DONNERSTAG, 1. FEBRUAR

PSALM 18, 7; 118, 5

Aus Erfahrung wissen wir, dass Angst sehr bedrängend sein kann. Überfällt uns Angst, sind es oft Situationen, in denen wir erkennen müssen, dass wir die Dinge nicht mehr im Griff haben. Die Probleme und Nöte nehmen uns gefangen und scheinen immer noch größer zu werden. Wir empfinden unsere Ohnmacht und fühlen uns hilflos und ausgeliefert. Doch David zeigt uns einen Weg, um mit Angst fertig zu werden. Er rief, ja er schrie wie ein Ertrinkender zu seinem Gott. Ihn bat er um sein helfendes Eingreifen. »Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören, der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen« (Ps. 94, 9)? Die Bibel enthält unzählige Berichte darüber, wie Menschen in ihrer Angst zu Gott riefen und er sie aus ihrer Angst befreite. (Lies Ps. 107, 1-9. 13. 14. 19. 20. 28-30; 2. Kön. 19, 14-34; 20, 1-6; Luk. 18, 35-43.) Pastor Johannes Holmer erzählte: »Liviu, ein Freund aus Rumänien, sagte in einer fast aussichtslosen Lage immer wieder: Let us pray - God is in control! (Lasst uns beten - Gott hat die Sache unter Kontrolle.)« Auch für unseren Alltag gilt, und wir dürfen uns immer wieder daran erinnern: »God is in control!« Er spricht dir zu: Ich bin bei dir, wenn die Sorge dich niederdrückt; wenn dein Leben so sinnlos scheint, dann bin ich da. Ich bin bei dir, auch wenn du es nicht glauben kannst, auch wenn du es nicht fühlen kannst, dann bin ich da. Und ich hab alles in der Hand, kenn dein Leben ganz genau, ich weiß um alles, was du brauchst, Tag für Tag. Hab keine Angst, ich liebe dich. Du kannst meinem Wort vertraun, und du wirst sehn, wie ich dich führe Schritt für Schritt. Daniel L. Burgess

Anfang

FREITAG, 2. FEBRUAR

JESAJA 64, 3. 4; PSALM 18, 7-16

»Da erhörte er meine Stimme, mein Schreien kam zu seinen Ohren . . . Er neigte den Himmel und fuhr herab . . . Er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes. Er machte Finsternis ringsum zu seinem Zelt; in schwarzen, dicken Wolken war er verborgen . . . Er schoss seine Pfeile und zerstreute sie.« Was David in schwerster Verfolgung mit Gott erlebte, ist hier in einem atemberaubenden Bild zusammengefasst. Mit starker Hand griff der Herr vom Himmel her ein. Er erfasste David, wie man nach einem Ertrinkenden greift, um ihn ans rettende Ufer zu ziehen. (Lies 5. Mose 33, 27-29; Ps. 34, 5. 7. 16. 18.) »Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern« (V. 17). So nahe ist Gott, er will mit seiner Hand nach uns greifen und uns retten! Oft bleibt uns sein Eingreifen zunächst verborgen. Einst geriet der Diener des Propheten Elisa in panische Angst, als die feindliche Besatzungsmacht die Stadt umschlossen hielt. »O weh, mein Herr! Was sollen wir nun tun? Elisa sprach: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind! Und Elisa betete und sprach: Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe! Da öffnete der Herr dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her« (2. Kön. 6, 15-17). Dort, wo wir in Angst zu versinken drohen, wo uns Sorgen niederdrücken (wollen) und Stürme von innen oder außen unser Leben durcheinanderwirbeln, bleibt uns die Möglichkeit offen, in Kontakt mit Gott zu treten und ihn um sein Eingreifen zu bitten. (Lies Matth. 14, 22-32; 1. Mose 49, 23. 24; Offb. 1, 17. 18.)

Anfang

SAMSTAG, 3. FEBRUAR

PSALM 23, 4; 18, 10-20

Gewaltige Kräfte der Natur setzte Gott als Antwort auf Davids Rufen ein. »Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen . . . in schwarzen, dicken Wolken war er verborgen.« »Gesegnetes Dunkel, das meinen Gott verbirgt! Darf ich ihn nicht sehen, so ist es doch gut zu wissen, dass er da ist, auch im schrecklichen Dunkel und tobenden Sturm« (C. H. Spurgeon). Der Schöpfer des ganzen Universums greift vom Himmel her ein, um David zu schützen. Er bezeugt: »Der Herr errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren; sie überwältigten mich zur Zeit meines Unglücks, aber der Herr ward meine Zuversicht. Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.« Befreiung ist kein Wunschtraum, sie kann erfahren werden. Der vom Himmel Herabgekommene greift in die Tiefe des menschlichen Elends hinein. Wer nach ihm ruft, den lässt er nicht versinken, auch dort nicht, wo sich Schuld und Sünde angehäuft hat. (Lies Ps. 40, 1-3; 124, 1-8.) Welches Motiv können wir im Eingreifen Gottes erkennen? Es ist Liebe pur. David beschreibt diese Liebe mit den Worten: »weil er Lust hatte zu mir«. Der Mann, der am Anfang von Psalm 18 sagte: »Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke«, dem galt Gottes persönliche Fürsorge, seine Bewahrung in unüberschaubaren Situationen. Dieser Gott sendet auch heute seine Hilfe vom Himmel herab in unseren Alltag hinein. Wir sind ihm wichtig. In seiner Liebe kommt er uns mit seiner Hilfe entgegen, sodass wir wie David sagen können: »Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.« (Lies 1. Sam. 17, 37; Dan. 6, 23; Apg. 5, 18. 19.)

Anfang

SONNTAG, 4. FEBRUAR

PSALM 18, 21-29; 2. PETRUS 1, 3-11

Nachdem David das gewaltige Eingreifen Gottes so eindrücklich beschrieben hat, macht er deutlich, wie wichtig es ist, auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen. David war nicht einfach ein passiver Zuschauer, als Gott handelte, sondern er war auch selber aktiv: »Ich habe die Wege des Herrn bewahrt. Ich bin nicht abgefallen von meinem Gott. Ich hatte seine Rechte vor Augen und stieß seine Gebote nicht von mir. Ich hielt es ganz mit ihm und hütete mich vor Sünde.« Diese klare Linie, die David hier zeichnet, hat nichts mit Perfektionismus oder Selbstgefälligkeit zu tun. Nicht der Selbstgerechtigkeit oder einem Verdienstgedanken spricht David hier das Wort. Er weiß, dass es allein Gottes Gnade war, die ihn auf dem rechten Weg gehalten hat, obwohl ihn viele Feinde bedrängten und er dabei auch versucht war, menschlich zu reagieren. Christa von Viebahn liebte es, von der »Energie des neuen Menschen« zu sprechen: »Ich entscheide, ob ich den Weg mit Jesus gehen will oder meinen eigenen Vorstellungen folge. Ich entscheide, ob Gottes Wort mein Denken erfüllt oder andere Dinge meine Gedanken in Beschlag nehmen. Ich entscheide, ob ich mich an Gottes Gebote halten möchte oder die Maßstäbe der Gesellschaft für mich zur Richtschnur werden. Ich entscheide, ob Gottes Sache Priorität in meinem Leben hat oder mir meine Karriere wichtiger ist. Ich entscheide, ob ich dem andern seine verletzenden Worte vergebe oder sie ihm ein Leben lang nachtrage und mich von ihm distanziere.« An welcher Stelle müssen wir uns heute entscheiden? (Lies Hiob 2, 9. 10; 23, 10-12; Ps. 16, 8.) »In seiner wunderbaren Kraft hat Gott uns alles geschenkt, was zu einem Leben im Licht und zu wahrer Gottseligkeit nötig ist.«

