Dieser Abschnitt zeigt deutlich, dass niemand Christ sein kann ohne den Heiligen Geist. Paulus betont: Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz. Christus hat uns zur Freiheit berufen. Der Mensch, der an das Gesetz glaubt, fragt hier natürlich sofort: Kann man dann also tun und lassen, was man will Hauptsache, man glaubt? Genau das kann man eben nicht. Wer an Christus glaubt, hat den Heiligen Geist bekommen. Dieser Geist ist Gottes Kraft, die in den Glaubenden wirkt, die sie leitet und prägt. Die Freiheit ohne den Heiligen Geist führt ins Chaos. Sie ist missbrauchte Freiheit, die zum Vorwand für die IchSucht wird. Das »Fleisch« gemeint ist unser alter Mensch ist ja immer noch da. Die »Werke des Fleisches« sind offenkundig: Streit, Neid, Jähzorn, Geltungssucht, Intrigen, Unversöhnlich keit, Götzendienst, Schamlosigkeit, Unzucht . . . Wenn wir an Jesus glauben, erleben wir einen ständigen Krieg zwischen dem Geist Gottes und unserem alten Menschen. Dieser meldet sich immer wieder zu Wort. Aber er »ist mit Christus gekreuzigt« (Röm. 6, 6a). Dort ist das Urteil über ihn ergangen, und dieses Urteil bejahe ich, wenn ich glaube. Es kann passieren, dass der alte Mensch sich wieder selbstständig macht und uns überrumpelt. Auch ein echter Christ kann sündigen. Auch ein echter Christ braucht ständig neu die Vergebung. Aber solange wir glauben, herrscht der Geist in uns, und der alte Mensch wird ständig neu eingefangen und ans Kreuz gebracht. Letztlich kann er seinen Willen nicht durchsetzen. Trotz der Sünde, die immer noch in uns ist, und trotz der vielen Fehltritte, die wir immer noch begehen, leben wir ständig in der Vergebung. Wir dürfen ununterbrochen Gottes Kinder sein. Das ist die herrliche Freiheit, zu der Christus uns befreit hat.
Auch Menschen, die sich lieb haben, können in eine Krise geraten, wenn einer dem anderen Schweres zumutet, das nicht nach Liebe aussieht. Bei den bisherigen Beispielen ging es darum, was von der Seite des Menschen die Beziehung zwischen ihm und seinem Gott gefährden kann. Hier soll es jetzt um eine Forderung gehen, die der Herr stellt, und Menschen, die ihm vertrauen, in die Krise führen kann. Gott mutet den Seinen manchmal Schweres zu, sodass es zunächst unmöglich erscheint, an dem Wissen fest zuhalten, dass seine Liebe groß und unveränderlich ist. Das erlebte auch Johannes Busch: »Selten hat es wohl so einen glücklichen Familienvater gegeben. Jedes Kind wurde mit strahlender Freude begrüßt. Neben seiner großen Arbeit als Bundeswart des westfälischen Jungmännerbundes (CVJM) hatte Johannes Busch noch Zeit für seine Familie. Nach glücklichen Jahren kam dann das schwerste Leid: Gott nahm ihm seine Frau. Nun steht er am Grab dieser geliebten Frau. Er hat ihr treu beigestanden bis in ihre Sterbestunde hinein. Jetzt will er selber die Grabrede halten. Ist das denn überhaupt menschen möglich? Erschütternd traurig stehen die sechs Kinder neben ihm, als er mit fester Stimme beginnt: >Auf diesem Friedhof habe ich vielen Tausenden die Botschaft vom Lebensfürsten gesagt. Vielleicht habt ihr dabei gedacht: An dich ist's ja noch nicht gekommen, sonst würdest du wohl anders reden. Aber nun ist's an mich gekommen, nun habt ihr das Recht zu fragen: Bleibst du bei deiner Botschaft?< In atemloser Stille steht die Gemeinde der Trauernden, als er bekennt: >Ich bleibe bei der Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus!< Und es geht durchs Herz, als nun dieser geschla gene Mann zum Zeugen der Herrlichkeit des Evangeliums wird« (E. Busch). Bleiben wir auch in schweren Zeiten dabei: Sein Tun ist lauter Segen? (Lies Röm. 8, 28. 29; Hiob 23, 10.)
Im Wort Gottes finden wir Menschen, denen Gott Schweres zumutete. Paulus hatte es nicht leicht, und er konnte dennoch bezeugen: »Nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, nichts« (Röm. 8, 38. 39). In allem Schweren war er dennoch guten Mutes, weil er wusste, dass Gott ihn liebte. Obwohl Gott seinem Diener den »Pfahl im Fleisch« nicht wegnahm, vertraute Paulus den noch auf Gottes Gnade. (Lies 2. Kor. 12, 710.) Dieses DennochVertrauen finden wir auch bei Asaf. Obwohl er seinen Gott und die Umstände, die Gott zugelassen hatte, nicht verstehen konnte, vertraute er dem Herrn. In Psalm 73 zählt er die Beweise der Liebe seines Gottes auf: »Du hältst mich, du leitest mich, du nimmst mich an. Herr, wenn ich nur dich habe!« In Gottes Augen ist es sehr wertvoll, wenn ein Kind Gottes in schweren Zeiten unbeirrbar daran festhält, dass seine Liebe nicht aufhört. Darum mahnt Judas in seinem Brief: Vergesst nicht, dass ihr geliebt seid von eurem Gott! Vergesst es auch nicht in schweren Zeiten! Denen, die Gott lieben, wird Leid nicht erspart. »Auch viele Christen haben eine Leidensgeschichte. Es gibt viele, die in der JesusNachfolge leben und eine einzige Leidensgeschichte haben, deshalb müssen wir grundsätzlich festhalten: Christen haben bei ihrem Christwerden keine Leidensverhin derungsVersicherung abgeschlossen. Es geht bei Christen nicht nach dem Motto: Es muss uns jeden Tag gut gehen. Wer vom Schritt zum Glauben Leidensfreiheit erwartet, wird enttäuscht. Gott packt uns nicht in Watte. Jesus will keine Genießer, er will Genossen, Weggenossen, die als seine Nachfolger mit ihm gehen.Oft können Christen in manchen Lebenssituationen nichts anderes sagen als >Kyrie eleison< >Herr, erbarme dich unser<« (P. Hahne). (Lies Ps. 55, 23; 46, 24.)
Gott mutet den Seinen manche Last zu. Er ist Gott und handelt souverän als der Allwissende, Allmächtige und Liebende. Das heißt, dass wir im Leid längst nicht für alles eine Erklärung finden. Doch wir sollen es erleben: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir sehen oft nur die Last, die wir zu tragen haben, und nicht Gottes liebevolle Hilfe. Wenn wir sein Mit tragen bewusst wahrnehmen, dann werden wir für andere ein Zeugnis sein können. Wir lenken dabei den Blick auf den, der uns mit unseren Lasten trägt und uns von der größten Last, der Sündenlast, befreit hat. Unser Herr verfolgt ein hohes Ziel mit uns. Die Bestimmung der Kinder Gottes ist es, dass wir umgestaltet werden in das Bild unseres Herrn Jesus Christus. Dieses UmgestaltetWerden ist mit Schmerzen verbunden. Kann Gott in schweren Zeiten dieses Werk an uns tun? »Gott packt seine größten Segnungen in dunkle Verpackungen« (C. H. Spurgeon). Wenn unser Herr uns schwere Führungen zumutet, sind wir in die Entschei dung gestellt: Wir können es lernen, das Schwere anzunehmen, oder wir können sagen »Annahme verweigert«. Doch dabei muss es nicht bleiben. Denn die Not wird zur Segensquelle, wenn wir uns Gottes umgestaltender Hand anvertrauen. »Gott liebt uns so sehr, dass er uns auch wehtun kann: Im Leid arbeitet Gott besonders an uns, das ist oft schwer. Schauen wir einmal auf etwas besonders Wertvolles, auf einen Diamanten. Roh aus dem Erdreich gebrochen, ist er ein unscheinbares Material, erst durch Schleifen und Polieren wird aus ihm ein funkelnder und wunderschöner Edelstein« (P. Hahne). (Lies Mal. 3, 3; Jes. 48, 10; 1. Petr. 1, 7.)
»Am Diamanten muss gearbeitet werden, um ihm seinen echten Wert zu geben. Genauso arbeitet Gott an uns, nicht um uns zu quälen, sondern um aus uns etwas Kostbares zu machen« (P. Hahne). »Was böse scheint, ist gut gemeint, er ist doch nimmermehr mein Feind und gibt nur Liebesschläge« (P. Spitta). Das Wissen um die Liebe unseres Herrn sollten wir in den schwe ren Zeiten und auf dunklen Wegen nicht vergessen. (Lies Ps. 116, 7; Joh. 16, 27.) 3. Und unsere Liebe? »Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt« (1. Joh. 4, 19). »Das Lieben ist nicht unsere Erfindung und unsere Kunst, wir können nur lieben, weil Gottes Liebe uns gilt. Aber eben darum ist es eine wichtige Vorausset zung, dass wir uns geliebt wissen und ständig in diesem Bewusstsein leben und uns als Geliebte sehen. Und wenn wir es zu manchen Zeiten nicht fühlen, dann wollen wir es aufgrund der Zusagen im Wort glaubend und dankend für uns nehmen und nicht vergessen: Ich bin geliebt. Aus dem Staunen darüber, aus dem Bedenken der Kostbarkeit dieser Liebe, wird unsere Liebe zu ihm gespeist. Wir lieben, weil er als Erster uns liebte« (W. de Boor). Und Spurgeon schreibt zu 1. Johannes 4, 19: »Planeten strahlen nur das Licht zurück, das ihnen von der Sonne zuströmt, so geht aus dem menschlichen Herzen keine wahre Liebe zu Jesus hervor, die ihm nicht von dem Herrn Jesus selber zufließt. Aus diesem überströmenden Quell der Liebe Gottes entspringt unsere Gottesliebe. Die Flamme der Liebe in unseren Herzen kann nur durch seine Liebe und durch den Geist Gottes entzündet werden. Es ist die Wahrheit, dass wir ihn aus keinem anderen Grunde als dem lieben, dass er uns zuerst geliebt hat.« (Lies Ps. 18, 2. 3; 31, 24; 2. Thess. 3, 5.)
Lassen wir die Liebe zu unserem Herrn manchmal verkümmern und von anderem überwuchern? Es gibt vieles, was unsere Liebe zum Herrn lahm legen will. Es kann aus einer tiefen persönlichen Beziehung, in der die Liebe der treibende Motor ist, eine sachliche Beziehung werden, der die Unmittelbarkeit der Verbindung fehlt. Es läuft alles korrekt, aber die Liebe ist nicht mehr da, der Form nach existiert alles, was zum Leben eines Christen und einer Gemeinde gehört, ein klares Bekenntnis zu ihm, gesunde Verkündigung und rechter Dienst. Aber das alles wächst nicht mehr aus der Liebe zu Jesus, aus dem verborgenen Umgang mit ihm, aus der engen Gemeinschaft mit ihm selbst. Aus dem, was einst unmittelbares Leben mit Jesus selbst war, sind Sachwerte geworden, die man aufrechterhält und pflegt, aber es sind nicht mehr die lebendigen Lebenslinien, die aus der Gemeinschaft mit Christus »leben«. Von außen sieht noch alles aus wie einst, und doch hat sich etwas Grundlegendes verändert. Das galt auch für die einst so vorbildliche Gemeinde in Ephesus. Sie hatte die erste Liebe verlassen. Damit meinte der Herr nicht die Liebe aus der Anfangszeit; er sprach vielmehr von der Liebe, die bei allem, was gelebt und getan wird, an erster Stelle steht: die persön liche Liebe zu ihm. Für sie gibt es keinen Ersatz. Wenn sie fehlt, ist ein Mangel da, der durch keine Vielgeschäftigkeit, keinen Betrieb in Werken und Veranstaltungen religiöser Art, auch nicht durch Begeisterung und theologische Gelehrsamkeit ersetzt wird. Was nicht aus dieser Liebe für den Herrn getan wird, bei allem, was wir tun, ist in seinen Augen längst nicht so wichtig, wie wir es für wichtig halten können. Wichtig ist ihm unsere Liebe. (Lies Ps. 84, 113.)
Weil Gott uns liebt, können wir auch einander lieben. »Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er euer Werk und eure Bemühungen in der Liebe vergäße, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, indem ihr seinen Heiligen dientet und noch dient.« Der Schreiber des Hebräerbriefes bestätigt seinen Emp fängern, dass sie anderen aus Liebe zum Herrn gedient haben und dienen. Diese praktische Liebestätigkeit ist ein Ausdruck ihres Glaubens und ihrer Liebe zum Herrn. »Für alles wahrhaft christliche Denken ist es wesentlich, dass Gabe und Aufgabe, Indikativ und Imperativ unlöslich zusammenge hören. Wer die Liebe Gottes wirklich erfährt und annimmt, der kann doch eigentlich gar nicht anders, als nun auch seinerseits zu lieben. Und doch können wir leider auch immer wieder lieblos sein und brauchen die ein dringliche Erinnerung, die vor allem Johannes in seinen Briefen deutlich anspricht. >Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der ist nicht imstande Gott zu lieben, den er nicht sieht< (1.Joh.4,20). Hier könnte man einwenden, dass es leichter ist, den liebenden Gott zu lieben als den Bruder oder die Schwester, die wir ganz nahe und sichtbar bei uns haben mit ihren Fehlern und schwierigen Seiten. Von der Liebe zu Gott ist leichter zu reden, weil sie ja nicht nachzuprüfen ist wegen seiner Unsichtbarkeit. Aber eben dazu sagt Johannes, dass sie nachprüfbar ist und festzustellen an der Liebe zum anderen. Wenn sie da nicht vorkommt, dann gibt es sie nicht, dann ist das Reden davon eine Lüge« (W. de Boor). Wir wollen uns ermutigen lassen durch seine Liebe zu uns. »Lasset uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.« (Lies Joh. 13, 35; Röm. 12, 918; 15, 7; Phil. 2, 3.) leBen unter der führung gotteS (teil 1)
1. Warum es Wichtig ist, gottes Willen zu kennen Ein Leben unter der Führung Gottes hat etwas mit dem Erkennen von Gottes Willen zu tun. JesusNachfolger haben ein sehr großes Vorrecht, weil sie den allmächtigen Gott kennen und durch die Bibel seinen Willen erfahren. Selbst in den Fragen der persönlichen Lebensführung will Gott sie seinen Plan für ihr Leben erkennen lassen. Bei allem aber bleibt Gott der freie Herr, der jeden persönlich führt. Zunächst halten wir fest, dass Gott seinen Willen eindeutig in seinem Wort festgelegt hat. Gottes Wille ist erfahrbar und erkennbar beim Lesen und Beachten seines Wortes. Einige Beispiele aus der Schrift geben uns klare Auskunft: »Er will, dass allen geholfen werde« (1. Tim. 2, 4). Er will, dass die Seinen einander lieben (Joh. 15, 12) und »eins sind« (Joh. 17, 2023). »Gott will unsre Heiligung« (1. Thess. 4, 3). Der Herr will, dass wir in allen Dingen dankbar sind (1. Thess. 5, 18). Und schließlich offenbarte Gott sei nen Willen umfassend und grundlegend in den Zehn Geboten (2. Mose 20, 1ff). Wir stellen fest, dass durch diese ausdrücklichen Willenserklärungen Gottes schon ein sehr breites Spektrum unsrer Fragen nach seinem Willen abgedeckt ist. Wir wollen nun über zwei Willensäußerungen Gottes ausführ licher nachdenken: 1. Die Zehn Gebote Es sind Willensäußerungen, die Gott seinem Volk als Grundlage für sein religiöses und soziales Leben gab. Darüber hinaus sind sie eine ausgezeichnete Zusammenfassung des Willens Gottes zur Leitung der Menschen allgemein. Wir können sie bis heute mit Erfolg in der Führung von Menschen anwenden. Die Zehn Gebote sind die grundlegenden Satzungen für Menschen, die mit Gott leben wollen. Sie haben eine bleibende, besondere Bedeutung. Wenn das Leben gelingen soll, sind sie unentbehrlich, dass wir das Leben nach ihnen auszurichten. (Dazu Jer. 29, 11; 2. Mose 15, 26; 5. Mose 6, 17. 18; 1. Chron. 28, 8.)
Die Zehn Gebote geben uns Maß und Ziel für eine intakte Lebensführung und sind die ethische Grundlage für den reibungslosen Verlauf des Zusam menlebens in einer Gesellschaft. Ihr Wert liegt darin, dass sie von Gott selbst ausgesprochen wurden und mit seiner Handschrift verfasst sind. (Vgl. 5. Mose 4, 13; 5, 22.) Sie eignen sich vorzüglich dazu, unser Leben zu schüt zen und zu ordnen. Ordnen kann heißen, wieder eine Form in den ungeglie derten Ablauf der Zeit zu bringen. Vielleicht erleben wir unser Leben heute deshalb so chaotisch, weil nicht wenige Christen diese Grundsätze für ihre Lebensführung nicht mehr ernst genug nehmen. Wenn mein Leben geordnet, d. h. Gottes Geboten untergeordnet ist, kann ich auch andern helfen zu einer Neuordnung ihres Lebens. Es ist vor allem immer wieder diese »Unterordnung« unter Gott, an der wir uns reiben. Ein Ausleger nennt die Gründe dafür: »Wir wollen einen verfügbaren Gott, nicht einen, dem wir zur Verfügung stehen. Wir wollen einen verfügbaren Gott und nicht einen, der Gehorsam von uns fordert. Wir wollen einen verfügbaren Gott und nicht einen, der uns mit AnSprüchen gegenübertritt.« Wer sich aufmacht, um den Willen Gottes zu erkennen, muss sich zuerst einmal hinterfragen, ob er ihn denn wirklich wissen will. Die Erkenntnis seines Willens ist eng verknüpft mit unserer wirklichen Herzenshaltung. Wir wissen, welch ein Kampf da in uns toben kann. Am Volk Israel können wir beobachten, was es für Konsequenzen hat, wenn man den Willen des Herrn weder hören noch befolgen will. Im Grund wollten sie nur ihre eigenen Vor stellungen verwirklichen. Und wir? Immer wieder lesen wir in der Bibel von Menschen oder ganzen Völkern, die sich nicht an den Willen und die Gebote Gottes hielten. (Vgl. 2.Kön.17,16.) Wir finden aber großartige Verheißungen für diejenigen, die sie halten. (Dazu 5. Mose 28, 112; Spr. 3, 1. 2; 4, 4; 7, 2; 1. Joh. 5, 2. 3.)
Bei der Betrachtung der Zehn Gebote stellen wir fest, dass sie alle Lebens bereiche umfassen und bestimmen wollen: die Beziehung zu Gott, den wahren und falschen Gottesdienst, die Zeit, Autoritäten, den aktiven Schutz des Lebens, Ehe und Familie, den Besitz, das Reden. Gottes Gebote sind im wahrsten Sinn des Wortes lebensbejahend einfach gut. (Lies Ps. 19, 9; 111, 7; 119, 98; Spr. 19, 16.) Diese Grundsätze des Willens Gottes sind in ihren Aussagen außerdem stark »beziehungsorientiert«, weil wir Menschen bezie hungsorientierte Wesen sind und wir unsere Beziehungen, allen voran unsere Gottesbeziehung, immer wieder neu an den Maßstäben seiner Gebote prüfen sollten. Drei Fragen können uns dabei helfen: Was konkret ist in meinem Leben und Alltag ungeordnet? Lasse ich mein Dasein von Gott ordnen? Wo habe ich Mühe, göttliche Ordnungen zu akzeptieren? 2. Gott will, dass wir eins sind (Joh. 17, 20-23). Diese zweite, umfassende Äußerung des Willens Gottes ist eingebettet in das letzte große Gebet von Jesus für die Seinen. Es hat deshalb testa mentarischen Charakter. Was ist mit der Bitte des Herrn um Einheit seiner Jünger gemeint? Zunächst will Jesus sagen, dass er weiß, wie schwer wir in der wirklichen Verbundenheit miteinander bleiben, und wie bedroht jede menschliche Gemeinschaft immer wieder ist. Deshalb bedürfen wir in dieser Sache seiner Fürbitte. Es geht dem Herrn hier nicht um eine organisatorische Einheit, die mit äußeren Machtmitteln aufrechterhalten werden kann. Einheit ist nicht gleich Übereinstimmung gleichförmiger Gedanken oder der Zusammenschluss gleichartiger Empfindungen. Wenn Jesus von Einheit spricht, meint er etwas anderes als die allgemein üblichen Vorstellungen. Einheit, die Jesus meint, hat ihren Ursprung in der Einheit, wie sie zwischen dem Vater im Himmel und seinem Sohn besteht (Joh. 17, 21; 1, 18; Matth. 11, 27). Diese Einheit kennzeichnet: Liebe, Heiligkeit, Sündlosigkeit, Wahrheit, Treue, Barmherzigkeit, Licht, Freude, Gerechtigkeit, Gnade, Güte . . .
Es gibt einen Unterschied zwischen Zusammengehörigkeit und echter, vom Heiligen Geist gewirkter Einheit. Die Einheit, um die Jesus betet, ist kein Konformismus, d. h. Anpassungsbereitschaft an die vorherrschende Mei nung. Wie aber sieht biblische Einheit aus? So wie Vater und Sohn verschiedene Personen sind und doch miteinander durch die Liebe vereint, so soll auch die Einheit der Gemeinde sein. Jeder soll und darf die Persönlichkeit bleiben, wie Gott sie erschaffen hat. Dazu gehört auch, dass die Einzelnen unterschiedliche Erkenntnisse, Gaben und Aufgaben haben. Aber gerade in der Verschiedenheit wird die Liebe wirksam, die darauf achtet, für die Bedürfnisse der einen die Gaben und Kräfte der andern eintreten zu lassen. So entsteht ein »GemeindeKlima«, in dem man einander aufbaut, einander tröstet, einander ermahnt. (Vgl. Röm. 12, 4. 5; Kol. 3, 1417.) Diese geistliche Einheit ist entscheidend für die vollmächtige Wirksamkeit der Gemeinde in der Welt, und Jesus verfolgt mit ihr ein dop peltes Ziel: Die Welt soll erkennen, dass der Vater den Sohn zu ihr gesandt hat. Und die Welt soll die Liebe Gottes zu den Gläubigen erkennen, die ebenso tief und unvergänglich ist wie die Liebe zu seinem Sohn. Wenn Jesus der Einheit eine so große Bedeutung beimisst, wird deutlich, dass wir dafür verantwortlich sind, dass sie erfahrbar und zeugnishaft sichtbar wird. (Vgl. Röm. 12, 10. 16; Eph. 4, 3.) Aber wir können diese Einheit niemals aus uns selbst produzieren, sie liegt auch nicht in unserer eigenen Gemeinschaftskraft oder unserer persönlichen Verbundenheit. Nur die »Rebe am Weinstock« kann wirkliche Einheit leben. (Vgl. 1. Joh. 2, 6.) Es ist so ermutigend zu wissen, dass Jesus auch heute noch für uns betet. Er weiß nicht nur, wie es uns persönlich geht, sondern auch, wie es um die Einheit in unserer Gemeinde steht.
Die Bibel weist uns vielfältig darauf hin, warum die Erkenntnis des Willens Gottes solch große Bedeutung hat. · Wer Gottes Willen kennt, wird nicht mehr »unmündig« sein und sich von »jedem Wind der Lehre bewegen und umhertreiben lassen.« Seinen Willen zu kennen, gibt Standfestigkeit. (Vgl. Eph. 4, 1114.) · Gottes Willen zu kennen, ermöglicht uns, das Ziel unseres Glaubens zu erreichen und mit göttlichem Frieden erfüllt zu sein. (Vgl. Jer. 29, 11.) · Wenn wir Gottes Willen kennen, haben wir den rechten Maßstab, um zu prüfen, was Gott wohlgefällig ist. (Vgl. Ps. 32, 810; 37, 4.) · Wer nach Gottes Willen zu leben versucht, erfährt fortlaufend die Erneuerung seines Sinnes. (Vgl. Röm. 12, 2.) Im Kolosserbrief finden wir noch eine weitere grundsätzliche Aussage zu dieser Thematik. »Darum lassen wir auch von dem Tag an, an dem wir`s gehört haben, nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass ihr des Herrn würdig lebt, ihm in allen Stücken gefallt und Frucht bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut« (Kol. 1, 911). Das Bitten um die rechte Erkenntnis gibt unserem Leben die richtige Ausrichtung. Denn wer dem Willen Gottes gemäß lebt, wird zu reifem Christsein heranwachsen. (Lies Eph.4,15; 2.Petr. 3, 18.) Zusammenfassend stellen wir fest, dass Gott seinen Willen für ein gelingen des Leben in seinem Wort offenbart hat. Jesus unterstützt uns durch sein unablässiges Beten, damit wir diesem Willen entsprechend leben können. Wir merken außerdem, dass, wer den Willen Gottes tut, Zeugnis von seiner Größe, Macht und Liebe ablegt. Dies bewirkt geistliches Wachstum und Reife.
2. Jesus unser Vorbild im hören auf gott Von Jesus können wir lernen, was es bedeutet, unseren praktischen Alltag auf den göttlichen Willen auszurichten. Für ihn war das Tun des Willens Gottes genauso lebensnotwendig wie das tägliche Brot. Ja, er bezeugte sogar, dass er nichts ohne den Vater tun konnte. Jesus hatte auch gelernt, dass die Ausführung des Willens Gottes zu dem vom Vater gesetzten Zeit punkt geschehen muss. Deshalb steht bei Jesus vor jedem entscheidenden Schritt das Gespräch mit dem Vater. Er hörte auf Gott, auch dann, wenn ihn die Härte des göttlichen Willens traf. Er wusste, dass es ganz besonders auf die innere Einstellung ankommt. (Vgl. Joh. 7, 6; Luk. 2, 49; 6, 12. 13; Matth. 26, 3646.) Man könnte um diese Feststellungen eine große Klammer setzen, weil sie alle eine Aussage machen: Jesus war ein Hörender. Er wollte und musste auf den Vater hören, um seinen Willen zu erkennen. Dieses »innere Muss« wird auch für uns der Schlüssel sein, um Gottes Leitung zu erfahren. Wir können also von unserem Herrn vor allem das Hören auf den Vater lernen. Wer den Willen Gottes für sein Leben sucht, muss »hörwillig« sein. Je vorurteilsloser und demütiger wir sein Wort lesen, desto größer wird unsere Empfänglichkeit für sein Reden. Es ist kein akustisches Hören, sondern ein inneres, intensives Horchen. Hier empfangen wir Weisung und Kraft, dem Reich Gottes zu dienen. Dieses Horchen ist also kein Selbstzweck. Der Apostel Paulus hat diese Art des Hörens praktiziert und dadurch sein Leben von der Führung und den Weisungen des Heiligen Geistes abhängig gemacht. (Dazu Apg. 16, 610; 18, 9f; 19, 21f; 20, 22.)
Rede, Herr, ich höre! Ein Christ unserer Tage sagte dazu: »Wenn der Mensch horcht, redet Gott. Wenn der Mensch gehorcht, handelt Gott. Es geht nicht darum, dass wir Gott Ideen geben. Es geht darum, dass er uns Weisung gibt.« Wir sollten uns auch immer wieder prüfen, ob wir wirklich auf Gott hören wollen, und ihm am Tag Gelegenheiten einräumen, zu unserem Her zen zu reden. (Siehe 4. Mose 9, 8; 1. Sam. 3, 10; Ps. 85, 9.) Das Erkennen seines Willens und die Erfahrung göttlicher Führung sollten für uns zu einer normalen Erfahrung werden. Wenn wir in der Stille vor Gott sind, können uns viele unruhige Gedanken durch den Kopf gehen. Wie kommen wir zur Ruhe, um Gottes Stimme hören zu können? Es kann hilfreich sein, wenn wir unsere Gebete, die biblischen Texte und die Auslegung mit unserer Stimme hörbar zum Ausdruck bringen. Manches können wir auch schriftlich festhalten: Erkenntnisse, Fragen, konkrete Gehorsamsschritte, Bibelworte, die uns unmittelbar angesprochen haben. Vielen ist es auch eine Hilfe, Dinge, die noch zu erledigen sind, auf einen ExtraZettel zu notieren. Das entlastet und hilft, uns auf das Wort Gottes zu konzentrieren. Zur Sammlung unserer Gedanken kann, z. B. zu Beginn unserer »Zeit mit Gott«, auch ein Lied helfen, das wir singen, summen oder sprechen. Von unserem Herrn Jesus Christus lernen wir, dass wir in »Blickkontakt« mit dem Vater bleiben. In allem Arbeitstrubel gibt es immer wieder kleine »Zeit nischen«, in denen wir »Blitzgespräche« mit ihm haben dürfen: z. B. bei mechanischen Arbeiten, in Wartezeiten, im Auto, in öffentlichen Verkehrs mitteln... Es sind die kleinen Augenblicke, in denen wir dankbar und bittend mit unserem Herrn im Gesprächskontakt bleiben. Wir müssen uns hier nicht unter einen Leistungsdruck bringen, sondern in unserem Herzen einfach mit Jesus sprechen. (Vgl. Ps. 119, 164; Neh. 2, 4. 5; Dan. 6, 11; Luk. 2, 49.)
Jesus hatte während seines Erdenlebens erfahren, dass »Gott einen Plan für die großen Dinge hat, aber auch für die kleinen, und er sogar den rechten Zeitpunkt, wann das Richtige getan werden soll, nennt« (K. Bockmühl). (Siehe Joh. 2, 24.) Jesus sagte von sich selbst: » . . . so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat« (Joh. 5, 30). Auch wenn der Herr einen persönlichen Willen besaß (Joh. 17, 24), orientierte er sich beständig am Willen seines Vaters. »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn« (Joh. 5, 19; vgl. Joh. 4, 34; 17, 4; 18, 11; Matth. 6, 10; 26, 42). Jesus blieb im Willen Gottes. Das ist auch der Weg für uns. (Lies Joh. 8, 31; 15, 5; 1. Joh. 2, 17.) Unser Herr war beständig bereit, göttliche Weisungen zu empfangen. »Und er lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam« (Hebr. 5, 8; Phil. 2, 8). Jesus gab eigenmächtigem Handeln keinen Raum. Er suchte nicht, sich selbst zu verwirklichen. Er orientierte sich auch nicht an der öffentlichen Meinung, sondern an dem, was der Vater sagte. Bei ihm finden wir beides miteinander verbunden: Abhängigkeit von Gott und Freiheit von Menschen. Eva von TieleWinckler, die Gründerin der FriedenshortSchwesternschaft im oberschlesischen Miechowitz (heute Polen), notierte einmal: »Sei kindlich abhängig von Gott und königlich unabhängig von den Menschen, von ihrem Urteil, Lob oder Tadel. Bist du deiner Sache vor Gott gewiss, so gehe unerschrocken voran als ein Herold der Wahrheit und verkörpere sie in deinem Leben.«
Wenn Jesus Menschen heilte, sie tröstete und ermahnte, wenn er in den Synagogen, im Tempel und seine Jünger in aller Stille lehrte, tat er es in der Abhängigkeit vom Vater. Immer wieder zog er sich zurück, um auf den Vater zu hören. Er wollte, obwohl er göttlicher Natur ist, »nur« der Gesandte Gottes sein. Als er seinen Dienst in der Öffentlichkeit antrat, gab er in der Synagoge zu Nazareth bekannt: »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn« (Luk.4,18.19). Dieses »Gnadenjahr« war jetzt angebrochen, und Jesus verkörperte die Gnade und Liebe Gottes, die sich auf den Weg machte, »zu suchen und zu retten, was verloren ist« (Luk. 19, 10; vgl. Hes. 34, 16). Auch wir sind Gesandte Gottes, die die verlorenen Menschen aufsuchen, um sie für Christus zu gewinnen. Was gilt es zu beachten? Wir müssen: · Im Wort Gottes verwurzelt sein Auf das Wort des Herrn zu achten heißt, dass unser Hören vor unserem Tun rangieren sollte. Denken wir an die beiden Schwestern Maria und Marta in Betanien. Wir lesen Lukas 10, 3842. Jesus spielt hier nicht das Hören gegen das Tun aus. Arbeiten braucht seine Zeit und Hören braucht seine Zeit. Wenn Jesus Marta tadelt und Maria lobt, hat er die Reihenfolge im Auge: Zuerst kommt das Hören, dann die Arbeit wie auch die Gnade Gottes vor den Werken rangiert.
· Hören, wie Jesus hörte Wir lernen von Jesus, nicht aus uns selbst zu handeln, sondern sorgfältig auf den Willen des Vaters zu hören und zu achten. Er will auch uns nach seinem Willen führen und leiten. Um das zu erfahren, müssen wir Zeit investieren, einfach Jesus zuhören, und durch seinen Geist wird er zu uns reden. »Es kann jeden Augenblick beim Beten geschehen, dass wir neu in Gedanken in die Nähe des Vaterherzens Gottes zurückfinden, und dann ist alles gut« (R. Albrecht). Wenn wir auf die Stimme des Herrn hören, geht es nicht nur darum, selber im Glauben zu wachsen und zu reifen, sondern vor allem darum, dem Willen Gottes gehorsam zu werden, »welcher will, dass . . . alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen«. Er öffnet unser Ohr, weil er will, dass wir sein Evangelium in der ganzen Welt verkündigen sollen. Wir müssen uns immer wieder der Frage stellen, ob wir unser persönliches Verlangen nach Wegweisung nur mit uns selber in Berührung bringen oder ob wir erfasst haben, dass es um viel mehr geht? »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, . . . und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde« (Apg. 1, 8). Hören, wie Jesus hörte, bedeutet, dass wir seinem Geist auch wirklich Raum geben. (Vgl. Joh. 14, 26; 16, 13.) Der Heilige Geist wird ständig auf die Worte und Lehre des irdischen Jesus Bezug nehmen und sie uns erklären und uns zum Gehorsam stärken. (Siehe Röm. 8, 26; Matth. 10, 20; 1. Petr. 1, 12.) Der Heilige Geist wird also niemals etwas Neues erfinden, wenn er zu uns redet. Der Inhalt seiner Botschaft wird immer identisch sein mit der Lehre von Jesus und seinen Aposteln (Matth. 28, 20a; Apg. 2, 42). todeS- und leBenSgemeinSchaft mit chriStuS rÖmer 6, 1-23
In den beiden Schlussversen von Kapitel 5 stellt der Apostel Paulus der GroßMacht der Sünde die ÜberMacht der Gnade Gottes entgegen. Darum rühmt Paulus diese einzigartige Barmherzigkeit, weil der Herr die Herrschaft der todbringenden Sünde gebrochen hat und weil nun die rettende Gnade Gottes im Leben der an Christus Glaubenden die Regie übernommen hat. Aber offensichtlich haben das noch nicht alle Christen in der römischen Gemeinde verstanden. Schon in Kapitel 3, 8 warfen einige »Lästerer« Paulus vor, er verführe durch seine Gnadenlehre zum Sündigen. Doch man muss kein »Lästerer« sein, um leichtfertig mit der Gnade Gottes umzugehen. Regen sich nicht auch in uns böse Möglichkeiten, die Sünde nicht mehr so ernst zu nehmen, weil wir ja »unter der Gnade« leben? Müsste es nicht vielmehr so sein, dass gerade die barmherzige Güte und Liebe des Herrn unser Gewissen und unser Leben prägt? Wer »gern« sündigt, weiß nicht mehr, dass Jesus anwesend ist. Sagte der Herr Jesus Christus etwa zum Geheilten am Teich Betesda: Sündige ruhig weiter? (Vgl. Joh. 5, 14.) Sagte er zur Ehebrecherin, nachdem er ihr Vergebung zugesprochen hatte: Sündige getrost weiter, denn du gehörst nun für immer zu mir? (Vgl. Joh. 8, 11.) Es geht weder um einen lässigen noch um einen skrupulösen Umgang mit der Sünde, sondern um eine vom Heiligen Geist geschenkte SündenErkenntnis, auf die nicht nur das SündenBekenntnis folgt, sondern ein geheiligtes Leben. (Vgl. 1. Kor. 1, 30; Gal. 5, 1. 1317.) Wie aber ist das möglich? Wir können das Sterben und den Tod eines Menschen unter dem allgemein menschlichen Blickwinkel betrachten: Wir nehmen Abschied, empfinden Schmerz, wir trauern über den Verlust. Paulus aber denkt hier nicht an etwas Trauriges. Er denkt an die Rechtsfolgen eines Sterbefalls, wie er sie besonders in Römer 7, 17 darlegt.
»Wir sind der Sünde gestorben.« Betrachten wir die Rechtsfolgen eines Sterbefalls etwas genauer: In dem Augenblick, in dem der Tod eines Men schen eintritt, erlischt jeder Anspruch an den Verstorbenen. Niemand kann noch etwas von ihm fordern. Finanzamt, Kreditgeber, Staats und Rechts anwälte können nur von Lebenden etwas wollen. Sterben verändert die Rechtslage umfassend und radikal. Auf diesem Hintergrund bedeutet Ster ben Befreiung. Mehrfach unterstreicht Paulus dieses Sterben: zusammengewachsen mit der Gleichheit des Todes von Jesus (V.5), unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt (V. 6), wir sind mit Christus gestorben (V. 8). JesusNachfolger sind Mit beteiligte am Tod ihres Herrn. Wir haben dieses Geschehen nicht an uns selbst vollstreckt. Selbstkreuzigung ist ein Unding. »Manche Gläubige ver krampfen sich aber so, um der Sünde abzusterben. Sie wollen sich selbst abquälen durch Selbstbestrafung, SichselbstschlechtMachen, durch Wei nen, durch Askese oder besondere Handlungen, von denen sie sich magische Wirkungen versprechen. Oder sie reden es sich verbissen ein, sie seien nun wirklich völlig für die Sünde tot. Aber es geht um einen reinen AußenEin griff. Als wir den verkündigten Christus im Glauben annahmen, nahm Gott das nicht nur hin, sondern tat etwas. Er >versiegelte< uns durch den Heiligen Geist. (Vgl. Röm. 8, 9b. 1416; 2. Kor. 1, 22; Eph. 1, 13; 4, 30.) Im Altertum tätowierte man neu erworbene Sklaven mit einem Eigentumszeichen. Durch diese göttlich geschenkte Zugehörigkeit zum Gekreuzigten sind wir legal ausgebürgert aus dem Reich der Sünde und versetzt in den Macht und Segensbereich von Christus. Eine andere Umlaufbahn um eine andere Sonne befreit uns zum alternativen Leben. Wir >wandeln in der Neuheit des Lebens< oder >in der Neuheit des Geistes< (Röm. 6, 4b; 7, 6)« (A. Pohl).
Wir selbst sind es, die mit Jesus Christus »gestorben« sind. Die Welt und der Machtbereich der Sünde existieren weiter. Wir sind nach wie vor von allen Seiten vom Herrschaftsanspruch der Sünde bedrängt. Sie ist quicklebendig. Ja, das Böse tut so, als wären wir ihm unterstellt. Es baut sich groß vor uns auf, um uns zu beeindrucken, in seinen Bann zu ziehen und uns einzu schüchtern. Wir werden von der Sünde belästigt, die unseren Glauben ermüden und lähmen will. Doch wenn Widerstand zu leisten ist, dann hier. Die Sünde hat nämlich solch zerstörerische Gewalt, dass kein Gläubiger mit ihr spielen sollte. »Wer meint, er stehe« fest im Glauben, er werde mit jeder Versuchung fertig, er könne sich z. B. die schmutzigsten Bilder anschauen, »der mag wohl zusehen, dass er nicht falle« (1. Kor. 10, 12). Aber so groß und stark die SündenMacht auch ist, sie hat kein Recht. Ihre Forderungen an uns sind illegal. Unser legaler Herr ist Jesus Christus. Mit einem zweiten Bild bekräftigt der Apostel Paulus, dass wir mit Christus gestorben sind. »Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?« Wenn Paulus so fragt, kann die Ant wort der Gläubigen nur heißen: »Wir wissen es. Schließlich gehört dies zum biblischen Grund Wissen!« Aber wie leicht kann dieses Wissen zur Selbstverständlichkeit entschwinden! Wir wissen vieles, aber wir beachten's nicht. Wir wissen, aber es sagt uns nichts mehr. Das Wort Gottes spricht uns nicht mehr in der Tiefe unseres Herzens an. In seiner großen Güte will der Herr uns in solch einer Verfassung wachrütteln. (Siehe Jes. 40, 21. 2631; Luk. 2, 49; Röm.6,16; 7,1; 1.Kor.3,16; 6,19.) »Herr Jesus Christus, wirke du an und in mir, dass mein Wissen über dich, die vielen vertrauten Bibelworte, mich neu berühren, beleben und beflügeln. Amen.«
Wie tief und lebendig, ja unauflöslich, ist die rechtliche Verbundenheit und Einheit des Christen mit seinem Herrn! Paulus gebraucht für diese Tatsache gern das kleine Wort »mit«. Der JesusNachfolger ist »mitgekreuzigt«, »mit begraben«, »mitgestorben«, »mitauferweckt«, Gott hat uns »mit Christus sitzen lassen in der Himmelswelt«. Die Gläubigen werden mit Christus »erben«, »leiden« und »verherrlicht werden« (Eph. 2, 6; Röm. 8, 17). Es ist also nicht nur etwas für uns geschehen (Rechtfertigung), sondern es ist auch etwas mit uns geschehen. Das Bild, das Paulus hier wählt, ist die Taufe »auf Christus Jesus« und »auf seinen Tod«. Hier spricht der Apostel nicht von der Praxis der Taufe, sondern von ihrer Bedeutung. Wir dürfen hier also keinesfalls eine Anleitung zur Ausübung der Taufe ableiten. Jesus selber hat seinen Jüngern erklärt, worum es geht: »Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist« (Luk. 12, 50; vgl. Mark. 10, 38. 39). Der Herr spricht von seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Er stirbt am Gerichtszorn Gottes, der ihn verschlingt. Wer nun auf den Gekreuzigten blickt und es im Glauben annimmt: »Für mich gingst du nach Golgatha«, der soll auch wissen, was mit ihm geschah: Du bist auf den Tod von Jesus getauft. Hier ist dein alter Mensch gerichtet und hingerichtet und mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben. Und wer begraben ist, ist wirklich tot. Aber es ist ein Tod, der auf Leben angelegt ist. Ein Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, wird eines Tages zum »Leben erwachen« und wachsen und sich der Öffentlichkeit als lebendiges und fruchttragendes Korn präsentieren. (Vgl. Joh. 12, 23. 24.) So drängt auch der Tod des Herrn Jesus Christus zur Auferstehung von den Toten, zu einem völlig neuen Leben. (Lies 2. Kor. 5, 1417.)
Im Altertum wurden Ehepaare, aber auch Vater und Sohn, Mutter und Tochter oder Geschwister, in einem gemeinsamen Grab beerdigt. Das war Ausdruck einer noch über den Tod hinaus gültigen Zusammengehörigkeit. Vielleicht stand dem Apostel Paulus diese Sitte vor Augen, wenn er vom gemeinsamen Geschick des Christus und des Christen spricht. Es ist nur folgerichtig, dass ein Christ, der mit Christus gestorben, gekreuzigt und begraben wurde, auch mit ihm auferweckt worden ist. Für Jesus selber ist es eine Auferweckung »durch die Herrlichkeit des Vaters«, die ihn wenig später in den Himmel aufnehmen wird. Vom JesusJünger aber heißt es, dass er mit Christus auferweckt wurde, damit er fortan »in Neuheit des Lebens wandeln« soll. Während Jesus in den Himmel erhöht worden ist, geht es für den Jünger darum, das »AuferstehungsLeben« in den alten Verhält nissen zu leben. Hier soll sich die Echtheit des neuen Lebens zeigen und bewähren. Es geht für uns eben noch nicht wie ein BibelAusleger treffend bemerkt »stracks in die Vollendung und steil in den Himmel, wo Christus thront, sondern hinein in den Dienst auf dieser Erde, noch gezeichnet von Verweslichkeit, Niedrigkeit und Ärmlichkeit. (Siehe 1. Kor. 15, 42. 43.) Doch unter dieser Einschränkung gilt die unglaubliche Gleichung: Wie Christus dürfen wir jetzt ein Leben in Neuheit führen.« Denn wir bilden mit unserem Herrn eine unzertrennliche Einheit. Wörtlich heißt es: »Wenn wir nämlich Zusammengewachsene geworden sind mit der Gleichheit seines Todes, erst recht werden wir (es) mit (der Gleichheit) seiner Auferstehung sein.« Wie zeigt sich dieses »Zusammengewachsensein«, diese tiefe Gemeinschaft mit Christus in meinem Alltag? Wird da etwas deutlich von seiner Menschenfreundlichkeit, von seiner Barmherzigkeit und Geduld, von seiner Dienstbereitschaft und Güte? Wird da etwas deutlich von seiner Wahrhaftigkeit und Treue, von seinem konsequenten Nein zur Sünde und seinem aufrichtigen Ja zum Willen Gottes? Wir lesen noch Johannes 11, 3. 36; 13, 15; Lukas 22, 27; 1. Korinther 13, 47.
Paulus wird nicht müde, die Christen in Rom daran zu erinnern, das, was sie wissen, was sie glauben und erkennen (V. 3. 6. 8. 9), auch in ihr praktisches Leben einzubeziehen. Das gilt auch für uns: Unser altes, der Sünde ergebenes Wesen, ist mit Christus ans Kreuz geschlagen und hingerichtet worden. Die böse AdamsNatur, die uns in Schach hielt, sodass wir mit unserem Leib und Leben der Sünde dienten, ist rechtlich außer Kraft gesetzt. Das sündige Wesen hat keinerlei Anspruch mehr auf unser Leben. Wir sind jetzt nicht länger Sklaven der Sünde. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen. Aber kennen wir nicht auch die leisen Zweifel in unserem Herzen: Ist das wirklich so? Ich will zwar nicht sündigen, aber ich tu's trotzdem. Immer wieder fallen böse Worte, immer wieder packt mich der Neid. Immer wieder platze ich vor Ungeduld. Immer wieder rege ich mich über die »unmöglichen« anderen auf. Das ist Tatsache. Doch die andere Tatsache ist viel wichtiger und größer: Die Sünde hat keinen Anspruch mehr auf mein Leben. Denn mein »alter Mensch«, mein SündenWesen samt meinem SündenLeben, ist mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben worden. Wenn uns dieser Zwiespalt zu schaffen macht, wenn wir über uns selber entsetzt sind, sollten wir einmal und immer wieder unsere Blickrichtung ändern. Richte deinen Blick auf den gekreuzigten Herrn und lass es gelten, dass mit seiner Verurteilung zum Tod auch dein altes, sündiges Ich gestorben ist. Wir können unseren Blickwechsel im Gebet zum Ausdruck bringen: »Herr Jesus Christus, es macht mir zu schaffen, dass ich mich immer wieder auf die Sünde einlasse. Aber ich will daran festhalten, dass ich mit dir gestorben und für die Sünde wesenhaft >tot< bin. Ich danke dir, dass ich mich auf das Böse nicht mehr einlassen muss. Danke, dass du mich auch in deine Auferstehung einbezogen hast. Deine Auferstehungskraft ist auch meine Kraft, der Sünde zu widerstehen und dir zu dienen. Amen.«
Es ist dem Apostel überaus wichtig zu betonen: Christus ist wegen unserer Sünde gestorben und zwar »ein für alle Mal«. Jetzt aber lebt er, und er lebt für Gott. Damals gab es religiöse Strömungen, die ähnliche Worte gebrauchten und ihre »ErlösungsErlebnisse« verkündigten, aber mit einem völlig anderen Sinn. Man knüpfte an beeindruckende Naturerfahrungen an, etwa an das immer wiederkehrende Sterben und Aufleben der Natur. Daraus entstand eine Art »Wiedergeburtslehre« wie wir sie auch heute in anderen Religionen finden. Die Botschaft aber, die Paulus verkündigte, war die gute Nachricht von einem zentralen Heilsgeschehen wie nie zuvor und nie wieder danach. »Sie handelte vom Selbstopfer Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Dieses >Ein für alle Mal< stand also quer zum Kreislaufdenken jener Religiosität und bedurfte immer wieder der Betonung. Wir Heutigen haben genauso wachsam auf das Eindringen naturreligiöser Weisheiten zu achten. Sie sind zwar eingängig, führen aber doch nicht aus dem Kreislauf von laufend erweckten und laufend enttäuschten Hoffnungen heraus« (A. Pohl). (Lies Kol. 2, 815; Hebr. 9, 12.) Wenn Christus nicht ein für alle Mal gestorben wäre und es dagegen einen immerwährenden Kreislauf von Sterben und Auferstehen gäbe, wären wir einer grausamen Ungewissheit überlassen. Wir wüssten nicht, ob unsere Sünden wirklich vergeben sind, wir wären der GroßMacht der Sünde hilflos und unentwegt ausgesetzt. Wir würden in der schwarzen Nacht der Hoff nungslosigkeit dahindämmern. Wir hätten keine Gewissheit darüber, dass wir ein für alle Mal in die Familie Gottes hineingeboren werden und für immer seine Kinder sind. Unser Gott ist ein Gott, der uns nicht in Ungewissheit und Hoffnungslosigkeit gefangen hält. Denn Christus stirbt nicht mehr. Er ist auferstanden und wir mit ihm! Er lebt und wir mit ihm! Diese unendlich frohe Botschaft muss in die Welt hinein! Wollen wir Botschafter für Christus sein (2. Kor. 5, 20)?
Der Apostel Paulus zieht hier aus dem einmaligen Heilsgeschehen an Kar Freitag und Ostern (V. 10) die Konsequenzen für unser Leben. Aber so, dass er jetzt die Befehlsform wählt (V. 11). In den gängigen Bibelübersetzungen heißt es »Haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid« oder »Haltet euch der Sünde für tot«. Wörtlich aber heißt es: »Begreift euch selber (in einem Glaubensurteil) als Tote der Sünde (gegenüber), dagegen als Lebende für Gott in Christus Jesus.« Die Übersetzung »haltet euch« könnte irrtümlicher weise in die Nähe positiven Denkens und autogenen Trainings gerückt werden. So, als ob man sich konzentriert etwas einreden müsse, das eigent lich nicht da ist, bis es endlich existiert. Christen haben es nicht nötig, sich der Macht des »Positiven Denkens« zu überlassen. Sie schöpfen das Gute nicht aus sich selbst, sondern aus Christus. Das meint Paulus, wenn er auf ruft: Begreift, versteht euch selber als Tote der Sünde gegenüber. Denn es steht fest, dass wir mit Christus gestorben sind. Dieses Begreifen hat mit einer gehorsamen Geisteshaltung zu tun. Wenn ich mit Christus gestorben und mit ihm auferstanden bin, hat Gott mich aus dem Tod zu einem Leben im Gehorsam dem Herrn und seinem Wort gegenüber befreit. (Vgl. Joh. 3, 36.) Die GlaubensGrundlage, »dass unser alter Mensch mit Christus gekreu zigt worden ist«, hat also eine ganz praktische Reichweite. Davon spricht Paulus in den Versen 1217. Wenden wir uns zunächst Vers 12 zu: »Nicht soll die Sünde König sein in eurem sterblichen Leib, sodass ihr seinen Begierden gehorcht.« Das Nicht Sollen meint hier ein Nicht Dürfen. Wo Jesus Christus Herr ist, ist die Macht der Sünde illegal (V.7). Gott gab ihr gewissermaßen die »rote Karte«. Er schickte die Sünde ins »Aus«. Doch sie schmuggelt sich aufs »Spielfeld« zurück. Darum macht sie unser Leben zum Kampfplatz. (Siehe Eph. 6, 12. 13; Kol. 1, 13.)
Wenn Paulus von unserem »sterblichen Leib« spricht, hat dies nichts mit einer gewissen LeibFeindlichkeit zu tun. Unser Leib an sich ist nichts Schlechtes oder Böses. Wir dürfen uns darüber freuen und Gott danken, dass er uns wunderbar bereitet hat: Psalm 139, 1316. In Epheser 5, 29 setzt der Apostel Paulus voraus, dass auch Christen ihren Leib »nähren und pflegen«, seine Bedürfnisse achten und ihn nicht als etwas Böses »hassen« oder wegwünschen. Aber die Sünde will sich unseres Leibes bemächtigen. Sie steigert den von Gott geschenkten Lebensdrang zur Gier. Sie will den normalen und notwendigen Bedürfnissen einen anderen Stellenwert ver leihen, sodass die Erfüllung der normalen Bedürfnisse nicht mehr dem Menschen dient, sondern ihn herrisch beansprucht und versklavt, »sodass ihr seinen Begierden gehorcht«. Jesus selber hat von seinen Jüngern ernst haft gefordert: »Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen« (Luk. 21, 34). Und Paulus ermahnt: »Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht« (Röm. 13, 13). Heute wollen wir uns aufrichtig fragen: An welchen Stellen in meinem Leben bricht die Gier, die Hab und Eifersucht durch? Wo bereichere ich mich auf Kosten anderer? Wo schade ich mir selbst und ziehe sogar andere in meine Sünde hinein? Christus ist doch »für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist« (2.Kor.5,15). Wir dürfen Jesus bitten: »Zeig mir, wo und wie ich dir dienen kann. Und hilf mir, dir mit Freude zu dienen.« (Lies Ps. 100, 2; Eph. 2, 10.)
Schon in Vers 12 sprach Paulus die Verantwortung der Christen an: Wenn sich die Sünde einschleicht und versucht, über »eure sterblichen Leiber« zu herrschen, seid ihr dem Bösen nicht willenlos ausgeliefert. Ihr könnt der Sünde gehorchen oder auch nicht. Denn ihr seid kein Apparat, der auf Knopfdruck »gehorcht«. Ihr könnt Entscheidungen treffen. Das betrifft ebenso die Glieder des Körpers, also die einzelnen Lebensvoll züge. Wie Augen, Ohren, Mund, Hand und Fuß sich verhalten, zeigt etwas davon, was wir tatsächlich sind und was in unseren Herzen ist. (Siehe Mark. 9,4347.) Damit die SündenHerrschaft sich nicht wieder über das Einfallstor »Leib« »einschleicht« und sich mit Hilfe unserer Handlungen »einnistet«, ist ein Doppeltes gefordert: Es geht um eine Absage und um eine Zusage. Nichts, keinen einzigen Teil eures Körpers sollt ihr der Sünde als Werkzeug zur Verfügung stellen. Tragt eure »Waffen« nicht zum Feind hinüber! Er hat von der anderen Seite auf gefordert, in sein Lager überzulaufen. Was nun? Wir befinden uns in diesem Augenblick in einer EntscheidungsSituation. Erteilen wir dem Feind kein klares Nein, gelingt auch kein klares Ja zu Gott höchstens ein verhängnis volles Jein. Absage und Zusage gehören also unzertrennlich zusammen. (Vgl. Röm. 6, 19.) Sage dem Bösen ab und stelle dich Gott zur Verfügung! Wie das konkret aussehen kann, lesen wir z. B. in Römer 12, 921. Es ist hilfreich, wenn wir diesen Text nicht einfach »herunterlesen«, sondern ihn ein zweites, ein drittes, vielleicht auch ein viertes Mal lesen. Wir können in diesem Bibelabschnitt auch diesen Doppelschritt Absage und Zusage erkennen. Ich darf den Herrn bitten: Was willst du mir persönlich sagen? Welche praktischen Handlungen habe ich vorzunehmen? Wir sind zum Gehorsam gerufen, in die Entscheidung und in den Kampf gestellt, aber wir sind geborgen und getrost in der Übermacht der Gnade Gottes.
Noch einmal kehrt Paulus wie in Kapitel 5, 17 6, 3 zur christlichen Gnaden Lehre zurück: Wer unter der Macht der Sünde lebt, kennt das Leben unter der Gnade Gottes nicht. Man kann eigentlich nur einem Herrn dienen ent weder dem Inhaber der Sünde oder dem Inhaber der Gnade. Aber immer meinen noch Leute, man könne irgendwie doch ein Leben aus der Gnade und ein Leben in der Sünde vereinen. Nein, ermahnt Paulus aufs Neue! So nicht! Ihr wisst doch, dass ihr dem zum Gehorsam verpflichtet seid, in dessen Dienst ihr als Knechte steht. Im Verhältnis zur Sünde oder zu Gott ist es genauso: Entweder dient ihr der Sünde. Das führt zum Tod. Oder ihr seid Gott gehorsam. Das führt zum Leben. Etwas Drittes gibt es in Wahrheit nicht. Wie dankbar ist Paulus seinem Herrn, dass es bei den Christen in Rom diesen Umschwung weg vom Leben unter der Sünde, hin zum Leben unter der Gnade Gottes gegeben hat. »Gott aber sei Dank, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden...« Gehorsam, wie Paulus ihn meint, ist ein Prozess, ein Werden und Wachsen. Dieses Wachstum geschieht, wenn wir unser Herz für das Wort Gottes öffnen. Wörtlich sagt Paulus: »Ihr seid gehorsam geworden von Herzen der Prägeform der Lehre, der ihr übergeben wurdet.« Wenn Geldmünzen geprägt werden sollen, braucht man eine Prägeform den Münzstempel. Die biblische Lehre ist solch eine Prägeform, die genau den Abdruck in unser Leben einprägt, wie es der Prägeform entspricht. Lassen wir uns noch von der »Gestalt« biblischer Lehre prägen? Daran hängt unser Leben als JesusNachfolger. Warum, das sagt Paulus in 2. Timotheus 3, 15. 16. 17.
Noch einmal spricht Paulus vom HerrschaftsWechsel im Leben der Christen. Ihr seid befreit aus der Versklavung der Sünde und »wurdet >versklavt< der Gerechtigkeit«. Sogleich »entschuldigt« er sich für diesen eigenartigen Aus druck: »Ich rede menschlich wegen der Schwachheit eures Fleisches«, wegen der menschlichen Schwäche, sich Freiheiten herauszunehmen, die nicht zu Jesus passen, und sich damit wieder in falsche Abhängigkeiten zu begeben. Für einen JesusNachfolger ist es wichtig, immer wieder an den Herrschafts wechsel zu denken: Wie ihr früher eure Glieder in die Sklaverei der Unreinheit und des Unrechts verkauft hattet für den Dienst der Sünde, so habt ihr jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit gestellt, der zur Heiligung führt. Paulus will nicht in die Enge und Atemlosigkeit drängen, sondern in die »herrliche Freiheit der Kinder Gottes«. Die Heiligung unseres Lebens beruht auf dem, was Christus für uns getan hat. Er hat uns erlöst. Er hat uns sein Wort geschenkt, die einzigartige Anleitung zu einem Leben, das ihm gefällt. Welch eine innere Ruhe und Freude kommt in unser Leben, wenn wir auf Jesus, auf sein Wort hören und ihm gehorchen! Dabei stehen wir auf festem Grund: »Ihr seid in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung« (1.Kor.1,30; lies Joh. 17, 19; Hebr. 10, 10). Allein auf diesem sicheren Grund können wir die Anweisung Gottes befolgen: »Seid heilig, denn ich bin heilig.« (Dazu 1. Petr. 1, 1419.) Die Heiligung unseres Lebens ist also ein geheimnisvolles »Inein ander« von dem, was Christus für uns getan hat, und unserem Gehorsam unter der Leitung des Heiligen Geistes. Sie ist nicht leistungsorientiert, nicht machbar und nicht messbar. Denn dann wären wir ja wieder auf uns selbst und nicht auf Christus konzentriert.
Paulus lenkt den Blick der römischen Christen noch einmal auf ihre Ver gangenheit ohne Christus. »Ihr wart Sklaven der Sünde und >Freie< gegenüber der Gerechtigkeit.« Eine merkwürdige Formulierung! Es ist so, wie wenn einem Ertrinkenden kein Rettungsring zugeworfen würde. Dann ist der Ertrinkende »frei« von Rettung. Aber was ist das für eine Freiheit! »Das ist der schlimme Betrug der Sünde, dass sie dem Menschen einredet und vor gaukelt, er sei frei und könne tun und lassen, was er wolle. Er ist dabei aber ein Getriebener, er ist ein ausgenutzter Sklave« (H. Krimmer). Ganz deutlich wird das an den Folgen. Die gewachsenen »Früchte« sind giftige und faule Früchte. »Es sind Früchte, deren ihr euch jetzt schämt.« (Vgl. Gal. 5, 1921.) Es sind Früchte, die den Tod bringen. Doch in solchem Schämen liegt der Neubeginn. Da sind mir schon die Augen geöffnet worden; ich habe die Schande solchen Sündendienstes erkannt. Deshalb kann Paulus die Christen Roms in dankbarem Jubel auf ihr »Jetzt« ansprechen. Erst das neue Leben, »die Gnadengabe Gottes«, gibt wahre Freiheit; Freiheit von der Zwangs herrschaft der Sünde, Freiheit vom Zwang, sündigen zu müssen. Es ist die Freiheit der Geretteten am Rettungsseil. Sie werden von Christus gezogen, geführt, begleitet, gestärkt. In seiner Nähe geborgen, wächst die »Frucht zur Heiligung«. Es ist die Frucht des Heiligen Geistes, die sich im ewigen Leben vollendet. (Siehe Gal. 5, 2225; Eph. 5, 9; Kol. 3, 12.) »Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird`s auch tun« (1. Thess. 5, 23. 24).
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.