Gottes Gerechtigkeit Gilt den Ungerechten. Römer 3, 1-31

Dienstag, 1. Juli

Römer 2, 17-29

Mit Römer 2, 17 begann der Abschnitt, in dem der Apostel Paulus über die Bedeutung des alttestamentlichen Gesetzes für die Juden schreibt. Er legt dabei auch die fromme Selbstgerechtigkeit offen, die überheblich auf die anderen herabsieht. Eine andere Gefahr kennzeichnet die Heuchelei: Man kennt das Gesetz, das Wort Gottes, lebt aber in Wirklichkeit nicht entsprechend seinem Willen. Man weiß alles und lehrt alle, hält sich selbst aber nicht daran. Was an Sünde denkbar ist, ist auch unter den Frommen zu finden (2, 21-23). Kein Wunder, dass solche Art des Glaubens und Verhaltens auf andere eher abstoßend als anziehend wirkt (2, 24). Auch die Beschneidung als Zeichen der Zugehörigkeit zum Gottesvolk tuts noch nicht (2, 25-29). Denn die Beschneidung bezieht sich auf das Gesetz. Sie bezeichnet die Aussonderung zum Halten des Gesetzes (K. Barth). Wird das Gesetz nicht befolgt, steht der fromme Jude faktisch auf der Stufe des Heiden. Ja, es kann sogar geschehen, dass Gott einen Heiden besser beurteilt als einen Frommen (2, 26). Nicht der darf also den Ehrennamen Jude führen, der äußerlich dazugehört und buchstabengenau seine fromme Pflicht erfüllt, sondern allein der, der in seinem Inneren von Gottes Geist erfüllt ist (2, 29). Und was hat das alles mit uns, die wir den Ehrennamen Christ tragen, zu tun? (Vgl. Apg. 11, 26; 26, 28; 1. Petr. 4, 16.) Unzählige Menschen nennen sich Christ, haben aber keine persönliche Beziehung zu Christus. Ob sie wissen, dass niemand als ein Christ geboren wird, sondern noch einmal geboren, von oben her durch den Heiligen Geist wiedergeboren werden muss? (Lies Joh. 3, 1-7; 2, 11-13.) Und wie steht es um denjenigen, der ein Christ geworden ist? Wie gehen wir persönlich und als Jesus-Gemeinde mit dieser erfahrenen Gnade Gottes um? Konkret: Philipper 2, 13-16; 4, 8.

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Mittwoch, 2. Juli

Römer 3, 1. 2

Wenn Paulus auch in Kapitel 2 gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen eine scharfe Klinge führt, achtet er es jedoch keineswegs gering, Jude zu sein. Schließlich hat er die Vorzüge an sich selbst erfahren. Worin bestehen nun die Vorrechte, zum Gottesvolk zu gehören? Durch die Beschneidung war der Jude eingebunden in den Segen und die Traditionen Israels. Von klein auf hat man gehört und gelernt, was Gott an seinem Volk getan hat. Man ist gleichsam mit dem Wort Gottes groß geworden. Wir lesen 2. Mose 12, 26. 27; 13, 14; 5. Mose 6, 4-9. 20-25. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welch ein Segen darin liegen kann, von Kindesbeinen an Gottes Wort gehört zu haben. Aber auch diejenigen, die erst später im Leben die biblische Botschaft kennensgelernt haben, können in Gedanken ihre Lebensgeschichte betrachten und überlegen: Wann und wodurch kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit dem Wort Gottes? Was habe ich damit erlebt? Wo erfuhr ich Bewahrung vor Entgleisungen? Welche Bedeutung hat die Bibel heute für mich? Wie hat sie mein Leben verändert? Es gibt aber auch solche, die im Umkreis ihres christlichen Elternhauses und ihrer Gemeinde geistlich missbraucht wurden und werden. Ihre Seelen sind tief verletzt, und manch einer hat vom Glauben Abstand genommen. Die Not ist groß. Gibt es Hilfe? Ja, es gibt sie; denn bei Gott ist kein Ding unmöglich (Mark. 10, 27). Wir dürfen uns in das große Erbarmen und die ewige Liebe Gottes vertiefen: Nehemia 9, 13; Klagelieder 3, 22-24; 2. Korinther 1, 3. 4.

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Donnerstag, 3. Juli

Römer 3, 2-4

Paulus, der selber ein Jude ist, weiß um die bleibende Vorrangstellung Israels auch wenn viele Juden Christus nicht angenommen haben. Um dieses Thema ringt der Apostel in Römer 9-11. An Israel wird aber zugleich ein Problem sichtbar, das auch uns heute betrifft: Der Glaubende hat die Möglichkeit, Gott untreu zu werden. Zwar wollen wir Jesus die Treue halten und erleben doch, dass wir kläglich versagen. Wie gut, dass der Herr uns nicht fallen lässt, sondern uns aufsucht und seelsorgerlich mit uns spricht. Unsre Untreue kann und wird seine Treue niemals außer Kraft setzen: . . . sind wir untreu, so bleibt er doch treu (2. Tim. 2, 13). Keine Sünde und kein Teufel kann Gottes Treue, seine Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit aus den Angeln heben oder gar zerstören. Denn Treue ist Gottes Wesen, und Gottes Wesen ist unantastbar. Hier liegt ein starker Trost für jeden, den seine Treulosigkeit, sein mangelndes Vertrauen auf den Herrn plagt. Wer am Boden liegt, richte sich an der Treue Gottes auf! Er verspricht: Meine Gnade will ich nicht von ihm wenden und meine Treue nicht brechen (Ps. 89, 34; lies Ps. 40, 12; 71, 22; 89, 2. 3). Gott steht auf jeden Fall zu seinem Wort. Das werden auch diejenigen erleben, die ihn verklagen oder verurteilen. In allen Prozessen gegen Gott wird er sich als wahrhaftig und gerecht erweisen. Seine Wahrheit und Gerechtigkeit werden gewiss siegen. Auch darin zeigt sich seine Treue. Der Mensch wird Gott nicht los, selbst wenn er sich von Gott lossagt. Allerdings entschuldigt Gottes Treue nicht die Untreue des Menschen. Wie kommt das im Bußgebet Nehemias zum Ausdruck? Nehemia 1, 5-10.

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Freitags, 4. Juli

Römer 3, 5-8

Damals wurde der Apostel Paulus vom größten Teil der Judenschaft und von weiten Kreisen des Christentums angefeindet, bekämpft, verdächtigt und beschimpft. Da man sein eigenes sündiges Herz nicht sehen und die Gerechtigkeit, die Gott gratis schenkt, nicht annehmen wollte, kam es zu einer gefährlichen Verdrehung der Wahrheit und zu einer hasserfüllten Verunglimpfung des Apostels. Die Gegner fragen: Müssen wir nicht ungerecht sein, damit Gottes Gerech tigkeit erst richtig zur Geltung kommt? Und ist es eigentlich gerecht von Gott, wenn er uns dann wegen unserer Sünden bestraft? Paulus wirft ein: So ist es gewiss nicht! Gott ist keinesfalls ungerecht, wie könnte er sonst Richter über uns Menschen sein? Aber die Gegner fragen noch einmal: Wie kann Gott mich als Sünder ansehen und verurteilen, wenn doch erst durch meine Lüge seine Wahrheit in ihrer ganzen Größe sichtbar wird? Wäre es dann nicht viel besser, nach dem Motto zu leben: Wir können beruhigt das Böse tun, denn es kommt ja letztlich das Gute dabei heraus!? Man kann über eine derartige Logik schockiert sein. Aber ist es heute anders? Sünde ist nicht mehr Sünde sie wird verharmlost. Und die Gnade Gottes wird zur billigen Schleuderware. Billige Gnade ist die Rechtfertigung der Sünde und nicht die Rechtfertigung des bußfertigen Sünders. Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünde, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, . . . Teure Gnade ist teuer, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab (D. Bonhoeffer). (Lies Matth. 20, 28; Apg. 20, 28; 1. Kor. 6, 20; 7, 23; 1. Petr. 1, 18. 19.)

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Samstag, 5. Juli

Psalm 14, 1-3; Römer 3, 9-19

In Kapitel 3, 1 hatte Paulus hervorgehoben, dass die Juden den Heiden etwas voraushatten: die Beschneidung und das Wort Gottes. Nun aber muss der Jude daran erinnert werden, dass er mit dem Griechen (gemeint ist hier die gesamte Heidenwelt) unter die gleiche Anklage gestellt ist. Sie lautet: Alle stehen unter der Gewalt der Sünde. Sie ist wie eine versklavende Macht, der der Mensch nicht aus eigener Kraft entkommen kann. Paulus belegt diese Tatsache mit vielen Zitaten aus dem Alten Testament. Der Apostel stützt sich also nicht auf Menschenworte, sondern auf das Wort Gottes. Dieses stellt eine furchtbare Diagnose. Niemand zeige mit dem Finger auf andere: Der ist schuld, der ist gemein, der hat gelogen, der hat mich ausgetrickst . . . Das mag richtig sein. Bedenke aber: Das Böse, das du am anderen wahrnimmst, wird auf irgendeine Weise auch in deinem Herzen und Leben zu finden sein. So schrecklich die Diagnose ist: Gott will, dass wir leben. Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tod (wörtl.) des Ungerechten, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? (Hes. 18, 23; lies Luk. 15, 11-24) Gott lädt uns herzlich ein, in seine Sprechstunde zu kommen. Er hat Zeit für uns und unsere Beschwerden. Und er nimmt die Therapie in seine gute Hand. Nicht alle Verordnungen werden uns gefallen, aber sie sind heilkräftig. (Vgl. Ps. 32, 1-5; Matth. 18, 21. 22; 1. Petr. 5, 6. 7; Jak. 5, 16; 1.Joh. 1, 8 -2, 2.)

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Sonntag, 6. Juli

Römer 3, 12-20

Wir würden den Apostel gründlich missverstehen, wenn wir meinten: Paulus, du lässt ja kein gutes Haar mehr am Menschen! Sind denn wirklich alle Absichten, Pläne und Taten schlecht? . . . Gewiss nicht. Paulus hat kein Interesse daran, ehrliche Bemühungen um Ordnung und Werte schlechtzumachend. Der Apostel beabsichtigt ganz anderes. Er ruft und treibt uns vielmehr an den Platz vor Gott, vor Gottes Thron und Angesicht. Es ist nämlich der einzige Ort, an dem der Mensch die Möglichkeit und die Chance hat, zu erkennen, was ein Sünder und was Sünde überhaupt ist. Paulus schildert anhand von Schriftworten, wie das ist, wenn der Mensch von den weiten Gefilden der Fehler und Tugenden in den Engpass und Abgrund der Sünde gerät, wenn einem Menschen vor Gottes durchdringendem Auge aufgeht, wie es um ihn in Gottes Urteil steht. Dabei fällt an den zitierten Schriftworten auf, wie vor allem die Sprechorgane durch die Sünde belegt und behaftet sind (V. 13. 14). . . . Sünde ist ein geistiges Geschehen, wir sündigen tatsächlich nicht allein in Werken, sondern, wie es in der Abendmahlsliturgie heißt, Åin Gedanken, Neigungen, Worten und Werken. Das Urteil aber, gemessen an Gott, lautet: ÅDa ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. ÅSie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden . . . Es ist lächerlich, ja lästerlich, vor dem Scheinwerferlicht des heiligen Gottes von Tugenden reden zu wollen, die man allenfalls auch hat. Da, vor Gottes Heiligkeit wird einem der Mund gestopft (W. Lüthi). Wer sich so arm und bloß vor dem Angesicht Gottes als Sünder erkennt und dies anerkennt, dem bietet Gott die Chance, ein neuer Mensch zu werden. Paulus selber hat diese Chance ergriffen: Apostelgeschichte 22, 3-21 und 1. Timotheus 1, 12-17.

Montag, 7. Juli

Römer 3, 20-22

Nun aber , das ist der Augenblick, wo es im Gerichtssaal totenstill wird. Die Beweisaufnahme ist mit unwiderleglicher Schuldfeststellung zu Ende. Jetzt wird das Urteil verkündet und es kann nach allem nur des Todes schuldig! heißen. Die Gerichtsverhandlung hat eine neue Qualität: Nicht mehr Rede und Gegenrede, sondern einer spricht und verkündet das Schuldurteil. In wenigen Augenblicken wird der Angeklagte, bisher in Untersuchungshaft, als ein endgültig Verurteilter abgeführt werden. Nun aber ist ohne Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden. An dieser Stelle meint Gerechtigkeit Gottes nicht die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, sondern ein Heilsgut, das er uns schenkt. In der Vorrede zur Gesamtausgabe seiner Werke erzählt Martin Luther: Ich konnte Gott nicht lieben, vielmehr war ich voll Hass gegen den Gott, der gerecht war und die Sünder strafte. Doch dann kam der große Tag, an dem Luther beim Bibellesen entdeckte, dass Paulus nicht von einer Gerechtigkeit redet, die Gott übt und die er in gerechter Strenge vom Menschen fordert, sondern von der geschenkten Gerechtigkeit. Da fühlte ich mich geradezu neugeboren, und es war mir, als träte ich ins Paradies selbst ein. Wenn die Gerechtigkeit Gottes zu den Menschen kommt, bedeutet das: ÅIch versetze dich, sündiger Mensch, in einen neuen Zustand des Heils allen deinen Sünden zum Trotz. Diese Gerechtigkeit wird im Glauben empfangen. Wer glaubt, greift zu und nimmt in Anspruch, was Gott ihm schenkt (Chr. Morgner). Der Glaube ist also nicht ein gutes Werk , das wir tun müs sen, um Gottes Geschenk zu bekommen. Es ist genau umgekehrt. Gott hat das gute Werk getan darum können und sollen wir glauben. (Lies Matth. 1, 18-23; Joh. 1, 14. 17; 4, 10; 2. Kor. 5, 18. 19; 9, 15.)

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Dienstag, 8. Juli

Römer 3, 22-28

Zwei Gesamt-Urteile bestimmen den Abschnitt. Es geht um das universale Todesurteil (V. 23) und den universalen Freispruch (V. 28). Dazwischen beschreibt der Apostel die große Wende. Zwei Begriffe bilden hier den Schwerpunkt: Erlösung und Sühne, Sühneort . 1.Erlösung (V.24). Dieses Wort bzw. Bild stammt aus dem damaligen Recht. Wer einen bestimmten Geldbetrag hinlegte, konnte einen Sklaven oder Gefangenen kaufen und ihm dann die Freiheit schenken. Von sich aus konnte der Versklavte nichts tun, um sich aus seiner Lage zu befreien. Die Hilfe für ihn konnte nur von außen kommen. So verhält es sich auch bei uns. Wir sind Sklaven der Sünde. Darum brauchen wir einen, der für uns bezahlt, einen, der uns freikauft. Wie hoch musste der Preis sein? Wie wertvoll ist ein Sklave? Je nach körperlicher Ausstattung ist er ein paar Scheine mehr oder weniger wert. Ganz anders bei Gott ihm sind wir einen ganzen Christus wert. Jesus setzte sein eigenes, sündloses Leben ein. Denn Leben kann nur mit Leben bezahlt werden. Aber warum musste dabei so viel Blut fließen? Wir finden die Antwort in 3. Mose 17, 11; Hebräer 2, 14; 9, 22. Sollten wir uns nicht wieder einmal Zeit nehmen und dem Herrn danken für seine Erlösung? Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen (Offb. 1, 5b. 6). Zur weiteren Vertiefung: 2.Mose 15, 13; 5.Mose 7, 7. 8; 1. Chronik 17, 21; Hiob 33, 28; Psalm 71, 23; 103, 4; Jesaja 43, 1; 44, 22; 1. Petrus 1, 18.

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Mittwoch, 9. Juli

3. Mose 16, 15-22; Römer 3, 25

2. Sühne, Sühneort. Das Wort bezeichnet den goldenen Deckel der Bundeslade und wird mit Sühnedeckel , Gnadenthron , Gnadenstuhl oder Versöhnungsort übersetzt. Paulus hat hier an den großen Versöhnungstag gedacht. Einmal im Jahr durfte der Hohe Priester das sonst verschlossene Allerheiligste im Tempel betreten. Darüber berichtet 3. Mose 16 ausführlich. In unserem Ausschnitt werden zwei Handlungen beschrieben: Zuerst wurde ein Ziegenbock geschlachtet und der heilige Akt der Opferung vollzogen. Dazu gehörte, dass der Hohe Priester sich im Allerheiligsten der Bundeslade nahen und die goldene Deckplatte der Lade mit dem Opferblut berühren durfte. Die zur Sühneplatte gebrachten Blutstropfen schlossen dann wieder den Kontakt, die Lebensverbindung zwischen dem schuldigen Volk und dem über der Bundeslade thronenden Gott. Indem Sünde gesühnt wird, geschieht Versöhnung mit Gott. Dann wurde ein zweiter Ziegenbock zum Heiligtum gebracht. Er wurde nicht geschlachtet, sondern in die Wüste geschickt. Zuvor aber musste der Hohe Priester seine Hände auf den Kopf des Tieres stemmen und alle Schuld der Söhne Israels und all ihre Vergehen nach allen ihren Sünden bekennen (V. 21). Indem Sünde bekannt wird, geschieht Vergebung durch Gott. Es ist zum Staunen, wie besonders der große Versöhnungstag ein Musterbild für den Karfreitag darstellt. Der heilige Gott hat den gekreuzigten Jesus als einen Sühneort (wörtl.) öffentlich hingestellt . Dort ist der Platz vor Gott, wo Sünder nicht im Feuer des Gerichts Gottes brennen müssen, sondern mit Gott ins Reine kommen. Da Jesus das Gericht stellvertretend für Gesetzesübertreter auf sich genommen hat, werden die zum Tod Verurteilten gerechtfertigt. So ist das Kreuz Jesus die Offenbarungs-Stätte der Gnade Gottes. Ihr dürfen wir uns restlos anvertrauen. (Dazu Ps. 98, 3; Röm. 5, 2. 15; Gal. 2, 21; Eph. 2, 8.)

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Donnerstag, 10. Juli

Römer 3, 27-31

Unser Abschnitt enthält vier Leitgedanken: Es gibt ein eindeutiges Draußen. Das Sich-Rühmen ist endgültig vor die Tür gesetzt: Nichts habe ich zu meiner Rettung beigesteuert, nichts, worauf ich mir etwas einbilden, mich aufblähen könnte. Christus allein! Die Gnade allein! Das ist die Ordnung ( das Gesetz ) des Glaubens (V. 27). Allerdings ist der Apostel Paulus der Überzeugung: Etwas zum Rühmen braucht der Christ. Nur heißt die Regel jetzt: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn (1. Kor. 1, 31). Wer aus der Gnade lebt, soll Gott für seine Barmherzigkeit rühmen, sich selbst jedoch nicht für besser halten. Wir lesen Lukas 18, 9-14. Pharisäer und Zöllner unterscheiden sich grundlegend: Zwischen beiden liegt nicht nur eine große räumliche Distanz, sondern auch eine innere. Im Gebet kommt unsere Herzenshaltung zum Ausdruck. Der eine trägt Gott seine Frömmigkeit vor, der andere seine Sünde. Der eine rechnet mit einer Belohnung für seine Frömmigkeit, der andere rechnet mit der Gnade Gottes. Hochmütiges Selbstvertauen und demütiges Gottvertrauen schließen einander aus! Welche Schlussfolgerung zieht Jesus in Vers 14?

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Freitags, 11. Juli

Römer 3, 20. 28-31

Es gibt ein eindeutiges Drinnen (V. 28). Die ehemals Verlorenen gehören zu Gott ganz ohne des Gesetzes Werke , ohne alle religiöse oder sittliche Leistung. Eben durch Glauben allein! Wir können einen alten Schlager umdichten: Ich bin vom Kopf bis Fuß auf Gnade eingestellt, und das ist meine Welt und sonst gar nichts. Dafür halten wir (V. 28), das ist unsere unverrückbare Position in Jesus Christus. Es gibt einen gültigen Zusammenschluss (V. 29. 30). Ein Gott und ein Gottesvolk! Zwei sonst unvereinbare Gruppen werden zusammengebracht: die erwählten Juden, das ursprüngliche Gottesvolk, das schon lange Heimatrecht hat. Dazu fügt Gott die Heiden, die nicht dazugehören, die ohne jeden Anspruch und ohne Anrecht sind! (Lies Eph. 2, 14; Gal. 3, 28; Matth. 15, 21-28; Joh. 10, 16.) Beide kommen auf einen Weg, und es gibt nur diesen einen zu dem einen Gott allein durch den Glauben (V. 30). Glauben heißt: Ich nehme bewusst und persönlich an, dass Gott mich als einen Unannehmbaren annimmt. Indem wir glauben, binden wir uns an Jesus. Damit gilt alles, was er erworben hat, auch für uns. Glaubstu, so hastu (M. Luther). Es gibt eine endgültige Erfüllung des Gesetzes (V. 31). Mit der Betonung der Gnade und des Glaubens wird keineswegs das aufgehoben, was Gott vom Menschen fordert und das seinen Niederschlag findet im Gesetz . Vielmehr werden die Forderungen Gottes nachhaltig unterstrichen. Gott nimmt nichts zurück. Gerade das Sühnopfer Jesus zeigt (V. 25), wie ernst es ihm damit ist. Jesus hat durch sein Sterben Gottes Gesetz erfüllt für uns. (Vgl. Matth. 3, 15; 5, 17; Röm. 10, 4.) Gott zeiGt uns den richtiGen WeG Vorbilder aus der Apostelgeschichte (teil 3)

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Samstag, 12. Juli

Apostelgeschichte 26, 4-16

1. Paulus wie er nach Antiochia kam Eine verschlossene Tür öffnet sich Gottes Führungen zielen darauf, ans Ziel zu bringen: im Alten Bund das Volk Israel in das Gelobte Land, im Neuen Bund vollendet er die Jesus- Gemeinde, wenn er sie zu sich nimmt (1. Thess. 4, 16-18). Gott lenkt auch die Weltgeschichte. Er ist der Herr der Herren , der wiederkommt und Gericht halten wird. Gott ist so groß, dass er sich auch um unser kleines Leben kümmert. Unser Lebensweg ist bisweilen sehr verschlungen. Immer wieder kommen wir an Wegkreuzungen, an denen wir uns entscheiden müssen, welche Richtung wir einschlagen wollen. Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott! Dein guter Geist leite mich in ebenes Land (Ps. 143, 10)! Doch es gibt auch Wege der Schuld. Die Apostelgeschichte gibt uns Einblick in das Leben einer der angesehensten Theologen zur Zeit der ersten Christengemeinden. Die Jesus-Gemeinde war dem hochgelehrten Paulus ein Dorn im Auge. Er dachte, er befinde sich auf einem Gott wohlgefälligen Weg, wenn er die Christen gewalttätig verfolge. Doch dann, auf dem Weg nach Damaskus, begegnete ihm Jesus, dessen Lichtglanz Paulus niederwarf. In Damaskus erlebte er den Wendepunkt seines Lebens. Kurze Zeit später suchte er die Synagogen auf, um dort das Evangelium von Jesus Christus zu predigen. Sehr bald erfuhr Paulus persönlich die tödliche Feindschaft derer, die nicht an Jesus glauben wollten (Apg. 9, 16. 19-25). Nach seiner Flucht aus Damaskus gedachte er, seinen Weg nach Jerusalem zu nehmen. Doch Gott führte ihn zunächst für einen Zeitabschnitt von etwa drei Jahren in die Einsamkeit der Arabischen Wüste. (Dazu Gal. 1, 11-18.) Zeiten der Besinnung sind ein unverzichtbarer Teil unseres Weges unter der Führung Gottes. (Lies Mark. 1, 35; 6, 46; Matth. 14, 23; Luk. 5, 16; Joh. 5, 19. 30; 8, 28b; Jes. 50, 4.)

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Sonntag, 13. Juli

Apostelgeschichte 9, 26. 27

Drohung und Mord schnaubend war Saulus einst nach Damaskus aufgebrochen als Diener des Herrn Jesus Christus kam er nach Jerusalem zurück. Er suchte Kontakt mit der jungen Gemeinde, erlebte jedoch eine bittere Enttäuschung. Man glaubte ihm nicht, nahm ihm seine Bekehrungs- Geschichte nicht ab, dachte vielmehr an einen Trick, die Gemeinde auszuhorchen und sie zu schädigen. Die Gläubigen lebten noch immer in Angst vor dem zornigen Saulus, der Schrecken und Entsetzen unter ihnen verbreitet hatte. Die Wunden waren noch nicht verheilt. Was mochte Paulus in diesem Augenblick empfunden haben? In tiefer Reue erkannte er die blutige Spur und die noch immer lebendige Erschütterung, die seine Gewalttätigkeit hinterlassen hatte (1. Kor. 15, 9). Für einen Augenblick stand er in einem Niemandsland : die alten Freunde hatte er verloren, musste sie aus Sicherheitsgründen meiden, neue hatte er noch nicht gewonnen. In Damaskus schickte der Herr einen Ananias, Paulus aus der Finsternis in das Licht zu holen. Wer würde ihm nun hier in Jerusalem die Türen öffnen? Barnabas, eigentlich hieß er Josef, war ein Levit aus Zypern (Apg. 4, 36). Man nannte ihn nicht ohne Grund Sohn des Trostes ; denn er nahm sich Paulus an und brachte ihn zu den Aposteln . Ein wahrer Bruderdienst (Spr. 17, 17). Barnabas gelang es, die Mauer des Misstrauens zu überwinden. Paulus wurde ein Mitarbeiter der Gemeinde, die er vor nicht allzu langer Zeit hatte zerstören wollen. Wieder musste er sich führen lassen wie ein Kind, dessen Vater seine Hand ergreift und sagt: Komm, wir gehen miteinander . . . (Vgl. 1. Mose 22, 6. 8; 2. Kön. 2, 6; 6, 3. 4a; Joh. 14, 18.)

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Montag, 14. Juli

Apostelgeschichte 9, 28-31

Paulus brannte darauf, die Botschaft, die Jesus ihm aufgetragen hatte, weiterzusagen (Luk. 24, 32. 33; Gal. 1, 11. 12; Röm. 1, 16). Er musste sie weitersagen. Er durfte nicht schweigen. Jesus hatte den dynamischen jungen Mann in seinen Dienst genommen, und dieser gehorchte aus Dankbarkeit für die empfangene Gnade und überwältigt von der Liebe des Herrn. Und er redete und stritt mit den Hellenisten. So bezeichnete man Juden, die aus dem griechisch sprechenden Raum stammten. Schon der Diakon Stephanus setzte sich mit ihnen auseinander und bezahlte das mit seinem Leben (Apg. 6, 1. 8. 9; 7, 54. 59. 60). Welch eine Fügung, die Paulus mit den gleichen Männern streiten ließ, die Stephanus mit der Zustimmung eines gewissen Saulus zu Tode steinigten. Auch die Predigt des Paulus konnten sie nicht widerlegen und entschieden sich für die gleiche Lösung des Problems: Sie trachteten, ihn umzubringen. Wellen des Hasses überschütteten den einstigen Pharisäer. Womöglich würde ihn jetzt das gleiche Schicksal ereilen wie einst Stephanus, wenn nicht die Brüder der Gemeinde das verhindert hätten. Paulus Stunde, diese Welt zu verlassen, war noch nicht gekommen, seine Berufung noch nicht erfüllt (Apg. 9, 15. 16). In Jerusalem konnte Paulus allerdings nicht bleiben. Man brachte ihn nach Cäsarea zum Hafen und sandte ihn weg nach Tarsus . Vielleicht ging Paulus mit seiner Über zeugungsarbeit, dass Jesus der erwartete Messias ist, zu ungestüm vor. Er war so erfüllt von der erfahrenen Gnade und Erlösung, dass es ihm noch an der nötigen Weisheit fehlte, das Innere der Menschen zu erreichen. (Lies Jak. 1, 5; 2, 19. 20; 3, 13-18.) Wie dem auch sei: Gott nahm sich viel Zeit, seinen Knecht für seinen großen Auftrag vorzubereiten.

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Dienstag, 15. Juli

Apostelgeschichte 9, 31; 11, 19

Für Paulus hieß es jetzt, in den Hintergrund zu treten und in seiner Heimatstadt, ohne Aufsehen zu erregen, seinen neu gewonnenen Glauben zu leben und im gewöhnlichen Alltag seinen Herrn noch besser kennenzulernen. Die Apostelgeschichte schweigt über diese Zeit. Ob es Paulus leichtgefallen ist, jahrelang zu warten, bis er seinen Weg in die Weltmission antreten konnte? (Siehe Ps. 37, 5. 7a. 34a; 27, 14; 31, 25; Klagel. 3, 25.) Der Bericht des Lukas lässt nun den Apostel Petrus in Erscheinung treten und erzählt von seiner umwerfenden Erkenntnis, dass auch Menschen aus den heidnischen Völkern den Heiligen Geist empfangen und an Jesus als ihren Herrn und Retter glauben können. (Lies Apg. 11, 1-18.) Es dauerte seine Zeit, bis das Evangelium unter den Juden im östlichen Mittelmeerraum Fuß fassen konnte (Apg. 11, 19). In diesem Zusammenhang wird der Name einer Stadt genannt, der in Gemeindekreisen dadurch bekannt wurde, dass hier die Jünger zuerst Christen genannt wurden: Antiochia in der römischen Provinz Syria (heute Antakija, im Südosten der Türkei). Diese Stadt am Orontes war damals die drittgrößte im römischen Imperium. Mit ca. 500 000 Einwohnern aus aller Welt bot sie das Bild einer multikulturellen Gesellschaft. Wie in fast allen Städten des Mittelmeerraums gab es auch hier eine große jüdische Gemeinde. Diese Stadt sollte für Paulus und seinen Auftrag, das Evangelium den Heiden zu verkünden, von großer Bedeutung werden. Aber noch ahnte er in dem nicht allzu weit von Antiochia liegenden Tarsus nichts davon. Er wartete auf grünes Licht vom Herrn. Denn die Verhältnisse mussten sich noch dahingehend ändern, dass die Weltstadt zu einer Basis für die Völkermission werden konnte (Apg. 11, 20-23).

