Freitags, 1. August

Psalm 40, 4; 149, 1-4

Zum neugeschenkten Leben kommt das neue Lied. David bekennt: Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gelegt, zu loben unseren Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen! Der Herr legt das neue Lied in den Mund des Erretteten. Es ist eine Inspiration von Gott . . . Immer wieder tendiert das individuelle Lied hin zu einem Zeugnis, zu einer Botschaft für andere. In diesem Lied soll die Heilszuwendung des Herrn Åsichtbar gemacht werden. Die dankbare Kunde soll Gewissheit über die lebendige Wirklichkeit des Herrn und Vertrauen wirken (H. J. Kraus). Dies zeigt auch eine Strophe aus einem Lied, das nach dem plötzlichen Tod eines lieben Angehörigen entstand: Hat die Hoffnung mich betrogen, wird das Leben kalt und leer? Hab ich selber mich belogen? Wo kommt Hilfe für mich her? Wankt der Grund, der mich getragen? Hat der Tod das letzte Wort? Kann ich meine Ängste sagen? Gibt es einen sichren Ort? Vater, zu Hause bin ich ganz bei dir, werde still in deiner Nähe. Offen steht mir heute deine Tür, hilfst mir, dass ich klarer sehe. Öffnest weit dein Vaterherz, breitest deine Arme aus. Du verstehst auch meinen Schmerz, und ich werde froh bei dir zu Haus (A. Bürstinghaus). Jesus ist da! Diese Gewissheit weckt ein neues Lebensgefühl. Vielleicht ist bei uns nicht immer das Gefühl der Freude da. Mag sein, dass wir angefochten sind, und doch beschenkt uns der Herr mit einer ungetrübten Zuversicht und einer tiefen Geborgenheit bei ihm. So können wir getrost und getröstet in jeden neuen Tag gehen. (Lies Ps. 33, 1-4; 34, 2-5; 98, 1-6.)

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Samstag, 2. August

Psalm 40, 5; 24, 3-6

Wohl dem, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt und sich nicht mit den Überheblichen und den Lügnern einlässt! David gibt hier eine beglückende Erfahrung aus seinem Leben weiter. Wohl dem , sagt er, man kann auch übersetzen: Glücklich oder glückselig ist der, . . . Viele solcher Seligpreisungen können wir schon im Alten Testament entdecken. Sie gelten auch uns! Es ist schon etwas Außergewöhnliches, dass wir zu den Glücklichen auf dieser Erde gehören und erst recht im zukünftigen Dasein, im Himmel. In den Psalmen werden die unterschiedlichsten Gründe für dieses tiefe Glück, das uns geschenkt ist, geschildert: Psalm 1, 1. 2: Glücklich ist der, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, sondern Freude findet an den Weisungen des Herrn! Psalm 32, 1: Glücklich sind alle, denen Gott ihre Sünden vergeben und ihre Schuld zugedeckt hat! Psalm 84, 6: Glücklich sind alle, die in dir ihre Stärke finden. Psalm 112, 1: Glücklich ist, wer den Herrn fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten! Psalm 119, 1. 2: Glücklich sind, die ohne Tadel leben, die sich nach Gottes Gesetz richten. Glücklich sind alle, die sich an seine Weisungen halten und ihn von ganzem Herzen suchen. Psalm 146, 5. 6: Glücklich ist der, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der Treue hält ewiglich. Es gibt im Alten Testament noch viele Worte, die vom Glück der Glücklichen sprechen, die ihre Freude am Herrn haben, die sich bergen bei ihm und Kraft für ihren Weg finden in ihm. (Lies Spr. 3, 13-18; 8, 34. 35; 28, 14a.)

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Sonntag, 3. August

Matthäus 5, 1-11; Offenbarung 1, 3

Im Neuen Testament finden wir in der Bergpredigt, die Jesus für seine Jünger hielt, neun Seligpreisungen. Sie wirken wie ein Kontrastprogramm für unser Denken und Leben. In noch so widrigen Umständen offenbart Gott seinen Frieden und seine Freude. Diese unerklärbare Glückseligkeit schenkt er den Gebeugten, den Zerbrochenen und Angefochtenen, denen, die statt Vergeltung Barmherzigkeit üben. Diese Glückseligkeit darf unser ganzes Leben durchdringen. Glückselig, die das Wort Gottes hören und bewahren! Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird (Luk. 11, 28; 12, 35-38). Die Seligpreisungen wollen uns Mut machen, den Weg des Glaubens zu gehen. Das Ziel dieses Weges wird uns in der Offenbarung so beschrieben: Glückselig, die geladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Glückselig, wer teilhat an der ersten Auferstehung (Offb. 19, 9; 20, 6; 22, 14-17). Oft enthalten die Seligpreisungen auch Richtlinien für unsere Nachfolge. So schreibt David: Glücklich ist, wer sein Vertrauen auf den Herrn setzt und sich nicht mit den Überheblichen und denen, die mit Lügen umgehen, einlässt (V. 5). Im Gegensatz zu ihnen setzt David seine Hoffnung auf den Herrn. Das bringt oft Kampf und Widerspruch mit sich. Aber es bleibt dabei: Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott denen verheißen hat, die ihn lieben (Jak. 1, 12; lies Offb. 3, 17. 18). Wer seine Hoffnung auf Gott setzt, wer an ihm festhält, der wird von ihm gehalten.

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Montag, 4. August

Psalm 40, 5; Sprüche 8, 13

Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn und sich nicht wendet zu denen, die mit Lügen umgehen! Pastor Hans Brandenburg erzählte von einem seiner estnischen Freunde: Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verhaftet. In der Festung, in der er mit vielen anderen einsaß, bestimmte man ihn zum Dolmetscher. Bei den Verhören musste er aus der estnischen Sprache übersetzen und konnte so manche Aussage mildern und den Gefährdeten helfen. Da war ein junger Este, der Sohn eines nationalistischen Bürgermeisters. Auf die Familien dieser nationalistischen Esten hatten es die Sieger besonders abgesehen. Dieser junge Este sollte nun zur Untersuchungsverhandlung kommen. Mein Freund sagte ihm: ÅIch werde dich übersetzen, aber ich bitte dich, sage die absolute Wahrheit und lüge nicht. ÅIch kann doch nicht die Wahrheit sagen, das kostet mich ganz bestimmt das Leben. ÅGlaubst du an Gott?, fragte mein Freund weiter. ÅJa, natürlich glaube ich an Gott! ÅDann kannst du auch nicht lügen. Dann vertraue Gott, dass er dich durchbringt. Ich werde dir nur helfen, wenn du die Wahrheit sagst! ÅDas kann ich nicht. ÅIch lasse dir noch eine Nacht zum Überlegen. Morgen früh sage mir, ob du bereit bist, rückhaltlos, auch wenn es dir schadet, die Wahrheit zu sagen. So trennten sie sich. Am nächsten Morgen, als sie sich trafen, war der arme Kerl ganz blass. Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, aber sich durchgerungen, die Wahrheit zu sagen. ÅGut, sagte mein Freund. Dann gingen sie zusammen zur Tür des Untersuchungsrichters. Dort blieben sie einen Augenblick stehen. Jeder betete zu dem Gott, der durchhelfen kann, auch in der schrecklichsten Not. (Lies Ps. 50, 15; 91, 15; Jes. 50, 10.)

