ZEIT MIT GOTT - DIE UNVERZICHTBARE LEBENSHILFE

SAMSTAG, 1. JANUAR

5.MOSE 32, 46. 47; 1.KORINTHER 1, 9

In einer Zeit, in der es von einer Krise zur anderen zu gehen scheint und wir nicht wissen, welche Erschütterungen und Anforderungen im Jahr 2005 zu verkraften sind, ist es das Gebot der Stunde, sich neu auf das wirklich Wichtige im Leben zu besinnen. Vieles ist wichtig. Unsere Terminkalender, unsere Pläne und Unternehmungen sprechen eine deutliche Sprache. Wir mögen zu wichtigen Aufgaben und Diensten ge- und berufen sein, unsere höchste und wichtigste Berufung ist die Berufung zur Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wie zeigt sich diese Berufung in unserem Leben praktisch? Lassen wir uns von Jesus beraten!

Ich bete für dich.

Die grundlegende Hilfe, die Jesus uns anbietet, besteht nicht in dem, was wir tun sollen, sondern darin, was er für uns tut. In einer äußerst kritischen Stunde ermahnte Jesus seinen Mitarbeiter Simon Petrus nicht: Petrus, glaub dich durch, halte Kurs!, sondern gab ihm die feste Zusage: »Simon, ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre« (Luk. 22, 31. 32). Welche Ermutigungen aus dem großen Fürbittegebet von Jesus möchte ich heute für mich persönlich beherzigen: Johannes 17, 9-11. 15-23?

Du lebst nicht vom Brot allein.

Jesus selbst musste unzählige Versuchungen und schwere Prüfungen erleben. Dass er darin nicht unterging, lag daran, dass er sich aus dem Wort Gottes Kraft und Mut holte. Von klein auf hatte er die biblischen Geschichten des Alten Testamentes gehört, darüber nachgedacht und sich die großen Taten Gottes eingeprägt. Vieles kannte er auswendig. Für das Wort Gottes und das Gespräch mit dem Vater im Himmel nahm Jesus sich bewusst Zeit. Und ich? Gleicht meine persönliche Zeit mit Gott einem Schnell-Imbiss? Dabei hat der Herr uns täglich den Tisch seines Wortes gedeckt, um uns mit gesunder Kraftnahrung zu versorgen. Zur Vertiefung: Jeremia 15, 16; Hesekiel 3, 1-3; Lukas 4, 1-13. Keiner, der durch Wüsten wandert, wirft die Wasserflasche weg. Was am Leben hält, ist niemals überflüssiges Gepäck. Was das Wasser in der Wüste, ist die Bibel in der Welt. Dieses Buch in deiner Wohnung ist, was mehr als alles zählt.

Wird es dunkel in den Städten, gehen tausend Lichter an, dass sich jeder auf den Straßen richtig orientieren kann. Was das Licht in finstren Nächten, ist die Bibel in der Zeit. So bringt Gott in dunkle Stunden Licht aus seiner Ewigkeit.

Ist die Existenz gesichert, bleibt das Leben doch bedroht. Für den großen Lebenshunger brauchst du Gottes Lebensbrot. Jeder sucht den Sinn des Lebens. Keiner lebt vom Brot allein. Und auf unsre Lebensfragen wird die Bibel Antwort sein.

Für Gottes Wort nehm ich mir Zeit, Minuten für die Ewigkeit. Wer Gottes Worte hört und tut, ist klug und baut sein Leben gut. Jörg Swoboda

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SONNTAG, 2. JANUAR

5.MOSE 33, 3; LUKAS 10, 38-42

Jesus berät uns, wie wir Zeit gewinnen, wenn wir sie zu verlieren meinen. Es gibt so viel zu tun! Viele fahren schon zur Arbeit, wenn andere sich noch einmal im Bett herumdrehen. Wir sind von morgens bis abends eingespannt und angespannt, und dann sind wir zu abgespannt, um noch Zeit mit Gott zu verbringen. Jesus rät uns: Entscheide dich für das unverlierbar Gute! Maria aus Betanien traf nicht die Entscheidung, weniger zu arbeiten als ihre Schwester Marta. Denn Gastfreundschaft zu üben galt in jener Kultur als hohe gesellschaftliche Verpflichtung, der sich auch Maria nicht entziehen durfte. Die alles entscheidende Frage in unserem Bibeltext ist weder eine Frage nach der Bewältigung des Arbeitspensums noch eine Frage nach der optimalen Zeitplanung, sondern eine Frage nach unserem persönlichen Vertrauen zu Jesus. Vertrauen im Sinn des Wortes Gottes hat nicht zuerst mit unseren Gefühlen, sondern mit unserer Entscheidungsfähigkeit und unserer Willenskraft zu tun. Maria traf die Wahl: Jesus zuerst. Das Gespräch mit ihm ist wichtiger als alles andere, das auch wichtig ist. Die Zeit, die wir zum Hören und Lesen seines Wortes brauchen, wird er mit Ewigkeitsqualität füllen. Unser Tun und Lassen wird der Herr ordnen und segnen, und vor allem wird unser Herz aufleben und mit dem Frieden Gottes erfüllt werden. »Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln« (Ps. 119, 165; vgl. Ps. 69, 14-17. 31-33; 119, 9-12). o Schließ die Tür hinter dir zu! Wichtige Gespräche lassen sich nicht zwischen Tür und Angel erledigen. Wir brauchen einen geschützten Raum, damit wir in Ruhe sprechen können. Das gilt erst recht für das Gespräch mit unserem Vater im Himmel. (Lies Matth. 6, 6; Jes. 26, 20; Dan. 6, 11.) Jesus selbst übte sich darin: Markus 1, 35; Matthäus 14, 23; Lukas 5, 16; 11, 1.

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MONTAG, 3. JANUAR

PSALM 27, 4; MATTHÄUS 18, 19. 20

Die persönliche Zeit mit Gott braucht die Ergänzung gemeinsamer Zeit mit Gott. Jesus weiß, dass wir Schwierigkeiten haben, regelmäßig und sorgfältig unsere Bibel zu lesen. Der Herr kennt die Sorgen und Nöte, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Ihm entgehen auch nicht unsere Ausreden, warum wir keine Zeit haben. Er rät uns: Lebe deinen Glauben verbindlich! Als wir Christen wurden, hat uns der Vater für immer mit seinem Himmel und mit seiner Gemeinde verbunden. Als Söhne und Töchter des lebendigen Gottes brauchen wir das gemeinsame Hören auf sein Wort, das gemeinsame Gotteslob und das Gebet. Von der ersten Christengemeinde heißt es: »Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet . . . Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohl- wollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden« (Apg. 2, 42ff). Wenn in unserer Gemeinde vielleicht ganz andere Zustände herrschen, tragen wir dennoch Verantwortung für eine persönliche, verbindliche Glaubensgemeinschaft. Welche der biblischen Empfehlungen wollen wir neu in unser Leben aufnehmen: Nehemia 8, 5-12; Epheser 5, 19; Philipper 4, 21-23; Hebräer 10, 25; Jakobus 5, 14-16? »Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt« (Ps. 26, 8; vgl. 42, 5; 84, 2. 5ff). »Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen« (Kol. 3, 16). Zur Erprobung: Warum nicht auch per Telefon seelsorgerlich miteinander sprechen und beten?

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DIENSTAG, 4. JANUAR

HEBRÄER 4, 14-16; LUKAS 22, 31-34

In der Zeit mit Gott erfahren wir seine persönliche Seelsorge. Jesus spricht sehr offen und vertrauensvoll mit uns. Wie im Gespräch mit Simon Petrus öffnet er auch unsere Augen für die Angriffe des Feindes Petrus liebte Jesus, und er wollte seinem Herrn treu und konsequent nachfolgen. Nichts ärgert Satan so sehr wie ein Jesus-Jünger, der sich Jesus Christus ganz anvertraut hat und auf seine Stimme hört. Die Angriffe des Feindes sehen sehr unterschiedlich aus. An welche biblischen Beispiele erinnern wir uns? für die Hilfe von Jesus Von ihm gilt: Jesus ist größer. Jesus ist stärker. Er ist der bewährte Helfer. Denn »worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden« (Hebr. 2, 18). Dass Jesus für uns betet, kann kein Teufel und keine Not verhindern! Immer denkt der Herr voll Liebe an uns und betet für uns. »Mag sein, es liegt einer krank - frisch operiert, sehr schwach, am Leben verzweifelnd - und kann nicht mehr glauben und beten: da soll er sich daran erinnern, dass sein Herr zugleich unsichtbar an seinem Bett und vor Gottes Thron steht: Lass ihm den Glauben nicht ausgehen! Oder ein anderer fühlt sich erdrückt durch die Übermacht des Bösen, der ihn und alle Welt attackiert, und ihm will der Mut zum Leben ausgehen: Da soll er daran denken, dass Christus für ihn priesterlich einsteht und das schlimmste Unheil durch sein Heil überwinden will« (G.Voigt). »Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt« (Röm. 8, 33. 34; lies 2. Petr. 2, 9a; 1.Kor. 10, 13; 2. Thess. 3, 3; 2. Tim. 4, 18; Offb. 3, 10).

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MITTWOCH, 5. JANUAR

GALATER 5, 22; LUKAS 22, 32-34

Gestern lasen wir, dass der Jesus-Jünger im Gespräch mit seinem Herrn offene Augen bekommt für die Angriffe des Feindes, aber auch für die Hilfe Gottes. Es ist noch mehr zu sagen. Jesus öffnet den Seinen die Augen für den Dienst in der Bruderschaft »Stärke deine Brüder!« Eine langjährige Christin bekam mit ihrem Umzug an einen anderen Ort neue Aufgaben in der neuen Gemeinde. In einem Zweiergespräch bekannte sie mutig: »Wenn ich hier anfange, will ich zwei Dinge nicht tun. Ich will nicht vergleichen, und ich will nicht begehren.« Gott hatte ihr beim persönlichen Bibelstudium klargemacht, dass sie ihre Glaubensgeschwister stark macht, wenn sie ihre persönlichen Schwachstellen mit der Jesuskraft überwindet. Der Apostel Petrus machte viele Jahre nachdem er den Auftrag »Stärke deine Brüder!« von Jesus bekommen hatte, ähnliche Entdeckungen: Wir lesen dazu 1. Petrus 5, 1-10. Wie können wir unsere Glaubensgeschwister sonst noch stärken? Durch unsere Fürbitte, einen Ermutigungsgruß, durch praktische Mitarbeit, auch durch finanzielle und materielle Zuwendungen (Apg. 11, 27-30) oder einen Besuch und nicht zuletzt durch liebevolle und offene Korrektur (Gal. 2, 11-14). für unser eigenes Herz Wir müssen von uns selbst wissen, dass wir bis ins hohe Lebensalter Jesus gelegentlich schwer zu enttäuschen vermögen. Darum wird es immer wieder einen Ort geben, an den wir zurückkehren: zum Kreuz von Golgatha. »In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich gegeben hat« (Eph. 1, 7. 8a). Gerade der im Glauben reife Christ lebt von dem, was Christus für ihn getan und was Christus ihm geschenkt hat. »Wir danken dir, Herr Jesus Christ, dass du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut« (Chr. Fischer). Lies Römer 8, 1. 31. 32. 35-39 und 1. Johannes 3, 20.

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DONNERSTAG, 6. JANUAR

PSALM 25, 14; JOHANNES 15, 15. 16

Die Zeit, die wir mit Gott und seinem Wort verbringen, enthält schon ein Stück von seiner großen und herrlichen Ewigkeit. In Mose brannte die tiefe Sehnsucht: »Gott, lass mich deine Herrlichkeit sehen« (2.Mose 33, 18)! Woher kam dieses Verlangen? Sprach hier ein Weltfremder, ein Träumer oder gar ein Lebensmüder? Gewiss nicht. Das Alte Testament schildert uns Mose als eine dynamische, dem Leben und den Nöten seines Volkes zugewandte Persönlichkeit. Aber vor allem lebte er Gott und seinem Wort zugewandt. Mose öffnete sich weit für das Reden Gottes und nahm sich Zeit für sein Wort. Sonst hätte das Volk Gottes den Weg und das Ziel durch die endlose, gefährliche Wüste nicht gefunden, sonst wären die Israeliten verhungert und verdurstet, sonst wäre Mose an der kraftverzehrenden Verantwortung für das Volk Israel zerbrochen. (Lies 5. Mose 4, 7. 31-33.) »Und der Herr redete mit Mose wie ein Mann mit seinem Freund redet« (2.Mose 33, 11; vgl. 4. Mose 12, 8; 5. Mose 34, 10). Die Freundschaft mit Gott, das vertraute Gespräch mit ihm vertieft die Erwartung und die Vorfreude auf die ewige Herrlichkeit. In der Menschwerdung des Sohnes Gottes ist die Herrlichkeit Gottes für uns noch ganz anders »fassbar« geworden als bei Mose: »Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« (Joh. 1, 14; vgl. Jes. 40, 5-8). Jesus Christus ist die Herrlichkeit Gottes in Person. Durch die Freundschaft mit ihm gehört uns der Himmel Gottes (vgl. Joh. 1, 10-13; 1. Petr. 1, 3-9). »Wir alle sehen mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel. Dabei werden wir selbst in sein Bild verwandelt und bekommen mehr und mehr Anteil an seiner Herrlichkeit. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist« (2. Kor. 3, 18; lies Joh.11, 40; 2.Petr. 1, 16.17; Hebr. 1, 1-3; 1.Joh.3,1-3).

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IM GLAUBEN WACHSEN UND REIFEN - MARKUS 4, 1-41

FREITAG, 7. JANUAR

MARKUS 4, 1-3; KOLOSSER 3, 16. 17

1. Jesus - der einzigartige Sämann

In seiner Gleichnisrede stellt Jesus sich selbst als Sämann vor, der das Korn des Wortes Gottes überraschend großzügig ausstreut. Viel Widerspruch hat er bisher ertragen müssen (z. B. Mark. 2, 13-17; 3, 1. 2. 6. 20-22). Doch der Herr lässt sich nicht ermüden - »und wiederum begann er zu lehren«. In den Spannungen und Konflikten seines Lebens blieb Jesus dem Wort und Willen Gottes treu. Er selbst lebte von »jedem Wort Gottes« (vgl. Matth. 4, 4; Luk. 2, 46-49), und er verkündete den Willen Gottes - nicht wie die Schriftgelehrten, sondern wie einer, der Vollmacht hat. Unermüdlich rief er aus: »Die Zeit ist erfüllt, und die Königsherrschaft Gottes ist nah herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium« (Mark. 1, 14. 15). Jesus gebrauchte viele Worte, Vergleiche und Beispiele aus der Lebenswelt seiner Zuhörer, um ihnen zu zeigen, wie wichtig es ist, sich der treu sorgenden Herrschaft Gottes anzuvertrauen. Er sah, dass das Volk vergiftet war durch die gesetzlichen Lehren des Pharisäertums. Darum schlägt der Herr jetzt einen ernsten Ton an: »Hört zu!« Jesus weiß, dass eins der größten Probleme des Menschen darin besteht, nicht wirklich hörfähig zu sein. »Du hörst mir gar nicht richtig zu!« Wir haben damit reichlich Erfahrung gemacht. Jesus auch. Darum wiederholt er mehr als zehnmal in Markus 4 das Wort vom Hören. »Wer Ohren hat zu hören, der höre!« Oft sind wir abgelenkt, auf unsere Sorgen fixiert, oder wir filtern weg, was uns nicht passt. Wir wollen nicht hören, was wir hören, weil es uns nicht gefällt (vgl. Jer. 7, 24). Es stimmt: Unser Herz ist ein »trotzig und verzagt Ding« (Jer. 17, 9). Doch wir haben einen Herrn, der durch sein Wort Neues wirkt! Wie zeigt sich das in Apostelgeschichte 16, 14. 25-34 und wie in meinem Leben?

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SAMSTAG, 8. JANUAR

MARKUS 4, 3-9

Das Gleichnis, das Jesus erzählt, ist eingerahmt von seiner Bitte um aufmerk- sames Hören (V. 3. 9). Wollte im Orient jemand einem anderen etwas Lebenswichtiges mitteilen, für das es auf genaues Hören ankam, musste das durch den Turban oder Schleier verhüllte Ohr »geöffnet« werden. Wer das Tuch zurückschlug bzw. zuließ, dass es beiseite geschoben wurde, zeigte damit seine völlige Hörbereitschaft. »Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück« (Jes. 50, 4. 5). Zum Hören tritt das Sehen: »Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen.« Hier geht es um unser inneres Sehvermögen, um die Herzensaugen, mit denen wir Jesus, den großen Sämann des göttlichen Wortes, anschauen. Lasst uns heute immer wieder aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, damit wir nicht so leicht ermüden und ermatten: Lies Hebräer 12, 1-3. Beobachten wir nun den Sämann im Gleichnis! Er sät und sät und sät - entsprechend der landwirtschaftlichen Praxis der Jesus-Zeit. Damals wurde zuerst gesät, dabei jedes Fleckchen Erde genutzt, und dann gepflügt. Erst beim Pflügen kam die wirkliche Beschaffenheit des Bodens voll in den Blick. Der Erdboden kann sich als hart, steinig, dornenbehaftet oder gut erweisen. Das war den Zuhörern völlig klar. Aber verstanden sie auch, dass Jesus von der Beschaffenheit ihres Herzens sprach? Jeder trägt das vierfache Ackerfeld in sich. Wir sind »Wegmenschen«, »Felsenleute«, »Dornenmenschen« und »gutes Land«. Es kommt darauf an, auf welchen Boden das Wort Gottes bei uns fällt. Es geht um das richtige Hören auf Jesus, damit sein Wort in unserem Leben tiefe Wurzeln schlagen und reichlich reife Frucht tragen kann. »O Land, Land, Land - höre des Herrn Wort« (Jer. 22, 29; lies Jes. 55, 10. 11; Neh. 8, 5-10; Kol. 1, 3-6)!

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SONNTAG, 9. JANUAR

MARKUS 4, 10-12

Ein hartes Wort! Will der Herr bewusst abstoßen? Gewiss nicht. Sagt er möglicherweise, dass ein Teil der Predigthörer wie aus heiterem Himmel verdammt sei oder von vornherein keine Chance bei Gott habe? Bestimmt nicht. Dennoch ist der ernste Ton in der Verkündigung des Herrn unverkennbar; denn Jesus sieht, dass ihm viele folgen (V. 1), aber nur wenige nachfolgen (V. 10). Worin der Unterschied besteht, kann uns folgendes Bild verdeutlichen: Vergleichen wir das Reich Gottes, in das Jesus einlädt, mit einer Kapelle, die mit farbigen Glasfenstern ausgestattet ist. Wir können am helllichten Tag die Fenster von außen anschauen und von den herrlichen Farben schwärmen. Aber wir reden wie Blindgeborene von Farbe und Formen. Erst wenn wir den Raum betreten und die Fenster von innen im Tageslicht betrachten, erkennen wir die Bilder, wie sie wirklich sind, dann erst erkennen wir die Schönheit der Motive und die feinsten Konturen und Farbnuancen. Welch ein Gegensatz besteht zwischen draußen und drinnen! Schon in Markus 3, 31-35 war uns aufgefallen: Es gibt ein Draußen und ein Drinnen. Wer »drinnen« bei Jesus ist, wer sein Wort hört und sich daran orientiert, gehört zu den wahrhaft Sehenden. »Gott muss man gehorchen, wenn man ihn verstehen will« (H. Thielicke). Die Jünger, die Jesus gehorchen, können durch Gottes gnädiges Schenken die »Geheimnisse des Reiches Gottes« verstehen. Nicht aber »die, die draußen sind«. Hier bricht der ganze Unterschied von Gemeinde und Welt auf. Die Gemeinde ist bei Jesus, kann ihn alles fragen, hört sein Wort, macht Erfahrungen mit diesem Wort und wird von Jesus bzw. vom Heiligen Geist gelehrt (vgl. Joh. 6, 45; 16, 13-15). »Die draußen« haben das alles nicht. Aber sie dürfen doch hereinkommen, zu Jesus kommen. Jeder ist bei ihm willkommen. Wo stehen wir? (Lies Matth. 25, 1-12; Offb. 22,14. 15.17.)

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MONTAG, 10. JANUAR

MARKUS 4, 13-17

Wie tief schaut Jesus seinen Jüngern ins Herz! Obwohl sie mit Jesus leben und im Reich Gottes ihren Platz gefunden haben, benehmen sie sich manchmal wie Außenstehende. Jesus muss sie fragen: »Versteht ihr dieses Gleichnis nicht?« Dann aber gibt er selbst die Deutung. Hier wird sehr deutlich, dass wir beim Hören und Lesen des Wortes Gottes auf seine Hilfe angewiesen sind. Das schließt nicht aus, dass wir gewisse Hilfsmittel wie zum Beispiel ein gutes Bibellexikon einsetzen und dass wir eine bestimmte Ordnung für unser Bibelstudium festlegen. Einige praktische Hinweise stehen außen auf der letzten Umschlagseite dieses Heftes. (Vgl. Apg. 8, 26-35; 17, 11.) Jesus zeigt in seiner Gleichnisdeutung, dass der Same des Wortes Gottes auf vier verschiedene Böden der Herzenseinstellung und des Verhaltens fällt. o Wir können in unserem Herzen einen harten, festgetretenen »Weg« haben. Dieser nimmt keinen Samen auf. Der tägliche Verkehr rollt über den Weg. Wir sind viel zu beschäftigt, um uns in Ruhe mit dem Wort Gottes zu befassen. o In unserem Herzen kann ein steiniges Feld liegen. Gemeint ist: Die obere Schicht zeigt gutes Land, aber wenig drunter stößt man auf Felsgestein. Wer hört nicht gern gute Predigten? Manch einer fühlt sich wohl in der Gemeinde. Man läuft mit, singt im Chor, leitet sogar eine Gruppe. Aber der geistliche Tiefgang fehlt. Jesus hat keinen Zugang zu den innersten Lebensbezirken bekommen. Wie gehe ich mit 1. Korinther 3, 1-3 und Hebräer 5, 12-14 um? Niemand kann für sich garantieren, wenn er »um des Wortes willen« und wegen des Glaubens an Jesus angegriffen wird. Und doch tragen wir Verantwortung dafür, dass unsere Lebenswurzeln tief im Wort Gottes gründen. Wer sich dem Herrn immer wieder vorbehaltlos und ganz hingibt, wird auch im Glauben erstarken. (Lies Eph. 4, 14. 15.)

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DIENSTAG, 11. JANUAR

MARKUS 4, 18-20

Jesus zeigt vier verschiedene Böden der Herzenseinstellung und des Verhaltens, wenn es um unseren Umgang mit dem Wort Gottes geht: o In unserem Herzen können Disteln und Dornen die Pflanze des Glaubens ersticken. Der Herr nennt die Alltagssorgen, die Verlockungen des Reichtums und das Verlangen nach den schönen Dingen des Lebens. Wie schnell können wir uns ins Irdische verstricken und festbeißen. Es geht Jesus nicht um Welt- flüchtigkeit, wohl aber um eine Weltsüchtigkeit. »Trachtet nach dem, was droben ist!« (Lies Kol. 3, 1-5.) Bei den verschiedenen Hindernissen, die das Wort Gottes in unserem Leben nicht zur Entfaltung kommen lassen, dürfen wir nicht übersehen, dass auch der Feind Gottes mitmischt. »Sein böser Wille ist, das Wort Gottes erst gar nicht zum Keimen, wenn doch, dann nicht zum Wurzeln, wenn doch, dann auf keinen Fall zum Wachsen kommen zu lassen. So ist der Acker bald zu hart, bald nicht tief genug, bald nicht frei genug« (W. Piertzik). o Doch es gibt auch das gute Land, das gesundes Keimen und Wachstum bis hin zur vielfältigen reifen Frucht ermöglicht. Wie können wir »gutes Land« sein? Jesus möchte, dass wir das Wort Gottes sorgfältig hören und lesen - es innerlich verarbeiten -, und es im praktischen Leben anwenden. (Lies Jak. 1, 22-25.) Ein echter Jesusjünger wird sich nicht ausschließlich mit »Lieblingsthemen « und »Verheißungen« befassen, er wird darauf achten, immer wieder die ganze Bibel in den Blick zu nehmen. Sie lässt sich Kapitel für Kapitel und Abschnitt für Abschnitt erobern. (Lies 2. Tim. 3, 16. 17.)»Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, deine Kraft durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt, Herr, du kannst dies Wunder tun.« J. Swoboda, Th. Lehmann

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MITTWOCH, 12. JANUAR

MARKUS 4, 21-23; 2. PETRUS 1, 19

2. Jesus stellt in die Verantwortung

Wenn es beim Gleichnis vom Sämann um die innere Aufnahme des Wortes Gottes ging, so beim Gleichnis vom Licht um seine Bekanntmachung nach außen. Eine angezündete Öllampe verfehlt ihren Zweck, wenn sie unter den Scheffel (Getreidehohlmaß) oder das Bett gestellt würde. Licht muss seine Leuchtkraft entfalten können. »Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht von Jesus Christus« (2. Kor. 4, 6). Es ist unsere Verantwortung, das Licht des Evangeliums nicht zu verbergen, sondern hochzuhalten, damit es gesehen wird. »Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1. Tim. 2, 4; lies Jes. 49, 6. 8. 9; Apg. 26, 16-18). Verdecken wir das Licht seines Wortes durch Selbstgefälligkeit, Menschenfurcht, Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit? Wir müssen gar nichts Großes und auch nichts Besonderes tun. Die Wahrheit kann leise gesagt werden; aber sie muss gesagt werden - liebevoll und eindeutig klar (vgl. Jes. 42, 2). Fragen wir Jesus: »Herr, wie kann ich heute einem Menschen zeigen, dass es nur gut ist, dich, das Licht des Lebens, zu kennen und zu haben?« Wir sollten unsere Schüchternheit, die Ängstlichkeit und unsere »Entschuldigungen« nicht wichtiger nehmen als seinen Auftrag und nicht ernster als seinen Beistand: »Geht hin . . . Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit« (Matth. 28, 19. 20). Wir können es bewusst und laut aussprechen, wie es auch Paulus übte: »Ich schäme mich nicht für die gute Botschaft von Christus. Diese Botschaft ist die Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt« (Röm. 1, 16; lies 2. Tim. 1, 8-10). Das gilt erst recht, wenn wir wegen des Evangeliums unter Druck geraten. Doch wir haben einen starken Trost: Matthäus 10, 19. 20; Epheser 6, 18-20.

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DONNERSTAG, 13. JANUAR

MARKUS 4, 24; LUKAS 6, 31. 36

Die zweite Verantwortung, die Jesus anspricht, leitet er gezielt mit der Aufforderung ein: »Hört jetzt genau hin! Mit welchem Maß ihr messt, wird euch gemessen werden.« Jesus verwehrt nicht das Maßnehmen an sich, aber er legt seinen Finger darauf, wie es geschieht. Er wusste um viel Täuschung und Enttäuschung, wenn Lebensmittel abgewogen und verkauft wurden. »Jede Familie besaß ihr Gefäß; aber jede ein anderes. Das Misstrauen war groß, die Lust zum Betrügen auch« (A. Pohl). Jeder, der Maß nimmt, hat darauf zu achten, dass letztlich Gott sein »Handelspartner« ist. Dieser Herr täuscht niemanden, und er ist ein äußerst großzügiger Geber. Er gibt immer noch Gutes hinzu, während der Mensch oft sehr knapp bemisst und fast immer auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Lasst euch im Umgang miteinander von der wahrhaftigen Liebe und großherzigen Güte Gottes leiten! Legt alles Kleinliche, Lieblose und Harte dem zu Füßen, der euch zuspricht: »Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen« (Matth. 5, 7). Sollte »der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung« (1. Petr. 1, 3), nicht auch die Energie seiner Barmherzigkeit in unserem Herzen und praktischen Verhalten entfalten können? Wie viel Kummer könnten wir einander allein dadurch ersparen, wenn wir sorgfältig hörten und einfühlsam zuhörten! Fehlt dir jemand, der dir zuhört? - Dann sei du jemand, der einem anderen zuhört. So kann Barmherzigkeit praktisch beginnen. »Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt« (1. Petr. 3, 8. 9; wir lesen weiter bis Vers 11 und dazu Sprüche 20, 22; Römer 12, 21; 1. Thessalonicher 5, 15).

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FREITAG, 14. JANUAR

MARKUS 4, 25; SPRÜCHE 9, 9

Schon in Vers 11 hatte Jesus seinen Jüngern zugesagt, dass ihnen »das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben« ist. Sie gehören zu Jesus, haben sein Wort, machen Erfahrungen mit ihm. Nun fügt der Herr hinzu: »Wer hat, dem wird gegeben werden.« Er meint damit: Wer ihn erkannt hat und mit ihm lebt, wird ihn immer besser kennen lernen. Er wird im Glauben wachsen und reifen, und sein Leben wird reiche Frucht für die Ewigkeit tragen. Bei Jesus kommen wir nicht zu kurz: Markus 10, 28-30; Johannes 17, 8. 22. 24; 2. Korinther 1, 22; 5, 18; 2. Thessalonicher 2, 16; 2. Timotheus 1, 7. 9; Titus 2, 14. Es lohnt sich, wenn wir einmal so konkret wie möglich aufschreiben »Das hat Jesus mir gegeben«:




Wir sind überreich beschenkt. Aus seiner Fülle dürfen wir ununterbrochen schöpfen. Damit zeichnet sich unsere dritte Verantwortung ab. »Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast« und »wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus« (2. Tim. 3, 14; 2. Petr. 3, 18; vgl. 1. Tim. 4, 16; Apg. 2, 42). Doch unser Herr weiß, dass dieses Bleiben und Wachsen nicht automatisch - an unserem Willen vorbei - läuft. Darum schließt er mit Markus 4, 25 mit einer ernsten Warnung. »Wer nicht hat, von dem wird auch, was er hat, genommen werden.« Das klingt ungerecht; so, als ob die, die Jesus nicht kennen, keine Chance auf echten Gewinn haben. Jesus spricht hier aber gerade nicht von den Ungläubigen, sondern von denen, die schon im Besitz der Jesus-Erkenntnis sind, ihm aber nicht gehorchen wollen. Wer das Wort und die Liebe des Herrn bestreikt und unmutig fortgeht wie der junge Mann in Markus 10, 22, »wird von seiner Jesus-Begegnung nichts zurückbehalten als ein belastendes Moment. Einmal aufgeleuchtete Wahrheiten können sich uns wieder entziehen, geistlicher Same kann uns verloren gehen« (A. Pohl).

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SAMSTAG, 15. JANUAR

MARKUS 4, 26-29; JAKOBUS 5, 8

3. Jesus - die große Rettung für kleine Leute Das Gleichnis vom Aufwachsen der Saat ist das erste der Reichs-Gottes- Gleichnisse. (Zum Thema »Reich Gottes«, »Gottesherrschaft« vgl. die Auslegung zu Markus 1, 14. 15 vom 27. 7.-29. 7. 2003.) In der Jesus-Zeit erwarteten viele das Reich Gottes dergestalt, dass Gott sichtbar in diese Welt eingreift und die Herrschaft so deutlich in die Hand nimmt, dass sich niemand mehr ihr entziehen kann. Es gab auch konkrete Vorstellungen, was man tun könne (pharisäische Gesetzestreue und zelotische Revolution), um dem Reich Gottes zum Durchbruch zu verhelfen. Viele dachten, wenn das Reich Gottes anbricht, müsste sich doch schnell alles grundlegend verändern, vor allem die angespannte politische Situation. Auf solche Erwartungen und Enttäuschungen antworten die Gleichnisse vom Reich Gottes. Jesus veranschaulicht am Beispiel des Wachstums in der Natur Grundlegendes von der Königsherrschaft Gottes: Wie die aufwachsende Saat still und stetig - ohne menschliches Zutun - wächst, so verhält es sich auch mit dem Reich Gottes. Wachstum wird nicht immer von Tag zu Tag sichtbar, aber doch in größeren Zeitabschnitten. Das erfordert geduldiges Warten. »Gottes Reich kommt nicht mit einem Knall. Treibhauseffekte einer übersteigerten Frömmigkeit werden es nicht voranbringen, sondern höchstens merkwürdige Stilblüten zutage fördern« (J. Drechsel). »Nicht durch menschliche Macht und Gewalt wird es dir gelingen, sondern durch meinen Geist! Das sage ich, der Herr, der Herrscher der Welt« (Sach. 4, 6). So wichtig unser sorgfältiges Arbeiten und fleißiges Mühen ist, gilt immer noch: »Doch Wachstum und Gedeihen liegt in des Himmels Hand« (M. Claudius). Darum können Jesus-Jünger gelassen bleiben. Im Vertrauen auf die große Kraft Gottes lernen sie, ihre eigene kleine Kraft und das Nicht-Können des anderen anzunehmen (lies Röm. 12, 10; Phil. 2, 3). Es geschieht ja doch weit mehr, als wir von unserem Wirken wissen! Darum wollen wir im Vertrauen auf die großen Taten Gottes getrost unsere kleinen Taten verrichten. (Lies Jos. 1, 7-9; Richt. 6, 12-16; Eph. 3, 20. 21.)

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SONNTAG, 16. JANUAR

MARKUS 4, 28. 29; 2.KORINTHER 8, 8-11

Aus den Reifeprozessen in der Natur können wir für die Wirkkraft im Reich Gottes lernen: Gott wirkt still und stetig und unaufhaltsam. Bäume können mit ihrer Wachstumskraft feste Steindecken sprengen und kleine Pflanzen sich durch harte Asphaltdecken »bohren«. »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte« (1. Mose 8, 22a), und solange das Wort Gottes verkündigt wird, wird nicht aufhören Aussaat, Wachstum und Gedeihen bis zur Ernte. Trotz mancher Rückschläge, Einbußen und Bedrängnisse dürfen wir's immer neu wagen, das Evangelium von Jesus Christus mutig und zuversichtlich auszubreiten. Denn Gott ist ein »Gott der Geduld« und ein »Gott der Hoffnung« (Röm. 15, 5. 13; lies Röm. 2, 4; 2. Petr. 3, 9. 15). Gott hat Zeit, und er gibt Zeit - bis zur Ernte. Dann »schickt er alsbald die Sichel; denn die Ernte ist da« (V. 29). Das Bild von der Sichel spielt auf die Richtertätigkeit Gottes in Joel 4, 13 an (vgl. Offb. 14, 15. 18). Damit ist ein Dreifaches gesagt: o Die Gnadenzeit ist begrenzte Zeit. Es kommt ein Tag, an dem die Zeit zu Ewigkeit »gerinnt«. Darum nehmen wir 2. Korinther 6, 2b sehr ernst: »Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!« o Die Geschichte hat einen doppelten Ausgang. Am Ende steht unwiederbringlich fest, wer »draußen« und wer »drinnen« lebt, wer sich der Königsherrschaft Gottes wider besseres Wissen entzog und wer sich ihr unterstellte (vgl. Hebr. 4, 2-7). o Gott sucht Frucht, gesunde, reife Frucht - und er freut sich darüber. Die Erntezeit ist Freudenzeit (Jes. 9, 2). Wenn schon im Himmel Freude herrscht über einen Sünder, der zu Gott umkehrt (Luk. 15, 10), wie viel größer und heftiger muss die Freude am Ende, in der Vollendung, sein! Darauf dürfen wir uns schon jetzt, wenn die Mutlosigkeit uns packt und das Weitergehen schwer fällt, freuen.

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MONTAG, 17. JANUAR

MARKUS 4, 30-32

Im ersten Saatgleichnis (V. 1ff) lag der Schwerpunkt auf dem Saatvorgang, im zweiten (V. 26ff) auf dem Wachstum und im dritten auf dem Endergebnis. Das Senfkorn-Gleichnis lebt vom Kontrast: Aus einem Nichts, einer Winzigkeit wächst etwas Großes. So verhält es sich mit dem Reich Gottes. »Gottes Herrschaft - einsame Spitze, gewiss, aber nach unten. Das Allergrößte erscheint als Allerkleinstes« (A.Pohl). Kein Geringerer als der Sohn Gottes selbst hat sich ganz klein gemacht, um uns das Größte, die Versöhnung mit Gott, zu erwerben. Wir lesen Philipper 2, 6-11 und 1.Korinther 1, 18-31 und überlegen: Welche Ermutigung enthalten die beiden Abschnitte für mich persönlich (für uns als Mitarbeiter)? Jesus weiß, wie sehr ein Nachfolger an seiner kleinen Kraft, an seiner Einsamkeit als Christ am Arbeitsplatz, in der Familie oder an einem geringen Selbstwertgefühl leiden kann. »Wer bin ich denn? Was kann ich überhaupt ausrichten?« Es ist ja etwas Richtiges an solchen Fragen. Aber denken wir nicht zu klein von unserem großen Herrn! Er hat der kleinen Kraft die offene Tür zugeordnet. Er hat den Senfkornglauben gelobt (Luk. 17, 6), dem Gebet eines Gerechten viel Wirkung verheißen (Jak. 5, 16b) und der kleinen Herde das Reich Gottes zugesagt. »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben« (Luk. 12, 32). Wir haben allen Grund, auf den Vater und den Sohn stolz zu sein, und dort, wo wir kranken, dürfen wir uns bei ihm aussprechen und immer wieder seine freundlichen Zusagen dankbar annehmen. »Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2.Kor. 12, 10). »Zeig uns dein königliches Walten, bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh. Du wirst allein ganz Recht behalten. Herr, mach uns still und rede du.« O. Riethmüller

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DIENSTAG, 18. JANUAR

MARKUS 4, 30-32; KOLOSSER 1, 1-6

»Aber wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse« (V. 32). Man pflanzte den so genannten schwarzen Senf als Gemüse an. Da er unter den anderen Gartengewächsen mit einer Länge von 2-3 Metern Höhe so hervorragt, konnte man ihn volkstümlich auch als »Baum« bezeichnen (vgl. Matth. 13, 32; Luk. 13, 19). Er symbolisiert »ein großes Reich, in welchem alle miteinander im Frieden leben. Die Vögel sind in diesem Zusammenhang nicht etwa die Satansvögel von Vers 4, sondern wie in Hesekiel 31, 6 die großen Völker alle. Der Begriff der endzeitlichen Gottesherrschaft fordert die Einbeziehung der Heidenvölker. Schatten ist in diesem Zusammenhang natürlich nicht der Schatten des Todes, sondern der Rettung vor der stechenden Sonne (Ps. 121, 6), der die Kreatur sonst erbarmungslos ausgesetzt wäre. So gibt's Lebensmöglichkeit für alle weit und breit« (A. Pohl). Mission und Evangelisation stehen auf der Prioritätenliste des auferstandenen Herrn an erster Stelle (Matth. 28, 19. 20; Mark. 16, 15; Apg. 1, 8; Joh. 20, 21). Theoretisch ist uns das klar. Wie aber sieht unsere Praxis aus? Eine Gemeinschaft, deren wichtigste Aufgabe darin besteht, sich selbst zu organisieren und ihre Aufgaben zu arrangieren, wird über kurz oder lang sterben, wenn sie nicht ihre gesamte Existenz dem Missionsbefehl von Jesus Christus unterordnet und ihre Lebensbereiche daran ausrichtet. Als in der ersten Christengemeinde soziale Spannungen auftraten, wurden diese so gelöst, dass die Ausbreitung des Evangeliums immer noch den ersten Platz behielt, sodass sogar »eine große Menge der Priester dem Glauben (an Jesus) gehorsam wurde«: dazu Apostelgeschichte 6, 1-7. »Die Gemeinde von Jesus soll nach Gottes Verheißung wachsen: sowohl an Zahlen als auch in ihrem Glauben, ihrer Liebe und ihrer Hoffnung. Sie kann um dieses Wachstum bitten und dafür arbeiten. Letztlich aber ist Wachstum Gottes Gabe« (M. Herbst). (Lies 1. Kor. 3, 5-10; 1. Tim. 4, 9-12; 2. Tim. 4, 2-5.)

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MITTWOCH, 19. JANUAR

MARKUS 4, 33-41

4. Jesus ringt um den Glauben seiner Jünger Schon Vers 10 wies uns darauf hin, dass es immer wieder Zeiten gab, in denen Jesus mit seinen Jüngern allein war. So auch jetzt: »Wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus.« Zeiten des Rückzugs vom Alltagsbetrieb und der Menschenmenge, Zeiten der Besinnung und Entspannung, des Austausches und Lernens sollen zur Vertiefung des Glaubens und Stärkung der Gemeinschaft dienen (vgl. Mark. 6, 31. 32; 9, 2. 28; 13, 3; Apg. 1, 3). Und doch wird oft der gestärkte Glaube geprüft. Wir können in solch heftige Turbulenzen und Strömungen geraten, dass uns angst und bange wird. Die Jünger befinden sich ganz plötzlich in wirklicher Existenznot. »Aber sie haben Jesus im Boot; da müssen sie sich doch nicht fürchten!«, mag manch einer denken. Sollte das, was die Jünger von Gott wussten, jetzt nicht mehr gelten: »Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr aber ist noch größer in der Höhe« (Ps.93, 4)? Die Sturmgeprüften wissen viel von Gott, sie wissen auch ihren Meister im Boot. Nur: Er schlief! Müde und erschöpft von den Strapazen eines langen Arbeitstages hatte er sich ins Heck des Bootes gelegt. Aber die Jünger deuten sein Schlafen als gegen sie gerichtet: »Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?« Wenig später stellt Jesus die Gegenfrage: »Warum seid ihr so verzagt? Habt ihr noch keinen Glauben« (V. 40)? Der Herr beanstandet das Misstrauensvotum der Jünger in Vers 38. Sie haben sich eigentlich verhalten, als gäbe es Jesus nicht. - Und wir? Wenn alles gegen uns zu sein scheint: Jesus ist für uns. Er lässt uns nicht im Stich. Er verspätet sich nicht mit seiner Hilfe. Was bedeutet mir die Zusage des Herrn in Jesaja 43, 2? (Vgl. Hiob 38, 1-4. 8-11; Ps. 66, 5-12; 1.Petr. 5, 6. 7.)

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DONNERSTAG, 20. JANUAR

MARKUS 4, 39-41; PSALM 89, 10; 107, 29

Jesus ist Herr über die Naturgewalten. Das zeigt sein Schlaf. Selbst im Schlaf können sie ihm nichts anhaben. Das zeigt sein Gebieten. Wörtlich heißt es: » . . . und er schalt den Wind.« Im Schelten nimmt Jesus sein Schöpfer- und Herrenrecht wahr. (Vgl. Ps. 18, 16; 104, 7; 106, 9; Nah. 1, 4.) Zum Meer sprach er: »Schweig und verstumme!« Es fällt auf, dass Jesus die Naturgewalten wie eine Person anspricht. Wir sehen darin bildhafte Sprache. Es darf nicht gefolgert werden, dass der Herr die Natur für dämonisch beseelt gehalten hätte. »So konnte Jesus auch einen Feigenbaum oder einen Berg persönlich ansprechen, ohne dabei einen Baumgott oder Berggeist vorauszusetzen (Mark. 11, 14. 23)« (A. Pohl). Welch ein Herr, der einen großen Sturm in eine große Stille wandelte! Wo Jesus gebietet, kehrt die Stille ein. Das haben die Jesusleute auch dort erfahren, wo die Stürme der Anfechtung geblieben sind. Die Kraft unseres Herrn ist so groß, dass er uns tiefen Frieden schenkt o mitten in der Angst: »Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich« (Ps. 138, 7). o mitten in Leid und Traurigkeit: »Dies ist mein Trost in meinem Elend, dass deine Zusage mich belebt hat« (Ps. 119, 50). o mitten in Bedrängnis und Ausweglosigkeit: »Und er führte mich heraus ins Weite, er befreite mich, weil er Gefallen an mir hatte« (Ps. 18, 20). o mitten in Unruhe und Sorge: »Als viele unruhige Gedanken in mir waren, beglückten deine Tröstungen meine Seele« (Ps. 94, 19). Welche biblischen Geschichten ließen sich zu diesen Punkten nennen? Nach dem »großen Wirbelwind« (V. 37) und der »großen Stille« (V. 39) kehrt bei den Jüngern eine »große Furcht« (V. 41) ein. Sie spüren: Der Herr, der über Wind und Wellen gebietet, will auch unsere Herzen regieren. Diesem König gehört Lob und Anbetung und alle Ehre.

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FREITAG, 21. JANUAR

MARKUS 4, 40. 41

»Wer ist dieser Jesus?« Die Jünger hatten schon viel von ihm gelernt und mit ihm erlebt. Sie sahen: Jesus ist stärker als die Dämonen (Mark. 1, 27), stärker als die Krankheit (Mark. 1, 31. 41. 42), mächtiger als die Macht der Sünde (Mark. 2, 9-11. 14. 17), größer als der Sabbat (Mark. 2, 28), und er ist der Verkündiger des wahren Gotteswortes (Mark. 4, 1ff). Nun aber machten sie die Erfahrung: Dass wir Jesus bei uns haben, ist keine Garantie dafür, dass Stürme ausbleiben. Und sie erleben, dass sie mit ihrer Erfahrung als see-erprobte Fischer und Bootsleute am Ende sind. Sie können sich auf nichts »Eigenes« mehr verlassen. Angesichts der Lebensbedrohung waren sie so verzagt und mutlos, dass sie drauf und dran waren, ihre Jesus-Nachfolge über Bord zu werfen. Die Frage des Herrn, »Warum seid ihr so verzagt?«, meint hier »das Schlussmachen mit der Nachfolge, um nur noch überleben zu wollen«, wie es in einer Erklärung zum griechischen Urtext heißt. Wenn unser Glaube in die Krise kommt, wenn wir den Eindruck haben »Gott schläft«, er kümmert sich nicht um mich, dann sollen wir es laut aussprechen: »Siehe, der Hüter Israels - und er ist auchmein Beschützer - er schläft und schlummert nicht« (Ps. 121, 4). Wenn Jesus in meinem Lebensboot ist, werde ich gewiss ans sichere Ufer kommen. Mit Jesus, das heißt doch, mit Gott selbst im Boot, können wir nicht untergehen! Denn er ist das Leben in Person und der gute Hirte, der für die Seinen sorgt - so sehr, dass er sein Leben siegreich für sie eingesetzt hat, damit sie in alle Ewigkeit mit ihm zusammen sein können. »Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert« (2.Kor. 4, 16; lies 2. Kor. 1, 8-10; Röm. 8, 31-39; Joh. 11, 25. 26. 40).

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LEBEN KANN MAN NICHT KAUFEN - DIE PSALMEN DER SÖHNE KORACHS (III)

SAMSTAG, 22. JANUAR

PSALM 49, 1-21

Welches »Rätsel« (V. 5) mag den Dichter des Psalms beschäftigt haben? Geht es ihm um die Frage, warum die Güter dieser Welt so ungerecht verteilt sind oder doppelzüngige Menschen die Macht an sich reißen und ungestraft das Recht zertreten? Oder quält ihn die unheimliche Tatsache, dass alles Leben sich in Dunkelheit und Tod verliert, dass Lebenstüchtige wie »Grünlinge« ohne Unterschied sterben müssen? Vielleicht hatte der Verfasser des Psalms auch selber eine Zeit lang darunter gelitten, wie andere mit ihrem Besitz prahlten oder versucht hatten, die Macht an sich zu reißen. Doch inzwischen hat er eine ganz neue Sicht bekommen. Gott hat ihm eine innere Freiheit geschenkt, wie er sie allen geben will, die bereit sind, ihr Leben vom Ende, mehr noch vom Ziel und dem eigentlichen Lebenssinn her anzuschauen (V. 13. 16). Bei Gott ist die Quelle des Lebens (Ps. 36, 10; lies Spr. 14, 27; Jes. 55, 1; Jer. 2, 13; Joh. 4, 10. 14; 6, 35; 7, 37. 38; Offb. 22, 17). Vielleicht wurde dem Psalmdichter als einem Nachkommen Levis auch ganz neu bewusst, in welch besondere Freistellung Gott die Leviten einbezogen hatte: Lies 5. Mose 10, 8. 9. Ob wir die herrliche Freistellung, die der Herr uns zugedacht hat, kennen, lieben und darin leben? »Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei« (Joh. 8, 36). »Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? . . . Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben« (Röm. 6, 16. 22). Wer sich in dieser Mitte verwurzelt weiß, darf in den Anfechtungen und Rätseln seines Lebens dennoch furchtlos sein.

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SONNTAG, 23. JANUAR

PSALM 49, 7; MARKUS 10, 17-23

»Sie vertrauen auf ihr Vermögen und rühmen sich der Größe ihres Reichtums.« Jener reiche junge Mann ging traurig von Jesus weg. Er wollte geistlich weiterkommen. Aber der Preis war ihm zu hoch. Letztlich waren ihm seine Güter mehr wert als Jesus nachzufolgen. »Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen« (Mark. 10, 23). Die Jünger waren sehr betroffen über die Rede von Jesus und das Verhalten des Reichen. Vielleicht wären sie gern selbst ein bisschen reich gewesen. War das Leben nicht angenehmer, wenn man nicht jeden Cent umdrehen musste, bevor man ihn ausgab? Doch als er sie einmal fragte: »Hat euch etwas gefehlt bei mir?« - da mussten sie zugeben: »Nein, nichts hat uns gefehlt, als wir ohne Geld, ohne Tasche und ohne Schuhe unterwegs waren« (Luk. 22, 35). Müssen wir nun »Asketen« werden? Das würde uns nichts helfen. Jesus zeigt uns am Gleichnis vom Vierfachen Ackerfeld, worum es bei dem Thema »Reichtum « eigentlich geht: »Der Same, der unter die Dornen gefallen ist, das sind solche, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort« (Mark. 4, 18-20). Nicht der Reichtum an sich ist verwerflich. Er ist erst dann ein Betrug, wenn er das Vertrauen auf Gott ersetzt und zum wichtigsten, alles bestimmenden Faktor im Leben wird. (Lies Luk. 12, 15-21. 23.) Der Psalmist nimmt das Trügerische am Reichtum aufs Korn. Er sieht, wie Menschen sich abmühen, Ländereien erwerben, Häuser bauen, Gewinne machen, auf der Karriereleiter Sprosse um Sprosse aufwärts streben, Einfluss gewinnen. Sie planen, als ob nichts und niemand sie aufhalten könnte und das, was sie zu Stande gebracht, ewigen Bestand habe. (Lies 5. Mose 8, 10-18; Pred. 2, 4-11; Jer. 9, 22. 23.)

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MONTAG, 24. JANUAR

PSALM 49, 8-15; JAKOBUS 4, 13-17

»Nun also, die ihr sagt: Heute und morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und Handel treiben und Gewinne machen - die ihr nicht wisst, wie es morgen um euer Leben stehen wird.« - Kein Mensch kann sich »Leben« kaufen, und niemand kann sich vom Sterben loskaufen. Hier endet die Macht des Geldes. Geld für Leben? Da muss jeder seine Ohnmacht eingestehen. »Denn zu kostbar ist das Kaufgeld für die Seele.« Der Mensch kann sich nicht vom Tod freikaufen. Gott aber hat es getan: Nicht Geld für Leben, sondern Leben für Leben. Das ist der Preis, aus dem Teufelskreis purer »Vergänglichkeit« herauszukommen. »Denn ihr wisst, dass Gott euch nicht mit vergänglichen Werten wie Silber oder Gold losgekauft hat von eurem früheren Leben, das ihr so gelebt habt wie schon Generationen vor euch. Er bezahlte für euch mit dem kostbaren Blut von Jesus Christus, der rein und ohne Sünde zum Opferlamm Gottes wurde« (1. Petr. 1, 18. 19). Der Psalmist kannte Jesus noch nicht. Aber er kam zu der Einsicht, dass es verhängnisvoll, ja geradezu dumm ist, wenn sich der Mensch auf Reichtum und Wohlstand stützt, der ihm mit seinem unentrinnbaren Tod genommen wird. Hinter dieser Erkenntnis des Psalmdichters steckt eine seelsorgerliche Absicht: Lass dich nicht verängstigen und entmutigen von denen, die sich mit ihren Fähigkeiten, Gaben und ihrem Besitz großtun! »Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird« (V. 17). Positiv gesagt: Lass dir immer wieder den Blick für die bleibenden Werte schärfen - für Hoffnung, Glaube und Liebe. Besonders für die göttliche Liebe. Denn sie überwindet Egoismus und Habsucht und zuletzt den Tod. Diese Liebe hört niemals auf. Welche Akzente will das Hohelied der Liebe in 1. Korinther 13 heute bei mir setzen?

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DIENSTAG, 25. JANUAR

PSALM 49, 16-21

»Gott wird meine Seele erlösen von der Gewalt des Totenreichs, denn er wird mich (fort-) nehmen (wörtl. entrücken).« Das Totenreich gilt als finstere Stätte, als ein Ort des Schweigens und der Verwesung, als das Unterirdische. Im Totenreich fehlt alles, was zum wahren Leben gehört. Dort findet kein Gedenken an Gott statt. Man ist seiner Fürsorge entnommen. (Lies Ps. 6, 5. 6; 30, 9-11; 88, 11-13.) Der Psalmbeter ist sich dessen sicher, dass er nicht in diesem schrecklichen Ort vermodern muss. Er kann so zuversichtlich sein wie ein Hosea oder David: Hosea 13, 14 und Psalm 16, 8-11. Gott lässt seine Diener nicht im Unklaren darüber, was mit ihnen jenseits des Lebens geschieht, auch wenn er ihnen nicht alles verrät. Das so genannte Glück derer, die ihre Hoffnung im Diesseits angesiedelt haben, wird den Dichter nicht mehr bekümmern. Denn nichts kann der Mensch mitnehmen, wenn die Todesstunde kommt, weder seine Güter noch seinen Ruhm. Der Psalmbeter jedoch freut sich auf den Augenblick, wenn Gott ihn »wegnehmen« wird. Er weiß von einem Henoch (1.Mose 5, 18-24) und von einem Elia (2. Kön. 2, 11), dass Gott sie sogar von der Erde direkt in den Himmel versetzte. Dort gibt es keinen Tod. Wer bei Gott im Himmel ist, der lebt. Das ist die begründete Hoffnung des Beters. Darauf baut er sein Leben. Er grübelt nicht darüber, wie dieses »Wegnehmen« wohl geschehen könnte. Das ist Gottes Geheimnis. Der Psalmist macht keine Anstalten, dieses Geheimnis zu knacken. Sein Vertrauen auf Gott ist groß genug. Er kann getrost warten, bis es geschieht. Ein frohes Erwarten - wie wir es erst recht im NT bezeugt finden. Paulus lebte darauf hin, endlich verwandelt zu werden und in die himmlische Herrlichkeit einzuziehen. (Lies 2.Kor. 5, 1. 8; 1. Thess. 4, 13-18.)

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MITTWOCH, 26. JANUAR

PSALM 84, 1-13; 1.KÖNIGE 8, 12. 13. 27. 28

»Dieses Lied ist eines der schönsten in der ganzen Sammlung der Psalmen. Es hat einen milden Glanz an sich, sodass man es die Perle der Psalmen nennen kann. Der vorliegende Psalm ist das liebenswerteste Friedenslied« (C.H. Spurgeon). Der oder die Verfasser lebten und arbeiteten ganz nah am Haus Gottes. Es war ihre Heimat geworden. Die Nachkommen Korachs fanden hier ihre Aufgabe. Ihr Arbeitsplatz war der Tempel, hier gingen sie aus und ein, hier sangen sie Gott ihre Lieder - auch dieses. »Wie lieblich - liebenswert - sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen.« Natürlich konnte dieses Gebäude den Allmächtigen nicht fassen. Doch er hatte versprochen, auf das Gebet an dieser Stätte zu achten (2. Chron. 7, 15). Ein aufrichtiger Beter würde also nicht vergeblich sein Herz vor Gott ausschütten. (Lies Luk. 18, 10-14; vgl. Joh. 4, 21. 23.) - Der Psalm ist vermutlich eines der Pilgerlieder, die während des Aufstiegs nach Jerusalem gesungen wurden. Alles Sinnen und Trachten war dabei auf das Ziel gerichtet, der Sehnsucht nach der geistlichen Heimat Ausdruck zu geben. Sogar die Schwalben können im Schutz des Tempels ihre Nester bauen und ihre Jungen großziehen. Welch ein Bild der Geborgenheit und Bewahrung unter den Augen Gottes! »Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen« (V. 5). Ein Zeitgenosse hat gedichtet: »In deinem Haus bin ich gern, Vater, wo du mein Denken füllst . . . « (M. Siebald). Das ist eine geistliche Erfrischung, wenn einmal unser Denken nicht mit den Dingen des Alltags erfüllt ist und Gott genügend Platz hat, uns mit seinem Denken auszufüllen. Wann haben wir das zum letzten Mal erlebt? Kennen wir diese Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott: »Es sehnt sich, ja es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des Herrn« (V. 3)?

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DONNERSTAG, 27. JANUAR

PSALM 84, 5. 6. 13; 65, 5

In unserem Psalm finden wir drei »Seligpreisungen«. Die erste: »Herr der Heerscharen, mein König und mein Gott. Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen. « »Es ist schon erquickend, wenn man das Haus Gottes immer wieder aufsuchen kann. Aber dort zu wohnen, muss der Himmel auf Erden sein. Gottes Hausgenosse sein, die Gastfreundschaft genießen, ausgesondert zum heiligen Dienst, . . . vertraut mit den heiligen Dingen, das ist wirklich das Herrlichste, das einem Menschen geschenkt werden kann« (C. H. Spurgeon). So mögen es damals die Söhne Korachs empfunden haben. Es war ein Vorzug, im Tempel zu wohnen und zu arbeiten. Nach dem Neuen Testament leben auch wir in einem Tempel, der allerdings »nicht mit Händen gemacht ist«. Wir selbst sind sogar die »lebendigen« Steine, aus denen dieser geistliche Tempel gebaut ist. Gleichzeitig ist jeder, der den Geist Gottes in sich trägt, ein Tempel des Heiligen Geistes. (Lies 1. Petr. 2, 4. 5; Eph. 2, 19-22; 1. Kor. 3, 16.) Die weltweite Gemeinde ist ein heiliges Haus. Ob wir es auch als erquickend empfinden, in diesem »Tempel« zu leben und zu dienen und zugleich ein Teil dieses Gotteshauses zu sein? - »Mein ganzes Leben soll dein Haus sein, Vater - dein Haus, das du für dich nach deinen Plänen baust, mein Vater, . . . In diesem Haus sollst du bleiben, Vater, füll du es völlig aus; und nichts soll dich vertreiben, Vater, aus diesem Haus« (M. Siebald). Die zweite Seligpreisung: »Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herzen gebahnte Wege (zu Gott) sind.« Der Weg hinauf nach Jerusalem war mühsam. Der Pilger mochte oft stehen geblieben sein, wenn die Hitze des Tages ihm zu schaffen machte und er ermüdet einen Rastplatz suchte. Schwäche und Unvermögen, Hunger und Durst setzten ihm zu und zehrten an seiner Kraft. Wie sollte er sein Ziel erreichen? (Lies Jes. 40, 28-31.)

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FREITAG, 28. JANUAR

PSALM 84, 6-9. 13; HEBRÄER 12, 22-24

Der Weg hinauf nach Jerusalem ist auch Sinnbild für unseren Weg »hinauf« in die himmlische Heimat. »Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir« (Hebr. 13, 14). Dahin sind wir unterwegs, auch wenn wir im Getriebe des Alltags nicht immer daran denken. Das Ziel ist herrlich, der Weg dorthin nicht gemütlich. Wir lesen vom Tränental. Aber es wird zu einem Quellort, wenn der Pilger sich daran hält, was die dritte Seligpreisung zum Ausdruck bringt: »Herr der Heerscharen! Glücklich ist der Mensch, der auf dich vertraut.« Zusammen mit der zweiten Seligpreisung ist dies das Rüstzeug für jede Wetterlage. Niemand, der auf sich selbst vertraut, erreicht das Ziel, die ewige Gemeinschaft mit Gott. »Wohl ist der Weg weit und beschwerlich, vielleicht sogar unheimlich und gefährlich. Den Pilgern, die dem Heiligtum entgegenziehen, werden weder Leiden noch Schmerzen erspart. Aber wie wunderbar: Mitten in diesem Tal des Weinens, am dürren, trostlosen Ort brechen Quellen des Segens auf . . . Denen, die auf dem Weg zum Hause Gottes sind, muss das bittere Leid noch zum Segen werden« (H. Lamparter). Ja, der Herr ist unsere Stärke und unsere Kraft, auf ihn vertrauen wir. »Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied« (Ps. 28, 7). Gottes Kraft will sich mit unserer Schwachheit und Unfähigkeit verbinden. Wenn wir eingesehen haben, dass wir es allein nicht schaffen und unsere Hand in seine Hand legen, dann geht es wieder vorwärts. »Und einmal werden wir bekennen, wenn wir im Licht stehn nach der Nacht: Dein Tun mit uns war lauter Liebe. Du hast es alles recht gemacht!« (Lies 2. Kor. 4, 16-18.)

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SAMSTAG, 29. JANUAR

PSALM 84, 10-12; 32, 7

»Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als wohnen in den Zelten der Gottlosen. « - Der Sehnsucht nach dem Haus Gottes und der Mühe, zu ihm zu gelangen, folgt nun der feste Entschluss, dort auch zu bleiben. Und wenn er nur Türhüter am Eingang des Tempels wäre, so würde der Pilger doch mit niemandem seinen Platz tauschen wollen. Er sucht die Nähe Gottes, weil er dort zu Hause ist. Hier findet er Geborgenheit, ist zufrieden und glücklich. Wir müssen nicht nach Jerusalem zum Tempel Gottes pilgern, um zu dieser Gemeinschaft mit ihm zu kommen. Gott ist uns ganz nah durch seinen Geist. Nur - wir sind manchmal reichlich entfernt von ihm, weil uns andere Dinge beschäftigen oder tausend Sorgen belagern. In seiner Nähe zu bleiben, ist nicht immer einfach. Wenn wir einmal im Himmel bei Jesus sind, können wir sagen: Jetzt haben wir es geschafft. Nun sind wir aber noch unterwegs im wechselhaften Klima unserer Zeit. Wir haben einmal die Wahl getroffen und uns für das »Haus Gottes« als Heimat entschieden. Jetzt gilt es, diese Entscheidung aufrechtzuerhalten und uns davor zu hüten, die »Zelte der Gottlosen « wieder lieb zu gewinnen. Die Angebote aus dieser Ecke sind manchmal sehr verlockend, für die uns die vielfältige und ausgeklügelte Reklame zu gewinnen sucht. Doch kann sie halten, was sie verspricht? Echtes Glück ist nicht käuflich. Aber der Herr wird den »Bewohnern« des Hauses Gottes Gnade und Herrlichkeit geben und ihnen »kein Gutes vorenthalten« (V. 12). Bei unserem Gott kommen wir nicht zu kurz. Der Mensch, der ihm vertraut, ist wirklich glücklich (V. 13). Gott macht keine leeren Versprechen, er hält sein Wort. (Lies Ps. 31, 20; 34, 9; Spr. 16, 20.)

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SONNTAG, 30. JANUAR

PSALM 85, 1-14

»Hören will ich, was Gott, was der Herr reden wird« (V. 9). - Ein beachtlicher Entschluss: Der Psalmdichter will auf Gott hören. Denn er hat ein Problem: Was ist los mit dem Volk und mit dem Land, in dem es wohnt? »Willst du uns ewig zürnen?«, fragt er Gott. »Du hast uns doch so viel Gutes erwiesen mit diesem Land. Hast unsere Sünden vergeben und dich uns wieder zugewandt, deinen Zorn vergessen. Und nun? Warum bist du jetzt so unwillig?« Ungelöste Warum-Fragen. Wer hat damit noch nicht gekämpft und nach Erklärungen gesucht? Es bleiben in unserem Leben Fragen offen. »Warum dieser Unfall, diese Krankheit, jenes Missgeschick, warum der Tod eines Menschen, der doch so dringend an seinem Platz gebraucht wird . . . « Es ist nicht hilfreich, sich mit Fragen zu quälen, die nicht beantwortet werden. Gott lässt die Geschehnisse zu, erklärt sie uns aber oft nicht. Er muss vor uns keine Rechenschaft ablegen, warum er dieses oder jenes hat geschehen lassen. Wir sind mit der Lösung unserer ungeklärten Probleme einen wichtigen Schritt weitergekommen, wenn wir uns daran genug sein lassen, dass Gott weiß, was er tut. Er will uns nicht plagen, sondern erreichen, dass wir ihm von ganzem Herzen vertrauen, auch dann, wenn wir ihn nicht verstehen. Der Beter lässt sich über dem Unverständlichen nicht an Gott irremachen, sondern fasst die Not, in der sich Volk und Land befinden, klar ins Auge. Aber er ist nicht ratlos, denn er weiß, was er nun zu tun hat und an wen er sich wenden kann: »Stelle uns wieder her, Gott unseres Heils« (V. 5)! - Muss das nicht auch ein Gebet unserer Zeit sein? Wir sind durcheinander, auseinander, zerstreut, verwirrt, verängstigt, verunsichert - stelle uns wieder her! Lies Jesaja 54, 4-13.

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MONTAG, 31. JANUAR

PSALM 85, 6-9; JEREMIA 33, 10. 11

»Willst du uns nicht wieder beleben?« - Die Probleme wachsen uns über den Kopf, wir sind stecken geblieben, wissen nicht mehr weiter, drehen uns im Kreis, stoßen uns aneinander. Die Freude ist dahin. Stattdessen klagen wir und seufzen, stöhnen über jeden Schritt, den wir machen müssen. »Lass uns, Herr, deine Gnade sehen, und gewähre uns dein Heil« (V. 8)! »Herr, zeige uns doch, wie sehr du uns liebst! Komme uns zu Hilfe!« Wir wissen nicht, was genau den Psalmbeter so in Not gebracht hat. Wir sehen aber, dass er sich dadurch in seiner Beziehung zu Gott nicht unsicher machen lässt. Ohne Scheu tritt er zu ihm hin, klagt und bittet - und bezweifelt nicht, dass er erhört wird. Fehlt uns nicht oft diese Zuversicht, dieser Mut, Gott an seine Gnade und Liebe zu erinnern und ihn beim Wort zu nehmen? Es ist gewiss nicht sein Wille, dass wir in unseren Traurigkeiten und auf unseren unverstandenen Wegen verkümmern und verwelken. (Lies Hebr. 4, 14-16; 10, 35. 36.) »Ich will hören, was Gott, was der Herr reden wird. Gewiss wird er Frieden ansagen.« Weiß der Beter das schon im Voraus? Kann er sich dessen so sicher sein? (Lies Jer. 29, 11-14a.) Allerdings gibt es da eine Bedingung: »Doch sie sollen nicht zur Torheit zurückkehren.« Israels Torheit bestand darin, sich von dem lebendigen Gott abzuwenden und Scheingöttern nachzulaufen. Sie setzten damit ihr Leben aufs Spiel, ohne dafür einen lohnenden Gewinn gemacht zu haben. Stattdessen ernteten sie Krieg und Zerstörung. - Wollen wir seinen Frieden, dann will er unser Vertrauen, unsere Treue, unsere Dankbarkeit, auch auf dunklen Abschnitten unseres Lebens. Sein Friede ist ein kostbares Gut, denn »Er ist unser Friede« (Eph. 2, 14; lies Jes. 53, 5; Joh. 14, 27; 16, 33; Phil. 4, 9).

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