Geht es uns nicht manchmal so, dass wir zwar wissen, was Gottes Wille in dieser oder jener Angelegenheit ist, ihn zu erfüllen aber nicht bereit sind? Wir wollen eigentlich Gottes Willen tun, wollen, dass er uns nach seinem Plan führt, lassen uns aber blockieren. Vielleicht hemmen uns Mutlosigkeit, mangelnde Sicherheit, Minderwertigkeitsgefühle, Unlust, Bequemlichkeit, sündige Angewohnheiten, Menschengefälligkeit oder Menschenfurcht. Was kann uns helfen? Wir machen uns klar:
Christen sind Bürger zweier Welten der Welt Gottes und dieser irdischen Welt. Darum sind geistliche Kämpfe normal. Sie gehören zu unserem täglichen Leben.
Christen heften ihren Blick auf Gott. Wenn wir mit gespannter Erwartung über Gott über sein Wesen und Tun nachdenken, werden wir zu der Überzeugung kommen, dass er der einzige ist, der nur das Beste für uns will. Diesem Gott können wir unser Vertrauen aussprechen. Das gibt uns Gelassenheit und Sicherheit, auch dann, wenn wir weitreichende Entscheidungen zu fällen haben. Wer Gott von ganzem Herzen gefallen will und sich von ihm führen lässt, erfährt Bewahrung vor fehlgeleitetem und vorschnellem Handeln. (Lies Ps. 16, 1-11.)
Christen halten am Sieg ihres Herrn fest. Wir sind oft so fixiert auf unser Unvermögen und die Blockaden. Üben wir uns darin, dem Herrn noch viel mehr für seinen Sieg zu danken! »Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus« (2. Kor. 2, 14a; vgl. 1. Kor. 15, 57).
Christen rechnen mit der Kraft des Wortes Gottes. Wir lesen in Philipper 2, 13: »Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, zu seinem eigenen Wohlgefallen.« Was Gott sagt, das tut er. Sein Wort ist zuverlässig. Wir müssen es lernen, mehr auf sein Wort als auf unsere Gefühle zu achten. Gefühle schwanken, sind unberechenbar. Gottes Wort wankt nicht. Und wir können mit ihm rechnen wie mit Zahlen.
Unsere Antwort auf Gottes Berufung wird in jedem Fall mit einem Glaubensschritt verbunden sein. Das bedeutet, dass wir uns immer wieder aufs Neue vor eine Herausforderung gestellt sehen werden. Damit fordert Gott unseren Glauben heraus. »Wir sind berufen zum Glauben an ihn, zur Gemeinschaft mit ihm, zum Dienst für ihn. Glaube ist die Antwort auf das Heilswerk Gottes in Jesus, das auch als Ganzes oft mit dem Begriff berufen umschrieben wird. Das Reden Gottes wartet auf die Antwort des Menschen. Voraussetzung dieser Antwort ist das Hören, Inhalt der Antwort ist Gehorchen. Glaube ist Vertrauen dem gegenüber, der volles Vertrauen verdient. Aus solchem Vertrauen lebt Nachfolge in den Fußtapfen des Meisters. Solcher Glaube ist zugleich Gemeinschaft mit dem Meister (Joh. 15, 1ff), hochzeitliche Tischgemeinschaft (Luk. 14, 15ff) und wird zur Dienstgemeinschaft aus Dank und aus Liebe« (F. Rienecker / G. Maier, Lexikon zur Bibel). Wenn Gott einen Menschen anspricht, ihn ruft und ihm eine Aufgabe überträgt, wird ein positiver Entwicklungsprozess in Gang gebracht, der das Leben des Gerufenen verändert und in das Leben seiner Mitmenschen eingreift. Wir wollen diesen Entwicklungsprozess an der Lebensgeschichte Gideons entfalten. Hier wird besonders deutlich, dass die biblischen Berufungsgeschichten keine »Heiligen-Geschichten«, sondern »Sünder-Geschichten« sind. Wenn wir über den Ruf und die Berufungen Gottes nachdenken, wird unsere menschliche Logik in der Regel haushoch überboten. Berufungsgeschichten wollen uns zum Staunen über Gott bringen. Sie lehren uns auch Ehrfurcht und Dankbarkeit. Gott kennt jeden, den er beruft, ganz persönlich. Er ist souverän in seiner Wahl und hat doch eine Vorliebe für das, was »töricht ist in den Augen der Welt«. (Dazu 1. Kor. 1, 27. 28; Matth. 11, 25; Apg. 4, 13; Jak. 2, 5.)
Die Richterzeit wird als eine dunkle Epoche der Geschichte Israels geschildert, in der »jeder tat, was recht war in seinen Augen« (Richt. 21, 25). Israel leidet unter den Feinden von außen und den chaotischen, vom Götzendienst geprägten Zuständen im Innern. In diese Situation sendet Gott von ihm berufene und mit seinem Geist begabte Retter, die sogenannten Richter. Ihre Aufgabe ist nicht nur die Rechtsprechung, sondern in erster Linie die Befreiung des Volkes Gottes aus der Unterdrückung durch die Kanaaniter und benachbarte Völker. Dabei folgt der Gang der Geschichte einem typischen, fast gleichförmig wiederkehrenden Ablauf: Abfall von Gott Bedrängnis durch Feinde Hilferuf zu Gott Rettung erneuter Abfall nach dem Tod des Richters. Gideon ist der siebte in der Reihe der Richter. Wir finden seine Geschichte im Richterbuch in den Kapiteln 6-8. Sie spielt etwa um die Zeit 1100 v. Chr. Nehmen wir Einblick in die Situation, in der sich das Volk Israel und die Familie Gideons befand, wird uns deutlich, wie gefährlich und verheerend die Zeiten waren. (Lies Richt. 6, 1-5.) Bevor Gott Gideon als Retter berief, beauftragte der Herr einen Propheten, die Ursache des Problems aufzudecken. (Dazu Richt. 6, 6-10.) Wieder einmal war das Volk Gottes über das erste Gebot »gestolpert«. »Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine andern Götter haben neben mir« (2. Mose 20, 2. 3). Gott aber, der die schlimme Diagnose stellt, ist bereit zu helfen und zu retten. Er sendet »den Engel des Herrn« zu Gideon in die Kelter. Dieser hatte sich für seine Arbeit gewissermaßen eine Nische gesucht. Hier erreicht Gideon der Gruß Gottes: »Der Herr ist mit dir, du streitbarer Held« (V. 12; vgl. Luk. 1, 26-33). In die dunkle Kelter war Licht aus der himmlischen Welt eingeströmt.
Gideons Antwort auf den ungewöhnlichen Gruß des Herrn lässt uns einen Blick in sein Herz tun. Er hat echte Probleme mit dem Glauben an den Gott seiner Väter. Gideon kennt die biblischen Geschichten und das ist wichtig aber er kann es nicht mehr glauben, dass Gott in die gegenwärtige katastrophale Lage eingreift. Wo ist denn Gott?, fragt Gideon. Wenn der Herr wirklich mit uns ist, warum hat uns das alles getroffen? Es ist gut, dass Gideon dem Engel des Herrn sagt, was in seinem Herzen ist. Wir dürfen Gott unsere Fragen und Zweifel und unsere Niedergeschlagenheit eingestehen. Bezeichnend ist, dass der Herr mit Gideon nicht über die Warum-Fragen diskutiert, sondern sich dem Verzagten persönlich zuwendet: »Der Herr ist mit dir, du tapferer Held!« Gott ist es nicht egal, wie es Gideon geht. Gott interessiert sich für ihn und will ihn einen Nicht-Helden mit einer Mission beauftragen, die das geplagte Volk Gottes aus Feindeshand retten soll. »Gehe hin in dieser deiner Kraft. Siehe, ich habe dich gesandt.« Gideon ist noch lange nicht bereit, den Auftrag Gottes durchzuführen, aber er bleibt mit Gott und Gott bleibt mit ihm im Gespräch. Gideon möchte dem Herrn vertrauen und gehorchen, aber er ist so tief verzagt, dass er es nicht fassen kann, dass der Herr ausgerechnet ihn sendet. So bittet er um ein Zeichen: Lies Richter 6, 16-24. In Gideons Herzen kommt es zum ersten Mal zu einem Durchbruch. Der Engel des Herrn offenbart sich als der heilige Gott, vor dem niemand am Leben bleibt. »Denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer« (5. Mose 4, 24; 9, 3a; 2. Mose 24, 17). Gideon weiß, dass er ein Todeskandidat ist. Und nun erlebt er zum ersten Mal, was Gnade ist: Du, der du den Tod verdient hast, sollst leben!
Gottes Auftrag war ein zweifacher: Gideon soll die Götzen-Altäre umstürzen. Gideon fängt an mit zitterndem Herzen. Es ist eine anspruchsvolle Mission. Bevor Gideon sein Volk von den Feinden befreien kann, muss er mit dem Götzendienst brechen, und zwar zuerst bei sich selbst und seiner Familie (V. 25b). Zur Unterstützung nimmt Gideon zehn seiner Knechte mit. Gemeinsam gehen sie ans Werk. Und die Angst geht mit: Vers 27b. Aber es heißt ausdrücklich von Gideon: »Er tat, wie der Herr zu ihm geredet hatte.« Darauf kommt es an. Man kann sehr wohl den Willen Gottes ängstlich tun, entscheidend ist der Gehorsam und indem wir gehorchen, erstarkt der Glaube. Aber er bleibt wohl immer auch ein angefochtener Glaube. Die Männer der Stadt Ofra (Stamm Manasse) fordern das Leben Gideons. Erschütternd, dass die Israeliten bereit sind, für Baal und Aschera einen Mit-Israeliten zu töten, obwohl sie einst allem Götzendienst abgeschworen hatten. Welch eine verdrehte Welt: 5. Mose 13, 5-10! Joasch aber, Gideons Vater, tritt auf die Seite seines Sohnes, und man hat den Eindruck auch auf die Seite Gottes (V. 31).
Gideon soll das Volk Gottes von den Midianitern befreien: Lies die Verse 33-35. Nachdem Gideon den Götzendienst aus seinem Vaterhaus beseitigt hat, ruft der Geist Gottes zur Tat. Erst folgt ihm seine eigene Sippe, dann sein Stamm und schließlich machen sich auch die mitbetroffenen Nachbarstämme auf. Gideon ist durch diese überwältigenden Erfahrungen nicht selbstsicher geworden. Schritt für Schritt braucht er die Gewissheit: Der Herr ist mit mir. So bittet er den Herrn noch zweimal um ein Zeichen (V. 36-40). Gott erhört die Bitten Gideons, denn der braucht das Zeichen als Glaubensstärkung, nicht zur Steigerung seines Ansehens.
Gideons Glaube und Vertrauen zeigen sich darin, dass er Gott freien Handlungsspielraum gibt. Der Herr wählt die Leute für diesen Kampf aus und er hat seine eigene Strategie: Gideon muss sein Heer verkleinern, damit Gottes Ehre umso größer und klarer hervortritt (V. 2. 3).
Gideon soll nach der mosaischen Gesetzgebung handeln. Danach durften ängstliche Krieger heimkehren, damit nicht das ganze Heer von Angst angesteckt wurde (5. Mose 20, 8).
Gideon soll auf die ungewöhnliche Trinkweise derer achten, die die Truppe stellen sollten. Dieses Auswahlverfahren bekräftigt, dass hier keine schlagkräftige Elitetruppe zusammengestellt werden soll. Mit nur 300 Mann ist der Sieg gegen die Midianiter nicht zu gewinnen. Aber mit Gott schon! Gott will Gideon und uns lehren, dass seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. Wir sind nur kleine Leute, aber wir haben einen großen Gott. Er sucht solche, die sich in ihrer Ohnmacht mit seiner Allmacht verbinden und tun, was er gesagt hat. Für Gideon gehört dazu die eigenartige Kampfausrüstung seiner Truppe. Gott zeigt ihm, dass eine »lächerliche« Ausstattung, bestehend aus Fackel, Tonkrug und Posaune, ausreicht. Mit ihrem Einsatz verbunden mit der Truppen-Aufstellung in drei Abteilungen und dem Schlachtruf soll beim Feind der Eindruck einer gewaltigen Heeresmacht erweckt werden. Der gegenüber Vers 18 erweiterte Schlachtruf (V. 20b) bekommt einen hintergründigen Sinn: Das feindliche Heer wird nicht durch die Waffen der Israeliten, sondern durch seine eigenen Schwerter geschlagen. Dunkelheit und Panik führen zu einer heillosen Verwirrung bei den Midianitern, in der jeder, nur auf die eigene Rettung bedacht, gegen jeden kämpft. Nicht Israel kämpft hier, sondern Gott. (Vgl. 2. Mose 14, 10-14; 5. Mose 1, 30; 3, 22; Jos. 10, 14. 42; Neh. 4, 14.) Le ben in Verantwortung füreinander 1. Pe trus 4, 1 - 5, 14
Christus ist der Herr und besitzt alle Macht im Himmel und auf Erden. Mit diesem Hinweis auf die eigentlichen Machtverhältnisse in unserer Welt fanden die vorausgehenden Ausführungen über das Leben als Christ in einer verführerischen und feindlichen Umgebung ihren ermutigenden Abschluss. Doch Christus hat den Thron deshalb inne, weil er sein Leben zum Opfer brachte. Seinem Sieg ging das Kreuz voraus. Zur Nachfolge dieses Herrn gehören deshalb Sieg und Leid. (Vgl. 1. Kor. 15, 57; Joh. 15, 18-21.) Dabei geht es nicht allein um unsere Bereitschaft, Leid als schmerzliche »Begleiterscheinung « zu akzeptieren. Durch Gottes Macht kann Leid guten Zielen dienen (Röm. 8, 28)! Darauf macht uns Petrus in Vers 1 aufmerksam: »Wer im Fleisch gelitten hat (als Mensch in einem sterblichen Körper), der hat aufgehört mit der Sünde.« Diese Formulierung darf nicht absolut verstanden werden, als würden Krankheit, Schmerzen oder Verfolgung automatisch bewirken, dass wir nicht mehr sündigen. Wir wissen sehr wohl, dass schwere Leidenswege eine völlig gegensätzliche Wirkung haben können (Hiob 2, 9). Doch »wenn wir das Leiden um Gottes willen übernehmen, richten wir in uns eine feste Trennung vom Bösen auf« (A. Schlatter). Die bewusste Annahme von Leid gelingt ja nur, wenn wir uns besonders dicht an Jesus halten. In seiner Nähe haben Sünden keinen Platz. Er kann auch unsere Einstellung zum Leid verändern. In der Regel sind wir bemüht, schwere Lebensführungen von uns oder anderen »wegzubeten«. Das kann durchaus entlastend sein. Von Jesus lernen wir noch mehr: Für ihn hatte die Gemeinschaft und Übereinstimmung mit dem Vater höheren Stellenwert (Matth. 26, 39). Segen bedeutet eben nicht Abwesenheit von Leid, sondern Anwesenheit unseres lebendigen Herrn. Manchmal lässt es sich erst im Rückblick bezeugen: »Er hat Beschwerliches dazu benutzt, um in mir Heilsames zu schaffen« (R.Scheffbuch).
