Matthäus 13, 31. 32; Jesaja 55, 10. 11. Es ist kaum zu glauben, dass aus dem damals kleinsten in der jüdischen Landwirtschaft verwendeten Samen, dem schwarzen Senf (1 mm), bisweilen ein Baum von drei Metern und mehr wird. Von Rabbi Simon wird berichtet: »Ich hatte auf meinem Feld einen Senfstängel, auf den ich zu steigen pflegte, wie man auf einen Feigenbaum steigt.« Unsichtbar nimmt das kleine und doch mit gewaltiger Kraft ausgestattete Korn in der Erde seinen Anfang. Jesus vergleicht diesen Samen mit dem Reich Gottes. Wo Gottes Herrschaft anbricht, ereignet sich etwas völlig Neues und Wunderbares. Jedes einzelne Wort Gottes, das zunächst gering erscheinen mag, kann Sprengkraft ohnegleichen entwickeln. Eine Gruppe von jungen Leuten war zu einem missionarischen Einsatz in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Unter anderem stand die Mitgestaltung einer musikalischen Veranstaltung auf dem Programm. Nach lautstarken Bands, von denen eine in ihren Texten Gott bereits als »alten Mann« abgeschrieben hatte, waren diese Christen mit ihrem Programmpunkt an der Reihe. Mit zitternden Knien betraten sie die Bühne. Eine hatte den Mut, die gesungenen Sätze aufzugreifen und von biblischen Aussagen herkommend mit ihren Worten zu sagen, was ihnen Gott bedeutete. Anschließend brachte die Gruppe ihren ruhigeren musikalischen Beitrag. Sie wollten das Podium verlassen. Da kam der Veranstalter auf sie zu: »Ihr könnt jetzt nicht aufhören!« Der »kleine« Same des Wortes Gottes hatte die Herzen der Zuhörer erreicht. Sie spürten etwas von seiner Leben verändernden Kraft. »Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?« (Jer. 23, 29; Hebr. 4, 12). »Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein« (Matth. 17, 20; 21, 22; Luk. 17,5.6; Hiob 42,2; Jer.32,17; Luk.1,37). MIT JESUS IM ALLTAG LEBEN EMPFEHLUNGEN AUS JAKOBUS 5 (II)
3. CHRISTEN STEHEN FÜREINANDER EIN (JAKOBUS 5,13-18) »Leidet jemand unter euch, der bete!« Welche Not uns auch verstummen lässt oder in heißen Widerstand zu treiben droht: Wir sollen wissen, gerade jetzt hängt unser Gott nicht ein, der Hörer bleibt in seiner Hand. Er hört uns zu. Wir jedoch haben in unserem Kummer ab und zu den Eindruck: Gott ist weit weg. Ob er mich überhaupt hört? Doch er sagt: »Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen« (Ps. 50, 15). Schwierigkeiten und Kummer wollen uns begegnungsfähig machen für den Herrn, der seine Herrlichkeit durch alle Fugen und Ritzen unseres rissigen Lebensgefäßes leuchten lassen will. Lies 1. Samuel 1, 9-20. Wie Hanna sind auch wir gerufen, unseren Gott anzurufen, ja anzubeten. Wir sind »dazu berufen, Gottes Gottheit zu ehren und uns in Anbetung zu ihm zu bekennen. Indem aus dem Unglück das Lob Gottes in uns entsteht, ist uns die Überlegenheit über das Leiden gegeben« (A. Schlatter). Gewiss ist uns in Schwierigkeiten nicht nach der Anbetung Gottes zumute. Unsere Gefühle streiken. Das ist normal. Und doch gibt Gott uns die Chance, ihn anzubeten. In den Psalmen, dem hilfreichen Gebetbuch der Bibel, lesen wir oft, dass der Beter alles andere als zum Gotteslob aufgelegt war. Aber dann besinnt er sich in seiner Not und fasst den Entschluss: »Ich will den Herrn loben« (Ps. 7, 18; lies Ps. 34, 2-7; 118, 28. 29; 145, 1-3). Wir dürfen Gott auch ehrlich sagen: »Herr, ich bring keinen Ton über die Lippen, mein Herz ist zugeknöpft. Aber ich weiß, dass du ein Gott bist, der Lobgesänge gibt in der Nacht (Hiob 35, 10). Stimme du selbst das Lob in mir an.« (Vgl. Matth. 10,20.21.25; Apg.16,25.)
Es ist eine denkwürdige Anweisung: »Ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. « Wir sollen es uns fest merken, wie wichtig das Gotteslob besonders in guten Zeiten ist. Warum? Der »gute Mut« kann schnell umschlagen in einen unguten Übermut. Wie leicht kann die fröhliche Stimmung des Menschen unter die Räder der Gleichgültigkeit und des Leichtsinns geraten. (Vgl. 1. Kön. 10, 23-25; 11, 1-8.) Der Übermütige denkt: Ich habs, und ich kanns. Er hat »vergessen «, dass alles, was er ist, hat und kann, von seinem Gott kommt. Wer sich aber auch in guten Zeiten gezielt darin übt, Gott dankbaren Herzens zu ehren und zu loben, der bleibt im Zentrum des Glaubens verankert: Lies Psalm 57, 8-12; Lukas 17, 15-19; 18, 41-43. Sobald der Schwerpunkt von unserem herrlichen Gott verlagert wird auf den herrlichen Menschen (Ps.8, 6), verlieren wir langsam, aber sicher, das geistliche Gleichgewicht. Biblische Maßstäbe verschieben sich. Die ausschließliche Orientierung an Gott und an seinem Wort verschwimmt. Anderes wird wichtiger: die Arbeit, der Dienst, die Termine, Form- und Stilfragen, die Ehrenzeichen des Lebens und das unselige Vergleichen mit den anderen. Wir können bei durchaus gesunder biblischer Lehre, die wir im Kopf haben, mächtig ins Humpeln und Schlingern geraten. Das aufrichtige und anbetende Lob Gottes will uns helfen, in der demütigen Geisteshaltung vor Gott zu bleiben. Jakobus gibt uns einen guten Rat: Ob es uns gut oder schlecht geht, immer wird die dankbare und anbetende Konzentration auf unseren wunderbaren Gott mitwirken, dass er, der »Herr aller Herren«, groß herauskommt. Denn darauf kommt es wirklich an, dass wir »etwas seien zum Ruhm seiner Herrlichkeit« (Eph. 1, 12; lies Jer. 13, 11; Jes. 43, 21; 1. Petr. 2, 9). Nicht immer werden sich für uns selbst die irdischen Umstände zum Positiven wenden, entscheidend ist aber, dass »Christus hoch gepriesen werde«. Praxis- Tipp: Kolosser 3,12-17.
Nachdem Jakobus allgemein von Freude und Leid des Christen gesprochen und ihn dabei auf die Kraft des Gebetes hingewiesen hat (Vers 13), packt er jetzt konkret das Thema »Wenn Christen krank werden« an. Gesamtbiblische Zusammenhänge lassen vier Tatsachen erkennen: 1. Krankheitseinbrüche gibt es seit dem Sündeneinbruch in die Menschheit. Die Folge der Sünde ist der Tod (lies 1.Mose 2,17.19; 5, 1ff; Röm.5,12; 6, 23); und die Krankheit als Vorbote des Todes gilt grundsätzlich auch als Folge der Sünde. Daraus darf gewiss nicht voreilig gefolgert werden: Ein Kranker muss besonders schwer gesündigt haben (Joh.9, 1-3), wenn auch der Kranke selbst gelegentlich bei sich erkennen mag, dass seine Krankheitsnot die Folge einer Sünde sein kann.
2. Es ist gewiss wahr, dass Jesus unsere Sündennot, unsere Krankheitsnot und unsere Todesnot getragen hat (Jes. 53, 4-11). Für die umfassende Heilung aller Lebensprobleme ist schon gesorgt und bezahlt. Gott hat aber eine andere Heils- Ordnung und eine andere Zeiteinteilung, als Menschen es sich vorstellen und wünschen. Mit dem ersten Kommen von Jesus packte Gott die unsichtbare Wurzel aller Not an die Macht der Sünde. Durch die Versöhnungstat am Kreuz schenkt Gott jedem Menschen die Lebensgabe des ewigen Heils. Mit dem zweiten Kommen von Jesus räumt Gott endgültig und vollständig die sichtbaren Ausprägungen und Folgeerscheinungen der Sünde weg: Dann schenkt Gott seinen Leuten die persönliche und globale Lebensqualität einer Rundum-Heilung. Darum müssen wir in Schwierigkeiten und Nöten heute nicht verzagen. Gott ermächtigt uns durch seinen Geist, als Diener Gottes dennoch fröhlich zu leben: »in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten; als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben« (2.Kor.6, 3-10). 3. Gott schenkt uns schon jetzt Kostproben des Kommenden. All die herrlichen Wunder, die Jesus wirkt, sind der Fingerzeig Gottes auf die Vollendung seines Reiches. (Vgl. Luk.7,18-23.)
Fassen wir die drei ersten biblischen Tatsachen zum Thema »Wenn Christen krank werden« zusammen, so gilt die Regel: »Das Heil schenkt Gott in jedem Fall jedem, der ihn darum bittet (Joel 3, 5; Röm. 10, 13), die äußere Heilung dagegen während dieser Weltzeit wo und wann es ihm gefällt« (F.Grünzweig). Beachten wir diese gute Leitlinie, werden wir uns davor hüten, Sätze zu glauben und zu verbreiten wie etwa: »Wer glaubt, ist nicht krank, und wer krank ist, glaubt nicht recht.« Wir werden auch nicht vorschnelle und »fromme« Erklärungen für das entstandene Leid abgeben. Unser großer Gott ist und bleibt der souveräne Herr über Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod. Für einen Christenmenschen kann es auch nicht um eine widerwillige, resignierende Unterwerfung unter den Willen Gottes gehen. Der Gott vertrauende Mensch darf mit Gott sprechen und ihm kindlich frei sagen: »Herr, mein Gott, du kannst alles. Für dich ist meine Krankheit kein Problem. Du bist der größte aller Chefärzte. Du bist mein persönlicher Leibarzt. Du brauchtest auch nur ein Wort zu sprechen, und dein Patient ist gesund. Herr, mein Gott, heile du mich nach deinem Liebeswillen, der auch über meinem Leben wohltuend waltet.« Wir sollens wissen und erfahren: Gott hört und erhört unser Beten zu seiner Zeit und zu seiner Ehre! 4. Krankheit kann einsam machen. Auch ein kranker Christ kann sehr einsam werden (Joh. 5, 7). Doch braucht der Kranke sich nicht in seine Einsamkeit zu verkriechen. Trotz seiner Schwachheit kann und soll er aktiv werden: »Er rufe die Ältesten seiner Gemeinde zu sich.« Die Bitte um Besuch aus der Bruderschaft des Glaubens schützt vor Selbstmitleid und Bitterkeit. Welche Erfahrungen machen wir mit Matthäus 18,19.20?
Wenn Jakobus dem Kranken rät, »er rufe die Ältesten der Gemeinde«, sagt er klar: Kein Kranker soll zum Gebet gezwungen werden, sondern freiwillig und innerlich engagiert handeln. Weiterhin legt die Bitte um Gebetsunterstützung klar, dass der kranke Christ und der gesunde Christ zusammengehören: 1.Korinther 12,26. Zweifellos gehört ein ernsthaft Erkrankter auch in die Hand des Mediziners. Die medizinische Kunst der Ärzte und die heilige Kunst des Gebetes bilden für Christen keinen Gegensatz (vgl. 2.Mose 21, 19; Jer. 8, 22; Mark. 2, 17; Luk. 5, 31; Kol. 4, 14). Unser Gott kann durch Medikamente und ohne Arzneimittel helfen. Entscheidend wird sein, dass wir ihm vertrauen und die Ehre geben (2. Chron. 16, 12). Darum geht es auch, wenn einige Christen zum kranken Mitchristen gerufen werden. Die »Ältesten«, wörtlich übersetzt »die Älteren«, sind glaubenserfahrene, reife Christen. »Sie sollen über dem Kranken beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.« Der griechische Satzbau lässt erkennen, dass die Salbung dem Gebet voranging. Wie haben wir diese Handlung im gesamtbiblischen Zusammenhang zu verstehen? 1. Das Salben mit Öl stand als Zeichen für Wohltat, Heilkraft und Ehrung (Ps. 23, 5; 92, 11). Neben der kosmetischen Verwendung von duftenden Ölen und Salben bei der Körperpflege (Rut 3, 3; Amos 6, 6; Matth. 6, 17) galten Öl und Salbe als Hausmittel bei der Wundbehandlung (Jes. 1, 6; Jer. 8, 22; Luk. 10, 34). In neutestamentlicher Zeit gehörte die Salbung zur Begrüßung des willkommen geheißenen Gastes (vgl. Luk.7, 46). Wie unkonventionell und kreativ Liebe und Dankbarkeit Jesus gegenüber ausgedrückt werden können, lesen wir in Lukas 7, 36-50 und Matthäus 26, 6-13.
2. Das Salben mit Öl galt als Zeichen der Zubereitung und Weihe für bestimmte Aufgaben. Neben der Salbung von Gegenständen, die im Dienst für Gott gebraucht wurden, sollten auch bestimmte Personen gesalbt werden: Priester (2.Mose 29, 7), Könige (1. Sam. 16, 12) und Propheten (1.Kön. 19, 15. 16). 3.Mit der Salbung zum Dienst für Gott konnte die Gabe des Heiligen Geistes verbunden sein (1.Sam.10,1.6; 16,13). Der Prophet Jesaja spricht von seiner Geistbegabung geradezu als einer Salbung durch Gott: »Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat« (Jes. 61, 1). Diese Aussage bezieht Jesus bei seiner Antrittspredigt zum öffentlichen Dienst auf sich selbst (Luk. 4, 18). Jesus ist der Gesalbte Gottes (griech. Christus, hebr. Messias). Er ist durch den Heiligen Geist zum Propheten, Priester und König gesalbt worden (Apg. 4, 27; 10, 38; Hebr. 1, 9). Wie Jesus sind auch seine Jünger mit dem Geist Gottes gesalbt (2.Kor.1,21.22; 1. Joh.2,20.27). Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesem biblischen Befund für die Krankensalbung? Erste Folge: Die Salbung des Kranken hat grundsätzlich zeichenhaften Charakter. Ein Zeichen weist auf einen größeren Inhalt hin. Im Fall der Krankensalbung ist es das Gebet. Auf die Handlung der Salbung kann verzichtet werden, niemals aber auf das Gebet. Denn es ist unmittelbare Kontaktauf- nahme mit dem Herrn. Er selbst verspricht: »Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn« (Joh. 14, 13).
Zweite Folge: Die Salbung des Kranken ist als Lebenshilfe gedacht. Es geht dabei um den Empfang wirklichen Trostes zur Stärkung und Erholung des Kranken nach Geist, Seele und Leib. Die Zuwendung besonders zum schwachen, erschöpften und kranken Menschen achtet auf ganzheitliches Helfen und Wohltun. (Vgl. 1.Kön.19, 4-6.)
Dritte Folge: Da Jesus das alttestamentliche Gesetz vollkommen erfüllt hat (Matth. 5, 17. 18), hat er auch den Gottesdienst der neutestamentlichen Gemeinde neu geprägt (Hebräer 9 und 10). Christen sind nicht mehr an das alttestamentliche Heiligtum und seinen Kultus gebunden. Für die Gemeinde des Jesus Christus gilt das Leitmotiv ihres Herrn: »Es kommt die Zeit, ja sie ist schon da, in der die Menschen Gott überall anbeten können; wichtig ist allein, dass sie von Gottes Geist und seiner Wahrheit erfüllt sind. Von diesen Menschen will Gott angebetet werden. Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muss seinen Geist haben und in seiner Wahrheit leben« (Joh.4,23. 24). Im Blick auf die Krankensalbung dürfen Christen frei entscheiden. Dabei kommt es auf die Liebe an, die solche Glaubensgeschwister, die hier anders denken und handeln, achtet und nicht verletzt. Zu dumm, wenn Christenmenschen sich streiten und zerkriegen wegen nachgeordneter Erkenntnisfragen. Das lohnt nicht. Vierte Folge: Jesus selbst hat die Krankensalbung nicht untersagt, aber auch nicht ausdrücklich geboten. Wir prüfen sorgfältig, was Jesus in Markus 6, 7-13 sagt und was nicht. Jakobus schreibt, die Salbung geschehe »im Namen des Herrn«. Das muss aber nicht auf ein (uns unbekanntes) Jesuswort zurückgehen, sondern kann einfach sagen: Wenn ihr Judenchristen die Adressaten des Jakobus die Krankensalbung vornehmt, dann bitte nur in Verbindung mit dem Jesus-Namen. Er allein ist wichtig! Hängt euch an ihn, den Heiland und Retter der Welt! Er will auch mein persönlicher Heiland sein. »Musst eine Last du tragen, die dir zu groß und schwer, du darfst es Jesus sagen: Ach Herr, ich kann nicht mehr! Er, der am Kreuz gehangen in namenloser Pein, versteht dein tiefes Bangen, er will dein Helfer sein« (Joh. de Heer). (Lies Ps. 94, 19; Joh. 16, 22. 23; 2.Kor. 1, 3. 4.)
Das Gebet über dem Kranken soll ein »Gebet des Glaubens« sein. Es geht um ein Beten, das aus der herzlichen und wachen Verbundenheit mit Jesus, dem »Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebr. 12, 2) kommt. Solch vertrauensvolles Beten ist nüchternes Beten. Formulierungen sind sekundär, nicht aber die Geisteshaltung des Beters. Das Glaubensgebet kennzeichnet Demut, die Gottes Souveränität achtet, und Entschiedenheit, die alles von Gott erwartet: »Will alles nur von dir erwarten, denn nur was du gibst, ist auch gut für mich. Will mich nicht mehr an Wünsche klammern. Vertrauen will ich ganz auf dich« (G. Schnitter). Das Gebet des Glaubens hat drei Folgen: 1. Es wird den Kranken retten. Interessant, dass im Urtext hier nicht das Wort »heilen« gebraucht wird (anders als in V. 16), sondern der Ausdruck, der vor allem gebraucht wird für die ewige Rettung des Menschen; vgl. Matthäus 9,22; Lukas 17, 19. Die Lutherübersetzung greift bei diesen Stellen nicht tief genug, wenn sie »retten« mit »helfen« übersetzt. Die biblische Ursprache verdeutlicht vielmehr, dass der Mensch, ob krank oder gesund, einer grundsätzlichen Rettung bedarf der Errettung vom ewigen Tod. Krankheit und physischer Tod sind typische und sichtbare Kennzeichen des unsichtbaren »zweiten Todes« (Offb. 2, 11; 20, 6. 14; 21, 8), dem ewigen Weggestorbensein von Gott. Im Blick auf das rettende Glaubensgebet über dem Kranken soll zuerst die Ewigkeitsdimension beachtet werden. Auch der kranke Christ kann derart geschwächt sein, dass er plötzlich seines Glaubens weder froh noch gewiss ist. Welch einen unverzichtbaren Dienst verkörpert hier das Fürbittegebet über dem Kranken! Solches Beten behält selbstverständlich im Blick, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Er kann auch vom leiblichen Tod erretten. (Vgl. 2.Chron.32,24; Jes. 38, 1-22.)
Das Glaubensgebet bewirkt: 2. »Der Herr wird den Kranken aufrichten.« So wohltuend ein liebevoller Krankenbesuch, verbunden mit herzlicher Gebetsfürbitte, sein kann, so entscheidend ist die Tatsache: Es ist der Herr, der den Kranken aufrichtet. Menschliche Zuwendung, wichtig und nötig, vermag weder zu heilen noch zu bewirken, das Leiden in Geduld zur Ehre Gottes zu tragen. Gott, der Schöpfer und Erhalter des Lebens, bereitet Genesung oder beschenkt mit Tragkraft. Die größere Hilfe liegt nicht zwingend in der Heilung. Um unserer Zubereitung auf die Ewigkeit willen kann die größere Hilfe darin bestehen, dass wir es lernen, die Hoffnung ganz allein und immer wieder auf die Gnade Gottes zu setzen (1. Petr. 1, 13). Das Wesen der Gnade liegt in ihrem Geschenkcharakter. Gott lässt seine Gnade über denen walten, die in sich selbst arm, hilflos, schwach und sündig sind. »Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2.Kor.12,9).
3. Das Glaubensgebet macht mit der Vergebung Gottes ernst. »Und wenn er (der Kranke) Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.« Die passive Form »ihm wird vergeben werden« entspricht jüdischem Denken. Jeder gottesfürchtige Jude scheut sich, den heiligen Namen Gottes auszusprechen. Darum wird Gottes Handeln öfters im Passiv ausgedrückt; im Deutschen noch zu erkennen z. B. in Matthäus 5, 4. 6; 9, 2b. Bis in die sprachlichen Formen wird bezeugt: Sündenvergebung ist ausschließlich das Werk Gottes. »Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht« (Jes. 43,25; vgl. Jes.44,22; Jer.31,34; Mark.2, 7). Das gilt sachlich auch für Johannes 20, 23: Der mit Heiligem Geist betraute Jesusjünger spricht im Namen Gottes die Vergebung der Sünden zu. Einzig der sündlose Gott ist die Quelle wirklicher Entsündigung und Erneuerung: dazu Hesekiel 36,25-27; Sacharja 13,1; Hebräer 10, 22.
Wenn Christen mit der biblischen Aussage ernst machen, dass Sünde, Krankheit und Tod in dieser Welt grundsätzlich zusammengehören, sollte bei Krankenbesuchen auch generell Gelegenheit zur Beichte eingeräumt werden. »So bekennt nun einander eure Sünden.« Der Kranke und der Gesunde sind vor Gott sündige Menschen, die der vielfältigen Vergebung bedürfen. Darum legt Jakobus Wert auf das gegenseitige Bekennen der Sünden vor dem heiligen und gnädigen Gott. Gerade diese Empfehlung schließt eine mechanische und einseitige Beichtpraxis aus, als ob es nur um den glaubensschwachen, sündigen Kranken ginge! »Jakobus erhöht nicht den einen Bruder über den anderen, als wäre der eine der Verschuldete und der andere sein Richter« (A. Schlatter). Echte Nachfolge bewährt sich im demütigen Miteinander und Füreinander der Christen. Untrügliche Kennzeichen solcher Gemeinschaft sind die Fürbitte und das Sündenbekenntnis. Eins greift ins andere: Wer seine Sünden bekennt, wird befreit. Wer befreit ist, wird gestärkt zu vollmächtigem Beten. Zwei Fragen will ich heute besonders bedenken. Erstens: Bin ich ein Christ, der sich vom Geist Gottes in alle Wahrheit leiten und sich von Sünde überführen lässt? »Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ichs meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege« (Ps. 139, 23. 24). Bin ich ein Christ, der seine Übertretungen bekennt und um Vergebung bittet? Biblische Vorbilder finden wir zum Beispiel in 2. Samuel 12, 13; 24, 10-14; Hiob 33, 26-28; Psalm 51, 4-14; Lukas 15, 18-21. Zweitens: Wer braucht heute meine konkrete und gezielte Fürbitte (1.Thess.1,2; 5,25)? Jeder Christ, der kranke und der gesunde, darf den wertvollen Dienst der Fürbitte üben. Es ist hilfreich, wenn wir dafür regelmäßig kleine Zeiträume reservieren, damit es vom Vorsatz zur Verwirklichung kommt.
Ein von Herzen kommendes Sündenbekenntnis und wirksame Fürbitte kennzeichnen »das Gebet eines Gerechten«. Denn der Gerechte hängt an der Gerechtigkeit Gottes, nicht an der Selbstgerechtigkeit. Siehe Lukas 18, 9-14. Der Selbstgerechte hat sich selbst, der Gerechte hat Gott zum Mittelpunkt. Dies wirkt sich auch auf das Gebet aus. Jakobus schreibt wörtlich: »Viel vermag eines Gerechten Bitte, wenn sie wirksam gemacht wird.« Der Erfolg der Bitte hängt zutiefst an Gott, der das Verlangen derer erfüllt, die an ihm hängen. »Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen« (Ps.145, 18.19).
Klassisches Beispiel wirksamen Betens ist der Prophet Elia, »ein Mensch wie wir«. Sein Leben verlief ungewöhnlich spannungsreich (1.Kön. 18, 1ff; 19, 1-4). Auch in der tiefsten Tiefe blieb Elias Leben in Gott festgemacht. Der Herr war sein lebendiger Mittelpunkt. Ihn liebte und ehrte Elia von ganzem Herzen und mit seinem ganzen Leben. In einer Zeit ethischen Zerfalls und religiöser Verirrung erwies sich dieser Mann Gottes als kraftvoller Beter. Elia »betete ernstlich « und intensiv; und Gott machte sein Gebet wirksam. Der allmächtige Herr schickte, worum Elia betete: zuerst die Dürrekatastrophe (1. Kön. 17, 1), dann die Regenzeit (1. Kön. 18, 41-45). Dabei ist das Gebet des Elia um Gottes Gerichtshandeln nicht als Fluch- oder Rachegebet zu verstehen, sondern nach 5.Mose 28, 15. 22-24 als Bitte um Gottes Erziehungshandeln an seinem Volk. Zwar erwähnt die alttestamentliche Geschichtsschreibung kein ausdrückliches Gebet Elias um Gottes Gericht. Doch Jakobus deutet das Gerichtshandeln Gottes als Wirkung des Gebetes Elias. Begründung: Wer Gott und sein Wort kennt, kann in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes beten.
4. CHRISTEN BILDEN EINE RETTUNGSGEMEINSCHAFT (JAKOBUS 5,19.20) Jakobus beschließt seinen Brief nicht, wie wir es aus der übrigen neutestamentlichen Briefliteratur kennen, mit Grüßen, Segenswünschen oder einer Ermahnung, sondern mit einer Vergewisserung, die besonders die schwierige Wegstrecke am Ende der Weltzeit bedenkt. Schon Jesus charakterisierte die letzte Zeit ausdrücklich als Zeit der Verblendung und Verführung: Matthäus 24, 3-14. Ganz nüchtern muss damit gerechnet werden, dass Christen vom Weg der Wahrheit abirren. (Vgl. 2. Thess. 2, 3; 1. Tim. 4, 1-3.) Die Wahrheit verlassen heißt Jesus verlassen. Denn Jesus Christus ist die Wahrheit in Person (Joh. 14, 6). Der christliche Wahrheitsbegriff darf also nicht missverstanden werden als abstrakte, intellektuelle Größe. Es geht auch nicht einfach um richtige Ansichten und richtiges Verhalten, sondern um die persönliche und lebendige Beziehung zu Jesus, die unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln prägt. Dementsprechend persönlich formuliert auch die biblische Sprache: Die Wahrheit Gottes leitet und lenkt (Ps. 25, 5; 43, 3), beschützt (Ps. 91, 4), regiert (Ps. 117, 2), befreit (Joh. 8, 32), bleibt (2. Joh. 1, 2). Folglich will die Wahrheit Gottes erkannt (1. Tim. 2, 4), geglaubt (2. Thess. 2, 12), beachtet (Dan. 9, 13), bekannt (Mark. 5, 33), bezeugt (Joh. 5, 33), geredet (Eph. 4, 25), getan (Joh. 3, 21; 1. Petr. 1, 22) und geliebt (Sach. 8, 19b; 1. Joh. 3, 18) werden. Wie viel Leuchtkraft geht von einem Leben aus, das sich dem Licht der Wahrheit Gottes stellt und fortan darin lebt! Wir lesen dazu Johannes 4,16-30.39-42 und Lukas 19, 5-10. Heute will ich mich fragen: Wie gehe ich mit der Wahrheit Gottes in meinem Leben und Alltag um? Sollte ich eine Kurskorrektur vornehmen? Welche? Wann fange ich damit an?
Wie es ein Leben in der Wahrheit gibt, so auch ein Leben gegen die Wahrheit. Man kann die göttliche Wahrheit niederhalten (Röm.1,18), stürzen (Jes.59,14; Dan. 8, 12), »fromm« verdrehen (Jes. 48, 1), in Lüge verkehren (Jer. 8, 6; 9, 2; Röm. 1, 25), ihr widerstehen (2. Tim. 3, 8), sich von ihr abwenden (2. Tim. 4, 4; Tit.1,14), sie ausrotten (Jer.7,28) und ihr nicht gehorchen (Röm. 2,8; Gal.5, 7). Satan, »der Vater der Lüge« (Joh. 8, 44), bietet alle Kräfte und Mittel auf, die Kinder der Wahrheit hinters Licht zu führen (2.Kor.11,14). Seine Verführungsmacht ist groß, seine Verführungstaktik vielfältig. Darum gibt es sehr verschiedene Gründe, wenn Christen »von der Wahrheit abirren«. Wir vertreten keine Irrlehren. Das Glaubensbekenntnis entspricht Gott sei Dank! der geoffenbarten Wahrheit, aber das Glaubens-Leben spricht hier und da eine andere Sprache. Was macht uns zu schaffen? · Die Mentalität und Denkweise der Welt nagt als hintergründige Macht an der Glaubensfreude der Christen (2. Tim. 4, 10). Wie leicht passt man sich, ohne ernsthaft nachzudenken und zu prüfen, dem Allerweltsdenken an! · Zweifel und Kritik am »Wort der Wahrheit« (Jak.1,18; 2.Kor.6, 7) untergraben die guten Maßstäbe Gottes. Misstrauen und Undankbarkeit stören die vertraute Freundesbeziehung zu Jesus. · Überheblichkeit, Wichtigtuerei, Kleinigkeitskrämerei und Gesetzlichkeit führen zu Heuchelei und Krampf. · Eigennützige Ichbezogenheit untergräbt die selbstlose Nächstenliebe. Man sieht einfach nicht, was der andere braucht, weil man entweder nur von sich, von seiner Prägung und den eigenen Erfahrungen ausgeht oder so sehr mit Arbeit zugedeckt ist, dass man gar nicht richtig sehen kann. Nächstenliebe, wie Jesus sie meint, braucht Sorgfalt und Zeit. Der Jesusjünger vielfältig und mit allerfeinsten »Seidenfäden« vom Bösen und von seinem dicken Ich umgarnt. Doch so muss es nicht bleiben. Lukas 15,17-20 gibt uns eine erste Hilfestellung.
»Liebe Brüder! Wenn einer von euch vom rechten Weg abkommt und Gottes Wahrheit nicht mehr erkennt, dann sollt ihr ihn wieder auf den rechten Weg zurückbringen.« Als »Mitarbeiter der Wahrheit« (3. Joh. 8) haben Christen Verantwortung füreinander. Wie sieht die Verantwortung für irrende und verirrte Glaubensgefährten konkret aus? Erster Impuls: Betet intensiv und ausdauernd! (Luk. 22, 31. 32). Solches Gebet darf durchaus ein Klagegebet sein, aber frei von Anklage. Entscheidend ist, dass das Licht Gottes unser eigenes Leben und das des Irrenden erhellt und für Gottes Wahrheit gewinnen kann. Zweiter Impuls: Sprecht gründlich miteinander! Solch ein Gespräch sei dem Charakter nach liebevoll und ehrlich, offen und fair dem Inhalt nach am Wort der Bibel orientiert und sachbezogen. Ermahnung, Korrektur und notwendige Konsequenzen einer Fehlhaltung dürfen nicht verschwiegen werden. Aber Christen haben unter keinen Umständen über andere zu Gericht zu sitzen (Jak. 4, 11. 12; Matth. 7, 1. 2). Dritter Impuls: Distanziert euch von der Sünde. Wer sich mit den Irr- und Abwegen eines Glaubensbruders befassen muss, ist in besonderer Weise gefährdet, von der Sünde infiziert zu werden. Infektionsschutz gewährt ein beständiges Leben aus der Gnade Gottes. Aus seiner Fülle dürfen wir eine Gnade nach der anderen nehmen: Bewahrungsgnade und Begegnungsgnade. Vierter Impuls: Lasst die Not bei Gott! Nicht immer und in jedem Fall wird ein Verirrter sofort kehrtmachen. Dann gilt es, geduldig und vertrauensvoll zu warten. Wir wissen von uns selbst, dass unser Herz »ein trotzig und verzagt Ding« ist und dass manche Prozesse im Glaubensleben elend lang brauchen, bis wir verstehen und leben, wie Gott es haben will. »Die Güte des Herrn ists, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende« (Klagel.3,22; lies Neh.9,30.31; 2.Mose 34, 6).
Jakobus 5,19. 20; Psalm 51, 15; Sprüche 24, 11. Welch ein Ausblick, wenn Jakobus die Christengemeinde vergewissert: »Ihr müsst nämlich wissen: Wer einen Sünder von seinem falschen Weg abbringt, der hat diesen Menschen vor dem sicheren Verderben gerettet, denn Gott hat ihm seine Sünden vergeben.« Gewiss, Gott allein ist der Retter vom Tod nach dem Tod. Er benötigt unsere Unterstützung nicht. Gott brauchte uns nicht, aber er gebraucht uns! Welch ein Geschenk welch eine Verantwortung! (2.Kor. 5, 17-20).
Christenmenschen sind Rettungswerkzeuge in der Hand des Retters. Bin ich ein einsatzbereites, ein gebrauchsfähiges Werkzeug in Gottes Hand? Lasse ich mich zu den Verirrten, Gestrandeten, zu den in Sündenschuld Abgesackten und Versunkenen schicken? Bin ich ihnen ein »barmherziger Samariter«? (Luk. 10, 30-37). »Nur die Barmherzigkeit, die wir weitergeben, behalten wir. Nur Verge- bung und Frieden, die wir weiterschenken, treten in unserem Leben recht in Kraft und Wirksamkeit. Nur wenn wir im Dienst unseres Herrn stehen, bleiben wir seines Dienstes recht teilhaftig. Wer damit beschäftigt ist, andere vom Abgrund zurückzuholen, damit sie wieder in die Hand des guten Hirten gelangen, der bleibt darüber selbst in dieser Hand. Sich in der Zeit des großen Abfalls mit Herzen, Mund und Händen darum bemühen, dass andere nicht hinter Jesus zurückbleiben, bewirkt, dass man selber nicht hinter ihm zurückbleibt, sondern durch diese versuchungsreiche Zeit hindurchkommt« (F.Grünzweig).
»Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge. « Wie ein Fels in der Brandung, einem unumstößlichen Glaubensbekenntnis gleich, steht diese Aussage der Söhne Korachs am Anfang von Psalm 46. Mit den ersten Worten dieses Psalmliedes machen sie deutlich, woher sie Hilfe in ihrer bedrängenden Situation erwarten. »Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.« Aus der persönlichen Beziehung zu Gott erwächst ihnen eine schier unerschütterliche Zuversicht, die sie stark und getrost macht und ihnen Kraft zum Durchhalten gibt. Viele von uns kennen solche notvollen Tage, die plötzlich, wie ein gewaltiger Sturm, über uns hereinbrechen können: Schwierigkeiten in allen möglichen Variationen, Bedrängnisse von ganz verschiedenen Seiten. Die Söhne Korachs bleiben nicht verzweifelt an ihrer ausweglosen Situation stehen. Sie richten ihren Blick auf Gott und rechnen mit seinem Eingreifen. Das tiefe Wissen, dass Gott Hilfe für sie bereit hat, stärkt ihr Vertrauen auf ihn. Auch wir können daran vertrauensvoll festhalten, dass für Gott nichts, was uns betrifft, zu groß oder zu schwer ist. Wir können mit ihm rechnen, der allen Widerwärtigkeiten in dieser Welt und in unserem kleinen Leben gewachsen ist. Auf ihn können wir uns verlassen. Er steht niemals einer Situation ohnmächtig oder hilflos gegenüber. (Lies Ps. 40, 18; 63, 8; 121, 1. 2; Hebr. 13, 6.) Die Söhne Korachs haben in ihren Tagen Gott besungen in seiner Größe und Macht. Sie stellten sich auf die Seite dessen, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde. Diese Möglichkeit steht auch uns offen. Deshalb rechne an diesem Tag in deiner Situation mit dem eingreifenden Gott, dem nichts unmöglich ist! (Lies Luk. 1, 37; Ps.3, 1-9; 18,18-20.)
»Die grandiose Wucht der Sprache, mit der der Aufruhr der Elemente, das Toben der Wasser und das Toben der Völker in diesem Psalm beschrieben wird, ist eindrucksvoll. Doch weit wichtiger ist die Kühnheit des Glaubens, die uns aus jeder Zeile entgegenkommt. Es ist das trotzige Bekenntnis zu der Übermacht des lebendigen Gottes über alle zerstörenden Gewalten. Aus diesen Worten spricht eine geradezu verwegene Zuversicht, dass der Bund Gottes nicht brechen wird, auch wenn Königreiche zerbrechen und Berge ins Meer stürzen« (H. Lamparter). Viele Ausleger bringen diesen Psalm in Verbindung mit der wunderbaren Bewahrung Jerusalems vor dem assyrischen König Sanherib, der vor den Mauern der Stadt umkehren musste (vgl. Jes. 36 und 37). Der Prophet Jesaja hatte in jenen Stunden höchster Gefahr den König und das ganze Volk zum uneingeschränkten und grenzenlosen Vertrauen auf Gott ermutigt. Ihre Reaktion kommt in den Kehrversen 8 und 12 zum Ausdruck: »Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.« So haben die Kinder Korachs ihren Gott besungen und sich damit auf die Seite des allen feindlichen Mächten Überlegenen gestellt. Das freudige Bekenntnis, »der Herr der Heerscharen ist mit uns«, klingt an den Namen »Immanuel« an Gott ist mit uns. Es ist der Name, den der Prophet Jesaja schon im Blick auf Jesus aussprach und den er in seiner ganzen Fülle entfaltet: »Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt wunderbarer Berater, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst« (vgl. Jes. 7, 14; 9, 5). Dieser große, unübertreffliche Herr kennt auch unsere persönliche Lage. An ihn können wir uns jederzeit vertrauensvoll wenden. »Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich« (Ps.63,9; lies Ps.18,7; 121,1.2; Matth.11,28).
Martin Luther nannte Psalm 46 das Lied des heiligen Gottvertrauens. Er hatte eine ganz besondere Beziehung zu diesem Psalm. Davon spricht sein bekanntes Lied »Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen«. War er mit Problemen konfrontiert, und davon kannte er nicht wenige, konnte er zu seinem Freund Philipp Melanchthon sagen: »Komm, Magister Philipp, wir wollen den 46. Psalm anstimmen!« Das half ihm oft, in dunklen Stunden nicht zu verzagen. In einem Kommentar zu Psalm 46, 2 schrieb Luther: »Wen sollte dieser herrliche Trost, dieses goldene Wort nicht lustig und fröhlich, mutig und trotzig machen wider alle Feinde, ja wider den Teufel und die Pforten der Hölle selbst? Ist Gott unsere Zuflucht, Schloss und Wohnung, was bekümmern wir uns, wo wir endlich bleiben wollen, ist doch Gott größer denn die Welt. Wo der Schöpfer bleibt, da bleibt auch sein Geschöpf, wo der Herr und Meister und Vater bleibt, da bleibt auch der Knecht, der Jünger und der Sohn.« Aus diesen Worten spricht eine große Zuversicht und Gelassenheit, die ihren Ursprung in der Geborgenheit in Gott hat. (Lies Phil.4, 4-7; Joh.14,27; Kol.3,15.) Eine Leserin des Bibellesezettels, die über Jahre ihren todkranken Mann pflegte, schrieb: »Vielleicht ist Ihnen wie mir ein langer, beschwerlicher Weg an der Seite eines schwerkranken, lieben Menschen beschieden. Nach meiner Erfahrung glaube ich, dass ein großer Segen im Bleiben unter der Last liegt. Nie erfahren wir Gott so konkret und eindrücklich wie in Notzeiten, in denen wir an ihm festhalten und ihm unser Vertrauen aussprechen.« Sie konnte bezeugen, »Gott war meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen hatten.« (Lies Spr. 18, 10; 14, 26; Ps. 61, 2-5.)
In der Bibel finden wir viele Begebenheiten, die uns zeigen, dass Gott sich »in Nöten sehr bewährt« hat. Das Volk Israel war der harten Unterdrückung in Ägypten endlich entkommen. Gott hatte ihr Schreien gehört und ihr Elend gesehen. Er war gekommen, um sie mit »starkem Arm« aus der Hand der Ägypter zu erretten. Aber schon bald waren sie erneut in größter Gefahr. Pharao hatte mobil gemacht. Nun jagte er ihnen mit seinem mächtigen Heer nach, um sie zurückzuholen. Sie standen am Ufer des Schilfmeeres, vor ihnen nichts als Wasser und hinter ihnen die Elitetruppe Pharaos. »Und die Söhne Israel fürchteten sich sehr.« Wie reagieren wir, wenn wir keinen Ausweg sehen und die Angst uns lähmt? Das Volk betete intensiv zu Gott. Aber beinah im selben Atemzug suchte es nach einem Schuldigen und fand ihn auch. Sie klagten Mose an und überhäuften ihn mit Vorwürfen, bereit, ins »alte Leben« zurückzukehren. In ihrer Angst blendeten sie die Schrecken der Vergangenheit völlig aus ihrer Erinnerung aus. Doch Mose brachte das aufgebrachte Volk zur Ruhe. Er wies sie auf die einzigartige Souveränität Gottes hin: »Fürchtet euch nicht, tretet hin und sehet, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird; denn diese Ägypter, die ihr heute sehet, sollt ihr nicht mehr sehen ewiglich. Der Herr wird für euch streiten und ihr sollt stille sein!« (Lies 5.Mose 20, 1-3; 33,26.27; Ps.37,39.40.) Israel erlebte das Eingreifen Gottes. Der Herr bahnte einen Weg für seine Leute, und sie konnten trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen. Uns gilt heute Gottes Einladung: »Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen« (Ps.50,15; lies Ps.25,17; 91,15).
Gott »eine Hilfe, bewährt in Nöten«! Israel erlebte Gottes machtvolles Eingreifen, als es vor den Mauern Jerichos stand. Die Stadt »war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, sodass niemand heraus- oder hineinkommen konnte«. Die Lage schien aussichtslos. Hilflos standen sie dem gewaltigen Bollwerk gegenüber. Was sollten sie in ihrer Not tun? Der Gott, der sie auf dem Weg ins verheißene Land bis zu diesem Augenblick nicht verlassen hatte, stand ihnen auch jetzt als wunderbarer Berater zur Seite. Er ließ Josua wissen: »Siehe, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. « Gott gab Josua Einblick in seine Überlegungen, wie das geschehen sollte. Josua erhielt von Gott genaue Anweisungen. Jeden Tag sollte das Volk Israel einmal schweigend um die Stadt ziehen und am siebenten Tag siebenmal. Dabei sollten die Posaunen ertönen und gleichzeitig ein »großes Kriegsgeschrei« angestimmt werden. Dann würden die gewaltigen Mauern Jerichos fallen. Und sie fielen auch. Stehen auch wir nicht manchmal vor einem »uneinnehmbaren Jericho mit seinen abweisenden Mauern« zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde? Vielleicht macht uns auch eine Veranlagung, die uns unüberwindbar scheint, zu schaffen? »Das Volk Gottes darf über jedem Jericho, das ihm im Weg steht, sein Feldgeschrei anstimmen und Gottes Sieg ausrufen. Seit Jesus am Kreuz von Golgatha gerufen hat Es ist vollbracht, ist sein Sieg über diese Welt gewiss. Wir dürfen diesen Sieg über die großen und kleinen Festungen, die uns Furcht und Schrecken einjagen und vor denen wir oft ratlos stehen, ausrufen. Es gibt auf unserem Weg durch diese Welt kein noch so mächtiges Bollwerk, das unserem Herrn auf Dauer Widerstand leisten könnte« (Th. Sorg). (Lies Jes. 45, 2.3; Ps.118,23.24; 126,1-3.)
»Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, eine Hilfe, herrlich erwiesen in Bedrängnis. « Elisa und sein Mitarbeiter lernten Gott als bewährten Helfer, als Experten für Notfallhilfe kennen. Sie waren eingeschlossen in der Stadt Dotan. Rings um sie her hatte sich in einer Nacht das große feindliche Heer der Syrer niedergelassen. Elisas Diener entdeckte sie am frühen Morgen. Angst und Schrecken überfielen ihn: »O weh, mein Herr, was sollen wir tun?« Für ihn schien alles verloren zu sein. Aber Elisa ermutigte seinen Mitarbeiter: »Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind. Und Elisa betete und sprach: Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe! Da öffnete der Herr dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her.« (Lies 2.Chron.32,7.8; Nah.1,7.) Für uns persönlich und für andere, deren Ängste und Nöte wir mittragen, liegt die Hilfe im Aufschauen zu unserem großen Gott. Bei ihm gewinnen wir Mut und Zuversicht. Im Gebet allein und gemeinsam dürfen wir uns dem Herrn aller Herren anvertrauen. Dann können wir wieder durchatmen und göttliche Gelassenheit empfangen. Ich darf meine Sache in Gottes Hand wissen, und er macht es gut! Jemand formulierte ein Gebet, das uns helfen kann, wenn wir eingeengt und bedrängt sind: »Herr, ich danke dir, dass du diese Situation überschaust und sie ganz in deiner Hand hast. Wir wissen nicht, wie du die Knoten lösen wirst, wir sehen keinen Ausweg aus dieser verfahrenen Geschichte, aber wir vertrauen dir und danken dir schon jetzt, dass du alles zu deiner Ehre und zu unserem Besten lösen wirst.« (Lies 1.Mose 41,51.52; 45,5. 7-9; Klagel.3,57. 58; Ps.57,3.)
»Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der Not.« Das erfuhr König Hiskia, als er völlig auf Gottes Hilfe angewiesen war. »Im vierzehnten Jahr seiner Regierungszeit zog Sanherib, der König von Assyrien, gegen alle Städte Judas herauf und nahm sie ein.« Auch Jerusalem sollte nicht verschont bleiben. Der Rabschake ein hoher Beamte und der Gesandte Sanheribs versuchte Hiskia zu entmutigen. Er wollte sein Vertrauen auf den lebendigen Gott untergraben und behauptete sogar, in Gottes Auftrag zu kämpfen. Und er hielt auch nicht damit zurück, das Volk gegen Hiskia aufzustacheln und ihnen den Himmel auf Erden zu versprechen, wenn sie mit ihm ein Bündnis eingehen würden. Der Rabschake ging sogar so weit, dass er sich über Gott und sein Können stellte. Hiskia und das Volk standen unter starkem Druck. Doch wie reagierten sie, wie gingen sie mit der Not um? Vom Volk heißt es: »Sie schwiegen aber still und antworteten ihm nichts; denn der König hatte geboten: Antwortet ihm nichts.« Schweigen ist nicht immer leicht, besonders dann nicht, wenn man angegriffen und verletzt und das Vertrauen auf Gott untergraben wird. (Lies Ps.39,9.10; Spr.10,19; 11,12; 1.Petr.2, 21-23.) Von Hiskia heißt es wiederholt: »Er ging in das Haus des Herrn.« Dort sprach er mit Gott über den Inhalt des Briefes, den ihm Sanherib durch einen Boten geschickt hatte. »Herr der Heerscharen, du Gott Israels, der du über den Cherubim thronst, errette uns aus der Hand Sanheribs, damit alle Königreiche auf Erden erfahren, dass du, Herr, allein Gott bist.« Hiskia erlebte das Eingreifen Gottes. (Lies Jes.37, 33-35; 64, 3; 49, 24.25; Ps. 18,17-20.) Gott ist jeder Situation, auch der ausweglosen, gewachsen. »Ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt« (Ps.12, 6).
Wir haben uns mit Menschen der Bibel beschäftigt, die ihr Vertrauen auf Gott setzten und mit seiner Hilfe rechneten. Doch es gibt auch Beispiele von Menschen, die an Gott vorbei ihre eigenen Wege gingen. Einer von ihnen war der Prophet Jona. Er hörte den Auftrag Gottes: »Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive« (Jona 1, 2)! Jona machte sich auf den Weg, jedoch nicht zu dem von Gott bestimmten Ort. Er schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Hatte er den Auftrag Gottes falsch verstanden? Gewiss nicht! Ohne dem Herrn eine Antwort zu geben, ohne seine Bedenken, seine Ängste, seine Unfähigkeit, sein Nichtwollen auszusprechen, ging Jona los. Er kniff vor Gott. Dabei schienen die Umstände für seine Pläne günstig. Zunächst lief alles glänzend. Doch der Wunsch Jonas und der Wille Gottes waren zwei Paar Stiefel. Wie gefährlich solche selbst gewählten Wege sind, musste Jona bald erfahren. »Jona ging nach Jafo hinab!« Der im Ungehorsam gegenüber Gott eingeschlagene Weg führte nicht auf ein sicheres Schiff in ein traumhaftes Land, sondern endete in der Tiefe des Meeres. »Ich fuhr hinab zu den Gründen der Berge. Der Erde Riegel waren hinter mir« (Jona 1, 1-2, 7). »Manchem scheint sein Weg recht; aber zuletzt bringt er ihm den Tod« (Spr. 14, 12; lies Spr. 23, 26; 4, 25-27). Immer wieder sind wir in die Entscheidung gestellt, auf Gott zu hören, seinem Wort und Auftrag zu vertrauen und zu gehorchen. »Bist du auch hilflos, schwach und klein, und fehlt dir Mut und Kraft, geschieht es, weil sich Gott allein aus Schwachen Starke schafft. Je schwächer du, je stärker Er; o halte fest daran; dass Er dir hilft, dem Erd und Meer und Himmel untertan.« (Diakonissenmutterhaus Aidlingen)
Wir kennen es nur zu gut, das unselige Motto: »Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.« Auch dazu finden wir einige Beispiele in der Bibel. Asa, der König von Juda, suchte an Gott vorbei auf diplomatischem Weg Hilfe gegen seinen Feind Bascha beim König von Syrien (»Aram«). Dem gelang es, Bascha zum Rückzug zu zwingen. In den Augen des Volkes war Asa nach diesem Schachzug vielleicht ein kluger und erfolgreicher Regent. Doch der Bescheid Gottes über sein Handeln hieß »Chance verpasst«. »Weil du dich auf den König von Syrien verlassen hast und nicht auf den Herrn, deinen Gott, darum ist das Heer des Königs von Syrien deiner Hand entronnen.« Der Gottesbote Hanani erinnerte Asa daran, wie der Herr ihm schon einmal geholfen hatte, als er in großer Not gewesen war: »Hatten nicht die Kuschiter und Libyer eine große Heeresmacht mit sehr viel Wagen und Reitern? Doch der Herr gab sie in deine Hand, da du dich auf ihn verließest.« Wie dumm, wenn wir meinen, die Dinge eigenmächtig regeln zu können, ohne Beratung und Kraft des Herrn bewusst in Anspruch zu nehmen! Die Warnung des Propheten Jesaja sollte sich das Volk Gottes aller Zeiten zu Herzen nehmen: »Wehe denen, die hinabziehen nach Ägypten um Hilfe und sich verlassen auf Rosse und hoffen auf Wagen, weil ihrer viele sind, und die Gespanne, weil sie sehr stark sind. Aber sie halten sich nicht zum Heiligen Israels und fragen nicht nach dem Herrn« (Jes.31, 1-3). Uns steht der Weg erwartungsvollen Vertrauens auf Gott offen. »Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen« (Spr. 3, 5. 6; lies Jes. 26, 3. 4; 48, 17. 18; 5.Mose 5,29).
»Der Strom mit seinen Bächen erfreut die Stadt Gottes, die heiligen Wohnungen des Höchsten. Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken; Gott wird ihr helfen, wenn der Morgen anbricht.« Wir erleben hier eine gewaltige Veränderung gegenüber dem, was wir in den Versen zuvor gelesen haben. Jetzt ist nicht mehr von Chaos, von Weltuntergang, vom tobenden Meer und einstürzenden Bergen die Rede. Durch die Gegenwart Gottes zog tiefer Friede in die Stadt Gottes ein und mit ihm Geborgenheit und Sicherheit. »Gott ist in ihrer Mitte!« Dort, wo der lebendige Gott Mittelpunkt im Leben eines Menschen wird, kehrt dieser Friede ein. Wo vorher ein Durcheinander herrschte, werden die Dinge des Lebens durch Jesus, den einzigartigen Friedenskönig, geordnet. Als Zachäus auf dem Maulbeerbaum sehnsüchtig nach Jesus Ausschau hielt, blieb der Herr stehen und sprach zu ihm: »Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend vom Baum und nahm Jesus mit Freuden auf.« Über die beachtlichen Folgen dieser Lebenswende berichtet Lukas 19, 8. Auch bei Saulus von Tarsus blieb die Begegnung mit Jesus nicht ohne Auswirkungen. Er wurde von der Gegenwart des erhöhten Christus so sehr überrascht, dass er zu Boden fiel und nur fragen konnte: »Wer bist du, Herr?« Immer wieder bezeugte Saulus diese unvergessliche Stunde. (Lies Apg. 26, 12-23.) Wer sein Leben bei Jesus fest macht, der kann heute solch eine Stunde erleben. Jesus hat versprochen: »Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei« (Joh. 8, 36). Schuld wird vergeben. Beziehungen können heilen, und unser Herz und Leben kann von falschen Bindungen gelöst werden. Jesus lädt uns ein: »Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.« (Lies Matth. 11, 28-30; Joh. 6, 37; Luk. 15, 10.)
»Gott wird ihr helfen beim Anbruch des Morgens.« Finstere Nächte und Stunden, in denen wir kein Licht sehen, bleiben keinem von uns erspart. Aber eines ist bei aller Dunkelheit ganz sicher: Gott ist da. Er verliert uns nicht einen einzigen Augenblick lang aus den Augen. Die dunklen Strecken der Anfechtung und Not mögen unendlich lang erscheinen. Doch zum Durchstehen solcher Nächte gilt uns die Zusage: »Gott wird ihr helfen, wenn der Morgen anbricht.« Oft begleiten uns Sorgen und Ängste bis in die Nacht hinein, beunruhigen und rauben uns den Schlaf. Wir fragen uns vielleicht, wie alles werden und weitergehen soll, wenn wir das Licht am Ausgang eines Tunnels nicht sehen können und uns der Weg endlos lang erscheint. Aber wenn die Nacht auch noch so dunkel ist, der Morgen kommt ganz sicher. Und wenn er anbricht, wird Gott sein Versprechen einlösen und mit seiner Hilfe eingreifen. (Lies Ps. 130, 6. 7; 2.Chron. 20, 20-22.) Als die Jünger von Jesus einmal in einen gewaltigen Sturm auf dem See Genezareth und in große Angst gerieten, kam der Herr in der »vierten Nachtwache« morgens, kurz vor Tagesanbruch zu ihnen und ermutigte sie mit den Worten: »Seid getrost, ich bins; fürchtet euch nicht! Und er trat zu ihnen in das Boot, und der Wind legte sich« (Matth.14, 24-33). Erinnern wir uns an das Volk Israel nach dem Gang durchs Rote Meer: »Da streckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam beim Anbruch des Morgens wieder in seine Strömung zurück, und die Ägypter flohen ihm entgegen . . . So rettete der Herr Israel an jenem Tag aus der Hand der Ägypter« (2.Mose 14, 24-30; lies Ps. 30, 6; 143, 8; 59,17.18). Wer Gott vertraut, den bringt er sicher ans Ziel!
»Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben. Die Heiden müssen verzagen, und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er seine Stimme hören lässt.« Um sein Volk aus der bedrängenden Situation herauszuführen, brauchte Gott kein starkes Heer. Er ließ seine Stimme hören, und Gewaltiges geschah. Welch eine Wirkung! Es ist die Stimme, mit der er Himmel und Erde ins Dasein gerufen hat. »Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Wenn er spricht, so geschiehts; wenn er gebietet, so stehts da« (Ps. 33, 6. 9; lies Ps. 148, 1-5; 1.Mose 1, 3ff). In dem Wort, das Gott spricht, liegt Vollmacht. Hier wird etwas von der Mühelosigkeit deutlich, mit der er eingreifen und gebieten kann. In Psalm 2 lesen wir, wie die Völker den Aufstand gegen Gott proben. Sie tun es vergeblich. Er ist und bleibt der souveräne Herr, dem einst auch die größten Spötter, Kritiker und Gegner zu Füßen fallen werden. (Lies 2.Mose 15, 1-21.) In den Evangelien erfahren wir, wie Jesus mit seinem vollmächtigen Wort helfend und heilend in das Leben von Menschen hineinwirkte. Blinde wurden sehend, Gelähmte konnten wieder gehen, Taubstumme hören und sprechen, und dem toten Lazarus »rief er mit lauter Stimme zu: Lazarus, komm heraus! Und er kam aus der Grabhöhle heraus«. Durch sein kraftvolles Wort brachte Jesus auch die tobenden Naturgewalten zum Schweigen: »Er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.« Da, wo Gott durch sein Vollmachtswort in unser Leben hineinspricht, hat es bis heute dieselbe ungebrochene Kraft. Darauf können wir vertrauen. (Lies Mark.4,35-41; 7,31-37; Joh.11,40-45.)
»Mit uns ist der Herr der Heerscharen; der Gott Jakobs ist für uns eine feste Burg.« Die Psalmsänger geben zwei Antworten auf die Frage, wer Gott ist. Erstens: Gott ist »der Herr der Heerscharen«. Der Gottesname »Herr der Heerscharen « oder »Herr Zebaoth« war für die alttestamentliche Gemeinde der Name, der das Wesen Gottes am treffendsten charakterisierte. Dieser Name betont die kosmische Macht und königliche Majestät Gottes, in dessen Hand die ganze Welt liegt. Die »Heerscharen Gottes« wurden von ihm erschaffen und stehen ihm jederzeit und an jedem Ort zur Verfügung. (Lies 2. Kön. 6, 15-17; Luk. 2, 13; Matth. 26, 53; Offb. 5, 11-13.) Wer sich im Gebet an den »Gott der Heerscharen« wendet, erfährt das Eingreifen des allmächtigen Herrn. Er behält spielend die Oberhand in allen Auseinandersetzungen mit den feindlichen Mächten, die uns bedrängen. David sagte zu dem Philister Goliat: »Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth, des Gottes des Heeres Israel, den du verhöhnt hast. Heute wird dich der Herr in meine Hand geben« (1. Sam.17,45.46). Zweitens: Gott ist der »Gott Jakobs«. Ein Gott, der sich unwahrhaftigen, betrügerischen Menschen freundlich zuwendet (vgl. 1.Mose 28,10-15; 31,42; 32,10- 13). Ein Gott, der dem schuldig gewordenen Jakob mitten im Zerbruch mit segnender Güte und neuschaffender Liebe begegnete; siehe 1. Mose 32, 25-32. Dieser gnädige Gott erbarmt sich auch über uns. Bei ihm haben wir alle Chancen zu einem Neuanfang. Und zugleich ist er auch für uns wie eine feste, uneinnehmbare Burg, in der wir uns vor den feindlichen Angriffen bergen können. »Gott ist mein Schutz und meine Zuflucht!« »Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt« (2. Sam. 22, 3; Spr. 18, 10; lies Ps. 20, 2. 3; 84, 9-13).
»Kommt her und schaut die Werke des Herrn, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.« Hier werden die Völker aufgerufen zuzusehen, wie Gott die feindlichen Mächte bezwingt. Die von Menschen geführten Kriege sind eine grauenhafte Tatsache. Ein Ende ist an vielen Orten nicht absehbar. Wir tun gut daran, die erschütternden Nachrichten aus den Krisengebieten der Welt in unser Fürbittegebet einzubeziehen. Die Not leidenden Menschen und die oftmals ratlosen und uneinigen Staatsmänner brauchen unsere Fürbitte und, wo es möglich ist, auch unsere praktische Hilfe. (Lies 1.Tim. 2, 1-3; 4.Mose 14,17-20.) Doch es geht nicht nur um die Konflikte in der großen Weltpolitik. Wer kennt nicht aus seinem persönlichen Alltag Situationen, wo man anstößt und andere beschädigt. Situationen, wo man in harte Auseinandersetzungen verwickelt wird oder sie selbst auslöst. Dann möchte man zeitweilig am liebsten davonlaufen und alles hinwerfen. Aber »Gott steuert die Kriege, er bereitet den Kriegen ein Ende« auch solchen, die sich verborgen im Herzen oder offenkundig im Miteinander abspielen. Wir dürfen um Gottes Eingreifen bitten und darauf vertrauen, dass er in unseren Grenzen Frieden schafft (Ps. 147, 14). »Seid stille«, sagt Gott, »und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.« Manchmal mag es uns anfechten, dass Gott nicht sichtbarer eingreift. Aber er wird aus dem Verborgenen hervortreten und die spöttische Frage »Wo ist euer Gott?« durch sein Kommen selber beantworten. Wir können schon jetzt getrost und geborgen in ihm sein, denn er ist der lebendige und handelnde Gott. »Der Herr Zebaoth ist mit uns.« (Lies Phil.2, 6-11; Offb.3,11; 22,20.)
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