen. Wie verträgt sich diese Haltung mit der Liebe, die nicht das Ihre suchen will? Denken wir daran, dass wir einmal alle »vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses« (2.Kor. 5, 10). (Vgl. Ps. 41, 2; Spr. 14, 21; 22, 9; Röm. 14, 10-13.)

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DONNERSTAG, 11.MAI

GALATER 6, 6

»Wer in Gottes Wort unterwiesen wird, soll auch zum Lebensunterhalt des Lehrers beitragen, so gut er kann.« Passt dieser Satz hierher? Ja, er passt. Denn das Verhalten den Lehrern gegenüber gehört auch zum Thema »Leben im Geist«. Die Galater befanden sich buchstäblich in einer Lebenskrise, die das Miteinander in der Gemeinschaft gefährdete. Das Verhältnis des Lehrers zum Schüler wird vom Geben und Nehmen bestimmt. Jeder gibt, was er hat, und empfängt, was er braucht. Der Lehrer gibt Geistiges, der Schüler Materielles. So wächst geistliche Gemeinschaft (vgl. Röm. 15, 27; Phil. 4, 15). Überall in den Gemeinden waren ortsansässige Glaubenslehrer tätig. Die Galater vernachlässigten offenbar ihre Lehrer. Waren sie ihrer überdrüssig geworden oder mit den Lehrmethoden und Lehrinhalten nicht einig? Es ist anzunehmen, dass in den galatischen Gemeinden Paulus selbst die Lehrer eingesetzt hat. Möglicherweise widersetzten sich diese den fremden Gesetzeslehrern, und es kam zu Spannungen. Es könnten sich »Grüppchen« gebildet haben, die, zusammen mit den Schülern, miteinander im Streit lagen. Nun gehörte aber der »Unterricht zu den Lebensvollzügen urchristlicher Gemeinden. Alle Getauften bildeten eine Lerngemeinschaft« (A. Pohl). (Lies Apg. 13, 1; Eph. 4, 11-15.) Wie konnte diese aber stattfinden, wenn es »angenommene« und »abgelehnte« Lehrer gab und letztere boykottiert und finanziell nicht versorgt wurden? Der Herr selbst hat »denen, die das Evangelium verkünden, verordnet, vom Evangelium zu leben« (1. Kor. 9, 14; vgl. Luk. 10, 7). Bei den Galatern war »der Einklang getrübt und die Liebe verletzt. Das urchristliche Einander (6, 2) litt Not. Sollte das Geistliche in Galatien wieder gedeihen, musste das Finanzielle in Ordnung gebracht werden« (A. Pohl).

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FREITAG, 12.MAI

GALATER 6, 7. 8

»Glaubt nur nicht, ihr könntet Gott irgendetwas vormachen!« Warum diese harsche Mahnung? Kennen die Galater Gott nicht? Wissen sie nichts von seiner Macht? Wie können sie sich in ihm irren und dazu verleitet werden, Gott nicht ernst zu nehmen? »Ihrer Meinung nach waren sie gerade dabei, ihre Frömmigkeit entscheidend zu steigern« (A. Pohl). Aber ihr Umgang miteinander profitierte davon nicht. Sie waren eher mit sich selbst beschäftigt. Paulus warnt: »Ihr werdet genau das ernten, was ihr gesät habt.« Das kann jeder Hobbygärtner bestätigen. Bei den Galatern ging es allerdings um Höheres: entsprechend der Art des Säens »Verderben« oder »ewiges Leben« ernten. Dabei erwähnt Paulus zweierlei Nährböden für die Saat: das »Fleisch« und den »Geist«. Das »Fleisch« (der natürliche, von Gott gelöste Mensch) bringt aus seinem Nährboden nicht etwa nur kümmerliche Pflänzchen hervor, die bald wieder eingehen. Aus diesem Samen kann sich der üppigste »Paradiesgarten« entwickeln, denn der Menschen Fähigkeiten sind vielfältig, lösen Bewunderung aus und blenden die Augen. Deshalb ist diese Art des Säens so gefährlich verlockend für Menschen, die mit ihrem Glauben mehr erreichen wollen. Was aber beim Menschen aus dem »Geist« gewachsen ist, aus der Kraft Gottes, die Leben wirkt, mag nicht immer so augenfällig wie jener Paradiesgarten sein, eher bescheiden. Aber wir werden bei der Frucht dieses Gartens vergebens ein Verfallsdatum suchen. (Lies Joh. 15, 5. 8. 16; 1.Kor. 3, 9-13.) Sie ist ewig frisch und hält ewig gesund. Es liegt bei den Galatern zu entscheiden, welche Art des Säens und Erntens sie vorziehen. Gott wird den nicht segnen können, der auf sich selbst vertraut und seinen eigenen Willen durchsetzen will. Er mag Erfolg haben, aber ohne die Zustimmung Gottes. Das bedeutet, dass sein Erfolg verdirbt (V. 8a). (Lies Kol. 3, 2-10.)