Unser Brief ist an Christen in der Diaspora gerichtet, die als Fremde unter Anfeindungen ihren Glauben leben und bewähren müssen. Aber auch in einem vertrauten Umfeld gibt es Entfremdung, wenn der an Jesus Christus Glaubende das sinnlose, vergnügungssüchtige oder gar gottlose Programm nicht mehr mitmacht. Es ist eigenartig, dass an diesem Punkt die Toleranz der Umwelt schwindet, Hochmut vorgeworfen wird oder Engstirnigkeit und Fanatismus. Christen sind an dieser Stelle in doppelter Hinsicht gefährdet. Wir wollen uns einerseits prüfen, ob wir nicht in der Tat in Gefahr sind, auf Außenstehende herabzusehen und durch frommen Rückzug eher abstoßend als einladend wirken. Andererseits können Gruppenzwang und gesellschaftlicher Druck in altes Fahrwasser zurückdrängen oder zu falschen Kompromissen führen. Beten wir darum, dass wir trotz eines eindeutigen Neins zur Sünde den Menschen Wertschätzung entgegenbringen. Damit werden Anfeindung und Spott keineswegs vermieden (Luk. 6, 22). Petrus spricht sogar von Lästerung. Unabhängig davon, ob diese sich gegen die Boten oder die Botschaft richtet, wird damit Gottes Ehre angegriffen. Wir können und müssen in diesem Fall nicht nach ausgleichender Gerechtigkeit und Strafe trachten. Gott selbst wird jene Spötter zur Rechenschaft ziehen. »Er aber, der sich bereithält zu richten, wird kein anderer sein als eben der, den sie verachten, dem sie ausweichen und dessen Zeugen sie schmähen: Jesus, der Gekreuzigte. Kein Ausweg, keine Rettung wird es für die Verlorenen geben, auch nicht durch den Tod. Denn nicht nur Lebende, sondern auch Tote werden sich dann zu verantworten haben« (U. Holmer; lies Matth. 25, 31. 32; Apg. 17, 31; 2. Tim. 4, 1; 1. Petr. 3, 16). Diese Erkenntnis ist für Jesusjünger nicht Anlass, über ihre Feinde zu triumphieren. Sie wird Motor zu einer ganz anderen Reaktion: »Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen« (2. Kor. 5, 11).
Es fällt auf, dass Petrus im Blick auf das göttliche Gericht eine Unterscheidung trifft. Seine Aussage »sie werden Rechenschaft geben müssen« nimmt Bezug auf die Feinde und schließt die leidenden Nachfolger aus. Diese Einschätzung fußt auf einem Wort von Jesus: »Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen« (Joh. 5, 24; vgl. Joh. 5, 29). Wenn Jesus wiederkommt, geht es bei seinen Jüngern nicht um die Frage »gerettet oder verloren« (Offb. 20, 12-15), sondern um Bewertung und letzte Klärung von Wort und Tat, bevor sie auf ewig mit ihm zusammen sind (1. Kor. 3, 11-15; 2. Kor. 5, 10; 1. Thess. 4, 16. 17). Wie sehr Gottes Sehnen dahin geht, jeden Menschen für das Leben mit ihm zu gewinnen, unterstreicht die Tatsache, dass er seinen Sohn auch zu jenen Toten sandte, die lebten und starben, bevor Christus am Kreuz unsere Schuld bezahlte. (Vgl. 1. Petr. 3, 19 und unsere Auslegung am 19. 11. 2009.) Durch ihren Tod haben sie bereits eine Art »End-Gericht« erlebt. Er gehört zur Vergänglichkeit des Menschen als Folge der Sünde. (Lies 1. Mose 3, 19. 22. 24; Röm. 6, 23.) Weil sie ohne Kenntnis von Jesus starben, sollten auch sie die Möglichkeit erhalten, Gottes Rettungsbotschaft zu hören und Leben aus Gott zu empfangen. »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Joh. 17, 3; vgl. 6, 63). Seine Langmut und Geduld mit jedem von uns ist überwältigend. Kein Hirt kann so fleißig gehen nach dem Schaf, das sich verirrt. Solltst du Jesu Herze sehen, wie der treue Seelenhirt sucht und vor Verlangen brennt nach dem, was sich abgetrennt von ihm und der Schar der Seinen, würdest du vor Liebe weinen. Paul Gerhardt
Petrus beschreibt das »Ende aller Dinge« als nah. Damit will er keine falschen Erwartungen wecken, als stünde die Wiederkunft von Jesus unmittelbar bevor. Niemand außer Gott, dem Vater, weiß Tag und Stunde (Matth. 24, 36). Außerdem umspannt die so genannte »Endzeit« einen großen Zeitraum. Sie begann mit dem öffentlichen Auftreten von Jesus (Matth. 4, 17; Hebr. 9, 26), ist also bereits »nahegekommen« und damit Teil von Vergangenheit und Gegenwart. Jeder weitere Tag bringt uns der zukünftigen Vollendung näher. Petrus rückt diese Wahrheit in den Blick, damit wir als Gemeinschaft von Christen nötige Konsequenzen bedenken. Dazu gehört der bewusste Entschluss, von der Macht des Gebets Gebrauch zu machen. Der Glaubende wird diese einzigartige Kraftquelle und Wirkungsmöglichkeit angesichts einer vergehenden Welt nicht von Lust oder Unlust abhängig machen. Eine weitere Konsequenz betrifft das Verhältnis untereinander. »Vor allem aber lasst nicht nach, einander zu lieben« (V. 8 nach Hoffnung für alle). »Das ist ein Hauptangriffsziel Satans: Er lässt der Gemeinde alles Mögliche (Glaube, Hoffnung usw.), aber er stört, zerstört die Liebe. Und damit stirbt der geistliche Mensch. Jesus sagt darum auch mahnend gerade von der letzten Zeit: Die Liebe wird in vielen erkalten (Matth. 24, 12). Deshalb ermahnt auch Petrus zur Liebe vor allen Dingen. Alles andere ist nachgeordnet. Wenn die Liebe fehlt, ist alles andere nichts (vgl. 1. Kor. 13, 2f). Die geistliche Liebe gestaltet die Gemeinde, macht sie lebendig und ist anziehendes Zeugnis nach außen« (H. Krimmer). Die Aussage in Sprüche 10, 12b ist keine Ermunterung, aus falsch verstandener Liebe Sünden unter den Teppich zu kehren. Gott vergibt ohne Grenzen alle Sünden, die ans Licht gebracht werden. Im Wissen um diese Liebe beten wir: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern« (Matth. 6, 12; vgl. 18, 21ff).
Mut und Kraft für die Wirksamkeit nach außen erwächst insbesondere aus einem starken Rückhalt durch eine Gemeinde, die sich als Dienstgemeinschaft versteht. Dieser Dienst miteinander und füreinander reicht auch in den Bereich der Gastfreundschaft untereinander. Nun galt völlig unabhängig von jeder Glaubenszugehörigkeit in damaligen Verhältnissen Gastfreundschaft als Ehrensache. (Vgl. Luk. 11, 5-8.) Muss Petrus an diese Bereitschaft appellieren, weil sich unter den Glaubensgeschwistern manche Liebesgeste abgenutzt hatte oder sogar zur Last geworden war? Auch in unseren Gemeinden kann es geschehen, dass befreundete Familien am Sonntag selbstverständlich Zeit miteinander verbringen und darüber Einsame oder Alleinstehende vergessen. Niemand kann sich um jeden kümmern. Aber wenn jeder ein offenes Auge für andere behält, müsste niemand ausgeschlossen bleiben. Petrus mahnt: »Dient einander!« Dabei geht er selbstverständlich von der Tatsache aus, dass jeder von Gott begabt ist. Diese Gabe soll nicht den Empfänger groß herausstellen. Sie ist anvertraut, um in der Gemeinde und für Gottes Interessen wirksam zu werden. Gleichwertig stehen hier die Gaben für die Verkündigung neben jenen Fähigkeiten, die durch praktischen Einsatz oder auf andere Weise helfen. »Überall dürfen wir etwas von dem weiterreichen, was unser Herr uns selbst gegeben und anvertraut hat. Die Menschen warten darauf. Und auch wir selbst brauchen es. Denn nur im Dienst für Jesus machen wir Erfahrungen mit ihm. Nur im Dienst lernen wir ihn wirklich kennen. Wer die Gaben, die Gott ihm gegeben hat, für sich allein verbraucht, dessen Leben ist wie ein See ohne Abfluss. Sein Wasser wird stinkend. Es ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Und schließlich verlandet der See. Er wird kleiner und kleiner und eines Tages gibt es ihn nicht mehr« (T. Sorg). Wir ehren Gott, wenn wir unsere Gaben in der Abhängigkeit von ihm und seiner Kraft einsetzen. (Lies Eph. 1, 5. 6. 12.)
Zum wiederholten Mal werden wir mit dem Thema Leid konfrontiert. Es durchzieht in der Tat diesen ganzen ersten Petrusbrief. Von Anfang an ist Petrus bemüht, den tieferen Sinn der Bedrängnisse, die Jünger leiden, zu erhellen (vgl. 1. Petr. 1, 6. 7) und zu einer nüchternen Einstellung zu helfen (1. Petr. 2, 21). Doch als Menschen mit dem natürlichen Bedürfnis nach Sicherheit, Frieden und Erfolg bereitet uns diese Aussicht Mühe. Wenn wir in ein belastendes Spannungsfeld geraten, melden sich oftmals zweifelnde Stimmen. Warum erfüllt sich Gottes Verheißung von Sieg und Bewahrung nicht? Glaube ich zu wenig oder habe ich womöglich gar nicht den richtigen Glauben? Ist das Böse doch stärker als Gott? Nun heißt es jedoch: »Wundert euch nicht über die heftigen Anfeindungen, die ihr jetzt erfahrt. Sie sollen euren Glauben prüfen und festigen« (V. 12a nach Hoffnung für alle). So tröstet Petrus und fügt eine ermutigende Perspektive hinzu. Für Christus leiden und mit Christus leiden ist untrennbar verbunden mit dem Ausblick, von allen Leiden erlöst, mit ihm seine Herrlichkeit teilen zu können. »Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden« (Röm. 8, 17; vgl. Joh. 17, 24). Nur in diesem Licht kann von Freude die Rede sein. Deshalb hört die Freude des Glaubenden auch nicht im Leid auf. Es ist eine Freude, die unabhängig von fröhlichen Gefühlen, Trauer oder Mutlosigkeit durchbrechen kann, weil sie eine Frucht des Heiligen Geistes ist (Gal. 5, 22; vgl. Phil. 4, 4-7; Jud. 24. 25). »Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude« (J. Franck).
Namen helfen uns zur Unterscheidung und Identifikation von Personen. Wir verbinden sie manchmal mit einer Idee, einem Programm oder einem besonderen Ereignis. Wir kennen auch die Redewendung »Namen sind Schall und Rauch«. Ganz anders verhält es sich mit dem Namen »Jesus Christus von Nazareth«. In diesem Namen haben Petrus und die anderen Apostel Wunder getan (Apg. 3, 6; 16, 18). In seinem Namen erfahren Menschen Rettung (Joh. 20, 30. 31; Apg. 4, 10. 12), empfangen sie Vergebung von ihren Sünden (Apg. 10, 43; 1. Joh. 2, 12) und Gerechtigkeit (1. Kor. 6, 11). Es ist der höchste Name, vor dem sich einst alle Knie beugen werden (Phil. 2, 9. 10). In diesem Namen erhört Gott Gebet (Joh. 14, 13; 16, 23) und beschenkt mit seinem Geist, dessen Kraft er besonders seinen bedrängten Jüngern zugesagt hat (Mark. 13, 11; vgl. Apg. 7, 55; 1. Thess. 1, 6). Deshalb nennt es Petrus eine Ehre, um seinetwillen zu leiden (Apg. 5, 41) oder Träger dieses Namens zu sein. Wer Christ ist, also zu Christus gehört, sollte nicht mit wirklichen Übeltaten in Verbindung gebracht werden. Sachlich scheint es uns unnötig, dies besonders zu erwähnen und mit einer Aufzählung abzusichern. Die Wirklichkeit mag damals dennoch Anlass gegeben haben. Dabei bleibt offen, was wir unter »Eingriff in ein fremdes Amt« zu verstehen haben. Ein erfahrener Christ erwähnt als Beispiel auch die taktlose Art, mit der manche Christen ihre geistliche Verantwortung wahrnehmen, andere selbstsicher verurteilen, öffentlich bloßstellen oder auch verletzend Kritik üben. Aber niemand darf sich einreden, als Christ zu leiden, wenn er durch solchen Übereifer auf Widerstand stößt. (Lies Gal. 6, 1-5.) Im Bemühen, alles im Namen von Jesus zu tun (Kol. 3, 17), wollen wir füreinander beten, »damit der Name unseres Herrn Jesus in uns verherrlicht werde und wir in ihm« (2. Thess. 1, 12).
In dieser »letzten Zeit« (vgl. 1. Petr. 4, 7) hat Gott in besonderer Weise acht auf seine Kinder. Mit großem Ernst spricht Petrus vom Gericht, das im Hause Gottes anfängt. Zwei alttestamentliche Beispiele sind vermutlich Hintergrund für diese Formulierung. Sowohl Jeremia als auch Hesekiel sprechen von einem Gottesgericht, das jeweils beim eigenen erwählten Volk in Jerusalem (Jer. 25, 29) und sogar im Heiligtum (Hes. 9, 6) seinen Anfang nimmt. Dahinter steht nicht der Gedanke der Vernichtung, sondern Gottes Absicht, seine Kinder zurechtzubringen. »Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden« (1. Kor. 11, 32; vgl. Hebr. 12, 7). Es ist eine dringliche Warnung für den Gottlosen, wenn selbst der Gerechte »kaum«, das heißt »durch Mühe und Arbeit«, gerettet wird. Diese Mühe investiert Gott für uns (Jes. 43, 24). Petrus wirbt um die Bereitschaft, sich dieser wichtigen Erziehung Gottes nicht zu entziehen. Im Rückblick lassen sich vier unterschiedliche Aspekte nennen, die für leidende Nachfolger von Bedeutung sind:
Leiden erprobt unseren Glauben mit dem Ziel, dass dieser erstarkt (1, 7. 8).
Es vertieft die Gemeinschaft mit dem Herrn, der selber für uns gelitten hat (2, 21; 4, 12. 13).
Es gibt Raum zum Zeugnis für ihn und zur Ehre seines Namens (4, 14. 16).
