SONNTAG, 1. JULI

NEHEMIA 1, 1-11

Die Not erkennen

Wenn wir uns in den nächsten Tagen dem Buch Nehemia zuwenden, werden wir einen Menschen kennenlernen, der wusste, zu welcher Aufgabe er berufen war. Der Schlüsselvers in Kapitel 6, 3 drückt dies klar aus. Es war nicht einfach ein Lebenswerk, das Nehemia aufgetragen war, nein, es war Gottes Werk. Dieses hat häufig mit Notlagen zu tun, in denen Gott uns brauchen will. Gottes Werk tun - wie geht das?

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MONTAG, 2. JULI

NEHEMIA 2, 1-10

Geöffnete Türen

Durch unseren heutigen Bibeltext ziehen sich drei Grund-Gedanken: Nehemia trägt Lasten - er sehnt sich nach dem Segen Gottes - und er ist bereit zum Kampf für Gottes Sache. Nehemia hatte die Berichte aus Jerusalem nicht nur akustisch gehört, sondern mit seinem Herzen. In beständigem Kontakt mit Gott nimmt er die Not auf sein Herz. Eigene und fremde Lasten können uns entweder erdrücken oder unsere Beziehung mit Gott vertiefen. "Der Erkenntnis der Not muss das ernste, beharrliche Warten auf Gott folgen, bis die Not mir als persönliche Last auf mein Herz fällt... Wenn Gott dann sieht, dass wir bereit sind, sie auf uns zu nehmen, öffnet er auch die Türen" (A. Redpath). Über jeder Last, die wir tragen, steht das Wort des Herrn Jesus Christus: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken" (Matth. 11, 28). Nehemia sah in der Gunst des Königs die geöffnete Tür. Dieser bewilligte alles, was Nehemia für sein Unternehmen in Jerusalem brauchte, und entsandte ihn. Gott hatte seine Bitte um Segen erhört. (Vgl. Neh. 2, 8b.) Nehemia erkannte, dass die gute Hand Gottes über ihm war, die ihn führte und beschenkte. Heute dürfen wir darum bitten, dass diese segnende Hand auch uns durch diesen Tag begleitet. Trotz allem wird uns der Kampf nicht erspart bleiben. Die Feinde Israels waren äußerst verdrossen über die Ankunft Nehemias. "Nehemia war ein Mann, dem eine Last auferlegt war,... ein Mann mit einer geistlichen Schau und Berufung. Deshalb war er eine lebendige Kriegserklärung gegen die bestehenden Zustände" (A. Redpath). Geistliches Leben wird gewiss eine geistliche Kampfsituation hervorrufen. Aber: "...der Sieg ist des Herrn." (Lies Ps. 3, 2-7. 9; 1. Kor. 15, 57.)

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NEHEMIA 2, 11-20

DIENSTAG, 3. JULI

Die doppelte Aufgabe

In Jerusalem angekommen, nimmt Nehemia zuerst in aller Stille persönlichen Einblick in die Situation. Er verließ sich nicht einfach auf die Informationen anderer, sondern machte sich selber ein Bild von der Lage. Vor allen Dingen wollte er sich mit Gott beraten (V. 12. 16). Denn der Verfall der Mauer Jerusalems war auch ein Zeichen für den inneren Abfall Israels vom Herrn. Darum ging es um eine doppelte Aufbauarbeit. Nehemia kannte nicht nur den großen Aufwand, den diese ungeheuerliche Aufgabe erforderte, er war sich auch darüber im Klaren, dass sie unbedingte Treue Gott gegenüber erforderte und große Einmütigkeit untereinander. Ein besonderes Maß an vorzüglicher Zusammenarbeit würde da erforderlich sein.

Aus stiller Verschwiegenheit und Zwiesprache mit Gott kommend, gelingt es Nehemia, die Verantwortlichen und Mitarbeiter für die anspruchsvolle Aufgabe zu motivieren, "damit wir nicht weiter ein Gespött (für unsere Nachbarn) seien". Der Herr möchte sein Volk um seiner Ehre willen schön haben. Es soll ein Spiegel seiner Herrlichkeit sein. Er selber hat den Seinen zugesagt: "Ich will dich als höchste über alle Nationen stellen, die er gemacht hat, zum Ruhm und zum Namen und zum Schmuck und dass du dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk seist" (5. Mose 26, 19; lies Ps. 45, 12; 2. Kor. 3, 18). Wenn das Volk Gottes seine Bestimmung, "ein heiliges Volk" zu sein, aufgibt, schwindet seine geistliche Vollmacht und Kraft, ein lebendiges Zeugnis für den Herrn zu sein. Dann sind der geistlichen und zwischenmenschlichen Unordnung Tor und Tür geöffnet. Darum legt Nehemia bei seinem großen Bauprojekt nicht nur Wert auf eine gute Organisation und wirksame Strategien, sondern besonders auf das geistliche Fundament und Leben der Bauleute. Wie gehen wir mit 1. Korinther 3, 1-11 in unserem praktischen Leben um?

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NEHEMIA 2, 19. 20

MITTWOCH, 4. JULI

Entschlossenheit

Nehemia zeigt, wie entschlossen er den Wiederaufbau angehen will, als Sanballat, Tobia und Geschem ihm mit Spott, Verachtung und Unterstellungen begegneten (V. 19). Er hätte sich durch ihr Gespött einschüchtern lassen können, stattdessen lenkt Nehemia ihren Blick auf drei Grundwahrheiten:

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NEHEMIA 3, 1-32

DONNERSTAG, 5. JULI

Eine Gemeinschaft in Bewegung

"Kapitel drei ist die einzigartige Aufzeichnung über den Wiederaufbau der Mauer um Jerusalem. Die ganze Bevölkerung kam Nehemias Bitte um Hilfe und Mitarbeit nach, und dieser Bericht strahlt Wärme und Begeisterung aus. Jeder hatte seine bestimmte Arbeit zu verrichten, und keiner war auf den Einsatz des anderen eifersüchtig. Jeder war mit seiner besonderen Platzanweisung zufrieden, und jeder Teil der Mauer war versorgt" (A. Redpath). Vielleicht liest jemand unter uns diese Zeilen mit einem wehmütigen Herzen: Wenn's doch bei uns, in unsrer Gemeinde oder Gemeinschaft auch so wäre! Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Ereignisse aus Kapitel drei die Folgen der sorgfältigen Vorbereitungen Nehemias sind. Jeder Schritt war wichtig: Hörbereitschaft, Warten, Gebet, Buße, Organisation und Planung, Entschlossenheit und Mut. Nehemia wird sich aber auch während der Bauzeit immer wieder daran erinnert haben. Denn Bauarbeiten brauchen viel Zeit und Geduld. Wie gut, dass Gottes Mitarbeiter aus dem "Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut" leben dürfen (Röm.2,4a)! Gottes Geist unterstützt uns dabei. Er arbeitet an ungeduldigen Herzen, und wir lernen es, ihm zu gehorchen. (Dazu Apg. 5, 32; Hebr. 10, 36; Jak. 5, 7-11.)

Beim Lesen unseres heutigen Bibeltextes fällt vielleicht unsere Aufmerksamkeit auf einen kleinen Satz, der mehrmals erwähnt wird: " ...er baute gegenüber seinem Haus." Zu Hause, in unserer nächsten Umgebung, ist unser erster Einsatzort für Gott. Hier sollen wir geistliche Aufbauarbeit leisten. Wir müssen um unser Haus, um unsere Gemeinschaft, um unser Herz eine geistliche Schutzmauer bauen, so wie die Juden eine Schutzmauer um Jerusalem bauten. Wir wissen es nur zu gut: Es gibt schlimmere Feinde als Einbrecher, die Einlass bei uns suchen. Unser Herr ist bereit und in der Lage, sie abzuwehren. (Vgl. 5. Mose 33, 12.) Aber wir sind dafür verantwortlich, dass die Schutzmauern geschlossen sind.