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SAMSTAG, 13.MAI

GALATER 6, 9. 10

Paulus wendet sich wieder dem »Leben nach dem Geist« zu, das bei den Galatern erneut Gestalt gewinnen sollte. Es ist so einfach, oder nicht? »Lasst uns aber im Gutes-Tun nicht müde werden!« Dieses Nicht-müde-Werden spricht die Ausdauer an. Im Gutes-Tun ist immer der Nächste angesprochen. Er profitiert davon, was wir ihm an Gutem gewähren. Wir geben ihm, was ihm hilft. Unser Gutes-Tun soll den Bedürftigen trösten, ermutigen, aufrichten. Es geht ferner darum, ihm zuzuhören, ihn mit Nahrung und Kleidung zu versorgen, ihn zu pflegen, ihm eine Heimat zu geben. (Lies Matth. 10, 7. 8; Luk. 9, 2; Jak. 1, 27; 2, 15. 16; Apg. 3, 5. 6; 9, 36. 39.) Das kostet Zeit, Kraft und Geld. Und wenn die Liebe nachlässt, die uns zu diesen guten Werken motiviert hat, sind wir schnell erschöpft. Paulus war ein Mensch wie wir. Er wusste um die Gefahr der Ermüdung. Aber gerade an diesem Punkt beginnt die Bewährung der Ausdauer, die aus dem Glauben kommt. Dann brauchen wir Hilfe beim Helfen. Nur die Bedürftigen sind in der rechten Verfassung, den Bedürftigen Gutes zu tun, da sie wissen, was es heißt, auf Hilfe angewiesen zu sein. Das betrifft nicht nur die materielle, sondern auch die geistliche Unterstützung. - Die Mahnung »Lasst nicht nach in eurem Bemühen!«, geht uns alle an. Was die Galater betrifft: Schon einmal musste Paulus sie mahnen: »Gut ist aber, allezeit im Guten zu eifern, und nicht nur, wenn ich bei euch anwesend bin« (4, 18). Und Jesus sagt: »Habt Acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.« (Lies Matth. 6, 1-4.)

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SONNTAG, 14.MAI

GALATER 6, 9. 10; 2.CHRONIK 15, 7

»Seid fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht vergeblich ist« (1.Kor. 15, 58). - »Ich aber sagte: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verbraucht. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott« (Jes. 49, 4). Diese Zitate wollen uns ermutigen, in unserem Tun für andere nicht mutlos zu werden, wenn wir keinen »Erfolg« sehen oder gar Undank ernten. Wenn der Dienst im Hintergrund kaum oder gar keine Anerkennung findet, nicht einmal registriert wird, soll uns das nicht verdrießen. Einer weiß um alle Mühe. Keine Arbeit, im Namen des Herrn getan, ist vergeblich gewesen. »Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.« »Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses« (2.Kor. 5, 10). Wer in der Kraft, die Gott ihm darreicht, gearbeitet hat, wird das Böse nicht fürchten, sondern mit Freuden seine »Ernte einfahren« und an der Herrlichkeit Gottes teilhaben (vgl. 1. Petr. 4, 11). Wir sahen, dass die Frucht des Geistes sich im Gutes-Tun beweist. Die Wohltaten sollen aber nicht nur die Mission an Außenstehenden unterstützen, sondern auch die »Hausgenossen des Glaubens« erreichen. Diese haben sogar den Vorrang. Sich gegenseitig Gutes zu tun fördert die Gemeinschaft und festigt sie. Es kommt vor, dass eine Gemeinde so nach außen orientiert ist, dass der Blick füreinander geradezu »unterbelichtet« ist und mancher inmitten vieler vereinsamt. »Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt« (Joh. 13, 35).

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MONTAG, 15.MAI

GALATER 6, 11. 12

Paulus kommt mit seinem Brief zum Schluss. »Wie ihr an den großen Buchstaben erkennen könnt, schreibe ich diesen Brief eigenhändig zu Ende.« »Im Altertum schrieb man seine Briefe nur selten eigenhändig, sondern diktierte sie (vgl. Röm. 16, 22). Aber zum Schluss nahm man seinem Schreiber gern die Feder aus der Hand, um den Brief mit eigener Hand zu beglaubigen« (A. Pohl). Damit bekundete Paulus, dass der Brief an die Galater wirklich von ihm stammte. Im letzten Abschnitt nennt er noch einmal in gedrängter Form Punkte, um die es im Brief ging: Gesetz, Beschneidung, Fleisch und Kreuz. Er nimmt nochmals die fremden Lehrer aus dem »jüdischen Lager« ins Visier, die wohl an Christus glaubten, aber vom Gesetz nicht lassen wollten. Sie standen möglicherweise unter dem Druck pharisäischer Juden, für die die Beschneidung ein absolutes Muss darstellte, um zum Volk Gottes dazugerechnet zu werden. In ihren Reihen fanden sich die härtesten Gegner des Paulus, die ihn bis aufs Blut verfolgten. (Vgl. Apg. 13, 50; 14, 2. 5. 6. 19.) Auf dem Umweg über die judenchristlichen Lehrer versuchten die Feinde des Apostels, sich dessen Lehre entgegenzustellen, indem sie die galatischen Christen von ihrer Sicht der Dinge zu beeinflussen suchten. Dies aber - so Paulus - bedeute nichts weniger als das »Kreuz Christi« zu verleugnen. Die Beschneidung verpflichtet, das ganze Gesetz zu halten. An den Kreuzestod, den Jesus für alle erlitten hat, gilt es zu glauben. (Lies Röm. 1, 16; 3, 24. 28.) Dieser Glaube bringt viele auf den Leidensweg (vgl. Apg. 20, 18-24; 2.Tim. 1, 8). Die fremden Lehrer nötigten die Galater zur Beschneidung, damit die pharisäischen Juden sie nicht »um des Kreuzes Christi willen« verfolgten, sondern weiterhin als Juden anerkann- ten. Damit verleugneten jene das Kreuz, an dem Jesus ihnen das ewige Heil erworben hatte (Phil. 3, 18).

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DIENSTAG, 16.MAI

GALATER 6, 13-18

Die fremden Lehrer in den Gemeinden Galatiens wollten nicht nur dem Leiden ausweichen, sondern auch damit prahlen, dass sie mit ihrer Mission Erfolg hatten (vgl. Matth. 23, 15). Paulus dagegen stellt das Kreuz des Christus in den Mittelpunkt. Hier fällt die Entscheidung darüber, wer ewig lebt, und das Gericht Gottes nicht mehr fürchten muss. Für viele ist das Kreuz bis heute ein Anstoß, »uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft«. (Lies 1. Kor. 1, 18ff.) Das Kreuz verurteilt das »Fleisch«, d.h. jeden eigensinnigen religiösen Eifer, der alternative Wege zum Heil sucht. Die fremden Lehrer suchten nach Ruhm - Paulus hatte ihn bereits: »Ich aber kenne nur eins, das ich rühmen kann: Das Kreuz unseres Herr Jesus Christus« (V. 14). Der Apostel verschmäht jeden Ruhm außer dem einen, den er aus dem Kreuz des Herrn zieht, »aus demselben Kreuz, das jenen ein widerwärtiges Rätsel ist. Dort ist er angewachsen mit seiner ganzen Seele. Dort ist seine Übertretung untergegangen, dort die Gnade und Freiheit erschienen. Dort ist Gott für ihn. Wie sollte er nicht Christus danken für sein Kreuz? Wie etwas anderes loben als seinen Tod? Nicht das Fleisch, nicht die Menschen, nein, umgekehrt, was alle Menschen erniedrigt und in die Buße bringt, aber Gottes Liebe und Gerechtigkeit erstrahlen lässt, das ist sein Ruhm« (A. Schlatter). Wie sollte er den je preisgeben? Gilt jetzt doch nur dies: »Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat« (Gal. 2, 20). Durch diesen Glauben wird ein Menschenleben grundlegend verändert (vgl. 2. Kor. 5, 17; Apg. 16, 25-34). Das zu geben schafft kein Gesetz.

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MITTWOCH, 17.MAI

GALATER 6, 16-18

Paulus befand sich in einer harten Auseinandersetzung mit den Galatern. Sein Wunsch war es aber, dass wieder Friede einkehrte und sie sich der Barmherzigkeit Gottes freuen konnten. Für Paulus war der mögliche Verlust der Galater ein harter Schlag. Es war ungeheuer schwer, in Abwesenheit diesen Kampf um die Wahrheit des Evangeliums zu führen. »Er leidet mit wie ein Vater an seinen Kindern leidet und ihre Bosheit wie Schläge auf sich emp- findet« (H. Krimmer). »Macht mir nicht noch mehr Mühe. Im Dienst für Jesus habe ich genug gelitten, wie die Narben an meinem Körper zeigen.« Paulus erweist sich als ein Christ, der keinen Einsatz scheute und sich nicht durch Peitschenhiebe davon abhalten ließ, das Evangelium zu verbreiten. Das Gefängnis hat er öfters von innen gesehen. Er musste viele Schläge einstecken. Wie oft war er in Todesgefahr. Fünfmal wurde er von den Juden mit je neununddreißig Hieben ausgepeitscht. Einmal wurde er sogar gesteinigt. Dreimal erlitt er Schiffbruch. Dabei musste er einmal vierundzwanzig Stunden, im Meer treibend, auf Rettung warten. Auf seinen vielen Reisen durch unweg- sames Gebiet wurde er von Räubern überfallen. Hunger und Durst, Hitze und Kälte waren seine »Begleiter«. Er kam oft nicht zum Schlafen und sorgte sich bei alldem um die Gemeinden. Er hatte viele Feinde, sogar in den eigenen Reihen. (Lies 2.Kor. 4, 7ff; 6, 4-6; 11, 23ff.) Nicht in jedem Fall wird der Glaube an Jesus auf derart harte Proben gestellt. Und doch sind die Leiden um des Evangeliums willen Echtheitszeichen des Glaubens. (Lies 1. Petr. 1, 5-9.) Paulus wollte die Galater zur »Gnade unseres Herrn Jesus Christus« zurückrufen. Ob sie auf ihn gehört haben?

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GOTT FÜHRT MICH AUF RECHTER STRASSE

DONNERSTAG, 18.MAI

PSALM 23, 1-6

Immer wieder machen Christen, die mit dem Wort Gottes leben, besondere Erfahrungen mit einzelnen Worten der Bibel, die überraschend aufleuchten und sie ansprechen wie nie zuvor. Es kann sein, dass es sehr bekannte und vertraute Inhalte sind, die mit einem Mal neu aufleuchten, wie etwa das Bekenntnis Davids in Psalm 23: »Er führet mich auf rechter Straße.« Der ganze Psalm enthält vom ersten Satz an Aussagen froher Gewissheit. »Der Herr ist mein Hirte.« »Der Hirte nimmt eine Stellung seiner Herde gegenüber ein, die einzig in ihrer Art dasteht: Es bildet sich zwischen ihm und den seiner Obhut anvertrauten Geschöpfen eine Beziehung, von der wir uns gar keine Vorstellung machen können. Den ganzen Tag über wacht er gewissenhaft über sie, dass kein Unglück über sie hereinbricht. Er führt sie auf saftiges Weideland und zum frischen Wasser. Am Abend bringt er sie wieder in das sichere Stallgebäude. Ist Gefahr im Anzug, dann muss er bereit sein, selbst sein Leben einzusetzen für seine Schafe. Alles das gilt auch von unserem Herrn Jesus Christus, jenem großen Hirten der Schafe. Er hat ein Hirten-Herz, das in selbstloser und großmütiger Liebe schlägt, er hat ein Hirten-Auge, das die ganze Herde übersieht und keines der Schafe verloren gehen lässt, er hat eine Hirten-Treue, die niemals vergisst oder ohne Trost sein lässt. Er hat eine Hirten-Kraft, in welcher er imstande ist, uns dem Rachen des Löwen zu entreißen. Also sind des Herrn Schafe wohl versorgt« (F. B. Meyer). Auch an diesem Tag will ich mit der Fürsorge meines guten Hirten rechnen: »Mir wird nichts mangeln!« (Lies Joh. 10, 11-16. 27-30; Jes. 40, 11; 1. Petr. 2, 25.)

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FREITAG, 19.MAI

HESEKIEL 34, 11-16. 23-25

»Gott lässt sich Hirte nennen, ja, er nennt sich selber so. Welch eine Herablassung ist es, dass Jahwe, der Höchste und Allmächtige, seinem Volk gegenüber den Namen und das Amt des Hirten annimmt. Es sollte uns mit dankbarer Verwunderung erfüllen, dass der große Gott sich jeden Vergleich gefallen lässt, der geeignet ist, seine große Liebe ins Licht zu stellen. Das Schaf braucht seinen Hirten lebensnotwendig; denn es gehört nicht zu den wilden Tieren. Es ist gut, wenn wir wie David wissen, dass wir diesem Herrn gehören. David bekennt kurz und klar: Der Herr ist mein Hirte« (C. H. Spur- geon). Nach diesem Bekenntnis zählt David im Einzelnen auf, wie Schafe die Fürsorge ihres Hirten erleben, und wie er persönlich die Treue Gottes erlebt hat. Schafe sind auf Führung angewiesen, der Mensch ist es auch. In den folgenden Abschnitten soll es um das Wort gehen: »Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.« 1. David weiß: Gott führt mich David kannte sich in der Geschichte seines Volkes gut aus. Gott hatte Israel aus der Knechtschaft in Ägypten geführt. Er hatte es durchs Rote Meer und die weglose Wüste geführt. Daran erinnerte der Herr die Seinen immer wieder. Die Israeliten sollten es nicht vergessen: »Der Herr hat dich mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.« »Gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste« (2.Mose 13, 9; 5.Mose 8, 2). »Der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und des Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten« (2.Mose 13, 21). Heute führt Gott uns vor allem durch sein Wort und seinen Geist. (Lies Ps. 119, 59-68; Joh. 16, 13; 2. Petr. 1, 19-21.)

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SAMSTAG, 20.MAI

5.MOSE 8, 1. 2. 7-9; JOSUA 1, 1-3

Schritt für Schritt und Tag für Tag hatte der Herr die Israeliten durch die Wüste geführt. Nun standen sie vor den Toren des verheißenen Landes, in das Josua sie führen sollte. Gott hatte Josua mehrfach zugesagt, dass er auf allen Wegen mit ihm sein und ihn niemals verlassen werde. (Lies Jos. 1, 6-9.) Josua wusste nicht, welche Wege er und das Volk unter die Füße nehmen sollten. Er war ganz und gar auf die Führung Gottes angewiesen. Viele Jahre nach der Einnahme des Landes versammelte Josua die Stämme Israels in Sichem. Dort erinnerte er sie an das Wort Gottes: »Ich führte euch und eure Väter aus Ägypten . . . und ich habe euch gebracht in das Land der Amoriter, und ihr konntet das Land einnehmen« (Jos. 24, 6-8). David hatte aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk eine wichtige persönliche Konsequenz gezogen. David wusste: Wenn Gott ein Volk zu führen vermag, dann hat er auch den Einzelnen im Blick. Er kennt auch mich. Er hat mich lieb und leitet mich gut und sicher. Ich lebe unter seinem Schutz. - Wie oft brauchte David Führung, als er von Saul bedrängt und verfolgt wurde! Er konnte nur als ein von Gott Geführter der Versuchung widerstehen, in einer scheinbar günstigen Stunde das Königtum an sich zu reißen (1. Sam. 24, 1-13). David konnte auf Gottes Stunde warten, weil er sich von Gott persönlich geführt wusste. Das schließt die Bitte um Führung nicht aus. Immer wieder betete David: »Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich« (Ps. 25, 4. 5; lies 25, 9. 10. 15. 17; 27, 11; 139, 5-10; Joh. 8, 12).

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SONNTAG, 21.MAI

JOHANNES 10, 4. 5; 21, 18. 19

Über die Bereitschaft, sich auch dann führen zu lassen, wenn der Wille Gottes sich mit unserem Willen kreuzt, hat Jesus ein eindrückliches Gespräch mit seinem Jünger Simon Petrus geführt: »Du wirst deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich führen, wohin du nicht willst.« »Es ist eine Verheißung, die Petrus hier gegeben wird. Für unser natürliches Empfinden ist das alles andere als verheißungsvoll, es erscheint uns drohend und schrecklich. Gerade der eigenwillige, rasch zufahrende Petrus, der sich so energisch selber gürtete und ging, wohin er selbst wollte, muss es und darf es als Wesen der Nachfolge lernen, um Führung und Hilfe bittend seine Hände auszustrecken und sich zu unerwarteten Zielen bringen zu lassen. Er wird die Führung seines Lebens und Dienens völlig einem anderen überlassen, dem Petrus nur zu folgen hat. Das Leben, das Petrus jetzt zu führen hat, kann in einem einzigen Wort ausgesprochen werden: Folge mir! Ein Ruf in die Nachfolge war die Berufung der Jünger von Anfang an gewesen. Gefolgt und ganz wörtlich hinter Jesus hergegangen waren sie in den drei Jahren der Jüngerschaft. Jetzt wird das nach Tod und Auferstehung ihres Herrn nicht anders, sondern jetzt erfüllt sich die Nachfolge erst ganz. Leben und Dienst der Jünger geschieht nicht in eigenwilliger Selbstständigkeit. Leben und Dienst geschieht im Folgen« (W. de Boor). Der Herr führt die Seinen nicht immer über sonnige Höhenwege, sondern sehr oft durch dunkle Täler und gefahrvolle Schluchten. Das tut er nicht, um uns fertig zu machen, sondern um uns »im Land des Elends« wachsen und reifen zu lassen (vgl. 1.Mose 41, 52; 50, 20). Wenn uns heute das Weitergehen in der Spur unseres Herrn schwer fällt, dürfen wir beten: »Herr, du führst mich dennoch auf rechter Straße. Bewahre mich nah bei dir.« (Lies Ps.40,9; 143,10; Eph. 6, 6.)

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MONTAG, 22.MAI

PSALM 23, 1-4

David verschweigt nicht, dass Gottes Wege manchmal rätselhaft und schwer erscheinen. Warum kann er dennoch so zuversichtlich und sicher sagen, dass sein Hirte ihn auf rechter Straße führt? Antwort: Der Herr hat sich mit seinem eigenen Namen dafür verbürgt, dass seine Wege gut und sein Tun vollkommen ist. In allem, was Gott plant und ausführt, ist er vollkommen und gerecht. An niemand handelt er mit Trug und Tücke, er steht zu seinem Wort, denn er ist treu! (Vgl. 5. Mose 32, 4; 2. Sam. 22, 31; Ps. 119, 137; Neh. 9, 33.) 2. David weiß, wem er sein Vertrauen geschenkt hat Immer wieder denkt David über Gott und sein Wesen nach: »Der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb« (Ps. 11, 7). »Der Herr ist mein Licht und mein Heil; . . . und meines Lebens Kraft« (Ps.27, 1). »So will ich dir ein Freudenopfer bringen und deinen Namen, Herr, preisen, dass er so tröstlich ist« (Ps. 54, 8). »Deine Gnade, Herr, ist mein Trost« (Ps. 109, 21). »Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke . . . Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken« (Ps. 145, 8. 9. 17). Wenn wir den einen oder anderen Davidspsalm im Zusammenhang lesen, stellen wir fest, dass David seinen spannungsgeladenen Alltag in Verbindung mit Gott brachte. Er schaut seinen Herrn an, der größer ist als alle Sorgen und Nöte: »Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet; denn er, er wird meine Füße aus dem Netz lösen« (Ps. 25, 15). Es kann nicht darum gehen, dass wir unsere Probleme abschütteln, sondern dass wir den Herrn in allen unseren Problemen durch Vertrauen ehren. Dann wird er zu seiner Zeit für uns handeln.

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DIENSTAG, 23.MAI

PSALM 18, 1-3. 31-37

3. David weiß: An der Hand Gottes kann ich sicher laufen In Psalm 18, 4ff erfahren wir, dass David sich in unglaublich großer Not befand. Aber er weiß, wem er sich anvertraut hat: Du, Herr, bist »meine Stärke, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Zufluchtsort, mein Schutz, mein Heil«. Der Blick bleibt auf den Herrn gerichtet, und David erfährt, dass er an der Hand Gottes auch auf steilen und steinigen Wegen sicher laufen kann. Und so erlebte es ein Christ, der von schwerer Krankheit gezeichnet wurde: Ich weiß michin der Hand, an der Hand und unter der Hand des guten Hirten. In seiner Hand, das bedeutet für mich, dass ich als Kind Gottes und als »Schaf seiner Herde« nicht in der Hand dieser schrecklichen Krankheit bin, sondern mit der Krankheit in der Hand des guten Hirten. Nicht der Krankheit bin ich ausgeliefert, sondern mit der Krankheit habe ich mich ihm hingegeben und weiß mich in seiner Hirtenhand. Ich muss nicht ängstlich fragen, was die Krankheit mit mir machen wird, und was sie aus mir macht, ich kann fragen, was mein Herr durch diese schwere Zeit und durch das Lebenmüssen mit einer schlimmen Diagnose aus mir und an mir machen will. Mit der Krankheit und mit dem ungewissen Ausgang in seiner Hand zu sein, das ist Geborgenheit. Ihm habe ich mich einmal anvertraut, ich habe mich in seine Hand gegeben, und das gilt für immer. »Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben« (Ph. Spitta). Mit Psalm 31 will ich heute getröstet und getrost weitergehen.

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MITTWOCH, 24.MAI

PSALM 138, 7. 8; 28, 7

An der Hand des guten Hirten bin ich nie allein, auch nicht in dunklen Stunden. An der Hirtenhand wird die Angst nicht das letzte Wort haben. Manchmal erkennen wir erst im Nachhinein, wie sehr wir in schwerer Zeit von der Hand unseres Herrn gehalten und geführt wurden. In allen Ängsten und bei allem Unwohlsein hält diese Hand meine Hand. Im Wort Gottes finden wir das vielfach bestätigt. »Seine rechte Hand tut große Wunder.« »Er hat die Israeliten mit starker Hand aus Ägypten geführt.« Der Herr verspricht: »Fürchte dich nicht, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit« (2.Mose 15, 6; 13, 3; Jes. 41, 10). Ist es nicht zum Staunen, dass wir gerade in schweren Zeiten lernen, dem Herrn zu vertrauen? »Der Herr, der uns führt, sagt uns weder, wohin wir gehen, noch, was wir zu erwarten haben. Wir können uns mit der Erkenntnis zufrieden geben, dass er weiß, wohin es geht. Er wird uns jeden Schritt leiten, wohin der Weg unseres restlichen Lebens auch führen mag. Ehrlich gesagt, weiß ich häufig nicht, wohin er mich bringt. Sorgen und Ängste beschäftigen mich darum manchmal, aber er führt, einfach so, und während er führt, weiß er immer, was er tut. Wir wollen vielleicht manchmal weglaufen und uns verstecken, doch der Herr ruft uns zu erneutem Vertrauen und weiterer Nachfolge. Alles, was er sagt, entspricht dem Wort am Anfang des Weges mit ihm: Folge mir nach,ich kenne den Weg« (M. A. Tabb). »Und meines Glaubens Unterpfand ist, was er selbst verheißen: dass nichts mich seiner starken Hand soll je und je entreißen« (Ph. Spitta). (Lies Ps. 73, 23. 24; Luk. 22, 31. 32; Röm. 8, 35-39.)

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DONNERSTAG, 25. MAI, HIMMELFAHRT

LUKAS 24, 50-53; 1. TIMOTHEUS 3, 16

Jesus führte die Jünger von Jerusalem zum Ölberg bis in die Nähe von Betanien. »Der Weg dorthin ist geradezu symbolisch: Es geht jetzt um einen Schritt nach vorne, einen Schritt in ein Neuland. Vor der Gemeinde liegt die Weltmission« (G. Maier). Unter den segnenden Händen des Herrn können die Jünger diese große Aufgabe in Angriff nehmen: »Und er erhob seine Hände und segnete sie.« Mit erhobenen Händen segnete der Hohepriester die alttestamentliche Gemeinde (3.Mose 9, 22. 23; 4. Mose 6, 22ff). Jesus fährt demnach als der Hohepriester des Neuen Bundes in den Himmel auf. Der Segen des Herrn, aber auch seine Fürbitte und Seelsorge, soll die Jünger in ihrem zukünftigen Dienst begleiten. (Lies Hebr. 4, 14-16; 7, 23-28.) Die Jünger ihrerseits dürfen aufschauen zu ihrem erhöhten Herrn. Die geheimnisvolle Kraft Gottes, die ihn Mensch werden ließ, holte ihn zurück zum Thron des Vaters. Jetzt ist er beim Vater und regiert als der Auferstandene. (Vgl. Ps. 110, 1; Mark. 16, 19; Eph. 1, 18-23.) Von jetzt an kann man zu Jesus beten (V. 52) und erwarten, dass seine Macht größer ist als alle Mächte der Finsternis, der Sünde, des Teufels und der Hölle. Wie wichtig die Rückkehr des Sohnes zum Vater war, hat er selbst gesagt: »Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster (das ist der Heilige Geist) nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden« (Joh. 16, 7). Dann kann Jesus sein Werk vom Himmel her überall auf der Erde weiterführen - bis er es eines Tages vollenden wird. Bis dahin »lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, . . . und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebr. 12, 1. 2).

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FREITAG, 26.MAI

PSALM 89, 14; 91, 1-4; 17, 7. 8

Zu jeder Zeit und an jedem Ort dürfen wir uns unter der Hand des guten Hirten wissen und darauf vertrauen, dass wir unter seiner Obhut leben. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass sein Plan für unser Leben göttlich gut ist. (Lies Jes. 55, 8; Jer. 29, 11.) Bleibt uns auch vieles unverständlich, können wir dennoch Entlastung finden, wenn wir - vielleicht in einem längeren Lernprozess - vor ihm aussprechen: »Herr, ich verstehe dich nicht, aber ich bin einverstanden. Dir vertraue ich mich an. Ich will unter deiner Hand bleiben.« (Lies Ps. 77, 11-14.) Manchmal verschließt das Leid unseren Mund, und das Beten fällt schwer. Wir finden keine Worte. »Es wird in dieser leidvollen Lage zu meinem ständigen Gebet: Herr, lass diese schwierige Zeit an mir nicht geistlich spurlos vorübergehen, sondern forme mich so, dass ich durch mein Erleben anderen zum Segen werden kann. Als Christen leben und leiden wir ja nicht nur für uns selbst. Wie wir eine Durststrecke durchstehen, das kann zu einer stillen Anrede für die werden, mit denen wir zu tun bekommen. Auch die Art, wie wir mit unseren Beschwernissen umgehen, kann zu einem Glaubenszeugnis werden. Der glaubende Mensch sieht hinter allem Schweren, oft nach aufreibender Zeit der Anfechtung, Gott als den Geber. Der kennt den Sinn, den wir nicht sehen. Frieden gibt es in der schweren Zeit, wenn wir unseren Willen ganz seinem Willen unterordnen und uns bei Gott bergen, auch wenn wir ihn nicht verstehen« (Chr. Morgner). »Und was er mit mir machen will, ist alles mir gelegen; ich halte ihm im Glauben still und hoff auf seinen Segen« (Ph. Spitta). (Lies 2. Kor. 12, 7-10; 1. Sam. 3, 18.)

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SAMSTAG, 27.MAI

HEBRÄER 11, 1-3; 1.MOSE 41, 50-52

Auch Josef hätte wie David bezeugen können: Der Herr führt mich auf rechter Straße. Abschließend befassen wir uns noch einmal ein wenig ausführlicher mit seinem Leben: Als Kind verlor Josef früh die Mutter, als junger Mann wurde er vom Vater bevorzugt. Unzählige Verletzungen wurden Josef durch Menschen zugefügt, die ihm nahe standen, denn von seinen Brüdern wurde er gehasst und schließlich verkauft. Als Sklave in Ägypten war er zuerst geschätzt, dann wurde er verleumdet und ins Gefängnis geworfen. Wie konnte er solche Verletzungen ertragen? Aber »der Herr war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte« (1.Mose 39, 2. 3). In den Namen seiner beiden Söhne spiegelt sich die Zuverlässigkeit Gottes wider, der Josef nicht allein ließ. Seine Söhne waren sozusagen lebendige Denksteine, die die Erinnerung an Gottes Treue wach hielten. Den ersten Sohn nannte Josef Manasse. Das bedeutet: Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück. Josef hätte viel Grund gehabt, die Bitterkeit in seinem Herzen zu pflegen und Rachegefühle zu nähren; aber er tat es nicht. Josef sagt mit dem Namen Manasse: Ich muss nicht mehr der trüben Vergangenheit nachhängen. Ich will ganz im Heute leben; denn meine Verletzungen heilt der allerbeste Arzt. Das will der Herr allen schenken, die sich ihm anvertrauen, dass sie mit dem Aufblick zu ihm das Alte vergeben und loslassen können. Bei ihm kommen verwundete Herzen zur Ruhe und zum Frieden. »Nur auf Gott vertraue ich und bin ruhig; von ihm allein erwarte ich Hilfe . . . Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre« (Ps. 62, 2. 7. 8). (Lies Ps. 37, 4-8; 66, 8-12.)

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SONNTAG, 28.MAI

PSALM 92, 13-16; 1.MOSE 50, 20. 21

An den Namen, die Josef seinen beiden Söhnen gab, können wir ablesen, wie er die bitteren Erfahrungen verarbeitet hat. Den zweiten Sohn nannte er Ephraim: »denn Gott hat mich wachsen lassen im Lande meines Elends« (1.Mose 41, 52). Das Elend bezieht sich auf Josefs inneres Erleben. Wachstum im Land des Elends wird möglich, wo Menschen mit Gott leben und sie am inneren Menschen erstarken durch die Lebensgemeinschaft mit ihrem Herrn. So entsteht Frucht für Gott. Wir können unser geistliches Wachstum fördern, aber auch aufhalten. »Wer Lust hat am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht, der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und was er macht, gerät wohl.« »Gesegnet ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte« (Ps. 1, 2. 3; Jer. 17, 7. 8). Josef war eingepflanzt in die Lebensgemeinschaft mit dem Herrn, und wie ein Baum immer tiefer wurzelt, um aus dem Boden Nahrung zu holen, so streckte sich Josef immer mehr nach dem lebendigen Gott, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, aus. (Lies 1. Mose 49, 22-24; Röm. 5, 3-5; Eph. 3, 14-17; 4, 15.) »Wir können Gottes Hand nicht immer erkennen, aber wir können stets seinem Herzen vertrauen, denn wir können sicher sein, dass alles, was uns im Leben begegnet, zuerst durch den Filter seiner Weisheit und Liebe gelaufen ist« (C. H. Spurgeon). GOTTES KRAFT IM LEIDEN ERLEBEN - MARKUS 9,2-50

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MONTAG, 29.MAI

MARKUS 8, 31-34; 9, 2

Sechs Tage, nachdem Jesus erstmalig von seinem Kreuz und dem Kreuz seiner Nachfolger gesprochen hatte, nahm der Herr »Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg, wo sie für sich allein waren«. Wir werden unwillkürlich an die Bergbesteigung des Mose mit seinem Diener Josua in 2. Mose 24, 13-18 erinnert. Drei wichtige Gemeinsamkeiten beider Ereignisse lassen sich festhalten: Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes - die Wolke - die Stimme Gottes. Während es auf dem »Berg Gottes« um die geistliche Mitte des Alten Bundes (Stiftshütte und Gesetz) ging, geht es auf dem Berg der Verklärung um das Herzstück des Neuen Bundes: Kreuz und Auferstehung des Herrn, Lukas 9, 31. Dass der Weg ans Kreuz für Jesus ein sehr angefochtener war, heben besonders die jüngsten Ereignisse hervor. Der Versuch des Petrus, Jesus vor dem Leiden zu bewahren, kam für den Herrn einem Angriff aus der Hölle gleich. »Nun war es für den angefochtenen Jesus wichtig, völlige innere Klarheit über den Passionsweg zu bekommen« (G. Maier). In dieser schwierigen Situation sucht Jesus das Gespräch mit dem Vater (siehe Luk. 9, 28. 29). Neben dem Wort Gottes war das Gebet die entscheidende Orientierungs- und Kraftquelle in seinem Leben. (Lies Mark. 1, 35; 6,46; Luk.5,15. 16; 6,12. 13; 9,18; 11, 1.) Immer ging es Jesus darum, ganz nah beim Vater zu sein: »Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, liebe ich; und dein Gesetz ist tief in meinem Innern« (Ps. 40, 9). »Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe« (Joh. 4, 34). Jesus lebte ganz auf der Erde und mit seinem Herzen ganz im Himmel. In dieser besonderen Stunde auf dem Berg der Verklärung senkt sich nun für einen Augenblick der Himmel auf die Erde.

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DIENSTAG, 30.MAI

MARKUS 9, 2-6; LUKAS 9, 28-32

Vor den Augen der Jünger bricht sich die glanzvolle Lichtherrlichkeit Gottes Bahn. Das Stoffliche, der irdische Körper des Herrn, verändert seine Art. Und wie die irdischen Grenzen des Raumes, eingetaucht in den Lichtkranz der himmlischen Welt, »dahinschmelzen« so auch die Wände der Zeiträume. »Sie treten lautlos auseinander und zerfallen in Licht. Hindurch treten die Großen der Vergangenheit und stehen in der Gegenwart. Die Zeit ist aufgehoben. Die einst Vorläufer zu sein schienen, erweisen sich als Gleichzeitige. Sie stehen neben Jesus - Mose und Elia. Die Kraft des Lichtes bricht triumphierend durch alle Scheidewände hindurch. Sie verwandelt die Zeitalter in die eine große Zeit. Denn das Ewige ist jetzt gegenwärtig« (P. Schütz). Das Wunder der Verklärung und das Wunder der Begegnung mit Mose, dem Vertreter des Gesetzes, und mit Elia, dem Vertreter der Propheten, will uns zweierlei sagen. Zum einen: In Jesus Christus ist das ganze Gesetz und die Prophetie des Alten Bundes erfüllt. (Vgl. Matth. 5, 17; Röm. 10, 4.) Zum anderen: Auch die Erlösung der alttestamentlich Gerechten hängt am Sühnetod des Sohnes Gottes. Welche Geschichten oder Aussagen im Alten Testament kennen Sie, die ganz zentral von der Erlösung durch Jesus sprechen? (Z.B. die Opferung Isaaks, das Passafest, der leidende Gottesknecht in Jesaja 53.) Petrus will die unfassbare Herrlichkeit festhalten und die Ewigkeit auf der Erde verankern. Ein Paradies auf Erden? Schön wäre es! Doch Jesus führt seine Jünger wieder den Berg hinunter, zurück in den Alltag. Für ihn ist es der Weg ins Leiden. Am Kreuz von Golgatha wird er einer verlorenen Welt den Weg in Gottes ewige Herrlichkeit freikämpfen. Das Paradies auf Erden beginnt in unseren Herzen, wenn wir uns dem Erlösungswerk des Christus anvertrauen. (Vgl. Luk. 19, 1-10; 1. Tim. 1, 15; Ps. 43, 3; 27, 1.)

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MITTWOCH, 31.MAI

MARKUS 9, 7. 8; 5.MOSE 18, 15

Die erste Stärkung für Jesus auf seinem Weg ans Kreuz war das Wunder der Verklärung. Die zweite Stärkung das Wunder der Begegnung mit Mose und Elia. Als dritte Stärkung dürfen wir die »lichte Wolke« sehen (Matth. 17, 5), die als Zeichen der Gegenwart Gottes galt und aus der die Stimme Gottes zu hören war. (Vgl. 2. Mose 24, 15. 16; 40, 35.) Wie bei der Taufe wiederholt die Stimme, dass Jesus der geliebte Sohn Gottes ist. Dabei ist die Erinnerung an 1. Mose 22, 2 und die Bestimmung des einzigen und geliebten Sohnes zum Brandopfer unverkennbar. Die Stimme des Vaters im Himmel bestätigte also, dass sein Sohn Jesus Christus als Opfer für die Sünden der Welt sterben sollte. Der Messias muss durch Leiden zur Herrlichkeit gehen (vgl. Luk. 24, 26). Gerade deshalb gilt: »Auf ihn sollt ihr hören!« Das heißt nichts anderes als: »Ihm sollt ihr gehorchen.« »Wer Gott kennen und ehren will, muss auf Jesus hören, den geliebten Sohn« (Chr.Morgner). Später, in seiner Pfingstpredigt, ergänzt der Apostel Petrus: »Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird!« (Apg. 2, 22). Und viele Jahre danach erinnert sich Petrus, der mit dem Märtyrertod zu rechnen hatte, an die Stimme Gottes auf dem Berg der Verklärung: 2. Petrus 1, 16-21. Wie in einem wertvollen Vermächtnis hebt der Apostel noch einmal eindringlich hervor, dass bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus die wegweisende Lichtquelle das zuverlässige Wort Gottes ist. »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht für meinen Weg« (Ps. 119, 105; vgl. Ps. 19, 9; Spr. 6, 23). Der Vorrangstellung des Wortes Gottes im Leben der Jesus-Nachfolger entspricht die Vorrangstellung des Sohnes Gottes: »Als sie um sich blickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein.« Jesus allein - er genügt vollkommen. (Lies Joh. 6, 68. 69; 10, 11b.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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