Anfang

MONTAG, 5. FEBRUAR

PSALM 18, 29; JOHANNES 12, 46

David empfindet die Gegenwart Gottes wie ein hell strahlendes Licht, das in seinen dunklen Tag hineinleuchtet. »Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind« (Jes. 8, 23). »Solange du, Herr, mein Licht bist, kann ich ohne die Fackel der Zeit . . . leben. Was für ein Licht wirft Gottes Gegenwart auf alle Dinge! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Bin ich im Finstern? Dann wirst du, Herr, meine Finsternis hell machen. Wolke mag sich auf Wolke türmen, aber selbst wenn es so finster wird, dass ich meine eigene Hand nicht sehen kann, so kann doch Gott, der einst sprach, es werde Licht, die Dunkelheit erhellen. Wenn ich kein Licht in mir selbst oder unter meinen Freunden oder in dieser ganzen Welt finde, so kann Gott doch diesen Befehl wiederholen« (C. H.Spurgeon). (Lies Jes.50,10; Ps.27,1; 97, 11.) »Der Herr macht meine Finsternis licht.« Meine Finsternis! Es gab im Leben von David manche Finsternis - Sünde, Täuschungsmanöver, Ehebruch, Lüge - das alles gehört der Vergangenheit an. Er muss es nicht mehr erwähnen. Von Herzen kann er sagen: »Glücklich ist der Mensch, dem die Übertretungen vergeben, dem die Sünde bedeckt ist! Glücklich ist der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet« (Ps. 32, 1. 2). Jesus möchte mit seinem Licht auch in unsere Dunkelheit kommen. Er hat »einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi« (2.Kor. 4, 6). Es war Jesus sehr wichtig, seinen Jüngern einzuprägen: »Ihr seid das Licht der Welt . . . So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (Matth. 5, 14. 16; lies 2.Kor. 3,18-4, 6).

Anfang

DIENSTAG, 6. FEBRUAR

PSALM 18, 30. 31; PHILIPPER 4, 13

»Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.« Mauern können sehr hilfreich sein. Sie schützen und umfrieden ein Gelände und vermitteln Geborgenheit. »Ich selbst, spricht der Herr, will eine feurige Mauer um sie her sein und Herrlichkeit in ihrer Mitte« (Sach. 2, 9). Mauern können aber auch eine große Barriere darstellen. Die Mauern von Jericho versperrten dem Volk Israel den Zugang in das verheißene Land. Mauern sind oft unüberwindbare Hindernisse, schmerzhafte Grenzen oder Befestigungen des Feindes. In unserem Psalm spricht David von feindlichen Menschen, die ihn gehasst haben, die ihm zu stark waren. Aber er lässt uns auch wissen, was ihm zur Hilfe wurde: »Mit meinem Gott . . . «. Mit ihm gelang David »der Sprung über die Mauer«. Er hatte Gott zum Beistand. Darum konnte er das Hindernis bewältigen. Vielleicht dachte David zurück an die große Herausforderung, als er dem Riesen Goliat gegenüberstand und dieser ihn verspottete und ihn mit seinen Worten in die Resignation treiben wollte. David hielt ihm entgegen: »Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt hast. Heute wird dich der Herr in meine Hand geben« (1. Sam. 17, 45. 46). Die Mauern der Mutlosigkeit und Resignation türmen sich heute mehr denn je vor uns auf. Resignieren heißt wörtlich: das Signum, das Zeichen zurücknehmen, die Fahne einholen. Geschah das im Krieg, bedeutete dies die Kapitulation. An welchen Stellen haben wir das Siegeszeichen des Kreuzes »zurückgenommen«? Wir sind »wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung«. Diese Tatsache dürfen wir besonders dann, wenn uns die Mutlosigkeit packt, im Glauben festhalten. Wir dür- fen auf Gottes Macht vertrauen und mit David sprechen: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.« (Lies Hebr. 10, 35; Eph. 6, 10-13; 1. Petr. 1, 5.)

Anfang

MITTWOCH, 7. FEBRUAR

PSALM 18, 32-51

Zwei große Linien fallen in diesem langen Abschnitt auf. Es geht einmal darum, was Gott, und zum anderen, was David tut. Es lohnt sich, mit unterschiedlichen Farben die beiden Linien in seiner Bibel zu markieren. Während David in den Versen 33-35 in der dritten Person von Gott spricht, wechselt er in den Versen 36. 37. 40. 41. 44. 49. 50 zum vertrauten Du. Das kann uns für unser Beten - vor allem dann, wenn wir uns über einen längeren Zeitraum schutzlos in Enge und Ausweglosigkeit sehen - hilfreich sein, unseren wunderbaren Herrn anzuschauen und uns mit Hilfe der Bibel oder (und) einem Gesangbuch vor Augen zu halten, wer er ist (z. B. Ps. 103, 8) und wie er in der Geschichte gehandelt hat (V. 5-7. 17-19. 41. 44. 51). Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und überlegen, wer er für mich ist (z. B. Ps. 27, 1a; Jes. 12, 2) und was er für mich getan hat (z. B. V. 33-37). Jetzt erst wenden wir uns dem zu, was wir zu tun oder zu lassen haben. Die Kurzform lautet: Zuerst Gott, dann ich. - Wer so beten lernt, erfährt eine innere Freiheit und Gelassenheit, auch wenn es für seine Probleme (noch) keine Lösung gibt. An einer Stelle aber dürfen wir nicht beten wie David, wenn er davon spricht, seine Feinde umzubringen und zu vernichten (V. 38. 39. 43). Gewiss dürfen wir vor Gott im Gebet alles aussprechen, was uns quält. Doch dann schauen wir auf Jesus, der allen Zorn auf sich genommen hat und für uns starb, als wir noch Gottes Feinde waren (Röm. 5, 8. 10). Es ist nicht unsere Aufgabe, Vergeltung oder gar Rache walten zu lassen, sondern wir sind in der Jesus-Schule und lernen von unserem Meister selbst, unsere Feinde zu lieben, wie er geliebt hat. (Lies Matth. 5, 38-45.)

Anfang

DONNERSTAG, 8. FEBRUAR

HIOB 19, 25. 26; PSALM 18, 47-51

»Der Herr lebt! Gepriesen sei mein Fels und erhoben der Gott meines Heils!« Ist dies nicht der Höhepunkt in Davids Gebet? »Der Herr lebt« - dieses Bekenntnis ist wie eine Vorschau auf den jubelnden Ostersieg unseres Herrn Jesus Christus. »Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht« (C. F. Gellert). Mit dem Auferstehungssieg im Herzen verkündigten die Apostel die gute Nachricht: »Herr ist Jesus Christus. Er lebt!« »Jesus lebt für immer, um sich für uns zu verwenden. Daher vermag er auch völlig zu erretten« (Hebr. 7, 25). Der lebendige Herr lässt uns seine Kraft zuströmen. Er ist uns ganz nahe, er liebt uns, er beflügelt, stärkt und ermutigt uns. Der lebendige Herr ebnet vor uns die Wege, und er geht uns voran. »Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe, werdet auch ihr leben!« (Joh. 14, 19; lies 2. Kor. 12, 9. 10; 13, 4; 1. Thess. 4, 13-18). »Es lebt der Herr, und gepriesen sei mein Fels, erhoben sei der Gott meines Heils. Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen, der seinem König so große Siege verliehen hat und seinem Gesalbten Gnade erweist!« Nach einer äußerst fordernden und doch gesegneten Zeit bleibt David der Dank und die Anbetung seines Herrn. »Deinem Namen will ich lobsingen!« Er hängt nicht den Bitterkeiten vergangener Zeiten nach, sondern blickt dankbar zu dem Gott auf, der »ihn befreite, weil er Lust zu mir hatte« - Gott, der mich liebt! Er, mein Herr, lebt! (Lies Hebr. 1, 3. 4; 1. Petr. 1, 3-9.) DAVID ALS KÖNIG ÜBER ISRAEL - 2. SAMUEL 5, 4 -12, 9

Anfang

FREITAG, 9. FEBRUAR

2. SAMUEL 5, 4-16; 1.CHRONIK 11, 4-9

1. Hinauf nach Jerusalem

Wie lange schon hatte David nach Jerusalem hinaufgeschaut und sich überlegt, wie er in diese Stadt hineinkommen könnte!? Er wollte von dort aus über Israel regieren. Das war fest beschlossene Sache. Bisher spielte die Stadt keine große Rolle für die Israeliten. (Dazu Jos. 15, 63; Richt. 1, 8. 21; aber 1.Mose 14, 18-20; Hebr. 6, 20; 7, 1-3.) Mit David sollte sich das ändern. Jerusalem, die Stadt Gottes und Zankapfel der Völker, wurde zum Lebensnerv Israels. (Siehe Ps. 122, 1-9; 125,1.2; 46, 5. 6; 79, 1. 3; Sach. 12,2.3.) In dieser Stadt ließ Gott das wichtigste Ereignis der Himmels- und Erdengeschichte geschehen: Die Kreuzigung von Jesus, seine Auferstehung und Rückkehr in den Himmel zu seinem und unserem Vater. Deshalb wurde Jerusalem das Vorbild für die himmlische Stadt, die aus den »lebendigen Steinen« der Erlösten bestehen wird. (Lies 1.Petr. 2, 4. 5; Eph.2,21. 22; Offb. 21,2.3.10-14.22. 23.) Den Jebusitern, eines der Völker Kanaans, war es seit der Zeit Josuas gelungen, die Herrschaft über Jerusalem zu behalten. Die Stadt galt als uneinnehmbar. Als David mit seiner Truppe vor ihren Mauern auftauchte, erhielt er die spöttische Botschaft: »Du wirst nicht hier hereinkommen, sondern Blinde und Lahme werden dich abwehren.« Diese beleidigende Redewendung sollte David als unfähigen Schwächling aussehen lassen. Das war eine gefährliche Unterschätzung des bewährten Kämpfers, der den starken und lebendigen Gott an seiner Seite wusste (siehe Ps. 18, 26-36). David kannte einen Wasserschacht. Es war vermutlich der Tunnel, der von der Stadt zur Gihonquelle führte, durch den der mutige Joab in Jerusalem eindringen und die Eroberung zum Erfolg führen konnte. David hatte in Auftrag gegeben, die »Lahmen und Blinden« in der Stadt zu erschlagen. Damit meinte er die Jebusiter selbst, die ihn vorher mit dieser Redewendung diffamiert hatten. (Vgl. Ps. 35, 10; 140, 13; 145, 14.)

Anfang

SAMSTAG, 10. FEBRUAR

2. SAMUEL 5, 11-22

2. Die Feinde wachen auf

König Hiram von Tyrus (heute im Libanon) lag offensichtlich viel daran, sich mit David gutzustellen. Er hatte vorzügliche Handwerker, die David in Jerusalem ein Haus bauten. Zusammen mit dem neuen Wohnsitz und der Erweiterung seiner Familie festigte sich Davids Stellung als König über ganz Israel. Gott handelte für ihn, bestätigte ihn als König, um seinem Volk einen Mann nach SEINEM Herzen zu geben. Der Erzfeind Israels allerdings geriet in Unruhe über die Machterweiterung Davids. Als König über Juda mit Sitz in Hebron konnten sie ihn dulden und hielten ihn nicht für gefährlich. Sein »Umzug« nach Jerusalem aber weckte bei den Philistern die Befürchtung, David könne ihnen zu mächtig werden. Sie beschlossen, das zu verhindern, und versammelten ihre Krieger. War David gerüstet? Sobald Widersacher am Horizont auftauchen, ist ein Mensch, der nach dem Willen Gottes fragt, weil er nichts Eigenmächtiges tun will, am besten vorbereitet. David war außerdem nicht für sich allein verantwortlich, sondern für ein ganzes Heer und ein großes Volk. Er konnte es sich nicht leisten, eine Fehlentscheidung zu treffen. Deshalb ging er ins Gebet (V. 19). Gott gibt ihm die Zusage, die David seines Sieges über den Feind gewiss macht. Die Philister ließen genau das fallen, was ihnen hätte beistehen sollen, und flohen davon (V. 21; lies 1. Chron. 14, 12). Konnte der König sich jetzt auf seinen Lorbeeren ausruhen? Wer mit Gott unterwegs ist, kann sich das auf gar keinen Fall leisten. Menschen Gottes wissen: Wo der Herr regiert, regt sich energischer Widerstand. (Lies Luk. 22, 31; 2. Kor. 2, 11; 1. Petr. 5, 8. 9; vgl. Matth. 4, 1-11.) Die Philister erhoben sich ein zweites Mal. Wieder suchte David Rat im Gebet. Wieder schenkte der Herr ihm den Sieg, aber auf einemanderen Weg. Was können wir daraus für unser Leben mit Gott lernen?

Anfang

SONNTAG, 11. FEBRUAR

2. SAMUEL 6, 1-11; PSALM 22, 4; 99, 3. 5

3. Gott ist heilig

In diesem Kapitel macht David mit Gott eine neue Erfahrung. Er ist nicht nur der Bewahrer und Helfer in der Not, nicht nur der mächtige und siegreiche Herr, er ist auch heilig und wohnt in einem unzugänglichen Licht. (Siehe Ps. 104, 2; 1. Tim. 6, 14-16.) David wollte die Bundeslade, die für hundert Jahre von der Stiftshütte getrennt und ausgelagert war, nach Jerusalem holen. Die Lade repräsentierte die heilige Gegenwart Gottes und durfte deshalb nicht berührt werden. Erst nach der Bedeckung der Bundeslade durch den Hohenpriester durfte sie von den Leviten getragen werden (2. Mose 25, 10-15; 4. Mose 4, 5-10. 15). Das hatte David nicht beachtet und sie auf einen neuen Wagen stellen lassen. Wen wundert es nicht, dass Usa versuchte, die Lade festzuhalten, als der Wagen umzukippen drohte? Welch sorgfältiger Umgang mit dem Heiligen ist dem Volk Gottes geboten! Die Heiligkeit Gottes wurde durch dieses Fehlverhalten angetastet. Das aber tötet, wenn kein Mittler zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen steht. Wir kennen heute den, der in den Riss zwischen Gott und uns getreten ist, unsere Sünde durch sein Opfer wegzunehmen und uns zu heiligen. - Wie anders hätte Gott seine Heiligkeit dem Volk im Alten Bund demonstrieren können als durch die Unberührbarkeit der heiligen Symbole? David, der singend und tanzend dem Wagen vorausgezogen war, erschrak bis ins Innerste. »Und David fürchtete sich an diesem Tag vor dem Herrn.« Das war gut so - denn Gott ist kein Kumpel, den wir auf unsere Ebene herunterziehen können. Die Ehrfurcht vor Gott ist uns heute mehr denn je geboten; denn allzu oft wird er in seiner Heiligkeit nicht mehr ernst genommen. (Lies 2.Mose 14, 31; 5.Mose 6, 13. 24; Jos. 24, 14; Ps. 34, 10; Mal. 3, 20; Matth. 10, 28; Apg. 10, 34. 35; Offb. 14, 7; 15, 4.)

Anfang

MONTAG, 12. FEBRUAR

2. SAMUEL 6, 11-19; PSALM 150, 1-6

4. Die Freude am Herrn

Nach jenem Unfall wagte David es zunächst nicht, die Bundeslade nach Jerusalem bringen zu lassen. Er fürchtete im Zusammenhang mit ihr weiteres Unglück. Erst als er beobachtete, wie der Herr das Haus, in dem sie untergebracht war, segnete, schöpfte er neuen Mut und ließ sie nach Jerusalem tragen (V. 13). Der Weg hinauf in die Stadt wurde zu einem Fest mit Opferdarbringung, Musik und Tanz. Jener Schrecken und die daraus gewonnene Vorsicht, besonders aber der überraschende und freundliche Segen Gottes, hatten David zur ungetrübten Freude am Herrn geholfen. »So brachte David und das ganze Haus Israel die Lade des Herrn hinauf mit Jauchzen und mit Hörnerschall.« Dabei trug der König einen Priesterschurz, obwohl er kein Nachkomme Aarons war. »David war aber der Gesalbte des Herrn, der Begründer der messianischen Linie, die in dem König erfüllt werden würde, der ebenfalls das Amt des Priesters und Propheten in sich vereinen würde« (E.H. Merill). (Vgl. 5. Mose 18, 15; Matth. 17, 5; Joh. 1, 45; Röm. 1, 3; Hebr. 4, 14.) David lässt seiner Freude über den Herrn freien Lauf - nach Jahren der Ängste und Verfolgung. Er hatte seine Bestimmung erreicht. Der König machte Jerusalem zur Stadt Gottes, indem er die Bundeslade, das Symbol der Heiligkeit und Herrlichkeit des Herrn, in ihre Mitte holte. (Lies Ps. 24, 1-10; 30, 11-13; 59, 17. 18; 108, 1-6.) Michal aber, Davids Frau, die ihn einst aus Todesnot errettet hatte, sah ihn tanzen - und verachtete ihn in ihrem Herzen. Mit beißender Ironie überschüttete sie ihren Mann (V. 20). Dachte sie, dass die überschwängliche Freude und Begeisterung des Königs seiner Stellung unwürdig sei? Oder fehlte ihr überhaupt das Verständnis für die Freude am Herrn, weil dieser ihr fremd war? Wie ging David mit der Verachtung Michals um? Dazu die Verse 21-23.

Anfang

DIENSTAG, 13. FEBRUAR

2. SAMUEL 7, 1-16

5. Davids größter Wunsch

David bewegte in seinem Herzen einen Gedanken, der nichts mit eigenem Ruhm, sondern mit der Liebe zu Gott zu tun hatte. Ein fast kindlicher Wunsch trieb ihn um: Ich wohne in meinem schönen Zedernhaus - wo aber soll der Herr wohnen? Etwa in diesem einfachen Zelt? Nicht vielmehr in einem Haus, das größer und schöner ist als meines? Hatten nicht die Nachbarvölker alle ihre Tempel und damit einen festen Ort, an dem sie ihre Götter anbeteten? David vertraute sich seinem Berater an, dem Propheten Nathan, der den König ermutigte: »Geh hin, alles, was in deinem Herzen ist, das tu, denn der Herr ist mit dir.« Aber in der folgenden Nacht beauftragte der Herr selbst den Propheten mit einer Botschaft ohnegleichen. Gottes Gedanken sind viel größer und weitreichender, als Menschen denken (Jes. 55, 8. 9). Der Herr war »zufrieden « mit »seinem« Zelt während der ganzen Wüstenzeit Israels. Als Zeichen der mitwandernden Gegenwart Gottes stand es heute hier und morgen dort. Und den Herrn störte die Zerbrechlichkeit seiner »Wohnung« nicht, denn er ist größer als alle Zeichen seiner Gegenwart. Auch kein heiliges Haus kann ihn fassen und ihn an einem einzigen Ort festhalten (1. Kön. 8, 27; Jes. 66, 1; lies Joh.4,21. 23; Apg.17, 24; 1.Petr. 2, 4-9). David hat zu lernen: Ich kann nichts für Gott tun. Aber Gott will etwas für mich tun (V. 8. 9). Der Herr wird dir, David, ein Haus bauen (V. 11b). Zunächst ist das Königshaus als Dynastie angesprochen. Der Thronnachfolger Davids kommt in den Blick (V. 12-15). Doch dann schaut Gott weit über die Generationen hinaus zu dem, was ewigen Bestand haben und sich mit dem Kommen des Messias-Königs Gottes erfüllen wird (V. 16). (Lies 1. Mose 49, 10; 1. Kön. 2, 1-4; Jes. 9, 5. 6; Hes. 37, 24-28; Luk. 1, 32. 33; Offb. 11, 15.)

Anfang

MITTWOCH, 14. FEBRUAR

2. SAMUEL 7, 17-29

6. Wenn ein Machthaber betet

David ist zutiefst bewegt über die außergewöhnlichen Zusagen Gottes. So groß die Erfolge Davids sein mochten, so klein ist er vor seinem Gott. Demütig und dankbar anerkennt der irdische König den ewigen König. Die Güte Gottes hat David überwältigt. Er kann es kaum fassen, welch ein wunderbares Haus und herrliches Reich der Herr seinem Volk bauen wird. Dem König fehlen die Worte, um Gott angemessen zu danken. »Doch was soll David noch weiter zu dir reden? Du kennst ja deinen Knecht, Herr HERR!« (V. 20) David weiß sich von Gott erkannt, und er ist froh darüber. Er muss sich keine Worte abringen, er muss nicht »noch mehr reden«, er braucht Gott keine Vorträge zu halten. Aber er darf Gott loben, indem er sein Wesen beschreibt und an seine herrlichen Taten denkt. Dabei vergisst David nicht das Handeln Gottes in der Geschichte SEINES Volkes. Dieses Volk ist die einzige Nation auf Erden, der sich der Herr offenbart, die er erlöst und für die er große Wunder getan hat. »Der Herr der Heerscharen ist Gott über Israel« (V. 26). Nicht David ist die höchste Instanz im Staat. Vor Gott ist er ein »Knecht«, ein Diener, der sein Amt im Auftrag des Höchsten wahrnimmt. Mit dem Wort und Willen des Herrn beschenkt (V. 25. 27), fasst David sich ein Herz, Gott an die Wahrheit seines Wortes zu erinnern. »Nun, Herr, du bist es, der da Gott ist, und deine Worte sind Wahrheit . . . « (V. 28). So von Gott ermutigt, betet David um den geistlichen Segen für sein Haus, »dass es ewig vor dir sei« (V. 29). (Lies Ps. 48, 15; 61, 7. 8; 119, 38. 49. 50; 138, 1-3; Jes. 55, 3.)

Anfang

DONNERSTAG, 15. FEBRUAR

2. SAMUEL 4, 4; 9, 1-13

7. Ein Versprechen wird eingelöst

Kapitel 8 gibt einen Überblick über Davids Feldzüge und Ausdehnung seiner Macht. »Und David übte Recht und Gerechtigkeit an seinem ganzen Volk« (8, 15). Zur Ruhe gekommen, erinnerte David sich an sein Versprechen, das er einst seinem Freund Jonatan, Sauls Sohn, gegeben hatte (1. Sam. 20, 14-17). Bemerkenswert an der Geisteshaltung Davids ist, dass zu seinem Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden die freundliche Zuwendung zum Schwachen tritt. Der Erweis »der Gnade« bzw. »Barmherzigkeit«, zeigt sich dem angeschlagenen und zerbrochenen Mefi-Boschet gegenüber als verleiblichte »Gnade Gottes« (V. 3). Immer wieder hakt der König nach: »Gibt es vielleicht . . . Ist niemand mehr da . . . ? Wo ist er?« Dann steht der behinderte Mefi-Boschet angsterfüllt vor dem König. Was hatte eine Elendsgestalt noch Gutes vom Leben zu erwarten? (Vgl. 3. Mose 21, 16-19; Joh. 5, 2-7; Apg. 3, 2.) Was würde jetzt mit Mefi-Boschet geschehen? Freundlich, nicht gönnerhaft, erklärte David, dass es dem Sohn Jonatans nur gut gehen solle. Die Botschaft des Königs war »märchenhaft«: Gnade sollte der Krüppel erfahren, allen Besitz Sauls zurückbekommen und am Tisch des Königs sitzen und essen! Dabei war ihm so elend zumute. Sollte alles vergangene Leid jetzt vergessen sein? »Was ist dein Knecht, dass du dich einem toten Hund zugewandt hast, wie ich einer bin«, ist seine Antwort. Welch eine Bitterkeit und Niedergeschlagenheit spricht aus diesen Worten! Kann ein so geplagter Mensch je wieder froh werden? David war es gegeben, Mefi-Boschet aus der dunklen Höhle seines Lebens an seinen Tisch zu holen und in den Kreis seiner Söhne zu ziehen. (Lies Ps. 10, 12. 14; 72, 11-14; Jes. 35, 3-6; Matth. 11, 4. 5; Mark. 2, 15-17; Luk. 10, 30. 33-35.) Heute will ich mich der Frage nicht entziehen, wo und wie ich anderen »Güte Gottes« schenken kann. (Dazu Gal. 6, 10; 2. Kor. 9, 6; 2. Thess. 3, 13.)

Anfang

FREITAG, 16. FEBRUAR

2. SAMUEL 10, 1-5

8. Demut ist Gott wichtig

Die Ammoniter siedelten östlich des Jordans direkt an der Grenze zu Israel. Fünfzig Jahre zuvor hatte Saul ihnen eine empfindliche Niederlage beigebracht (1. Sam. 11, 1ff). Nahasch, der König der Ammoniter war gestorben. Er dürfte in seinem Verhalten gegenüber Israel zurückhaltend gewesen sein. David lag viel daran, den Frieden nicht zu gefährden. Eine Kondolenz- Gesandtschaft sollte Hannu, dem Sohn des Königs, die Trostworte Davids überbringen. Statt Anerkennung dieser freundschaftlichen Geste kam es zu rücksichtslosen und kalten Demütigungen der Gesandten. Damit aber hatten die Ammoniter dem König Israels und seinem Volk öffentlich den Krieg erklärt. Welch eine Demut, mit der David die Überheblichkeit des Aggressors überwindet! Ihm war das Geschick der Geschändeten wichtiger als ein Rachefeldzug (V. 5). Das wiederum war den Ammonitern mehr als unangenehm. Im Gegensatz zu David hatten sie von vornherein auf Krieg gesetzt. Aus Sorge um ihren schlechten Ruf als »Ehrabschneider« suchten sie ihr schändliches Verhalten zu decken und »Stärke« zu demonstrieren (V. 6). Erst jetzt, nachdem die feindliche Koalition militärisch aufgerüstet hatte, alarmierte David seine Soldaten (V. 7). Unter der Führung Joabs und Abischais schlug das israelitische Heer die Feinde in die Flucht (V. 14). Die aber dachten keineswegs daran, ihre Niederlage zu akzeptieren. Die feindlichen Störenfriede würden gewiss nach einem Sieg des Gegners wiederkommen (V. 15. 16). Kennen wir als Gesandte unseres Königs die feindlichen Eingriffe des größten aller Widersacher nicht auch? Ständig sucht er sich einzumischen, Unfrieden zu stiften und zu verwirren. Denn Satan hasst den wahren Sohn Davids und die Gesandten des Herrn. Die aber dürfen Friedensboten sein. (Lies Matth. 5, 5. 9; Mark. 9, 50; Röm. 12, 18; 2.Kor. 5, 19. 20.) Zugleich sind sie in den Kampf, nicht aber auf sich selbst gestellt. Wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern überwinden - in Jesus und in seinen Sieg eingehüllt - den Bösen und das Böse. »UnserGlaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat« (1. Joh. 5, 4; vgl. 1. Kor. 15, 57; 2. Kor. 2, 14).

Anfang

SAMSTAG, 17. FEBRUAR

2. SAMUEL 11, 1-13; JAKOBUS 1, 14. 15

9. Auch große Leute können entsetzlich tief fallen Mit Gottes Hilfe ist David ein mächtiger und ein guter König geworden. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kommt er gewaltig ins Schleudern. Dabei fing alles ganz harmlos mit einem kleinen Abend-Spaziergang des Königs auf seiner Dachterrasse an. Befremdlich allerdings mutet seine Entscheidung an, in einer Zeit, »in der die Könige in den Krieg ziehen« (V. 1), seinen Feldherrn Joab zu entsenden und sich selbst eine Ruhepause zu gönnen. David genoss die Abendluft - und da sah er sie. Weil er zu lange betrachtete, was er auch als König nicht hätte betrachten sollen, erfasste ihn ein leidenschaftliches Begehren. Da er sich als Machthaber ziemlich alles leisten konnte, und man ihm auch gehorchen musste, ließ er die Frau zu sich holen - nicht ohne schlimme Folgen. Es ist wie bei einem kleinen Felsbrocken, der auf schneebedecktem Berg ins Rollen kommt: sich zur falschen Zeit am falschen Platz aufhalten - sehen und nicht wegsehen - begehren - der Lust nachgeben - das Gebot Gottes übertreten. Sehr bald entsteht aus dem anfänglich kleinen »Schnee-Stein« eine Sünden-Lawine von großem Gefälle und unheimlicher Eigendynamik. Mit allen Tricks und Gemeinheiten sucht David zu vertuschen, zu bestechen, zu überreden, zu bedrängen, zu betäuben, bis ihm schließlich nur noch die unheimliche, als Heldentat getarnte Beseitigung des Edelmütigen einfällt. Und Joab macht mit. Gewiss, er stand unter Befehl, aber einem höchst verdächtigen, ja mörderischen (V. 15. 16)! Die Grausamkeit des Bösen besteht darin, dass der Sünder stets einen Mittäter sucht und dass sehr oft unschuldige, ehrenhafte Menschen von der Wucht der tödlichen Lawine überrollt werden. Niemand sündigt nur privat. (Lies 1. Mose 2, 16. 17; 3, 1-6; Röm. 5, 12; 1. Kor. 5, 6-8.)

Anfang

SONNTAG, 18. FEBRUAR

2. SAMUEL 11, 26. 27; 12, 1-9

10. Vergebung hebt nicht immer die Folgen der Sünde auf Niemand hatte es gemerkt, niemand hatte etwas gesehen - oder doch? Was mögen die Leute gedacht haben, als David unmittelbar nach der Trauerwoche ausgerechnet Batseba zur Frau nahm? »In den Augen des Herrn aber war die Sache böse, die David getan hatte.« - Wie wichtig ist es, dass wir den Herrn, der uns nie aus dem Auge verliert, allezeit vor Augen haben. Das gilt besonders, wenn wir alleine sind und kein anderer Mensch uns sieht. Das gilt aber auch für unser öffentliches Leben und Arbeiten. Wir sind berufen, »vor dem Herrn« zu denken, zu planen, zu entscheiden, zu handeln. »Ich habe den Herrn stets vor Augen; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken, sondern festbleiben . . . Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich« (Ps. 16, 8. 1)! »Und der Herr sandte Nathan zu David.« Mit seelsorgerlichem Verständnis öffnete der Prophet dem König die Augen für seine wirkliche Lage vor Gott. Nathan verschweigt David nicht, dass seine Sünde schwerwiegende Folgen haben wird: für die Königsdynastien und damit auch für das Volk (V. 9. 10) - für seine eigene Familie (V. 11. 12; 2. Sam. 16, 22) - für die junge Ehegemeinschaft mit Batseba (V. 14-18a). Auffallend ist, dass Gott die Folgen der Sünde Davids von weit außen nach ganz innen beschreibt, von den Vielen zum Einzelnen kommt und die großen Zeiträume bis hin zur kleinen Minute der Gegenwart abschreitet. Damit ist Grundsätzliches gesagt: Die Sünde, die im Herzen begann und solch schreckliche Geschichte schreibt, kann nur im Herzen besiegt werden. Hier fallen die Würfel. Das hat David in jener Stunde der Wahrheit verstanden und gründlich Buße getan. Gottes Strenge hatte ihn niedergeworfen, aber Gottes Güte richtete ihn und Batseba wieder auf (V. 24. 25; lies Ps. 51, 1-14; Jes. 1, 18; 43, 25; 44, 22). GNADE GENÜGT - 2.KORINTHER 11,16 -13,13

Anfang

MONTAG, 19. FEBRUAR

2.KORINTHER 11, 16-22

»Wir sind so ins Rühmen gekommen«, stellt Paulus fest. Damit werden wir erinnert an die grundsätzliche Gefahr geistlicher Überheblichkeit (1. Kor. 4, 7), an den verführerischen Selbstruhm der falschen Apostel (2.Kor. 11, 13) und an den in Anspielung darauf sogenannten »Ruhm« von Paulus, seinen Dienst unentgeltlich zu tun (2. Kor. 11, 9. 10). Auch jetzt bezweckt Paulus mit seinem Rühmen nicht Eigenlob. Das ganze Ruhmreden ist letztlich töricht, weil wir alle »des Ruhmes mangeln, den wir bei Gott haben sollten« (Röm. 3, 23). Wenn Paulus dennoch im Folgenden aus seinem Dienst sehr persönliche Erfahrungen mitteilt, so werden sie letztlich seine eigene Schwäche offenbaren und umso mehr Gottes Stärke ins Licht stellen. Auch an dieser Stelle erkennen wir die Sorge des Apostels um seine Korinther. Sie schätzen sich ja selbst als vernünftig ein (1. Kor. 4, 8), haben sich jedoch das Vorgehen der unvernünftigen Verführer gefallen lassen, von deren Ruhm geblendet. Diese Gefahr hat an Aktualität nicht verloren. Wir sind so leicht zu beeindrucken mit Zahlen (hohen Teilnehmerzahlen, Besucherzahlen, Zuschauerzahlen), spektakulären Aktionen oder berühmten Namen. Weil wir uns selbst nach solchen »Erfolgen« sehnen? Weil wir darin Gottes Segen und Bestätigung zu sehen meinen? Das kann unser Urteilsvermögen ebenso fälschlich beeinflussen wie das glanzvolle Auftreten der Irrlehrer die Meinung der Korinther. Paulus stellt sich dem Vergleich mit seinen Widersachern und führt als erstes seine Zugehörigkeit zum Bundesvolk an (vgl. Phil. 3, 5; Röm. 11, 1). Er nennt damit lediglich Fakten, ohne darin einen Vorzug oder Verdienst zu sehen. »Was mir Gewinn war, das betrachte ich jetzt als wertlos angesichts dessen, was Christus getan hat« (Phil. 3, 7ff). Gottes Reich unterliegt anderen Maßstäben. Während Größe in dieser Welt immer auf das Sichtbare und Vorweisbare angewiesen ist, kann Gott im Verborgenen ganz groß sein. Aus Liebe zu uns wurde der Sohn Gottes sogar der Allerverachtetste und Unwerteste. (Lies Jes. 53, 3-5.)

Anfang

DIENSTAG, 20. FEBRUAR

2.KORINTHER 11, 23-29

So ausführlich wie in diesen Versen gibt Paulus an keiner anderen Stelle Auskunft über sein persönliches Ergehen. Die angedeuteten Ereignisse sprengen sogar den Bericht der Apostelgeschichte. Paulus sucht nicht eigene Ehre, spricht nicht im Stil jener falschen Apostel von Erfolgen bei Gemeindegründungen oder von vollmächtigen Taten - obgleich er dies alles auch berichten könnte. Vielmehr zählt er seine »Überlegenheit« in Sachen Leiden auf. Und dieses Ausmaß erschreckt uns. Er überlebt mehrfache Gefängnisstrafen in entsetzlichen Kerkern, fünfmal die Folter einer Auspeitschung durch jüdische Gerichtsbarkeit, dreimal Misshandlungen durch Stockschläge nach römischer Gerichtspraxis, dreifachen Schiffbruch (die Schiffskatastrophe von Apg. 27 noch nicht eingerechnet). Dies und anderes mehr eignet sich wahrhaftig nicht für ein beeindruckendes Starporträt. Es steht aber in Verbindung mit den nüchternen Worten der Bibel: »Ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen« (Matth. 10, 22). Unseren kleinen Alltag wollen wir deshalb als Schulung in der Nachfolge sehen, getrost wissend, dass Gott uns sicher führt und nie allein lässt. Im Kriegsjahr 1942 schreibt der Dichter R. A. Schröder in einem Brief: »Uns kann ja nichts geschehen, und doch sind wir so verzagt. Auch der Welt geschieht ja nichts, was nicht in Christus Jesus längst wieder gutgemacht wäre und immer von Neuem wieder gutgemacht würde. Wenn's nur alle wüssten und sich dieses Wissens getrösteten! - Aber da muss man bei sich selber den Anfang machen und sich jeden Morgen bei den Ohren nehmen und sich zurechtschütteln und sein Herz in beide Hände nehmen und es Gott hinhalten und sagen: Da! Tu Du, was Du beschlossen hast, und schenk mir nur die Kraft, Dich über alle Dinge lieb zu haben und lieb zu behalten, Dich über aller Furcht zu fürchten und Dir gehorsam zu werden.« (Lies Ps. 55, 17-23; 56, 2-14.)

Anfang

MITTWOCH, 21. FEBRUAR

2.KORINTHER 11, 29-33

Die äußere Bedrohung ist für Paulus allgegenwärtig. Aber nicht weniger schwer trägt er an der Sorge um die Gemeinden. Wenn Glaubensgeschwister der Sünde erliegen, so ist es für ihn wie ein brennender Schmerz. Wie aber kann ein einzelner Mensch so viele Bedrängnisse ertragen? Wir staunen deshalb nicht allein über Gottes Rettungsaktionen in tausenderlei Gefahren. Wir wundern uns auch, dass der Apostel nicht bitter wurde. »Prügelknaben des Schicksals pflegen saure und vergrämte Menschenverächter zu sein. Davon merkt man bei Paulus nicht die Spur. Das Gefäß seiner Seele ist weder zerbrochen noch entleert. . . . So ist Paulus ein greifbarer Beweis für die Wahrheit des Herrnwortes, dass sie die Seele nicht töten können« (W. Lüthi). (Vgl. Matth. 10, 28; Apg. 16, 23-34.) Feierlich bekräftigt Paulus, dass alles Gesagte der Wahrheit entspricht. Seine Leiden verbinden ihn mit den Leiden seines Meisters und unterscheiden ihn deutlich von seinen Gegnern. Zur Veranschaulichung erinnert er an seine erste Verfolgungssituation in Damaskus. Damals führte Paulus wie jene falschen Apostel Empfehlungsbriefe mit sich (vgl. Apg. 9, 2; 2. Kor. 3, 1). Menschliche Vollmachten sollten ihm helfen, einen imponierenden Schachzug für seinen Glauben zu vollbringen. Doch die Begegnung mit Jesus warf ihn zu Boden. Als er daraufhin überzeugend von Jesus Christus zu predigen begann, wollten ihn die Juden ausschalten. Dazu verbündeten sie sich mit dem Gouverneur des nabatäisch-arabischen Königs Aretas IV. (9-40 n. Chr.), dessen Einfluss vom Toten Meer bis zum Euphrat und in die Gegend von Damaskus reichte. Die akute Bedrohung zwang Paulus zu einem heimlichen Rückzug. Nur durch fremde Hilfe gelang ihm in einem Korb der Weg in die Freiheit. »Seine armselige Flucht aus der Stadt, nicht etwa sein respektabler Einzug, ist ein Kennzeichen des apostolischen Lebens« (D. Lowery). Alles Lob gilt allein Gott, dem Vater des Herrn Jesus! (Lies 1. Petr. 1, 3-9.)

Anfang

DONNERSTAG, 22. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 1-5

Paulus »will nun auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen«. Diese Einleitung deutet an, dass es vermutlich eine konkrete Anfrage aus Korinth gab. Kann Paulus Offenbarungen vorweisen, die ihn als geisterfüllten Apostel bestätigen? Er kann - und lehnt es gleichzeitig ab, darin eine Auszeichnung seiner Person zu verstehen. Warum spricht er dann überhaupt davon? »Die Korinther, die ja zum überwiegenden Teil wieder zu ihm stehen, bekommen durch sein Rühmen doch Argumente an die Hand, um den falschen Aposteln zu widerstehen« (H. Krimmer). Trotzdem berichtet Paulus nur mit großer Zurückhaltung in der dritten Person von zwei Ereignissen. Für uns stellen sich dabei mehr Fragen, als dass unser Wissensdurst nach Nachrichten aus der unsichtbaren Welt gestillt würde. Wie wurde Paulus entrückt? Die Zeugen der Bibel kennen mehrere Himmel (1.Kön. 8, 27; Hebr. 4, 14). Denkt Paulus an den Wohnort Gottes, wenn er vom dritten Himmel spricht (Mark. 16, 19), und was sah er dort? Welche unaussprechlichen Worte hörte Paulus im Paradies, dem Aufenthaltsort der im Glauben Entschlafenen (Luk. 23, 43)? Paulus schweigt darüber. Solche Einblicke in Gottes Welt sind eben nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Sie haben aber wohl dazu beigetragen, dass Paulus mit großer Gewissheit schreiben konnte: »Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über die Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare « (2. Kor. 4, 17. 18a). In diesem Sinne gewinnen seine außergewöhnlichen Erfahrungen letztlich für viele Bedeutung. Paulus selbst erlebt Weisung und Stärkung, durch die er andere ermutigen kann (Apg. 18, 9. 10; 23, 11) und unterrichtet die Gläubigen über wesentliche Erkenntnisse, die Gottes Heilsplan betreffen (vgl. 1. Thess. 4, 15-17). Aber in keinem Fall o sind Offenbarungen Beweis oder Voraussetzung echten Glaubens o darf der Mensch sie zu eigener Ehre missbrauchen o sollen sie Thema der Verkündigung sein. Das Wort vom Kreuz bleibt das Zentrum (Gal. 6, 14).

Anfang

FREITAG, 23. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 6. 7

Besondere Begnadigungen Gottes sind Nährboden für Hochmut, ob nun Außenstehende zu Bewunderern werden oder der Betroffene selbst seine Bedeutung falsch einschätzt. In der Theorie begreifen wir die Notwendigkeit eines korrigierenden Gegengewichtes. In der Praxis fällt uns die Annahme eines solchen »Ausgleichs« nicht leicht. Paulus nennt seine persönliche Last einen Pfahl für sein Fleisch. Welche Art Krankheit oder geistliche Anfechtung er damit umschreibt, bleibt für uns im Bereich von Mutmaßungen. Paulus geht es demnach gar nicht um eine konkrete Beschreibung seiner Leiden, damit seine Leser daran Anteil nehmen könnten. Er schreibt nach reflektiertem Erleben aus einer inneren Distanz mit der Absicht, geistliche Erkenntnis weiterzugeben. Er weiß: Wenn unsere Wünsche nicht mit Gottes Wegen übereinstimmen, sondern diese sich kreuzen, dann erleben wir es als »Kreuz« in unserer Nachfolge. Nun kann das griechische Wort für Pfahl, das wörtlich Dorn oder Stachel bedeutet, auch als Bezeichnung für den Holzpfahl verwendet werden, an dem Verurteilte hingerichtet wurden. So wird das Bild vom Pfahl im Fleisch zu einem Hinweis auf das Kreuz von Christus, das auch zum Leben seiner Nachfolger gehört (Matth. 16, 24). Im Leben des Apostels wird deutlich, dass seine Leiden nicht umsonst sind. Niemals vergeudet Gott Gaben und Gesundheit seiner Diener. »Nichts muss so ausdauernd und umfassend reifen wie der Geist und die Seele des Menschen. Oft gelingt das nur in der Druckkammer Gottes, sonst würden wir in der Begrenztheit unseres Wesens steckenbleiben. Das geht meist durch innere Krisen hindurch. Aber der Trost Gottes begleitet den Glaubenden in einer verrückten Welt. Seine bergende Hand geht mit uns und verwandelt gerade das Schwere im Leben zum Segen und zum Sieg. Das schafft das Gefühl der Geborgenheit trotz rissigen Bodens« (G.Naujokat). (Lies Ps. 73, 23-26; Röm. 8, 28; 1. Kor. 10, 13.)

Anfang

SAMSTAG, 24. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 8. 9

»Es ist genug, Herr« (1. Kön. 19, 4). So betete Elia in einer Zeit schwerster Bedrängnis und Erschöpfung. Auch Paulus kam an den Punkt, den er als äußerste Grenze empfand. Nicht von Anfang an konnte er sein Leid als etwas verstehen, das ihm auf Dauer zum Besten dienen würde. Wie entlastend und hilfreich, dass Gottes Wort so ehrlich berichtet! Schwere Lebenswege bringen uns an Grenzen, die uns erschrecken. Da kommen Tage, an denen wir fast irrewerden möchten an Gottes Liebe, an Gottes Plan, an Gottes Gegenwart in unserem Leben, an uns selbst. Paulus nahm wie Elia seine Zuflucht zum Gebet, nicht perspektivlos, sondern erwartungsvoll und gewiss. Er kannte das Versprechen von Jesus: »Bittet, so wird euch gegeben« (Luk. 11, 9; vgl. 18, 7). Dreimal betete Paulus eindringlich um Gottes Eingreifen, vielleicht mit ähnlichen Worten wie: Nimm diese Prüfung von mir, Herr. Es ist genug. - Wie viel Zeit zwischen den einzelnen Bitten mit Hoffen und Warten verstrich, wissen wir nicht. Wieder bleibt manches für uns im Dunkeln. Doch der Ausgang überrascht. Seine Last bleibt. Stattdessen erhält er die Antwort: »Meine Gnade ist genug.« Wenn wir ehrlich vor uns sind, empfinden wir (trotz Gnade) in unserem Leben mitunter schmerzlichen Mangel und wünschen uns im Grunde »handfestere« Lösungen und Veränderungen als nur einen »frommen Spruch«. Kann dieses Wort denn helfen? In der Tat bietet Gottes Antwort mehr als einen frommen Trost. Sie beinhaltet eine Anweisung und eine Verheißung. o Paulus erhält die Aufforderung: »Lass dir an meiner Gnade genügen!« Gottes Gnade umfasst ja nicht allein seine erbarmende Herablassung und unverdiente Vergebung. Sie ist immer auch ein Sich-selbst-Geben Gottes. Deshalb ist Gnade nicht »ein Trostpreis für Verlierer« (W. Lüthi), sondern der überwältigende Reichtum eines von Gott geliebten Menschen. (Lies Joh. 1, 14. 17; Apg.4,33; 2.Petr. 3, 18.)

Anfang

SONNTAG, 25. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 9. 10

»Sich genügen lassen« hängt damit zusammen, dass wir in der Schule des Heiligen Geistes eine neue Sicht gewinnen und tiefer in die Gemeinschaft mit unserem Herrn hineinwachsen (vgl. Joh. 14, 26). Durch den Geist wohnt Christus in uns. (Lies Joh. 14, 16-18.) Wo aber Gott präsent ist, ist auch seine Kraft gegenwärtig. o Paulus erhält das Versprechen: »Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.« Das Wort, das in der Lutherbibel mit »mächtig« wiedergegeben wird, ist dasselbe, das Jesus am Kreuz als letztes ausspricht: »Es ist vollbracht!« (Joh. 19, 30). Vers 9 lautet deshalb treffender übersetzt: Gottes Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung! Das trifft in doppelter Weise zu. Gottes Kraft wurde vollendet in der Schwachheit und scheinbaren Ohnmacht seines Sohnes am Kreuz, der ja durch den Tod nicht besiegt wurde, sondern vielmehr den Fluch der Sünde durchbrochen hat. Gottes Kraft wird auch in der Schwachheit seines Dieners vollendet. Seine Gegenwart im Leben eines Nachfolgers zeigt sich eben nicht dergestalt, dass Schwachheit in Kraft umgewandelt wird. Das Geheimnis ist seine Kraft in der Schwachheit. Wir mögen ratlos sein, unser Zeugnis hilflos stammelnd statt rhetorisch geschickt vorbringen, wir mögen der Müdigkeit erliegen - Gottes Kraft und Vermögen wird dadurch nicht eingeschränkt. Und gerade hier wird deutlich, dass Segen und Gelingen allein auf sein Wirken zurückgehen. Nicht durch unser Vermögen, sondern durch unsere Schwachheit kommt Gott zum Zug. Deshalb resigniert Paulus an Gottes Entscheidung nicht. Er kann sogar seine Schwachheit rühmen, weil durch sie für ihn Christus erfahrbar wird und sie ihn immer wieder neu zum Vater treibt. Darüber hat Paulus Mut gefunden, zuversichtlich seinen Weg zu gehen. »Was an uns gefunden wird, die Gnade hat es getan, was an uns vermisst wird, die Gnade wird es erstatten« (H.Bezzel). (Vgl. 2. Kor. 6, 1-10.)

Anfang

MONTAG, 26. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 11-18

Paulus kündet seinen dritten Besuch an. Erneut bringt er heikle Fragen zur Sprache, die in Korinth vermutlich besonders strittig diskutiert wurden. So begründet er noch einmal seine Ablehnung jeder finanziellen Unterstützung gegenüber (V. 13. 14) und distanziert sich von dem Verdacht, sich auf dem Umweg über seine Mitarbeiter heimlich bereichert zu haben (V. 16-18). Dabei lässt er die Korinther in sein Herz blicken. Er will ja nicht nur Missverständnisse ausräumen. Paulus wirbt um eine Beziehung des Vertrauens und der Liebe. Sein Beispiel bietet auch für unsere Tage guten Rat: o Keine falsche Demut! Er steht zu seinem Apostelamt im Bewusstsein seiner von Gott verliehenen Autorität und Vollmacht (siehe V. 11; vgl. Röm. 1, 5). Als Beleg erinnert er an besondere Beweise göttlicher Kraft, die ihn als Apostel beglaubigen (vgl. Apg. 19, 11; 14, 3. 8-10). Es ist interessant, dass Paulus als erstes Kennzeichen das Wunder der Geduld nennt. Nur Gott kann seine Boten befähigen, bei allen Widerständen im Kreuzfeuer der Kritik und unter dem Druck der Verfolgung auszuharren. o Kein falsches Selbstbewusstsein! Paulus sucht nicht Bewunderung für seine Leistungen und Fähigkeiten. »Ich bin nichts« (V. 11), vermerkt er kurz und knapp. Das ist aber auch nicht Ausdruck eines verzweifelten Minderwertigkeitsgefühls. Paulus hat sich als Sünder erkannt, der dankbar von Gottes Gnade lebt. »Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.« (Lies 1. Kor. 15, 9. 10.) o Kein falsches Motiv! »Es geht mir um euch selbst . . . Für euch würde ich alles hingeben, was ich habe, sogar mein Leben« (V. 14. 15). Erst in diesem Licht sind seine Bemühungen recht zu verstehen. Paulus hat von Jesus das Dienen gelernt. »Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele« (Mark. 10, 45).

Anfang

DIENSTAG, 27. FEBRUAR

2.KORINTHER 12, 19-21

In diesem Abschnitt packt Paulus weitere heiße Eisen an. Ohne Umschweife äußert er seine Befürchtungen, ein gestörtes Miteinander vorzufinden, zu einer harten Vorgehensweise genötigt zu sein und mit der traurigen Tatsache konfrontiert zu werden, dass manche Gemeindeglieder noch immer nicht umkehrten. Diese Sorge mag befremden, da Paulus an anderer Stelle mit großer Freude ihren Sinneswandel rühmte (2. Kor. 7, 9). Doch »in der schon lange zerrissenen Gemeinde (1. Kor. 5, 11; 11, 16. 17) kann es leicht wieder zu Ordnungsstörungen kommen. Titus selbst wird in seinem Bericht die Nöte nicht verschwiegen haben, die trotz der gründlichen Wendung in der Gesamthaltung der Gemeinde noch ernst genug blieben« (W.de Boor). Paulus schreibt ihnen in der Verantwortung vor Gott und im Geist der Liebe seines Herrn (V. 19). Die Zerstörungsmacht der Sünde darf nicht unterschätzt werden (Spr. 14, 34; Hebr. 3, 12. 13; 1. Joh. 1, 8. 9). Im Alltag stehen wir in der Gefahr, manche Sünden als normal abzuwerten und andere besonders hochzuspielen. Wie oft werden unsere Gemeinschaften von Verschuldungen, wie sie Vers 20 auflistet, belastet - und wann bereinigt? Oder haben wir uns an sie gewöhnt? Betreiben wir etwa schlechte Nachrede, nennen es aber eine notwendige Information? Können wir unsere Gefühle der Ablehnung und des Neides eingestehen? Es muss uns auch nachdenklich stimmen, dass es in dem genannten Bereich sexueller Sünden nicht orientierungslose Heiden, sondern Christen sind, bei denen Paulus die Bereitschaft zur Buße vermisst. So stark kann demnach eine sinnlich orientierte Gesellschaft wie in Korinth das Gewissen der Gläubigen beeinflussen! Unsere Einsicht ist: Gemeinde wird gebaut, wenn diese Themen nicht verschwiegen werden und Menschen Gottes Anruf beherzigen. Unsere Bitte ist: »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus« (Ps. 51, 12. 14).

Anfang

MITTWOCH, 28. FEBRUAR

2.KORINTHER 13, 1-4

»Es gibt kein größeres Geschenk, als wenn Gott einmal gründlich an uns rüttelt und uns die Schlappheit und Brüchigkeit unseres Lebens für ihn deutlich macht. Umso bessere Bauleute am Gottesreich werden wir nach solchen Stunden des Gerichts und der Buße sein, wenn wir dadurch wieder so in die Gegenwart Gottes gerückt sind, dass sie neu unser Lebenselement wurde, dem wir uns gar nicht mehr entziehen können« (E. Schnepel). Um diese Art Erschütterung geht es, wenn Paulus für seinen geplanten Besuch strenge Maßnahmen ankündigt, die einer Gerichtsverhandlung ähneln. Er wird alle, die durch ungeklärte Sünde die Gemeinde gefährden, zur Rechenschaft ziehen. Dabei wird er das Recht beachten und Zeugen befragen. Auch schmerzliche Konsequenzen wie ein Ausschluss aus der Gemeinde können dann nicht länger aufgeschoben werden (vgl. Matth. 18, 15-20). Lange hat Paulus gewarnt, gewartet und um jeden Einzelnen gerungen. Jetzt wird er unter ihnen in seiner apostolischen Vollmacht handeln. Das ist kein Versuch, um am Ende doch noch seine Überlegenheit und Macht zu demonstrieren. Ebenso wenig soll die Gemeinde von Sündern »gereinigt« werden, damit diese vorbildlich dasteht. Harte Konsequenzen sind für Paulus das letzte Mittel auf einem langen Weg, Schuldige zur Umkehr zu bewegen. Das Ziel ist nicht, Störenfriede und Sünder loszuwerden, sondern sie auch jetzt noch zu gewinnen. Dieses Anliegen teilt der Apostel mit seinem Herrn in Schwachheit und Stärke. Wir wollen nicht vergessen: Um uns den Weg in die Gegenwart Gottes zu eröffnen, ertrug Jesus freiwillig Schwachheit, Spott und Tod. Als siegreich Auferstandener setzt er seine Kraft uns zugute ein, sodass wir in der Gemeinschaft mit Gott bleiben können. »Überschwänglich groß ist seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde« (Eph. 1, 18-20; 3, 20).

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang