RAUM FÜR GOTT - 2.KORINTHER 6,11- 8,24

SAMSTAG, 1. JULI

2.KORINTHER 6, 11-13

Wir vergegenwärtigen uns zunächst jene Zusammenhänge, die unser Kapitel als bekannt voraussetzt und in unserer Bibellesehilfe »Zeit mit Gott« in der Zeit von 4/2004 bis 4/2005 ausführlich betrachtet wurden. Gegen Ende seiner zweiten Missionsreise im Jahre 50 n. Chr. gründete Paulus in Korinth eine Gemeinde, die er eineinhalb Jahre vor Ort betreute. Judenchristen und eine große Zahl Heidenchristen waren nach seinem Abschied in der weltoffenen Hafenstadt großen Versuchungen ausgesetzt und mussten sich mit Irrlehren auseinander setzen. Im ersten Korintherbrief nimmt Paulus zu dieser Problematik Stellung. Falsche Apostel stellen seine Autorität in Frage. Ein kurzer Zwischenbesuch bewirkt keine Besserung der Beziehung. Erst sein so genannter Tränenbrief, der uns nicht erhalten blieb, findet Gehör (2.Kor. 2, 1-4). Dankbar verfasst Paulus den zweiten Korintherbrief, in dem er wiederholt die vorangegangenen Spannungen erwähnt und zu konsequenter Nachfolge aufruft. Paulus spricht nicht von oben herab zu ihnen, sondern möchte ihnen in väterlicher Weise begegnen. »Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies, sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium« (1. Kor. 4, 14. 15). Auf dieser Grundlage sind alle folgenden Ermahnungen zu verstehen. Sie tragen keinen Stachel negativer Kritik. Weshalb war Paulus trotz persönlicher Angriffe dazu in der Lage? Hier eine Auswahl möglicher Antworten aus den Korintherbriefen als Denkanstoß für unsere persönliche Situation: o in seinen Gebeten dankte er fortlaufend für die Korinther (1. Kor. 1, 4), o er orientierte sich an Christus, nicht an Menschen (1. Kor. 11, 1), o er verstand sich als Gehilfe zur Freude für ihr Glaubensleben (2. Kor. 1, 24), o er wollte sich in seinem Amt als Diener Gottes bewähren (2. Kor. 6, 3. 4), o er lebte von der Gnade Gottes (2. Kor. 1, 12).

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SONNTAG, 2. JULI

2.KORINTHER 6, 14-16a

Mit Hilfe drastischer Gegensätze entfaltet Paulus den grundlegenden Unterschied zwischen einem Leben unter Gottes Herrschaft und einem Leben ohne ihn. o Gerechtigkeit - Ungerechtigkeit Durch Jesus empfängt der Gläubige die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Er ist frei von Sünde (2. Kor. 5, 21). Der Ungläubige steht unter dem Urteil der Ungerechtigkeit, weil er Gottes Wahrheit in Jesus ablehnt. Er bleibt damit unter der Last der Sünde (Röm. 1, 18; 2, 8). o Licht - Finsternis Licht schließt Finsternis aus. Da Christus das Licht der Welt ist (Joh. 8, 12), sind auch seine Nachfolger berufen, Kinder des Lichtes zu sein (1. Petr. 2, 9; Eph. 5, 8). o Christus - Beliar Beliar ist ein seltener Name für Satan mit der Bedeutung »Boshaftigkeit, Schlechtigkeit«. Jesus Christus, der sündlose Sohn Gottes, hat jedoch den Bösen besiegt (Luk. 10, 17. 18) und wird ihn einst völlig vertilgen (Offb. 20, 10). o Gottes Tempel - Götzen Mose und die Propheten haben dem Volk Israel vor Augen gestellt, dass Götzen Bildnisse aus Menschenhand sind, selbst gefertigte Nichtse (Jer. 10, 1-5). Der unsichtbare Gott jedoch, der Schöpfer Himmels und der Erde, wählte sein Volk als Wohnort (2.Mose 29, 45. 46). Wer logisch denkt, muss im Grunde jede Gemeinsamkeit zwischen den beschriebenen Gegensätzen ausschließen. Adolf Schlatter folgert: »Die Gläubigen und die Ungläubigen haben in der unsichtbaren Welt ihren Herrn, der sie lenkt. Sollen sie miteinander einträchtig werden, so müsste es auch zwischen ihren Herren ein Einverständnis geben.« Selbst in der Landwirtschaft beachtete man die Regel, keine artfremden Tiere in einem Arbeitsjoch zusammenzuspannen (5.Mose 22, 10). Es stimmt nachdenklich, dass Paulus dennoch vor einer »Jochgemeinschaft« mit Ungläubigen warnen muss. Er wusste wohl um die schleichende Gefahr im geistlichen Leben, vor der Logik allein nicht bewahrt. Seine Mahnung will wachrütteln. Wo bin ich bereit, aus Vorteilsdenken Kompromisse einzugehen, die jedoch meiner Glaubwürdigkeit als Christ widersprechen?

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MONTAG, 3. JULI

2.KORINTHER 6, 16. 17

»Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes«, betont Paulus in einem nächsten Schritt. Diese Aussage trifft in doppelter Hinsicht zu. So wird im Neuen Testament einerseits die Gemeinschaft der Gläubigen als Tempel Gottes beschrieben (Eph. 2, 19-22). Aber auch der einzelne Gläubige, in dem Vater und Sohn durch den Heiligen Geist Wohnung genommen haben, darf sich als Tempel Gottes verstehen (Joh. 14, 23; 1. Kor. 6, 19). Diese völlig neue Lebensqualität bewirkt Fremdheit im Verhältnis zu dieser Welt und führt mitunter zu feindlicher Konfrontation (Joh. 15, 18. 19). Mit der Aufforderung »sondert euch ab« ist der Einzelne sogar angewiesen, eine bewusste Trennung von sich aus zu vollziehen. Ziel ist dabei nicht ein ängstlicher Rückzug aus der »bösen Welt«. Jesus betet mit einer anderen Perspektive für seine Jünger: »Vater, ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt« (Joh. 17, 15. 18). Auch eine geringschätzige Haltung gegenüber der Welt wäre eine falsche Interpretation von Absonderung. »Es geht hier nicht einfach darum, im Gegensatz zur Welt zu leben, sich in eine Nische zurückzuziehen und jedermann damit zu vergraulen. Absonderung bedeutet vielmehr, in Harmonie mit der Liebe Gottes für eine verlorene Welt zu leben« (A. Redpath). Deshalb machen wir uns nicht abhängig von Mehrheiten, Moden und Meinungen. Wir haben Mut, anders zu sein

Leben sollen ihnen gute Orientierung geben. (Lies Matth. 5, 13-16; Phil. 2, 14. 15.) - um meiner Glaubensgeschwister willen. Sie sollen in ihrer Nachfolge ermutigt und angespornt werden.

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DIENSTAG, 4. JULI

2.KORINTHER 6, 17 - 7, 1

»Gott wohnt, wo man ihn einlässt, und kehrt das Dunkel aus. Wer sich auf ihn verlässt, bei dem ist er zu Haus.« So singt ein Liedermacher unserer Tage. Dabei wird anschaulich: Den »Wohnort« Gottes reinigen zu lassen und rein zu halten, ist nur eine Seite des Bildes vom Tempel. Wohnraum bedeutet ja vor allem Ort der Begegnung und Ort der vertrauensvollen Gemeinschaft. Deshalb führt Paulus seinen Gedanken weiter aus. Er zitiert verschiedene alttestamentliche Schriftstellen nicht wörtlich, sondern gibt sie frei wieder, um nun von der Beziehung selbst zu sprechen, die sich für uns auftut. Es ist göttliche Vaterliebe, die nach uns Verlangen hat und unser Leben prägen will. Im Alten Testament ist diese Vaterliebe bezeugt und erkennbar im Verhältnis Gottes zu seinem auserwählten Volk (Jes. 63, 16; Jer. 31, 9). Seit Jesus für uns am Kreuz starb, darf jeder, der zu ihm gehört, ganz persönlich »Vater« zu Gott sagen und als Kind unter seiner Fürsorge leben (Matth. 6, 8. 9; vgl. Luk. 11, 11-13). Wer wollte auf so viel Liebe nur halbherzig antworten? »Lasst uns die Heiligung in der Gottesfurcht vollenden«, schreibt Paulus. Sein Aufruf ist deshalb realistisch, weil er von einer entlastenden Grundlage und einer ermutigenden Verheißung ausgeht.

1. Die entlastende Grundlage:

Alle Gläubigen sind in Christus Jesus geheiligt, auch die Christen in Korinth (1. Kor. 1, 2)! Der Begriff »heilig« bedeutet in der Bibel Beschlagnahmung, Aussonderung für Gott. Nur was Gott in seinen Besitz nimmt, kann als heilig bezeichnet werden, sei es eine Person, ein Gegenstand oder ein besonderer Tag. Das Ziel der Heiligung ist die Umwandlung des Gläubigen in das Bild des Christus (1. Joh. 3, 2. 3).

2. Die ermutigende Verheißung:

Jesus vollendet unser Leben (Phil. 1, 6; 2, 13). Darin liegt der frohe Ansporn, das Geschenk der Gottesgemeinschaft verantwortlich zu leben.

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MITTWOCH, 5. JULI

2.KORINTHER 7, 2. 3

Noch einmal berührt Paulus den heiklen Punkt ungerechtfertigter Vorwürfe gegen ihn, deren Ausmaß wir nicht im ganzen Umfang abschätzen können. Er entkräftet sie jedoch als völlig haltlos. Genauso gegenstandslos sind für ihn Gedanken der Vergeltung. Vielmehr bekennt er sich zu den Korinthern, versteht sich als Teil einer Lebens- und Sterbensgemeinschaft, die in Jesus Christus ihre unerschütterliche Grundlage hat. Ob jeder von uns sich schon so verbindlich auf eine Gemeinschaft von Christen eingelassen hat? Manche wandern zwischen verschiedenen Gemeinden, weil keine völlig den eigenen Vorstellungen von christlicher Gemeinschaft entspricht. Andere halten sich zwar zu einer Gemeinschaft, bleiben aber auf kritischer Distanz und sind nicht bereit, Fehler, Niederlagen und Dürrezeiten als »Bruder unter Brüdern« mitzutragen. Dietrich Bonhoeffer schreibt: »Unzählige Male ist eine ganze christliche Gemeinschaft daran zerbrochen, dass sie aus einem Wunschbild heraus lebte . . . Es ist aber Gottes Gnade, die alle derartigen Träume rasch zum Scheitern bringt. Die große Enttäuschung über die andern, über die Christen im Allgemeinen und, wenn es gut geht, auch über uns selbst, muss uns überwältigen, so gewiss Gott uns zur Erkenntnis echter christlicher Gemeinschaft führen will . . . Christliche Bruderschaft ist nicht ein Ideal, das wir zu verwirklichen hätten, sondern es ist eine von Gott in Christus geschaffene Wirklichkeit, an der wir teilhaben dürfen. Je klarer wir den Grund und die Kraft und die Verheißung aller unserer Gemeinschaft allein an Jesus Christus erkennen lernen, desto ruhiger lernen wir auch über unsere Gemeinschaft denken und für sie beten und hoffen.« Diese positive Erwartung wird sich in Dankbarkeit äußern. Und gerade da, wo wir vieles vermissen, wollen wir die unscheinbaren Gelegenheiten nicht übersehen, in denen Jesus uns in und durch die Gemeinschaft unverdient beschenkt. Wir leben von seiner Vergebung. (Vgl. Matth. 18, 21-35; 1. Joh. 1, 7.)

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DONNERSTAG, 6. JULI

2.KORINTHER 7, 4-7

Paulus dankt nicht nur für die Korinther. Er redet viel von dem, was zu loben ist. Und mit übervollem Herzen teilt er ihnen nun seine große Freude mit. Wie ist dieser gefühlsstarke Umschwung zu verstehen? Vers 5 erinnert an die vorausgegangene Not. Das gespannte Verhältnis zur Gemeinde in Korinth bedeutete für ihn eine schwere innere Zerreißprobe. So groß war der Kummer, dass weder die offene Tür zur Mission in Troas noch die Bedrängnis in Mazedonien darüber hinweghalfen (vgl. 2. Kor. 2, 12; 4, 8). Die Entlastung kam für Paulus durch Titus, der nach der Übergabe des Tränenbriefes mit guten Nachrichten zurückkehrte. Die Korinther waren endlich offen für die geistliche Korrektur durch Paulus und litten ebenso an der inneren und äußeren Trennung. Es fällt auf, dass der Apostel diese trostvolle Wende unmittelbar als von Gott geschenkt ansieht und aus seiner Hand nimmt. Paulus hält es nicht für sein Verdienst und versteht sich auch nicht als der Überlegene, der nun zuletzt Recht behält. Vielmehr identifiziert er sich mit dem Geringen. Das Wort »gering« kennzeichnet jemanden oder etwas als klein und unbedeutend. Paulus will gern zu diesen Unbedeutenden gehören, die Gott durch seinen Zuspruch aufrichtet. »Wer ist wie der Herr, unser Gott, im Himmel und auf Erden? Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe, der den Geringen aufrichtet aus dem Staube« (Ps. 113, 5-7). Brauche ich heute in besonderer Weise Hilfe? Er wird gnädig sein dem Geringen. (Lies Ps. 72, 12. 13; vgl. Jes. 25, 4.) Braucht ein anderer heute in besonderer Weise meine Hilfe? Jesus selbst identifiziert sich mit den Geringen und Bedürftigen, gibt ihnen eine besondere Würde, indem er sagt: »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan« (Matth. 25, 40).

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FREITAG, 7. JULI

2.KORINTHER 7, 8-10

Paulus entfaltet den Grund seiner gegenwärtigen Freude in unmittelbarer Beziehung zur Traurigkeit der Korinther. Darin liegt kein Widerspruch, weil die Traurigkeit der Christen in Korinth eine heilsame Reue bewirkt. Im griechischen Text steht an Stelle von Reue der biblische Fachbegriff für »Buße« mit der Bedeutung von Sinnesänderung, Umkehr. Wir können deshalb Vers 9 auch so lesen: »Ich freue mich nicht, dass ihr betrübt worden seid, sondern darüber, dass ihr betrübt worden seid zum Umdenken.« Der Kummer über begangene Sünden und die Abkehr von ihnen gehören folgerichtig zusammen. Wer mit seinen falschen Wegen bricht und seine Schuld bekennt, erfährt Rettung. Dies nennt Paulus eine Traurigkeit nach Gottes Willen, die zur Seligkeit Reue wirkt. Wer nur betrübt ist über die Folgen der Sünde, aber nicht über die Sünde selbst, erlebt keine Befreiung. »Nicht ohne Grund hat man in der Kirche immer wieder als Beispiel göttlicher Traurigkeit die Reue und Umkehr des Petrus nach seiner Verleugnung angeführt (vgl. Matth. 26, 75), während als warnendes Exempel für die Tod wirkende Traurigkeit der Welt das Ende des Verräters Judas galt (vgl. Matth. 27, 3-5). Paulus freilich denkt in diesem Augenblick weder an Petrus noch an Judas. Er ist ganz und gar mit seinen Korinthern beschäftigt, deren Betrübnis offenkundig zum Heil ausgeschlagen ist, sodass damit jeder Grund, seinen Brief zu bereuen, wegfällt« (O. Schmitz). Gleichzeitig lesen wir zwischen den Zeilen, dass für Paulus lange die Sorge bestand, den Brief unter Umständen bereuen zu müssen. Wer Menschen in ihrem Glaubensleben begleitet, weiß, wie unsere besten Bemühungen bei anderen Schaden anrichten können. Wir sehen: Auch ein Apostel versieht seinen Dienst mit Schritten des Vertrauens (2. Kor. 1, 9), mitunter mit Zittern und Zagen (2.Kor. 2, 4), muss Wartezeiten aushalten (2.Kor. 6, 4) und Zuflucht nehmen im Gebet (2. Kor. 13, 9; Eph. 1, 15-17; Kol. 1, 9-11).

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SAMSTAG, 8. JULI

2.KORINTHER 7, 10-13a

In der Sorge um das innere Wachstum eines jeden Menschen mutet Gott mitunter beschämende Erfahrungen, Versagen oder schmerzliche Erschütterungen zu. »Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden müsst. Wie mit seinen Kindern geht Gott mit euch um« (Hebr. 12, 7). So erlebte es ein junger Mann, der sich seinen Weg ohne Gott erobern wollte. Er gehörte zu einer Hobbyband, die regelmäßig an den Wochenenden in Bierzelten oder Gasthäusern auftrat. Natürlich spielte Alkohol eine große Rolle. Ständig wiederholte sich der Teufelskreis von Beifall und guter Stimmung, Rausch, Kater und Ekel. Aufsteigende Schuldgefühle drängte er zurück. Dann erreichte ihn die Nachricht, dass seine Mutter unheilbar erkrankt war. »An ihrem Bett überkam mich jetzt eine tiefe Reue und stürzte mich in innere Verzweiflung. Mein ganzes Versagen stand übermächtig vor mir. In meiner Not fing ich an, Gott um das Leben meiner Mutter zu bitten. Gott hat mein Gebet nicht erhört. Sie ging in getrostem Glauben an Jesus Christus aus der Zeit in die Ewigkeit Gottes. Trotzdem bin ich an seiner Führung nicht irregeworden. Ich hörte seinen Ruf, lud meine Schuld bei ihm ab und durfte seine Vergebung finden. Mein Leben hat einen Sinn bekommen.« In Korinth ging es allerdings um mehr als um die Zurechtbringung eines Einzelnen. Der Umgang mit jenem nicht konkret genannten Vergehen, wovon in 2. Korinther 2, 5-11 die Rede ist, wurde zum Prüfstein für eine ganze Gemeinde. (Vgl. 4. Mose 12, 1-15.) Würde sie Übles, das sich auch gegen den Apostel Paulus richtete, in ihrer Mitte dulden? Daran hätte die Gemeinde Schiffbruch erleiden können (1. Kor. 5, 6-8). Aber Paulus erfährt von ihrer ganzen Umkehr, hebt ihren Eifer hervor, gegen die Sünde Stellung zu beziehen, und erkennt ihr Verlangen, sich auf seine Seite zu stellen. Das bedeutet Trost! (Lies Ps. 25, 3. 5b.)

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SONNTAG, 9. JULI

2.KORINTHER 7, 13b-16

Ganz selbstverständlich ist bisher in unserem Brief von Titus die Rede (2.Kor. 2, 13; 7, 6. 7). Er ist demnach der Gemeinde gut bekannt. Wir können nicht mehr nachvollziehen, wann, wo und wie Titus zum Glauben kam. Er ist ein Grieche, den Paulus als Mitarbeiter sehr schätzte. Wir finden ihn auf dem Apostelkonzil in Jerusalem (Gal. 2, 1) und bevorzugt bei der Ausführung schwieriger Aufträge. Paulus sendet ihn als Überbringer des Tränenbriefes und des zweiten Korintherbriefes (2.Kor. 12, 8). Im Titusbrief erfahren wir von seiner Verantwortung, den Aufbau der Gemeinden auf Kreta zu begleiten (Tit. 1, 4). Später reist er weiter nach Dalmatien (2. Tim. 4, 10). Wie sehr er sich mit dem geistlichen Anliegen identifiziert, das wir bisher bei Paulus besprochen haben, zeigt die in Vers 13 beschriebene Freude. Geteilte Freude ist auch hier doppelte Freude! Es bleibt ein großes Geschenk, wenn wir als Brüder und Schwestern Gottes Anliegen von Herzen miteinander teilen und tragen können. Dankbar nimmt Paulus die gewachsene Beziehung zwischen Titus und der Gemeinde wahr. Ein gemeinsamer Weg durch Tiefen und Buße verbindet ja auf besondere Weise. Der Hinweis auf den Gehorsam der Gemeinde mit Furcht und Zittern mag uns befremden. Die gleiche Redewendung treffen wir in Epheser 6, 5 und Philipper 2, 12 an. Sie ist ein Hinweis auf »Furcht als Ehrfurcht, die um die Vollmacht des Boten weiß und sich ihm um des Herrn willen gehorsam unterstellt« (H. Krimmer). Mit entlastetem Herzen kann Paulus unter die zurückliegenden Auseinandersetzungen einen Schlussstrich ziehen und zuversichtlich die Gemeinschaft mit ihnen fortsetzen.

Einer reize doch den andern,
kindlich, leidsam und gering
unserm Heiland nachzuwandern,
der für uns am Kreuze hing.
Einer soll den andern wecken,
alle Kräfte Tag für Tag
ohne Sträuben darzustrecken,
dass er ihm gefallen mag.
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf

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MONTAG, 10. JULI

2.KORINTHER 8, 1. 2

Das 8. Kapitel eröffnet einen völlig neuen Themenbereich. Er steht jedoch zutiefst mit den vorangehenden Überlegungen in Verbindung. Geld ist und bleibt ein heikles Thema. Wie hätte Paulus über eine Geldsammlung reden können, solange sein Verhältnis zu den Korinthern gespannt war? Da wären weitere Missverständnisse vorprogrammiert gewesen. Erst jetzt nach Erneuerung ihrer Beziehung kann er diese wichtige Angelegenheit aufgreifen. Es geht dabei um eine Kollekte für Jerusalem, die bereits in 1. Korinther 16, 1-4 besprochen wurde, vermutlich aber als Folge der verschiedenen Schwierigkeiten in den Hintergrund getreten war. In der dicht bevölkerten Stadt Jerusalem gab es viel Armut. Auch Christen waren davon betroffen. Paulus bemühte sich beim Aufbau neuer Gemeinden, die Verbindung zur christlichen Urgemeinde zu halten und durch ein Verantwortungsgefühl füreinander zu stärken. Dieses Band sollte im Gebet und im Geben Ausdruck finden als Dank für das Geschenk des Evangeliums und als Zeichen der Einheit zwischen Juden- und Heidenchristen. Man spürt Paulus ab, wie er selber beeindruckt ist von der Gebefreudigkeit der Geschwister in Mazedonien. Durch seinen Dienst waren in dieser römischen Provinz auf der Balkanhalbinsel Gemeinden in Philippi, Thessalonich und Beröa entstanden (Apg. 16, 9 - 17, 15). Sie hatten von Anfang an Verfolgung und Bedrängnis zu erleiden (2.Thess.1, 4). Trotz großer (wörtl.: abgrundtiefer) Armut teilen sie ihre geringen Mittel mit den bedürftigen Glaubensgeschwistern (vgl. Röm. 15, 26). Noch eindrücklicher liest sich 2.Korinther 8, 2 in der Elberfelder Übersetzung: »Bei großer Bewährung in Drangsal ist der Überschwang ihrer Freude und ihre tiefe Armut übergeströmt in den Reichtum ihrer Freigebigkeit.« Ihr Reichtum ist ihre einfältige Güte, die trotz Mangel nicht für sich sammelt, sondern ohne Hintergedanken schenkt. Paulus nennt es Gnade Gottes. Gleichzeitig nimmt er ihr Vorbild zum Anlass, auch die Korinther auf diesen Weg praktischer Liebe hinzuweisen (vgl. Apg. 11, 29. 30).

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DIENSTAG, 11. JULI

2.KORINTHER 8, 3-6

Auffallend ausführlich beschreibt Paulus die beispielhafte Haltung der mazedonischen Gemeinden. Schauen wir deshalb genau hin: o Sie gaben nach Kräften über ihre Kräfte! Diese starke Formulierung ist wohl ein Hinweis darauf, dass sie zu mehr Verzicht entschlossen waren, als die gegenwärtige Not bereits von ihnen forderte. Muss ein echter Christ sich so verhalten? Nein - o Sie gaben freiwillig! Ihr Verhalten entsprach nicht einem christlichen Pflichtgefühl und war nicht der Versuch, einen besonders frommen oder opferwilligen Eindruck zu hinterlassen. Es entsprang ihrem eigenen Bedürfnis. (Lies 1. Chron. 29, 16-18.) Wie überwältigend mag für sie die Gemeinschaft mit Jesus Christus in der Not gewesen sein, dass daneben anderes an Gewicht verlor! o Sie baten dringlich, mithelfen zu dürfen! Vermutlich waren viele Gläubige sich mit Paulus darin einig, diese geplagten Brüder und Schwestern zu schonen, bis sie selbst wieder bessere Zeiten sahen. Aber sie wollten keine Schonung, sondern Beteiligung! Sie wollten nicht außerhalb jenes Segens stehen, der im gemeinsamen Dienst für die Heiligen verborgen liegt (vgl. Matth. 10, 42; Gal. 6, 9. 10; 1. Joh. 4, 11. 12). Sie berechneten diesen geistlichen Verlust als schwerwiegendere Einbuße als ihren offenkundigen Mangel. o Sie gaben sich selbst! Die Mazedonier gaben nicht nur etwas von ihrem Besitz weiter. Sie erneuerten ihre Hingabe an Jesus Christus, stellten sich selbst Gott zur Verfügung und damit auch seinem Diener Paulus. »Es war eben mehr als ein Auflodern menschlicher Begeisterung; der Wille Gottes war darin wirksam« (O. Schmitz). Unter diesem Eindruck beauftragt Paulus Titus, erneut nach Korinth zu reisen und die Sammlung zu einem Abschluss zu bringen. Er nennt es »Gnade« (Wohltat), da auch in diesem Fall nur Gottes Gnade bewirken kann, dass eine gut versorgte und in Sicherheit lebende Gemeinde gerne teilt. Wir wollen auch für uns um diese Bereitschaft beten.

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MITTWOCH, 12. JULI

2.KORINTHER 8, 7-9

»Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis.« Ganz im Sinne von 1. Korinther 1, 4. 5 lautet nun der Ansporn an die Gemeinde in Korinth: Weil ihr reich seid, gebt auch ihr reichlich! Damit lenkt Paulus ihren Blick auf das, was ihnen in Jesus Christus geschenkt ist. Das ist gut so. Wir können durch das Vorbild anderer angespornt werden, aber wir geben aus einem falschen Motiv, wenn wir nur Nachahmer ihres Tuns sind. Wir mögen durch den Appell eines Menschen persönlich angesprochen sein, aber wir geben aus einem falschen Motiv, wenn wir unser Gewissen damit beruhigen wollen. Die Korinther sollen in diesem Aufruf auch keinen Befehl verstehen, den sie befolgen müssten, um dem Apostel zu gefallen. Es geht um mehr. Alan Redpath schreibt: »Wie kann man die Gläubigen munter machen? Soll man dauernd Druck auf ihren Geldbeutel ausüben? Ihnen eindrucksvolle Statistiken mit den Nöten der Welt vor Augen halten? Nein, nichts davon! . . . Es geht nur, wenn jedes Kind Gottes durch den Heiligen Geist einen Eindruck gewinnt von der Liebe, die im Herzen Gottes ist, von seiner Barmherzigkeit, die sich zum Stall in Bethlehem herabneigte, auf Golgatha das Erlösungswerk vollendete und heute von seinem Thron die Welt regiert bis zur Wiederkunft Christi. Wir werden nur das heilige Feuer schüren, wenn wir selbst erkennen, was Gottes mächtige Gegenangriffe gegen Sünde und Satan ausrichten. Wenn die Gemeinde der Herausforderung unserer Tage gerecht werden will, muss sie auf Jesus Christus blicken und erkennen, dass er - obwohl er reich war - arm wurde um unsertwillen, auf dass wir durch seine Armut reich würden.« (Vgl. Phil. 2, 6-8.)

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DONNERSTAG, 13. JULI

2.KORINTHER 8, 10-15

Dieser Abschnitt enthält ganz praktische Anweisungen im Blick auf das Geben. Vers 10. 11: Schiebt eure Gabe nicht lange auf. Guter Wille muss zur Tat werden. Die Not braucht gegenwärtige Abhilfe. Vers 12: Als Maßstab für die Größe der Gabe nennt Paulus weder einen festen Prozentsatz noch verpflichtet er auf das Beispiel der Mazedonier (V. 3). Das Geben über die eigenen Kräfte hinaus kann nur aus freien Stücken erfolgen. Es geht schlicht um eine Unterstützung nach dem Maß dessen, was man hat. Das entlastet und stellt zugleich in eine große Eigenverantwortung vor Gott. Vers 13: Ein Christ muss nichts geben mit dem Ziel, unter allen Umständen selber arm zu sein. Auch das Gleichheitsprinzip, nach dem auf dieser Welt alle gleich viel besitzen sollen, entspricht nicht der Bibel. Die Vorgabe lautet: Es soll zu einem guten Ausgleich kommen! Vers 14: Der Geber soll sich nicht als edlen Spender verstehen und der Beschenkte nicht als Almosenempfänger. Paulus zeichnet ein partnerschaftliches Bild. Jetzt gibt der eine, später ist er selbst der Empfangende. Doch über diesen Aspekt hinaus ist auch folgende Bedeutung eingeschlossen: Im gegenseitigen Geben und Nehmen ist jeweils der Überfluss des einen bedeutsam für den anderen. In Korinth mag es im genannten Fall finanzieller Überfluss gewesen sein. In Jerusalem war der Reichtum die gute Botschaft, die von dort ihren Ausgang nahm (vgl. Röm. 15, 26. 27). Jeder verfügt also über eine andere Art von Reichtum, kann Geber sein und braucht den anderen. Vers 15: Gott sorgte bei seinem Volk für den guten Ausgleich. Keiner sollte Mangel haben. Dieser alttestamentliche Bezug unterstreicht den elementaren Grundgedanken für die neutestamentliche Gemeinde. Ein Leben in der Nachfolge bedeutet gelebte Verantwortung für den Leib des Herrn. (Lies 1.Kor. 12, 25.)

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FREITAG, 14. JULI

2.KORINTHER 8, 16-24

Wenn es um Geldsammlungen geht, stellen wir mit Recht bestimmte Fragen: Durch wessen Hände geht das Geld? Besteht die Gefahr der Veruntreuung? Wird es auch sein Ziel erreichen? Entspricht die Verwendung dem genannten Zweck? Paulus steht mit beiden Füßen mitten in der Welt. Er fordert in Geldfragen nicht blindes Vertrauen, sondern sorgt für Transparenz und ein zuverlässiges Kontrollgremium. Die Kernaussage unseres Abschnittes lautet: »Allen Verdächtigungen soll vorgebeugt werden - es handelt sich immerhin um eine recht hohe Geldsumme. Wir wollen uns nämlich nicht nur Gott, sondern auch den Menschen gegenüber gewissenhaft verhalten« (V. 20. 21). Weil alles gewissenhaft und redlich zugehen soll (wörtl.: gut, schön, lobenswert), sendet er nicht nur Titus nach Korinth. Auch wenn dieser frohe Bereitschaft zeigt und in Korinth große Wertschätzung genießt, weiß Paulus trotzdem um die Notwendigkeit einer offiziellen Abordnung. Zwei weitere Männer zählt er auf, die zwar nicht mit Namen genannt werden, aber großes Vertrauen genießen. Beiden stellt Paulus ein außerordentliches Zeugnis aus. Der zuerst erwähnte Bruder wird später die Spendengelder zusammen mit Paulus nach Jerusalem bringen (V. 19). Auch ohne ihre Identität bestimmen zu können, sind sie von interessanter Bedeutung. Es gibt also neben den engeren Mitarbeitern um Paulus vielerorts Glaubensbrüder, die man in den Gemeinden kennt und gemeindeübergreifend schätzt. (Vgl. Kol. 4, 9. 12. 13; Eph. 6, 20. 21.) Man versteht einander nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung und Stärkung. Gleichzeitig erfahren wir, dass diese Brüder keinesfalls nur von Paulus ausgewählt und beauftragt werden. Sie sind offizielle Abgesandte der Gemeinden (V. 23). Die Not in Jerusalem ist ihr gemeinsames Anliegen. Geber, Gaben und Verantwortungsträger sind öffentliches Gesprächsthema und sollen Gottes Ehre mehren. (Vgl. 1. Kor. 10, 31; Kol. 3, 17.) Danke Herr, dass auch ich Teil deiner großen Gemeinde sein darf. Ich möchte gerne Anteil nehmen und meinen Anteil geben.

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DIE GESCHICHTE DAVIDS - DIE FLUCHT (I)

SAMSTAG, 15. JULI

1. SAMUEL 21, 1-10

Wir erinnern uns: David erfuhr von seinem Freund Jonatan, dass König Saul fest entschlossen war, ihn, den einstigen Sieger über Goliat, zu töten. Davids militärische Erfolge reizten Saul derart zur Eifersucht, dass er es nicht mehr ertragen konnte, ihn unter den Lebenden zu wissen. Er ahnte, dass sein Königtum eines Tages auf David übergehen würde und kämpfte um seine Stellung, die er schon verloren hatte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann er seine Macht loslassen musste. - David zwang seine gefährliche Lage, völlig unvorbereitet, das heißt ohne Proviant und Waffen, zu verschwinden. Nicht einmal Jonatan konnte ihn ausrüsten. Das wäre zu riskant gewesen, denn mit Sicherheit wurde er von Saul scharf beobachtet. »Und David machte sich auf und ging weg« (Kap. 21, 1). Aber wohin? Zu seinen Verwandten konnte er nicht gehen. Dort würde Saul zuerst nach ihm suchen. Den Propheten Samuel wollte er sicherlich mit seiner Anwesenheit nicht gefährden. Blieb noch ein Ort, an dem er vielleicht Hilfe erfahren würde, ein Ort, der David sehr vertraut war, den er öfters aufsuchte: das Heiligtum in Nob. Dort stand die Stiftshütte, dort war das geistliche Zentrum Israels. Was lag näher, als gerade dort Zuflucht zu suchen? War es doch der Ort seines Vertrauens, den er schon in guten Zeiten aufsuchte. Die Gemeinschaft mit Gott war ihm sehr wichtig. Er brauchte sie, und er liebte sie. »O Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses. Ich liebe, Herr, den Ort, wo deine Ehre wohnt« (W. Schulze). (Lies Ps. 26, 4-8.) Wider Erwarten suchte er aber jetzt nicht das Gebet oder einen seelsorgerlichen Rat, sondern bat um Brot und eine Waffe. Er war in Angst und Eile und rannte um sein Leben: Psalm 25, 2. 17-20.

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SONNTAG, 16. JULI

1. SAMUEL 21, 3-7

Der Priester Ahimelech zeigte sich äußerst beunruhigt, als er David ohne Begleitschutz sah. Hastig erzählte der Flüchtling eine erfundene Geschichte, um seine Lage zu erklären. Wollte er damit den Priester schützen, damit er nicht als Fluchthelfer angeklagt und bestraft werden konnte? Ahimelech erkannte, dass David in einer äußerst brisanten Notlage steckte und gewährte ihm als Verpflegung das Brot aus dem Heiligtum, das sonst nur die Priester essen durften (3.Mose 24, 5-9). Ahimelech hatte keine Bedenken, David die heiligen Brote zu geben. (Vgl. 1. Sam. 22, 9. 10.) Der Priester kannte David als einen Mann, der Gott liebte und der nach den Ordnungen des Herrn leben wollte. So bekam David die Brote, dazu das Schwert Goliats, das im Heiligtum seinen Platz gefunden hatte. - Warum hat David dem Priester nicht anvertraut, dass er vor Saul auf der Flucht war? Schwieg er aus purer Angst um sein Leben, oder hatte er Gründe, an der Integrität Ahimelechs zu zweifeln? Oder sollte dieser im Fall einer späteren Entdeckung der Wahrheit ehrlich sagen können: »Ich hatte keine Ahnung?« Das Täuschungsmanöver hätte funktionieren können, wäre da nicht Doëg, der Edomiter, gewesen, der alles heimlich beobachtet hatte (V. 8) und kurz darauf Saul Meldung machte (Kap. 22, 6ff). - Die Frage für David aber war noch immer offen: Wohin sollte er sich wenden? Wo konnte er sicher sein vor Saul? In seiner Bedrängnis sah David nur eine Möglichkeit: Auf nach Gat zum Philister-König Achisch! In dieser Stadt, so meinte David, sei er vor den Häschern Sauls sicher. An diesem Ort, aus dem sich einst der Riese Goliat aufgemacht hatte, Israel zu schlagen (1. Sam. 17, 4), würde ihn niemand vermuten. Hier würde ihn keiner erkennen und keiner nach ihm fragen. Doch David irrte sich. (Lies Spr. 19, 21; 16, 1; Jes. 14, 24.)

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MONTAG, 17. JULI

1. SAMUEL 21, 11 - 22, 1

»Ist das nicht David, der König des Landes? Haben sie nicht von ihm bei Reigentänzen gesungen, Saul habe Tausende geschlagen, David aber Zehntausende « (Kap. 18, 7). Die Philister erinnerten sich exakt an das Lied, das Saul vor Neid erblassen ließ und David zu seinem Feind machte. Sie erkannten die Bedeutung dieses Liedes und sahen David schon auf dem Thron sitzen. Doch David war ein verfolgter Flüchtling und in höchster Gefahr. Er saß in der Falle und »fürchtete sich sehr vor Achisch, dem König von Gat«. Es gab keinen Fluchtweg, und doch musste er schnellstens hier weg! Darum stellte David sich wahnsinnig. In der Enge der Not wurde ein Schauspieler geboren. Diese Rolle machte David sicher keinen Spaß. Aber er erreichte damit, was er wollte: Er wurde vertrieben, da man sich vor Wahnsinnigen fürchtete. - David hat sein Erleben in zwei Psalmen aufgeschrieben. Sie spiegeln alle Schattierungen der Angst, der Klage und der Bedrängnis wider, ebenso auch den großen Dank für die Rettung aus der Not, gekrönt von Lob und Anbetung. (Lies Ps.56,1-14; 34, 1-10. 19-23.) Davids Plan, bei den Philistern Schutz zu suchen, war gescheitert. Er musste nach Israel zurückkehren und sich dort verstecken. Im Stammesgebiet von Juda fand er in der Höhle Adullam Zuflucht. »Als seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters das hörten, kamen sie zu ihm dorthin herab.« Vermutlich hat David sie warnen lassen, denn er dachte nicht nur an seine eigene Rettung. Seit er bei Saul in Ungnade gefallen war, befand sich auch seine Familie in Gefahr. Saul hätte sie leicht als Druckmittel benutzen können. Um das zu verhindern, mussten die Eltern und Brüder mit ihren Familien zusammen mit David »untertauchen«.

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DIENSTAG, 18. JULI

1. SAMUEL 22, 2-5

David war mit seiner Not nicht allein. Etwa vierhundert Männer, ebenfalls vor Saul auf der Flucht, fanden sich bei ihm ein. Gott sah die Not in der Bevölkerung und kümmerte sich um sie (vgl. 2. Mose 3, 7-10). Wie einst Mose sollte nun David sich derer annehmen, die so sehr unter Druck geraten waren, dass ein freies Leben nicht mehr möglich war. Es lag nahe, dass sich mit dieser Gruppe der Unterdrückten ein »Widerstandsnest« gegen König Saul bilden würde. David dachte aber nicht an Aufruhr. Er wollte sich nicht selbst Recht schaffen. Er suchte zusammen mit seinen Männern nur Schutz vor dem Feind und wartete ab, bis Gott selbst eine Veränderung der Verhältnisse herbeiführte. (Vgl. Ps. 26, 1-7; 17, 1-15.) Diese harte Geduldsprobe galt es über viele Jahre durchzuhalten. Versuchungen blieben nicht aus. Schritt für Schritt musste David lernen, sich innerhalb der Planung Gottes zu bewegen. Als er in Moab - es lag östlich des Toten Meeres - für seine Eltern einen sicheren Aufenthaltsort suchte, sagte er zum König: »Lass doch meinen Vater und meine Mutter bei euch wohnen, bis ich erkannt habe, was Gott mit mir tun wird« (V. 3). Wir gehen sicher nicht fehl in der Annahme, dass David mit seinen vierhundert Männern gern im Schutz der Bergfeste geblieben wäre. Es sollte eine »Verschnaufpause« sein. Der Prophet Gad kam zu ihm mit der göttlichen Anweisung: »Bleib nicht auf der Bergfeste! Geh hin und begib dich in das Land Juda.« Das hieß, den moabitischen Schutz aufzugeben und in das Land der Bedrängnis zurückzukehren. Die Planung Gottes läuft nicht selten in die entgegengesetzte Richtung, das heißt anders, als wir erwarten. Dazu Jesaja 55, 8. 9 und Psalm 139, 17.

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MITTWOCH, 19. JULI

1. SAMUEL 22, 6-23

Im Wald Heret, südwestlich von Jerusalem, nicht weit von der Grenze zum Philisterland, fanden David und seine Gruppe ihr neues Versteck. Doch bald wurden sie entdeckt. Als Saul davon erfuhr, setzte er sich bei seinem Amtssitz in Gibea auf einer Anhöhe unter einen hohen, weithin sichtbaren Baum, in der Hand seinen Speer haltend, und hielt denen, die ihm dienten, eine »Standpauke «. Was er sagte, klang sehr gefährlich. Er beschuldigte sie der Verschwörung gegen ihn zu Gunsten Davids, der, ein armer Schlucker, ihnen doch gar nichts bieten könne. »Keiner ist unter euch, der sich um mich grämt und es meinem Ohr eröffnet hätte . . . «, und dass sogar sein Sohn Jonatan sich gegen ihn verschworen habe. Die Atmosphäre war geladen! Was würde der König jetzt tun? Alle wegen Hochverrat hinrichten? Da rettete der Oberhirte Doëg die Situation. Seine Stunde war gekommen, sich vor Saul ins rechte Licht zu setzen: Verse 9 und 10. Ahimelech und alle fünfundachtzig Priester wurden vor den König zitiert und verhört. Ahimelech war ein mutiger Mann. Er sagte die Wahrheit über David (V. 14). Und wie dieser es wahrscheinlich geplant hatte, konnte der Priester sagen: »Ich habe von allem nichts gewusst« (V. 15). Aber es half nichts. Mit Erfolg hatte Doëg das drohende Schwert über sich und seine Kollegen abgewendet und auf die Priester gerichtet. Aber die Gefährten - Minister, Beamte und Heerführer - nutzten diesen Leben rettenden Vorteil nicht aus. Sie wagten es einstimmig, außer Doëg, den Befehl des Königs zu verweigern (V. 17-19). Der Edomiter hatte keine Skrupel. Doch ohne es zu wissen, war er der »Gerichtsvollzieher« Gottes: Vergleiche 1. Samuel 2, 27-33. Ein einziger entkam dem Massaker, um es David zu melden (V. 20-23). (Vgl. Jes. 45, 15; Röm. 11, 33.)

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DONNERSTAG, 20. JULI

1. SAMUEL 22, 20-23

Welch eine »Hiobsbotschaft« für David! Er selber hatte den Anstoß zu dieser Katastrophe gegeben! »Ich wusste schon an jenem Tag, weil der Edomiter Doëg dort war, dass er es Saul sicher berichten würde. Ich bin schuldig am Tod« der Priester. Wie schuldig war David wirklich? Mit einer scheinbar kleinen Unwahrheit aus Angst hatte es angefangen (Kap. 21, 3ff) . . . Am weiteren Verlauf der Ereignisse erkennen wir jedoch, dass David sich nicht immer tiefer in seine Verschuldung festgebissen hat. Er zermürbte sich nicht mit Fragen und Selbstvorwürfen: Was wäre gewesen, wenn . . . ? Hätte ich doch nur . . . ! Gott hatte alles gesehen. Er kannte die trostlose Lage und den Schuldigen. Bei ihm gibt es Vergebung auch für die schlimmsten Sünden. Aber er bewahrt den Schuldigen nicht immer vor unglücklichen Folgen seiner Sünde. (Vgl. 2. Sam. 24, 10-14.) Denn Unrecht hinterlässt Spuren. Menschen können und sollen aus einer unheilvollen Geschichte lernen. Doch nicht selten wiederholen sich tragische Ereignisse. Das sehen wir Jahrzehnte später an Abjatar. Wie geschockt und verletzt musste er in jener Situation gewesen sein, als er David die grauenvolle Nachricht vom Massaker an den Priestern überbrachte. Dieser gewährte ihm zwar seinen Schutz, und Abjatar fand bei David eine sichere Zuflucht. Von nun an gehörte der Priester zu den treuen Gefolgsleuten Davids. Aber dann wurde Abjatar zum Verräter an König David, als er sich Jahre später auf die Seite Adonijas stellte, der den Königsthron für sich selbst beansprucht hatte. (Siehe 1. Kön. 1, 1. 5-8. 18-20.) Wie konnte Abjatar sich zu einem derartigen Verrat hinreißen lassen? Wir wissen es nicht. Aber wir dürfen Gott bitten: »Lass meinen Gang in deinem Wort fest sein und lass kein Unrecht über mich herrschen« (Ps. 119, 133; vgl. Joh. 17, 15; Matth. 6, 13; 1.Kor. 10, 13).

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FREITAG, 21. JULI

1. SAMUEL 23, 1-3

»Und man berichtete David: Siehe, die Philister kämpfen gegen Keïla und plündern die Tennen.« Die befestigte Stadt lag südlich der Höhle Adullam in der judäischen Wüste. Warum wurde David und nicht Saul benachrichtigt? Der Wald Heret, in dem sich David verbarg, lag nicht so weit entfernt wie die Residenz des Königs. Er konnte schneller eingreifen als Saul - und man wird ihm eher zugetraut haben, die Philister zu vertreiben. David machte sich aber nicht sofort mit seinen Männern auf den Weg, sondern »befragte den Herrn: Soll ich hinziehen?« Seine Beziehung zu Gott war so persönlich wie die eines Sohnes zum Vater, dessen Liebe er sich sicher ist und dem er vertrauen kann. Durch die Episode in Gat (Kap. 21, 11-16) hatte David schnell gelernt, dass in einer Gefahr eigensinniges Handeln diese nur vergrößert. Darum stellt er sich bewusst unter die Führung Gottes. Doch jetzt bekam David ein Problem: seine Männer meldeten ihre Bedenken an. Und David wischte diese nicht einfach vom Tisch. Er sah in seinen Leuten, für die er sich verantwortlich wusste, nicht einfach Befehlsempfänger, die ihm im blinden Gehorsam folgen sollten. Er überrumpelte sie nicht mit seinen Plänen, sondern anerkannte sie als seine Mitstreiter, denen er Zeit einräumte, mit ihm und seinem Vorhaben eins zu werden. Deshalb konnten sie offen ihre Bedenken äußern. Als Freund seiner Leute konnte er ihre Ängste und Sorgen nur zu gut verstehen. Als ein Mensch Gottes aber wollte David seine Aktivitäten am Willen Gottes ausrichten. Darum »befragte David wieder den Herrn«. (Lies 1. Sam. 30, 8; 2. Sam. 2, 1; 5, 19. 23.) »Fragt nach dem Herrn und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig« (1. Chron. 16, 11)! (Vgl. Jer. 6, 16; 29, 13. 14a; Mark. 9, 28. 29.)

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SAMSTAG, 22. JULI

1. SAMUEL 23, 3-9

Die göttliche Zusicherung »Ich will die Philister in deine Hand geben« dürfte das Blatt gewendet haben. Die Mitstreiter Davids wollten sich nun nicht länger sträuben. Sie folgten David in den Kampf und fügten den Philistern »eine große Niederlage bei. Und so rettete David die Bewohner von Keïla.« Hinter den Mauern der Stadt fanden David und seine Truppe eine neue Zuflucht. Konnten sie jetzt endlich aufatmen und ein wenig lockerlassen? - Es war nur eine Frage der Zeit, bis man Saul berichtete, wer Keïla vor den Philistern gerettet hatte (V. 7. 8). David konnte es sich nicht erlauben, von Ruhe und Sicherheit zu träumen. Die Lage war nach wie vor angespannt, ja voller Gefahren, und der Feind unberechenbar und grausam. Wenn wir an unseren Weg in der Jesus-Nachfolge denken, geht es uns nicht viel anders. Wollen wir Gottes Wege gehen und in seinem Willen bleiben, ist der Widersacher nicht weit. Unvermutet treffen wir auf Hindernisse und Widerwärtigkeiten, die uns in die falsche Richtung drängen wollen. Wer selbstsicher denkt, ihm könne nichts passieren, denn Gott habe sich doch verpflichtet, ihn überall zu beschützen und zu bewahren, wird sich bald in den größten Schwierigkeiten wiederfinden. Das Gebot der Stunde ist die Wachsamkeit. »Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben« (1. Petr. 5, 8. 9a). (Lies Luk. 21, 34-36; 1. Kor. 16, 13; 1. Thess. 5, 6-8.) - Hätte David nicht jede Bewegung in der Stadt und um sie herum wachsam verfolgt und seine Schlüsse daraus gezogen, dann hätte der Feind ein leichtes Spiel gehabt. So aber erkannte er frühzeitig, dass ihm eine Gefahr drohte, und traf seine Vorkehrungen.

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SONNTAG, 23. JULI

1. SAMUEL 23, 9-13

»Wie groß ist deine Güte, . . . die du denen erweist, die sich bei dir bergen vor den Menschen« (Ps. 31, 20). - Als David erkannte, dass »Saul Böses gegen ihn schmiedete«, ließ er sich von Abjatar den Priesterschurz (Efod) bringen, um zu beten. Das war ungewöhnlich, denn David gehörte nicht zu den levitischen Priestern. Hier nimmt David schon voraus, dass der künftige Messias, Jesus Christus, nicht nur das Amt des Königs, sondern auch das des Priesters erfüllen wird. - Davids Frage an Gott berührte den wunden Punkt der Bürger von Keïla. »Wird Saul die Stadt belagern, und werden sie mich an ihn ausliefern? « Gewiss waren die Bürger David für die Rettung vor den Philistern dankbar. Aber was sollten sie jetzt tun? Wem sollten sie die Treue halten - David oder Saul? Sie befanden sich in einer wirklichen Zwickmühle. Es ist möglich, dass Saul schon von Gibea aus die Stadtväter hatte wissen lassen, was mit ihnen geschehen würde, falls sie David Schutz gewährten. Das Geschick der Priester von Nob hatte sich sicher herumgesprochen. Davids Zwiegespräch mit Gott klärte seine Ungewissheit, wie sich die Stadt entscheiden würde (V. 10-12). Möglicherweise hatte man auch schon Vorkehrungen getroffen, David gefangen zu nehmen. Die Folgerung daraus lag auf der Hand. »Da machten David und seine Männer sich auf, etwa sechshundert Mann, zogen aus Keïla fort und streiften umher, von einem Ort zum andern.« So setzte sich das unruhige Leben fort, begleitet von Strapazen, Ängsten und Unsicherheit. Gott ließ David nicht zur Ruhe kommen. Doch gerade diese unangenehmen Umstände arbeiteten an seinem »inneren Menschen« und brachten ihn dazu, sich umso fester an seinen Herrn zu klammern und seine Sicherheit bei ihm zu suchen. (Lies Ps. 18, 1-4; 56, 9. 10; 62, 2. 3; 138, 7. 8; 142, 6-8.)

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MONTAG, 24. JULI

1. SAMUEL 23, 14-18

Als Saul hörte, dass David aus Keïla entkommen sei, stellte er für diesmal seine Verfolgung ein. Doch die Eifersucht auf David setzte ihn bald wieder in Bewegung: »Und Saul suchte ihn alle Tage, aber Gott gab ihn nicht in seine Hand« (V. 14b). Hätte David unter diesen Umständen nicht ruhig und im Frieden leben können, statt unentwegt in der Wüste Sif umherzuziehen, von einem Versteck in das andere, und das mit sechshundert Männern? - Gott entlässt seine Schützlinge nicht aus der Mitarbeit. Sie sollen nicht leichtsinnig und selbstzufrieden das Gespür für die drohende Gefahr verlieren; denn in der gefallenen Welt gibt es kein Fleckchen, an dem der Widersacher nicht aktiv werden kann. Deshalb ist es so wichtig, die Verbindung zu dem, der allein zu beschützen im Stande ist, nicht durch falsche Sorglosigkeit unterbrechen zu lassen. (Lies Ps. 27, 7. 8; 55, 17-19. 23; Matth. 7, 7. 8.) - War das aber nicht ein bitter mühsames Leben, in dem David ständig in Spannung gehalten wurde und der Feind jederzeit unvermutet auftauchen konnte? Gott versteht es, den Seinen immer wieder Zeiten der Entspannung zu schenken. Im Fall Davids ließ er es gelingen, dass inmitten der Bedrohung Jonatan zu David vordrang und ihn ermutigte. Er »stärkte sein Vertrauen auf Gott und sagte: Fürchte dich nicht! Die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht erreichen, und du wirst König werden über Israel, und ich werde der Zweite nach dir sein; auch mein Vater weiß es sehr wohl.« Welch ein Freund, der solche Tröstung und Ermutigung ausspricht - keine hohlen Worte, sondern von Gott beglaubigte Wahr- heit! David, dein Einsatz ist nicht vergeblich, deine Ängste und Enttäuschungen erleidest du nicht umsonst. Du wirst mit der Hilfe des Höchsten der Gewinner sein und deine Bestimmung erreichen und erfüllen. (Lies Jes. 41, 10. 13; Ps. 118, 13-18.)

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DIENSTAG, 25. JULI

1. SAMUEL 23, 19-28

David war von Jonatan über Bitten und Verstehen ermutigt worden. Deshalb zog der Feind sich aber nicht zurück. Im Gegenteil: Saul gewann unter den Sifitern Verbündete. Der Kampf ging weiter - heimtückisch und unberechenbar. Wider besseres Wissen ließ Saul nicht davon ab, David nachzustellen, um ihn zu beseitigen. Die Sifiter lieferten genaue Informationen über den Aufenthaltsort des Flüchtlings. Saul aber wollte es noch genauer wissen und dann selbst kommen, um seinen »Feind« zu fassen. Geradezu grotesk mutet der »Segen« an, den Saul den Verrätern zuspricht (V. 21). Meinte er wirklich, der »HERR« stünde auf seiner Seite? Gewiss, Saul war verblendet, deswegen aber nicht weniger gefährlich. Er hatte noch immer Macht, genügend Kämpfer zu mobilisieren, die ihm ergeben waren und seine Wünsche erfüllten. Bei einem Streifzug gelang es ihnen, David und seine Mitstreiter in die Enge zu treiben. Saul war schon dabei, seinen Gegner einzukreisen. David suchte einen Fluchtweg. Seine Chancen zu entkommen, waren gering. Wo war die Macht des Herrn? Wollte er nicht schützend seine Hand über seinen Knecht halten? David wusste nicht, dass der Rettungsplan schon ausgearbeitet und im Einsatz war. Gerade als Saul seine Beute schon in greifbarer Nähe wähnte, kam der Bote mit der schlechten Nachricht: »Eile und komm! Denn die Philister sind ins Land eingefallen« (V. 27). Diese zu bekämpfen war Saul dann doch wichtiger, als seinen Privatkrieg zu führen, den er jederzeit wieder aufnehmen konnte. David atmete auf. Das war Rettung in letzter Minute. Der Herr hatte ihn nicht im Stich gelassen. Vielleicht fürchtete er einen Moment lang gerade dies. Es ist nicht leicht, auf den Unsichtbaren zu vertrauen, als sähe man ihn. (Lies Hebr. 11, 1. 2; 13, 5b. 6; Spr. 3, 5. 6; Ps. 25, 2.) Nur in der Bedrängnis konnte David lernen, dass sein Gott hundertprozentig zuverlässig ist.

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MITTWOCH, 26. JULI

1. SAMUEL 24, 1-8

En-Gedi, eine wasserreiche Oase mit Dattelpalmen und Weinreben, mit Gemsen und Löwen (heute Leoparden). In dieser Gegend gab es zahlreiche Schlupfwinkel, auch für große Menschengruppen - ein idealer Ort für David und seine sechshundert Männer. Saul hatte inzwischen die Philister vertrieben, als ihm die Nachricht überbracht wurde: »Siehe, David ist in der Wüste En-Gedi.« Saul mobilisierte aus ganz Israel dreitausend Elitesoldaten und machte sich erneut auf den Weg. Erlesene Männer aus ganz Israel - sollte das eine Botschaft an David sein: Du bist in ganz Israel unerwünscht, nicht nur in Juda? - In der Wüste angekommen, musste Saul sich aus bestimmten Gründen zurückziehen, entfernte sich von der Truppe und trat in den Eingang einer Höhle (V. 4). Es muss eine weiträumige Höhle gewesen sein, denn im hinteren Teil saßen sechshundert unfreiwillige Zeugen, ohne dass der König sie bemerkte. »David! Jetzt oder nie! Du wirst diese Situation doch nicht ungenutzt verstreichen lassen? Hat nicht der Herr selbst das für dich arrangiert? « So etwa argumentierten seine Mitstreiter. David schlich sich tatsächlich an Saul heran und schnitt ein Stück Stoff von dessen Mantel ab. Aber dann kam er zurück. Ihm wurde heiß. Er hatte ein schlechtes Gewissen. Er durfte doch den Gesalbten des Herrn - und das war Saul tatsächlich (Kap. 10, 1) - nicht antasten! »Und David wehrte seinen Männern . . . und erlaubte ihnen nicht, sich an Saul zu vergreifen« (V. 8). Beinahe hätte David sich zum Tyrannenmord verleiten lassen. Rechtzeitig begann er das Ganze so zu beurteilen, wie es »vor dem Herrn« aussah. Noch war Saul in Amt und Würden und musste als solcher geachtet werden. (Vgl. Röm. 13, 1-7; 12, 19-21; 1. Petr. 2, 18-20.) Sauls Herrschaft würde so lange andauern, bis Gottes Stunde für einen Wechsel schlug. (Lies Dan. 2, 21; 4, 14. 29b; Ps. 37, 7. 8. 11.)

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DONNERSTAG, 27. JULI

1. SAMUEL 24, 9-16

»Mein Herr und König!« Woher nahm David die Kraft, Saul mit diesen Worten anzusprechen und seinem Verfolger respektvoll zu begegnen? Würde es der Wahrheit nicht näher kommen, wenn er stattdessen gesagt hätte: »Du gemeiner Kerl! Ich werde es dir heimzahlen!«? Doch David wollte mit Saul nicht im Sinne einer Rache abrechnen. Er suchte den König davon zu überzeugen, dass er einem Unschuldigen nachstellte. David machte auch keine Machtansprüche geltend. Im Gegenteil: Mit seiner Anrede und Geste der Unterwerfung gab er Saul zu verstehen, dass er seine Stellung als König uneingeschränkt anerkannte und nichts Böses gegen ihn im Schilde führte. »Warum hörst du auf das Geschwätz der Menschen. . . « (V.10)? David ist klug. Er beabsichtigt zwar, Sauls Schuld zur Sprache zu bringen, vermeidet es aber, ihn direkt zu beschuldigen. Der König könnte ja schlechte Berater haben, die ihm einredeten, David suche Sauls Unglück. Er gibt ihm zu verstehen, dass Saul jetzt tot wäre, hätte David auf seine Berater gehört (V. 11). Wie gut, dass er seinen Mitstreitern nicht nachgegeben hatte! Waren jetzt die guten Argumente in diesem Kampf nicht alle auf seiner Seite? »Siehe, mein Vater (!), ja sieh den Zipfel deines Oberkleides in meiner Hand. . . « (V. 12). Davids Verhalten stellte den unbestechlichen Beweis für seine Großmut und Treue gegenüber einem König dar, der sie nicht verdient hatte. David kann jetzt überzeugend und überführend das Unrecht Sauls in Gegensatz zu seiner eigenen Unschuld und Loyalität setzen. Er verzichtet aber darauf, sich selbst Recht zu verschaffen: »Der Herr wird Richter sein zwischen mir und dir« (V. 13; vgl. 1. Petr. 2, 23). David sieht sich nicht im Recht, Saul zu bestrafen. Das überlässt er dem, der gerecht richtet. Dazu 1. Könige 8, 44. 45; Psalm 35, 22-25; 43, 1; 54, 3; 146, 7a.

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FREITAG, 28. JULI

1. SAMUEL 24, 14-23

»Du hast es gesehen, denn du, du schaust auf Mühsal und Gram, um es in deine Hand zu nehmen. Dir überlässt es der Arme, der Vaterlose; du bist ja Helfer« (Ps. 10, 14). - Ist Sauls Kampf gegen David nicht unsinnig? Dreitausend Elitesoldaten bietet er auf, um einen »toten Hund, einen einzelnen Floh« zu jagen! Die Übermacht Sauls steht in keinem Verhältnis zur lächerlichen Unterlegenheit Davids. Und doch ist er im Vorteil. Der noch Stärkere ist sein Verbündeter. (Lies Ps. 140, 13; Jes. 50, 8. 9.) - Saul kam bisher nicht zu Wort. Er wird vor Schreck sprachlos gewesen sein, als er erkannte, in welcher Lebensgefahr er sich befunden hatte. Doch er rief jetzt nicht seine Leibwache, um David überwältigen zu lassen. Er ließ ihn reden und hörte zu. Die Worte Davids trafen ihn ins Herz und zerbrachen für einen Augenblick den Panzer der Eifersucht und Rohheit. »Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David?« - Mein Sohn David - diese Anrede erinnerte an vergangene Zeiten (1. Sam. 16, 19-23). Aber die waren vorbei. Davids Auftritt erschütterte Saul derart, dass er laut weinen musste. David war so ungewöhnlich anders in seinem Denken und Tun! »Du bist gerechter als ich«, musste Saul bekennen. Denn »wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen«? Müsste solch eine Großmut nicht belohnt werden? Aber wer sollte der Belohner sein? Saul jedenfalls nicht. So weit lässt er sich doch nicht herab, um David vor Zeugen zu rehabilitieren. »Der Herr vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast.« Saul will nichts in eine »Wiedergutmachung« investieren - das soll der Herr tun, zu dem er kaum noch eine Beziehung hat. Der »Herr« passt besser zu David, nicht zu ihm, dem König von Israel. (Vgl. Matth. 7, 16-20; Gal. 6, 7-10.)

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SAMSTAG, 29. JULI

1. SAMUEL 24, 21-23

An dieser Tatsache konnte Saul nicht länger vorbeisehen. Das musste er vor David zugeben: »Nun siehe, ich weiß, dass du König werden wirst.« Welch niederschmetternde Erkenntnis für Saul, dass Gottes Wille und Plan sich durchzusetzen begann und sein eigener Wille nichts daran ändern konnte! »In deiner Hand wird das Königtum Israels Bestand haben.« Das machte ihm Angst. Was würde mit ihm und seinen Angehörigen werden, wenn David seinen Thron einnahm? Würde dieser sich nicht furchtbar an Saul rächen und jeden seiner Sippe erbarmungslos ausrotten? Viele Machthaber hielten es so. Angehörige des Vorgängers bildeten eine Gefahr für den neuen König. Sie könnten Machtansprüche stellen oder einen Aufruhr anzetteln. - Saul hatte Angst um den Bestand seines Namens. Er sollte doch nicht in Vergessenheit geraten. »So schwöre mir nun bei dem Herrn, dass du mein Geschlecht nach mir nicht ausrotten und meinen Namen nicht austilgen wirst . . . « - Wer will schon, dass die Nachwelt ihn vergisst? Welche Anstrengungen werden unternommen, den Namen eines einflussreichen Menschen über seinen Tod hinaus zu erhalten und mit Denkmälern und Gedenktagen in Erinnerung zu bringen? Vergleichsweise wenigen wird eine solche Aufmerksamkeit über Generationen hin zuteil. Die zahllosen anderen sind dennoch nicht namenlos, sondern in der ewigen Welt registriert. (Vgl. Ps. 69, 28. 29; Dan. 12, 1; Luk. 10, 20; Phil. 4, 3; Offb. 3, 5; 13, 8; 20, 12.) - Der Name Sauls besitzt den traurigen Ruhm, heute in der ganzen Welt als ein warnendes Beispiel bekannt zu sein bei allen, die ihre Bibel lesen. Seine Sorge, in Vergessenheit zu geraten, war unbegründet. Noch bekannter ist David - allerdings als einer, der Gott von Herzen liebte und seine Sünden ehrlich bereute. (Lies Ps. 32, 1-6; 51, 1-21.)

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SONNTAG, 30. JULI

1. SAMUEL 25, 1-17

Die Nachricht von Samuels Tod wird sowohl David als auch Saul nahe gegangen sein. Die Begegnung mit Samuel hatte für das Leben beider bedeutet, eine ganz neue Richtung einzuschlagen und sich unter Gottes Herrschaft und Führung zu stellen. (Siehe 1. Sam. 9, 27; 10, 1; 16, 1. 6-13.) Während Saul sich immer weiter vom Willen Gottes entfernt hatte, übte David sich beständig darin, den Herrn zu fragen und ihm zu gehorchen. - Nach der Episode in der Höhle bei En-Gedi verlief das Leben für David offensichtlich nicht mehr so rast- und ruhelos wie bisher. Er konnte es wagen, mit seinen Männern für die Hirten und Herden eines Mannes mit Namen Nabal unbehelligt eine Art Schutztruppe zu bilden, indem sie seine Herden von einem Weideplatz zum anderen begleiteten (Kap. 25, 2. 3a. 6-8). Nabal - sein Name bedeutet »verrückt, töricht« - war ein unbeliebter Zeitgenosse, roh und boshaft. Seine Frau Abigajil dagegen hatte einen klaren Verstand und sah gut aus. Als David mit den Hirten Nabals zog, ahnte er noch nicht, in welch heftige Versuchung er durch diesen Mann geraten würde. Er hörte, dass Nabal seine Schafe schor, und sah den Augenblick für gekommen, von ihm eine Belohnung für den Einsatz seiner Männer während der Weidezeit zu erbitten (V. 5. 9). Die Schafschur war ein großes Ereignis für die Hirten, eine Festzeit, in der man gut aß und Freundschaften pflegte, das heißt auch Gastfreundschaft gewährte. An Festtagen war es üblich, auch die teilhaben zu lassen, die nichts hatten. (Lies Neh. 8, 10. 12; Ester 9, 22; 5. Mose 15, 7. 8; Hebr. 13, 16.) - »Wirf dein Brot auf die Wasserfläche - denn du wirst es nach vielen Tagen wiederfinden. Gib Anteil sieben anderen, ja sogar acht, denn du weißt nicht, was für ein Unglück sich auf der Erde ereignen wird« (Pred. 11, 1. 2).

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MONTAG, 31. JULI

1. SAMUEL 25, 5-17

Wie sorgfältig prägte David den zehn Männern ein, was sie vor Nabal sagen sollten! Nur kein verkehrtes Wort oder ungeschicktes Benehmen! Der Gruß soll den Weg zu Nabals Großzügigkeit ebnen: »Lebe lange! Friede sei mit dir und Friede mit deinem Haus und Friede mit allem, was dein ist!« Nabal aber hatte keinen Frieden. Und er wollte keinen Frieden. Er schien die Streitatmosphäre zu lieben - und seinen Besitz. Fremden etwas abgeben? Nein! Wer ist dieser David überhaupt? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Nabal ihn nicht kannte. Wie er David und seine Männer einschätzte, sagen uns die Verse 10b und 11. Mit Schimpf und Schande abgewiesen, zieht die Delegation Davids wieder ab. Nabal hatte sich einen unverzeihlichen Verstoß gegen die damalige Ordnung der Gastfreundschaft geleistet! Ohne lange zu zögern, befahl David seinen Leuten, das Schwert umzubinden. Mit vierhundert Mann machte er sich auf den Weg. Die anderen blieben im Lager. Was in David vorging, lesen wir in den Versen 21. 22. Er fand es unerträglich, dass Nabal ihm Gutes mit Bösem vergalt. Das sollte gerächt werden, und zwar gründlich! (Vgl. 3. Mose 19, 18.) Es ging David nicht nur um die eigene Ehre, sondern auch um die seiner Männer. Die gemeinsame Wut gegen Nabal verband sie zu einer ge- fährlichen Gemeinschaft, von der nichts Gutes zu erwarten war. - Sicher haben etliche der Hirten Nabals die Szene miterlebt. Bei einem von ihnen dröhnten die inneren Alarmglocken. Nabal konnte er nicht warnen: »Er ist ein so bösartiger Mensch, dass man nicht mit ihm reden kann« (V. 17). So eilte er zu Abigajil. Sie hatte einen weitsichtigen Verstand. Wie oft mochte sie schon die »Schnitzer« ihres Mannes ausgebügelt haben und um Schadensbegrenzung bemüht gewesen sein! (Lies Spr. 11, 12; 12, 6; 13, 3; 14, 30; 15, 1. 4.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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