Montag, 1.Dezember

Psalm 5, 4; Daniel 6, 11; Matthäus 4, 4.

Siebtens: Die Bibel lieb gewinnen

Der not-wendige Blickwechsel auf Jesus ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Augenblicks-Entscheidung. Aber der Christ lebt nicht davon, sondern er lebt vom Wort Gottes. Anders gesagt: Wer seine Bibel kennt und liebt, wer sich in Gottes Wort vertieft, darüber nachdenkt und ihm vertrauensvoll gehorcht, der sieht in den Schrecksekunden und an den Abgründen des Lebens nicht nur das blanke Entsetzen, die gurgelnden Tiefen und lähmende Ausweglosigkeit, sondern den auferstandenen und zur Rechten des Vaters erhöhten Christus. Eine Lehrerin erzählte: »Wochenlang stand ich am Bett meiner todkranken Schwester, die nicht leben und nicht sterben, nur bewusstlos dahindämmern konnte. Mich packte abwechselnd das kalte Entsetzen und heißer Zorn darüber, wie ein geliebter Mensch und eine wertvolle Seelsorgerin im Reich Gottes so leiden muss. Da kamen dunkle Gedanken in meinen Kopf, Fragen, die ich bis dahin persönlich nicht kannte! Aber über dem Bett stand es schwarz auf weiß: Als es Morgen wurde, stand Jesus am Ufer (Joh.21, 4). Dieses Wort half mir, durch das Leiden gewissermaßen hindurch auf Jesus zu sehen. Der Blickwechsel war da. Er geschah immer wieder. Aber wirklich getröstet und getragen war ich deshalb, weil ich Jesus durch sein Wort kennen und lieben gelernt habe.« Wir dürfen die Zeit mit unserer Bibel nicht wie die kleine Pause am Schnellimbiss- Stand halten. Kennen und lesen wir das Wort Gottes gründlich und im Zusammenhang? Nehmen wir uns regelmäßig Zeit zum Bibel-Studium - allein und gemeinsam? Es geht nicht um ein zusätzliches »Muss«, sondern um eine grundsätzliche Priorität. Die Beschäftigung mit dem Wort Gottes hat Vorrang vor der Beschäftigung mit all unseren Arbeitsplänen: Dazu Lukas 10,38-42 und Psalm 37,4.

Anfang

Dienstag, 2.Dezember

Philipper 3, 12-14. 20. 21; 1.Petrus 1, 8-12.

Achtens: Das Ziel kennen und vertiefen

Jemand bezeugte: »Ich wusste viele Jahre, dass ich bekehrt sei, aber ich wusste nicht wozu, bis mir eines Tages von der Schrift her klar wurde: Ich bin bekehrt, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu erwarten seinen Sohn aus dem Himmel« (1.Thess.1,9.10; lies Apg.1,10.11; 3,19.20). Dem Herrn dienen und den Herrn erwarten, das gibt dem Christenleben Sinn und Ziel. Im dritten Kapitel des Kolosserbriefes lesen wir, dass Paulus die Christen, die vielfach Sklaven waren und zum großen Teil ein außerordentlich schweres Leben hatten, ermutigte, indem er ihnen klarmachte, dass die Art und Weise, wie sie als Christusnachfolger ihre Arbeit tun, entscheidend ist. Denn das letzte Wort hat nicht der irdische Herr, sondern der zum Himmel erhöhte »Herr aller Herren«: »Ihr dient dem Herrn Christus.« »Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen« (Kol.3,23. 24b). Wie kommen wir - in unsere modernen Abhängigkeiten eingespannten Leute - mit Kolosser 3, 22-24 zurecht? Bedenken wir: In den wenigsten Fällen werden wir als Christen eine allgemeine Abschaffung widerwärtiger Umstände erwirken können. Aber wir können die harten Widerwärtigkeiten von innen her mit der dienenden Jesus-Liebe »aufweichen«, indem wir unsere Aufgaben mit und für Jesus tun - zu Hause, im Beruf, in der Gemeinde. Immer gilt: Ihr dient dem Herrn Christus, dem ihr gehört. Ihm dürfen wir es überlassen, was er aus unseren Dienstbeiträgen macht, wohl wissend und vertrauend, dass Arbeit in dem Herrn nicht vergeblich ist. »Der wird euch auch fest erhalten bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus« (1.Kor.1, 8).

Anfang

Mittwoch, 3.Dezember

Hebräer 12, 1. 2;1. Johannes 3,1-3.

Lasst uns laufen in dem Kampf, der uns verordnet ist. Wie gut, dass wir für unterwegs Lebens- und Glaubenshilfen haben! Wir wiederholen sie mit jeweils einer Ermutigung unseres Herrn. 1. Die Voraussetzung kennen. Christen stehen auf der Seite des Siegers, der die Seinen versteht und für sie einsteht: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben« (Luk.12,32). 2. Wir dürfen Lasten ablegen. Jesus lädt uns ein: »Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken« (Matth.11,28). 3. Wir lernen ja sagen zu den Wegen, die der Herr führt. Er ermutigt uns durch seine eigene Haltung in schwerer Lage, als er sprach: »Abba, mein Vater, alles ist dir möglich, nimm diesen Kelch von mir, doch nicht, was ich will, sondern was du willst« (Mark.14,36). 4. Wir bleiben in Jesus. »Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht« (Joh.15, 5). 5. Wir dürfen viel mit dem Herrn reden. »Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren« (Joh.15,7; vgl. Matth.7, 7). 6. Wir üben den Blickwechsel auf ihn. Jesus sagt: »Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder« (Luk.22,32). 7. Wir lesen unsere Bibel sorgfältig. Der Samen, der aber auf gutes Land fiel, »das sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld« (Luk.18,15). 8. Wir behalten das Ziel im Auge. Jesus fordert die Seinen auf: »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Luk.21,25-28). MIT JESUS IM ALLTAG LEBEN - EMPFEHLUNGEN AUS JAKOBUS 3

Anfang

Donnerstag, 4.Dezember

Jakobus 3, 1. 2; Sprüche 29, 25.

I. WAS UNSERE WORTE BEWIRKEN KÖNNEN (3, 1-12) Schon in Jakobus 1, 19. 26 hatte Jakobus die Christen auf einen überlegten Gebrauch ihrer Zunge hingewiesen. Jetzt entfaltet er die angesprochene Thematik eingehend und kommt zuerst auf die Lehrer zu sprechen. Jakobus klagt nicht an, sondern er deckt Not auf, indem er sich selbst - erkennbar am »Wir« (3,1) - einbezieht. Zwei geschichtliche Tatsachen helfen uns, die in der jungen Christengemeinde entstandene Spannung zu verstehen. 1. In der heidnischen Umwelt des Judentums wurden mit Vorliebe die von der griechischen Philosophie geprägten Weisheitslehrer verehrt. Sie hielten große gelehrte Reden. 2. Im jüdischen Rabbinat gab es eine Fehlentwicklung zu verkraften. Die Rabbinen hielten den besten und dazu kostenlosen Religionsunterricht. Das verlieh ihnen im jüdischen Volk höchstes Ansehen. Darum galt es als besonders verdienstvolles Werk, einen Rabbi bei sich aufzunehmen und ihm alle Fürsorge zukommen zu lassen. Im Lauf der Zeit entstand aber ein unheimlicher Kreislauf von Menschenfurcht, Menschenabhängigkeit, Menschenverehrung. Es wurde den Rabbinen sehr leicht gemacht, zu Menschen zu werden, wie Jesus sie beschreibt: zu geistlichen Tyrannen, zu Denkmälern stolzer Frömmigkeit (Matth.23, 4-7; Mark.12, 38-40). Die christliche Gemeinde, die zur Zeit des Jakobus fast ausschließlich vom Judentum herkam, stand in der Gefahr, den zerstörerischen Trend einer vielgeschäftigen und formalen Frömmigkeit einzulassen. Jesus aber hatte für seine Nachfolger eine ganz andere Spur gelegt: Lehre und Leben stimmten bei ihm überein. »Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matth.11,29; vgl. Matth.20,26-28; Joh.13, 1-17).

Anfang

Freitag, 5.Dezember

Jakobus 3, 1; 1.Korinther 3, 6-15.