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Mittwoch, 16. Juli

Apostelgeschichte 11, 22-26

Zum ersten Mal wurde auch gezielt Nicht-Juden das Evangelium von Jesus Christus verkündigt und zum Glauben an ihn eingeladen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn . Da sich die Urgemeinde in Jerusalem verantwortlich wusste für alles, was sich irgendwo um Jesus Christus sammelte, entsandte sie Barnabas in das 500 Kilometer entfernte Antiochia. Mit ihm, dem Sohn des Trostes , kommt ein Mann in die neu entstandene Gemeinde, der seiner ganzen Art nach ein Mann offenen Vertrauens ist. Barnabas, frei von Vorurteilen, besonnen und unparteiisch, freute sich über das Handeln Gottes an den Nicht-Juden und nahm sie offenen Herzens auf. Nur, wie sollten die vielen Neubekehrten unterwiesen werden? Die Juden hatten wenig Erfahrung im Umgang mit denen, die von der Offenbarung Gottes an Israel keine Ahnung hatten. Jetzt war die Stunde für Paulus gekommen. Der Herr hatte in Antiochia die Verhältnisse so geschaffen, dass er seinen Dienst an den Nationen endlich wahrnehmen konnte. Ungefähr dreizehn Jahre musste er auf diesen Augenblick warten. Zu den Führungen Gottes gehören auch Wartezeiten. (Lies 2. Kor. 10, 17. 18.) Es geht nicht immer nur vorwärts. Zeiten der Anfechtungen müssen durchgestanden werden. Keiner weiß im Voraus, wie lange sie dauern. (Vgl. Hiob 19, 2; Ps. 35, 17; 62, 4; Jes. 6, 11.) Auch für Barnabas gab es erst jetzt grünes Licht , Paulus an seine Seite zu rufen, um den vielen Neuen (und auch den Alten ) die Bibel zu erklären und ihnen die Grundlage des göttlichen Wortes zu vermitteln. Dazu gab Gott ihnen ein ganzes Jahr Zeit, bevor er eine neue Türe zur Mission öffnete. (Lies Apg. 13, 2. 3; 1. Tim. 1, 12-17.)

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Donnerstag, 17. Juli

Apostelgeschichte 15, 35-41

2. Paulus auf dem Weg nach Philippi Das neue Team Nach der ersten Missionsreise und einem Aufenthalt in Jerusalem finden wir Paulus und Barnabas in Antiochien wieder. Nach einigen Tagen will Paulus wieder auf Reisen gehen, um die neuen Gemeinden zu besuchen, die sie auf der ersten Tour gegründet hatten. Es war so wichtig, die im Glauben noch unerfahrenen Christen zu beraten und zu ermutigen. Barnabas und Paulus waren sich darin einig. Auf ihrer ersten Missionsreise hatten sie Johannes Markus mitgenommen. Doch beim Aufbruch zur zweiten Missionsreise entzweite ein heftiger Streit um Johannes Markus das kleine Mitarbeiterteam. (Lies Kap. 15, 37-39; 13, 5b. 13.) Als Paulus den Markus entlassen hatte, übernahm Barnabas, der Sohn des Trostes , die Verantwortung für den, der von ihnen gewichen war . Er bestand darauf, Markus eine zweite Chance zu geben. Aber auch Paulus beharrte auf seinem Standpunkt. Und so trennten sich ihre Wege. War das verkehrt? Oder hat Gott hier die Weichen gestellt, damit Markus eine ihm angemessene zweite Chance bekam, die ihm helfen sollte, seinen Glauben und seine Gaben weiterzuentwickeln? Wir können sicher sein, dass der Herr selber auf den jungen Mitarbeiter acht hatte und auch für ihn die Ausbildung in die Wege leitete, die Markus zum Verfasser des nach seinem Namen genannten Evangeliums machte. War deshalb der einfühlsame, besonnene Barnabas für ihn nicht der bessere Lehrer als der ungestüme Paulus? Wie dem auch sei der Apostel benötigte ein neues Team. Wer war dafür geeignet, an seiner Seite sein Tempo mitzuhalten? Seine Wahl fiel auf Silas, der wie Barnabas ein führender Mann aus Jerusalem war (15, 22b). Zur Vertiefung: Psalm 25, 4. 5; 139, 24; 143, 8. 10; Sprüche 12, 15; 16, 1; Johannes 16, 13.

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Freitags, 18. Juli

Apostelgeschichte 16, 1-5

Die Trennung von Markus und Barnabas hat Paulus nicht kaltgelassen . Das Thema Markus war für ihn nicht abgeschlossen. Das können wir aus 2. Timotheus 4, 11 schließen. Paulus hatte bald die Gelegenheit, auch weniger Kräftige als nützliche Mitarbeiter anzuerkennen. In Lystra trafen Silas und er auf den jungen Timotheus, den der Apostel zum Glauben an Jesus Christus führte. Paulus war entschlossen, dass dieser mit ihm ausziehe . Timotheus war nicht besonders robust. Paulus musste ihn immer wieder im Blick auf seinen Gemeinde-Dienst ermutigen. (Lies 1. Tim. 1, 18. 19; 4, 12; 5, 23; 6, 11. 12. 20; 2. Tim. 2, 1. 3; 4, 2. 5.) Der Ruf nach Europa (Apg. 16, 6-10) Wie gerne wollte Paulus die vom Evangelium noch unerreichten Menschen im Westen der Provinz Asia für Christus gewinnen! Aber das Missionsteam traf auf unerwartete Hindernisse, die nicht näher beschrieben werden. Es heißt nur, dass der Heilige Geist ihre Evangelisation verhinderte. Wie das konkret aussah, wird nicht mitgeteilt. Paulus, der in enger Gemeinschaft mit Jesus lebte, wusste es einfach: Hier können wir nicht weiter. Der Herr will, dass wir eine andere Richtung einschlagen. Die Missionare zerbrachen sich nicht lange den Kopf, sondern probierten andere Richtungen aus. Aber der Geist Jesus erlaubte es ihnen nicht . Was hat das zu bedeuten? Warum dürfen wir nicht nach Bithynien reisen, um auch dort die frohe Botschaft zu verkündigen? Hatte der Herr nicht geboten, in alle Welt zu gehen? Paulus musste lernen, dass Jesus Christus der Herr seiner Pläne und Wege sein wollte. (Vgl. Spr. 3, 5-7a; Ps. 37, 5; 55, 23a; 119, 105.)

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Samstag, 19. Juli

Apostelgeschichte 16, 9. 10

Willst du durch den Heiligen Geist geleitet werden, so nimm dir täglich Zeit, um Gottes Wort zu lesen. Breite jede Entscheidung, jeden Wunsch, jede Lebensbeziehung und jeden Auftrag vor Gott aus, damit er dir seinen Willen offenbaren kann. So wird dein Eigenwille, der ihm den Weg versperrt, überwunden. Lebst du so mit Gott verbunden, wird der Geist Gottes dein Herz berühren und dich leiten (G. v. Viebahn). Nicht übernatürliche Erlebnisse müssen sich ereignen, um den richtigen Weg zu erkennen. Die einfache, stetige Lebensgemeinschaft mit Jesus durch sein Wort hilft uns, seinen Willen zu erkennen. Innerer Friede wird unsere Entscheidung, die wir gefällt haben, bestätigen. Eine nicht weichen wollende Unruhe und Ungewissheit will uns vor eigenmächtigen Wegen warnen. Wir fragen uns vielleicht: Warum hat Jesus Paulus so lange auf eine Antwort warten lassen? Eine rasche Antwort wäre viel praktischer gewesen und hätte Zeit gespart. So denkt der Mensch, rationell und schnell muss eine Sache abgewickelt werden. Gott aber hat Zeit. Er will seine Nachfolger an seinen Wegen und Plänen teilhaben lassen. Er will sie nicht als seine Marionetten behandeln. Der Verstand soll nicht einfach abgeschaltet werden. Und wenn die Seinen sich immer wieder fragend an ihn richten müssen, um zu erforschen, wie es weitergehen soll, bleiben sie auch in enger Verbindung mit ihm. So werden sie davor bewahrt, eigenwillig oder überhastet zu handeln. Dem Missionsteam blieb jetzt nur noch eine Richtung offen: nach Westen zur Hafenstadt Troas. Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte bis eines Nachts Paulus einen sehr deutlichen Hinweis erhielt: ...komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! (Vgl. 1. Mose 12, 1; Hebr. 11, 8; Jes. 30, 21.)

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Sonntag, 20. Juli

Apostelgeschichte 16, 9-15; 1, 8

Ein Tag der kleinen Anfänge Paulus wollte nach Norden, aber Gott führte ihn nach Westen. Heute wissen wir, dass er mit diesem Schritt den Orient verließ und nach Europa übersetzte. Ihr werdet meine Zeugen sein . . . bis an das Ende der Erde. Mit dem Vorteil dessen, dass wir dies im geschichtlichen Rückblick betrachten können, und dem Wissen, dass Europa der erste christliche Kontinent wurde und bis vor nicht allzu langer Zeit der Haupt-Ausgangspunkt für die weltweite Mission der Welt war, können wir sehen, was für eine epochemachende Entwicklung das war. Von Europa breitete sich zu gegebener Zeit das Evangelium zu den großen Kontinenten Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien aus und erreichte so die Enden der Erde (J. Stott). Paulus suchte sogleich mit seinem Team, zu dem nun auch Lukas dazugestoßen war, erkennbar an dem Wörtchen wir in Vers 10 mit dem Schiff nach Mazedonien überzusetzen. Zu Fuß ging es weiter nach Philippi, einer Kolonie römischer Kriegsveteranen. Sie fungierte als Brückenkopf des Römischen Imperiums in Griechenland. Das Missionsteam umgab also eine heidnische Atmosphäre. Bisher hatte Paulus in jedem Ort, den er aufgesucht hatte, eine Synagoge gefunden, die ihm als Anknüpfungspunkt für seine Botschaft diente. In Philippi fanden sich keine Anzeichen dafür, dass es hier eine jüdische Gemeinde gab. Paulus suchte weiter. Nach solch einer deutlichen Führungs-Geschichte musste es doch irgendeine Gelegenheit zum Predigen geben. Es gab sie wirklich: Am Tag des Sabbats trafen sich vor den Toren der Stadt an einem Fluss einige Frauen zum Gebet. Einige Frauen wo waren die Männer? Paulus ließ sich dennoch nicht davon abhalten, ihnen das Evangelium zu bringen und gewann ein ganzes Haus (V. 15; vgl. Apg. 11, 13. 14; 18, 8; Joh. 4, 53).

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Montag, 21. Juli

Markus 1, 23-28; Apostelgeschichte 16, 16-24

Ist es nicht bemerkenswert, dass die Missionierung Europas in dieser unscheinbaren Gruppe einiger Frauen in Philippi ihren Anfang nahm? Nur eine hörte Paulus wirklich zu. Dieser einen öffnete Gott das Herz. Lydia vertraute ihr Leben dem Herrn Jesus Christus an. Ob die römische Gesellschaft das registrierte? Jedenfalls sorgte das nächste Ereignis in Philippi für große Aufregung. Eine Sklavin betrieb Wahrsagerei und brachte ihren Herren damit viel Geld ein. (Lies 5. Mose 18, 9-14.) Der Dämon in ihr geriet in große Unruhe, als die Missionare mit ihrer Heilsbotschaft in die heidnische Welt eindrangen und Menschen für Jesus gewannen. Der böse Geist proklamierte Paulus und seine Männer als Knechte Gottes und sah sich einem Stärkeren gegenüber. Vor ihm zittert er vor Angst . (Vgl. Jak. 2, 19; Apg. 19, 15.) In der Kraft des Namens Jesus gebietet Paulus ihm zu schweigen und die Sklavin zu verlassen. Sie wurde befreit, ihre Herren aber waren sehr erbost, weil sie mit ihr nichts mehr verdienen konnten. Ihre Wut richtete sich gegen die Gottesboten. So sahen Paulus und Silas sich plötzlich vor Gericht gestellt. In ganz Philippi gärte und brodelte es gefährlich. Gottes Führung kann uns in Orte oder Umstände bringen, die uns nicht gefallen. Es kostet seinen Preis, auch in Turbulenzen den Namen Jesus zu bekennen. Aber gerade zwischen den Mühlsteinen der Anfeindungen und Anfechtungen wird uns der Herr Zuversicht und Kraft schenken. Paulus und Silas erlebten hautnah die Macht des Wortes Gottes und den Aufstand der sich dagegen wehrenden finsteren Mächte. Der Kampf ist aber schon entschieden, der Sieger ermittelt: Jesus Christus, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf der Erde.

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Dienstag, 22. Juli

Psalm 145, 1-7; Apostelgeschichte 16, 25-34

Wund und weh geschlagen lagen Paulus und Silas gefesselt in ihrem Verließ. Waren sie besinnungslos vor Schmerzen, abgeschreckt und eingeschüchtert durch die wütende Volksmenge? Quälte sie der Durst und sehnten sie sich zurück nach Antiochia, in die Gemeinschaft mit den Brüdern? Hatten sie nicht hier in Philippi eine niederschmetternde Niederlage erlebt? Es fiel ihnen sicher nicht in den Schoß, in dieser misslichen Lage Gott die Ehre zu geben. Aber in allen Erschütterungen warfen sie ihr Vertrauen auf den Herrn nicht weg. Und er schenkte ihnen die Kraft, das Gotteslob so laut zu singen, dass die übrigen Gefangenen es hören konnten. Erfahrenes Leid bringt nicht selten unser Gotteslob zum Schweigen. Stumm stehen wir vor dem Herrn, finden keine Worte. Haben wir uns in ihm geirrt? Nimmt er überhaupt Notiz von unserem Ergehen? Wie soll es jetzt weitergehen? (Lies Ps. 107, 10-16; 130, 1-6; 142, 1-8.) Menschliche Trostworte erreichen oft nicht die Tiefen der Kümmernisse. Aber der Mut, weiterzugehen, kommt aus dem Wort Gottes und dem Gebet. Kaum hatten Paulus und Silas den Lobgesang angestimmt, erwies Gott ihnen und den Mitgefangenen seine alles überlegene Kraft. Die Ketten fielen ab, Türen öffneten sich, Mauern stürzten ein. (Siehe Ps. 18, 5-20; Apg. 12, 5-11.) Es ging aber nicht nur um die Rettung der Missionare oder die Bekundung der Macht Gottes. Der Herr, der nicht nur Schloss und Riegel sprengen kann, kann auch verschlossene Herzen erreichen und öffnen. Gottes Taten öffnen Türen, Türen, die zu Menschenherzen führen. Tore, die verschlossen sind, der Glaube offen findt (G. Schnitter).

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Mittwoch, 23. Juli

Apostelgeschichte 21, 15-17; 20, 22-24

3. Wie Paulus als Gefangener nach Cäsarea kam Der Heilige Geist stellt in die Entscheidung Wir verlassen die Ereignisse in Philippi, überspringen auch die dritte Missionsreise bis zu dem Moment, als Paulus sich rüstete, mit seinen Begleitern nach Jerusalem zu gehen, um dort eine Geldspende für die Gemeinde zu überbringen. Ganz unterschiedlich hatte er die Führung durch den Heiligen Geist erfahren, manchmal verdeckt durch bestimmte Ereignisse, manchmal direkt. Auf diesen Wegen wurde Paulus das Leiden um seines Herrn willen nicht erspart. Bereitwillig nahm er es auf sich, denn er wollte um jeden Preis seinen Auftrag erfüllen. Die Führung durch den Heiligen Geist enthebt uns aber nicht des Denkens und erspart uns nicht, Entscheidungen zu fällen. Paulus hatte die Möglichkeit, selber nicht nach Jerusalem zu reisen, um den Gefahren aus dem Weg zu gehen. Ein Prophet namens Agabus kam ihm extra entgegen, um den Apostel zu warnen (Apg. 21, 10-14). Der aber setzte seinen Weg entschlossen fort. Er war bereit, für den Namen des Herrn zu sterben aber es sollte alles anders kommen. Am Tag nach seiner Ankunft besuchte er den Gemeindeleiter Jakobus. Auch die Ältesten versammelten sich. Sie staunten über den Missionsbericht des Apostels und verherrlichten Gott (Apg. 21, 18-20). Dann aber kam ein Problem zur Sprache, das Paulus immer wieder begegnete und ihm viel Kritik von den gläubigen Juden einbrachte: Seine Stellung zu den jüdischen Traditionen und zum mosaischen Gesetz. (Lies Apg. 21, 21-26.) Paulus war weise genug, den Rat Jakobus zu befolgen, ohne vom Evangelium abzuweichen. Er war frei genug, diese Handlung in dienender Liebe durchzuführen. Allein durch den Glauben an Jesus Christus war er in Gottes Augen gerecht geworden, nicht durch Befolgung von Vorschriften. (Lies 1. Kor. 9, 20. 22.)

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Donnerstag, 24. Juli

Apostelgeschichte 21, 27-29

Der Heilige Geist bewahrt in Bedrängnis In Jerusalem feierte man vermutlich gerade das Wochenfest (Pfingsten). Die Stadt wurde von zahlreichen jüdischen Pilgern aus der Diaspora bevölkert. Paulus hielt sich täglich im Tempel auf und blieb vorerst unerkannt. Als aber die sieben Tage beinahe vollendet waren, sahen ihn die Juden aus der Provinz Asien . . . Blind vor Wut behaupteten sie, Paulus habe einen Nicht-Juden mit in den Tempel genommen, was als Todsünde zählte. Sie zerrten den Apostel aus dem Tempelbereich, um ihn zu lynchen. In dieser lebensgefährlichen Lage meldete irgendeiner dem römischen Oberst diesen Tumult. Römische Soldaten wurden unfreiwillig zu Lebensrettern (V. 30-34). Wieder hatte der Herr auf Paulus achtgehabt. Der römische Oberst dachte, dass Paulus ein ganz gefährlicher Mann sei. Deshalb staunte er nicht schlecht, als der Apostel um Rede-Erlaubnis bat (V. 35-38). Er gab seine Identität bekannt und durfte zu der aufgebrachten Menge reden (V. 39. 40). Predigen jetzt? Zu dieser hasserfüllten Menge, die ihn gerade noch umbringen wollte? Wo hätte er es ungestörter tun können als auf den Stufen der Burg Antonia, umgeben von bewaffneten römischen Soldaten? Paulus war sich dessen bewusst, dass die Mehrzahl im Volk nicht wusste, warum es zu diesem Aufstand gekommen war. Er wollte dem jüdischen Volk noch einmal erklären, dass Jesus sein Messias ist. Was könnte in dieser Situation hilfreicher sein, als einen persönlichen Lebensbericht darüber zu geben, wie Jesus Christus sich Juden offenbart und sie in seine Nachfolge ruft? Wer hätte in diesen Turbulenzen an das Wirken des Geistes Gottes gedacht? Er kann uns auf ebener Bahn leiten. Er ist aber auch in Schwierigkeiten unser Tröster und Beistand. Darum gilt es, Jesus Christus als Lebens-Retter zu bezeugen (Apg. 22, 1-22).

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Freitags, 25. Juli

Apostelgeschichte 22, 23-29

Der Geist schenkt es, klug zu sein Nach der Rede des Paulus beginnt das Volk wieder zu toben: Weg von der Erde mit einem solchen, denn es darf nicht sein, dass er lebt (V. 22). Der römische Oberst übergibt den Gefangenen den Folterknechten, um die Ursache dieses Hasses herauszufinden. Sicher nicht aus Leidensscheu beruft sich Paulus nun auf sein römisches Bürgerrecht. Es muss jetzt ein ordentliches Rechtsverfahren gegen ihn eingeleitet werden. Diese Maßname wird ihn später nach Cäsarea und Rom bringen aber das weiß er noch nicht. Zunächst wird er vor den Hohen Rat gestellt (V. 30). Auch bei dieser Gelegenheit kann der Apostel durch sein kluges Verhalten den Streit für sich entscheiden (Apg. 23, 6-10). In der darauffolgenden Nacht stand der Herr bei ihm (V. 11). Gott bestätigte seinen Weg und gab ihm neue Kraft. (Vgl. Apg. 9, 15.) Die Feinde aber rumorten weiter (Apg. 23, 12-15). Ihr Anschlag sollte nicht gelingen. Ein Neffe des Paulus hörte davon und meldete es seinem gefangenen Onkel. Dieser schickte den Neffen mit entsprechender Nachricht zum Oberst (V. 16-22). Der Geist Gottes stärkt die eigene Initiative, wo es nötig ist, diese zu ergreifen. Der römische Oberst war verpflichtet, das Leben des römischen Bürgers Paulus zu schützen. Siebzig berittene Soldaten und zweihundert Lanzenträger sollten den gefangenen Apostel aus der Gefahrenzone nach Cäsarea bringen. So entkam Paulus denen, die ihm nach dem Leben trachteten und blieb auch in Cäsarea für sie unerreichbar (Apg. 23, 34. 35). Später, in römischer Gefangenschaft, konnte er ungestört seine Briefe an die Gemeinden von Ephesus, Philippi, Kolossä und an Philemon schreiben und Besuche empfangen. Wie viel Segen kann von schweren Führungen Gottes ausgehen! auf festem boden in den höhen und tiefen des lebens Psalm 40 (teil 1)

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Samstag, 26. Juli

Psalm 40, 1-18

Wer kennt sie nicht, diese Wechselbäder des Lebens? Tage, an denen uns Dank und Freude bewegen, und Tage, die so mühsam erscheinen, weil Schweres und Unverständliches, Traurigkeit und Sorge unsere Schritte hemmen. In Psalm 40 gewährt uns David Einblicke in sein Leben. Er spricht von Tiefen, die ihn an den Rand seines Lebens brachten. Doch als einer, der weiß, an wen er sich wenden kann, streckt er sich nach Gott aus und erfährt, wie er ihn aus dem Abgrund heraufführt: Beharrlich hoffte ich auf den Herrn, und er wandte sich mir zu und hörte meinen Hilfeschrei. Ich war in eine verzweifelte Lage geraten wie jemand, der bis zum Hals in einer Grube voller Schlick und Schlamm steckt! Aber er hat mich herausgezogen und mich auf festen Boden gestellt. Jetzt haben meine Füße wieder sicheren Halt. Diese Worte drücken die herzzerreißende Not aus, und zugleich zeigen sie uns einen Weg, um in den Herausforderungen unseres Lebens nicht unterzugehen, sondern festen Boden unter die Füße zu bekommen. (Lies Micha 7, 8; Ps. 97, 11; 18, 28. 29.) Selbst im Leben von Jesus können wir Höhen und Tiefen beobachten. Bei seiner Taufe öffnete sich der Himmel, und er hörte die Stimme des Vaters: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Welch ein Höhepunkt! Doch dann berichtet Lukas: Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage vom Teufel versucht (Luk. 4, 1). So gibt es auch in unserem Leben Höhen und Tiefen, doch auf keinem Weg lässt Gott uns allein. (Lies Jes. 43, 1. 2; Ps. 37, 5-7.)

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Sonntag, 27. Juli

Psalm 40, 1-18; Römer 15, 4

Psalm 40 lässt sich in zwei Abschnitte einteilen: Verse 1-12: Herausgeführt aus der Tiefe und versetzt auf die Höhe des Lebens mit Gott. Höhepunkte sind in den einzelnen Versen: Die Rettung aus der Schlamm-Grube (V. 3) Das neue Lied (V. 4) Das Glück berechtigter Hoffnung (V. 5) Anbetung seiner wunderbaren Werke und Pläne (V. 6) Die geöffneten Ohren (V. 7) Die Verkündigung der frohmachenden Botschaft (V. 10) Seine gewährte Barmherzigkeit, Güte und Treue (V. 12) Verse 13-18: Plötzlich wieder ein Gebet aus der Tiefe. David ist so ehrlich und gewährt uns Einblicke in sein Herz und beschreibt, was ihn so sehr bedrängt: Leiden ohne Zahl (V. 13) Meine Sünden haben mich eingeholt (V. 13) Mein Herz ist verzagt (V. 13) Herr, ich bitte dich: Rette mich, komm mir schnell zu Hilfe! (V. 14) Man spürt den Worten Davids ab, wie heftig er bedrängt und bedroht ist. Dann aber erlebt er eine neue und gewisse Zuversicht, die ihn ermutigt. Er bezeugt: Bin ich auch arm und elend, für mich sorgt der Herr (V. 18). Wie kam David aus der Tiefe der Not heraus? Er wandte sich vertrauensvoll an Gott. Du, Gott, du bist mein Helfer und mein Erretter. Du Gott, bist und bleibst auch und gerade in schweren Zeiten mein Ansprechpartner. In den Zerreißproben des Lebens, in guten und schlechten Zeiten, vergisst David nicht, Gott in seine Gedanken und schwankenden Gefühle einzubeziehen. Auf ihn setzt er sein Vertrauen. Du, Gott, bleibst der felsenfeste Grund meines Lebens. (Lies Röm. 8, 28-39; Ps. 30, 5-13.)

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Montag, 28. Juli

Psalm 40, 2; Sprüche 20, 22

Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Wieder und wieder wandte sich David an Gott. Es ist kein gewöhnliches Warten, wie man auf einen einfahrenden Zug wartet. Hinter Davids Warten steht die intensive Bitte, dass Gott seinen kläglichen Aufschrei hören und mit seiner Hilfe eingreifen möge. David merkt, ohne Gott geht nichts mehr. Ich brauche ihn ganz dringend. Gleichzeitig ist er voller Zuversicht, dass der Herr sein Schreien nicht überhört. (Lies 2. Mose 2, 23-25; 3, 7-10; Ps. 4, 2. 4.) Wir wissen nicht, was David umtrieb. War er von außen bedrängt, oder riss ihn die Anfechtung in die Tiefe? Wurde er von Menschen bedroht, verletzt, enttäuscht? Trotz allem bleibt David dabei: Ich harre auf den Herrn, ich setze mein Vertrauen auf Gott und klammere mich an ihn. Er lässt mich nicht fallen. Unser Gott kennt auch die tiefen Abgründe in unserem Leben, die Situationen, die wir nicht verstehen, nicht überschauen und in denen wir rat- und hilflos sind. Gerade dann gilt es, mit dem Herrn und seiner Hilfe zu rechnen durchzuhalten, am Herrn festzuhalten, auf sein Eingreifen zu warten. Diese Lektion lernen wir besonders in den Tiefen des Lebens. Und wir werden dabei erfahren: Gott lässt uns nicht los. (Lies Ps. 71, 14. 15; 91, 15; Jes. 25, 9; 65, 24.) Harre, mein Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verlässt dich nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott (J. F. Räder).

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Dienstag, 29. Juli

Psalm 40, 2; Daniel 9, 18

David spricht davon, dass Gott sich ihm ganz persönlich zuwandte: Er neigte sich zu mir. Zuneigung bedeutet, jemandem freundliche Aufmerksamkeit zu schenken, nicht mit Zeit zu geizen. David berichtet nicht, wie er Gottes Zuneigung erlebte. Er wusste aber: Der Herr geht nicht achtlos an mir vorüber. Mein Beten und Rufen wird er hören und nach seinem Wohlgefallen erhören. Es ist, als wolle David uns einladen: Wenn du im Gedränge bist oder Sorgen dich umtreiben, wenn Ängste dich quälen: Rufe zu Gott, er wird dich hören und sich zu dir neigen. Harre auf Gott, ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist (Ps. 42, 6; lies Ps. 31, 2-6; 102, 1. 2. 18-21; 116, 1-7). Indem wir auf Gott harren, kann eine innere Zuversicht in uns wachsen. Es ist wie bei einem Nagel, der in den Bereich eines Magneten kommt. Von dort wird er angezogen. Vergleichbares geschieht auch zwischen mir und Gott, wenn ich ihn anrufe. Und plötzlich muss die Verzweiflung verstummen, weil wir spüren, der Herr ist mir ganz nahe, er greift ein. Er hört mein Schreien. Dabei hat sich meine Lage vielleicht nicht verändert, aber das, was mich an den Rand der Verzweiflung brachte, verlor seltsamerweise an Gewicht. Friede und Gelassenheit kehrten ein, weil Gott mich nicht aus den Augen verlor. Sein Versprechen gilt: Ich lasse dich nicht fallen, und ich verlasse dich auf gar keinen Fall. Ich stehe zu dir. (Lies Ps. 61, 2-5; 34, 16. 18. 19; 55, 23.)

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Mittwoch, 30. Juli

Psalm 40, 3; 37, 39. 40

David berichtet vom Eingreifen Gottes: Er zog mich aus der grausamen Grube. Was genau konnte David mit dieser grausamen Grube gemeint haben? War es seine Schuld, von der er in Psalm 38 spricht, die ihn ins Bodenlose hinabstürzte? Ließ ihn sein friedloses Herz nicht zur Ruhe kommen? Verklagte ihn sein schlechtes Gewissen, sodass er keinen Ausweg sah? Wurde ihm in dieser Situation seine eigene Ohnmacht bewusst? Jedenfalls wäre eins sicher: Ließe Gott ihn allein, müsste er in der abgrundtiefen Grube versinken. Aber der Herr er zog mich heraus aus der grausamen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm! Unwillkürlich wird man hier an Jeremia erinnert, der buchstäblich in eine Schlamm-Grube geworfen wurde. Dort sollte er elend umkommen. Aber Ebed-Melech, der Schatzmeister im Haus des Königs, setzte sich für den Propheten ein, sodass Jeremia aus der todbringenden Grube herausgezogen wurde. Jeremia erlebte Gottes Eingreifen. (Lies Jer. 38, 6-13; 39, 15-18.) Gott streckt auch uns seine Hand entgegen. Er errettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe (Kol. 1, 13). Er holt uns aus der Grube tiefer Sünden-Verstrickungen, aus der Grube des Selbstmitleids oder des neidischen Vergleichens, aus der Grube der Unversöhnlichkeit und der Eifersucht und dem Loch des Nachtragens. Im Vertrauen auf Gottes große Kraft dürfen wir jetzt nach seiner ausgestreckten Hand greifen. Wir stützen uns dabei auf das Versprechen, das Jesus selber seinen Nachfolgern gegeben hat: Niemand wird sie aus meiner Hand reißen (Joh. 10, 28. 29). Wir haben viel Grund, dem Herrn zu danken; z.B. mit Worten aus Psalm 30, 2-5 oder Psalm 103, 1-5.

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Donnerstag, 31. Juli

Psalm 40, 3; 37, 23

Der Herr stellte meine Füße auf einen Felsen, dass ich sicher treten kann. Vielleicht dachte David an die Begegnung mit dem riesenhaften Goliat. Wie hatte dieser ihn verhöhnt, verlacht und verspottet! Schließlich gab er mit seinem Auftreten auch kein wehrhaftes Bild eines Kriegers ab: ohne schützende Rüstung, nur mit einer einfachen Steinschleuder und fünf glatten Steinen ausgerüstet. Was ihm in dieser äußerst angespannten Lage festen Halt gab, war die tiefe innere Gewissheit: Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister. Nicht nur Saul gegenüber äußert er sich so zuversichtlich, auch Goliat erfährt von David, woher seine Sicherheit rührt: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt hast. Heute wird dich der Herr in meine Hand geben (1. Sam. 17, 37. 45. 46). Alle Unsicherheit und Ungewissheit, die Ursache vieler Ängste, müssen von David abfallen. Nicht taumelnd und in Gefahr auszugleiten wie auf eisglattem Boden, sondern festen Schrittes im Vertrauen auf seinen Herrn geht er seinen Weg. Er bezeugt: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke! Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott und Hort, auf den ich traue, . . . (Ps. 18, 2. 3). Davon berichtete eine schwerkranke Frau: Auch das derzeitige Erleben und die jetzige Not vermag nicht auszulöschen, was Gott getan hat. Er hat mich auf einen Felsen gestellt, der jetzt trägt. Er hilft mir, auch im letzten Rückschlag nicht zu verzagen und der Zusage zu trauen: Du, Herr, sorgst für mich! In dieser Haltung wurde sie für viele ein Wegweiser zu Jesus. (Lies Ps. 27, 4. 5; 31, 2-4; 62, 6-9.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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