Das Bildwort vom Arzt und den Kranken macht deutlich: 1. Jesus ist der eigentliche Arzt, der den sündenkranken Menschen aufsucht und dem er sein Heil anbietet (gestriger Tag). 2. In Anlehnung an Matthäus 9,13 haben wir auch beim Markusbericht daran zu denken, dass Jesus seinen Kritikern mit einer Gegenkritik antwortet: »Ihr, die ihr durch das lange und gründliche Studium der Thora so gesegnet seid, solltet wohl Ärzte sein!« Aber sie sind es nicht. Wie die Hirten Israels haben auch sie als geistliche und seelsorgerliche Verantwortungsträger versagt. (Lies Hes. 34, 1-10.) Erbarmungslos haben sie »schwere und unerträgliche Lasten auf die Menschen gelegt« (Matth. 23, 4). Und doch schreibt Jesus die Schriftgelehrten nicht ab: »Geht aber hin und lernt, was das heißt: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Geht hin und lernt - das ist Aufgabe und Chance. Die langjährigen »Bibelkenner« sollen ganz neu zu dem Gott in die Schule gehen, dessen Wesen reine Gnade und Barmherzigkeit ist. - Konnte seine Güte mit zunehmendem Alter, auch mit zunehmendem Glaubens-Alter, in und bei uns wachsen? Gerade wir Älteren sollten ein Abbild von Gottes Güte und Freundlichkeit sein. »Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei« (Jak.3,17). 3.Aus der Liebe des Arztes zu den Sünden-Kranken folgt keineswegs eine Nicht-Liebe zu den Gerechten! Sein Ruf an die Fernstehenden enthält einen indirekten, aber dringlichen Ruf an die Nahen, sodass siealle gerufen sind (vgl. Matth.21,32; Jes.57,18.19). Die betonte Hinwendung zu den Kranken sollte den anderen einen Anreiz liefern. In diesem Sinne hat auch Paulus von den Heidenbekehrungen erhofft, dass sie das alte Israel »reizen« und »eifersüchtig « machen würden (Röm.10,19; 11,11.14). GOTT, UNSER WUNDERBARER SCHÖPFER - 1.Mose 1, 1- 2, 4
I. DU GROSSER GOTT, WENN ICH DIE WELT BETRACHTE (1,1) Es stärkt unseren Glauben, wenn wir uns darauf besinnen, wie groß und herrlich unser Gott ist, der Himmel und Erde gemacht hat. Jeder Frühling, den Gott werden lässt, malt uns seine Kraft und Treue buchstäblich vor Augen. Die ersten Seiten der Bibel laden uns ein, unserem Schöpfergott ein wenig zuzuschauen, wie alles seinen Anfang nahm. Die Bibel eröffnet die atemberaubende Entstehungsgeschichte des Kosmos mit Gott. Gott, der selber nie anfing zu sein, weil er schon immer da war (Joh. 1, 1. 2; 5,26), macht den Anfang. »Im Anfang Gott. Und weil es Gott ist, der die Welt anfängt, darum allein fängt es gut an « (W. Lüthi). Die Bibel geht einfach von dieser Tatsache aus. Dabei unternimmt sie keinerlei Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen. Er lässt sich auch gar nicht beweisen; aber er lässt sich erleben. Denn er zeigt sich uns von Anfang an als der persönliche Gott: Er schuf. »Im Anfang schuf Gott.« Hier zeigt sich persönlicher Wille und persönliche Tat. Er selbst aber ist und bleibt stets größer als alles, was er wirkt. Er ist der Welt kein ebenbürtiges Gegenüber, sondern bleibt als ihr Herr unendlich gewaltiger und herrlicher als alles Geschaffene. Jesaja 40, 12-31 hilft uns, Gott in seiner unübertroffenen Allmacht zu loben und anzubeten. Welch ein wunderbarer Gott, den »die Himmel und die Himmel der Himmel nicht fassen« können (1. Kön. 8, 27), und der sich doch um uns kleine Menschenkinder persönlich kümmert. (Lies Jes. 66, 1. 2; 41, 13. 14. 17-20; 42, 3-7.) Lasse ich mich auf seine Fürsorge und Zuneigung ein, werde ich ein Stück Herrlichkeit erleben. Auch ein schwerer, ein dunkler Tag wird erträglich, wenn ich immer wieder spreche: »Du, Herr, bist da. Dir vertraue ich.«
»Im Anfang schuf Gott.« Gott schuf. Vom Schaffen verstehen auch wir einiges. Der Konstrukteur und der Techniker, die Hausfrau und Mutter, der Arzt und die Krankenschwester, die Führungskraft und der Azubi. Selbst der angeschlagene und kranke Mensch kann Energien entfalten und schöpferisch wirken. Anders als mit allen menschlichen Leistungen verhält es sich mit dem Schaffen Gottes. Der Urtext gebraucht ein Wort, das ausschließlich für das schöpferische Tun Gottes reserviert ist. Dieser Ausdruck beschreibt das neue, noch nie dagewesene Schaffen ohne jegliche Vorgaben. Darum haben die alten Glaubensväter diesen Schöpfungsvorgang als »Schöpfung aus dem Nichts« bezeichnet. Gott kann aus nichts etwas machen, etwas Großartiges schaffen. - Denken wir an Abraham! Wo »nichts zu hoffen« war, glaubte er an den Gott, »der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei« (Röm. 4, 17. 18). Wie immer bei uns »das, was nicht ist« konkret aussehen mag, Gott arbeitet daran. Starren wir nicht in das schwarze, leere Nichts, sondern schauen wir auf zu ihm! Der Ewigseiende ruft das Nichtseiende ins Dasein: »Himmel und Erde«. Im hebräischen Urtext wird »Himmel« immer in der Mehrzahl gebraucht. (Vgl. 5.Mose 10, 14; 2. Chron. 2, 5; 2. Kor. 12, 2.) Wenn wir schon staunen können über die gigantische Welt unseres Sonnensystems, wie viel herrlicher müssen dann jene Himmelswelten sein, die kein Erdenbürger und kein Messgerät je erreichen kann. Gott, »der König der Könige und Herr der Herren, der allein Unsterblichkeit besitzt und ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat, auch nicht sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht« (1.Tim. 6, 15. 16). Mit 1.Chronik 16, 23-36 darf ich mich einreihen in die Schar der Lobsänger Gottes.
1.Mose 1,1; Jesaja 63,15.19-64,1; Offenbarung 1, 8. »Ach, dass du die Himmel zerrissest, herabstiegst, sodass vor deinem Angesicht die Berge erbebten!« Tiefe Sehnsucht nach einem offenen Himmel über der endlosen Erdennot bricht sich hier im Propheten Jesaja Bahn. Viele Jahre später erfüllte der unbeschreibliche Jubel »der himmlischen Heerscharen« den dunk- len Nachthimmel, der sich über Bethlehems Fluren wölbte: Lukas 2, 8-16. Gott ist Mensch geworden. Der Himmel sinkt auf die Erde. »Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« (Joh. 1, 14). Wer sich dem Sohn Gottes anvertraut, bleibt nicht strafversetzt in der Gottesferne, sondern wird gnadenversetzt in »die himmlischen Welten in Christus« (Eph. 1, 3-14). Durch die Auferstehung des Herrn Jesus Christus ist diese Versetzung rechtskräftig geworden. Darum wartet auf alle Menschen, die ihr Vertrauen auf Jesus Christus setzen, eine unsagbar wunderbare und ewige Herrlichkeit. »Dann werden wir ihn sehen, wie er ist« (1. Joh. 3, 1-3). Dann werden »Tränen, Tod, Trauer, Geschrei und Schmerzen« (Offb. 21, 4) restlos überwunden und verbannt sein. Dann wird Gott, der Herr des Himmels und der Erde, einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Jes. 65, 17; 66, 22; Offb. 21, 1). Derselbe Gott, der »am Anfang schuf«, der auch den »neuen Menschen « erzeugt (Joh. 1, 12. 13; 2. Kor. 5, 17; 1. Joh. 5, 1), wird auch am Ende der souveräne Schöpfer sein, der »alles neu macht« (Offb. 21, 5a; 22, 13; Phil. 3, 20. 21). Bis dahin gilt für Menschen Gottes: »Wenn ihr nun mit Christus zu einem neuen Leben auferstanden seid, dann richtet euer ganzes Leben nach ihm aus« (Kol.3, 1-3. 8-10.12-17; 1.Kor.1, 8. 9). Christen dürfen himmelwärts leben.
II. DER GEIST GOTTES IST GRÖSSER ALS DAS CHAOS (1, 2) Die biblische Aussage »Und die Erde war wüst und leer« stellt uns vor ein unlösbares Geheimnis, dem wir uns demütig und ehrfurchtsvoll nähern dürfen. Ein aufmerksamer Bibelleser wird sich der Frage, wie denn die von Gott erschaffene Erde »wüst und leer« sein könne, stellen. Dass Gott selbst die Erde »nicht als eine Öde geschaffen hat«, entnehmen wir Jesaja 45, 18. Der allmächtige Schöpfer hat nicht Chaos, sondern Kosmos geplant, nicht Unordnung, sondern Ordnung, nicht Orientierungslosigkeit, sondern Orientierung für unser Leben. Dem entspricht das göttliche Qualitätsurteil über das gesamte Schöpfungswerk: »Alles, was er gemacht hatte, war sehr gut« (1.Mose 1,31). Was aber hat eine »wüste und leere« Erde damit zu tun? »Wüst und leer« kann in der damaligen Welt ein Ausdruck sein, der das Nichts, aus dem Gott schuf, umschreibt. Wo finden wir Worte, mit denen man »nichts« beschreiben kann? Der Mann der Bibel versucht es, indem er das Ungestaltete, Ungeformte, Ungeordnete, das Unvertraute und Unheimliche mit »wüst und leer« benennt. »Neben Gott ist alles, was uns Angst macht, nichts. Was neben und außer Gott etwas sein will, ist nichts« (W. Lüthi). Der Prophet Jeremia spricht deutlich an, wie dumm und kurzsichtig es ist, das Meisterwerk des allmächtigen Schöpfers gegen das Kunstwerk eines Götzenbildners auszuspielen: Jeremia 10,11-16. Vor Gott sind Götzen Nichtse! Sie »sind Blendwerk und haben kein Leben. Sie müssen zugrunde gehen«. Unsere Welt ist voller Götzen (vgl. Apg. 17, 16-31). Viele haben ihr Leben davon abhängig gemacht und leben in Sorge und Angst. Gottes Wort rät: »So fürchtet nun den HERRN und dient ihm in Aufrichtigkeit und Treue! Und tut die Götter weg, und dient dem HERRN!« (Jos. 24, 24; lies Hab. 2,18.19; Dan.3, 8-18; Matth.6,24; Apg. 14, 8-15; 1.Thess.1,9.10).
Zur grauenhaften Öde kommt die »Finsternis über der Tiefe«. Zunächst halten wir fest, dass es sich nach dem hebräischen Wortlaut nicht um die uns bekannte Dunkelheit der Nacht handelt, sondern um eine unheimliche, beängstigende und bedrohliche »Schwärze«. Finsternis gilt in der Bibel durchweg als Sinnbild für Not, Sünde und Gericht (2.Mose 10,21-23; Ps.105,28; Amos 5,18; Micha 7, 8; Matth.27,45). Erst in der neuen Welt Gottes wird die Finsternis völlig durchbrochen und überwunden sein: Jesaja 60,18-20; Offenbarung 21,23-25; 22, 3-5. Und doch klingt schon in 1.Mose 1, 2 verheißungsvoll an, dass das grauenhafte Tohuwabohu, die bedrohliche Finsternis und die gurgelndenWasserfluten unterlegene Größen sind; denn über ihnen »schwebte der Geist Gottes«. Wörtlich übersetzt meint »schweben« - wie in 5.Mose 32,11 - das schützende Hin- und Herflattern eines Vogels über seiner Brut, sie zu erwärmen und ihre Lebenskraft zu stärken.Wenn der Geist Gottes so tatkräftig über dem Chaos »schwebt«, heißt das: Gott will das Leben, er wirkt das Leben, und er gestaltet das Leben. (Vgl. Hiob 26,13; 33,4; Ps.104,30.) Der Geist Gottes ist nicht nur zu Beginn der Schöpfung, sondern auch am Anfang großer und wichtiger Ereignisse in der Heilsgeschichte präsent: beim öffentlichen Dienstantritt des Messias (Matth. 3, 16; Joh. 1, 32-34), bei der Gründung der ersten Christengemeinde (Apg. 2, 1ff), bei der Geburt des neuen Menschen (Joh.3, 5-8; Tit.3, 4. 5). - Für heute halten wir fest: Trotz des Chaotischen ist der Geist überlegen zugegen. Das gilt auch für meine kleine, oftmals wirre Lebenswelt. Der Heilige Geist kann Knoten lösen! Aber er will auch uns selbst immer tiefer lösen und befreien von unserer Alt-Adams-Gesinnung. Unter der Herrschaft des Heiligen Geistes darf ich selbst in großer Not ein gelassener und liebevoller Mensch Gottes werden. Dazu Epheser 1,13; 4,30-32; 5, 18-20; 1. Petrus 4, 14.
III. DAS LICHT GOTTES DURCHBRICHT DIE FINSTERNIS (1, 3-5) Nach der grundsätzlichen Feststellung von der Erschaffung des Kosmos aus dem Nichts und der Bekundung der Gegenwart Gottes trotz des Chaotischen, greift Gott ein mit seinem königlichen Wort: »Und Gott sprach.« Jeder Schöpfungsakt wird mit dem hoheitsvollen Sprechen Gottes eingeleitet (Hebr. 11, 3). Dabei beinhaltet das Reden Gottes den schaffenden Befehl und die vollzogene Tat. Wenn Gott schaffen will, spricht er, und wenn er spricht, schafft er. Das Wort Gottes ist Werk Gottes; es ist Tat-Wort: Psalm 148, 5; Matthäus 8, 8; Markus 4, 39. Gottes Wort ist, anders als Menschenworte, »machthaltig, von höchster schöpferischer Potenz«. Unergründlich, aber biblisch bezeugt, ist die Tatsache, dass Jesus Christus Mitschöpfer des Kosmos ist; denn er ist das Wort Gottes in Person. (Lies Joh.1, 1-3; Kol.1,15-17; Hebr.1,2.3.) So hat der dreieinige Gott in einzigartiger, harmonischer »Teamarbeit« Himmel und Erde erschaffen. Darüber hinaus halten wir fest, dass die durchs Wort erschaffene Welt auch die aufs Wort hin ansprechbare Welt ist. Gott wird seine Welt immer durch sein Wort ansprechen können. Lebendiger Glaube kommt aus der Verkündigung des lebendigen und schöpfungsmächtigen Wortes Gottes: Lies Römer 10,14-17. Vielleicht sollte ich dem Wort Gottes noch viel tiefer als bisher vertrauen und damit rechnen, dass der Herr keine leeren Worte macht, sondern zu seinem Wort steht und tut, was er sagt. »Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss« (Ps. 33, 4; vgl. Jes. 55, 10. 11). Zugleich aber habe ich demütig anzuerkennen, dass Gott durch sein Wort wirkt, wie er es will und für gut befindet. So groß ist unser Herr, dass er sich uns im Wort schenkt, aber nie- mals lässt er sich von Menschen vereinnahmen. Er bleibt der souveräne Herr.
Die Reihe der Schöpfungstaten beginnt mit dem Einströmen des Lichtes: »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht« (1.Mose 1, 3). Im Unterschied zu den Gestirnen (V. 14-16) geht es hier um ein Urlicht, dessen Quelle Gott selbst ist. Diese einzigartige Lichtquelle ist die grundlegende Voraussetzung für die Entstehung von Ordnung, Zeitrhythmus und Leben. Wieder können wir über Gottes Herrlichkeit und Macht staunen: Das Licht Gottes durchbricht, durchdringt und bezwingt die »schwarze« Nacht und unheimliche Finsternis. Wenn wir zu Vers 2 bedacht haben, dass diese grauenhafte Finsternis biblisches Sinnbild für Not, Sünde und Gericht ist, leuchtet die Tatsache »Gott ist Licht, und Gott gibt Licht« umso heller (Ps.36,10; 104,2; Joh. 1, 4; 8, 12; 1. Joh. 1, 5). Immer wieder bezeugen Menschen der Bibel, wie hilfreich ihnen Gottes Licht in dunklen Situationen aufleuchtete. o Der von Feinden eingeengte König David hielt sich in der Angst an die Tatsache: »Der Herr ist mein Licht und mein Heil« (Ps.27,1). o Dem geplagten »Volk, das im Dunkeln lebt«, verkündete der Prophet Jesaja »ein großes Licht«, das mit der Ankunft des Messias Gottes aufgehen wird (Jes. 9, 1-6; 60,2; Matth.4,13-17). o Im hohen Alter konnte Simeon getrost von den Seinen Abschied nehmen, weil er die wichtigste Begegnung mit Jesus, dem »Licht für alle Völker«, gehabt hatte (Luk.2,25-32). o Der Pharisäer Saulus erlebte: Finstere Sündenmächte können dem Licht Gottes nicht standhalten. Auf dem Höhepunkt seiner fromm begründeten »Mordkarriere « traf Saulus das Licht Gottes und öffnete ihm, obwohl drei Tage blind gemacht, die Herzensaugen für das wahre Licht Gottes (Apg. 9, 1-17; 1. Tim. 1, 12-17; Eph. 1, 18. 19; vgl. Hiob 34, 22; Hebr. 4, 13). Wie wichtig, dass wir uns dem heilsamen Jesus-Licht stellen! In seiner Lichtspur tappe ich nicht mehr im Finstern, sondern ich habe »das Licht, das zum Leben führt« (Joh.8,12).
»So wie Gott einmal befahl: Es werde Licht!, so hat er auch die Finsternis in uns durch sein helles Evangelium vertrieben. Durch uns sollen alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus sichtbar wird.« Welch ein verwandeltes und alternatives Leben kennzeichnet Christenmenschen! Unser Leben mit Gott ist ein Leben im Licht Gottes. Wie der Staub auf dem Bücherregal besonders im Sonnenschein dick und unansehnlich zutage tritt, so erkennen wir uns und all die vielen sündhaften »Staubschichten« in unserem Leben erst richtig, wenn das helle Licht des Wortes Gottes darauf fällt. Dann merken wir, wie wenig geeignet wir für das herrliche Lichtreich Gottes sind (Jes.6, 1-5). So schmerzhaft und beschämend diese Erkenntnis sein mag, so schädlich wäre es, den »Staub« zu übersehen, »wegzuerklären«, zu übergehen. Wie Schmutz nur weggewischt, kann Sünde nurvergeben werden. Diese Erfahrung machte auch der Prophet Jesaja (Kap. 6, 6. 7). Auf ein ehrliches Sündenbekenntnis schenkt Gott Vergebung (1. Joh. 1, 6-9) und eine tiefere Befreiung vom einge- fleischten Egoismus (Röm. 7, 18. 19. 24. 25; 8, 1-4), aber auch eine tiefere Bereitschaft, ihm zu gehorchen (lies Jes. 6, 8; Eph. 5, 8-17). Im Licht vor dem Angesicht Gottes bekommt unser Leben Leuchtkraft. Wie die Sterne in sternenklarer Nacht Orientierung anbieten, bringen die Lichtträger Gottes einem »verdrehten und verkehrten Geschlecht« (Phil. 2, 15) sein gutes, helfendes Licht. Was hat die Feststellung des Herrn Jesus Christus »Ihr seid das Licht der Welt« (Matth. 5, 14. 15) mit meinem Leben zu tun? Welche Zusage und Ermutigung steckt darin? Wie könnte seine Aufforderung »Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen« (Matth.5,16) neu und konkret beachtet werden?
Die Auszeichnung »Gott sah das Licht, dass es gut war«, darf nicht als Zensur »Note 2« verstanden werden. Wenn Gott im Ansehen sein Werk als gut anerkennt (V. 4. 10. 12. 18. 21. 25), hat er seinem Tun »das Siegel der Vollendung« (F.Delitzsch) aufgedrückt: Die Schöpfung Gottes ist rundum gut, besser konnte sie nicht gelingen. Freude und Wohlgefallen Gottes schwingen bei seinem Gutachten mit. - Ist uns aufgefallen, dass die Wertung »gut« vor der Scheidung des Lichts von der Finsternis ausgesprochen wird? In den Augen Gottes ist nicht einfach alles gleich und auch nicht alles gleich gut. Von der Finsternis sagt Gott nicht, dass sie gut ist. Vom Licht aber heißt es ausdrücklich und extra: Es ist gut. Nachdem das von Gott geschaffene Licht eingeflutet war, schied Gott mit trennender Gebärde das Licht von der Finsternis. Das Licht wird von der Finsternis befreit. Von der Finsternis wird nicht gesagt, dass Gott sie geschaffen hat. Sie bleibt etwas Unerklärliches, aber sie wird eingegrenzt als Nacht und damit ist sie ein notwendiger Bestandteil der Ordnung des Geschaffenen. Die Tatsache, dass Gott Licht und Finsternis trennte, mag der Apostel Paulus vor Augen gehabt haben, als er an die Christen in Korinth schrieb: »Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? « (2. Kor. 6, 14; vgl. 5.Mose 7, 2. 3; 1. Joh. 1, 6). Gehe ich auf das Wirken Gottes ein, wenn er so manchen Trennstrich in meinem Leben setzt? »Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens« (Hebr. 4, 12; vgl. Offb. 1, 16; Hes. 42, 20; 44, 23; Matth. 25, 32).
Im Alten Orient hatten Könige das Recht, den Namen ihrer Unterworfenen, die einem neuen Herrn zur Verfügung stehen sollten, zu verändern. (Vgl. 2. Kön. 23, 34; 24, 17; Dan. 1, 7.) Wenn Gott das Licht, das er gemacht und von der Finsternis getrennt hatte, »Tag« nennt, und die Finsternis »Nacht«, nimmt der Herr damit sein Hoheitsrecht wahr. Außerdem gibt er dem Tag und der Nacht die entsprechende Bestimmung und Aufgabe. Der Tag ist die Zeit des Lichtes, der Wärme, der Lebendigkeit; die Nacht aber die Zeit der Umhüllung, der Ruhe und Entwicklung. Unsre Nächte, vor allem auch die Nächte unsrer Kranken und Berufstätigen im Schichtdienst, stellen oft alles andere als Ruhe, Entspannung und schöpferische Erholung dar. Doch dürfen wir wissen: »Damit, dass Gott die Dunkelheit Nacht nennt, tritt er die Herrschaft über die Finsternis an. Er gibt der Nacht eine zeitliche Begrenzung und unterwirft sie seiner Macht« (H. Bräumer). Wenn gesunder Schlaf flieht vor all unsren Sorgen, Ängsten, Schmerzen, Arbeit, Tränen und Kummer, dann dürfen wir eintreten ins stille Gespräch mit unserem Schöpfer, Heiland und Herrn - in dem Wissen: »Es endet jede Nacht, die wir in Not verbracht; denn Christus hat für uns am Ölberg durchlitten alle Nacht. Es endet jede Nacht, die wir mit ihm gewacht, und hell durchstrahlt dann unser Leben des Ostermorgens Pracht« (H. Perne). (Vgl. Hiob 11, 18. 19; Ps. 3, 6; 4, 9; Apg. 12, 5-7.) Wie die Nacht, so hat Gott, der Herr, auch den Tag begrenzt und seiner guten Fürsorge und Regie unterstellt. »Und es ward Abend, und es ward Morgen: ein Tag.« Abend, wörtlich übersetzt »Dämmerung «, und Morgen, eigentlich »Anbruch« (des Lichtes), bilden den Übergang zu Tag und Nacht. Jetzt ist »Tag eins« in der Schöpfung abgeschlossen und vollendet.
1.Mose 1, 6-8; Psalm 148, 4; Jeremia 10, 12. 13. IV. GOTT STELLT DIE ERDE UNTER SEINEN SCHUTZ (1, 6-13) Nachdem Gott das Licht von der Finsternis geschieden und befreit hatte, vollführt er eine zweite Teilung: Der Schöpfer zieht in die Chaosgewässer eine Trennwand. Diese »Feste« oder »Wölbung« heißt wörtlich übersetzt »das Ausgehämmerte, das Festgehämmerte«. »Und Gott nannte die Feste Himmel.« Wir können uns das Himmelsgewölbe vorstellen als die um die Erde gelegte Lufthülle. Aus der Atmosphärenlehre wissen wir, dass das Firmament wirklich alsFeste anzusehen ist. Flugkörper, die auf die Erdatmosphäre treffen, müssen in der Regel abprallen. Sie werden in den Weltenraum geschleudert und verbrennen dort. Nach dem Schöpfungsbericht trennt die Himmelsfeste die Wassermassen in obere und untere Wasser (Hiob 26, 10; Spr. 8, 27. 28). Von den oberen Gewässern wird der Regen erwartet (1.Mose 7, 11. 12; Ps. 104, 3. 13; 148, 4), während die unteren Wasser unmittelbar zum Erdreich gehören. Schon der zweite Schöpfungstag lässt erkennen: Gott will die Erde als einen geschützten, bewohnbaren Raum eingerichtet haben. (Lies Ps. 104, 2; lies Ps. 93, 1; 96, 10.) Welch eine hervorragende Fürsorge Gottes! Was für die Welt im Großen gilt, darf Ermutigung für unsre kleine, oft bedrohte Lebenswelt sein: Not kann uns sehr wohl aus der Fassung bringen. Nie aber bringt sie Gott aus der Fassung. Wir dürfen zuversichtlich und geborgen unter »dem Schirm des Höchsten« leben. »Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe« (Ps. 91, 1). Wir dürfen uns mit dem Psalmbeter über die vielfältigen Schutzmaßnahmen Gottes, die er im 91. Psalm besingt, freuen.
Erstmalig in der Weltgeschichte heißt es jetzt: »Land in Sicht!« Das Festland wird sichtbar durch den Befehl des Schöpfers an die Chaosmacht »Wasser«: »Es sollen sich die Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln, und es werde das Trockene sichtbar! Und es geschah so.« Sogleich geht der Schöpfer wieder zur Namensgebung über und meldet damit seinen Besitzanspruch an. Die Erde und das Meer gehören Gott; sie sind sein Eigentum. Bemerkenswert, noch bevor das dritte Schöpfungswerk abgeschlossen ist, heißt es: »Und Gott sah, dass es gut war.« Mit dieser Feststellung der Güte und Zweckmäßigkeit göttlichen Schaffens wird angedeutet: Die Ausgrenzung des Festlandes vom Meer ist eine gute Sache. Gut zum Schutz von Land, Vegetation und seinen zukünftigen Bewohnern. Dabei zieht Gott keine betonierten Staumauern hoch, sondern schafft das Wunder der Meeresufer. Er verwendet beim Bau »das feinste und zarteste Material, ein Material, das sich sonst ausgezeichnet zum Spiel der kleinen und großen Kinder am Badestrand eignet: Sand am Meer. Gott setzt dem Ansturm und der Gewalt des Meeres - Sand entgegen. Und das zarte Material hält und genügt. Das ist eine der Paradoxien Gottes« (W. Lüthi). Darauf weisen uns nachdrücklich Jeremia 5, 22 und besonders Hiob 38, 8-11 hin. Allen wilden Ausbruchsversuchen des Meeres hat der Schöpfer eine Grenze gesetzt: »Bis hierher und nicht weiter! Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!« Zum Staunen: Gott ist spielend fertig geworden mit dem gewaltigsten Element auf Erden - den brausenden, tobenden Wassermassen! »Du stillst das Brausen des Meeres, das Brausen seiner Wellen und das Toben der Völker« (Ps.65, 8). (Lies Hiob 26,10-12; Ps.33,7; 89,10; 95, 1-6.)
Immer wieder berichtet die Bibel vom Wunderhandeln Gottes an tobenden, lebensbedrohlichen Wassermassen: o Als Israel ein großes Volk geworden war, zog es trockenen Fußes durchs Meer (2.Mose 14,13-16.21.22.29; Ps.66,6) und den reißenden Jordan (Jos.3,13-17). Wenn Gott mit seinen Leuten Geschichte macht, müssen selbst Naturgewalten Spalier stehen. o In großer Todesangst begegnete Jesus seinen Jüngern auf sturmgepeitschter See. Ein Wort von ihm genügt - und die aufgebrachten Wasserwogen wie die unruhigen Sorgenwellen im Herzen der Seinen müssen sich dem Vollmachtswort des Herrn beugen (Matth. 14, 23-33). o Es wird auch nicht zufällig und nebensächlich sein, wenn die Apostelgeschichte in zwei langen Kapiteln über den Weg des Völkerapostels mitten durch die Stürme des Meeres und die Bedrohung der Elemente berichtet (Apg. 27; 28; vgl. 2.Kor.11,25.26). o Stellvertretend für viele Menschen Gottes, denen »das Wasser bis zum Hals stand«, bekennt der Beter in Psalm 66: »Unseren Feinden hast du erlaubt, uns in den Staub zu treten. Durch Feuer und Wasser mussten wir gehen. Doch du hast uns herausgeholt, sodass wir wieder frei atmen konnten« (V.12; lies Ps.93, 2-4; Jes. 43, 1. 2). Noch bricht manche Trübsalsflut über uns herein, noch müssen wir manche »Wasser« durchschreiten, noch wachsen uns manche Verderbensmächte über den Kopf; aber wir sind nie, wirklich nie im Stich gelassen. »Ich bin bei dir«, verspricht der Herr, dein Gott. »Erst zuletzt, in der Vollendung, wird dann den Vernichtungsmächten das Handwerk endgültig gelegt sein. Dann, wenn es heißen wird: Und das Meer ist nicht mehr (Offenbarung 21). Bis dahin ist es gut, ja ganz besonders auch im technischen Zeitalter gut, sich täglich dem Willen und Machtschutz Gottes zu unterstellen« (W. Lüthi).
Nach der Entstehung des Lebensraumes schafft Gott in einem zweiten »Arbeitsgang « die Ausstattung des Wohnbereichs. Kein Mensch kann vom bloßen Wohnraum leben. Zur Unterkunft gehört der Unterhalt. Gott schenkt beides. Der Lebensraum wird »lebendig«: Der Schöpfer lässt aus dem Trockengelegten saftiges, frisches Grün erstehen. Gott, der aus dem Nichts das All erschuf, lässt aus »totem Material« Lebendiges werden. Es ist derselbe Gott, der später sein Volk in öder, lebloser Wüste ernährt, ihm Wasser aus dem Felsen und Brot vom Himmel spendet (2.Mose 16,1ff; 17,1ff). Es ist derselbe Gott, der seine Diener in allerlei Dürrezeiten wohltuend erfrischt und versorgt (1. Kön. 17, 1ff). Es ist derselbe Gott, der sogar Totes zum Leben erweckt. (Lies 2.Kön. 4, 32-37; Hes. 37, 1ff; Joh. 11, 21-27. 38-45; Joh. 5, 24; Eph. 2, 1-10.) »Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen« (Jes.25, 8). Mit der Erschaffung der Vegetation legt Gott am dritten Schöpfungstag die Ernährungsgrundlage für Mensch und Tier. Gott besorgt der Tierwelt die Weide. Der Menschheit deckt er den Tisch: großzügig, überfließend, verschwenderisch. Noch war weit und breit kein menschlicher Verbraucher zu sehen, doch da hatte Gott schon an alles gedacht und allem, was leben soll, den Tisch bereitet (Ps. 104, 10-16. 27. 28). Von hier aus wird uns der Zugang zu Tischgebet und gottbezogenem sozialen Tun eröffnet. Wer immer den Geber ehrt und seine Gaben dankbar genießt, wird sein Herz vor dem Mangel des Nächsten nicht verschließen (2.Mose 23, 10.11; 3.Mose 25, 35-40; 5.Mose 15, 7-10). Die Ursache für herzzerreißenden Mangel in Welthungergebieten ist nicht beim göttlichen Geber, sondern beim menschlichen Verteiler zu suchen (Luk. 12, 16-21. 33; 16, 19-25). Gott gibt Gutes - gern, reichlich und großzügig. Und wir? (Lies 2.Kor. 8, 1-6; 9, 7-12.)
V. GOTT MACHT DIE LEBENSZEIT (1, 14-19) Die am dritten Schöpfungstag entstandene Pflanzenwelt hätte ohne das zuvor geschaffene Licht nicht existieren können. Nun ruft der Schöpfer die Himmelskörper, die Träger des Lichts, ins Dasein und überträgt ihnen drei wichtige Aufgaben: 1. Die Lichter sollen Tag und Nacht scheiden (V. 14a). Durch den Wechsel zwischen Sonnen- und Mondlicht soll diese Scheidung sichtbar sein. 2. Die Himmelslichter kennzeichnen bestimmte Zeiten (Ps.104,19), Festtage (3.Mose 23, 5; Ps. 81, 4) und Jahreszeiten (1.Mose 8, 22). Die Markierung fester Zeiten schließt auch die Anzeige besonderer Ereignisse ein (Jos.10,10-14; Richt.5,20; Pred.12, 1. 2; Matth. 2, 2. 9. 10; 27, 45; Jes.13, 9. 10; Luk.21, 25). 3.Die Lichter sollen der Erde dienen, indem sie leuchten (V. 15. 17). Licht, Leben, Wärme, Orientierung und Ruhe bringen die Himmelslichter den Menschen im Auftrag Gottes mit. Wie wichtig Gott die dienende Funktion der Gestirne ist, heben die handwerklichen Begriffe »machen« und »setzen« hervor. Wenn Gott die Himmelslichter »macht« und an »die Feste setzt«, gilt unmissverständlich: Er ist und bleibt der souveräne Herr, der Erste, dem alle Ehre gehört. Damit ist von Anfang an eine Grenze gezogen. Für Menschen, die zum Volk Gottes gehören, ist es nach dem Willen Gottes undenkbar, Geschaffenes dem Schöpfer vorzuziehen. Das wäre Götzendienst. Gott weiß, dass wir nur im vertrauensvollen Gesprächskontakt mit ihm wirklich leben und zufrieden sein können. Darum warnt er so eindrücklich vor Zweitgöttern. Dazu zählt nicht nur die abgöttische Verehrung der Gestirne in der Zeit des alten Israel (5.Mose 4, 19; Hiob 31, 26-28; 2.Kön.23,11; Jer.10,2; Hes. 8,16), sondern auch der moderne Horoskopglaube. Christen haben es nicht nötig, Horoskope zu lesen und schon gar nicht, daran zu glauben. Warum? Lasst uns beherzigen und festhalten: Unser Lebensgeschick wird nicht im Herzen des Weltalls gemacht, sondern im Herzen Gottes, das in Liebe für uns schlägt: Psalm 8; Jesaja 54,10; Jeremia 31,3; Römer 8,31-39.
Mit der Gabe der Himmelskörper verbindet sich die Gabe der Zeit. Zum Wohnraum soll der Mensch auch einen Zeitraum bekommen, in dem er sein Leben gestalten und entfalten kann. Zeit ist nicht Ewigkeit. Die Ewigkeit ist unendlich. Die Zeit endlich. Sie ist begrenzt, ein winziger Ausschnitt der Ewigkeit. Aber alle Zeit wird einmal einmünden in die große Ewigkeit Gottes. Doch welch ein Geschenk, Gott machte die Zeit zur Schnittstelle mit der Ewigkeit. Vom wichtigsten aller Schnittpunkte schrieb der Apostel Paulus: »Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen« (Gal. 4, 4. 5; lies Mark. 1, 15; Eph. 1, 10). Auch in unsrer Zeit sollen Menschen die Kreuzungen der Ewigkeit mit der Zeit nicht überfahren, sondern anhalten und überlegen, was der ewige Gott ihnen zu sagen hat. Er will, dass wir in der Zeit ein Stück ewiger Himmelsherrlichkeit erleben und leben. Wie kann das konkret geschehen? Mit der Entstehung der Zeit gab Gott ihr zwei besondere Merkmale. Erstes Kennzeichen: Zeit ist ein Mengenbegriff. Als Gott die Zeit machte, grenzte er sie von der Ewigkeit ab, indem er ihr einen festen Rhythmus verlieh, der alles Leben bestimmt. Die Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre lassen sich zählen, berechnen und planen als überschaubare Einheiten. Arbeitszeit und Ruhezeit, Freizeit und Termine, Fest- und Feiertage prägen unser Leben. Ob wir uns wieder dankbar vergegenwärtigen, wie hilfreich und notwendig die von Gott gesetztenZeitgrenzen sind? Dazu herausfordernde Belege: Jeremia 8, 7; 2.Mose 23, 10-12; Lukas 4, 16. Innerhalb der von Gott gegebenen Zeitgrenzen sollen wir Lebensqualität gewinnen. (Lies Mark. 2, 23-28; Luk. 4, 31-35; 6, 6-11; Apg. 16, 13-15.)
Als Gott die Zeit machte und ihr Grenzen zog, entschied er, die Zeit in seiner Hand zu behalten (Ps. 31, 16). Ob wir uns neu sagen lassen, dass nicht wir die »Macher« von Terminen sind, sondern Gott (Ps. 39, 5. 6; 90, 4-12)? Die Zeit kommt aus seiner Hand und bleibt in seiner Hand. Der die Sterne regiert, regiert auch die Zeitverhältnisse (Jes. 40, 26-29). Welche Konsequenzen muss ich daraus für diesen Tag und mein Leben ziehen? Das zweite Merkmal: Zeit ist ein Qualitätsbegriff. Die Zeit ist ein wertvolles Geschenk aus Gottes Hand. Wie gehen wir mit dieser Gabe um? Wir können Zeit sinnlos verschwenden oder sinnvoll verwenden. Wir können im Gestern hängen bleiben und im Morgen träumen, aber die Gegenwart, die Chance dieses Tages, vertun. Wie gehen Christen mit der Gabe der Zeit richtig um? 1. Lasst uns Gott immer wieder für sein Zeitgeschenk danken. Er hat uns genug Zeit gegeben und uns ein wertvolles und groß angelegtes Guthaben anvertraut. Der Dankbare braucht darum nicht stöhnend und andauernd zu beklagen: »Hab keine Zeit.« Wir haben Zeit; fragt sich nur, wofür. Welche Schwerpunkte setzen wir? 2.Lasst uns den Terminen mit Gott den Vorrang geben. Wer Gott Zeit gibt, der bekommt sie »hoch verzinst« zurück, weil sie aus der Ewigkeit gespeiste Zeit ist. Unsre Zeit soll Ewigkeitsqualität bekommen. Die Wurzel für ein erfülltes Leben in der Zeit liegt im Herzen der Ewigkeit. Aus dieser Quelle bekommen wir Gelassenheit in Spannungen und Klarheit in Problemen. Das erlebte auch Maria von Betanien. Sie gab dem Hören auf die Stimme des Sohnes Gottes den Vorrang vor allem. Das ist das Eine, das nötig und notwendig ist (Luk. 10, 41. 42). In Maleachi 3, 10 gibt Gott uns einen praktischen Maßstab für einen guten Umgang mit seinen Gaben.
Wie gehen Christen mit der Gabe der Zeit richtig um? 3. Lasst uns die Fragen unsrer Lebensgestaltung vor Gott klären. Jesus selbst lebte und lehrte das Gespräch mit Gott und die Absprache mit dem Vater im Himmel als Herzstück einer erfüllten Lebenszeit: Markus 1, 35-39; 6, 39-42. 46-50; Johannes 2, 4; 7, 3. 6-9; 17, 1. Das Hören auf Gott ist eine Geisteshaltung, die alle Lebensbereiche einschließt und prägt. Wirkliches Hören auf das Wort Gottes lenkt zum Tun des Gehörten. Der Gehorsam des Christen ist verleiblichtes Hören. Darum sind auf Gott gerichtetes Hören und Gehorchen eins: Der Hörende gehorcht und der Gehorsame hört. Konkret: »Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet« (1. Petr. 1, 14). Vielleicht zeigt sich mein Hören auf Gott darin, dass ich mich abwende von Dingen, die meine Beziehung zu ihm und dem Nächsten blockieren. »Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe, so habt euch untereinander beständig lieb aus reinem Herzen« (1. Petr. 1, 22). Überall kann ich innerlich mit Gott Kontakt aufnehmen und aus der Verbundenheit mit ihm reden, schweigen, aktiv werden oder Zurückhaltung üben. Das Hören auf Gott bedeutet für Christenmenschen längst nicht immer »alles genau zu wissen«, »auf alles eine Antwort zu haben« - dann wären wir schon fast im Himmel. Es geht vielmehr um ein inneres Ruhen am Vaterherzen Gottes. Dabei können die Ausdrucksmöglichkeiten und Lebensformen vielgestaltig sein - wenn wir nur zu Gott hin offen bleiben. Dann werden wir geschickter werden, den biblischen Rhythmus von Sammlung und Sendung (Mark. 3, 14), Anspannung und Entspannung (Matth.26,41; Mark.6,31), Direktheit und Zurückhaltung (Joh.18,23; Matth. 27, 12. 14), Nähe und Distanz (Mark. 10, 18-21), Großzügigkeit und Bescheidenheit (Joh.6,10-13; Luk.9,58) zu erfassen und zu leben.
Gott, der uns Zeit geschenkt hat, will, dass wir diese Gabe nutzen. Darum: 4. »Kauft die Zeit aus!« Diese Anweisung meint nicht, Christen hätten ein pausenloses Nonstop-Programm abzuziehen. Es geht auch nicht darum, minuziös mit der Zeit zu geizen. Die Empfehlung »kauft aus« bezieht sich vielmehr auf einen geordneten Lebensstil, der in einer chaotischen Welt das Ziel, den »Tag des Herrn«, nicht aus den Augen verliert. (Lies Eph. 5, 15. 16; 1. Thess. 5, 1. 2.) Paulus weiß: Christen stehen mit beiden Beinen auf der Erde und damit in spannungsreichen Lebenszusammenhängen. Aber durch die immer neue und aktive Ausrichtung an Gottes Ewigkeit wird der Herr seine Leute bewahrt ans Ziel bringen. Dabei gilt dem Jünger von Jesus jeder neue Tag als Gnadentag, an dem er für sein persönliches Leben und für seinen Nächsten verantwortlich ist. Diese Verantwortung ist fern aller Herrschsucht über den anderen und seinen Glauben (2. Kor. 1, 24). Vielmehr stellt sich der wirklich Verantwortliche die Frage: Wie kann ich meinem Nächsten hilfreich sein? Wie kann ich ihm im Namen Jesu Christi dienen? Um nichts anderes geht es auch dem Apostel Paulus, wenn er die Christen wiederholt erinnert: »Nutzt die Zeit aus!« Liebe, die sich selbstlos müht, die sich gründlich Gedanken macht und opferbereit wird, brauchen wir in der »bösen Zeit« mehr denn je. »Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen« (Gal. 6, 10). Lesen wir darum die wertvollen und hilfreichen Briefnotizen des Apostels Paulus in 1.Thessalonicher 5, 1-24 noch einmal und überlegen sorgsam: »Herr Jesus, was willst du, dass ich tun soll?« - Es kommt »die Nacht, da niemand wirken kann«; darum lasst uns die Werke Gottes wirken, der uns beauftragt hat, solange es Tag ist (Joh.9, 4).
Im Schöpfungsgeschehen wird jetzt der Lebensraum bevölkert, der dem Menschen immer wieder viel Angst eingeflößt hat: die Luft und das Meer, die Höhe und die Tiefe. Wenn Gott so wunderbar gerade den Lebensraum »bearbeitet«, der Menschen ängstet, weist das darauf hin, dass unser Schöpfergott ein Gott ist, der größer ist als die Angst. Davon spricht vor allem Vers 21: »Und Gott schuf die Walfische.« Wie in Vers 1 taucht hier ein zweites Mal jenes Schaffen auf, das allein dem einzigartigen Wirken Gottes aus dem Nichts vorbehalten bleibt. Wenn wir nun noch beachten, dass die »Walfische« richtiger wiederzugeben sind mit »große Meeresungeheuer«, dürfte deutlich werden: Sollte der Gott, der das winzige und ungeheuerliche Lebewesen ins Dasein rief, nicht auch der souveräne Herr über alles Bedrohliche und Angst Einflößende sein? (Vgl. Ps. 74, 12-14; Jes. 51, 9.) Wir wissen um Nöte und Ängste, die durch und durch rätselhaft sind und die auch nicht auf persönliche Sünde zurückgeführt werden können und dürfen. Und doch leben alle Menschen-Generationen seit jenem schrecklichen Geschehen im Paradiesgarten auf der Kummerseite des Lebens (1.Mose 3, 1ff; Ps.51,7; Röm.3, 23). Alle Menschen- und Weltnot hängt zutiefst an der Ewigkeitsnot des Menschen. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass Gott noch eine ganz andere Hilfe für all unsere Ängste und Schwierigkeiten schaffen wollte und geschaffen hat: Jesus Christus, der die Tiefen der Gottesferne, der Krankheit und des Todes siegreich durchschritt und in die Himmelswelt Gottes erhöht wurde (Phil. 2, 6-11; Joh. 16, 33). Und wir dürfen uns im Glauben bei Jesus einhängen und so Schritt für Schritt Überwinder werden. »Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat« (1. Joh.5,4; 1.Kor.15,57).
Erstmalig im ganzen Schöpfungsgeschehen spricht der Schöpfer den erschaffenen Lebewesen seinen Segen zu. Dieser besteht in der Kraft, die Fruchtbarkeit, Mehrung und Fülle verleiht. »Der Segen überträgt den Lebewesen die lebenserhaltende Gotteskraft, aus der sie imstande sind, das empfangene Leben von sich aus auf dem Wege der Zeugung weiterzugeben. Die Zusammengehörigkeit von Segen und Fruchtbarkeit hat darin ihren Grund, dass Gottes Segen nie in einem bloßen Spruch besteht, sondern immer in guten Gaben« (H. Bräumer). Auch die Tierwelt ist Gottes gute Gabe in seiner guten Schöpfung, die dankbar angenommen, liebevoller Beachtung und Behandlung bedarf. Das gilt auch und erst recht für eine Schöpfung, die seit dem Einbruch der zerstörerischen Sündenmacht »seufzt« und »sehnsüchtig wartet, von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht zu werden«. (Lies Röm. 8, 19-22.) Und doch geht es nicht an, wenn - wie es heute vielfach geschieht -, dem »Tierschutz« mehr Beachtung geschenkt wird als dem von Gott ausdrücklich gebotenen »Menschenschutz « (1. Mose 9, 5. 6). Gegen grausame Tierquälerei wird zu Recht protestiert. Abtreibung jedoch, die Tötung ungeborenen Menschenlebens, wird geduldet, gefordert und gefördert. Ebenso abartig und biblisch nicht begründbar sind Gottesdienste mit Tieren und für die Tierwelt. Gott hat den Menschen, nicht das Tier, zu seinem Abbild geschaffen. (Lies 1.Mose 1,27; Ps.8, 5-9.) Gott hat dem Menschen, nicht dem Tier, die Ewigkeit ins Herz gelegt (Pred. 3, 11). »Was ist der Mensch, dass du, Herr, ihn groß achtest und dass du, Gott, dein Herz auf ihn richtest« (Hiob 7, 17)? Das Herz des Schöpfers und das Herz des Menschen sind aufeinander angelegt. Hier deutet sich schon das Motiv Gottes für die Erschaffung des Menschen an: seine persönliche Liebe, sein Herzenswunsch, mit seinen Menschen eine tiefe Vertrauensbeziehung zu haben. Welch ein Segen!
VII. DER MENSCH IST ABBILD DES LEBENDIGEN GOTTES (1, 26-31) Das Werk des sechsten Schöpfungstages umfasst zwei Akte: Gott machte die Landtiere und, in einem einzigartigen Entschluss, den Menschen. Tier und Mensch werden einander zugeordnet. Aber zugleich wird ihre wesenhafte Verschiedenheit durch die besondere Art der Erschaffung des Menschen bekundet. Im Gegensatz zum Tier geht der Mensch aus einer ausdrücklichen Willensbekundung Gottes hervor. Jetzt tritt etwas unerhört Neues in Sicht: der von Gott persönlich gewollte und geliebte Mensch! In einem einzigartigen Entschlusswort, das persönlichste Zuwendung kennzeichnet, stellt der Schöpfer Himmels und der Erde den Menschen ins Dasein: »Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, uns ähnlich!« Auffällig, dass Gott hier von sich selbst in der Mehrzahl-Form spricht. Wie sollen wir das verstehen? Schon zum Beginn der Schöpfung sahen wir den dreieinigen Gott am Werk. Da liegt es nahe, auch jetzt an die Dreieinigkeit Gottes zu denken. Sie war natürlich immer am Werk, erhält aber bei der Erschaffung des Menschen ein ganz besonderes Gewicht. So wie Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, ein Gemeinschaftswesen ist, dessen Haupt-Merkmal die Liebe ist, so soll der Mensch von diesem Gott ein Abbild sein. Welch eine Bestimmung: Unser Leben soll ein Spiegel von Gottes Herrlichkeit sein! »Wir alle schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht« (2.Kor. 3, 18). Was aber hat der Mensch aus seiner Berufung, Abbild Gottes zu sein, gemacht?! Römer 1,21-32 zeigt uns die harte Wirklichkeit. »Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit« (Eph.4,23.24; vgl. Röm. 12, 2; Kol. 3, 9. 10; Gal. 6, 8).
1.Mose 1, 27; Psalm 25, 1. 2. 4-11. 14-17. Zur biblischen Kern-Aussage über die Würde des Menschen, Abbild Gottes zu sein, gehört untrennbar die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen. Sie ist schöpfungsgemäß zugeteilt. »Gott schuf sie als Mann und als Frau.« Adam war vor der Erschaffung Evas kein in sich selbst genügendes Wesen. Vielmehr vermisste er ein personhaftes Gegenüber, »das ihm entspricht« (1.Mose 2, 20), und Eva ihrerseits wird die ihrem Mann entsprechende »Hilfe« (1.Mose 2, 18). Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau. »Gott hat den Menschen nicht einsam geschaffen, sondern zum Du des anderen Geschlechts berufen« (H. Bräumer). Auch in diesem Zu-einander soll sich Herrlichkeit Gottes spiegeln. Jeder, der Mann und die Frau, ist eine einmalige, einzigartige, von Gott gewollte, geliebte und begabte Persönlichkeit. Jeder darf sein, wie Gott ihn geschaffen hat - mit seinen Gaben und Grenzen. Und jeder trägt vor Gott die Verantwortung dafür, dass aus dem Zueinander ein Mit- und Füreinander wachsen kann, das Gott verherrlicht. »Die Ehe soll in Ehren gehalten und geachtet werden bei allen« (Hebr.13, 4). Als Stiftung Gottes (1.Mose 2, 23-25) ist die Ehe durch keinen noch so angeblich guten »eheähnlichen« Zusammenschluss der Geschlechter zu ersetzen. Allerdings darf die Ehe auch nicht idealisiert werden. Tiefste und letzte Erfüllung findet der Mensch allein in der persönlichen Beziehung zu Gott. Die tiefe Freundschaft mit Jesus ermöglicht ein zufriedenes und erfülltes Leben angesichts unerfüllter menschlicher Wünsche. Jeder darf seiner Lebensführung gewiss werden und seine Lebensfügung annehmen lernen. In der Verbundenheit mit Jesus leben wir auf (Matth. 11, 28) und werden wir neu zum Dienst an verwundeten und gestrandeten Menschen beschenkt. »Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken« (Spr. 24, 11; lies Ps. 82, 4; Jes. 58, 7-9; 1. Joh. 3, 18).
Beide, Mann und Frau, empfangen gemeinsam den Segen und den Auftrag Gottes, sich die Erde zu erobern. Der erste Teil des Segenswortes spricht die Sexualität des Menschen an, die ihn rein kreatürlich dem »lebenschaffenden Leben« zuordnet. Dabei ist der Unterschied zum Tier zu beachten. Der Mensch pflanzt sich nicht triebhaft und wahllos fort. Er wählt sein Gegenüber. Allein der Mensch hat das Recht der eigenen Wahl des Ehepartners. »Dabei ist das die Ehe begründende Element nicht die Fortpflanzung, sondern die vom Schöpfer gewollte Einheit von Mann und Frau. Da die Fruchtbarkeit der Verbindung von Mann und Frau nicht ein Befehl, sondern ein Segenswort Gottes ist, hat in der Ehe auch die Geschlechtlichkeit, unabhängig vom Fortpflanzungszweck, ihr Recht. Die Sexualität gehört zur Geschöpflichkeit. Sie ist nichts dem Geschöpf Fremdes, das heißt, der Mensch Gottes ist frei von Sexualangst« (H. Bräumer). Erst durch den Einbruch der Sünde entstehen dem Menschen Bedrängung, Beschämung und Behinderung. Die Palette in der Welt der Sünde ist breit: von kleinsten Lieblosigkeiten bis hin zu sexuellem Missbrauch, grausamen Perversionen und der Vergötterung wie Dämonisierung der Sexualität. An keiner Stelle wird so viel gesündigt und so viel gelitten wie im Bereich der Sexualität. Darum braucht das Intimste des Menschen den sorgfältigsten Schutz und eine am Wort Gottes orientierte Prägung des Gewissens und des Lebens. »Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens« (Spr. 4, 23; vgl. Jer. 17, 9). Lies Hiob 31, 1; 1.Mose 39, 12; 2. Timotheus 2, 22; Psalm 51, 3-5. 8. 12; 1.Korinther 6, 15-20. - Was immer uns bedrängen und belasten mag: Jesus ist stärker als die stärkste Sündenkette. »Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei« (Joh. 8, 32. 36; lies Joh. 8, 2-11; 1. Joh. 4, 4).
In fürsorglicher Liebe lädt Gott den Menschen an den reich gedeckten Tisch der herrlichen Pflanzenwelt ein. Auch den Tieren wird pflanzliche Nahrung zugeteilt. Während diese sich von Gras und Kräutern ernähren, wird die Nahrung des Menschen überwiegend aus Getreide und Baumfrüchten zubereitet worden sein. Es gab in der Urzeit offenbar eine frühe Epoche, in der es weder für Mensch noch Tier tierische Nahrung gab und die mit dem Maßstab heutiger Erfahrung nicht beurteilt werden kann. Diese Epoche wurde bereits nach der weltweiten Flutkatastrophe abgelöst durch die Zeit, in der der Mensch von Gott das Recht erhielt, Tiere zu seiner Nahrung zu töten (1.Mose 9, 3). Dass die ursprüngliche Schöpfung allein auf Lebens- und Segensfülle und nicht auf Zerstörung angelegt war »und dass es eine Zeit paradiesischen Friedens gab, steht aber schon deshalb fest, weil in der Endzeit der Frieden des Paradieses erneut einziehen wird (Jes.11, 2-9; 65,25; Hos. 2,20; Hes.37,26)« (H. Bräumer). »Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.« Das Anschauen aller seiner Schöpfungswerke besagt noch einmal: Gott hat seine Schöpfung lieb. Sie ist ein vortrefflich gelungenes Meisterstück göttlicher Schöpfermacht und Liebe. Die ganze Schöpfung, in der Millionen von Einzelheiten harmonisch ineinander greifen, erhält die Auszeichnung höchster Anerkennung: »Es war sehr gut.« Überaus gut, einzig schön, erstklassig ist das Schöpferwerk Gottes. Wie viel Grund zu Dank und Anbetung haben wir doch! Herr, ich sehe deineWelt, das weite Himmelszelt, dieWunder deiner Schöpfung. Alles das hast du gemacht, den Tag und auch die Nacht; ich danke dir dafür. Berge, Flüsse und die Seen, die Täler und die Höhn sind Zeichen deiner Liebe. Sonne, Wolken, Sand und Meer, die loben dich so sehr, sie preisen deine Macht. Auch die Menschen sind von dir und haben Leben hier durch deine große Güte. Fühlen,Wollen und Verstand sindWerke deiner Hand, entstammen deinem Plan. Ist der Mensch auch sehr entstellt, weil er die Sünde wählt, du willst ihn nicht zerstören. Deine Liebe macht ihn frei von aller Tyrannei, wenn er auf dich vertraut. Darum bete ich dich an, weil ich nicht schweigen kann; die Freude füllt mein Singen. Staunend habe ich erkannt: Ich bin in deiner Hand, und du lässt mich nicht los. Peter Strauch
1.Mose 2, 1. 2; Nehemia 9, 6; Psalm 115, 15. Aus dem einzigartigen Schöpfungswirken Gottes (1.Mose 1) ragt das Tun des Schöpfers am siebten Tag besonders heraus: »Gott vollendete. Gott ruhte. Gott segnete. Gott heiligte.« Während sich die bisherige Schöpfertätigkeit anschaulich vor unserem geistigen Auge vollzog, geht es jetzt merkwürdig unanschaulich zu. Bisher konzentrierte sich alles auf die Schöpfungswerke, jetzt auf den Schöpfer. Freilich, in allem Tun dieses Herrn leuchtete auch im ersten Kapitel seine unvergleichliche Herrlichkeit auf. Jetzt aber geht es um ihn allein; um Gott, den Unsichtbaren, Unvergänglichen und Ewigen, von dem sich der Mensch kein Bildnis machen kann und darf. Kein noch so hervorragendes Kunstwerk kann den Herrn der Herrlichkeit auch nur annähernd »einfangen«. Umso erstaunlicher ist, dass er uns einlädt, dennoch über ihn nachzudenken und persönlich mit ihm zu sprechen. (Lies Ps. 27, 8; 143, 4. 5; 92, 5.) Dass Gott uns dafür einen besonderen Tag einräumt, widerspricht nicht der Tatsache, dass er immer zu sprechen ist und immer Zeit für uns hat, sondern bestätigt seine persönliche Zuwendung und herzliche Liebe zu uns. Darum ist der siebte Tag, der Gottestag, kein überflüssiges Anhängsel, sondern Herzstück des ganzen Schöpfungswerkes. »Dieser siebente Tag, der einfach Gott sagt, ist gleichsam die Eins, ohne die die vorausgegangenen Tage Nullen wären« (W. Lüthi). Gott entlässt sein herrliches Schöpfungswerk nicht ins Nichts, sondern in die Vollendung und Gottesruhe. Was ist gemeint, wenn es heißt »Gott vollendete sein Werk«, das doch schon »sehr gut« war (1, 31)? Das vollendende Tun Gottes besagt nicht, dass er die noch unfertige Arbeit fortsetzte und beendigte, sondern dass er hinter die fertige Arbeit einen leuchtenden Schlusspunkt setzte. So, als wollte er sagen: Alles ist fertig, formvollendet und schön. Kommt, freut euch mit und feiert mit! Kommt, denn alles ist bereit!
Waren die ersten sechs Schöpfungstage erfüllt von der Aktivität Gottes, so der siebte Tag von der Ruhe Gottes. »Und Gott ruhte von all seinem Werk, das er gemacht hatte« (V. 2. 3). Wird Gott müde? Ist der Schöpfer von seiner Arbeit erschöpft? Muss er entspannen? Ausruhen? Schlafen? Von ihm heißt es doch: »Ein ewiger Gott ist der Herr, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht« (Jes.40,28; vgl. Ps.121, 4). Wenn es nun vom siebten Tag heißt, »Gott ruhte von allen seinen Werken«, dann gehört auch diese Aussage zur königlichen Freiheit Gottes. Wenn der Schöpfergott ruhen will, warum nicht? Unsere menschlichen Maßstäbe sind viel zu klein und viel zu armselig, um Gott und sein Tun beurteilen zu können. Gott hat es nicht nötig, sich uns kleinen Leuten zu erklären; und doch tut er es - um unseretwillen. Um unseretwillen haben wirµs schwarz auf weiß bekommen: »Gott ruhte.« Diese Gottesruhe, mit der der Schöpfer sein Werk krönt, hat er uns als Geschenk zugedacht. Zwar sind Adam und Eva nicht extra erwähnt, sondern es wird einfach stillschweigend vorausgesetzt, dass Gottes geliebtes Gegenüber bei ihm ist und in seine wunderbare Ruhe eingehüllt leben darf. Gott will seine Ruhe mit den Seinen teilen. Wie sonst könnte es mehrfach in seinem Wort heißen: »Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke« (Jes. 30, 15; vgl. Ps. 37, 7; 62, 2. 6; Hebr. 4, 9. 10). Diese Ruhe ist mehr als bloße Abwesenheit von Arbeit, Hektik, Wirbel und Stress. Die Ruhe Gottes birgt tiefste Zufriedenheit in sich, glücklichen Gesprächsaustausch, jubelnde und stille Anbetungsfreude, dankbare und liebende Hingabe an den wunderbaren Herrn des Lebens und der Liebe: Psalm 65,2; 132,7.8; Zefanja 3,17.
Das Geschenk der Gottesruhe bekommen Adam und Eva ganz und gar unverdient. Sie haben noch nichts geleistet. Gottes siebter Tag ist für Adam und Eva der erste. Bevor der Mensch in den Werktag geschickt wird, bereitet Gott ihm den Festtag. Nicht »erst die Arbeit und dann das Vergnügen« - bei Gott läuftµs anders herum. Der Schöpfer weiß, wie viel Kreativität, Kraft und Freude der Mensch bei seinem Tun entfalten kann, wenn er zuerst mit Gott zusammen war. Vor alle Arbeit hat Gott das Ruhen bei ihm geordnet. Zuerst die Ruhe, dann die Mühe. Zuerst die Freude, dann die Arbeit. Zuerst der Friede, dann der Kampf. So hat Gott es gewollt. Darum hebt der Schöpfer einen Tag aus all den anderen Tagen besonders heraus. »So dichtet Gott den siebten Tag ab gegen die Bedrängnis und den Hereinbruch der Arbeitsfülle und der Tagespflicht. Gott will, dass Adam ungestört mit ihm Gemeinschaft haben und sein Wort ver- nehmen kann. So, dem Menschen zugut, erklärt Gott diesen Tag zu seinem Tag. So heiligte er ihn« (W. Lüthi). Nicht nur das dritte Gebot (2.Mose 20, 8-11; 31, 13; 35, 2; 5.Mose 5, 12-14; Hes. 20, 12), auch Jesus bestätigte den Gottestag als Wohltat für den Menschen (Mark. 2, 27. 28; 3, 2-5). »Ja, erst an Christus erkennen und erfahren wir eigentlich, was vollenden und ruhen, was segnen und heiligen ist. Das Angebot der Freude, der Freiheit und des Friedens leuchtet uns konkret an Christus auf. Er tilgt die Sünde und den Tod. So tritt er den Verderbensmächten entgegen, die uns die Freude, die Freiheit und den Frieden rauben wollen. Mit Sohnesvollmacht erneuert er die Einladung zum Gott-Tag und bietet uns die Ruhe an, die vorhanden ist dem Volke Gottes« (W. Lüthi).
1.Mose 2, 3; Matthäus 28, 1-6; Johannes 20, 19. Seit dem Auferstehungstag des Herrn Jesus Christus haben sich Christen von jeher am ersten Wochentag, unserem Sonntag, vor allem zum Gottesdienst versammelt (Apg. 20, 7). Ob wir heute ein ähnliches Bekenntnis zum Sonntag sprechen können wie Jonathan Krause (1701-1762): »Ruht nur, meine Weltgeschäfte, heute giltµs ein andres Tun; denn ich brauche alle Kräfte, in dem höchsten Gott zu ruhn. Heut schickt keine Arbeit sich als nur Gottes Wort für mich.« Es kann gewiss nicht um eine sklavisch gesetzliche Praxis des Sonntags gehen; ganz abgesehen davon, dass notwendige Pflichten auch an diesem Tag verrichtet werden dürfen, ja müssen. Vgl. Lukas 13, 10-17; 14, 1-6. Die grundlegende Frage wird sein: Sind alle Tage unter der Woche gleich? Worin unterscheidet sich der »besondere Tag« vom Alltäglichen? Gibt es im Alltagstrubel regelmäßige und intensive Ruhezeiten vor Gott? Stimmen in meinem Leben die Prioritäten: Gott und sein Wort zuerst? Was für den Rhythmus der Woche gilt, darf auch den Rhythmus der Tagesarbeit prägen: Vor allem Tun kommt das Ruhn. Vor dem Reden das Hören. Vor aller Aktivität die stille Besinnung. Vor dem Ausgeben das Einnehmen. So hat es Jesus selbst praktiziert (Mark. 1, 35-39; Luk. 6, 12. 13; 9, 18; 11, 1-4). So will der Herr es bei seinen Jüngern haben. Als Jesus aus einer größeren Jüngerschar die zwölf Apostel berief, brachte er selbst nicht nur eine Nacht lang im Gebet zu, sondern er prägte es seinen engsten Mitarbeitern ein: Zuerst ist es wichtig, »bei ihm« zu sein, dann sollen seine Leute »predigen« (Mark. 3, 13. 14). Zuerst kommt die Sammlung, dann die Sendung. Diese geistliche Leitlinie können wir mitten im bunten oder grauen Alltag wahrnehmen: Immer wieder darf ich einen kleinen Augenblick still werden und zu Jesus aufsehen.
»Ruhet ein wenig!« Heute ist Mittwoch - nicht Sonntag. Aber wenn Jesus es sagt, warum eigentlich nicht? Er redet doch nicht der Bequemlichkeit oder gar Faulheit das Wort. Vielmehr weiß er am besten, wie leicht und wann wir Gefahr laufen, die »Macher« vom Dienst zu sein. Wir sagen: Der Dienst, die Arbeit ist viel und anstrengend - ich hab jetzt keine Zeit, erst muss dies und das noch erledigt werden, dann . . . Aber wann ist »dann«? Haben wirµs nicht immer wieder versäumt? Warum also sollen wir mitten im Hochbetrieb des Alltags (V. 31) seine Anweisung, ein wenig zu ruhen, befolgen? Es geht nicht nur um die sicher wichtige Phase der Entspannung. Aber die Lektion des Herrn kommt aus seiner großen Weit-Sicht. Wir sollen es lernen, vom Ziel der Ewigkeit her zu leben und zu wirken. Wir glauben daran, dass »noch eine Ruhe vorhanden ist für das Volk Gottes« (Hebr. 4, 1. 9). Dann lasst uns auch immer wieder ein Stückchen Ewigkeitsluft einatmen, indem wir eine kleine Weile »ausatmen« und in der Stille aufatmen. Gott hat uns übrigens einen starken Helfer gegeben, weil er weiß, wie schwer wir uns tun, wirklich zur Ruhe zu kommen. Es ist sein Geist, der ein Geist der Ruhe und nicht der Hektik ist. Vom Geist Gottes heißt es neben seiner belebenden und erweckenden Tätigkeit auch: »Auf ihm (Jesus) wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn« (Jes. 11, 2; vgl. 2.Kön. 2, 15; 1. Petr. 4, 14; Offb. 14, 13). Vom unsauberen Geist dagegen heißt es: »Er sucht Ruhe und findet sie nicht« (Matth.12,43; vgl. Offb. 14, 11). Wer Jesus vertraut, hat keine Entschuldigung mehr, wenn er uns ein wenig ruhen heißt.
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