Jakobus warnt vor einem eigenmächtigen Hineindrängen ins biblische Lehramt mit einer juristischen Begründung: »Alle, die Gottes Wort lehren, werden von ihm nach besonders strengen Maßstäben beurteilt werden.« Jakobus will keine Angst einjagen, aber deutlich informieren: »Die Beurteilung, die bevorsteht (1. Kor. 4, 4), kann zur Verurteilung werden. Wenn ein Arzt etwas versäumt, nicht rechtzeitig nach seinem Patienten sieht, fahrlässigerweise die Diagnose falsch stellt, eine falsche Spritze gibt, so hat er unter Umständen ein Strafverfahren und einen zivilen Schadenersatzprozess zu befürchten. Wenn wir Gottes Wort falsch ausrichten, wenn wir Gesetz statt Evangelium predigen, wenn wir die Gnade billig machen, wenn wir am Ernst des Bußrufs etwas abbrechen, wenn wir davon oder dazu tun (Offb. 22, 18. 19), so droht uns keine Verfolgung durch den Staatsanwalt. Doch es droht uns das göttliche Gericht, das nicht weniger schwer wäre als das Gericht Gottes über die Ungläubigen (Luk.12, 46-48)« (F. Grünzweig). Was kann uns, besonders allen Mitarbeitern in Verkündigung und Lehre, helfen, auf dem Dienstweg, wie Jesus ihn gezeigt hat, zu bleiben? 1. Eine hohe Wertschätzung der Heiligen Schrift. (Vgl. Ps. 12, 7; 19, 8-11; Spr. 30, 5.) Wir können richtig stolz sein auf die Bibel! Sie ist das einzige Buch, das uns das Herz Gottes und das Herz des Menschen zeigt, wie es wirklich ist und wie wir unseren Durst nach Leben, nach Freude und Freiheit stillen können. 2. Ein sorgfältiges Studium darüber, wie Jesus selbst mit dem Wort Gottes umging: Matthäus 4, 1-10; 15, 1-9; Lukas 4, 17-21; 24, 25-27. 32. Wenn wir die großen Reden des Herrn lesen - Bergpredigt, Gleichnisse, Endzeit-Reden, Abschiedsreden -, stellen wir fest, wie tief Jesus im alttestamentlichen Gotteswort verwurzelt war und er sein Leben im Wort und Willen des Vaters festgemacht hatte: »Muss ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist« (Luk.2,49)?

Anfang

Samstag, 6.Dezember

Jakobus 3, 1; Prediger 12, 9-11. 13. 14.

Was kann uns, besonders den Mitarbeitern in Verkündigung und Lehre, helfen, auf dem Dienstweg, wie Jesus ihn gezeigt hat, zu bleiben? 3. Eine neue Dankbarkeit. Ich darf mir neu bewusst werden: Ich stehe vor Gott, der mich berufen, beauftragt und begabt hat (Röm.12, 6-8; Eph. 4,11; 1.Tim. 2, 7). Dafür will ich ihm danken und die Gaben im Vertrauen auf seine Kraft einsetzen. So werden wir bewahrt, uns von Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit leiten zu lassen. 4.Innere Wachsamkeit. Wenn es darum geht, biblische Lehre zu überbringen, habe ich sorgfältig darauf zu achten, die Wahrheit Gottes, nicht die eigene Meinung, zu lehren: Kolosser 2, 8-11; 1. Timotheus 6, 3-5; Titus 2, 7. 8. 5. Termine mit Gott. Jeder Christ, der Mitarbeiter und Bibellehrer erst recht, braucht viel Zeit für das Gespräch mit Gott. Persönliche Bibelarbeit und Gebet sind grundlegend: Johannes 15, 7. 8. Wer im Licht des Wortes Gottes steht, der erkennt auch persönliche Defizite, Macken und Kanten. Aber er erfährt ebenso, wie befreiend es ist, von Gottes gnädiger Zuwendung zu leben. Solch ein Lehrer wird davor bewahrt, ein »Herr Unfehlbar« zu werden. 6. Die Übung schlichten Gehorsams. Ich will tun, was Gott mir sagt. Daraus erwächst glaubwürdiges Christsein, wenn unsere persönliche Lebensführung »dieselbe Sprache spricht« wie das, was wir lehren und verkündigen. Es ist wichtig, dass Glaube und Leben miteinander und ineinander, nicht neben- oder gar auseinander wachsen (1.Kor. 1, 27; 1. Tim. 4, 12-16). Welch starke Zusage gibt Gott uns mit Daniel 12, 3 auf den Dienstweg zur Ausbreitung seines Wortes! »Die Verständigen aber, die Gottes Wort bewahren und vielen Menschen den Weg zum Leben gezeigt haben, werden für alle Zukunft leuchten wie die Sterne am Himmel.«

Anfang

Sonntag, 7.Dezember,

2.Advent

Psalm 24, 1-10.

Nachdem wir uns am ersten Adventssonntag hauptsächlich mit geschichtlichen Schwerpunkten zu Psalm 24 befasst haben, soll heute und an den beiden kommenden Sonntagen der Inhalt des Textes zur Sprache kommen. Unter dem Thema »Jahwe ist der wahre König« gliedert sich der Psalm in drei Abschnitte: 1. Gott ist Schöpfer und Eigentümer der Welt (V.1.2). Gott, der Schöpfer der Welt, kommt in sein Eigentum. Er will Einzug halten - nicht nur im Jerusalemer Tempel, sondern überregional in seiner »geliebten Welt«. Darum soll sich auch »alle Welt« bereithalten, damit er einziehen kann. Der Evangelist Johannes bestätigt: »Erkam in sein Eigentum« als das ewige Wort Gottes, durch das die Welt entstand, »Fleisch wurde« und Menschengestalt annahm (Joh. 1, 12a; lies (Joh.1,14; Phil.2, 7). Sollte der Weltenschöpfer, der den Kosmos ins Dasein rief, nicht auch in der Lage sein, die von vielen Zweifeln hinterfragte Jungfrauengeburt seines Sohnes zu schaffen?! Dort bei der Schöpfung war der Heilige Geist am Werk (1.Mose 1, 2), und hier bei der Kreation des Sohnes Gottes in Maria ist er es auch (Luk. 1, 34. 35). Welch ein Meisterwerk! Es verdient nicht nur Beachtung und Betrachtung, sondern tief persönliche Verinnerlichung. Kein anderer als der Heilige Geist arbeitet auch an Menschenherzen, bis sie sich öffnen für das Wunder der Heiligen Nacht. Kein anderer als der Heilige Geist lässt den Gott »über uns« und den Gott »bei uns« auch den Gott »in uns« werden (Röm. 8, 10; Gal. 2, 20; 4, 19; Kol. 1, 27). Denn was bringtµs, wenn ich Jesus im Stall von Bethlehem geboren werden lasse - man nimmt die Festzeiten per Tradition mit -, aber nicht in meinem Lebenshaus? Das ist die große Chance im Advent: Der Schöpfergott möchte mein persönlicher »Neuschöpfer« sein (Luk. 19, 1-10; Joh. 1, 12. 13). Selbst da, wo ich aufgegeben habe und nicht mehr mit einer Veränderung rechne, will er Neues wirken: Jesaja 43,19; 42,16; 61,11; Hesekiel 36,26.27; Zefanja 3,14-20.

Anfang

Montag, 8.Dezember

Jakobus 3, 2; Sprüche 10, 19-21.

Nicht nur Lehrer haben ihre Worte sorgfältig einzusetzen; denn wir alle haben unsere Fehler. Jakobus sagt wörtlich: »Wir alle stolpern oft.« Das betrifft besonders unser Mundwerk. »Es stolpern mehr Menschen über ihre Zunge als über ihre Füße.« Dieser humorvolle Satz auf einer Postkarte bringt treffend zum Aus- druck, dass wir oft aus Gedankenlosigkeit versagen. Man hört gar nicht richtig hin und redet einfach. Man meint schon zu wissen, was der andere sagen will, und lässt ihn gar nicht ausreden. Man findet den Gesprächspartner zu umständlich, wenn er sich äußert, und schneidet ihm das Wort ab. Wir tun uns wirklich schwer mit unserem Reden und Nicht-Reden. Das stellt Jakobus ganz nüchtern fest: »Wem es freilich gelingt, nur das zu sagen, was dem anderen hilft und ihm nicht schadet, den kann man als vollkommen bezeichnen. Denn wer seine Zunge beherrscht, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.« Bezeichnenderweise gibt Jakobus uns jetzt nicht den Rat: »Schweigt euch lieber an!« Wie dick kann doch die Luft sein, wie gespannt die Atmosphäre, wenn man nicht redet! Es ist so: »Die Regelung des Wortes ist das Allerschwerste, das Allerletzte, was wir erreichen« (A. Schlatter). Es gibt nur einen im Reden und Schweigen »Vollkommenen«: Jesus, der sündlose Menschensohn. Sicher hat Jakobus als Halbbruder von Jesus oft darüber nachgedacht, wie der Herr mit den Menschen sprach - mit freundlich und feindlich Gesinnten, stillen und lebhaften Gemütern, mit schwierigen und ober- flächlich wirkenden Leuten, mit akademisch Gebildeten und Facharbeitern, mit Kranken und Starken. In den Evangelien finden wir dazu zahlreiche Beispiele. Zur rechten Zeit das Richtige sagen oder still sein, das lernen wir in der tiefen Freundschaft mit Jesus: Markus 14, 60-62; 15, 1-5; Johannes 18, 33-37; 19, 9-11; 1. Petrus 2,21-25.

