»David verfasste diesen Psalm, nachdem er sich vor Abimelech wahnsinnig gestellt hatte und darum weggejagt wurde.« Es ist eine merkwürdige Situation, in der David sich hier befand. Er log und spielte krank. Aus Angst um sein Leben verhielt sich David so äußerst seltsam. Der Gott vertrauende David schien nicht mehr derselbe zu sein, der er vorher war. Wir sehen Versagen, tiefe Beschämung und eine völlig verfahrene Situation. David wurde sogar schuldig am Tod von fünfundachtzig Priestern. Noch weiß er es nicht, aber vielleicht ahnt er, dass Schlimmes aus seiner Lüge entstehen wird. (Lies 1. Sam. 22, 18-22.) Überdies sucht David Schutz beim Philister-König in Gat - er, der einst den großen Goliat der Philister erschlagen hatte. Jetzt aber spielt er den »Wahnsinnigen«, wird erkannt und des Landes verwiesen. Geisteskranke galten im Altertum als unantastbar. In 1. Samuel 22,1 lesen wir: »David ging von dort weg und rettete sich in die Höhle Adullam (Land Juda).« Er ist der Todesgefahr im Feindesgebiet entronnen, aber im eigenen Land war er auch nicht sicher. Dort trachtete ihm König Saul nach dem Leben. Welche Gedanken mochten David auf seinen Fluchtwegen und der Jagd nach einem sicheren Ort umgetrieben haben? In welcher Herzensverfassung mag er sich nach der schrecklichen Enttäuschung über sich selbst befunden haben? Es ist erstaunlich, dass gerade in Stunden größter Gefahr und unter zermürbendem Druck der Schande eins der schönsten Lieder Davids entstanden ist: Wir lesen Psalm 34. Wie der Sänger und Musiker Asaf kann auch David sagen: »Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil« (Ps. 73, 26; lies Ps. 34, 1-23).
»David ging von Gat hinweg und rettete sich in die Höhle Adullam.« In einer gefährlichen Zeit, in der David unter Hochspannung steht, handelt Gott an ihm. Es geschieht etwas im Herzen Davids, das sich so wohl nicht in der Ruhe seines Hauses ereignet hätte. In 1. Samuel 21, wo uns diese aufregende Situation aus Davids Leben geschildert wird, sieht es aus, als ob für Gott kein Raum geblieben wäre. Dieser Eindruck scheint sich jetzt erst recht zu bestätigen, wo David schnell untertauchen muss, weil die Feinde und der Tod noch immer hinter ihm her sind. Aber in solch aufreibenden Stunden will Gott in unserem Herzen etwas zum Wachsen und Reifen bringen: Einsicht über uns und unser Verhalten, die Erkenntnis von der helfenden Nähe Gottes und den Entschluss, Gott allezeit durch Vertrauen zu ehren. In Psalm 34 begegnen uns diese Einsichten, Erfahrungen und Entschlüsse, die aus seiner Zeit in Nob und Gat und von der Flucht in die Höhle Adullam stammen. Aufschlussreich sind auch die verschiedenen Überschriften, die über diesem Psalm stehen: »Der Demütigen Helfer«, »Unter Gottes Schutz«, »Von Ängsten befreit«, »Der Herr, mein Befreier«, »Der zerbrochene Aufgerichtete«. Die Worte in Psalm 34 haben ihr eigenes Gewicht. Ein Lied für Gott, das aus dem Herzen eines Menschen kommt, der Gottes Vergebung erfahren hat, klingt anders als Worte, die aus einem stolzen Herzen kommen. Davids Beziehung zu Gott ist durch seinen inneren Zerbruch und die erfahrene Barmherzigkeit Gottes völlig neu geworden. Er hat die wunderbar tröstliche Erfahrung gemacht: »Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.« Der zerbrochene Aufgerichtete fasst wieder Mut, denn er weiß: »Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten« (Ps. 51, 19; lies Jes. 38, 15-17; 57, 14-19; Ps. 147, 1-3).
Manche Ausleger sehen keinen nennenswerten Bezug zwischen Psalm 34 und den Kapiteln 21 und 22 imersten Samuelbuch. Es scheint aber, dass der innere Zerbruch im Leben Davids die Verbindungslinie herstellt. David ist vielleicht noch nie so enttäuscht über sich selbst gewesen. Er ist kein Held mehr, er liegt wie ein Zerschlagener am Boden. Auffallend oft spricht er in diesem Psalm von den Elenden. Die hebräische Sprache meint hier besonders diejenigen, die unter der Last ihrer Schuld niedergebeugt sind. »Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben« (Ps. 34, 19; Jes. 50, 8. 9). Die Erfahrung von Gottes Nähe mitten im Zerbruch lässt David wieder aufatmen. Vers 1 knüpft an die »Wahnsinnstat « vor Abimelech an, mit der er sein Leben zu retten gedachte. In Vers 2 schlägt David einen ganz anderen Ton an. Wir erkennen daran, dass er wieder Vertrauen zu seinem Gott gefasst hat. Mit neuer Zuversicht und dankbarer Freude kann er deshalb sagen: »Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen.« David muss nicht verzweifeln an seinem Versagen. Bei Gott erfährt er Vergebung von Schuld und Befreiung von Ängsten. Er erlebt, dass Gott auch im schlimmsten Fall nicht müde wird zu vergeben, den Versager aufzurichten und neu mit ihm anzufangen. Und so stimmt der Befreite ein Loblied nach dem andern an.Allezeit soll das Lob Gottes über Davids Lippen kommen. Wem viel vergeben ist, der ist hoch motiviert, diese herrliche Erfahrung mit anderen zu teilen. Er will andere ermutigen, sich Gott anzuvertrauen und in seine offenen Arme umzukehren. (Lies Ps. 51, 9-17; Micha 7, 8. 9. 18-20.)
Was David in Psalm 34 zu sagen hat, wurzelt im Erleben mit sich selber und dem wunderbaren Handeln Gottes an ihm. »Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen.« David denkt an Menschen, die sich wie er selbst in einer Krise befinden, die nicht weiterwissen und nicht weitersehen. Er spricht besonders zu denen, die sich in akuter Gefahr befinden, zu solchen, die sich schämen wegen Situationen, wo sie schmählich versagt oder sich schäbig verhalten haben. Der Herr hat den erbärmlichen David gerettet, das sollen alle hören, die mit sich und ihrem Versagen beschäftigt sind. Sie sollen sich wieder freuen können, dass nicht das Versagen das letzte Wort hat, sondern die Barmherzigkeit Gottes. David will »die Elenden« mit seinem Lob über Gott ermuntern und einladen: »Erhebt mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! « »David ist der gesalbte König, und gewöhnlich wollen Könige geehrt sein. Er aber will keinen anderen erheben als den Herrn. Gott soll groß werden - das ist die buchstäbliche Bedeutung von erheben, - David tritt zurück. Dazu musste Gott David erziehen, denn von Natur aus denkt niemand so. Der Hass Sauls, die beim Philisterkönig ausgestandenen Ängste, sein blamabler Auftritt, all das machte David klein. Wen Gott erhöhen will, den muss er zuerst erniedrigen« (B. Peters). Wen Gott groß machen will, den lässt er oft zuerst an seine Grenzen stoßen und zeigt ihm, dass er ohne Gott nichts bewirken kann. Auch einen Mose nahm Gott in diese Schule, um ihn so für seine Aufgabe vorzubereiten. In Apostelgeschichte 7, 21-30 lesen wir davon. Bis heute gelten die Worte von Jesus: »Ohne mich könnt ihr nichts tun« (Joh. 15, 5).
»Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.« Den Herrn suchen, sich vertrauensvoll an ihn wenden, darin liegt die große Chance für einen Neuanfang. So hat die »Abwärtsbewegung« im Leben des Menschen ein Ende. »Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du wieder aufgebaut werden. Du wirst zu ihm beten, und er wird dich erhören. Licht wird aufleuchten über deinen Wegen« (Hiob 22, 23. 27). Immer wieder wird uns von Menschen berichtet, die sich in ihrer Not an den Herrn wandten und sein Eingreifen in höchst brisanten Situationen erlebten. Um 1700 war Johann Reinhard Hedinger Hofprediger in Stuttgart. Viele Begebenheiten berichten darüber, dass er seinem Herzog die Wahrheit oft ins Gesicht hinein sagte. Eines Tages erhielt Hedinger den Befehl, unverzüglich und ohne Begleitung beim Herzog zu erscheinen. Als der Prediger vor Eberhard Ludwig stand, blickte dieser betroffen auf: »Warum kommt er nicht allein, wie ich befohlen habe?« »Ich bin allein gekommen, Durchlaucht.« »Nein«, rief der Herzog, »er ist nicht allein gekommen, meine Augen trügen doch nicht!« Als der Herzog, immer auf die rechte Seite blickend, darauf bestand, sagte Hedinger: »Ich bin wirklich allein gekommen. Sollte es aber Gott gefallen haben, mir in dieser Stunde einen Engel zur Seite zu stellen, so weiß ich es nicht.« Da winkte der Herzog voller Erschütterung, der Hofprediger solle wieder gehen. - »Aus allen meinen Ängsten errettete mich der Herr.« Wörtlich bedeutet es so viel wie: »Er riss mich heraus.« Dort, wo wir in Angst und Bedrängnis sind, können wir wie David mit dem rettenden Eingreifen Gottes rechnen. Er steht denen, die ihm vertrauen, im rechten Augenblick zur Seite. Keiner wird zuschanden, der ihm vertraut! (Lies Ps. 37, 5. 6; 91, 14-16.)
»Als ich den Herrn um Hilfe bat, antwortete er mir und befreite mich von meinen Ängsten.« Für alles, was uns bedrängt oder Not bereitet, ist unser Gott offen. Nichts, was wir vor ihm aussprechen, ist zu unbedeutend, dass er nicht darauf achten oder eingehen würde. Niemand ist so unwichtig, dass Gott ihn übersehen oder überhören würde. Wie oft mögen wir uns angesichts großer Probleme wie ein winzig kleiner Wurm gefühlt haben. Aber der Herr spricht uns zu: »Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, du armer Haufe Israel. Ich helfe dir« (Jes. 41, 14). Er nimmt uns als sein Gegenüber ernst und nimmt unsere Not auf sein Vaterherz. Denn er hat uns lieb. Die Psalmbeter nutzten das Gespräch mit Gott oft und intensiv: Psalm 55, 17-20. 23; 57, 3. 4; 62, 9; 138, 3. Wir müssen beim Beten nicht auf wohlformulierte und abgewogene Worte achten, sondern dürfen mit Gott reden, wie es uns ums Herz ist. Denn Beten ist eine Sache des Herzens: Mitten aus der Freude wunderbarem Glück muss ich zu dir, Jesus, einen Augenblick, nur um dir zu danken, dass du sie mir gibst; halt sie auch in
Aus dem Arbeitstrubel, o wie oft zurück muss ich zu dir eilen, einen Augenblick,
um auf meinen Wegen durch Gedräng und Hast schnell auf dich zu legen meine Sorgenlast.
Und in allem Leide, allem Missgeschick muss ich zu dir flüchten einen Augenblick;
wollest so mir's legen, dass ich's tragen kann und ich auch den Segen spüren mag alsdann.
So bin ich zufrieden, wenn ich Leid und Glück erst zu Jesus bringe einen
Augenblick. Wenn mein Leben stehet so in Gottes Hut, es ganz sicher gehet - bei ihm hab ich's gut.
Hermann von BezzelTäglich überschwemmt uns eine Flut von Bildern. Was wir sehen, prägt und beeinflusst uns - zum Positiven wie zum Negativen. Wer ins Dunkle schaut, dessen Gesicht wird vom Dunkel überschattet, wer jedoch ins Licht schaut, dessen Blick wird hell und klar. David sitzt in der finsteren Höhle Adullam. Aber in seinem Herzen schaut er auf zu dem Gott, der sein Licht und sein Heil ist (Ps. 27, 1). Der Gesalbte Gottes weiß: Aufsehen zu Gott bringt Licht ins Leben. Wie David bekam auch Abraham einen neuen Blick für Gottes Größe und Macht, als der Herr ihn aus dem Dunkel seines Ziegenhaarzeltes herausführte und seinen Blick auf das großartige Sternenzelt lenkte. »Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und Gott sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein« (1. Mose 15, 5). Wie mag sich Abrahams innere Verfassung durch diese Zusage verändert haben! Gott führt auch uns heraus aus dem Dunkel unseres »Ziegenhaarzeltes«, aus dem, was dunkle Schatten auf unser Leben wirft. Wer sich an ihn wendet, dem öffnet er den Blick für seine Größe und sein wunderbares Handeln. - In einer ganz anderen Situation befand sich Stephanus. Sein mutiges Zeugnis für Jesus brachte ihm den Hass des Hohen Rates ein. Trotz aller Machenschaften gegen Stephanus heißt es von ihm: »Und alle, die im Rat saßen, . . . sahen sein Angesicht leuchten wie eines Engels Angesicht« (Apg. 6, 15; lies Apg. 7, 54-60). Stephanus erfuhr mitten in der Bedrängnis: »Der Blick auf Jesus stärkt uns. Lasst uns auf ihn sehn, und, weil er wiederkommen wird, ihm froh entgegengehn« (E. u. G. Schnitter).
»Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.« Im Alten Testament steht die Bezeichnung »der Engel des Herrn« für Gott selber. Unter seiner Schutzmacht weiß David sich geborgen. Er denkt an seinen Herrn, der ihm zur Hilfe gekommen ist und ihn befreit hat aus dem Belagerungsring seiner Feinde. Diese Erfahrung muss David weitersagen: So habe ich in einer äußerst kritischen Situation die spürbare Nähe Gottes erfahren. Nicht weniger bedrängt waren auch Elisa und sein Diener. Gelähmt vor Angst kann dieser nur sagen: »O weh, mein Herr! Was sollen wir nun tun? Elisa sprach: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind! Und Elisa betete und sprach: Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe! Da öffnete der Herr dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her« (2.Kön. 6, 15-17; lies Richt. 6, 11-16). Als der Apostel Paulus auf der Schiffsreise nach Rom mit der Besatzung in höchste Seenot geraten war, erfuhren auch sie Gottes machtvolles Eingreifen. Alle menschlichen Möglichkeiten zur Rettung waren ausgeschöpft. Ohne einen Funken Hoffnung auf Hilfe sahen sie nur noch den brodelnden Abgrund vor sich (Apg. 27, 20). Und genau in diese Situation hinein erzählt Paulus sein nächtliches Erlebnis: Apostelgeschichte 27, 13-26. Gott verliert auch im größten Tumult nicht den Überblick. Er bewahrt seine Leute im Rachen des Todes und holt sie heraus. Und sollten die Verzweiflung und die Gefahr übermäßig groß werden, kann er auch ein besonderes Zeichen seiner Hilfe schenken, vor allem aber seinen Frieden, der höher ist als alle Vernunft. (Lies Joh. 14, 27; Phil. 4, 6. 7.)
»Schmecket und sehet, wie gütig der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut!« David erlebte Gottes überragende Güte. Nun lädt er andere ein, in ihrer Not bei diesem Herrn Zuflucht zu nehmen. David möchte seine Umgebung auf den »Geschmack« bringen und ihr sagen, wie gut der Herr ist. Wir werden ermutigt: »Probiere es selber aus! Du kannst es schmecken und sehen, wie gut Gott zu dir ist.« Wer nicht nur auf das schaut, was schwierig und traurig ist, der wird entdecken, wie viele Kostproben von Gottes Güte es in seinem Leben gibt. Und Kostproben wecken Appetit auf mehr. Ein indischer Theologe bemerkte einmal: »Ein Christ ist ein Bettler, der einem anderen Bettler sagt, wo es etwas zu essen gibt.« - Die Güte Gottes sättigt unsere Seele mit seiner persönlichen Liebe zu uns: »Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte« (Jer. 31, 3). - In seiner Güte sorgt der Herr vorzüglich für uns: »Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen« (Jes. 40, 11). - Es ist Gottes Güte, die uns immer wieder »zur Umkehr leitet« (Röm. 2, 4). Wir sind dem Herrn so wichtig, dass er nicht fünf gerade sein lässt. Er möchte uns nah bei sich haben. Wenden wir uns immer wieder von allem ab, was nicht zu ihm passt, und wenden wir uns unserem guten Hirten zu! Wenn wir auf seine Stimme hören und ihr gehorchen, dann werden wir erleben: »Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar « (Ps. 23, 6; lies Ps. 25, 10; 31, 20; 36, 6-10).
»Wohl dem, der auf ihn (den Herrn) trauet!« Man kann auch übersetzen: »Glücklich der Mann, der sich bei Gott birgt!« David ist glücklich trotz der Risse und Brüche in seinem Leben. Wie kann das sein? Fühlen wir uns nicht jämmerlich elend, wenn wir den Prozess des Zerbruchs erleiden? Ein Ausleger schreibt: »Das Glück, von dem der Psalmist spricht, liegt in einer tieferen Schicht verborgen. Die Leidenden erfahren das Glück der Gemeinschaft mit ihrem Herrn darin, dass ihnen Gott mitten im Zerbruch mit seiner befreienden, heilenden und tröstenden Gegenwart ganz nahe ist.« (Lies Spr. 1, 23; 10, 17; 12, 1; 15, 32.) In einem hochmütigen und ichbezogenen Zustand können wir das Glück der Nähe Gottes nicht beständig erfahren. Auch für David gab es keinen anderen Weg, um wieder in die frohe Gemeinschaft mit Gott zurückzukehren, als den des tiefen inneren Zerbruchs. Verteidige dich nicht, wenn demütigende Äußerungen dich schmerzlich treffen, wenn dir ein Platz in der zweiten Reihe angewiesen wird, wenn deine Meinung nicht akzeptiert wird und deine ausgeklügelten Pläne keinen Anklang finden! Wer sich Gott anvertraut, weiß, »dass er denen nahe ist, die zerbrochenen Herzens sind, und denen hilft, die ein zerschlagenes Gemüt haben« (Ps. 34, 19). »Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen« (B. Pascal). Der Verfasser des 66. Psalms beschreibt seine Erfahrung des Zerbruchs so: »Du, Gott, hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird; du hast uns in den Turm werfen lassen, du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt, du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten. Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt« (Ps. 66, 10-12).
»Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.« Dreimal spricht David in diesem kurzen Abschnitt von der »Furcht des Herrn«. Die erfahrene Freundlichkeit und Güte Gottes hat im Herzen Davids die Ehrfurcht vor Gott vertieft. Wer den Herrn fürchtet, wer Gott durch Vertrauen und Gehorsam ehrt, wird erfahren, dass Gott allen Mangel ausfüllt. Denn der Gottesfürchtige hat Gott in seiner Größe, Herrlichkeit und Macht auf seiner Seite. »Nicht eigene Stärke, und sei sie groß wie die des Löwen, sondern Gott versorgt alles Lebendige. Darum werden alle, die von Gott alles erwarten und deshalb ihn suchen, keinen Mangel haben an irgendeinem Gut. Wenn das wahr ist, dann gibt es nichts Wichtigeres, als den Herrn zu suchen, bis man ihn gefunden hat wie die blutflüssige Frau, die nicht locker ließ, bis sie den Herrn am Saum seines Kleides ergriffen hatte« (B. Peters). (Lies Luk. 8, 43-45; Amos 5, 4; Jer. 29, 12-14; Ps. 105, 4.) Nach seiner allgemeinen Aufforderung »Fürchtet den Herrn« zeigt David uns die »Alltagsseite« der Gottesfurcht. Dabei soll seine Frage in Vers 13 (die eigentlich keine Frage ist) zum Nachdenken anregen: So wie wir es doch selbstverständlich wünschen, dass es uns gut geht, so selbstverständlich soll unser Beitrag zu unserem Wohlergehen sein. »Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.« David weiß, wie schnell ein unwahres oder ein liebloses Wort über unsere Lippen kommen kann, das wir besser nicht ausgesprochen hätten. Für den Menschen, der Gott fürchtet, liegt die bewahrende Kraft vor der zerstörerischen Macht der Zungen-Sünden im intensiven Gesprächskontakt mit dem Herrn. (Lies Ps. 15, 1-3; Spr. 10, 19; 13, 3; 21, 23; Jak. 1, 26; 1. Petr. 3, 9-12.)
David nennt einen zweiten Beitrag, den wir zu unserem Wohlergehen haben sollten: »Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!« Sich fern halten vom Bösen, Gutes wirken und auf Frieden bedacht sein, schützt uns vor negativem Denken und Handeln. Wer sich allerdings mit Lügen helfen will, gerät in einen Strudel von Angst und Beschämung, dem er nicht unbeschadet entrinnen kann. David hatte diese »unehrliche Politik« versucht, aber hier beklagt er es und bittet andere, sich vor zweideutigem, betrügerischem Verhalten zu hüten. Ob uns bewusst ist, dass die Lüge vom »Vater der Lüge« kommt? (Lies Joh. 8, 44.) »Weiche vom Bösen und tue Gutes.« Der Apostel Paulus nimmt dieses Anliegen für ein gelingendes Gemeindeleben auf. Er schreibt: »Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.« Und er gibt noch einen weiteren Tipp: »Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem« (vgl. Röm. 12, 9. 21). Wir stehen immer wieder in der Gefahr, uns vom Bösen hinreißen zu lassen. Adam und Eva erlagen dieser Gefährdung sogar im Garten Eden, wo sie alles besaßen, was man sich zu einem glücklichen und erfüllten Leben wünschen konnte. Satan, der große Feind Gottes und der Menschen, versucht immer wieder durch ein anderes Schlupffloch das Glück unseres Lebens zu zerstören. Lassen wir uns nicht auf seine Impulse ein, sie schaden uns nur! Böse Taten und böse Worte machen unser Leben bitter. David suchte den Frieden und »jagte ihm nach«. Er gab sich nicht dazu her, Saul nach dem Leben zu trachten. Er vergalt nicht Böses mit Bösem. Gute Worte schaffen Raum für eine gute Atmosphäre. (Lies 1. Sam. 24, 13-16; Luk. 6, 27. 28.)
Es ist zum Staunen, wie Gott sich um David trotz seines Versagens kümmerte. Der Herr achtet auf den, der sich unter seine Schuld beugt. Er hört und sieht, was sonst niemand hören und verstehen kann. »Du wirst rufen, und der Herr wird antworten; du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hier bin ich« (Jes. 58, 9; lies Ps. 18, 7; 138, 3; 146, 5). Wer innerlich zerschlagen ist oder sich in einer Situation befindet, in der ihm das Herz zu zerbrechen scheint, steht in Gefahr zu verzweifeln und aufzugeben. David aber zeigt uns einen anderen Weg. Unser Tiefpunkt soll zum Treffpunkt mit der rettenden Hilfe Gottes werden. Dort, wo wir unsere Hilflosigkeit vor Gott eingestehen, können wir ihn hautnah erfahren mit seiner tröstenden Zusage: »Ich bin und bleibe bei dir. Nichts und niemand soll dich aus meiner Hand reißen, wenn du mir vertraust. « David weiß, dass Gott den Gerechten nicht allein lässt. Gott zieht dem Leid eine Grenze. Zu seiner Zeit wird er gezielt und helfend eingreifen. Das Größte aber bezeugt David am Schluss des Psalms: »Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.« Wie Hiob kann er sagen: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt« (Hiob 19, 25). Die erfahrene Vergebung, die Befreiung von Schuld, lässt David aufatmen. Gott versenkte seine Schuld für immer in die tiefsten Tiefen des Meeres. (Lies Ps. 103, 12; Jes. 43, 24. 25; 44, 22.) David hält sein Versagen nicht in seinen Gedanken fest, sondern ergreift die Erlösung. Er wendet sich dem leuchtenden Angesicht Gottes zu, dessen Widerschein an denen sichtbar wird, die sich von Herzen ein Leben vor ihm wünschen. »Blickt auf ihn, so strahlt euer Angesicht, und ihr müsst nicht zuschanden werden« (V. 6; vgl. 2. Mose 34, 29; lies Ps. 32, 1-5; Micha 7, 8. 9. 18. 19).
Der Hebräerbrief ist an eine Gemeinde geschrieben, deren geistliches Leben ermüdet war. Die Hebräerchristen waren schon eine Weile auf dem Weg der Nachfolge und erfuhren, dass es dabei steile, steinige Wege und Durststrecken gibt. Manche von ihnen waren wegen ihres Glaubens verfolgt und inhaftiert worden. Ihr Vermögen war vom römischen Staat beschlagnahmt worden. Doch »ihr habt den Raub eurer Güter mit Freuden hingenommen, in der Erkenntnis, dass ihr selbst ein besseres und bleibendes Gut besitzt«, erinnerte sie der Schreiber des Briefes. Das aber lag vermutlich schon eine Weile zurück, und die Lage schien sich normalisiert zu haben. Der Alltag mit seinen Mühen und Sorgen, aber auch mit seinen Freuden, war wieder das Normale. Manche der Hebräerchristen waren jetzt versucht, Jesus den Rücken zu kehren und wieder ins Judentum und damit in ihr früheres Leben zurückzukehren. Vielleicht sind wir auch gelegentlich in Gefahr, Elemente unseres früheren Lebens ohne Jesus wieder aufzunehmen und sie in unser jetziges Leben zu integrieren. So wie Israel in der Wüste zurückschaute auf die Fleischtöpfe Ägyptens, so könnten auch für uns frühere Werte wie Geld, Ehre, Karriere und Freundschaften, die uns schon einmal weggezogen haben von Jesus, wieder Anziehungskraft gewinnen und an die erste Stelle rücken. Der Verfasser des Hebräerbriefes wollte den Briefempfängern damals und uns heute als Gegengewicht dazu Jesus groß machen und uns ermutigen, durchzuhalten bis zum Ziel. »Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, seine Gemeinde, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung, dass Jesus wiederkommt, festhalten.« »Nicht der Anfang, nur das Ende krönt des Christen Glaubenslauf« (B. Schmolck). (Lies Hebr. 3, 14; 6, 11. 12; Eph. 2, 19.)
»Darum, wie der Heilige Geist spricht: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es geschah bei der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste, wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch meine Werke gesehen vierzig Jahre lang!« Der Verfasser des Briefes blickte in Vers 7-19 auf das Volk Israel und sein Verhalten in der Wüste und nahm dafür Psalm 95, 7-11 als Grundlage. Gott prüfte sein Volk in der Wüste. Er legte ihnen Belastungsproben auf. »Und gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.« In Wüstenzeiten kommt unser Herz auf den Röntgenschirm Gottes. Durch die widrigen Umstände wird deutlich, dass wir ein sündenkrankes Herz haben und wozu wir fähig sind. In welchen Situationen kommt heraus, was in meinem Herzen ist? Ich schiebe es vielleicht auf die Umstände und gebe ihnen die Schuld; aber die Umstände offenbaren nur, was in meinem Herzen ist. Das Böse wird uns nicht nur durch die Verhältnisse aufgezwungen. Es steckt tief in uns. Jesus als der einzigartige »Herzspezialist« stellte die Diagnose: »Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein« (Mark. 7, 21-23; lies 1. Mose 8, 21; Jer. 7, 24; 17, 9. 10). Doch Jesus hat die Macht, unser Herz durch seine Vergebung rein zu waschen und durch seinen Geist so zu verändern, dass wir den Willen Gottes gern tun. (Lies Jer. 31, 31. 33; Hes. 36, 25-27; Apg. 2, 37. 38.)
Die Erfahrungen, die Israel mit seinem Gott in der Wüste gemacht hatte, sah der Verfasser des Hebräerbriefes nicht als Vergangenheit an, sondern als Ermahnung für die Gemeinde und damit auch für uns. Die Israeliten wurden in der Wüste verbittert über das, was Gott ihnen zumutete: Wassermangel! Mehr noch, sie verhärteten sich gegenüber Gott. Sie meinten, »wenn es uns schlecht geht, ist Gott nicht mehr bei uns«. Sie sahen sich ausgeliefert an Mose, dem sie unterstellten, er habe sie aus Ägypten geführt, um sie in der Wüste vor Durst sterben zu lassen. Vergessen waren Gott und seine großen Taten, die sie bereits erfahren hatten. Vergessen hatten sie auch Gottes Zusage, sie in das verheißene Land zu bringen (2.Mose 3, 15-17). Sie sahen nur noch die Katastrophe des Verdurstens auf sich zukommen. Kennen wir auch solche Panik-Reaktionen, in denen wir keinen Sinn mehr darin sehen, Gott noch zu vertrauen? »Wenn Gott uns schwere, dunkle Wege gehen lässt, die wir nicht begreifen, dann ist das kein Grund, an Gottes Führung und an seiner Gegenwart zu zweifeln« (F. Laubach). Gerade wenn es ganz dunkel um uns wird, können wir nur noch durch Vertrauen leben, bis das Ende des Tunnels erreicht ist und wir wieder Licht sehen. Vielleicht hat sich bei uns die falsche Denkvoraussetzung eingeschlichen, wir hätten als Gottes Kinder ein Dauerabonnement für Wohlergehen von Gott. Er möchte, dass unsere Vertrauensbeziehung zu ihm vielmehr gerade in den dunklen Zeiten vertieft werden soll. »Werde an Gottes Herzen nicht irre, wenn du auch einmal seine Hand nicht verstehst« (E. Frommel). »Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat« (Hebr. 10, 35). Lesen Sie zur Ermutigung noch 2. Chronik 15, 7; Jesaja 12, 2; 30, 15; Jeremia 31, 16.
HEBRÄER 3, 7. 8; OFFENBARUNG 3, 15-20 »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.« Wenn Gott, der Herr aller Herren, heute zu uns spricht, ist Gnadenzeit. Er schenkt uns damit überragende Ehre. Wir können nicht über den Zeitpunkt verfügen, wann Gott zu uns spricht, aber wir können regelmäßig Zeit mit der Bibel einplanen und ihn um sein Reden bitten. Was würde uns entgehen, wenn wir sagen würden: »Herr, mein Terminkalender ist heute, ja die ganze Woche, schon so voll. Bitte melde dich doch wieder bei mir, wenn ich zeitlich besser dran bin.« »Heute, wenn ihr seine Stimme hört«, - dann räumt ihm und seinem Reden den Vorrang, die volle Aufmerksamkeit und den ganzen Gehorsam ein! Es ist, wie wenn ein hoher Gast kommt. Dann legt die Hausfrau ihre Schürze ab, schaltet das Fernsehen, das Radio oder den CD-Player aus und ist ganz Ohr für alles, was der Gast sagt. Auch wenn Gott uns korrigiert, von Sünde überführt oder uns zum Vertrauen statt zum Schauen ruft, sind wir zu beglückwünschen. Unser Glück besteht in der Gemeinschaft mit ihm. (Lies 1.Sam.3,10; Ps. 119, 11.16. 18.19. 50.147.148; Jes.50, 4; Luk.11, 28.) Doch wir können uns auch verschließen, obwohl wir spüren: »Ich bin gemeint.« - »Aber ich will nicht.« Diese unheimliche Entscheidungsmöglichkeit gegen Gottes Stimme haben wir. Wenn wir »seine Stimme« wiederholt abweisen, wird unser Herz und Gewissen hart. Wir verlieren die Sensibilität für sie. Aber Verhärtung ist kein Schicksal. Sie besteht aus vielen Einzelentscheidungen gegen Gottes Stimme und Gottes Willen. Noch gibt es einen Rückweg zu Jesus, der sagt: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.« (Lies Matth. 13, 16. 17; Luk. 12, 36. 37; Joh. 5, 24; 10, 27; 14, 23; Jer. 25, 3-5.)
»Wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke vierzig Jahre.« Eine erschreckende Umkehrung wird hier geschildert. Nicht Gott hat Israel auf die Probe gestellt und versucht, sondern das Volk, das er durch große Zeichen und Wunder aus Ägypten geführt hatte, versuchte seinen Gott während der vierzig Jahre in der Wüste. Das Volk, das bei jeder neuen Schwierigkeit gegen Gott und Mose murrte, reizte den Herrn bis aufs Äußerste. Statt Gott zu vertrauen, beklagte Israel sich und weinte Tränen des Selbstmitleids. Schließlich schmiedete es Pläne, nach Ägypten zurückzukehren, das sich in seiner Erinnerung vergoldet hatte. Das Elend der Sklaverei war vergessen. Dieser Unglaube schmerzte Gott. (Lies 2. Mose 16, 2. 3; 4. Mose 11, 1. 4. 5. 10. 20; 14, 1-4. 11.) Gott versuchen heißt sein Gerichtshandeln herausfordern. Deshalb kam die Wüstengeneration nicht ins verheißene Land. »Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan, und die mich nun zehnmal versucht haben, soll das Land sehen, das ich ihren Vätern geschworen habe« (4. Mose 14, 22. 23). Das Versagen Israels ist für uns aufgeschrieben zur Ermahnung und Ermutigung, auch in notvoller Lage den lebendigen Gott durch Vertrauen zu ehren. Möchten wir Gott von ganzem Herzen lieben? Dann wollen wir ihn nicht versuchen, sondern ihm auch auf schweren Wegen vertrauen. So können wir ihm unsere Liebe zeigen. Und wer Gott liebt, dem dient alles zu seinem Heil. »Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen könnt« (1. Kor. 10, 13; lies Röm. 8, 28).
HEBRÄER 3, 12. 13; 1.KORINTHER 10, 6. 10-12 »Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, das abfällt vom lebendigen Gott, sondern ermahnt euch selbst jeden Tag, solange es heute heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!« Aus dem Rückblick auf die Wüstenzeit ergibt sich eine Warnung und Ermahnung für die Gegenwart, weil sich das, was damals geschah, wiederholt. Die Sünde ist bis heute aktiv, und sie ist eine Betrugskünstlerin, die verspricht, was sie nicht hält. Worin besteht ihr Betrug? Sie verheißt Lebens- und Sehnsuchtserfüllung und bringt stattdessen den Tod. Sie fesselt Menschen und motiviert sie, ihre Sünde mit einleuchtender Begründung zu verteidigen. Gott gab uns seine Gebote als Hilfe zum Leben. Doch sie wurden zugunsten einer Ideologie der Freiheit ausrangiert. So wurde Sünde auch in der Öffentlichkeit salonfähig. »Ihrer Sünde rühmen sie sich wie die Leute in Sodom und verbergen sie nicht.« »Sie wissen nicht mehr, was sich schämen heißt und empfinden keine Scham« (Jes. 3, 9; Jer. 6, 15; lies Jes. 5, 20. 21). Wenn wir laufend gegen unser Gewissen handeln, stumpft es ab und reagiert nicht mehr auf den Anruf Gottes. Eine Verhärtung des Gewissens aber kann zur Verstockung führen. »Wer dem Betrug der Sünde erliegt, verschmachtet in der Wüste« (O.Michel). Die Hebräerchristen machten die Erfahrung, dass der Betrug der Sünde auch bis zur Verleugnung von Jesus führen konnte, mit der man sich in Zeiten der Verfolgung Ruhe und Sicherheit einzutauschen versuchte. Hier kann keiner für sich garantieren. Aber wir können vorbeugen, indem wir zum Beispiel die Gemeinschaft mit anderen Kindern Gottes regelmäßig suchen und uns nicht absondern. Weitere Hilfen finden wir in Hebräer 10, 23-25. 36-39; 13, 3. 5. 6. 12-15.
Es ist ein besonderes Vorrecht, Teilhaber von Jesus Christus zu sein, Anteil an ihm und allem, was ihm gehört, zu haben. Im ersten Vers von Hebräer 3 werden Kinder Gottes als Teilhaber einer himmlischen Berufung angesprochen. Als Pilger und Fremdlinge gehen wir auf das Ziel unserer Berufung zu, auf das himmlische Jerusalem und ein unerschütterliches Reich. Dahin waren auch schon die Glaubenszeugen des Alten Bundes unterwegs. »Diese alle sind gestorben im Glauben und haben das Verheißene nicht erlangt, sondern es nur von ferne gesehen und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind« (Hebr. 11, 13; 1. Petr. 2, 11). Die Wüstengeneration dagegen hat das Ziel nicht erreicht wegen ihres Unglaubens. Wir sahen, dass es auf dem Weg Gefahren durch den Betrug der Sünde gibt. Das könnte uns Angst machen und verunsichern. Aber wir sind nicht allein auf dem Weg, wie steil und steinig er auch sein mag. Wir haben Weggenossen, die mit uns Jesus nachfolgen. Vor allem ist Jesus als unser Hoherpriester bei uns und durch seinen Heiligen Geist in uns. Wir haben zu jeder Zeit Zutritt zu ihm: »Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe« (Hebr. 4, 15. 16)! Auch mit unseren Ängsten und Zweifeln dürfen wir zum Thron der Gnade kommen und vor Jesus aussprechen, was uns beschwert. Dann wollen wir sein Wort zu Herzen nehmen: »Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen« (Joh. 10, 27. 28). Hier noch einige Zusagen, dass Jesus uns ans Ziel bringen wird: Hebräer 13, 21; Philipper 2, 12. 13; 1. Korinther 1, 9; 2. Thessalonicher 1, 11. 12.
Gottes Ziel für sein Volk war Ruhe im verheißenen Land. Doch die Wüstengeneration gelangte nicht hinein. Wie kam es dazu? Sie hatten die Verheißung von Gott, dass er sie nach Kanaan führen würde. Doch als sie den Bericht der zehn Kundschafter hörten, wurden sie mit der Stärke der Einwohner und der Befestigung ihrer Städte konfrontiert. Da gerieten sie in Panik. Sie schrien, weinten, murrten und jammerten: »Ach, dass wir doch in Ägypten gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben! Warum führt uns der Herr in dieses Land, dass wir durch das Schwert fallen?« Angesichts der Größe der Einwohner und ihrer Städte wurde Gott ganz klein in ihren Augen. Er antwortete ihnen darauf: »Ich will euch tun, wie ihr vor meinen Ohren gesagt habt: Eure Leichname sollen in dieser Wüste zerfallen« (4.Mose 14, 1-3. 28. 29). Gott drückte damit aus: »Euch geschehe nach eurem Unglauben!« Wie oft hätte er uns das schon sagen müssen? Vielleicht entdecken wir uns in dem Verhalten der Israeliten wieder. Deshalb haben wir in Hebräer 4, 1 die ernste Ermahnung: »So lasst uns nun mit Furcht darauf achten, dass keiner von euch etwa zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, dass wir zu seiner Ruhe kommen.« Erscheint uns Unglaube oder Kleinglaube eher als eine nicht so ernst zu nehmende Sünde? Aber wir drücken damit Gott gegenüber unser Misstrauen aus. Das schmerzt ihn. »Das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband.« Die Zusagen Gottes halfen ihnen nicht, weil sie sie nicht fest mit Glauben verbunden haben. »Wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.« (Lies Hebr. 11, 6; Mark. 2, 5; 4, 38. 40; Matth. 9, 29.)
»Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, so wie Gott von den seinen.« Hier wird das Kennzeichen derer, die in Gottes Ruhe eingegangen sind, genannt: Sie ruhen von ihren Werken, wie Gott am Sabbat geruht hat, weil die Schöpfung vollendet war (1.Mose 2, 3). Wir können ruhen von unseren Werken, weil Jesus die Erlösung vollendet hat. Wir müssen nichts ergänzen, nichts hinzufügen. Das bedeutet: Wir sind gerecht vor Gott durch den Glauben an das vollkommene Erlösungswerk von Jesus. Bei Gott gibt es keine »Mischfinanzierung«, bei der er für einen Teil unserer Schuld aufkäme und wir für den Rest. Auch für den »Restanteil« könnten wir nicht aufkommen. Dazu wären wir von der Unruhe geplagt, ob unsere guten Taten für den »Restanteil« wirklich ausreichten. Nun können wir in tiefem Frieden sein und ruhen von unseren eigenen Rechtfertigungs- und Heiligungsversuchen in dem, was Jesus für uns vollbracht hat. »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus« (Röm. 5, 1; Jes. 53, 5). Jesus kommt nicht nur für unsere Rechtfertigung, sondern auch für unsere Heiligung auf. Sie gehört mit zu seiner Erlösung. »Mit einem einzigen Opfer hat Jesus die, die geheiligt werden, für immer vollendet« (Hebr. 10, 14). Ruhen von den eigenen Werken bedeutet, dass wir entsprechend unseren täglichen Anforderungen und Herausforderungen vertrauensvoll in Anspruch nehmen können, was uns durch die Lebensverbindung mit Jesus gehört. Durch seinen Geist leitet und korrigiert, wehrt und ermutigt er uns. Der Vater hat uns Jesus gegeben zu unsrer »Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung« (1. Kor. 1, 30; lies 2. Kor. 5, 21; Joh. 17, 19; Matth. 20, 28).
Dass Israel damals wegen seines Unglaubens gescheitert ist, macht die Ermahnung, »eifrig in jene Ruhe einzugehen«, umso dringlicher. Jeder soll begreifen, worum es geht und was auf dem Spiel steht. Wir können uns als Christen mühen und abrackern, um Gott zu gefallen, oder wir können leben als Rebe am Weinstock. Jesus sagt: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.« Die Rebe empfängt alles vom Weinstock. Getrennt vom Weinstock verdorrt sie. Ihre Aufgabe ist es, am Weinstock zu bleiben. »Bleibt in mir, und ich bleibe in euch.« Diese Ruhe bedeutet, in Gemeinschaft mit Jesus zu leben und zu arbeiten. Daraus entsteht Frucht, die er in uns wirkt. Durch kindliches Vertrauen nehmen wir das alles in Besitz. Seine Ruhe macht uns nicht passiv. Sondern sie bedeutet: Wir können unsere Arbeit in tiefem Frieden tun, weil wir innerlich geborgen und verankert sind bei Jesus. Der Pionier-Missionar Hudson Taylor schilderte seiner Schwester, was es bedeutet, dass wir eins sind mit Jesus wie die Rebe mit dem Weinstock. »Das Schönste ist die Ruhe, die das Einssein mit Christus bringt. Es kommt nicht darauf an, wohin und in welche Umstände hinein er mich sendet. Er muss mir in der leichtesten Lage seine Gnade schenken, und in der schwierigsten lasse ich mir an seiner Gnade genügen. Seine Hilfsquellen gehören mir, denn er gehört mir, ist bei mir und wohnt in mir. Das alles quillt aus dem Einssein mit Christus, und wie glücklich bin ich geworden, seit Jesus so durch den Glauben in meinem Herzen wohnt.« Weitere Ermutigungen dazu: Epheser 3,16.17; Johannes 14, 17.18. 23; Galater 2,19. 20.
HEBRÄER 6, 19; 4, 10. 11; HIOB 14, 1 »Diese Hoffnung (der göttlichen Verheißung) haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der auch hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang«, - das heißt, bis in das Allerheiligste der Gegenwart Gottes. Wir sind verankert in der Erlösung, die Jesus am Kreuz für uns vollbrachte. Die schwerste Last, die Last unserer Schuld, hat Jesus uns abgenommen. »Wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit« (M. Luther). (Lies 2. Kor. 5, 21; Gal. 1, 4. 5; 1. Tim. 2, 5. 6.) Ohne die Verankerung bei Jesus wären wir wie ein Boot, das von den Wellen hin und her geworfen würde und schließlich kenterte. Freilich wird es immer wieder Stürme in unserem Leben geben, aber wenn wir sie Jesus im Gebet vertrauensvoll bringen, kommt unser Herz zur Ruhe. Paulus fordert uns auf: »Sorgt um nichts, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus« (Phil. 4, 6. 7; lies Joh. 16, 33; Kol. 3, 15; 2. Thess. 3, 16). Auch wenn wir im Vertrauen auf Gott leben, bedeutet das nicht, dass wir unantastbar wären, nicht mehr angefochten werden könnten, nicht mehr ins Sorgen und in Stress geraten könnten. Aber wenn wir in Jesus verankert sind, lässt sich auch ein Arbeitsberg besser bewältigen. Jesus will aus uns Menschen machen, die mitten in der Unruhe unserer Zeit in ihm geborgen sind. In Matthäus 11, 28-30 zeigt Jesus uns den Weg zum Eingehen in seine Ruhe. (Lies Jer. 6, 16; 1. Joh. 5, 3.) »Wir müssen einer neuen Generation nervöser Christen zeigen, dass die Kraft im Zentrum des Lebens, in Jesus, liegt. Eile und Lärm sind Zeichen von Schwäche. Die Ewigkeit ist leise. Die Welt ist laut« (A.W. Tozer).
»Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, . . . und ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.« Warum spricht der Verfasser nach dem Thema vom Eingang in die Ruhe Gottes vom Wort Gottes? Darin zeigt Gott uns den Weg zum Eingang in seine Ruhe. Ohne das Wort Gottes wären wir hilflos den Irrlichtern dieser Welt ausgeliefert. »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege« (Ps. 119, 105). Doch mancher empfindet die Bibel eher als bedrohlich, wie ein Berliner Taxifahrer sagte: »Die Bibel - det Buch pack ick nich an. Wenn ick det lese, muss ick mir ändern, und det will ick nich!« Das ist eine Aussage über die Wirkkraft des Wortes Gottes. Doch der Mensch kann sich ihm verschließen. Gott lässt uns die Freiheit dazu. Vielleicht gibt es ja auch in unserem Leben Bibelworte, die wir abschwächen und sagen: »So genau kann man das doch heute nicht nehmen!« Nimmt Gott es wirklich so genau, etwa mit unserem Reden (Matth. 12, 36. 37; 7, 1-5; Jak. 3, 5. 8)? Nimmt Gott es genau mit der Reinheit vor und der Treue in der Ehe (2.Mose 20, 14; Matth. 5, 27. 28; 1. Thess. 4, 3. 7; Hebr. 13, 4)? Lassen wir uns von den Maßstäben der Welt prägen oder vom Wort Gottes? Der Vater hat ein hohes Ziel für uns. Er gebraucht sein Wort, um uns »dem Ebenbild seines Sohnes« gleich zu gestalten, »damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern « (Röm. 8, 29; 1. Kor. 15, 49; 2. Kor. 3, 18). Deshalb soll Gott und sein Wort Recht behalten in unserem Leben. Wir können ihm unsere Schuld bekennen und Vergebung empfangen. Wer Jesus nachfolgt, schwimmt gegen den Strom. Aber wir sind dabei nicht allein. Unser Herr ist bei uns, und wir haben Glaubensgeschwister, denen es ähnlich geht. (Lies Matth. 7, 13. 14; Spr. 14, 12.)
»Ist mein Wort nicht brennend wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?« Gottes Wort überwindet Widerstände und dringt durch. Es ist nicht ohnmächtig wie unser Wort, sondern hat Schöpferkraft und wirkt, wozu Gott es sendet. »So er spricht, so geschieht's, so er gebietet, so steht's da« (Ps. 33, 9). Menschen gelangen dadurch zur Wiedergeburt und werden zu Kindern Gottes. Das Wort Gottes hakt sich fest und verändert unser Denken und Wesen. Deshalb wollen wir uns täglich dem göttlichen Wort aussetzen. (Lies Jes.55, 10.11; Jer.15, 16; 1.Petr. 1, 23; Jak.1, 18.) In Hebräer 4, 12 wird das Wort Gottes verglichen mit einem beidseitig scharf geschliffenen Schwert, das wirksam durchzudringen vermag bis zu unserem Herzen. Das Herz ist der Ausgangspunkt unserer Motive, Gedanken, Gefühle, Worte und Handlungen. »Ein Mensch sieht, was vor Augen ist.« Gottes Wort aber durchleuchtet und richtet uns. - Ein Sammler von wert- vollen Versteinerungen bekommt manchmal Funde angeboten. Doch es kann geschehen, dass die so genannten Funde nur sehr gute Nachahmungen sind. Deshalb kauft er sie nur, wenn er sie vorher röntgen oder eine Computer- Tomographie machen lassen kann. Dadurch wird die Imitation oder Echtheit erwiesen. Genau so macht das Wort offenbar, was aus unserer Innenwelt und was vom Geist Gottes herrührt. Es lehrt uns zu unterscheiden zwischen dem, was aus unserem Verlangen und Wünschen, aus unseren Gefühlen und Stimmungen kommt, im Gegensatz zu dem, was vom Geist Gottes stammt. Wenn wir den Willen Gottes tun wollen und seine Leitung erbitten, brauchen wir dieses Unterscheidungsvermögen durch das Wort Gottes. »Befestige meine Schritte durch dein Wort, und gib keinem Unrecht Macht über mich!« (Ps.119, 133; lies Ps. 143, 10; 1. Kön. 3, 9; 1. Kor. 2, 12-15; Gal. 5, 16; Hebr. 5, 14).
HEBRÄER 4, 12. 13; PSALM 139, 23. 24 Das Wort Gottes deckt die geheimen Wünsche und Gedanken des Menschenherzens auf und hält über sie Gericht. Es gibt niemand, dessen Inneres vor Gott verborgen wäre. Alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen da, dem wir Rechenschaft schuldig sind. Wir können bitten wie David: »Durchforsche mich, Gott, sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken! Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen, dann bring mich zurück auf den Weg zu dir!« Es ist heilsam und befreiend, wenn das Wort Gottes auch die uns unbewussten Motive unseres Handelns ans Licht bringt. Dabei ereignet sich schon Gericht Gottes an uns. Das Wort Gottes nimmt das Gericht Gottes an uns schon vorweg, wenn wir uns dem göttlichen Wort aussetzen. Es legt bereits heute und jetzt Gottes Maßstab an unser Leben an. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard fragte einmal: »Wagst du schon, mit der Bibel allein zu sein?«, und er fügte hinzu: »Ich wage es immer noch nicht recht.« Wem haben wir Rechenschaft zu geben für unser Leben? Dem, der »das Fleisch gewordene Wort« ist. Der Vater »hat dem Sohn die Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist« (Joh.5,27; lies Joh.1, 1-5. 14; 12, 48. 49; Dan. 7, 13. 14). »Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse« (2. Kor. 5, 10; lies 1. Kor. 4, 5; Eph. 6, 7. 8). Vor Jesus können wir nichts verbergen, nichts beschönigen. Doch als unser Richter ist er zugleich auch unser Hoherpriester. »Daher kann er auch bis aufs Äußerste die retten, die durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten« (Hebr. 7, 25; lies Hebr. 9, 27. 28; 13, 20. 21)!
Sichtbare Zeichen der Gottesbegegnung im Alten Testament sind die Altäre. Sie wurden in bestimmten Situationen gebaut, solange es kein zentrales Hei- ligtum des lebendigen Gottes gab. »Der Hauptzweck eines Altars lag zur Zeit des Alten Testaments darin, auf ihm Tiere zu opfern, aber er hatte darüber hinaus weitere Zweckbestimmungen, z. B. als Ort des Gebets, der Versammlung und der Zuflucht zu dienen« (Jerusalemer Bibellexikon). Der erste in der Bibel erwähnte Altar ist der Altar Noahs nach der Sintflut (1.Mose 8,20). Doch schon Kain und Abel opferten. Von den Patriarchen wissen wir, dass sie unbehauene Steine aufrichteten und den Namen des Herrn dort anriefen. Die Altäre der Bibel, mit denen wir uns beschäftigen wollen, wurden von Menschen gebaut, die Gott als den Höchsten ehren wollten, indem sie auf dem Altar opferten und Gott anbeteten. Wir dagegen brauchen nicht zuerst einen Altar zu bauen, wenn wir uns entschließen, mit Gott zu reden, auf ihn zu hören oder auch ihm etwas zu schenken. Wir wollen dennoch einige Altargeschichten bedenken und uns die Frage stellen, was sie uns heute zu sagen haben. Damals wie heute bedeutet das Gehen zum Altar ein Hintreten zum Herrn, und am Altar sein: vor dem Herrn sein. Wir erwarten dann sein Reden, ein klärendes, mutmachendes und wegweisendes Wort. Ein Christ unserer Zeit sagte: »Dass doch die Altäre an unserem Weg nicht fehlen!« Er meinte damit besondere Zeiten, in denen sich der Glaubende neu dem Herrn anvertraut, sich ihm weiht. Außerdem bedeutet jedes Gebet und jedes Hören auf das Wort Gottes ein Verweilen am Altar. Diese Tatsache umschreibt Asaf so: »Ich ging in das Heiligtum Gottes« (Ps. 73, 17; lies 1. Chron. 16, 11; Ps. 107, 22).
1. Der Altar als Ort des Dankes für die Rettung Nachdem Noah mit seiner Familie unbeschadet die Arche verlassen hatte, wurde der Neuanfang auf der Erde ganz bewusst mit Gott gemacht. Aus Dank für die Bewahrung während der Sintflut und für das neu geschenkte Leben auf der Erde baute Noah dem Herrn einen Altar. Als Opfergabe nahm er das Wertvollste, das er hatte. Vom Fleisch der Opfertiere behielt er nichts für sich zurück, das Opfer sollte ganz dem Herrn gehören (»Brandopfer«). So feierte Noah seinen ersten Gottesdienst angesichts der neuen Verhältnisse. »Diese erste Handlung Noahs auf der erneuerten Erde, also nach der Sintflut, umfasst die sieben Ur- und Grundmotive jedes wahren Gottesdienstes, und es sind die sieben Ur- und Grundmotive des wahren Lebens mit Gott. o Das ganze Leben der Gläubigen ist Gottesdienst als Reaktion des Geretteten. o Die Antwort auf Gottes Rettung ist der Dank. o Der Gottesdienst steht vor aller Arbeit und vor aller Sorge um das zukünftige Leben. o Im Gottesdienst gibt der Mensch Gott das Kostbarste und Wertvollste, das er besitzt. o Im Gottesdienst will der Mensch nichts zurückbehalten, der Gottesdienst ist ein Ganzopfer. o Im Gottesdienst kommt es auf das Herz des Menschen an, Gott sieht das Herz an. o Der Gottesdienst ist ein Ort, an dem der Mensch zur Ruhe kommt« (Hj. Bräumer). Der Gottesdienst des Noah gefiel dem Herrn. »Der Herr roch den lieblichen Geruch.« Das ist im Hebräischen ein bildhafter Ausdruck dafür, dass Gott das Opfer von Noah gnädig annahm. Er sah das aufrichtige Herz Noahs an (1.Mose 4, 4. 5). Leider werden viele Gottesdienste ohne nennenswerte innere Beteiligung gefeiert. Das gefällt dem Herrn nicht. (Lies Amos 5, 21-27.)
RÖMER 12, 1. 2; MATTHÄUS 16, 25 In unserer Zeit wird in manchen Gemeinden »der etwas andere« oder »der ganz andere« Gottesdienst gefeiert. Paulus hat an die Christen in Rom und an die Christen aller Zeiten geschrieben, welches der ganz andere und der echte Gottesdienst ist: » . . . dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.« »Es geht um unser wirkliches, um das leibhaftige Leben. Das ist der genaue Gegensatz zu unserem üblichen Christentum, das Gott mit etwas Andacht und einiger Innerlichkeit abspeist und das reale Leben sich selbst vorbehält oder der Welt überlässt. Wir müssen es von Paulus neu lernen, dass gerade unsere vergeistigten, auf das Gedankliche beschränkten Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen eigentlich nicht der vernünftige Gottesdienst ist. Dieser ist nicht auf Tage und Stunden und erst recht nicht auf Hören und Reden beschränkt, sondern vollzieht sich fort und fort im Darbringen des lebendigen Opfers« (W. de Boor). Das ganze Leben der Gläubigen ein Gottesdienst! Wie bei Noah nach einem entscheidenden Erleben das Dankopfer als Ganzopfer dran war, so darf es auch bei uns sein. Wir wissen, wie sehr Jesus sich freute, als er die Gabe einer Witwe sah. »Sie hat alles gegeben.« Sie hatte nicht viel, aber sie hielt nichts zurück von dem wenigen, das sie hatte. (Lies Mark. 12, 41-44.) Es gibt im Leben der Jesus-Nachfolger besondere Stunden, in denen sie auf den hinter ihnen liegenden Weg zurückschauen und sprechen: »Bis hierher hat der Herr geholfen.« In solchem Dank liegt immer schon der vertrauensvolle Ausblick in die Zukunft mit der Gewissheit, dass er weiterhelfen wird. Solche Dankaltäre sind wichtige Stationen an unserem Weg. (Lies 5. Mose 8, 10; Ps. 100, 4.)
2. Der Altar am Ort der Rückkehr und Umkehr Mit der Hungersnot im Land Kanaan kam die Anfrage an Abraham: Vertraust du deinem Gott? Rechnest du damit, dass er dich in dieser Notzeit durchbringt, oder musst du selber nach einem Ausweg suchen? Jede Notzeit, die wir erleben, stellt uns vor diese Entscheidung. In solchen Zeiten, in denen es am Notwendigen fehlt, fehlt auch die Sicherheit der eigenen Existenz. Man hält Ausschau nach Absicherungen. Das tat Abraham, denn er hatte Angst. Darum lockte ihn die reiche Getreidekammer »Ägypten«. Dort konnte er überleben. Hatte er vergessen, dass der lebendige Gott persönlich ihn nach Kanaan gerufen und geführt hatte? Würde der Herr ihn im verheißenen Land verhungern lassen? Auf dem Weg nach Ägypten kamen Abraham berechtigte Zweifel, aber nicht wegen seines Ungehorsams. Die Pharaonen waren dafür bekannt, dass sie sich einen großen Harem hielten, und Sara war eine schöne Frau. Die Machthaber nahmen sich das Recht, jede schöne Frau ihr Eigen zu nennen. Wenn eine Frau verheiratet war, ein Herrscher sie jedoch wollte, dann ließ er den Ehemann töten. Um sein Leben vor solchem Zugriff zu retten, griff Abraham zur List. In Ägypten gab er Sara als seine Schwester aus - eine Halbwahrheit (1.Mose 20, 12)! - und Sara wurde um ihrer Schönheit willen tatsächlich in das Haus des Herrschers geholt. Als Gegenleistung wurde Abraham reich beschenkt, aber Sara war ihm genommen. Abraham hatte Schuld auf sich geladen: Unglaube, verbunden mit Angst und Halbwahrheiten, bestimmte sein Handeln. Seit dem Aufbruch nach Ägypten hatte Abraham nicht mehr mit dem Herrn geredet, als habe er ihn vergessen. Aber Gott vergaß ihn nicht. Gott ist größer als alles selbstbezogene ängstliche Sorgen. (Lies Jes. 50, 2; Ps. 62, 12; Röm.16, 27.)
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