Samstag,1.Februar Philipper 4,1-3; Kolosser 3,13.
Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn. Wo die Einheit untergraben wird, ist die Gemeinde bedroht. Einheit heißt nicht, dass es keine Meinungsverschiedenheiten geben darf. Doch wenn jemand dominierend seine Meinung vertritt und dem andern nicht mit Achtung und Wertschätzung entgegenkommt, kommt es leicht zu unguten Auseinandersetzungen. Paulus greift hier in seelsorgerlicher Weise sehr behutsam und doch unmissverständlich in den Streit ein. Euer Streit ist ernst, aber ich weiß etwas, das ist noch ernster als euer Zwiespalt: Gott und seine Sache ist ernster als euer Zwiespalt! Gott, zu dem ihr beide gehört. Gott, dessen Frieden ihr beide nötig habt! Gott, von dessen Barmherzigkeit ihr beide lebt. Denkt doch daran, besinnt euch auf das eine, das euch in dem Herrn gegeben ist, dann werdet ihr den Weg zueinander finden (E. Thurneysen). (Lies Röm.12,9. 16.18.21.) Seid eines Sinnes in dem Herrn! Je intensiver wir in der Gemeinschaft mit Jesus leben und sein Wort ernst nehmen, umso näher kommen wir auch dem andern. Je mehr wir uns in unseren Überlegungen von Jesus leiten lassen, umso leichter wird uns Einigkeit gelingen. Wir dürfen nie vergessen, dass ein zwischenmenschlicher Konflikt ein starkes Werkzeug in den Händen des Widersachers ist. Streit und Unfriede reißen auseinander. Versöhnung erspart uns viel Kummer und Herzeleid. Wir alle leben davon, dass wir in der Familie, unter Kollegen und in der Gemeinde immer wieder bereit sind, einander zu vergeben und neu miteinander anzufangen. Schieben wir die Versöhnung nicht auf die lange Bank, denn versäumst du den Funken zu löschen, wirst du der Flammen nicht Herr! (Lies Eph.4,26.27.31.32; 1.Kor.1,10.)
Sonntag,2.Februar Philipper 4,1-3; Römer 15,1.2.
Seid eines Sinnes! Beachten wir, dass Paulus Evodia und Syntyche in gleicher Weise ermahnt. Wie schnell schieben wir die Schuld an der verfahrenen Situation dem andern zu und denken laut oder leise: Ja, wenn der nicht so wäre, dann...! Glauben wir wirklich, dass nur der andere Schuld hat? Sind wir bereit, um Verzeihung zu bitten für das rasche, verletzende Wort, das über unsere Lippen kam? Führte nicht vielleicht mein Eigenwille oder mein Stolz zur Entfremdung und schließlich zur Trennung? Hätte ich nicht viel mehr mit Jesus über diese Sache reden müssen, statt im Karussell meiner Gedanken mein Recht immer fester zu zementieren? Meinen wir wirklich, wir könnten uns freisprechen? Paulus ermahnt beide. Für beide ist es wichtig, mit einem Bitte, verzeih mir aufeinander zuzugehen. Wagen wir doch den Schritt zur Versöhnung! Wer weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt! (Lies Matth.5,23.24; 6,12.14.15; Luk.17,4.) Paulus weiß, wie schwer solch ein Schritt sein kann. Deshalb spricht er einen bestimmten Bruder aus der Gemeinde an, ohne seinen Namen zu nennen: Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, steh ihnen bei! Wie kann das Beistehen aussehen, wenn Christen untereinander uneins sind und verschiedene Gruppen gegeneinander stehen? Beistehen ist keine leichte Aufgabe. Es ist gut, dass wir die Not zuerst im Gebet vor Gott ausbreiten können. Dabei kann er den notwendigen Durchblick schenken und durch seinen Heiligen Geist an den Herzen der Menschen wirken, die aneinander oder auseinander geraten sind. (Lies Kol.2,1.2.) Besonders wichtig ist es, dass wir beide Standpunkte hören, Stolperstellen beleuchten und zu der Erkenntnis helfen, dass Recht haben und Recht behalten wollen nicht zur inneren Heilung beiträgt, sondern nur die gegenseitige Vergebung. Paulus vertraute darauf, dass die Christen in Philippi einander zurechthalfen. (Lies Gal.6,1; Hebr.3,12.13; 10,24.)
Montag,3.Februar Philipper 4,4; Nehemia 8,10.
Paulus vertraute Evodia und Syntyche dem seelsorgerlichen Beistand seines treuen Gefährten an. Danach kehrt er zu dem Thema zurück, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Philipperbrief zieht: Freuet euch in dem Herrn allewege. Damit nimmt er gleichsam einen dicken roten Pinsel, mit dem er die Aufforderung wiederholt: Und abermals sage ich euch, freuet euch! Kann man Freude einfach befehlen - dazu noch: allezeit, allewege? Auf wie vielen Wegen sind wir täglich unterwegs. Es sind Wege zu unserem Arbeitsplatz, zur Schule oder zur Uni. Wege zu Sitzungen, zu Patienten oder zum Einkauf. Wege, die wir mit Leichtigkeit gehen, und Wege, die steil und beschwerlich sind. Freuet euch auf allen Wegen! Ist das möglich? (Lies Ps.40,17; 16,11.) In manchen Übersetzungen heißt es auch: Freuet euch allezeit! Allezeit - immer! Das umschreibt einen unbegrenzten Zeitraum. Morgens, schon beim Aufstehen, werden wir aufgefordert, uns zu freuen, und wenn der arbeitsreiche oder auch der unendlich lange Tag zu Ende geht, gilt es immer noch, sich zu freuen. Manchmal fragen wir uns, wie Paulus solch eine Aufforderung aus seiner Gefängniszelle schreiben konnte, obgleich er nicht wusste, wie sein Prozess enden würde. Das Rezept zur Freude ist uns von Jesus selbst gegeben worden. Unmittelbar bevor er verraten wurde sprach er mit seinen Jüngern und versicherte ihnen, dass sie Freude erleben werden trotz der Trauer, die ihnen in Kürze bevorstand. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde! Wenn seine Worte in ihnen wohnen und ihre Gedanken mehr beeinflussen als die Umstände, dann werden sie Freude erleben (S. Ferguson). Asaf sagt es so: Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn (Ps.73,28; lies Joh. 15,7.9-11; Röm.15,13; Phil.1,12-18).
Dienstag,4.Februar Philipper 4,4-7; Psalm 97,11.
Freuet euch in dem Herrn allezeit, allewege! Von Martin Luther, der die Freude den Doktorhut des Glaubens nannte, wird erzählt, dass ihn eines Tages tiefe Schwermut befiel. Er konnte nicht mehr arbeiten, nicht essen, nicht beten. Stumpfsinnig brütete er unter dem Schatten der Traurigkeit vor sich hin. Seine Frau Käthe machte sich ernste Sorgen, denn für gewöhnlich lachte er über ihren Sorgengeist. Nun wusste sie keinen Rat. Da versuchte sie ein Letztes: Kurz entschlossen zog sie schwarze Kleider an und klopfte an die Tür des Arbeitszimmers. Erschrocken sah Luther auf, als seine Frau in Trauerkleidung eintrat. Wer ist gestorben? fragte er ängstlich. Seine Frau antwortete: Gott ist gestorben! Wenn du nicht arbeitest, betest, sprichst, singst, dann ist Gott tot und ohne Macht! - Die Worte trafen ihn wie ein Blitz. Die Anfechtung der Mutlosigkeit hatte ihn weit von Gott fortgetrieben. Er erkannte seine Situation und rief: Vivit - er lebt! Zum Verzweifeln war kein Grund. Jesus ist und bleibt Sieger! - Leben wir nicht manchmal auch so, als sei er tot? Wie bei Martin Luther die Sonne des Vertrauens die dunkle Nebelwand von Verzweiflung und Trauer durchbrach, so muss jede Schwermut und Verzagtheit weichen vor dem Sieg unseres Herrn Jesus und vor der lebendigen Hoffnung, die wir durch ihn haben. (Lies Ps.119,161.162; Zef.3,14.15.) Gott verliert keinen von uns aus den Augen. Er sorgt dafür, dass wir uns freuen können. Schon durch den Propheten Jesaja ließ er seinem Volk sagen: Ich will Jerusalem einen Freudenboten senden (Jes.41,27; 52,7). Jesus ist der große Freudenbote Gottes. Er kam in die Welt, um uns von der dunklen Macht der Sünde und aus den Bindungen der Schuld zu befreien. Wenn wir ihn in unser Leben aufnehmen und im Vertrauen unseren Weg mit ihm gehen, wird es hell. (Lies Luk.19,1-10; Apg.8,26-39.)
Mittwoch,5.Februar Philipper 4,4-7; Psalm 5,12.13.
Freuet euch in dem Herrn allewege! Es wäre für uns ein hoffnungsloses Unterfangen, auf allen Wegen und zu jeder Zeit fröhlich zu sein, wenn Paulus dem Befehl nicht die Worte beigefügt hätte in dem Herrn. Von Natur aus neigen wir meistens zu einer anderen Gemütsverfassung. Manchmal weiß man gar nicht, warum man schon am Morgen ängstlich, niedergeschlagen oder entmutigt ist. Der Feind Gottes ist auch der Feind der Kinder Gottes, und er versucht auf vielfache Weise uns aus der Gemeinschaft mit Jesus herauszulocken, uns die fröhliche Gelassenheit und das zuversichtliche Gottvertrauen zu rauben. Doch gerade weil wir aus uns selber nicht die Kraft besitzen, allezeit und auf allen Wegen fröhlich zu sein, wiederholt Paulus seine Aufforderung: Freuet euch in dem Herrn! Werner de Boor schrieb an Frau Emmi Busch, nachdem ihr Mann, Pastor Wilhelm Busch, unerwartet auf einer Dienstreise verstarb: Wir erbitten es für Sie, dass der Reichtum an Freude und Schmerz Sie in Ihren Aufgaben sehr segnet und Sie zubereitet für das, was an Herrlichkeit vor Ihnen liegt. Freilich, dann ist es bei Ihnen so, wie es Paulus aus einem anderen Grund von sich selber sagt: ... dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. Wie gut, dass es so sein darf und nicht unchristlich ist! Der Schmerz hat als die andere Seite der tiefen Freude sein volles Recht, das ihm niemand nehmen soll. Aber das hindert nicht das Freuet euch in dem Herrn allewege! Und noch einmal sage ich, freuet euch, das der gleiche Paulus schrieb. Er fasst es selber so zusammen: Als die Traurigen, aber allezeit fröhlich. Die Freude am Herrn und menschliche Traurigkeit haben nebeneinander ihren Platz. (Lies Joh.16,22; 2.Kor.6,10; 7,4.)
Donnerstag,6.Februar Philipper 4,4.5; Psalm 145,18.
Nachdem Paulus die Philipper zur Freude aufgerufen hatte, ging er mit ihnen einen Schritt weiter und ermutigte sie, so zu leben, dass die Auswirkungen dieser Freude in ihrer Umgebung spürbar würden. Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Funke der Freude kann durch Freundlichkeit zu anderen Menschen überspringen. Wir ahnen gar nicht, was eine den Menschen zugewandte Haltung bewirken kann, sei es nur ein mutmachendes Wort, eine kleine Aufmerksamkeit, ein unerwarteter Anruf, ein Fax oder ein Brief. Ein gütiger Blick kann lähmende Angst und bohrende Sorgen vertreiben und den Bedrängten oder Besorgten wieder froh machen. Güte und Barmherzigkeit können aus unseren Worten sprechen und unserem Gegenüber neue Zuversicht vermitteln. Das Wissen, dass der Herr nahe ist, kann den Funken der Freude in uns brennend erhalten. Wir vergessen es leicht, dass Jesus uns seine Gegenwart zugesagt hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Dabei spart er die dunklen und trüben Tage in unserem Leben nicht aus. Gerade dann, wenn wir denken, wir seien allein, ist er uns besonders nahe. David sagt in Psalm 23: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (Lies Ps.16,8.9; 17,8; 61,5.) Als die Emmausjünger traurig und enttäuscht auf dem Heimweg von Jerusalem waren, nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Er hörte sich ihren Kummer an, aber dann zeigte er ihnen, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt ist, und setzte damit der Not ein Ende. Als Jesus sie verlassen hatte, staunten sie: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete? Jesus ist auch heute bei uns, um uns mit seinem klärenden Wort zu helfen. Auf dem Weg der Nachfolge lässt er keinen allein. (Lies Luk.24,13-35; Ps.119,105.)
Freitag,7.Februar Philipper 4,4.5; Matthäus 24,1-44.
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Wenn im Neuen Testament von der Nähe des Herrn Jesus die Rede ist, geschieht das immer in einem doppelten Sinn. Auf der einen Seite ist es seine unsichtbare, gegenwärtige Nähe, die er noch vor seinem Abschied seinen Jüngern gegenüber betonte: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Auf der anderen Seite weist uns dieser kurze Satz auf die Wiederkunft Jesu hin. Paulus rechnete damit, dass sein Wiederkommen nicht in ferner, unbestimmter Zukunft lag, sondern dass er jeden Augenblick wiederkommen konnte. (Lies 1.Thess.4,13-17; 5,1-6; Phil. 3,20.21.) Seid bereit! Der Herr ist nahe! An einem Beispiel können wir uns das Nahesein von Jesus klarmachen: Es hatte zur Unterrichtsstunde geschellt, die Schüler sind in der Klasse, der Lehrer redet noch mit dem Direktor. Gleich muss er hereinkommen. Wann ist gleich? Keiner weiß es. Und doch muss man jeden Augenblick damit rechnen, er ist ja schon nahe. So geht es Christen mit ihrem Herrn. Mit der Auferstehung Jesu hat es zur Ewigkeit geschellt. Jeden Moment kann er in unsere Welt eintreten (J.Blunck). (Lies 1.Kor.15,20-23; Kol.3,4; Luk.12,35-40.) Welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Kann Paulus uns mit seinen Worten aufrütteln, alles in Ordnung zu bringen, was wie ein Schatten zwischen uns und Jesus oder zwischen uns und einem anderen Menschen steht? Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt. Der Herr ist nahe! Der Herr erfülle euch mit überquellender Liebe zueinander und zu allen Menschen. Er mache eure Herzen fest in tadelloser Heiligkeit vor unserem Gott und Vater im Blick auf das Kommen unseres Herrn Jesus Christus." (Lies 1.Thess.3,12.13; 1.Kor.1,4-9.)
Samstag,8.Februar Markus 6,45-51; Psalm 40,18.
Der Chefarzt eines Sanatoriums schreibt: In meinem Sprechzimmer hängt ein Wandbild aus Holz. Meine Mutter hat es mir vor vielen Jahren geschenkt. Sie hat darauf den Bibelvers aus dem Markusevangelium eingebrannt: Er sah, dass sie Not litten. Häufig erlebe ich, dass der Blick eines Patienten an diesem Vers hängen bleibt. Dieser kleine Spruch hat nicht selten eine Brückenfunktion für mich und meine Patienten. Er weist auf Jesus Christus hin. Weil Jesus uns kennt, weiß er auch, was jeder von uns wirklich nötig hat. Ich bin froh, dass ich die Hilfe Jesu selbst immer wieder erfahre. Er ist treu und zuverlässig, und wer sich im Gebet an ihn wendet, wird niemals abgewiesen. Ich bin froh, dass ich in dieser Gewissheit den Anforderungen meines Alltags als Arzt begegnen kann. (Lies Matth.28,20b; Ps.28,7; 138,3.6-8.) Die Bibel spricht immer wieder vom Sehen Gottes. Mit drei Aussagen dazu wollen wir uns beschäftigen. Die erste Aussage:
Der Herr sah das Elend seines Volkes: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, ich habe ihr Geschrei und ihr Leiden erkannt und bin herniedergefahren, dass ich sie errette. (Lies 2.Mose 3,7-10.) Gott sah sein unterdrücktes und geknechtetes Volk, und er erbarmte sich über sie. Die Macht Gottes übertrifft die Macht der mächtigsten Herrscher. Gott allein ist mächtig (Ps.62,12). Was Gott einst für sein Volk Israel tat, das tut er heute für jeden, der Not leidet und sich im Elend befindet. Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen? Siehe, des Herrn Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. (Lies Ps.50,15; 91,15.16; 106,42-45a.)
Sonntag,9.Februar 2.Mose 3,7; Römer 6,17.18.
Der Herr sieht das Elend seines Volkes. Gibt es ein größeres Elend als ein Leben in der Knechtschaft? Menschlich gesehen nicht, wohl aber aus der göttlichen Perspektive. Das Elend, in das jeder Mensch hineingeboren wird, ist das größte Elend. Auch dieses Elend der gesamten Menschheit hat Gott gesehen, sich darüber erbarmt und seinen Sohn gesandt. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh.3,16; lies Röm.5,18; 10,12.13; Tit.2,11). Gottes Liebe umfasst alle Menschen aller Zeiten. Darum gibt es Rettung für alle Menschen. Aber wissen es auch alle, die sich nach Errettung sehnen? Wer seine Rettungsbedürftigkeit erkennt und Jesus als Retter anruft, der wird errettet werden. Was zu unserer Rettung vom ewigen Tod erforderlich war, das tat Jesus, als er am Kreuz für unsere Sünden starb. Wie du bist, so darfst du kommen und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und sein heilig Wort verspricht dir Vergebung, Heil und Segen... (Ph.Spitta). Kein Mensch muss unter der Knechtschaft der Sünde bleiben, und niemand muss nach diesem Leben ewig die Verlorenheit in der Gottesferne erleben. Jesus sagt von denen, die an ihn glauben: Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen (Joh.10,28; lies Röm.6,22.23; 1.Joh.2,25). Als Gerettete sind wir beauftragt, dieses Rettungsangebot den Menschen weiterzusagen, die noch unter der Knechtschaft der Sünde leben und leiden. Für die, die ihr Sündenelend nicht empfinden, wollen wir beten, dass sie es sehen und sich nach Rettung ausstrecken, denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim.2,4; lies 2.Petr.3,9).
Montag,10.Februar Jesaja 66,2; 57,15.
Gottes Aussage ist eindeutig: Ich sehe auf den Elenden. Aus dem Textzusammenhang ist zu erkennen, dass der Herr sich des persönlichen Elends annimmt, d.h. des Elends dessen, der um seine innere Armut weiß und nichts vorweisen kann, sondern ganz und gar auf den Herrn angewiesen ist. Der Herr übersieht ihn nicht. Wohl dem, der demütig genug ist und den Mut findet zu sagen: Nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du. Der kann mit dem Apostel Paulus die Zusage des Herrn für sich nehmen: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2.Kor.12,9). Unsere Schwäche und unser Elend sind dem Herrn kein Hindernis, uns zu beschenken und uns für sich brauchbar zu machen. Wir wollen unsere Bedürftigkeit bewusst annehmen, uns aber nicht ununterbrochen damit beschäftigen, damit wir nicht verzagen. Wir sollten vielmehr auf den Herrn schauen, der auf den Bedürftigen und Elenden sieht und sich ihm zuneigt. Unser Nicht-Können macht Raum für das Können des Herrn Jesus. Unser Kleinsein lässt seine Größe deutlich werden. Wenn wir mit seiner Macht rechnen, können wir mit Paulus sagen: Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus (Phil.4,13; lies Jes.40,26b.31; 2.Kor.9,8; 4,7). Nach den Maßstäben der Welt ist Stärke entscheidend wichtig, aber Gottes Maßstäbe sind andere. Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache, und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist (1.Kor.1,27). Niemand braucht sich seiner Schwachheit und des Unvermögens zu schämen, wenn er mit dem Blick auf unseren großen Herrn lebt und alles von ihm erwartet. Mein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus (Phil.4,19).
Dienstag,11.Februar Lukas 19,41-44; Matthäus 23,37.
Jesus sah das Elend der Menschen in Jerusalem. Er weinte, als er die innere Blindheit bei den Menschen in der Stadt sah. Wenn doch auch du erkenntest, was zu deinem Frieden dient! Jesus wusste, dass für Jerusalem eine schlimme Zeit bevorstand. Es war eine Folge ihrer Verblendung. (Lies Luk.21,5.6.) Das ist bis heute das Elend vieler Menschen, dass sie blind sind für Jesus, der Gottes Gabe für uns ist, der kam, um uns vor dem ewigen Tod zu retten. Viele Menschen denken und reden wie der Mann, dem Pastor Wilhelm Busch einmal begegnete: Mit Golgatha kann ich nichts anfangen! Kommen Sie mir bitte nicht mit Sünde! Sollte Ihr Gott das wirklich ernst nehmen? Pastor Busch wusste, dass sein Gegenüber Gerichtsoffizier gewesen war, darum fragte er ihn: Haben Sie alle Menschen, die Sie vor sich hatten, nur mit einem Anpfiff weggeschickt? Na, wenn einer die Gesetze übertreten hatte, wurde er natürlich verurteilt, das ist doch klar. Warum ist das klar? Weil es ein Recht gibt, und wer das verletzt, wird verurteilt. Bei Gott gibt es auch ein Recht. Recht bleibt Recht. Und wer die Zehn Gebote einmal übertreten hat, der wird verurteilt. Gott ist gerecht! Sie gehen also Ihrer Verurteilung bei Gott entgegen. Der andere lachte nervös und fragte: Und Sie? Ich habe meine Verurteilung schon hinter mir. Zum Tode verurteilt. Ich habe das Urteil angenommen und anerkannt. Das konnte ich, weil ein Bürge da war, der die Todesstrafe für mich trug. Ein Bürge? Wer war das? Jesus, auf Golgatha! Entweder erkennen auch Sie Gottes Todesurteil an und halten sich an diesen Bürgen, oder ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken. Ob der Mann erkannte, was zu seinem Frieden und zu seiner Rettung diente? Sehend werden bedeutet, Jesus als Retter zu erkennen. (Lies 1.Tim.2,5.6a; Hebr.9,13-15; Kol.1,22; 1.Petr.3,18.)
Mittwoch,12.Februar 1.Samuel 16,7; 2.Chronika 16,9.
Eine zweite Aussage über das Sehen des Herrn: Er sieht ins Herz der Menschen. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an. Das kann kein Mensch, einem anderen ins Herz sehen, und das ist gut, denn wir wären meist überfordert, recht umzugehen mit dem, was wir sehen würden. Aber der Herr sieht ins Herz. Er sieht bis auf den Grund, bis dahin, wo wir nicht einmal bei uns selber hinsehen können. Jesus konnte die Gedanken der Menschen sehen, er wusste, was sie über ihn dachten. (Lies Mark. 2,8; Luk.6,8; Joh.2,25): David beginnt den 139.Psalm mit den Worten: Herr, du erforschest mich und kennest mich. Am Ende des Psalmes bittet er: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne, wie ich es meine. (Lies Ps.139,1.2.23.24.) Darf der Herr uns zeigen, was er in unserem Herzen findet und was wir vielleicht noch gar nicht entdeckt haben oder nicht entdecken wollten? Er will sein Wort als Spiegel benützen. In einem früheren Bibellesezettel lesen wir: Müssen wir uns nicht manchmal sagen: Du bist deinem Spiegel gegenüber nicht so oberflächlich und vergesslich, wie du es dem göttlichen Wort gegenüber bist? Zeigt der Spiegel dir einen Flecken oder Schaden, so beseitigst du ihn sofort. Aber wie oft hast du dich von Gottes Wort getroffen gefühlt und bist darüber weggegangen. Heute will Gottes Wort uns ein Spiegel sein und uns helfen, uns zu reinigen. Wie gut, dass wir uns vor dem Herrn nicht verstecken müssen. Wir dürfen mit ihm reden und alles, was falsch war, dürfen wir ihm bekennen und Vergebung empfangen. Weil er in unser Herz sieht, sieht er auch alles echte Wollen. Er kommt uns mit seiner Gnade entgegen, mit seiner Ermutigung, dass wir mit seinem Vollbringen in uns rechnen können. (Lies Ps.138,8; Phil.1,6.)
Donnerstag,13.Februar Jesaja 57,18.19; Psalm 139,1-12.
Gott sieht unser ganzes Leben. Das zeigt das Wort: Ihre Wege habe ich gesehen. Alle Wege, die wir bisher gegangen sind, hat er gesehen, auch die, von denen wir dachten, dass niemand sie sah. Ruft dieses Wissen Angst in uns hervor oder tröstet es uns? Auf jeden Fall kennt er die Wege, die wir heute gehen. Und er sieht schon die Wege, die uns noch verborgen sind. Sein Sehen geschieht aus Liebe. Darum können wir nichts Besseres tun, als über alle unsere Wege mit ihm reden, wie David es tat. Wir lesen es in Psalm 139,16: Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten. Der englische Prediger Spurgeon schreibt dazu: Das Sehen des Herrn ist ein sehr aufmerksames, mit einer bestimmten Absicht verbundenes und wirksames Sehen. Er kennt uns nicht vom Hörensagen, sondern persönlich, aus eigener Anschauung. Als ich noch gar nicht zur Welt gekommen war, da war meine ganze Lebensgeschichte ihm schon bekannt mit allen Einzelheiten jeden Tages. Dass Jesus uns sieht und kennt, zeigen auch zwei Beispiele im Johannesevangelium: Nachdem Andreas Jesus zum ersten Mal erlebt hatte, ging er zu seinem Bruder Simon und führte ihn zu Jesus. Wie wird Simon gestaunt haben als Jesus zu ihm sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen. Jesus kannte Simon längst, ehe dieser ihm begegnete. Dies wird auch bestätigt durch die Worte, die Jesus zu Nathanael sagte. Der hatte große Vorbehalte, als Philippus ihn einlud, mit zu Jesus zu gehen. Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Als er aber vor Jesus stand, überraschte es ihn, dass Jesus ihn bereits kannte: Woher kennst du mich? Jesus antwortete: Bevor Philippus dich rief, sah ich dich (Joh.1,40-49). Gottes Blick ruht an jedem Ort und zu jeder Zeit auf uns, auch heute! (Lies Ps.11,4; 33,13.14; Hiob 34,21.)
Freitag,14.Februar Psalm 33, 18; 101,6.
Hat es uns nicht zutiefst erfreut, dass Gott, der Herr, den Elenden sieht, dass er ins Herz sieht und dass er unser ganzes Leben übersieht? Eine weitere Freude kann uns bewegen, wenn Gott sagt: Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande. Das heißt doch, dass er alle inneren und äußeren Kämpfe wahrnimmt. Dem Herrn treu zu sein kostet viel, bedeutet oft Kampf und Überwindung. Anpassung und Untreue wäre oft das Leichtere. Der Herr weiß darum, und es ist ihm kostbar, wenn wir unter allen Umständen und trotz aller Widerstände bei ihm bleiben. Die Bibel spricht deutlich davon, dass der Glaubensweg wie in einer Kampfbahn verläuft und dass das Ziel nur mit Aufbietung aller Kräfte erreicht wird. (Lies 1.Kor.9,24.25; 1.Tim.1,18; 6,12; 2.Tim.4,7.) Es war im Herbst des Jahres 67 n.Chr. In einem armseligen Gefängnis in Rom schreibt Paulus seinen letzten Brief. Er schreibt ihn an Timotheus. Paulus weiß, dass seine Hinrichtung bevorsteht, und in diesem Wissen schreibt er: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe Glauben gehalten. Unsere Situation ist ganz anders. Aber auch bei uns, bei jedem Jünger Jesu, geht es um dieselbe Sache, um eben diesen guten Kampf. Die Welt ist voll böser Kämpfe, wirklich gut ist nur der eine Kampf, der, in den unser Herr uns stellt. Aber er stellt uns hinein mit der besten Ausrüstung, wir haben die Waffen des Lichtes. (Lies Eph.6,10-18.) Manchmal sind wir kampfesmüde. Manchmal wird uns bange vor den unheimlichen Widerständen. Dann dürfen wir wissen: Der in uns ist, ist größer als der, der in der Welt ist (1.Joh.4,4). Der immer Größere lässt seine Leute nie allein. Wer ihm das glaubt, kann mutig vorwärtsgehen (K.Schäfer). (Vgl.2.Chron.32,7.8; lies Ps.17,8.9; 18,7.17-20.)
Samstag,15.Februar Lukas 10,18; 2.Timotheus 1,9.10.
Ein letztes Beispiel für das, was unser Herr, der Schöpfer und Erhalter des ganzen Kosmos und seines Volkes, sieht. Er lebt in der unsichtbaren Wirklichkeit und beherrscht sie. Je und dann ließ er Menschen einen Blick in diese andere Welt tun, die unseren natürlichen Augen verborgen ist. (Lies 2.Kön.6,8-17; Apg.7,55.) Jesus Christus ist der Herr der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Nichts bleibt seinen Augen verborgen, alles sieht er, alles kennt er. Die Zusammenhänge sind ihm vertraut, er weiß um das Vergangene, und er kennt auch schon das Kommende. Er ist auch Herr über alle Mächte und Gewalten, denn er besiegte den Feind auf Golgatha. Weil er der Allmächtige und Allwissende ist, können wir uns in unserer menschlichen Begrenztheit und Unwissenheit ihm völlig anvertrauen. Es ist gut, zu Jesus zu gehören! Das ist gut für unser Leben! Unser Sterben kennt er auch und alles, was danach kommt. Der Tod ist eine schreckliche Wirklichkeit, die viele Menschen ins Fragen bringt. Bei Dietrich Bonhoeffer lesen wir: Der Mensch will von seiner Grenze, von seinem Ende wissen, aber viel mehr noch vom Jenseits dieser Grenze, von dem Gott, der ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, in dessen Hände wir fallen, ob wir wollen oder nicht. Wie gut, dass wir Jesus kennen, der alles weiß und dem alles untertan ist. Wer ihm gehört, der kann auch im Sterben getrost sein, weil Jesus den Tod besiegt hat. Eine Frau sagte kurz vor ihrem Sterben: Ich habe immer gemeint, es sei etwas vollmundig, wenn gesagt wird, Jesus könne einen Menschen tragen. Aber jetzt erlebe ich es in jedem Augenblick. Ich kann es nicht anders sagen: Jesus trägt mich. Er kann es und er tut es, wenn meine Kräfte brechen. Jesus allein sieht alles, was uns noch verborgen ist. Er bringt uns ans Ziel. (Lies Joh.14,1-3; 16,33; 17,24; vgl.Jes.46,4.)
Sonntag,16.Februar Markus 6,45-51; Lukas 24,13-35.
Der Herr sieht! Gottes Sehen unterscheidet sich grundsätzlich von unserem Sehen. Denn seinem Sehen folgt helfendes Handeln. So heißt es:
Er sah, dass sie Not litten auf dem stürmischen Galiläischen Meer, und er kam auf dem Wasser zu ihnen und sprach: Seid getrost, ich bins, fürchtet euch nicht. Viele Menschen leiden Not und nicht nur Seenot. Jesus sieht die Nöte, und er kommt. Einige biblische Beispiele von Menschen in Not, zu denen Jesus kam, wollen wir näher betrachten. Da ist zuerst die Not der Verzagtheit, die Jesus nicht entgeht. Er geht den beiden Männern nach, die von Jerusalem nach Emmaus gingen. Ihre Hoffnungen waren zerschlagen, und sie konnten nicht verstehen, dass der, den sie für den Sohn Gottes hielten, wie ein Verbrecher am Kreuz starb. Wo war Gott gewesen, als dieses Schreckliche geschah? Und was sollte nun aus denen werden, die an Jesus geglaubt hatten? Jesus sah, dass diese beiden Männer Not litten, und er kam zu ihnen und sprach mit ihnen. So sieht er auch uns und kommt in seinem Wort zu uns, wenn wir ihn suchen und ihm zuhören wollen. In jede Verzagtheit hinein spricht Jesus sein: Ich lebe! Seid getrost! Weil Jesus als der Lebende zu den beiden Männern trat, machte er ihrer Verzagtheit ein Ende und brachte sie in Bewegung, zurück zu den anderen Jüngern. Jesus lebt, wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre (Chr.F. Gellert). Jesus will uns herausholen aus der Not der Verzagtheit, dass wir als Ermutigte andere ermutigen. Er kommt und spricht: Sei getrost, ich bins, fürchte dich nicht. Ermutigung beflügelt unseren Schritt. (Lies Joh.20,19.20.26; Ps.30,12; Jes.61,1-3.)
Montag,17.Februar Johannes 4,26-30.39-42; 1.Johannes 1,7.
Jesus sah, dass sie Not litten, und er kam. Jesus sieht vor allem die Not der Schuld und kommt und spricht: Sei getrost, ich bins, fürchte dich nicht. Wie gut, dass Jesus unser Herz sieht und uns auf allen Wegen begleitet. Oft kommt er uns entgegen, wie es die Frau erlebte, die an einem heißen Mittag zum Brunnen ging. Das taten nur Frauen, die lieber ungesehen bleiben wollten. Die Menschen von Sychar kannten ihren Lebenswandel, darum traf sie nicht gern mit ihnen zusammen. Vielleicht redeten sie mehr über sie als mit ihr. Als Jesus die Frau am Brunnen erblickte, wusste er bereits um ihren Kummer. Darum sprach er sie an, und ohne Umschweife kam er aufs Eigentliche zu sprechen, auf den Zustand ihres Herzens, auf die Schuld, die sie belastete. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, der ist nicht dein Mann. Viele Menschen leiden unter der Schuld ihres Lebens. Eine Begegnung mit Jesus wäre die wahre Hilfe für sie, denn dazu ist Jesus gekommen, um Menschen aus ihrer Sündennot zu retten. (Lies Matth.1,21; Joh.1,29; 2.Kor.5,21; 1.Petr.2,24.) Jesus wendet sich von keinem Sünder ab, er sucht ihn geradezu, denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Luk.19,10). Auch als Gotteskinder werden wir immer wieder schuldig. Wir werden schuldig aneinander, schuldig durch das, was wir an Liebe versäumen, und durch unser Denken und Tun. Die Einladung gilt jedem persönlich: Komm doch her, wenn du Mühe hast und beladen bist von Schuld. (Lies Jes.1,18; 44,22.) Darum können wir jederzeit zu Jesus kommen, weil er längst zu uns kam. Selbst dem schuldig Gewordenen spricht er zu: Fürchte dich nicht, ich bins. Nicht, weil er Sünde nicht ernst nimmt, spricht er so, sondern weil er durch sein Sterben am Kreuz und seine Auferstehung Vergebung ermöglicht hat. (Lies Röm.4,25; Eph.1,7; Kol.1,13.14; Ps.130,3.4.)
Dienstag,18.Februar Johannes 11,1-45.
Herr, der, den du lieb hast, der ist krank. Jesus wusste, dass Maria und Marta Not litten, aber er kam nicht sofort zu ihnen, sondern erst, als Lazarus tot war. Für die Jünger und die Betroffenen unbegreiflich, dass Jesus die Not erkennt und doch erst zu seiner Stunde kommt! Er lässt sich nicht von den Umständen drängen, auch nicht von den Menschen, die auf sein Eingreifen warten. So vertiefte sich die Not wegen der Krankheit, und sie wurden mit dem Tod konfrontiert. Der Tod hat etwas Endgültiges. Jesus weiß darum, dass wir Menschen - auch Christen - unsere Mühe haben mit dem Gedanken an den Tod, und erst recht, wenn wir den Tod in unserer Umgebung erleben. Der Tod ist die Folge der Sünde. Um den Tod zu besiegen, kam Jesus auf die Erde. Er ist selber in den Tod gegangen, damit der Tod nicht das letzte Wort haben soll. Schon vor der Auferstehung konnte Jesus zu den Seinen, die an ihn glaubten, sagen: Ich lebe, und ihr sollt auch leben (Joh.14,19). Dass Jesus auch Herr über den Tod ist, wurde am Grab des Lazarus deutlich. Die Schwestern hatten geklagt: Herr, wärest du hier gewesen, er wäre nicht gestorben. Sie hatten schon erlebt, dass Jesus Macht hatte, Kranke zu heilen. Aber in ihrer Not meinten sie, dass für den toten Bruder doch jede Hilfe zu spät käme. Der Tod schien das Ende aller Hoffnungen zu sein. Aber gerade da errichtet Jesus das Zeichen des Lebens. Dieses Zeichen konnte er nur an einem Grab aufrichten, darum kam er so spät. Und wir können daran festhalten: Jesus lebt, drum ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Lies Joh.1,4; 2.Tim.1,9.10; 1.Joh.5,12; Hebr.2,14.15.)
Mittwoch,19.Februar Matthäus 7,1-5; Römer 14,13.
Das Miteinander von Menschen innerhalb einer Familie und einer Gemeinschaft ist meist kein Paradies, sondern ein angefochtener Bereich. Wir leiden aneinander und untereinander, weil wir so verschieden sind und uns oft missverstehen. Auch Menschen der Bibel kennen wir mit dieser Not. Im ersten Korintherbrief schrieb Paulus: Es ist mir bekannt geworden, dass Streit unter euch ist (1.Kor.1,11; lies Phil.4,2). Paulus und Barnabas litten aneinander, als Barnabas den jungen Johannes Markus wieder auf die Missionsreise mitnehmen wollte. Paulus war dagegen, nachdem der junge Mitarbeiter einmal davongelaufen war. Deshalb trennten sich Paulus und Barnabas. (Lies Apg.15,37-39.) Das Problem im Miteinander klingt auch in der Frage des Petrus an: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder denn vergeben? (Matth.18,21). Jesus sieht die tiefe Not und kommt in seinem Wort zu uns. Er redet von der Liebe. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt (Joh.15,12; 13,34.35). Das unbedingte Lieben fällt schwer, wenn der andere so anders und manchmal so schwierig ist. Und wie ist unser Verhalten? Jesus spricht in der Aufforderung, einander zu lieben, zuerst von seiner Liebe zu uns - wie ich euch liebe. Wir dürfen in dem Bewusstsein leben, dass wir von ihm grenzenlos geliebt sind, obwohl wir so sind, wie wir sind. Das Staunen darüber hilft, den anderen zu lieben, der ja auch von Jesus geliebt ist, obwohl er so ist, wie er ist. Was die Liebe zum anderen am meisten behindert, ist das Eine, dass wir uns wichtiger nehmen als den Herrn und seine Liebe. Wir brauchen Befreiung vom Drehen um uns selber, und diese Befreiung gibt es. Wir müssen sie nicht erst schaffen, sondern nehmen. (Lies Phil.2,3; Röm.15,7; 1. Thess.3,12; 2.Tim.2,24; 1.Petr.1,22.)
Donnerstag,20.Februar Römer 7,15-25; Epheser 1,19-22.
Wie gut, dass Jesus uns zur Hilfe kommt, wenn wir an uns leiden. Es gibt wohl niemanden, dem das eigene Wesen nicht immer wieder Not bereitet. Paulus hat an sich gelitten: Ich elender Mensch! Das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht, und das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich. Ein Unbekannter erzählt von Nöten, die er mit sich selber hatte. Vermutlich sind diese Nöte uns nicht fremd. Da heißt es: Ich weiß eine traurige Geschichte meines Versagens und meiner Enttäuschung. Drei Nöte, die ich mit mir selbst hatte, waren besonders schmerzlich: Mein geistliches Leben war starken Schwankungen unterworfen. Eine andere Not in meinem Christenleben war die Tatsache, dass ich dauernd in Gewohnheitssünden fiel. In gewissen Punkten konnte ich keinen Sieg erringen, immer wieder kam es zu zermürbenden Niederlagen. Die dritte Not, die ich an mir selber erlitt: Ich leistete eine Menge christliche Arbeit, aber ich hatte den Eindruck, dass mein Dienst unfruchtbar war. Woran lag es denn, dass mein Christsein so war? Ich kam in eine tiefe Krise bei einer Konferenz, bei der ich eine Aufgabe hatte, für die ich weder die Eignung noch die Vollmacht besaß. Dann hörte ich bei dieser Konferenz eine Predigt, bei der deutlich gesagt wurde, dass jeder Nachfolger eine überfließende Quelle für andere sein soll und sein kann. Das vertiefte meine Not, und ich schrie zum Herrn. In meinem Zimmer las ich dann die Predigt eines Freundes über das Wort: Christus ist mein Leben. Und beim Lesen und Beten beschenkte mich Gott mit einem völlig neuen Erkennen dessen, wer Christus ist. Ich hatte ihn schon lange gekannt und nun begriff ich, was es heißt, dass er in mir lebt. Christus ist mein Leben, nicht nur mein Helfer. Die drei großen Nöte meines Lebens existieren seitdem nicht mehr. Ist das nicht wunderbar, wie Jesus wirkt? Christus in mir kommt zurecht mit dem, was uns persönlich große Not macht. (Lies Gal.2,19.20; Eph.3,17-19; Phil.1,21.)
Freitag,21.Februar Psalm 16,8; Hebräer 3,1; 12,2.
Er sah sie, dass sie Not litten ... und er trat zu ihnen, und der Wind legte sich. Weil Jesus uns mit seiner Hilfe so gern entgegenkommt, wollen wir uns üben, in unserer Not aufzusehen auf ihn, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens. David drückte es so aus: Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Mit dieser Blickrichtung wollte er sein Leben leben. Beim Umgang mit Menschen wollte er auf den Herrn schauen, bei allen Entscheidungen, in allen Schwierigkeiten, in allen Problemen, allezeit! Auf den Herrn zu vertrauen ist das Vorrecht jedes Kindes Gottes. Wie die Magnetnadel stets nach Norden weist, ob sie nun in einem Gehäuse von Holz, Silber oder Gold eingeschlossen ist, so sollte ein gläubiger Christ, in welchen Umständen er auch lebt, stets seinen Glauben und seine Hoffnung fest auf Christus gegründet und sein Herz und Gemüt stetig auf ihn gerichtet haben und ihm durch alles hindurch folgen, nie Christus aus Auge und Herz verlieren, vom Glauben und Hoffen auf ihn nimmermehr lassen (C.H.Spurgeon). Die einmalige Möglichkeit, zu Jesus aufzusehen, wenn wir durch stürmische Tage gehen, wenn es aufregende Ereignisse gibt, wir keinen Weg sehen, weil wir im Dickicht unserer Gedanken verstrickt sind, wollen wir nicht achtlos an uns vorbeigleiten lassen. Viele Christen, die den Herrn allezeit vor Augen hatten, erlebten, wie der Blick auf ihn ihrem Leben Festigkeit gab und sie vor Mutlosigkeit bewahrte. Schauen kann selbst der Schwächste, selbst angesichts des Todes. Sie blickten auf ihn und wurden erquickt, und ihr Vertrauen wurde nicht enttäuscht! (Lies 2.Chron.20,12; Ps.34,6; 121,1-8.)
Schau hin auf ihn - o tu es Tag für Tag, so wird, was groß und schwer dir scheinen mag,
in nichts vergehn, denn seine starke Macht hat deiner Nöte schon vorher gedacht.
Diakonissenmutterhaus AidlingenSamstag,22.Februar 1.Mose 49,21; 5.Mose 33,23.
Wir haben uns schon in den beiden letzten Heften mit den Söhnen Jakobs beschäftigt. Kurz vor seinem Tod rief Jakob sie alle zu sich, um jedem noch ein persönliches Wort des Segens und der Warnung mit auf den Weg zu geben. Es warteten noch Naftali, Josef und Benjamin auf den Segen des Vaters. Naftali ist ein schneller Hirsch, er gibt schöne Rede. So sieht Jakob diesen Sohn: Er ist flink und gewandt, schnell zur Flucht bereit, wenn Gefahr droht, und er weiß so zu reden, dass man ihm gern zuhört. Er gibt Sprüche des Wohlklangs, wie es wörtlich heißt. Naftali gebrauchte seine Zunge nicht dazu, um böse und unüberlegte Worte auszusprechen, die verletzen und die Atmosphäre vergiften können. Wie sehr wird das Miteinander belastet, wenn wir uns mit Worten bekämpfen und unser Recht behaupten. Das sind keine Sprüche des Wohlklangs, das ist keine schöne Rede. Im Gegenteil: Es fallen bittere Worte, die man nicht mehr zurücknehmen kann und die oft bleibenden Schaden anrichten. Die Zunge ist ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Sie ist eine Welt voll Ungerechtigkeiten. (Lies Jak.3,4-11; Eph.4,31; 1.Petr.3,10.) War es so, wenn Naftali seinen Mund aufmachte, dass sich niemand vor bitteren Worten fürchten musste? Freundliche Worte sind Honig, Süßes für die Seele und Heilung für das Gebein (Spr.16,24; lies Spr.12,18; 15,23; Jes.50,4). Vermutlich ging es Naftali nicht um Schönrederei. Sein Reden scheint wohltuend, nicht unehrlich und irreführend gewesen zu sein. Mose sagt über ihn und seine Nachkommen: Naftali hat viel Gnade und ist voll Segens des Herrn. Wir benötigen viel Gnade, so zu reden, dass es für den anderen hilfreich ist und er sich von uns gern etwas sagen lässt. Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Mit Jesu Worten im Herzen haben wir auch das gute Wort für unseren Nächsten. (Lies Kol.3,16; 1.Thess.5,14.)
Sonntag,23.Februar 1.Mose 49,21; Psalm 18,33.34.
Gott rüstet mich mit Kraft ... Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen. Jakob verglich seinen Sohn Naftali mit solch einem schnellen Hirsch. Er sah mit prophetischem Weitblick, dass die Nachkommen Naftalis einmal im Norden Israels auf den waldreichen Höhen Galiläas siedeln würden. Hier konnte der schnelle Hirsch über die Höhen springen, und die flüchtige Hirschkuh konnte in den Wäldern Schutz suchen. Die tiefen Täler ließen sie unter sich, und die Abgründe fürchteten sie nicht. So mutig und frei sollte sich Naftali in seinem Gebiet bewegen. Sein Vorbild will uns lehren, den Blick in die Höhe zu richten, uns abzuwenden von den Nöten in den Niederungen. Dieser Blickwechsel beseitigt zwar die Nöte nicht, befreit uns aber aus ihrem Bann. Unsere Gedanken sollten sich mit den unbegrenzten Möglichkeiten der Hilfe Gottes beschäftigen. Das wird unsere Gebete entscheidend beeinflussen und unser Vertrauen auf den Herrn stärken. (Lies Ps.124,8; 25,1.2; 91,2; 62,2.3.) Als der Prophet Habakuk das Elend seines Landes betrachtete und daran fast verzweifelte, vollzog er in seinem Nachdenken eine Wende nach oben: Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil. Denn der Herr ist meine Kraft, er wird meine Füße machen wie Hirschfüße und wird mich über die Höhen führen (Hab.3,18.19). Habakuk verschloss seine Augen nicht vor der Sünde im Volk, sondern wandte sein Innerstes dem Herrn zu, der größer als alle Trübsal und Schuld ist. Er selbst konnte diese Last sowieso nicht tragen. Deshalb flüchtete er sich hinauf auf die Höhen, um Gott zu loben und ihm zu danken. Da wurde er frei von aller Bedrückung, die ihn in die Tiefen ziehen wollte. (Lies Ps.103,1-5.19-22; Jes.25,1; 49,13; Dan.6,11; Apg.16,23-25.)
Montag,24.Februar 5.Mose 33,23; 2.Timotheus 2,5.
Der Name Naftali bedeutet Kämpfer. Seine Nachkommen machten diesem Namen Ehre. Sie wagten ihr Leben und fürchteten den Tod nicht, als es galt, einen gefährlichen Feind zu bekämpfen und ihr Erbteil in Israel zu bewahren (Richt.5,18). Im Segen des Mose über die Stämme Israels lesen wir, wie reich Naftali von Gott beschenkt worden war: Naftali ist voll Segens des Herrn. Sein Stammesgebiet umfasste den östlichen Teil von Obergaliläa und damit auch Gebiete, in denen Jesus sich oft aufhielt. - Naftali gelang es nicht, auf die Dauer den Segen für sich zu bewahren. Die Könige des Nordreichs Israel wollten nichts mehr von Gott wissen. Die Mehrzahl des Volkes tat es ihnen gleich. Auch in Naftali wurde der Name Gottes immer weniger geehrt. Damit verließen sie den Schutz, den der Herr ihnen zugesagt hatte. (Lies Ps.37,9.11.27.29; 91,1-16.) Ohne ihren Gott waren sie eine leichte Beute der Feinde, die vom Norden her in das Land einfielen. Sie deportierten die Bevölkerung und hinterließen eine Spur der Verwüstung. - Reicher Segen bringt viel Anfechtung und Versuchung mit sich. Gesegnetsein ist kein unangefochtener Besitz. Heiße Kämpfe sind nötig, um zu bewahren, was Gott uns geschenkt hat. Jesus mahnt uns: Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme! (Offb.3,11). - Was ist aus Naftali geworden? Es kam der Tag, da sie Den sehen durften, der wahrhaftig gute Worte sagte - Sprüche des Wohlklangs -, die in die Finsternis und Hoffnungslosigkeit das Licht des Lebens brachten. (Lies Jes.8,23; 9,1-3.) Das Land Naftali war Ausgangspunkt der Wirksamkeit Jesu. Hier begann er, das Evangelium zu verkündigen. Hier berief er seine Jünger und lehrte sie. (Lies Mark.1,14-39; Matth.4,23-25; 5,1.2.) So ist der Segen Naftalis nicht verloren gegangen. Auch dieser Stamm gehört zu den Erlösten aus Israel (Offb.7,6).
Dienstag,25.Februar 1.Mose 49,22-26; 37,1-3.
Josef nahm in den Augen Jakobs eine besondere Stellung ein. Das ist aus dem umfangreichen Segen zu erkennen, den der Vater über ihn aussprach. Nur Juda erfuhr eine ähnliche Anerkennung. Josef war der erstgeborene Sohn der Rahel, um die Jakob sieben zusätzliche Jahre bei seinem Onkel Laban dienen musste (1.Mose 29,16-28; 30,22-24). Er nannte Josef den Sohn seines Alters. Von Anfang an hatte er eine Sonderstellung unter seinen Brüdern. War es eine menschliche Schwäche Jakobs, seinem zweitjüngsten Sohn den Vorzug zu geben - oder ahnte er die Bedeutung, die Josef einmal für die ganze Familie haben würde? Als Jakob sein Segenswort über ihn ausspricht, weiß er seine Ahnung bestätigt. Er verwendet drei Bilder, die ein Licht auf den Charakter Josefs werfen: Josef, ein Baum an der Quelle (1.Mose 49,22). Josef, ein Bogenschütze (49,23.24). Josef, der Geweihte unter seinen Brüdern (49,26).
