Donnerstag,1.Mai Philipper 4, 11; Klagelieder 3, 21-26.
»Ich habe gelernt!« Jim Fraser wurde als Missionar in die Grenzprovinz Yünnan im Westen Chinas ausgesandt. Er arbeitete hart und intensiv an der fremdartigen Sprache, um möglichst bald das Evangelium weitersagen zu können. Doch das Einerlei des Sprachstudiums, die Ernüchterung im Blick darauf, was er sich vorgestellt hatte, und die Einsamkeit durch die Sprachbarriere brachten ihn in eine Krise. Er schrieb in jener Zeit: »Ich habe nachdrücklich zu lernen, dass es nicht entscheidend ist, was wir gerade jetzt zu tun haben. Solange Gott uns eine Arbeit tun heißt, ist die Treue entscheidend. Ist es nicht Gottes Wille, dass ich die Zeit des Sprachstudiums durchstehe? Warum dann das Stöhnen über die knappe Zeit zur persönlichen Lektüre? Obgleich es zum Natürlichsten von der Welt gehört, so zu denken, meine ich, dass Gott seine Kinder davon frei machen möchte. Der Apostel Paulus schreibt, er habe gelernt, zufrieden zu sein in der jeweils gegebenen Lage. Seine Ausdrucksweise sagt, dass er durch Übung zu dieser Haltung kam. Es wird bei uns nicht anders sein. Von Natur aus neigen wir dazu, immer nach etwas anderem Ausschau zu halten, das in der Zukunft liegt. Doch die Nachfolge besteht im Heute!« (Lies Phil.2,13.14; 2.Kor.3,3. 4.10.) Die Entschlossenheit, mit der Jim Fraser seinen Weg ging, trug reiche Frucht, als ihn große Aufgaben forderten. Doch Anfechtungen und offene Fragen begleiteten ihn und raubten ihm den Schlaf in der Nacht, bis ihm ein Licht aufging: »Alles Zeugnis für Jesus Christus ist Einbruch in den Herrschaftsbereich Satans. Das bedeutet immer Kampf . . . « Während der trübseligen Regentage, die seine Stimmung drückten, bekam Jim Fraser Post aus der Heimat. Der Inhalt zerriss gleichsam die Nebelwand, die seinen Blick getrübt hatte. Was er gewusst hatte, ergriff er neu im Glauben als Realität: »Satan ist grundsätzlich ein besiegter Feind!« (Lies 1. Kor. 15, 55. 57; Kol. 2, 15; 1. Joh. 3, 8.)
Freitag, 2.Mai Philipper 4, 10-12; 2.Korinther 12, 7-10.
»Ich habe gelernt!« Hinter diesen drei Worten verbirgt sich mancher Kampf, den Paulus durchlebte. Nicht jede Schwachheit und Not konnte er ohne inneren Kampf übernehmen. Er bat Jesus inständig, ihm doch den »Pfahl im Fleisch« wegzunehmen. Der Apostel sah darin ein Hindernis, die ihm anvertrauten Aufgaben gut ausführen zu können. Trotz seines wiederholten Hilferufs hatte der Herr nur eine Antwort für ihn: »Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!« Vielleicht müssen auch wir feststellen: »Mit unserer Macht mit unserer Kraft ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!« Wir brauchen eine Kraft, die nicht aus uns selbst kommt, eine nie versiegende Kraft, die uns durch unsere Tage trägt. Von Jesus berichtet der Evangelist Markus: »Am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus an eine einsame Stätte und betete.« Im Gespräch mit dem Vater empfing Jesus die Kraft für den vor ihm liegenden Tag. (Lies Mark.1,35; Matth.14,23; 26,36; Luk. 5, 16.) Von Joseph Haydn wird berichtet, dass er sich einmal in einer Gesellschaft hervorragender Musiker befand. Man unterhielt sich über die besten Mittel, wie die innere Kraft wieder aufzufrischen sei, nachdem sie sich durch anhaltendes Arbeiten erschöpft hatte. Der eine empfahl dies, der andere jenes. Haydn schwieg. Als man ihn fragte, was für ein Mittel er habe, um bei seinen zahlreichen Aufgaben frisch zu bleiben, antwortete er: »Ich ziehe mich zum Gebet zurück, wenn ich mich müde fühle. Dieses Mittel hat noch nie seine belebende Wirkung auf mich verfehlt.« Ob wir hier Neues zu lernen haben? Auch unsere Kraft wächst aus der Stille! (Lies Jes.30,15; Ps.37, 7a; 62,2.)
Jeder Tag in unserem Leben kann ein Tag mit Gott sein. Nicht alle Tage sind gleich. Jeder hat sein eigenes »Gesicht«. Wir erleben frohe und unbeschwerte, glückliche und traurige Tage, und solche voller Eile und Hetze. Schon am Morgen können uns die Sorgen überrollen. Manche Tage bringen uns angenehme, andere böse Überraschungen. Wie sich die Tage unseres Lebens auch gestalten mögen: Einer ist immer gegenwärtig, Einer geht mit uns hinein und hindurch. Selbst dann, wenn jemand über Wochen, Monate und Jahre die einzelnen Tage als eine einzige niederdrückende Last erlebt, die sich nicht einfach abschütteln lässt, die das Leben dunkel und schwer macht, dieser Eine ist da. Das erlebte auch Hanna, die Mutter Samuels. Ungelöste Fragen, ungeheuerliche Verletzungen hatten ihre Seele durchbohrt (1. Sam. 1, 1-8). Hanna war eine tief bekümmerte und maßlos traurige Frau. Doch es gab einen Tag in ihrem Leben, an dem sich das änderte. Es war der Tag, an dem sie sich entschloss, in das Heiligtum Gottes zu gehen, um dort ihre ganze Last und ihren sehnlichsten Herzenswunsch vor dem Herrn auszubreiten (1. Sam. 1, 9-11). Entlastet und getröstet kehrte sie zu ihrer Familie zurück: Sie »ging ihres Weges und aß und hatte nicht mehr ein so trauriges Gesicht«. »Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist« (Ps. 42, 6. 12; lies Ps. 91, 15; 50, 15; 40, 2-4; Jer.33,2.3; Joh.14,13.14). Zu jeder Zeit und an jedem Ort können wir unser Herz vor Jesus ausschütten. Ihm dürfen wir alles sagen. Er wird zwar nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllen.
Sonntag, 4.Mai 1.Samuel 1,24-28; 2, 1-10. 2.
»Um diesen Knaben bat ich. Nun hat der Herr mir die Bitte erfüllt . . . Darum gebe ich ihn dem Herrn wieder sein Leben lang . . . « »Zum Herrn rief ich in meiner Not, und er erhörte mich« (Ps. 120, 1). Samuel wuchs zunächst unter der Obhut seiner Mutter auf. Sie war eine Frau, die Gott liebte und ihm vertraute. Sie sagte jetzt nicht: Dieser Sohn ist meine »Gebetserhörung«, sondern: Er ist eine Gabe Gottes. Dem Herrn soll er gehören und ihm sein ganzes Leben lang dienen. Hanna wusste, dass Samuel ihr von Gott anvertraut war. Sie wird sich sehr bemüht haben, ihren Sohn so zu erziehen, dass auch er den lebendigen Gott Israels lieb gewann. (Lies Ps. 116, 1. 2; 18, 2. 3; Joh.21, 15-17.) Samuel lebte nach seiner Geburt etwa drei bis fünf Jahre bei seiner Mutter. Es war eine frohe und glückliche Zeit. Dann kam der Tag des Abschieds, und die Eltern überließen ihren Jungen dem Priester Eli in Silo. War jetzt die Zeit der Freude für Hanna vorbei? Keineswegs. Das bezeugt ihr Gebet: »Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.« Diese Mutter beanspruchte ihr Kind nicht als ihr persönliches Eigentum. Darum konnte sie Samuel loslassen. Denn sie hatte gelernt, Gott ohne »Wenn und Aber« zu vertrauen. Auch wenn sie ihren Sohn der Obhut Elis anvertraute, hatte sie ihr Kind im Grunde nicht Menschenhänden überlassen, sondern bewusst Gott übergeben. Hanna wusste den kleinen Samuel in der guten Hand Gottes und in seinen Dienst am Heiligtum gestellt. Dort war er bestens aufgehoben. Der Herr selbst würde ihn bewahren und segnen und zum Dienst bevollmächtigen. (Lies Ps. 20,7; 31, 6; 37, 23.24; 63, 9.) Mit dieser Gewissheit des Glaubens im Herzen ließ Hanna ihren Sohn in Silo zurück. Durch die Gnade Gottes hatte sie erkannt: Nicht das, was ich unter allen Umständen festhalten will, macht mich glücklich und zufrieden. Erfüllung und Segen bringt, was ich aus Liebe zu Gott tue oder lasse.
Montag, 5.Mai 1. Samuel 2, 11; Johannes 12, 26. 3.
Die Eltern Samuels kehrten in ihren Heimatort Rama zurück. »Der Junge aber diente dem Herrn vor Eli.« Auch ein Abschiedstag kann ein Tag mit Gott sein, wenn wir den anderen unter dem Schutz des Allmächtigen wissen. »Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen, . . . hör auf Gottes Worte, bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst« (M. Siebald). Für Samuel war es jetzt ganz wichtig, in der Nähe Gottes zu bleiben. Sein Platz war in Silo, im Heiligtum der Stiftshütte. Dort, wo einst seine Mutter ihr Herz vor dem Herrn ausgeschüttet und sich einen Sohn erbeten hatte, befand sich nun sein Dienstort. Hier begann er seine »Levitenlehre«, denn sein Vater Elkana gehörte zu den Nachkommen Levis (1.Chron. 6, 1-12). Die Leviten waren dazu bestimmt, alle die Arbeiten zu verrichten, die mit der Stiftshütte und später mit dem Tempel zu tun hatten (4. Mose 1, 48-51). Samuel diente dem Herrn und lernte vom Priester Eli. Dienstbereit nahm der Junge den ihm zugewiesenen Platz ein. Wie nehmen wir unsere Plätze im Leben ein, vor allem solche, die wir uns nicht selbst wählen konnten, die uns zugewiesen wurden: im Beruf, in Familie und Gemeinde, in der Gesellschaft? Manch einer kann sich mit seinem Platz, an dem er leben muss, nicht abfinden und ist höchst unzufrieden und gereizt. Vielen fällt es schwer, sich unterzuordnen. (Lies Eph. 5, 21; 1. Petr. 2, 13. 18.) Sie lehnen sich verdeckt oder offenkundig gegen eine übergeordnete Person auf. Doch es gibt Hilfe. Wir dürfen aufschauen zu dem, der über allen Menschen, über allen Verhältnissen und Umständen steht. Ihm können wir sagen, was uns schwer fällt. Er schenkt uns die Kraft, dass wir ihm auch an einem zugewiesenen oder ungeliebten Platz vertrauen. So kann sich unser Glaube bewähren. (Lies 2.Mose 33, 21; Matth. 11, 28-30; Röm. 8, 28.)
Dienstag, 6.Mai 1.Samuel 2, 12-17; 5.Mose 6, 4-9.
Samuels neues Zuhause war nun das Heiligtum in der Stiftshütte. Er schlief sogar dort, denn er musste den siebenarmigen Leuchter überwachen, damit seine Lichter nicht verlöschten (2.Mose 27,20.21). Dennoch waren die äußeren Umstände, unter denen er diente und lernte, alles andere als ideal. Schuld daran waren die Söhne des Priesters Eli, Hofni und Pinhas. Zwar »dienten« auch sie als Priester, fragten aber »nichts nach dem Herrn«. Samuel musste mit ansehen, wie sie den Opferdienst rücksichtslos zu ihrem eigenen Vorteil missbrauchten. Das Darbringen der Opfer sollte eigentlich Ausdruck der Anbetung Gottes und der stellvertretenden Sühnung für die Sünden des Volkes sein. Aber die Söhne Elis und deren Helfer »verachteten das Opfer des Herrn«. Wie sollte da aus dem heranwachsenden Samuel ein Diener Gottes werden, der den Herrn liebte und seine Gebote achtete? Die Frage in unseren Herzen klingt ähnlich: Wie schützen wir uns und unsere Kinder vor den unzähligen negativen Einflüssen? Was hatte Hanna für ihren Sohn getan, dass er in einer vergifteten Atmosphäre »ein Diener vor dem Herrn« sein konnte (V.18)? Als ernsthafte Beterin wird sie ihn immer wieder ganz bewusst der bewahrenden Hand Gottes anvertraut haben (vgl. Kap. 1, 28). Sie wird darauf vertraut haben, dass sich die großen Taten Gottes, von denen sie ihrem Sohn so oft erzählt hatte, tief in sein Herz eingeprägt hatten (5.Mose 6, 5-7). Samuel genoss als Kleinkind die umfassende Geborgenheit und Liebe seiner Mutter. Erst im Alter von drei oder fünf Jahren, so lange stillten damals die Mütter ihre Kinder, brachte sie ihn zu Eli (Kap. 1, 22). In den folgenden Jahren begleitete sie ihn unaufdringlich, indem sie ihn jedes Jahr einmal besuchte und ihm ein neues Oberkleid brachte (Kap. 2, 19). Wie viele Gebete mögen ihre Näharbeiten begleitet haben! Das Lob- und Danklied der Hanna in Kapitel 2 offenbart ihr tiefes Vertrauen, das sie zu Gott und seiner rettenden Macht hatte. (Lies Ps.131,2; Spr.31,1; Jes.66,13a.)
Mittwoch, 7.Mai 1.Samuel 2,22-26; Lukas 2, 52; 2.Thessalonicher 1, 3.
Samuel hatte in Silo schlechte Vorbilder. Während die Söhne Elis die Besucher von Silo schamlos ausnutzten, wuchs dicht neben ihnen in aller Stille ein Junge auf, an dem Gott sein Wohlgefallen haben konnte. Samuel sollte einmal dem Volk Israel als Priester, Prophet und Richter dienen. Der Gegensatz zu den Söhnen Elis war krass. Die Ermahnungen des alten Vaters kamen nicht in den Herzen der Söhne an. Eli konnte sich nicht durchsetzen, und die Söhne hörten nicht auf ihren Vater und sündigten frech weiter. Sie, die als Priester eingesetzt worden waren, verachteten das Opfergebot Gottes (3.Mose 7), indem sie voller Gier zuerst an sich dachten, Gott selber aber und sein Angebot der Vergebung unter »ferner liefen« platzierten. Wer aber würde dann einmal für sie im Gericht Gottes eintreten? (Kap. 2, 25; lies Hebr. 10, 26-29). »Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem Herrn und bei den Menschen. « Still ging er Tag für Tag und Schritt für Schritt den Weg der Bewährung in seinem Dienst. Er wurde nicht einfach und automatisch über alle Schwierigkeiten hinweggetragen. Mit dem täglichen Gehorsam in den kleinen Dingen des Alltags trug er dazu bei, dass er in dem unguten Milieu bewahrt blieb. Dieser Gehorsam wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Er musste ihn von klein auf lernen bei seiner Mutter und beim Priester Eli. Viele Jahre später sollte es vom Priester aller Priester, von Jesus, heißen: »Er lernte, obwohl er Gottes Sohn war, an dem, was er litt, Gehorsam.« (Lies Hebr.5, 7-10.) Es geht dabei nicht um ein »blindes« Gehorchen. Jesus folgte seinem Vater in allen Dingen, weil er ihn kannte und liebte und ihm völlig vertraute. Seinen Jüngern sagte der Herr: »Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.« »Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete« (Joh.14,21; 15,14).
Donnerstag, 8.Mai 1. Samuel 3, 1-3; Psalm 28, 1. 2. 4.
»Und der junge Samuel diente dem Herrn vor Eli. Und das Wort des Herrn war selten in jenen Tagen.« Wie konnte es so weit kommen, dass im Heiligtum Gottes seine Stimme nicht mehr gehört wurde? Der Priester Eli nahm dieses Schweigen offenbar hin und unternahm nichts, den lebendigen Gott Israels zu suchen, ihn um Vergebung anzuflehen, obwohl ein Mann Gottes ihn deutlich gewarnt hatte (1. Sam. 2, 27-36). Nun war Eli sehr alt, müde und blind geworden, unfähig, das Treiben seiner Söhne zu unterbinden. Das Heiligtum verkam zu einem Ort, an dem weder nach Gott verlangt noch an ihn gedacht und nicht mit ihm gerechnet wurde. In dieser gottlosen Atmosphäre versah Samuel seine tägliche Arbeit und befolgte die Anweisungen Elis. Er »diente dem Herrn«; er tat alles mit ganzer Treue und Hingabe. (Lies Kol.3,17.23. 24.) Aber das Reden des Herrn kannte auch er nicht. Sicher wusste er von Mose, mit dem Gott wie mit einem Freund geredet hatte. Doch das war damals, und die Zeiten hatten sich geändert! »Das Wort des Herrn war selten . . . « Vielen Menschen in unserer Zeit geht es im Umgang mit der Bibel nicht anders. Das Wort Gottes sagt ihnen nichts. Es redet nicht zu ihnen. Ist die Bibel eben doch ein Buch mit sieben Siegeln? Spricht Gott nicht mehr mit uns? Hat er sich zurückgezogen und in Schweigen gehüllt? Er hätte sicher viele Gründe, uns fallen zu lassen. Aber er liebt uns. Er möchte sehr gern mit uns ins Gespräch kommen und mit uns im Gespräch bleiben. Wollen wir das auch? Selbst wenn einer von Gott den Eindruck hat, dass er schweigt, lässt er sich dennoch mit einer kleinen, aufrichtigen Bitte zum Reden, zum Gespräch bewegen. »Wenn ich zu dir rufe, Herr, mein Fels, so schweige doch nicht . . . Höre die Stimme meines Flehens.« (Lies 2.Mose 2,23.24; 17,3-5; Ps.34,7; Jes.55,6; Luk.11,10; Apg.17,27.)
Freitag, 9.Mai 1.Samuel 3, 4-10; Jesaja 6, 8; Jeremia 1, 4-7.
»Und der Herr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! und lief zu Eli.« Samuel wusste noch nicht, wie es ist, wenn Gott ruft. Er kannte sein Reden noch nicht. Deshalb lief der Junge, ganz wie er es gewohnt war, zu Eli, wann immer dieser ihn ansprach. Sofort war Samuel bereit, alles zu tun, was Eli ihm sagte. So geschah es auch, als Samuel ein drittes Mal gerufen wurde. Da verstand Eli, dass Gott selbst mit Samuel reden wollte. »Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht hört.« Der Priester Eli wusste, wie ein Mensch, den Gott anspricht, sein Inneres »auf Empfang« zu stellen hat, um für die Stimme Gottes hörbereit zu sein. Der Bibeltext erwähnt nicht, welche Gedanken und Empfindungen in Elis Herz kamen, als ihm klar wurde, dass Gott wieder einen Menschen, dazu einen sehr jungen Menschen, ansprach, dem er sein Wort anvertrauen wollte. Entscheidend ist, dass wir uns unabhängig von Alter und Beruf ein kindlich weiches und waches Herz für Gottes Stimme erhalten. Für den Priester Eli war nun die Zeit gekommen, den aktiven Dienst zu verlassen. Gott selbst hatte den Zeitpunkt und den Nachfolger gewählt. Der Herr leitete einen Neuanfang in seinem Volk ein. Der Größte trat zum Kleinsten und rief ihn bei seinem Namen. Und der Junge stellte sein Herz auf Empfang ein: »Rede, denn dein Knecht hört« (V. 10). Diese Antwort veränderte Samuels Leben von Grund auf. Der Höchste, der Heilige Israels, war in sein Leben getreten, hatte mit ihm, dem Jüngsten im Dienst am Heiligtum, eine persönliche Beziehung aufgenommen. Gott hatte Samuel erwählt, sein Botschafter für die Menschen zu sein und ihnen seinen Willen zu verkündigen. Das wird für Samuel bedeuten, nicht im eigenen Namen aufzutreten und zu reden, sondern im Namen des lebendigen Gottes. (Lies Apg. 26,12-19; Jes.43,1; 1.Thess.5,24; 2.Tim.1,9; Offb.3,20.)
Samstag,10.Mai 1. Samuel 3, 11-18; Amos 3, 7; 1.Mose 18, 17.
»Und der Herr sprach zu Samuel . . . « Der junge Diener am Heiligtum in Silo war jahrelang unter schwierigen Umständen im Kleinen treu gewesen. Jetzt übertrug Gott ihm eine große Verantwortung. »Der Herr zieht ins Vertrauen, die ihn fürchten« (Ps. 25, 14a). Es war eine äußerst schwerwiegende und harte Rede Gottes, die Samuel zu hören bekam. Mit aller Wucht steht hier Gottes Heiligkeit im Zentrum. Gott ist nicht nur in seiner Liebe, in seinem Trost und seiner Güte ernst zu nehmen, sondern auch in seiner Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit. Der Priester Eli wusste darum. Er hätte das sündige Treiben seiner Söhne aus dem Haus Gottes gewiss verbannen müssen. Aber Wissen und Tun klaffen hier erschreckend weit auseinander. Nun sollten er und seine Söhne erleben, dass sie unter dem Fluch der Sünde sterben müssen. Denn sie hatten dreist und frech das Herzstück des Opferdienstes, die stellvertretende Sühne der Schuld und die Vergebung der Sünden, mit Füßen getreten. Es wird einen Schrecken ohne Ende geben für Menschen, die das Versöhnungsangebot Gottes verachten. So ernst nimmt Gott seine Menschen: Er ruft sie persönlich und liebevoll beim Namen und warnt zugleich eindringlich vor der zerstörerischen Gewalt der Sünde. Wir brauchen beides das ermutigende und das ermahnende Reden Gottes, Trost und Zurechtweisungen, Zuspruch und Korrektur. Es ist zu unserem Besten, wenn wir bei den Ermahnungen der Bibel nicht gleich weghören oder schnell weiterblättern, sondern darüber nachdenken, ob wir nicht in dieser oder jener Sache umdenken und umkehren müssen. (Lies Matth. 7, 21. 24.) Eli und seine Söhne damals haben die Opfer verachtet. Achten wir darauf, dass wir das ein für allemal gültige Opfer Jesu am Kreuz ganz ernstnehmen. Wir haben dadurch im Glauben eine bleibende Erlösung zum ewigen Leben und Vergebung all unserer Sünden empfangen. (Lies Eph. 1, 7. 8; Röm. 6, 11-14; 8,1.2; Hebr.12,25-29.)
Sonntag, 11.Mai 1.Samuel 4, 1-3; 3, 19-21; Psalm 1, 6. 5.
»Und Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm.« Mit zitterndem Herzen musste der junge Samuel dem alten Priester die Gerichts-Botschaft Gottes über das Haus Eli verkünden (Kap. 3, 15-18). Von jetzt an würde Samuel der Botschafter Gottes sein. Das Volk erkannte recht bald in dem jungen Mann den von Gott erwählten Propheten. Alle konnten es wahrnehmen, dass der Herr durch ihn redete. Während über Silo die dunklen Wolken einer Katastrophe heraufzogen, hatte Gott an eben diesem Unglücksort schon den entscheidenden Neuanfang eingefädelt: »Und der Herr erschien weiter zu Silo, denn der Herr offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort.« Der Tag des Unheils begann mit einem Krieg. Die Philister, die einen großen Teil der Küstenregion amMittelmeer beherrschten, zogen gegen das Heer Israels in den Kampf. Dieser endete für das Volk desHerrn in einer Niederlage.Nun tauchten Fragen auf. Wie konnte das passieren? Warum waren sie, die Gott erwählt, erlöst und geführt hatte, nicht fähig, die Feinde zu bezwingen? Es war von Anfang an ein Kampf ohne Gott. Niemand hatte ernsthaft das Gespräch mit dem Allmächtigen gesucht: »Herr, wir sind in großer Not. Dieser Feind ist zu stark für uns. Wir können ihn nicht überwinden. Was sollen wir tun? Zeig uns doch bitte, wie es weitergehen kann!« (Lies 1.Sam. 23, 2. 4; 1.Chron. 14, 10. 14. 16; 2.Chron. 20, 1-3. 12-19. 22; Ps. 25, 15.) Wir müssen nicht gegen Philister kämpfen. Und doch stehen wir täglich im Kampf. Unser eigentlicher Feind ist unsichtbar. Jesus nannte ihn einmal »den Vater der Lüge und Menschenmörder von Anfang an« (Joh. 8, 44). Wir brauchen Jesus, der diesen Feind durchschaut und im größten Entscheidungskampf am Kreuz überwunden hat. Wer immer sich Jesus anvertraut, hat sich dem wahren Sieger anvertraut. Wer den Sohn Gottes hat, der hat mit ihm auch den Sieg. (Lies Kol. 2, 13-15; 1.Kor. 15, 55. 57; 2.Kor. 2, 14; 1. Joh. 5, 4. 5.)
Montag, 12.Mai 1. Samuel 4, 3. 4; 2.Mose 25, 17-22.
»Warum hat uns der Herr heute vor den Philistern geschlagen?« Die Ältesten Israels hatten eine schnelle Lösung: Das Herzstück der Stiftshütte, die Bundeslade, der »Thron Gottes«, sollte ins Heerlager geholt werden. Man dachte: Haben wir die Lade bei uns, dann haben wir Gott bei uns. Haben wir Gott, dann haben wir Sieg. Ein guter Gedanke? Das schreckliche Ergebnis des Unternehmens spricht für sich. Wo lag der Knackpunkt? Wir finden ihn, wenn wir nach der ursprünglichen Bestimmung der Bundeslade fragen. Die Bundeslade mit Standort im Allerheiligsten der irdischen »Wohnung« Gottes war das Lebenszentrum der alttestamentlichen Gemeinde. Hier lagen die Zehn Gebote. Hier gab es Orientierung und, was das Größte war, hier wurde die Sünde entschärft. Hier gab es eine umfassende und vollwertige Versöhnung mit Gott. Hier wurde das todbringende Gerichtsurteil Gottes über den Sünder in pure Begnadigung des Sünders verwandelt, weil Gott das Blut des Sühnopfers zur Versöhnung mit ihm anerkannte (3.Mose 16, 15-17). Das geschah einmal im Jahr am höchsten Festtag in Israel, am großen Versöhnungstag. All die vielen anderen Opfer, die sonst zum Heiligtum gebracht wurden, waren im Grunde durch die Generalbereinigung am großen Versöhnungstag beglaubigt. Was aber, wenn das Glaubensleben zum religiösen Ritus erstarrt? Dieser Gefahr war das Volk Gottes jetzt erlegen. Israel hatte die Bundeslade gewissermaßen zum Talisman, zum Glücksbringer gegen das Unheil entwertet. Doch darüber starb die lebendige Beziehung zu Gott. Heute will ich mich vom Wort Gottes fragen lassen: Gibt es in meinem Leben einen Versöhnungstag mit Gott? Oder ist die Beziehung zu ihm blockiert? Niemand muss von Unversöhnlichkeiten und Irrtümern umklammert bleiben. Worin auch immer meine persönliche Not oder Schuld besteht, wir haben einen einzigartigen »Gnadenthron« (Röm. 3, 25). »Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben« (Hebr. 4, 16; 9,26b-28; Kol.1,20).
Dienstag, 13.Mai 1. Samuel 4, 6-18; Klagelieder 3, 22. 26.
In Israel herrschte brausender Jubelsturm auf der Seite des Feindes helles Entsetzen über den Einzug der Bundeslade ins Lager Israels. Siegesgewiss glaubten die Israeliten den mächtigen Feind bereits kassiert zu haben. Doch sie täuschten sich. Als es darauf ankam, im Kampf zu bestehen, war aller Mut von ihnen gewichen, und sie erlitten eine schwere Niederlage. Sie hatten lediglich den Anschein erweckt, im Namen Gottes und in seiner Kraft den Philistern siegreich entgegentreten zu können. Die schwere Niederlage dagegen offenbarte die stolze Vermessenheit und den durch Sündenschuld ausgehöhlten Glauben Israels. Eli unterdessen saß in Silo auf seinem Stuhl und wartete angespannt auf Nachricht vom Kriegsschauplatz. Dann kam die Katastrophenmeldung: Israel auf der Flucht, dreißigtausend Gefallene, darunter beide Söhne Elis, die Bundeslade geraubt und in Feindeshand. Schrecken, Tod und Tränen, wohin man auch blickte! Das brach dem leidgeprüften alten Mann das Herz und kostete ihn und auch seiner Schwiegertochter das Leben. Sterbend rief sie aus: »Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel; denn die Lade Gottes ist weggenommen « (V. 22). Die Frau des Pinhas hat hier die geistliche Not Israels auf den Punkt gebracht: Ohne Bundeslade keine Gnade! Ohne Gnade keine Versöhnung. Ohne Versöhnung keine Freude. Ohne Freude kein Leben. Gott aber ist ein Freund des Lebens. Er hat das Leben gemacht und nicht den Tod. »Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der Herr. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben« (Hes. 18, 32). Silo verlor zwar seine geistliche Bedeutung, aber Gott hat sein Volk nicht verlassen. Samuel war jetzt der neue Gottesbote, dessen Herz und Leben ungeteilt auf den Herrn des Lebens ausgerichtet war. Damit bot Gott seinem Volk die Chance eines neuen Vertrauens (Ps.27,3; 32,10; 62,9; Jes.50,10; Jer.17,7; Micha 7,7).
Mittwoch, 14.Mai 1. Samuel 7, 2-4; Psalm 63, 2; Jesaja 26, 9. 6.
Das angekündigte Gericht über Eli und seine Söhne war eingetroffen, das Volk ausgeblutet und das Heiligtum beraubt. In Silo war es still geworden. Gottesdienste und Feste wurden nicht mehr gefeiert. Nach sieben Monaten gaben die Philister die Bundeslade an Israel zurück. Sie wurde in einer Ortschaft bei Jerusalem eingelagert (Kap. 5 und 6). Dort blieb sie etwa 100 Jahre lang, bis König David sie nach Jerusalem holen ließ (2. Sam. 6, 1. 2; 1. Chron. 13, 6). Samuel war nach den schweren Ereignissen vermutlich nach Rama, in seinen Heimatort, zurückgekehrt. Zwanzig lange Jahre musste er warten, bis das Volk Israel sich wieder auf seinen Gott besann. Bis dahin bestimmten die Gottheiten Baal und Astarte das tägliche Leben. Baal war hauptsächlich für die Natur und den Donner zuständig, Astarte für die Liebe und den Krieg, und beide zusammen für die Fruchtbarkeit von Land und Leuten. Dieser Götzenkult erlaubte ein ausschweifendes Leben, das die Israeliten in seinen Bann zog. Nun waren sie dessen müde geworden und erkannten, wie sehr ihr Leben von diesem Kult ausgezehrt wurde. »Das ganze Haus Israel wehklagte hinter dem Herrn her. Samuel aber sprach: Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu dem Herrn umkehren wollt, dann tut die fremden Götter und die Astarot aus eurer Mitte weg!« Umkehren bedeutet, die eingeschlagene Richtung aufzugeben und in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Es ist unmöglich, sich in beide Richtungen zugleich zu bewegen. Manche denken, sie könnten »ein bisschen« umkehren und doch noch etwas von der herkömmlichen Ausrichtung des Lebens mitnehmen. Samuel wusste um die Versuchung und Gefahr, auf diesen Selbstbetrug hereinzufallen. Allein die ganzherzige Hinwendung zu dem lebendigen und wahren Gott und die entschlossene Abkehr von den »Götzen« bewahrt uns vor dem Verderben. Wir können in unserem Leben nur in einer Richtung unterwegs sein. (Lies Matth.7,13.14; Jos.24,23; Jes.44,22; Offb.2,5; Luk.15, 7; Apg.14,15.)
Donnerstag, 15.Mai 1.Samuel 7, 4. 5; Richter 10, 14-16.
»Da taten die Israeliten von sich die Baale und Astarten und dienten dem Herrn allein.« »Niemand kann zwei Herren dienen: entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon« (Matth. 6, 24). Jesus sagt es klar und deutlich: In unserem Leben kann es keine »zwei Herren« geben. Denn jeder der »Herren« beansprucht den ganzen Menschen. Manch einer wehrt sich, wenn er erfährt, dass Jesus unser »ganzes Herz« haben will und keine anderen »Götter« neben sich duldet. Der Betreffende denkt: Das ist übertrieben, ich kann mich doch nicht von allem Weltlichen abschotten. Es ist nicht übertrieben, mit Jesus und seiner Herrschaft über unser Leben ganze Sache zu machen es ist unser Schutz vor den Mächten und den »Herren«, die uns zerstören wollen. Deshalb sollen auch wir uns von allem trennen, alles aus unserer Mitte wegschaffen, was nicht zu einem Leben mit Gott und für Gott passt. »Ein Leben, gegeben für den Herrn der Welt! Ein Leben, gegeben für das, was wirklich zählt! Ein Leben für Gott, für ihn allein, das soll mein Leben sein« (L. Di Nunzio). (Lies 1. Petr.1,18.19; 1.Kor. 6,19.20; 7,23; 2.Kor.5,15; Röm. 6, 11ff; 14,7-9; Gal. 2,20.) Die Israeliten damals haben zwanzig Jahre gebraucht, bis sie erkannten, dass der Umgang mit den fremden Göttern ihnen keinen Sieg über ihre Feinde gab. Im Gegenteil: Sie gerieten in sklavische Abhängigkeit, und nur der entschlossene Schritt zurück zu dem lebendigen Gott Israels konnte sie daraus befreien. Samuel half ihnen dabei, damit ihre Umkehr nicht eine Sache des Augenblicks wäre, wie es so oft in ihrer Vergangenheit vorgekommen war. »Samuel aber sprach: Versammelt ganz Israel in Mizpa, dass ich für euch zum Herrn bete.« Das Fürbittegebet ist ein Liebesdienst, auf den die Gemeinde Gottes nicht verzichten darf.
Freitag, 16.Mai 1. Samuel 7, 6-8; 1. Johannes 2, 1. 2.
Das Volk Israel versammelte sich in Mizpa, einem Ort auf den Höhen der Berge Samarias. Dort wollte Samuel das Volk vor Gott vertreten und für sie bitten (V. 5; vgl. 2.Mose 32, 11-14). Es wurde ein Tag des Gebets. Sie fasteten und bekannten ihre Vergehen: »Wir haben an dem Herrn gesündigt.« Sie standen im Licht Gottes und schütteten ihr Herz vor ihm aus. Es ist entlastend und befreiend, dass wir im Gebet durch Jesus Christus vor Gottes Thron kommen können. Es macht uns innerlich frei, wenn wir erkennen, dass er alles über uns weiß. Vor ihm können wir uns zeigen, wie wir wirklich sind und bei ihm ausschütten, abladen und abgeben, was nicht zu ihm passt. Er wird uns alles abnehmen und uns stattdessen mit seiner Kraft füllen, damit wir seinen Weg mutig weitergehen können. (Lies Ps.34,19; Eph.3,14-16.) »Als aber die Philister hörten, dass die Söhne Israel sich in Mizpa versammelt hatten . . . « riefen sie sofort ihre Streitkräfte zusammen. Ein Israel, das sich einig war und seinem Gott gehorchte, war auch ein starkes Israel. Und doch fürchtete sich das Volk vor dem Feind. Kaum hatte es sein Leben mit Gott in Ordnung gebracht, standen schon die Feinde vor der Tür, bereit, alles wieder zunichte zu machen. Was sollten die Israeliten nun tun? Diesmal trafen sie die richtige Entscheidung: »Lass nicht ab, für uns zu schreien zu dem Herrn, unserem Gott, dass er uns helfe aus der Hand der Philister« (vgl. Kap. 4, 3). Sie liefen zu Samuel und nahmen ihn als Priester in Anspruch. Manchmal ist es besonders hilfreich, wenn wir andere um Gebetsunterstützung bitten, wohl wissend, dass all unser Beten von der Fürsprache unseres großen Hohenpriesters lebt. Jesus tritt beständig für uns ein. Zu ihm dürfen wir jederzeit kommen. Bei ihm werden wir nie hören: »Keine Zeit. Bin gerade beschäftigt. Nein danke. Lieber morgen . . . « Jesus hat immer Zeit für uns. An ihn dürfen wir uns halten. (Lies Hebr.4,14-16; 7, 24-27.)
Samstag,17.Mai 1.Samuel 7, 9-14; 5.Mose 4, 34. 35.
»Und Samuel . . . opferte dem Herrn. . . und schrie zum Herrn für Israel, und der Herr erhörte ihn.« Zwanzig Jahre musste Samuel auf diesen Tag warten. Sicher hat er jeden Tag in dieser langen Wartezeit mit seinem Herrn durchlebt und auf diesen Tag der Umkehr Israels gehofft. Nun stand er am Altar, opferte das Lamm und betete für das bedrängte Volk, denn die Philister standen schon zum Krieg bereit. Die Not war sehr groß, aber Gott ist größer. (Lies Ps.96, 1-6; 95,3; 135, 5. 6; 145, 3.) Samuel kämpfte im Gebet, indem er alle Hoffnung auf den Herrn setzte. Die Israeliten waren auf einen Krieg nicht vorbereitet. Die Feinde hätten keinen besseren Augenblick des Angriffs wählen können. Aber Gott erhörte das Gebet Samuels. Der Herr setzte seine Kraft und Vollmacht für sein Volk ein, wie er es schon oft getan und sie gerettet hatte. Diesmal ließ er es lautstark donnern. (Lies Ps. 77, 14-19.) Das kommt uns vielleicht seltsam vor. Erinnern wir uns: Baal, den Israel vorher verehrt hatte, war auch der Gott des Donners. Nun machte der Herr im Himmel offenbar, wer wirklich Macht über den Donner und die Naturgewalten hat. Es donnerte so schrecklich, dass die Philister panikartig die Flucht ergriffen. Mit dieser »Schützenhilfe« vom Himmel konnten die Israeliten ihre Feinde leicht vertreiben. Gott kämpft für alle, die ihn ernstlich anrufen, die zu ihm umgekehrt sind und darum wissen, dass über ihm keiner ist, der mächtiger wäre. (Lies 1.Chron. 29, 10. 11; Ps. 27, 1-3; 28, 7; 40, 2-6; 54, 3-6; 116, 1-9.) Nach diesem wunderbaren Sieg begann für Samuel die eigentliche Tätigkeit als Richter, Priester und Prophet. Von Rama aus zog er durch das Land und lehrte das Volk (Kap. 7, 15-17). Jeder Tag, ob zu Hause oder unterwegs, war für ihn ein Tag mit Gott.
JESUS CHRISTUS WIE ER WAR UND HEUTE WIRKT (Markus 1,1-15)
Sonntag, 18.Mai Markus 1, 1; 1.Mose 1, 1ff. 1.
Wenn Gott den Anfang macht, wird alles gut
Wie zu Beginn der Welt-Schöpfung Gott alles Leben ins Dasein rief und den Anfang der Menschheitsgeschichte machte, so begann mit der Sendung Jesu ein völlig neues Kapitel der Weltgeschichte. Dieser Anfang hat eine sichtbare und eine unsichtbare Seite. Für unser menschliches Auge erkennbar, liegt der »Anfang des Evangeliums« in der Weihnachtsgeschichte, die Markus nicht ausführt anders als die Evangelisten Matthäus (1, 18ff) und Lukas (2, 1ff). Der unsichtbare und doch reale Anfang des einmalig Neuen liegt in Gott selbst. Schon »vor Grundlegung der Welt«, bevor Gott die Welt erschuf, hat er voll Zuneigung und Liebe an uns gedacht und uns in seinem Sohn Jesus Christus auserwählt, »dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade« (Eph. 1, 4-7). Das ist der glücklichste Anfang, wenn Jesus in ein Menschenleben kommt und es neu gestaltet. Nun darf jeder Tag ein Tag mit Jesus sein. Wie hilfreich für uns, wenn wir den neuen Tag, der noch unberührt vor uns liegt, im Gespräch mit unserem Vater im Himmel beginnen (Hiob 1, 5; Ps. 46, 6; 143, 8; Mark. 1, 35). Schon am Morgen, vor aller Arbeit und den Forderungen des Tages, dürfen wir den Herrn anbeten und seine Führung erbitten: »Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein« (Heinrich Albert, 1642).
Montag, 19.Mai Markus 1,1; Hebräer 12,2.
»Aller Anfang ist schwer.« Davon wissen große und kleine Leute, junge und alte Menschen ein Lied zu singen. Dass wir manche Aufgaben und Arbeiten auf die lange Bank schieben, kann mit dem Schwierigkeitsgrad eines Projektes, mit Unsicherheit und Ungewissheit, die einen Anfang erschweren, zusammenhängen. Wie unfassbar schwer es für den Sohn Gottes gewesen sein mochte, zu Beginn der Zeitenwende in unsere kranke, korrupte und kaputte Welt zu kommen und in ihr zu leben, können wir nur erahnen. (Vgl. Phil.2, 6-8; Matth.2,13. 16-18; Hebr.2,17.18; 4,15.) Er, der immer schon da war (Spr.8,22-30; Joh.1,1. 2; 17, 5), der Ewige, macht inmitten einer sterbenden Welt in allem, was Menschen wirklich und wahrhaftig helfen kann, den Anfang. Aber nicht so, dass ers anfängt und dann liegen lässt. Jesus Christus ist Anfänger und Vollender in einer Person. Wenn er einen Anfang macht, liegt darin schon die Kraft zur Weiterführung bis hin zur Vollendung. Das wird übrigens im Urtext darin deutlich, dass der Begriff »Anfang« auch die Bedeutung von »Herrschaft, Macht, Obrigkeit« hat. Jesus, der »Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebr. 12, 2), hat alle Macht, »Glaube, Hoffnung, Liebe« in mir anzufangen, zu stärken und zu vollenden. Für meine kleine, bruchstückhafte Lebenswelt ziehe ich die Konsequenz: Überlass dem herrlichen Anfänger in allem den Vortritt. Konkret: Ich fürchte mich vor einer schwierigen Aufgabe. Dann sag ich ihm: »Herr, ich habe Angst. Mach du den Anfang. Gib mir gute Gedanken. Schenke Mut und Vertrauen, die Sache jetzt anzupacken.« Mit Jesus können wir all unseren Lebensbereichen ins Gesicht schauen und immer wieder Glauben wagen. Sollte er, der sein gutes Werk in mir begann, es nicht auch vollenden? (Phil.1,6; vgl. 1.Kor.1, 8).
Dienstag, 20.Mai Markus 1,1; Offenbarung 14,6.
Jesus Christus, Anfänger und Vollender das ist »Evangelium«, Freudenbotschaft, Jubelruf, Siegesmeldung, Heilsbotschaft, gute Nachricht. Markus setzt den Begriff achtmal ein (1,1.14.15; 8,35; 10,29; 13,10; 14,9; 16,15). Wenn wir diese Verse lesen, wird deutlich, dass Markus mit »Evangelium« zwei Schwerpunkte verbindet: Erstens geht es um die internationale Verkündigung des Evangeliums. Zweitens ist das Evangelium konsequent an die Person Jesu gebunden, wie bereits in Jesaja 52, 7 angekündigt. Damit ist von Anfang an und immer wieder gesagt: Der Inhalt des Evangeliums ist eigentlich keine »Sache«, kein »Programm«, kein »Thema«, sondern eine einzigartige Persönlichkeit Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Jesus Christus, das Evangelium Gottes in Person, ist sozusagen die »enge Pforte«, das »Nadelöhr« aller sachgemäßen, biblisch orientierten Verkündigung. Anders gesagt: An Jesus Christus vorbei gibt es keine Rettung, kein Heil, keinen Frieden (Apg. 4, 12). Über der verzweifelt finsteren Welt der Drohbotschaften, Lügenberichte, Fluchlisten und Unglücksmeldungen lässt Gott die Sonne seines Evangeliums aufgehen. Wie er am Anfang aller Zeit die Schöpfung aus wirrem Chaos durch sein Allmachtswort ins Leben rief, so auch am Anfang der Zeitenwende: Da macht er den neuen Menschen. Da ruft er uns aus Sündennebel und Todesnacht durch sein Evangeliumswort, das Fleisch gewordene Gotteswort (Joh.1,1.2.14), hinein in seine Lebensfülle. »Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist« (Kol.2, 8-10; vgl. Joh.1,16-18).
Bei Markus fällt auf, dass er sein Evangelium ohne »Vorgeschichte« des Messias eröffnet hat. Auch die Informationen zu Johannes dem Täufer bringt er knapp und prägnant auf den Punkt. Offenbar steuert der Evangelist im Steilanflug auf den Höhepunkt zu: auf Person und Sendung Jesu Christi. Schauen wir uns nun die großen Linien an, die zu Jesus führen. 1. Der »Anfang des Evangeliums« gilt als langfristig vorbereitet. Wenn Gott handelt, fällt er nicht mit der Tür ins Haus. Gewiss kann er unerwartet und überraschend zur Tat schreiten. Und doch kennzeichnet sein Wirken weder Laune noch Improvisation, sondern planvolles und sorgfältiges Tun, das in seiner Liebe und Treue wurzelt. »Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja . . . «, so geschieht es jetzt: Johannes trat auf (V. 2. 4). Gottes Taten springen uns nicht raubtierartig an, sie stehen längst in seinem guten Wort. Weit über die Verkündigung Jesajas hinausgehend, hatte er die Christusgeschichte in der Israelgeschichte vorbereitet. (Vgl. 1. Mose 12, 2 mit Gal. 3, 14.) Wir müssen nur offene Augen (»Siehe, ich . . . «, V. 2) für Gottes Vorsorge bekommen. 2. Das Alte und das Neue Testament bilden eine Einheit auf Christus hin. Im Alten Testament sehen wir Christus verborgen, verhüllt (Luk.24,25-27; Joh. 5, 39). Im Neuen Testament sehen wir Christus enthüllt geoffenbart als Fleisch gewordenes Wort (Joh.1,14). Lücken und (scheinbare) Widersprüche im biblischen Kanon haben ihren Grund in menschlicher Unkenntnis, aber niemals im Wort, im Wesen und Wirken Gottes. Wenn Gott selbst heilig, gerecht und gut ist, dann auch sein Wort (Röm. 7, 12; Ps. 12, 7). Darum darf ich mich, auch wenn ich nicht alles verstehe, vorbehaltlos diesem herrlichen Gotteswort anvertrauen und dem Herrn die Erfüllung seines Wortes zutrauen. Welche Qualität hat die Bibel für uns in unserem Denken und Leben? Hilfreiche Impulse: Psalm 19, 8-15; Matthäus 4, 4; 2. Timotheus 3, 15-17. Gibt es persönliche Glaubenserfahrungen, die bestätigen, dass Gott sein Wort erfüllt?
Wir überlegten, welche Linien in der Einleitung des Markusevangeliums zu Jesus Christus führen. 3. Lehre und Logik der Schrift prägen das Leben des Wegbereiters. Haben Sie bemerkt, dass Markus unter der einen Bemerkung »wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht« zwei alttestamentliche Propheten zitiert hat (Mal. 3, 1; Jes. 40, 3)? Es war im Judentum üblich, unter Angabe einer Quelle verschiedene Bibelworte miteinander zu verbinden; vgl.die Kombinationszitate inMatthäus 5, 33; 27, 9ff. Die Sinngebung liegt auf der Hand: »Mein Bote« ist der von Gott Gesandte, hier Johannes der Täufer (V. 4ff), der die Ankunft des Sohnes Gottes (»der Herr«, V. 3) vorbereiten soll. Das geschieht zunächst in der mündlichen Verkündigung des Wortes Gottes. Darum heißt es: »Stimme eines Rufenden.« Diese Formulierung klingt etwas umständlich, ist aber bewusst gewählt, um die innere Einstellung des Täufers gegenüber dem kommenden Herrn zu kennzeichnen: Johannes ist »Stimme eines Predigers« Jesus das Wort Gottes in Person (Joh.1, 1-3.14). Johannes zeigt die Sünden auf (V. 4) Jesus trägt sie weg (Joh. 1, 29). Johannes tauft mit Wasser (V. 4. 8) Jesus mit dem Heiligen Geist. Und wenn der Täufer sich nicht einmal für würdig genug hält, die Riemen der Sandalen Jesu aufzubinden, was damals zur Sklavenarbeit gehörte, bringt er sich selbst gleichsam zum Verschwinden. Hier spricht nicht die Minderwertigkeit. Das Gegenteil ist der Fall: vgl. Lukas 1, 5-17. Wer sich von Gott gewollt, geliebt und geführt weiß (Jes. 43, 1-4; Jer. 31, 3), wer sein Leben, auch die unfasslichen Führungen und schweren Aufgaben, immer wieder annehmen lernt, wird ein freier, zufriedener Mensch. Aus dem persönlichen lebendigen Gottvertrauen wächst gesundes Selbstvertrauen und nüchterne Selbsteinschätzung. »Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen . . . « (2.Kor.15,10).
Schauen wir uns den Ort der Verkündigungsarbeit des Johannes an! Der Begriff »Wüste« (V. 3. 4) meint hier nicht die unbewohnbare, wasserlose, dürre Sandwüste, sondern den Steppengürtel, der den Übergang zurwasserlosen Sandwüste bildet. Sie besteht aus einem wild zerklüfteten Kalksteingebiet mit schwacher Humusschicht und dürftiger Pflanzenwelt. Johannes lebte und wirkte in diesen einsamen, kargen und nicht ungefährlichen Wüstengebieten. Warum ausgerechnet hier? Die Wüste galt zwar von jeher als Ort der Bedrohung (5.Mose 8, 15; Mark. 1, 12. 13), des Gerichts (4.Mose 32, 13) und der Prüfung (5.Mose 8, 2), besonders aber als ein Ort intensiver Gottesbegegnung (2.Mose 3, 1ff; 5, 1; 19, 2-6; 4.Mose 1,1; Gal.1,17), wunderbarer Bewahrung, Versorgung und Segnung (4.Mose 24,1ff; 5.Mose 2,7; 32,10; Neh.9,21) und als ein Ort der Neuanfänge (Jes. 40, 3; Hos. 2, 16-25). Kein Wunder also, dass die messianischen Erneuerungsbewegungen gerade in der Wüste ansetzten (vgl. Matth. 24, 26; Apg. 21, 38). Man erwartete von dort den Messias und mit ihm die große Wende, die Aufrichtung der Gottesherrschaft. Wir in Europa sind nicht in Steppen und Wüsten zu Hause, aber haben wir nicht auch unsere moderne Wüste? Die Öde und Einsamkeit einer schweren Lebensführung, die Durststrecken in Ehe, Familie und Gemeindearbeit, die »Hitze- und Kältewellen« am Arbeitsplatz, die steinigen und farblosen Wege des Glaubens, die Steppe der Fehlentscheidungen und Fehltritte. Und doch: Jede Wüste birgt eine Verheißung. An welchem Ort, in welcher Verfassung auch immer ich sein mag, das große Jawort Gottes gilt mir: »Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennt ihr es nicht? Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde. . . ; das Volk, das ich mir bereitet habe, soll meinen Ruhm verkündigen« (Jes.43,19-21; lies 1. Petr.2, 9).
Inhalt der Verkündigung des Wegbereiters ist die Umkehr. Im Judentum gab es auch noch zur Zeit des Täufers zahlreiche und intensive Bußbewegungen. Unter den Essenern eine Art Ordensgemeinschaft, die eine Erneuerung des jüdischen Kultes und der strengen Gesetzestradition erwartete hatte sich die Damaskusgemeinschaft gebildet. Sie bezeichnete sich als »Bund der Umkehr«. Dahinter lebte die Vorstellung: Wir müssen Buße tun, damit die Heilszeit Gottes kommen kann. Wie unbiblisch diese Auffassung von Buße ist, legte die »Taufe der Umkehr« in der Täuferbewegung offen. Aus der Verkündigungspraxis des Johannes wissen wir, dass er die Umkehr zu Gott predigte, weil »das Reich Gottes nahe gekommen ist« (Matth.3, 2). Ins Bild gesetzt: Ziehe ich am Morgen den Vorhang auf, damit die Sonne scheint? Natürlich nicht. Ich ziehe den Vorhang auf, weil die Sonne scheint. Johannes der Täufer hatte verstanden: Das Kommen Jesu ist mit dem neuen Anbruch des Tages zu vergleichen. Mit Jesus ist »die Sonne der Gerechtigkeit« (Mal. 3, 20) aufgegangen. Nun begrüßt uns Gottes Güte und Freundlichkeit, sein helles und warmes Licht, das uns mitnimmt ins Tageslicht der Liebe Gottes. Wenn der Herr mich so liebevoll begrüßt, dann kann ich getrost den Vorhang aufziehen und die Dunkelheit aus meinem Lebenshaus verbannen. Das wird konkret, wenn ich meine Verkehrtheiten und Sünden vor Gott ausspreche, wenn ich seine Vergebung annehme und eine andere Richtung als bisher einschlage. Biblisch verstandene Umkehr ist ein »Überwundenwerden durch Gottes hervorstrahlende Gnade« (A. Pohl), die heilend und korrigierend meine Lebenswirklichkeit umschließt und durchwirkt (Luk.15,20-24; Tit.3, 3-7).
Johannes predigte »die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden«, und unzählige Menschen, voller Sehnsucht nach dem Heil Gottes, strömten in der Jordansenke zusammen. Der genaue Standort des Johannes lässt sich nicht bestimmen. Wichtiger als eine geographische Standortbestimmung ist die Tatsache, dass die Predigt des Propheten durch zeichenhaftes Handeln begleitet wurde. Die Bußwilligen ließen sich taufen. So sehr die Johannestaufe ihren eigenen Charakter hat, so deutlich wird aber auch, dass nicht die Taufhandlung an sich heilbringende Funktion hat. Untrennbar mit ihr verbunden waren Bußpredigt und das klare Sündenbekenntnis des Menschen. Damit hat die Taufe des Johannes eine gewisse Grenze erreicht. Sie ist Bußtaufe, die ganz im Dienst der Vorbereitung auf Christus steht. Leben und Wirken des Johannes zielt auf die Mitte des Heils, auf den einzigartigen Geisttäufer. Gewiss, schon im Alten Testament hatte Gott auf die Buße des Menschen mit wirklicher Vergebung geantwortet (Ps. 32, 5; 103, 3; Jes. 44, 22). Aber sie war noch »Vorschuss- Zahlung« im Blick auf die endgültig erbrachte »Vollzahlung« im Erlösungswerk Jesu Christi. (Vgl. Jes. 53, 4. 5. 10-12 mit Mark. 10, 45; Luk. 23, 34 und 1. Petr. 1, 18.19.) Nun aber ist der Messias da, und alle Welt (Mark.1, 5) wird eingeladen, sich auf die Begegnung mit ihm vorzubereiten. Später wird es für den Menschen, der sein altes, verkehrtes Leben aufgibt und sich Christus zuwendet, wichtig werden, sich »auf den Namen des Herrn Jesus taufen« zu lassen (Apg. 2, 38; 19, 1-5). Für uns heute gilt der Auftrag, den der auferstandene Herr selbst seinen Jüngern eingeprägt hat: Matthäus 28,18-20; Markus 16,15.16. So unterschiedlich sich die Taufdiskussion auch darstellen mag, ausschlaggebend ist die persönliche Herzenshaltung und der Gehorsam Jesus gegenüber. (Vgl. Apg. 16, 30-34; Eph.1,3.7.13.)
Die Wassertaufe des Johannes war damals etwas Besonderes. Sie erinnerte vordergründig an die Reinigungsvorschriften des Judentums, barg aber einen tieferen Sinn. Schon der Prophet Hesekiel hatte im Namen Gottes verkündet: »Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen« (Hes. 36, 25). Jeder Mensch darf mit Gott ins Reine kommen. Befreiung und Reinigung von Schuld wird der Herr in dem Augenblick wirken, in dem »wir unsere Sünden bekennen« und sie bei ihm abgeben (1. Joh. 1, 9; Spr. 28, 13). Ein aufrichtiges Sündenbekenntnis macht Platz für Gott. »Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt« (Hes. 36, 26. 27). Die Gabe des Heiligen Geistes und die Erneuerung durch den Geist setzt also Sündenerkenntnis und Sündenbekenntnis voraus (Ps.51, 4.12.13; Apg. 2,38). Diese Reihenfolge beachtete auch Johannes der Täufer, und er bestätigt wieder einmal, dass alles Heil und alle Erneuerung an Jesus, den »Geisttäufer«, gebunden ist (Hebr.9,14; Joh.16, 7). »Er wird euch mit Heiligem Geist taufen.« Erfüllt hat sich diese Prophetie beim ersten Pfingstfest (Apg.1, 4.5.8; 2, 1-4; 1.Kor.12,13). Und wir heute? Wie werden wir »mit Heiligem Geist getauft«? Das Jesus gemäße Leben ist am Tag unserer Geburt nicht mitgeboren worden. So wie menschliches Leben nur auf menschlich natürlichem Weg gezeugt und geboren werden kann, so wird auch das geistliche Leben allein auf göttliche und übernatürliche Weise »gezeugt und geboren« (Joh. 1, 12. 13). Diese Aufgabe übernimmt der Heilige Geist (Joh. 3, 5-8). Echtes Christenleben entsteht und wächst nicht durch meine Arbeit, sondern durch die Arbeit des Heiligen Geistes, und zwar in dem Augenblick, in dem wir uns dem »Geisttäufer« Jesus Christus anvertrauen (Apg. 1, 5. 8; Gal. 3, 2. 14; 5, 22; Eph. 1, 13. 14; 3, 16. 17; 4, 30).
Was sich nun unter der »Kanzel« und am »Taufbecken« des Johannes mitten unter bußfertigen Sündern ereignet, lässt einem den Atem stocken. Die feierliche Einleitung »Und es begab sich in jenen Tagen« weist auf ein besonderes Ereignis hin. Der angekündigte »Herr« (V. 3) von überlegener »Stärke« (V. 7), der »Geisttäufer«, kommt zu Johannes in die Wüste. Doch die Kennzeichnung des Angekündigten ist zunächst höchst merkwürdig: Er wird hier einfach als »Jesus« vorgestellt. »Das war damals ein gewöhnlicher Modename. In jüdischen Familien lebten Jesusse dutzendweise« (A. Pohl). Sein Heimatort Nazareth, ein hübsches, aber bedeutungsloses Dorf (Joh.1,46), wird im Alten Testament nicht erwähnt und bedarf offenbar der Orientierungshilfe »in Galiläa«. Der Begriff »Galiläa« ist hebräische Kurzform und bedeutet »Bezirk der Heiden«. Es ist ein Gebiet, besiedelt mit einembunten Völkergemisch, gebeutelt von endlosen sozialen, politischen und religiösen Unruhen. (Vgl. Luk.13,1; Apg.5,37.) Aus Jerusalemer Sicht galten die Galiläer als »Juden minderen Ranges« (M. Metzger). Kein frommer Jude erwartete aus Galiläa weder einen Propheten noch den Messias (Joh. 7, 41. 52). Aus dieser Gegend also kam Jesus im Strom der Pilger zu Johannes an den Jordan. Wie ein Herr Jedermann reiht sich der ewige Herr in die Bußbewegung ein. So knapp der Evangelist Markus berichtet, so kompakt ist die Tatsache: Jesus, der einzige Mensch, der dem Willen Gottes in allem entspricht, tritt unter die bußwilligen Sünder. Indem Jesus zur Taufe hinabsteigt, gibt er Gott sein rundes Ja, sich für uns zur Sünde machen zu lassen, »damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm« (2.Kor. 5, 21). So vorbehaltlos liebt er uns, dass er von Anfang an bereit ist, den steilen, schweren Weg zu unsrer Rettung zu betreten und zu gehen. (Lies Joh.1,29; 1. Petr.2,22-24.)
Mittwoch, 28.Mai Markus 1, 10; Matthäus 3, 15-17.
Die Übereinstimmung Jesu mit dem Willen Gottes findet höchste Bestätigung. »Gerade da, als Jesus aus dem Wasser heraufstieg«, öffnete sich vor seinen Augen die unsichtbare Welt Gottes. Jesus »sah die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabkommen«. Hier werden verschiedene geistliche Tatsachen angesprochen:1. Der überirdische Himmel ist eine lebendige Wirklichkeit. Der Himmel, den wir mit unseren Augen wahrnehmen, ist das von Gott geschaffene Firmament. Dieser kosmische Himmelsdom hat wie unsere Erde keinen ewigen Bestand (Matth. 24, 35; 2. Petr. 3, 12; Offb. 20, 11). Denn alles von der Sünde infizierte Dasein ist zum Zusammenbruch verurteilt. Gott aber will uns Menschen vor dem endgültigen Untergang retten. Er hat uns für den »ewigen Himmel« (Ps.20, 7), seinen unantastbaren und unübertroffen herrlichen Wohnort, gebucht. Wie ernst Gott es mit unsrer Rettung nimmt, können wir an Jesus ablesen. Er hat die Herrlichkeit des Vaters verlassen, um uns aus der Zerrissenheit nach Hause, in die ewige Heimat, zu bringen (Joh.14, 1-3; Phil.3,20; Jes.33,17). Der offene Himmel über Jesus erinnert an die Berufung Hesekiels zum Propheten, als er die Herrlichkeit des Herrn schaute (Hes. 1, 1ff), und an die Berufung des Apostels Petrus zum Heidenmissionar. Auch hier lesen wir von einem geöffneten Himmel (Apg. 10, 11ff). Wenn sich nun über Jesus der Himmel Gottes auftut, werden wir an seine Berufung in den öffentlichen Dienst als der Messias Gottes zu denken haben. Hier setzt die frohe Botschaft ein: Der große Sehnsuchtsschrei des geschundenen Gottesvolkes, »Ach, dass du die Himmel zerrissest und herabstiegest« (Jes.63,19b), ist nicht im weiten All verklungen, sondern an Gottes Ohren, ja an sein Herz, gedrungen. Jetzt, da Jesus aus dem Jordan steigt, ist die Zeit gekommen, in der Gott selbst die Sperre durchbricht, die Himmel zerreißt und seinen Geist schenkt. (Vgl. Matth.17, 5-8.)
Donnerstag, 29.Mai Markus 1,10. 11; Jesaja 11, 2; 61, 1.
2. Der geöffnete Himmel ermöglicht das Herabkommen des Geistes. Jesus sah »die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabkommen«. Wie »im Anfang« der Weltgeschichte (1.Mose 1, 2) und in der Geburtsstunde der ersten Christengemeinde (Apg. 2) Gottes Geist präsent ist, so auch zu Beginn der öffentlichen Wirksamkeit des Welterlösers. Das Herabkommen des Geistes auf Jesus bestätigt seine göttliche Sendung, beendet den geistlosen Zustand im Volk des Herrn (Jes. 63, 10), erfüllt alte Prophetie (Jes. 61, 1-3) und rüstet den Messias Gottes aus für seine schwere Arbeit, »die Sünden der Welt wegzutragen« (Joh. 1, 29; Jes. 43, 24b. 25) und Satan, den »alt bösen Feind«, zu besiegen (1. Joh. 3, 8b; Mark. 1, 13. 22-27; Apg. 10, 38). Das Herabkommen des Geistes »wie eine Taube« kann auch mit der biblischen Urgeschichte verknüpft werden. Wie die Taube Noahs mit ihrem frischen Ölblatt im Schnabel einen weltweiten Neuanfang verkündigte, so gewiss, so wirklich und wahrhaftig steht jetzt der Heiland der Welt bereit, der den geistlichen Neuanfang bringt und fest entschlossen ist, »sein Volk zu retten von seinen Sünden« (Matth. 1, 21; Luk. 2, 10.11). Diese Aufgabe wird Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes durchführen in der Gewissheit: Der Heilige Geist will immer das Leben und nicht den Tod. Er ist die einzige übernatürliche Kraft, die aus dem Tod ins Leben bringt, indem er die Neugeburt wirkt. Jesus Christus ist der Bevollmächtigte Gottes, auf den es ankommt, und an dem sich das ewige Heil oder Unheil des Menschen ent- scheidet. Die Stimme aus dem Himmel beglaubigt das: »Du bist der Geliebte«, der Einzigartige, »der Sohn Gottes«, an dem Gott seine Freude hat. Wie leuchtet da die Treue Gottes auf: Was einst der Prophet Jesaja vom wahren Gottesknecht verkündet hatte (42, 1-4), erfüllte sich jetzt.
Freitag, 30.Mai Markus 1, 11; Johannes 17, 24-26.
3. Der Vater im Himmel bestätigt dem Sohn seine ganze Liebe. Wörtlich schreibt Markus: »Und eine Stimme geschah aus den Himmeln« eine Formulierung, die das wirkliche Geschehen dieser Stunde festhält; »aus den Himmeln « kennzeichnet hebräische Denkweise und umschreibt den Namen Gottes. Die Stimme ist Gottes Stimme. Sie war schon maßgebend beteiligt, als Jahwe seinen Bund mit Israel aufrichtete (2.Mose 19,19; 5.Mose 4,12). Auch jetzt ist sie da und begründet den Neuen Bund. Das unerhört Neue daran ist: Gott selbst kommt in seinem Sohn zu den Menschen. »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.« Kein Wort davon, dass Jesus in seiner Taufe zum Sohn Gottes adoptiert wurde, wie man manchmal hören kann! Wir haben vielmehr an das verhüllende Abbild Jesu Christi im Alten Testament zu denken. Da steht uns Isaak vor Augen, der einzige und geliebte Sohn Abrahams (1.Mose 22, 2. 16), und der auserwählte Gottesknecht in Jesaja 42, 1, dem Gott sein Wohlgefallen bezeugt. Beide, der Sohn Abrahams und der Gottesknecht, sind aufgefordert, ihr Leben zu opfern (Jes. 53). »Das bedeutet nichts anderes, als dass Jesus bei seiner Taufe den Auftrag empfängt, als ein Opfer für unsere Sünden zu sterben« (G. Maier). Beachten wir noch, dass das ewig gültige, uns zugedachte Heil ein Werk des dreieinigen Gottes ist. Stark vereinfacht lässt sich festhalten: Der Vater hat die Erlösung geplant (Eph. 1, 3), der Sohn hat die Erlösung erworben (Mark. 10, 45; Hebr. 9, 12; Eph. 1, 7), der Heilige Geist hat die Erlösung für uns erschlossen (Joh. 14, 26; Eph. 1, 13. 14; Hebr. 10, 14. 15). Dabei gab es nie eine Unstimmigkeit, nie einen Streit. In vollkommener Harmonie und selbstloser Liebe hat der dreieinige Gott sich höchstpersönlich und total für uns investiert. Die Taufe Jesu bezeugt uns diese göttliche Harmonie, wenn der Heilige Geist den Sohn stärkt und der Vater den Sohn seiner Liebe vergewissert, und der Sohn selbst bereit ist, den Willen Gottes zu tun. (Vgl. Ps.40,9; Hebr.10, 7-9.)
Samstag,31.Mai Markus 1,12.13; Matthäus 4, 1-11. 5.
Jesus hat die große Erweckungsbewegung im Jordantal verlassen und ist in die menschenleere Einöde gezogen. »Und sogleich trieb ihn der Geist in die Wüste hinaus.« Jesus hat den Ort gewechselt. Aber vor allem ist der »Gesprächspartner « ein ganz anderer! Versuchungswüsten kennen wir auch. Wen sollte es verwundern, wenn nicht nur das Kind Gottes, sondern erst recht der Sohn Gottes in die Mangel genommen wird?! Auch voll Heiligen Geistes ist man voll versuchlich. Merkwürdig aber, wenn es heißt: »Der Geist trieb ihn in die Wüste hinaus.« Wie sollen wir das verstehen? Offenbar ging er in die Wüste, weil Gott es so wollte. Warum? Wie der Schöpfer dem ersten Adam die Bewährungsprobe zumutete (1.Mose 2, 16. 17; 3, 1ff), so auch dem »zweiten Adam« (Röm. 5, 12ff; 1. Kor. 15, 45). Und wie Gott seinen »erstgeborenen Sohn«, das Volk Israel (2.Mose 4, 22), durch die Wüste wandern ließ, »um dich zu prüfen und um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht« (5.Mose 8, 2), so musste auch der »eingeborene Sohn« auf die »Teststrecke «. Die große, offene Frage lautet: Wird dieser Sohn dem heiligen Gott die Treue halten? Der Geist Gottes führte den Sohn Gottes in die Versuchungswüste, weil sich der Vater im Himmel nicht abfinden wollte »mit dem Elend der geknechteten Kreatur«. Er greift in seinem Sohn den machtvollen Widersacher an. »Anders als in Konfrontation kann Gottes Reich nicht kommen, stößt es doch nicht in einen herrenlosen Raum« (A. Pohl). Jesus hat seinem Vater die Treue gehalten. Das hat er für uns getan. Jetzt können wir uns bei ihm vertrauensvoll »einhängen«. Was hindert mich, Prüfungen als Vertrauensschule zu sehen und anzunehmen? (Vgl. Hiob 19,25-27; 42, 1-6.)
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