Es gehört zu Gottes Erziehung, uns zu verändern (4, 1. 17). Wir sind auf allen Wegen geborgen in der Treue Gottes und können uns ihm mit Worten von Hermann Bezzel anbefehlen: »Hineingestellt in die Welt der Widersprüche gegen Jesus, hineingeboren in eine harte, stürmische Zeit, wollen wir dem die Treue halten, der uns bis auf unseren heutigen Lebensweg treu zur Seite stand, und wollen sprechen: Alles für dich, alles dir nach und wo ich schwach bin, alles durch dich. Dein Eigen will ich sein in Ewigkeit.«
In seinen abschließenden Ausführungen nimmt Petrus den Gegensatz von Alt und Jung in den Blick. Gewiss wird in diesem Fall auch das Lebensalter eine Rolle spielen, also wird von Älteren und Jüngeren an Jahren die Rede sein. Wichtig für die Gemeinde waren jedoch die im Glauben »Älteren«, Gereiften, im Gegensatz zu den Neubekehrten. Auch junge Menschen können in geistlicher Hinsicht reif sein, sodass Gott sie zu seinen Diensten beruft. Das sehen wir am Beispiel von Jeremia oder Timotheus (Jer. 1, 7; 1. Tim. 4, 12). In unserem Text ist zunächst von den so genannten Ältesten die Rede. Wir wissen aus der Apostelgeschichte, dass Paulus auf seinen Missionsreisen dafür sorgte, dass nach seiner Abreise die Verantwortung und Leitung für die Gemeinde in geeigneten Händen lag. »Sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein« (Apg. 14, 23). Damit war der einzelne Gläubige nie der Verantwortung für sich selbst und die Gemeinde enthoben. Bis heute braucht es solche, die innerhalb der Gemeinde für Leitungsaufgaben zur Verfügung stehen. Unsere Väter im Glauben nannten als Auswahlkriterien besonders drei Stichworte: Bekehrt Hat der Gefragte eine Entscheidung für Christus getroffen und sein Leben geordnet? Berufen Weiß er sich von Gott in den Dienst gerufen? Können andere diesen Ruf bestätigen? Bewährt Hat er andere Aufgaben verlässlich ausgeführt? Es ist für uns ein großer Trost, dass ausgerechnet Petrus sich als Mitältester bezeichnet, jener Jünger also, der nach seinem demütigenden Versagen von Jesus neu in den Dienst genommen wurde (lies Joh. 21, 16). Wir sehen oft nur das Augenscheinliche, das Versagen, die Unzulänglichkeit. Jesus aber sieht mehr. So erkennt er in Petrus den opferbereiten Hirten, im Zöllner Levi den Evangelisten Matthäus und schämt sich ihrer nicht. Gott sucht Menschen, an denen er seine Kraft erweisen kann.
Wenn im Dienst für Gott Berufungen geschehen, geht es nie um das Erklimmen einer Karriereleiter. Viel eher ist die Bereitschaft gefragt, mehr Lasten zu tragen und vielleicht für eine größere Zahl von Menschen Sorge zu übernehmen. Das schließt Leiden nicht aus, wie der Apostel aus eigener Anschauung weiß. (Vgl. 1. Petr. 4, 13.) Die Ältesten ermahnt er, sich als Hirten zu verstehen. Dieses Bild entspricht dem biblischen Verständnis von Leitung. (Vgl. Jes. 40, 11; Joh. 10, 11-14; Apg. 20, 28.) Der Begriff »weiden« umfasst hierbei die Bedeutung von »schützen, hüten, umsorgen«. Wer sich in diesem Sinne einsetzen möchte, muss laut Petrus drei grundlegende Fragen klären:
Warum übernehme ich diesen Dienst? Weil ich dazu von Menschen überredet wurde, also gezwungenermaßen? Weil mich der Druck der Umstände bestimmt oder mein Pflichtgefühl? All das mag bei einer Entscheidung eine Rolle spielen. Trotzdem heißt es bei Petrus: Freiwillige gesucht! Nur Gott darf »drängen« und über uns gebieten. (Lies Jona 1, 1. 2.) Aber selbst dann wartet er auf unsere Antwort »Hier bin ich, sende mich« (Jes. 6, 8; vgl. Jona 2, 10). Es kann auch sein, dass wir mit unserer Bereitschaft zögern, weil wir bei uns bestimmte Gaben vermissen. Doch es bleibt zum Staunen, wie Gott Gaben schenkt, die sich erst im Dienst zeigen und entfalten. Manchmal ergänzt er den Mangel dadurch, dass er uns andere Menschen an die Seite stellt und so vor Selbstsicherheit oder Stolz bewahrt. (Lies 2. Mose 4, 10-15; 18, 13ff.) Wir dürfen beherzigen: »Du bist in deiner ganzen Person eine gute Gabe Gottes! Hier ist zu beginnen! Sonst kommt es leicht zu falscher Akzentsetzung: Ich diene Gott mit dieser Begabung! Mit dem Rest meiner Person kann er nichts anfangen!« (F. Gutsche). Aber Gott kann. Paulus bezeugt: »Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin« (1. Kor. 15, 10).
Wozu tue ich diesen Dienst? Weil ich einen eigenen Vorteil und persönliche Bereicherung erwarte? Der Umgang mit Geld kann auch für Christen zum Fallstrick werden. Petrus ist es »damit ernst, dass seine Mitältesten völlig frei sein sollten von Habsucht. Der Leiter soll in seinem Dienst oder in seinen Entscheidungen nicht durch irgendwelche Erwägungen persönlicher finanzieller Interessen oder anderen materiellen Gewinnes beeinflusst werden. Wenn Menschen sehen, dass er hier wirklich frei ist, werden seine Worte größeres Gewicht haben« (O. Sanders). Denkt Petrus beim »schändlichen Gewinn« vielleicht auch an den Wunsch, Ansehen, Einfluss und Bedeutung zu gewinnen? Menschlicher Ehrgeiz verfolgt solche Ziele. Petrus mahnt: Diene von Herzen! An seinen Schreiber Baruch richtete Jeremia den Rat: »Du begehrst für dich große Dinge? Begehre es nicht!« (Jer. 45, 5). Es geht ja um Gottes Angelegenheiten, um Christus und seine Gemeinde.
Wie will ich meinen Dienst ausüben? Mit einem Anspruch auf Macht und indem ich über »Untergeordnete« herrsche? Doch Führungsaufgaben geben nicht das Recht, andere als Diener zu benutzen, sondern wer groß sein will, der soll wie Jesus ein Diener sein. (Lies Mark. 10, 42-45.) Petrus stellt klar: Lebe so, dass andere gerne Nachahmer im Dienen werden. Der Verantwortungsträger soll ein Vorbild sein. Wir werden dabei an Worte erinnert, die Paulus an Timotheus richtete: »Sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Keuschheit« (1. Tim. 4, 12). Dies stellt ganz in die Abhängigkeit von Jesus und erfordert Demut, sich von Gott erforschen und korrigieren zu lassen. Denn Menschen können wohl Aufgaben und Ämter verteilen, aber geistliche Vollmacht und Autorität kommen allein von Gott. Jesus als der »Erzhirte« oder der wahre »große Hirte der Schafe« kann in uns schaffen, was ihm gefällt (Hebr. 13, 20. 21).
Auch den Jüngeren gibt Petrus geistlichen Zuspruch. Sollten die Ältesten ihre Verantwortung dienend und selbstlos ausüben, so sind nun die Jungen gemahnt, ihre anders geartete Überlegenheit nicht zum eigenen Vorteil auszunutzen. »Unterordnung« bedeutet hier, ähnlich wie in der Ehe (1. Petr. 3, 1. 5), keineswegs willenlose Unterwerfung, sondern Respekt und Achtung vor den Gaben und Aufgaben des anderen. Paulus schreibt: »Wir bitten euch aber, liebe Brüder, erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen; habt sie umso lieber um ihres Werkes willen. Haltet Frieden untereinander« (1. Thess. 5, 12. 13). Ohne Unterschied spornt Petrus alle miteinander zur Demut an. (Vgl. Phil. 2, 3.) Das ist weit mehr als ein guter Lebensrat. »Demut meint die Bereitschaft des Menschen zu dienen. So weist Demut auf Jesus, wie er am Gründonnerstag seinen Jüngern die Füße wäscht, wie er sich freiwillig zu ihrem Diener erniedrigt. Dazu gehört eine große Seelenkraft, ein großer Mut. Wer dergestalt demütig ist, dem gilt das Apostelwort: Dem Demütigen gibt er Gnade« (F. Melzer). Er weiß: »Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein.« Der Demütige weiß: Demut, die Gott gefällt, ist nicht mein Werk, sondern ein Gnadengeschenk meines Herrn. Auf dem Boden der Gnade wächst Demut zu einer geistlichen Gesinnung, die Gott alle Ehre gibt. Da uns allerdings der Hochmut so tief im Blut liegt, kann es sehr wohl sein, dass wir die Hand Gottes auch als »gewaltige Hand« erfahren und der Herr sich unserem Hochmut entgegenstellt. (Vgl. Matth. 23, 12; Luk. 18, 9-14.) Petrus zeigt auf, dass es heilsam ist, sich Gottes machtvollem Zugriff zu beugen. Gottes wunderbares Ziel mit uns ist »Erhöhung«. Er führt uns ja zu sich.
Unser himmlischer Vater weiß, was wir brauchen, ehe wir ihn bitten (Matth. 6, 8). Die logische Konsequenz in der Bibel lautet nicht: Deshalb brauchst du nicht zu beten. Jesus sagt: »Darum sollt ihr so beten« und lehrt seine Jünger das Vaterunser (Matth. 6, 9ff). Im Gebet geht es ja nicht darum, einen unwissenden Gott zu informieren. Wir sind eingeladen, mit ihm zu reden, sodass unsere Beziehung zu ihm Gestalt gewinnen kann. Dazu zählt die Einladung, ihm alle Sorgen zu nennen. (Lies Phil. 4, 6.) Weshalb? Weil wir ihm wichtig sind und er sich um uns kümmert (Röm. 8, 32). »Werfen« veranschaulicht den Entschluss, die entsprechenden Lasten nicht nur aufzuzählen, sondern an Gott abzugeben. In der Regel brauchen wir in dieser Wurf-Disziplin viel Training, um unsere Sorgen wirklich bei ihm zu lassen und nicht länger selber zu schultern. Vertrauen ist gefragt, und das braucht wiederum Demut: Ich gebe zu, dass ich nicht selbst für alles Sorge tragen kann und auf größere Hilfe angewiesen bin. »Herr, ich übergebe meine Sorgenlasten dir und deinen Möglichkeiten.« Vertrauen braucht außerdem Mut: Ich verzichte auf Sicherheiten und beschreite einen unbekannten Weg mit ungewisser Länge. »Herr, ich überlasse mich und meine Angelegenheiten deiner Fürsorge.« Ein Liederdichter bekennt: »Der die Haare zählet, dem kein Sperling fehlet, der die Raben speist, der hat mich geschaffen, der bedarf kein Schlafen, der ist nicht verreist; der den Sohn so lange schon für mein Heil dahingegeben, der ist noch am Leben. Wenn ich ihn erkenne, meinen Herrn ihn nenne, wie sein Geist mich lehrt, so bin ich, der Sünder, in der Zahl der Kinder, die er bitten hört. Mein Gebet wird nicht verschmäht, und nach überstandnen Proben werd ich fröhlich loben« (E. G. Woltersdorf).
Wenn wir das Sorgerecht für unser Leben an Gott abtreten, bleibt für uns eine dreifache Herausforderung:
Seid wachsam! Es gilt für uns die begründete Notwendigkeit, trotz aller Fürsorge Gottes unser Leben achtsam zu führen. Der Widersacher Gottes, der Mörder von Anfang und Vater der Lüge (Joh. 8, 44) ist mit einem hungrigen Löwen zu vergleichen, der auf Beute aus ist. Und »uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat« (2. Kor. 2, 11; vgl. Luk. 22, 31). Sein Ziel ist es, den Menschen von seinem Schöpfer zu trennen, ob durch Ungehorsam oder durch Unglauben. Wir müssen uns deshalb darauf einstellen, dass die Herzstücke unseres Glaubenslebens umkämpft sind: unsere Gebetszeit, der vertrauensvolle Umgang mit dem Wort Gottes, die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Als häufige Angriffstaktik nennt der Ausleger Adolf Schlatter Versuchung, Verwirrung und Verfolgung. Paulus fordert alle Gläubigen auf, die geistliche Waffenrüstung anzulegen (Eph. 6, 11-17).
Seid ohne Furcht! Es gilt für uns die begründete Gewissheit, trotz aller Feindeslist ohne lähmende Furcht leben zu können. Auch wenn der Löwe durch sein Gebrüll in Angst und Schrecken versetzt: Wir sind bei Gott geborgen. Der Teufel ist nicht allmächtig. Er hat in dieser Welt nur so weit Einfluss, wie Gott ihm dazu Spielraum und Frist lässt (Offb. 20, 2. 3. 10). Wer sich zu Jesus hält, steht auf der Seite des Siegers. »Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen« (2. Thess. 3, 3; vgl. Offb. 1, 17. 18). Einen weiteren Trost gibt Petrus durch seinen Hinweis auf den Glaubenskampf, der alle Christen betrifft. Auch wenn wir an einem Platz alleine stehen, sind wir nicht wirklich abgehängt. Wir gehören zur großen Familie Gottes (1. Kor. 12, 13. 26. 27). Gott wacht über seiner Gemeinde in guten und schweren Zeiten. (Lies 1. Kor. 15, 57; Phil. 1, 6.)
Leistet Widerstand! Es gilt für uns die begründete Mobilmachung zum Kampf, obgleich eigene Kräfte dazu nicht ausreichen. Deshalb heißt es »widersteht im Glauben«. Der Glaube ist ja der Sieg, der die Welt überwunden hat (1. Joh. 5, 4; vgl. 1. Tim. 6, 12). »Auf welche Weise überwindet der Glaube die Welt? Die Grundregel lautet: Gleiches heilt Gleiches. Der Glaube zertritt die Furcht dieser Welt mittels der Furcht Gottes. Die Welt sagt: Wenn du nicht dies und das tust und dich vor mir niederbeugst, werde ich dich in den feurigen Ofen stecken. Doch der Mann des Glaubens entgegnet: Ja, vielleicht fürchte ich dich, doch kenne ich noch eine weitaus größere Furcht, nämlich die, meinen Herrn zu betrüben. Und wie bereitet der Glaube den Hoffnungen dieser Welt eine Niederlage? Schau dir dies doch einmal an, sagt die Welt, das alles kannst du haben, wenn du mein Jünger wirst. Es gibt Hoffnung für dich, du kannst reich und groß sein. Doch der Glaube antwortet: Für mich ist eine Hoffnung im Himmel aufgehoben, eine Hoffnung, die nie vergeht. So überwindet die Hoffnung der Herrlichkeit die Hoffnung, die die Welt anbieten kann. Ach, warum willst du nicht dem Vorbild so vieler um dich herum folgen? Warum? Weil ich dem Vorbild des Herrn Jesus Christus folge, antwortet der Glaube. Gut, sagt die Welt, wenn du dich durch alles dies nicht überwinden lassen willst, dann komme her, lass dich von mir lieben. Sei mein Freund. Doch der Glaube schleudert ihr entgegen: Wer der Welt Freund ist, kann kein Freund Gottes sein. Gott liebt mich. Was brauche ich mehr? So stellt der Glaube der einen Liebe die andere entgegen, der Hoffnung die bessere Hoffnung, der Furcht die Furcht Gottes und überwindet so die Welt« (C. H. Spurgeon).