Das erste Bild: Josef, ein Baum an der Quelle
Erst sah es so aus, als würde dieser junge Baum keine Chancen zum Wachsen haben. Jakob freute sich an Josef und vertraute ihm blindlings. Aber seine Brüder teilten diese Haltung Jakobs nicht. Sie wurden eifersüchtig, denn sie beobachteten, wie der Vater sich dem Siebzehnjährigen besonders zuwandte und ihn mit einem schönen Mantel vor allen anderen auszeichnete. Sie ahnten, dass Jakob einmal die Verantwortung für die Sippe keinem von ihnen übergeben würde, sondern Josef. Das erbitterte sie und nährte ihren Hass. (Lies Spr.10,12; 26,26; 1.Joh.2,11; 3,15.) Im Augenblick war Josef nicht mehr als ein Gehilfe seiner Brüder, der ihnen auf der Weide helfen sollte. Dort wurde viel Negatives übereinander geredet. War es klug, dass Josef alles seinem Vater hinterbrachte? (Lies Spr.16,23; 18,20; 25,11; 29,20; Matth.12,36.)
Mittwoch,26.Februar 1.Mose 49,22; 37,3-5.
Josef wird wachsen, er wird wachsen wie ein Baum an der Quelle. Josef blieb es nicht verborgen, dass die Brüder ihn ablehnten. Sie konnten ihm nicht mehr freundlich begegnen. Sie gingen ihm aus dem Weg, um ihn nicht grüßen zu müssen. Als er dann noch seine Träume erzählte, die andeuteten, dass sich einmal die ganze Familie vor ihm beugen würde, vertiefte sich die Feindschaft seiner Brüder (1.Mose 37,6-11). Josef wurde ihnen zum Ärgernis, das sie nicht länger ertragen wollten. Mit unversöhnlichem Herzen dachten sie darüber nach, wie sie diesen unliebsamen Bruder beseitigen konnten. Schließlich verkauften sie ihn wie eine Ware weit weg nach Ägypten (1.Mose 37,12-28). Wie sollte Josef unter diesen Umständen wachsen wie ein Baum an der Quelle? Die eigenen Brüder waren seine Todfeinde. Er wurde herausgerissen aus der vertrauten Beziehung mit seinem Vater, hinausgeworfen und fremden Händen ausgeliefert. Musste er nicht unter dieser Last zerbrechen, unter dem unerwartet tiefen Absturz? Von seiner Vorzugsstellung als Lieblingssohn ging es hinunter in den Stand eines rechtlosen Sklaven. Er ahnte vielleicht, dass eine hohe Berufung auf ihn wartete. Nun musste er erfahren, dass der Weg zur Verwirklichung dieser Berufung durch dunkle und tiefe Täler führte. (Vgl.Ps.66,10-12; 77,11-14.) - Schwere Wege sind oft ein Mittel, mit dem Gott seine Kinder erzieht, damit sie ihrer hohen Berufung entsprechend würdig leben lernen und einmal mit Freuden Jesus begegnen können, wenn er wiederkommt. Es ist wahr, was Dora Rappard in einem Vers ausgedrückt hat: Hinab, hinab ins tiefe, enge Tal; vom Himmel leuchtet dir der Gnaden Strahl! Hinab, hinab! Geh willig nur und gern: Dort in der Tiefe triffst du deinen Herrn! (Lies 2.Thess.1,11.12; Hebr.10,32-34.)
Donnerstag,27.Februar 1.Mose 49,22; Psalm 1,1-3.
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen..., sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen ... Und was er macht, das gerät wohl. So könnte Josefs Leben in Ägypten beschrieben werden. Er wusste zwar noch nichts von den Geboten wie der Psalmdichter, doch hatte er von dem Gott Abrahams, Isaaks und seines Vaters Jakob gehört und vertraute ihm gänzlich. Das war seine Quelle, von der er auch im dunkelsten Tal lebte. (Lies 1.Mose 39,1-9.19-23; 50,19.20.) Hier wurde aus dem jungen Bäumchen ein Baum. Die Umstände seines Wachstums waren nicht idyllisch. Josef befand sich nicht in einer Oase des Wohlbefindens und der Ruhe. Seine Umgebung glich eher einer Wüste. Umso notwendiger war es, sich zur Lebensquelle seines Gottes zu halten. Aus ihr schöpfte er seine Kraft, seiner Berufung treu zu bleiben und den Versuchungen Ägyptens zu widerstehen. Seine Treue zu Gott zeigte sich auch darin, dass er seinen irdischen Herren treu diente. Sein Herz war willig, zu dem schweren und unverständlichen Weg ein Ja zu sprechen. Deshalb brauchte er nicht gegen die Umstände zu rebellieren. Seinen Vorgesetzten konnte er völlig zur Verfügung stehen und ihr Vertrauen gewinnen. Dennoch musste Josef noch tiefer hinabsteigen und kam als Unschuldiger ins Gefängnis. Erst nach Jahren geduldigen Wartens zeigte sich der Baum an der Quelle mit seinen grünen Blättern und Früchten in seiner vollen Größe: Josef wurde vom Pharao als Landesvater eingesetzt. (Lies 1.Mose 41,38-46.) Welche Höhe erreichte er! Nicht Ehrgeiz war seine Triebfeder, sondern das beharrliche, ungebrochene Vertrauen auf Gott, dass er ihn zu seiner Stunde aus dem Gefängniss befreien würde. (Lies Ps.70,2-6; 105,17-22; 40,2-4; 34,2-9.)
Freitag,28.Februar 1.Mose 49,22-24; 5.Mose 33,13-17.
Josef wird wachsen, er wird wachsen wie ein Baum an der Quelle, dass die Zweige emporsteigen über die Mauer. Jakob schaute die zahlreichen Nachkommen Josefs, die sich einmal im verheißenen Land ausbreiten würden. Aus seinen Söhnen Ephraim und Manasse gingen die volkreichsten Stämme hervor. Ihr Erbteil umfasste den zentralen Teil Israels und Gebiete östlich des Jordans (Jos.17 u. 18). Moses Worte unterstreichen die Kraft und den Reichtum der Söhne Josefs. Nichts hatten sie aus sich selbst, sondern alles Gute verdankten sie dem Herrn, der sie reich gesegnet hatte. (Lies Psalm 3,9; 24,3-6; Spr.10,6; 11,11; Eph.1,3; 1.Petr.3,9.) - Wir kommen nun zu dem zweiten Bild:
Josef, der Bogenschütze
Jakob sah Josef von Feinden umringt, die es auf ihn abgesehen hatten. Und es reizen ihn die Bogenschützen und schießen und feinden ihn an. Josef, ein Störenfried für seine Brüder, stand unter ihrem Beschuss. Sie konnten es nicht ertragen, dass er eine Sonderstellung einnahm. Sie wollten es nicht zulassen, dass er, der Jüngere, sich über sie erhob. Sie konnten und wollten seine Träume nicht hören: Willst du unser König werden und über uns herrschen? Und sie wurden ihm noch mehr feind. Selbst Jakob wurde ärgerlich und tadelte Josef. Aber er dachte über die Träume nach: Vielleicht waren sie doch keine Schäume? (1.Mose 37,5-11). - Es hat Gott immer wieder gefallen, Jüngere den Älteren vorzuziehen. So offenbarte er sich zum Beispiel dem jungen Samuel und nicht dem alten und erfahrenen Eli (1.Sam.3,4-10.16.17). Niemand kann sich seine Berufung auf Grund eines Vorrechts oder durch eigene Tüchtigkeit erwerben. Es ist allein Gottes freie Wahl, wenn er jemanden für eine Aufgabe bestimmt. (Vgl.1.Mose 25,23; 48,17-19; 1.Sam.16,1.6-12; lies 2.Tim.1,9; 1.Kor.1,26-28.)
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