Samstag, 1. Mai

Jakobus 5, 1-6; Lukas 10, 7.

Jakobus plädiert nicht einfach für mehr soziale Gerechtigkeit. Entscheidend ist, dass jeder Christ vom ewigen Ziel her lebt. Zum Jammern, wenn alle schillernden Schatzsammlungen beim letzten Gerichtstermin vor dem gerechten Richter in Nichts zerplatzen! Darum will ich mich, auch wenn ich vielleicht nicht zu den Superreichen zähle, fragen: Gehe ich zur Ehre Gottes und zum Wohl des Notleidenden verantwortlich um mit meiner Begabung und Stellung und mit meinem Besitz? »Bewegt sich das, was wir für den Bau des Reiches Gottes und für die Not unserer Mitmenschen geben, in ähnlichen Größenordnungen wie das, was wir bei der Bausparkasse bezahlen« (F.Grünzweig)? »Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb« (2. Kor. 9, 6. 7).

Nachdem Jakobus die Verletzung der Liebe durch egoistisches Schätzehorten angesprochen hat (V. 1-3), wendet er sich in den Versen 4-6 der Verletzung des Rechts zu und zeigt uns einen dreifachen Defekt. Die erste Schadstelle betrifft die Missachtung des Lohntarifs. Der Tagelöhner in Israel lebte damals stets am Rand des Existenzminimums. Jeder Bürger im Volk Gottes musste bei Fälschung oder Missachtung der Barmherzigkeitsgebote (3.Mose 19, 13; 5.Mose 24, 14. 15) mit dem Strafgericht Gottes rechnen (Jer. 22, 13; Mal. 3, 5). Der betrogene Arbeiter soll sich an die höchste Instanz, an den »Herrn Zebaoth«, wenden und ihn um Hilfe anrufen. Dieser doppelte Schrei, der Schrei des »vorenthaltenen Lohnes« und der Schrei des geschädigten Arbeiters kommt bei Gott an. Sollte der »Herr der Heerscharen« sich nicht auch um die Heere von Ungerechtigkeiten kümmern? Dazu die starke Ermutigung in 2.Mose 2, 23-25; 3, 7-9.16.17.

Anfang

Sonntag, 2. Mai

Jakobus 5, 4-6.

Die Hilfe unseres mächtigen Gottes, der das Schreien seiner bedrängten Leute ernst nimmt, darf nicht zum Ruhekissen für Christenmenschen werden. Es geht darum, unserem Nächsten nichts schuldig zu bleiben, »ob wir nun Arbeitgeber oder Arbeitnehmer sind. Auch ganze Berufsstände sollen erhalten, was ihnen zusteht, denn ›jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert‹. Zum ›Lohn‹ gehört auch die menschenwürdige Wohnung und dass einer die nötige Anerkennung findet und nicht zum Menschen zweiter Klasse degradiert wird« (F.Grünzweig). Die zweite Schadstelle spricht offen von schädlicher Genusssucht. Bemerkenswert ist, dass der Ausdruck »schwelgen« in der biblischen Ursprache auf eine Wortwurzel zurückgeht, die zusammenbrechen bedeutet. Ein genusssüchtiger Lebensstil zersetzt also das sittliche Wesen des Menschen und ruiniert sein seelisches wie körperliches Leben. Ein englischer Ausleger bemerkt: »Reiche Egoisten werden verworfen, weil sie ihren Besitz ausschließlich dazu verwenden, ihren eigenen Begierden nachzugeben und alle Pflichten gegen ihre Mitmenschen vergessen. So mästen sie sich selbst für den Tag des Gerichts. Ihr Wohlleben wird mit Kummer enden und mit dem Tode. Egoismus führt stets zum Tod der Seele.« Die dritte Schadstelle weist hin auf den ermordeten »Gerechten«. Ein Vergleich mit Apostelgeschichte 3,14; 7,52 und 1.Petrus 3,18 zeigt, dass Jakobus die brutale Beseitigung des gerechten Sohnes Gottes anspricht, der »seinen Mund nicht auftat« (Jes. 53, 7) und willig litt. Doch gerade die stille Gewalt der Liebe des leidenden Jesus errang in tiefster Not den größten Sieg. In dieser Spur kön- nen auch die Jesusleute hinwegkommen über tiefe Traurigkeiten und schweren Mangel. Mit welcher Zusage Gottes will ich heute besonders rechnen: Römer 8, 35-39; Psalm 40,18; 107, 5-9; Jesaja 38,17?

Anfang

Montag, 3.Mai

Jakobus 5, 7. 8.

2. CHRISTEN WARTEN AUF DAS KOMMEN DES HERRN (5, 7-12) Christenmenschen können verweltlichen (5, 1-6). Sie können sich aber auch bewahren lassen, wenn sie das Ziel im Auge behalten. Deshalb ermahnt Jakobus zur Ausdauer: »Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn.« Man kann auch übersetzen: »Wartet geduldig, gelassen und unverzagt bis zur Ankunft des Herrn. Lasst euch den Spannungsbogen nicht nehmen!« Mit einem Vergleich aus der Landwirtschaft veranschaulicht Jakobus die Wartezeit der Christen: »Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange.« Im Alten Testament wird der frühe und späte Regen mehrfach erwähnt als die für den Ackerbau in Israel notwendige Gottesgabe (5.Mose 11,14; Jer.5,24; Joel 2, 23). Ende Oktober bis Anfang November fiel der Frühregen, ohne den die Wintersaat nicht aufging. Der Spätregen, der im April und Mai einsetzte, ermöglichte das Reifen des Getreides. Wie der Bauer auf den Regen wartet, so der Christ auf das Kommen des Herrn Jesus Christus. Kein Mensch kann dem Regen gebieten. Kein Mensch kann die Ankunft von Jesus beschließen und festlegen. Wir können nur warten, geduldig und zuversichtlich, im Wissen darum, dass Gott, der die Natur regelt, auch die Ankunft des Sohnes Gottes in der Hand hat. Aller Christenstand ist Wartestand. Wartestand ist Prüfstand. Auf dem Prüfstand brauchen wir besonders den langen Atem der Geduld und ein festes Herz: »Befestigt, stärkt und stützt eure Herzen!« Manche Pflanzen brauchen zum gesunden Wachstum ein Stützgestell. Unterstützung für einen stabilen Glauben gibt uns die Gnade Gottes, das Gebet und die Liebe. Wir lesen Hebräer 13, 9; 1. Petrus 4, 7. 8 und fragen uns, welche Unterstützung brauche ich neu, welche will ich anderen zukommen lassen?

Anfang

Dienstag, 4.Mai

Jakobus 5, 7-9.

Die Orientierung des Lebens an Jesus ist ein starker Schutz vor einer Infektion der Christengemeinschaft durch den Jammervirus. »Macht euch mit eurer Ungeduld nicht das Leben schwer.« Verzichtet darauf, einander zu beschuldigen und zu verklagen, »damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür« (Mark. 13, 29; Matth. 24, 33; vgl. Matth. 7, 1; Jak. 4, 11). Wer stur auf sein Recht pocht und nicht bereit wird zur Vergebung von ganzem Herzen, hat Gott als verurteilenden Richter gegen sich. Was kann und wird den Christen vor Klage- und Kritiksucht, Engstirnigkeit, Ungeduld und Bitterkeit bewahren? Jakobus rät: Lebt im wachen Bewusstsein der nahen Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Jesus kommt wieder! »Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen . . . Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin« (Joh.14, 1-3). Das Neue Testament kennt drei Begriffe für die Wiederkunft von Jesus. 1. Besonders häufig wird das Wort »parousia« gebraucht; zum Beispiel in 1.Korinther 15, 23; 1. Thessalonicher 4, 15; 5, 23; 1. Johannes 2, 28; 2. Petrus 1, 16; 3, 4. Wenn Könige oder Statthalter durch ihr Land oder ihre Provinz reisten, sprach man bei diesem feierlichen Staatsbesuch von Parusie. Bei der Wiederkunft von Jesus wird er als »König aller Könige« erscheinen. Dann bekommt er alle Ehre und Anbetung. Im Wissen um die königliche Ankunft des Herrn dürfen wir ihn schon jetzt, mitten in den Überraschungen des Alltags und in den großen Auseinandersetzungen, ehren und anbeten. Viel Freude, Mut und Gelassenheit strahlen die Anbeter Gottes aus. Suchen wir außer Lukas 1, 38. 46-55 und Matthäus 2, 9-12 noch andere biblische Hinweise!

Anfang

Mittwoch, 5.Mai

Jakobus 5, 7-9.

2. Auch der Ausdruck »epiphaneia«, verdeutscht als Epiphanie, wird für die Wiederkunft von Jesus gebraucht: Wir lesen dazu Titus 2,13; 2.Timotheus 4,1; 2.Thessalonicher 2, 8. Wenn der Kaiser in Rom den Thron bestieg, sprach man in der griechischen Welt von Epiphanie. Bei der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus erscheint Gott für die Seinen, um nach Besiegung aller Feindmächte den Herrscherthron für immer einzunehmen. Wer schon jetzt als Christ mit dem Kommen des Siegers rechnet, wird ihm auch in Stunden starker Herausforderungen vertrauen. Er wird es lernen, die »Schmutzkleidung der Sünde« abzulegen, aber die »Kleider des Heils« anzuziehen und in ihnen zu leben. Kolosser 3, 8-10. 12-14 enthält wertvolle Hinweise. Unsere Umwelt soll sehen, dass Christen in der Spur des Gewinners laufen. 3. Die griechische Umgangssprache gebrauchte noch das Wort »apokalypsis«, das so viel wie Enthüllung, Bloßlegung bedeutet. Dieser Begriff wird in 1.Petrus 1, 7. 13 gebraucht und meint die Enthüllung der einzigartigen, unübertroffenen Machtherrlichkeit Gottes: »Umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.« Wer als Jünger von Jesus an seinen herrlichen Herrn denkt, hat allen Grund, sich schon jetzt zu freuen. Der wiederkommende Christus lässt seine Leute nicht im Chaos sitzen. Er holt sie ab und holt sie heraus aus jedem Kummerloch und jeder Tränenecke. Dann ist Hochzeitsfreude! Dann wird gefeiert werden! Zum Weinen, wer nicht dabei sein wird, weil er sich nicht einladen und mitnehmen ließ. Doch noch hat Gott Geduld. Noch ruft er. Noch lädt er ein. Noch darf ich kommen und mich ihm anvertrauen: 2. Petrus 3,9.

Anfang

Donnerstag, 6.Mai

Jakobus 5, 7-9.

Welche neutestamentlichen Aussagen zur »Ankunft des Herrn« sollten wir unbedingt kennen? · Der Termin der Wiederkunft von Jesus ist geheim. Allein Gott kennt den Zeitpunkt. Nicht einmal Jesus, der Sohn Gottes, wusste um den Tag und die Stunde: Matthäus 24, 36; Markus 13, 32. · Das Geschehen der Wiederkunft erfolgt plötzlich (Matth. 24, 27. 37. 39). Kein Mensch kann sich darauf vorbereiten, wenn es so weit ist. Vorbereitungszeit ist jetzt. Wie können Christen sich aktiv auf die Wiederkunft des Herrn einstellen? Erste Empfehlung: »Seid wachsam und betet allezeit« (Luk. 21, 36)! Nach Matthäus 24,43.44 ist es für den Jünger von Jesus wichtig, sein Lebenshaus zu »bewachen«, darauf sorgsam zu achten, dass alles den Bewohner Schädigende keinen Zugang findet. Zweite Empfehlung: Stellt euch darauf ein, »dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden«. Sie provozieren und fragen: »Wo ist denn nun euer Christus? Hat er nicht versprochen, dass er wiederkommt? Schon unsere Väter haben vergeblich gewartet. Sie sind längst gestorben, und alles ist so geblieben, wie es von Anfang an war!« (2. Petr. 3, 3. 4). Christen jedoch wissen: Unser Gott, der Herr über Raum und Zeit, misst die Zeit nicht nach menschlichen Zeitbegriffen. Bei ihm sind tausend Jahre wie ein Tag (2. Petr. 3, 8; Ps. 90, 4). Wie viele »Tage« auch dahineilen mögen, die Willenserklärung des Herrn bleibt unverändert stehen. Dritte Empfehlung: »Lasst euch durch nichts von Christus trennen« (1. Joh. 2, 28)! Praktische Hinweise dazu finden wir zum Beispiel in Römer 13, 8-14. Was konkret ist heute bei mir dran? Mit Epheser 2,10 und Hebräer 13,21 kommen wir ans Ziel.

Anfang

Freitag, 7.Mai

Jakobus 5, 10; Matthäus 5, 10-12.

Mit Vers 10 und 11 kommt Jakobus noch einmal auf die Geduld zu sprechen. Es ist ihm wichtig, dass Christenmenschen in der bedrängten Notzeit vor der Wiederkunft von Jesus geduldig durchhalten können (Matth. 24, 13). Jakobus gibt uns den Tipp: Es ist gut, wenn ihr gute Vorbilder habt. Denkt doch einmal über das Leben der Propheten nach, »die im Namen des Herrn geredet haben«. Sie haben Gott und sein Wort gekannt und geliebt. Unermüdlich riefen sie sein Volk zur Besinnung und Umkehr (Jer. 25, 3-7). Bis zur Erschöpfung und zur Verzweiflung (Jes. 49, 4; Jer. 15, 18) haben sie das Wort Gottes ausgebreitet. Jeremia zum Beispiel wurde einmal so traurig und müde, dass er nicht mehr von Gott reden wollte. »Ich pack’s nicht mehr! Ich kann nicht mehr! Sie wollen nicht auf Gott hören! Sie bringen mich noch um!« Und doch wollte Jeremia seinem Gott nicht kündigen, weil das Wort des Herrn, die Wahrheit Gottes, die Leidenschaft des Glaubens und der Liebe in ihm brannten. (Lies Jer. 20, 9-13; 26, 1-15.) Das Vorbild der Propheten will uns helfen, geduldig durchzuhalten. Dabei gilt es, biblische Leitlinien immer wieder neu zu beachten: · Leiden um Gottes willen gehören zum Christenleben dazu (Mark. 8, 31-34; 1. Petr. 4, 12. 13).

1. Petr.1, 3-7; 2,19-24; vgl. die Auslegung zu Jak.1, 2. 3). · Leiden um Gottes willen enden in der ewigen Herrlichkeit (Offb.7,14-17; 22, 3-5). »Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!« (Offb.21,4. 5a).

Anfang

Samstag, 8.Mai

Jakobus 5, 11; Hiob 1, 1-2, 10.

Jakobus erinnert uns namentlich an Hiob als Vorbild im durchhaltenden Gottvertrauen. Skizzieren wir mit knappen Strichen zuerst Charakter und Lebensführung dieses Mannes (Hiob 4, 3. 4 und besonders Kap. 29 und 31): Hiob vertraute Gott und nahm ihn ernst. Sorgfältig achtete Hiob darauf, nichts Unrechtes zu tun. Bei aller Gewissenhaftigkeit erwies er sich auch als ein großzügiger und freigebiger Mann mit einem weiten Herzen für Menschen in Not. Hiob konnte zupacken und seelsorgerlich raten. Traurige hat er getröstet, Einsame ermutigt. Auch öffnete er sein Haus für fremde Menschen (31, 32), besuchte Kranke, kümmerte sich um Behinderte und Rechtlose. Viele, besonders die eigenen Kinder (1,4. 5), hat er im Gebet begleitet. Überall war Hiob bekannt als guter Familienvater, treuer Ehemann (31,1. 9-12) und gerechter Arbeitgeber (31, 13-15).

Das Geheimnis seiner Ausstrahlungskraft lag in seiner persönlichen Beziehung zu Gott. Und Gott freute sich über so viel Vertrauen und Liebe. Darum konnte der Herr von diesem Mann sagen: »So untadelig und treu wie Hiob ist sonst keiner auf der Erde« (1, 8). Das Leben derer, die auf Gott hören, gleicht einem Sonnenaufgang (Spr.4,18). Es ist das Licht, das von Gott kommt. Keine Finsternis kann es verschlingen. Beinahe wäre Hiob in der schwarzen Nacht großer Leiden und Anfeindungen verschwunden. Aller Glanz war dahin: die Kinder tot, Haus und Hof zerstört, todkrank, unverstanden von allen Menschen: »Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten?! Verfluche ihn doch und stirb!«, so der teuflische Rat seiner Frau. Was wird Hiob in dieser Not tun? Fluchen oder beten? – Wie können wir uns in der Bedrängnis bewähren? Mit Psalm 143 haben wir eine wunderbare Gebets- und Lebenshilfe.

Anfang

Sonntag, 9.Mai

Jakobus 5, 11; Hiob 1, 20-22; 2, 10.

Fluchen oder beten, Gott absagen oder Gott die Treue halten? Diese Frage brannte in den Wunden Hiobs. Das erstaunliche Bekenntnis des Angefochtenen und seine standhafte Treue zu Gott hinterfragen uns bis auf die Wurzel! Wer kann so glaubwürdig durchhalten?! Konnte Hiob es? Wer seine Geschichte nachliest, bemerkt, dass es eines Tages auch in seinem Herzen schwarze Nacht wurde. Hiob nahm heftig übel. Radikal stellte er die frommen »Trostsprüche« seiner Freunde in Frage (Kap. 11, 13-18; 15, 11-13; 22, 21-30). Verzweifelt und leidenschaftlich klagt der Geschundene an: zum Beispiel Kapitel 10, 1-7; 16, 1-5. 16-22; 27, 1-6. Dunkler kann es in einem Menschenleben nicht mehr werden. Doch Gottes Lichtstrahlen kommen auch in die dickste Finsternis. Gott in seinem Erbarmen lässt Hiob nicht fallen (Ps. 18, 29). Auf dem Tiefstand der allertiefsten Tiefe begegnet Hiob Gott in seiner überwältigenden Majestät und Schöpferherrlichkeit (Kap. 38; 39). Im Licht Gottes macht Hiob eine große Entdeckung. Früher dachte er: »Gott wird meine Rechtschaffenheit erkennen« (31, 6). Jetzt weiß er: Ich bin Gott auch mit meiner besten Frömmigkeit nicht recht. »Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße« (lies Hiob 42, 1-6). Das ist der leuchtende Wendepunkt, wenn der Fromme sich als armer Sünder erkennt und als Sünder sich Gottes Gerechtigkeit schenken lässt und neu aus der Gnade Gottes leben lernt. »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«, das bleibt Hiobs Bekenntnis (19, 25-27). Aber sein Leben hat hellere Leuchtkraft gewonnen – im Leiden gereinigte Leuchtkraft. »Hilf mir, Herr, die Verworrenheit der Dinge durch die Klarheit des Glaubens zu lichten. Und was schwer auf mir lastet, durch die Kraft des Vertrauens zu verwandeln. Dass ich von dir geliebt bin, ist Antwort auf jede Frage. Gib, dass mich diese Antwort sicher macht, wenn das Weitergehen schwer fällt« (R.Guardini).

Anfang

Montag, 10.Mai

Jakobus 5, 11; Hiob 42, 10-17; Römer 12, 12. »Menschen, die Gott treu geblieben sind und standhaft waren, sind wirklich glücklich zu nennen. Denkt doch nur an Hiob! Ihr habt alle gehört, wie geduldig er sein Leiden ertragen hat. Und ihr wisst, dass Gott in seiner Barmherzigkeit und Liebe alles zu einem guten Ende führte.« Wenn Jakobus das Leben Hiobs so positiv zusammenfasst, wird auf dem Hintergrund der Lebenswirklichkeit Hiobs auffallend deutlich: Gott hat unser notvolles Fragen und Aufbegehren, unseren Zweifel und unsere Verzweiflung längst einkalkuliert. Er lässt sich seinen Liebes- und Herrlichkeitsplan nicht ausixen, weder durch unser Nichtwissen und Nichtverstehen noch durch unseren Widerstand. Gott ist größer als alle Not! Niemals radiert er das Leben seiner Dienstleute aus! Satan dagegen giert nach Menschenseelen (Hiob 1, 7-11). Er schlägt und zerschlägt auf seinen Streifzügen auch das Leben der Diener Gottes. Aber Gott selbst setzt Satan Grenzen: Das eigentliche Leben darf der »Menschenmörder« (Joh. 8, 44) nicht antasten (Hiob 1, 12)! Gott ist größer, viel größer als der schlimmste Widersacher und ärgste Menschenhasser. Unser Gott steht zu seinen geplagten und geschlagenen Dienern, weil er uns gut ist, weil er mit uns leidet, weil er uns liebt. »Der HERR ist geduldig und von großer Kraft, vor dem niemand unschuldig ist. Er ist der HERR, dessen Weg in Wetter und Sturm ist; Wolken sind der Staub unter seinen Füßen« (Nah. 1, 3). (Lies Ps. 103, 8-13; Jes. 55, 8. 9; 57, 15; Spr. 24,20.) In seiner göttlichen Geduld bringt uns unser Herr durch alle Wetter und Krisen an sein wunderbares Ziel. Für Hiob durfte das Erdenleben noch einmal beginnen – noch reicher, noch gehaltvoller und leuchtender! Welch eine Anspielung auf den neuen Himmel und die neue Erde! (Lies Jes. 35, 10; 25, 8; 65,17.18; Offb.21,1ff.)

Anfang

Dienstag, 11.Mai

Jakobus 5, 12; Matthäus 5, 34.

Wie wichtig es für Christen ist, bis zur Wiederkunft von Jesus nicht aus der Haltung der Demut und Geduld auszubrechen, konkretisiert Jakobus am Beispiel des Schwörens. »Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwöret nicht!« Während in alttestamentlicher Zeit die Schwurpraxis bei besonderen Anlässen erlaubt war (3.Mose 19,12; 1.Mose 24,2.3; 50,25; Jos.2,12), lehnte Jesus das Schwören grundsätzlich ab (Matth. 5, 34); und Jakobus beruft sich auf das Jesuswort. Warum? In der Antike hatten sich zwei üble Praktiken durchgesetzt. Zum einen wurden ungewöhnlich viele Eide abgelegt. Wird aber bei jeder Gelegenheit geschworen, muss auf ein rapides Anwachsen von Misstrauen, Falschheit, Schwindelei und Betrug geschlossen werden. Wo es ehrlich zugeht, bedarf es keiner Eide. Christenmenschen sind befreit vom »Vater der Lüge« und gebunden an Jesus, die Wahrheit in Person (Joh. 8, 34-36; 14, 6). Zum anderen teilte man besonders im Judentum die Schwurpraxis ein in den verbindlichen und den unverbindlichen Eid. Alle Eide, bei denen der Name Gottes ausgesprochen wurde, galten als bindend. Da aber bei Namensnennung Gottes dieser als aktiver Partner der Abmachung eintrat, versuchte man, den Namen Gottes zu umgehen und andere Begriffe, zum Beispiel »Himmel« oder »Erde« einzusetzen. Wie unsinnig derartige Tricks sind, belegt das Jesuswort in Matthäus 5, 34-36. Gott lässt sich nicht hinters Licht führen, welche theologisch richtigen Begriffe auch immer gebraucht werden: Ob jemand beim »Himmel« schwört, ob bei der »Erde« oder bei »Jerusalem«, immer bekommt es der Mensch mit Gott zu tun. »Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen« (2.Mose 20, 7). Für einen Christen ist es selbstverständlich, dass er immer die Wahrheit sagt. »Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel« (Matth. 5, 37). Wie halten wir’s mit der Eindeutigkeit und Klarheit unserer Worte?

Anfang

Mittwoch, 12.Mai

Jakobus 5, 12; Matthäus 12, 36.

Wie fragwürdig, wenn die Wahrheit unsrer Worte an Schwüren, Ehrenworten und Beteuerungen hängt! Christen hängen an Jesus, dem Herrn der Wahrheit (Joh. 18, 37). Darum können sie um ihres Herrn und der Menschen willen schlicht und direkt die Wahrheit sagen. Was aber, wenn andere unseren Worten nicht glauben? Dann gebrauche zur Bekräftigung der Wahrheit auf keinen Fall einen Schwur! Lass alles, was du gesagt hast und der andere behauptet, bei Gott los und warte geduldig, dass der Herr der Wahrheit sich ganz sicher zur Wahrheit bekennt. Jesus selbst verzichtete auf Selbstrechtfertigungen und Rache. Ungerechtigkeiten hat er geduldig ertragen; »denn er wusste, dass Gott ein gerechter Richter ist und seine Sache vertritt« (1. Petr. 2, 23; vgl. Röm. 12, 19). Wer die Wahrheit sagt, hat Gott auf seiner Seite. Das genügt. Schwüre erübrigen sich. Das griechische Wort »schwören« heißt zugleich auch »beschwören«. Im Griechentum dachte man dabei an die Beschwörung einer Gottheit, etwa zur Hilfe für einen selbst oder zur Strafe gegen einen anderen. Es könnten auch Christen, wenn sie unter schweren Druck kommen, ihren Gott »beschwören«: »So wahr du Gott bist, du musst mir jetzt helfen, sonst . . . !« Gewiss, Christen dürfen und sollen intensiv zu Gott beten. Aber es liegen Welten zwischen eindringlichem Beten und gereiztem Fordern. Niemals kann die »fromm« eingewickelte Ungeduld über Gott verfügen und ihn zum Eingreifen zwingen. »Sonst verfallt ihr dem Gericht Gottes«, begründet Jakobus. Gott ist und bleibt der souveräne Herr, der gerechte und barmherzige Herr. »Sollte Gott nicht Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden« (Luk.18,7. 8)?

Anfang

GOTT KANN

Donnerstag, 13.Mai

Römer 4,18-22; 2.Timotheus 4,7. 8.

»Was willst du werden?« So werden Kinder immer wieder gefragt: »Sag mal, was willst du werden, wenn du groß bist?« Da sprudeln erstaunlich vielfältige und originelle Berufe aus Kindermund hervor. Es gehört zum Menschsein, kleine und große Ziele zu haben. So unterschiedlich Berufswünsche unter Menschen sind, so einheitlich schlummert in allen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach dem Ewigen. Welches Ziel erscheint uns im Blick auf die Ewigkeit erstrebenswert? Ein junger katholischer Theologe bereitete sich auf den Priesterstand vor. In einem Gespräch mit dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer sagte er: »Ich möchte ein Heiliger werden.« Bonhoeffer erwiderte: »Ich möchte ein Glaubender werden.« Hier leuchten große Lebensziele und hohe Prioritäten auf. Was möchten wir werden, was möchten wir sein? Viele Christen haben den Wunsch, sich im Glauben an Jesus Christus immer mehr und tiefer zu verwurzeln. Das meinte übrigens Bonhoeffer mit seiner Aussage, wenn er davon sprach, ein Glaubender werden zu wollen. So wichtig ein Anfang im Glauben ist, so unverzichtbar ist, was nach dem Anfang kommt. Aus den ersten Glaubensschritten soll ein Glaubensweg werden. (Lies Luk. 5, 27. 28; Matth. 4, 18-20; Joh. 1, 12.) Es gibt Christen, die sich mit dem Anfang zufrieden geben und sich wundern, dass ihr Leben langweilig dahinplätschert. Gesundes, lebendiges Wachstum ist gefragt. Der Apostel Paulus konnte den Christen in Thessalonich schreiben: »Euer Glaube wächst sehr« (2. Thess. 1, 3; lies Eph. 4, 15; 1. Petr. 2, 2). – Abraham gehörte zu denen, die in ihrem Leben Glaubende wurden. Da geht es nicht um Vermutungen, sondern um Gewissheiten. Glauben heißt gewiss sein. Und Abraham wusste: Gott kann. Deshalb rechnete er mit Gott auch in aussichtsloser Lage. »Der Glaube beginnt erst da, wo aller Grund vorhanden scheint, ihn aufzugeben« (W. de Boor). Abraham erkannte Gottes uneingeschränkte Möglichkeiten. (Lies Matth.8, 5-13; Hebr.11,1. 2.)

Anfang

Freitag, 14.Mai

Römer 4, 18-22; Hebräer 11, 17-19. In drei Schritten wollen wir unser Thema »Gott kann« bedenken: 1. GOTT KANN – WENN UNSERE MÖGLICHKEITEN ERSCHÖPFT SIND. Besonders Abrahams zweite Lebenshälfte war von Situationen gekennzeichnet, die seinen Glauben in besonderer Weise herausforderten. Gott hatte ihm Nachkommen versprochen, und Abraham rechnete mit der Erfüllung der Zusage: »Zum Vater einer Menge von Völkern habe ich dich gemacht.« Dies versprach Gott, als es noch keinen einzigen Nachkommen in Abrahams Familie gab. (Lies 1. Mose 12, 2. 3; 13, 14-16; 15, 1-5; 17, 1-6.) Es bestand nach menschlichem Ermessen für Abraham und Sara keine Möglichkeit mehr, Kinder zu bekommen; sie waren alt geworden. Eigentlich hätte Abraham sagen müssen: Es ist ganz unmöglich, die Zeit ist vorbei, das kann auch Gott nicht mehr ändern. Abraham hätte vollständig hoffnungslos und glaubenslos die Verheißungen Gottes hören können; aber Abraham glaubte dem Wort Gottes. Gott hatte Nachkommen versprochen – Gott würde Nachkommen schenken. Abraham blickte weg vom Sichtbaren, hin auf das Unsichtbare, er rechnete mit Gott und seiner Macht. Gott kann! Erst da, wo alle Menschenkunst und -weisheit versagt, zeigt sich Gottes Größe. Gott kann alles, nur eines kann er nicht: Er kann nicht enttäuschen, die ihm vertrauen und mit ihm rechnen. »Dieser Gott verheißt und fordert, was alle menschlichen und natürlichen Möglichkeiten überragt, ja, was ihnen geradezu widerspricht. Diesem Gott muss gegen alle menschliche Aussicht geglaubt werden. Der Glaube hat das Wort, die Zusage Gottes. Abraham sah nicht seinen erstorbenen Leib an. Der Glaube stützt sich ja nicht auf die menschlichen Mittel und auf die eigenen Fähigkeiten. Echter Glaube im biblischen Sinn ist immer eindeutig daran zu erkennen: Er lebt allein von der Verheißung Gottes« (W.de Boor). (Lies Luk. 8,50; Ps.31,20; 32,10; Jes. 26, 3.)

Anfang

Samstag, 15.Mai

Römer 4, 18-22; 1.Mose 15, 1-6.

Abraham wusste: Gott kann! Trotzdem geriet eines Tages diese Gewissheit ins Wanken, weil Abraham auf das Sichtbare schaute und die menschliche Realität plötzlich mehr Gewicht für ihn bekam als die göttliche Zusage. Darum klagte er vor Gott: »Ich muss doch ohne Kinder dahingehen, und mein Knecht wird mich beerben.« Abraham hatte schon sehr lange gewartet. »Was willst du mir schon geben?«, so kommt es in seiner großen Enttäuschung vorwurfsvoll über seine Lippen.

Glaubensmüde Frauen und Männer Gottes sollten sich immer wieder am Wort Gottes ausrichten und darauf vertrauen, dass der Herr seinen eigenen Termin- kalender hat. »Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit« (Pred.3,11; lies Jes.55, 8; Ps. 31, 16). Seine Zeit entspricht nicht unserer Zeit. Gottes Uhren laufen anders als Menschenuhren. Wer in einer bestimmten Sache auf die Stunde Gottes wartet, muss sich in Geduld üben. Es ist möglich, dass der Herr mit der Erfüllung seiner Zusage so lange wartet, bis es völlig ausgeschlossen scheint, dass sich seine Verheißung noch erfüllt. Doch für Gott ist nichts zu wunderbar, und nichts ist ihm unmöglich. So half der Herr seinem verzagten Freund liebevoll zurecht, indem er seine Zusage wiederholte und Abraham aus dem Zelt unter den hohen und weiten, mit Sternen übersäten Nachthimmel holte. »Blicke doch auf zum Himmel und zähle die Sterne, ob du sie zählen kannst?« Schon in der puren Aufforderung liegt die Glaubenshilfe. »Hebet eure Augen in die Höhe und sehet« (Jes.40,26). Abraham schaute hinauf und wurde still. Begriff er, wie dumm es ist, von Gottes Möglichkeiten gering zu denken? Hatte nicht er die Gestirne geschaffen? Angesichts dieser überwältigenden Herrlichkeit, die aus Gottes Hand hervorgegangen war, brauchte Abraham nicht auf das Unmögliche zu blicken, und wir brauchen es auch nicht. (Lies Ps.62,1. 2.9; 71, 1-3.)

Anfang

Sonntag, 16.Mai

1.Mose 15, 1-6; 22, 1-3.

»Abraham glaubte dem Herrn« – ein Entschluss, neu zu vertrauen, ohne Abstriche, ohne Wenn und Aber, auch wenn vieles dagegen sprach. Abrahams Entschluss kann auch unser Entschluss sein, dem Herrn völlig zu vertrauen. Es ist eine persönliche Herzenssache. Gott hält Ausschau nach Menschen, die sich felsenfest auf seine Zusagen verlassen und ihr Leben darauf gründen. (Lies Spr. 3, 5; 2.Chron. 16, 9; Jes. 50, 10.) Welch eine Freude, als Abraham den verheißenen Erben endlich in seinen Armen hielt! Aber das Glück blieb nicht unangefochten. Es kam für den Mann Gottes eine der schwersten Stunden seines Lebens, die seinen Glauben auf eine Probe ohnegleichen stellte, als er Isaak, seinen einzigen und geliebten Sohn, opfern sollte. Welch eine Zumutung Gottes! Seine Forderung betraf nicht nur die große Liebe des Vaters zu seinem Sohn, sie betraf vor allem die Erfüllung der Heilsverheißungen für die ganze Menschheit, für alle Völker auf Erden, deren Träger Isaak sein sollte. Nie verlangte Gott so Schweres von einem Menschen, von sich selber wohl. (Lies Röm. 8,31.32.) Und doch kann Gott den Glauben bis aufs Äußerste prüfen. Abraham machte sich auf, um zu tun, was Gott gesagt hatte, im stillen Gehorsam und im Glauben. Im Hebräerbrief lesen wir, dass er dachte: »Gott kann auch von den Toten auferwecken« (Hebr. 11, 19a). In dieser Glaubensgewissheit ging er zum Berg Morija. Gott ließ es nicht bis zum Letzten kommen. »Nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Weil du solches getan hast, will ich dein Geschlecht segnen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres« (1.Mose 22,16.17). Gott prüft den Glauben der Glaubenden auf seine Echtheit. (Lies Jes.48,10; Ps.7,10; 66,10; Hiob 23,10; Mal.3,3.)

Anfang

Montag, 17.Mai

1.Mose 22, 1-3. 9-19; Hebräer 11, 17-19. Abrahams Glaube wurde für echt befunden. »Nun weiß ich, dass du Gott fürchtest «, dieses Zeugnis stellte ihm der Herr persönlich aus. Gott will nicht, dass seine Leute Angst vor ihm haben, doch die Gottesfurcht sucht er in ihren Herzen. Angst macht sich da breit, wo wir es mit Unberechenbarem, Gefährlichem oder Gewalttätigem zu tun haben. Die Gottesfurcht hat mit Respekt und wertschätzender Liebe zu tun. Sie ist da, wo der Herr über unser Leben verfügen darf und man ihm nichts vorenthält, auch nicht das Größte, Liebste und Schönste, weil er der Größte und Schönste ist. (Lies 5.Mose 10, 12; Jos. 24, 14; 1.Petr.1,17.)

Abraham vertraute und dachte: »Gott kann auch von den Toten erwecken.« Worauf sind unsere Gedanken in Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten gerichtet? »Es ist nicht gut, von den Möglichkeiten Gottes gering zu denken« (H.Lamparter). Wer im Glauben mit den Möglichkeiten Gottes rechnet, hat sich nicht verrechnet. Der Gott vertrauende Mensch ist gewiss nicht fehlerlos, aber er wird seine Fehler, sein Zweifeln und Verzagen bei Gott los. Auch Abraham wusste aus persönlicher und schmerzvoller Erfahrung, dass dem Glauben die Luft ausgeht und der Haussegen schief hängt, wenn er sich auf Menschenworte und nicht mehr auf das gegebene Gotteswort verlässt (1.Mose 16,1ff). Die Beschäftigung mit dem Wort der Bibel lässt uns erkennen, wer wir sind und was Gott zu tun vermag. Uns begegnen Menschen, die von Gott in die Schule des Glaubens gerufen wurden: Anfänger, Ängstliche und Kraftlose, Strauchelnde und Fallende, die trotzdem nicht von ihm ließen und von ihm aufgerichtet und weitergeführt wurden. So lernten sie Lektion um Lektion und übten sich darin, im Glauben vorwärts zu gehen und an der Gewissheit festzuhalten: Gott kann. (Lies Ps. 34, 23; 118, 8; Jes. 26, 4.)

Anfang

Dienstag, 18.Mai

Matthäus 27, 57-66; Jesaja 53, 4-9.

2. GOTT KANN – JESUS IST DER GARANT DAFÜR. Die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach endet mit dem Rezitativ des Evangelisten: »Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein.« Dicht gemacht und doppelt verschlossen war das Grab, in dem der tote Jesus lag. »Jesus hat sein Kreuz vollbracht, sein Leichnam kommt zur Ruh«, heißt es im Schlussteil der Matthäuspassion. Das war das Ende. Tod und Grab waren auch bei Jesus die letzte Station im Leben. Und kein Mensch konnte etwas daran ändern, am wenigsten die Menschen, die um ihren geliebten Herrn trauerten. Der Tod ist eine brutale, ungeheure Macht. Die Endgültigkeit, mit der nichts mehr ist, wie es war, löst Hilflosigkeit, Angst und Schmerz aus. Während die weinenden Frauen dem toten Meister die letzte Ehre erwiesen und den Leichnam einbalsamierten, hatten sich die elf Jünger von Jesus versteckt und eingeschlossen. Sie fürchteten um ihr eigenes Leben. Die Emmausjünger hatten ebenfalls große Mühe, mit diesem schmählichen Ende am Kreuz zurechtzukommen. Sie sagten: »Er war doch ein Prophet, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk, und der Hohepriester und die Oberen haben ihn zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt. Es ist zu Ende!« (Lies Lukas 24, 13-21.) Die Oberen und der Hohepriester schienen jedoch »beruhigt«, seit Jesus gestorben und begraben war. Für sie war die Sache mit Jesus endlich zu Ende gebracht. Doch dann griff Gott ein. So hatte es Jesus seinen Leuten tief eingeprägt: »Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen« (Luk. 9, 22). Dem Können Gottes sind keine Grenzen gesetzt. (Lies 2.Chron.20,6; Hiob 42,2; Ps.115,3; Matth.19,26; Luk.1,37.)

Anfang

Mittwoch, 19.Mai

1.Korinther 15, 20-26. 55; 2.Timotheus 1,10. Gott hat Jesus Christus vom Tod auferweckt. So versetzte er dem Tod den Todesstoß und brachte Leben und Unvergänglichkeit ans Licht. Ewiges Leben wurde sichtbar und für Menschen erfahrbar gemacht. Seit dem Sündenfall haben die Todesschatten in dieser Welt das Licht des Lebens verdunkelt. Das Leben ohne Jesus ist ein Leben im Schatten des Todes. Christus hat durch seine Auferstehung Leben, ewiges Leben, in die dem Tod verfallene Welt gebracht. Wer durch den Glauben zu Jesus gehört, gewinnt Anteil an seinem Auferstehungsleben. Der Auferstandene hat das Tor zum wahren Leben und zu einer vierfachen Freude geöffnet. Erstens zur Freude, die die Furcht vertreibt. »Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen« (Joh. 20, 20). – Zweitens zur Freude, die vom Sieg erzählt. »Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus« (1. Kor. 15, 56. 57). Vom Ostersieg unseres Herrn darf in unserem Alltagsleben recht viel sichtbar werden. Wie sieht das praktisch aus? – Drittens zur Freude, die Freiheit ausstrahlt. »Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Unser alter Mensch ist mit ihm gekreuzigt! Wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde, Gott aber lebend in Christus.« (Lies Röm. 6, 5-11.) – Viertens zur Freude, die ins ewige Leben einmündet. Jesus sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben« (Joh.11,25.26). Wer heute traurig ist, darf wissen, dass Jesus wieder in die Freude führen will. Denn er hat einen hohen Preis bezahlt, damit wir froh und getrost sein können. (Lies 2.Kor.5,17-21; 1. Petr.1,18.19; Phil.4,4.)

Anfang

Himmelfahrt, 20.Mai

Markus 16,15.16; Lukas 24,50-53; Apostelgeschichte 1,3. 8.11. Nach seiner Auferstehung war Jesus noch vierzig Tage bei seinen Jüngern. In einem Intensivkurs zum Thema »Das Reich Gottes« lernten die zukünftigen Verantwortungsträger der Gemeinde die Heilsgeschichte Gottes im Licht von Karfreitag und Ostern ganz neu verstehen. Jesus musste zum Vater zurückkehren, um seine Herrschaft vom Himmel aus über alle Welt anzutreten. »Der Herr hat in den Himmeln aufgerichtet seinen Thron, und seine Herrschaft regiert über alle« (Ps. 103, 19). Auf dem Ölberg – in der Nähe von Betanien – nahm er Abschied von den Seinen (Apg. 1,12). · Er geht als der Segnende. In dieser Abschiedsstunde offenbart sich Jesus den Seinen als der wahre Hohepriester. Es entsprach dem hohepriesterlichen Amt, den Segen Gottes auf das Volk zu legen (4.Mose 6, 23ff). Als Segnender stand er nun im Begriff, ins himmlische Heiligtum, in den Himmel selbst, hineinzugehen, »um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen« (Hebr.9, 24). Der segnende Herr ist zugleich der hohepriesterliche Fürsprecher, der rund um die Uhr für die Seinen betet. (Lies Joh.17, 9-11.13-21.) · Er geht als der Beauftragende. Das Werk der Erlösung ist vollbracht – das Werk der Weltmission noch nicht. Vom Himmel aus will der Herr seine Leute befähigen, das Evangelium von der Versöhnung mit Gott in alle Welt zu tragen. »So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott« (2.Kor.5,20)! · Er geht als der Wiederkommende. Trotz schlechter Zukunftsprognosen haben Christen gute Aussichten. Das Schönste kommt noch, wenn Jesus kommt und uns zu sich holt! »Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt« (G.Heinemann). Wir lesen 1.Thessalonicher 4,13-18.