Anfang

Dienstag, 9.Dezember

Jakobus 3, 3-6.

Jakobus veranschaulicht mit drei bildhaften Vergleichen, wie grundlegend der Gebrauch unsrer Zunge für unser ganzes Leben ist. Niemand sage vorschnell: »Die Zunge ist doch nur ein kleines Körperteil, nicht so wichtig.« Jakobus setzt dagegen: 1.Vergleichen wir die kleine Zunge mit der kleinen Gebiss-Stange im Maul des Pferdes. Das angelegte Zaumzeug ermöglicht es dem Reiter, das ganze Tier zu zügeln. Die Gangart des Pferdes, seine »Ausstrahlung« rundum, lässt sich vergleichen mit der »Gangart« und Ausstrahlung unseres Lebens. Ob wir uns bewusst sind, welch fundamentale Rolle dabei eine gezügelte oder lose Zunge spielt? Unsere Worte haben vor Gott ein großes Gewicht. Er weiß nicht nur um jedes Wort auf meiner Zunge (Ps.139, 4), er wird mich auch eines Tages beurteilen und prüfen, wie ichµs gehalten habe mit unnützen und bösen Worten (Matth.12,36-37). Dann hilft kein Pochen auf meine guten Taten! Viele Menschen, auch Christen, haben hier ihre Schwachstelle. Sie meinen, Worte verfliegen und Taten bleiben. Die Bibel aber zeigt eine andere Richtlinie: Auch Worte zählen bei Gott unter die Taten. Reden und Tun, Sprache und Leben, Worte und Sein gehören untrennbar zusammen wie Zunge und Lippen. Maßgebend wird sein: Wer sitzt bei mir »im Sattel«? Wer führt die Zügel? Ich selbst? Andere Menschen? Oder gar böse Mächte? Eins ist gewiss: Kein Mensch kann sich selber führen. Er ist darauf angelegt, geführt zu werden. Ich darf mich in allem dem einzigartigen und guten »Reitmeister«, dem Heiligen Geist, anvertrauen. Er führt mich richtig und sicher: Johannes 16, 13-15; Römer 8, 14. Gott will sogar seine Worte in meinen Mund legen (Jer. 1, 9; vgl. 2.Mose 4, 12; Matth.10,19.20). So bekommt mein Leben göttliche Ausstrahlung.

Anfang

Mittwoch, 10.Dezember

Jakobus 3,4; Jesaja 50, 4. 5.

Jakobus gebraucht ein weiteres Bild für die große Wirkungskraft der mensch- lichen Zunge: 2.Vergleichen wir die kleine Zunge mit dem kleinen Steuerruder am mächtigen Schiffsrumpf! Für eine zielklare geborgene Fahrt auf See sorgen vor allem Steuerruder und Steuermann. Selbst ein Ozeanriese mit seiner Fracht wird durch Wind und Wellen sicher gelenkt vom »Winzling« seines Steuerruders.

Unser Leben soll nicht ziellos verlaufen. Wie schwer bepackt wir auch sein mögen, wie stürmisch Winde wehen und Wellen brausen, wir sollen nicht auflaufen und nicht untergehen, sondern den Hafen der Ewigkeit bei Gott erreichen. Noch befinden wir uns auf der Überfahrt von der irdischen in die himmlische Heimat. Noch können wir mit unserem kleinen Steuerruder wichtige Kurskorrekturen vornehmen. Wie kann das ganz praktisch geschehen? o Prüfen wir unsere Sprechgewohnheiten vor Jesus: Wo sind die konkreten Schwachpunkte in meinem Reden? Bin ich bereit, mich verändern zu lassen? o Fragen wir uns immer mal wieder still im Herzen: Ist es nötig, dass ich jetzt rede? Ist es wahr, was ich äußere? Ist es heilsam, hilfreich, aufbauend, was ich sage? (Vgl. Spr.12,25; 15,23.30; 16,24.) o Aber nicht nur fragen, sondern auch das kleine Steuerruder tatsächlich in die entsprechende Richtung lenken, wenn Gottes Geist uns ermahnt: »Sag das lieber nicht!« - dann auch gehorchen - oder: »Du solltest jetzt deinen Mund auftun und diese Sache ansprechen, um Verzeihung bitten, eine Information, ein Bibelwort, eine persönliche Erfahrung mit Jesus weitersagen . . . « - dann auch tun, woran Gott uns im Herzen erinnert. o Wenn Gott uns »die Zunge eines Jüngers« gegeben hat, dürfen wir uns darauf verlassen, dass er uns heute hilft, mit unserem Nächsten freundlich, wahr und klar zu reden.

Anfang

Donnerstag, 11.Dezember

Jakobus 3, 5. 6.

Das nächste Bild beschreibt neben der großen Auswirkung die zerstörende Kraft menschlicher Worte. 3.Vergleichen wir die kleine Zunge mit einem kleinen Feuer! Ein winziger Feuerfunke kann zur Feuersbrunst wachsen. Feuer brennt und frisst - erbarmungslos und unersättlich. Steppen, Wälder, Dörfer, Städte wurden schon im Flammenmeer vernichtet. Genauso verheerend kann unsere Zunge arbeiten. »Ein gehässiger Mensch ist ein Ofen voll Bosheit; seine Worte sind wie sengendes Feuer« (Spr. 16, 27). Jakobus bezeichnet das traurige Brandmal menschlicher Redeglut als »eine Welt der Ungerechtigkeit«. Vielleicht erinnerte er sich dabei an Sprüche 16, 28 und 26, 18-21. Jakobus mag auch an die Worte seines großen Bruders Jesus in Matthäus 15,11 gedacht haben, wenn er formuliert: »Die Zunge zeigt sich unter unseren Gliedern als diejenige, die den ganzen Leib beschmutzt.« Über die Ursache der Verunreinigung lässt Jakobus seine Leser nicht im unklaren. Es gibt gerade im Sprachbereich des Menschen eine Einbruchstelle des Teufels, die sich zeigt, wenn der Mensch sein Leben eigenmächtig in die Hand nimmt. »Die Möglichkeiten solch bösen Einflusses durch das gesprochene, geschriebene und im Funk gesendete menschliche Wort sind Legion: Lüge, Irreleitung, Verdächtigung, Manipulation, Hetze, Agitation. Und die Folge:Vorurteil, Neid,Hass, Fanatisierung, Ideologisierung, Begehrlichkeit, Zuchtlosigkeit. Bei dem Großangriff des Feindes und seines dämonischen Anhangs in der endgeschichtlichen Phase dieser Welt wird gerade die Zunge, die das böse Feuer entfacht, eine besondere Rolle spielen (Offb. 13, 5. 11). Das macht die Sünde aus der wundervollen Gottesgabe des Redens!« (F. Grünzweig). Was können wir im geistigen Klima derartiger Feuerbrände schon ausrichten?! Sicher nichts Besonderes und doch das Entscheidende: Wir können Buße tun und inständig am »Thron der Gnade« um das Wasser des Lebens beten, das allein imstande ist, das Flammenmeer zu löschen und Brandwunden zu heilen.

Anfang

Freitag, 12.Dezember

Jakobus 3, 6.

Die Zunge »ist ein Feuer, die Welt der Ungerechtigkeit, die von der Hölle entzündet wird«. Aufschlussreich erscheint bei dieser Aussage die doppelte Bedeutung des griechischen Wortes für »Welt«. Es kann auch mit »Schmuck, Zierde« übersetzt werden: Die Zunge ist demnach auch »die Zierde« des Bösen. Worin besteht die »Zierde« der Bosheit? o Die Zunge versteht es in folgenschwerer, faszinierender Weise, das Böse anziehend, bezaubernd, appetitlich zu machen (1.Mose 3, 1-6). o Menschen können mit ihrer Zunge das Schlechtere als das Bessere erscheinen lassen. Lesen wir dazu den Bericht über Absaloms Machtergreifung gegen seinen eigenen Vater, König David, und vergleichen 2.Samuel 15,4ff mit Matthäus 2, 1-18. o Kraft ihrer Zunge können Menschen ihr schlimmes Verhalten verteidigen, rechtfertigen, darüber hinweggehen. Typisch hierfür ist zum Beispiel die Reaktion Kains (1.Mose 4, 9). o Mit der Zunge überreden, bestechen, verführen Menschen andere zur Sünde. Dazu zwei folgenschwere Begebenheiten: 2. Samuel 13, 5ff; Apostelgeschichte 5, 1-11.

