Sonntag, 1. Juni Markus 1,13; Römer 8,19-25.
Nur der Evangelist Markus hat die kleine Notiz über Jesus in der Versuchung festgehalten: »und er befand sich mitten unter den wilden Tieren« heißt es wörtlich übersetzt. Fünf biblische Leitlinien werden sichtbar: 1. Durch die ganze Schöpfung zieht sich ein harter Riss. Jenseits von Eden herrschen Gewalt, Grausamkeit und Angst. Gottes sehr gute Schöpfung ist dem Gesetz der Zerstörung unterworfen. Daran krankt die Menschheit: Vergleiche 1.Mose 1, 26-31 mit 1.Mose 4, 6. 7 und 1.Mose 8, 21. Darunter leidet auch die Natur: 1.Mose 3, 17. 18 und Römer 8, 20-22. Naturkatastrophen einerseits und Ruinierung der Umwelt durch übersteigerte Technisierung andererseits sind lediglich eine Spielart des Problems. 2. Die Schöpfung befindet sich in einem Wartezustand. Die kaputte, heillose Welt sehnt sich nach Genesung, Gesundung, Ganzheit. Welcher Experte kann da noch grundlegende und glaubwürdige Lösungen anbieten und sie erfolgreich durchbringen? 3. Das Heil ist schon mitten unter uns. Im Sinn unserer Markusnotiz sollten wir besser sagen: Jesus, der Heiland, ist da mitten im Spannungsfeld von Gut und Böse. Dazu ist er gekommen: zerbrochene Herzen heilend zu berühren, Traurige zu trösten, okkult Belastete und Besessene zu befreien, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und das Evangelium von Gottes grenzenloser Liebe seinen Menschen zu verkündigen (Jes.61, 1-3). Jesus persönlich wird den Kampf gegen Satan aufnehmen und unter Einsatz seines eigenen Lebens der Schlange den Kopf zertreten (1.Mose 3, 15; 1. Joh. 3, 8). Darum schenkt er auch mir Überwinderkraft. »Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat« (1. Joh. 5, 4). »Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus« (1.Kor. 15, 57; Röm. 8,37; 5,17).
Montag, 2. Juni Markus 1, 13; Jesaja 9, 5. 6.
4. Die Zukunft gehört dem Messias Gottes. Unsere zerrissene Welt, die »seufzende Schöpfung«, unsere komplizierte Alltagswirklichkeit, vielfältig durchwoben von Sorgen, Feindseligkeiten und Resignation, sind nicht das Letzte, sondern das Vorletzte. Wie »im Anfang«, als Gott Himmel und Erde schuf, alles sehr gut war (1.Mose 1, 31), so wird auch am Ende der Zeit alles sehr gut werden. Vor der Neuschöpfung von Himmel und Erde (Jes. 65, 17; Offb. 21, 1-5) richtetGott zur Vollendung derGeschichte Israels in der altenWelt sein Friedensreich auf. Darauf weist uns Markus mit seiner Anmerkung »Jesus befand sich mitten unter den wilden Tieren« hin. Der Evangelist zieht hier eine heilsgeschichtliche Linie von jener glücklichen und friedvollen Lebensphase im Paradiesgarten bis hin zum Friedefürsten Jesus. Dann wird er auch die Geschichte Israels vollenden und sein universales Friedensreich aufrichten (Apg.1,6. 7). In jener Zeit wird »der Wolf beim Lamm bleiben und der Leopard beim Böckchen lagern. Das Kalb und der Junglöwe und das Mastvieh werden zusammen sein, und ein kleiner Junge wird sie treiben. Kuh und Bärin werden miteinander weiden, ihre Jungen werden zusammen lagern. . . « (Jes. 11, 6ff; 65, 25). Unsere Zukunft liegt in der Hand Gottes. Er wird alles bestens ordnen und sehr gut machen. Wir sind unterdessen eingeladen, uns heute auf eine Zukunft bei Jesus, dem Friedenskönig, vorzubereiten. Wie das geschehen kann? Wir dürfen uns unverzüglich und immer neu Jesus anvertrauen. Seine Versöhnungsarbeit am Kreuz gibt mir Lebensmut, gute Gedanken und frische Tatkraft, mitten »unter wilden Tieren« ein Friedensstifter zu werden: Jesaja 53, 5; Epheser 2, 14-18; 3, 16-4, 6. 22-32.
Dienstag, 3. Juni Markus 1,13; Matthäus 4,11.
5. Die Verbundenheit mit Gott zählt. Jesus hat sich in der Versuchung bewährt. Er hat sich vom Versucher nicht überreden lassen. Das Wort Satans hatte kein Gewicht bei Jesus bekommen. Für ihn zählte einzig das Wort Gottes (Matth. 4, 1-11; Luk. 4, 1-13). Selbst Bibelzitate fallen bei Jesus nicht ins Gewicht, wenn sie der Versucher im Munde führt. Aus der herzlichen Verbundenheit mit seinem Vater hat der »geliebte Sohn« den nötigen Durchblick und die nötige Widerstandskraft, dem Ziel seiner Sendung wie im Taufgeschehen bestätigt treu zu bleiben. Das war alles andere als leicht für ihn. (Vgl. Hebr.5,7.8.) Aber er hat sich von Anfang an in den Versuchungen als der Treue bewährt: Hebräer 4, 15. »Und die Engel dienten ihm«, so beschließt Markus seinen knappen Bericht und drückt damit das siegreiche Bestehen der Versuchung aus. Es ist aber auch gesagt, dass Anfechtungen nicht endlos andauern und nicht uferlos anschwellen werden. Gott selbst hat auf den Bedrängten Acht. Der Herr vergisst den Kämpfer nicht, sondern sorgt für ihn rechtzeitig. Man denke etwa an die wunderbare Versorgung des erschöpften Propheten Elia durch den Engel des Herrn (1. Kön. 19, 5ff). Geröstetes Brot und quellfrisches Wasser dienten dem Mann Gottes zu wohltuender Stärkung. Möglicherweise haben die guten Engel Gottes auch Jesus, dem Größten aller Propheten, zu essen und zu trinken gebracht. Darauf weist uns die Wortwahl »sie dienten ihm« in der biblischen Ursprache hin. Man gebrauchte diesen Begriff, wenn jemand am Tisch aufwartete oder zur Fürsorge für andere angestellt war. Welch ein Service, vom Himmel selbst verordnet und ausgegeben! »Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er hilft ihnen heraus« (Ps. 34, 8; vgl. 2. Kön. 6, 17; Ps. 91, 11. 12; Hebr.1,13.14).
Mittwoch, 4. Juni Hebräer 2,17. 18; 4,15. 16.
Nicht nur Jesus, auch wir werden immer wieder vom Bösen angegriffen. Es lohnt sich festzuhalten, welche Hilfen uns das Wort Gottes besonders für kritische, angefochtene Stunden anbietet. 1. Die Tatsachen kennen und akzeptieren: a. Wir kommen ein Leben lang immer wieder in Versuchung; aber wir sollen darin nicht umkommen: Jesaja 43,2; Psalm 66,12; 1. Petrus 4,12. b.Gott selber verleitet keinen Menschen zum Bösen. Das liegt in seinem Wesen begründet. Gott ist durch und durch gut: 1. Johannes 1, 5b; Jakobus 1, 13. 17. Der Herr kann uns wohl prüfen, sogar bis aufs Äußerste, aber er wird uns nie täuschen, prellen, überlisten, hereinlegen. Niemals! c. Satan aber, der »alt böse Feind«, legt es grundsätzlich darauf an, Menschen zu irritieren, zu schocken, zu verführen, zu versklaven, zu vernichten. Dabei verfügt er über ein hervorragendes Instrumentarium und eine sagenhafte Methodenvielfalt: 1.Mose 3, 1. 4. 5; 1. Chronik 21, 1; Hiob 1, 6ff; Lukas 11, 14-28; Johannes 8,44; 2.Korinther 11,14; Epheser 6,11. 2. Die Begründung verstehen lernen: a. Christen werden angegriffen, weil sie Jesu Eigentum geworden sind. Der Herr will, dass sein eigenes Leben bei den Seinen zur Entfaltung kommt. Satan aber will diesen Wachstumsprozess stören und zerstören. (Vgl. Apg. 4, 7-13.16-21; 5, 40-42; 12, 1-5.24.) b.Christen kommen in Anfechtung, weil sie einem verwundeten Christus folgen. Es ist für den Glauben schwer, dass Gott seine Macht und Herrlichkeit im Kreuz verbirgt. Aber es gibt nun mal kein Ostern ohne Karfreitag, keinen Sieg ohne Kampf, keine Krone ohne Kreuzes-Belastung. (Vgl. Apg. 14, 22; Offb.2,10.) c. Menschen Gottes geraten in Feuerproben, weil sich der Glaube als echt zu bewähren hat: Daniel 3, 23-28; 6, 23. 24; Sacharja 13, 9; Jakobus 1, 2. 3. 12; 1. Petrus 1, 6-9.
Donnerstag, 5. Juni Hebräer 4, 15. 16; Römer 8, 33. 34.
3.Der Seelsorge Jesu vertrauen lernen: a. Jesus ist mitten in meiner Anfechtung da. Selbst gute Freunde können mich verlassen. Jesus aber, mein Hirte, ist und bleibt bei mir. Auch wenn die Gefühle streiken, wenn Ängste blockieren und »Raubtiere« ihr Maul aufsperren, mich zu zerreißen »Du, Herr, bist bei mir« (Ps. 23, 4; 91, 15; 138, 7; 2.Tim. 4, 16). b. Jesus spricht mit mir auch in der Bedrängnis. Schweigen kann die Qual einer Krise verlängern. Der Herr aber lässt mich nicht über einen längeren Zeitraum ohne sein Wort, ohne einen persönlichen Zuspruch. Der Apostel Paulus hat in einer kritischen Phase intensiv gebetet, Jesus Christus möge den schrecklichen, schmerzhaften »Dorn« aus seinem Leben entfernen. Der Herr hat den Wunsch des Paulus nicht erfüllt, aber er hat ihm sein ermutigendes Trostwort zugesprochen. Diese Ermutigung gab dem Apostel Kraft zum Standhalten, Aushalten und Durchhalten: 2.Korinther 12,9. c. Jesus übt Seelsorge in Liebe und Wahrheit. Er deckt Wirklichkeit auf; benennt, was nicht in Ordnung ist. Aber er tut es mit so viel Liebe, dass die Wahrheit nicht niederschlägt, sondern zurechthilft. Sehen Sie selbst: Lukas 22, 31-34; Offenbarung 3, 8. Und wie stehts mit Lukas 24, 25-27 oder Markus 9,33-37? d. Jesus gibt dem Angefochtenen neue Chancen. Durch Umkehr: Offenbarung 2, 1-5. Durch Anerkennung und Lob: Lukas 22, 28-30; Offenbarung 2, 9. 10. Durch erklärende Hinweise: Johannes 14, 8-14; Apostelgeschichte 9, 16. Durch eine neue Beauftragung: Johannes 21,15-17.
Jesus war ungefähr dreißig Jahre alt (Luk. 3, 23), als er seinen Dienst in der Öffentlichkeit antrat. Das geschah, »nachdem Johannes überliefert war«. Der eine geht, der andere kommt. Der eine nimmt seinen Dienst kraftvoll und voller Freude auf, der andere wird von jetzt auf gleich aus dem aktiven Dienst gerissen und wird unschuldig zum Tod verurteilt. Bis in seinen Tod hinein wird Johannes der »Vorläufer« des Messias Gottes. Gott klammert das Leiden im Leben seiner Boten nicht aus, und wir buchstabieren schwer an Gottes rätselhaften Wegen. Theoretisch wissen wir gut, dass Gott keinen einzigen Fehler macht. Aber wenn es uns dann persönlich trifft, hart trifft, sind wir oftmals wie die Abc-Schützen, und wir meinen, diese Schule pack ich nie. Dennoch: Was immer (heute) geschehen mag, der Vater im Himmel behält jeden Menschen und sein Geschick im Auge. Er hat den Überblick über alles und den Durchblick durch alles (Ps.139, 12; Dan. 2, 20-22). Auch meinen kleinen, oftmals herben und chaotischen Alltag kann und wird er meisterhaft einbinden in die heilbringende Konzeption seiner guten Herrschaft (1.Mose 50, 20). Ein hilfreiches Gebet finden wir in Psalm 143, 6-10. Die Auslieferung des Täufers ist offenbar ein bedeutsames Signal für Jesus. Der Bote zwar musste sterben, nicht aber die Botschaft. Die Verkündigung von der Gottesherrschaft geht nahtlos weiter (vgl. Matth. 3, 1. 2 mit 4, 17 und Mark. 1, 15), ist aber jetzt viel dringlicher und in einem umfassend großen Rahmen (Mark. 1, 28. 33. 38. 39). Es ist »rätselhaft« und wunderbar zugleich, dass das Wort Gottes weder gefesselt noch zum Schweigen gebracht werden kann, sondern dass es läuft und läuft und weiter spricht, dass es Herzen erobert und verwandelt. (Vgl. Apg.6,7; 12,24; 19,20.)
Samstag, 7. Juni Markus 1,14.15; Matthäus 4,12-16.
Jesus kam zuerst »nach Galiläa«. Warum beginnt er nicht im Süden, in Judäa, in Jerusalem? Höchst anstößig für die gesetzestreuen Gemüter! »Wenn der Freudenbote kommt, wird es Juda zuerst verkündet«, so die Standard-Erwartung. Doch Jesus geht dem »klassischen Ort des Messias aus dem Wege und verschwindet in einem verheißungslosen Winkel, verbraucht Kraft und Zeit an Hinterwäldlern« (A. Pohl). Warum tut er das? Purer Glaube an das Wort Gottes und blanker Gehorsam reichen als Motiv nicht aus. Denn Glaube ohne Liebe macht stur. Gehorsam ohne Liebe macht engherzig. So ist es wohl die Liebe des Herrn. Diese durch und durch heilige und herzliche Liebe qualifiziert den Dienst Jesu als den echten Evangeliumsboten. Der Herr sieht zuerst das liebeund wahrheitsbedürftige Herz der Menschen, und er lässt sich nicht abstoßen durch individuelle Merkwürdigkeiten, Manieren und Sünden: »Jesus nimmt die Sünder an.« Jesus ist der wahre, der echte Evangeliumsbote. Die Botschaft, die er verkündigt, ist Freuden-Botschaft: Lukas 4,17-19. Da geht ein Aufatmen durch die Reihen der Sünder, weil sie spüren: Hier ist einer, der mich kennt und nicht verachtet. Einer, der die Schuld vergibt und es macht, dass wir nach seinen Ordnungen leben können. Das Evangelium von Jesus ist »eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen« (Röm.1,16). Dieses Evangelium hat er uns anvertraut (Apg.1, 8). Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für uns? 1. Jeder Mensch ob Schüler oder Bürgermeister, Hausfrau oder Direktor, hat ein Recht darauf, diese Evangeliumskraft Gottes zu erleben. 2. Für die »Botschafter an Christi statt« (2. Kor. 5, 20) gilt es, die Missionsstrategie der ersten Christengemeinde (Apg. 2, 42-47) immer wieder zu überdenken undlebbar zu gestalten. 3.Oberste Priorität: An welchem Platz ich heute auch lebe und wirke. . . , wir brauchen vor allen Dingen die Liebe Christi (2. Kor. 5, 14. 15) im Herzen, die uns zur Demut befreit (hat) und zum Dienst beflügelt: Psalm 100.
Am Pfingstsonntag feiern Christen weltweit den Geburtstag der Gemeinde von Jesus Christus. Das große Geburtstagsgeschenk, das Gott der jungen Gemeinde in Jerusalem machte, war die Gabe des Heiligen Geistes. Versetzen wir uns einmal in die Lage der ersten Jünger Jesu: Drei Jahre lang hatten sie miterlebt, wie Jesus den Menschen die herzliche Vaterliebe Gottes zeigte. Wo immer Jesus sich aufhielt, erzählte er ihnen, wie sie ein neues Leben anfangen und im Alltag darin erstarken könnten. Wenn Jesus Kranke heilte, Tote lebendig machte, Blinden die Sehkraft schenkte, Kinder segnete, Traurige und Einsame froh machte und sogar vom Teufel besessene Leute befreite, dann merkten die Menschen: Hier handelt und wirkt der lebendige und wahre Gott. Aber das Größte war, wenn Jesus Menschen im Auftrag Gottes die Vergebung ihrer Sünden zusprach (z. B. Luk.7,47. 48; Matth. 9, 2-8). Alles, was Jesus sagte, wie er predigte und was er tat, geschah in der Kraft des Heiligen Geistes. Niemand auf der Erde kann ohne den Heiligen Geist so leben, wie Gott es haben möchte. Darum war es Jesus sehr wichtig, dass seine Jünger verstanden, wie lebensnotwendig die Gabe des Heiligen Geistes ist. Jesus selbst wollte, nachdem er in den Himmel zum Vater zurückgekehrt war, seinen Jüngern den Heiligen Geist schenken. Denn er beabsichtigte, vom Himmel aus sein Werk überall auf der Erde bekannt zu machen und weiterzuführen. Der irdische Jesus war, wie alle Menschen, an Raum und Zeit gebunden. Der zum Himmel erhöhte Herr kann durch die Sendung des Geistes in all denen wohnen und wirken, die ihn in ihr Leben einladen (Joh.1,12-14; 3,5. 6) und mit ihm leben wollen. In 1. Johannes 5, 10-15 und Römer 8, 14-16 können wir lebenswichtige Entdeckungen machen.
Pfingstmontag, 9. Juni Hesekiel 36,25-27; Apostelgeschichte 1, 8.
Gott schenkt uns den Heiligen Geist mit einem doppelten Ziel. Erstens: Gott möchte, dass wir als echte Jesus-Leute leben lernen. Dazu hat er uns die Bibel Gottes gute Anleitung zum Leben gegeben und seinen Geist, der uns ermutigt, tröstet, berät, erinnert, leitet und warnt (Joh.14,16.17.26; 15,26; 16, 7). Der Heilige Geist wird uns nie täuschen und nie belügen. Im Gegenteil, er wird uns zeigen, wo wir andere getäuscht haben. Und er stärkt uns, dass wir die Lügen und Lieblosigkeiten überwinden lernen und der Wahrheit und Liebe Jesu Platz machen. Das ist nicht immer leicht. Es wird kleine und große Kämpfe in unserem Herzen geben. Solche Kämpfe sind normal und zeigen uns, dass wir auf dem Jesus-Weg sind. Jesus selbst erlebte und erlitt heftige Angriffe und Versuchungen. Darum kann er uns in unseren Kämpfen so gut verstehen und helfen: Hebräer 2, 17. 18; 4, 15. Wir werden auch Niederlagen erleben. Aber: Gottes Geist ist stärker als die stärkste Versuchung. Er ist größer als jede noch so große Niederlage. Er hilft uns, die Sünden zu bekennen, sie loszulassen und einen Lebensstil zu finden, der zu Jesus passt. Dann werden wir für unsere Mitmenschen eine »lebendige Bibel« sein, in der man »lesen« kann, wie gut es ist, ein Jünger Jesu zu sein. Zweitens: »Er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden« (1. Tim. 2, 4). Jeder Mensch braucht Jesus. Er hat von sich selbst gesagt: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich« (Joh.14, 6). Wer auf dem Jesus-Weg ist, gehört zu den VIPs des Universums (VIP Kurzw. für engl. very important person, sehr wichtige Persönlichkeit). Ihnen hat Christus den Auftrag und die Vollmacht des Heiligen Geistes gegeben, diese Botschaft überall bekannt zu machen: Matthäus 28,19.20; 2.Korinther 5,17-20.
Dienstag, 10. Juni Apostelgeschichte 13, 12-14. 2.
Gottes Geist schafft Neues. Er verändert Menschen, die sich Jesus anvertrauen. Einer von ihnen war Markus, der Verfasser des Markusevangeliums. Das Evangelium selber verrät den Namen des Autors an keiner Stelle. Bedeutende Dokumente der frühen Christenheit erwähnen Markus als einen Schüler und Mitarbeiter des Apostels Petrus, dessen Predigten er gedolmetscht und nach dem Tod des Petrus und Paulus aufgezeichnet habe. Die herzliche Verbundenheit zwischen Markus und Petrus hat der Apostel selbst festgehalten: 1. Petrus 5, 13. Sehr wahrscheinlich ist dieser Markus identisch mit dem Johannes Markus in der Apostelgeschichte. Das Neue Testament zeichnet mit wenigen Strichen ein ansprechendes Persönlichkeitsprofil dieses Mannes. Die Familie des Johannes Markus stammte wohl aus Cypern; denn der Diasporajude und Cypriote Barnabas (Apg. 4, 36) war mit ihm verwandt (Kol. 4, 10). Die verwitwete Mutter des Johannes hieß Maria, während der Vater nirgends erwähnt wird. Diese Frau besaß in Jerusalem ein großes Haus, das sie der Urgemeinde als Treffpunkt zur Verfügung stellte (Apg.12,12). Wahrscheinlich ist dieser Ort der Begegnung identisch mit dem Obersaal in Apostelgeschichte 1,13 und dem großen Saal in Markus 14, 15, der Jesus in der Passanacht als Festsaal diente. Dann wäre das Haus der Maria in Jerusalem ein wichtiges Zentrum für die Ausbreitung des Evangeliums gewesen und Johannes Markus in einer »christlichen « Umgebung aufgewachsen. Jeder hat seine eigene Biographie und seine persönliche Glaubensgeschichte. Es ist zum Staunen, wie vielfältig dieserWerdegang sich gestaltet. Kennen Sie neben Johannes 4 und Apostelgeschichte 9 andere Beispiele? All die Erfahrungen haben eins gemeinsam: Das Wissen über Jesus muss vom Kopf in unser Herz und Leben kommen. Wie sah das konkret in meinem Leben aus? Und heute? »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat« (Ps.103,2ff; 5.Mose 4, 9a).
Mittwoch, 11. Juni Apostelgeschichte 12,25.
Wir begegnen Johannes Markus außer in Jerusalem auch im syrischen Antiochien. Wie kam er dorthin? Apostelgeschichte 11,19-30 gibt uns wichtige Informationen: In Antiochien, jener dritten Hauptstadt des römischen Weltreiches, waren viele Menschen Christen geworden. Barnabas, der in der Jerusalemer Urgemeinde als zuverlässiger Mitarbeiter und vertrauenswürdiger Seelsorger galt, besuchte die junge Christengemeinde, um sie im Glauben zu ermutigen. Bald darauf reiste er nach Tarsus und holte den zu Christus bekehrten Paulus zur Mitarbeit nach Antiochien. Dort blieben beide ein ganzes Jahr, um den vielen Gläubigen zu zeigen, wie sie als Jünger Jesu leben sollten (Apg.11,26). So lernten die Antiochenischen Christen unter anderem, dass es wichtig war, die in Not geratene Jerusalemer Gemeinde nicht nur im Gebet, sondern auch finanziell zu unterstützen. Barnabas und Paulus überbrachten die Spende nach Jerusalem. Nachdem die beiden ihre Aufgabe in Jerusalem erfüllt hatten, kehrten sie zusammen mit Johannes Markus nach Antiochien zurück. Sie müssen sich von der Mitarbeit des Johannes Markus einen hilfreichen Beitrag für die Missionsarbeit versprochen haben. Bald finden wir das Dreier-Team auf der ersten Missionsreise (Apg. 13, 5). Johannes Markus hatte im Rahmen der Verkündigungsaufgaben den Dienst des »Helfers« übernommen. Konkret wird es so ausgesehen haben, dass Barnabas und Paulus die unmittelbare Evangelisationspredigt durchführten, während Johannes Markus »Predigt-Nachgespräche« anbot. Darin entfaltete und vertiefte er die Evangelisation. Nach damaliger Dienstordnung hatte Johannes Markus eine Assistentenstelle auszufüllen, die nicht irgendein »Job« war. Sie galt vielmehr als verantwortliche Aufgabe, die Jesus-Geschichte sorgfältig zu überbringen und den jungen Glauben zu stärken. Glaubensstärkung: Wie geschieht sie in unseren Familien und Gemeinden? Welchen Beitrag kann ich persönlich geben? Anregungen dazu in Kolosser 3,16; 1.Timotheus 4, 12; 2.Timotheus 2, 22; Titus 2, 1ff.
Donnerstag, 12. Juni Apostelgeschichte 13, 13; 15, 36-41.
Ein gutes Stück Arbeit hatte das Missionsteam geleistet (Apg. 13, 5-12). Inzwischen war Perge in Pamphylien erreicht. Hier begann die Passstraße durch die Schluchten des wilden Taurusgebirges mit seinem hochalpinen Charakter. Schroffe Steilwände, schwindelerregende Abgründe, jäher Witterungsumschwung, weggerissene Brücken, lauernde Banditen, schier unpassierbare Bergpfade eine Riesenanstrengung erwartete die drei Männer. Dem »Großstadtkind « Johannes Markus, »das noch nie mit der wilden Natur im Kampf gestanden, entsank der Mut. Er konnte und wollte nicht mehr weiter. Das kühne Ungestüm einer Führernatur wie Paulus war zu stark für ihn. Er fühlte sich den Schwierigkeiten und Gefahren . . . nicht gewachsen« (J. Holzner). Da steht der Entschluss für Johannes Markus fest: zurück nach Jerusalem! So hatte er sich den Dienst nicht vorgestellt! Barnabas und Paulus setzen ihre Mission vorerst ohne Markus fort. Man kann dem Johannes Markus alles Mögliche unterstellen: mangelnde Leistungskraft, Ängstlichkeit, Mutlosigkeit, Leidensscheu, Verwöhnung, Bequemlichkeit . . . Wer sein eigenes Herz kennt, weiß, dass es durchaus fähig ist auszubrechen, wegzulaufen, das Handtuch zu werfen. Jeder hat seine speziellen Schwachstellen. Jeder kann mal einem »Schwächeanfall « erliegen. Wichtig wird sein, dass wir uns nicht in unsere Ungereimtheiten verrennen und verhaken, sondern loskommen und weiterkommen. Johannes Markus wird sich in Jerusalem erklären müssen. Gut, wenn er dann verständnisvolle Glaubensgeschwister findet, die ihn nicht mit Vorwürfen übergießen, die nicht lieblos hinter seinem Rücken reden, sondern ihn seelsorgerlich ermutigen, die seinen Blick auf Jesus lenken und den »Ausreißer« mit Herzensgüte korrigieren. »Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie. . . und jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung . . . und seht darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäume« (Hebr. 12, 12-15; vgl. Luk. 6, 37; Kol. 3,13).
Freitag, 13. Juni 1.Petrus 5,13; Apostelgeschichte 15,38.39.
Johannes Markus war nach Jerusalem zu seiner Mutter und in den vertrauten Raum der Urgemeinde zurückgekehrt. Als treuer Schüler des Petrus und mit der Begabung des »fein abwägenden Schriftstellers« (J. Holzner) half er seinem väterlichen Freund »als Übersetzer« in der »doppelsprachigen Gemeinde« Jerusalems (A. Schlatter). Vor allen Dingen wird Johannes Markus Vertrauen zudem gewonnen haben, der einst seinen Herrn verleugnet, aber auch die Gnade des Neuanfangs (Luk.22,59-62; Joh.21,15-19) erfahren hatte, zu Simon Petrus. Wie kaum ein anderer konnte der Apostel seinem jungen Freund helfen, im Glauben an Jesus Christus mutig und stark zu werden. Auch Barnabas bemühte sich weiterhin um Johannes Markus. Als umsichtiger Seelsorger wollte er dem Versager die Chance einer neuen Zusammenarbeit mit Paulus geben. Doch der lehnt um der Sache willen entschieden ab. Die erbitterten Streitigkeiten, die sich nun an der Person des Johannes Markus zwischen Barnabas und Paulus entzünden, führten zur Trennung der Missionare und Teilung des Teams. Wer hatte Recht? Barnabas oder Paulus? Sie »hatten wohl beide in ihrer Art Recht. Wir müssen es lernen bei der Vielgestaltigkeit der Wege Gottes, dass Gott einem jeden besondere Aufträge gibt. Die Apostel taten recht daran, dass jeder seinen eigenen Weg zog. Wir sollten uns nicht immer einbilden, jeder andere Christ müsse genau so sein wie wir. Wir wollen doch jedem seine besondere Führung lassen. Wir wollen den Barnabas seinen seelsorgerlichen Dienst an Markus tun lassen. Und wir wollen den Paulus seine Kämpferwege in die Welt hinaus gehen lassen« (W.Busch). In Spannungen und Konflikten ist es unerlässlich, dass wir uns fragen, in welcher Geisteshaltung wir miteinander sprechen und umgehen. Prüfstein: Können wir noch füreinander danken? Im aufrichtigen (Dank-)Gebet zeigt sich konkret, »wes Geistes Kind ich bin«. An Philipper 2, 1-5 und Titus 3, 2 werden wir ein Leben lang lernen.
Samstag, 14. Juni Kolosser 4, 10; Philemon 24.
Nach jener harten Auseinandersetzung zwischen Barnabas und Paulus hören wir lange nichts mehr von Johannes Markus. Aber er hat seine Krise positiv überwunden. Wir finden ihn Jahre später in Rom (Deckname »Babylon«) an der Seite des Apostels Petrus (1. Petr. 5, 13). Die Millionenstadt Rom, internationaler, multikultureller und multireligöser Tummelplatz, galt damals in jeder Hinsicht als heißes Pflaster. Rom war eine reiche, glanzvolle Stadt mit erlesenen öffentlichen Bauwerken und luxuriös eingerichteten Privathäusern. Die Kehrseite des Glanzes: Slums der Armen, Sklaverei, Wirtschaftskrise, Korruption, Auflösung jeder Ordnung, absinkende Arbeitsmoral bei ansteigendem Nachtleben. Und inmitten dieser Atmosphäre wirkte die große, missionsfreudige Christengemeinde, die mit zunehmendem staatlichem Druck schwere Leidensproben zu bestehen hatte. In diesem Klima lebte und wirkte auch Johannes Markus an der Seite von Simon Petrus. Schließlich gab es noch ein besonderes Problem zu bewältigen: Die alten Autoritäten und ersten Zeugen Jesu würden nicht mehr lange leben, eine neue Generation musste die Verantwortung übernehmen. Angesichts dieser Veränderung »griff Markus ein und sicherte der Gemeinde die Jesusüberlieferung« (A. Pohl). Besonders eindrücklich ist noch, dass die Beziehung zu Paulus wieder in Ordnung kam. So tief kann die Liebe Jesu Menschen verändern. Dazu gehört auch, sich dem Versagen zu stellen und der Vergebung Raum zu geben. Aus Johannes Markus war ein mutiger Zeuge und leidensfähiger Nachfolger Jesu geworden. Hier wird deutlich, »dass Gott seine Werkzeuge sich selber zubereitet. Gott baut sein Reich nicht mit unserem ichhaften Eifer, nicht mit unserer natürlichen Klugheit, sondern mit Menschen, die er treulich gedemütigt hat . . . Welch ein Herr! Nun sollen alle Zerbrochenen und Gebeugten fröhlich werden. Denn der Herr kann und will sie gebrauchen als gesegnete Werkzeuge. Ja, gerade die Ärmsten und Zerbrochensten will er gebrauchen, auf dass er allein die Ehre habe« (W.Busch). (Lies Ps.34, 19; 113, 6. 7; 147, 3; Jes. 57, 15; 66,
Sonntag, 15. Juni Matthäus 3, 13-15.
Wir hatten uns bereits mit Johannes dem Täufer befasst (1.-15.April) und über sein Elternhaus, über die Berufung zum Propheten und die Kennzeichen seiner Verkündigung nachgedacht. In einem zweiten Teil beschäftigen wir uns eingehender mit seiner Persönlichkeit.
Unermüdlich rief Johannes der Täufer die Menschen auf: »Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen« (Matth. 3, 2). Diese Worte zündeten. Unzählige Menschen erkannten ihren sündenkranken Zustand vor Gott und begannen ein neues Leben. Dann kam jener unvergessliche Tag: Jesus er war etwa 30 Jahre alt (Luk. 3, 23) ging »an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen«. Erschrocken wehrte Johannes ab. Blitzartig erkannte er: Zwischen Jesus und mir besteht ein himmelweiter Unterschied. Von außen besehen standen sich hier zwei erwachsene Männer gegenüber. Der eine als Prophet gekleidet (Matth. 3, 4), der andere als jüdischer Bürger. Keiner der Gottesdienstbesucher unter der Kanzel des Johannes wäre auf den Gedanken gekommen, in Jesus etwas Besonderes zu sehen. Aber Johannes nahm den Unterschied zwischen Jesus und sich wahr. Es ist ein Qualitätsunterschied, den die durch Gottes Geist hell gemachten Herzensaugen wahrnehmen können: Jesus ist der sündlose Sohn Gottes Johannes, der Sohn des Zacharias und der Elisabeth, ein Mensch wie alle Menschen, gekettet an »das Gesetz der Sünde und des Todes«. So nüchtern ist der Blick des Täufers. Sicher ist er Prophet, »ein Mensch von Gott gesandt«, und doch auch im Dienst für Gott ganz auf Vergebung angewiesen. Jesus aber hatte für sich selbst die Sündenvergebung nicht nötig. Verständlich, dass Johannes Jesus die Taufe verweigern und vielmehr von Jesus getauft werden wollte. Frage: Habe ich schon um die »erleuchteten Herzensaugen « (Eph. 1, 17. 18) gebetet? Sehe und beurteile ich mich selbst und meine Umgebung im Licht Gottes? (Lies Psalm 27, 1; 43, 3; 90, 8; 97, 1; 4.Mose 6, 25.)
Der Täufer war eine der größten Persönlichkeiten, die je gelebt haben (Matth. 11, 11). Sein Leben bildete die Schnittstelle von Altem und Neuem Bund: Er beendete die Zeit des Alten Testamentes und läutete den Anbruch der neuen Zeit Gottes ein. Die Ankunft des Messias ist das Ereignis im Leben des Täufers. Er weist von sich selbst weg auf den Kommenden, auf den Herrn der Zukunft. Er zeigt auf das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt und wegträgt. Die ganze Person des Propheten ist Fingerzeig auf den Kommenden. Darin liegt seine Größe. Doch dafür interessiert er sich nicht, wenn er nur der Zeigefinger Gottes auf den kommenden Christus ist! Hier liegt eine starke Herausforderung für uns. Wir werden vermutlich nicht wie der Täufer von einer hochkarätigen Untersuchungskommission gelöchert: »Nun sag doch endlich, wer du bist!« Wir mögen viel oder wenig dazu sagen können. Viel wichtiger ist die Frage, ob mein Leben ein Fingerzeig auf Jesus ist, auf den Herrn, »der da war und der da ist und der da kommt« (Offenbarung 1, 4). Darüber lasst uns vor Gott nachdenken und dabei drei Schwerpunkte beachten. Unser Leben Fingerzeig auf den Kommenden? 1. Er allein ist wichtig. Der Tagestext sagt mit keinem Wort: Gott ist wichtig und du bist unwichtig. Er ist alles und du bist nichts. Schon mancher ist an diesem Missverständnis krank geworden. Mit tiefen Minderwertigkeitsgefühlen quält er sich durchs Leben: »Ich bin nichts, weil ich nicht genug leiste. Niemand mag mich wirklich. Ich bin ein nutzloser Niemand.« Wenn der Täufer nachdrücklich sagt: »Ich bin nicht . . . Nein . . . Ich bins nicht . . . «, so steckt hinter diesem Veto gerade nicht die Minderwertigkeit, sondern hohe Wertschätzung. Johannes schaute auf Gott, der sein Leben groß anlegen wollte (Luk. 1, 15-17). Gott hat für jeden Menschen einen wunderbaren Plan. Er wird gerade die verschlungenen Wege und unfassbaren Ereignisse so gut in seinen Plan einbauen, dass wir staunen werden und für viele Menschen ein Segen sein können, auch wenn wir selbst es nicht merken. (Vgl.Hebräer 11, 8-12.)
Dienstag, 17. Juni Johannes 1, 22-27; Lukas 1, 76-79.
Johannes wusste und glaubte: Der Herr hat mich gewollt. Er hat mich geliebt, gerufen und begabt. Sein rundes Ja zu mir gibt meinem Leben Sinn und Ziel. Darum konnte der Täufer sagen: Wenn ihr nach jemandem fragt, der euch ganz versteht, der euch »brutto« lieb hat, dann schaut nicht auf mich. Schaut ihn an. Er allein ist wichtig. Und wenn ihr euch nach jemandem sehnt, der euch tiefe Zufriedenheit und Hoffnung schenkt, dann klammert euch nicht an große und bedeutende Leute. Hängt euch vielmehr bei dem ein, der schon »vor mir gewesen« und jetzt »mitten unter euch getreten« ist. Er kommt mit seiner heilbringenden Lebensfülle zu euch. Stellt euch auf ihn ein. Er ist wirklich wichtig. So wies Johannes auf den kommenden Herrn hin. So darf es auch bei uns sein. Lasst uns ehrlich und ernsthaft darüber nachdenken, ob unser Leben auf den Kommenden, auf Jesus, eingestellt ist und hinweist. Wie zeigt sich das konkret? Was ist uns wirklich wichtig? Wie können wir klar und verständlich auf den Herrn der Herrlichkeit aufmerksam machen? Unser Leben eine Empfehlung für den Himmel? 2.Wir sind »nur« Werkzeug. Die Sprache des Täufers ist deutlich: »Ich bin eine Stimme . . . Ich taufe mit Wasser . . . Ich bin nicht gut genug, dass ich seine Schuhriemen aufbinde.« Johannes der Täufer hält sich nicht einmal für einen Kollegen Jesu. So groß, ja himmelweit ist der Unterschied zwischen beiden. Johannes ist Stimme eines Predigers Jesus das Wort Gottes in Person (Joh. 1, 1-3. 14). Johannes zeigt die Sünden an Jesus trägt sie weg (Joh. 1, 29). Johannes tauft mit Wasser Jesus mit Heiligem Geist (Joh. 1, 33). Es ist so entlastend, hinter den zurücktreten zu können, der beauftragt hat. Gottes Mitarbeiter müssen sich nicht selbst empfehlen (2. Kor. 3, 1; 5, 12; 10, 12). Sie werden aber unbeirrt, liebevoll und fleißig den empfehlen, auf den es ankommt. Gott brauchte mich nicht, aber er gebraucht mich.
Mittwoch, 18. Juni 2.Korinther 3,5.6; Kolosser 3,23.24.
Johannes der Täufer diente Gott »mit Herzen, Mund und Händen«. Mit dem Mund rief er zur Umkehr, mit den Händen taufte er die bußwilligen Sünder (Luk. 3, 3); und alles, was er tat, das geschah »von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen«. So ist er Werkzeug in der Hand Gottes. Ein Werkzeug hat dienende, nicht herrschende Funktion. Der Meister ist Gott, der die Werkzeuge gebraucht und einsetzt. Zugespitzt formuliert: Nicht wir wirken mit Gott zusammen, sondern Gott wirkt mit uns zusammen. Er setzt das Werkzeug ein, wo und wie er will (1. Kor. 3, 5-7. 9; 2. Kor. 4, 5). Das macht uns einerseits demütig und bescheiden, hängt doch alles am göttlichen Meister. Ohne ihn läuft nichts! Ohne ihn können wir nichts tun (Joh.15, 5). Aber er mit uns, er an unserer Seite, da sind wir stark. Das macht uns andererseits großmütig und mutig, sind wir dochWerkzeuge in der Hand des Höchsten. Ihm sind keine Grenzen gesetzt und er wirkt große Dinge durch seine Mitarbeiter. Oft sind die kleinsten positiven Veränderungen bei uns selbst oder anderen die größtenWunder: Ein Hitzkopf reagiert gehaltener ein übler Kritiker lästert nicht mehr ein bisher verschlossener Mensch vertraut uns eine persönliche Not an ein Knauseriger öffnet sein Portmonee und ein Hartherziger sein Herz für die Interessen Gottes. Doch wir sollen und dürfen noch viel mehr und weitaus Größeres von Gott erwarten (Joh. 1, 50; 5, 20-24; 14, 12). Wir dürfen ihm das Größte und Schwerste zutrauen. Dabei will er uns gebrauchen als Helfer hin zum »Heiland der Welt« (Joh. 1, 35ff; 4, 42), als Botschafter, die rufen, mahnen und trösten: »Lasst euch versöhnen mit Gott« (2. Kor. 5, 17-20)! Ausschlaggebend ist, dass wir uns gebrauchen lassen wo und wann und wie Gott es will.
Donnerstag, 19. Juni Johannes 1, 35-37; 3, 25-29. 2.
Johannes der Täufer war ein bedeutender geistlicher Lehrer des Spätjudentums, deren respekt- wie vertrauensvolle Anrede »Rabbi«, zu deutsch »mein Meister«, lautete. Wie andere Rabbiner, so hatte auch der Rabbi Johannes einen Schülerkreis um sich gebildet. Eines Tages hielten sich der Täufer und zwei seiner Jünger wieder am Jordan auf. Da sah Johannes Jesus vorbeigehen und sagte: »Seht, das ist Gottes Opferlamm!« Die beiden Johannesjünger hörten es und gingen hinter Jesus her. Was nun geschieht, ist atemberaubend. Der große Rabbi Johannes ist unverkrampft friedlich. Er stellt seine Leute, die ihn soeben verlassen haben, nicht zur Rede. Er lässt sie in aller Ruhe gehen. Johannes kann vertraute, liebgewordene Menschen loslassen, weil er weiß, wem er seine Schüler anvertrauen kann. Ja, er will sie tiefer an Jesus gebunden wissen. Aus Liebe lässt der Prophet seine Schüler an Jesus, den göttlichen Meister, los. Johannes hatte die Größe, sich zu freuen, wenn eine andere »Gemeinde« als die seine auf einmal Zulauf bekommt und beständig wächst. Wie sieht das heute in unseren Gemeinden aus? Geht es uns wirklich um Jesus und um die Gewinnung von Menschen für Jesus oder um unseren Namen und um die eigene Macht und Ehre? Seien wir achtsam genug: Konkurrenzgeist »vertreibt« den Heiligen Geist. Wir müssen aber gar nicht dem Ärger, dem Neid und Streit Platz machen, wenn wir Jesus den Platz in der Mitte überlassen. Wir können uns viel Enttäuschung übereinander und böses Blut gegeneinander ersparen, wenn wir uns darin üben, die uns anvertrauten Menschen immer wieder an Jesus loszulassen. Einen besseren Dienst können wir ihnen nicht tun, als sie in die Nähe Jesu zu »entlassen«. Wir selbst werden dadurch mit hineingenommen in den Machtbereich der Liebe Jesu und entdecken, wie wohltuend es ist, wenn er mit uns spricht wie ein Bräutigam mit seiner Braut.
Freitag, 20. Juni Johannes 3, 22-28; 4, 1. 2.
Zu Jesus kamen immer mehr Menschen. Sie wurden seine Jünger, die mit ihm durchs Land zogen und mit Jesus arbeiteten. Die Tätigkeit Jesu schaltete den Dienst des Täufers nicht einfach aus. Im Gegenteil: Jesus wollte die Verkündigung und den Auftrag seines Vorgängers unterstreichen. Wie konnte dies geschehen? Aus den anderen Evangelien wissen wir, dass Jesus das zentrale Anliegen der Johannes-Predigt wortwörtlich aufnahm: »Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.« (Vgl. Matth.3,2 mit 4,17.) Der Text im Johannesevangelium hebt die den Verkündigungsdienst begleitende Tätigkeit Jesu und seiner Jünger hervor: die Taufpraxis. Damit machte der Jüngerkreis um Jesus deutlich: Johannes der Täufer hatte völlig recht. Ihr sündigen Menschenkinder habt eine radikale Umstellung nötig. Das alte Leben muss untergehen und ein ganz neues Leben »auferstehen«. Jesus und Johannes konnten einander stehen lassen. Einer achtete den anderen und schätzte seinen Dienst. Das haben einige Schüler des Täufers zunächst nicht verstanden. Streit kam auf. Die Johannesjünger sahen sich im Recht. Sie bangten um die Stellung ihres Meisters und sahen im Unternehmen »jenseits des Jordans« ein Konkurrenz-Unternehmen: » . . . siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm!« Wie anders aber beurteilte Johannes der Täufer seine Beziehung zu Jesus! Zuerst sprach er aus, was alle Menschen Gottes gemeinsam haben: »Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben.« Beide, Jesus und Johannes, haben ihren Auftrag von Gott. Ohne ihn kann niemand etwas ausrichten. Dann aber hob der Täufer die Einzigartigkeit Jesu hervor, hinter die er bewusst zurücktrat: »Ich habe doch immer wieder erklärt, dass ich nicht der Christus bin, der von Gott gesandte Retter. Habt ihr das vergessen? Ich sollte dafür alles vorbereiten, mehr nicht.« Johannes blieb seiner Berufung treu. Er maßte sich keine Größe an. Gerade das kennzeichnete seine wahre geistliche Stärke. Wie komme ich im Alltag mit 2. Korinther 12, 6; Philipper 2, 3; Galater 5, 26; Römer 12, 3. 10 zurecht?
Samstag, 21. Juni Johannes 3, 27-29; Offenbarung 19, 7-9. 3.
Johannes der Täufer betrachtete Jesus nicht als Konkurrenten oder Rivalen, sondern als »Bräutigam«, der um seine »Braut« wirbt und sie zu sich nach Hause führt. So spricht die Sprache der Liebe. »Die Braut wird dahin gehen, wo der Bräutigam ist. Der Freund des Bräutigams freut sich mit den beiden, auch wenn er nur daneben steht. So geht es mir jetzt. Meine Freude ist grenzenlos. Immer mehr Menschen sollen zu Christus kommen, und ich will immer mehr in den Hintergrund treten.« Wieder hat Johannes deutlich ausgesprochen, dass Jesus der bedeutendste Mann ist. »Wie um den Bräutigam beim Hochzeitsfest, so bewegt sich beim Kommen des Reiches Gottes alles um Jesus. Wer in der Zeit der Vorbereitung eine Rolle gespielt hat, tritt nun selbstverständlich zurück, und zwar nicht enttäuscht, sondern höchst zufrieden. Denn sein Sehnen ist ja erfüllt« (R.Neumaier). Jede Sehnsucht will tiefe Ewigkeit. In der Nähe des »ewigen Bräutigams« wird es uns warm ums Herz. Da leben wir auf, werden wie Johannes frohe und zufriedene »Freunde des Bräutigams«. Und doch gibt es zwischen dem Täufer und uns einen bemerkenswerten heilsgeschichtlichen Unterschied. Während Johannes sich als Wegbereiter des Herrn noch zum Freundeskreis des Bräutigams zählte, gehören alle, die seit dem ersten Pfingstfest durch den Heiligen Geist zum ewigen Leben bei Gott wiedergeboren wurden, zur »Brautgemeinde« Jesu. Jesus ist der Bräutigam wir die Braut. Das sprengt unser enges Denken und Fassungsvermögen. Denn normalerweise hat jeder irdische Bräutigam nur eine Braut. Und doch haben die biblischen Autoren genau die Worte und Bilder gebraucht, die Gott ihnen anvertraut hat, damit wir besser verstehen, wie sehr sich Gott nach jedem einzelnen Menschen sehnt, wie tief er jeden persönlich liebt. Vgl. Jes. 54, 4-8. Wir heute dürfen zur Braut Jesu gehören und seine Freunde sein, wenn wir uns ihm verbindlich anvertraut haben.
Johannes der Täufer wollte, dass Jesus immer mehr Raum in den Herzen der Menschen und in seinem eigenen Herzen bekam. Er sah darin keine Einengung, sondern eine weite Vertiefungsmöglichkeit der Freundesbeziehung. Wer wirklich vertraut, kann dem Befreundeten freiwillig Platz machen. Bei Johannes äußerte sich das Zutrauen zu Jesus in dessen Anerkennung als der weit Überlegene. Jesus ist der unüberbietbar Überlegene, »der von oben kommt« und alles vom »Himmel her« anschaut und beurteilt. Ganz anders beim Menschen! Er ist »von unten her« und strebt nach oben. Menschen suchen, tasten, fragen nach dem Himmel Gottes. Aber allein der aus dem Himmel zu den Menschen Gekommene kennt und bringt die richtige Antwort und sichere Lösung in alles Suchen, Sehnen und Fragen. Leider findet Jesus nur wenig Anklang in der Welt. Viele wollen von seiner göttlichen Herkunft und königlichen Hoheit nichts wissen. Sie nehmen nicht an, was Jesus ihnen vom Vater und seinen guten Heilsgedanken bezeugt hat (V. 32). Aus der anfänglichen Verwunderung über die einzigartige Vater-Sohn-Beziehung des zwölfjährigen Jesus im Jerusalemer Tempel (Luk. 2, 46-50) wurde bei vielen seiner Zeitgenossen eine abgrundtiefe Ablehnung. Dabei war er doch gekommen, ihnen allen auf seine Kosten ein ewiges Zuhause am Vaterherzen Gottes zu erwerben. Wie sehr wünschte der Täufer seinem besten Freund, dass er Jesus wachsende Aufnahme bei den Menschen fände: Wenn das geschieht und es geschah tatsächlich (V.22.26) , dann wird es mit ihm zwar weniger werden (»abnehmen«), aber was ist das schon, wenn jetzt »die Sonne der Gerechtigkeit« (Mal.3,20) scheint? Im Leben des Täufers erfüllte sich buchstäblich, was einst Jesaja über das große messianische Licht verkündet hatte: »Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir« (Jes. 60, 2; Luk. 1, 78). Kann es eine größere Lebenserfüllung geben? Wenn nur das Jesus-Licht unter uns leuchtet, dann will ich gern in die zweite Reihe zurücktreten! Dazu Apostelgeschichte 11,19-25.
Montag, 23. Juni Johannes 3,29. 33-36; Jeremia 31, 34.
Wer »an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben« (V.36a). Der Glaube an Jesus ist ein sehr kostbares Geschenk aus der herrlichen Welt Gottes vergleichbar mit dem Ehering eines Brautpaares. Es gibt einen Tag im Leben der Liebenden, an dem wird sichtbar festgemacht: Wir wollen zusammengehören, wir wollen miteinander durch dick und dünn gehen, uns gegenseitig achten, vertrauen, lieben. Diese sichtbar festgemachte Herzensentscheidung wird an all den anderen Tagen nicht zurückgenommen. Sie soll vielmehr gestaltet, vertieft, befestigt werden. Die Liebesbeziehung soll sich im bunten Alltagsgeschehen bewahrheiten und bewähren. Der Ring am Finger steht für diese tägliche »Vertiefungs- und Befestigungsarbeit« des Glaubens aneinander und der Liebe zueinander. Wer immer zum Glauben an Jesus kommt, dem hat er den Treue- Ring der ewigen Liebe Gottes geschenkt (Jer. 31, 3; Hos. 2, 21. 22). Menschen können versagen, einander misstrauen, ja untreu werden. In Jesus aber haben wir einen Verbündeten, der nie versagt, der uns nie »sitzen lässt«, der uns die Treue hält. Glaube ich das? Wie oft wird doch unser Glaube auf die Probe gestellt! Wir verzagen, weil wir wieder einmal keinen Sieg über unsere spitze Zunge hatten. Wir lassen den Kopf hängen, weil . . . Wir geben auf, weil . . . Wir können fast nicht mehr glauben, obwohl wir an Jesus glauben, weil . . . Und dennoch »der vom Himmel kommt, ist über allen« (V. 31). Jesus ist allen und allem überlegen und zugleich ganz nah bei mir. Er ist mittendrin und zugleich darüber. Er ist bei mir in der Not und zugleich steht er drüber. Also nichts wie aufgeschaut zu Jesus! Ich darf es machen wie jener verzweifelte Vater: »Herr, wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« (Mark. 9, 22-24). Jeder noch so kleine und unvollkommene Vertrauensschritt vertieft und stärkt die Beziehung zwischen ihm und uns. Der Treue-Ring seiner Liebe ist da! (Lies 1.Kor. 1, 9; vgl. Hag. 2, 23; Luk. 15, 22.)
Johannes der Täufer wirkte in seiner Zeit als ein Zeuge für die Wahrheit. Es war keine leichte Zeit damals. Politische Unruhen, Intrigen, handfeste und blutige Konflikte hinderten ein bürgerlich sicheres Leben. Daneben sorgte eine schleichende Gottlosigkeit für die Demoralisierung der Gewissen vieler. Johannes aber passte sich nicht dem Trend der Zeit an. Mutig bekannte er sich bis in Regierungskreise hinein zu den Geboten des Herrn. Herodes, von dem hier die Rede ist, war der zweite Sohn von Herodes dem Großen und hieß mit vollem Namen Herodes Antipas (4 v.Chr. - 39 n.Chr.). Genuss- und Herrschsucht kennzeichneten sein Leben. Er lebte im offenen Ehebruch, seit er Herodias, die Frau seines Halbbruders Philippus, auf einer Besuchsreise an seinen Hof mitnahm und sie heiratete. Die erste Frau des Herodes Antipas floh daraufhin zu ihrem Vater Aretas. Johannes der Täufer widersprach vom Alten Testament her (2.Mose 20, 14) dem Ehebruch beider und »all dem Bösen, das Herodes getan hatte«. Der Täufer nahm die Ordnungen Gottes ernst. Er wusste: Gottes Gebote sind das schützende Geländer vor dem steilen Abgrund egoistischer Lustbesessenheit. Wer dennoch die gute Schutzordnung Gottes missachtet und nicht zu Gott umkehrt, der wird »von seiner Sünde das Verderben ernten« (Gal. 6, 8). Herodes und seine unrechtmäßige Frau Herodias ließen sich nicht in ihr amüsantes und genusssüchtiges Leben dreinreden. Sie liebten den sinnlichen Rummel und wollten die Wahrheit des Wortes Gottes nicht wahrhaben. Wollten sich nicht sagen lassen, dass niemand nur für sich allein sündigt. Schließlich brachten sie den Zeugen für die Wahrheit zum Schweigen. Welch ein Irrsinn! Das Unrecht, das Menschen tun, schreit weiter. Es verklagt den Menschen vor Gott und spricht den Sünder schuldig. Aber es gibt Hoffnung für jeden Sünder, der zu Gott umkehrt und sein altes Leben aufgibt. (Lies Ps.51; Jes.1,16-20; Luk. 15,17-24; Joh. 8, 1-11.)
Mittwoch, 25. Juni Lukas 1, 76-79; Johannes 1, 6-8.
»Gott schickte einen Boten: Johannes den Täufer. Er sollte bezeugen, dass Jesus Christus das Licht ist, damit alle an ihn glauben.« Auch wir dürfen und sollen unsre Mitmenschen auf Jesus hinweisen. Es ist Gott sehr wichtig, dass wir alle falsche Zurückhaltung begraben und uns auf den Heiligen Geist verlassen. »Durch die Kraft des Heiligen Geistes sollt ihr meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde« (Apg.1, 8). Dort, wo Gott uns hingesät hat, sollen wir blühen und den wohltuenden Duft des Evangeliums verbreiten: in Ehe, Familie und Nachbarschaft, in der Schule und Hochschule, in Werkstätten und Krankenhäusern, im Supermarkt und unterwegs auf den Schienen und Straßen (2.Kor.2,14.15). Überall dürfen wir die Aufmerksamkeit liebevoll auf Jesus lenken. Es gibt so viele Möglichkeiten. Welche ist heute wichtig zu beachten? »Dieser Tag ist eine Aufgabe Gottes für dich! Fange diesen Tag mit Danken an: Gehe darum aufmerksam durch diesen Tag! Wer wird heute auf irgendeine Freundlichkeit von dir warten? Wen kannst du heute mit einem Brief oder einer Karte erfreuen? Gibt dir ein Gedenktag heute Anlass, einen einsamen oder angefochtenen Menschen zu erfreuen? Achte auf Menschen und Dinge, die Gott dir heute besonders wichtig macht! Mache aus jedem Erinnertwerden an Menschen und Verhältnisse ein Gebet! Lege alles Erleben gleich in Gottes Hände zurück. Vertraue in allen Dingen dem Herrn. Glaubensloses Grübeln zersplittert nur deine Kraft, tue stattdessen etwas Aufbauendes! Das Entscheidende im Leben ist: Warten auf Gottes Stunde in der Nachfolge Jesu Christi. Bleibe in der Gegenwart Gottes, damit der Widersacher, der ein Überrumpler und Durcheinanderwerfer ist, dir heute nicht das göttliche Segensprogramm stören kann!« (Paul Deitenbeck).
Donnerstag, 26. Juni Matthäus 14, 3. 4; 11, 2-6.
Das war ein harter Schlag für den dynamischen Diener Gottes! Keinen Schritt konnte er mehr im Auftrag Gottes tun. Mit keiner Predigt auf Jesus hinweisen. Man hatte den engagierten Mahner zum Schweigen gebracht. Hätte er sich nicht ein bisschen diplomatischer verhalten sollen? Musste er Herodes die Wahrheit über sein gottloses Leben so unverblümt und direkt sagen? Das hatte Johannes nun davon! Kalte Gefängnismauern starrten den einsamen Propheten an. Er fiel ins Grübeln . . . Zweifel türmten sich auf, wurden unerträglich. Schließlich kommen die Worte qualvoll über seine Lippen: »Herr, bist du es oder bist du es nicht? Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?« Auch großeMenschen Gottes kennen Stunden großer Enttäuschung. Mutige können mutlos und Glaubensgewisse unsicher und ratlos werden. Ausrufungen verkrümmen sich zu Fragezeichen. Wie gut, dass der Angefochtene seine Not herausgibt, sich nicht in den Kummer verkriecht, sondern ihn bei Jesus anspricht. Johannes wendet sich in der Not und mit der Not an den Helfer der Not. »Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen« (Ps. 50, 15). Alles, was uns bekümmert, dürfen wir bei Gott aussprechen und loswerden. »Schüttet euer Herz bei ihm aus, liebe Leute« (Ps.62, 8). Ganz unsortiert dürfen wir dem, der jede Träne voll Mitgefühl sieht und zählt, alles sagen und uns ihm überlassen. Wir sollen und brauchen uns nicht müde und wund zu grämen. An seinem Herzen dürfen wir uns ausweinen und uns von ihm trösten lassen. Ist Psalm 94,19 auch meine Erfahrung? (Vgl. Ps.23, 4; 39,8; Jes.25,8; 66,13; Jer.31,9.)
Freitag, 27. Juni Matthäus 11, 2-6.
Johannes der Täufer spitzte seine Not auf Jesus zu. Für ihn, den großen Abschluss- Propheten des Alten und Wegbereiter des Neuen Bundes, war es ganz und gar unverständlich, dass der gekommene Messias nicht schon jetzt die bedrückenden, leidgeprägten Erdenzustände in einen Himmel auf Erden verwandelte in eine Welt ohne Gewaltherrschaft und Gefangenschaft. Schließlich konnte der bibelkundige Prophet sich auf alte Zusagen Gottes stützen wie zum Beispiel auf Jesaja 11; 35 und 61. Aber Johannes erkannte noch nicht, dass Gott vor der Gabe eines neuen Himmels und einer neuen Erde einen größeren Zeitabschnitt eingeplant hatte, in dem die Gottesherrschaft weltweit, in jedem Volk und Land, aufgerichtet werden sollte. (Vgl. Matth. 28, 19; Apg. 1, 8.) Hier liegt auch der Grund, warum Johannes in seinen Predigten den Messias als den Richtenden zeigte (Matth. 3, 12). Vor dem Endgericht aber wollte Gott allen Menschen seine Gnade anbieten, damit niemand unter dem tödlichen Gerichtsurteil Gottes umkommen muss. Darauf weist Jesus den hart geprüften Täufer hin. Das ist so groß an Jesus: Er lässt keinen, der nach ihm fragt, sitzen und in seiner Not sinnlos schmoren. Jesus hilft nicht immer aus der Not, aber ganz gewiss in der Not (Ps. 91, 15). Noch gibt es Gewaltherrschaft und Gefangenschaft. Aber mittendrin ist etwas Wunderbares, Herrliches angebrochen: das Heil bringende Reich Gottes. Die Anzeichen sind untrüglich: »Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.« Darüber darf ich mich neu freuen: Mitten im schwierigen und bedrängenden Alltagsleben, und auch an einem öden Tag, der heute gar nicht »mein Tag« ist, will Jesus seine Herrlichkeit ausbreiten (Jes.43,19-21).
Samstag, 28. Juni Matthäus 11, 4-6.
Jesus antwortete und ermutigte Johannes mit den realen Heilszeichen der siegreich angebrochenen Gottesherrschaft. Gottes wunderbare Kraft überwindet Blindheit, Lähmungserscheinungen, Unbeweglichkeit, Starre, trostlose Krankheitszustände, Gehörlosigkeit, Tod und herzzerreißende Armut. Kennzeichnend für die aufrichtende Antwort Jesu ist, dass sie aus dem Alten Testament, eben jenem Prophetenwort geschöpft ist, das Johannes der Täufer so gut kannte. Damit war klar: Johannes, du hast deine Bibel richtig gelesen. Gott steht zu seinem Wort. Was er sagt, tut er. In seinem Wort steckt schon die Verwirklichung. Selbst wenn du jetzt eingezwängt festsitzt, selbst wenn du äußerlich nicht aus der Klemme kommst, vielleicht sogar ein Opfer grausamer Gewalt würdest es gibt Größeres: Im Reich Gottes ist die Macht des Todes zerbrochen. Der Tod kann die nicht halten, die sich an Gottes Wort halten. Du darfst aufatmen, hoffen und dennoch getrost sein. Auch im Gefängnis, in der Ausweglosigkeit. Bemerkenswerterweise lässt Jesus in seiner Antwort an den Täufer den Hinweis auf die »Freilassung der Gefangenen und Öffnung des Kerkers der Gebundenen« (Jes. 61, 1b) weg. Der Herr will in Johannes keine falsche Hoffnung nähren. Der treue Diener Gottes wirdnicht aus der Haft entlassen. Er muss sterben. Jesus könnte ihn auferwecken, wie er den Lazarus aus den Toten rief. Bei Johannes tut er es jetzt nicht. Aber es wird der Tag kommen, an dem auch der Täufer bei den Auferstandenen sein wird. Es ist gewiss wahr: »Tote werden auferweckt.« Den Zeitpunkt müssen wir Jesus überlassen. (Lies Joh. 5, 28. 29; 11, 23-26.) So grausam der Tod auch ist, Jesus ist und bleibt der Todes-Überwinder. Eines Tages wird er ihn für immer entmachten. »Er wird den Tod verschlingen auf ewig . . . « » . . . denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen« (Jes.25,8; Offb.7,17; 21, 4).
Sonntag, 29. Juni Matthäus 11, 7-19. 5.
Jesus stellte Johannes und seinem Dienst das beste Zeugnis aus. Halten wir einige Merkmale fest:
1. Johannes hatte einen festen Charakter. Der Täufer war nicht wie ein »Schilfrohr «, das jedem Wind nachgibt. Er ließ sich nicht vom Wind des Zeitgeistes und der Meinungen hin- und herbewegen, sondern vom Wind des Geistes Gottes. (Vgl. Luk.1,15-17.41.66; 3, 2.)
2. Johannes lebte einfach und bescheiden. Er trug keine »weichen Kleider« (V. 8). Gemeint sind hier Luxusgewänder aus chinesischer Seide, die über Indien importiert wurden. Diese besondere Kleidung trugen Menschen in königlicher Stellung oder zu besonderen Festlichkeiten. (Vgl. 1.Mose 37,3; Luk. 15, 22; Apg. 12, 21.) Johannes der Täufer kleidete sich wie ein Prophet, natürlich, einfach und zweckmäßig (Matth. 3, 4). Er wollte mit seiner äußeren Erscheinung etwas von seiner inneren Geisteshaltung verdeutlichen: Ich will ein Diener Gottes und der Menschen sein, ein Mitarbeiter, der sich mit seinem ganzen Leben der Berufung Gottes verschrieben hat.
3. Johannes war ein besonderer Prophet (V. 9. 10). Gott hatte ihn mit einer einmaligen Mission betraut. Als Schlussprophet des Alten Bundes durfte er die Ankunft des Messias und damit die sichtbar »nah gekommene Gottesherrschaft « auf Erden vorbereiten. »Er ist also nicht nur ein Prophet in der Reihe des AT, sondern mehr als ein solcher: nämlich der Schlussprophet des AT und der Eröffnungsprophet des NT« (G.Maier). Bevor wir über das vierte Merkmal nachdenken, halten wir für uns fest: Jesus lobte an Johannes dessen Standhaftigkeit und Treue, seine Einfachheit und Hingabe, seine Offenheit und Bereitschaft, die ihm von Gott zugedachte Berufung und Aufgabe zu leben. Welches Kennzeichen sollte in meinem Leben sichtbarer werden? Was will ich konkret dafür tun?
4. Johannes der bedeutsamste Mensch. »Kein Größerer« unter den Menschen, urteilt Jesus, und er tut es erst, nachdem das Leben des Johannes auf der Erde abgeschlossen war. Wir sollten uns hüten, unsere Maßstäbe von groß, größer, am größten zu verbreiten. Wenn Jesus den Täufer kennzeichnet als »kein Größerer«, dürfen wir positiv daraus schließen, dass Menschen, die Gott vertrauen und lieben, in den Augen Jesu »große Menschen« sind. Darauf weist uns vollends die rätselhaft erscheinende zweite Vershälfte hin: »Aber der Kleinste in der Gottesherrschaft ist größer als er (Johannes).« Nehmen wir Johannes 1, 12. 13 hinzu, wird deutlich, was Jesus meint: »Unter den von Frauen Geborenen « gibt es keinen größeren Menschen als Johannes. Aber wer immer unter den Menschen Jesus Christus in sein Leben »aufnimmt«, also durch den Heiligen Geist wiedergeboren und ein neuer Mensch wird (Joh.3, 5-7), der ist selbst wenn er bei den Menschen der »Kleinste« sein sollte in den Augen Gottes »größer als Johannes«. Denn Gottes Geist wohnt beständig in dem Wiedergeborenen und lässt den neuen Menschen wachsen (2.Kor. 4, 16; Tit. 3, 5-7). Diese Wiedergeburt konnte Johannes der Täufer noch nicht empfangen, denn der Heilige Geist war noch nicht offiziell zu den Menschen gesandt (Apg.2; vgl. Auslegung am 8./9. Juni). Darum ist der Kleinste unter den Wiedergeborenen größer als Johannes. Wie hoch schätzt Jesus die »neue Schöpfung«, die Versetzung aus dem fleischlichen, vergänglichen Dasein in das geistliche ewige Leben! Es gibt in den Augen Gottes nichts Größeres! (Vgl. Luk. 10, 20.) Wir bringen uns um das Größte, wenn wir das Größte nicht das Größte sein lassen. Praktische Konsequenzen für unser Leben als Christ finden wir zum Beispiel in 2.Korinther 5, 14-20; Römer 6, 6-14; Epheser 4, 24-32.
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.