2.Korinther 1, 21. 22; 1.Korinther 1,8.9. Paulus, Silvanus und Timotheus haben den Korinthern bezeugt, dass Gott zu ihnen »ja« sagt in seinem Sohn Jesus Christus. Darin begründet sich auch ihr gültiges Ja zu dieser Gemeinde, mögen die aufgeschobenen Reisepläne scheinbar dagegen sprechen. Nun unterstreicht Paulus in vierfacher Hinsicht ihre Verbundenheit, wie sie der dreieinige Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist schenkt. o Gott befestigt uns in Christus Das geschieht grundsätzlich bei unserer Bekehrung. Die Gegenwartsform verdeutlicht, dass Gott nicht nur einmalig an uns handelt, sondern fortlaufend. Denn eine lebendige Beziehung gestaltet sich wachstümlich. »Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräfti- gen, gründen« (1. Petr.5,10). o Er hat uns gesalbt Dieses Bild spricht von der Berufung und Einsetzung in den Dienst Gottes, wie es im Alten Testament zum Beispiel bei Priestern und Königen geschah (2.Mose 28, 41; 1.Sam. 15, 1). Gott salbt uns durch das Geschenk seines Geistes (1. Joh. 2,27). Wir dürfen ihm dienen und seine Wohltaten verkündigen (1. Petr. 2, 9). o Er hat uns versiegelt Ein Siegel kennzeichnet einen Gegenstand als Eigentum des Siegelinhabers. Sein Geist besiegelt, dass wir sein Eigentum und Kind Gottes sind (Gal.4,6. 7). Die Gabe des Heiligen Geistes ist nicht der Gipfel eines geistlichen Reifungsprozesses, sondern die Elementarausrüstung für unser Leben mit Jesus. Dazu Epheser 1, 13. o Er hat uns ein Angeld gegeben Gottes Geist wird hier verglichen mit einer Form von Anzahlung, die bei einem Geschäftsabschluss Gewähr schenkt, dass alle späteren Raten zuverlässig folgen werden (Eph.1,14). Gott wird alle Verheißungen mir gegenüber einhalten! Welche Würde und Weite ist damit unserem Leben und unserer Gemeinschaft mit anderen Christen gegeben (Eph.2,10)!
2. Korinther 1, 23. 24; Römer 15, 13. Noch einmal kommt Paulus auf seinen verschobenen Besuch zu sprechen. Er weiß, wie schädigend Misstrauen ist. Unter keinen Umständen sollen die Korinther sein Vorgehen als leichtfertigen Wortbruch deuten. Er gebraucht die damals übliche feierliche Schwurformel »Ich rufe Gott zum Zeugen an gegen meine Seele«, um mit ganzem Ernst den Sachverhalt zu berichtigen. »Ich wollte euch schonen.« Diese Begründung nennt Paulus nicht aus geistlicher Überheblichkeit, sondern aus der Überzeugung, dass die Gläubigen in Korinth in eigener Verantwortung vor Gott stehen. Deshalb schließt er auch energisch eine »Herrenrolle« aus. Da Paulus fernblieb und darauf verzichtete, selber strafend einzugreifen, wo Sünde im Spiel war, erhielten die Korinther Raum zu eigenverantwortlichem Handeln. »Glaubensleben ist immer direkte Beziehung zu dem Herrn selbst. Wir können auch bei dem schwächsten Glied der Gemeinde des Herrn Jesus Christus nur alle Sorgfalt darauf verwenden, ihm bewusst zu machen, dass es in einer eigenen und direkten Beziehung zu Christus steht und an ihm selbst seinen Herrn hat. Unsere Stellung kann nur die eines Gehilfen sein« (E. Schnepel). Und dieser Handlangerschaft gibt Paulus eine ganz besondere Qualität: Wir sind Gehilfen eurer Freude! Schon im Alten Testament lesen wir: »Seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke« (Neh. 8,10). Freude aus der lebendigen Gemeinschaft mit Gott birgt somit Kraft zum Leben. Boten von Jesus sind Überbringer dieser Freudenbotschaft hinein in eine verlorene, hoffnungslose und zerrissene Welt (Luk. 2, 10). Freude ist Kennzeichen echten Glaubens (Gal. 5, 22). Sie kann da gedeihen, wo jemand aus dem Ja des Evangeliums lebt und das Nein zur Sünde anerkennt (Luk. 15, 21). Paulus ringt in seinem Brief darum, mit der Gemeinde in Korinth wieder zu dieser gemeinsamen Freude des Glaubens zu finden, und ermutigt auf diese Weise auch uns. ICH KANN MEIN GLÜCK NICHT FASSEN - PSALM 16
Psalm 16, 1-11; Apostelgeschichte 2, 24-32. David beschreibt in Psalm 16 das Glück und die tiefe Freude, die er in der Gemeinschaft mit seinem Gott gefunden hat. Es ist ein einzigartiger, hell leuchtender Freudenpsalm. Die Stimme des Klagens ist verstummt, die Schatten der Anfechtung sind verschwunden. Martin Luther nennt ihn deshalb ein »gülden Kleinod« - etwas außerordentlich Kostbares; und der Bibelausleger Ch. H. Spurgeon bemerkt, dass »dieser Psalm und sein Gehalt von feinstem Gold« ist. Von der Gründerin unseres Mutterhauses, Christa von Viebahn, wissen wir, dass sie Psalm 16 oft gebetet hat, nachdem er sich ihr eines Tages in besonders eindrücklicher Weise erschlossen hatte. Auch wir sind eingeladen, hineinzuhören in das Gespräch, das David mit seinem Gott führte. David beginnt dieses Gespräch mit einer konkreten Bitte: »Bewahre mich, Gott.« War David nicht der starke, mutige Kämpfer, der sich weder vor Löwen noch Bären fürchtete, und auch nicht den Kampf mit dem Riesen Goliath scheute? Oft waren Tapferkeit und Entschlossenheit gefragt, doch im Lauf seines Lebens merkte David, dass er sich nicht auf seine eigene Kraft und Stärke verlassen konnte. Er benötigte Schutz und Bewahrung von höherer Stelle, von Gott selber. Schließlich waren es nicht nur die äußeren Angriffe, die ihm zu schaffen machten. Ihm ging es vielmehr darum, nie mehr die innige Gemeinschaft mit seinem Gott zu verlieren. Darum betet er in Psalm 31: »Wie groß ist deine Güte, Herr, die du bewahrst denen, die dich fürchten. Liebet den Herrn, alle seine Heiligen! Die Gläubigen bewahrt der Herr. Seid getrost und unverzagt, alle, die ihr des Herrn harrt.« (Lies Ps.17,8; 97,10-12; Spr. 2,7. 8.)
»Bewahre mich, mein Gott; denn ich traue auf dich.« In Davids Bitte liegt das Eingeständnis: Herr, ich brauche dich! Ich brauche dich, um Kurs halten zu können auf dem Weg, den du mir gewiesen hast. - Es ist so vieles, das täglich auf uns einstürmt, das unsere Gefühle und Gedanken gefangen nimmt, und unser wankelmütiges Herz lässt sich so leicht von den Ereignissen und Eindrücken steuern. Dieses Problem kannte auch schon der Kaufmann und Seelsorger Gerhard Tersteegen, der uns den Rat gibt: »Lasset euer Herz den ganzen Tag über ein Gespräch mit dem Herrn haben, dann ist er euch den ganzen Tag gegenwärtig. Seid nicht so schüchtern, denn Gott ruft euch zu sich. Er weiß wohl, dass wir elend sind. Sagt und klagt ihm alles, was ihr auf dem Herzen habt; könnt ihrµs nicht sagen, dann lasst ihn in euer Herz sehen.« An anderer Stelle schreibt er: »Das ist ein so schöner, gerader Weg, dass wir die Sache, die uns bewegt, unter vier Augen, mit Gott alleine, in seinem Licht erwägen können. Lasst uns von allem, was uns auf unserem Weg begegnet, ein Gebet machen und ein Gespräch mit Gott darüber halten.« David hatte diesen Weg eingeschlagen, und wir dürfen uns ihm anschließen und bitten: Bewahre mich, Gott, in der Gemeinschaft mit dir. Bewahre mich, dass ich standhaft bleiben kann, wenn Versuchungen mir zur Stolperfalle werden wollen. Bewahre mich vor Resignation und Mutlosigkeit, vor meinen eigenen Stärken und Schwächen, wo sie mir oder anderen schaden. Bewahre mich vor Bequemlichkeit und vor Selbstsicherheit. Mit dieser Bitte um Bewahrung setzte David sein ganzes Vertrauen auf Gott. Dieses Vertrauen öffnete Gottes Herz. Es ist wie eine Eintrittskarte in seine Gegenwart, in die auch wir jederzeit eingeladen sind. (Lies Ps.17,5-7; 25,5.20; 141,3.9.)
GOTT IST GRÖSSER ALS UNSER UNGLAUBE Mit Johannes soll die Gnadenzeit beginnen (vgl. 1. Advent). Er ist ein besonderer Sohn, weil er als Prophet Gottes den Alten Bund abschließt und den Neuen Bund eröffnet. Das klingt in den Versen 15-17 deutlich an. Seine Größe ist nicht selbst gemacht, sondern Geist gewirkt (V.15; vgl. Luk.7, 24-28). In der Kraft des Heiligen Geistes wird er den Advent, die Ankunft des Messias vorbereiten, indem er selbst ein Gott hingegebenes Leben führt und andere zu einer neuen und ungeteilten Hingabe an Gott ruft. Für Zacharias ist das alles eine Schuhnummer zu groß. Er kannµs nicht fassen und willµs nicht glauben. So bleibt er zunächst bei seiner Schwachstelle stehen und kommt über den toten Punkt nicht hinweg. Verständlich? Gott findet »nein«. Aber er drückt sein »Nein« nicht so aus, dass er seinen Diener wegschiebt oder entlässt. Vielmehr zieht der Herr dem Unglauben eine Grenze, indem er den Mund, der so viel gebetet und die großen Taten des Herrn treu verkündet hatte, zum Schweigen bringt (V.20). Zacharias muss am eigenen Leib erfahren, dass er, wie einst das Volk Gottes zur Zeit des Propheten Hesekiel, »ein Haus des Widerspruchs« geworden ist, weil er der Zusage Gottes nicht glauben wollte (vgl. Hes. 3, 25-27). Das Verstummen-Müssen der Lippen des Priesters ist hart und dennoch nicht gnadenlos. Denn die Maßnahme Gottes ist eine begründete und eine begrenzte Bestimmung. In dieser Zeit kann Zacharias in sich gehen und im Licht des Wortes Gottes mit dem Herrn über die Staubschichten auf seiner Seele ins Gespräch kommen. Zacharias ist bestürzt und bewegt genug (V. 12), um den vertrauensvollen Herzenskontakt mit Gott neu zu suchen und zu vertiefen. »Die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben « (Ps. 69, 33b). Wie gehe ich mit 5.Mose 4, 29; Psalm 119, 2 und Sprüche 23, 26 um?
In Vers 2 wird noch deutlicher, warum David so viel Wert auf eine intensive Beziehung zu Gott legt. Es steht für ihn ohne jeden Zweifel fest: »Du, Gott, bist mein ganzes Glück. Ich weiß von keinem Gut außer dir.« In Vers 5 und 6 wiederholt er diese Aussage: »Der Herr ist mein Gut und mein Teil. Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land.« Dabei spüren wir, David liebt seinen Gott mit all seinen Kräften und vertraut sich ihm völlig an. So erfährt er das Glück der tiefen Gemeinschaft mit Gott. Doch solch eine tief greifende Beziehung zu Gott lässt Satan nicht unangefochten. Er weiß seine Störenfriede einzuschleusen mit dem Ziel, uns den inneren Frieden zu zerstören. Der Feind bringt es fertig, dass Bitterkeit, Neid und Lieblosigkeiten wie Sand im Getriebe wirken oder dass wir uns durch eine Fülle von Arbeit und Aktivitäten von unserem Herrn entfernen, weil sie uns angeblich keine Zeit lassen, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Von dem Chinamissionar Hudson Taylor, der täglich ein großes Arbeitspensum zu bewältigen hatte, wird berichtet: »Die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott war für ihn etwas so Wichtiges, dass ihm jede Entfernung von Jesus unerträglich war. Er liebte den Herrn sehr, dass er jeden Schatten zwischen Gott und sich als höllische Qual empfand.« Ein Störenfried kann auch handfeste Schuld sein. David wusste persönlich darum (2.Sam.11; 12). Zunächst versuchte er, selber damit fertig zu werden. Wie es ihm dabei erging, schildert er in Psalm 32, 3. 4. Doch dann »bekannte ich dir meine Sünde; mein Unrecht wollte ich nicht länger verschweigen. Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Vergehen bekennen! Und wirklich: Du hast mir meine Schuld vergeben« (Ps. 32, 5; lies Spr. 28, 13; 1. Joh. 1, 8. 9).
Das Bekenntnis Davids zu Gott als seinem höchsten Gut und größten Glück erinnert uns an sein Gebet in Psalm 18: »Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke.« Es sind nicht nur schöne Worte, nein, er meint es wirklich so. Gott bedeutet ihm alles. »Ich liebe dich, Herr!« Kann man in unserer Zeit noch so mit Gott sprechen? David erfüllte hier aus tiefstem Herzen das Gebot Gottes, das seine Gültigkeit bis heute nicht verloren hat: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit aller deiner Kraft« (5.Mose 6, 5; 10, 12). Wenn wir einen Blick für die herzliche und ewige Liebe Gottes bekommen, wird es uns nicht schwer fallen, ihn wiederzulieben, auch wenn unsere Liebe oft nur wie ein schwaches Echo auf seine Liebe zu uns ist. Am Kreuz von Golgatha offenbarte sich Gottes tiefe Liebe zu uns, als Jesus ausrief: »Es ist vollbracht.« »Darin ist die Liebe Gottes erschienen unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden« (1. Joh. 4, 9. 10). Gott kam uns mit seiner Liebe entgegen, und er sehnt sich nach unserer Liebe. Sollte diese Liebe bei uns abgebrannt sein, kann sie heute neu entfacht werden. Dabei gilt es, sich von dem zu trennen, was uns von Jesus trennt. Ehrliche Beugung vor Jesus wirkt befreiend. Wir werden davor bewahrt, das Staunen über Gottes unverdiente Gnade, und damit auch die dankbare Liebe zu Jesus, zu verlieren. Der Herr stellt uns heute die Frage: »Hast du mich lieb?« (Lies Joh.21,15-17; 14,15.21.23; Luk.7,47; Eph. 6, 24.)
Da die Beziehung Davids zu Gott so erfrischend und belebend ist, liegt ihm auch an der Gemeinschaft mit Menschen, die Gott kennen: »An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen habe ich all mein Gefallen.« Wer sind diese Heiligen? Es sind nicht solche, die sich auf ihre guten Taten berufen oder ihre Frömmigkeit in besonderer Weise zur Schau tragen. Der Apostel Petrus bezeugt, dass jeder, der sein Leben bewusst unter die Regie von Jesus Christus stellt und die Versöhnung mit Gott erfahren hat, in die neue Stellung eines Heiligen gekommen ist: »Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht« (1. Petr. 2,9; lies 1. Petr.1,14-16). Heilige auf Erden! Wir leben oft nahe beieinander in Ehe und Familie, arbeiten im Team oder in der Gemeinde miteinander und sehen und hören manches, das wir nicht mit dem Prädikat »heilig« oder »herrlich« auszeichnen würden. Wie schnell fällt uns beim anderen das »Unheilige« auf, das, was nicht schön, geschweige denn »herrlich« ist. Es mag ja etwas dran sein, aber muss ich mich nicht erst selber fragen, wie es bei mir aussieht? Jemand gab einem Mitchristen einmal den hilfreichen Tipp: »Schau den andern neben dir als Heiligen an und bleibe nicht an seinen Dreckspritzern stehen!« Wer den andern neben sich als von Gott berufenen Heiligen ansieht, stellt sich nicht selbstherrlich über ihn. Sein Wunsch deckt sich mit dem von Paulus: »Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus« (1. Thess. 5,23; lies 1.Thess.3,12.13).
Zu Davids festem Entschluss aus Vers 2, »Du bist mein Gott«, kommt in Vers 4 ein weiterer hinzu: »Jene, die einem anderen nachlaufen, werden viel Herzeleid haben. Ich aber will das Blut ihrer Trankopfer nicht opfern noch ihren Namen in meinem Munde führen.« Es geht hier um eine klare Absage an alles, was gegen Gott steht. David beugt sich nicht der Diktatur des »Man«, er orientiert sich nicht an dem, was andere als Maßstab vorgeben, sondern richtet sich nach den guten Geboten Gottes. Deshalb sagt er eindeutig: »Ich nicht!« Er distanziert sich von allem, was den Herrn, den er liebt, herabsetzt, verleugnet und nicht ehrt. Wie halten wirµs mit der konsequenten Jesus-Nachfolge? Wir kennen die Angst vor notwendigen Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden, vor Ablehnung und Ausgrenzung. Wir sorgen uns um unser Image und tragen immer wieder Wasser auf beiden Schultern. Tiefe Enttäuschung bricht in einem Menschen auf, der merkt, dass er sich mit verführerischen Angeboten hinters Licht führen ließ, und manch einer merkt zu spät, dass die Werte, die so »hoch im Kurs« des Zeitgeistes standen, längst dem Konkurs verfallen sind. Wer Gott von ganzem Herzen liebt, wird immer wieder sagen »ich nicht« und dabei eine gewisse Ablehnung und Fremdheit ertragen lernen. »Gefällt es euch aber nicht, dem Herrn zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stromes, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen« (Jos. 24, 15). Haben wir den Mut, unseren Weg entschlossen mit Jesus zu gehen? Welche Ermutigungen zum rechten Nein und zum richtigen Ja finden wir in Sprüche 4,10-19 und Römer 12,1.2?
»Der Herr ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mir mein Erbteil.« In den Psalmen Davids fällt auf, dass er immer neue Bilder und Vergleiche dafür findet, wer Gott für ihn ist: »Der Herr ist mein Hirte, er ist mein Licht, mein Heil und meines Lebens Kraft. Er ist mein Fels, meine Burg und mein Erretter« (Ps.23,1; 27, 1; 18, 3). Bei Gott findet David tiefe Geborgenheit. Man spürt ihm die persönliche Beziehung zu Gott ab. Sie gibt ihm in seinem bunten Alltag festen Halt. - Wie kommt man zu solch einer persönlichen Beziehung? Albert Knapp, württembergischer Pfarrer und Liederdichter, berichtet, wie er zu Jesus Christus eine persönliche Beziehung bekam: »Ich war kein gottverlassenes, aber gewiss ein christusloses Kind - eben nur ein Pflegekind Gottes, aber nicht sein Eigentum. Was Bekehrung oder Wiedergeburt bedeutet, davon habe ich in meiner Kindheit nicht den entferntesten Eindruck bekommen.« Zur Wende in seinem Leben kam es, als er 1814 in das theologische Seminar in Maulbronn eintrat. Der Anblick eines Freskogemäldes in der alten Klosterkirche, auf dem der Jesusjünger Johannes und Maria, die Mutter des Herrn, zu Christus am Kreuz aufsehen, beeindruckte ihn tief. Je länger er davor stand, umso intensiver beschäftigten ihn die Gedanken: »Jesus, du bist das ewige Leben, du bist mein Heil; wäre ich dein, so wäre mir geholfen.« Er sank auf seine Knie und bat Jesus, er möge sein Heiland werden und ihm seine Sünden vergeben. Die Freude über das tiefe Glück der Gottesgemeinschaft schrieb er in einem seiner Lieder nieder: »Jesum zu kennen und Jesum zu haben, dies ist das herrlichste Los in der Welt! Suche des Erdballs vortrefflichste Gaben, finde, was Augen und Ohren gefällt: Dennoch kann eins nur die Seele dir laben: Jesum zu kennen und Jesum zu haben.« (Lies Ps.73,26; Jak. 2,5; 1.Kor. 2,9.)
Voll Freude spricht David von dem, was Gott ihm zugedacht hat: »Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schön Erbteil geworden.« David ist mit Gottes Führung und seinen Gaben hundertprozentig zufrieden. Er kann sich nur lobend äußern über das, was Gott ihm zugedacht hat. - »Als das verheißene Land damals unter die Stämme Israels aufgeteilt wurde, gab es natürlich Ländereien, die mehr Wert hatten als andere. Aber Gottes Schenken verträgt keine Kritik und keinen Neid unter den Beschenkten« (H. Lamparter). Kommt es nicht doch vor, dass wir mit unserem Los unzufrieden sind, dass unsere Erwartungen nicht erfüllt und unsere Pläne durchkreuzt werden? Und wenn unsere Vorstellungen sich nicht mit dem decken, was wir uns erhofft haben, kommen wir dann zu dem Ergebnis: Mein Erbteil gefällt mir nicht? Wie schnell breiten sich Undank und Unzufriedenheit aus, und schließlich wird die Gemeinschaft mit Jesus und das »Ja« zur Führung Gottes in unserem Leben erstickt. Solange David in der Gegenwart Gottes lebte, hielt er auch in schwierigen Situationen daran fest: »Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.« David wusste, dass über ihn letztlich nicht Menschen verfügen und auch nicht die Umstände das Sagen haben, sondern dass sein Los in Gottes guter Hand liegt. »Mein Erbteil gefällt mir!« (Lies Ps. 84, 1-13; Eph. 1, 17-19; 1. Kor. 1, 4-9.) - Mose wollte eines Tages nicht mehr Sohn der Tochter Pharaos heißen, obwohl er in angenehmsten Verhältnissen lebte. »Er wollte lieber die Schmach des Christus tragen«; denn er hatte die Zusicherung von Gott, dass er bei ihm war und mit ihm ging, und das war mehr als alles, was die Welt ihm bieten konnte. (Lies 2.Mose 3,12; 5.Mose 32,3.4; Hebr.11, 24-27.)
DAS WORT GOTTES IST HEILIG UND ABSOLUT ZUVERLÄSSIG Im sechsten Schwangerschaftsmonat der Elisabeth verkündet der Engel Gabriel der Jungfrau Maria ein Freuden- und Gnadenwort von höchster Stelle. Er kündet die Erfüllung von Jesaja 7, 14 an. Wörtlich sagt der Engelbote: »Guten Tag, freue dich, du, der Gott seine Gnade zugewandt hat. Der Herr ist mit dir!« Ein überraschender Gruß, über den die Angesprochene zunächst tief erschrickt. Wer um die Heiligkeit Gottes und um die persönliche »geistliche Armut« vor Gott weiß, der gerät in Erschütterung und Entsetzen. »Doch ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten« (Ps. 51, 19; Jes. 66, 2). In ihrer Erschütterung »überlegte Maria, was für ein Gruß dies sei« (V.29). Ob sie beim Nachdenken eine alte biblische Spur entdeckt hat? Wir nehmen sie auf: Richter 6,12; Zefanja 3,14-17 und Sacharja 2,14. Mit einem Zuspruch von Gott will der Engelbote Maria die Furcht nehmen: »Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden« (V. 30). Gnade bei Gott gefunden haben viele: zum Beispiel Noah, Mose und Daniel (1.Mose 6, 8; 2.Mose 33, 16ff; Dan. 10, 11. 12). Von ihnen allen sagt das Wort Gottes zusammenfassend: »Wohlgefallen vom Herrn erlangt, wer fromm ist« (Spr. 12, 2). Es gefällt Gott, er freut sich, wenn Menschen ihr Leben an seinem Wort orientieren. Maria, jung und unbekannt, gehörte wie Zacharias und Elisabeth (V. 6) in die Reihe der ernsthaft Gläubigen des Alten Bundes. Und Maria bleibt offen für das große, unbegreifliche Wort, das Gott durch sie erfüllen wird: Sie soll den Sohn Gottes zur Welt bringen. Gott steht zu seinem Wort. Zu seiner Zeit geschieht, was er zugesagt hat. An welche Zusagen Gottes im Alten Testament erinnert die Engelbotschaft in den Versen 31-33? Mögliche Vertiefung: 1.Mose 3, 15; 2.Samuel 7, 12. 13. 16 und Jeremia 23, 5. 6. Was lernen wir heute daraus?
Einen weiteren Grund, warum David so glücklich ist in der Gemeinschaft mit Gott, nennt er uns in V. 7: »Ich lobe den Herrn, der mich beraten hat; auch mahnt mich mein Herz des Nachts.« Heute würde David sagen: »Ich habe einen Top-Berater, der nie ratlos ist!« Er weiß auf allen Gebieten bestens Bescheid und verliert niemals den Überblick. Haben wir Gott schon einmal für seine hervorragende Beratung gelobt und ihm gedankt? Wie oft hat er in ausweglosen Situationen und in nicht durchschaubaren Angelegenheiten eingegriffen! Wie oft hat er Wege gezeigt, an die wir nicht dachten! Er wird uns auch heute beratend begleiten, wenn wir ihn darum bitten. »Du großer und starker Gott, Herr der Heerscharen ist dein Name, groß von Rat und mächtig von Tat, und deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder« (Jer. 32, 18. 19). Um sich von jemandem beraten zu lassen, ist Vertrauen notwendig. Unser Vertrauen zu Gott öffnet uns die Tür zu seinem Herzen. Er wird sich uns mitteilen und sich zu unseren speziellen Fragen äußern. »Das Geheimnis des Herrn, seine vertraute Mitteilung ist für alle, die ihn fürchten!« (Lies 1.Sam.23, 2.4; 30,7.8; Ps.119,24.) David lässt sich aber auch Korrektur von Gott gefallen. Er spricht davon, dass ihn »sein Herz mahnt bei Nacht«. Wir können hier auch vom Gewissen, unserem inneren Warn- und Signalsystem, sprechen. »Heute wird vielfach behauptet, das Gewissen sei die Folge einer gelungenen Manipulation durch die Erzieher . . . Es kann keine Rede davon sein, dass unser Gewissen, das wie ein Signal aufleuchtet, wenn wir schuldig wurden, von den Erziehern allein eingepflanzt worden ist. Unser Gewissen ist eine vorprogrammierte Funktion, die dann in Kraft tritt, wenn der Mensch in der Lage ist, gut und böse zu unterscheiden« (Chr. Meves).
»Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, steht er mir zur Rechten, werde ich festbleiben.« Nicht die schwierigen Umstände, nicht die Stürme und Nöte, die sein Leben durcheinanderwirbeln und ihn aus dem Gleichgewicht bringen könnten, fesseln Davids Blick. Er schaut auf zu dem Gott, der das weite Universum geschaffen hat und in dessen Hand auch sein kleines Leben liegt. »Hänge deinen Gedanken nicht nach; vertiefe und verirre dich nicht in sie, sonst rammst du dem Feind, der deine Seele belagert, selbst und eigenhändig die Pfähle ein« (W. Löhe)! Auf unsere Blickrichtung kommt es an! Wir können wie David den Herrn vor Augen haben, wenn wir in Gottes Wort beheimatet sind. Pastor Wilhelm Busch erzählt von einem Besuch bei einem Blinden. Der Mann bat ihn, ihm doch ein Bibelwort vorzulesen. »Ich hatte keine Bibel bei mir und wurde etwas verlegen. Greifen sie nur hinter sich; auf der Fensterbank liegt eine. Er konnte sie nicht lesen, aber er hatte es wohl öfters mit solchen Versagern wie mich zu tun. Schlagen sie Psalm 34 auf!, kommandierte er. Mein Blick streifte das Gesicht des Blinden. Ein strahlender Glanz lag auf ihm, so, als stünde er mitten unter den himmlischen Heerscharen, um Gott zu loben. Ich las: Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten. Wieder musste ich auf den Blinden sehen. Er nickte still. Ich las weiter welche auf ihn sehen - einen Augenblick stockte ich: Nun lässt dieser Blinde mich ausgerechnet ein Wort lesen, das vom Sehen spricht! Ich kam mir ein bisschen taktlos vor. Aber dann las ich weiter, weil er es wünschte: Welche auf ihn sehen, die werden erquickt, und ihr Angesicht wird nicht zuschanden! Das ist wahr, bekräftigte er, und ich begriff, dieser Blinde ist in Wirklichkeit sehend.« (Lies Ps.119,6.30.31.88-93.)
David ist glücklich über die Gewissheit, dass »Gott ihm zur Rechten steht«. Mein Gott steht mir heute bei. Er steht mir zur Seite und trägt Sorge für mich. Das weckt neue Kräfte, da keimt Hoffnung auf und Mut. David erinnert uns immer wieder an Gottes helfendes Eingreifen. In Psalm 20, 7 gibt er solch eine Erfahrung weiter: »Seine rechte Hand hilft mit Macht.« Das ist ein Wort für Menschen, die ohnmächtig vor einer Situation stehen und sich in ihrer Hilflosigkeit an den allmächtigen Gott wenden. Er richtet die auf, die nicht weiterwissen, die niedergeschlagen sind, die von Leid, Kummer und Schmerzen gebeugt ihren Weg gehen. Auch in Psalm 63 richtet David in bedrohlicher Lage seinen Blick auf Gott und sagt: »Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir. Mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.« David erlebte quälende Wüstenzeiten, - vielleicht eine Dürreperiode in seinem geistlichen Leben. Diese Zeit muss für ihn nahezu unerträglich gewesen sein, denn er kennzeichnet die Lage als aussichtslos: »Es gab kein Wasser.« Nichts, was hätte beleben können, steht ihm zur Verfügung, aber David vergisst nicht, sich an Gott zu wenden: »So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum.« Dieser Aufblick zu Gott lässt ihn wenige Verse weiter sprechen: »Meine Seele hängt an dir; deine Rechte hält mich« (Ps. 63, 9). Das hebräische Wort, das hier für »anhängen« gebraucht wird, bedeutet so viel wie »in Liebe an einer Person festhalten«. So innig ist Davids Verhältnis zu seinem Gott, und deshalb kann er sagen: »Ich werde fest bleiben, ich werde nicht wanken, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.« (Lies Ps. 73, 23; 62,6.7; 66,8-12; 55,23.)
In den letzten Versen bricht bei David die strahlende Hoffnung durch, die unser irdisches Leben und das ewige Leben einschließt. »Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.« David ist sich sicher, dass der Tod nicht das letzte Wort über ihn hat. Wie das zugehen soll, bleibt hier noch ein Geheimnis. Am Anfang seines Liedes sagt er zu Gott: »Du bist mein ganzes Glück!« Das Ende seines Liedes führt über dieses irdische Leben hinaus, hinein in die ewige Herrlichkeit. Dort erwartet ihn in der Begegnung mit Gott eine unbeschreibliche Fülle von Freude. »Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.« (Lies Jes.35,10; Joh.14,3; 17,24; Phil. 3, 20. 21.) Petrus zitiert in seiner Pfingstpredigt (Apg. 2, 24-28) Psalm 16, und weist mit diesen Worten auf die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus hin. Seine Auferstehung ist die Garantie dafür, dass wir in Ewigkeit bei ihm sein werden und er uns nicht dem Tod überlassen wird. »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben« (Joh.11,25.26). Dann wird sich erfüllen, was wir hier auf Erden nur bruchstückweise erfahren: »Fülle von Freude ist vor seinem Angesicht.« Diese Freude ist verbunden mit dem Schauen seines Angesichts. Die letzte Grenze, die uns auch als Kinder Gottes jetzt noch von ihm trennt, wird dann fallen, und »wir werden ihn sehen, wie er ist«. Was für ein Tag wird das sein! (Lies 1. Joh.3, 1-3; 1.Petr.1,8.9; Offb. 22,3.4.)
KEIN WORT, DAS VON GOTT KOMMT, IST KRAFTLOS Die Menschwerdung Gottes beinhaltet ein großes Geheimnis. Der Schöpfer wird ein Geschöpf, ohne seine Schöpfermacht preiszugeben. Das Wort Gottes wurde Fleisch: Gott geht ganz in diese Welt ein, ohne in ihr aufzugehen. Der Herr aller Herren wird ein Knecht, ohne sein Herr-Sein aufzugeben. Dieses Geheimnis kann unser Menschenverstand weder ergründen noch verstehen. Es ist unfassbar, aber ganz wirklich und ganz wahr. Wir dürfen das Unfassbare im Glauben aufnehmen und über das Wunder der Menschwerdung Gottes staunen, staunen, staunen. Und über dem Staunen zu Lob und Anbetung finden. Anders ist auch Maria nicht mit diesem Geheimnis »fertig geworden«. Für sie bedeutete es eine beispiellose Zumutung. Sie spricht offen mit dem Engelboten darüber (V. 34). Wir dürfen vor Gott unsere Ratlosigkeit sehen und aussprechen. Maria tat dies mit einem erwartungsvollen Herzen; und der Himmelsbote erklärt der jungen Frau, dass der Heilige Geist ihren Leib und ihr Leben für das Wunder der Menschwerdung Gottes beansprucht. Äußeres Zeichen für das »innere Wunder« soll für Maria die wundervolle Schwangerschaft von Elisabeth sein. Hier wird deutlich: Gott handelt zwar unbegreiflich wunderbar, aber nicht als Fremdherrscher, sondern als Freund, der den Menschen liebt und ihm in seiner größten und eigentlichen Not helfen will. »Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig - nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit . . . « (Lies Tit. 3, 4-7.) Das konnte Maria so noch nicht bekennen, denn der Glaube ist immer auch ein Reifungsprozess. Und doch traf sie eine sehr reife Glaubensentscheidung: Sie öffnete und unterstellte sich dem Willen Gottes ohne Einschränkung. Das ist das größte Gotteslob, die echte Anbetung Gottes, wenn wir uns seinem Wort und Willen hingeben. Römer 6,13 hilft mir dabei.
Kurze Zeit nach der Begegnung mit dem Engel Gabriel finden wir Maria nicht bei Josef, ihrem Verlobten. Zwar war der Ehevertrag bereits gemacht, aber die Hochzeit, die nach damaligem Recht das gemeinsame Wohnen erst ermöglichte, noch nicht gefeiert. Erst mit der Hochzeit begann für Menschen, die sich am Willen Gottes orientierten, das gemeinsame Leben als Ehepaar (V. 34; vgl. Matth. 1, 18ff). So finden wir Maria bei Elisabeth, ihrer Verwandten. Hier will Maria sich verbergen und »abwarten, wie Gott die unglaublich komplizierte Situation lösen wird, die durch ihre Schwangerschaft entstanden ist. Vor ihr lagen ohne Gottes Eingreifen folgende Möglichkeiten: entweder nach 5.Mose 22, 20. 21 gesteinigt oder von Josef nach 5. Mose 24, 1ff mit Schimpf und Schande entlassen, d.h. geschieden zu werden« (G.Maier). Maria hat einen Zufluchtsort gefunden - bei Elisabeth und bei Gott -, weil sie das Zeichen, das der Herr ihr in Gestalt der Elisabeth gegeben hatte (V. 36), annahm. Und Elisabeth - durch ein Wunder Gottes mit einem Kind beschenkt - öffnete nicht nur die Wohnungstür für die junge Frau, sondern auch ihr Herz. Die größte Stärkung aber geschieht durch Gott selbst: Der Herr hat Elisabeth durch das werdende Kind und durch den Heiligen Geist vergewissert, dass Maria den Messias zur Welt bringen wird, von dem in Jesaja 7, 14 die Rede ist. Wie ereignet sich Glaubensstärkung in dieser vom Geist Gottes geprägten Zweierschaft? Durch den Zuspruch eines Segenswortes (V. 42) - durch ein persönliches Zeugnis (V. 43. 44) - durch Bekräftigung des Gottvertrauens (V.45a) - durch den Hinweis auf Gott, der sein Wort niemals bricht (V.45b). Wie gehen wir mit eigenen und fremden Nöten um? Wie gewähren wir einander Stärkung und Ermutigung im Glauben? Zur weiterführenden Vertiefung helfen: Kolosser 3,16.17 und 1. Petrus 4, 7-11.
DER HERR IST GROSS UND SEHR ZU LOBEN Maria ist erfüllt von einer großen Freude: Gott ist aus seiner überragenden Herrlichkeit herabgekommen und hat eine Rettungsaktion ohnegleichen eingeleitet. Das motiviert die Glaubende, den Namen und das Wirken Gottes in dieser Welt bekannt und groß zu machen. Lesen wir ihren Lobpreis noch einmal: Wie beschreibt Maria Gott, sein Wesen und Wirken? o Maria rühmt den Herrn als ihren persönlichen Retter: »Mein Retter« - das heißt: »Gott erlöst mich aus Sünde und Finsternis, er hilft mir ganz umfassend auf allen Gebieten meines Lebens, vor allem aber bringt er mich in sein ewiges Reich. Hier spiegeln sich Jesaja 63, 16 und Habakuk 3, 18 ganz deutlich wider. Unendlicher Jubel strömt in diejenigen hinein, die Gott als diesen Retter annehmen und anbeten«, schreibt ein Ausleger. o Maria besingt Gott als den Mächtigen, Heiligen und Barmherzigen. Sie selbst ist Zeugin seines machtvollen Handelns. Er ist der Mächtige, dem kein Ding unmöglich ist. (Lies Matth. 19, 26; 5.Mose 10, 21; Hiob 42, 2.) Er ist der Sünd- lose und ganz Reine. An seiner Heiligkeit muss alles Unheilige vergehen. Doch er ist zugleich der barmherzige Gott. Er ist die Güte und das Erbarmen in Person. »Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte« (Ps.103, 8). Was zeigt an dieser Stelle ein Vergleich mit dem Lobpreis der Hanna in 1.Samuel 2, 1-10? Maria war ganz unten. In der Tiefe schaute sie auf zu ihrem Gott und vertraute sich seinem Wort und seiner Führung bedingungslos an. Sie fand zu Lob und Anbetung. Marias Umstände sind nicht leichter geworden. Daheim werden Missverständnisse und üble Gerüchte auf sie zukommen, aber sie weiß sich in der Hand Gottes geborgen. - Welche Rolle spielt das Lob Gottes in meinem Leben?
WIR BRAUCHEN EIN KLARES NEIN ZU ALLEM, WAS GEGEN GOTT IST In langer stiller Zurückgezogenheit hatte Elisabeth staunend wahrnehmen können: »Der Herr hat mich angesehen und meine Schmach unter den Menschen von mir genommen« (V. 24. 25). Wie kann doch ein schwerer Kummer noch drückender werden, wenn er »im Geschrei« der Mitmenschen platziert ist (so J.A.Bengel zu V. 36)! Doch nun sind sie alle da und freuen sich von Herzen mit über den guten Verlauf der Schwangerschaft und die Geburt eines gesunden Sohnes (vgl. Röm. 12, 15). Die Eltern wussten: Gott will sein Leben groß anlegen (V.15-17). Auch wir sollen nicht zu kurz kommen. Das Ja Gottes über unserem Leben steht fest. Nichts kann seine Liebe zu uns durchstreichen. Er kann etwas ganz Neues wirken. Der Herr ist größer als unsere Kraftlosigkeit und unser Kleinmut. Das haben auch Elisabeth und Zacharias erfahren - allerdings nicht automatisch, galt es doch, zum Ja Gottes vor den Menschen aktiv zu stehen. Gegen alle Überredungskünste und Argumente der Festgemeinde halten die Eltern an dem Namen Johannes fest. Elisabeth setzt der aufgeregten Menge ein entschiedenes »Nein« entgegen, und Zacharias hält den von Gott angeordneten Namen »schwarz auf weiß« fest. Der Sohn muss Johannes heißen; denn sein Name ist das Programm Gottes für Israel: »Der HERR ist gnädig.« - Zacharias macht die Erfahrung: Der Gehorsam Gott gegenüber löst die Zunge Menschen gegenüber. Sein Unglaube hatte ihm die Sprache geraubt. Der Gehorsam gibt sie ihm wieder. »Wenn du dem HERRN richtig zuhörst und ihm gehorchst, ist das besser als ein Opfer« (1.Sam.15,22; vgl. Ps.81,14; Micha 6,8; Röm.16,19). Wir wollen weder der Tradition (V.59.61) noch der (gut gemeinten) Ansicht der Mehrheit unsere Opfer bringen, sondern sorgfältig hören und tun, was Gott uns gesagt hat. Nur gut, wenndarüber überall im Land gesprochen wird (V.65)!
GOTT BESUCHT SEIN VOLK Zum zweiten Mal erklingt im Haus des Zacharias ein großartiges Gotteslob. Es ist das Erste, was über die Lippen des geheilten Priesters kommt (V. 64). Hat Zacharias keine Fragen und keine Probleme mehr? Doch sicher. Die nüchterne Anfrage »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« (V. 66) mag den betagten Vater tief berührt haben. Aber Zacharias hat eine neue Sicht für seinen Gott bekommen. Vom Geist Gottes erfüllt, schaut er prophetisch Krippe und Kreuz als bereits vollendete Ereignisse (V.68-70). »Gott hat sein Volk angesehen« und in der Gestalt des Messias »hat er es besucht« und »erlöst«. Was der Alte Bund angekündigt und vorbereitet hat, war von Ewigkeit her Gottes Plan, den er im messianischen Davidssohn erfüllt hat. So willkommen der kleine Johannes war, so dankbar sich seine Eltern zeigten - das Kind in der Krippe ist größer, der Mann am Kreuz ist wichtiger. »Gott hat sein Volk besucht und ihm eine Erlösung verschafft.« Auf diese Erlösung wartete Israel. Unzählige Hoffnungen waren ihm schon zerplatzt. Jesus aber ist die Hoffnung in Person. Wer auf ihn setzt, gewinnt Boden unter den Füßen (V. 79) und damit eine völlig neue Lebensqualität: die Bestimmung und Befähigung zum Dienst (V. 74. 75). - Im Aufwind des Heiligen Geistes werden auch langjährige Diener Gottes wie Zacharias neu beflügelt: Gott befreit sie aus dem verhängnisvollen Netz von Menschenfurcht und Menschengefälligkeit und beschenkt sie mit einem neuen Willen, seinen Willen zu suchen und zu lieben - ein Leben lang. Zur Vertiefung: Markus 10,42-45; Galater 5,1. 5-7. Das möchte ich meinem Herrn heute ganz persönlich anvertrauen:
»Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen« (Phil.2,13).
Die Alten unter uns werden sich an grauenvolle Bombennächte in dunklen Bunkern erinnern. Den Jungen unter uns wünschen wir, dass sie das nie erleben müssen. Dabei sind Terror, Gewaltakte und Krieg nur einen Atemzug weit von uns entfernt. Wie viele Menschen werden sich des Kummers und Leids gerade in der Weihnachtszeit schmerzhaft bewusst! Ob diese Leute erkannt haben, dass alle Not des Menschen in der Ewigkeitsnot wurzelt? Dass unser eigenes Herz im dunklen Bunker der Sünde mutlos zittert und sich ängstlich zu schützen sucht vor den Angriffen von außen? Wir sind von innen und von außen gleichermaßen umlagert von der Macht des Bösen: Psalm 14, 3; Matthäus 15, 19; 24, 4-12; Römer 3,23. Doch es gibt eine wirklich gute Nachricht: Die Erlösung wurde schon vollzogen. Zacharias hat das für sich gelten lassen. Jeder Mensch »kann das nur persönlich für sich selbst vollziehen, wie Gott die Mauern der Isolierung durchbricht und bei uns Wohnung machen will. In dem Augenblick lebt man schon im Himmel, auch wenn man noch mit beiden Füßen in der Welt steht. Dort bricht der Jubel an, wo Menschen im Schatten des Todes begreifen: Uns will Jesus besuchen. Uns will er aus der Angst erretten. Uns will er gerecht machen. Uns will er mit seinem Kommen beschenken, dass wir ihm ohne Furcht dienen können, solange wir leben. Unsere Füße will er auf dem Weg des Friedens führen, ohne dass wir stolpern. Hier kann man ihn finden, mitten in dem Leid und in der Traurigkeit unseres Lebens« (W. Scheffbuch). Zacharias brannte darauf, dass diese gute Nachricht ausgebreitet werden wird. Sein Sohn sollte Christus den Weg bereiten. Auf diesen Dienst bereitete Johannes sich sorgfältig vor. Er tat alles dafür, um Jesus groß zu machen. - Wie können Wegbereiter-Dienste für Jesus in meinem (unserem) Leben aussehen?
GOTT FÜHRT DIE SEINEN WUNDERBAR Meisterhaft, wie Gott auch Josef auf das Wunder der Menschwerdung Gottes vorbereitete! Dabei war die Situation alles andere als leicht und angenehm. Gott aber offenbart seine Herrlichkeit oft in Not und Schwierigkeiten. »Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren « (Jer.29,11). Wir mögen es (noch) nicht sehen; aber er wird »den Gerechten nicht wanken lassen ewiglich« (Ps. 55, 23). An Josef, »der ein Gerechter war«, einer, der sich am Willen Gottes orientierte, beobachten wir ein Doppeltes: o Er hörte und glaubte. - Josef hörte, dass die Ursache der Schwangerschaft kein Fehltritt war, sondern das Leben schaffende Wirken »aus dem Heiligen Geist«. Wie auch am Anfang der Welt »die Schöpfung aus dem Wort und Geist Gottes entsprang, so ist der Beginn der Neuschöpfung in Jesus durch den Heiligen Geist entstanden« (G. Maier). Eine »unglaubliche« Botschaft, die alle menschlichen Vorstellungen vom Messias sprengt. Denn er wird für unsere Schuld geradestehen, damit wir nicht in die Verdammnis müssen, sondern das ewige Leben haben können (V. 21). - Josef ist ein Mensch des Glaubens. Er hinterfragt das Wunder nicht, sondern glaubt das Unglaubliche. Zur Vertiefung: Johannes 3,16-18; 1. Johannes 4,9; Kolosser 1,15-23. o Er glaubte und gehorchte. Josef tut genau das, was ihm der Engel befohlen hatte - still, unauffällig, nüchtern. Der Glaube Josefs erweist sich in einem schlichten Gehorsam gegenüber dem Wort des Herrn. Wenn Gott spricht, ist jedes Wort wichtig. Wir brauchen aufmerksame Ohren, um unter den tausend Stimmen in und um unsseine Stimme zu verstehen. »Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn« (Ps.143,10; vgl. 5.Mose 13,1; 32,46; Joh.5,30; Röm. 8,14).
DAS KIND IN DER KRIPPE - HEILAND UND HERR DER WELT! Die Weihnachtsgeschichte entbehrt jeglicher Weihnachtsromantik. Alles atmet raue Wirklichkeit, herben Alltag: Steuerreformen - Unruhe, Unsicherheit, Umständlichkeit - riesige Menschenmassen - überfüllte Übernachtungsquartiere - schmutziger Stall, kalte Futterkrippe - mittendrin Josef und Maria und das Christus-Kind. »Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau« (Gal. 4, 4). Gott kam zum richtigen Zeitpunkt in unser armes, unruhiges, mühseliges und verletztes Leben. Er wollte so und nicht anders kommen. (Lies Phil.2, 6-11.) Er wählte das Leben in Kummer und Angst, um uns zu trösten. Er wählte das Leben mit all seinen Schuld- und Sündenvernetzungen, um uns aus dem Netz der Sünde zu retten. »Christ, der Retter, ist da!« Er wählte das Leben mit seinen ungezählten Mängeln und Schwächen, um uns in seine Lebensfülle zu führen. Er wählte das Leben unter dem schrecklichen Fallbeil des Todes, um uns seine Herrlichkeit zu schenken. »Euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, der Herr.« Lass dir helfen. Lass dich trösten. Lass dir vergeben. Lass dich beschenken mit seinem Frieden und mit seiner Freude. Geh zum Kind in der Krippe, klage ihm deine Not und dann sieh dir Jesus an. »Sieh nicht mehr an, was du auch seist. Du bist dir schon entnommen. Nichts fehlt dir jetzt, als dass du weißt: Gott selber ist gekommen! Und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, ein Fürst, der ewgen Frieden schafft. Dem Anblick deiner Sünden will er dich selbst entwinden« (J. Klepper). Wir lesen Jesaja 9, 5. 6 und überlegen: Was genau erwarte ich für meine Situation von diesem Treue-Wort Gottes?
Jesus Christus ist geboren. Dieser Jubel durchstrahlt das ganze Geschehen. In einem Weihnachtslied singen wir: »Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann; Gott hat viel an uns getan. Freuet euch mit großem Schalle, dass er uns so hoch geachtµ, sich mit uns befreundµt gemacht. Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide. Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne« (Christian Keimann). Wie gehen wir mit dieser überaus guten Nachricht um? Sehen wir uns die Hirten an! Es waren arme und verachtete Leute. Sie hatten in der Gesellschaft nichts zu melden. Wer hätte das gedacht: Auf einmal gehören sie zum Melde- Personal Gottes. Die große Zeitenwende, die mit der Geburt von Jesus Christus eingeläutet ist, ist ihre persönliche Lebenswende geworden. Wie das? o Die Hirten blieben nicht im Gewohnten sitzen. Sie fassten den Entschluss, »nach Bethlehem hinzugehen« (V.15). Sie wollten »sehen«, prüfen, testen, ob es wirklich stimmt, dass es einen königlichen Retter gibt, der Frieden und Freude ins Leben bringt. o Die Hirten verlieren keine Zeit und scheuen keine Mühe (V. 16). Der Urtext legt nahe, dass sie sich durchfragen und durchsuchen mussten, bis sie endlich beide fanden: »Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen«. Wir machen Erfahrungen mit dem Wort Gottes, wenn wir sein Wort ernst nehmen und uns auf den Weg machen. o Die Hirten erzählen das Weihnachtsevangelium (V. 10-12. 14) allen, die sie erreichen konnten, weiter (V. 17. 18). Sie sind tatsächlich »die ersten Evangelisten der christlichen Zeitrechnung« (J. A. Bengel). Wie halten wirµs mit Römer 10,10-17 und 2.Korinther 5,20? o Die Hirten vertiefen, was sie mit Gott erlebt haben, durch das Lob Gottes. Sie sind Lobsänger Gottes in ihrer Lebens- und Arbeitswelt.
ES GEHT NACH DEM WILLEN GOTTES Die Geschichte von Jesus ist nicht nur mit der großen Weltgeschichte (V. 1. 2) und der weltweiten Heilsgeschichte Gottes (V. 14) verbunden, sondern auch ganz eng mit der Geschichte der Juden und dem Alten Bund. Von Anfang an wurde Jesus »unter das Gesetz getan«. In unserem Bibeltext lesen wir zuerst von der Beschneidung (1.Mose 17, 1. 9-16), mit der die Namengebung verbunden war. Dann - nach der Erfüllung der Reinigungsvorschriften für die Mutter (3.Mose 12, 2-6) - von der »Darstellung« des Neugeborenen im Jerusalemer Tempel. Gemeint ist die Auslösung der männlichen Erstgeburt mit einem Geldbetrag (2.Mose 13, 2. 12. 15; 4.Mose 3, 40ff). Warum wurde Jesus »unter das Gesetz getan«? Er sollte und wollte in einem lückenlosen Gehorsam den ganzen Willen Gottes erfüllen, um denen zu helfen, die an den Ordnungen Gottes gescheitert sind, - »und er ward gehorsam bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz« (Phil. 2, 8). Zur Vertiefung: Matthäus 5, 17; Johannes 4, 34; Römer 7, 14. 18; 8, 1-4; 10,4; Galater 3, 23-26. Welch ein Bild: Simeon und Jesus! Unter der persönlichen Führung des Heiligen Geistes war es zu dieser bewegenden Begegnung im Tempelbezirk gekommen. In Anbetracht des nahen Todes darf der alte Simeon Jesus sehen und wird darüber zum Lobsänger Gottes, der alles Irdische loslassen und in tiefem Frieden den »Schritt über die Linie« tun kann. »Herr, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an« (Ps. 73, 24). Simeon konnte warten, und er konnte abtreten: »Denn meine Augen haben dein Heil gesehen.« Es ist das Heil, das von Gott kommt. Menschen können es nicht machen, aber auch nicht kaputtmachen. Wir können es uns »nur« schenken lassen und darüber den Geber ehren und loben. Ist das auch mein Bekenntnis: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«? (Lies Hiob 19,25-27; Ps.98, 2.3; Jes.52,10.)
AN JESUS SCHEIDEN SICH DIE GEISTER Es ist wunderbar, dass es schon im Umfeld der Weihnachtsgeschichte Juden gab, die Jesus als den Messias erkannten und bekannten. Denn das Heil kommt von den Juden (Joh. 4, 22), und es will zu den Juden. Zum Christusbekenntnis des Simeon tritt die Leidensprophetie des Simeon. Er weist darauf hin, dass die Mehrheit der Juden an dem Messias Jesus zu Fall kommen wird (Jes. 8, 14. 15; 28,16), dass er aber auch für »viele in Israel zum Aufstehen bestimmt« ist. Der Urtext meint hier das geistliche »Aufstehen«, das die Aufrichtung aus Sünde und Sklaverei des Todes bedeutet. »Diese Juden erkennen also Jesus als ihren Messias an und werden durch ihn erlöst« (G.Maier). - Das bestätigt auch die vierundachtzigjährige Prophetin Hanna als Vertreterin des ehemaligen israelischen Nordreiches. Und sie »redete wieder und wieder von Jesus (so die wörtliche Übersetzung) zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten« (V.38). Schon diese winzige Gemeinde der Christus-Bekenner kann es nicht lassen, von dem zu reden, was sie gesehen und gehört hat. Widerstände, Feindschaft, Anfeindungen und Angriffe wird es geben; denn der große Feind Gottes und der Menschen schläft nicht. Doch »es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden«. Denn »es ist in keinem anderen das Heil« als in Jesus; »es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen« (Apg. 4, 20. 12; lies Jer. 20, 9; 1.Kor.9,16). Brennt in unseren Herzen noch »ein Feuer« für Jesus? Was hindert uns, anderen Menschen von Jesus zu erzählen? Wie können wir Hindernisse überwinden? Seelsorgerliche Hilfen dazu: Sprüche 29,25; Apostelgeschichte 2, 42. 46. 47; 1. Petrus 1, 3-9; 2, 9-12; 4, 12-14. Wir können das Leben von Jesus nicht ohne seine Leiden haben.
SEHNSUCHT SUCHT ERFÜLLUNG König Herodes wird uns als Anti-Bild zu dem König Jesus vorgestellt. Herodes kennzeichneten eine außergewöhnliche Bau- und Kulturtüchtigkeit und eine abnorme Grausamkeit. Auch die Regenten dieser Welt kommen an Gott nicht vorbei. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege mit den Wegen Gottes, und sie müssen sich eines Tages vor dem Allerhöchsten verantworten (vgl. 2.Mose 1, 15-22; 2, 23. 24; 3, 9-12a; Dan. 5, 1-6. 18-28; Mark. 6, 14-20; Apg. 26, 1ff.). Herodes der Große verachtete den Gott Israels und erlag seinem Egoismus, seinem abgrundtiefen Misstrauen und seiner Machtgier, seiner Hinterlist und seinem Rache- und Mordgeist. Auf diesem dunklen Hintergrund sehen wir die helle Führungs-Linie Gottes, der seinen guten Plan gegen alle bösen Menschenpläne durchbringt. Für ihn ist es nicht schwer, auch Glaubensanfänger durch alle Wirren richtig zu leiten. Die Magier (Astrologen) sollten erfahren, dass das Geschick der Menschen nicht in den Sternen liegt, sondern in den Händen des göttlichen Herrschers. Aber Gott spricht mit den drei Männern die Sprache, die sie verstehen, und führt sie liebevoll und sicher vom Aberglauben zur Anbetung des wahren Königs. In jedem Menschen liegt eine tiefe Sehnsucht nach der Ewigkeit (Pred.3,11). Gott kennt dieses verborgene Heimweh nach dem Himmel. Er weiß auch um viel enttäuschte Sehnsucht und will, dass jeder Mensch die echte Lebenserfüllung, die in Ewigkeit nicht stirbt, findet. Er verspricht: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen« (Jer. 29, 13b. 14a; vgl. 5.Mose 4, 29; Jes. 55, 6; Ps. 27, 8; Amos 5, 4). Mit Jesus schenkt Gott uns die tiefste Lebenserfüllung, die es gibt, und das ewige Leben bei Gott. (Lies Joh.10,10; 1. Joh.5,10-15.) Heute will ich dankbar über die Führungen Gottes in meinem Leben nachdenken und mich von Herzen über seine Güte freuen. »Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte« (Ps.31, 8).
UND SIE HOLTEN IHRE SCHÄTZE HERVOR Die drei Magier kamen vom Glanz des Königspalastes in eine höchst bescheidene Notunterkunft. Sie ließen sich von der dürftigen Umgebung nicht irritieren. Die »große und heftige Freude« (V. 10) in ihren Herzen überstrahlt die äußerliche Armut. Sie wussten sich am Ziel ihrer Suche, »fielen nieder und erwiesen dem Kind die Anbetung« (V. 11). Ihre äußere Haltung - man kniete oder warf sich der Länge nach nieder und berührte mit der Stirn den Boden - entsprach der inneren Herzenseinstellung. Damit war ausgedrückt: Wir geben uns ganz in deine Hand. - Welch ein Kontrast zu den frommen Herren, die der König Herodes bemüht hatte (V. 4-6)! Sie kannten das Wort Gottes aus dem Effeff; sie hatten das Wissen vom Christus, aber sie machten sich nicht auf den Weg. Diese Heiden jedoch haben das richtungweisende Wort Gottes ernst genommen und erfuhren Führungsgewissheit: Sie »erkennen in Jesus den Weltheiland und Messias Israels« (G.Maier). Davon sprechen auch ihre Geschenke, die sie in Kisten oder Beuteln sorgfältig verpackt hielten. Gold und als wohlriechende Gewürze Weihrauch und Myrrhe zählten unter die Geschenke für einen König. Zugleich sind sie Gaben für die messianische Zeit (Ps. 45, 9; 72, 10. 11; Hohel. 3, 6; Jes. 60, 6), wobei Myrrhe schon auf die Grablegung von Jesus hinweist (Joh. 19, 39). Zum Staunen, wie sich durch diese Männer alttestamentliche Verheißungen erfüllen und auch schon etwas vom Leidensweg des Herrn angedeutet wird! Wer hätte mit solchen Anbetern gerechnet? Unter der Führung Gottes waren sie gekommen, unter seiner Führung treten sie die Heimreise an. »Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein« (H. Albert). (Lies Ps.121, 1-8.)
WIR SIND AUCH IM LEIDEN UNTER DER TREUE GOTTES Unser Abschnitt lässt zwei Handlungslinien deutlich erkennen: eine irdisch sichtbare und eine überirdisch unsichtbare Linie. Und mittendrin der glaubende Mensch. Sein Leben ist bedroht und zugleich im Heilsplan Gottes bewahrt. Skizzieren wir kurz die Bedrohungen: Mordplan des Tyrannen - Flucht nach Ägypten - Leben in der Fremde, ohne mächtige Freunde, ungewiss, wie lange - Warten müssen, ein Jahr, zwei, drei, vier Jahre? - Rückkehr und neuer Schrecken. Nach langwieriger Leidenszeit endlich zu Hause in Nazareth. Wir sehen: Jesus war von klein auf mit Entbehrungen, Belastungen, mit Kummer, Schmerzen und Tränen vertraut. Warum? »Er musste in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.« (Lies Hebr.2,14-18; 4, 15; vgl. Jes.53,3ff; 2.Kor. 8,9.) In aller Bedrängnis erfährt die Familie des Josef die Führung und den Schutz Gottes (V.13.19.20.22). »Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt« (Ps. 4, 4; vgl. Ps. 25, 17; 31, 4; 23, 3). Er führt nicht immer an der Not vorbei, aber er führt gewiss hindurch. Gott (be)hält die Fäden in seiner Hand. Davon sprechen auch die Erfüllungszitate in den Versen 15. 17. 18 und 23. Sie zeigen: Das Heilshandeln Gottes in Jesus knüpft an die Geschichte Israels an und führt sie weiter. Für unser persönliches Leben dürfen wir festhalten: Der unsichtbare Faden der Treue Gottes zu Josef und seiner Familie und auch zu uns reißt nicht ab in den Schwierigkeiten und Schocks des Lebens. Tyrannen leben nicht ewig, unser Gott aber ist ein »ewiger Fels«; wer sich ihm anvertraut, wird nicht untergehen (Jes.26,4; lies Ps.62, 6-10; Micha 7, 7).
Innerhalb weniger Sätze bringt der Evangelist Matthäus drei Zitate aus dem Alten Testament, die er auf das Leben des Jesuskindes bezieht. Während das Hosea-Zitat an die Befreiung Israels aus der Sklaverei in Ägypten erinnert, fasst das Zitat aus Jeremia die Notsituation Israels im Exil zusammen, aber auf dem Hintergrund der durchtragenden Treue Gottes und der Ankündigung des Neuen Bundes (vgl. Jer. 31, 3. 20. 31-34). Das Jesuskind erleidet als Flüchtling in einer extremen Leidsituation gewissermaßen ein Stück Israel-Geschichte. Aber noch mehr: Dieser Sohn ist größer als der Israel-Sohn; denn Jesus ist der ganz und gar gehorsame Sohn. Jesus ist größer als Mose, der Befreier aus Ägypten; denn durch und in Jesus »ist die Gnade und Wahrheit« Gottes unter uns sichtbar geworden (Joh. 1, 17). Jesus ist größer als alle Gefangenschafts- und Leiderfahrungen; denn er ist die sichtbar erschienene Treue Gottes in Person, und Jesus verbürgt sich mit seinem Leben für den neuen, den ewigen Bund Gottes mit Israel und mit uns. Wir mögen jetzt noch »mitten in der Angst wandeln« (Ps. 138, 7) und keinen Ausweg sehen - ähnlich bedrängt und einsam wie die kleine Familie des Josef im fremden Land -, doch wir dürfen getrost sein: »Christus, der Retter, ist da!« Das haben Zacharias und Elisabeth erfahren, davon konnte Maria ein Loblied singen, das erlebte Josef, und das hat auch die Magier und Hirten in ihrer Lebenssituation froh gemacht. Ob wir heute, am letzten Tag des Jahres 2004, nicht besonders viel Grund haben, Gott zu loben und zu ehren? »Ja, die Gnadenerweise des Herrn sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue« (Klagel.3,22.23). o Für welche »Gnadenerweise« Gottes im Jahr 2004 (Führungen, Fügungen, Bewahrungen, Wunder, Ermutigungen) will ich - wollen wir - ihm danken? o Wo brauche(n) ich (wir) sein »Erbarmen« besonders? o Mit dem Lobgesang des Zacharias (Luk.1,68-79) dürfen wir zuversichtlich ins neue Jahr blicken.
zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.