Wenn wir unser persönliches Leben vor Gott überdenken, werden wir feststellen, wie raffiniert und heimtückisch sich auch unsre Zunge auf allen Lebensgebieten verhält. An keiner Stelle wird so deutlich wie gerade hier, wie sehr wir der reinigenden und befreienden Kraft des Wortes Gottes bedürfen. »Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit « (1. Joh. 1, 9). Wir wollen es der Erlöserkraft Gottes zutrauen, dass uns das Blut Christi bis in die tiefsten Tiefen unserer Persönlichkeit reinigt.

Anfang

Samstag, 13.Dezember

Jakobus 3, 7-8.

Es ist erstaunlich, mit wie viel Scharfsinn der Mensch wilde Tiere zähmen und die Kraft der sie umgebenden Natur für sich nutzbar machen kann. Beinahe alles scheint der Mensch im Griff zu haben. Nur sich selbst nicht! Der bedeutendste Physiker des 20. Jahrhunderts, Albert Einstein (1879-1955), äußerte schon vor Jahrzehnten: »Die Möglichkeiten des Menschen sind fast unbegrenzt, seine Zielsetzungen jedoch verworren.« Verworrene Zielsetzungen wurzeln in der gestörten und zerstörten Kommunikation des Menschen mit seinem Schöpfer. Aus dieser Grundstörung stammt auch alle Unfähigkeit, das Höllenfeuer, das die Zunge entfacht und rasend schnell verbreitet, zu bezwingen. Der Mensch kann sich nicht selber helfen und heilen. Zu tief sitzt das »tödliche Gift«. Vergleichen wir Jakobus 3, 8 mit Johannes 8, 34 und Römer 3, 9-20. Aber: Niemand muss an seiner geistigen Blutvergiftung zugrunde gehen! Die Barmherzigkeit Gottes will heilend in unser Leben eingreifen und Siege feiern (Jak.2,13b; Tit.3, 4-7)! Das Gift, das wir in uns haben, wird dadurch bekämpft, dass Jesus durch seinen Geist Wohnung in uns nimmt (Röm. 8, 9-13; Eph. 3, 16. 17). Der Heilige Geist, das Feuer Gottes von oben (Apg. 2, 3), überwindet den Höllen-Geist, das Feuer Satans von unten. Feuer gegen Feuer! Erlaube ich dem Heiligen Geist Gottes, alle Bereiche meines Lebens zu bewohnen? »Seid brennend im Geist!«, schrieb der Apostel Paulus an die römische Christengemeinde und gibt ihr zu bedenken, wie sich die Kraft des Heiligen Geistes im praktischen Alltag zeigt: Römer 12,11ff.

Anfang

Sonntag, 14. Dezember

3.Advent

Psalm 24, 1-10; Jesaja 40, 1-5.

Unter dem Thema »Jahwe ist der wahre König« gliedert sich der Psalm in drei Abschnitte: 1. Gott ist Schöpfer und Eigentümer der Welt (siehe 2. Advent). 2.Gottes Ankunft will vorbereitet werden (V.3ff). Die Herrlichkeit und Größe Gottes (V. 1. 2) erfordert eine weite Öffnung der Tore (V. 7. 9), eine bewusste Einstellung (Ausrichtung) auf den König (V. 8. 10) und eine besondere Vorbereitung der Herzen (V. 3-6). So überraschend der Eingriff Gottes in Leib und Leben der Maria war, so bedeutend war der Zeitraum der Vorbereitungen, bis der ersehnte Messias endlich zur Welt kam. Es ist atemberaubend, wie tief und ganzheitlich sich Maria dem Willen Gottes hingab. Ganz große Freude kommt ins Herz, wenn wir dem »König der Ehren« unser Ja-Wort geben. Maria sprudelt über von Freude und Glück: »Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist jubelt und freut sich über Gott, meinen Heiland. Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd« (Luk.1,46-48). Der Höchste schaut die Niedrigkeit des Menschen an und - sieht dabei nicht am Schmutz des Lebens vorbei, sondern legt sein Liebstes, sein Bestes gerade in den Staub des Daseins. Denn gerade in das, was uns Not macht, gerade dort, wo der Kummer und die Sorge wohnt und manche Sünde das Sagen hat, genau da hinein möchte er, um uns mit seiner herzlichen Zuneigung und Liebe zu beschenken. Wer jemals an und unter seiner Niedrigkeit gelitten hat und leidet, der wird zwar darüber beschämt sein, dass der Allmächtige zur Ohnmacht, der Höchste zur Niedrigkeit kommt, aber viel mehr über Gottes »Ansehen« staunen, staunen, staunen. Und in diesem Staunen darüber, dass wir bei Gott Ansehen haben, beflügelt uns der Heilige Geist zum Dienst. Da werden wir anfangen aufzuräumen, zu ordnen und unsere Türen zu öffnen, um dem König Platz zu machen. So bekommen wir schuldlose Hände, ein reines Herz, lautere Gedanken und wahrhaftige Lippen, wie David es schon in Vers 4 beschrieben hat.

Anfang

Montag, 15.Dezember

Jakobus 3, 9. 10.

Machen wir uns noch einmal klar: Jakobus schreibt an Christen. »Meine Brüder « (V. 10) sind Menschen, die Jesus Christus ihr Leben anvertraut und den Heiligen Geist empfangen haben. Aber damit sind aus dem Lebensstil des Christen nicht einfach alte, sündhafte Gewohnheiten ausradiert. Das neue Leben ist da, aber das alte auch noch! Eine Tatsache, die sich besonders in unseren Worten zeigt. »Mit unserer Zunge preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind.« Welch ein krasser Widerspruch, zu dem wir noch fähig sind! Wir können unseren Vater im Himmel mit den herrlichsten Liedern loben, und wenige Minuten später kommen »Fluch-Worte« über einen anderen Menschen aus unserem Mund. Dabei müssen nicht unbedingt derbe Worte fallen. »Fluchen« meint nicht den aggressiven Kraftausdruck in unbeherrschter Verfassung, sondern jede Form von Klatsch, Verdächtigung, Entehrung, Herabsetzung des Menschen. Fluch hat ausstoßenden Charakter. Der verfluchte Mensch ist der ausgestoßene Mensch, der Mensch, dem eigentlich nicht mehr zu helfen ist, mit dem auch Gott irgendwie »fertig« ist. - Kein echter Christ will so anmaßend einen anderen wegstoßen! Nein, wir wollen das Böse nicht, aber wir tun es leider immer noch viel zu oft. »Das Böse, das ich nicht will, das tue ich«, bekennt der Apostel Paulus von sich selbst und empfindet darüber tiefen Schmerz (Röm.7,19.24). Aber er weiß auch um die starke Hand, die aus diesem Zwiespalt herausführt: Es ist die durchgrabene Hand dessen, der für uns ein »Fluch« geworden ist, ein Ausgestoßener, der aufschrie: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Das hat er getan, damit wir selber nicht Ausgestoßene blieben und auch andere nicht mehr wegstoßen müssen. Der Fluch ist aufgehoben für alle, die sich Jesus anvertrauen. Darum haben wir jetzt die neue Chance zu segnen. Lasst uns weiterüben, was Paulus in Römer 12,9-21 schreibt.

Anfang

Dienstag, 16.Dezember

Jakobus 3, 10-12.

Jakobus hält die Doppelzüngigkeit für ein besonderes Übel unter Christen und verdeutlicht dies abschließend an zwei Bildern. o Das Bild vom Quellwasser. Ist es möglich, dass wir aus einem Brunnen Salzund Süßwasser zugleich schöpfen? Was in der Schöpfung ein Unding ist, kommt in der Natur des Menschen vor. Dabei bedeutet seine Doppelzüngigkeit zutiefst »Unnatur« und Schuld. o Das Bild vom Feigenbaum und Weinstock. Die Pflanzenwelt bleibt ihrer Art treu. Der Feigenbaum trägt Feigen und der Weinstock Trauben. Nicht so der fromme Mensch; er trägt ein »Doppel-Wesen« in sich. Den alten und den neuen Adam. An dieser Tatsache lässt sich nichts ändern. Eins aber lässt sich ändern: das Menschenherz. Wer sich Jesus Christus anvertraut hat, kann seine Gedanken- und Empfindungswelt, aber auch seine Gewohnheiten und sein Tun, von Jesus verändern lassen. Entscheidend wird dabei sein, ob er aus der Quelle des Wortes Gottes oder dem Quell der Selbstüberhebung trinkt. Ein Christ ist nicht hilflos sich selbst ausgeliefert. Er hat den starken Erlöser Jesus Christus bei sich und in sich. Ihn darf ich immer neu bitten: »Halte dir mein Herze leer« (M. Hahn)! (Vgl. Jer.31,33; Hes.36,26-27.) Womit ist mein Herz angefüllt und mein Leben ausgefüllt? Allen Gedanken- und Wörterschmutz darf ich unter seinem Kreuz ausschütten, wie die Hausfrau das schmutzige Putzwasser ausgießt. Welch ein Glanz, wenn Jesus ein entsorgtes und entlastetes Leben neu erfüllt! Dann können Christenmenschen ihren Heiland und Herrn »reinen Herzens« anbeten und herzlich loben und den Nächsten im Licht seiner Güte und Barmherzigkeit sehen. Wie lässt sich Psalm 22,23-27 ganz praktisch in meinem Leben verwirklichen?

Anfang

Mittwoch, 17.Dezember

Jakobus 3, 13; Matthäus 5, 14-16.

II. DIE WEISHEIT GOTTES WILL BEI UNS LAND GEWINNEN (3,13-18) In Kapitel 1, 5 sprach Jakobus davon, dass Christen zur Weisheit Gottes Zugang haben. Jetzt geht es um die Frage, wer ist »weise und verständig unter euch«? Woran lässt sich die echte Weisheit erkennen? Mehr noch: Wer unter den Christen kann hilfreiche, vom Geist Gottes geleitete Antworten auf Lebens- fragen anbieten und klare Wegweisung geben? Weisheit im biblischen Sinn ist »die von Gott geschenkte Gabe, die Dinge des Lebens recht zu beurteilen und sie, durch kluge Einsicht in ihre Zusammenhänge, dem Willen Gottes gemäß zu gestalten« (J. Schneider). Offenbar gab es in der jungen Christengemeinde Jerusalems etliche Gläubige, die vorschnell meinten: Ich bin die geeignete Person, die den Durchblick hat und weiß, wie man andere zu führen und zu lehren (vgl. 3, 1) hat. Jakobus macht nun die Probe: »Wer von euch meint, klug und weise zu sein, der soll das durch seine ganze Lebensführung zu erkennen geben. Er zeige seine Werke in Sanftmut der Weisheit.« Wer auch immer Menschen in der christlichen Gemeinde zu führen und zu lehren hat, ist nicht allein dadurch Lehrer und echte Autoritätsperson, dass er anderen sagt, woµs langgeht, er muss selber mitgehen, woµs langgeht, und auch sein persönliches Leben in die geistliche Lebensbahn bringen, die er versucht, anderen beizubringen. Dabei ist es völlig normal, dass er seine Taten und Werke auch wirklich sehen lässt. So wird er zum Vorbild. Dazu gehört natürlich, dass er sich mit seinen Taten dem Geist Christi angemessen präsentiert - »in Sanftmut der Weisheit«, mit Herzens-Bescheidenheit. Orientierungspunkt ist also Jesus selber, der seine Jünger lehrte: »Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matth.11,29; vgl. Eph. 2, 4-10).

Anfang

Donnerstag, 18.Dezember

Jakobus 3, 14-16; 2.Korinther 1, 12.

Es gibt unter den Christen leider auch eine Pseudo-Weisheit: »Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Eigennutz in euren Herzen habt, braucht ihr euch auf eure angebliche Weisheit nichts einzubilden. In Wirklichkeit seid ihr dann Lügner und Betrüger.« Jakobus spricht offen an, wodurch die Einheit, die Einmütigkeit und das gute Einvernehmen in unseren Gemeinden am meisten gefährdet sind: o Eifersucht. Eifersucht - in ihrer negativen Erscheinungsform als »bitter« markiert - meint: Der eifersüchtige Mensch ist der Mensch, der bedenklich viel Energie aufwendet, mit ehrgeiziger Verbissenheit zu suchen, was er nicht hat oder nicht ist. Dabei vergleicht er sich stets mit anderen - mit deren Gaben, Ausbildung, Erfolgen, Besitztümern, Aussehen, Image - und sucht diese beständig zu überrunden. Derartige Eifersucht wird in der Regel von einem starken Konkurrenz- und Kritikgeist begleitet. o Eigennutz. Man kann hier auch übersetzen: Selbstsucht, Parteilichkeit, Bestechlichkeit. Gedacht ist an ein Verhalten, das andere Menschen für die persönliche Meinung und Sicht der Dinge rechthaberisch zu vereinnahmen sucht und auch noch ein »frommes Mäntelchen« darumhängt und damit sein Verhalten als geistlich »weise« erscheinen lässt. Es liegt auf der Hand, dass Jakobus ganz scharf diagnostizieren muss: »Dies ist nicht die Weisheit, die von Gott kommt. Sie ist irdisch, ungeistlich, ja teuflisch.« »Jeder bittere Eifer und jeder Streit hat ein dämonisches Gefälle - trotz aller berechtigter Streitkultur. Irdische und psychische Weisheit stellt den Menschen auf sich selbst; sie ist gottlos. Bei der Weisheit von oben dagegen zählt der Wille Gottes« (F. Grünzweig). Wir sollten heute nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern uns vor dem Angesicht Gottes prüfen, wie es in unserem eigenen Herzen und Leben aussieht und uns neu an der Jesus-Liebe orientieren: Galater 5,13-15.

Anfang

Freitag, 19.Dezember

Jakobus 3, 17; 1, 5. 17.

Jakobus hat uns bisher aufgezeigt, dass biblisch verstandene Weisheit weder eine Frage des Lebensalters noch natürlicher Lebenserfahrung ist, sondern eine Frage der Gottesbeziehung. Diese Weisheit kommt nicht vom Menschen, sondern von Gott, nicht von unten, sondern »von oben«. Sie kann auch von oben erbeten werden.

Sieben leuchtende Merkmale kennzeichnen die göttliche Weisheit: 1. Die Weisheit, die von Gott kommt, »ist rein«. Das griechische Wort meint »rein« nicht im Sinne von »sauber«, sondern im Sinne von »lauter, unverfälscht «. Gedacht ist an die aufrechte und aufrichtige Gesinnung Gott und Menschen gegenüber; eine Geisteshaltung, die nicht selbstsüchtig auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Ein treffendes Beispiel finden wir in Daniel 6, 4-23. 2. Die Weisheit, die von Gott kommt, »ist friedfertig«. Der Ausdruck zielt nicht auf eine pazifistische Einstellung. Der Gedanke des Pazifismus bezieht sich auf ein politisches Programm, das das gewaltlose Zusammenleben einer Nation regelt. Der Friedensgedanke der Bibel bespricht zuerst und grundlegend die Beziehung des Menschen zu Gott. Wer »Frieden mit Gott« hat (Röm. 5, 1), ist für immer mit dem »Friede-Fürst« Jesus (Jes.9, 5) verbunden. Aus der Jesus- Verbundenheit wächst die wahrhaft »friedfertige« Verbundenheit mit dem Nächsten (Matth. 5, 9; Kol. 3, 15). Darüber hinaus dürfen sich alle Bündnispartner Gottes auf eine einzigartige Zukunft im Friedensreich Gottes freuen, das Gott selbst auf unsrer Erde einrichten wird (Jes.11, 1-9; Offb.20, 1-6). Doch selbst dieses Friedensreich wird einmal zusammenbrechen, weil es zur gefallenen Welt gehört. Der neue Himmel und die neue Erde aber geben allen Kindern Gottes ein ewiges, geborgenes Zuhause bei Gott (Offb. 20, 7-10; 21, 1-5). - Christen dürfen um Frieden in der Welt beten und zugleich um das Kommen des Reiches Gottes bitten (1. Tim. 2, 1-6; 1.Kor. 15, 20-28; Matth. 6, 9ff). Mit Römer 8, 38. 39 kann ich dankbar und gelassen auch in diesen Tag gehen.

Anfang

Samstag, 20.Dezember

Jakobus 3, 17.

Ein englischer Bibelausleger schreibt zur Weisheit, die »friedfertig ist«, als hilfreiche Ergänzung für unser Alltagsleben: »Wahre Weisheit bewirkt gute Beziehungen, im Gegensatz zu jener anmaßenden Klugheit, die die Menschen spaltet, sodass der eine verächtlich auf den anderen herabblickt. Klugheit kann grausam sein und Freude daran finden, andere mit zwar klugen, doch schneidenden Worten zu verletzen. Ebenso gibt es eine verderbte, gottlose Klugheit, die reine Menschen dazu verführt, Gott untreu zu werden. Wahre Weisheit aber bringt die Menschen einander und Gott immer nur näher.« Angesichts so vieler Reibereien, Streitereien und Spaltungen auch unter Christen ist Jakobus 1, 5 wie ein Blankoscheck: »Wem Weisheit mangelt, der bitte Gott darum, der allen gern und willig gibt.« 3. Die Weisheit, die von Gott kommt, ist »nachsichtig«. Das griechische Wort ist in die deutsche Sprache kaum übersetzbar. Wir müssen es umschreiben. Der Begriff ist ein Hoheitswort, das auf die königliche Majestät Gottes bezogen wurde. Nur einer, der alle Macht besitzt, kann sich nachsichtig, gütig verhalten. »Der Schwache wird immer ängstlich Macht und Würde verteidigen wollen; der vom Himmel Bevollmächtigte kann alle rettend-heilende, alle vergebend-erlösende Milde entfalten, auch persönlichen Gegnern gegenüber« (Preisker). »Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig - nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit« (Tit.3,4. 5). In 2. Korinther 10, 1 stellt der Apostel Paulus diese barmherzige Milde Christi als Vorbild für die Christen dar. Was heißt das praktisch angewandt? Vergleiche Philipper 4, 5 mit Titus 3,2; 1.Timotheus 3, 3 und Lukas 11,4. Ein Jesus-Jünger kann es lernen, auf sein gutes Recht zu verzichten, schonende Liebe, hochherzige Nachsicht, gütige Rücksichtnahme und selbstlose Großzügigkeit walten zu lassen.

Anfang

Sonntag, 21.Dezember,

4.Advent

Psalm 24, 1-10; Matthäus 5, 8.

Der Leitgedanke am dritten Advent »Gottes Ankunft will vorbereitet werden« führt uns heute, am vierten Advent, zur Person des Ankommenden: 3. Der König der Herrlichkeit ist ein starker König (V. 8. 10). Welche Aussagen in Psalm 24 weisen auf die Stärke des himmlischen Königs hin? o V. 1. 2: Als Schöpfer-Gott hat er Kosmos gegen Chaos (Tohu-wa-bohu), Licht und Leben gegen die unheimliche Finsternis gesetzt (1.Mose 1, 1-3). Dieser Herr hat auch in unseren Herzen sein Licht entzündet (2.Kor.4,6; 2.Petr.1,19). o V. 3-7: Als Heils-Gott hebelt er die Macht des Bösen aus und ermöglicht uns, reinen Herzens und unter seinen segnenden Händen zu leben. o V. 8-10: Als König-Gott ist er der wiederkommende, endgültige Siegesheld (Offenbarung 19, 11-16). Die Pforten des Himmels haben sich bereits geöffnet, als der Himmel den gekreuzigten und auferstandenen Christus in Empfang nahm. Dort sitzt er »zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten«, so wird es an den Festtagen in vielen Gottesdiensten zu hören sein. Jeder Tag bringt uns diesem großen Advent Gottes näher. Wir haben nicht das grauenhafte Nichts vor uns, sondern eine unüberbietbar herrliche Zukunft in Gottes neuer Welt. Wir gehen nicht auf einen Schrecken ohne Ende zu, sondern unserem Herrn entgegen, der allen Schrecken ein Ende machen wird (Jer. 29, 11; Luk. 21, 25-28. 33). Dann wird der König der Ehre ein letztes Mal in Zion Einzug halten, um seinem bedrängten Volk Sieg zu schaffen und endlich sein Friedensreich aufzurichten (Sach. 14, 4-7. 9). Der Sieg, der bislang vor den Augen der Welt verborgen blieb, wird am Ende der Zeit endgültig sichtbar werden. Es ist nur gut, wenn wir uns heute auf diese Zukunft einstellen und vorbereiten. Psalm 51, 11-14; Johannes 3, 16-18; 8, 12 und 1.Thessalonicher 4, 1-7 enthalten wichtige Impulse.

Anfang

Montag, 22.Dezember

Jakobus 3, 17; Kolosser 3, 12.

4.Die Weisheit, die von Gott kommt, »lässt sich etwas sagen«. Zuerst geht es darum, dass der wahrhaft weise Christ ein Mensch ist, der auf Gott hört, der sich von ihm sagen, führen und weisen lässt, - jedes Mal bereit, dem Herrn zu gehorchen. Dann geht es auch darum, ein offenes, zuhörendes Ohr für die Menschen neben sich zu haben. Wie wichtig für das gemeinsame Leben, dass jeder bemüht ist, sich in die Situation und Verfassung des anderen hineinzudenken und auch von der Persönlichkeit, der Prägung und den Überzeugungen des anderen her zu denken lernt (vgl. Matth. 7, 12). Wer sich der Welt des Nächsten nicht verschließt, wird sehr wohl merken, wann es klug ist, der Auffassung des Gegenübers nachzugeben (vgl. Matth. 5, 38-42). Auch wenn einer hinterfragt oder kritisiert wird, sollte er die Sache nach allen Seiten hin prüfen und angemessene Konsequenzen ziehen. 5. Die göttliche Weisheit »ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte«. Der biblische Barmherzigkeits-Begriff ist in seinem Kern revolutionierend. Es geht dabei nicht um eine allgemeine Wohltätigkeitsgesinnung gegenüber Menschen in Not, sondern um die gelebte Barmherzigkeit, wie Jesus sie gelebt hat. Sie ist ganz anders als unser menschliches Verständnis von Barmherzigkeit. Wie leicht sagen wir von einem Menschen in Schwierigkeiten: »Der ist selbst schuld an seiner Misere!« Damit bringen wir zum Ausdruck, dass wir uns nicht für ihn verantwortlich fühlen. Gott aber hat sich über uns Menschen erbarmt, als wir noch seine Feinde waren (Röm. 5, 8-10; Eph. 2, 4. 5) und in selbstverschuldeter Gottesferne saßen. Allein diese barmherzige Liebe Gottes bringt es fertig, aus Feinden Freunde zu machen. Bin ich bereit, auch Menschen in selbstverschuldeter Not betende und helfende Hände entgegenzustrecken? (Vgl. 2.Mose 33, 7-14; Jos. 7, 6-9; Luk. 23, 34; Apg. 7, 60; 2. Tim. 4, 16.) Was hat diese Bereitschaft mit Galater 5,22 zu tun?

Anfang

Dienstag, 23.Dezember

Jakobus 3, 17. 18; Psalm 34, 15; Römer 12, 9. 6. Die Weisheit, die von Gott kommt, ist »unparteiisch«. Wörtlich heißt es: Sie ist nicht zänkisch, nicht rechthaberisch. (Vgl. Auslegung am 20. 10. und 18. 12.). Parteilichkeit hat zu tun mit Sympathie oder Antipathie, mit Bevorzugung oder Herabsetzung, mit Voreingenommenheit, Kurzsichtigkeit und mit Angst, persönlich an Einfluss und Macht zu verlieren. Der parteiische Mensch hält bisweilen gern alles in der Schwebe; er will es jedem recht machen. Die göttliche Weisheit aber ist gerecht, liebevoll und wahrhaftig zugleich. 7. Die Weisheit, die von Gott kommt, ist »ohne Heuchelei«. Gott täuscht niemanden. Er ist durch und durch klar und wahr (Jak.1,17). Er ist die Wahrheit in Person. Aber er dosiert sie so, dass sie einen Menschen nicht niederschlägt, sondern aufrichtet. Das ist Weisheit. (Vgl. Röm.12,9; 1.Tim.1,5.) Der Lohn der göttlichen Weisheit ist das Geschenk der Gerechtigkeit (V.18). Fassen wir mit Blick auf unsere Gemeinden, Kreise, Glaubenswerke und Gemeinschaften zusammen: »Bis heute ist das Zusammenleben durch Missgunst und Konkurrenzdenken, durch Ehrgeiz und Eifersucht belastet und die missionarische Ausstrahlungskraft dadurch entscheidend geschwächt. Es sind eben meist nicht die Unterschiede in der theologischen Erkenntnis oder geistlichen Prägung, die das Miteinander am stärksten belasten. Viel häufiger stimmt die Chemie nicht, d.h. Pfarrer, Gemeindeleiter, Mitarbeiter, Gemeindeglieder können nicht miteinander. Man redet zwar noch miteinander - jedenfalls dienstlich -, aber lässt sich schon längst nichts mehr sagen, geschweige denn, dass man untereinander friedfertig, gütig, reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch und ohne Heuchelei ist. - Was muss geschehen, damit eine durch Neid und Streit gelähmte Gemeinde wieder zueinander findet? Wie kann bei aller Verschiedenheit an Erkenntnis und Prägung das Bewusstsein der Verbundenheit untereinander wachsen? Welche Erfahrungen mit Konflikten machen wir selbst - und welche mit Konfliktlösungen?« (K. J. Diehl). Wie leben wir 1.Korinther 13, 1-7?

Anfang

WAS UNS DAS KIND IN DER KRIPPE MITBRINGT

Mittwoch, 24. Dezember

Heiliger Abend

Lukas 2, 1-20.

Freude über das Kind - unter diesem Aspekt lesen wir heute den bekannten Bericht des Arztes und Evangelisten Lukas. Die Verse 1-7 schildern die mühseligen Umstände: Maria, hochschwanger, und Josef, der werdende Pflegevater, im Stress der staatlich angeordneten Volkszählung. Lange, beschwerliche Wege, strapaziöseMenschenmassen, überfüllte Absteigequartiere und Häuser, schließlich die Notunterkunft im Viehstall mit einer Futterkrippe als Kinderbettchen. Die Umstände sind alles andere als angenehm. Aber das Elternpaar weiß um die »höheren Gedanken und Wege« Gottes (Jes. 55, 8. 9; vgl. 1. bis 3. Advent) und um die Einkehr Gottes in die Niedrigkeit einer in Sünde gefallenen Welt. Er kommt so anders, als es der Würde eines Königs entspricht! Er kommt so klein, dass man ihn glatt übersehen kann! Aber er will es so, damit auch der Unwürdigste, der Kleinste, der Schwächste, der Schmutzigste, der Kränkste und Verzagteste sich traut, zu ihm zu kommen und dabei erlebt, welch ein wunderbares Kind dort in der Krippe liegt (Jes.9, 1-6). Die Verse 8-20 beschreiben die Freude des Himmels auf der Erde. Die Hirten, damals verachtete Randfiguren der Gesellschaft, werden vom Himmel her direkt angesprochen (V. 9), berufen (V. 10. 11) und ermutigt (V. 12-14). Der Engelbote überbringt in tiefster Nacht die leuchtendste aller Freuden-Nachrichten: »Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids!« Jesus - der Heiland, der uns heil macht, der uns in unserer einsamen Traurigkeit tröstet, der unsere Verletzungen verbindet und sich der ungezählten Sünden-Risse und Brüche annimmt. Jesus - der Heiland der Welt, »welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids«. Hier leuchtet Gottes große Treue seinem Volk Israel und »aller Welt« gegenüber auf. In der Futterkrippe liegt die Herrlichkeit Gottes in Person. Der »König der Ehre«, der Herr der Herrlichkeit ist angekommen. Da werde ich ganz still und bete an.

Anfang

Donnerstag, 25.Dezember

1.Weihnachtstag

Johannes 1,1-3.14.

WAS DAS KIND MITBRINGT Bei einem neuen Erdenbürger ist es interessant zu beobachten, was er mitbringt: die Stirn vom Papa, die Grübchen von der Mama, Grund für viel Gesprächsstoff. Was bringt das Jesus-Kind mit? Der Evangelist Johannes zeigt uns die ewige Heimat dieses Kindes und den reichen Schatz an Gaben, den das Kind mitbringt.

1. Jesus bringt das Wort mit. Als Gott »im Anfang« Himmel und Erde schuf, war »das Wort«, durch das die Welt entstand, schon immer »bei Gott«, und das Wort »war« im innersten Wesen »Gott« selbst. Jedes Schöpfungswerk Gottes in 1.Mose 1 beginnt mit: »Und Gott sprach.« Gott sprach - und es geschah. Es ist ein Wort, das etwas wirkt. Ein Wort, das etwas schafft. Dieses Wort bringt das Kind mit. »Wie die Wintersonne das frierende Gesicht wärmt, so bringt das Jesuskind das mächtige Wort mit Schöpferkraft. Ja, dieses mächtige Wort ist in Jesus Mensch geworden. Dass das Kind Jesus die Schöpfermacht Gottes in sich trägt, wird ja auch in der Schöpfung sichtbar. Ein Stern weist den Weisen aus dem Morgenland den Weg zu dem neugeborenen Kind (Matth.2,1.2.9.10). Der die Sterne erschaffen hat, führt auch ihren Weg (Jes.40,26). Wie viele Menschen sind schon neue Leute geworden, als sie vor diesem Kind in der Krippe auf die Knie gingen! Wie viele Menschen haben gerade zur Weihnachtszeit die Macht dieses Wortes erfahren! Das Kind bringt das Wort. Und dieses Wort hat Macht, jedes Bibelwort ist durchtränkt von dieser Macht (Luk. 24, 27; 2. Petr. 1, 19-21). Durch das Wort kommt der machtvolle Gott uns nahe (Ps. 107, 20; Matth. 8, 8; 4, 4). Das Jesuskind bringt das Wort mit, das unsere Sehnsucht stillt (Hebr. 1, 1-3; Joh. 15, 21. 23). Denn alle Kreatur ist angelegt durch und auf das Wort hin. Das Kind Jesus bringt uns das heilsame Wort Gottes, das alles neu macht und durch das alles lebt« (F. Stocker-Schwarz).

Anfang

Freitag, 26.Dezember

2.Weihnachtstag

Johannes 1, 4. 11-13.

2. Jesus bringt das Leben mit

In jedem Menschen liegt die Sehnsucht nach ewigem Leben verborgen (Pred.3, 11). Das wird besonders in der Weihnachtszeit deutlich. In keiner Zeit wird so viel gefeiert und - so viel geweint; so viel geschenkt und - so viel entbehrt. Worauf kommt es denn nun an Weihnachten wirklich an? Warum ist Jesus eigentlich gekommen? Er selbst hat es einmal so formuliert: »Ich bin gekommen, damit die Menschen das Leben in seiner ganzen Fülle haben sollen« (Joh. 10,10). Dieses Geschenk brauchen wir. Das Jesuskind hat es mitgebracht; denn wie es das machtvolle Wort Gottes in Person ist, so auch die tiefe und weite Lebensfülle in Person (Joh.11,25.26; 14, 6). Dieses Leben kennzeichnet: o Befreiung von der Grundschuld und den massenhaften, bewussten und unbewussten, Sünden. Wir bringen die Sünde und den Tod mit, Jesus bringt Befreiung und Leben »ohne Verfallsdatum«: Friede mit Gott, Versöhnung mit dem Himmel, mit dem Nächsten und Aussöhnung mit unserer Individualität und der persönlichen Lebensführung. o Liebe in ihrer tiefsten, weitesten und reinsten Ausstrahlung. Alle Gebote und Weisungen Gottes für ein gelungenes Leben lassen sich in dieser einen Lebensqualität »Liebe« auf den Punkt bringen (Matth. 22, 35-42; 1. Joh. 4, 10. 16; Röm. 5, 5). Die Lebensqualität, die Jesus schenkt, kann durch nichts ersetzt und von niemandem überboten werden. »Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht« (1. Joh. 5, 12). Gehen wir zum Kind in der Krippe! Hier können wir das Leben von Gott, Gott selber, anschauen, »anfassen« und »in die Hand nehmen«. Das geschieht im Glauben an sein Wort. Der Glaube ist die Hand, die nimmt, was geschrieben steht. »So sehr hat Gott die Menschen geliebt, dass er den einzig-einen Sohn gab, damit jeder, der auf ihn vertraut, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat« (Joh.3,16).

Anfang

Samstag, 27.Dezember

Johannes 1, 4. 5. 9; Psalm 36, 10.

3. Jesus bringt das Licht mit

Leben und Licht gehören untrennbar zusammen. Ohne Licht kein Leben. Das Jesuskind bringt das wahre Licht in unsere Welt. Jesus ist nicht nur das Wort und das Leben in Person, er ist auch das Licht in Person (Joh. 5, 26). Darum stand auch bei seiner Geburt der Himmel offen, und die »Klarheit des Herrn leuchtete« (Luk. 2, 9). Wenn Gottes Herrlichkeitslicht den Menschen umleuch- tet, wird zuerst - wie bei den Hirten - ein großer Schrecken ausgelöst, nicht so sehr, weil das Licht unerwartet und in dunkler Nacht aufleuchtet, sondern weil Gottes Lichtherrlichkeit seine Heiligkeit offenbart, die die tiefe Verlorenheit des Sünders ans Licht bringt (vgl.1.Tim.6,16; 1. Joh.1,5; Hebr.12,29). Wenn wir im Licht Gottes erschrecken, weil wir merken: »Er ist heilig, ich sündig «, dann brauchen wir echte Hilfe. Dann brauchen wir dringend das Trostwort des Engels: »Fürchtet euch nicht! Siehe, der Heiland, der Retter, ist da!« Wer nun zum Kind an die Krippe kommt, wird erleben, dass mit Jesus ein Licht da ist, das uns vor Gott leben lässt und zum wahren Leben befähigt. So hat der Herr es Jahre später gesagt. »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh.8,12).

Dieses Licht bleibt. Es scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat das Licht nicht ergriffen, gepackt, bezwungen - so der Sinn des Urtextes. Als Jesus am Kreuz sein Leben aushauchte, entstand am helllichten Mittag drei Stunden lang eine landesweite Finsternis (Mark. 15, 33). Wer wird siegen: das Licht oder die Finsternis? Der Ostermorgen hatµs zum Vorschein gebracht: Jesus ist Sieger, er hat gewonnen! Das Weihnachtslicht ist eingetaucht ins Osterlicht. Von diesem Sieg leben wir.

