MITTWOCH, 1. FEBRUAR

GALATER 5, 6; 1.KORINTHER 13, 1-7

Das Einzige, was wirklich zählt, ist »der durch die Liebe wirksame Glaube«. Dieser Glaube ist nur zusammen mit Christus zu haben. Eine Beihilfe durchs Gesetz ist undenkbar. Paulus kombiniert den Glauben nicht mit dem Gesetz, sondern mit der Liebe. Glaube ohne Liebe bewegt sich auf einen Fanatismus zu, der viel Unheil anrichtet und Zerstörung bewirkt. In Jesus begegnet uns dieser »durch die Liebe wirksame Glaube« und erweist sich in der Kraft, Kranke zu heilen, Tote zu erwecken und Naturgewalten zum Schweigen zu bringen. (Lies Mark. 2, 5-12; Luk. 7, 11-15; Mark. 6, 45-51.) Der durch Liebe wirksame Glaube reicht dem sinkenden Petrus zur rechten Zeit die Hand, damit dieser nicht in den Fluten versinke (Matth. 14, 28-32), holt den Versager aus seinem Tief und lässt ihn Ziel und Sinn seines Lebens erkennen (Joh. 21, 15-19). Dieser Glaube bewegte auch die Apostel, als sie begannen, die gute Nachricht von Jesus Christus überall zu verbreiten. Petrus, nun seinerseits erfüllt von diesem Glauben, gibt dem Gelähmten an der »Schönen Pforte« des Tempels, was er wirklich braucht und was ihm über Bitten und Verstehen hilft (Apg. 3, 1-8). Auch die Galater wurden einst durch diesen Glauben auf dem Weg mit Jesus gehalten und geleitet. Und jetzt? Wohin waren sie geraten? »Ihr lieft gut! Wer hat euch gehindert, der Wahrheit zu gehorchen?« (V. 7) Einst kam Paulus selbst in den Genuss ihres von der Liebe erfüllten Glaubens, als sie den kranken Apostel aufnahmen und sich schier »die Augen ausgerissen« hätten, um ihm zu helfen (Gal. 4, 12-16). Nun sind sie von fremden Lehrern überredet worden, einen anderen Weg in Augenschein zu nehmen als den von Paulus gewiesenen (V. 8). Sie mögen den Wechsel noch nicht vollzogen haben. Paulus muss aber befürchten, dass der »Sauerteig« schon zu wirken angefangen hat (V. 9).

Anfang

DONNERSTAG, 2. FEBRUAR

GALATER 5, 9-11

Paulus will es den Galatern zugestehen, dass sie mindestens in diesem Punkt mit ihm einer Meinung sind: »Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.« Welche Konsequenzen sind aber daraus zu ziehen? Etwa diese: Ein wenig Gesetz verdirbt das ganze Evangelium? Denn das Gesetz baut auf die guten Werke, das Evangelium aber gründet sich auf die Gnade, die Gott dem Glaubenden zugesprochen hat. Die Gnade kann man sich nicht erarbeiten, sie ist ein Geschenk. Paulus ist nicht müde geworden, dies immer wieder den Gemeindegliedern in Galatien beizubringen. Erkennen sie denn nicht die drohende Verführung, die ihnen eine »bessere« Frömmigkeit auf Kosten der Gerechtigkeit aus Glauben verspricht? Paulus warnt: »Wer euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei« (V. 10b). Auch Jakobus rät in seinem Brief nicht umsonst: »Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schwereres Urteil empfangen werden! Denn wir alle straucheln oft« (Jak. 3, 1. 2). Paulus ist sich seiner Verantwortung sehr bewusst, die er als »Lehrer der Nationen« trägt. Er fürchtet sich davor, etwas anderes zu sagen, als Christus ihm offenbart hat. (Lies Gal. 1, 11. 12; 1. Thess. 2, 4. 13; Röm. 15, 18.) Paulus muss noch einen ganz wichtigen Punkt ansprechen: Die Verkündigung, dass die Beschneidung (oder eine andere Gesetzesbindung) zum Erlangen des ewigen Heils notwendig sei, ignoriert das Kreuz, das allein den Eingang in die Herrlichkeit Gottes öffnet. Er wusste, wie vielen seiner Volksgenossen das Kreuz ein Anstoß war: »Wir predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis« (1. Kor. 1, 23). Auch in unserer Zeit möchten viele »Christen« dieses Kreuz ins Museum stecken oder ganz aus der Welt schaffen. Torheit ist denen, die verloren gehen, das Wort vom Kreuz, »uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft« (1. Kor. 1, 18).

Anfang

FREITAG, 3. FEBRUAR

GALATER 5, 12-15

Bevor Paulus zur Praxis des Glaubens kommt, entringt sich ihm ein schwerer Seufzer bezüglich der Gesetzeslehrer, die die Galater mit der Forderung der Beschneidung beunruhigten. Sollten sie doch an sich selbst nochmals vollziehen, was ihnen so überaus wichtig war! In seinem Brief an die Philipper warnt Paulus: » . . . seht auf die bösen Arbeiter, seht auf die Zerschneidung! Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen . . . und nicht auf Fleisch vertrauen« (Phil. 3, 2. 3). - Paulus ist etwas anderes wichtig: »Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder.« Im antiken Griechenland wurde Freiheit mit Unabhängigkeit gleichgesetzt, mit Verfügungsgewalt über sich selbst, um im Gegensatz zum Sklaven sein eigener Herr zu sein. Damit diese Freiheit nicht in Willkür ausartete, gab es das Prinzip der Ordnung: das Gesetz. In diesem Zusammenhang schließen sich Freiheit und Gesetz nicht aus. Das eine kann ohne das andere nicht sein. Andere Denker suchten ihre Freiheit in der völligen Harmonie mit dem Kosmos oder mit einer Gottheit. Von sich selbst gelöst, wollte man von allem, was an das Irdische bindet, befreit sein. Wenn aber Paulus von Freiheit spricht, hat er ein ganz anderes Vorbild vor Augen. In der politischen Struktur des Volkes Israel gab es ein Über-sichselbst- Verfügen nicht. Gott allein, der sich dieses Volk geschaffen hatte, hatte auch Verfügungsrecht über Israel. Die Freiheit wurde niemals isoliert von Gottes Erlösungs- und Rettungstat betrachtet. Freiheit ist für Israel Befreit- Sein, dem Sklavenhaus Ägypten entrissen und dem Exil entronnen. Das ist identisch mit Erlösung. (Vgl. 2. Mose 6, 6; 15, 13; 5. Mose 7, 7. 8; Luk. 24, 21; 1. Petr. 1, 18. 19; Offb. 1, 5.) Im Neuen Bund ist es nicht anders. Freisein heißt Erlöstsein von der Macht der Sünde und des Todes durch das Opfer am Kreuz. Biblische Freiheit versteht sich nur als Gebundensein an Jesus Christus.

Anfang

SAMSTAG, 4. FEBRUAR

GALATER 5, 13; 1. PETRUS 2, 15. 16

Auch die biblische Freiheit kann missbraucht werden, dann nämlich, wenn der Erlöste sich zwar über die Vergebung seiner Sünden freut, doch nicht daran denkt, dass sein Leben jetzt Jesus Christus gehört. Er lässt weiterhin seinem Egoismus freien Lauf und lebt seinen Eigenwillen aus. Das kommt nicht selten vor, wie auch Jesus es in Lukas 17, 11-19 erlebt. Befreiung vom Aussatz bedeutete das Ende der Isolierung und die Rückkehr in die Gemeinschaft der Familie und des Volkes, ein Schritt von der Unreinheit in die Reinheit. Es war für den Betreffenden ein Ereignis von weitreichender Bedeutung. Sein Leben änderte sich von Grund auf, wie sich auch das Leben eines Menschen völlig verändert, dem seine Sünden vergeben worden sind (siehe Lukas 19, 1-10). Von den zehn geheilten Aussätzigen kehrte nur einer zu Jesus zurück und fiel ihm zu Füßen. Die anderen Neun dachten nicht an Dank und Umkehr, sondern ließen sich an ihrer Erleichterung und Freude über die Veränderung an ihrer Haut genügen. Ein solcher »Glaube« bleibt so oberflächlich wie die Haut selbst. Die von Christus erkämpfte Freiheit wird unter diesen Umständen leicht ein »Anlass für das Fleisch«, ein Sprungbrett für die Selbstverwirklichung und Erfüllung eigener Wünsche und Ziele. Denn der Begriff »Fleisch« umfasst nicht allein den Körper, sondern das gesamte Wesen und Wirken des sündigen Menschen. Auch die weltlichen Dinge wie Traditionen, Philosophien, Mode und Zeitgeist sind »Fleisch« und stehen unter dem Vorzeichen von Römer 8, 7: »Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott.« »Das Fleisch ist Träger jener Los-von-Gott-Bewegung, die sich vom Schöpfer weg verselbständigen will. Fleisch ist das Bestreben, aus den eigenen Vorräten und Kräften . . . für sich selbst zu leben« (A. Pohl).

Anfang

SONNTAG, 5. FEBRUAR

GALATER 5, 13-15; RÖMER 13, 8-10

»Dient einander durch die Liebe.« - »Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.« Warum streiten sich die Galater um die Stellung des Gesetzes in ihrem Leben, wenn es doch ein viel wichtigeres Thema gibt? Ist es nicht besser, sich darum zu bemühen, dass das Gebot der Nächstenliebe unter den Gemeindegliedern beachtet wird? (Lies 3. Mose 19, 18; Matth. 7, 12.) Wer wird jemals damit fertig sein? Oder wer kann sagen: Diesen Punkt kann ich beruhigt abhaken? Wenn die Galater angefangen haben, miteinander zu wetteifern, wessen Glaubensleben durch das Beachten von Vorschriften die besseren Qualitäten hat, dann führt Paulus sie auf den Boden der Tatsachen zurück, von der Glaubenstheorie weg in die Glaubenspraxis des Alltags: »Dient einander durch die Liebe.« Wenn sie das tun, dann haben sie das ganze Gesetz erfüllt und müssen sich nicht noch weitere Lasten aufbürden. Denn wer dem andern in der Jesus-Liebe dient, ist voll und ganz beschäftigt. (Lies Joh. 13, 3-5. 12-17. 34. 35.) Offenbar waren sich die Galater aber »in die Haare geraten «. Das Stichwort »Gesetz« trieb sie in heiße Auseinandersetzungen. »Wenn ihr aber einander beißt und fresst . . . « (V. 15). Ein drastisches Bild! Die Zustände in Galatiens Gemeinden glichen einem »Tumult im Hundezwinger« (A. Pohl). Sie trachteten nach einer Steigerung ihrer Frömmigkeit, doch stattdessen kam es zu einer »theologischen Messerstecherei«. Das »Fleisch« rührte sich kräftig und lautstark und ließ die gebotene Liebe vergessen. Auch dies bedachten die Galater nicht: »Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus gegen Haus stürzt ein« (Luk. 11, 17). Eine zerstrittene Gemeinde zerstört sich selbst. »Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten.« (Lies 2. Tim. 2, 24-26.)

Anfang

MONTAG, 6. FEBRUAR

GALATER 5, 16-18

Paulus gibt den Galatern Hilfestellung, das gegenseitige »Beißen und Fressen« aufzugeben. Er erinnert sie, dass sie einmal den Geist Gottes empfangen haben, und ermahnt: »Lebt aus der Kraft, die der Geist Gottes gibt, dann müsst ihr nicht euren selbstsüchtigen Wünschen folgen.« Die »Begierden des Fleisches« machen sich in einem Menschen gern selbständig, auch wenn dieser ein entschiedener Christ ist. Der Geist Gottes in ihm aber besitzt die Kraft, allem menschlich Eigenwilligen das Handwerk zu legen. Allerdings ist er in uns kein Einzelgänger, der sich verselbständigt. Er will mit uns zusammenarbeiten. Er braucht dazu unser Einverständnis, denn Gott will uns nicht als Marionetten am Bändel führen. Er hat uns die Fähigkeit verliehen zu entscheiden, was wir wollen oder nicht wollen. Wir bestimmen also, wer uns bestimmt, wer uns beherrschen darf. Wir sind mit dem einsgemacht, dem wir uns - freiwillig - unterstellt haben. Haben wir uns für den Geist Gottes entschieden, ist die beste Wahl getroffen worden. Zusammen mit ihm werden wir im Willen Gottes leben. (Vgl. Röm. 13, 13. 14; 6, 12. 13; Kol. 2, 20-23; 1. Petr. 2, 11. 12.) Solange wir aber in dieser vergänglichen Welt leben, bleibt das Zusammenmit- Ihm nicht unangefochten. »Das Fleisch begehrt gegen den Geist auf.« Wie macht sich das bemerkbar? »Wie die Meeresbrandung unermüdlich gegen die Küste anrollt und den Strand hinaufleckt, erfährt der Christ immer wieder, dass er durchaus einen Sinn für seinen eigenen Vorteil hat. Er erlebt seine Abwehrbewegungen gegen notwendiges Leiden und Verzichten, das Verlangen nach Genussbefriedigung aller Art, das Emporkommen rivalisierender Empfindungen gegenüber dem Nächsten oder die Neigung zu allen Schattierungen der Heuchelei« (A. Pohl). Das versetzt ihn in eine ungeheure innere Spannung, und das, je mehr er sich dagegen wehrt. In ihm tobt der Kampf zwischen »Fleisch« und »Geist«. Wer wird der Sieger sein?

Anfang

DIENSTAG, 7. FEBRUAR

GALATER 5, 17. 18

»Fleisch« und »Geist« sind unvereinbare Gegensätze. Sie können einander »nicht riechen« und werden so lange gegeneinander kämpfen, bis einer am Boden liegt. Der Kampfplatz ist unser »innerer Mensch«. Die Galater kannten sicher diese Kämpfe und hofften vielleicht, sie dadurch abstellen zu können, wenn sie sich dem jüdischen Gesetzessystem beugten. Das klappt nicht, sagt ihnen Paulus. Ihr könnt diesen Kämpfen nicht ausweichen. Sie sind notwendig zu eurer Selbsterkenntnis und zur Erstarkung eures Glaubens. Außerdem sind sie ein Zeichen dafür, dass ihr geistlich lebendig seid! Gewiss, das »Fleisch« will etwas Bestimmtes erreichen: » . . . damit ihr nicht das tut, was ihr wollt« (V. 17b), nämlich als »von oben her« geborene Christen das Gute, das auch der »Geist« will. Wie wird nun der Kampf ausgehen? Grundsätzlich sitzt der Geist am längeren Hebel. Er trägt die Macht Gottes in sich und ist dem Fleisch überlegen, denn diese beiden Kräfte sind nicht gleichwertig. Das Fleisch ist durch den Tod von Jesus besiegt und damit auch die Macht der Sünde, die dem Fleisch inne- wohnt. Der in solchen Kämpfen gebeutelte Christ wird sich allerdings nie überlegen fühlen können. Doch kann er sich hinter die Kraft des Sohnes Gottes stecken und auf seinen Sieg bauen (vgl. Röm. 7, 15. 19. 23; 1.Kor. 15, 57). - Die Frage ist, ob sich die Galater wirklich durch den Geist Gottes leiten lassen und damit auch in der Freiheit vom Diktat durch das Gesetz leben (V. 18). Der Geist leitet nicht automatisch jeden, der sich einmal für Jesus Christus entschieden hat. Auch hier ist die Willensentscheidung des Einzelnen gefragt. Aber das ist klar: Wer sich vom Geist führen lässt, dem ist der Wille Gottes ins Herz geschrieben, sodass er der Vormundschaft durch das Gesetz enthoben ist. (Lies Röm. 8, 12-16.)

Anfang

MITTWOCH, 8. FEBRUAR

GALATER 5, 19-21

Die Galater haben sicher schon davon gehört, welches Gesicht die »Werke des Fleisches« haben. Diese Schandliste wird ihnen nicht unbekannt gewesen sein und sie an ihr altes Leben erinnert haben. Hatten sie das nicht schon längst überwunden? Paulus hält es für angebracht, sie daran zu erinnern, in welch üble Nachbarschaft sie sich bringen, wenn sie den Einflussbereich des Geistes zugunsten eines Gesetzesglaubens verlassen. Der Geist Gottes würde sie rechtzeitig warnen und ihnen Hilfestellung geben, die Sünde zu meiden. Das Gesetz aber trifft mit seiner Forderung »tu es nicht« auf das von Grund auf verdorbene Wesen des Menschen und verwickelt ihn in einen Kampf, den der Versuchte in den meisten Fällen verliert. In der Liste der Untaten wird mit drei Begriffen das Sündigen im sexuellen Bereich genannt, da der Mensch hier am häufigsten entgleist. Mit dieser Sünde stark verbunden ist der Verstoß gegen das erste Gebot: der Abfall von Gott zugunsten eines Aberglaubens. Die Entgleisungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen folgen. Sie müssen mit den meisten der Begriffe dieser Liste beschrieben werden. Trinkgelage und Völlereien stehen für den Exzess des gesamten Lebenswandels. In einer modernen Version des Textes klingt der Abschnitt so: »Gebt ihr euren selbstsüchtigen Wünschen nach, ist allen klar, wohin das führt: zu einem sittenlosen Leben, zu Unzucht und hemmungsloser Zügellosigkeit, zur Anbetung selbstgewählter Idole und zu abergläubischem Vertrauen auf übersinnliche Kräfte. Feindseligkeit, Streitsucht, unberechenbare Eifersucht, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen bestimmen dann das Leben ebenso wie Neid, Trunksucht, üppige Gelage und ähnliche Dinge. Wer so lebt, wird niemals in Gottes Reich kommen.« (Dazu 1.Kor.6,9-11; Offb. 22,14. 15; Matth. 7, 21-23.)

Anfang

DONNERSTAG, 9. FEBRUAR

GALATER 5, 22. 23

Den »Werken des Fleisches« stellt Paulus nun die »Frucht des Geistes« gegenüber. Im Zusammenhang des Textes ist mit den Werken das von Menschen Gemachte gemeint. Im Gegensatz dazu ist Frucht das Resultat eines Wachstums. Sie wächst, solange die Rebe am Weinstock bleibt. Aus ihm kommt ihr die Kraft, die für das Wachsen nötig ist. Am Ende ist die reife Frucht das Ergebnis eines ganzen Lebens. Wir entdecken in der Aufzählung einen Dreier-Rhythmus. »Zuerst die dreifache Entfaltung der Liebe selbst (Liebe, Freude, Friede), dann ihre dreifache Entfaltung gegenüber dem Nächsten (Langmut, Freundlichkeit, Güte), schließlich die dreifache Entfaltung der persönlichen Haltung (Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung)« (A. Pohl). Alle neun Begriffe sind nur wirksam durch die Liebe und werden deshalb als Ganzes gesehen. Es handelt sich um eine Frucht. Das Wesen des Christus, das sich in dieser Aufzählung widerspiegelt, ist auch ein Ganzes und wird als solches in seinen Nachfolgern vom Geist Gottes zur Entfaltung und Vollendung gebracht. (Lies Röm. 8, 28-30; Eph. 4, 13. 15; Phil. 1, 6; 1.Thess. 5, 23. 24; 1. Petr. 5, 10. 11.) Mancher liest die einzelnen Begriffe als Werke, die er zu tun sich befleißigen soll. Dabei merkt er, dass er das gar nicht kann. Nicht eine Eigenschaft findet er in sich selbst. Er muss den Geist Gottes inständig bitten, in ihm diese Eigenschaften hervorzubringen. Dabei muss er so mit Jesus Christus verbunden sein, wie es die Rebe mit dem Weinstock ist (vgl. Joh. 15, 1-5). - Da die Galater sich so mit dem Gesetz beschäftigten, sagt Paulus in Bezug auf die »Liste der Liebe«: »Gegen diese ist das Gesetz nicht (gerichtet).« Die Liebe braucht keine Zurechtweisung, denn Gott ist Liebe. Oder ist es vorstellbar, dass er sich selbst zurechtweisen müsste? Gewiss nicht! Denn die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (Röm. 13, 10).

Anfang

ZUFRIEDEN MIT GOTT?

FREITAG, 10. FEBRUAR

PSALM 116, 1-19

C. H. Spurgeon schreibt im Vorwort seiner Auslegung von Psalm 116: »Der Psalm vermittelt ganz den Eindruck eines persönlichen Liedes, in dem der Glaubende durch das Passafest an seine Knechtschaft und an seine Befreiung erinnert wird, von diesen Erfahrungen mit Dankbarkeit spricht und darüber den Herrn preist. Das Staunen über die Befreiung und Erlösung ist das Thema des Psalms, in dem wir Einblick in das Leben der Erlösten nehmen dürfen. Der Psalmbeter hat den Herrn lieb und berichtet, wie die Erlösten Erhörung finden, wenn sie beten, wie sie behütet werden in Zeiten der Not, wie sie ruhen können in ihrem Herrn und wie sie mit ihm leben können.« Auch wiedergeborene Christen sind Befreite und Erlöste, denn sie haben die Erlösung, die Jesus ihnen erworben hat, angenommen. Sie sind zur Ruhe gekommen, denn sie haben Frieden mit Gott. Paulus schreibt: »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.« »Die Strafe lag auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Röm. 5, 1; Jes. 53, 5). Den Glaubenden ist eine tiefe Grundzufriedenheit geschenkt, weil sie mit Gott versöhnt sind, sie sind gerecht gemacht durch Jesus Christus. Jeder Christ darf wissen: Es ist ganz gut geworden zwischen Gott und mir. (Lies Röm. 5, 6-11.) Doch ist jeder Christ, der mit Gott im Frieden ist, auch mit Gott zufrieden? »Sind Sie mit Gott zufrieden?«, lautet der herausfordernde Titel einer kleinen Schrift. Müsste er nicht eher heißen: Ist Gott zufrieden mit Ihnen? Müssten Christen nicht mit Gott zufrieden sein, weil sie wissen, dass er vollkommen ist und keine Fehler macht? (Lies 5. Mose 32, 4; Ps. 92, 13-16.)

Anfang

SAMSTAG, 11. FEBRUAR

KLAGELIEDER 3, 17; PSALM 116, 7

»Sind Sie mit Gott zufrieden?« Wir denken und sagen so manches Mal: Herr, wie kannst du das zulassen? Dass eine junge Mutter durch den Tod von ihrer Familie weggenommen wird, dass ein Familienvater seine Arbeitsstelle verliert, um die er einst gebetet und sie dann als Geschenk Gottes angenommen hatte? Dass ein Kranker trotz vieler Gebete tagaus, tagein mit heftigen Schmerzen leben muss? In der Regel sind wir mit Gott zufrieden, wenn er unsere Erwartungen erfüllt und unsere Gebete erhört werden. Aber sind wir nicht oft irritiert, weil vieles so sinnlos erscheint? Was sich in solchen Momenten in uns regt, würden wir nicht immer als »Unzufriedenheit« kennzeichnen. Und doch sind wir irgendwie nicht zufrieden, sondern gereizt, aufgeregt, gejagt, ungeduldig, zerstreut. 1. Mit Frieden beschenkt und doch ruhelos und umgetrieben Unser Herr hat alle Voraussetzungen geschaffen, dass seine Erlösten in ihm ruhen können. Ruhen sie aber wirklich? Was heißt das eigentlich? Sich eine »dickere Haut« zulegen, auf »stur schalten«, alles laufen lassen . . . ? Sicher nicht. Es heißt auch nicht, dass die Ruhelosen keinen Frieden mit Gott haben. Er wurde ihnen geschenkt; es ist der Friede, der bleibt. Und doch geraten die mit Frieden beschenkten Menschen immer wieder aus der Fassung, sind nicht nur äußerlich und innerlich umgetrieben von den Turbulenzen des Lebens. »Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben«, klagte Jeremia; und David betete: »Ich bin schwach, . . . meine Seele ist sehr erschrocken, ach, Herr, wie lange?« (Ps. 6, 3. 4). - Was auch immer uns den Frieden raubte, wir dürfen alles vor Jesus ausbreiten und ihn, den Friedefürsten, eintreten lassen in alles Chaotische, alle Hetze und in die ungelösten Probleme. Er spricht auch zu dir: »Meinen Frieden gebe ich euch« (Joh. 14, 27; vgl. Joh. 14, 1; 16, 33; Kol. 3, 15; 2. Thess. 3, 16).

Anfang

SONNTAG, 12. FEBRUAR

PSALM 42, 7; 73, 2. 3. 13-16

Es gibt viele Anlässe und Gründe für mancherlei Unruhe um uns und in uns: Zeitnot, Arbeitsüberlastung, fehlende Prioritäten, Krankheitsnot, Beziehungsprobleme. Eine andere Ursache kann der quälende Gedanke sein: Hat mich Gott vergessen? »Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?« (Ps. 13, 1-3). - In Psalm 77 schildert Asaf seine Not, ohne die Ursache zu nennen: »Meine Seele will sich nicht trösten lassen; ich denke an Gott und bin betrübt; ich sinne nach, und mein Herz ist in Ängsten; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann« (V. 3-5). Tiefer und umfassender als irgendein Mensch kann Jesus uns verstehen. Auch seine Seele war in Erschütterung und Bestürzung geraten, als er merkte, wie schwer der Weg ans Kreuz für ihn, den Sündlosen, sein würde. (Lies Matth. 26, 36-39; Joh. 12, 27; Hebr. 5, 7. 8.) Für uns musste Jesus diese Angst aushalten und die Schmerzen ertragen, dazu die Schmach bis zur Gottverlassenheit und den Tod am Kreuz auf sich nehmen. Darum wird unsere Unruhe und Angst nie so groß sein wie die Angst und Not des Gottessohnes. Darum können wir uns in jeder Not an ihn halten. Es gibt aber auch eine segensreiche innere Unruhe - dann, wenn der Heilige Geist uns aus einem schläfrigen »Nachfolge-Trott« aufweckt, dann, wenn uns ein geistlicher Hunger und Durst nach Gott neu in Bewegung bringt und wir uns weniger um uns selbst drehen und mehr nach Jesus und seinem Willen fragen. (Vgl. Ps. 42, 1-3; 63, 2; 84, 3; 143, 6; Phil. 3, 12-14.)

Anfang

MONTAG, 13. FEBRUAR

PSALM 116, 7; PHILIPPER 4, 5-7

Wenn unsere Seele aus dem Frieden getrieben ist, wenn wir mutlos und traurig sind, wenn wir verzweifelt unseren Herrn fragen »Wie lange noch?«, dann lasst uns daran denken: 2. Es muss nicht so bleiben Was können wir selber zu einer Veränderung beitragen? Bei David sehen wir: Er spricht liebevoll-ermahnend zu seinem eigenen Herzen: »So sei nun wieder zufrieden, meine Seele.« »David rüttelt den David scheltend aus seinem Grämen auf, und darin ist er ein Vorbild für alle, die dem Verzagen nahe sind. So traurig meine Lage ist, rechtfertigt sie doch nicht, dass ich mich der Verzweiflung hingebe. Auf, mein Herz! Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist « (C. H. Spurgeon). Neben die Selbst-Ermahnung tritt das Ausschütten des ganzen Herzens bei Gott. Wie wunderbar, dass man das tun kann. Bitten und klagen und fragen dürfen wir vor dem Herrn. Der bekannte Rat Martin Luthers kann auch für uns ein guter Rat sein. »Schüttet euer Herz vor ihm aus, klagt es nur frei vor ihm heraus, verbergt ihm nichts. Es sei, was es wolle, so werft es übersprudelnd so vor ihm heraus, als wenn ihr euer Herz einem guten Freund ganz und gar öffnet. Er hört es gerne, will auch gerne helfen und raten. Scheut euch nicht und denkt nicht, es sei zu groß oder zu viel. Getrost heraus und sollten es lauter Säcke voll Mängel sein, alles heraus! Er ist größer und vermag und will auch mehr tun, als unsere Gebrechen sind. Je mehr du bittest, je lieber hört er dich.« (Lies Ps. 65, 3; 91, 15; 1. Chron. 16, 11.)

Anfang

DIENSTAG, 14. FEBRUAR

JESAJA 26, 4; HIOB 1, 21; 2, 9. 10

Wir fragen, wodurch die Beter wieder zum inneren Frieden fanden. Sie redeten mit dem Herrn über ihre Unruhe, sie brachten auch ihre Zweifel Gott gegenüber hervor, aber sie wandten sich nicht von Gott ab. Denn sie wollten ja sagen zu dem, was sie nicht ändern konnten. (Vgl. 1. Sam. 16, 1; Apg. 21, 12-14.) Zufriedenheit kann wieder einkehren, wenn aus dem »Nein, Herr« ein »Ja, Herr« wird. In einer Sportzeitschrift war zu lesen: »Ja ist das gesündeste Wort der Welt. Sie sollten dieses kleine Wort ausschneiden und an die Wand hängen und damit leben. Ja ist Medizin, manchmal besser als flüssige oder gepulverte, es macht den Kreislauf heiter, das Herz fröhlich, die Sorgen kleiner, das Leben wärmer.« Für bewusste Christen geht es vor allem um das umfassende Ja-Sagen zu unserem Herrn, es geht um das Ja zu seinen Führungen in den großen und kleinen Dingen. (Lies Ps. 37, 5; 40, 9; Mark. 14, 36; 1. Petr. 4, 19.) Immer wieder gilt es, den Entschluss zu fassen, dem Herrn zu vertrauen und das vertrauensvolle Ja dem zu sagen, der uns das Schwere und Unbegreifliche zumutet. »Im Annehmen liegt Frieden« (A. Carmichael). Eine Christin schenkte einer anderen ein kleines, hilfreiches Gebet:

Und wenn jemand das »Ja, Vater« noch nicht sprechen kann? Dann darf er wissen: Gott verachtet mich nicht. Er selber hilft mir, dass ich an seinem Herzen zur Ruhe komme. Sollte der Herr, der mich aus den Klauen des Teufels gerettet hat, nicht in der Lage sein, mir das »Ja-Vater« zu schenken? (Lies Ps. 37, 4. 7a.34a.37. 39.40.)

Anfang

MITTWOCH, 15. FEBRUAR

RÖMER 8, 28. 29; SPRÜCHE 23, 26 Ist es ein Risiko, wenn Glaubende sprechen: Herr, ich vertraue mich dir völlig an? Wir mögen es manchmal so empfinden. Und doch dürfen wir im Glauben daran festhalten: o Gott handelt fehlerlos. Aber er handelt nach seinem Plan und nicht nach unserem. Josef konnte nach allen Leiderfahrungen bezeugen: Gott hat es gut gemacht. Er war überzeugt, dass Gottes Handeln von einem höheren Ziel bestimmt wurde, und kam darüber zum Frieden. »Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück, und Gott hat mich wachsen lassen im Lande meines Elends« (1.Mose 41, 51. 52; vgl. 1.Mose 50, 20). o Gott nimmt von seiner Liebe und von seiner Macht nichts zurück. Auch auf einem schweren Weg will ich offene Augen haben für die Zeichen seiner persönlichen Liebe zu mir und will damit rechnen, dass er alles vermag (vgl. Hiob 42, 2). Zugleich halte ich daran fest: »Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will« (Ps. 115, 3) - in dem Wissen: Gottes Wille ist nicht Willkür, sondern Wohlwollen. - Ein kleiner Junge betete jeden Abend um die Genesung einer Tante, die sehr krank war. Es dauerte lange Wochen, bis es besser mit ihr wurde. Acht Tage hatte der Junge gebetet, stets mit der Frage hinterher: »Ist es noch nicht besser?« Als die Antwort immer »nein« lautete, ging ihm die Geduld aus, und zornig rief er: »Gott braucht aber lange. Kann er nicht, oder will er nicht?« In dieser Frage war die Aussage verborgen: Kann er nicht, dann ist er nicht allmächtig, will er nicht, dann ist er nicht ein Gott der Liebe. Aber Gott kann! Und Gott will - jedoch wie er es will zu unserem persönlich zugeschnittenen Heil. (Lies Jes. 38, 17; Hebr. 12, 11; 1. Petr. 1, 3-9.)

Anfang

DONNERSTAG, 16. FEBRUAR

RÖMER 5, 8; EPHESER 2, 4. 5

»Christen stehen im Schatten des Kreuzes. Von diesem Platz aus sehe ich Gott ins Herz. Wenn sich einer selbst für mich preisgibt, kann ich dann noch vermuten, dass er mich quälen will? Wenn der Vordersatz heißt: Gott hat seinen Sohn nicht verschont, dann muss der Nachsatz heißen: Nun kann alles, was von ihm kommt, nur Liebe, nichts als Liebe sein. Und nichts, was uns begegnet, ist Zufall oder Schicksalsmacht, wir haben es immer mit ihm zu tun« (S. Kettling). In diesem Wissen können wir wieder zur Ruhe finden. o Gott hält an seinem Ziel mit uns fest. Das schönste und größte Ziel Gottes für die Erlösten besteht darin, dass sie seinem Sohn gleich werden sollen. Werden wie Jesus - welch ein Programm! Das geht nicht ohne Veränderungen; und diese sind auch mit Schmerzen verbunden. So konnte Gott es zulassen, dass ein Paulus jahrelang hinter Gefängnismauern festgehalten war, um dort die wertvollsten Briefe entstehen zu lassen. Als ein an Jesus Christus Gebundener konnte der Apostel sehr wohl von seinen Plänen, auch von persönlichen Wünschen sprechen, aber zugleich war er mit seiner Lage zufrieden. Er blieb im Frieden Gottes, weil er dem Herrn freies Verfügungsrecht über sein Leben einräumte. (Vgl. Phil. 1, 3-14. 18b-26.) Wer sich in die offenen Arme Gottes fallen lässt, wird trotz allem Schweren tiefe Geborgenheit erfahren, wird innerlich wieder zur Ruhe kommen und darf auch in Zeiten der Not gewiss sein, dass der Herr Segen wachsen lässt. »Herr Jesus Christus, ich sehe keinen Weg. Du bist mein Weg. Lass mich auf diesem Weg bleiben. Und was mir zu schwer wird, hilf mir tragen, dass viele es sehen und dich preisen. Amen.«

Anfang

FREITAG, 17. FEBRUAR

1. PETRUS 1, 3; HEBRÄER 6, 18. 19

o Gott hat uns eine herrliche Zukunft eröffnet. In großer Gewissheit schreibt Paulus: »Ich bin überzeugt, die künftige Herrlichkeit, die Gott für uns bereithält, ist so groß, dass alles, was wir jetzt leiden müssen, in gar keinem Verhältnis dazu steht« (Röm. 8, 17. 18; lies Joh. 14, 2. 3; 1. Joh. 3, 1-3). Diese herrliche Zukunftsaussicht kann uns helfen, die irdischen Belange, die uns in Unruhe versetzen, in der richtigen Relation zu sehen. Eine Ewigkeit lang werden wir bei unserem Herrn sein. »Achten wir auf den innersten Kern der biblischen Zukunftserwartung. Es geht im Wort Gottes bei diesem letzten Ziel nicht in erster Linie um die goldenen Gassen und um die Perlentore. Mag die neue Schöpfung Gottes herrlich sein - sie wird unsagbar herrlich sein - die eigentliche Herrlichkeit ist die Familie Gottes, wo um den Erstgeborenen die vielen Brüder in vollendeter Ähnlichkeit mit ihm leben, und Gott wird alles in allem sein. Haben wir begriffen, dass dies das eigentliche Ziel auch unseres Daseins und unseres Christseins ist?« (W. de Boor) Die holländische Missionarin Corrie ten Boom zeigte gerne an einer unvollendeten Stickerei eine wichtige Tatsache. »Gott weiß alles. Die Rückseite der Stickarbeit ist eine Wirrnis von durcheinander laufenden Fäden, aber die Vorderseite ist schön und glatt. Wir sehen in diesem irdischen Leben vor allem die Kehrseite, und sie ist wirklich verwirrend. Gott aber sieht immer auch seine Seite, und einst werden auch wir seine Seite sehen können, und dann werden wir ihm danken. Aber auch heute schon können wir sein Stickmuster in großen Zügen erkennen.« Denn er führt uns nach seinem guten Wort, das wir in Händen halten und an dem wir unser Leben ausrichten. (Lies Ps. 23, 1-6.)

Anfang

SAMSTAG, 18. FEBRUAR

PSALM 57, 7-12; 92, 2. 3

Wir befassten uns mit der Frage, wie in unseren Herzen nach viel Unruhe wieder Ruhe einkehren kann. Bei den Psalmbetern finden wir vor allem auch eine von Herzen kommende Dankbarkeit. Indem wir Gott loben, ihn anbeten und ihm danken, kehrt wieder Ruhe in unserer Seele ein. Psalm 57 ist ein Gebet, das David in schwieriger Zeit betete und niederschrieb, sein Herz war bereit, Gott zu singen und zu loben. Die Unzufriedenheit gedeiht besonders gut, wenn das Danken verstummt oder fehlt. Wir nehmen viel Gutes in unserem Leben so schnell als Selbstverständlichkeit oder betrachten es als etwas, das uns rechtmäßig zusteht. Dann besteht scheinbar keine Notwendigkeit, dankbar zu sein. Wie leicht entsteht dadurch eine überzogene Anspruchshaltung. Der Mensch wird unzufrieden, wenn er mit unerfüllten Wünschen leben muss. Wer sich aber im Danken übt, ist zufrieden. Die Dankbarkeit bindet uns fester an Gott selbst. »Es geht nicht darum, sich dankbar zu fühlen, sondern darum, darüber nachzudenken: Wofür habe ich Grund zu danken? Dankbarkeit lässt unabhängig werden von momentanen Stimmungen und Gefühlen der Unzufriedenheit, die oft aus der Sattheit und dem Reichtum kommen. Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat« (K. Scherer). (Lies 1. Thess. 5, 18; Ps. 100, 4; 107, 21. 22; Kol. 3, 15.) Gott tut uns so viel Gutes. Warum haben wir oft Mühe, das Schöne und Gute, mit dem er uns reich beschenkt, zu sehen? Der Herr zeigt uns seine Güte oft in den unscheinbaren Dingen des Alltags, dass wir sie oft übersehen. Wir dürfen ihn bitten: »Herr, öffne meine Augen, damit ich deine große Güte in den vielen tausend Kleinigkeiten meines Alltags entdecke.« Praxistipp: Notieren wir unsere Entdeckungen in ein Merkbuch. Das kann uns helfen, auch an dunklen Tagen Gottes Güte zu loben.

Anfang

SONNTAG, 19. FEBRUAR

PSALM 116, 7; 13, 6

Der Pfarrer und Liederdichter Ernst Gottlieb Woltersdorf besuchte eine kranke Frau, die mit dem Klagen nicht aufhören wollte. Er bat um ihr Gesangbuch und fragte: Kennen Sie das Lied: »Was Gott tut, das ist wohlgetan?« »Ja, das ist mir schon oft zum Trost geworden!«, antwortete die Frau. »So«, sagte er, »jetzt werde ich dieses Lied aus dem Buch herausreißen.« »Nein, das dürfen Sie nicht tun«, klagte die Kranke. »Und warum nicht? Sie glauben das ja doch nicht mehr, also heraus damit!« Die Frau bat und weinte. Das Blatt wurde nicht herausgerissen, denn das Gesagte hatte ihr zur Einsicht verholfen. Sie schämte sich ihrer Klagen, und dieses Lied wurde ihr zum besonderen Segen. Die Frau hatte Grund zum Klagen, und es wäre nicht recht, zu sagen, dass es für Christen keinen Grund zur Sorge und zur Klage gibt. Grund zur Klage hätte auch eine junge Frau gehabt, die vom zwanzigsten Lebensjahr an auf den Rollstuhl angewiesen war. Sie sagte einmal: Ich bin ganz in Schmerzen eingehüllt. Über 15 Jahre lang schrieb sie hilfreiche Briefe an dauerkranke junge Mädchen. In ihrem letzten Rundbrief heißt es: »Es ist einfach wunderbar, wie in den größten Notsituationen ein tiefes Getrostsein und echte Furchtlosigkeit wachsen kann angesichts der unbeantworteten Frage: Wie wird es denn weitergehen? Aber der Herr ist gut zu mir, ich vermag ihm über aller Not meines Lebens Recht zu geben. Der Entschluss, ihm uferlos zu vertrauen, lohnt sich hundertprozentig.« Als man ihr drei Tage vor ihrem Sterben die Tageslosung las: »Wie soll ich dir vergelten die Wohltaten, die du an mir tust?«, sagte sie: »Ja, ja, ja. Ich kann mich ganz in seine Hände fallen lassen.« (Lies Ps. 26, 3; 16, 6-11; 28, 6-9; 138, 1-3. 7. 8.)

Anfang

DER ENTSCHEIDENDE WUNSCH - PSALM 27

MONTAG, 20. FEBRUAR

PSALM 27, 1-14

Wie in den Psalmen 26 und 28, kommt auch in Psalm 27 die Sehnsucht Davids nach dem Ort der Anbetung Gottes besonders zum Ausdruck. Das könnte darauf hinweisen, dass ihm der Zugang dazu verwehrt war - zum Beispiel, als David sich auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom befand. Welch ergreifendes Bild bietet uns 2. Samuel 15, 13-16. 24-30! David schreibt in Psalm 27 von massiven Bedrohungen, die ihn in Angst und Schrecken versetzten. Er zeigt aber auch, wie er mitten in der Krise durch das Gespräch mit seinem Gott darin gewiss wurde, dass der Herr über seinem Leben wacht, dass er ihn zu bewahren und zu erretten vermag. Auf diesen Gott sind Davids Gedanken konzentriert gerichtet. Er spricht von seinem großen Herzenswunsch, im Haus des Herrn zu wohnen, dort, wo Gott persönlich gegenwärtig ist. »Eines habe ich vom Herrn erbeten, das hätte ich gerne: zu wohnen im Hause des Herrn mein Leben lang, zu schauen die Schönheit des Herrn und nach ihm zu forschen in seinem Tempel.« Das Bleiben in der Welt Gottes war für David die Quelle des Glaubens und der Standhaftigkeit. In der Gemeinschaft mit Gott zu leben, Gottes Gedanken zu denken, seinen Willen zu tun, ihm in Anbetung und Dank zu dienen, das war Davids tiefstes Verlangen. Dieses Bleiben im Hause des Herrn stillt auch unsere Sehnsucht und rüstet uns aus für den Kampf, den wir in unseren Tagen zu bestehen haben. Aus dem betenden Umgang mit Gott erwächst der Glaube, der sich über Sorgen und Ängste hinwegsetzen kann und der mit dem von Jesus erkämpften Sieg rechnet. (Lies Ps. 63, 1-12; 65, 5; 84, 2-6.)

Anfang

DIENSTAG, 21. FEBRUAR

PSALM 27, 1-14; 2.KORINTHER 4, 7-10

In Psalm 27 begegnen uns zwei unterschiedliche Abschnitte. Die erste Hälfte (V. 1-6) ist ein starkes Bekenntnis und ein mutiges Zeugnis davon, wie der Glaube an den lebendigen Gott von Menschenfurcht befreit. Die zweite Hälfte (V. 7-14) zeigt uns Davids von Furcht und Zittern erfülltes Herz in einer äußerst bedrängten Situation. Inständig und mit Nachdruck betet David zu dem Gott, der ihm in der Vergangenheit immer wieder geholfen hat. In dieses Spannungsfeld der erfahrenen Hilfe Gottes gestern und immer neuen Angriffen heute, die uns ängstigen und lähmen wollen, sind auch wir hineingestellt. Dann gilt es besonders, das Angesicht Gottes zu suchen und die schmale Spur des Glaubens zu gehen. Der Leitspruch des bekannten Pioniermissionars und Gründers der China-Inland-Mission (heute Überseeische Missionsgemeinschaft), Hudson Taylor, hieß: »Habt Glauben an Gott - rechnet fest mit der Treue Gottes.« (Lies Mark. 11, 22-24.) In den enormen Herausforderungen, denen er sich als Engländer bezüglich der chinesischen Kultur und Sprache stellen musste, in den Anfeindungen und Anfechtungen von ganz verschiedenen Seiten, in tiefem persönlichen Leid durch den Tod seiner Kinder und seiner geliebten Frau Maria, hielt er im Glauben an Gottes Treue fest. Sein Gebet lautete: »Führe du mich, Herr, und wenn ich zögre, sei mein Licht! Leuchte mir den Weg nach vorn! Nichts, mein Gott, kann mich deiner Hand entziehen. Du wirst mich führen, dafür danke ich dir. Führe du uns, Herr, und wenn wir fallen, hilf uns auf, nimm uns mit auf deinem Weg! Hilf uns, Herr, dass wir in Demut vor dir stehen. Gib du uns immer Kraft, deinen Weg zu gehen.« (Lies 2. Kor. 7, 5. 6; Ps. 56, 2-5. 10-12; 62, 1-13.)

Anfang

MITTWOCH, 22. FEBRUAR

PSALM 27, 1-14; SPRÜCHE 18, 10

Um einen tieferen Einblick in Psalm 27 zu bekommen, können wir die Verse unter bestimmten Gesichtspunkten anschauen: Vers 1: Mein Besitz Der Herr ist mein Licht, mein Heil, meines Lebens Kraft. Verse 2. 3: Meine Schwierigkeiten Übeltäter, Bedränger, Feinde, ein ganzes Heer. Vers 4: Mein Lebensentschluss Wohnen im Haus des Herrn - anschauen die Freundlichkeit des Herrn - still nachdenken in seinem Haus. Verse 5. 10: Meine Segnung Er birgt mich - er verbirgt mich - er erhöht mich - er nimmt mich auf. Verse 6. 8: Meine Beteiligung Lob opfern will ich - ich will singen und Lob sagen dem Herrn - dein Angesicht, Herr, suche ich. Verse 7. 9: Mein Schrei Herr, höre - sei mir gnädig - erhöre mich - lass mich nicht, verlass mich nicht! Verse 11. 12: Mein Gebet Lehre mich, Herr, deinen Weg, leite mich auf ebenem Pfade - gib mich nicht preis! Verse 13. 14: Mein Bekenntnis Ich glaube aber doch - harre auf den Herrn - sei stark - Herz, fasse Mut! Im Aufblick zu Gott rechnet David mit dem Beistand des allmächtigen Gottes. Praxistipp: Formulieren und notieren Sie mit Hilfe der Stichwort-Gliederung Ihr persönliches Gebet.

Anfang

DONNERSTAG, 23. FEBRUAR

PSALM 27, 1; 46, 1-12

»Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte ich erschrecken?« David stellt hier zwei Fragen: »Vor wem sollte ich mich fürchten? Vor wem sollte ich erschrecken? « Ohne lange überlegen zu müssen, könnten wir gewiss verschiedene Tatsachen, Ereignisse oder Zustände aufzählen, die uns erschrecken lassen: die angespannte wirtschaftliche Lage, die hohe Quote der Arbeitslosen, die demographische Entwicklung, Terroranschläge, die erschreckenden Nachrichten über die Situation an vielen Schulen, wo Gewalt an der Tagesordnung ist. Vielleicht fürchten wir uns aber auch vor dem, was aus unserem eigenen Herzen an Ungereimtem aufsteigt. Oder sind es die verletzenden Bemerkungen anderer, die uns zu schaffen machen, oder die Prüfung, deren Ergebnis über unsere Zukunft entscheidet, oder die Einsamkeit, die es auszuhalten gilt, oder eine aussichtslose Diagnose, mit der wir nicht fertig werden? Von David können wir lernen, wie wir mit Angst und Schrecken umgehen können: Er schaut den Herrn an und bekennt, wer Gott für ihn ist: »Der Herr ist mein Licht, der Herr ist mein Heil, er ist meine Kraft.« Johannes Calvin nennt Licht, Rettung und Stärke »den dreifachen Schild, den David seinen verschiedenen Befürchtungen entgegenhält«. Für David ist Gott so groß, so mächtig, dass die Ängste und das Grauen aus ihrer Verzerrung zurückschrumpfen auf ihr Millimetermaß gegenüber der überlegenen Größe Gottes. (Lies Ps. 93, 1-4; 118, 5. 6. 13. 14; 2. Mose 15, 2-6.)

H. Vogel

Anfang

FREITAG, 24. FEBRUAR

PSALM 27, 2-4; RÖMER 8, 31-37

»Wenn die Übeltäter an mich wollen, um mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, sollen sie selber straucheln und fallen. Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich mein Herz dennoch nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.« David zählt gleich drei Gefahren auf, denen er gegenübersteht. Aber er begegnet ihnen mit Gottvertrauen. Ein chinesischer Christ veranschaulichte einmal eindrücklich, wie Angst und Vertrauen als Rivalen in unserem Leben gegeneinander angehen: Angst und Vertrauen sind in uns wie ein schwarzer und ein weißer Hund, die miteinander kämpfen. Welcher Hund wird den Kampf gewinnen, fragte er seine Zuhörer, und gab selbst die Antwort: Es ist immer der, dem ich Futter gebe. Wir entziehen unserer Angst »das Futter«, wenn wir zu Jesus aufschauen, der uns versteht und der für uns betet, dass uns der Glaube nicht ausgeht (Luk. 22, 32). Hilfreich ist auch, wenn wir an die wunderbaren Taten und an die bisher erfahrene Treue Gottes denken und es nicht vergessen, wie gut uns der Herr geführt hat. (Lies Ps. 103, 1-5; 5.Mose 4, 9.) David verlässt sich auf seinen Gott. Die fraglose Überlegenheit Gottes ermutigt ihn, der Furcht den Rücken zu zeigen. »Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein?« »Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich rings um mich lagern! Auf, Herr, und hilf mir, mein Gott. Denn du schlägst meine Feinde . . . Bei dem Herrn findet man Hilfe« (Ps. 3, 7-9; lies Jes. 41, 11-13; 54, 14-17). Die Kraftquelle für solch standhaftes Festhalten am Herrn in den Auseinandersetzungen liegt für David und für uns darin, »im Haus des Herrn zu bleiben«. In der Verbundenheit mit Gott haben wir teil an der unschlagbaren Überlegenheit des Herrn und können so dem Feind widerstehen (Ps. 91, 1-9; Röm. 16, 20; Luk. 10, 19).

Anfang

SAMSTAG, 25. FEBRUAR

PSALM 27, 4; 26, 8

»Um eines habe ich den Herrn gebeten, das ist alles, was ich will: Solange ich lebe, möchte ich im Hause des Herrn bleiben. Dort will ich erfahren, wie gut der Herr es mit mir meint, still nachdenken im heiligen Zelt.« David bittet nicht um die Vernichtung seiner Feinde. Für ihn ist viel wichtiger, »zu wohnen im Haus des Herrn«. Er will dort sein, wo sein Herr ist. In der Gegenwart Gottes zu leben übertrifft alles, was er sich denken und erbitten kann. David könnte auch sagen: Herr, du kannst mir alles ausschlagen, aber diese eine Bitte gewähre mir. In Psalm 23, 6 spricht er noch einmal von diesem tiefen Verlangen. Die persönliche Gemeinschaft mit Gott geht David über alles. In ihr findet er Halt und Hilfe. Dort sieht er weiter und tiefer, so wie Jahre später der Prophet Elisa seinem erschrockenen und ängstlichen Diener angesichts der feindlichen Übermacht sagen konnte: »Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind.« (Lies 2. Kön. 6, 8-23.) Leben in der Gegenwart Gottes öffnet uns immer wieder neue Perspektiven. Es ist der Ort, wo wir in seinem Schutz tiefe Geborgenheit in kritischen und unüberschaubaren Situationen erfahren. Es ist der Ort, wo uns stürmisch brausende Wellen nichts anhaben können. Dort ist der Ort, an dem wir Befreiung von Schuld erfahren und ein Neuanfang möglich ist. Es ist der Ort, wo wir mit einem neuen Lied im Herzen und auf den Lippen Gott loben und anbeten können. Bleiben im Hause des Herrn geschieht durch den betenden Umgang mit Gott. »Sorget euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden« (Phil. 4, 6; lies Kol. 4, 2; Jer. 33, 3).

Anfang

SONNTAG, 26. FEBRUAR

PSALM 27, 5. 6; 32, 6. 7

»Er birgt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er verbirgt mich im Verborgenen seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.« Tiefe Geborgenheit, umfassende Sicherheit und ein fester Standort bei Gott sind David in verhängnisvoller Zeit zum Trost geworden. »Wie ein Fremder in eine gastliche Hütte einkehrt, wie ein Flüchtling sich beschirmt weiß im Zelt des Mannes, unter dessen Schutz er sich stellt, so steht David in Gottes Zelt unter dem persönlichen Schutz des Allmächtigen« (H. Lamparter). Und doch gab es Phasen im Leben Davids, in denen sich die Angst wieder zu Wort meldete. Ganz ähnliche Erfahrungen notierte der Chinamissionar Friedrich Traub in seinem Tagebuch: »In der vergangenen Woche schien mir der Herr oft so fern zu sein. Ich glaubte, ich müsste ihn durch meine Gebete vom Himmel herabziehen. Es ging mir wie Maria: Sie haben meinen Herrn weggetragen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da kam mir eines Morgens plötzlich der Gedanke: Was suchst du den Herrn in weiter Ferne? Halte im Glauben fest, dass er bei dir ist. Das half mir in meiner Not. Hatte er nicht gesagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende? Ich glaube, viele Kinder Gottes begehen den gleichen Fehler wie ich. Sie meinen, dem Herrn durch ihr Kämpfen und Ringen näher zu kommen, anstatt zu glauben, dass er ihnen ganz nahe ist und sie sich in seinen Armen geborgen wissen dürfen.« (Lies Ps. 145, 18-21.) »So will ich in seinem Zelt Lob opfern, ich will singen und Lob sagen dem Herrn.« So - unter diesen Umständen, an der Seite Gottes, bleibt David dabei, Gott anzubeten und ihm die Ehre zu geben. (Lies Ps. 95, 1-7a; 100, 4. 5; 138, 4-8.)

Anfang

MONTAG, 27. FEBRUAR

PSALM 27, 7-14; 130, 1. 2

In der zweiten Hälfte von Psalm 27 erleben wir mit, wie David in seiner großen Not zu Gott schreit: »Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe.« Ganz bewusst wandte sich David seinem Gott zu. Es gab für ihn nichts Wichtigeres, als in der Gegenwart Gottes zu leben. Der Beter bezeugt die nicht zu überbietende Bedeutung der Gemeinschaft mit Gott für sein Leben. Bei dem Herrn fand er Schutz und Geborgenheit in schwierigen Zeiten, sodass er diesen wunderbaren Gott anbetet. Dann aber schüttet David die tiefe Not seines Herzens vor Gott aus. Da Gott »ein Gott rettender Taten« ist, wendet er sich mit Nachdruck an ihn. Das ist wohl das einzig Richtige und Effektive, mit allem, was uns bewegt, vor den Herrn zu treten, vor ihm unser Herz auszuschütten und bei ihm alles Belastende abzuladen. Zu ihm kommen wir nie vergeblich. Er hört uns zu, und er greift dann ein, wenn er den Zeitpunkt als gekommen ansieht. Er entlastet uns aber auch an den Stellen, wo die Situation unverändert schwer ist, durch die Gewissheit, dass er uns nicht allein lässt mit unserer Last. »Tag für Tag trägt er unsere Lasten.« (Lies Ps. 68, 20. 21; 1. Kor. 10, 13.) »Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Angesicht suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.« David beruft sich mit diesen Worten darauf, dass Gott selbst ihn aufforderte, dass er es sogar geboten hatte, ihn zu suchen. Auch wir können mit David sprechen: »Herr, ich suche dein Angesicht.« Dann werden wir die Zusage von Jesus ganz praktisch erfahren: »Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan.« (Lies Luk. 11, 1-13; 18, 1-8.)

Anfang

DIENSTAG, 28. FEBRUAR

PSALM 27, 9. 10; JESAJA 59, 1. 2

»Verbirg dein Angesicht nicht vor mir . . . im Zorn.« David weiß aus der Geschichte Israels, wie Gott sich wegen des Ungehorsams in seinem Volk von ihm zurückzog und zu Mose sagte: »Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und ich sie vertilge.« Mose zog alle Register, um Gott von seinem Vorhaben abzuhalten. Er fleht ihn an, es um seiner selbst willen und um der heidnischen Völker willen nicht zu tun. Er erinnert Gott an den Bund, den er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hatte, und an die Verheißungen, die er ihnen gab. (Lies 2. Mose 32, 7-14.) Auch Paulus spricht davon, wie Gottes Zorn sich zeigt »über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten«. Es ist erschütternd, wie Paulus das Leben der Menschen beschreibt, die sich von Gott abwenden. Sind seine Worte nicht auch ein Spiegelbild unserer Tage? »Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht . . . Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben.« (Lies Röm. 1, 18-32.) In seinem Zorn verstößt Gott den Menschen aus seiner Gegenwart. Pastor Wilhelm Busch sagte: »Ich habe aus diesem Text gelernt, was Hölle ist. Hölle ist, dass man in Ewigkeit unter dem Zorn Gottes bleibt. Ich weiß nicht, wie die Hölle aussieht, aber das weiß ich: Man ist weggeworfen, preisgegeben - ohne Gott.« Noch ist Umkehr zu Gott möglich! Dazu Hebräer 3, 7-14.

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang