Elias Verzweiflung muss groß gewesen sein, denn er lässt auch seinen Diener zurück, um noch tiefer in die Wüste zu gelangen. Jetzt kam zu Angst und Erschöpfung die Einsamkeit hinzu. Entmutigte Menschen sind oft einsame Menschen. Aber Elia ist nicht nur mit sich selbst im Gespräch, er weiß trotz allem noch, dass er Gott alles sagen darf (V. 4). »Es ist schon ein erster Trost und ein halber Sieg, wenn ein Mensch so wie Elia sein Versagen und Verzagen dem Herrn vor die Füße legt« (H. Lamparter; vgl. 1. Mose 21, 14-17). Vor Erschöpfung schläft der Prophet ein, und Gott überrascht ihn mit einer stärkenden Mahlzeit, nicht mit einer Strafpredigt. Das geschieht übrigens zweimal. Gott nimmt sich seines »ausgebrannten« Dieners ganz praktisch an. 3. »Unsere verletzlichsten Momente kommen gewöhnlich, wenn wir gerade einen großen Sieg hinter uns haben, besonders, wenn dieser Sieg ein solches Gipfelerlebnis mit Gott ist wie hier bei Elia« (C. Swindoll). Nach den umwälzenden Ereignissen auf dem Karmel war bei Elia die »Luft raus«. So wurde er von der Strömung seiner verbrauchten physischen und psychischen Kräfte in die Wüste gezogen. Und doch war dort der Eine, der ihn stärkte und ermutigte und ihn wiederherstellte. Die Geschichte Gottes mit Elia kann weitergehen. Tiefpunkte sind für den Herrn keine Schlusspunkte, sondern Haltepunkte. Wir sind ihm viel zu wichtig, als dass er mit uns »Schluss machte«. 4. Elias körperliche und seelische Kräfte waren im anspruchsvollen Dienst für Gott und sein Volk ausgelaugt. Der Herr weiß das und bereitet seinen Diener für eine neue Begegnung mit sich selber vor. In der Gottesbegegnung liegt die eigentliche Hilfe für ermattete Menschen. (Dazu 4. Mose 23, 4; Ps. 59, 1-5; Amos 4, 12. 13.)
Dort unter dem Busch in der Wüste, wo Elia Gott sein Herz ausschüttete, finden wir den Propheten in Selbstmitleid verstrickt. Er will nur noch sterben. Gott erfüllt Elia seinen Wunsch, aus dieser unglücklichen Lage herauszukommen, aber nicht so, wie dieser es sich gedacht hatte. Elia machte unter dem Strauch eine Erfahrung, wie sie auch uns vertraut ist, wenn wir uns in Selbstmitleid verstricken. Wir stellen fest, dass es eine »ungesunde« Gefühlsregung ist, die maßlos übertreibt und uns belügt. (Vgl. Jona 4, 1-11.) Gott aber will seine Leute aus der Höhle der Niedergeschlagenheit und des Selbstmitleids herausholen: " Der Herr berührt den Wunden Punkt bei Elia (V. 9. 10). Der Prophet spricht aus, wie sehr er für Gott gekämpft habe: und wirft ihm insgeheim vor, dass es nicht gerecht sei, wenn ausgerechnet er, der dem Herrn als einziger treu geblieben sei, mit dem Tod bedroht werde. Elia sieht nur noch das Negative. Die anderen Gläubigen sind ihm aus dem Blickfeld geraten (1. Kön. 18, 3. 4). " Der Herr offenbart sich Elia als der einzigartige Gott (V. 1113). Es trifft zu, dass er alles Widergöttliche erschüttern und vernichten wird (Sturmwind, Erdbeben, Feuer). Aber sein eigentliches Wesen, seine Liebe und Treue, will in der Stille vor ihm entdeckt werden. Wenn seine leise Stimme unser Herz berühren darf, hebt er uns aus der Enge in die Weite. (Lies 2.Sam. 22, 17-20; Jes. 49, 9b. 10.) " Der Herr hält neue Aufträge für Elia bereit (V. 1519). Er hat seine Enttäuschung noch nicht überwunden (V. 14), aber Gott löst seinen Mitarbeiter aus der Unzufriedenheit, indem er ihn neu beauftragt. Es ist, als ob Gott zu seinem Boten spricht: Bleib nicht bei dir selber stehen. Blicke nach vorn. Ich will dich gebrauchen; denn ich habe dich lieb.
In diesem Abschnitt lernen wir den glaubenslosen König Ahab, der offenbar zu keiner echten Buße gefunden hatte, noch einmal von einer anderen Seite kennen. Diesmal erfahren wir etwas über seinen »Regierungsstil«, und dabei taucht wieder einmal seine herrschsüchtige Frau Isebel als »Drahtzieherin« des Bösen auf. Beim Lesen des Textes gewinnen wir den Eindruck, als ob Gott nicht mitbekommt, was hier vorgeht, bis gewissermaßen im letzten Augenblick Elia die Bühne betritt und Gottes Gericht verkündigt. Wir sind mitten in unserer Zeit angekommen, wenn wir uns heute mit dieser Geschichte befassen. Können Mächtige das Recht mit Füßen treten? Die Bibel antwortet darauf mit Ja. Aber sie können es nicht ungestraft tun! Zwischen Ahab, dem Mächtigen, und Nabot, dem rechtmäßigen Besitzer eines Weinbergs, entsteht ein Konflikt. Es geht um das Land (den Weinberg) Nabots. Dabei hatte doch Ahab wirklich genug Gärten und Grundstücke. Aber er will unbedingt diesen Weinberg besitzen. Die Habgier bemächtigte sich seiner. Damit begann seine Sünde. Wer begehrt, was der andere hat, kann leicht in eine tödliche Falle geraten. Schon seit dem Sündenfall steckt viel unausgesprochene Begierde im menschlichen Herzen. Das »Lustprinzip« hat auch in christlichen Kreisen Einzug gehalten. Vielleicht sogar bei uns? (Lies 5. Mose 5, 21; 1. Mose 3, 6-13; Jos. 7, 1. 11.) Wir wollen etwas oder jemanden unter allen Umständen haben und scheuen keine Mittel! Und schon beginnt die Not! Die Verhandlungstaktik des Königs schien zunächst harmlos und gut zu verlaufen, bis Nabot »nein« sagte. Warum weigert er sich denn eigentlich, sein Land zu verkaufen? Er tut es »nicht aus starrköpfigem Eigensinn; das eigentliche Motiv dieser Weigerung ist Nabots Frömmigkeit « (H. Lamparter). Sein Nein war eine mutige Treuebezeugung Gott gegenüber. (Vgl. Hes. 46, 18; 4. Mose 36, 9; 1. Sam. 24, 7.)
Gottes Gebote gelten für Nabot mehr als der Wunsch des Königs. Die Treue den Ordnungen des Herrn gegenüber ist Nabot wichtiger als Geld, Reichtum und Ehre bei Menschen. Nabot lehnte also um Gottes willen ab. (Vgl. 3.Mose 25, 23.) Ahabs überzogene Reaktion (V. 4) erscheint unglaublich lächerlich: Wie ein unerzogenes, verwöhntes Kind beharrt er auf der Erfüllung seiner Wünsche. Das zeugt nicht von Reife. Auch unsere Reaktionen in Auseinandersetzungen können unsere geistliche Reife widerspiegeln. Ziehe ich mich beleidigt in einen Schmollwinkel zurück? Mache ich meinen »Gegner« bei andern schlecht? Hege ich Rachegedanken? Gebrauche ich die Ellbogen, um mein Ziel zu erreichen? (Lies Jak. 1, 19-24.) Auf diesem Weg werden wir schnell Verbündete finden, so wie Ahab in seiner Frau Isebel diejenige fand, die ihn unterstützte und bereit war, einen mörderischen Plan auszuführen (V. 5. 7). Ahab kam das vielleicht sehr gelegen, lag doch die Verantwortung nicht mehr auf ihm, sondern auf seiner Frau. Aber er war bei allem genauso beteiligt wie sie vor allem deshalb, weil es ihm um seine Macht als Herrscher ging, die durch Nabots Weigerung für ihn in Frage gestellt schien. Wie leicht können sich Machtgelüste mit Unrecht und Lüge vermischen! (Vgl. 5. Mose 16, 19.) Helmut Lamparter beschreibt mit deutlichen Worten, was sich im Palast abgespielt hatte: »Die Abwendung von dem allein wahren Gott, das Verlassen der Gottesfurcht, die Hinwendung zum Baal hat die Beugung des Rechts im Gefolge. Das ist nicht nur zu Ahabs Zeiten so. Nimm die Furcht Gottes aus den Herzen des Mächtigen, und du wirst unweigerlich die Erfahrung machen, dass das Recht in die Brüche geht. Das ist entsetzlich!« Fragen wir uns heute: Wo gibt es verborgenes Machtstreben in unserem Leben, das wir überwinden sollten? (Dazu Jer. 45, 5.)
Zu allen Zeiten gab es Mächtige, die davon überzeugt waren, dass recht ist, was ihnen nützt, oder im besten Fall, was dem Volk nützt. Gottes Wort aber setzt andere Maßstäbe. Recht ist das, was vor Gott recht ist, alles andere ist Lüge. »Wo die Lüge mit der Macht im Bunde ist, ist in dieser Welt das Recht noch immer unter die Räder gekommen« (H. Lamparter; vgl. Spr. 6, 12-15). Isebels hinterlistiger Plan gelang: Nabot wurde umgebracht. Nun konnte der Weinberg von Ahab in Besitz genommen werden. Wir wundern uns, dass es ihm gar nichts ausmachte, dieses gemeine Spiel mitzumachen. Aber so blind kann Macht den Menschen machen. Ahab riss den Zaun nieder und erklärte dieses Stück Land als Besitz der Krone. Und Gott? »Aber des Herrn Wort erging an Elia.« Zum dritten Mal tritt nun Elia dem König Auge in Auge gegenüber, um ihm das Gericht Gottes anzusagen. Wenn wir die Gerichtsbotschaft genauer betrachten, sehen wir, wie Gott bis in alle Einzelheiten über das entsetzliche Unrecht Bescheid wusste. Man könnte meinen, er habe Isebel über die Schulter geschaut, als sie ihre Briefe schrieb. Der Herr sah, wie die Steine flogen, wie die Hunde kamen . . . Gott weiß. Und Gott sieht. Das ist tröstlich zu wissen. Der Herr lässt niemanden aus den Augen, der in dieser Welt zu Unrecht leiden und sterben muss. (Vgl. 2. Kön. 20, 5; Hiob 34, 21; Ps. 33, 14.) Gott ist und bleibt der Richter über alles Unrecht. Wenn seine Stunde da ist, wird er ein gerechtes Gericht halten. (Lies Ps. 9, 9; 96, 10; Jes. 11, 4.) Gott ist und bleibt ein gnädiger und barmherziger, aber auch ein heiliger Gott. Vor ihm hat kein Unrecht Bestand.
Wir erfahren in unserem Tagestext erstaunliche Ereignisse über die letzten Tage und Stunden Elias, die uns ermutigen können. Sein Ende war ein Triumph, ein strahlender Sieg. Gott hatte etwas ganz Besonderes mit ihm vor, wie es außer ihm nur noch Henoch erlebt hatte. (Siehe 1. Mose 5, 24; Hebr. 11, 5.) Wir haben gelesen, wie Elias Auftreten immer wieder mit plötzlich aufbrechendem Feuer verbunden war ein Zeichen dafür, dass der heilige und lebendige Gott gegenwärtig war. Darauf weisen uns auch der feurige Wagen und die feurigen Pferde hin, die Gott sandte, um Elia in seine Herrlichkeit aufzunehmen. Elia hatte bereits Elisa, den von Gott ausgewählten Nachfolger, bei sich. Und Elisa wollte unbedingt bis zum Schluss bei seinem väterlichen Freund bleiben. Bei ihrer letzten gemeinsamen Wanderung dachte Elia daran, seinen Nachfolger zurückzulassen; der aber will nichts davon wissen. »Es gibt Menschen, die man am liebsten nicht ziehen lassen möchte oder wenigstens bis zuletzt begleiten möchte« (H. Lamparter). Elia war solch ein Mensch. Gemeinsam legten sie nun den Weg zurück, auf dem Gott einst sein Volk ins verheißene Land hineingeführt hatte: Gilgal (der Ort, an dem für Israel ein neues Leben begann) Bethel (der Ort des Gebets, Abraham hatte dort einen Altar gebaut) Jericho (der Ort des Sieges) sind herausragende Orte der Geschichte Gottes mit seinem Volk. (Lies Jos. 4, 19. 20; 5, 2; 1. Mose 13, 3. 4; Jos. 6, 1. 2.) Es gibt auch in unserem persönlichen Leben und im Leben der Jesus-Gemeinde wichtige Orte und Ereignisse, an die wir uns dankbar erinnern dürfen. Sie können uns neuen Mut zum Weitergehen schenken, indem sie in unseren Herzen die Erinnerung an Gottes Treue lebendig halten. (Vgl. Ps. 111, 1-10; 2. Mose 17, 14. 15; 2. Tim. 2, 8.)