Anfang

Sonntag, 28.Dezember

Lukas 2, 15-17; Jesaja 60, 1. 2.

Die Hirten - vom Lichtglanz der Herrlichkeit Gottes umleuchtet - haben auf das Trost-Wort des Engels gehört, haben den gewaltigen Lobpreis der »himmlischen Heerscharen« ins Herz hineingenommen und den Entschluss gefasst: »Gehen wir hin und sehen uns diese Sache an, die der Herr uns gesagt hat« (Luk.2,15)! Da sind sie nun an der Krippe und schauen. Sie sehen das Jesuskind und können sich gar nicht satt sehen. »Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen. Und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. « Schon an der Krippe können wir den Kanon singen: »Im Anschauen seines Bildes, da werden wir verwandelt in sein Bild« (2.Kor.3,18; vgl. Kol.1,15; Röm. 8,29). Sicher, unter heilsgeschichtlichen Aspekten haben die Hirten erst einen Anfang erlebt. Aber sie haben das, was sie gesehen haben, in ihren Alltag mitgenommen. Die »Klarheit des Herrn« brachte sie zum Licht-Kind an die Krippe, und das Erleben an der Krippe brachte sie zu den anderen Menschen. Die Hirten haben sich an der Krippe vom Jesuslicht sozusagen entzünden lassen und laufen nun als erste Lichtträger - mit brennenden Herzen - hinein in die Welt. Sie sind die ersten Weihnachtszeugen. Jahre später hat Jesus seine Jünger regelrecht zu Kindern des Lichts erklärt: »Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (Matth.5,14-16). Das ist außergewöhnlich, wie er uns ansieht und wert macht: Er »das Licht der Welt« und wir, seine Brüder und Schwestern, »das Licht der Welt«. Diese Wertgebung und Wertschätzung durch Jesus gibt unserem Leben ein tragfähiges Fundament (Jes. 43, 4; 63, 8. 9), stellt uns aber auch in die Verantwortung: Epheser 5,8; Philipper 2,14.15; 1. Petrus 2,9.

Anfang

Montag, 29.Dezember

Johannes 3, 20. 21; Epheser 5, 8-14.

Jesus hat uns das Licht Gottes mitgebracht. Er hat uns in seinen Lichtkreis eingeladen und uns seinen Lichtcharakter geschenkt. Der ist ein ganz besonderes Geschenk. Kein Geschenk ist so schmutzempfindlich wie die kristallklare Reinheit des Gottessohnes. Sie ist uns geschenkt. »Früher wart ihr Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Darum lebt auch als Kinder des Lichts.« In Verbindung mit Jesus ist es uns gegeben, sein Licht auch tatsächlich ins Leben einströmen zu lassen. Dabei geht es aber nicht zuerst um unser Tun und Wirken, sondern zuerst um unser Sein, unsere Persönlichkeit, unsere Geisteshaltung, dem Quellgebiet unserer Person. Das Licht Gottes will in meinem Herzen, in meinem Denken, Wollen und Empfinden »Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit« wachsen lassen. Es geschieht einfach, wenn wir mit Jesus zusammen sind. Aber es ist auch ein aktives Lernen. Immer wieder werden Situationen kommen, die uns provozieren, weder Güte noch Gerechtigkeit noch Wahrheit einströmen zu lassen. Wir werden dann auch erleben, dass wirµs nicht aus uns selbst schaffen; und das ist gut so. Auf diesem Weg merken wir, wie umfassend erlösungsbedürftig wir sind und wie sehr wir Jesus brauchen. Er möchte, dass wir das erkennen, will uns aber keineswegs mit der Erfahrung unseres Unvermögens fertig machen, sondern uns tiefer von uns selbst befreien (2. Kor. 5, 15) und uns fester an seine Liebe binden. Jesus hilft uns, die eigenen Waffen zu strecken und im Vertrauen auf seine Kraft »die Waffen des Lichts« einzusetzen (Röm. 13, 12). »Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil« (1.Thess.5,8; vgl. Eph. 6, 11-18).

Anfang

Dienstag, 30.Dezember

Hiob 29, 1-16.

»Ach, wenn es wieder so wie früher wäre, als Gott mich führte und mein Leben schützte! Er schenkte mir Erfolg, in dunklen Stunden leuchtete sein Licht« - und jetzt ist »die Blüte meines Lebens« wie abgefallen. Alle Lichter aus und verloschen. »Winterzeiten« des Glaubens! Es gibt sie - auch bei echten Christen. Da kann der Glaube wackeln und Trostworte der Bibel können wie Hohn empfunden werden. Wir müssen uns eingestehen: Es gibt Rätsel, die wir nicht lösen können und es auch nicht müssen. Jeder Versuch, entziffern und »dahinter« kommen zu wollen, wird scheitern. »Grübeleien« über das »Warum« können hart und bitter machen. - Und doch: Es wird wieder einen Frühling geben. »Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind« (Jes.8,23a; dazu Jes.41,10. 13.14; 43, 1-3). Gottes Wort ist nicht abgebrannt, wie die vielen Kerzen in der Winterzeit. Unsere Lichter, Sterne, Idole, Geistesblitze, Ideen und Ideale sind vergänglich, sein Wort ist und bleibt »unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Weg« (Ps.119,105; Luk.16,17; 21,33). Das Licht Gottes erlischt nie. Es »überlebt« selbst den schrecklichsten aller Feuerstürme -, dann, wenn Gott Gericht halten wird und dieser alte, vor Sünde, Krankheit und Tod triefende Kosmos in Schutt und Asche gelegt werden wird (Jes.51,6; 2.Petr.3,10; Offb.20,1ff; 21,1). Das Licht Gottes bleibt. »Denn Gott ist Licht, und gar keine Finsternis ist in ihm« (1. Joh. 1, 5). Das gilt für die Schöpfung am Anfang der Zeit. Das gilt für sein schöpferisches, neu schaffendes Wirken an Menschenherzen durch das Licht des Heiligen Geistes genauso wie für die totale Neuschöpfung am Ende der Zeit. Dann, wenn Gott den neuen Himmel und die neue Erde geschaffen haben wird, wird es kein natürliches Licht mehr geben. Dann zählt nur noch das übernatürliche Licht, das Gott selbst ist: »Und ihre Leuchte ist das Lamm« (Offb.21,23-25; 22,5; 1. Joh. 2,17).

Anfang

Mittwoch, 31.Dezember

Offenbarung 21,23-22,5.

»Ihre Leuchte ist das Lamm«

Der Jahresrückblick im Licht der Medien ist gelaufen. Wir wurden an unendlich viel Leid erinnert. Umso wichtiger ist es für den Menschen des Glaubens, Rückblick im Licht des ewigen Lichts zu halten. Wir malen nicht schwarz, aber wir stellen uns in das Licht des Wortes Gottes: »Ihre Leuchte ist das Lamm.« Das macht unendlich froh. Ich habe ein Lamm, auf das ich meine Sünden legen darf. Ich habe ein Lamm, das mich trägt und durch alles hindurchträgt. Ich habe ein Lamm, dem ich auch morgen Schritt für Schritt folgen darf. Ich habe ein Lamm, das mir Hoffnung und Zukunft gibt. Die vierundzwanzigste Stunde dieses Tages macht Schluss mit dem Jahr 2003. Jesus macht nie Schluss mit mir. Gottes Zuneigung und Liebe zu mir ist grenzenlos. Auf diesem Fundament lasst uns nun den Rückblick wagen.Papier und Stift liegen bereit; vielleicht auch der (Termin)kalender oder ein Tagebuch oder der Jahrgang des »Bibellesezettels«. Wir schauen uns an, was war, was wir angestrichen und notiert haben. Wir lesen uns ein, denken nach, ordnen unsere Gedanken. Folgende Fragen können dabei helfen: o Was hat Gott mir (uns) im Jahr 2003 geschenkt? Dafür möchte ich mich herzlich bei ihm bedanken. o Welche Lasten will ich ablegen? Ob Sorgen- oder Sündenlasten bedrücken, ich will sie unter sein Kreuz bringen und wirklich ab-legen. Ich darf mich mit einer Verheißung Gottes ihm neu anvertrauen. o Gibt es etwas, das ich anderen Menschen dankbar bezeugen sollte? o Ich möchte ihm heute eine neue, ganz persönliche Liebes-Erklärung machen. Sein Wort ermutigt mich dazu: Psalm 18,2.3; Johannes 21,15-17. Wir können getrost ins neue Jahr gehen: »Jesus lässt mich ewig nicht, das ist meine Zuversicht« (C. B. Garve).

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang