Mittwoch,1.Mai Markus 12,41-44; 2.Korinther 8,1-5; 9,6.7.
Als sich Jesus mit seinen Jüngern im Tempelbereich aufhielt, sollten sie wieder eine neue Entdeckung machen. Eine Witwe näherte sich dem Opferkasten. Die Jünger hielten es vielleicht nicht für lohnend hinzuschauen, was sie einwarf, denn sie hatte nicht viel. Was konnte sie schon einlegen? Und obwohl sie fast nichts hatte, legte sie doch alles ein. Sie übte in aller Verborgenheit ganze Liebe und ganze Hingabe. Jesus rief seine Jünger zu sich. Er wollte mit ihnen über diese Frau und ihr Opfer sprechen. Vielleicht neigten sie dazu, auch gering zu achten, was die Welt gering achtet. Die Jünger mussten entdecken, dass Jesus anders dachte und anders urteilte über das, was man Gott gibt. Er sieht nicht auf die Größe des Opfers, vielmehr in das Herz des Gebers. (Lies 1.Sam.16,7b; 1.Chron.28,9.) Menschen beurteilen das Herz nach den sichtbaren Taten, der Herr beurteilt die Tat nach dem Herzen. Ihm war kostbar, dass die Frau alles hergab, was sie besaß, während andere von ihrem Überfluss gaben. Sie hätte ihr Scherflein auch teilen können, was sie aber nicht tat. Ihre innere Haltung löste Freude bei Jesus aus. Ob die Jünger das Eigentliche an diesem Erlebnis entdeckten? Jesus sprach nicht von dem kleinen Geldstück, das war wirklich fast nicht der Rede wert, er sprach über die Herzenshaltung der Hingabe. Gott zählt nicht die Gaben, er wiegt sie. Diese Frau zeigte ein ganzes Vertrauen, das von jeder Sorge und Angst, sie selbst könne nun im Mangel stecken und unversorgt bleiben, ungetrübt bleibt. Hingabe ohne Vorbehalt, darauf kommt es ihm an. Jesus sieht nicht das Opfer an, sondern das Herz (Fr.Rienecker). Eine wichtige Entdeckung für Jesus-Nachfolger: Der Herr sieht in mein Herz. Ungeteilte Hingabe ist ihm wertvoll, erfreut ihn. (Lies Matth.6,33; Röm.12,1.2; vgl.2.Chron.31,20.21.)
Donnerstag,2.Mai Matthäus 19,27-30; Psalm 18,2.3.
Brachte die Entdeckung, die die Jünger am Opferkasten im Tempel machten, Veränderung in ihr Leben? Jesus hatte versucht, ihnen zu erklären, dass für ihn nicht die Größe einer Gabe zählte, vielmehr war es die Herzenshaltung, in der das Geben geschah. Petrus hatte verstanden, dass es Jesus um das Eine ging: Sie hat alles gegeben, was sie hatte. Deshalb hatte er eine Frage, nachdem ein junger Mann traurig von Jesus weggegangen war. Dieser wollte von ihm wissen: Was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe? Die Antwort, die er von Jesus bekam, schien ihm zu hart, der Preis zu hoch, der Weg zu schmal (Matth.19,16-22). Petrus sprach aus, was ihn und wohl auch die anderen Jünger bewegte: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt, was wird uns dafür? Jesus tadelte seinen Jünger nicht. Er gab ihm eine wunderbare Zusage, die sonst niemand geben konnte: Wer um meinetwillen verlässt, hingibt ... wird hundertmal Wertvolleres empfangen und das ewige Leben ererben. Viele Nachfolger, die ihr Leben Jesus ohne Vorbehalt hingaben, können bezeugen, wie er ihnen diese Verheißung über Bitten und Verstehen erfüllte. Ein Seelsorger, dem die Regungen des menschlichen Herzens vertraut waren, sagte: Hüte dich, in deiner Hingabe an Gott beim Wissen stehen zu bleiben. Viele von uns kennen die Hingabe in der Vorstellung, aber sie leben sie nicht wirklich. Gebt euch Gott hin aus Dankbarkeit für seine großen Erbarmungen... Das ist ein Gottesdienst, wie Gott ihn erwartet (Röm.12,1). Jesus ist es wert, dass wir unser Leben ihm ganz hingeben. Fr.R.Havergal betete: Nimm mein Leben, Jesus, dir übergeb ichs für und für ... nimm mich selbst und lass mich sein ewig, einzig, völlig dein. (Lies 5.Mose 10,12; Spr.23,26; Phil.3,7-9; Apg.20,24.)
Freitag,3.Mai Johannes 11,1-27; Hebräer 13,5b.6.
Was haben die Jünger wohl erwartet, als die Botschaft sie erreichte: Siehe, der, den du lieb hast, liegt krank? Dass Jesus zwei Tage an dem Ort blieb, wo er war, muss für sie unbegreiflich gewesen sein. Bewegte ihn die Nachricht denn gar nicht? Wenn er Lazarus wirklich lieb hatte, warum zögerte er dann mit dem Aufbruch? Obgleich ihm niemand eine neue Nachricht gebracht hatte, wusste Jesus, wie es um Lazarus stand. Als er sich schließlich mit den Jüngern auf den Weg nach Betanien machte, sagte er ihnen frei heraus: Lazarus ist gestorben, und fügte dieser schmerzlichen Botschaft hinzu: und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dagewesen bin, damit ihr glaubt. Was sollten die Jünger glauben? Und worüber freute sich Jesus? Die Jünger sollten noch tieferen Zugang zum Glauben bekommen, ihre Trauer sollte in Freude verwandelt werden. So wurden sie Zeugen der Siegesmacht ihres Herrn. (Lies 1.Petr.1,6.7; Hebr.11,1.6.) Als Marta und Maria hörten, dass Jesus kam, ging Marta ihm mit einem leisen Vorwurf entgegen: Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Kam Jesus wirklich zu spät? Nein! Wäre er zu der Stunde gekommen, die nach Menschenmeinung die rechte Stunde war, dann hätten sie alle nicht miterlebt, dass Jesus stärker ist als der Tod. Das ist bis heute so geblieben: In schweren Führungen, die wir nicht verstehen, sollen wir im Glauben geübt und gestärkt werden, ihm in allen Lagen zu vertrauen. Jesus, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, kommt nicht zu spät. Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen. Mit seiner unumschränkten Macht verbindet sich seine unermessliche Liebe. Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn! (Lies Matth.21,22; Ps.66,10-12; 68,20.21; 1.Kor.10,13.)
Samstag,4.Mai Apostelgeschichte 12,1-12; Psalm 4,9.
Die Entdeckung, die Petrus bei der Auferweckung des Lazarus machte, dass Jesus nicht zu spät kommt, wurde für ihn zur frohen Gewissheit, als er sich im Gefängnis befand. Petrus war nicht zum ersten Mal gefangen (Apg.4,3; 5,18.19), aber zum ersten Mal musste er damit rechnen, dass diese Nacht die letzte für ihn war. Jakobus war bereits hingerichtet. Wie konnte er damit rechnen, dass er am Leben blieb? Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. In einer solchen Situation und mit solch massiver Bewachung kann nur der schlafen, der weiß, dass sein Herr, um dessetwillen er leidet, alle Macht hat im Himmel und auf Erden und dass er bis zuletzt der Handelnde ist. (Lies Ps.138,7.8.) Petrus hatte schon viele Entdeckungen in der Gemeinschaft mit Jesus gemacht, sodass er sich ihm getrost in dieser Lage überließ. Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes (Ps.27,5; lies Ps.31,20-22; 32,7; 121,1-4). Das Wunder geschah. Ein Engel des Herrn kam in der Nacht ins Gefängnis und befreite Petrus. Er erlebte als große Wirklichkeit: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen (Ps.34,8; vgl.2.Kön.6,14-17; Ps.107,13-16). Klammere dich an die Verheißung von Gottes rechtzeitiger Hilfe und seiner Treue. Du bist nicht eingeriegelt in das Gefängnis deiner Traurigkeit, die Tür ist nur angelehnt. Du darfst jetzt schon über die Schwelle treten und über all deinem Kummer das Licht des Morgens sehen (H.Lamparter). Ist uns diese Geborgenheit abzuspüren als Auswirkung der Entdeckung: Jesus kommt zur rechten Zeit, er kommt nicht zu spät? (Lies Röm.8,31-39.)
Sonntag,5.Mai Matthäus 16,13-23; 1.Korinther 1,18.
Kurz nachdem Petrus sein wunderbares Christusbekenntnis abgelegt hatte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, sprach Jesus mit seinen Jüngern von seinem Leidensweg, der ihn zum Tod am Kreuz führte. Der Schrecken des Petrus ist zu verstehen und auch seine Reaktion: Herr, das widerfahre dir nur nicht! Das Leben seines Herrn konnte doch nicht am Kreuz enden! Unerträglich war für ihn der Gedanke, dass sein Meister hilflos und wehrlos wie ein Verbrecher am Kreuz hing. Das konnte Gott doch nicht zulassen! Und was sollte danach werden? War dann nicht alles am Ende? - Jesus stellte dem Nein seines Jüngers zum Kreuzesweg sein klares Ja gegenüber. Und er fügte eine Zurückweisung hinzu: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Der aus der Nachfolge ausbrechende Petrus wird in die Nachfolge zurückgerufen. Jesus benützt ein scharfes Wort für ihn: Satan. Geh weg von mir, Satan, das heißt: du stehst mir im Weg. Du bist mit diesem Rat mein Gegner und ein Gegner Gottes, denn Gott will das Kreuz. Jesus kennzeichnete damit den Feind, der sich gern unserer Gedanken bedient. Dass Jesus seinen Jünger so benennt, macht deutlich, dass er in dieser Sache mit dem Feind einer Meinung war. Dass Jesus am Kreuz starb, sollte verhindert werden. (Lies Matth.4,1ff; Joh.8,44; 1.Petr.5,8.) Wenn die Notwendigkeit der Erlösung infrage gestellt wird, müssen klare Worte gesprochen werden. Es ist in keinem andern das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden - als allein der Name Jesus (Apg.4,12). Jesus beendete seine erste Passionspredigt mit einem richtungweisenden Wort für alle Jünger: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Dieses Wort aus dem Mund Jesu sagt eindeutig, wozu seine Nachfolger berufen sind. (Lies Röm.8,17; 1.Petr.4,12.13; 2.Tim.2,8-12a.)
Montag,6.Mai Matthäus 16,24-26; Apostelgeschichte 20,24.
Wer sein Leben erhalten will, der wirds verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. Nach der Zurechtweisung durch Jesus machte Petrus erneut die Entdeckung: Jesus will seine Jünger für sich haben! Diesen Zuspruch erfuhren sie schon bei der ersten Begegnung mit ihm. Einige rief Jesus von den Fischerbooten weg, einen anderen von der Zollstation. Sie verstanden Jesus sogleich und verließen alles und traten in seine Nachfolge ein. (Lies Matth.4,18-20; 9,9; Mark.3,13.) Tiefer gehende Entdeckungen im Blick auf die Nachfolge halten den Jünger in der Spur. Darum sind sie notwendig. Jesus stellt hohe Ansprüche, aber er lässt uns nicht allein. Trotzdem laufen wir Gefahr, Jesus zwar nachzufolgen, aber gleichzeitig uns selbst zum Mittelpunkt zu haben mit eigenen Vorstellungen vom Leben mit Jesus. Eine solche Einstellung macht sich der Feind leicht zunutze. Darum fordert Jesus seine Jünger zur Selbstverleugnung auf: Der verleugne sich selbst und folge mir! (Lies Matth.26,41; Röm.14,7.8.) Wie leicht steht unser Ich der Herrschaft unseres Herrn Jesus im Weg, weil wir im allgemeinen sehr leidensscheu sind. Petrus war es ebenfalls. Ihn erschütterte die Rede seines Herrn von dem bevorstehenden Weg zum Kreuz tief. Es war nicht nur die Liebe zu Jesus, auch seine Leidensscheu sprach mit, als er Jesus hindern wollte, denn so hatte er sich das Leben mit Jesus nicht vorgestellt. Doch Petrus erlebte einen Sinneswandel. Der leidensscheue Petrus, der aus Angst Jesus verleugnet hatte, stand später mutig vor dem Hohen Rat. (Lies Apg.4,5-13; 5,26-42.) Die Angst um sich selber hatte er verloren, Jesus und seine Sache hatten Priorität. Er brauchte nicht mehr um sich besorgt zu sein, denn Jesus sorgte für ihn. Was Paulus schrieb, könnte auch von Petrus stammen: Mir ist es nur um das Eine zu tun, Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden.
Dienstag,7.Mai Apostelgeschichte 10,1-35; Jesaja 43,18.19.
Eine weitere wichtige Entdeckung machte Petrus auf dem Dach eines Hauses in Joppe. Beim Beten bereitete ihn der Herr auf etwas ganz Neues vor. Durch ein Gesicht und eine Stimme rief ihn der Herr aus seiner alten Denkweise heraus. Petrus wurde aufgefordert, Unreines zu essen, was den Juden ausdrücklich verboten war (3.Mose 11,1ff; 22,8). Dreimal hörte er die Stimme, die zu ihm sprach: Schlachte und iss! Diesen Befehl konnte er nur ablehnen: Nie aß ich etwas Gemeines oder Unreines. Vielleicht ist manchem Ähnliches geschehen wie Petrus. Wir kommen in eine Lage, ohne einen erkennbaren Sinn darin zu sehen. Uns fehlt einfach der Durchblick. So stand Petrus vor einer ungeheuren Herausforderung. Der Herr achtete auf ihn und half ihm, den neuen Weg zu erkennen und auch zu beschreiten. Die entscheidende Verstehenshilfe kam durch die Boten aus Cäsarea. Dass Petrus die heidnischen Männer ins Haus bat und dann mit ihnen ging, zeigt, dass Petrus das Neue verstanden hatte. Als der Heilige Geist auf die Versammlung im Haus des Kornelius fiel, wurde seine neue Erkenntnis wunderbar bestätigt und er sprach sie aus: Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. Petrus erkannte Gottes Rettungswillen, der alle Menschen mit einbezieht. Welch segensreiche Folgen erwuchsen aus der Gebetszeit! Das Bild von den unreinen Tieren benützte Gott, um ihm seinen umfassenden Heilsplan vor Augen zu führen. Auch den Heiden hat Gott die Umkehr zum Leben gegeben. Petrus gehorchte und ging in das heidnische Haus, um die frohe Nachricht vom Heil in Jesus Christus zu verkündigen. So wurde er zum Sprachrohr der Liebe Gottes. Die Entdeckung des Petrus will auch uns in Bewegung bringen, denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkennntis der Wahrheit kommen. (Lies 1.Tim.2,4-6; Apg.11,1-3.15-18; 15,1.2.6-12.)
Mittwoch,8.Mai 2.Petrus 1,3-8; Jeremia 9,23.
Bleibende Erkenntnis lebt von beeindruckenden Entdeckungen. Wir beschäftigten uns mit einigen Entdeckungen der Jünger im Zusammenleben mit Jesus. Nicht nur den Nachfolgern damals waren neue Entdeckungen geschenkt, der Herr will auch uns zu immer neuen Entdeckungen führen. Nicht nur einmal will Jesus uns Neues erkennen lassen, er will es in den verschiedensten Situationen tun, gerade in solchen, in denen alles gegen die bisherigen Tatsachen sprechen will. - Wir wollen uns die sieben Entdeckungen der Jünger noch einmal vergegenwärtigen:
Diese und viele andere Entdeckungen, die wir noch mit Jesus machen können, sollen uns zur Lebens- und Glaubenshilfe werden, damit wir uns daran freuen. Solche Freude hat große Auswirkungen: sie wird uns zur Kraft, in der Kampfbahn des Glaubens vorwärts zu gehen. Die Freude am Herrn ist eure Stärke (Neh.8,10). Sie bringt Licht in unser Leben, und durch dieses Licht wird auch das Leben anderer hell. Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi (2.Kor.4,6). Sie lässt uns voller Erwartung dem Tag entgegengehen, an dem wir Jesus von Angesicht sehen. Nur noch eine kleine Weile, dann wird er, der da kommen soll, erscheinen und nicht mehr auf sich warten lassen. Wir werden ihn sehen, wie er ist! (1.Joh.3,2; lies 1.Petr.1,3-9).
Himmelfahrt,9.Mai Lukas 24,50.51; Markus 16,19.
Heute feiern wir den Himmelfahrtstag. Viele Menschen freuen sich über einen freien Tag, haben aber Schwierigkeiten mit der Himmelfahrt von Jesus Christus, die der Anlass dieses Festes ist. - Was bedeutet uns die Himmelfahrt? Kann man sie sich so naiv vorstellen, wie Lukas und Markus davon schreiben? Jesus wurde zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr... (Apg.1,9.10). Wir können die Himmelfahrt von Jesus Christus weder beweisen noch erklären - und wir sollen das auch gar nicht. Wir brauchen sie uns nicht einmal vorzustellen. Was mit seiner Himmelfahrt gemeint ist, sprengt alle menschlichen Denk- und Vorstellungsmöglichkeiten (Th.Sorg). Der Jünger Johannes, der miterlebte, wie Jesus zum Himmel aufgehoben wurde, durfte später einen Blick in den Himmel tun, wie wir es in der Offenbarung lesen. Er sah inmitten des Thrones ein Lamm stehen, wie geschlachtet. Einer der Ältesten, die um den Thron waren, sprach zu ihm: Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda (Offb.4,1.2; 5,5.6). Weil Jesus als Lamm das Erlösungswerk vollbrachte, wurde er auch der Löwe, dem die Macht des Siegers gegeben ist: Jesus hat ein Opfer für Sünden dargebracht und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes und wartet, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gemacht werden (Hebr.10,12.13). Der Platz zur Rechten des Vaters, den Jesus einnimmt, ist der Platz der höchsten Machtvollkommenheit - auch über die Mächte dieser Welt. Nicht die Machthaber auf Erden sprechen das letzte Wort. Die Machtfrage ist entschieden! Und dieser Herr, der im Himmel, der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes lebt, sagte uns seine Gegenwart zu: Ich bin bei euch alle Tage! (Lies Matth.28,18; Eph.1,19-23; Phil.2,8-11; 1.Petr.3,22.)
Freitag,10.Mai Hebräer 7,24-26; 8,1; Römer 8,34.
Jesus ist in den Himmel eingegangen, um dort vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen. Den Hohenpriester in Jerusalem rührte die Not des verzweifelten Judas überhaupt nicht, er entließ ihn mit den Worten: Was geht das uns an? Sieh du zu (Matth.27,3.4). Was für ein Elend wäre es, wenn unser Hoherpriester, Jesus Christus, uns so begegnen würde. Doch Jesus ist ganz anders! Sein Platz auf dem Thron hindert ihn nicht, sich zu uns zu neigen, mit uns zu fühlen und uns zu helfen. Sein Ohr ist offen für unsere Anliegen. Er lebte als Mensch auf unserer Erde und kennt den Kampf, die Schwierigkeiten und Leiden. Er ist als der Menschensohn im Himmel. Worin er selbst gelitten hat und versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden. (Lies Luk.22,69; Apg.7,56; Hebr.2,17.18.) Sein Verstehen gleicht nicht einem bedauernden oder gar abschwächenden Mitgefühl nach dem Motto: Nimm es nicht so schwer, es wird schon wieder werden. Es ist doch alles halb so schlimm. Sein Verstehen ist ein aktives Teilhaben, ein Betroffensein, das aus dem vollen Vertrautsein mit dem Ernst der Lage stammt (W.Michaelis). (Lies Ps.40,18; 102,20.21.) Seine Treue beweist sich in der Fürbitte vor Gott für die Seinen. Er weiß, was uns im Innersten bewegt, was uns umtreibt und nicht zur Ruhe kommen lässt und wo wir in Gefahr stehen, der Versuchung zu erliegen. Seinem Jünger Petrus sagte er: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre (Luk.22,31.32; Hebr.3,1.2a). Vor allem haben wir in Jesus einen Hohenpriester, der uns durch sein Opfer den Zugang in die unmittelbare Gegenwart Gottes ermöglicht hat. Weil wir nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, ... so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in vollkommenem Glauben. Den geöffneten Weg sollten wir freimütig beschreiten, weil die Einladung Komm! allezeit gilt. (Lies Hebr.10,19-22.)
Samstag,11.Mai Psalm 62,6-9; Jesaja 64,3.
Noch nie hat man von einem Gott gehört, der mit dir zu vergleichen wäre; noch nie hat jemand einen Gott gesehen, der so gewaltige Dinge tut für alle, die auf ihn hoffen! - Wie gut kannte doch David seinen Gott, dass er so persönlich bezeugen konnte: Gott ist meine Hoffnung. Er war nicht in falscher Weise bescheiden, dass er sich nichts gewünscht hätte. Er hatte vielmehr große Erwartungen an ihn. Die vielen Kämpfe und Widerwärtigkeiten seines Lebens hatten ihn nicht stumpf gemacht, dass er aufgegeben hätte, Großes von Gott zu erbitten. Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen. Hoffe auf Gott! Sei getrost und unverzagt und hoffe auf ihn! In Psalm 62 ermutigt David uns: Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht, er ist unsere Hoffnung! (Lies Ps.123,1.2; 130,4-7; Micha 7,7.) Wir haben es nicht nötig, unsere Ewartungen den Gegebenheiten anzupassen. Gott liebt es, wenn wir ihm unsere Anliegen glaubensvoll nennen. Nicht selten erleben wir, dass wir vor einer Entscheidung stehen und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Sage ihm: Herr, zeige mir, welcher Weg dein Weg für mich ist. Du warst immer der, auf den ich hoffte, du hast dich nicht verändert, dir vertraue ich auch jetzt! - Und wenn jemandem Weisheit fehlt, eine Situation zu bewältigen? So bitte er Gott darum, der jedermann gern gibt! Siehe, das Auge des Herrn achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen! (Jak.1,5; lies Ps.9,11; 146,5.6). Martin Luther sagte zu den Worten hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute: Gott bleibt fest, also verlasst euch auf ihn zu allen Zeiten - in Glück oder Unglück. Fehlt euch etwas, klagt nur frei, verbergt ihm nichts. Es sei, was es wolle. Er hörts gern, will auch raten und helfen.
Sonntag,12.Mai 1.Mose 19,17-19; Hebräer 3,12.14.
Von Lot lesen wir, dass er keine Hoffnung mehr für sein Leben hatte. Zu Gottes Angebot sagte er: Ach nein, Herr! ... Ich kann mich nicht auf das Gebirge retten; es könnte mich sonst das Unglück ereilen, dass ich sterbe. Wir merken, dass der Gegenpol von Hoffnung bei ihm nicht Bescheidenheit war, sondern Misstrauen. Lot gab sich mit weniger zufrieden, als Gott ihm geben wollte. Jesus musste einmal seine Jünger tadeln: Was seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben? (Mark.4,40; lies Matth.8,26; 14,26-33; 17,17-20). Die Christen in Rom forderte Paulus auf: Seid fröhlich in Hoffnung - fröhlich im Vertrauen darauf, dass der Herr handeln wird. - Amy Carmichael, die Gott in Indien diente, schreibt: Jeder weiß, dass wir mit Kindern nichts erreichen können, wenn wir nicht voller Hoffnung für sie sind. Eine Haltung ohne Hoffnung wirkt lähmend. Das zündende Wort, das mich heute erreichte, war: Seid fröhlich in Hoffnung. In unserer Hoffnung, unseren Erwartungen für die Kinder sollen wir fröhlich sein. Je mehr ich über dieses Wort nachdachte, desto weiter öffnete sich mein Herz. Beim Nachdenken blitzte ein anderes Wort durch meinen Geist. Einen Augenblick war ich unsicher: Bildete ich mir das etwa nur ein, dass wir alles von Gott erwarten dürfen? Man kann sich wunderschöne Dinge einbilden, aber wenn sie ihre Wurzeln nicht in der Bibel finden, können sie uns nicht viel helfen. - Das Wort aber stand jedenfalls in der Bibel: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes (Röm.15,13). Jesus will für uns persönlich dieses Wort aufleuchten lassen: Hoffet auf ihn allezeit! Seid fröhlich in Hoffnung. (Lies Ps.25,2-5; 112,1.5.7; Jes.33,2.)
Montag,13.Mai Römer 4,17b-22; Jesaja 30,15.
Nur auf Gott wartet still meine Seele; denn von ihm kommt, was ich hoffe. Hoffnungsvoll zu leben fordert von uns, die Schule des Wartens zu durchlaufen. Vielleicht ist unser Herz voller Wünsche und Pläne, die wir um jeden Preis durchsetzen möchten. Aber erst wenn alles eigene Überlegen oder das Sich-durchsetzen-Wollen in uns still geworden ist, kann Gott handeln. Wenn ihr umkehrt und still bleibt, wird euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Das war das Geheimnis der langen Glaubenserziehung Abrahams: Er musste warten, bis alle Selbsthilfe sich als unzulänglich erwiesen hatte - bis alle, die ihn kannten, ihn schließlich bemitleideten, dass er an einem unerfüllten Traum so lange festgehalten hatte. (Lies Ps.131; 40,2.4-6.) Als es in Abraham und um ihn herum still geworden war, da konnte Gott noch einmal mit ihm reden: Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir... Sein Glaube wurde durch die erneute Verheißung des Allmächtigen belebt. (Lies 1.Mose 17,1.15-22.) Im Römerbrief lesen wir: Abraham hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war ... Er wurde nicht schwach im Glauben, als er auf seinen eigenen Leib sah, der schon erstorben war ... er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs allergewisseste: was Gott verheißt, das kann er auch tun. Nun hinderte Gott nichts mehr, das Unvorstellbare zu erfüllen, das er Abraham verheißen hatte. Wer unter euch fürchtet den Herrn? ... Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des Herrn und halte sich an seinen Gott (Jes.50,10; lies Ps.43,3-5; Jes.26,4; 2.Kor.1,9).
Dienstag, 14. Mai Psalm 27,14; 84,12.13.
In wenigen Übersetzungen von Psalm 27 findet sich die Aufforderung: Hoffet auf den Herrn! In den meisten ist die Rede davon, dass wir auf ihn vertrauen oder harren sollen. In einer englischen Bibelübersetzung lesen wir zweimal, dass wir auf den Herrn warten sollen: Warte auf den Herrn, sei guten Muts, so wird er dein Herz stärken. Warte auf den Herrn, sage ich dir. Oft versuchen wir, die Hindernisse, die Probleme oder Nervenproben selbst zu meistern. Je mehr wir uns aber anstrengen, umso weniger werden wir damit fertig. Im Augenblick der Ungeduld gilt dieses: Warte! Gott möchte dir bittere Erfahrungen oder Schwierigkeiten ersparen. Befiehl dem Herrn deine Wege und vertraue auf ihn, warte auf ihn, er wird sich zu seiner Zeit als der eingreifende Herr erweisen. (Lies Joh.21,4a; Jes.8,17.23; 63,7-9.) Wenn Jesus unsere Nöte stehen lässt, uns auf die Erfüllung unserer Wünsche und Bitten warten lässt, dann hat er seine Pläne mit uns. Er wird handeln, das ist gewiss, wie unsere Lage auch aussehen mag. Das Werk deiner Hände wirst du, Herr, nicht lassen! (Lies Ps.13,6; 116,1.2; 145,18-21.) Nicht nur einmal am Tag können wir ihm sagen: Herr, ich hoffe auf dich, denn gar keiner wird zuschanden, der auf dich harrt. Wir dürfen unser Vertrauen ihm gegenüber immer wieder neu aussprechen: Herr, nicht die menschlichen Gegebenheiten sollen mich bestimmen, sondern mit deinen göttlichen Möglichkeiten rechne ich. - Man wird sagen: Seht, das ist unser Gott, auf den wir gehofft haben, dass er uns Heil verschaffe. Das ist der Herr, auf den wir warteten. Nun lasst uns fröhlich sein in seinem Heil (Jes.25,9; lies Ps.33,9; 56,4.5; 68,20.21). Ein Liederdichter unserer Tage drückt es so aus: Wir sehen oft nicht weiter; das Morgen ist verhüllt, und nagend fragt der Zweifel, wie Gott sein Wort erfüllt... Der Glaube blickt auf Jesus und hält sich an sein Wort, vertraut der Gnade Gottes und läuft nicht von ihm fort.
Mittwoch,15.Mai Psalm 27,8; Psalm 119,16.
Die Gründerin unseres Mutterhauses, Christa von Viebahn, lebte mit den Verheißungen der Bibel in einer beständigen und erwartungsvollen Haltung. Auch beim Forschen im Wort Gottes war das so: Wenn sie an Bibelstellen kam, die sie nicht verstand und über die sie Klarheit haben wollte, setzte sie ein Fragezeichen an den Rand mit der Erwartung, dass der Herr eines Tages sein Licht darauf fallen lassen werde und sie dann das Fragezeichen entfernen könnte. Und wie sehr hat sich Gott gerade zu diesen Erwartungen ihres Herzens bekannt! Wie viel Wunderbares ist ihr erschlossen worden! - Das weiß ich, dass du mein Gott bist. Auf dich hoffe ich und fürchte mich nicht. Ein Christ, der voll Vertrauen mit Gottes Handeln rechnet, ist ihm eine Freude. Der Herr empfindet die Liebe, die in solcher Haltung sichtbar wird. Er liebt mich, darum will ich ihn erretten. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören (Ps.91,14.15). - Jesus fordert uns immer wieder auf, in unseren Erwartungen nicht zurückhaltend zu sein, sondern wirklich vertrauensvoll zu ihm zu kommen: Bittet, suchet, klopfet an! Fordere von mir, und ich will dir geben... (Lies Matth.7,7-11; 1.Joh.5,14.15; 1.Mose 32,27.) Es ist ein Unterschied, ob wir hoffnungsvoll leben oder eine resignierende, verzagte, vielleicht sogar trotzige Haltung einnehmen. So negativ verhielt sich Ahas, als Gott ihm ein großartiges Angebot machte. (Lies Jes.7,9-13.) Mit einer glaubenslosen Haltung betrüben wir Gott. Das Ergebnis wird sein: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet! - Jesus möchte, dass wir erwartungsvoll leben. Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut, der auf sein Eingreifen wartet. (Lies Matth.21,22; Luk.18,1; Jak.1,5-7.)
Donnerstag,16.Mai Psalm 28,7; Johannes 11,1-6.40.
Auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir wurde geholfen. Aus Wartezeiten will Gott fruchtbare Zeiten machen! Vielleicht gelingt es uns noch nicht, ohne inneren Schaden mit einer Gabe umzugehen, die wir so sehr begehren. Vielleicht würden wir stolz und stellten das Geschenk über den Geber. Schon mancher Christ ließ sich von Erfolg und Besitz so stark fesseln, dass diese Gaben die Liebe zum Herrn aus seinem Herzen verdrängten (1.Kor.4,7). Das kann ein Grund sein, wenn Gott zögert, uns diese oder jene Bitte zu erfüllen. - Es kann auch eine Aufgabe sein, die wir vor Augen haben und die wir gern erfüllen würden. Obwohl wir diesen Wunsch immer wieder vor Gott aussprachen, blieb er unerfüllt. Sollen wir in der Wartezeit verstehen lernen, dass das, was der Herr uns noch vorenthält oder versagt, gut für uns ist, vielleicht sogar das Beste? Dieweil er Gott ist, so kann und weiß er, wie ers aufs Beste machen soll (M.Luther). Den Weg des Gerechten machst du gerade. Der Psalmist sagt: Er wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen. Gott wird handeln. Aber er hat seine Zeit. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht und sorgen. (Lies Ps.77,5-15; Jes.26,7; Röm.8,28.) Wir haben einen Gott, der weit mehr zu tun vermag als alles, was wir erbitten oder auch nur erdenken können. Sollten wir nicht auf ihn hoffen und auf sein Handeln warten? Er kommt nicht zu spät, und er geizt nicht mit seinen Gaben. Auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir ist geholfen. Daher frohlockt mein Herz! (Lies Ps.115,3; Jer.33,2.3; Phil.4,19.)
Freitag,17.Mai Jesaja 26,1-9; Psalm 57,2-4.
Nach den ersten Versen in Jesaja 26 lesen wir noch eine bewegende Aussage des Propheten Jesaja: Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Weg deiner Gerichte. Nach deinem Namen und nach deinem Lobpreis geht das Verlangen der Seele ... Denn wenn deine Gerichte die Erde treffen, lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Auch in Zeiten des Unglücks und des Gerichts soll es unser Anliegen bleiben: Wir aber warten auf dich, Herr, und wir warten auf das, was du in deinem Wort verheißen hast. Katastrophen werden kommen - wir erleben sie in unseren Tagen auf unterschiedlichste Weise in allen Erdteilen. Es sind bedeutsame Vorzeichen für das bevorstehende Kommen von Gottes Reich. Alle Erschütterungen - Kriege und Kriegsgeschrei, Hungersnöte, Erdbeben - sollen unser Beten bestimmen und auch unser alltägliches Leben, unsere Einstellung zu Zeit und Besitz, zu Freuden und Leiden, besonders auch unser Verhältnis zu den Menschen, denen wir ein klares Zeugnis von Jesus Christus schuldig sind. Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht ausbleiben. Dem Warten ist eine Grenze gesetzt: Habt Geduld, stärkt eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen. Wir wollen Gott danken, dass wir in der Wartezeit nicht allein gelassen sind. Wir haben die Zusage, die uns zum Durchhalten helfen will: Der Herr hat gesagt: Ich will meine Hand nicht von dir abtun, dich nicht im Stich lassen. Darum dürfen wir kühn und zuversichtlich sprechen: Der Herr ist mein Helfer, darum will ich mich nicht fürchten, was können mir Menschen tun? (Hebr.10,35-37; 13,5.6; Jak.5,8; lies Ps.107,1.2; 108,1-5).
Samstag,18.Mai Psalm 146,5; 71,5.6.
Weil Gott uns liebt, können wir Menschen der Hoffnung sein. Die meisten von uns sind täglich herausgefordert zu hoffen, wo eigentlich nichts zu hoffen ist. Dieses will ich meinem Herzen vorhalten, darum will ich Hoffnung fassen: Gnadenbeweise des Herrn sind es, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende; sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Glücklich der, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott (Klagel.3,21-26; lies Ps.91,1.2; 125,1.2; Jer.17,7.8). Unsere Hoffnung ist eine Kraft aus der himmlischen Welt, in der wir unser Leben bestehen können. Diese Hoffnungskraft will uns erfüllen, dass wir durch sie Auftrieb und Zuversicht bekommen. (Lies Ps.138,3.7.8.) Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude, schreibt Paulus an die Christen in Rom. Dort gab es Leute, die einen schwächenden, demoralisierenden und bösen Einfluss zu gewinnen suchten. Für die Verantwortlichen der Gemeinde damals wie heute gilt es, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen und nicht zu ermatten in dem Bemühen, Ungläubige zu Jesus Christus zu rufen. Hoffnung lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Die von Gott geschenkte Liebe befähigt uns, auch für hoffnungslose Fälle zu hoffen. Die Liebe hofft alles. - In allen gegenwärtigen unmöglichen Situationen, bei allem, was uns bekümmert, darf die Hoffnung nicht sterben. Glaubende sind Hoffende, weil unsere Hoffnung sich nicht auf Menschen gründet, sondern auf Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht! Nur als Hoffende, die sich an Jesus Christus klammern, können wir für unsere Umgebung eine echte Glaubens- und Lebenshilfe sein. (Lies Joh.8,12; Matth.5,14-16.)
PFINGSTEN - alle wurden mit Heiligem Geist erfüllt
Pfingstsonntag,19.Mai Jesaja 11,1.2; Apostelgeschichte 2,1-4.33.
Dem Spross aus dem Hause Davids ist der Geist des Herrn zugesagt. In den sieben Namen des Geistes Gottes wird die Vollkommenheit dieser Gabe deutlich: Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit, des Verstandes, des Rates, der Stärke, der Erkenntnis, der Furcht des Herrn. Die prophetische Ankündigung erfüllte sich zuerst in Jesus Christus. Das unfassbar Große folgte dann, als am ersten Pfingstfest nach der Himmelfahrt alle Jünger mit Heiligem Geist erfüllt wurden, um damit an allen Gaben des Heiligen Geistes teilzuhaben. - Mit dem Gebetswunsch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen verabschiedete sich Paulus in seinem Brief von den Christen in Korinth (2.Kor.13,13). Dieselbe Gemeinschaft des Heiligen Geistes gilt auch uns im dritten Jahrtausend: Nie brauchen wir als Jesus-Nachfolger einsam oder verlassen zu sein. Jeden Augenblick dürfen wir vom Heiligen Geist, der mit uns ist (Joh.14,16), Rat und Leitung erwarten, seine Hilfsquellen sind uns erschlossen, seine Bereitwilligkeit zu helfen erschöpft sich nie. Wir sollen auch seine reinigende Kraft erfahren. Er will neue Menschen aus uns machen. Wir alle schauen mit offenem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an. Und so werden wir in sein Bild umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, das wirkt der Herr, das wirkt sein Geist (Hes.36,27; 2.Kor.3,3.18). Die Menschen der ersten Stunde, auf die der Heilige Geist kam, wurden befähigt, die frohe Botschaft von dem Erlösungswerk unseres Herrn Jesus, des Auferstandenen, weiterzutragen (Apg.2,36-38.41). - Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt. Das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist macht im Wesentlichen unser Christsein aus. Sind wir uns dessen bewusst? Sonst sollten wir uns Zeit nehmen, betend darüber Klarheit zu gewinnen. Der Geist ists, der lebendig macht!
Montag,20.Mai Philipper 2,25-30; 4,18.
In Epaphroditus lernen wir einen Mitarbeiter des Apostels Paulus kennen, der vielen Bibellesern wenig bekannt ist. Ein unbekannter Name - und doch offensichtlich bei Gott sehr gut bekannt. Er hatte Interesse an Epaphroditus, Gott hatte sich über ihn erbarmt (V.27). Und Epaphroditus hatte ein tiefes Interesse an Gottes Sache, denn um des Werkes Christi willen ist er dem Tode so nahe gekommen (V.30). Wie unwichtig ist es, ob unser Name unter Menschen bekannt ist. Wichtig ist doch nur eins: dass unser Name bei Gott bekannt ist (J. Blunck). (Lies Luk.10,20b; Offb.3,5; Joh.1,45-49.) Epaphroditus wird im Philipperbrief nur an zwei Stellen erwähnt. Doch Paulus und den Philippern hat er viel bedeutet. Als die Gemeinde in Philippi einen Mann suchte, der die harten Bedingungen und Gefahren einer Romreise auf sich nehmen sollte, um Paulus im Gefängnis aufzusuchen, da war es Epaphroditus, der sich dazu bereit fand. Alle Risiken dieses Auftrags nahm er auf sich. - Was darf uns die Nachfolge kosten? Das Beste, was wir haben, ist unser Leben. So sagen viele Menschen. Man setzt es nicht aufs Spiel. Nur selten geschieht es, dass jemand sein Leben für andere opfert... Aber das Beste, was wir als Christen haben, ist nicht unser Leben, sondern unsere Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus. Durch den Glauben haben wir ewiges Leben und eine lebendige Hoffnung... Epaphroditus hatte es verstanden, dass er im Leben und im Tod zu Jesus gehörte. Er liebte seinen Herrn. Darum war er auch bereit, im Dienst für ihn sein eigenes Leben gering zu achten (M.Bönig). (Lies Röm.14,7.8; Phil.1,21; 2.Kor.4,1.8-10; 1.Joh.3,16.)
Dienstag,21.Mai Philipper 2,25-30; Sprüche 25,13.
Ich habe es aber für nötig angesehen, den Bruder Epaphroditus zu euch zu senden, der mein Mitarbeiter und Mitstreiter ist und euer Abgesandter und Helfer in meiner Not. Wussten die Philipper, dass Paulus in Not war und sandten sie deshalb Epaphroditus mit einer Gabe für den Lebensunterhalt nach Rom? Am Schluss des Philipperbriefes schreibt der Apostel: Ihr habt mir wohlgetan, dass ihr euch meiner Bedrängnis angenommen habt (Phil.4,14). Doch nun schien der Zeitpunkt gekommen, Epaphroditus wieder als Boten und Beauftragten nach Philippi zurückzusenden. Getrost sollte er sich auf den Heimweg machen. Er brauchte sich keine unnötigen Gedanken zu machen, ob es richtig war, Paulus schon zu verlassen. In einem Schreiben des Apostels an die Philipper heißt es: Nehmt ihn herzlich als euren Bruder auf und freut euch, wenn er zu euch kommt. (Lies 2.Kor.9,6-14; Hebr.13,16; Gal.6,6.) Es mag sein, dass Paulus nicht nur wegen der Verhöre und des zu erwartenden Urteils in Bedrängnis war. Die äußere Not, die fehlenden finanziellen Mittel mögen ihn ebenfalls bedrückt haben. Darum nennt er Epaphroditus Helfer in meiner Not oder Diener meines Bedarfs. Sein Kommen muss für Paulus ein sichtbarer Beweis des Wortes Jesu gewesen sein: Euer himmlischer Vater weiß, was ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet (Matth.6,8). Gott hatte dafür gesorgt, dass die Philipper an ihre Verantwortung für Paulus erinnert wurden und in Epaphroditus den Mann fanden, der mutig und entschlossen die Gabe nach Rom brachte. - Diener meines Bedarfs! Gott sucht heute Menschen, die bereit sind, sich für die Bedürfnisse seiner Kinder und der vielen Menschen in Not einzusetzen. Dabei geht es nicht immer in erster Linie um finanzielle Unterstützung, sondern noch mehr um die persönliche Zuwendung, um Teilnehmen, Trost, Ermutigung in der schwierigen Situation. (Lies Apg.28,15; 2.Kön.6,15.16; Jes.41,6.)
Mittwoch,22.Mai Philipper 2,25; Epheser 4,15.16.
Paulus nannte Epaphroditus meinen Bruder und Mitarbeiter und Mitstreiter. Mein Bruder! Welch eine Verbundenheit schwingt in diesen Worten mit! Eine innere, persönliche Beziehung, die Familienzusammengehörigkeit der Kinder Gottes kommt hier zum Ausdruck. Jesus sprach davon: Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter (Mark.3,34.35; vgl.Hebr.2,11.12; Röm.8,29). Von dieser Familie schreibt Paulus: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus (Gal.3,28). Paulus, der Jude, hatte den jungen Timotheus, Sohn eines griechischen Vaters und einer jüdischen Mutter, und Epaphroditus, der aus dem Heidentum kam, als engste Mitarbeiter zur Seite. Durch Jesus Christus waren sie zu einer Bruderschaft zusammengeschlossen. (Lies Röm.10,12; 1.Kor.12,13; Joh.17,20-22.) Mein Mitarbeiter! Damit sprach Paulus die uneingeschränkte Wertschätzung für den selbstlosen und unermüdlichen Einsatz des Epaphroditus aus. Anstrengungen hatten ihn nicht zurückgeschreckt. In schweren Zeiten stand er treu an seinem Platz und bewies Ausdauer. Solche Mitarbeiter werden immer gebraucht! Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter (Matth.9,36-38). Paulus nannte Epaphroditus auch seinen Mitstreiter. Während er gefangen war, ließ sich Epaphroditus nicht lähmen. Aktiv setzte er sich an der Seite des Paulus für das Evangelium ein. - In einem Gesprächskreis wurde der Gedanke geäußert: Diese drei Bezeichnungen deuten auf einen Mann mit einem ausgeglichenen Charakter. Wäre er streitsüchtig gewesen, schnell im Fehler-finden und rasch zur Kritik bereit, wäre er vielleicht immer noch ein Arbeiter und Streiter gewesen. Aber niemals wäre ihm die Bezeichnung Bruder, Mitarbeiter oder Mitstreiter zuerkannt worden. Doch Paulus gab Epaphroditus diese Ehrentitel. (Lies Kol.2,1-3; 2.Kor.8,16.17.22.23.)
Donnerstag,23.Mai Philipper 2,26-30; Jakobus 5,15.
Epaphroditus, mein Bruder und Mitarbeiter und Mitstreiter! Mitstreiter stehen zusammen, besonders in geistlichen Kämpfen und im Leiden. Das erfuhr Epaphroditus. Nachdem er in Rom angekommen war und die Spende aus Philippi an Paulus übergeben hatte, sollte er eine Zeit lang bei Paulus bleiben, um ihm in der Gefangenschaft zur Seite zu stehen. Doch dann geschah das Unvorhersehbare: er wurde krank, sogar todkrank. Welche Art von Erkrankung ihn so schwer traf, wissen wir nicht. Paulus schreibt nur: Um des Werkes Christi willen ist er dem Tod so nahe gekommen, da er sein Leben nicht geschont hat, um mir zu dienen an eurer statt. Paulus und Timotheus werden wohl sehr um Gottes Eingreifen gefleht haben. Auch wenn wir nichts von einem plötzlichen Heilungswunder lesen, zu seiner Zeit griff der Herr ein und bewahrte Epaphroditus vor dem Tod. So konnte Paulus schreiben: Gott hat sich über ihn erbarmt. Nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, dass ich nicht eine Traurigkeit über die andere hätte. (Lies Mark.1,29-31; 2.Kor.1,3-5; Ps.103,13.14.) Eine Leserin des Bibellesezettels erzählt: Als eine notvolle Situation unsere Familie betroffen machte, wollte ich meine Mutter mit Worten aus Psalm 68,20 trösten: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Unvergesslich ist mir die Antwort meiner Mutter geblieben. Sie stellte mir die Frage: Weißt du auch, was davor steht? Ich wusste es in dem Moment nicht. Doch seit jener Stunde habe ich es nicht mehr vergessen: Gelobt sei der Herr täglich! Indem aus dem Unglück das Lob Gottes in uns entsteht, ist uns die Überlegenheit über das Leiden gegeben" (A. Schlatter). (Lies Ps.103,1-5.)
Freitag,24.Mai Philipper 2,27; Klagelieder 3,22.23.
Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit nach der anderen hätte. Gott hat sich erbarmt. Manchmal fehlen uns an einem Krankenbett die Worte, und man kann Gott nur im Stillen um sein Erbarmen bitten. So mag es Paulus bei Epaphroditus ergangen sein. Die Krankheit wurde schlimmer, die Hoffnung, dass Epaphroditus wieder gesund würde, schrumpfte auf Minimum. Mitleidend und hilflos wird Paulus zunächst daneben gestanden haben. In Stunden der Angst und Not, im Schmerz um einen lieben Menschen oder in einer ausweglosen Situation haben wir die Möglichkeit, den Herrn zu bitten, dass er eingreifen möge: Herr, erbarme dich! - Als Jesus durch Jericho zog, ließen sich zwei Blinde nicht durch die schroffen Worte der Leute in ihrer Umgebung abhalten, laut zu rufen: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser! Jesus hörte ihr Schreien, in seinem Erbarmen wandte er sich ihnen zu und heilte sie. (Lies Matth.20,29-34; 15,21-28.) An vielen Stellen in der Bibel ist vom Erbarmen Gottes die Rede. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten! (Jes.54,10; 49,10; lies Neh.9,27-31). Auch uns hat sich Gott in seinem Erbarmen zugewandt. Gott ist wunderbar reich an Barmherzigkeit ... Er hat uns, die wir tot waren in Sünden, mit Christus lebendig gemacht (Eph.2,4.5). Philipp Friedrich Hiller besingt in einem seiner Lieder die unfassbar große Barmherzigkeit Gottes: Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein! Gott hat mich mit sich selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her? Warum geschiehts? Erbarmung ists und weiter nichts, Erbarmung ists und weiter nichts.
Samstag,25.Mai Philipper 2,27; Psalm 69,14.17.
Paulus schreibt, dass Gott sich über ihn erbarmte, damit er nicht eine Traurigkeit nach der andern erleiden musste. Welche Traurigkeiten drückten wohl Paulus nieder? War es die lange und immer noch nicht absehbare Zeit der Gefangenschaft? Waren es Christen in den Gemeinden, die das Ihre suchten und nicht in erster Linie für Jesus und seine Sache eintraten? Die eigene Ohnmacht? Schließlich der Gedanke, dass die schwere Erkrankung des Epaphroditus zum Tode führen könnte? Wer von uns kennt nicht Tage, vielleicht auch Wochen, in denen Kummer, Sorge und Herzeleid uns bedrücken? Ein Gebet von S. Naegeli unter der Überschrift Versandete Tage können wir in einer solchen Zeit zu unserem Gebet machen: Herr, mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist: die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut. Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag: Meine Krankheit, meine Einsamkeit, meine ungelösten Fragen, mein Versagen. Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren, dass ich nicht allein bin, dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft, dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst und meinen übergroßen Durst stillst. Lass mich erfahren, dass du alles hast und bist, dass ich in dir wieder finde, was ich verloren habe. Lass mich glauben, dass du meine Wüste in fruchtbares Land verwandeln kannst. Gott weiß, wie viel Traurigkeit wir tragen können, und Gott ist treu; der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihrs ertragen könnt. Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal (1.Kor.10,13; 2.Kor.1,3.4; lies 1.Petr.4,19; Jak.5,11; Ps.119,81.82.153.154).
Sonntag,26.Mai Philipper 2,27; Psalm 34,2-7.
Gott hat sich über Epaphroditus erbarmt; ... damit ich nicht eine Traurigkeit nach der anderen hätte. Sind das nicht ungewöhnliche Worte aus dem Mund des Mannes, der den Philippern zuruft: Freuet euch... ich freue mich... freut euch mit mir? Aber Freude ist nichts Selbstverständliches. Freude war und ist angefochten und umkämpft. Leid und Traurigkeit machten nicht Halt vor Paulus. Wie jeder andere erfuhr er Leid als Leid, Schmerz als Schmerz und Trauer als Trauer. Und doch ist da ein Unterschied: Kinder Gottes sind mit ihrem Leid, mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer nicht allein gelassen. Jesus ist ein Heiland in der Not. Er kann trösten, wie einen seine Mutter tröstet (Jes.63,8; 66,13). In der Gemeinschaft mit ihm werden wir getröstet. Jesus selber sagt: Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Im Brief an die Gemeinde in Korinth schrieb Paulus darüber: Aber Gott, der die Geringen tröstet, der tröstete auch uns. Diese Erfahrung machte auch schon der Psalmist: Gott tröstet, er erquickt und richtet auf: Du hast eine drückende Last auf unsere Lenden gelegt, du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt (Ps.66,11.12; Matth.5,4; 2.Kor.7,6; lies 2.Thess.2,16.17). Im Aufblick zu Jesus werden wir getröstet. Er hilft uns, die Ereignisse aus seiner Perspektive zu sehen. Das muss ich lernen: Nicht nur den Vordergrund der Dinge sehen. Alles in meinem Alltag hat auch seinen Hintergrund. Meine Krankheit, mein Gesundwerden, mein Beruf, meine Niederlagen, meine Erfolge, meine Einsamkeit, mein Wieder-froh-Werden. Und dieser Hintergrund meines ganzen Alltags ist nicht ein unabänderliches totes Schicksal, sondern ein liebender Gott, der es gut mit mir meint (J.Blunck).
Gott macht es gut, weil er uns so sehr liebt und uns so gern das Allerbeste gibt. Zwar können wir das oft nicht sehn und seine Wege nicht verstehn,
doch bleibts dabei, denn Gott ist treu: Gott macht es gut.
Diakonissenmutterhaus AidlingenMontag,27.Mai Philipper 2,25-30; Joh.13,34.35.
Nachdem Epaphroditus sich von seiner schweren Erkrankung erholt hatte, hielt Paulus es für richtig, ihn nach Philippi zurückzusenden. Er gab Epaphroditus den Brief mit, in dem er zum Ausdruck brachte, wie groß dessen Sehnsucht nach ihnen allen war: Es hat ihn sehr beunruhigt, dass ihr von seiner Krankheit erfahren habt ... Jetzt soll er so schnell wie möglich zu euch zurückkehren. Ihr sollt ihn gesund wiedersehen und euch über ihn freuen. Dann werde auch ich eine Sorge weniger haben. Nehmt ihn herzlich als euren Bruder auf und freut euch, wenn er schon jetzt zu euch kommt. Menschen wie ihn sollt ihr achten und ehren. Denn er hat sein Leben eingesetzt. Weil ihr nichts für mich tun konntet, hat er sich an eurer Stelle für mich aufgeopfert. - Paulus kannte die Christen in Philippi und er ahnte, dass die vorzeitige Rückkehr des Epaphroditus vermutlich Fragen aufwarf. Der Gedanke lag nahe: Warum hatte er den Apostel in Rom so schnell verlassen? Wie sollten sie ihm begegnen, sich ihm gegenüber verhalten? Es konnten sich unterschwellig zerstörende Gedanken einschleichen, die Schaden anrichteten. Paulus beugte mit Feingefühl eventuellen Missverständnissen vor. Mit Liebe und Hochachtung schreibt er von Epaphroditus. Niemand sollte ihm einen Vorwurf machen. Niemand sollte denken, er habe seinen Auftrag nicht erfüllt. Epaphroditus hatte für Jesus gelebt, für ihn gearbeitet, um Jesu willen sein Leben nicht geschont. Er war für Paulus ein Bruder, ein Mitarbeiter und ein Mitstreiter. Wir erkennen, es war ihm wichtig, dass die Gemeinde Epaphroditus freudig aufnahm und sich mit ihm darüber freute, was der Herr an ihm getan hatte. So bahnte er ihm den Weg zurück in die Gemeinschaft der Christen in Philippi. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich! (Lies Röm.12,9.10; 14,19; 16,1.2; 1.Kor.10,24; Phil.2,4.)
Dienstag,28.Mai Philipper 2,28-30; Psalm 133.
Paulus ging sehr einfühlsam mit den Spannungen in der Gemeinde um, die es auch in Philippi gab. Solche Menschen - wie Epaphroditus - ehrt, schreibt er, und unterstreicht seine Aufforderung mit dem Hinweis: Denn um des Werkes Christi willen ist Epaphroditus dem Tode so nahe gekommen, da er sein Leben nicht geschont hat, um mir zu dienen an eurer statt. Epaphroditus hätte sich zurückhalten können, als man einen Boten suchte, der dem gefangenen Apostel die Gabe überbrachte. Er hätte einen leichteren Weg für sich wählen können, ohne dass jemand Anstoß daran genommen hätte. Paulus, der sein Leben für Jesus und die Ausbreitung des Evangeliums voll einsetzte, ja sogar bereit war, es dafür zu opfern, wird ihm Vorbild gewesen sein. Hatte er sein Abschiedswort in Milet gehört? Ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes. Wie Paulus dem Herrn ungeteilt und mit ganzer Hingabe diente, so wollte auch er Gott zur Verfügung stehen und dabei keine Gefahren scheuen. (Lies Apg.20,17-24; 21,10-14; Ps.73,23-26.) Wie weit ist diese Gesinnung vom Geist unserer Zeit entfernt! Sollten wir uns nicht fragen lassen: Was riskiere ich eigentlich um Christi willen? Was ist mir das Werk Christi wert? Wie viel Zeit, wie viel Kraft, wie viel Geld, wie viele Freundschaften - kurz: wie viel von meinem Leben? Bei den Reformationsfeiern singt man oft: Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin... Ob ich das wohl zu Recht mitsingen darf? Epaphroditus jedenfalls hätte es zu Recht mitsingen können. Bei ihm galt es (J.Blunck).
Mittwoch,29.Mai Philipper 2,29.30; 1.Petrus 2,17.
In der Bibel wird immer wieder von Menschen berichtet, die sich nicht scheuten, ihr Leben für Gott und seine Sache voll und ganz einzusetzen. Haltet solche Menschen in Ehren, schreibt Paulus. - Die Königin Ester wagte einen ungewöhnlichen Schritt um ihres Volkes willen: Ich will zum König hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um (Est.4,16). - Die Freunde Daniels bekannten sich zu ihrem Gott vor dem babylonischen König Nebukadnezar und scheuten vor dem Feuer nicht zurück: Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn ers nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten wollen (Dan.3,16-30). - Paulus und Barnabas bezeugten den Namen Jesus unter den Heiden, ungeachtet aller Gefahren. So wurden sie bekannt als Leute, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus (Apg.15,26; lies Apg.7,54-60; 2.Tim.1,8-12). - Priska und Aquila öffneten Paulus ihr Haus, obwohl er in Ephesus viele Gegner hatte. Grüßt Priska und Aquila, die für mein Leben ihren Hals hingehalten haben (Röm.16,3.4; Apg.18,1ff). - Sie liebten ihr Leben nicht bis in den Tod! Wo die Bereitschaft zur Hingabe unseres Lebens an den Herrn und seine Sache da ist, wird unser Zeugnis nicht ohne Frucht bleiben. Gladys Staines, die 1999 ihren Mann und ihre beiden Söhne bei einem Überfall durch hinduistische Extremisten verlor, schrieb nach dem sehr schmerzlichen Tod ihrer Angehörigen: Führe treu aus, was immer dir zu tun aufgetragen ist. Gib nie der Versuchung nach, aufzugeben. Sage nie Schluss!, selbst wenn du verfolgt oder bedroht wirst. Blicke stets auf Jesus, den Anfänger und Vollender. (Lies 2.Kor.4,8-11; Offb.12,11.)
Donnerstag,30.Mai Philipper 2,30; 2.Korinther 5,15.
Denn um des Werkes Christi willen ist Epaphroditus dem Tode nahe gewesen und hat sein Leben aufs Spiel gesetzt. Jesus selbst setzte durch die Hingabe seines Lebens ein Zeichen für alle, die ihm nachfolgen wollen. Er hat alles für dich hingegeben und er bittet dich um alles. Er schonte sich selbst nicht, wie kannst du dich schonen? Um deinetwillen goss er in verschwenderischer Liebe alles aus... Sei doch großzügig in deiner Hingabe! Komm seiner grenzenlosen Hingabe an dich mit einer grenzenlosen Hingabe an ihn entgegen. Deine Liebe und Hingabe ist sein kostbarer Lohn für all das, was er für dich getan hat. Fürchte dich deshalb nicht, dich rückhaltlos dem Herrn hinzugeben (H.W.Smith). (Lies Apg.5,41.42; 2.Kor.1,8-10; 12,15; Hebr.11,24-26.) Am Ende des Philipperbriefes schreibt Paulus noch einmal, was ihm der Besuch von Epaphroditus bedeutete. Ihr habt wohl daran getan, dass ihr euch meiner Bedrängnis angenommen habt ... Ich bin reichlich versorgt, nachdem ich durch Epaphroditus eure Gabe empfing; ein duftender Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig (Phil.4,14-18). Paulus vergleicht die Gabe der Philipper mit einem Opfer, dessen Duft zu Gott aufsteigt, und an dem er Freude hat. Der Einsatz, den Epaphroditus wagte, war nicht nur für Paulus eine Hilfe in schwerer Zeit, er trug auch dazu bei, dass Gottes Herz erfreut wurde. In bildhafter Sprache ist hier ausgedrückt, was auch unser Leben sein kann: Ein Duft zu Gottes Freude Wir sind Gott ein angenehmer Wohlgeruch Christi bei denen, die gerettet werden, und bei denen, die verlorengehen; den einen ein Geruch des Todes zum Tode, den anderen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. (Lies 2.Kor.2,14.15; Hebr.13,16.) Wir sind gefragt, ob wir uns wie Epaphroditus den Herausforderungen unserer Tage stellen und unser Leben nicht schonen, sondern für Jesus einsetzen, auch wenn wir in Gefahr geraten und Leiden auf uns zukommen. (Lies Mark.8,34.35; Röm.8,18.35-39.)
Freitag,31.Mai Jesaja 12,1-6; 2.Mose 15,1.2.
Die Jahreslosung: Gott ist meine Rettung, ihm will ich vertrauen und niemals verzagen, hat uns angeregt, uns mit dem ganzen Kapitel Jesaja 12 zu beschäftigen, das überschrieben ist: Das Danklied der Erlösten. Über das Thema Leben aus dem Dank sprach Altlandesbischof Th.Sorg: Danken ist heute out, Klagen in, und auch das Fordern: Ich muss alles haben, und zwar sofort. Auf diesem Boden aber kann geistliches Leben weder wachsen noch zu einer Gestalt finden. Wie wahr ist dem gegenüber das Wort Friedrichs von Bodelschwingh: Die tiefste Kraft des Lebens ist der Dank. Wir müssen uns durch diesen Satz fragen lassen, ob die heute so weit verbreitete Lustlosigkeit und Unzufriedenheit - auch unter uns - nicht aus einer ebenso verbreiteten Undankbarkeit kommt. Undankbarkeit aber ist die Frucht einer tiefen Beziehungsstörung. Wenn unsere Beziehung zu Gott, zu Jesus Christus nicht mehr geordnet ist, gerät auch die Beziehung zu uns selber und zu den Menschen um uns her in eine Schräglage. Was heißt nun aber danken? Danken heißt, von der Gabe aufsehen zum Geber... Leben wir dankbar? (Lies Ps.100,4; Hebr.13,15; Kol.1,12-24; 3,15.) Das Danklied des Propheten Jesaja entstand in einer Zeit, in der Israel den Zorn Gottes schmerzlich spürte. Dem Propheten ist ein Blick in die Zukunft geschenkt, auf jenen Tag, wenn sich Gottes Zorn gewendet hat und sein Heil Wirklichkeit geworden ist. Für ihn gab es keinen Zweifel, dass dieser Tag kommen wird. Sein Danklied hat zwei Teile. Im ersten Teil (V.1-3) lesen wir das Zeugnis von Gottes großer Barmherzigkeit und seiner wunderbaren Rettung: Dein Zorn hat sich gewendet, und du tröstest mich! Im zweiten Teil (V.4-6) wird das persönliche Danklied zu einem Bekenntnis- und Zeugnislied. Was Gott getan hat, soll in der ganzen Welt bekannt werden. Diesen Auftrag haben wir heute noch. (Lies Apg.4,12; Röm.1,16; 2.Kor.5,19.20.)
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