Anfang

Freitag, 21.Mai

Lukas 16, 16-31; Psalm 90, 12.

3. GOTT KANN – WENN DER TOD NACH UNS GREIFT. Zahlreiche Fragen und Themen, die eine Zeit lang wichtig und viel beachtet sind, werden von anderen Tagesthemen abgelöst. Die Frage nach Sterben und Tod und dem, was danach kommt, bleibt aktuell, denn der Mensch weiß, dass er einmal sterben muss. Besonders nah berührt uns dieses Thema, wenn wir das Sterben eines lieben Menschen miterleben oder wenn wir selber vor den Toren der Ewigkeit stehen. In einer Großstadt hatten junge Menschen die Möglichkeit, Wunschthemen für eine Vortragsreihe anzukreuzen. Unter vielen Vorschlägen war »Sterben, Tod und Jenseits« das Thema, das am häufigsten gewünscht wurde – und das von jungen Leuten, die den größten Teil ihres Lebens noch vor sich hatten! Und doch wussten sie, dass der Mensch in diesem Leben nicht ewig zu Hause ist und auch sie einmal sterben müssen. An dieser Frage wird besonders deutlich, wie tief die Sehnsucht nach bleibenden Werten und einem Ziel, für das es sich zu leben lohnt, im Menschenherzen verwurzelt ist. Auf unsere Eingangsfrage »Was willst du werden?« müsste die Antwort lauten: »Ich will selig werden.« Wie erreichen wir dieses Ziel? Ewige Ziele werden allein auf dem Weg des Glaubens erreicht. Der aus der Ewigkeit in die Zeit zu uns kam, hat auch die Spur in den Himmel Gottes gelegt. Bis heute steht seine Einladung: »Komm, folge mir nach!« Menschen, die im Glauben an Jesus Christus leben, dürfen wissen: Weil Jesus lebt, werde ich auch in Ewigkeit leben. Jesus Christus spricht: »Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben durchgedrungen« (Joh. 5, 24; lies Joh. 10, 27. 28; Röm. 6, 22. 23; 1. Joh. 2, 25).

Anfang

Samstag, 22.Mai

Lukas 16, 16-31; 23, 39-43.

Was möchten wir werden, und was möchten wir sein am Ende unseres Lebens? Wer gestorben ist, ist tot. Wer tot ist, kann auch mit den modernsten Mitteln der Medizin nicht mehr zurückgeholt werden. Der Volksmund sagt: »Es ist noch keiner wiedergekommen.« Darum können Menschen auch immer nur Vermutungen anstellen über das, was nach diesem Leben sein wird. Christen bilden hier eine Ausnahme, denn sie vertrauen der Heiligen Schrift, die ihnen zuverlässig bezeugt, dass der Sohn Gottes wiedergekommen ist. Der auferstandene Herr sagt von sich: »Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches« (Offb. 1, 17. 18). Darum ist er allein kompetent zu sagen, was die Menschen über ihr Leben und das Jenseits wissen müssen. Im Bericht über den reichen Mann und den armen Lazarus legt Jesus zum einen offen, dass die Persönlichkeit der Verstorbenen durch den Tod nicht ausgelöscht wird, sondern weiterlebt und erkannt wird. Beide Männer sind hellwach an dem Ort, an dem sie sich befinden. Zum andern zeigt der Herr, dass die beiden Aufenthaltsorte nicht nur grundverschieden, sondern auch unüberbrückbar voneinander getrennt sind. Eine dritte Leitlinie gibt Jesus im Schlussteil des Berichtes: Du entscheidest in diesem Leben, wo du nach deinem Ableben hingehst. Es wäre verhängnisvoll, sich an Gott und dem Nächsten vorbei ins Leben zu stürzen und im Irdischen aufzugehen! Wer aber auf Gott und sein Wort hört und sich Jesus anvertraut, dessen Name kommt ins Buch des Lebens, und er wird bei dem Herrn sein in Ewigkeit. (Lies Luk.10,20.) Gott hat es möglich gemacht, dass wir nach diesem Leben bei ihm leben können. (Lies Matth. 7, 13; Phil. 3, 19; Röm. 8, 1. 34.) Das ewige Leben bei Gott beginnt in dieser Zeit.

Anfang

Sonntag, 23.Mai

Jesaja 53, 4. 5. 10. 11; Philipper 1, 21. Die große Liebe und herzliche Barmherzigkeit Gottes hat es möglich gemacht, dass wir Menschen nach diesem kleinen irdischen Leben bei ihm, in seiner großen Ewigkeit, sein können. Da Jesus Christus die Strafe für unsere Sünden trug und den Tod besiegte, müssen wir die Strafe für unsere Übertretungen – das Leben in der Gottesferne – nicht mehr tragen. Sein stellvertretendes Leiden befreit uns vom ewigen Tod, wenn wir es dankbar für uns persönlich annehmen. Wir erleben und erleiden zwar den irdischen Tod, nicht aber die ewige Trennung von Gott. Denn »er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt« (2.Kor.5,21; lies Joh.3,17; 1.Tim.1,15; 1.Petr.3,18; Hebr.9,28). Das ist Gottes großes Geschenk an uns: »Weil Jesus lebt, können wir auch leben. Der Tod ist nicht das Letzte. Jesus hat ihn überwunden. Jetzt ist an einer Stelle die Todesmauer durchbrochen, auf die wir alle zugehen. Wer sich mit Jesus verbindet, hat Teil an seiner Auferstehungswirklichkeit. Jesus sagt: ›Ich lebe, und ihr sollt auch leben‹ (Joh. 14, 19). In der Dimension der Auferstehung hat Jesus die Todesverfallenheit der Welt überwunden, und er lädt alle mit ein in diese Dimension. Die Realität der Auferstehung kann auch in unserem Leben wirksam werden« (R.Werner). Gott wird am Lebensende seiner Erlösten so handeln, wie er am armen Lazarus gehandelt hat. Siewerden abgeholt, wie Lazarus abgeholt wurde. »Er wurde getragen von den Engeln in Abrahams Schoß.« Auch für schwere Todeskämpfe gilt: »Du bist bei mir« (Ps.23,4; Jes.43, 2). Was immer geschieht, der gute Hirte ist und bleibt bei uns. Selbst dann, wenn wir es nicht mehr fassen können, weil wir zu schwach sind, gilt: »Stark ist meines Jesu Hand, und er wird mich ewig fassen« (C.B. Garve).

Anfang

Montag, 24.Mai

1.Petrus 1, 3-9; Matthäus 24, 44.

Gott holt die Seinen am Ende ihres irdischen Lebens in seine Herrlichkeit. Prägt diese Zukunftshoffnung unser Leben? Jesus mahnt mit liebevollem Ernst, wachsam zu sein und ihm bewusst entgegenzuleben. »Das Leben des Christen ist kein Kinderspiel. Alle, die auf der Pilgerreise zur himmlischen Stadt sind, haben eine raue Straße, Sümpfe der Verzweiflung und Hügel der Beschwerden betreten, gegen Riesen zu kämpfen und vor Versuchungen zu fliehen. Deshalb gibt es zwei Gefahren, denen die Christen ausgesetzt sind: Die eine ist, dass sie unter dem harten Druck von dem Pfad abweichen, den sie gehen sollen, die andere ist, dass sie sich vor ihrem Versagen fürchten und deshalb in ihrem Lauf verzagt werden. ›Sei stark, und dein Herz fasse Mut‹ (Ps.27,14). Du bist sicher, solange Gott lebt und Christus für dich betet und der Heilige Geist in dir wohnt. Sei nicht entmutigt, harre auf den Herrn« (C. H. Spurgeon). Auf den Herrn harren heißt: mit ihm in Verbindung bleiben. Durch sein Reden mit uns in seinem Wort und durch unser Herzensgespräch mit Jesus bleibt die Beziehung zu ihm warm und lebendig. »Betet allezeit!«, sagt unser Herr. Daniel betete dreimal täglich. David erklärte, dass er abends, morgens und mittags klagen will. (Lies Luk.18,1; Ps.119,164; Dan. 6,11; Ps.55,18.)Wie sehen unsere Gebetszeiten aus? »Unser Herr sagt nicht: Betet jeden Morgen um sieben Uhr, oder betet abends um acht oder zehn Uhr. Die Schrift legt keine bestimmte Zeit fest, denn der Herr vertraut auf die Liebe seines Volkes und die natürlichen Bewegungen des neuen Lebens. Wahre Frömmigkeit kann nur gelebt werden, wenn Gebetszeiten sehr sorgfältig beachtet werden. Wir sollten beten in allen Umständen, wir sollten beten bei allem Tun« (C.H.Spurgeon). (Lies Joh.15, 1-5.)

Anfang

Dienstag, 25.Mai

Hiob 42, 2; Psalm 16, 8-11.

Gott kann – und es ist gut, ihm zu vertrauen. Erinnern wir uns noch einmal an Abraham. Er glaubte seinem Gott, als es völlig aussichtslos war, dass sein Wort sich erfüllte. Er glaubte und gehorchte in der schwersten Stunde der Prüfung, als es schien, dass sich Gott widerspreche. In aller Hoffnungslosigkeit setzte Abraham sein Vertrauen auf den Gott der Hoffnung. So wurde er zum Vater der Glaubenden. (Lies Röm. 4, 16-18.) Gott kann – und es ist gut, ihm zu glauben. Das wurde besonders deutlich an der Auferweckung unseres Herrn Jesus Christus. Mit Hebräer 2, 13-18 können wir zuversichtlich leben und getröstet sterben, wenn die Stunde des Abschieds da ist. Auch die Zukunft gehört Gott. Er wird der Handelnde bleiben in Ewigkeit. Wir brauchen uns nicht vor anderen Mächten zu fürchten, weil wir den allmächtigen Gott zum Vater haben. Ein Theologiestudent in Amerika hatte als Prüfungsarbeit das Thema zu bearbeiten: »Der Gedanke der Allmacht Gottes und die Wirklichkeit des Teufels.« Vier Stunden standen ihm zur Verfügung. Der junge Mann war ein gläubiger Christ, und über dem Schreiben wurde ihm das Herz warm. Er schrieb von der Allmacht Gottes, von seiner Größe, von seiner Liebe, von seiner Barmherzigkeit, ohne rechtzeitig ans Ende zu kommen. Die Zeit war um, und er hatte noch kein Wort über den Teufel geschrieben. So schloss er seine Klausur einfach mit den Worten: »Keine Zeit für den Teufel.« Was die Professoren dazu sagten, wissen wir nicht, uns aber hat dieser Schluss viel zu sagen. Wer ganz von Gott erfüllt ist, wer ihm ohne Vorbehalt nachfolgt und dient, der hat für das Böse keine Zeit. Dadurch verliert es immer mehr an Einfluss. Glaubende rechnen mit der Allmacht ihres Gottes: Gott kann! (Lies 1.Chron.29,12; Ps.62,12.)

Anfang

ER TUT WUNDER – ER ALLEIN

Mittwoch, 26.Mai

Hiob 5, 8.9; 9,10; Psalm 72,18.

In der Bibel ist häufig die Rede von den Wundern Gottes. Sie sind ein Zeichen innerhalb des Unvollkommenen, um dem Menschen die Augen für Gottes Macht und Herrlichkeit zu öffnen. Das Wunder in Person ist Jesus Christus selbst; darin eingeschlossen ist das Wunder seiner Fleischwerdung (1. Tim. 3, 16) und das »Zentralwunder« seiner Auferstehung. Alle Wunder im Leben und Handeln von Jesus sind vom Wunder seiner Auferstehung aus den Toten her zu sehen und zu verstehen. Ist durch die Auferstehung seine Herkunft von oben aus Gott erwiesen und die Erlösung, die er am Kreuz errungen hat, bestätigt, so sind alle Wundertaten seines Lebens selbstverständliche Auswirkungen. Die Wunder sind »Zeichen«, welche die Gesinnung der Herzen offenbaren, indem sie zur persönlichen Stellungnahme gegenüber Jesus auffordern. Sie stellen in die Entscheidung und müssen nicht zwingend zum Glauben an Jesus führen: Dazu Matthäus 11, 21-24; Markus 6, 52; 8, 17. Die göttlichen Wundertaten wollen Glauben wecken und vor allem helfen, Jesus nachzufolgen und ihm gehorsam zu sein. (Lies Luk. 8, 1-3; 18, 35-43; Joh. 2, 5. 11. 23; vgl. 4.Mose 14, 11b; Ps. 106, 7.) Dabei wird immer wieder deutlich: Der Hunger der menschlichen Seele nach Rettung aus Krankheit und Not, nach echtem Trost und nach Erlösung wird letztlich nicht durch Wundertaten gestillt, sondern allein durch die Person Jesus Christus, der sich uns in seinem Wort offenbart hat. (Lies Joh. 1, 1. 14; Joh. 6, 35; Ps. 17, 15.) »Der biblische Glaube lebt nicht von Wundern, sondern von dem Wort der Vergebung und der Liebe Gottes. Wunder sind immer nur gnädige Zugabe, wann und bei wem es Gott gerade für nötig hält« (J.Blunck). »Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben durch Zeichen, Wunder und mancherlei mächtige Taten nach seinem Willen« (Hebr. 2,1. 4).

Anfang

Donnerstag, 27.Mai

Markus 4,35-41; Psalm 46, 2-4.

Der See Genezareth war bekannt für seine raschen Wetterumschwünge. Wie aus dem Nichts konnte sich ein Orkan mit unglaublicher Geschwindigkeit auf die Wasseroberfläche herabstürzen. Seeleute fanden sich unerwartet in einem wild daherbrausenden Wirbelsturm wieder. Genau diese Erfahrung machten die Jünger von Jesus an jenem Tag. Von einer Minute zur anderen befanden sie sich in Lebensgefahr. Wer kennt ähnliche Situationen nicht aus eigener Erfahrung: dass »Wellenberge « sich türmen und wir den Eindruck haben, dass uns »das Wasser bis zum Hals steht«? Manchmal scheint es, als würde Gott zu unserer Situation schweigen. Die Jünger im Seesturm sind von panischer Angst ergriffen. Sie verstehen nicht, wie Jesus es fertig bringt, in dieser brenzligen Lage seelenruhig zu schlafen. Ist es ihm gleichgültig, was mit seinen Leuten passiert? In einem Lied heißt es: »Du hast keine Hoffnung mehr, und die Last ist dir zu schwer, wenn kalter Wind von vorne weht . . . Hilfe ist unterwegs« (J. Böttcher) (vgl. Ps. 121). Niemals lässt Jesus den im Stich, der ihm vertraut: »Ich will dich nicht versäumen noch verlassen« (Hebr. 13, 5). Zur rechten Zeit greift er ein (lies Ps. 37, 5- 7a). Zwei Befehle von Jesus genügen, und alles ist still. Wind und Meer kommen auf wundersame Weise zur Ruhe. Furcht – der griechische Text spricht von »großer« Furcht – kehrt unter den Jüngern ein. Noch können sie nicht begreifen, was geschehen ist. Sie fassen das für sie Unfassbare in Worte: »Wer ist der, dass ihm Wind und Wellen gehorchen?« – Das kann nur einer, sich Wind und Wellen untertanmachen: Gott selbst (Ps.93,4). »Wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da« (Ps. 33, 9). Gott kann auch unsere quälenden Fragen und Zweifel, unsere tiefsten Ängste und alles, was uns auf irgendeine Weise bedroht, zum Schweigen bringen. (Lies Ps.55, 2.3.19.23; 66, 8-12.)

Anfang

Freitag, 28.Mai

Johannes 5, 1-7; Psalm 106, 4.

Achtunddreißig Jahre krank, achtunddreißig Jahre bewegungsunfähig, achtunddreißig Jahre einsam – für den Betroffenen ein nicht endender Kreislauf von »Hoffnung – Enttäuschung« in scheinbar auswegloser Situation. Wie kann ein Mensch das aushalten: ständig konfrontiert zu sein mit der eigenen Schwachheit, mit Schmerzen aller Art, mit Niederlagen und Versagen im Vergleich zu anderen, zu denen, die gesund sind, oder seinen Leidensgenossen, die es schließlich doch schaffen, in das heilende Wasser des Teichs zu gelangen? Der von Krankheit Gezeichnete und in der Menschenmasse unbeachtet Gebliebene hatte die Hoffnung auf eine Veränderung bereits aufgegeben. Was hatte einer wie er noch vom Leben zu erwarten? Doch »hoffnungslose Fälle« gibt es für Gott nicht. Seine Wertschätzung und helfende Liebe jedem Einzelnen gegenüber macht vor keinem noch so großen menschlichen Elend Halt. Aller menschlichen Beurteilung der Lage setzt Gott entgegen: »Du bist wert geachtet in meinen Augen, und ich habe dich lieb« (Jes. 43, 4), und »Ich habe dich je und je geliebt, ich habe dich zu mir gezogen aus lauter Güte« (Jer.31, 3). Jesus kommt mitten hinein in die Welt des Lahmen. Er sieht den Kranken in seiner Not am Teich Betesda liegen, schaut ihn voller Mitgefühl an und wendet sich ihm liebevoll zu (1.Mose 16, 13a). Aus dem Kranken bricht seine tiefe Not heraus: Endlich kann er von seinem Elend und seiner Einsamkeit, von seiner Hoffnungslosigkeit und Verzagtheit sprechen. Da ist einer, der ihm zuhört und der ihn versteht. Ihm kann er sein Herz ausschütten. Dieser Eine kann helfen, dem Leben wieder Sinn schenken (Matth. 12, 20; Ps. 6, 10; 9, 19; 10, 14a; vgl. 2.Mose 3, 7. 8; 2.Kön. 13, 4. 5).

Anfang

Samstag, 29.Mai

Johannes 5, 1-15; Galater 5, 1.

Der Lahme vom Teich Betesda erfährt am eigenen Leib, wie Jesus ihn gesund macht. Doch nicht nur für seinen ausgezehrten Körper findet er Hilfe. All die vielen Jahre war er auch im Blick auf seine Sünde sich selbst überlassen gewesen, mit der abgebrochenen Beziehung zu seinem Gott und Schöpfer und mit den dunklen Bereichen in seinem Leben. Vielleicht quälten ihn zudem konkrete Schuld, Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe im Blick auf seine Krankheit. Nachdem der Geheilte bereits mit seinem Bett weggegangen ist, kommt Jesus ein zweites Mal auf ihn zu. Er richtet nun sein Augenmerk auf einen bisher toten Fleck, »legt seinen Finger« auf die wunde Stelle im Leben dieses Mannes. Jesus setzt dabei voraus, dass dieser genau weiß, worum es sich bei seiner Sünde handelt. Im Tempel, wohin dieser vermutlich gegangen war, um Gott zu danken, spricht er den geheilten Gelähmten an: »Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr.« Jesus hat bei seiner körperlichen Heilung bereits das noch größere Wunder an ihm vollbracht. Der Kranke erfuhr und erfährt nun auch mit Worten, was Vergebung heißt, was ein von Sündenlast befreites Leben ausmacht. (Lies Eph.1,7; Kol.1,13.14; 2,14; vgl. Luk.5,17-26.) Er erhält neue Perspektiven, ungeahnte Weite und Freiheit für sein Leben (Ps. 31, 9b; 18, 20; Hiob 36, 16). So kann er nicht mehr schweigen über das, was Jesus für ihn getan hat. (Lies Ps.9,2; 73,28; 145, 1-8; 2.Mose 15,2; Jes.12, 2-6; Hebr.13,15.) Vielleicht können auch wir einige Momente dankbar im Gebet auf Situationen in unserem Leben zurückschauen, wo Jesus uns oder Menschen um uns herum Ähnliches wie dem ehemals Gelähmten geschenkt hat: Befreiung von Sündennot und Gebundenheiten, Heilung von körperlichen Schmerzen und seelischen Nöten, Klärung von verfahrenen Situationen und Beziehungskon- flikten.

Anfang

Pfingstsonntag, 30.Mai

Johannes 16, 7. 8; Apostelgeschichte 2, 1-4. Fünfzig Tage nach der Auferstehung von Jesus und zehn Tage nach seiner Rückkehr in die unsichtbare Welt Gottes sandte er den Heiligen Geist. So hatte der Herr es seinen Jüngern versprochen: Dazu Johannes 14, 16. 17; Apostelgeschichte 1, 8. Dann geschah das Wunder, von dem die Apostelgeschichte berichtet. Warum musste der Heilige Geist überhaupt kommen? Ohne den Heiligen Geist können wir weder ein Christ werden noch ein Christ sein. »Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.« (Lies Röm. 8, 14-16.) Anders gesagt:

Wer ohne Jesus nicht mehr leben will, wer um die Vergebung seiner Lebensschuld weiß und Jesus Christus als seinen Herrn bekennt, in dessen Herzen wohnt für immer der Geist Gottes (Joh. 14, 16). »Das Wunder ist geschehen: Er hat einen neuen Motor in seinem alten Leben. Alle anderen Antreiber verlieren nun ihre Ansprüche und ihre Macht über uns. Gottes Geist ist Herr und macht lebendig. Alles kommt darauf an, dass wir in seiner Bewegung bleiben und uns von ihm leiten und umgestalten lassen« (W. Heide). In der Bewegung des Heiligen Geistes werden wir hellwach für die Bibel. Wie wir täglich Zeit brauchen, um zu essen und zu trinken, so brauchen wir für unseren inneren Menschen Zeit, um das Wort Gottes zu lesen. Zeit, um darüber nachzudenken und mit Jesus zu sprechen. Siehe Jeremia 15, 16; Römer 8, 26. Denn er will uns an jedem Tag neu begegnen. Er will unsren Glauben stärken, uns Mut machen, Zuversicht schenken und die Kraft, so zu leben, dass unsere Umwelt merkt: Hier ist Jesus zu Hause! (Vgl. Apg. 2,41-47.) In der Bewegung des Heiligen Geistes entdecken und entwickeln wir Fähigkeiten und lernen, sie einzubringen, damit Menschen für Christus gewonnen werden und die weltweite Gemeinde von Jesus gebaut wird. Zur Vertiefung: Römer 12,1ff.

Anfang

Pfingstmontag, 31.Mai

Hesekiel 36, 26. 27; 1.Korinther 6, 19.

Eine Reisegruppe fuhr an einer Kirche vorbei. Davor ein Schild mit dem Hinweis »Motorrad-Museum«. Es kommt leider immer öfter vor, dass Kirchen verkauft und in Museen umfunktioniert werden. – Mit dem Tempel unseres Leibes, von dem der Apostel Paulus spricht, kann etwas Ähnliches passieren. Er kann zum »Museum für christliche Altertümer« werden. Wir konservieren christliches Wissen. Dabei will der frische Wind des Heiligen Geistes durch die Fenster unseres Herzens in unser Leben wehen. Er will den Mief des alten Lebens vertreiben und unser praktisches Tun und Lassen nach dem Willen Gottes prägen. Manch ein Christ hat aus dem Tempel seines Leibes einen »Konsumtempel« gemacht. Wir ziehen vieles unkritisch in uns hinein, was auf dem Markt dieser Welt angeboten wird. Bei den Korinthern war es die sexuelle Freizügigkeit; was konkret ist es in deinem Leben? Dabei sollte der Tempel unseres Leibes ein Gotteshaus sein, in dem der Heilige Geist das Sagen hat und in dem Jesus sich wohl fühlen kann. So hat Jesus es immer gewollt: lies Markus 11,15-17.

Unser Leib soll ein Gotteshaus sein, das dem Gottesdienst gewidmet ist! »Wer fragt: Wie diene ich heute meinem Herrn, der verlässt das Konsumieren, denn er hat so manches zu tun. Gott möchte unseren Leib, seinen Tempel, sich neu heiligen. Schon die Stiftshütte wurde einmal im Jahr mit Opferblut Gott neu geheiligt (3.Mose 16, 16). So kann auch unser Leib durch das Blut von Jesus wieder neu ein Gott gefälliger Tempel werden. Wie erlebt mich heute der Ehepartner, der Nachbar? Was dringt aus dem Tempel meines Leibes nach draußen? Lobgesänge oder nur Missklänge? Was strahlt hinaus? Viel Hektik und Verdrossenheit oder – weil der Heilige Geist neu Wohnung in mir nehmen durfte – Liebe, Freude, Friede, Geduld . . . (Gal.5,22)« (A. Bahret)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang