Psalm 16, 1; 125, 1. 2
Wie viel Wortbruch erleben wir in unserer Zeit! Zusagen, mit denen wir verbindlich rechneten, wurden nicht eingelöst. Versprechen, auf die wir vertrauten, wurden vergessen, lächerlich gemacht oder einfach vom Tisch gewischt. Solche Erfahrungen sind nicht angenehm, und man kann sehr darunter leiden. Wie oft hören wir: Worauf kann man sich noch verlassen? Auf Menschenworte nicht unbedingt, aber »auf die Worte des Herrn ist Verlass, sie sind rein und echt wie Silber, das im Schmelzofen siebenmal gereinigt wurde.« Gott wird nicht wortbrüchig, er ist der Ewig-Treue! Auf sein Wort können wir uns absolut verlassen. Und Jeremia bezeugt: »Seine Barmherzigkeit hat kein Ende, sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß« (Klagel. 3, 21-25; 2. Tim. 2, 13; vgl. Jos. 21, 45; 23, 14). Den Vertrauenden enttäuscht er nicht; niemals lässt er ihn im Stich. Denn Gott ist der treue Gott. Er hält, was er versprochen hat. Er ist nicht wie ein trockener Stab, der zerbricht, wenn man sich auf ihn stützen will. Nein, Gott ist allen, die ihm vertrauen, ein Fels, der nicht wankt. »Preist unseren großen und erhabenen Gott! Er ist vollkommen und gerecht. An keinem handelt er mit Trug und Tücke, er steht zu seinem Wort, denn er ist treu!« Der Herr spricht sogar seinem untreuen Volk zu: »Ich will mich dir verloben in Treue.« Ich werde dir für immer treu sein und du wirst es lernen, mich vollkommen als deinen Herrn anzuerkennen (5. Mose 32, 3. 4; Hos. 2, 22; lies 4. Mose 23, 19; 5. Mose 7, 9; 32, 4; Ps. 89, 9; 1. Kor. 1, 9). Rechne heute mit der Treue und Wahrhaftigkeit deines Gottes, und glaube seinem Wort! Er wird dich nicht enttäuschen, er wird dich neue Erfahrungen seiner Treue und Liebe machen lassen.
Psalm 125, 1; 118, 6-13
»Die auf den Herrn vertrauen, werden nicht fallen. Sie sind wie der Berg Zion, der nicht wankt, der ewiglich bleibt.« Ein Ausleger schreibt zu diesem Vers: »Es gibt Menschen, die sind wie der immer bewegliche Sand, andere gleichen dem ungestümen Meer, das nicht still sein kann, und wieder andere dem ewig wechselnden Wind. (Vgl. Matth. 7, 26; Jes. 57, 20; Eph. 4, 14.) Die auf Gott und sein Wort Vertrauenden aber sind wie ein Berg, stark und fest. Die Festigkeit und Standhaftigkeit dessen, dem sie vertrauen, teilt sich ihnen mit.« »Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde« (Ps. 62, 6-8; lies Jes. 54, 10). David war ein Mann, der sein Vertrauen unter allen Umständen auf Gottes Treue setzen wollte. Er stützte sich letztlich nicht auf seine Erfahrungen, nicht auf seine treuen Freunde und Ratgeber, nicht auf das Vertrauen des Volkes, das er besaß, er sagte im Gebet: »Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz« (Ps. 27, 8). Gott erweist sich als der mächtige Helfer aller, »deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist«. Das kann auch unsre Erfahrung werden. »Der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hat mein Herz vertraut, und mir ist geholfen worden; daher jubelt mein Herz, und ich will ihn preisen mit meinem Lied.« »Ich suchte den Herrn, und er antwortete mir; und aus allen meinen Ängsten rettete er mich.« »Wer aber auf den Herrn vertraut, den umgibt er mit Gnade« (2. Chron. 16, 9; Ps. 28, 7; 34, 5; 32, 10; lies 2. Sam. 22, 7; Ps. 107, 13-32; 1. Sam. 30, 6-8). »Wer auf Gott vertraut, braucht sich nicht zu fürchten vor den Träumen der Nacht und der Einsamkeit. Er darf mit Hoffnung in den neuen Tag gehn« (H. Heizmann).
1. Mose 5, 22-24; Hebräer 11, 5. 6
Wir haben ein ganzes Kapitel in der Bibel, das uns Menschen zeigt, die als Einzelne in schwierigen Zeiten Gott und seinem Wort vertrauten. »Henoch wandelte mit Gott.« Sein Vertrauen zum Herrn wurde in seinem Leben ganz praktisch deutlich. Gott schenkte ihm Einblick in seinen Heilsplan, und Henoch »sah« das Kommen des Herrn Jesus Christus und das damit verbundene Gericht. Davon musste er seinen Zeitgenossen sagen. Er warnte sie: »Gebt acht! Der Herr kommt mit seinen heiligen Zehntausenden, um über alle Menschen Gericht zu halten. Alle Sünder werden dann verurteilt für die Taten, mit denen sie sich gegen Gott aufgelehnt, und für die gemeinen Worte, mit denen sie ihn beleidigt haben« (Jud. 14. 15; lies Röm. 1, 18-21; 2, 5-8). Henoch sah im Gegensatz zu Lamech (1. Mose 4, 19) den Sinn des Lebens nicht in der Selbstbestimmung, sondern im Umgang mit Gott. Henoch blieb in der Gemeinschaft mit seinem Gott und hatte den Mut, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen. Er lebte mit Gott und wurde, weil er an dem Unsichtbaren und Unwandelbaren festhielt, vor dem Gericht, das damals über die Menschen hereinbrach, von Gott hinweggenommen. Gott hatte Freude an Henoch. Er war Gottes Gefährte und der Herr nahm ihn zu sich, ohne dass Henoch den Tod sah. Welch ein Übergang! Henoch wechselte den »Ort«, nicht aber die Gemeinschaft mit Gott. Wenn wir im Vertrauen auf den Herrn und sein Wort leben, dürfen wir uns seiner Begleitung und Gemeinschaft sicher sein bis in alle Ewigkeit. »Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus.« (Lies Dan. 3, 13-27; 1. Thess. 5, 8-10; 1. Petr. 1, 13-15; 2. Petr. 3, 11. 12.)
Hebräer 11, 7; 1. Mose 6, 8-22
Wie Henoch, so war auch Noah ein einsamer Zeuge seiner Zeit. Er vertraute Gott und baute eine Arche, um seine Familie vor der Flut zu retten. Noah gehorchte Gott und fand Gnade bei dem Herrn. Noahs Vertrauen Gott und seinem Wort gegenüber zeigte sich in seinem Tun. Er glaubte, als sich die ganze Welt gegen ihn stellte, und machte seine Entscheidungen nicht von der Einstellung und dem Lebensstil der Menschen abhängig. (Lies Jak. 1, 22-25; Joh. 13, 17; Ps. 119, 4. 5.) Die Menschen seiner Umgebung hatten lange genug Zeit, auf Noahs Botschaft zu hören und sich für ein Leben mit Gott zu entscheiden. Aber sie glaubten nicht. (Dazu 1. Petr. 3, 20; 2. Petr. 2, 5.) Alles, was Noah im Blick auf die angedrohte Flut unternahm, zeigte seinen Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber: »Baue dir ein Schiff aus Holz« (V. 14), und sein Vertrauen in Gottes Verheißung: »Mit dir aber schließe ich meinen Bund und verspreche dir, du sollst gerettet werden« (V. 18). Noah hatte keinerlei sichtbare Anhaltspunkte, aus denen er auf das kommende Ereignis hätte schließen oder es berechnen können. Er hatte allein Gottes Wort, und er verließ sich unnachgiebig auf die ihm geoffenbarte Wahrheit. Noah erzählte seinen Mitmenschen von Gott und baute zugleich die Arche. Während dieser Zeit waren die Leute um ihn nicht untätig. Vermutlich versuchten sie, ihm zu beweisen, dass eine solche Flut ganz unmöglich kommen könne. Noah wird zum Gespött geworden sein. Vielleicht hielten sie ihn für einen Fanatiker oder Wolkenschieber. Wahrscheinlich machen wir ähnliche Erfahrungen, dass Nachbarn und Kollegen lächeln, spötteln, uns sogar verachten, wenn wir unsere Entscheidungen in Vertrauen auf Gott treffen (2. Kor. 6, 8-10; 1. Kor. 4, 9-13). Aber Gott bekennt sich zu denen, die ihm vertrauen. Wie war das Ende? Die Flut kam, Noah und seine Familie wurden gerettet. (Lies 2. Petr. 3, 1-9; Spr. 22, 3.)
Hebräer 11, 8-16; Jakobus 2, 23
Mit Abraham beginnt die Geschichte des Volkes Israel. Er glaubte dem Versprechen Gottes, ihm ein Erbteil zu geben, so dass er alles verließ und ins Ungewisse zog. Von der ersten Begegnung mit Gott an finden wir Abraham auf dem Weg des Vertrauens. Beim Auszug aus Haran war er schon 75 Jahre alt. Er trug Verantwortung für seine Frau Sara, seinen Neffen Lot und all die Menschen, die sie in Dienst genommen hatten. (Lies Apg. 7, 1-5; 1. Sam. 15, 22.) Abraham und später auch Isaak und Jakob hielten sich vertrauensvoll an Gottes Zusage, die ihnen und ihren Nachkommen das Land Israel zusprach (1. Mose 12, 1-7; 13, 14. 15; 15, 18; 22, 18). Woran konnten sie erkennen, dass der Herr sein Versprechen hielt, zumal ihnen die Zeit zwischen den Fingern zerrann, ohne dass sich die Verheißung erfüllte? Solange sie im Land wohnten, sahen sie es im Besitz der starken kriegerischen Kanaaniter. »Durch Vertrauen lebte Abraham im Land der Verheißung in Zelten mit Isaak und Jakob, die Miterben der gleichen Verheißung waren.« Abraham richtete seinen Blick nicht auf die Umstände, er schaute auf Gott und seine Verheißung. Sein Glaubensblick umfasste nicht nur »Kanaan«, sondern hob ihn weit über den irdischen Wohnort. »Er wartete auf jene Stadt, die ewige Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. . . . Sie eilten vorwärts und bekannten es offen, dass sie hier auf Erden nur Fremde und ohne Bürgerrecht seien.« (Lies Ps. 37, 29; 112, 1-3.) Abraham war frei. Er hätte mit den Seinen wieder nach Haran oder Ur zurückkehren können. Aber er behielt das Ziel im Auge, den Wohnort bei Gott. »Deshalb schämt Gott sich nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt im Himmel gebaut.« (Lies 2. Kor. 5, 1-9; Phil. 3, 20. 21; 1. Joh. 2, 15-17.)
Hebräer 11, 11. 12; 1. Mose 18, 1. 10-14
Auch Sara wusste um Gottes Verheißung (1. Mose 15, 5; 17, 15. 16). Ihr Glaube wurde hart auf die Probe gestellt. Alle menschlichen Voraussetzungen sprachen gegen Gottes Zusage, ihr und Abraham einen Sohn zu schenken. Als Gott bei seinem Besuch in Mamre noch einmal davon sprach, lachte Sara. Aber sie blieb nicht im Zweifel stecken, sondern sie entschied sich zum vollen Vertrauen auf Gottes Zusage. »Durch Vertrauen erhielt auch Sara Kraft zur Gründung einer Nachkommenschaft trotz ihres Alters, weil sie den für treu achtete, der es verheißen hatte.« Gott erfüllte sein Wort! Wir alle haben Gelegenheit, Gott durch Vertrauen zu ehren. Das kann in einer unklaren Lage geschehen oder mitten in der Angst, wenn wir sprechen: Herr, ich vertraue dir. Denn du bist mein Licht, meine Zuversicht, meine Hilfe und mein Trost. Das gilt nicht nur für die großen Angelegenheiten und Prüfungen. Unser Glaube wird oft in den kleinen Erlebnissen des Alltags erprobt. Sie geben uns die Möglichkeit zu zweifeln oder zu vertrauen. Abraham vertraute, Sara vertraute. Und was ist aus ihrem Vertrauen in Gottes Zusage geworden? »Darum sind von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.« (Lies Röm. 4, 11. 18-21.) Das jüdische Volk verdankt sein Dasein ihrem Glauben. Ein Wunder rief dieses Volk ins Leben. Durch Gottes beständiges Wunderwirken existiert dieses Volk noch heute. (Lies Jes. 45, 17. 25; 33, 20-24; Hes. 20, 40-44; 36, 8.) Darüber hinaus wurde Abraham »ein Vater aller, die da glauben« (Röm. 4, 11b). Die Jünger fragten Jesus einmal: »Warum konnten wir nicht . . . ?« Er sagte ihnen: »Wegen eures Unglaubens!« (Matth. 17, 14-20; vgl. Matth. 13, 58; Joh. 11, 40).
Hebräer 11, 17-19; 1. Mose 22, 1-13
Die schwerste Glaubens-Prüfung in Abrahams Leben war die Opferung Isaaks. Abraham war klar, dass Gott Menschenopfer verboten hatte. Sollte Gott gegen sein eigenes Wort verstoßen? Sollte er sein einmal gegebenes Wort (1. Mose 12, 2. 3) brechen? Sollte er gar lügen? Wir erkennen hier sehr deutlich, dass Gottes Gedanken unendlich viel höher sind, als wir sie begreifen können. Gott weiß immer, was er tut. »Nur so kann in voller Schärfe wahrgenommen werden, dass die dem Glauben aufgebürdete Zumutung darin besteht, in der Gegenwart der Versuchung und der Gottesferne an der Zukunft Gottes und seiner Rettung festzuhalten. Wo nichts zu hoffen und der Grund des Glaubens fern ist, hält Abraham kontradiktorisch (paradoxerweise, sich widersprechend) gegen Gott an Gott fest« (J. A. Steiger). Es fällt auf, dass Abraham weder geschockt aufbegehrt noch mit Gott debattiert. Er versucht nicht, Gott umzustimmen, indem er den Herrn im Gebet bestürmt. Im Gegenteil: Es ist eine eigenartige Stille um Abraham die Stille des Vertrauens. Eine Stille, die sich auf dem Weg zur Anbetungsstätte als äußerste Hingabe an Gott offenbart. Was mag Abraham die Kraft zu solchem Tun gegeben haben? Abraham dachte: »Gott kann auch von den Toten erwecken!« Isaak war ihm durch ein Wunder geschenkt worden. Und Abraham war bereit zu glauben, dass Isaak ihm durch ein Wunder wiedergeschenkt werden würde. Nur ein Gedanke im Herzen eines Menschen, aber ein Gedanke, der Gott die Möglichkeit gab, in Abrahams Leben hineinzukommen und seinen Segensplan für die ganze Menschheit zu entfalten. Sein Wort sagt uns, dass Gott immer derselbe ist, er verändert sich nicht. (Lies Mal. 3, 6a; Hebr. 13, 8.) Ob Gott auch will?, fragt vielleicht mancher. Ja, er will retten, er will heilen, neu schaffen. »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat« (Hebr. 10, 35; lies 2. Kor. 9, 8; Jer. 33, 2. 3. 6).
Hebräer 11, 17-19; Jesaja 41, 13
Wie können wir durch Vertrauen leben? Unsere Gedankenwelt spielt hier eine wichtige Rolle. Abraham dachte: »Gott kann!« Was denke ich, wenn mir ein Vorhaben durchkreuzt wird, wenn etwas dazwischenkommt, was nicht in meinen Plan passt? Wenn Gott mich warten lässt? Werde ich ärgerlich, gereizt, nörgelig? Beschäftigen sich meine Gedanken damit, den Schuldigen zu suchen, ihn bei anderen schlechtzumachen? Oder denke ich an Gottes Wort und vertraue darauf: »Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.« »Ich weiß, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen hast, ist dir zu schwer« (2. Mose 14, 14; Hiob 42, 2; lies Ps. 66, 17-20; Dan. 3, 17. 18; Matth. 15, 21-28). Was denke ich, wenn ich einen Auftrag bekomme, vor dem ich Angst habe? Wenn ich keinen Erfolg verzeichnen kann? Wenn Menschen unempfänglich für Gottes Wort sind, hart wie ein Stein? Es liegt nahe zu resignieren, zu verzweifeln oder davonzulaufen. Es liegt nahe, neidisch auf andere zu sehen, denen alles gelingt. Es liegt nahe, sich in sich selbst zurückzuziehen. Einst plagten Asaf viele schwere Gedanken, doch dann ging er mit seiner Not zu Gott und bekam im Heiligtum eine neue Sicht und Einstellung. Daraufhin konnte er wieder vertrauen: »Dennoch bleibe ich stets an dir.« (Lies Ps. 73, 23-25; 71, 14. 15; Matth. 14, 16-21.) Wenn eine Enttäuschung lähmt, wenn langes Warten zermürbt, halte fest daran: Gott kann. Warte geduldig auf seine Hilfe, auch wenn es noch lange dauern sollte! (Lies Ps. 97, 5; Sach. 4, 6b.) Man kann sich auch überlegen, jemanden um Gebetsunterstützung zu bitten. Achten wir darauf, dass wir einander ermutigen, unser Vertrauen nicht wegzuwerfen, sondern im Glauben bei Gott zu bleiben und an seiner Macht festzuhalten.
Hebräer 11, 19; Hiob 42, 2
Abraham dachte nicht: Ich kann!, sondern: Gott kann! »Gott kann selbst von den Toten erwecken.« Abraham hatte noch nichts Derartiges erlebt. Im Römerbrief lesen wir, dass er in dieser Stunde des äußersten Gehorsams »damit rechnete, dass Gott auch aus den Toten erwecken könne«. Glaube ist weder blind noch leichtsinnig er rechnet mit Gott! Von Nommensen, dem Begründer der Batak-Kirche, heißt es: Er rechnete mit Gottes Verheißungen wie mit Zahlen. »Rechne mit ihm, einzig nur mit ihm, nichts ist seiner Macht zu schwer. Rechne mit ihm!« (R. de Montmollin) Es begegnet uns viel geistlicher Tod. Aber wir gehören zu dem Gott, der Tote lebendig macht. Wenn alles verschlossen ist, kann er Türen öffnen, wenn gar keine Hoffnung besteht, kann er Großes tun. Auch wenn schon jede Möglichkeit erloschen ist, braucht unser Glaube nicht zu zerbrechen. Jesus, den der Vater aus den Toten auferweckte, »ist zur Rechten Gottes in den Himmel aufgefahren, und es sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Mächte« (1. Petr. 3, 22; lies Hebr. 9, 24; 4, 14-16). In der härtesten Probe seines Lebens wurde Abraham nicht schwach in seinem Vertrauen auf Gottes Zusagen. Alles, was an uns herantritt oder von uns erwartet wird, soll uns auf dem Weg des Vertrauens finden, indem wir zu unserem Herrn aufblicken. Satan versucht zwar immer wieder uns anzugreifen und zu Fall zu bringen, aber es gilt, ihm zu widerstehen und daran festzuhalten: Gott kann! Paulus schreibt aus seiner letzten Gefangenschaft an Timotheus: »Ich habe den Lauf vollendet, ich habe das Vertrauen bewahrt« (2. Tim. 4, 7). Dadurch war Paulus bis zum letzten Atemzug ein Zeuge der rettenden und siegreichen Macht des gekreuzigten, auferstandenen und zum Himmel erhöhten Herrn. (Lies Ps. 94, 18. 19.)
Hebräer 11, 20-40; Psalm 33, 4
Nach Abraham werden uns in Hebräer 11 noch viele Menschen genannt, die auf Gottes Wort vertrauten. Schließlich lesen wir von dem ganzen Volk Israel: Es bewies seinen Glauben, als es durch das Rote Meer wie über trockenes Land ging. Der Glaube Israels war es, der die Mauern Jerichos einstürzen ließ. Und Rahab, eine Prostituierte in Jericho, wurde nicht getötet wie die anderen Bewohner der Stadt, die sich dem Willen Gottes widersetzt hatten. Denn sie vertraute Gott und nahm die beiden Kundschafter, die Josua ausgesandt hatte, freundlich auf. Es ist interessant, wenn wir den Bericht über die zwölf Kundschafter lesen, die etwa 40 Jahre zuvor die Feindfront und das Land der Verheißung erkunden sollten. (Lies 4. Mose 13, 21 - 14, 10.) Auf ihrer Erkundungs-Tour erlebten sie alles gemeinsam. Sie sahen das schöne und fruchtbare Land Israel, sie nahmen aber auch die großen Gefahren wahr. Als die zwölf Männer nach ihrer Rückkehr Bericht erstatteten, zeigte sich, wie jeder das Erlebte verarbeitet hatte. Da standen auf einmal zehn Pessimisten und Kritisierer zwei Glaubenden gegenüber. Zehn verglichen sich und ihr Volk mit den ihnen überlegenen Riesen, zwei verglichen die mächtigen Riesen mit dem allmächtigen Gott. Ein vertrauender Christ wird die Größe der Schwierigkeiten nicht kleinreden. Aber er wird angesichts der Mängel und Unmöglichkeiten aufschauen zu seinem Gott. Sein Vermögen und seine starke Kraft ist so groß, dass ihm nichts unmöglich ist. (Lies 2. Mose 18, 11; 5. Mose 3, 24; Ps. 95, 3; Jes. 63, 1.) Den Einzug der Israeliten in das Land der Verheißung erlebten nur zwei der zwölf Kundschafter Josua und Kaleb. Sie vertrauten ihrem Gott. (Vgl. 5. Mose 1, 21-29; Neh. 4, 8; Ps. 28, 6-9.) Diese Geschichte ist ein Spiegel, in dem wir unser eigenes Verhalten prüfen können. Wie lasse ich die Dinge auf mich wirken? Verbinde ich meine Eindrücke mit Vertrauen? Halten wirs fest: Gott kann!
Hebräer 11, 19; 1. Samuel 17, 41-50
»Abraham dachte: Gott kann!« Was hindert uns daran, diesen einfachen Satz in unserem Herzen festzuhalten und vertrauensvoll vorwärtszugehen? Paulus schrieb einmal an Timotheus: »Behalte den Glauben und das gute Gewissen. Einige haben es über Bord geworfen und im Glauben Schiffbruch erlitten. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!« (1. Tim. 1, 19; 6, 12). Mit einem schlechten Gewissen kann man nicht wirklich vertrauen, dass Gott es gut macht, dass Gott kann, dass er bereit ist, seine Verheißungen zu erfüllen. Man muss zuerst Stellung nehmen zu seiner Schuld vor Gott, gegebenenfalls auch vor Menschen. So findet man Entlastung, den Kampf des Glaubens mit gutem Gewissen zu kämpfen. (Lies 1. Tim. 3, 9; Apg. 24, 16; 1. Petr. 3, 16.) Ein anderes Hindernis, den Weg des Vertrauens zu gehen, kann darin bestehen, mehr auf sich selbst zu vertrauen als auf Gott. Es gibt ein gesundes Selbstvertrauen: Mut, Entschlossenheit und eine Beherztheit, im Leben zu stehen. Es gibt aber auch ein gefährliches Selbstvertrauen, sogar ein negatives »frommes« Selbstvertrauen nachzulesen in Lukas 18, 9-14. Ein drittes Hindernis, das den Weg des Vertrauens blockiert, liegt darin, wenn wir uns mehr auf Menschen verlassen als auf Gott. Verlässlichkeit und Vertrauen unter Menschen sind ein hohes Gut. Aber wenn wir unser Leben von Meinung und Moral und den Erfahrungen anderer abhängig machen, werden wir »der Menschen Knechte« werden. »Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und sich nicht auf Menschen zu verlassen« (Ps. 118, 8). »Gesegnet ist der Mann, der auf den Herrn vertraut und dessen Vertrauen der Herr ist« (Jer. 17, 7). Der Herr ist ein mächtiger Helfer für alle, »deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist«, für alle, die vertrauensvoll damit rechnen, dass er zu seinem Wort steht! (2. Chron. 16, 9; lies Ps. 146, 1-10) Wie Jesus Menschen begegnet
Markus 1, 40-45; Jeremia 33, 3
Ein Aussätziger Von dieser Begegnung, die Jesus mit dem Aussätzigen hatte, berichtet der Evangelist Matthäus im Anschluss an die Bergpredigt. Wir dürfen von daher annehmen, dass Jesus dem Kranken zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit begegnete. Dieser Mann fasste als einer der ersten Vertrauen zu Jesus. Bis jetzt kannte der Aussätzige Jesus nicht persönlich, sondern nur vom Hörensagen. Er musste ja wegen seines Leidens isoliert leben. Was er aber gehört hatte, genügte, alle Bedenken beiseitezuschieben, um in die Nähe des Herrn zu kommen. (Lies Hebr. 11, 1. 6; Hiob 5, 8. 9. 11; Ps. 10, 14. 17; 72, 12.) »Es kam ein Aussätziger, der bat ihn und kniete vor ihm.« »Not macht oft so bitter, dass die Lippen sich zusammenpressen. Dass der Groll im Herzen aufsteigt. Dass man lieber Fäuste ballt, statt die Hände zu falten. Man stellt lieber Forderungen, als dass man betet. Für viele wäre es ein entscheidender Schritt des Glaubens, wenn sie auf ihre Knie niederfielen und Jesus mit Namen anrufen würden« (H. Brandenburg). Der Aussätzige kniete vertrauensvoll vor Jesus nieder und drückte mit seiner Haltung aus: Jesus ist größer als meine Not. Ich darf ihn bitten, und er hört mich. Er schiebt mich nicht beiseite. Er hat Zeit für mich. (Lies Matth. 9, 18; 15, 21-28.) »Willst du, so kannst du mich reinigen.« Die Einstellung des Kranken ist überraschend. Seine Worte zeigen, dass er sich Jesus unterwirft, indem er den Willen des Herrn ehrfürchtig anerkennt und ihm zugleich alles zutraut. »Wenn du willst« solch ein Vertrauen zur Liebe und Macht des Herrn wird auch dann nicht scheitern, wenn die Antwort lauten sollte: Ich wills nicht tun. Ehre deinen Gott auch im Leiden. (Vgl. Matth. 26, 39; Joh. 12, 27. 28.)
Markus 1, 40-45; Psalm 34, 5. 7
»Willst du, so kannst du mich reinigen.« Diese Worte des Aussätzigen sind auch ein Bekenntnis: Jesus, du kannst! Du kannst, was kein anderer vermag. Der Mann war überzeugt von der Macht des Herrn, nur wusste der Kranke nicht, ob Jesus diese Macht auch für ihn einsetzen würde. Unser Glaube darf mit der Allmacht Gottes rechnen, in welcher Lage wir uns auch befinden mögen. Er kann nicht nur alles für uns tun, er will auch alles tun, und zwar das, was in seinen Augen das Richtige für uns ist. »Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn, er wird handeln« (Ps. 37, 5). Dass Jesus kann, steht gar nicht zur Debatte. »Er kann überschwänglich mehr tun, über alles hinaus, was wir erbitten oder auch nur erdenken können« (Eph. 3, 20; lies Hiob 36, 5. 16; Ps. 145, 5. 6; 147, 11.) »Jesus hätte den Aussätzigen mit einem Wort heilen können, aber er tat es nicht. Er streckte seine Hand aus und berührte ihn. Welche Güte und Barmherzigkeit liegen in diesem Tun. Kein Jude hätte diesen Mann angerührt. Sie ließen ihn alle in der Isolation und Einsamkeit. Aber Jesus hatte Mitleid mit diesem Kranken und begegnete ihm mit Anteilnahme und Liebe. Und dann sprach er das krönende Wort auf seine Hingabe: Ich wills tun, sei gereinigt. Das Wort der Zusicherung und Verheißung war ein Wort der Vollmacht. Die Heilung geschah sofort und war vollkommen. Niemand braucht Angst zu haben, zu Jesus zu kommen, um sich von ihm reinigen zu lassen, ganz gleich, wie unrein und sündig er ist« (O. Sanders). »Jesus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und uns reinigte« (Tit. 2, 14; lies Micha 7, 18; Ps. 103, 1-3. 8-13).
Matthäus 8, 4; 3. Mose 14, 1-7
»Und Jesus sprach zu dem Aussätzigen: Sieh zu, sage es niemandem . . . « Das klingt zunächst überraschend. Schickte Jesus nicht seine Leute zu den Menschen, um ihnen das Evangelium zu bringen? (Vgl. Matth. 10, 7. 8; Mark. 5, 19; 6, 7.) Die Heilung des Aussätzigen sollte weder als Sensation gelten noch die Wundermacht des Herrn beweisen. Gewiss, vor ihm müssen fraglos alle Krankheitsmächte weichen. Aber der eigentliche Grund für die Sendung des Sohnes Gottes in die Welt bestand darin, Sünder zur Buße zu rufen. Diese Aufgabe durfte nicht durch Sensationen verdeckt werden. Jesus ging mit Heilungen sehr diskret um. Er sandte den Aussätzigen zu den Priestern, der damaligen Gesundheitsbehörde. Sie sollten seine Heilung bescheinigen. Dadurch sollte deutlich werden, dass Jesus im Auftrag Gottes handelte, ja, dass er selber der Messias ist. Wer von Jesus Hilfe erfahren hat, sollte keine Sonderstellung einnehmen. Die Gefahr besteht immer, dass man sich selber in den Mittelpunkt wunderbarer Erfahrungen stellt. Dadurch stehlen wir aber dem Herrn die Ehre, die ihm gebührt. Wir dürfen zu ihm sagen: »Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern dir allein steht Ehre zu!« (Ps. 115, 1; lies Ps. 107, 1. 2; Jes. 25, 1a). Es ist hilfreich, wenn wir mit unserem Erleben zu Jesus gehen und vor ihm still werden. Dort kann sich vertiefen, was wir mit ihm erlebten und was er uns geschenkt hat. (Vgl. Mark. 6, 30-32.) Dem vom Aussatz Geheilten jedoch war das Herz so voll, dass er nicht schweigen konnte. Der Geheilte »fing trotz des Verbots an, überall von seiner Heilung zu erzählen«. Das führte dazu, dass Jesus sich verbarg. Neugierige und Sensationslustige haben selten das Bedürfnis, sich dem Evangelium zu öffnen, Buße zu tun und vom verkehrten Weg umzukehren. (Vgl. Luk. 4, 21-30; Apg. 17, 16-21. 32. 33.)
Markus 1, 29. 30; Lukas 4, 38. 39; Psalm 50, 15
Eine Familie Jesus war in der Synagoge von Kapernaum. Dort erlebte er einen Menschen, der von einem Dämon beherrscht wurde. Mit Vollmacht trat Jesus dem Bösen entgegen: »Schweig und verlass diesen Menschen!« Der Dämon musste dem Befehl des Sohnes Gottes gehorchen und verließ den Mann, ohne ihm weiter zu schaden. Nach diesem Erlebnis besuchte der Herr mit Jakobus und Johannes die Familie Simons und seines Bruders Andreas. War das ein günstiger Termin für einen Hausbesuch? Darüber dachten die Anwesenden nicht nach. Sie brachten vielmehr die große Sorge der Familie vor den Herrn. Sie baten Jesus, der schwerkranken Schwiegermutter Simons zu helfen. Sie kannten ihren Meister noch nicht lange. Aber sie hatten die Befreiung des Besessenen im Synagogen-Gottesdienst miterlebt. Das wird sie ermutigt haben, die Krankheits-Not bei Jesus ins Gespräch zu bringen. Sie vertrauten ihm. So »baten sie Jesus, ihr zu helfen«. (Vgl. Hebr. 4, 16; 10, 22; Jak. 5, 14.) Vielleicht hat Petrus die Bitte ausgesprochen, vielleicht haben sie alle miteinander Jesus gebeten. Wie dem auch sei, diese Szene will uns daran erinnern, dass wir für andere Menschen bei Jesus um Hilfe bitten können. Wir dürfen Fürbitte üben. Wie viel Not sehen unsere Augen tagtäglich! »Sie baten ihn für sie.« In der Familie Gottes darf einer für den anderen beten. Auf diese Weise können wir einander beistehen, auch wo menschlich keine Möglichkeit zu helfen vorhanden ist. Einer kann für den anderen die Hilfe und Macht Gottes herbeirufen. (Lies Röm. 15, 30; 2. Kor. 1, 8-11a; 1. Thess. 5, 25; 2. Thess. 3, 1; 4. Mose 12, 13; Jer. 29, 7.) Der Fürbitte sind große Verheißungen gegeben, dass wir nie zu viel erwarten können. Gott ist bereit, unseren Weg mit seiner Macht zu begleiten.
Lukas 4, 38. 39; Psalm 94, 9
Wir können uns vorstellen, wie Petrus mit den anderen staunend verfolgte, was Jesus tat. Jesus »neigte sich« zu der kranken Frau. Ganz persönlich wendet Jesus sich auf unsere Bitte hin dem zu, der in Not ist. Er weiß um alles, was auf dieser Welt geschieht. Er kennt alle und ist für alle da. Aber er neigt sich zu dem Einzelnen, als wäre er nur an diesem einen interessiert. Es liegt so viel Wärme und Liebe in dieser Zuwendung. In Psalm 113 wird Gott beschrieben als einer, »der im höchsten Himmel thront und hinabschaut in die tiefste Tiefe. Den Armen holt er aus der Not, den Hilflosen heraus aus seinem Elend« (Ps. 113, 5-7; lies Ps. 34, 16; 103, 13. 14; Jes. 65, 24). In seiner Zu-Neigung kommt Jesus uns nah und hilft uns. Das erlebte Petrus in seiner eigenen Familie. Er wird es nicht vergessen. »Die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen« (1. Petr. 3, 12; vgl. Spr. 15, 3. 8b. 29; Matth. 7, 7. 8). Das ist so groß und einzigartig an Jesus, dass er seine Herrlichkeit und Erhabenheit mit der größten Barmherzigkeit verbindet. Er thront zur Rechten Gottes und ist uns doch ganz nah als unser guter Hirte, der unsere Bedürfnisse kennt und zu stillen vermag. Es ist sein großer Wunsch, sich zu uns zu neigen, uns zu heilen und zu segnen. »Du kümmerst dich um die Gequälten und wirst sie retten. Dir können sich alle anvertrauen, denen keiner mehr hilft.« »Ich liebe den Herrn; denn er hat mich erhört, als ich zu ihm um Hilfe schrie. Ja, er hat sich zu mir herabgeneigt« (Ps. 10, 14; 116, 1. 2; lies 1. Mose 21, 17-19; 1. Sam. 1, 12-17).
Lukas 4, 38. 39; Psalm 33, 9
Jesus redete das Fieber an und befahl ihm zu weichen, wie wenn es ein Wesen wäre. »Er befahl dem Fieber zu weichen. Sofort war sie gesund.« So gebot Jesus zum Beispiel dem Meer und seinen Wellen, so gebot er dem Dämon, der einen Mann beherrschte (Luk. 8, 22-39). Er ist ein Gebieter: »Alles, was er will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und allen Tiefen« (Ps. 135, 6; 115, 3; Hes. 12, 28). »Er ist der Gebieter über die ganze Schöpfung. Er gebietet den Menschen und den Mächten, dem Feuer und dem Wasser. Auch ein Fieber ist nicht ein Zustand außerhalb des Herrschaftsbereichs Gottes« (W. Lüthi). Jesus ist bei uns. Er kann allem gebieten, was sich uns als Not und als Hindernis in den Weg stellt. Für Petrus war die Heilung seiner Schwiegermutter ein besonderes Erleben, das ihm bestätigte: Mit Jesus kann man es wagen. Er ist vertrauenswürdig in jeder Lage. (Lies Ps. 17, 6. 7; 31, 17. 18; 69, 14-18; 118, 5. 6.) »Die Schwiegermutter stand auf und bediente ihre Gäste.« Jesus hatte sich zu ihr geneigt. Die neue Kraft, die er ihr geschenkt hatte, nützte sie, um ihm und den anderen Besuchern zu dienen. Dankbar ergriff sie die Gelegenheit zum Dienst. Vielleicht hat sie für die Gäste ein Essen gekocht, um für die Bedürfnisse aller zu sorgen. Petrus schrieb in seinem Brief einen Abschnitt, wie jeder mit seiner Gabe Gott dienen kann. Wir könnten es so umschreiben: Habt ein offenes Haus. Nehmt gerne Gäste auf. Klagt nicht über die vermehrte Arbeit. Dient einander (1. Petr. 4, 9). »Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt« (Hebr. 13, 2; lies Röm. 12, 13; Apg. 16, 14. 15. 33. 34; 28, 1. 2). In Ängs ten und Nöten , Doch nic ht ohne H offnung Psalm 56
Psalm 56, 1-14
David befindet sich in einer äußerst schwierigen Situation. Das wird auch die Melodie des Liedes »Die Taube verstummt in der Fremde« ausgedrückt haben. Saul und seine Leute verfolgten ihn ständig mit der Absicht, ihn zu töten. So flieht er nach Gat, ausgerechnet in Feindesland, zu den Philistern. Was ihn wohl dazu bewegte? Hatte ihn die Not dazu gezwungen? Wie gefährlich muss es für ihn im eigenen Land gewesen sein, dass er sich bei den Philistern sicherer fühlte als in seiner Heimat! Doch wie aufgewühlt und erschreckt war er, als er von seinen vermeintlichen Beschützern erkannt wurde, und er sich von allen Seiten umstellt sah. (Lies 1. Sam. 21, 11-16.) Ängste mögen ihn bedrängt und Ausweglosigkeit niedergebeugt haben. Hoffnungen, die sich immer wieder als silberne Streifen am Horizont seines Lebens zeigten, mögen geplatzt sein. Der tägliche, harte Kampf, bedrückende Anfechtungen und die ständig lauernde Todesgefahr lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Erst als David sich an seinen Gott erinnert und sich an ihn wendet, findet er heraus aus dieser schrecklich dunklen und aussichtslosen Situation. »Gott sei mir gnädig« das ist der Hilfeschrei eines tief gebeugten Mannes. »David weiß, dass er Gottes Hilfe nicht verdient hat; er weiß, dass er nicht würdiger ist als seine Bedränger, ja, er weiß, dass er seine gegenwärtige Notsituation selbst verschuldet hat, denn warum hatte er sich bei den Philistern in Sicherheit bringen wollen?« (B. Peters) Nicht weniger als 16-mal finden wir in den Psalmen Davids die Bitte »Herr sei mir gnädig! «, oft in großer Not gesprochen. »Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend« (Ps. 25, 16; lies Ps. 6, 3; 9, 14; 26, 11; 27, 7; 30, 11; 57, 2; 86, 3. 16; 119, 58. 132).
Psalm 56, 2-5; 27, 1-3
In seiner Angst und Ausweglosigkeit wendet sich David an seinen Gott: »Hab Erbarmen mit mir. Man will mich zur Strecke bringen. Die Feinde (wörtl.) schnappen den ganzen Tag nach mir und bedrängen mich hart. Unaufhörlich greifen sie mich an und bekämpfen mich in ihrem Hochmut.« David steht sozusagen unter Dauerbeschuss feindlicher Attacken. »Den ganzen Tag« vom frühen Morgen an, den langen Tag hindurch und bis in die Nacht hinein erlebt er die nicht enden wollenden Anfeindungen seiner Gegner. Er kommt sich vor wie ein einsames Schaf, das in die Fänge des Wolfs gerät, und fragt sich: Wer kann mich vor diesen Menschen retten außer Gott? Schon in Psalm 55 wendet sich David, von Angst, Trostlosigkeit und Kummer überwältigt, an Gott, obwohl er zunächst am liebsten dorthin fliehen wollte, wo ihn kein Mensch finden würde: »Ich wollte eilen, dass ich entrinne vor dem Sturmwind und Wetter.« (Lies Ps. 55, 1-16.) Wir bekommen einen Eindruck härtester Bedrängnis im Leben eines Mannes, der von Gott zum König erwählt worden war. Warum so viel Herzeleid? Warum ein solch schwerer Weg? Warum, warum, so mag David sich immer wieder gefragt haben. Doch er bleibt nicht an der Frage nach dem Warum stehen. Er geht einen Schritt weiter und spricht Gott sein Vertrauen aus: »Ich traue auf dich!« David weiß, das Einzige, was mir in dieser ausweglosen Lage bleibt, ist der Halt, den ich in Gott habe. Er ist zwar umringt von unzähligen Feinden, eingeschlossen von Menschen, die ihm Böses wollen, aber der Blick nach oben bleibt für ihn offen: »Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht« (Ps. 34, 5; lies Ps. 55, 17-20. 23).
Psalm 56, 4. 5; Jesaja 12, 2
David überwindet mit kühnem Gottvertrauen die Angst, die ihn lähmte. Er weiß, Gott ist an meiner Seite. Mit ihm zusammen bin ich stärker, ja, in der Übermacht auch wenn noch so viele Feinde gegen mich streiten. Die bösen Intrigen, die geheimen Bespitzelungen, mit der sie seine Stellung zu untergraben suchten, die heimtückischen Angriffe und gefährlichen Anschläge, all das konnte David nicht zu Fall bringen. Gott stand ihm zur Seite. »In der Frage: Was können mir Menschen tun? steckt schon die Antwort: Nicht das Geringste können sie mir anhaben, wenn mich Gott mit seinem allmächtigen Schutz umgibt« (H. Lamparter). (Lies Ps. 139, 5; 37, 24; Sach. 2, 9; Röm. 8, 31-34.) »Wenn ich mich fürchte, so hoffe ich auf dich« (V. 4; Luther 84). Wo Hoffnung ist, ist Leben. »Was der Sauerstoff für die Lunge, das bedeutet Hoffnung für die menschliche Existenz. Nimm den Sauerstoff weg, so erstickt der Mensch. Nimm die Hoffnung weg, so kommt Atemnot über den Menschen, die Verzweiflung heißt« (E. Brunner). David hofft auf seinen Gott. Diese Hoffnung gibt ihm sicheren Halt mitten in aller Bedrängnis. Sie gleicht einem Karabiner, durch den ein Kletterer auf einem Hochseilparcours vor dem Absturz gesichert ist. »Hoffet auf Gott allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht« (Ps. 62, 9; lies Ps. 32, 10; 37, 5; 125, 1). »Hoffnung motiviert. Sie setzt in Bewegung. Sie ist Motor und Impuls, mit dem langen Atem der Zuversicht an der Arbeit zu bleiben. Wir gestalten unsere Gegenwart mit Hoffnung, weil uns die Zukunft gewiss ist. Mitten im Zerbruch der Zeiten bewegt uns die Kraft aus der Ewigkeit« (P. Hahne).
Psalm 56, 4. 5. 12; 62, 6; Römer 5, 2; 15, 13
Hoffnung eine Utopie, ein unerfüllbarer Traum? »Die Utopie hilft uns nichts; denn diese Art von Hoffnung hat kein Fundament; sie ist nur Ausdruck einer verzweifelten Seele. Gibt es ein Fundament? das ist die Frage der Menschheit. Gibt es ein Fundament außerhalb von mir, außerhalb der Träume meiner Seele? Dieses Fundament, den Fels unserer Hoffnung, bezeugen wir: Christus ist auferstanden! Der Schöpfer hat seinen toten Sohn aus den Klauen des Todes herausgerufen und zum Anfänger, zum Fundament einer neuen Schöpfung gemacht! Und wenn der Tod in meiner Todesstunde nach mir greifen wird, dann wird Christus als Sieger herantreten und zum Tod sagen: Nimm seine sterblichen Überreste aber er, er selbst gehört dir nicht, sondern mir, denn er ist mein Eigentum! Sein Eigentum möchte ich sein heute schon. Er ist mein Eigentum, ich bin sein Freund, wird Jesus sagen. Paul Gerhardt hat das so ausgedrückt: Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not; er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell, sein Freund. Das ist keine Utopie: Christus ist auferstanden er lebt seit dem Ostermorgen! Das ist das ewige Fundament. . . . Das ist der Unterschied zur Utopie: Wir kennen schon den Sieger, den letzten Politiker auf dieser Erde. Woher kenne ich ihn denn? Ich kenne seine Stimme, und ich werde ihn wiedererkennen, wenn er kommt. Es ist dieselbe Stimme, die ich in der Bibel höre eine unverwechselbare Stimme. Kennst du sie auch schon? Das ist Hoffnung« (W. Tlach). (Lies Jes. 43, 1; Eph. 1, 18; Kol. 1, 23. 27; Phil. 3, 20. 21; 2. Thess. 2, 16. 17; 1. Petr. 1, 21.) Wir müssen also kein zielloses Leben führen, kein Leben ohne Orientierung und Halt; denn wir haben in Jesus Christus eine lebendige Hoffnung.
Psalm 56, 4. 5; 119, 105
»Ich will Gottes Wort rühmen, auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten.« Hoffen auf Gott, das ist für David die Überlebensstrategie. »Hoffnung entscheidet sich nicht an Lebensumständen. Hoffnung entscheidet sich am Gegenüber. Hoffnung ist eine Frage der gelebten und gepflegten Beziehung. Jesus Christus redet nicht nur von Hoffnung er ist die lebendige Hoffnung, weil er lebt, weil er wiederkommt, weil er für uns eintritt, sich rettend vor uns stellt. Bei ihm ist unsere Zukunft aufgehoben. Er ist der Grund aller Hoffnung für das Leben. Mit Hoffnung leben heißt, sich auf ihn einlassen, die Beziehung mit ihm pflegen, sich von ihm beschenken und stärken lassen« (W. Baur; lies 1. Petr. 1, 3; Röm. 4, 18). David setzt den Feinden zum Trotz seine Hoffnung auf Gott und sein Wort. Dieses vertrauende Hoffen auf Gott und das Vertrauen auf sein Wort hängen eng miteinander zusammen. Wer Gott vertraut, der glaubt auch seinem Wort. »Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss« (Ps. 33, 4; lies Röm. 15, 4). Seine Worte sind vertrauenswürdig. Sie sind wie ein felsenfest verankerter Leuchtturm im stürmischen Meer des Lebens. Nichts und niemand kann Gottes Zusagen auslöschen. Auf sie ist hundertprozentig Verlass. Darum braucht sich David nicht zu fürchten, sondern er rühmt Gottes Wort. »Rühmen ist stärker als vertrauen. Es ist der Triumph des Glaubens über allen Schein. So groß ist die Gewissheit, dass Gott helfen und befreien werde, dass David sich der Befreiung rühmt, als sei sie schon geschehen« (B. Peters). (Lies Hebr. 6, 18. 19.) »Halt fest auf allen Wegen am teuren Gotteswort: es bringt dir reichen Segen und ist ein sichrer Hort. Das Wort kann Kraft dir geben, ist deines Weges Licht, das Wort ist Geist und Leben, das Wort vergehet nicht« (James McGranahan, 1840-1907).
Psalm 56, 5; 119, 82. 147
»Die Bibel, Gottes Wort, ist nicht nur Nahrung für lebenshungrige Menschen, sie ist nicht nur Tankstelle, an der verbrauchte Kraft nachgetankt werden kann. Sie ist nicht nur eine Vitaminspritze für Müde und Erschöpfte und auch nicht nur ein Belebungsbad für dreckige und verschwitzte Menschenkinder. Sie ist nicht nur Medizin für kranke Herzen und nicht nur ein wirksames Beruhigungsmittel für aufgescheuchte Seelen all das ist sie auch. Aber Gottes Wort lesen ist vor allem ein Treffpunkt mit Gott selber« (A.wKühner). Gott spricht in seiner Liebe zu uns. Er tut es oft ganz konkret in unsere Situation hinein. So erzählte eine junge Frau, wie sie ihren Eltern die unfassbare Nachricht vom Tod ihrer jüngsten Schwester überbringen musste: »Als ich unser Wohnzimmer betrat, fiel mir ein kleines, aufgeschlagenes Heft ins Auge. Ich las die großgedruckten Worte: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jer. 31, 3). Diese Worte, die Gott mir selber in meinem unsagbar großen Schmerz zugesprochen hatte, trösteten mich und unsere ganze Familie in der schweren Zeit.« Eine andere Frau berichtete: »Ich wusste nicht, wie es bei mir weitergehen sollte. Mein bisheriger Arbeitsplatz fiel dem Rotstift zum Opfer. Doch woher sollte ich wissen, was Gottes Plan für meine Zukunft war? Viele Türen standen mir offen. Wie sollte ich mich entscheiden? Mitten in meine innere Unruhe und mein Fragen hinein, stieß ich beim Bibellesen auf Psalm 32, 8: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Plötzlich wich alle quälende Unruhe, denn ich hatte die Zusage Gottes, dass er mir den rechten Weg zeigen würde. Nach und nach schloss der Herr eine Türe nach der anderen, und so kristallisierte sich sein Weg für mich heraus.« (Lies Ps. 119, 130ff.)
Psalm 56, 6-8; 35, 1. 7
Nachdem David angesichts machtvoller Bedrohung Gott in den ersten Versen um Gnade gebeten hat, nachdem er seiner Angst die lebendige Hoffnung auf den Herrn entgegengestellt und deutlich gemacht hat, dass Gottes Wort ihm Halt und Zuversicht vermittelt, bittet er jetzt um ein gerechtes Gericht über seine Feinde. »Unablässig verdrehen sie, was ich sage, und überlegen, wie sie mir schaden können. Überall muss ich mit einem Hinterhalt rechnen. Sie beschatten mich und warten nur darauf, mich umzubringen. Gott, wirf diese Leute in deinem Zorn nieder! Sollten sie bei so viel Bosheit ungeschoren davonkommen? Du siehst doch, wie lange ich schon umherirre! Jede Träne hast du gezählt, ja, alle sind in deinem Buch festgehalten. Sobald ich dich um Hilfe bitte, werden meine Feinde kleinlaut den Rückzug antreten. Denn das weiß ich: du, Gott, bist auf meiner Seite« (Hoffnung für alle). David steht im Kreuzfeuer der Feinde. Die Angriffe scheinen kein Ende zu nehmen. Doch er erfährt mitten in aller Anfechtung: »Keiner Waffe, die wider dich gebildet wird, soll es gelingen; und jede Zunge, die vor Gericht wider dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen. Das ist das Erbteil der Knechte des Herrn und ihre Gerechtigkeit von mir aus, spricht der Herr« (Jes. 54, 17). Ein bekennender Kirchenmann, der in der ehemaligen DDR vielen Verleumdungen und Schikanen ausgesetzt war, antwortete auf die Frage, wie er die schwere Zeit durchgestanden habe, mit nur zwei Worten: »Gott weiß!« So besinnt sich auch David auf Gottes Gerechtigkeit und begreift, dass der Sieg der Gottlosen nur kurzlebig ist. Er weiß, Gott wird die Bosheit seiner Feinde richten. Sein Zorn ist die Antwort auf die Schuld der Menschen. Doch das Angebot zur Buße und Umkehr bleibt bis heute bestehen. (Lies Ps. 95, 7b. 8; Mark. 1, 14. 15; Joh. 6, 37; Apg. 2, 38; 3, 19; 1. Tim. 2, 4.)
Psalm 56, 9. 10; Lukas 7, 13
David schreibt diesen Psalm auf der Flucht vor Saul. Er irrt umher von einer Wüstengegend zur anderen, von einem Versteck zum nächsten, während Saul ihm ständig auf den Fersen ist. Doch jeder Schritt, den er mit klopfendem Herzen vorwärtseilt, wird von Gott gezählt. »Das ist dem Gott Vertrauenden Trost genug: Gott weiß um unser Umherirren. Gott kennt unser Leid, er vermag Mitleid zu haben, denn Christus hat selbst alles erlitten, was wir irgend erleiden können« (B. Peters; lies Hebr. 4, 15; 2, 17; Jes. 63, 9). Das gilt auch im Blick auf die weltweit verfolgte Christengemeinde in unseren Tagen dort, wo verspottet, gelogen, verleumdet, aufgehetzt, verletzt und gemordet wird mit Worten oder Taten. Gott weiß es. Er kennt die Situation bei den Christen, die um ihres Glaubens willen in Arbeitslagern in unmenschlichen Verhältnissen ihr Leben fristen müssen oder als Minderheiten Verfolgung erleiden. Trotzdem halten viele an Jesus Christus als ihrem Herrn und Heiland fest. (Siehe Matth. 5, 10-12; 1. Petr. 4, 12-14.) Wir können gewiss sein, dass Gott weiß, wie viele Menschen um seines Namens willen leiden. Er zählt ihre Schritte und sammelt ihre Tränen in seinen Krug. Er weiß um sie, um ihre kleine Kraft und die große Last, und er schiebt seine Schulter mit unter diese Last! Welch ein Trost in schwerer Zeit! »Festhalten an Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, trotz aller Anfeindung, befreit von Furcht und beflügelt mit Hoffnung. An Jesus Christus zu glauben, bedeutet nicht unbedingt, in jeder Hinsicht glücklich zu sein, sondern in Christus etwas zu finden, was einem noch wichtiger ist als das eigene Glück« (H.-J. Eckstein; lies Röm. 8, 17. 18; Kol. 2, 1-3; Eph. 1, 18. 19; Phil. 3, 8. 10).
Psalm 56, 10; Römer 8, 31
»Dann müssen meine Feinde weichen, am Tag, da ich rufe; das weiß ich: Gott ist für mich!« »Am Tag, da ich mich fürchte« (V. 4) ist sprachlich gleich aufgebaut wie »am Tag, da ich rufe« (V. 10). Hier können wir von David lernen: Er bewältigt die Tage beklemmender Angst, indem er zu seinem Gott ruft. Er wendet sich in seiner Hilflosigkeit an ihn. Er praktiziert wiederholt in den von Angst geprägten Situationen seines Lebens diese einzigartige Möglichkeit, den lebendigen Gott anzurufen und um seine Hilfe zu bitten. »Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer« (Ps. 22, 12; lies Ps. 4, 2; 25, 16-20; 61, 3-5; 138, 3. 7; 142, 2-4). David erfuhr unzählige Male, dass seine Feinde den Rückzug antreten mussten, weil Gott vom Himmel her eingriff. Die spannende Begebenheit in 1. Samuel 23, 14-28 schildert solch ein Eingreifen Gottes in letzter Minute. »Das weiß ich«, betont David. Er ist sich ganz sicher, dass Gott ihm zur Seite steht. Der Herr hat ihn zum König erwählt, und er wird mit ihm zum Ziel kommen, auch wenn es zeitweise ganz anders aussieht. Gott verliert keinen, den er erwählt hat und der sich zu ihm hält, aus den Augen. Solch schwierige Umstände, wie David sie hier erlebt hat, führen oft zu einer tieferen Verbundenheit mit dem Herrn. Sie sind zu vergleichen mit einem vom Sturm kräftig geschüttelten Baum. Die Voraussetzungen für künftiges Wachstum und Fruchtbarkeit liegen darin, dass er seine Wurzeln immer tiefer in den Boden einsenkt. Können wir uns noch ins Gebet und Bibellesen vertiefen allein und gemeinsam? Dann werden wir zu solchen Menschen, die wachsen und reifen und für andere zu einem Rast- und Ruheplatz werden. Bestätigt finden wir dies in Psalm 1, 1-3; Jesaja 58, 11 und Jeremia 17, 7. 8.
Psalm 56, 11. 12; 18, 2-4
David wiederholt die Worte, die er bereits in Vers 4 ausgesprochen hat. Er möchte es seinen Lesern tief einprägen, dass es sich lohnt, seine Hoffnung ganz auf Gott zu setzen: »Auf Gott sein Wort rühme ich auf den Herrn sein Wort rühme ich auf Gott vertraue ich, ich werde mich nicht fürchten; was kann ein Mensch mir tun?« David schätzt Gottes Worte ganz hoch ein, weil er weiß, der Herr steht zu seinen Versprechen. David hält an Gottes Wort fest, auch wenn manche Wegstrecke so anders aussieht, als er sie sich gedacht hat, unverständlich, steil und beschwerlich. Und wir? Wenn wir keine Hilfe erfahren, was dann? Solch Fragenden schrieb Martin Luther ins Stammbuch: »Wenn nicht geschieht, was wir wollen, dann geschieht, was besser für uns ist.« David könnte sich an manchen Stellen seines Lebens Josef anschließen und sagen: »Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um . . . ein großes Volk am Leben zu erhalten« (1. Mose 50, 20). Die tiefe Gewissheit, dass Gott es gut macht, fand weder Josef noch David in sich selber, sondern allein in Gott, dessen Wort ewige Gültigkeit hat und niemals in die Irre führt. »Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen « (Spr. 3, 5. 6; lies Ps. 20, 7. 8; 84, 13). Der Komponist und Kapellmeister Johannes Eccard (1553-1611) dichtete: »Dein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiss, was es verspricht, im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein, und ich bin dein, dir hab ich mich ergeben.«
Psalm 56, 13. 14; 35, 18
Am Ende von Psalm 56 erinnert sich David an sein Versprechen, das er Gott gegeben hat: »Ich habe dir, Gott, gelobt, dass ich dir danken will.« Danken wenn man derart heftig und niederträchtig angegriffen wird, kann man dann noch danken? »Auf der einen Seite: Feindschaft mächtiger Hasser, quälende Furcht und Todesangst, Heimatlosigkeit, Tränen. Auf der anderen Seite: Vertrauen auf Gott, Lobpreis seines machtvollen Wortes, das Wissen um seine Barmherzigkeit, aber auch um sein Gericht über die Feinde« (H. Brandenburg). Dankbarkeit ist nichts anderes als der Ausdruck des Vertrauens Gott gegenüber, auch in schweren Zeiten. Der Dankbare sagt: »Gott, ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir, und darum danke ich dir.« Der englische Pastor C. H. Spurgeon schrieb: »Ich fürchte, dass die Gnade, die ich in meinen sorgenfreien, angenehmen und glücklichen Stunden empfangen habe, einen Penny wiegt, aber das Gute, das ich empfangen habe durch Leiden, Schmerz und Trauer, nicht berechenbar ist. Was schulde ich nicht dem Hammer und dem Schmiedestock*, dem Feuer und der Feile in meinem Leben! Anfechtung und Leid sind die wertvollsten Einrichtungsgegenstände in meinem Haus. Ich habe Gott kennengelernt wie nie zuvor. Darum kann ich Gott danken im Leid, denn Gott weiß, was er tut.« »Paulus rät der Gemeinde in Thessalonich: Sagt in allem Dank, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch! Ich werde oft gefragt: Was ist der Wille Gottes für mein Leben? Ich weiß haargenau: Sag in allem Dank dem Herrn. Er ist nur interessiert, dass du Danke sagst. Wenn du aufhörst, Danke zu sagen, sehen Menschen dich an und sie sehen nichts von Jesus, obwohl du ihn kennst. Wenn du lernst, Danke zu sagen, sehen Menschen dich an, und sie sehen ein Stück von Jesus« (H.-P. Royer; lies 1. Thess. 5, 18; Eph. 5, 20; Phil. 4, 6). * Der Schmiedestock ist ein stabiler Baumstumpf, an dem man auf angebrachten Eisen mit unterschiedlichen Hämmern Edelmetalle schmiedet und formt.
Psalm 56, 13. 14; 50, 23
Dankbarkeit ist eine Herzenshaltung Gott gegenüber. Sie will eingeübt werden. »Was sind Ihre ersten Gedanken am Tag? Ich kenne Zeiten, in denen es mir schwerfällt, die vielen bedrängenden Gedanken abends abzulegen. Doch wer mit dunklen Gedanken einschläft, wird schnell merken, dass diese in der Nacht nur noch mehr bohren und morgens gleich nach dem Weckerklingeln wieder hellwach da sind. Allein mit gutem Willen und Einreden ist es nicht getan. Gedanken sind Mächte, die uns beleben oder nach unten ziehen. In solch einer Phase stieß ich zufällig auf ein mir damals noch unbekanntes Lied im Evangelischen Gesangbuch: Mein erst Gefühl sei Preis und Dank, erheb IHN, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, lobsing IHM, meine Seele (EG 451)! Das erregte meine Aufmerksamkeit, war es doch genau das, was ich wollte, aber mir so schwerfiel. Strophe für Strophe inhalierte ich das Lied und spürte, dass die alten Worte genau das wiedergaben, was mein Gebet und Wunsch war. Wochenlang lag das Gesangbuch aufgeschlagen über meiner Bibel, und Morgen für Morgen betete ich diese Strophen. Heute kann ich das Lied auswendig und habe mir angewöhnt, gleich nach dem Aufwachen Strophen daraus zu beten« (F. Geiß). Wenn David zurückschaut auf sein Leben, bleibt ihm der Dank: » . . . denn du hast mein Leben vom Tod errettet.« Mit seiner schützenden Hand hält der Herr uns fest, wenn wir in Gefahr sind auszugleiten. Aber das andere gilt auch: Er errettet Menschen vom ewigen Tod, der immerwährenden Gottesferne. Es ist Gnade, dass er unsere Füße vom Weg des Todes, den wir gewählt haben, auf den Weg des Friedens gelenkt hat (Spr. 14, 12; Luk. 1, 78. 79). Das verdanken wir ihm allein, und deshalb gehört ihm aller Dank und alle Anbetung. (Lies Ps. 103, 2-4; 1. Petr. 1, 3. 4; 1. Kor. 15, 57.)
Psalm 36, 8-10; 56, 14; 116, 9
Errettung geschieht nicht ausschließlich zur Freude für uns selbst, sondern auch zum Zeugnis für die Menschen in unserer Umgebung. David sagt: » . . . dass ich wandeln kann vor dem Angesicht Gottes im Licht der Lebendigen. « Sie sollen wahrnehmen, dass er im Bewusstsein der Gegenwart Gottes lebt. Schon bei Abraham können wir das beobachten. Gott rief ihn aus Ur in Chaldäa, damit er nicht mehr seinen eigenen Gedanken und den Götzen nachfolgen, sondern vor Gottes Angesicht leben sollte. (Vgl. 1. Mose 17, 1. 2; Jos. 24, 2. 3.) Als Gott Abraham das Gericht über Sodom und Gomorra ankündigte und ihn das tief betroffen machte, »blieb Abraham vor dem Herrn stehen« (1. Mose 18, 22). Auch sein ältester Knecht berichtete von dieser vertrauensvollen Beziehung, die Abraham zu Gott hatte: »Er (Abraham) sprach zu mir (dem Knecht): Der HERR. vor dem ich wandle, wird seinen Engel mit dir senden und Gnade zu deiner Reise geben« (1. Mose 24, 40). Welch eine Zuversicht und Gewissheit über Gottes wunderbare Führung schwingen in diesen Worten mit! Abraham kannte seinen Gott, er vertraute und gehorchte ihm, darum wurde er auch »Freund Gottes« genannt (Jak. 2, 23; 2. Chron. 20, 7; Jes. 41, 8). Mit seinen letzten Worten auf dem Sterbebett machte David seinen Sohn Salomo auf das Leben in der Gegenwart Gottes aufmerksam: »Sei getrost und sei ein Mann und diene dem Herrn, deinem Gott, dass du wandelst in seinen Wegen und hältst seine Satzungen, . . . damit der Herr sein Wort erfülle, das er über mich geredet hat: Werden deine Söhne auf ihre Wege achten, dass sie vor meinem Angesicht in Treue und von ganzem Herzen und von ganzer Seele wandeln, so soll dirs niemals fehlen an einem Mann auf dem Thron Israels« (1. Kön. 2, 2b-4). Mit David können wir dankbar Psalm 16, 8-11 beten.
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