Vergeblich warten wir auf ausführliche Gesprächsaufzeichnungen zwischen den beiden Propheten. Aber es werden keine unnützen Worte gewechselt. Elia rüstet sich innerlich, seinem Gott zu begegnen, und Elisa ehrt sein Schweigen. Führungen Gottes wollen nicht menschliche Neugier befriedigen, sondern dazu beitragen, dem Herrn tiefer zu vertrauen und ihm, nicht zuletzt durch unseren Gehorsam, alle Ehre zu geben. Das gilt auch für die »Studenten« der Propheten-Schulen, die es an verschiedenen Orten im Land gab. Die Propheten-Schüler lebten in der Regel in kleineren und größeren Wohngemeinschaften beieinander. Sie teilten für einen gewissen Zeitraum das Leben miteinander und bildeten auch eine Schul-Gemeinschaft. Von Elia, ihrem »Propheten-Vater«, lernten sie viel über den Gott Israels. Sie befassten sich mit seinem Wort, werden sich darüber ausgetauscht und vor allem ein Leben eingeübt haben, das sich am Willen Gottes orientiert. Dabei war Elia ihnen ein wirkliches Vorbild. Ob Elia sie auch auf sein wundersames Ende vorbereitet hatte? Oder ob sie durch den Heiligen Geist erkannten, dass der Herr heute Elia in seine Herrlichkeit aufnehmen würde, ohne dass der Prophet den Tod sah (V. 5)? Wollten sie Elisa ihre Erkenntnis lediglich mitteilen oder mit ihm ausführlicher über die eigentümlichen Vorgänge reden? Doch Elisa weist sie zurück. Es gibt Dinge, über die man keine Worte verlieren darf oder muss. Auf ihrem gemeinsamen Weg waren Elia und Elisa inzwischen am Jordan angekommen. Elisa war treu an der Seite seines Lehrers und Freundes geblieben. Vielleicht ist seine Beharrlichkeit auch ein Abbild von Gottes Treue. Er bleibt immer bei den Seinen, auch wenn Menschen sich voneinander trennen müssen. Gott will unser ständiger Begleiter sein, bei Tag und bei Nacht. (Lies Ps. 40, 12; 121, 3; Spr. 3, 26.) frieden mit gott Römer 5, 1-21 In Römer 1 bis 4 geht Paulus der Frage nach, wie man aus Glauben gerecht wird. Dabei befasst er sich zuerst mit der negativen (1, 18 -3, 20), dann mit der positiven Seite (3, 21 -4, 25). In den ersten vier Kapiteln kommt über fünfundzwanzigmal das Wort »glauben« vor, aber nur zweimal das Wort »leben«. Die Kapitel 5 bis 8 behandeln nun das »Leben« des aus Glauben Gerechten. Deswegen taucht der Begriff »glauben« nur noch selten auf, dagegen »leben« über fünfundzwanzigmal.
Der Apostel Paulus bekennt: Gott hat uns zu sich in das neue, richtige und gute Verhältnis gesetzt (»gerecht gemacht«). Aus dem bösen »Fall« ist nun ein fester »Stand« geworden, der »Gnaden-Stand« (5, 2). Darum haben wir " »Frieden mit Gott«. Dieser Friede ist seinem Wesen nach kein Gefühl, kein Gemütszustand, sondern das rechtlich begründete Einssein mit Gott. Denn Friede mit Gott beinhaltet ewige Gemeinschaft mit ihm. Nichts und niemand kann uns den Frieden mit Gott rauben. Wir werden zwar weiterhin durch Versuchungen, Bedrängnisse, Leid und Krankheitsnöte »beunruhigt«. Wir können auch noch Böses denken und tun. Wir geraten in manche Konflikte und Streitigkeiten. Aber das alles zerstört nicht die ewige Verbundenheit mit Gott. Der Bund mit Gott kann und wird niemals geschieden werden. Warum nicht? Weil Gott treu ist. Er selber hat den Friedens-Vertrag mit dem Blut seines Sohnes unterschrieben. (Lies 2. Mose 24, 8; 3. Mose 17, 11; Hes. 37, 26; Matth. 26, 28; Hebr. 12, 24; 13, 20. 21.) Der »Friede mit Gott« beruht auf dem Erlösungs- und Versöhnungswerk des Herrn Jesus Christus. Ist uns das unscheinbare Wörtchen »durch« aufgefallen? »Wir haben Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus und durch Jesus im Glauben Zugang zu dieser Gnade.« In unserem fünften Kapitel wimmelt es geradezu von diesem »Durch«. »Alles, was wir als Christen sind und haben, was unseren unverwechselbaren Wert und unsere einzigartige Würde ausmachen, verdanken wir dem Mittler Jesus Christus« (K. J. Diehl). »Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi teures Blut, dass ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Leben lang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Not und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu« (J. Gesenius).
Römer 5, 1. 2 Gott hat uns gerecht gemacht. Er hat uns zu sich in das neue, richtige und gute Verhältnis gebracht. Darum haben wir »Frieden mit Gott«. Darum haben wir " »Zugang zu dieser Gnade«. Wir haben zu vielem Zugang. In dieser Welt ist fast zu allem Zugang für den, der gute Ellbogen hat. Hier aber geht es um den »Zugang zur Gnade, in der wir stehen« das heißt, wir haben jetzt den Zugang zum Himmel. Wo aber ist der Weg? Wo ist die Brücke, die den Abgrund zwischen Himmel und Erde überwindet? Christus ist der Weg. Christus hat die Brücke vom Himmel zu uns geschlagen. Darum haben wir Zugang zum Himmel (Hebr. 10, 19). Wir können nun Gott durch Christus hören in seinem Wort; das ist Zugang (Joh. 10, 27-29). Wir dürfen jetzt auch mit Gott reden, ihn im Namen des Herrn Jesus Christus anrufen; das ist Zugang (Matth. 7, 7. 8). Wir dürfen im Vaterhaus ein- und ausgehen wie Kinder daheim. Es ist uns sogar an Gottes Tisch ein Platz freigelassen. " Wir haben Zukunft. Zu allen Zeiten haben Menschen mit Angst und Sorgen in die Zukunft geblickt. Paulus schreibt hier aber nun nicht, dass wir keine Angst mehr vor der Zukunft haben müssten. Vielmehr heißt es: »Wir rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit.« Der Apostel jubelt darüber, dass in den Jesus-Leuten eine unsterbliche Hoffnung wohnt, eine Vorfreude auf den Himmel, ein gespanntes Erwarten. (Vgl. Phil. 3, 20. 21; Hebr. 11, 8-10; 13, 14.) Kennen wir diese Erwartungs-Haltung, diese Vorfreude »der zukünftigen Herrlichkeit«? Beschleichen uns nicht eher Wehmut oder Erschrecken? Wir dürfen mit Jesus darüber im Gespräch sein.
Soeben hatte Paulus voller Freude Gott dafür gedankt, dass wir einmal an seiner Herrlichkeit teilhaben werden. Jetzt erklingen scheinbar ganz andere Töne: »Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse.« Wie sollen wir das verstehen? Bedrängnisse gehören zum Lebensraum der Jesusnachfolger. Sie leben nicht in konfliktfreier Zone. Im Gegenteil: Wer zu Jesus gehört, bekommt den eisigen Wind der Welt zu spüren. »Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen« (Joh. 15, 20). Das liegt daran, dass das »Reich dieser Welt« regiert wird von Satan, dem »Fürst dieser Welt«. Er ist »der Vater der Lüge und Menschenmörder von Anfang an« (Joh. 8, 44). Das »Reich Gottes« dagegen wird von Jesus, dem »Fürst des Friedens« regiert. Er ist die Wahr heit und das Leben in Person. Kein Wunder, dass es zu Auseinandersetzungen kommt. Jeder Jesusnachfolger ist dem Feind Gottes ein Dorn im Auge. Darum werden Christen belächelt, beleidigt, beschädigt, beseitigt. (Lies 2. Tim. 3, 12; Eph. 6, 12.) Und doch gibt es mitten in Anfechtungen und Not das Wunder des »Rühmens«. (Siehe Apg. 16, 19. 22-34.) »Das ist das in der Schrift mannigfach bezeugte Geheimnis der lobenden und dankenden Gemeinde, deren Singen in Zeiten der Bedrängnis zwar gedämpft, aber besonders zeugniskräftig tönt« (W. Lüthi). Bedrängnisse, zusammengespannt mit dem Glauben (V. 1. 2), rufen eine Kette positiver Wirkungen hervor. Wie man eine abwärts laufende Rolltreppe zum Hinauflaufen benutzen kann, so lässt sich Niederdrückendes in gegensätzlicher Richtung überwinden (Röm. 8, 28). Leiden für Christus geht einem plötzlich als Leiden mit Christus auf, als Geschenk engster Gemeinschaft mit ihm (Matth. 5, 11. 12; Apg. 5, 41; Phil. 1, 29; 3, 10; 1. Petr. 4, 13) und Markenzeichen für die Echtheit unserer Nachfolge. Das vermittelt vorher nicht gekannte Standhaftigkeit. Bestandene Proben aber ergeben Bewährung, was wiederum die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit aktiviert.