Mit Segenswort, Grüßen und dem Friedenswunsch beschließt Petrus seinen Brief. Es sind nur wenige Worte, dennoch wird anschaulich, wie sehr sich der Apostel mit allen Gläubigen verbunden weiß. Auch Entstehung und Übermittlung des Briefes sind Zeugnis gemeinsamer Arbeit. Der Kontakt zu Silvanus (Silas) geht weit zurück. Er war Überbringer der Beschlüsse der Jerusalemer Apostelversammlung (Apg. 15, 22. 27) und verlässlicher Mitarbeiter von Paulus (Apg. 15, 40; 16, 25; 17, 14). Vermutlich hat Silvanus den ersten Petrusbrief persönlich den Gemeinden überbracht und auch bei der Abfassung als Schreiber mitgewirkt. Petrus betont die Glaubwürdigkeit dieses Mitarbeiters und damit auch die Übereinstimmung seiner Botschaft mit der des Apostels Paulus. (Vgl. 2. Kor. 9, 8; Tit. 2, 11-13.) Auch Markus ist ein solches Verbindungsglied. Er gehört ebenfalls zum Mitarbeiterteam von Paulus (Apg. 12, 25; Kol. 4, 10; 2. Tim. 4, 11). Gleichzeitig versteht sich Petrus als sein geistlicher Vater. Ihre gemeinsamen Grüße senden sie aus »Babylon «, Inbegriff der Feindschaft gegen Gott und Deckname für Rom mit seinem Götzendienst und der zunehmenden Entschlossenheit zur Christenverfolgung. Wir erinnern uns: Das Anliegen des Briefes ist es, die Gläubigen zu ermutigen, auch in der Fremde und im Leiden Christus nachzufolgen. Sie sollen lernen, »wie sie inmitten solcher Feindseligkeit siegreich leben können: 1. ohne Hoffnung zu verlieren, 2. ohne bitter zu werden, 3. im Vertrauen auf ihren Herrn und 4. in Erwartung seiner Wiederkunft« (J. MacArthur). Dazu hat Gott jede nur erdenkliche Hilfe in Liebe und Treue für uns bereit. Er wird uns vollbereiten (ausrüsten), festigen (beständig machen), stärken und gründen (ein Fundament geben). Deshalb wollen wir uns zum Lob anstecken lassen (V. 11), den Frieden weitergeben, den allein Jesus gibt (Eph. 2, 14), bei und in ihm bleiben. »Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht« (Joh. 15, 5). Ein he rrliche r Duft der Ge ruch des Le bens
Ein Missionar saß im Abteil eines Zugs, der eben in den Bahnhof eingefahren war. Er reiste mit einem sehr beschwerten Herzen. Ihn beschäftigte seine Arbeit, die er bisher hier im Land Kolumbien getan hatte. Es war so wenig Echo auf seine Verkündigung gekommen. Mit einem Mal wurde er jäh aus seinen Gedanken gerissen. Auf dem Bahnsteig liefen Jungen mit Tabletts frischer Brötchen am Zug auf und ab. Sie drängten die Reisenden zum Kauf. Doch kaum einer beachtete das Angebot. Als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, mussten die Jungen mit ihren vollen Tabletts zurücktreten. Da sah der Missionar, dass einer sich auf das Trittbrett schwang, obwohl der Zug schon angefahren war. Und schon war der Junge im Abteil. Er setzte sich auf einen Platz, nahm eines von seinen Brötchen, brach es auseinander und begann zu essen. Der Mann neben ihm schaute von seiner Zeitung auf; denn dem aufgebrochenen ofenfrischen Brötchen entströmte der volle köstliche Duft. Es dauerte nicht lange, da kaufte der Mann ein Brötchen und begann zu essen. Schnell verbreitete sich der Duft im Abteil. Einer nach dem anderen rief den Jungen zu sich und kaufte ein Brötchen. Als der Zug an der nächsten Station hielt, verließ ihn der Junge. Sein Tablett war leer und sein Geldbeutel gefüllt. Der Junge hatte dem Missionar eine Botschaft hinterlassen. Während die anderen Verkäufer laut gerufen hatten, hatte er die bessere Methode gefunden, die Leute zum Kauf zu bewegen. Er setzte sich einfach in ihre Nähe und ließ den Duft verströmen. So weckte er den Appetit auf Brötchen. Und einer nach dem anderen verlangte danach. Nun wusste der Missionar, wie man bei Menschen den Appetit auf das Brot des Lebens weckt. Auch Jesus suchte bewusst die Nähe der Menschen auf, um ihr Verlangen nach »Lebenshunger« zu stillen: Johannes 4, 1-30; 5, 1-9. 14; Lukas 17, 12-19.
»Noah opferte Brandopfer auf dem Altar, und der Herr roch den lieblichen Geruch.« Normalerweise riecht verbranntes Fleisch alles andere als gut. Aber der Geruch des Opfers, das aus dem dankbaren Herzen Noahs kam, war Gott angenehm wörtlich heißt es: »Geruch der Beruhigung«. Was ist gemeint? Gott braucht keine Beruhigung, weil er unter Nervosität leiden könnte. Er ist vielmehr erzürnt über den Ungehorsam seiner Geschöpfe, weil dieser den ewigen Tod bringt. Der Gott wohlgefällige Geruch des Opfers, das Noah darbrachte, ist gewissermaßen ein Zeichen für den »beruhigten« Zorn Gottes. Noah brachte dem Herrn aus Dankbarkeit für die Rettung aus den Todeswassern der Sintflut ein Brandopfer dar. Dieses war ein »Ganzopfer« das ganze Tier wurde geopfert. Er opferte Gott das Beste, und zwar ganz. Er behielt nichts für sich zurück. »Alles für Gott«, so war seine Herzenshaltung, und das bewirkte einen lieblichen Duft, an dem Gott Gefallen hat. Gott nahm Noahs Opfer an und erwies ihm Gnade. Mit dem Regenbogen besiegelte Gott sein Versprechen, gnädig zu sein. Alle Opfer, die Gott seinem Volk Israel darzubringen gebot, weisen über sich hinaus auf das eine Opfer, das Jesus, der Sohn Gottes, brachte. »Christus hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben als Opfergabe und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch« (Eph. 5, 2). In das Lebensopfer, das Jesus brachte, münden alle alttestamentlichen Opfervorschriften und -handlungen ein. Gott nahm die Opfer an, die sein Volk brachte, weil er schon das einzigartige, vollgültige Opfer seines Sohnes vor Augen hatte. Dieses Opfer ist vollkommen und einmalig. Es ist das einzige Opfer, das uns aus den Todes-Fluten der Sünde rettet. Mit diesem Opfer beginnt der Neue Bund. In ihm sind die Opfervorschriften des Alten Bundes für immer erfüllt. (Lies Hebr. 7, 25-27; 9, 12-28; 10, 10.)
Wohlgeruch, der von Jesus ausgeht Mit dem Opfer seines Lebens hat Jesus Christus das größte Problem der Menschheit gelöst das Problem der Sünde. »Am besten verstehen wir Sünde, wenn wir das Leben von Jesus Christus anschauen. Wenn ich sein Leben mit meinem Leben vergleiche, erkenne ich relativ leicht, was Sünde ist. Sein Leben war perfekt und absolut gut. (Lies Joh. 8, 46; Hebr. 4, 15.) Wenn wir das Leben und die Worte von Jesus wirklich ernst nehmen, stellen wir fest: Wir sind nicht gut, und wir können nicht gut sein. Sünde hat den Menschen entstellt und böse gemacht. Von Grund auf ist das Herz des Menschen böse. Wenn ein Mensch ehrlich wird mit sich selbst, dann begreift er immer mehr, was Sünde ist, und er versteht auch die Notwendigkeit des Opfers, das Jesus am Kreuz dargebracht hat. Wer nichts von diesem Opfer weiß oder es nicht wahrhaben will, der kann dieses Von-Grund-auf-Bösesein nicht zugeben. Wenn es keine Lösung für das Problem der Sünde geben würde, müssten wir sie verdecken und verleugnen. Wir könnten dann nur die Symptome der Sünde behandeln. Aber dabei bleiben wir an der Oberfläche und gelangen nicht zum Herzen des Problems. Das Herz unseres Problems ist das Problem unseres Herzens. Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Neid, Torheit, Ausschweifung, Lästerung, Hochmut. Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen (Mark. 7, 21-23). Genau darum musste Jesus am Kreuz sterben, er hat alle unsere Sünde auf sich geladen, damit wir frei sein können. Deshalb haben wir als Christen die unverschämte Freiheit, offen und ehrlich über unsere Verfehlungen, Schwächen und Nöte zu reden, weil wir wissen, dass es eine Lösung für die Sünde gibt, nämlich die Erlösung durch Christus. Seine Erlösung ist unsere Lösung« (H. P. Royer). (Lies Eph. 1, 7. 8.)
Alle Menschen sollten es wissen, und jeder, der Jesus Christus gehört, weiß es: Der Sohn Gottes hat sein Leben für mich geopfert. Er starb meinen Tod, den ich wegen der Sünde verdient habe und den Gott nicht einfach aus Liebe erlassen kann, weil all das Böse nicht ungesühnt bleiben kann. Sein Sohn hat stellvertretend die Strafe für meine Sünde auf sich genommen und hat mich mit Gott versöhnt. Dieses Opfer ist für Gott zu einem »duftenden Geruch« geworden, den Zorn Gottes zu beruhigen. Das Opfer von Jesus entsprach der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Unsere Sünde würde zum Himmel »stinken«, wenn Gott nicht den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht hätte. Weil Jesus sich geopfert hat, steigt zu Gott nicht der Gestank unserer Sünde auf, sondern der Christusduft, der liebliche Duft der durch Christus Versöhnten. Wir sind vor Gott recht gemacht. »Das Blut Jesu Christi hat uns rein gemacht von aller Sünde.« »Denn die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.« »Wohl dem Menschen, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist.« »Darum lasset uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, besprengt in unseren Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser.« »Und wer will nun die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht, wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferstanden ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt« (1. Joh. 1, 7; Jes. 53, 5b; Ps. 32, 1; Hebr. 10, 22; Röm. 8, 33. 34). Praxis-Impuls: Überdenken wir die einzelnen Bibelverse im Gespräch mit Jesus. Was sagt der Vers aus? Wofür kann ich danken, worum bitten? Welche Zusagen entdecke ich?
Wer die Erlösung durch Jesus angenommen hat und sich von ihm aus seinem großen Reichtum beschenken lässt, verbreitet den Christus-Duft. »Wir sind für Gott ein Wohlgeruch des Christus«, sagt Paulus. Der gute Geruch ist dort, wo Jesus ist. 2. Der Christusduft bei Menschen der Bibel Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte wird von der Entstehung und vom Leben der ersten Christengemeinde berichtet. Im letzten Vers dieses Kapitels ist zu lesen, dass der Herr täglich welche hinzutat, täglich kamen Menschen zum Glauben. Da lohnt es sich zu fragen: Was ging von den Christen damals aus? Ihr Gemeindeleben wird so beschrieben: »Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet . . . und alle, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam« (Apg. 2, 42. 44). Viele waren ein Eigentum des Herrn Jesus Christus geworden. Weil sie aber wenig von diesem Herrn wussten, war es ihnen wichtig, mehr von ihm zu erfahren, und die Apostel berichteten ihnen, »was Jesus zu tun und zu lehren begann« (vgl. Apg. 1, 1-3). Sie erzählten, was sie mit Jesus erlebt und von ihm gehört hatten. Die Christen waren beieinander. Die Gemeinschaft war für sie lebensnotwendig. Keiner hätte für sich alleine bleiben mögen. Sie aßen miteinander, feierten zusammen das Abendmahl, und sie beteten miteinander. »Gemeinsames Glauben treibt zum gemeinsamen Beten« (W. de Boor). Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und sie teilten auch ihren Besitz miteinander (Apg. 4, 32). Welch ein Christusduft! Er wurde von anderen wahrgenommen, weil die Christen dem Heiligen Geist in ihrem Herzen und Leben Raum gaben. (Lies 1. Thess. 1, 2-10.)
Stephanus gehörte zur ersten Gemeinde, er war erfüllt vom Geist Gottes, erfüllt von Jesus Christus. Wenn ein Mensch in seinem Leben Christus den Vorrang gibt, dann breitet sich der Duft des neuen Lebens aus. Stephanus, ein Mann »voll Gnade und Kraft«, war erfüllt mit Glauben und Heiligem Geist. Als Hellenist (griechisch sprechender Jude) suchte er die hellenistisch geprägten Synagogen in Jerusalem auf. Einige Männer dieser Synagogen standen auf und stritten kräftig mit Stephanus über den Glauben. Aber »sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, in dem er redete«. Darum ergriffen jene Männer immer härtere Maßnahmen, Stephanus mundtot zu machen. Sie überfielen ihn und zerrten ihn vor den Hohen Rat. Hier sollte Stephanus sich verteidigen. Er nutzte die Gelegenheit, einen Vortrag über das Wirken Gottes in der Geschichte Israels zu halten, um seinen Klägern zu zeigen, dass Jesus der wahre Prophet und der eine Gerechte ist, den sie getötet hatten. »Aber als sie das hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn.« Anstatt dem Wirken des Heiligen Geistes nicht länger zu widerstreben und dem Wort Gottes zu glauben (7, 51-53), missbrauchten sie ihre Macht und ließen Stephanus steinigen. Er aber wurde von seinem Herrn in der Ewigkeit empfangen. Stephanus war in die himmlische Heimat umgezogen. Seine Gegner jedoch standen letztlich auf der Seite der Todgeweihten. »Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden: diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben.« (Vgl. Ps. 72, 14; 116, 15.) Der Lebensbericht, den uns der Evangelist Lukas überliefert hat, macht deutlich: An Jesus Christus scheiden sich die Geister. Da ist eine Entscheidung fällig. Es gibt kein »Jein«, sondern nur ein Ja oder ein Nein. (Vgl. Apg. 2, 37-41; 1. Kor. 1, 22-24; 2. Kor. 4, 5; 1. Petr. 2, 7. 8.)
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