Psalm 103, 1. 2. 11; Klagelieder 3, 22. 23.
Bei unserem Jahrestreffen am 6. Januar 2003 in Stuttgart erinnerten wir uns mit vielen Freunden und Gästen an den 13. November 1927. An diesem Tag hatte Christa von Viebahn (1873-1955) mit der noch kleinen Schwesterngemeinschaft unser Mutterhaus in Aidlingen eingeweiht. Bei der Vorbereitung lag es nahe, dass wir über die geistlichen Wurzeln unserer Arbeit nachdachten und uns mit Briefen und Bibelarbeiten Christa von Viebahns beschäftigten. Es hat uns bewegt, wie wichtig es ihr von Anfang an war, dass das Wort Gottes im persönlichen und gemeinsamen Leben der Schwestern einen breiten Raum einnahm. Sie schrieb: »Der Wert eines jeden Tages ist groß. Es kommt so viel darauf an, dass wir das Heute ernst nehmen. Wie schnell fliegt die Zeit dahin. Deshalb gilt es, an jedem Tag ganz wach zu sein, um etwas Besonderes mit Jesus zu erleben . . . Die entscheidende Lebenskraft für unser inneres Wachstum ist das Wort Gottes, deshalb macht euch mit dem Wort des Herrn Jesus ganz vertraut und lasst es reichlich unter euch wohnen (Kol.3,16; lies 2.Tim.3,16.17; Spr.6, 23). Wie machen wir uns mit Gottes Wort vertraut? Dies geschieht, wenn wir täglich in der Bibel lesen und das Gelesene betend verarbeiten. Ein göttliches Wort, das mit seiner Lebenskraft in unser Herz dringt, verändert uns. So wird unser Leben fruchtbar für Gott. (Lies Joh.15,7.8.) Sagt Gottes Wort weiter, denn nicht nur für Einzelne, sondern für die ganze Gemeinde des Herrn ist es die rettende und verwandelnde Lebenskraft. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht (Matth. 4. 4). Auch der Prophet Jeremia konnte bezeugen: Dein Wort war meine Speise, da ichs empfing, dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost « (Jer.15,16; lies 1. Petr.2,2; Ps.19, 8-13).
1.Thessalonicher 1, 1-10; Apostelgeschichte 17, 1-10a. »Errettet, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen« dieses Wort ist Christa von Viebahn einige Monate vor dem Umzug nach Stuttgart (1907) tief ins Herz gefallen. Es wurde der Leitspruch für unsere Schwesternschaft. Was zur Zeit des Apostels Paulus in Thessalonich geschah, war so gewaltig, dass es für Schlagzeilen sorgte. Obwohl es weder Telefon noch Fax oder E-Mail gab, verbreitete sich die Nachricht in Windeseile. »Von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden« (V. 8). (Lies Apg. 4,12.20; Röm.1,8; 2. Tim. 1, 7-10.) Der Glaube der Christen in Thessalonich hatte Auswirkungen. Es wurde bekannt: 1. dass sich Menschen zu Gott bekehrt hatten, weg von den Götzen, 2. dass sie dem wahren und lebendigen Gott dienten, 3. dass sie Jesus, den Sohn Gottes, vom Himmel erwarteten. ZUM ERSTEN: MENSCHEN IN THESSALONICH HATTEN SICH WEG VON DEN GÖTZEN ZU GOTT BEKEHRT. Der Württembergische Altlandesbischof Sorg besuchte auf einer Japanreise die alte Kaiserstadt Kyoto. Er schreibt darüber: »Sechshundert heilige Tempel und Schreine zieren diese Stadt. Wir nähern uns einem dieser Tempel. Eine weite Halle tut sich vor uns auf: Tausend Buddhagestalten stehen hier in Reih und Glied nebeneinander und hintereinander. Jede Gestalt in Menschengröße, gekleidet wie ein Krieger, von Kopf bis Fuß mit purem Gold überzogen. Was soll dieses kriegsstarke Aufgebot von Buddhas in der Tempelhalle bezwecken? Die Allmacht dieses Gottes soll dem staunenden Besucher demonstriert werden: Die Welt ist groß, Buddha ist größer! Der Mensch ist stark, Buddha ist stärker. Tausend Buddhas! Doch einer ist stummer als der andere. Alle schweigen die erwartungsvollen Besucher an. Sie können weder ihre Sehnsucht noch ihre brennenden Wünsche erfüllen.« (Lies Ps. 115, 3-12; 135, 15-19; vgl. Röm. 16, 25. 27; Eph. 3, 20. 21.)
1. Thessalonicher 1, 8-10; 1. Timotheus 2, 5. 6. In Thessalonich gab es viele Götzen, tote Götter. Sie wurden von den Menschen verehrt. Diese brachten ihnen Opfer, um nicht den Zorn der Götter auf sich zu ziehen, sie nicht zu beleidigen oder zu verärgern. In diese Situation hinein verkündigte Paulus das befreiende Evangelium von Jesus Christus. Er malte den Thessalonichern den lebendigen und wahren, den einzigen und einzigartigen Gott vor Augen, mit dem kein anderer Gott zu vergleichen ist. Er stellte ihnen den Schöpfer vor, der durch sein allmächtiges Wort Himmel und Erde geschaffen hat, das weite Sternenheer mit seinen unzähligen Planeten, und der dem Menschen das Leben gab (Jes.40,18-28; Ps.139,13.14). Paulus ließ die Thessalonicher wissen, dass dieser Gott ein liebender und ein vergebender Gott ist, der keine Opfer von ihnen verlangte, sondern für die Schuld und Sünden jedes einzelnen Menschen seinen Sohn Jesus Christus sterben ließ (2.Kor. 5, 21; 1. Petr. 1, 18. 19). Der Apostel sprach von dem treuen und barmherzigen Gott, der wie ein Hirte für die Seinen besorgt ist und sie wie ein Anwalt beim Vater vertritt. Er redete von Jesus als dem Licht der Welt, das alle Dunkelheit und Angst vertreibt, und stellte den Thessalonichern Jesus vor als den allmächtigen Herrn, der gesagt hat: »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.« Paulus erzählte von Jesus, der seinen Nachfolgern versprach: »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!« und ihnen zusagte: »Ich werde wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin« (Matth. 28, 20; Joh. 14, 14). Viele Menschen in Thessalonich begriffen: Welch ein gewaltiger Unterschied zwischen den toten, handlungsunfähigen Göttern und dem lebendigen und wahren Gott! (Lies Jes. 43, 1. 2. 10b-13; 55, 6-11; 57,15.)
1. Thessalonicher 1, 9. 10; Sprüche 1, 7. Gottes große Liebe führte die Thessalonicher dazu, sich von den toten, stummen Göttern abzuwenden und sich bewusst dem lebendigen Gott zuzuwenden. In seinem Bericht über Japan schreibt Theo Sorg noch: »Man ist erdrückt, erschlagen, wenn man diese Götzenbilder sieht. Aber noch mehr muss uns die Tatsache bedrücken, dass unzählige Menschen in unserer westlichen Welt genau die gleiche Vorstellung von Gott haben.« Wir haben erlebt, dass sich in Österreich zum »Weltfriedens-Tag« der Buddhisten Tausende mit dem Dalai Lama versammelten. Kurz zuvor wurde in Hamm (Nordrhein-Westfalen) der größte Hindutempel Europas mit 180 Hindugöttern eingeweiht. (Lies 1. Tim. 4, 1; 2.Petr.2,1.2; 3,17.18.) Was helfen Götzen, deren besondere Eigenschaft das Schweigen ist? Unser Gott ist der Gott des Leben schaffenden Wortes. »Gott spricht und es geschieht« (Ps.33,9; 148, 5). Er ist eine heute erfahrbare Realität! Er kommt mitten hinein in unseren Alltag und stellt sich an unsere Seite. »Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit!« (Jes. 41, 10; lies Jes.40, 1-3; Jer.1,8; 31,3; Apg. 18,9.10). Unsere Zeit stellt mit großem Ernst eine Frage an uns alle: Machen wir die Menschen auf unseren einzigartigen Herrn aufmerksam (Röm.1,16)? Leben wir so mit Jesus Christus, dass andere sich wünschen, ihn kennen zu lernen? »Lasst Christus den Mittelpunkt eures Lebens sein. Seid immer dazu bereit, denen Rede und Antwort zu stehen, die euch nach der Begründung eures Glaubens fragen.« »Ich schäme mich nicht, die Heilsbotschaft von Jesus Christus überall weiterzusagen; denn sie ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der daran glaubt« (nach 1. Petr.3,15; Röm.1,16; lies Apg.1, 8).
1.Thessalonicher 1, 9; 2. Korinther 5, 14. 15. 2. IN THESSALONICH WURDE BEKANNT, DASS DIE CHRISTEN DEM WAHREN UND LEBENDIGEN GOTT DIENTEN. Wie anders gestaltete sich das Leben der Gläubigen in Thessalonich, nachdem sie den lebendigen Gott kennen und lieben gelernt hatten. Für sie war er nun kein ferner, unnahbarer Gott mehr, vor dem sie ängstlich zittern mussten. Wie froh, wie dankbar waren sie, dass Jesus Christus ihr Retter geworden war. Ihm wollten sie dienen. Das sahen sie als das größte Vorrecht an. Jesus will auch uns neu vor Augen stellen, welch eine Freude es ist, ihm zu dienen. Wir sind »befreit aus der Hand unserer Feinde, damit wir Gott ohne Furcht dienen unser Leben lang« (Luk.1,74.75; lies Röm. 6,17.18; 12,1.2; 14,7.8; Ps.100, 2). Wenn wir Jesus dienen wollen, ist es wichtig, dass wir uns zuerst von ihm dienen lassen. Darin liegt das Geheimnis eines erfüllten und geistlich fruchtbaren Lebens. Wir erinnern uns an Mose. Er erlebte, »dass der Herr mit ihm von Angesicht zu Angesicht redete, wie ein Mann mit seinem Freunde redet«. Als Mose nach der Begegnung mit Gott vom Sinai hinabstieg, lesen wir, »dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte« (2.Mose 33, 9-11a; 34, 29. 30. 34. 35). Aus der Gottes-Begegnung schöpfte Mose Kraft, die ihm übertragenen Aufgaben zu bewältigen. Gottes Gegenwart half ihm, vorwärts zu gehen und auch in Stunden der Enttäuschung nicht zu verzagen. Darum konnte er später Josua zusprechen: »Sei getrost und unverzagt! Der Herr, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein« (5.Mose 31, 8). Nur wer sich selber von Gott dienen lässt, kann anderen wirklich dienen. R. Murray riet einmal einem Studenten: »Schau nicht in das Gesicht eines Menschen, bevor du nicht in das Angesicht dessen geschaut hast, der unser Leben ist, unser Alles.« (Lies Jes.50, 4; 1.Sam.3,10.)
Auch Nehemia, der mit den Israeliten die Stadtmauer Jerusalems aufbaute, ließ sich zuerst von Gott dienen, bevor er handelte. Immer wieder breitete er ausweglose und gefährliche Situationen vor seinem Gott aus und erwartete von ihm Wegweisung. Und wie oft wurde er von ihm mit Weisheit, Vollmacht und dem nötigen Durchblick beschenkt. (Lies Ps. 5, 4. 8; 27, 8. 9.) Wie Nehemia erfuhr auch D. Johnson Gottes Hilfe für eine verzweifelte Situation. In seinem Büchlein »In der Stille vor Gott« berichtet er: »Ich erinnere mich an eine Frühlingsnacht vor vielen Jahren, als ich von einem Problem ganz gefangen genommen war. Die Situation war sehr ernst, und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Mir war, als ob die Last der ganzen Welt auf meinen Schultern liegen würde . . . Ich lehnte meinen Kopf an einen Torpfosten und schaute auf. Sterne, strahlend und glitzernd, bedeckten den Himmel. Wie groß und gewaltig ist Gott! Einen Augenblick dachte ich nach. Was waren meine Probleme schon für ihn? Für mich waren sie übermächtig; für ihn jedoch waren sie lächerlich klein . . . Unsere Probleme schrumpfen zur Bedeutungslosigkeit, wenn wir sie der Allmacht Gottes und seiner unendlichen Weisheit und Fürsorge übergeben.« (Lies Ps.37,5; 55,23; 65,2.3.) In Kapernaum kam Jesus mit seinen beiden Jüngern Jakobus und Johannes in das Haus des Simon Petrus. Dort erfuhr Jesus, dass Simons Schwiegermutter mit hohem Fieber das Bett hüten musste. Petrus kam mit dieser Not zu Jesus. Jesus ging zu ihr, nahm ihre Hand und richtete sie auf. Sofort war das Fieber verschwunden. Sie konnte aufstehen und ihre Gäste versorgen (Mark.1,29-31). Jesus will das, was in uns krank, verletzt oder zerbrochen ist, heilen, um uns in seinen Dienst zu nehmen.
Unentwegt war Marta beschäftigt mit der Bewirtung ihrer Gäste. Was sie tat, war wichtig und musste getan werden. Das sah der Herr. Aber er sah auch, dass sie aus den häuslichen Aufgaben eine zu wichtige Angelegenheit machte, sodass keine Zeit blieb, Gemeinschaft mit ihm zu haben. Mit dem Hinweis auf Maria machte Jesus sie auf das Wichtigste aufmerksam. »Wichtig ist nur eins!« Maria hat erwählt, wozu auch wir erwählt sind: »Sie setzte sich zu Jesus und hörte ihm aufmerksam zu.« (Lies Jes. 48,17.18; Jer.22,29; Matth.13,22.23.) Christa von Viebahn schrieb einmal in ihr Tagebuch: »Ich habe erkannt und gelernt, dass ich keine Zeit spare, wenn ich die Zeit des nahen Umgangs mit Jesus kürze. Im Gegenteil, ich beraube mich meiner Befähigung und Ausrüstung und brauche dann zu meinen Aufgaben viel mehr Zeit; vor allem kann ich sie nicht so reif und gesegnet erfüllen, wie es sein soll. Ein unglücklicher, fruchtloser Tag, weil ich nicht genügend mit Gott geredet und auf seine Stimme in seinem Wort gelauscht habe. Mag ich versäumen, was es sei scheinbar das Wichtigste, Herr, schenke mir, dass ich mein stilles Weilen vor dir nicht versäume. Was Gottes Aufträge für uns auch sein mögen das Vor-ihm-Sein ist das Wichtigste! Er will uns zuerst beschenken für die vielfältigen Anforderungen, die im Laufe eines Tages an uns herantreten.« »Wenn du auf mich hörst, wirst du vertraut mit dem, was richtig, gerecht und gut ist.« (Lies Spr. 2, 1-9; 8, 34. 35; Ps. 119, 6. 9. 80; 65, 1-6.)
»Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.« Dienen ist ein guter Weg zum Nächsten. Ein kleiner Liebesdienst kann seine Herzenstür öffnen. »In einem afrikanischen Gedicht heißt es: Seit ich an Jesus glaube, ist der Nächste mehr als ich. Christen leben nicht mehr sich selbst, sie leben für Gott. Und sie leben für den Nächsten. In der Praxis bedeutet das, dass ich für mich selber nicht mehr so viel Zeit habe wie früher, weil ich sie für Gott und meinen Nächsten brauche. Für mich jedenfalls führt das zunächst im Vorfeld jeglicher missionarischen Zielsetzung zu ganz schlichten, praktischen Verhaltensweisen meinem Nächsten gegenüber« (P.Deitenbeck). (Lies Mark.12,28-31; Gal.5,13b-15.22; Kol.3,12.13.18-22.) Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter stellte Jesus einem Schriftgelehrten die Frage: »Wer von diesen dreien, meinst du, ist dem Überfallenen der Nächste gewesen? Der Schriftgelehrte erwiderte: Natürlich der Mann, der ihm geholfen hat. Dann geh und folge seinem Beispiel, forderte Jesus ihn auf« (Luk. 10, 36. 37). Es ist unser Auftrag, »mit dem Herzen« zu dienen, mit Liebe und Erbarmen zu denen, die in unserer Gesellschaft unter die »Räuber« gefallen sind. Ein wichtiger Dienst, den wir einander tun können, besteht darin, miteinander Freude und Leid zu tragen, sich mit dem anderen unter seine Last zu stellen und ihn spüren zu lassen: Du stehst nicht allein in dieser Situation, ich begleite dich mit meiner Fürbitte, und wo es nötig ist, kannst du mit meiner Hilfe rechnen. (Lies Röm.15,1.2.7; 13, 8-10.) Dienen macht die Last des anderen leichter. »Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.« Lasten behindern das Vorwärtskommen. Die Kraft lässt nach, und die Gefahr des Zurückbleibens ist groß. »Lasst uns darauf achten, dass nicht einer von uns auch nur scheinbar zurückbleibe« (Gal.6,2; Hebr.4,1).
2.Korinther 5, 11a. 17-21; Sprüche 24, 11. 12. Der wertvollste Dienst, den wir anderen tun können, ist, ihnen den Weg zu Jesus zu zeigen. »Als der Evangelist Moody (1837-1899) nach London kam, wurde Edward Studd, der Vater von Carl Studd, dem Gründer der Missionsgesellschaft WEC International (Weltweiter Einsatz für Christus), von einem Freund zu einer Evangelisation eingeladen. Er wehrte sich entrüstet gegen diese Zumutung, gab aber schließlich dem Drängen des Freundes nach. Als der erste Abend vorbei war, sagte er: Ich werde wiederkommen, um diesen Mann noch einmal zu hören. Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Studd hielt Wort und erlebte die große Wende seines Lebens. (Lies Joh. 4, 5-7.39-42; 5, 24.) Über diese Veränderung schrieb einer seiner Söhne später: Am Nachmittag war Vater noch ganz erfüllt von der Leidenschaft für den Rennsport, und am Abend war er wie verwandelt. Es war ihm klar, dass er nicht mehr dasselbe Leben führen konnte wie bisher. Zum größten Erstaunen seiner Kinder und Freunde beschäftigte ihn nur noch eine Sorge: wie er Menschen für Gott gewinnen könnte. Die große Diele seines Hauses ließ er mit Bänken ausstatten und richtete einen Raum ein, in dem das Evangelium gepredigt werden konnte. Dann ritt er durchs Land, um die Leute einzuladen. Und sie kamen zu Hunderten« (N. P.Grubb). (Lies Apg. 4, 12. 18-20. 29; 1. Joh. 1, 1-4.) Christa von Viebahn sagte: »Wir müssen lernen, praktisch zu dienen, die Menschen dort abzuholen, wo sie ansprechbar sind, um sie mit Jesus in Berührung zu bringen. Das ist wirkliches Leben für Kinder Gottes, diese heilige Leidenschaft, Menschen für Gott zu gewinnen. Die Menschen sind so leer, oft so verzweifelt und in innerer Not, dass sie nur noch auf den Ton eines klaren Zeugnisses warten. Am besten fängst du dort an, wo du im täglichen Leben stehst, wo du deine Botschaft gleichzeitig vorleben kannst.«
1.Thessalonicher 1, 9. 10; Apostelgeschichte 17, 1-9. 3. VON DEN CHRISTEN IN THESSALONICH WURDE BEKANNT, DASS SIE DEN SOHN GOTTES VOM HIMMEL ERWARTETEN. Wussten Sie, dass in den 260 Kapiteln des Neuen Testaments über dreihundertmal die Botschaft vom Wiederkommen des Herrn Jesus verkündigt wird, die in der alten aramäischen Sprache »Maranatha« heißt »der Herr kommt«. Der Gemeinde in Thessalonich spürte man die Erwartung und die Vorfreude auf diesen großen Tag ab. Sie waren offen für alles, was Paulus ihnen im Blick auf ihre persönliche Vorbereitung auf das Wiederkommen des Herrn Jesus gesagt hatte. Er hatte zu ihnen von der Hoffnung auf das ewige Leben gesprochen und ihnen das Versprechen weitergegeben, das Jesus seinen Jüngern gab: »In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, dann werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin« (Joh.14, 2. 3). Diese Wahrheit brachte zu allen Zeiten Licht und Weite, Hoffnung und Freude in das Leben der Christen. Auch dort, wo Leid und unverständliche Führungen durchzustehen waren, weckte diese Gewissheit Zuversicht und Kraft. Das soll auch uns in unserer unruhigen Zeit, die von so viel Hektik, Unsicherheit und Gottlosigkeit geprägt ist, ermutigen: Unser Herr kommt! (Lies Röm. 8, 17. 18; 2. Kor. 4, 14-5, 1.) Wir gehen einer herrlichen Zukunft entgegen. »Das Schönste kommt noch!« Paulus sprach auch davon, wie es sein wird, wenn Jesus wiederkommt: »Er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir noch leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. Mit diesen Worten tröstet euch untereinander« (1.Thess.4, 16. 17; lies Joh. 5, 25; 6, 40; 12, 26; 17, 24).
»Jesus kommt wieder!« Diese großartige Zukunftsaussicht kannten die Thessalonicher nicht, solange sie den toten Göttern nachliefen. Als Glaubende bedrängte sie die Angst vor einer ungewissen Zukunft nicht mehr, sondern eine tiefe Freude erfüllte ihr Herz. Sie wussten, dass sie einmal für immer bei Jesus sein würden, weil sie »dem kommenden Tag der Herrlichkeit angehörten «. »Wir sollen ganz wach und nüchtern sein. Wie ein Panzer soll unser Vertrauen und unsere Liebe zu Gott und den Menschen uns decken, und wie ein leuchtender Helm soll uns die herrliche Aussicht auf die nahe Seligkeit krönen.« (Lies 1.Thess. 5, 1-11.) Der Apostel Petrus beschreibt das Ankommen bei Jesus mit übersprudelnden Worten: »Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit. « (Lies 1. Petr. 1, 6-10.) Das Ziel ist Freude, wie wir sie gar nicht ausdenken und aussprechen können. Es wird den Glaubenden dann gar nichts mehr fehlen. Die anspruchsvollste Erwartung unserer Herzen ist erfüllt: »Der Seelen Seligkeit!« »Alles, Herr, bist du!« (Lies Ps. 16, 11; 17, 15; Jes. 65, 17. 18.) Die Vorfreude auf dieses große Ziel konnte nicht verborgen bleiben, sie musste über die Stadtgrenzen von Thessalonich hinausgetragen werden. Auf die ungetrübte, nie endende Gemeinschaft mit Jesus dürfen sich alle, die zu ihm gehören, heute und hier schon freuen!
1.Thessalonicher 5, 2. 6; Lukas 12, 35-40. Paulus lenkt nun die Gedanken der Gläubigen auf einige Punkte, die sie im Blick auf dieses herrliche Ziel nicht aus den Augen verlieren sollen. Er ruft sie auf, wach und nüchtern zu sein: »Lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.« Wach und nüchtern zu sein, die Zeichen der Zeit zu beachten, darauf hatte Jesus seine Jünger schon hingewiesen. »Darum seid wach; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag der Herr kommt!« Das gilt auch für uns heute mehr denn je. Die Zeiger an der Weltenuhr sind weit vorgerückt. Wir beobachten die Situation in und um Israel. Wir hören von Kriegen und Kriegsgeschrei, immer mehr religiöse Führer treten auf und geben sich als Heilsbringer aus. Eine Katastrophennachricht jagt die andere: Erdbeben, Überschwemmungen, Hungersnöte. Chaos und Unsicherheit auf allen Gebieten erschüttern die Menschen. Wir hören von Christenverfolgungen in vielen Erdteilen wie nie zuvor. Zugleich aber wird das Evangelium in Völker und Stämme getragen mit Mitteln und über Medien, die man vor wenigen Jahrzehnten noch nicht kannte. Alle diese Ereignisse sollen uns aufrütteln, die Wiederkunft unseres Herrn zu erwarten (Matth.24, 1-44; 25,10.13). Wach sein heißt auch, im Licht Gottes zu leben: »Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis . . . Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.« Paulus ermutigt dieGläubigen imBlick auf die naheWiederkunft Christi, der Finsternis keinen Raum zu gewähren. Nichts blockiert unsere Gemeinschaft mit Jesus und unser Miteinander mehr als ungeordnete Beziehungen und unvergebene Schuld. Wer Jesus vom Himmel zurückerwartet, schafft klare Verhältnisse. (Lies 2.Kor.7,1; 1.Thess.5,13.14; 1. Joh.3, 2.3.)
Waches Christsein hat auch zu tun mit Ausdauer, Geduld, Standhaftigkeit, Mut und Energie. »Seid geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn«, schreibt der Apostel Jakobus, und im Hebräerbrief lesen wir: »Geduld habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt« (Hebr.10, 36-39). In unseren Tagen versuchen Christen oft sehr originell Menschen auf die Wiederkunft Jesu aufmerksam zu machen: Vor einiger Zeit war in einem Zeitungsartikel zu lesen: »Passanten reagieren unterschiedlich, wenn sie den unauffällig gekleideten Mann mit dem großen Schild sehen. Jesus kommt!, verkündigte er mit großen, schwarzen Buchstaben. Wo die einen Zustimmung bekunden, lockt es bei den anderen nur ein Lächeln hervor.« »Etwas Besonderes haben sich kühne Kletterer in Südfrankreich einfallen lassen, um auf die Wiederkunft von Jesus Christus aufmerksam zu machen. An einer Küstenstraße in der Nähe von Marseille malten sie den Autofahrern eine Predigt an die Felswand: »Jesus vive Jesus sauve Jesus revient!« »Jesus lebt Jesus rettet Jesus kommt wieder!« (K.Hennig). Diese Beispiele können auch uns aufrütteln und anspornen, wach und bereit zu sein für unseren wieder- kommenden Herrn. (Lies Matth.5,14-16; Phil.2,14.15; Röm.13,11-13.) Können wir von Herzen mitsingen, was der Pfarrer und Liederdichter Philipp Friedrich Hiller bekannte:Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst ja uns zum Segen. Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen. GOTT SORGT FÜR UNS Philipper 4, 12-23
SIND CHRISTEN ALLESKÖNNER? Dankbar und von Herzen froh über die liebevolle Fürsorge der Christen in Philippi gibt der Apostel Paulus Einblick in seinen Alltag. Klar und nüchtern schreibt er von den inneren Lernprozessen in der »Hochschule Gottes«: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wies mir auch geht« ob angesehen oder verachtet, satt oder hungrig, im Überfluss lebend oder Mangel leidend ich bin zufrieden. Doch dann stockt einem fast der Atem bei den Worten: »Ich kann alles.« Isoliert betrachtet, wirkt diese Aussage vermessen, hochtrabend, ja, arrogant. Der Textzusammenhang aber verdeutlicht das genaue Gegenteil: »Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.« Paulus spielt damit nicht seine Begabung, sein Können und seine guten Eigenschaften herunter, sondern er will sagen: Mein Leben von Kopf bis Fuß ist in Gottes Hand. Alles, was ich bin und habe, alles Schöne und Gute, aber auch alle Entbehrungen, persönlichen Ängste und Schmerzen bewältige ich in der tiefen Gemeinschaft mit meinem Herrn Jesus Christus. Er ist es, der mich in den unterschiedlichsten Situationen beschenkt und segnet, der mir Kraft und Zuversicht gibt, der in meinem Herzen Geduld, Demut und Dankbarkeit wachsen lässt. So ist es eigentlich und beständig Christus, der in mir und durch mich alles schafft und wirkt. Hier liegt wohl das Geheimnis, warum der Apostel in dunklen und höchst notvollen Stunden seines Lebens nicht verzweifelte, sondern im Glauben erstarkte. Wenn in den Turbulenzen und Erschütterungen des Alltags das Vertrauen auf Jesus unterzugehen droht, will ich sagen: »Herr Jesus, es gilt: deine Kraft in meiner Schwachheit!« (Lies 2.Kor.12, 7-10; 3,5; Joh.15,5.)
WAS WOHLTATEN BEWIRKEN Der inhaftierte Apostel Paulus dankt für die erfahrene Unterstützung und Stärkung. In seinen Worten schwingen sogar Lob und Ermutigung mit: »Ihr habt wohl daran getan . . . « Die Christen in Philippi werden immer wieder vor Gott überlegt haben, wie sie am Leben des Paulus Anteil nehmen und die Last seiner Gefangenschaft tragen helfen können. Ein Jünger von Jesus wird immer auch ein Wohltäter für die Menschen sein. Ein Telefonanruf, eine kleine Überraschung kann Licht in eine verzweifelte Stunde bringen. Die wenigen, aufrichtigen Worte »Ich bete für dich« können ermutigen, eine Sache getrost anzupacken. Dem andern einige Augenblicke zuhören nur zuhören , das kann Entscheidendes verändern. (Lies Gal. 6, 2; Hebr. 13, 3; 3. Joh.5.6; 2.Thess.3,13.) Indem ich einem anderen wohl tue, drücke ich gleichzeitig aus: Du bist einmalig, du bist es wert, ein Stück Jesusliebe zu erleben. »Einer bleibt beim Wandern zurück. Er kennt ja den Weg, warum sollte ein anderer mit ihm zurückbleiben? Ist doch nicht notwendig! Aber würde es nicht wohl tun, dem anderen einfach zu zeigen, dass er dazugehört? Jemand ist krank. Nicht schlimm. In zwei Wochen ist er sicher wieder da. Warum ihn dann besuchen? Ist doch nicht nötig! Nötig sicher nicht. Aber doch wohlgetan. Warum? Damit er etwas merkt von der Gemeinschaft, in der er steht. Damit er spürt, dass andere mit ihm empfinden, an ihn denken, für ihn da sind. Oder wie wäre es mit ein paar Blumen für die Mutter? Nicht nötig? Natürlich nicht. Aber sie zeigen der Mutter, dass ihre Mühe und Arbeit bemerkt wird. Sichtbare Zeichen, wie wohltuend sind sie doch. Erwarte ich sie nur vom anderen, oder habe ich sie auch für andere?« (J. Blunck). (Lies Apg.9,36; 28,15; Titus 3, 8.14.)
FERN UND DOCH SO NAH! Zwischen Rom und Philippi lagen hunderte von Kilometern. Das Nachrichtenund Verkehrswesen war für damalige Verhältnisse zwar sehr gut ausgebaut, und doch brauchten Reisende viele Tage, um derartige Strecken zu überwinden. Wie leicht können sich Müdigkeit, »Vergesslichkeit« und Enttäuschungen einschleichen, wenn wochen- und monatelang Verbindungen abgerissen zu sein scheinen! Für die Christen in Philippi war Paulus sehr weit weg, und doch ließ sie die Not, die er ertragen musste, nicht gleichgültig. Sie wählten die kürzeste aller Strecken, um dem Entfernten nahe zu sein: den Weg regelmäßiger Fürbitte. In Matthäus 18 (s.o.) erfahren wir, dass Jesus bei all seinen Freunden gleichzeitig ist, wann und wo immer sie sich in seinem Namen treffen. Darum sind auch die Jesusleute trotz weiter Entfernung nah »beieinander« nicht leibhaftig, aber deshalb nicht weniger wirklich. Wie vertraut oder fremd ist uns dieser Weg? Es gibt so viele schwer bedrängte Christen, die schikaniert und hart gequält werden, weil sie an Jesus glauben. Lassen wir uns von ihrer Not zum regelmäßigen Fürbittegebet bewegen? Hier einige Anregungen: Beten wir, dass die Bedrängten mitten in Gefahren und Schrecken den Begleitschutz und die Fürsorge Gottes erleben. Beten wir um einen tiefen Herzensfrieden, wenn Ängste und Zweifel hochkommen. Beten wir besonders dafür, dass sie ihr Vertrauen auf Jesus nicht wegwerfen und durch ihr mutiges Lebenszeugnis andere Menschen im Leiden getröstet und gerettet werden. »Wo viel gebetet wird, geben wir Gott Gelegenheit, für uns zu arbeiten« (Hudson Taylor). Wir dürfen Gott alles zutrauen (Luk. 1, 37), zugleich aber beherzigen: Gott ist und bleibt der souveräne Herr! Dazu Apostelgeschichte 12, 1-12 mit der großen Überraschung in Vers 24.
SEHNSUCHT NACH GEISTLICHEM SEGEN Paulus erinnerte sich gerne und dankbar an die Gaben, die ihm die Gemeinde in Philippi zukommen ließ. Normalerweise sorgte Paulus selber für seinen Lebensunterhalt. »Doch hier deutete er an, dass die Christen in Philippi bereit waren, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, um ihn zu trösten, als er seine Freiheit einbüßen musste« (S. Ferguson). Der Apostel wollte aber nicht missverstanden werden, so, als ob er bloß auf seinen persönlichen Vorteil bedacht sei. Es ging ihm nicht in erster Linie um Gaben und Geschenke, sondern um den geistlichen Segen, den die Geber selber durch ihre Hilfsbereitschaft von Gott empfangen würden (Spr. 11, 25; Apg. 20, 35; 2.Kor. 8, 2; 9, 7). Paulus sehnte sich nach allem, was Jesus in und durch die Seinen wirken will: »Ich suche nach Frucht«, ich verlange sehnsüchtig nach der gelebten Jesus-Art, ich wünsche so sehr geistliches Wachstum bei euch anzutreffen. Paulus suchte Frucht und er fand diese Frucht. Bei Gott gilt sie als »angerechnet«, sozusagen als Guthaben verbucht. Damit ist gesagt: Gott selber nimmt Notiz von der gelebten Hingabe an seinen Willen, sie rauscht nicht an ihm vorbei, sie geht nicht verloren, sie ist nicht vergeblich und nicht vergänglich, sondern ewig. Sie ist »bleibende Frucht« (Joh. 15, 16). Welch ein Geschenk! Welch ein Segen! Welch eine Freude! Heute bietet sich Johannes 15, 1-21 als Intensiv-Studium an. Wir können es zum Beispiel unter der Fragestellung lesen: Was hilft mir, bei Jesus zu bleiben was blockiert die Verbindung?
ERSTAUNLICHE RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN Noch einmal bricht bei Paulus Freude und Dankbarkeit über die empfangene Gabe durch, indem er den Empfang des ganzen Betrages bestätigt. Der Apostel gibt auch zu verstehen, dass er jetzt wirklich alles reichlich hat, was er braucht. Diese Transparenz ist echt, sie nutzt die Geber nicht aus und drückt eine gute Form der Rechenschaft aus. Schließlich kennzeichnet Paulus die Gabe der Philipper als »angenehmes Opfer«, das Gott gut gefällt. Hier leuchtet eine andere geistliche Wahrheit auf: Wer Geld- und Sachwerte, Zeit und Kraft vernünftig und großzügig in den Bau des Reiches Gottes investiert, der tut letztlich Gott selbst wohl. »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan« (Matth. 25, 34-40). Von daher erhält auch unser Geben einen besonderen Stellenwert. Ob es sich um finanzielle Zuwendungen oder um Taten der Liebe und Barmherzigkeit handelt »das habt ihr mir getan«, es ist ein Opfer für Gott. Er bleibt seinen Kindern nie etwas schuldig. Was wir für ihn geben, werden wir so oder so »hoch verzinst« erstattet bekommen. Auch die Christen in Philippi hatten Bedürfnisse. Ihre Gaben kamen nicht bei allen aus vollen Taschen. Aber auch für solche, die aus dem Vollen schöpfen konnten, war wirkliches Geben keine Kleinigkeit. Denn echtes Geben und Opfern ist, unabhängig vom sozialen Status, nie leicht. Da gilt es, vor Gott zu prüfen, ob »Opfern« nicht auch einmal bedeuten kann, eigene Interessen, Wünsche oder Pläne teilweise oder ganz um des Reiches Gottes willen zurückzustellen oder zu verabschieden. Jesus selbst rät uns dringend, unser Leben nach Lukas 6, 36-38 und Matthäus 6, 33 auszurichten. Alles sieht nach Risiko aus, aber die »Nebenwirkungen« werden erstaunlich positiv sein!
ES IST GESORGT! Damit wir den Apostel Paulus nicht missverstehen Gott ist kein »Schenkomat «: Wünsche rein Produkte raus! Paulus spricht hier existenzielle Bedürfnisse der Christen in Philippi an, wirklichen Mangel quer durch alle Lebensbereiche, und er ermutigt, sich auf Gottes dem Mangelentsprechende Versorgung zu verlassen. Christen dürfen mit dem richtigen und reichlichen Zuschnitt der Zuwendungen Gottes rechnen. Er kennt die Anforderungen, die Freuden und die Lasten auf unseren Wegen. Er weiß genau, was wir zum Leben brauchen. Sie nannten ihn »Bruder David«. Er sorgte dafür, dass Millionen von Bibeln nach China kamen, und berichtete, wie es ihm und seiner Familie in dieser Zeit erging: »Für mich war Sicherheit immer an den mächtigen Dollar gebunden. Aber nun gab es Perioden, in denen unsere finanzielle Unterstützung ausblieb. Es gab Abende, an denen wir uns an den Tisch setzten und Gott für leere Teller dankten. Nach dem Gebet unterhielten wir uns und verbrachten so unsere Mahlzeit. Später gingen wir zu Bett, übergaben uns noch einmal Gottes Fürsorge und vertrauten ihm für den nächsten Tag. Der Herr ließ uns nie lange hungern. Obwohl wir grundsätzlich niemandem außer ihm von unserem Mangel erzählten, kamen irgendwie, gerade zur rechten Zeit, Lebensmittel in unsere Küche.« Gott erfüllt nicht jeden Wunsch, aber er begegnet unserer Not und überrascht uns mit seiner Fürsorge. Sein Geben entspricht seinen unerschöpflichen Quellen. (Lies 5.Mose 33,13-16; 2.Kön. 4, 1-7; Ps.78,15.) »In Christus Jesus« hat Gott uns seinen herrlichen Reichtum erschlossen. Der Jesus-Name, der »Name über allen Namen« (Phil. 2, 10) ist der Schlüssel zur Schatzkammer Gottes. Für Paulus ist klar: Wer Jesus Christus gehört, besitzt mit ihm alles. (Lies Kol. 2,3.9.10; 1.Kor. 2, 9-12.)
VON HERZEN GESAGT »Mein Gott«, sagte Herr S., »das kriegen wir wieder hin!« »Mein Gott«, sagte der Inhaftierte und meinte es wortwörtlich und persönlich überzeugt. Welten liegen zwischen Herrn S. und »Herrn Paulus«. Der Apostel weiß um eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Von Herzen kann Paulus »Mein Gott« sagen. Wie viel Liebe, Anbetung und Zuversicht kann darin liegen: »Mein Gott!« Vgl. Psalm 18, 29. 30; Daniel 6, 21. 23. Auch Schmerz und Klage dürfen hier zum Ausdruck kommen: »Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten« (Ps. 5, 3). Notieren wir einmal, in welcher Situation die biblischen Beter waren, was sie mit ihrem Gott erlebt haben, und überdenken dabei unser Leben. Hier eine kleine Auswahl: Psalm 13, 4; 18, 3; vgl. Psalm 22,2.3.11 mit Matthäus 27,46; Psalm 25,2; 30,13; 40,6.9.18; 63,2; 143,10; Johannes 20,28. Gott ist mächtiger als alles, was uns wie »hungrige Löwen« überfallen und verschlingen möchte. Er ist unser Schutz und unsere Zuflucht. Mein Gott ich gehöre zu ihm und er zu mir. Er ist ganz persönlich um mich, sein Eigentum, besorgt. (Lies Ps.63,9; Jes.41,10.13; 43,1; 44,21; 63,8.9.) Der Apostel Paulus versichert seinen Lesern mit den Worten »Mein Gott wird . . . « die große Treue und absolute Zuverlässigkeit Gottes. Er wird für mich handeln, wie er es den Seinen verheißen hat: »Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein« (2.Mose 14,14). Nicht nur über unserer eigenen Not, sondern auch über der des anderen, über seinen Ängsten, Sorgen und Schmerzen, seinen Beziehungsstörungen und über allem Chaos unserer Zeit, steht Gottes ewig gültiges Wort: »Siehe, ich werde ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihrs denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde« (Jes.43,19; lies Jes.41,17.18; 5.Mose 31, 6).
GOTT KANN ALLES NUR EINS NICHT »Mein Gott wird alle eure Bedürfnisse, allen Mangel und alle Not ausfüllen.« Nichts, was uns betrifft, was auf uns zukommt, keine Stunde, kein Ort, kein Geschehen, keine Forderung ist von Gottes treuer Fürsorge ausgeschlossen: »Gott kann machen, dass ihr in allen Dingen allezeit alle Genüge habt« (2.Kor. 9, 8). Merkwürdigerweise vergessen wir das in unserem Alltag oft so schnell. Da fallen überraschend zwei Mitarbeiter auf einmal aus, wie soll es nun weitergehen? Wo bleibt unsere Gelassenheit, wenn drei Dinge gleichzeitig geschehen sollten? Oder wie gehen wir mit dem Verlust einer geliebten Arbeit um? Und was tun, wenn uns die Geduld für den anderen neben uns ausgegangen ist? Vielleicht macht es uns zurzeit auch zu schaffen, dass wir in unserem geistlichen Leben müde und ausgelaugt sind. Es gilt, die Verheißungen Gottes, die sich mit diesem kleinen Wort »alle« verbinden, im Glauben zu erfassen und auf alle unsere Nöte anzuwenden. Schreibe deine Nöte auf, alles, was du nicht übersehen kannst. Gestehe sie dir ein und schreibe darunter: »Mein Gott ist allen meinen Nöten gewachsen.« Gott kann alles, nur eins kann er nicht: die enttäuschen, die ihm vertrauen. »Nahe ist der Herr allen, die ihn in Wahrheit anrufen. Er tut das Verlangen derer, die ihn fürchten; ihr Schreien hört er und hilft ihnen« (Ps.145,18.19; lies 1. Petr.5,7; Ps.57,3; 34,9.10). Er kann alles, er kann trösten, helfen, wenn die Not am größten, segnen, stärken und auch heilen, unsichtbar am Lager weilen. Er kann alles! Wunder schauen dürfen, die sich ihm vertrauen völlig, restlos, ungeteilet; ihre Herzen sind geheilet. (H. Bauschert)
SOLI DEO GLORIA Bevor Paulus seinen Brief mit den Grüßen abschließt, betet er noch einmal seinen Gott an: »Gott aber, unserem Vater, sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit in Christus Jesus.« Was bewegte Paulus zu solchen Worten der Anbetung? War es der Gedanke an den Gott, der »alle Bedürfnisse erfüllt nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit«? Lagen die Wurzeln der Anbetung in der Freude am Herrn, der ihm in solch schwerer Zeit seine besondere Gegenwart schenkte? Der Apostel Paulus wird vor allen Dingen immer wieder darüber nachgedacht und gestaunt haben, wie reich der Vater uns in Jesus Christus beschenkt hat. Nehmen wir uns jetzt die Zeit, den ganzen Brief unter dem Aspekt zu lesen und farblich zu markieren oder aufzuschreiben, was Jesus für uns getan hat und wie er an und in seiner Gemeinde wirkt. Wir erhalten damit einen herrlichen Leitfaden zur Anbetung unseres Herrn. Wir sind eingeladen, stille zu stehen und Gottes Größe und Herrlichkeit anzu- schauen. So wird unser Herz voller Dank und Anbetung unserem großen Heiland und Herrn gegenüber. »Dem, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.« »Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unseres Heils! Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. Er ist unser Gott« (Offb.1,5.6; Ps.95, 1-3.6; lies Röm.16,25-27).
DAS LOGO DER HEILIGEN Der Apostel Paulus nennt hier die Briefempfänger wie in Kapitel 1, 1 »Heilige in Christus Jesus«. »Heilige« sind Menschen, die durch den Heiligen Geist zu einem Leben, das sich an Jesus Christus orientiert, wiedergeboren worden sind. (Lies Apg. 16,11ff; Joh.1,12.13; 3, 6-8.16-18; Eph. 2, 8-10; 4, 24-32.) Paulus ist es ein wichtiges Anliegen, dass seine Grüße an alle Gemeindeglieder in Philippi übermittelt werden, also auch an die Querulanten Evodia und Syntyche. Jeder soll wissen: Paulus denkt an uns, er ist besorgt um uns und betet für die verschiedenen Aufgabenbereiche in unserer Gemeinde. Jeder soll zu Herzen nehmen: Als »Heilige in Christus« gehören wir zusammen, wissen uns miteinander verbunden und füreinander verantwortlich. »Setzt alles daran, dass die Einheit wie sie der Heilige Geist schenkt nicht durch Unfrieden zerstört wird. Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wirein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung. Wir haben nur einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. Und wir haben nur einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt« (Eph. 4, 3-6; lies Kol.1,12-14; 1.Thess.3,12.13). Nach der Kennzeichnung seiner Adressaten richtet Paulus nun die Grüße der »Absender-Gemeinschaft« aus. »Die Brüder, die bei mir sind« unter ihnen Timotheus (Phil. 1, 1) und Epaphroditus (Phil. 2, 25-29) , entbieten nicht nur ihren Gruß. Sie stehen vor allem dem Apostel in der Zeit seiner Gefangenschaft zur Seite. Brüder und Schwestern in Jesus zu haben, ist besonders in der Not ein unbezahlbares Geschenk. Haben wir den Blick für die Bedürfnisse des anderen? Wir brauchen einander! (Lies Phil.2,4; 1.Kor.10,24; 1.Petr.4,10; Röm.12, 10-13.)
MUTIG, STANDHAFT, TREU! »Es grüßen euch alle Heiligen, besonders aber die aus dem Haus des Kaisers.« Unglaublich, dass es im Palast des Kaisers und brutalen Christenverfolgers Nero Menschen gab, die Jesus nachfolgten! Der damalige Sprachgebrauch belegt, dass es sich um Angestellte des kaiserlichen Hofstaates, um sogenannte Kaisersklaven, die es im ganzen Römischen Reich gab, handelte. Im Dienst des mächtigsten Tyrannen lebten Christen, deren Lebensführung in aller Stille, aber mit leuchtender Klarheit, auf den »König aller Könige und Herrn aller Herren« (Offb. 17, 14) hinwies. Wie groß und einzigartig muss gerade den Kaisersklaven die Erlösung und Vergebung durch Jesus Christus geworden sein (1. Petr. 1, 18. 19; 1. Kor. 7, 23). Sie blieben dem Herrn auch in schwierigen, ja lebensbedrohlichen Verhältnissen treu. »Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben« (Ps.16,8; lies Hebr. 12, 2. 3; 5, 8). Jesus kennt den Weg mitten durch Versuchungen und Leiden hindurch und lässt keinen allein, auch den nicht, der durchs dunkle Tal des Todes gehen muss (Offb. 2,10). Es ist aber auch die Aufgabe der Gemeinde Christi, die Brüder und Schwestern in besonderen Herausforderungen und Gefahren mit unseren Gebeten zu begleiten. (Lies Hebr.13,3; Kol. 4, 2-4; 1.Tim. 2, 1-4.) Der Apostel beendet seinen Brief mit einem Segenswort. Der Ausdruck »Geist« meint hier den inwendigen Menschen. Paulus betet darum, dass sich die Jesusleute in ihrem Denken, Fühlen und Streben von der Gnade Gottes bestimmen lassen und sich seiner Leitung unterstellen. Die Gnade des Herrn Jesus Christus reicht auch für uns aus in jeder Lebenslage. »Die wunderbare Gnade sei mit euch!« (Lies Ps.5,13; 100, 4.5; 18, 4-7.) JESUS CHRISTUS WIE ER WAR UND HEUTE WIRKT (Markus 1,14-34)
VI. JESUS IST DER EINZIGARTIGE FREUDENBOTE (vgl. 6./7. Juni 2003). Er »predigte das Evangelium Gottes«. Seine Verkündigung setzt Maßstäbe für unseren Dienst, Menschen von heute das Evangelium Gottes anzubieten: 1. Die Jesus-Predigt kennzeichnet planvolle Überlegung. Der Herr knüpft bei seinen Zuhörern daran an, was sie bereits aus dem Alten Testament (Jes.45,22; Sach. 1, 3; Mal.3,7) und von Johannes dem Täufer wissen können (Matth. 3, 2; Luk.3, 3). Jesus überfordert die Hörer nicht. 2. Die Jesus-Predigt zielt auf das Herzstück des Evangeliums. Der Herr spricht nicht zuerst davon, was der Mensch zu tun hat, sondern davon, was Gott tut. Jetzt hat Gott sein Reich auf Erden angefangen. Jetzt lädt er uns herzlich ein zu kommen. Mit dem Generalschlüssel seiner Liebe hat er die Haustür in die Lebensfülle Gottes geöffnet. 3. Die Jesus-Verkündigung stellt den Menschen in die volle Verantwortung. »Tut Buße und glaubt an das Evangelium!«, sagt der Herr. Buße? Der Mensch wehrt ab. Er hat seine eigene Bußvorstellung und Bußerfahrung. Es liegt ihm tief im Blut, begangenes Unrecht zu verdecken oder sich gegen erlebtes Unrecht zu stemmen, Vergeltung zu fordern, sich zu rächen, es dem andern zu zeigen! Jesus jedoch setzt ganz anders an. Er bindet den Menschen an Gott zurück. Er stellt ihn vor das Angesicht Gottes: Gott und du das ist sein erstes und großes Thema. Aber doch so, dass du aufatmen kannst. Du darfst kommen wie du bist. Du mit deiner Not. Und du sollst erfahren: Ein anderer wird alle Schuld, die eigene und die fremde, auf sein Konto verbuchen. Du aber sollst frei sein und leben und dich ewig freuen! Das ist Evangelium! Das ist die neue und frohe Lebensmelodie, wenn der Herr in mein Leben schreibt: »Das Alte ist vergangen. Siehe, Neues ist geworden!« (2. Kor. 5, 17). Meine Antwort soll Lebens-Antwort sein: »Danke, Herr, dass du mich eingeladen hast. Danke, dass ich bei dir herzlich willkommen bin. Danke, dass du für mich bezahlt hast. Danke, dass du einen liebevollen Menschen aus mir machst.« Welche Impulse aus 2. Korinther 5, 11-6, 10 möchte ich neu beherzigen?
4. Die Jesus-Verkündigung erschließt uns eine einzigartige Kraftquelle. Wenn Jesus »das Evangelium Gottes« predigt, wenn er die heilsame Herrschaft Gottes ansagt, verdeutlicht er: Gott ist gut. Er hat Gutes mit uns vor. Gottes große Güte (Ps. 86,15; Jer.31,3; Röm. 2, 4) ist seine große Kraftvorgabe, die uns auf die Beine stellt, dass wir konkrete Schritte gehen können. Darum ruft Jesus uns zu: »Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« Eine starke Aufforderung, ein klares Kommando. Jesus weiß, dass uns Umkehr und Vertrauen schwer fallen. Hat doch die Abkehr von Gottes Güte und das abgründige Misstrauen schon im Paradies begonnen und seinen langen, leidvollen Weg genommen! Wir haben eine alte und verwickelte Sündengeschichte hinter uns. Darum kann man es gar nicht deutlich genug sagen: »Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« Wörtlich sagt Jesus: »Ändert euren Sinn, euer Denken, und macht euch im Evangelium fest!« Kaum etwas fällt dem Menschen so schwer, wie die Änderung seiner Gesinnung, seiner Geisteshaltung. Es ist schwer zu denken, dass Gott wirklich gut ist. Es ist schwer anzuerkennen, dass der Mensch sich den Himmel nicht erarbeiten und nicht verdienen kann. Es ist schwer zu akzeptieren, dass wir auf pure Güte und Gnade Gottes angewiesen sind. Es ist schwer, aber nicht unmöglich! Denn Jesu Aufforderung, die alten Denk- und Verhaltensmuster zu überwinden, enthält zugleich die Ermutigung, dass der Griff nach Gott nicht ein Griff ins Leere, sondern ins Leben ist. Die unvergleichliche Geschichte dazu hat der Herr selbst erzählt: Lukas 15,11-32. An dieser Beispielerzählung lernen wir: Es gibt nicht nur den Schweinetrog draußen, das lockere Leben nach der Allerweltsmoral, sondern auch den Schweinetrog drinnen, die höfliche Korrektheit und wichtigtuerische Selbstgefälligkeit (Luk. 18, 9-14). Aber immer freut sich der Vater im Himmel über einen Sünder, der umkehrt und sich hineinfallen lässt in seine offenen Arme (Jes.43,25; 1.Tim.1,12-16; 1. Joh.1,9; 3,19.20; Hebr.8,12; 10,17).
Markus 1,14.15.39; Lukas 4,43; 8,1.2; 9,11. VII. JESUS, DER FREUDENBOTE, RUFT DIE GOTTESHERRSCHAFT AUS Jesu Leben und Wirken steht ganz im Zeichen des Reiches Gottes. Es ist von größter Wichtigkeit für unser Leben als Christen in dieser Welt, die biblischen Wahrheiten vom »Reich Gottes« zu kennen (der Evangelist Matthäus spricht durchgängig vom »Reich der Himmel«, meint aber dasselbe). 1. Das Reich Gottes ist keine weltlich-politische, sondern eine überweltlichgeistliche Größe. »Mein Reich ist nicht von dieser Welt«, antwortete Jesus vor Pilatus, dem Vertreter des Römischen Reiches (Joh. 18, 36). Damit ist festgemacht: Gott selber ist Urheber und Inhaber seines Reiches. Er hat alle Herrschermacht dem Sohn übertragen (Jes. 9, 5. 6; Dan.7,13. 14; Joh.18, 37; Matth. 28, 19). Gott steht über allem, auch dort, wo einflussreiche Menschen planen, arbeiten, amtieren und agieren und mit angeblich christlichen Grundsätzen ihre Ziele verfolgen. Wenn es so steht, dann müssen wir folgern: »Gottes Reich ist nicht da, wo Menschen Gott in ihr Werk zu ziehen suchen, sondern wo Gott Menschen in sein Werk zieht« (J. Kroeker). 2. Jesus Christus ist die Schlüsselperson des Gottesreiches (Jes.22,22; Offb. 3, 7). Mit ihm bricht sich die Lebensfülle des Allmächtigen Bahn in erstarrten, kranken, geistlosen, toten und dämonisierten irdischen Verhältnissen (Jes.35,5. 6; 61, 1; Matth. 11, 5; Luk. 11, 20). Alle Wunder Jesu signalisieren die herrliche Liebes-, Lebens- und Heilsmacht Gottes. 3. Das Reich Gottes ist ein gegenwärtiges Reich (Luk.17,21). Jesus hat es uns gebracht. Er hat den Anfang gemacht, und er will mit uns etwas anfangen. Dabei ist er nicht angewiesen auf unsere Genialität und Kapazität.Was er bei uns sucht Offenheit und Bereitschaft, Glauben und Gehorsam , will er selbst schenken. Komm doch, es ist alles bereit. Komm, und lass dich beschenken. Die herrlichen Gottesgeschenke in Epheser 2, 4-10 habe ich in meiner Bibel farbig markiert.
4. Der Anbruch des Reiches Gottes bringt den großen Herrschaftswechsel. Seit Menschengedenken (1.Mose 3) ist der ganze Kosmos umzingelt von der »alten Schlange« und die Menschheit tödlich geimpft mit dem teuflischen Sündengift. Das Verhängnis dieser Katastrophe: Der Mensch kann »edel, hilfreich und gut« sein, er kann »immer strebend sich bemühen«, aber er wird dennoch seiner Vergiftung erliegen. Es sei denn, er wendet sich dem »Schlangenzertreter « (1.Mose 3,15) zu, der zugleich sein Arzt und Lebensspender ist. Anders gesagt: Jesus Christus ist der einzige, der die Kraft hat, uns aus dem finsteren Reich Satans in das siegreich überlegene Reich der Liebe Gottes zu versetzen (Kol.1,13).5. Das Reich Gottes ist Anbruch und Aufbruch der Ewigkeit mitten in der Zeit. Christen sind Bürger zweier Welten. Sie leben in der alten, dem Gerichtstod ausgelieferten Welt (Mark. 13, 31; 2. Petr. 3, 10) aber mit einer neuen Identität. Wer sich der guten Herrschaft von Jesus anvertraut, kann sich neu ausweisen. Denn sein Name steht im »Buch des Lebens« (Phil. 4, 3; Offb. 3, 5; 20, 15). Diese »Doppelexistenz« der Jesusleute schließt Einbrüche von Krankheit, Unglück, Schmerzen, Ungerechtigkeiten und Sünde nicht aus, leben sie doch noch in einer krisengeschüttelten Welt! Aber: Christen müssen nicht mehr nach dem Strickmuster der Welt denken, planen, arbeiten, leben. Sie haben eine neue Identität, die Christus-Identität (Röm. 8,2; 1.Kor.1,30). Bei Jesus, in seinem Reich, lernen wir zu lieben und zu dienen wie Jesus. Konkret: Die Gottesherrschaft wandelt von der Wurzel her das Verhältnis von Mensch zu Mensch. Bei Jesus lerne ich, den Nächsten zu achten und wertzuschätzen. Hilflose und schwache Menschen zu ehren. Launischen und Herrischen mit wahrhaftigem Dienemut zu begegnen. Schuldnern zu vergeben. Ja sogar feindliche Gegner zu lieben und zu segnen (Matth. 5, 44; Röm. 12, 14; 2.Kor. 2, 14; 1. Joh. 5, 4).
6. Im Reich Gottes herrscht Einheit in der Vielfalt. Jeder ist herzlich willkommen; denn jeder ist eine »Originalausgabe« der schöpferischen Liebe Gottes. Wo in einer Gemeinschaft von Christenmenschen der Geist Gottes regiert, wird aller unterschiedslosen Gleichmacherei der Kampf angesagt. »Das göttliche Original im einzelnen Menschen wird nicht unterdrückt, sondern befreit, nicht verwischt, sondern klar ausgestaltet. Es erfolgt keine Knechtung der Persönlichkeit, kein Auslöschen der gottgegebenen Eigenart, kein Aufprägen einer bestimmten Form. Die vielen verschiedenen Geschaffenen und Begabten bilden nicht ein großes Einerlei, sondern ein organisches Ganzes, in dem gerade die Verschiedenheit der einzelnen Glieder die große Lebensfülle bedingt (Joh.17,21-23; 1.Kor.12,12-25)« (R. Luther). 7. Das Reich Gottes ist ein zukünftiges Reich (Matth. 6, 10; 25, 1-13). Wer irgend sich um das Reich Gottes sorgt, und sei seine Aufgabe noch so klein und unscheinbar, wirkt unter der großen Zusage Jesu: »Du kleine Herde, du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben! Denn dir will der Vater sein Königreich schenken« (Luk. 12, 31. 32). Der kleinen Herde gehört die große Zukunft. Menschen Gottes haben Hoffnung und Zukunft! »Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt!« Bis dahin gilt: Christenstand ist Wartestand. Aktiver Wartestand. Selbst der Ruheständler lebt im Reich seines Herrn nicht einfach »i. R.«, sondern »i. A.«, »im Auftrag« des Herrn Jesus. Das gilt auch für die Kranken und Alten unter uns. Wir alle sind »Botschafter an Christi statt« (2. Kor. 5, 20), die am größten aller Dienste, am Versöhnungsdienst, beteiligt sind. Ob einer den Raum vorbereitet, ein persönliches Erleben mit Gott weitergibt, die Bibelarbeit hält oder hinterher aufräumt, ob einer Fahr-, Besuchs- oder Kassettendienste übernimmt, für Menschen in seiner Gemeinde und Nachbarschaft betet . . . , eins ist wie das andere wichtig, wertvoll und hilfreich. Wenn wir nur »zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten« (Matth.6,33)!
VIII. JESUS BERUFT EINFACHE LEUTE IN SEINEN JÜNGERKREIS (1, 16-19) Was sich nun ereignet, ist schlichtweg atemberaubend. Vier große Lebensentscheidungen werden zurückgeschnitten auf ganze fünf Verse (Mark. 1, 16-20; vgl. Luk. 5, 1-11). Mit keinem Wort erwähnt der Evangelist Markus die Vorgeschichte der Jüngerberufung (Joh. 1, 35-49). Weder Uhrzeit noch genaue Ortsangaben noch die Begleitumstände der Begegnung werden genannt, wie etwa Begrüßung, anknüpfendeWorte, Gesprächsabschnitte und Reaktionen der Angesprochenen. Markus verzichtet bewusst auf eine Beschreibung der natürlichen Umstände und des inneren Erlebens, damit der Blick frei bleibt für das Allgemeingültige, für denModellcharakter der Begegnung desMenschen mit Jesus: 1. Der größte Umschwung des Lebens ereignet sich in der Stille. »Als Jesus am See von Galiläa entlangging« klingt beiläufig, wie am Rande passiert und notiert. Scheinbar rein zufällig kommt Jesus vorbei. »Da ist kein vorsätzliches Drauflosgehen, kein abgesprochenes, erwartetes Treffen, sondern eine eigentümliche Voraussetzungslosigkeit. Die Berufung geschieht steil von oben« (A. Pohl). Das ist bezeichnend für den Anruf Gottes: Er macht die Hauptsache wie nebenbei. Still und diskret, unauffällig, unaufdringlich, taktvoll und doch öffentlich undmeisterhaft unwiderstehlich. Hier wirken nicht »magische« Kräfte, nicht wortgewaltige Überredungskünste, sondern Person und Persönlichkeit Gottes selbst, »eingekleidet« in die Gestalt eines einzigartigen Menschen. Hier am See von Galiläa steht die Liebe Gottes in Person und hält Ausschau nach Menschen wie du und ich. Gott kommt so still und unscheinbar, dass man ihn glatt übersehen könnte. Er will offenbar so und nicht anders zu uns kommen. Der Herr weiß, wie er Menschen am besten ansprechen und gewinnen kann. Kennen wir außer Markus 2,13-17 und 10,17-22 noch andere biblische Berufungsgeschichten?
2. Das Sehen Gottes ist seine große Wohltat. Als Jesus am See Genezareth entlangging, »sah er Simon und Andreas«. Jedermann, der vorbeikam, konnte die beiden Brüder sehen. Doch jedermann weiß: Zwischen Sehen und Sehen können nicht nur unterschiedliche Aspekte, sondern Welten liegen! Und überhaupt: Was wir nicht sehen wollen, lassen wir erst gar nicht an uns ran! Als jener Reisende auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho hinab überfallen wurde und brutal niedergeschlagen halb tot liegen blieb, kam zufällig ein Priester vorbei. Er sah den Unglücksraben und ging an der entgegengesetzten Seite weiter. Ebenso machte es der Levit, der auch am blutigen Tatort vorbei kam. Schließlich fand ein Samariter den Ausgeraubten. Von ihm sagt Jesus: »Er sah ihn und es jammerte ihn; und er trat hinzu und verband seine Wunden . . . , setzte ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn« (Luk.10,33.34). Welch ein Qualitätsunterschied! Wenn Jesus nun den Simon und seinen Bruder Andreas sieht, finden wir auch bei Jesus dieses konzentrierte Sehen, wie er später jenen reichen jungen Mann anschaute: Der Herr »blickte ihn an und liebte ihn« (Mark. 10, 21). Jesus fasst Menschen nicht nur ins Auge, sondern auch ins Herz. Und er fasst sie in sein Herz, um sie nie wieder aus den Augen zu verlieren (Mark. 2, 14; 6, 34; Matth. 9, 36; vgl.1.Kön. 22, 17). Dieses angereicherte Sehen Gottes, dieser seelsorgerliche Tiefblick des Herrn, ist nichts anderes als seine grundlose, uns erwählende Heilandsliebe. Schon im Alten Testament begegnet uns Gottes sehende und ersehende Liebe, kraft derer er kleine und bekümmerte Leute in sein Herz schließt: 1.Mose 16, 13; 2.Mose 3, 7. 8 und 4, 31; 1. Samuel 16, 1. 7; 2. Könige 20,5. »Auserwählt in Liebe«, so heißt es dann im Neuen Bund (Eph.1, 4). Welch ein Geschenk: Vom Höchsten höchstpersönlich erspäht und aus der Anonymität in seine Gnadenwahl hineingenommen! Das Sehen Gottes erwählt uns zum ewigen Heil.
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.