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Dienstag, 5. August

Psalm 40, 5; Sacharja 8, 16. 17

Pastor Brandenburg erzählt weiter: Entschlossen, nicht zu lügen, gingen mein Freund und der junge Este in das Untersuchungszimmer. Dort saß ausgerechnet der am meisten gefürchtete Richter. Wir mussten große Fragebögen ausfüllen mit allerlei Fangfragen. Der Richter hatte dann immer noch einige knifflige Extrafragen parat. Es schien völlig aussichtslos, durchzukommen. Aber wir hatten gebetet! Die ersten Fragen waren allgemeiner Art: Wann und wo sind Sie geboren? Was sind Sie von Beruf? Was führte Sie nach Deutschland, . . . Der junge Este erzählte alles ganz offen. Danach aber kamen die heiklen Fragen: Wer ist Ihr Vater? Doch ehe der Richter auf die Antwort hören konnte, bekam er eine schwere Gallenkolik. Ich erschrak furchtbar, als der Mann sich plötzlich an die Lehne seines Stuhles klammerte. Er zitterte am ganzen Körper. Ich dachte, wenn der Richter jetzt stirbt, werden wir als Mörder angeklagt. Aber dann fing er sich doch für einen Augenblick, schob dem Angeklagten das Protokoll zu, und sagte: ÅUnterschreiben Sie! So handelt unser Gott! Wenn wir bereit sind, die Wahrheit zu sagen, hat er tausend Möglichkeiten, uns zu retten! (Dazu Ps. 30, 2-6. 11-13; 138, 7. 8; 1. Petr. 5, 7. 8.) Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod! Doch die mit Lügen umgehen, verfangen sich in ein gefährliches Lügennetz. Wer heute in Heimlichkeiten und Lügen verstrickt ist, der sollte das Angebot von Jesus hören: Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei (Joh. 8, 36). Der Weg der Umkehr zu Jesus steht jedem offen. Wie sollte ich den, der mich so liebt, länger absichtlich verletzen? (Lies Spr. 12, 19; 16, 13.)

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Mittwoch, 6. August

Psalm 40, 6; 115, 12

David weiß sich auf den Höhen und in den Tiefen des Lebens auf festen Grund gestellt. Deshalb kann er sagen: Herr, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweist; dir ist nichts gleich! Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Wenn wir im Finstern sitzen und in den Tiefen zu versinken drohen, macht sich der Herr darüber Gedanken, wie er in unser Leben mit seinem Wunderhandeln eingreifen will. Er hat einen Plan für unser Leben, den er bis zum Ziel ausführt. Gott lässt nichts Angefangenes halbfertig liegen. Darum dürfen wir Mut schöpfen: Ich bin der guten Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wirds auch vollenden bis an den Tag des Herrn Jesus Christus (Phil. 1, 6; lies 1. Thess. 5, 23. 24; 2. Tim. 1, 12; Hebr. 13, 21). Gerade dann, wenn wir keinen Durchblick haben, wenn wir irgendwie in der Luft hängen , wenn uns die Angst beschleicht und wir nicht wissen, wie wir heute durchkommen, wollen wir einmal zurückschauen und über Gottes Wunder und Führungen nachdenken! Wir sollten aber auch nach vorne schauen und Gottes herrliches Ziel in unseren Blick nehmen. Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin (Joh. 14, 1-3). leben mit mut zu neuen Werten 1. Petrus 2, 1-25

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Donnerstag, 7. August

1.PetRUs 1, 23 - 2, 3

Das zweite Kapitel unseres Petrusbriefes beginnt mit einer Aufforderung, die unbedingt im Zusammenhang des Textes bedacht werden muss. Wir könnten sonst einen falschen Rückschluss ziehen und denken: Der Ruf Åleg ab nimmt mich in die Pflicht. An mir liegt es, mein Leben mit Energie zum Guten zu disziplinieren. Dann entspreche ich dem geforderten Maß. Ob wir dies nun willensstark oder verzagt angehen, in jedem Fall liegen wir nicht richtig, und die Enttäuschung holt uns ein. Petrus fordert nicht den Menschen allgemein zu einem ethisch hohen Lebenswandel auf. Er schreibt an jenen Personenkreis, der zu den geistlich Neugeborenen gehört. Von Gott erneuerte Menschen will er zu einem für sie nun möglichen neuen Lebensstil ermutigen. Es gehört zu Gottes Art, zuerst zu beschenken und dann zu Neuem herauszufordern. Das können wir bereits im Alten Testament feststellen. Bevor Gott sein Volk unter den Anspruch der Zehn Gebote stellt, spricht er ihnen zu: Ich bin der Herr, dein Gott (2. Mose 20, 2). Gott selbst schenkt sich, liebt, ruft und erwählt, noch bevor irgendein Gebot korrekt eingehalten wird (5. Mose 7, 7. 8; Jer. 31, 3). Und Jesus sagt seinen Jüngern: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt (Joh. 15, 16). Auch wenn es um das Bekenntnis unseres Glaubens und den missionarischen Dienst geht, kommt Gott uns zuvor. Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein (Apg. 1, 8). Sein Geist hilft unserer Schwachheit auf, geistliche Einsichten im Alltag umzusetzen. Weil uns dies aber nicht gegen unseren Willen widerfährt, spornt Petrus an, im Gebet und Glauben aktiv zu werden. Als Beschenkte und Empfangende können wir Neues wollen und wagen.

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Freitags, 8. August

1. Petrus 2, 1

Wer Verkehrtes ablegen will, muss zuvor Durchblick gewinnen, wo in seinem Leben entsprechende Störfaktoren vorhanden sind. Schon diese Einsicht ist ein Geschenk von Gott. Normalerweise haben wir schnell Argumente bereit, warum wir so und nicht anders empfinden oder handeln. Deshalb ist es beachtenswert, auf welche Gefahren Petrus aufmerksam macht. Das griechische Wort für Bosheit beschreibt eine allgemeine Grundhaltung des Menschen, die sich gegen Gott auflehnt und seine gute Ordnung untergräbt. Diese Rebellion zerstörte einst die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und hat nichts an Aktualität verloren. (Lies 1. Mose 8, 21; Röm. 1, 29; Eph. 4, 31.) Das Stichwort Betrug oder listige Verschlagenheit gewinnt seine Bedeutung im menschlichen Miteinander. Es spricht von einer Gesinnung, die auf Kosten anderer auf den eigenen Vorteil aus ist. (Vgl. Jer. 9, 4.) Zum verhängnisvollen Selbstbetrug kann Heuchelei führen. Gerade in frommen Kreisen laufen wir Gefahr, im Gebrauch von bestimmten Vokabeln und in der Beteiligung an Gemeindeaktivitäten vor anderen ein christliches Gesicht zu wahren. Aber vorgetäuschter Glaube und scheinbare Hingabe sind letztlich gelebte Lüge. (Lies Matth. 23, 27. 28; Luk. 12, 1; Jak. 3, 17.) Neidgedanken stimmen uns nicht nur undankbar. Sie können uns auf eine falsche Fährte im Blick auf unsere eigenen Lebensziele bringen und die Beziehung zum anderen derart vergiften, dass wir ihm sogar Böses wünschen (Matth. 27, 18; 1. Tim. 6, 4; Jak. 3, 16). Die üble Nachrede kann auch mit Herunterreden übersetzt werden und wird von manchen als besondere Gefahr unter Gläubigen eingeschätzt. Es gibt in uns eine eigenartige Kraft, die im Gespräch über Skandale und Versagen anderer eine unterhaltsame Genugtuung empfindet. Ablegen beginnt damit, dass ich vor Gott ehrlich werde. Wenn ich meine Schuld bekenne, löscht er sie aus (Jes. 43, 25).

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Samstag, 9. August

1. Petrus 2, 2. 3

Die bewusste Trennung von Schuld ist der erste Schritt, um der Anweisung von Petrus nachzukommen. Ablegen setzt sich fort in der Konzentration auf Gottes gute Ziele. Auf diesem Weg geschieht ein Wandel in der Gesinnung, der sich auch auf das Tun auswirkt. Hierin liegt eine große Entlastung. Wir stehen eben nicht unter dem Befehl: Kämpfe verbissen gegen das Böse in dir an. Vielmehr gilt: Leg ab und nimm begierig die gesunde Nahrung auf, die sich dir im Wort Gottes bietet. (Vgl. Ps. 119, 162.) Ein neugeborenes Kind benötigt Milch und verlangt von Natur aus kräftig danach. Das ereignet sich in geistlicher Hinsicht längst nicht automatisch. Bei den Gläubigen muss Interesse geweckt und der Zusammenhang verstanden werden. Darum macht Petrus dies zu seinem Thema. Doch als Zielgruppe haben wir uns auf keinen Fall nur den Kreis Jungbekehrter vorzustellen. Auch der wiedergeborene Christ, der schon länger im Glauben steht, benötigt dauerhaft Gottes Wort. (Lies Jer. 15, 16.) Es ist nur vernünftig, das heißt logisch, sich von diesem guten Lebensmittel zu ernähren. Es ist in der Lage, neues Leben zu schaffen und zur Entfaltung zu bringen. Aber nicht nur das: Es schmeckt nach Gottes Freundlichkeit! Nachfolgende Schriftworte laden ein, sich über Gott zu freuen: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut (Ps. 34, 9).

(Zef. 3, 17). Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig (Tit. 3, 4. 5). Welche Freundlichkeiten habe ich in der letzten Zeit erlebt?

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Sonntag, 10. August

1. Petrus 2, 4

Dieser freundliche Herr wird nun als der lebendige Stein beschrieben. Damit wechselt Petrus recht unvermittelt das Bild. Viel schlüssiger und harmonischer würde uns, nachdem von den neugeborenen Kindern die Rede war, der Hinweis auf den Vater erscheinen. Gehen wir also diesem alttestamentlichen Hinweis nach. In Psalm 118, 22. 23 lesen wir: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden . . . Hier ist die Rede davon, dass nicht irgendwelche Gehilfen, sondern ausgerechnet Leute vom Fach, einen Stein falsch einschätzen und für unbrauchbar erklären. Aber eben dieser stellt sich in Wahrheit als der wichtigste Stein heraus, als der Grundstein oder Eckstein im Fundamentwinkel eines Gebäudes. Jesus hat diese Verse als messianische Prophetie gedeutet und auf sich selbst bezogen. (Lies Matth. 21, 42.) In der Auseinandersetzung mit den theologischen Fachleuten seiner Zeit wurde Jesus einer gründlichen Prüfung unterzogen (Matth. 12, 38; 15, 1; 22, 35). Sie fällten ein vernichtendes Urteil (Matth. 26, 3. 4). Gott aber setzte Jesus Christus zum entscheidenden Eckstein. Er legte durch ihn das Fundament zu einem eindrucksvollen Bau, dem neuen, unsichtbaren Tempel in der Gestalt der Gemeinde (Eph. 2, 19-22). Das Bild ist anschaulich, hat jedoch seine Grenzen. Totes Baumaterial entspricht dem auserwählten Stein letztlich nicht, dessen Größe und Macht in der Auferstehung und Himmelfahrt deutlich wurde. Christus ist und bleibt der Lebendige (Joh. 14, 19; Offb. 1, 18). Deshalb möchte Petrus mehr als einen Sachverhalt anschaulich machen. Auch in diesem Fall geht es um die entscheidende Bewegung des Menschen hin zu Jesus Christus. Zu ihm kommt! Wer dieser Einladung folgt, steht auf einem festen Grund, der im Leben, Leiden und Sterben trägt. (Lies 1. Kor. 3, 11; 2. Tim. 2, 19.)

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Montag, 11. August

1. Petrus 2, 5

An dieser Stelle verstehen wir noch besser, weshalb das Bild von den Neugeborenen für Petrus nicht ausreicht. Es könnte den Eindruck erwecken, als ginge es nur um die Pflege der Gläubigen. Nein, es geht um das geistliche Haus und damit um Gottes Ehre und seinen Dienst. Es geht um die Aufgabe, die die Kinder Gottes haben (U. Holmer). Das Ablegen der alten Gesinnung und die Zurüstung durch Gottes Wort sollen Gottes Macht in dieser Welt zur Geltung bringen. Wie kann dies durch uns geschehen? Petrus gibt zwei Antworten: Indem wir uns als lebendige Steine in Gottes Tempel einbauen lassen! (Vgl. Eph. 2, 22; Hebr. 3, 6.) Nachfolge stellt verbindlich an die Seite von Brüdern und Schwestern im Glauben. Wer sich zu Jesus hält, wird fragen, wo und in welcher Aufgabe Gott ihn gebrauchen will. (Vgl. Röm. 12, 6-8; Gal. 5, 13; 1. Petr. 4, 10.) Dieses biblische Prinzip ist damals wie heute angefochten. In unseren Tagen stellt der ausgefüllte Terminkalender eine große Gefahr dar. Mobilität und vielfältige Angebote fördern die Unverbindlichkeit, mitunter auch Unzufriedenheit und kritische Distanz. Axel Kühner erzählt von einem Mann, der sich von seiner Gemeinde immer mehr zurückzog, je deutlicher er Mängel und Fehler entdeckte. Eines Nachts träumte er, dass ihn ein Engel zum himmlischen Tempel führte. Als er ihn genauer betrachtete, entdeckte er plötzlich im Mauerwerk ein hässliches Loch. Er fragte den Engel: Weshalb gibt es diese Lücke? An dieser Stelle wollte Gott dich einbauen und gebrauchen, aber du warst mit Klagen und Mahnen beschäftigt. So hast du versäumt, deinen Platz auszufüllen , antwortete der Engel. Darüber erwachte der Mann und erkannte, dass Gott ihm diesen Traum und damit eine neue Chance geschenkt hatte. Trotz aller Unzulänglichkeiten bemühte er sich fortan, ein lebendiger Stein im Hause Gottes zu sein. (Vgl. Hebr. 10, 24. 25.)

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Dienstag, 12. August

1. Petrus 2, 5

Wie können wir mit an dem geistlichen Haus bauen? Indem wir uns nicht allein als lebendige Steine verstehen, sondern auch als Priester in Gottes Haus! Der Priester nahm im Alten Testament eine ganz besondere Stellung ein. Er übte das wichtige Amt des Gebets- und Opfer- dienstes aus (4. Mose 18, 7). Anders als jene Vertreter des Alten Bundes benötigen wir heute weder ein besonderes Gebäude noch Räucherwerk noch Opfertiere. Unser Gott wohlgefälliger Dienst zeigt sich in geistlichen Opfern. Was Petrus damit praktisch verbindet, sollen verschiedene Schriftstellen erhellen, die den Opfergedanken im übertragenen Sinn aufnehmen. Wir dienen Gott, wenn wir unser ganzes Leben ihm zur Verfügung stellen (Röm. 12, 1), mit anderen teilen (Hebr. 13, 16), das Gespräch mit Gott suchen in Anbetung und Fürbitte (Offb. 8, 3), ihm danken (Ps. 50, 23). Priester bleiben nicht bei ihren eigenen Bedürfnissen stehen, sondern werden nach Gottes Interessen fragen. Sie werden Nöte und Anliegen anderer Menschen auf ihr Herz nehmen. Doch wer sie auf dem eigenen Herzen behält, wird unter diesen Lasten müde; denn dazu sind wir nicht stark genug. Ich habe auch gefunden, dass ich immer dann, wenn ich die Dinge auf dem eigenen Herzen behielt und sie nicht an Jesus weitergab, von den Problemen eines einzigen Menschen so beschlagnahmt war, dass ich für die Nöte, Sorgen und auch Freuden vieler anderer nicht mehr offen sein konnte. Nun weiß ich aber, wenn ich im Gebet alles auf das Herz Jesus lege, dass meines Bruders oder meiner Schwester Dinge dort noch besser aufgehoben sind als auf meinem Herzen (H. Zentgraf). Letzte Verantwortung trägt unser Hoher Priester. Er betet für uns und will der Priester Herz voller Freude machen . (Vgl. Hebr. 7, 25. 26; Jer. 31, 14.)

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Mittwoch, 13.August

1. Petrus 2, 6-8

Noch einmal greift Petrus das Bild von Jesus als dem Eckstein auf und entfaltet einen nächsten Gedanken unter Verwendung verschiedener Schriftbelege. Das zitierte Jesaja-Wort steht in Verbindung mit einer verhängnisvollen Entwicklung in Israel. Die Priester und Propheten in Jerusalem nahmen in ihrem Leichtsinn Gottes Gerichtsankündigung nicht ernst. Sie mussten erfahren: Spötter kommen um. Rettung erfährt nur, wer an den kostbaren Eckstein glaubt. (Lies Jes. 28, 14-18.) Ein weiteres Zitat aus dem Prophetenbuch unterstreicht diesen Ernst. (Vgl. Jes. 8, 14.) An Jesus scheiden sich die Geister. Aber gibt es Menschen, die ihm nicht glauben, weil sie dazu bestimmt sind? Diesen Eindruck erweckt zunächst die Formulierung in Vers 8. Wir finden jedoch in der Gesamtbotschaft der Bibel keine Vorherbestimmung zum Unglauben. Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2, 4). Jesus stirbt für alle Menschen den Tod am Kreuz (Röm. 5, 18; Kol. 1, 20). Keiner ist von dieser Rettungsaktion ausgeschlossen. Festgelegt jedoch ist die Konsequenz, die sich aus einer Entscheidung für oder gegen Jesus ergibt. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm (Joh. 3, 36). Wer nicht glaubt, den trifft das zuvor angekündigte Gericht (1. Kor. 1, 18). Für euch (für dich!) aber ist er kostbar! Wir sagen es ihm mit den Worten eines alten Liedes: Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden, Gottes und Marien Sohn! Dich will ich lieben. Dich will ich ehren, du meiner Seele Freud und Kron! Alle die Schönheit Himmels und der Erden ist verfasst in dir allein. Nichts soll mir werden lieber auf Erden als du, der schönste Jesus mein.

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Donnerstag, 14. August

1. Petrus 2, 9. 10

Dieser Abschnitt gewinnt besonderes Gewicht, wenn wir uns noch einmal die Adressaten des Briefes vergegenwärtigen. Petrus schreibt an Christen, die in der Diaspora leben, fremd unter anderen Volksgruppen und zuneh mend angefeindet (1. Petr. 1, 1). Aber es gibt keinen Grund, sich minderwertig oder ausgeschlossen zu verstehen. Die Zeit, dass nur Israel sich Gottes Volk nennen konnte, ist vorbei. (Lies 2. Mose 19, 6; 5. Mose 7, 6; Hos. 2, 25.) Aus Gottes Gnade nehmen sie eine Stellung ein, die durch nichts zu übertreffen ist. Die Beschreibung dieses Standes soll sie und auch uns ermutigen: Gott hat seine Wahl getroffen und Menschen eines bestimmten Geschlechtes, das heißt gleicher Abstammung, zu seinem Volk bestimmt. Diese Abstammung ist nicht biologischer, sondern geistlicher Art. Sie haben Gott als Vater und sind durch sein Wort wiedergeboren. Dieses auserwählte Geschlecht seid ihr! Gott als König aller Könige gibt seinen Kindern Königswürde und stellt sie zugleich als Priester in einen erfüllenden Dienst. (Lies 1. Tim. 6, 15; Offb. 1, 6.) Diese königliche Priesterschaft seid ihr! Gott hat seinen Kindern Anteil an seiner Heiligkeit gegeben (Hes. 37, 28; Kol. 1, 12). Sie sind in erster Linie ausgesondert für ihn und für seinen Dienst beschlagnahmt. Dieses heilige Volk seid ihr! Gott hat für das Leben eines jeden Kindes teuer bezahlt, indem sein Sohn am Kreuz starb. Sie sind und bleiben sein Eigentum bis in Ewigkeit. (Lies 1. Kor. 6, 20; Joh. 10, 28.) Dieses Volk des Eigentums seid ihr! Als Angehörige dieses auserwählten Volkes verfügen wir über einen unvergleichlichen Kenntnisschatz. Wir wissen, wie man aus der Finsternis, dem todgezeichneten Leben ohne Gott, hinein in Gottes wunderbares Licht findet. Wir können Gottes rettende Macht, Herrlichkeit und Stärke bezeugen. (Vgl. Jes. 43, 10.) Dazu sind wir berufen!

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Freitags, 15. August

1. Petrus 2, 11. 12

Petrus kennzeichnet seinen Themenwechsel mit einer wiederholten Anrede seiner Leser. Bis einschließlich Kapitel fünf folgen Anweisungen für ein Leben als Christ in einer Welt, die andere Maßstäbe anlegt und andere Ziele verfolgt. Es geht ja nicht darum, vor dieser Welt die Flucht zu ergreifen, sondern mittendrin glaubwürdig und einladend zu leben (Joh. 17, 15-18). Die einführenden Sätze zeigen grundlegende Aspekte, die bei allen folgenden Ausführungen zu bedenken sind. Petrus spricht sie als Geliebte an. Er redet nicht mit erhobenem Zeigefinger und will keine Lasten auflegen. In Liebe zeigt er auf, wie die großen Wahrheiten des Glaubens für den kleinen Alltag ganz praktisch Bedeutung haben. Seine Anweisungen sollen sie korrigieren, ermutigen und trösten, in der ganzen reichen Bedeutung des Wortes ermahnen. (Vgl. Eph. 4, 1.) Die erste Anweisung berührt den Umgang mit fleischlichen Begierden . Damit ist nicht in erster Linie der Gefahrenkomplex Sexualität gemeint. Der Gläubige ist Fleisch in seinem ganzen irdischen Dasein, mit seinen Anlagen, Wünschen und Trieben. Fleischliche Begierden sprechen von dem natürlichen Verlangen, unabhängig von Gott das eigene Leben zu bestimmen. Aber diese Art von Selbstverwirklichung zerstört Leben (Matth. 16, 26; vgl. Jer. 45, 5). Völlig anders ist die Wirkung, wenn Denken und Tun sich an Gott orientieren (V. 12; vgl. Matth. 5, 16). Menschen, die Gott nicht kannten, lernen das Staunen und loben ihn. Sogar ein Tag der Heimsuchung kann so mitwirken, jemanden heim zu Gott zu suchen. Gott muss uns einen Tag bereiten, an dem er uns heimsucht, nach uns sieht und sich uns offenbart. Aber das edle Verhalten der Christenheit hilft dazu mit; es bringt die Heiden zur Besinnung, erschüttert ihren Verdacht gegen Jesus und macht sie für die göttliche Heimsuchung empfänglich (A. Schlatter).

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Samstag, 16. August

1. Petrus 2, 13. 14

Wenn ein Mensch sich dem größten König Jesus Christus unterstellt hat, ist er Bürger eines Reiches, das nicht von dieser Welt ist (Joh. 18, 36). Wie lebt er nun als Staatsbürger in einer gottfeindlichen Welt? Kann er ihre Autoritäten überhaupt anerkennen? Muss er nicht eigene Wege suchen oder gar Widerstand üben? Petrus klärt grundsätzlich: Um Gottes willen achtet der Gläubige die weltliche Ordnung und deren Vertreter. Dahinter stehen nüchterne Einsichten. Wir leben in einer gefallen, von der Sünde bestimmten Welt. Ohne Gesetze und entsprechende Kontrollorgane wäre menschliches Miteinander nicht möglich. Der Mensch ist eben nicht von Natur aus gut und sucht nicht von selbst das Wohl des anderen. Der nicht erlöste Mensch macht eine Ordnungsmacht zwingend nötig, auch wenn diese sich so fragwürdig darstellt wie der römische Staat mit Kaisern, die sich als Gottheit verehren ließen. Nicht willenlose Unterwerfung ist gefragt, sondern Anerkennung einer von Gott verordneten Autorität. (Vgl. Röm. 13, 1. 2.) Zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Jeder Machthaber ist wie jeder Mensch ein Geschöpf Gottes. In Vers 13 heißt es sogar wörtlich: Seid jedem menschlichen Geschöpf untergeordnet. Wir achten Gott, indem wir sein Werk, den Menschen, als sein Geschöpf respektieren. Zum anderen ist jede weltliche Macht von Gott geliehene Macht. Gott setzt Könige ab und setzt Könige ein (Dan. 2, 21). In diesem Sinne fordert Jesus auf: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Matth. 22, 21). Das schließt schwierige Entscheidungen im Einzelfall nicht aus. Und im Ernstfall kann die Bindung an Gott zur Gehorsamsverweigerung führen. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg. 5, 29). Als Petrus dies bekannte, bedeutete es für ihn Leiden.

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Sonntag, 17. August

1. Petrus 2, 15. 16

Ein Eigentum Gottes zu sein, stellt in der Konfrontation mit anderen Menschen in ungeahnte Freiheit. (Lies Apg. 13, 45. 46; 14, 2. 3.) Die Geborgenheit in Gott schenkt Kraft, den belastenden Kreislauf von negativer Aktion und negativer Reaktion zu durchbrechen. (Vgl. Matth. 5, 44-48.) Petrus rät, sich anders als gedacht zu verhalten, sodass gottferne Menschen in ihrem falschen Urteil über Christus und die Christen zum Schweigen gebracht werden. Es sind oft gar nicht die aufsehenerregenden Taten, die etwas bewegen. Doch ein gewisser Stolz hält uns selbst von den kleinen Schritten zurück. Wir wollen nicht zu den berühmten naiven Frommen gehören, die sich ausnutzen lassen. Vielleicht sehen wir uns sogar zu dem Urteil berechtigt, dass bei dem anderen sowieso keine Änderung mehr zu erwarten ist. Ein Schwerverbrecher büßte in einem Gefängnis seine lebenslange Strafe ab. Ein Seelsorger bemühte sich in regelmäßigen Besuchen, den Hass und die Bitterkeit des Häftlings zu durchbrechen und ihn für ein Gespräch zu gewinnen. Aber es schien umsonst. Stattdessen wurde er getreten und angespuckt. Der Gefangene fluchte und warf ihm das Essen an den Kopf siebzehn Jahre lang. Eines Tages brach er weinend zusammen: Seit Jahren bin ich zu Ihnen wie ein Teufel. Sie aber haben mich immer als Menschen behandelt. Nun will ich auch ein Mensch werden. Es war der Beginn einer grundlegenden Wandlung seines Lebens. Und so haben es andere ausprobiert: Eine distanzierte und gereizte Verkäuferin zum Kaffee eingeladen, einen ständig sich beschwerenden Nachbarn im Krankenhaus besucht, eine sich stets beklagende Bekannte mit einem Blumenstrauß beschenkt, einem gemeinhin spottenden Kollegen aus einer Verlegenheit geholfen. Tatkräftige Liebe ist die stärkste Waffe der Christen. Und wir wollen nicht übersehen, dass Petrus ausdrücklich festhält: Das ist Gottes Wille! (Lies Luk. 6, 35; Hebr. 13, 16.)

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Montag, 18. August

1. Petrus 2, 16. 17

Die abschließende Aufzählung in Vers 17 irritiert. Müsste nicht an erster Stelle die Ehre Gottes stehen? Hier aber beginnt und endet sie mit einem Appell, Menschen Ehre zu erweisen. Es handelt sich also um eine in anderer Hinsicht interessante Reihenfolge: Ausgehend von dem Bemühen, andere durch freundliche Zuwendung zu gewinnen (V. 15), bleibt unser Blick zunächst auf den von Gott geliebten Menschen gerichtet. Jeder Mensch ist in Gottes Augen seinen Sohn wert! Deshalb heißt es ohne Unterschied: Ehrt jedermann. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Liebe zu den Glaubens- Geschwistern ein. Auch sie hat Auswirkung auf unser Zeugnis unter den Menschen. (Lies Joh. 13, 34. 35.) Bevor jedoch unsere Haltung zur Obrigkeit angesprochen wird, spricht Petrus von der Gottesfurcht. Wir sind eher geneigt, Mächtige zu fürchten oder zu verachten als zu ehren. Doch wer in ehrfürchtiger Liebe darum besorgt ist, Gott zu gefallen, der muss letztlich keinen Herrscher mehr fürchten. Er ist sogar innerlich frei, ihn in seinem Amt zu achten. Wie anders wird sonst das Wort Freiheit gebraucht. Man sieht darin den Freiraum, seine eigenen Wünsche zu verwirklichen. Es besteht selbst für Christen die Gefahr, unter dem Deckmantel der Freiheit mit Sünde zu kooperieren (V. 16). Auch Paulus warnt: Mir ist alles erlaubt, aber es frommt nicht alles! (1. Kor. 6, 12). Und so wie im Straßenverkehr das Vorfahrtsrecht keine Vorfahrtspflicht ist, so verpflichtet christliche Freiheit keineswegs, sie immer für sich in Anspruch zu nehmen. Mal mag es Vorrang haben, auf das engere Gewissen eines Glaubensbruders Rücksicht zu nehmen (1. Kor. 8, 4-13). In einem anderen Fall kann ein missionarisches Anliegen der Grund sein, Verzicht zu üben: Dazu 1. Korinther 9, 19.

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Dienstag, 19. August

1. Petrus 2, 18-21

Seid untertan als die Freien (V. 16). Petrus scheut sich nicht, diese Worte ausgerechnet jenen gegenüber weiter auszuführen, die bereits in ihrer Bezeichnung den Stempel unfrei tragen. Sklaverei entstand durch Dienstbarmachung von Kriegsgefangenen. Sklaven bildeten die Wirtschaftsgrundlage und somit auch die Voraussetzung für die Kulturhöhe der Antike. Sie galten als Handelsware und nicht als eigenständige Persönlichkeiten. Aber genau als solche spricht Petrus sie hier an. Vor Gott gibt es keine Standesunterschiede. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus (Gal. 3, 28). Wir stehen vor der Tatsache, dass sich diese Wahrheit bis heute nicht auf unserem Erdball (und in Menschenherzen!) durchgesetzt hat. Was kann ein Christ tun, wenn er ungerechten Verhältnissen unterworfen ist, die er nicht ändern kann? Was bewahrt vor schwächendem Selbstmitleid, zerstörerischer Selbstaufgabe oder gewalttätiger Selbstbefreiung? Es ist das Wissen um einen höheren Sinn und die trostvolle Verbundenheit mit Jesus. Deshalb erinnert Petrus: Christus weiß, was es heißt, Menschen ausgeliefert zu sein und Unrecht zu leiden. Keiner versteht diese Not besser als er. Christus hat dieses Leid für uns erlitten. Petrus nennt es Gnade, wenn uns Sünder nicht um einer Sünde willen begründete Strafe trifft, sondern Leid, das wir wegen Jesus ertragen. Damit befinden wir uns ganz auf seiner Spur. (Lies Joh. 15, 18-21.) Christus hat sich auf seinem Leidensweg nicht menschlicher Gewalt gebeugt, sondern dem Willen des Vaters unterstellt. So behalten Sklaven ihre Würde, wenn sie ihren fremdbestimmten Alltag in Ehrfurcht vor Gott leben. Das lässt sich von einem bequemen Schreibtischsessel unserer Tage nur bangen Herzens schreiben. Petrus schreibt es als einer, der selber für Jesus gelitten hat (Apg. 4, 3; 5, 17. 40; 12, 6).

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Mittwoch, 20.August

1. Petrus 2, 21-24

Wir sind berufen, seinen Fußspuren zu folgen. Das ist nicht in erster Linie eine Berufung zum Leid, aber ein Ruf, der für Zeiten des Leides eine hilfreiche Orientierung gibt. In Anlehnung an den leidenden Gottesknecht in Jesaja 53, 3-7 zeigt Petrus zunächst ein dreifaches Spurenmuster auf, das Jesus uns vorgelebt hat.

Wie kann es nun von seinen Nachfolgern heißen: Das sieht Jesus ähnlich! ? Nochmals hält Petrus ein Dreifaches fest: Meine verdiente Strafe wurde am Kreuz bezahlt, als Jesus sie an meiner Statt auf sich nahm (Vers 24a). Auch mein Versagen als Nachfolger in seinen Fußspuren gehört hier hin. Ich darf immer wieder neu anfangen. Meine Nachfolge ereignet sich unter den besten Bedingungen. Aus geistlicher Sicht gilt, dass Jesus nicht allein für meine Sünde gestorben ist, sondern ich mit ihm (V. 24b; vgl. Röm. 6, 6. 7). Ich lebe nicht mehr unter dem Gesetz und der Macht der Sünde (Röm. 8, 2-4). Ich bin neugeboren, versetzt in sein Reich und lebe in der Kraft seines Geistes (Kol. 1, 13; Röm. 7, 5. 6). Unter diesem Einfluss kann Leben gelingen, das seiner Gerechtigkeit entspricht. Meine schlimmste Krankheit ist ausgeheilt (V. 24c). Diesen harten Trost für (geschundene) Sklaven kann nur verstehen, wer mit Petrus konsequent Theozentrisch, von Gott her, denkt und weiß: Krank macht letztlich die Sünde. Wer Vergebung hat, ist geheilt vor Gott. Deshalb steht das ganze Leben der Christen, auch das der glaubenden Sklaven und Diener, unter einem alle Not umkehrenden positiven Vorzeichen (U. Holmer).

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Donnerstag, 21. August

1. Petrus 2, 25

Wir haben uns in Kapitel zwei mit verschiedenen Bildern beschäftigt. Der wiedergeborene Christ lebt vom Wort Gottes wie ein neugeborenes Kind von der Milch. Er ist ein lebendiger Stein zusammen mit vielen anderen, die den geistlichen Tempel, die Gemeinde, bilden. In diesem Haus Gottes dient er als Priester und folgt dabei dem Vorbild seines Herrn. Diesen an Sklaven gerichteten Abschnitt schließt Petrus mit einem vertrauten Bild. Er zählt sie zu den Schafen des guten Hirten. Schon im Alten Testament finden wir den Hirten als Hinweis auf Gottes Fürsorge für sein Volk (Ps. 23, 1ff; Jes. 40, 11; Hes. 34, 16). Ein Bischof (wörtl. Aufseher) hat im Neuen Testament die besondere Aufgabe, die Gemeinde zu fördern und zu bewahren. Jesus ist der gute Hirte, der auf seine Schafe acht hat und sie führt (Joh. 10, 27). Er ist der große Hirte und Bischof, der in uns schafft, was ihm gefällt (Hebr. 13, 20. 21). Wir wollen volles Vertrauen zu unserem Hirten haben, weil wir wissen, dass im Glück und Unglück, in Gesundheit oder Krankheit, in Ehre oder Schmach sein Ziel erreicht wird . . . Die Schafe des guten Hirten folgen ihm als ihrem Vorbild. Sie möchten in der Welt sein, wie er war. Sie folgen ihm auch als ihrem Befehlshaber. ÅWas er euch sagt, das tut, war der weise Rat seiner Mutter, und die weise Regel seiner Kinder ist, zu tun, was Er sagt. Gesegnet vor vielen werden die sein, von denen gesagt werden kann: ÅSie folgten dem Lamme, wohin es auch ging (Offb. 14, 4). Die Glücklichsten unter den Glücklichen sind diejenigen, welche seine Fußtapfen, die Spuren seiner durchbohrten Füße, sehen und diesen Spuren folgen, bis sie vor dem Thron des Lammes stehen (C. H. Spurgeon). da kann man nur staunen über Gott aus dem leben Ruts (Kapitel 3 und 4)

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Freitags, 22. August

Rut 3, 1-7; Psalm 9, 19

Während Rut in der Erntezeit Ähren auflas und es klar war, auf wessen Acker sie wider Erwarten in den Genuss einer gewissen Bevorzugung kam, fasste Noomi einen Plan. Ihr war bewusst, dass Rut über die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln hinaus noch eine andere Zukunftssicherung brauchte. Ruhe wollte sie ihr zusichern, einen Ruheplatz für sie suchen. Damit dachte Noomi an eine Wiederheirat ihrer Schwiegertochter. (Vgl. Rut 1, 9a.) Noomi hatte längst aus Ruts Erzählungen wahrgenommen, dass sich Boas, ein entfernter Verwandter der Rut, ihrer besonders annahm. So brauchen wir uns nicht zu wundern über den Vorschlag, den sie ihrer Schwiegertochter vorlegte, berief er sich doch auf ein im Gesetz Israels verankertes Recht. (Lies 5. Mose 25, 5. 6.) Die Absicht Noomis, für einen Ruhe-Ort zu sorgen, kann auch für uns eine wichtige Botschaft beinhalten. Wer kennt nicht die Sehnsucht nach Ruhe? Es gibt zu viele Antreiber, die uns einreden wollen, dass es sie nicht gibt, sondern dass wir immer noch besser, noch schneller, noch tüchtiger werden müssen, wenn wir etwas erreichen wollen. (Vgl. 5. Mose 12, 10; 1. Chron. 23, 25.) Da bleibt kaum Raum für Ruhe. Jesus aber, unser Erlöser, will uns Ruhe verschaffen. In seiner Nähe sollen wir zur Ruhe kommen. Alles, was unsere Seele aus dem Frieden treibt, dürfen wir zu ihm bringen: unsere Sorgen und Ängste, Verletzungen, Krankheit und Leid, unser Versagen und Verzagen. Jesus lädt uns ein: Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und belastet seid; ich will euch Ruhe schenken, dass ihr aufatmen könnt (Matth. 11, 28 nach Bruns).

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Samstag, 23. August

Rut 3, 1-7

Noomis eigenartiger Plan war zwar im Gesetz Gottes begründet, und doch fragen wir uns, ob Rut nicht in eine Rolle gedrängt wurde, die sie so nicht wollte. Auffallend ist zweierlei. Zum einen: Der Berichterstatter enthält sich jeden Urteils. Zum anderen: Der Name des Herrn wird im ganzen Bericht nicht erwähnt. Ein Ausleger schreibt: Die Art und Weise, wie sie ihre mütterliche Sorge um Rut mit kluger Berechnung und weiblicher List vermischt, zeigt doch, dass es ein sehr menschlicher Plan ist. So ist die Frage berechtigt, ob Noomi recht tut, wenn sie sich in dieser Weise in den Plan des Herrn einmischt. War hier nicht Kleinglaube und Ungeduld am Werk? (Dazu 1. Mose 16, 1ff.) Meinte Noomi, sie müsse dem Plan des Herrn auf- und nachhelfen, anstatt dass sie den Fortgang der Sache in seine Hände befohlen und auf seine Stunde gewartet hat? Von diesem Vorwurf kann man sie nicht freisprechen. Der Herr bedurfte ihrer Klugheit durchaus nicht, um Boas und Rut zusammenzuführen. Der die Herzen der Könige lenkt wie Wasserbäche, konnte auch dem Boas wohl das Herz lenken (Spr. 21, 1). Dem biblischen Text entnehmen wir, dass Rut den Rat ihrer Schwiegermutter befolgte. Was mag sich dabei in ihrem Herzen abgespielt haben? Wir können ihren Gehorsam nur so verstehen, dass es für sie keine Alternative gab, als dem Rat der älteren und erfahrenen Noomi zu folgen. Rut sollte erfahren, wie Gottes Hand diese heikle Lage meistert und zum Guten hinausführt. (Vgl. 4. Mose 11, 23; Esra 8, 22; Ps. 77, 11.) Seine Überlegenheit ist so groß, dass ihm Noomis bedenkliches Manöver noch als Mittel seines Planes dienen muss (H. Lamparter).

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Sonntag, 24. August

Rut 3, 1-7

Es ist verwunderlich, wie Rut sich inmitten einer Menge von Unwägbarkeiten durch ihren Gehorsam voller Vertrauen in die Hand ihres Lösers gibt. Der Weg, auf den Noomi sie gewiesen hatte, erschien abenteuerlich und anstößig. Ob Rut wirklich mit allem einverstanden war? Vielleicht hat die Randbemerkung Noomis er wird dir sagen, was du tun sollst ihr Vertrauen gestärkt, dass Gott es recht machen würde (V. 4). Für Rut war es nun das Gebot der Stunde, auf die Stimme ihres Lösers zu hören. Sie konnte ihm vertrauen; denn er war eine integre und vorbildliche Persönlichkeit. Auch wir haben einen, der uns sagen will, was wir tun sollen. Er ist größer und wichtiger als Boas, der ein Vorfahre des Königs David war, und damit ein Vorfahre des wahren Sohnes Davids (Matth. 1, 1-6). Von ihm bezeugt Gott selber: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! (Matth. 17, 5). Das Volk Israel und die Jünger von Jesus haben ihn oftmals das Wort Gottes predigen hören. Aber zwischen Hören und Hören liegt ein Unterschied: Matthäus 7, 24-27; Lukas 8, 15. 21; Jakobus 1, 22-25; Offenbarung 1, 3. Ob wir wirklich auf Jesus hören, wird unser Gehorsam zeigen. Dabei dürfen wir uns an ihm orientieren: Der Herr selber ist den Weg des Gehorsams Schritt für Schritt gegangen. So hatte es schon Jesaja verkündet: Der Herr, Herr, hat mir das Ohr geöffnet, und ich, ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen (Kap. 50, 5; vgl. Phil. 2, 8; Hebr. 5, 8; Joh. 8, 28).

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Montag, 25. August

Rut 3, 8-14; Psalm 119, 62

Bis jetzt war alles so verlaufen, wie Noomi es sich ausgedacht hatte. Doch dass diese nächtliche Begegnung in so keuscher Weise verlief, ist nicht in erster Linie ihren beiden Hauptakteuren zu verdanken, sondern dem Herrn, der seine Hand bewahrend über ihnen hielt. Auch jetzt, um Mitternacht, als Boas aufschreckt, eine Frau am Fußende seines Lagers findet und sie fragt: Wer bist du? , nimmt die Geschichte einen eigenartigen Verlauf. Ruts Antwort zeugt einerseits von Bescheidenheit: Ich bin deine Magd. Andererseits trägt sie ihr Anliegen unvermittelt und kühn vor. Ich habe eine Bitte: Als naher Verwandter von mir bist du dafür verantwortlich, dass ich keine Not leide. Breite dein Gewand über mich aus als Zeichen dafür, dass du mich heiraten wirst; denn du bist unser Löser . Rut bittet also um nichts Ungebührliches; denn sie bezog sich auf die im Gesetz gebotene Levirats- bzw. Schwagerehe, die ihrer und Noomis Not ein Ende setzen würde. Das zeigte sich gerade dadurch, dass sie den Begriff Löser mit ins Spiel brachte. Es ging ihr nicht vorrangig um sich selbst, sondern um Noomi, deren Land durch Boas ausgelöst werden sollte. Dadurch wäre ihre Zukunft sicher gestellt. Treue und Loyalität waren Rut wichtiger als eigene Vorteile, ging es doch darum, einem Gebot Gottes zu entsprechen, das den Bankrott und den Untergang einer Familie im Volk Gottes verhindern sollte. Wenn wir bedenken, dass Rut von Haus aus Moabiterin war, sehen wir, wie ernst sie ihre Entscheidung für den wahren Gott Israels und seine Weisungen nahm. Sie hatte sich dem Herrn anvertraut, und er sollte ihr Leben prägen. (Lies Rut 1, 16. 17; 2, 11. 12; Ps. 36, 8; 61, 5; 91, 4.)

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Dienstag, 26. August

Rut 3, 10-14

Es ist offensichtlich, dass Boas Ruts uneigennützige Motive erkannte und dass sie ihre Entscheidungen aus Ehrfurcht vor Gott und seinem Gesetz getroffen hatte. Darum sprach Boas ihr den Segen des Herrn zu und bestätigt damit, dass ihr Tun und Lassen vor Gott bestehen kann. Rut hatte sich auf die Seite Gottes gestellt und es unterlassen, Kontakt mit anderen, mit jüngeren Männern, aufzunehmen. Sie war ihnen nicht nachgelaufen, weder den armen noch den reichen . Aufs Neue hatte Rut ihrer Schwiegermutter gegenüber Treue und Liebe erwiesen, indem sie um eines höheren Zieles willen ein Opfer brachte. Sie hat dadurch auf das Eigene um des anderen willen verzichtet. Diese Herzenseinstellung weist schon hinüber zu Jesus, der den Seinen aufgetragen hat: Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein (Matth. 23, 11; vgl. 1. Kor. 10, 24; Phil. 2, 4-8). Auch die Reaktion Boas offenbart seine innere Einstellung zu Ruts Antrag: Er antwortet wahrheitsgemäß (V. 12) und zeigt zugleich seine fürsorgliche Gesinnung (V. 13). Er weiß sich an Gott gebunden und hat dessen Ehre im Blick. Aus diesem Grund sucht er Rut und ihren guten Ruf zu schützen. Er ist realistisch genug, um dabei auch an seinen Namen und seine verantwortliche Position zu denken. Weiterhin nutzt Boas Rut nicht aus schließlich befand er sich in einer heiklen Lage. All dies zeigt Boas als einen uneigennützigen, charakterfesten Mann. Darum war auch Rut in dieser Nacht gut bei ihm aufgehoben. Sie wusste, dass sie Boas vertrauen konnte und er alles für sie in Ordnung bringen würde. (Vgl. Ps. 57, 3; Jer. 29, 11.)

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Mittwoch, 27. August

Rut 3, 15-18

Bevor Rut in der Morgendämmerung die Tenne verlässt, gibt ihr Boas noch eine außerordentlich große Menge Korn mit. Sie sollte vor allem Noomi als Zeichen dienen, dass sie sich nun keine Sorgen mehr machen musste; denn er würde für sie und Rut sorgen. Vor allem aber hat Gott acht auf die Seinen mit ihren großen und kleinen Nöten. Wie können uns Sorgen niederdrücken und lähmen. Unser Herr sagt: Sorget nicht! Wer je auf die wohltätige Gesinnung und Gebe-Freudigkeit anderer angewiesen war, für den ist dieses Wort eine besonders hohe Herausforderung: Matthäus 6, 25-34. Sorget nicht! Ist das nicht schnell und unbedacht hergesagt? Wenn Jesus es sagt, gewiss nicht! Der Herr weiß, dass der elende Sorgengeist den Menschen kaputtmacht. Manchmal mag es uns gehen wie Noomi, die auf ihre eigene Klugheit setzte, wenngleich sie das Wort Gottes nicht unberücksichtigt ließ. Aber weder Menschenklugheit noch Menschentorheit können den Plan des Herrn vereiteln. So sehr ist er Herr der Menschen und der Umstände, dass ihm das schlaue, eigensinnige, querköpfige, ja sogar das bitterböse Wollen und Handeln der Menschen noch als Mittel dienen muss, um seinen Plan voranzubringen (H. Lamparter). (Dazu 1. Mose 27, 1ff; 45, 5; 50, 20.) Die Abschluss-Szene zwischen Noomi und Rut in Kapitel 3 verdeutlicht, dass Gott heute und morgen für sie sorgen wird. Er selber füllt leere Hände. Gerade die Leere in Noomis Leben war der Ausgangspunkt für ihre Bitterkeit gewesen (Kap. 1, 20. 21). Nun hat sie keinen Anlass mehr, bitter zu sein. Sie kann darauf vertrauen, dass Gottes Güte über ihnen waltet.

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Donnerstag, 28. August

Rut 4, 1-12

Wir sehen Boas entschlossen zum Tor, dem Ort der damaligen Gerichtsbehörde, schreiten, um dort das geltende Recht für die Lösung von Noomis Besitz und die Eheschließung mit Rut zu besprechen. Scheinbar zufällig kommt der erste Löser am Tor vorbei, wo Boas bereits sitzt. Dieser scheinbare Zufall war ihnen zugefallen durch den, der im Hintergrund die Hindernisse wegräumt und die Fäden zieht (H. Lamparter). Jetzt, da der erste Löser gefunden war, konnten auch die Ältesten als Zeugen der Verhandlung hinzugezogen werden. Sehr geschickt geht Boas vor. Zunächst ist von Rut überhaupt nicht die Rede. Mittelpunkt der Verhandlung war zunächst der Besitz von Elimelech, der nun Noomi gehörte. Boas beginnt die Verhandlung mit einer nebensächlichen Frage, die aber für sein Gegenüber die Hauptfrage ist. Willst du das Land kaufen, willst du der Löser sein? Ob Boas ahnte, wie die Antwort ausfallen würde? Soundso wollte das Land kaufen und dadurch sein Erbteil beträchtlich erweitern. Er hatte ja schließlich das Vorkaufsrecht. Jetzt aber bringt Boas die zweite Seite ins Spiel. Das Vorkaufsrecht für den Löser war verbunden mit der Sorgepflicht für Rut und Noomi und dem Auftrag, den Namen des Verstorbenen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das aber wollte der Löser so nicht haben. Sein Recht hätte er gerne in Anspruch genommen, aber nicht die damit verbundene Pflicht auch wenn er sich damit eine tiefe Beschämung einhandelte (5. Mose 25, 8-10). Boas hingegen war bereit, Recht und Verpflichtung als Auftrag Gottes anzunehmen. Er wollte nicht nur haben , sondern auch geben . Er sah nicht nur den Besitz, sondern auch die dazugehörigen Menschen. Die Übernahme der ganzen Verantwortung zeugt von seiner Ehrfurcht vor Gott.

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Freitags, 29. August

Rut 4, 1-12; Jeremia 17, 7

Nachdem der Verhandlungspartner sein Löserecht an Boas abgetreten hatte, wird dieser rechtmäßiger Besitzer von Noomis Grundstück und Ehemann von Rut. Die Übergabe des Schuhs symbolisierte damals die Rechtskräftigkeit der Entscheidung. Auf den ersten Blick könnten wir den Ausgang der Verhandlung als ein Meisterstück Boas ansehen. Aber nicht nur er war ausschlaggebend daran beteiligt. Der Herr, der die Moabitin Rut erwählte, hat den Lauf der Verhandlung zum guten Ende gelenkt (H. Lamparter). Dass die Eheschließung nicht reine Privatsache, sondern eine öffentlich rechtliche Angelegenheit ist, zeigt unmissverständlich die gesamte Verhandlung. Boas legt Wert auf geordnete Verhältnisse. Er will seine Ehe rechtlich geschützt und vor Gott vollzogen wissen. Das bezeugen die Ältesten und alles Volk, das im Tor war , und überbringen Boas den Ehe- und Kindersegen. Sie erinnern dabei an die Entstehung der Zwölf Stämme Israels (1. Mose 35, 22b-26) und nennen Rut in einem Atemzug mit den Stamm- Müttern Israels. Von jetzt an wird sie eine neue Stellung einnehmen: Sie ist eine in das Volk Gottes vollgültig eingegliederte Frau. Der Segenswunsch für Rut weist ihr eine zukünftige Aufgabe zu, die in der Linie Rahels und Leas liegt. Eingeleitet wird das Segenswort mit der zentralen Bitte: ÅDer Herr möge es geben. Denn an seinem Segen ist alles gelegen (M. Holland; lies 5. Mose 28, 1-6; Ps. 21, 4; 115, 12-15). Der Segen des Volkes und der Ältesten erinnert aber auch an ein dunkles Kapitel im Leben Judas und seiner Schwiegertochter Tamar (1. Mose 38, 1ff). Gott aber kann aus einer Sünden-Geschichte auch eine Segens-Geschichte werden lassen.

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Samstag, 30. August

Rut 4, 13-17; Psalm 127, 3

Nach damaliger Sitte war Ruts Heirat mit dem Auszug aus Noomis Haus verbunden. Wir erfahren darüber keine Einzelheiten. Auch von der Schwangerschaft Ruts und der Geburt ihres Sohnes wird knapp berichtet. Kann man die Hauptsache wie eine Nebensache behandeln? Wenn man den biblischen Text aufmerksam liest, merkt man, dass hier nicht die Gabe im Zentrum steht, sondern der Geber: Der Herr gab ihr, der Herr schenkte ihr . . . Kinder sind eben kein Zeugungs-Produkt , sondern ein Geschenk Gottes. Gerade in Erinnerung an Rahel und Lea wird deutlich, dass die Entstehung menschlichen Lebens keine Laune der Natur ist, sondern Gabe Gottes. (Lies 1. Mose 29, 31; 30, 17-24.) Immer wieder geht es in der Geschichte Ruts um den Herrn. Er steht hinter den Ereignissen ihres Lebens und sie ist offen für sein Handeln. Erfülltes Leben will der Herr auch heute allen geben, die ihr Vertrauen auf ihn setzen, selbst, wenn sie mit unerfüllten Wünschen leben müssen. Noomi wird in das Glück der Familie Boas einbezogen. Gottes Güte und Fürsorge, aber auch die Liebe ihrer Schwiegertochter, halfen mit, die Bitterkeit in ihrem Herzen zu überwinden. Nun hält Noomi, die vom Tod ihres Mannes und ihrer Söhne schwer Getroffene, neues Leben auf ihrem Schoß. Noomis fürsorgliche Zuwendung zu diesem Kind erinnerte sie täglich an Gottes Güte und Barmherzigkeit. Und die Frauen in Bethlehem, die vorher Anteil an ihrem leidvollen Lebensweg genommen hatten, freuen sich jetzt mit Noomi. Sie danken Gott für die glückliche Wendung ihres Geschicks. Siehe um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen . . . (Jes. 38, 17).

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Sonntag, 31. August

Lukas 2, 25-35; Jesaja 9, 5

Jahrhunderte später war es wieder ein kleines Kind, dessen Bestimmung es von Anfang an war, als Trost Israels geboren zu werden. Viele im Volk hatten sehnsüchtig auf die Ankunft dieses Trösters, auf den Messias, gewartet, ganz besonders der greise Simeon. Er hatte nicht nur gewartet, sondern sehnsüchtig erwartet. Die Ankunft des Messias war dem Volk Israel durch zahlreiche göttlichen Verheißungen bekannt. Trotzdem hatten viele die Hoffnung aufgegeben oder in dem kleinen Kind, das in Marias Armen lag, den Trost Israels nicht erkannt. Wir fragen uns, warum ausgerechnet dieser alte Mann in dem Sohn der Maria den Sohn Gottes erkannte. Wer war Simeon? Der Bibeltext gibt uns eine schlichte, aber bedeutungsvolle Antwort: Er war gerecht und fromm. Simeon gehörte zu den Menschen, die Gottes Gesetz treu hielten und mit gottesfürchtigem Herzen die Hoheit und Heiligkeit Gottes respektierten. Aufgrund des Textes können wir davon ausgehen, dass der greise Simeon ein Mensch war, der dem Geist Gottes in seinem Leben Raum gab. Der Heilige Geist war auf ihm (V. 25b). Ihm war eine Antwort gegeben vom Heiligen Geist (V. 26). Er kam im Geist in den Tempel (V. 27). Jetzt, als Simeon in den Tempel kommt, wird die Verheißung, die Gott ihm persönlich zugesprochen hatte, in Erfüllung gehen: Der Trost Israels soll noch zu seinen Lebzeiten kommen. Wie zufällig begegnet Simeon der kleinen, unscheinbaren Menschengruppe. Maria und Joseph waren mit dem Kind gekommen, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun . Simeon erkannte in Jesus den Messias, weil er vertrauensvoll an den Verheißungen Gottes festhielt. Gottes Wort ist absolut zuverlässig. Der Herr hält, was er verspricht. (Lies Ps. 19, 8-11; 93, 5; 119, 111.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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