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NEHEMIA 4, 1-9

FREITAG, 6. JULI

Angst und Mutlosigkeit überwinden

Von Tag zu Tag wuchs die Stadtmauer Jerusalems. Wer war denn nun der eigentliche Projektleiter? Es war nicht Nehemias Projekt, sondern Gottes Sache. Es war auch nicht die gut ausgeklügelte Strategie Nehemias, sondern Gott hatte ihm und dem Volk diesen wunderbaren Bauplan geschenkt. Gott setzte mit dem Aufbau der Mauer ein Zeichen dafür, dass er seine Zusagen einhält. Und nun tauchen plötzlich massive Probleme auf. Es geht nicht alles glatt. "Gott kann im Bau seines Reiches und seiner Kirche Wunder tun, aber Gott kann mit seinen Bauleuten auch andere Wege gehen. Auf Adlersflügeln kann er sein Volk durchs Meer und die Wüste tragen, Gott kann aber die Seinen auch zu Fuß, im Schweiße ihres Angesichtes, den Weg über die große Heerstraße geleiten. Derselbe Gott kann Jerusalem bauen lassen mit Kelle und Schwert" (W. Lüthi). Der Mauerbau stellte nicht nur ein mühseliges, sondern ein ausgesprochen angefochtenes Unternehmen dar. Verzagtheit macht dem Volk zu schaffen. Auch Nehemia steht in Gefahr, davon angesteckt zu werden. Aber er weiß einen Ausweg. Nehemia kannte die Macht des Gebets. So wendet er sich gemeinsam mit den Bauleuten an den Allmächtigen. Er ist größer als die Verzagtheit, größer als der massenhafte Schutt und der ärgste Feind. Darum: "Denkt an den Herrn!" "Wenn der Hohn, der Sarkasmus und die Gegnerschaft des Feindes unser Leben massiv bedrängen, müssen wir uns fragen: Wie kann ich unbeschadet hindurchkommen?" (A. Redpath) "Denkt an den Herrn!" Vertraut euch mit eurer Angst und in eurer Mutlosigkeit ihm an! Darin liegt Kraft, die Furcht zu überwinden und motiviert weiterzuarbeiten. (Lies Jos. 1, 6-9; Ps. 25, 15; Matth. 17, 8; Hebr. 12, 2. 3.)

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NEHEMIA 4, 3. 4

SAMSTAG, 7. JULI

Schutt abtragen

Kapitel vier gibt uns einen Einblick in die Spannung, in der die Bauleute Gottes leben: Der Zerstörungswut des Feindes steht der Plan und die Kraft Gottes gegenüber. So gehört zur Verwirklichung des göttlichen Plans, zum Aufbau der Mauer, das Abtragen von Schutt - Stein für Stein, Schicht für Schicht. Das ist mitunter Schwerstarbeit. Aber sie ist nötig, um die Fundamente freizulegen. Auf Schutt kann man nicht solide bauen. Was sollen wir im geistlichen Leben unter Schutt verstehen? "Wir müssen als Christen bis zum Grundschutt hinabsteigen, zur Sünde. Die Schutzmauer der Gerechtigkeit kann nur aufgebaut werden, wenn der Schutt der Sünde weggeräumt wird" (J. Schneider). Stolz, Unglaube, Ärger, Wut, Verzweiflung, Wichtigtuerei, böse Begierden, oberflächliches und ödes Leben - das alles ist Schutt. Es geht darum, dass ich diesen "Grundschutt" immer wieder aufs Neue in meinem Herzen erkenne. Ein Christ unsrer Tage bezeugt: "Ich bekenne, dass fast jeden Tag ein neuer Haufen Schutt in meinem Leben entdeckt wird, von dessen Existenz mir vorher gar nichts bekannt war. Wenn wir in der Gegenwart Gottes ehrlich sind, entdecken wir, dass wir gerade in Dingen, in denen wir uns für stark hielten, zugeben müssen, dass wir versagt haben." (Vgl. 1. Joh. 1, 8; Röm. 7, 18.) Wie können wir einer Anhäufung von Schutt begegnen? Drei Tatsachen wollen uns den Weg weisen:

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SONNTAG, 8. JULI

NEHEMIA 4, 5-17

Aufbauen heißt weiterkämpfen

Die Stadtmauer Jerusalems war trotz massiver Widerstände bis zur Hälfte hochgezogen (Neh.3,38). Aber Gott will nicht nur halb fertige Arbeiten, sondern er möchte, dass wir unseren Auftrag zu Ende führen. Halb fertige Arbeiten sind ein spezieller Angriffspunkt des Feindes. Wohl hatten die Bauleute unter Nehemia einen Teilsieg errungen, indem sie die Mauer bis zur Hälfte geschlossen hatten. Aber gerade die Zeiten nach einem Sieg sind die gefährlichsten und erfordern höchste Wachsamkeit und Kampfbereitschaft. Wir dürfen, wenn wir auf halber Strecke angekommen sind, die Hände nicht sinken lassen, uns nicht überschätzen und den Feind unterschätzen. Genauso wenig dürfen wir uns angesichts der vor uns liegenden Arbeitsberge der Resignation überlassen. Am Beispiel des Mauerbaus in Jerusalem sehen wir, dass der Feind auf halber Mauerhöhe zu einem kräftigen Gegenschlag ausholt. Es beginnt mit einem grausamen Wörter-Beschuss, der letztlich den Tötungswillen des Feindes offenbart: Nehemia 3, 33-35; 4, 1. 5. "Alle miteinander" hatten sich verschworen, gegen Jerusalem zu kämpfen (4, 2). Kennen wir das nicht auch, wenn wir meinen, die ganze Macht des Feindes hätte sich gegen uns aufgemacht? Wir mögen uns fragen, warum dieser mächtige Angriff geschehen konnte. Vielleicht ist die Antwort in Vers 6 zu finden: Die Nähe zu den Feinden scheint einige Juden veranlasst zu haben, Druck auf ihre Brüder auszuüben. Die Nähe des Feindes löst nicht nur Angst aus, sondern kann auch zur Panikstimmung in der Gemeinde Gottes anregen und dem Feind Tür und Tor öffnen. Darum ist es entscheidend, in der Nähe des Herrn und in engster Verbundenheit mit ihm zu bleiben. Darin übte sich Nehemia. Die tiefe Gemeinschaft mit Gott schenkte ihm geistliche Vollmacht und Entschlossenheit, nicht aufzugeben, sondern weiterzukämpfen und weiterzuarbeiten. (Vgl. 2. Chron. 20, 11-20.)

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MONTAG, 9. JULI

NEHEMIA 5, 1-19

Gemeinschaft in Gefahr

"Und es erhob sich ein großes Geschrei..." Mit einem Mal steht Bruder gegen Bruder in der Gemeinde Gottes. Gerade eben hatten sie die Gefahr von außen überwunden, nun kam sie von innen, aus den eigenen Reihen, auf sie zu. Wenn das geschieht, sollten wir uns weder zurückziehen noch stur unser Arbeitspensum durchziehen, sondern uns mit den Hintergründen des Aufbegehrens befassen. Anlass für das Geschrei der Bauleute in Jerusalem war eine schwere Hungersnot und eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Nehemia wurde darüber "sehr zornig"; denn er erkannte die zersetzende Selbstsucht und mangelnde Ehrfurcht vor Gott, die einen schmerzlichen Riss in die Gemeinschaft der Bauleute gebracht hatten (V. 2-4. 9). Selbstsüchtiges Verhalten stiftet Verwirrung und Unfrieden untereinander. "Geht es uns nicht allen so: Je mehr wir in Gottes Wort forschen, uns im Lichte des Wortes prüfen, desto mehr müssen wir staunen und erschrecken, zu sehen, wie unser ganzes Wesen, unsre ganze Natur von der Selbstsucht durchwuchert ist wie von einem Krebsübel" (J. Schneider). Wie kann dieses Übel beseitigt werden? An Nehemia sehen wir, dass in dieser Notlage weder Verhandlungen noch Gleichgültigkeit etwas bewirken. Die beste Hilfe liegt immer noch darin, selber ein Vorbild, das sich am Wort Gottes orientiert, für andere zu sein. Nehemias barmherziges Geben und selbstloser Verzicht auf Rückzahlungen waren aus der Ehrfurcht vor Gott erwachsen. Vielleicht sollten wir der Gottesfurcht wieder mehr Raum in unserem Leben geben. Sie gewinnt aber erst dann wirklich Raum in uns, wenn uns unsere Liebe zum Herrn motiviert in Ehrfurcht vor ihm zu leben. Sprüche 3, 1-10. 13-18 enthalten wertvolle Praxis-Tipps, wie wir unser Leben in der Ehrfurcht vor Gott gestalten können.

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NEHEMIA 6,1-19

DIENSTAG, 10.JULI

Die Taktik des Feindes durchschauen

Es gibt in diesem Bibelabschnitt eine kleine, aber bedeutsame Aussage: "Und die Mauer wurde fertig" (V. 15). Das konnte nur geschehen, weil das Werk von Gott gewirkt war und Nehemia rückhaltlos mit dem Herrn zusammengearbeitet hatte. Damit ein Werk Gottes gelingen kann, müssen wir verstehen, dass wir "nicht gerufen sind, um Programme zu entwerfen; wir sind gerufen, der Welt, der Generation, in der wir leben, Gottes Geist mitzuteilen" (A. Redpath). Wir sind gerufen, Mitarbeiter Gottes zu sein. Unsere Arbeit für ihn muss darum in seinem Herzen ihren Ursprung haben. Wer in ihm bleibt, bringt viel Frucht (Joh. 15, 5). Der Heilige Geist schenkt uns Entschlusskraft, "koste es, was es wolle, dem Angriff Satans auf unser Leben zu widerstehen und mit unserem Herrn und Retter bis ans Ziel durchzuhalten" (A. Redpath). Wie wir dem biblischen Bericht entnehmen können, ballte sich die ganze Macht des Feindes noch einmal zusammen, um die Vollendung der Mauer zu verhindern. Fassen wir die heimtückischen Angriffe des Feindes zusammen:

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MITTWOCH, 11. JULI

NEHEMIA 8, 1-12

Ein Tag großer Freude

Nehemias großer Auftrag war ausgeführt, die Mauer fertig und das Volk in seinem Land wieder beheimatet. Dennoch waren die Feinde nicht einfach verschwunden. Auch unser Feind liegt Tag und Nacht auf der Lauer. Ist vielleicht doch noch eine ganz andere "Schutzmauer" nötig? Wir staunen, dass das Volk einmütig und sehnsuchtsvoll um das einzig Richtige in diesem bedeutenden Augenblick bittet. Sie wollen das Wort Gottes hören. Haben wir bemerkt, wie Nehemia, der mutige Mann des Mauerbaus, plötzlich einen Schritt zurücktritt? Tagelang hört das Volk der biblischen Lesung und der Auslegung durch Esra und seine Mitarbeiter zu. Gottes Wort bedeutete ihnen viel. Wie viel bedeutet es mir? Welche Priorität nimmt es in meinem Leben ein? Wie zeigt sich das in meinem Alltag praktisch?

Es scheint, dass die Juden in Jerusalem den unschätzbaren Wert des Wortes Gottes neu entdeckt haben. Sie waren tief bewegt, sie feierten, sie weinten und trauerten. Ihre Herzensohren waren nach vielen Jahren wieder offen für Gottes Reden. Dort, wo das freie, vertrauensvolle Gespräch zwischen Gott und den Seinen auflebt, wächst auch die Freude an der Person selber: die Freude am Herrn. Es ist eine Freude, die auf Gottes Erlösung beruht (Neh. 1, 10), die sich in Anfechtungen bewährt (V.6.3.4.8.9.11) und zum Gehorsam motiviert (Kap. 2, 18b). Die Freude am Herrn macht das Volk Gottes stark. Sie gleicht einem Schutzwall, der der Zugluft des Zeitgeistes widersteht und dem Gegenwind der Mutlosigkeit, ja den Stürmen herzzerreißender Nöte, standhält - bis wir einmal den Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen. "So werden die Erlösten des Herrn heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen" (Jes. 51, 11; lies Offb. 21, 1-7).

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DONNERSTAG, 12. JULI

NEHEMIA 9, 1-37

Von Herzen glücklich

Das konzentrierte Hören auf das biblische Wort rüttelte die Gemeinde Israel wach für das Handeln Gottes zur Zeit der Glaubensväter. Sie loben und danken Gott für seine Güte, Barmherzigkeit und Treue, verschweigen aber auch nicht sein heiliges Gerichtshandeln. Die Verse 6-31 geben uns einen Leitfaden für unser Beten und Leben. Es lohnt sich, die Eigenschaften Gottes und sein Handeln in Gnade und Gericht zu markieren und darüber betend nachzudenken: Welche Meilensteine seiner Führung kennzeichnen meinen Weg? Welche Ermutigungen sehe ich für mich und meine Situation? Wofür will ich dem Herrn danken? Was blockiert und bedrückt mich? Welche Ermahnungen muss ich mir zu Herzen nehmen?

Indem Israel das Wort Gottes für voll und zu Herzen nahm, wurde es bereit, seine Sünden zu bekennen (V.1-3) und den Herrn dankbar zu ehren (V.5.6). In vielen Gottesdiensten heute spielt die Anbetung Gottes wieder eine wichtige Rolle. Das ist grundsätzlich biblisch. Wir können Gott gar nicht genug loben, ehren und anbeten. Ob uns aber auch bewusst ist, wie eng die Anbetung des Herrn mit dem Eingeständnis unserer Sünden zusammenhängt? In Psalm 32, 1. 2 heißt es wörtlich: "Glücklich ist der Mensch, dem Übertretung vergeben, dem Sünde zugedeckt ist! Glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist." Von Herzen glücklich, das meint aufgeräumt, frohgemut, ja glückselig, zu sein. Dieses Glück kann man weder einkaufen noch verkaufen. Es ist ein Gottesgeschenk für bußfertige Sünder (Luk. 15, 18-24). Eine demütige Herzenshaltung führte uns ins Staunen über Gottes große Güte und seine Barmherzigkeit, die jeden Morgen neu ist. Wer wollte einem solch guten Herrn nicht auch gern gehorchen?

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NEHEMIA 10, 1-40

FREITAG, 13. JULI

Erneuerung und Verpflichtung

"Man traut, wenn man von Kapitel 9 herkommt, zunächst seinen Augen kaum. Die Leute, die doch so tief gebeugt waren und denen ihre Untauglichkeit so deutlich zu Gemüte geführt worden ist, verlangen nun hier Tinte, Feder und Papier. Sie bleiben nicht in ihrer Untauglichkeit liegen, sondern stehen von der Bußbank auf und bringen Gott ein feierliches und öffentliches Gelübde dar" (W. Lüthi).

Das Volk Israel war entschlossen, eine feste Vereinbarung mit Gott zu treffen. War das nötig? Gott selber hatte doch einen ewigen Bund mit ihnen geschlossen! Der Herr ist gewiss nicht auf unsere Versprechen angewiesen, und wie oft haben wir ein Versprechen gebrochen. Dennoch: Wer eine feste Vereinbarung mit Gott schließt, bezeugt damit, dass die Erfahrung geistlicher Erneuerung nicht einfach eine gehobene Gemüts-Stimmung ist, sondern in den Gehorsam Gott und seinem Wort gegenüber führt. Die Israeliten sagen glasklar, was sie tun wollen und was nicht. Je nach Bibel-Übersetzung heißt es "wir wollen", "wir werden", "wir verpflichten uns". Fassen wir die Entschlüsse zusammen: Es geht um geordnete Beziehungen, vor allem zwischen den Geschlechtern, zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Es geht um geordnete Arbeits- und Ruhezeiten und um ein geordnetes geistliches wie gottesdienstliches Leben. "Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens" (1. Kor. 14, 33). Wenn uns der Gehorsam schwer wird, dürfen wir wie Salomo beten: "Schenke deinem Knecht ein hörendes, ein gehorsames Herz . . . zu unterscheiden zwischen Gut und Böse" (1. Kön. 3, 9). Und der Herr spricht uns zu, wie es Johann Scheffler verfasste: "Fällt's euch zu schwer? Ich geh voran, ich steh euch an der Seite, ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite."

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NEHEMIA 11, 1-6. 20-23; 12, 27-30. 43

SAMSTAG, 14. JULI

Erben - aber richtig

Wenn wir Nehemia 11 und 12 überfliegen, können wir vermutlich nichts Interessantes an diesen Kapiteln erkennen. Lange Namenslisten, Orts-, Zahlenund Berufsangaben - kann darin eine geistliche Wahrheit verborgen sein? Wir richten unser Augenmerk auf die kleine, aber bedeutsame Notiz: Die Israeliten

"wohnten". "Ahnen wir, was es für diese Leute bedeuten muss, dass sie jetzt wieder daheim sind, dass es jetzt wieder eine Heimat für sie gibt?" (W. Lüthi) Die Zeit war vorüber, in der sie "an den Strömen Babels saßen und weinten" (Ps. 137, 1). Gott hatte die Verheißung ihrer Rückkehr erfüllt. "Nicht menschliche Sehnsucht ist hier gestillt, sondern göttliche Verheißung ist in Erfüllung gegangen. Nach Jahr und Tag hat sich's herausgestellt, wie wörtlich Gott Wort zu halten vermag" (W.Lüthi). Die Israeliten wohnten nicht mehr in der Fremde, sondern im Land ihrer Väter. In Nehemia 11, 20 ist vom Grundbesitz der Stämme Israels als ihrem "Erbteil" die Rede. (Vgl. Jos. 1, 2. 6; 24, 28.) Und wir? Hat Gott auch uns ein Erbteil zugedacht? Es ist atemberaubend, dass der Vater im Himmel uns ein vollkommenes, ein sicheres und ein unvergängliches Erbe zugedacht und schon jetzt übereignet hat. Wer auch immer durch den Heiligen Geist in die Familie Gottes hineingeboren wurde, gehört zu den Söhnen und Töchtern Gottes (Joh. 3, 3. 6. 7; 1. Petr. 1, 23; vgl. Hes. 44, 28). Daraus folgt das Erbrecht der Kinder Gottes: Wir lesen Römer 8, 17. Der Erbgang für die Glaubenden gilt vermittelt durch Jesus Christus. ER ist der eigentliche Erbe, sie sind Miterben. Dieses Erbe besteht aber nicht allein in der zukünftigen Herrlichkeit, sondern wir haben schon jetzt Anteil daran, weil wir untrennbar mit Jesus verbunden sind. Wie beim Herrn selber, geht es zwar auch bei uns durch manche Leiden. Doch besonders diese bescheinigen dem Glaubenden seine Zugehörigkeit zu Christus. Zur Vertiefung: 1. Petrus 1, 3-9.

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NEHEMIA 13, 1-17

SONNTAG, 15. JULI

Ende gut, alles gut?

Wie schön wäre es, wenn das Buch Nehemia mit dem 12. Kapitel abschließen würde! Wir wünschen uns oft ein "Happy end". "Aber die Bibel ist kein Roman, sondern ein Buch der Wahrheit. Sie idealisiert nicht, sondern sie enthüllt unerbittlich die volle, letzte Wirklichkeit" (J. Schneider). Nehemia war nach dem vollständigen Wiederaufbau Jerusalems an den persischen Königshof zurückgekehrt - vermutlich, um dem König einen ausführlichen Bericht zu erstatten. Seine zwölfjährige Abwesenheit benutzte nun offensichtlich der unsichtbare Feind um an der inneren Schutzmauer Jerusalems, der Glaubensund Gehorsamsstellung des Volkes seinem Gott gegenüber, kräftig zu rütteln. Sie hatten doch einen heiligen Bund mit dem Herrn geschlossen! Eigentlich müsste der Segen Gottes auf ihnen ruhen. "Aber nein, dieselben Sünden, die ihr nationales Leben vor der Gefangenschaft zerstört hatten, waren wieder über sie gekommen und hatten sie wieder zu Fall gebracht" (A. Redpath). Es ist unfassbar: Tobija, der Erzfeind, hatte eine Kammer im Haus Gottes bekommen! Nehemia, bei seiner Rückkehr nach Jerusalem tief erschrocken, "bemerkte das Unrecht", es missfiel ihm sehr. Unverzüglich leitete er die Reinigung des Hauses Gottes ein. Er schwieg auch nicht zu allem anderen Unrecht, das sich im Volk Gottes eingebürgert hatte. Mutig nennt Nehemia es beim Namen und zieht die Verantwortlichen zur Rechenschaft. (Lies 3. Mose 19, 17; Luk. 13, 17; 2. Thess. 3, 15.) Nehemia wusste um die hervorragende Stellung und den einzigartigen Auftrag der Israel-Gemeinde unter den Völkern. (Vgl. 5. Mose 7, 6-8; 26, 19; 28, 1. 2.) Wie aber kann ein geistlicher Auftrag von einem zum heiligen Leben bestimmten Volk geistliche Frucht bringen, wenn eine Gemeinschaft geistlich "verlottert"? Das muss nicht sein. Welche seelsorgerlichen Hilfen bieten uns die Verse aus Römer 12, 1-6?

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DIE HERRLICHKEIT DES SOHNES GOTTES IM HEBRÄERBRIEF (7,1-28)

MONTAG, 16. JULI

HEBRÄER 7, 1-3; 1. MOSE 14, 17-20

Im Alten Testament kündigte Gott schon das Kommen seines Sohnes an. Das geschah zum einen in direkter Prophetie, wie zum Beispiel in Jesaja 53, zum andern in vorbild- oder modellhafter Prophetie. Eine Art "Modell" seines Sohnes hat Gott schon zur Zeit Abrahams geschenkt in Melchisedek. Er ist ein Abbild des Messias. Sein Reden und Handeln weisen über sich selbst hinaus und kommen in Jesus zur Erfüllung. Davon spricht Hebräer 7. Er war König von Salem, gemeint ist Jerusalem, das damals schon tausend Jahre alt war. Als Abraham vom Kampf zur Befreiung seines Neffen Lot zurückkehrte, kam ihm der Priesterkönig von Salem im Königstal (dem späteren Kidrontal) entgegen. Königstal wurde es genannt zur Erinnerung an die Begegnung zwischen Melchisedek und dem König von Sodom mit Abraham. Melchisedek verließ die Stadt und brachte Abraham Brot und Wein als Zeichen der Gastfreundschaft und der Ehrung. Auch seine Volksgenossen wurden durch Abraham gerettet. Melchisedek dankte damit Abraham und zugleich Gott, der ihm diesen Sieg geschenkt hatte. Dass der König von Salem Abraham mit Brot und Wein entgegenkam, erinnert uns an Jesus. In der Nacht, als er verraten wurde, teilte er Brot und Wein an seine Jünger aus als Zeichen dafür, dass er seinen Leib und sein Blut hingibt zur Vergebung unserer Sünden. Jesus ist unser Hoher Priester, der uns bei Gott vertritt, und unser vollgültiges Opfer, das durch keine menschliche Leistung ergänzt werden muss. (Lies Matth. 26, 26-29; Hebr. 7, 26. 27; 9, 11. 12.) Jesus hat uns erkauft mit seinem Blut, darum gehören wir zu ihm für Zeit und Ewigkeit. Es lohnt sich, Römer 14, 7. 8 auswendig zu lernen.

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DIENSTAG, 17. JULI

1. MOSE 14, 18-20; HEBRÄER 7, 1. 6. 7

Melchisedek betete zu Gott, dem Allerhöchsten, wie auch Abraham. Melchisedek lebte in dem ursprünglichen Wissen um den einen, wahren Gott, das inzwischen bei den meisten Menschen verloren gegangen war. Er betete mitten in einer Gesellschaft des kanaanäischen Heidentums den einen Gott der Urzeit an, den Schöpfer von Himmel und Erde. Er hatte noch ein solches Verhältnis zu Gott wie Henoch, Noah und Hiob, die mit Gott wandelten. (Lies 1. Mose 5, 22. 24; 6, 9; Hiob 1, 1; 19, 25. 27.) Sicher musste er gegen den Strom des hereinflutenden Heidentums schwimmen. (Lies 1. Kor. 8, 4-6; 10, 19. 20.) Im Bekenntnis zu Gott, dem Allerhöchsten, trafen sich Melchisedek und Abraham. Melchisedek segnete Abraham. Zum Segnen gehörte damals ein Ungleichgewicht. Der Höhere segnete den Geringeren (Hebr. 7, 7). Im alttestamentlichen Bericht kommt das hebräische Wort "segnen" zweimal vor, einmal im Sinne von "segnen", dann in der Bedeutung von "loben". Der Segen geht von Gott aus. Loben wir Gott als Antwort darauf? Wenn es uns schwerfällt, Gott zu loben, haben wir vielleicht all das Gute vergessen, das wir von ihm erfahren haben. (Lies Ps. 103, 1-5.) Auch die Priester Israels hatten nach der Weisung Gottes die Aufgabe, das Volk zu segnen. (Lies 4. Mose 6, 22-27.) Sie sollten "den Namen Gottes auf die Kinder Israels legen". In der langen Segenskette von Melchisedek über die aaronitischen Priester bis auf die Gemeinde von Jesus sind wir Menschen nur Gottes Handlanger beim Segnen. Darf er mich heute als seinen Handlanger gebrauchen? Jesus hat uns das Vorrecht verliehen, Menschen in seinem Namen zu segnen. "Segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen ererbt!" (1. Petr. 3, 9). (Lies Luk. 6, 28; Eph. 1, 3; 1. Thess. 5, 15.)

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MITTWOCH, 18. JULI

HEBRÄER 7,1.6.7.26; JESAJA 9,5.6

Was erfahren wir durch Melchisedek, das Abbild, über unseren Herrn Jesus Christus, das Urbild? Sein Name heißt übersetzt "Mein König ist Gerechtigkeit". Jesus ist in Wahrheit der König der Gerechtigkeit. Er war ohne Sünde. Durch sein Opfer am Kreuz hat er erwirkt, was seit der Trennung von Gott auf ewig unerreichbar für uns gewesen wäre: Er hat uns gerecht gemacht vor dem heiligen Gott und passend für die Gemeinschaft mit ihm. (Lies Röm.5,1.2.) Es wird die Zeit kommen, wo Jesus Christus als König der Gerechtigkeit vor aller Welt offenbar werden und regieren wird. Wir können uns das heute noch nicht vorstellen, aber das Wort Gottes kündigt es zum Beispiel in Jesaja 11, 3-5 an.

Melchisedek war König von Salem, das heißt "König des Friedens". Wenn Jesus die Herrschaft in einem Leben bekommt, kehrt Frieden ein, Frieden mit Gott und soweit möglich, Frieden mit den Mitmenschen. Sein Geist zieht mit seinem Frieden in unsere Herzen ein. Wenn der Frieden unseres Friedenskönigs von uns weicht, ist das ein Signal innezuhalten und zu fragen: Herr, womit habe ich dich betrübt? Wenn wir die Ursache mit seiner Hilfe entdeckt und ausgeräumt haben, kehrt sein Frieden zurück. (Lies Kol. 3, 15; Phil. 4, 7; Gal.5,22; Röm.12,18.) Die russische Prinzessin Liewen verlor ihren gesamten Besitz und musste fliehen. Sie geriet am Ural in Gefangenschaft und Lebensgefahr. Tag und Nacht hat sie intensiv zu Gott um Errettung gebetet. Doch äußerlich änderte sich nichts. Aber ihr Wünschen wurde so umgewandelt, dass sie nur noch nach der Übereinstimmung ihres Willens mit der Führung Gottes verlangte, auch wenn dies eventuell noch tiefere Not und den Tod bedeutete. Da wurde ihr ein unaussprechlicher Frieden von Gott geschenkt. Nie vorher war sie so glücklich gewesen wie damals in tiefster Nacht.

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DONNERSTAG, 19. JULI

HEBRÄER 7, 11-19. 23-25

Was bedeutet es, dass Jesus Hoher Priester nach der Ordnung Melchisedeks ist? Er ist König und Hoher Priester zugleich. Das war nach dem alttestamentlichen Gesetz nicht möglich. Da herrschte Gewaltenteilung. Ein israelitischer König konnte nicht zugleich Hoher Priester sein. Die Priester kamen aus dem Stamm Levi und waren Nachkommen Aarons. Die Könige sollten aus dem Stamm Juda kommen und Nachkommen Davids sein. Unser Hoher Priester Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden dargebracht hat, hätte niemals im Tempel opfern dürfen, geschweige denn ins Heiligtum oder gar am Großen Versöhnungstag ins Allerheiligste gehen dürfen, weil er kein Nachkomme Aarons, sondern aus dem Stamm Juda war. (Lies Joh. 1, 29; Hebr. 9, 11-14; 10, 12-14; Offb. 5, 5. 6.) Doch Jesus ist als Priester nach der Ordnung Melchisedeks für immer und ewig Hoher Priester. "Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen:

Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks (Ps. 110, 4).

Sein Priestertum hat kein Ende. Er braucht keinen Nachfolger und wird nicht durch einen Nachkommen abgelöst, wie Aaron durch seinen Sohn abgelöst wurde. Politiker kommen und gehen. Geistliche Würdenträger kommen und gehen. Aber die Stellung, die Jesus innehat, und sein Hohepriestertum ist ewig. Er altert nicht. Er war der Hohepriester von Petrus, Paulus und Johannes, von Luther, Wesley und Zinzendorf, von Hudson Taylor und von Christa von Viebahn. Wir haben denselben Heiligen Geist empfangen wie sie. Er ist der Hohepriester auch für uns und für die, die nach uns kommen. Jesus Christus ist für uns heute ebenso erreichbar und erfahrbar wie für die Glaubenden vor uns. Wagen wir es, ihm so tief und mutig zu vertrauen und zu gehorchen wie die Glaubenszeugen vor uns? (Lies Offb.1,17. 18; Jes. 48,12.)

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FREITAG, 20. JULI

HEBRÄER 7, 4-10; 1. MOSE 14, 20

"Und er gab ihm den Zehnten von allem." Dass Melchisedek größer als Abraham war, wird auch daran deutlich, dass Abraham ihm den Zehnten gab. Schon damals war es üblich, den zehnten Teil des Gewinns von Naturalien oder Geld an einen König oder Priester abzugeben. "Abraham entrichtet von Mamre aus seinen Zehnten nach Jerusalem, wie später Jakob seinen Zehnten nach Beth-El abführt" (1. Mose 28, 22; Hj. Bräumer). Ungefähr tausend Jahre später baute der Abrahams- und Davidssohn Salomo in Jerusalem den Tempel. Da erscheint die Gabe des Zehnten von Abraham an Melchisedek wie eine Vorausschau für die zahlreichen Zehnten, die die Israeliten später jedes Jahr nach dem Gebot Gottes in den Tempel brachten zum Unterhalt der Leviten und Priester (vgl. 4. Mose 18, 20-31; Mal. 3, 8-10). Der Zehnte sollte das Volk Gottes erinnern, dass aller Besitz an Land und anderem Gut, dazu jede Ernte, auch jedes Monatsgehalt, eine Gabe Gottes ist. Als es um die Vorbereitung des Tempelbaus in Jerusalem ging, betete König David sogar: "Was bin ich? Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten? Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir's gegeben" (1. Chron. 29, 14). Was wir haben, sind von Gott anvertraute Gaben, mit denen wir als verantwortungsbewusste Verwalter umgehen sollen. Ein guter Haushalter achtet darauf, dass er nicht alles für sich verbraucht, sondern missionarische und diakonische Anliegen des Reiches Gottes mit bedenkt. "Aber wie viel soll ich geben?", fragen wir uns vielleicht. Das monatliche Geben des Zehnten ist zwar im Neuen Bund nicht vorgeschrieben, aber wir haben im Zehnten einen Anhaltspunkt, ein mögliches Maß. (Lies 1. Kor. 16, 1. 2; 2. Kor. 8, 13. 14; 9, 6-15.)

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SAMSTAG, 21. JULI

HEBRÄER 7, 11-14; RÖMER 5, 20

Der Schreiber des Hebräerbriefes nimmt uns hinein in Gottes Heilsgeschichte und zeigt, wie Gott das Heil für uns vorbereitet hat. Der Herr hatte im alttestamentlichen Gesetz angeordnet, dass die Nachkommen Aarons das Priestertum innehaben sollten. Sie waren aus dem Stamm Levi. Jesus konnte aber dem Gesetz nach nicht Hoher Priester sein, weil er aus dem Stamm Juda war. Doch warum hat Gott nicht gleich Jesus zu unserer Rettung gesandt, sondern das Gesetz mit dem Priestertum Aarons, mit dem Tempel und den vielen Tieropfern dazwischengeschoben? Im Römer- und Galaterbrief finden wir die Antwort: "Kein Mensch kann durch das Einhalten des Gesetzes vor Gott gerecht werden. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde." Das Gesetz Gottes ist eine Art Vergrößerungsglas für die Sünde, damit wir sie erkennen können. Wir schaffen es nicht, Gottes Willen zu tun (Röm. 3, 20; lies Gal. 3, 19. 24; Röm. 7, 7). Erst wenn wir in den Spiegel der Gebote Gottes schauen, wird deutlich, wie verzweifelt hoffnungslos unsere Lage vor Gott ist. Das Gesetz mit den Tieropfern hat Gott in seiner Heiligkeit und Barmherzigkeit gegeben, um deutlich zu machen, wie schwer Sünde vor ihm wiegt: "Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung" (Hebr. 9, 22; 3. Mose 17, 11). Das Opferlamm, das der Schuldige im Tempel darbrachte, machte ihm klar: Dieses Tier stirbt jetzt an meiner Stelle. Die Tieropfer wiesen voraus auf Golgatha und empfingen vom Kreuz des Gottessohnes her ihre Gültigkeit. "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt" (Joh. 1, 29). Auf Christus hat das Gesetz hingewiesen und zu unserer Rettung hat er es erfüllt. (Lies Röm. 10, 4; Jes. 53, 5. 6; Hebr. 9, 12; 10, 4-10. 14.)

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SONNTAG, 22. JULI

HEBRÄER 7, 15-19

Es wird ein Priester aufgestellt, der wie Melchisedek von ganz anderer Art ist - der nicht Priester ist aufgrund einer menschlich-irdischen Bestimmung des Gesetzes, sondern aufgrund der Macht seines unvergänglichen Lebens. Der Sohn Gottes kam nicht als Träger eines würdevollen Amtes, das er durch seine Abstammung ererbt hätte, wie die Priester aus dem Geschlecht Aarons. Gott durchbrach bei seinem Sohn die Priesterordnung des Gesetzes. Er hat ihn eingesetzt als "Priester in Ewigkeit nach der Art Melchisedeks". Jesus erwies sich als Priester Gottes "in der Kraft seines unzerstörbaren Lebens". Wie zeigte sich diese Kraft bei ihm? In der Vollmacht des Geistes Gottes verkündigte er und tat Wunder. Der Tod konnte ihn nicht halten. "Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten werden konnte" (Apg. 2, 24; lies Röm. 6, 9; 1. Kor. 6, 14).

Durch die Einsetzung seines Sohnes als Priester nach der Art Melchisedeks ist die alte Ordnung ungültig geworden. Sie war wirkungslos. Das Gesetz konnte Menschen nicht verändern und ihnen kein neues Leben geben. Durch unseren Hoher Priester haben wir "eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen". Gott zu nahen war im Alten Bund Vorrecht der Priester. Doch Jesus Christus hat uns durch das Opfer seines Lebens gereinigt und passend gemacht für die Gegenwart Gottes, so dass wir uns ihm im Gebet nahen dürfen. "Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch" (Jak. 4, 8). Jesus gibt uns sogar Anteil an seinem priesterlichen Wirken. "Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht" (1. Petr. 2, 9; lies 1. Petr. 2, 5; Offb. 1, 5. 6). Was ändert sich, wenn wir ab heute "standesbewusst" leben?

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MONTAG, 23. JULI

HEBRÄER 7, 3. 17. 20-22; PSALM 110, 1. 4

Von Melchisedek wird uns weder sein Stammbaum noch sein Geburts- oder Todesjahr überliefert. "Er taucht plötzlich in der Geschichtserzählung auf, ohne dass seine Geburt erwähnt wäre, und verschwindet ebenso, ohne dass seines Todes gedacht wird" (E. Riggenbach). Später erwähnt David ihn noch einmal in Psalm 110, 4. David war der Vorfahre von Jesus, weil er aus seiner Familie kam. Psalm 110 ist der Psalm, der im Neuen Testament am häufigsten zitiert wird. Seine Prophetie war der Urgemeinde und den Aposteln ganz wichtig, wohl weil Jesus selbst in der Auseinandersetzung mit seinen Gegnern auf David hingewiesen hatte. (Lies Matth. 22, 42-46; 26, 64.) Petrus erwähnte ihn in seiner Pfingstpredigt (Apg. 2, 34-36). David spricht darin von seinem Herrn, dem Messias, zu dem der HERR, also Jahwe, sagt: "Setze dich zu meiner Rechten!" Der Platz zur Rechten war der Platz des Mitregenten und "die Rechte des Herrn ist der bildhafte Ausdruck für die siegreiche, überlegene Machtvollkommenheit, mit der der Höchste regiert" (H. Lamparter). Am Tag der Himmelfahrt hat der Vater den Sohn zu seiner Rechten erhöht. Da hat die Prophetie von Psalm 110, die auf den Messias hinweist, ihre Erfüllung gefunden. Bei seinem Abschied sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden" (Matth. 28, 18). Er lenkt die Weltgeschicke so, dass sein Plan in Erfüllung geht, wie er es in seinem Wort angekündigt hat, auch wenn wir vieles jetzt noch nicht verstehen. Jesus ist so groß, dass er mitten in den Turbulenzen der Weltgeschichte hört und antwortet, wenn seine Nachfolger zu ihm rufen. "Daher kann er auch bis aufs Äußerste die retten, die durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten" (Hebr. 7, 25; lies Matth. 10, 29-32; Phil. 4, 6; 1. Petr. 5, 7; Offb. 8, 3. 4).

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DIENSTAG, 24. JULI

HEBRÄER 7, 20-25; PSALM 110, 1. 4

"Der HERR (Jahwe) sprach zu meinem Herrn (Messias): ?Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.?" Hier wird dem Messias der Sieg über alle seine Feinde verheißen. Jesus hat am Kreuz schon den Sieg über Satan, Sünde und Tod errungen. Doch sie sind noch nicht zum Schemel seiner Füße gemacht. Jesus ist der totale Sieg verheißen. Er wird eintreten, auch wenn das jetzt noch unser Vorstellungsvermögen übersteigt. (Lies 1. Kor. 15, 25; Phil. 2, 8-11; Ps. 2, 1-4.)

In Psalm 110 wird dem Nachkommen Davids in Vers 1 das ewige Königtum und in Vers 4 das ewige Priestertum zugesagt: "Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht gereuen: ?Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!?" Diese Einsetzung ist mit einem Schwur verbunden. Damit bekräftigt Gott seine Entscheidung für ewig im Gegensatz zum Alten Bund, der nur eine begrenzte Geltungsdauer hatte. "Es wird ihn nicht gereuen" heißt, dass Gott keinesfalls von seinem Plan abweichen wird. Der Eidschwur bekräftigt, dass Jesus Bürge und Mittler eines besseren und ewigen Bundes geworden ist. Der Sohn Gottes ist mit seinem Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen der Bürge für unser Heil geworden. Weil der Tod keine Macht mehr über ihn hat, ist er unser Hoher Priester in Ewigkeit. Den vielen Priestern im Alten Bund, die kamen und gingen, "weil der Tod sie hinderte zu bleiben", steht der eine Hohepriester gegenüber, der in Ewigkeit bleibt. Nach ihm kommt kein Größerer mehr. Er ist Gottes letztgültiges Wort an die Welt. "Er hat am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat. Er hat sich, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt." Wir können staunend und ihm dankend Hebräer 1, 1-3 lesen.

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MITTWOCH, 25. JULI

HEBRÄER 7, 25-28; 8, 1

"Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln." Dort tritt er für uns ein. Erscheint es uns beschämend, dass wir einen brauchen, der vor Gott für uns eintritt? Das hängt mit der für uns unvorstellbaren Heiligkeit Gottes zusammen. Vor ihm müssen wir wie Jesaja rufen: "Wehe mir, ich vergehe!" (Jes.6,5; lies Luk.5,8). Wir brauchen Jesus nicht nur wegen der Altlasten an Schuld aus unserer Vergangenheit. Die konnten wir hoffentlich bei unserer Bekehrung oder danach unter seinem Kreuz abladen. Wir haben Jesus nötig auch für die Schuld, die wir in Gedanken, Worten und Empfindungen jeden Tag auf uns laden. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass er uns vor dem Vater vertritt. "Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt" (Röm. 8, 34; lies 1. Joh. 2, 1; Hebr. 13, 20. 21). Wir brauchen unseren Hohenpriester als unseren Versöhner.

Wir haben ihn auch nötig als unseren Bewahrer. Durch seinen Heiligen Geist versorgt er uns mit seinem Leben. Stellen wir uns einen Taucher auf dem Meeresgrund vor. Wie kann er dort unten existieren? Nur durch ein Verbindungskabel, das ihn mit Luft versorgt, und einen Freund, der in einem Boot sitzt und beständig die Luftzufuhr kontrolliert - sonst wäre der Taucher sofort tot. Sollte den Freund jemand von seiner Tätigkeit ablenken wollen, wird er antworten: "Mein Freund ist unten im Wasser. Er ist total von mir abhängig. Solange er unten ist, muss ich dieses Gerät bedienen." So ähnlich verhält es sich zwischen Jesus und uns. (Lies Röm. 8, 37; Gal. 2, 20.)

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DONNERSTAG, 26. JULI

HEBRÄER 7, 25-28

Der Verfasser des Hebräerbriefes, dessen Namen wir nicht kennen, vergleicht in diesem Abschnitt die Hohen Priester des Alten Bundes mit Jesus, dem Hohen Priester des Neuen Bundes. Jesus musste nicht erst für eigene Sünden opfern wie Aaron und seine Nachkommen, um danach für das Volk opfern zu können. Jetzt ist der wahre Hohepriester da, auf den alle anderen nur wie ein Schattenbild hinwiesen. Sein Wesen wird beschrieben: "Denn einen solchen Hohen Priester mussten wir haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel." Er muss auch nicht immer wieder für sich selbst opfern, sondern sein Opfer ist vollgültig zur Sühnung unserer Schuld, ganz gleich, worum es sich handelt. Sein Opfer gilt "ein für allemal" durch alle Zeiten der Geschichte der Gemeinde hindurch, bis er wiederkommt. Noch im Himmel wird er als das Lamm angebetet. (Lies Offb. 1, 5. 6; 5, 9. 10. 12. 13). "Daher kann er die auch völlig erretten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um für sie einzutreten." Hier wird die Verbundenheit von Vater und Sohn im Erlösungswerk deutlich. Wir dürfen durch Jesus Gott nahen. Es gibt keinen anderen Weg zu Gott als allein durch den Sohn, der uns bekleidet mit Kleidern des Heils und den Mantel seiner Gerechtigkeit umlegt. Die Kleider unserer eigenen Gerechtigkeit sind dagegen wie Lumpen, unpassend für die Gegenwart Gottes. Aber in den von ihm geschenkten Kleidern des Heils bringt Jesus uns zum Vater. (Lies Joh. 14, 6; Jes. 61, 10; Sach. 3, 3-5; Luk. 15, 20-22; Eph. 4, 22-25; Kol. 3, 12-14.) "Jesus Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung" (1. Kor. 1, 30).

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HEBRÄER 7, 25-28; RÖMER 8, 31-34

FREITAG, 27. JULI

Wie können wir uns vorstellen, dass Jesus als unser Hoherpriester für uns vor Gott eintritt? Muss Jesus etwa einen Widerstand bei Gott überwinden, um uns zu vergeben? Muss er an seine Barmherzigkeit appellieren: Vater, vergib ihnen um deiner Barmherzigkeit willen? Nein, der Vater vergibt uns, weil er gerecht ist. "Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit" (1. Joh. 1, 9). Worin besteht die Gerechtigkeit des Vaters? Wir sind Jesus vom Vater gegeben und anvertraut, dass er uns ewiges Leben geben soll. (Dazu Joh. 17, 2; 10, 11. 27-29.) Was der Hebräerbrief von Jesus als unserem Hohen Priester sagt und was Jesus im Johannesevangelium von sich als gutem Hirten sagt, das ergänzt sich. Als unser guter Hirte hat er sein Leben für seine Schafe gelassen. Als Hohen Priester weist Jesus darauf hin, dass der Mensch, der um Vergebung bittet, auch zu seinen Schafen gehört. Denn ER hat am Kreuz die Strafe für uns getragen und unsere Schuld bezahlt. Deswegen vergibt uns der Vater. Seine Gerechtigkeit besteht darin, dass er jedem, der sich wegen seiner Schuld im Glauben auf Jesus beruft, vergibt. Die wichtigste Frage deines Lebens ist deshalb: Gehörst du zu seinen Schafen? Gott lässt sich eine Schuld nicht zweimal bezahlen, von Jesus und von uns. Sein Eidschwur gilt: "Du bist Priester in Ewigkeit!" (Hebr. 7, 21. 28). "Was keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat. Um unsere Schuld zu sühnen, hat Gott seinen Sohn am Kreuz für uns verbluten lassen. Das erkennen wir im Glauben und darin zeigt sich, wie Gottes Gerechtigkeit aussieht . . . So steht fest, dass Gott allein gerecht ist und nur den von seiner Schuld freispricht, der an Jesus Christus glaubt" (E. Riggenbach; vgl. Röm. 3, 24-26).

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SAMSTAG, 28. JULI

GEWISSHEIT IM WIRRWARR DER ZEIT

SPRÜCHE 27, 1; JAKOBUS 4, 14

Der US-amerikanische Schriftsteller, Journalist und Vermessungs-Ingenieur Ambrose Bierce (1842-1914) äußerte einmal: "Wissen nennen wir den kleinen Teil der Unwissenheit, den wir geordnet haben." Auch wenn sich das Wissen der Menschheit seitdem unglaublich vervielfacht hat, können wir daraus zwar vielfältigen Nutzen ziehen, aber wir sind nicht sicherer geworden, haben nicht weniger Angst. Im Gegenteil! Das mag Ambrose Bierce seinerzeit schon geahnt haben; denn er gilt als Erfinder der modernen Horror-Literatur. - So ist es gerade in unserer Zeit von entscheidender Bedeutung, dass wir Christen uns darauf besinnen, wie wir in wachsenden Spannungen und Ängsten dennoch zuversichtlich leben können. Wir werden dabei nüchtern daran festhalten: "Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet" (T. Clausnitzer). Wie gut haben wir's, dass Gott uns Gewissheiten schenkt, die uns zur Hilfe in den schwierigsten Lebenslagen werden können. Denn Christen gehen in ihre irdische wie ewige Zukunft mit der Gewissheit: Gott ist mit uns; er selber hat es uns zugesagt. (Lies 1. Mose 28, 15; Jes. 43, 2; Matth. 28, 20b.) Unsere Gewissheiten beruhen auf Gottes Zusagen. Um drei solcher Gewissheiten soll es in den nächsten Tagen gehen.

1. Wir wissen, dass der HERR treu ist. "Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit." Er verändert sich nicht. "Sind wir untreu, so bleibt er doch treu." Er bleibt treu, das ist der große Unterschied zwischen Gott und Mensch. "Gott ist treu und kein Böses an ihm" (Hebr. 13, 8; 2. Tim. 2, 13; 5. Mose 32, 4). Die göttliche Treue ist einzigartig, weil sie sich mit Wahrheit, Güte und Gerechtigkeit verbindet. Zu seiner Zeit wird Gott seine Zusagen erfüllen. Wenn wir seinen Verheißungen glauben, werden wir sie erleben. (Lies 5. Mose 7, 9; 1. Kön. 8, 56.)

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SONNTAG, 29. JULI

1. JOHANNES 1, 7-10; LUKAS 15, 17-24

Gott ist treu. Seine Treue zeigt sich vor allem in seiner Vergebung! Der Prophet Jesaja musste einmal dem Volk Israel im Namen Gottes sagen: "Eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott..." (Jes.59, 2). Niemand kann sagen, dass er frei von Sünde ist - Christen am allerwenigsten, denn durch Gottes Wort und Geist wird unser Gewissen geschärft für alles Unrecht, das auch bei uns in Gedanken, Worten oder Werken geschieht. Deshalb sollten wir Sünde nicht verharmlosen, sondern sie vielmehr beim Namen nennen und sie vor unserem Herrn zugeben. Wenn wir unsere Sünden bekennen, reinigt uns der Herr von aller Ungerechtigkeit, weil er treu zu seinem Wort steht. "Das Thema Vergebung ist das Generalthema Gottes. Es ist der rote Faden des Alten und Neuen Testaments, denn ohne Vergebung gibt es keine wirkliche Gemeinschaft mit Gott. Ohne Vergebung gibt es auch keine Geborgenheit, keine unbekümmerte Freude, kein neues Leben und kein ewiges Heil. Ohne Vergebung bleibt alles beim Alten, ohne Vergebung hat alles den Geruch des Todes. Vergebung hat fundamentale Bedeutung, das heißt, die Bedeutung eines Fundaments für das Haus des Lebens und des Glaubens. Gott geht so mit der Sünde um, dass der Lohn der Sünde in jedem Fall der Tod ist (Röm. 6, 23). Es gibt in Gottes Augen auch keine kleineren oder größeren Sünden, das sind lediglich unsere Einschätzungen. Denn es gibt auch keine kleinere oder größere Gnade. Gnade ist Gnade und Sünde ist Sünde. Eine Rebe, die einen Millimeter entfernt vom Weinstock abgeschnitten liegt, stirbt ebenso ab und verwelkt wie eine, die hundert Kilometer vom Weinstock entfernt abgeschnitten liegt. Jede Sünde trennt ab von Gott" (nach W. Putschky). Doch es gibt Hilfe: Johannes 8, 2-11.

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MONTAG, 30. JULI

2. KORINTHER 5, 21; 1, 20

"Gott nimmt Sünde ernst. So ernst, dass er sie nicht einfach durchstreichen kann. Sie muss hinweggetragen, beseitigt werden, und das kann nur geschehen, wenn sich ein Unschuldiger dafür hergibt. Im Alten Testament sehen wir, dass Gott seinem Volk Israel das Opfer als Mittel gab, um aus dem Zusammenhang von Sünde und Tod herauszukommen. Am großen Versöhnungstag, dem ?Jom Kippur? wurden dem ?Sündenbock?, einem makellosen Tier, symbolisch die Hände auf die Stirn gelegt unter gleichzeitigem Bekenntnis der Sünde und diese auf das unschuldige Tier übertragen. Dieses musste dann sterben, worauf der Zuspruch der Vergebung erfolgte (3. Mose 16, 21. 22.) Das war schon damals der Hinweis, auf welche Weise Gott künftig und endgültig handeln würde. Darum musste das Lamm Gottes kommen, das der Welt Sünde trägt" (W. Putschky). (Lies Matth. 1, 21; Luk. 2, 11.) Beachten wir, dass Johannes im Blick auf die Vergebung die Gerechtigkeit Gottes, nicht seine Barmherzigkeit hervorhebt (1. Joh. 1, 9). Gott legt seine Gerechtigkeit nicht beiseite, damit er barmherzig sein kann. Gott drückt seine Augen nicht zu, damit er die Sünde nicht anzusehen braucht, sondern er richtet sie auf das Kreuz von Golgatha, wo seine Gerechtigkeit zu seiner Zufriedenheit erfüllt wurde, als der Sohn Gottes die Sünde der ganzen Welt auf sich nahm und die Strafe dafür trug. Es ging mit "rechten" Dingen zu, weil Gott gerecht ist. "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt." Gottes Vergebung beruht auf seiner Gerechtigkeit. Darum kann Gott mit dem Sünder barmherzig sein, weil die Sünde gesühnt ist. Und ich darf der Zusage seiner Vergebung glauben. (Lies Jes. 44, 22; Micha 7, 18; Eph. 1, 7.)

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DIENSTAG, 31. JULI

1. JOHANNES 4, 16; 1. KORINTHER 13, 13

Gottes Treue wird an seiner Liebe deutlich, die niemals aufhört. Gott ist die Liebe in Person; darum hört seine Liebe so wenig auf, wie die Existenz des ewigen Gottes selbst. Das gilt nicht nur für eine allgemeine Liebe zur ganzen Menschheit oder zu seiner Gemeinde, das gilt auch für seine Liebe zu mir ganz persönlich. "Gott ist Liebe, sein ganzes Tun ist beherrscht von Liebe und von dem Wunsch, Gemeinschaft zu haben mit dem, was von ihm geschaffen ist. Gottes Liebe kommt immer dem Menschen zuvor, ohne zu fragen, ob er liebenswert ist. Darum gibt es die Heilsgeschichte, weil Gott die Menschen liebt. In ihrer ganzen Urgewalt bricht sich die Liebe Gottes Bahn in der Sendung seines Sohnes" (Ralf Luther). "Darin besteht die Liebe, nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden" (1. Joh. 4, 10). Gottes Liebe überdauert und übersteht alles, was menschliche Liebe so leicht gefährdet und zerstört. Wie oft hätte der Herr uns schon aufgeben können, weil unsere Herzenshaltung, unser Leben und Handeln nicht übereinstimmte mit dem, was wir ihm einmal versprochen hatten. Aber er gibt uns niemals auf. Er ist treu und er bleibt uns treu. Denn "nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (Röm.8,39; lies Jer.31,3). In jeder Lage, auch nach jeder Niederlage, darf ich mich geliebt wissen von meinem Herrn. "Erhaltet euch im Bewusstsein der großen Liebe, mit der ihr von Gott geliebt seid" (Jud. 21). Dass Gott uns in seiner Liebe treu bleibt, darf auch heute unsere frohe Gewissheit sein. (Lies 1. Kor. 13, 1-8.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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