In allen Bewährungsproben hat die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit einen langen Atem. Sie lässt den Jesusnachfolger nicht scheitern (Ps. 22, 3. 20). Nur, woher nehmen die Bedrängten immer wieder diese Frische? Paulus bezeugt: »Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.« Auch Christen müssen mit unbeantworteten Fragen leben. Aber sie hören nicht auf, Gott zu rühmen, denn sie sind Geliebte Gottes. Sie wissen, woran sie bei ihm sind: Er hat ihnen die Gabe des Heiligen Geistes geschenkt. (Vgl. 2. Kor. 1, 22; Eph. 1, 13. 14.) Indem er uns gegeben wird, teilt Gott uns seinen innersten Besitz mit, seine Liebe. Sie ist »ausgegossen in unsere Herzen«. Gießen ist weder rieseln noch tröpfeln. Schon in Joel 3, 1 steht »ausgießen auf« für die Spendung nicht sparender, rückhaltloser Fülle. (Vgl. Apg. 2, 33; Tit. 3, 6.) In unseren Medien ist immer öfter davon die Rede, dass Wassermangel im Zuge des Klimawandels zu einem weltweiten Problem anwachsen werde. Von ein paar Tropfen Wasser kann niemand leben. Das gilt ebenso für die Liebe Gottes. Weltweit mangelt es an dieser Liebe nicht selten auch in unseren Gemeinden. Und in meinem persönlichen Umkreis und Leben? Die Menschen haben Durst nach wahrhaftiger und gebefreudiger Liebe. (Lies Luk. 10, 25-37; 2. Thess. 1, 3. 4.) Die Dienste der Liebe sind verschieden und vielseitig. Sie können verborgen oder öffentlich verrichtet werden. Sie können klein oder groß sein. Aber es ist immer ein und derselbe Geist, den Gott in unsere Herzen ausgegossen hat. »Bitten will ich dich: Nimm mein ganzes Herz! Sei an meiner Seite in Freud und Schmerz. Hilf, dass ich dir diene mit dem, was du gibst; und dass ich den Nächsten so lieb, wie du liebst« (J.Knudsen / W. Scholz).
Was ist das besondere Kennzeichen der Liebe Gottes? Christus ist schon damals für uns gottlose Menschen gestorben, als wir noch der Sünde hilflos ausgeliefert waren. Wer aber stirbt schon für solche, die Gott »abgesetzt« haben, für Desinteressierte oder erbitterte Gegner? Für eine gute Sache oder eine verehrte Persönlichkeit könnte man sein Leben vielleicht opfern, aber für lauter »Ekelpakete«? (Röm. 1, 21ff; 3, 9ff) Gott jedoch hat seine große Liebe gerade dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch von ihm getrennt lebten. Gottes Handeln durch seinen Sohn hebt sich von allem ab, was jemals in ein Menschenherz gekommen ist. Am Kreuz geschah nicht höchste Steigerung des Heldenhaften, sondern tiefste Erniedrigung (Phil. 2, 8; 1. Kor. 1, 18). Nie zu begreifende Liebe zu uns Sündern brach durch: Durch Christus wird unsere Vergangenheit geklärt, indem wir »Frieden mit Gott« bekommen haben (V. 1). Es wird zugleich unsere Gegenwart bewältigt, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist (V. 5). Und schließlich werden wir vor dem in der Zukunft drohenden Gericht Gottes bewahrt (V. 9). Im Evangelium, das Paulus verkündet, wird das zukünftige Zorngericht nicht unterschlagen. »Wenn unsere Rede von der Liebe Gottes nicht zu einer oberflächlichen Sentimentalität verkommen soll, so darf der Zorn des gerechten und heiligen Gottes als Kehrseite zu seiner sich über uns erbarmenden Liebe nicht verschwiegen werden« (K. J. Diehl). So eindeutig Paulus das End-Gericht bezeugt, stiftet er damit in der Gemeinde doch nicht eine Stimmung der Angst, sondern der Zuversicht, ja Freude: Die Gemeinde ist durch den Tod von Jesus mit Gott versöhnt und wird kraft seiner Auferstehung (»durch sein Leben«) errettet. Wenn das kein Grund zu Lob und Anbetung Gottes ist! Am Gotteslob wird die lebendige Gemeinde erkannt. (Lies Eph. 1, 1-10.)
In den Niederlanden ist es vorgekommen, dass durch ein einziges Kaninchen ein Deich unterhöhlt wurde, sodass das Meer übers tiefer liegende Land hereinflutete. Was sich hier ereignete, kann uns verdeutlichen, was am schrecklichsten Tag zu Beginn der Menschheitsgeschichte geschah: Adam ist das »Kaninchen« gewesen, das mit seinem Ungehorsam den Damm unterhöhlt hat, und seither ist die Weltgeschichte überschwemmt von einem »Meer an Blut und Tränen«. »Durch einen einzigen Menschen, durch Adam, ist die Sünde in die Welt gekommen und als Folge davon der Tod. Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle dem Tod ausgeliefert.« Paulus ist es wichtig, hervorzuheben, dass die Sünde nicht eine allgemeine »Naturkatastrophe «, sondern eine »Herzenskatastrophe« im Leben des Einzelnen ist. Darum haben »alle Menschen gesündigt«. Ob sie vor Mose oder nach ihm gelebt haben, es gilt für alle, für Juden und Heiden: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer« (Röm. 3, 10-12). Zwar stehen die Menschen, die nicht den ausdrücklichen Gotteswillen aus Gottes Gebot kennen, nicht unter der gleichen Verantwortlichkeit. Dennoch hat die Sünde auch sie im Griff, und sie können sich nicht für ihr Tun entschuldigen (Röm. 1, 20). Paulus hegt aber keine Vorliebe für die schrecklichen Untaten »Adams«, sondern er zeichnet auf diesem dunklen Hintergrund ein umso helleres Bild: das Bild des Herrn Jesus Christus. »Adam« dient Paulus gewissermaßen als Skizze, als Schattenriss, für das einzigartige »Bild«, das den Namen über alle Namen trägt: Jesus Christus. Neben oder außer diesem einen und einmaligen Erlöser gibt es keinen anderen. (Lies Apg. 4, 8-12; 8, 26-38.)
Beide, Adam und Christus, prägen die Menschheitsgeschichte allerdings völlig entgegengesetzt. Durch einen Menschen kam das Verderben in die Welt, durch den Einen und Einzigartigen kamen Gnade, Gerechtigkeit und Leben herein. Christus ist größer als Adam. Mehr noch: Der Messias Gottes überbietet alle Machenschaften des Feindes Gottes und hebt sie aus den Angeln. Dieser Einzig-Eine hat die Erlösung vollbracht. Folgende Übersicht kann uns helfen, das Heilsgeschehen zu bündeln. " Adam war Gott ungehorsam. " Christus war »gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz« (Phil. 2, 8). " Adam hat den Deich " Christus hat die Schleusen des Himmels unterhöhlt und somit die aufgetan, sodass der Friede aufs tiefer Schleusen der Sünde und des gelegene Erdengelände hereinflutete. Todes geöffnet. Und siehe, es ist ein Friede »wie ein Wasserstrom und Gerechtigkeit wie Meereswellen« (Jes. 48, 18). " Durch den Ungehorsam " Der Gehorsam des Sohnes Gottes Adams kamen die Menschen versetzt in die Stellung von Gerechten. in die Stellung von Sündern. " Mit Adam begann die Sünde " Mit Christus ist die Sünde von ihrem zu herrschen. Thron gestoßen. Sie besteht noch. Aber ihr Machtanspruch ist zerbrochen, seitdem die Gnade auf dem Thron sitzt. (Siehe Joh. 1, 16.) " Mit Adam ist der Tod in die " Mit Christus ist das ewige Leben Welt hereingebrochen. erschienen, jenes Leben, das Tod in Sieg verschlingt. (Lies 1. Kor. 15, 54-58.) " Adam ist und bleibt immer " Christus ist jedoch derselbe: gestern, der alte, unerlöste, arme Adam. heute und in Ewigkeit (Hebr. 13, 8). " Die »AltAdamsNatur « " Christus ist in unsere »Haut« kann nicht aus ihrer »Haut« hereingekommen. Er »in uns« herauskommen. überwindet den »alten Adam«. " Adam ist der Anfänger des " Christus ist der Anfänger des neuen Elends. Himmels und der neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. (Dazu Kol. 1, 27.)
In einer Welt der Sünde und des Todes, dort, wo Neid, Hass und Streit die Welt im Großen wie im Kleinen regieren, hat Christus seine Herrschaft aufgerichtet, und er hat seine Jünger darin einbezogen. Sie haben das Gnaden-Geschenk der Gerechtigkeit Gottes und die Gnaden-Fülle empfangen. Darum werden sie »im Leben königlich herrschen« (wörtl. Übersetzung). Sie werden in ihrem Leben herrschen wie ihr König Jesus. " Er herrscht, indem er dient. Erinnern wir uns an jene kleine, aber bedeutsame Szene im Jüngerkreis. Die Brüder Jakobus und Johannes wünschten sich sehr, in der ewigen Herrlichkeit einen Ehrenplatz direkt neben Jesus zu bekommen. Die anderen Jünger ärgerten und entrüsteten sich. Verständlich. Wer wollte nicht bevorzugt sein und eine besondere Rolle im Reich Gottes spielen? Jesus seinerseits verbietet seinen Nachfolgern nicht, persönliche und besondere geistliche Wünsche zu äußern. Aber der Herr zeigt seinen Jüngern zu ihren geistlichen Wünschen auch geistliche Maßstäbe: Wir lesen Markus 10, 42-45. Jesus ermutigt die Seinen, groß im Dienen zu sein. Dabei kommt es nicht auf die Art einer Arbeit, sondern auf meine Geisteshaltung an. »Was ihr auch tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen« (Kol. 3, 23; lies Eph. 2, 1-5). " Jesus regiert, indem er betet. Das Leben von Jesus war ein einziges Gespräch mit seinem Vater. Ohne Gebet hätte er weder predigen, raten, ermahnen, trösten, heilen, Wunder wirken, in die Nachfolge rufen noch die Seinen zu den Menschen senden können. Die Jünger von Jesus waren tief bewegt vom Gebet ihres Meisters. Darum baten sie ihn: »Herr, lehre uns beten« (Luk. 11, 1). Und Jesus gab ihnen die beste aller Gebetshilfen: Wir lesen Matthäus 6, 5-13.
Die Macht der Sünde ist äußerst anschaulich. Sie bietet reichlich Stoff für Zeitschriften, Filme und Internet-Auftritte. Die Adamswelt ist sozusagen körperhaft in den Raum gestellt. Darum wirkt sie nicht nur mächtig, sondern übermächtig auf uns. Mit Christus und seiner Welt verhält es sich umgekehrt: Sie ist merkwürdig unanschaulich, ja unansehnlich. (Lies Luk. 17, 20; Joh. 18, 36; 1. Kor. 1, 26-28a.) Die Welt Gottes ist allein dem Glauben erkennbar. »Aber die Gnade, sagt der Apostel, ist nicht nur fast so mächtig wie die Sünde, nicht nur gleich mächtig wie die Sünde, sondern mächtiger. Das aber gilt es zu glauben. Das Übergewicht, die Übermacht der Gnade kann nur, allem gegenteiligen Augenschein zum Trotz, geglaubt werden« (W. Lüthi). Der Glaube an Jesus Christus, an die Übermacht seiner Gnade, ist immer ein Glauben, ohne zu schauen. »Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen« (2. Kor. 5, 7; vgl. Röm. 8, 24; 1. Petr. 1, 8). Und doch ist der Glaube an den Herrn nicht unsichtbar. Ihn begleiten Zeichen der übermächtigen Gnade Gottes. Ein Blick in unsere Geschichte bestätigt das. Dort, wo sich die Sünde besonders zusammenballte und der Tod massiv auftrat, fingen die Zeichen der übermächtigen Gnade Gottes an, sichtbar zu werden. Trotz schlimmster Verbrechen am jüdischen Volk vermochte selbst der ärgste Feind nicht, das Volk Gottes auszulöschen. Das gilt auch für die Jesus-Gemeinde: Sie wird bedrängt, bedroht, bis aufs Blut verfolgt, und doch wächst sie beständig. (Vgl. Apg. 12, 1. 2. 24.) Wenn alle Zeichen auf »Weltuntergang« stehen, wird das Signal-Zeichen der übermächtigen Gnade Gottes die Seinen in sein ewiges Reich abholen (1. Thess. 4, 16-18). »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben« (Luk. 12, 32)! Kennen Wir Unseren herrn?
Ein Theologie-Professor stand am Ende seines Lebenswerkes. Jahrzehnte hindurch hatte er geforscht und gelehrt. Dicke Kommentare, dogmatische Bücher und Aufsätze konnte er veröffentlichen. Bis heute werden sie von vielen mit Gewinn gelesen. Nun war er mehr als achtzig Jahre alt, seine Kräfte ließen nach. Was sollte er jetzt noch schreiben und veröffentlichen? Worauf kommt es eigentlich an, was ist wirklich wichtig? Was muss jetzt es war die Zeit des Dritten Reiches unbedingt gesagt werden? Und dann schrieb Adolf Schlatter sein letztes Werk, ein Andachtsbuch mit 366 kurzen Auslegungen für jeden Tag des Jahres. Er gab seinem Buch den Titel: »Kennen wir Jesus?« In der Welt des Neuen Testamentes war Schlatter zu Hause wie kein anderer. Wenn einer über Jesus Bescheid wusste, dann er! Sein Leben war ein einziges Forschen. Bei ihm drehte sich alles um den Mann am Kreuz und den Auferstandenen am Ostermorgen. Und am Ende eines langen, erfüllten Lebens stellte er die alles entscheidende Frage: »Kennen wir Jesus?« Viele Jahre später stellte ein Theologe unserer Zeit fest: »Es fehlt an der Erkenntnis Gottes in der Gemeinde der Christen. Es geht bei der Erkenntnis um das Erkennen von Gottes Wesen. Erkenntnis ist mehr als Wissen. Wir können vieles wissen. Aber Erkenntnis ist verstandenes und gelebtes Wissen, darum werden im Wort Gottes Weisheit und Erkenntnis oft zusammen genannt« (H. Schmid). (Vgl. Spr. 5, 1. 2; 9, 10; Joh. 17, 3.) Reines »Kopfwissen« kann unseren Glauben gefährden, wenn wir Gottes Wort lediglich zur Kenntnis nehmen, es aber nicht unser Herz erreicht und wir es nicht in unserem Inneren bewegen und bewahren. Öffnen wir immer wieder unser Herz für das Reden Gottes, werden wir dem Herrn auch gehorsam sein. Und unser Leben wird von seinem Wort bestimmt und geprägt. (Lies Hos. 6, 3; Phil. 3, 8; Jak. 1, 22-25.)
In einem früheren Heft unserer Bibellesehilfe war zu lesen: »Ist es nicht auch für uns von größter Bedeutung, dass wir unseren herrlichen Herrn so erkennen, wie er sich uns in seinem Wort und durch seinen Geist offenbart? Nichts lässt uns vorankommen im neuen Leben als eine zunehmende, durch den Heiligen Geist vermittelte, aus dem Wort Gottes geschöpfte Erkenntnis des Wesens und der Herrlichkeit unseres Gottes. Es geht für uns nicht nur darum, alle die wichtigen Lehren, alle die kostbaren Heilswahrheiten klar aus der Schrift zu erfassen, es gilt, unseren herrlichen Gott selber besser kennenzulernen; denn so sagt unser Herr Jesus Christus in einem Gebet zu seinem Vater: :Dies ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.9« Was die Erkenntnis des Herrn betrifft, kann uns der persönliche Zuspruch Gottes helfen, Worte, mit denen er zum Beispiel die Zehn Gebote einleitet: »Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.« »In diesen Worten finden wir die Grundstrukturen des Wesens Gottes, sie stellen drei Fragen und können ihre Antwort in diesem Wort unseres Gottes finden. Es sind drei wichtige Fragen, vielleicht die wichtigsten Fragen für den, der seinen Herrn noch viel mehr erkennen möchte: Wer ist Gott? Was tut Gott? Was will Gott von mir?« (H. Schmid) Aber wir sollen nicht nur fragen, sondern auch Antwort erhalten. So haben es viele Menschen der Bibel erfahren. (Lies Jes. 40, 21-26; Apg. 9, 5-19; 17, 23-28.)
Wer ist Gott? »Ich bin Jahwe, dein Gott.« So stellt Gott sich seinem Volk vor. Dieses Wort ist zugleich Überschrift der Zehn Gebote. Damit erweist sich Gott als der Einzig-Eine, der das Recht hat, dem Menschen Gebote zum Leben zu geben. »Ich bin Jahwe.« Die hebräische Sprache weist auf das ewige Person-Sein Gottes hin. Er ist, er war und wird immer derselbe sein. (Lies Jes. 41, 4; Hebr. 13, 8; Offb. 1, 17. 18; 22, 13.) Gott ist der uneingeschränkte Herr über alles. Er ist der Allerhöchste. Nicht der Mensch ist das Maß aller Dinge, es ist der Herr. (Vgl. Ps. 47, 3; Apg. 7, 48.) Wissen wir nur, dass er der Herr ist, oder haben wir ihn als Herrn erkannt und anerkannt? Oder sehen wir in Gott hauptsächlich den Geber, der unsere Wünsche zu erfüllen hat, ansonsten aber nicht in unser Leben tief hineinwirken darf? Ein indonesischer Christ auf Sumatra predigte in seiner Gemeinde: »Fast zwanzig Jahre sind wir nun Christen, und jeden Sonntag gehen wir den gleichen Weg zur Kirche. Am Bach entlang führt die Schlucht hinauf zu unserem Gotteshaus. Als ich vor einiger Zeit an dem Bach vorbeikam, sah ich einen Kieselstein darin liegen. Wie lange mag er schon im Wasser liegen, dachte ich. Ob er wohl weich geworden und das Wasser in sein Inneres gekommen war? Ich holte ihn heraus und schlug ihn auf. Aber er war im Inneren ganz trocken. Das Wasser hatte nur seine Außenseite berühren können, es war nicht eingedrungen. Nun sind wir schon zwanzig Jahre Christen und lassen uns bespülen vom Wasser des Lebens. Sind wir wie Steine, die nur oberflächlich nass werden, an denen das Wasser des Lebens nichts ausrichten darf im Inneren? Dann sind wir Christen, die Jesus in ihrem Leben nicht Herr sein lassen.« So muss es nicht bleiben. Wir dürfen wie David beten: Psalm 139, 23. 24.
»Wer ist Gott?«, fragte Mose in seiner außergewöhnlichen Lebenssituation. Als ehemaliger Prinz von Ägypten war er nun Schafhirte. In der Wüste sah er einen brennenden Dornbusch, der nicht verbrannte. Als er diese ungewöhnliche Erscheinung aus der Nähe betrachten wollte, überraschte ihn eine Stimme, die seinen Namen rief: »Mose, Mose!« »Hier bin ich«, war seine Antwort, aber er wusste noch nicht, wer ihn gerufen hatte. Dann stellt Gott sich ihm vor als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Damit wurde deutlich, dass Gott sein Volk und seine Verheißungen nicht vergessen hatte. (Lies 1. Mose 12, 2. 3; 13, 15. 16; 26, 3-5; 28, 13-15.) Mose darf sich als der von Gott Angesprochene als Glied in einer Generationen-Kette sehen, die in Gott selbst verankert ist. Mose sollte erfahren, dass nicht alles auf ihn ankam, sondern dass er wie seine Vorfahren Werkzeug in Gottes Hand war. Aber die Bedenken waren groß: Mose konnte sich nicht mehr vorstellen, Werkzeug in Gottes Hand zu sein. Doch der Herr lenkte Moses Blick auf ihn selber: »Ich werde mit dir sein.« Ist es nicht auch für uns eine große Entlastung, wenn uns gesagt wird, dass es nicht so sehr auf uns ankommt, sondern entscheidend auf den, der uns beruft und beauftragt? Mose wollte genau wissen, wer der Herr war, der mit ihm gehen und das Eigentliche vollbringen würde. »Wenn das Wegsehen vom Ich des Gesandten zum Ich des Senders dran ist, so rückt damit dieses sendende Ich in den Mittelpunkt« (H. Frey). Darum fragte Mose: »Was soll ich denn sagen, wer mich gesandt hat?« Man darf bei Gott Fragen stellen; wichtig ist die Haltung des Hörens. (Lies Apg. 10, 9-16. 19. 20; Richt. 6, 14-18.)
Und Gott offenbarte Mose seinen Namen und gab ihm das Recht, den Herrn anzureden. Der Gottesname ist das große Geschenk, das Mose den Israeliten mitbringen durfte und das Israel vor allen Völkern erhob. Dieser Name ist nicht einfach ein Eigenname, sondern enthüllt das Wesen Gottes. Jahwe ist Wesensoffenbarung Gottes auf Moses Frage hin: »Wer ist Gott?« Diese Frage stellten seither viele Menschen nicht nur diejenigen, die erst mit Gott bekannt werden wollen, sondern auch Christen, die ihren Herrn schon lange kennen und ihn immer besser kennenlernen wollen. Wer ist Gott? Darauf antwortete Gott damals, und darauf gibt er auch heute Antwort. »Die merk würdige Entfaltung des Gottesnamens sagt der Gemeinde ein Doppeltes: Sie ist Zurückweisung. Alles Bemühen, Gottes Gedanken zu ergründen, sein Wesen zu begreifen oder sich seiner zu bemächtigen, schüttelt Gott ab und wahrt seine souveräne Freiheit. :Ich bin, der ich bin!9 Hier sehen wir die Majestät Gottes, unerreichbar, unerforschbar, unverrückbar. Auf der anderen Seite ist die Deutung seines Namens die Wiederaufnahme seiner Verheißung. :Ich werde sein9 hier liegt die Betonung auf dem Sein, auf dem Immer-Sein. Im Gegensatz zu allem, was vergänglich ist, ist er allein wirklich, beständig und ewig. Gott macht hier eine Aussage über seine dem Menschen zugekehrte Seite. :Ich werde sein, der ich sein werde9 heißt: Ich bleibe mir selbst treu und erfülle meine Zusagen in einer Welt, die lügt und trügt, sich wandelt und vergeht. :Ich werde sein, der ich sein werde9, bedeutet auch: Ich erweise mich in der Zukunft als der treue und wahrhaftige Gott. Der große Name Gottes soll der Gemeinde übermittelt werden zur Anbetung, zum Bekennen und Weitersagen und zur Gemeinschaft in Gebet und Gottesdienst« (H. Frey). (Lies 2. Mose 9, 16; 4. Mose 6, 27; 1. Chron. 16, 8.)
Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott der Gegenwärtige, der Zukünftige, der Unvergängliche ist, dass er sich niemals verändert und seinem Wesen treu bleibt. Immer wieder lesen wir, dass der Herr sich seinem Volk als der »Ich bin« vorstellt: »Ich bins, der euch tröstet.« »Ich bin der Herr, dein Arzt.« »Ich bin dein Helfer.« (Jes. 51, 12; 2. Mose 15, 26; Jer. 15, 20) Im Neuen Testament lesen wir, dass der Herr Jesus Christus sich als der »Ich-bin« offenbart hat: »Ich bin das Brot des Lebens.« »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.« »Ich bin der gute Hirte.« »Ich bin die Tür, der Weinstock . . . « »Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott, der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.« Alpha und Omega sind im griechischen Alphabet der Anfangs- und der Schlussbuchstabe. »Außerhalb dieser beiden Buchstaben gibt es in der griechischen Sprache keine weiteren, so ist der Herr die Begrenzung und das Maß unseres Daseins, unserer Kultur und unseres Denkens. Gott war da, bevor es Zeit und Raum gab, er wird auch da sein, wenn unser Dasein endet. Er ist der Lebendige und die Kraft, die alles zusammenhält, ordnet und kontrolliert. Weil er ist, sind wir, weil er bleibt, steht unsere Hoffnung fest. Der dreieinige Gott hat in allem das erste und das letzte Wort. Er hat das erste Wort gesprochen, das die Weltgeschichte einleitete, und er wird auch das letzte Wort sprechen, wenn die Weltgeschichte an ihr Ziel kommt . . . Unser Gott kommt persönlich, um seinen Heilsplan zu vollenden. Die Gottesfürchtigen leben vom Wissen um das Kommen ihres Herrn. Das Warten darauf ist die Quelle ihrer Kraft. Sind wir auf ihn und auf sein Kommen ausgerichtet?« (nach Abd al Masih) (Lies Matth. 25, 1-13; 1. Petr. 1, 13.)
Was tut Gott? Auch auf diese Frage finden wir die Antwort im Einleitungswort zu den Zehn Geboten: »Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.« Das Thema von der damals geschehenen Befreiung zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Wie Gott damals sein gedemütigtes Volk aus den Fesseln der Sklaverei befreite, so bahnte er auf wunderbare Weise für die Menschen aller Völker den Weg in die Freiheit der Kindschaft Gottes. Der Weg ist gebahnt, aber der Einzelne muss ihn auch betreten. Denn zum Volk des Neuen Bundes gehört nur, wer seine Befreiung aus der Knechtschaft Satans und der Sünde annimmt. In diesem Zusammenhang schauen wir auf den Minister einer Königin in Äthiopien, der sich nach Jerusalem aufmachte, um den wahren Gott kennenzulernen. Vielleicht zählte er zu den Menschen, die sich nach Befreiung sehnen. Aber seine Sehnsucht nach Gott konnte in Jerusalem nicht gestillt werden. Erst durch das Lesen der Heiligen Schrift und die Erklärungen des Evangelisten Philippus wurde seine Frage nach dem wahren Gott beantwortet. Wer ist dieser Gott, und was tut er für den, der nach ihm fragt? Gottes Liebe ist so groß, dass er seinen Sohn in diese Welt sandte. Er ließ sich willig und still wie ein Schaf zur Schlachtbank führen, um die Strafe, die wir verdient haben, zu tragen (Jes. 53, 4-8). Staunen wir noch über das stellvertretende Opfer unseres Herrn, und danken wir ihm für seine große Liebe? Er hat uns losgekauft aus der üblen Knechtschaft des Feindes Gottes und der Menschen. (Lies 2.Kor. 5, 19-21; Gal. 3, 13; Kol. 1, 13. 14.) Wir wollen uns fragen lassen, wie das befreite Leben bei uns aussieht.
Was Philippus dem fragenden Minister aus Äthiopien antwortete, ist einzigartig; denn »er predigte ihm das Evangelium von Jesus«. Diese Predigt ist uns nicht überliefert. Aber man kann sich denken, dass dem Evangelisten drei Dinge wichtig waren, die zum Evangelium von Jesus Christus gehören. Was tat Gott? Erstens: Er gab seinen Sohn her! Das könnte der Anfang der Predigt Philippus gewesen sein; denn die Sendung des Sohnes Gottes war der für uns erkennbare Beginn der Befreiungsaktion Gottes. Gott gab seinen einzigen Sohn her, und der Sohn ließ sich vom Vater senden. Jesus sprach immer wieder davon, dass er vom Vater gesandt war: »Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht, dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« Im Gebet sagte er zu seinem Vater: »Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast« (Joh. 6, 38; 17, 8; lies Matth. 21, 37; Joh. 9, 4). Im Sohn war die gleiche Liebe zu den verlorenen Menschen wie im Vater, darum ließ er sich senden. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. (Lies Phil. 2, 5-11.) Es gibt keine Not oder Anfechtung im menschlichen Leben, die ihm fremd wäre. (Siehe Hebr. 4, 15; Joh. 8, 46.) Wir dürfen in allen Lagen bei ihm Zuflucht suchen. »Denn er ist versucht worden wie wir, darum kann er denen helfen, die versucht werden« (nach Hebr. 2, 18). Jesus kann helfen! Wo wir heute hilflos sind und uns nach Hilfe ausstrecken, dürfen wir wissen: Jesus kann helfen. Er ist mächtig zu helfen. Er steht keiner Situation machtlos gegenüber. (Lies Jes. 63, 1; Ps. 91, 14-16; 1. Mose 18, 14a.)
Philippus durfte dem Mann aus Äthiopien ein Zweites verkündigen: Gott hat seinem Sohn die Sünde der Welt aufgeladen, und dieser hat sich die Sünde der ganzen Welt aufladen lassen! »Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt« (2. Kor. 5, 21). Dabei musste sich erfüllen, was Jesaja vorausgesagt hatte und den Minister ins Fragen brachte: »Von wem ist hier die Rede, ist es möglich, dass jemand das mit sich geschehen lässt?« »Als er gemartert war, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.« Jesus ist das Lamm, das die Sünde der Welt getragen hat. Bei der Last, die ihm aufgeladen wurde, war auch meine und deine Sünde dabei. Ein kleiner Junge formte einmal das Nachtgebet nach seinen eigenen Wünschen und Gedanken. Statt zu sagen: »Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an«, betete er: »Hab ich Unrecht heut getan, gehts dich, lieber Gott, nichts an.« So denken gewiss auch manche Erwachsene. Aber dem lebendigen Gott, der jeden Menschen ganz persönlich liebt, ist nicht ein einziger gleichgültig. Es ist dem Herrn nicht egal, wie Menschen ihr Leben führen. Jedes Unrecht, jede Lieblosigkeit trifft und schmerzt ihn, weil sie das Leben, die Liebe, den Frieden und die Freude zerstören. So fragt Gott bis heute: »Adam, wo bist du?« »Was hast du getan?« (1. Mose 3, 9; 4, 10). Wenn Gott uns vor sein heiliges Angesicht ruft, wenn er die Frage nach unserem Unrecht stellt, sollten wir nicht ausweichen, sondern uns stellen. Dann wird er unseren Blick auf Jesus, das Lamm Gottes, lenken. (Lies 1. Petr. 3, 18; 2, 24; Hebr. 9, 28.)
Von Gott gewirkte Begegnungen gibt es bis heute. Wie er Philippus und den Äthiopier zusammenführte, so bringt der Herr auch uns mit Menschen in Verbindung, die Sehnsucht nach dem lebendigen Gott haben. Wir wollen unseren Zeitgenossen das Evangelium mutig und offen weitersagen. Wenn wir es mit unserem Herzen verstanden und für uns persönlich angenommen haben, dann sollte auch an unserem Leben abzulesen sein, dass es einen Befreier gibt »der dir alle deine Sünde vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit . . . Er handelt nicht mit dir nach deinen Sünden und vergilt dir nicht nach deiner Missetat, denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten, und so ferne der Morgen ist vom Abend, lässt er deine Übertretungen von dir sein.« Es gibt so viele Menschen in unserer Umgebung, die nicht die Bibel lesen und keine christliche Verkündigung hören. Was nehmen sie an unserem Leben wahr? Was tat Gott, was tut Gott? Drittens: Er hat die Sünde, den Tod und den Satan besiegt! Es sah zwar am Karfreitag und dem Tag danach so aus, als ob der Tod das letzte Wort behalten hätte. Aber am dritten Tag hat Jesus alle bösen Mächte überwunden. Er ist auferstanden, und damit waren Sünde, Tod und Satan vom Lebensfürsten besiegt. (Lies Ps. 118, 15. 16; 1. Kor. 15, 54.) Seitdem gilt: »Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei« (Joh. 8, 36). Befreit aus der Herrschaft Satans, befreit zum Leben mit diesem herrlichen Befreier Jesus Christus. Haben wir es zutiefst begriffen und ergriffen? Dann bestimmt diese herrliche Tatsache unser Leben. (Lies Eph. 2, 1-10.)
Wir haben uns mit den Fragen beschäftigt, wer Gott ist und was Gott tut. Befassen wir uns nun mit der dritten Frage: 3. Was will Gott von mir? Das erste Gebot antwortet kurz und deutlich: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.« Es gibt nur diesen einen Gott (1. Kor. 8, 5. 6). Nachdem Gott sich in seinem Wesen und in seinem Tun offenbart hatte, erklärte er, was sein Volk, mit dem er den Sinai-Bund schloss, zu tun hat: Sie sollen sich von Götzen und fremden Göttern fernhalten. Für Menschen des Neuen Bundes wird Gottes Tun und sein Wille besonders deutlich im Römerbrief. Die ersten acht Kapitel zeigen den wunderbaren Heilsplan Gottes, den Befreiungsplan, den er ausgeführt hat. In diesen Kapiteln sagt er uns: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei geführt hat, der dir durch Jesus Christus deine Sünden vergeben und dich befreit hat. Die Fortsetzung von Römer 8 finden wir ab Kapitel 12. Dieses beginnt mit den Worten: »Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, . . . « Aber es ist eine Ermahnung, die in Gottes Barmherzigkeit verankert ist. Gott hat uns sein Herz gezeigt, er hat uns seine herzliche Barmherzigkeit erwiesen, indem er uns aus der Sklaverei der Sünde befreite. Erst, wenn wir wirklich erkannt und verstanden haben, wer Gott ist und was er gewirkt hat, können wir verstehen, was er von uns will. Die Hingabe unseres Lebens an seinen Willen ist Antwort auf die Hingabe des Sohnes Gottes. Das heißt praktisch: »Gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit« (Röm. 6, 13; lies Röm. 8, 1-4. 31-39).
Der Prophet Amos musste dem Volk Israel verkündigen, dass Gott ihre Gottesdienste ablehnte, weil die Hände, die sie zum Gebet aufhoben, nicht rein waren. Es waren die Hände von Menschen, die Gottes Gebote verachteten. (Lies Amos 5, 21-24; Ps. 24, 3-5.) Das ist dem Herrn ein Gräuel, wenn betende Hände nicht rein sind. Der Gottesdienst am Sonntag fällt uns oft leichter als der Gottesdienst im Alltag; aber der Alltag ist ebenfalls Gottes Auftrag für uns. »Die Frage: Wie kann ich meinem großen Herrn danken, der mich aus Welt und Sünde und Eigenleben gerettet hat, bewegt das Herz der Erlösten. Die Schlusskapitel des Römerbriefes geben uns Antwort auf solche Fragen. Mit Leib, Seele und Geist, also ganz ungeteilt, weihe ich mein Leben aus Dankbarkeit ihm, dem dreieinigen Gott, der mich so liebt und begnadigt. Da Gott uns sein Herz geschenkt hat, können wir ihm nur danken mit unserem ganzen Herzen und Leben« (C. v. Viebahn). Hananias wohnte in Damaskus. Er war ein Jünger von Jesus einer, der bereit war, den Willen Gottes zu tun. Als der Herr ihn beauftragte, Saulus aufzusuchen, stellte er sich ohne Wenn und Aber dem Herrn zur Verfügung: »Siehe, hier bin ich.« Und dann bekam er einen Schrecken, als er den Auftrag Gottes entgegennahm. Aber Hananias lief vor diesem Auftrag nicht weg wie es etwa der Prophet Jona tat , sondern blieb mit Gott im Gespräch. Er erzählte dem Herrn von seinen Sorgen und Befürchtungen. Es entlastet ungemein, wenn wir unser Herz bei iHm ausschütten. Dann aber geht der Herr noch einen Schritt weiter: Er nimmt seinen Auftrag nicht zurück, sondern richtet den Blick seines Boten darauf, was er zu tun vermag. (Lies Apg. 9, 10-19; Jer. 1, 4-8.)
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