Mittwoch, 1. April

Lukas 18, 31-34

»Ich begreif es nicht« ­ ein typischer Stoßseufzer. »Ich begreif es nicht« ­ das kann heißen: Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt. »Ich begreif es nicht« ­ das kann aber auch der Schmerz einer langsam gewachsenen Verunsicherung bedeuten, die den Kern des eigenen Glaubens betrifft. Wo früher einmal alles klar und einfach schien, da türmen sich jetzt Probleme und Bedenken, da bedrücken mich Ratlosigkeit und Zweifel. »Ich begreif es nicht« ­ in diesem kleinen Satz können große Probleme und Anfragen, können Zweifel und Verunsicherung zum Ausdruck kommen, die Christen immer wieder mit dem Glauben hatten und haben. Unser heutiger Bibeltext berichtet dies von den Jüngern des Herrn Jesus Christus. · Sie begriffen nichts · Es war ihnen verborgen · Sie verstanden nichts Die Jünger »tappten im Dunkeln«, als Jesus sie auf seinen Leidensweg vor bereitete. Sie waren gemeinsam auf dem Weg nach Jerusalem, und Jesus sprach davon, dass er dort festgenommen, verurteilt, getötet und am dritten Tage auferstehen werde. Diese Nachricht hatte scheinbar nichts mit ihrer eigenen Glaubenserfahrung zu tun. Sie kannten ihren Meister als einen Mann, der mit großer Vollmacht auftrat, die nur direkt von Gott kommen konnte. (Dazu Mark. 1, 2128; 4, 3641; Luk. 5, 411.) Dieser Jesus war Gott so nahe wie kein anderer Mensch. Sollte das etwa nicht mehr stimmen? Hatte er nicht vielmehr vom bevorstehenden Himmel reich gesprochen, geschweige denn davon, dass alles in einer Katastrophe enden würde? Wäre damit nicht alles vorbei und verloren, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte? War damit nicht alles aus, was sie sich in den letzten Wochen und Monaten erträumt und ersehnt hatten? Mit dem, was Jesus hier sagte, kamen sie an ihre Grenzen. Sie erlebten durch die Worte ihres Herrn eine buchstäbliche EntTäuschung. (Vgl. Klagel. 3, 18; Luk. 24, 21.)

Anfang

Donnerstag, 2. April

Lukas 18, 31-34

Wir mögen uns fragen: Was ist nur los mit diesen Männern? Aber kennen wir diese Verfassung nicht auch selber? Was kann den Jüngern und uns helfen, wenn wir nichts mehr von Gottes Handeln und seinen Worten ver stehen? Ihnen und uns muss jemand die Augen öffnen. (Lies 2. Kön. 6, 17; Ps. 119, 18; Matth. 9, 30.) »Wenn uns die Augen geöffnet werden, dann ist das Ergebnis das genaue Gegenteil von dem, was wir uns vorher selbst zurechtgelegt haben. Wenn uns die Augen geöffnet werden, dann läuft das notgedrungen auf eine EntTäuschung hinaus und zwar im wörtlichen Sinne. Wenn uns die Augen geöffnet werden, sehen wir die Welt und die Menschen in einem neuen Licht. Es ist, als ob wir blind waren, und nun sehen können« (M. Bundfuß). Unser Bibeltext wirft unter anderem die Frage auf: Kann denn ein Verlust zum Gewinn werden? Kann ich manches nur durch Verlieren gewinnen? (Matth. 10, 39; Luk. 17, 33) Müssen wir Menschen oder Dinge wirklich los lassen, um sie zu gewinnen? Manchmal müssen wir unsere eigenen Bedürf nisse zurückstellen, um eine Freundschaft oder eine Beziehung zu retten. Manchmal gewinnen wir, wenn wir loslassen, das wissen wir. Mussten die Jünger sich jetzt mit dem Gedanken vertraut machen, dass wirklicher Glaube heißt, den Weg ihres Herrn nicht in ihre eigenen Vorstellungen zu pressen? Was ist das für ein Gott, der die Einübung ins Loslassen nicht nur für seinen Sohn geplant hat, sondern es auch von uns fordert? Max Lucado beantwortet diese Frage folgendermaßen: · Er ist ein Gott, der weiß, dass die tiefste Liebe nicht in Leidenschaft und Romanze gründet. · Er ist ein Gott, der weiß, dass wir nur Pilger sind und jedes »Ade« in Wirk lichkeit ein »Bis bald!« ist. · Er ist ein Gott, der alles selbst durchgemacht hat. (Lies Hebr. 2, 17. 18; 5, 8; Phil. 2, 58.)

Anfang

Freitag, 3. April

Lukas 18, 35-43

Der Evangelist Lukas berichtet genau dort, wo die Jünger mit Unverständnis auf die Worte von Jesus reagierten, die Geschichte einer Blindenheilung. Der Hilfeschrei des Blinden: »Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!« zeigt, dass er sein Leben ganz in die Hand dieses Jesus von Nazareth legte. Der Blinde will nicht zuerst Heilung, sondern das Erbarmen Gottes. Er vertraut auf die Barmherzigkeit von Jesus, auf seine Anteilnahme, auf sein Mitgefühl und auf seine gnädige Zuwendung. (Dazu Ps. 103, 13; Jes. 49, 13; Jak. 5, 11.) Wer sich Jesus und seiner Barmherzigkeit anvertraut, den will er von seiner HerzensBlindheit befreien und ihm eine neue Schau geben. Doch was sollen die Jünger in ihrem Unverständnis mit dieser Blindenheilung anfangen? Ein BibelAusleger weist darauf hin: »Könnte es sein, dass ihnen die Augen geöffnet würden, wenn sie sich Jesus gerade jetzt anvertrauten, anstatt zu versuchen, den Sinn seiner Worte zu begreifen oder den Sinn dessen, was Jesus bevorsteht, zu verstehen? Könnte es sein, dass auch wir dem Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus näherkommen, wenn wir ihm einfach vertrauen, anstatt zu versuchen, hinter seiner Passion einen höheren oder tieferen Sinn zu suchen?« Dem Blinden hat sein Vertrauen auf Jesus allein geholfen und ihm die Augen geöffnet. Der Mann wusste nichts von dem Weg und dem bevorstehenden Schicksal des Nazareners. Er hatte keine Ahnung von der bevorstehenden Verurteilung und Hinrichtung von Jesus und auch nicht von seiner Auf erstehung. Aber er tat das einzig Richtige, er vertraute sich Jesus an ­ und ihm wurden die Augen geöffnet. (Lies Matth. 9, 22. 29; 2. Kor. 5, 7; Ps. 118, 8; Hebr. 10, 35.) So soll auch unser Glaube mit der Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu umgehen: voller Vertrauen!

Anfang

Samstag, 4. April

Matthäus 26, 1-13; Johannes 12, 1-8

Wir haben hier einen Bibeltext vor uns, der uns auf ungewöhnliche Art in das Leiden Jesu hineinführt. Er steht zwischen dem umjubelten Einzug uns resHerrninJerusalemundseinemgrauenvollenTodundseinerAuferstehung. Ein Ausleger vermerkt dazu: »Was mit den HosiannaRufen in den Straßen von Jerusalem beginnt, wird schon bald in die Schreie münden >kreuzige ihn!< Was so fröhlich mit einem Einzug auf einem Esel beginnt, wird bald in tiefster Verzweiflung und Trauer auf dem Kreuzesshügel von Golgatha enden.« (Siehe Joh. 12, 1222.) In Johannes 12,18 wird von einer Frau berichtet, die außergewöhnlich han delte. Sie hatte ihre Ersparnisse, den Jahreslohn eines Arbeiters, für eine Flasche kostbaren Salböls ausgegeben. Mit solchem Öl pflegte man besonders Könige zu salben (2. Sam. 5, 3). Mit ihrem kostbaren Besitz tritt sie in eine Runde von Männern ein, die gerade zu Abend essen. Sie zerbricht das Glas und gießt das kostbare Öl auf das Haupt von Jesus. Und das Merkwürdige geschieht: Jesus lässt sich diese offenkundige Verschwendung gefallen. Ja, er verteidigt sie vor denen, die sich darüber empören. »Das passte wohl nicht in ihr Bild von Jesus, der im Begriff stand, sich auf sein Leiden vorzubereiten. Das passt nicht in unser Bild von Jesus, der als Menschensohn nicht hatte, wohin er sein Haupt legen wollte. Das passt nicht in unser Bild des Men schensohns, der nicht gekommen war, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen« (U.Fischer). Maria hat aus überschwänglicher Liebe gehandelt. Sie salbt Jesus nicht nur wie einen König, sie salbt ihn zum König . . . Sie hat erkannt, wer Jesus wirklich ist: der Gesalbte Gottes, der Messias, der König, der als Gesalbter in den Tod gehen muss. (Lies Jer. 9, 22. 23; 31, 34.)

Anfang

Sonntag, 5. April

Matthäus 26, 17-29; Johannes 13, 21-26

Wir finden Jesus hier mit seinen Jüngern in Jerusalem. Die Vorbereitungen für das Passafest waren in vollem Gang ­ auch im Kreis der Zwölf. In seiner einzigartigen Weisheit bezog Jesus sie in die Vorbereitungen und in die Vorfreude auf dieses Fest ein. Hatte nicht Jesus selber gesagt, wie sehr er sich danach sehnte, dieses Fest mit ihnen gemeinsam zu feiern (Luk.22,15)? Unserem Herrn liegt viel an der Gemeinschaft mit den Seinen. So freut er sich auch hier auf die Stunden der Gemeinschaft, obwohl mitten unter ihnen der Verräter sitzt, der Jesus in die Hände der Feinde überliefert. Der Herr spricht offen darüber, und es beginnt ein erschrockenes Fragen in der Runde: »Bin ich es?« Eins ist deutlich: Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass Jesus sterben muss, aber für den, der ihn ausliefern und abstoßen und verkaufen wird, gibt es keine Zukunftsperspektive mehr. Denn Judas hatte sein Herz dem Satan geöffnet (Joh. 13, 27). Er war zu einem »Sohn des Verderbens« gewor den, von dem Jesus sagt: »Keiner von ihnen (den Jüngern) ist verloren als nur der Sohn des Verderbens« (Joh. 17, 12). Gibt es einen JesusNachfolger, den das Handeln des Judas nicht tief erschreckt? Erkennen wir in uns selbst nicht auch viel Böses? Ein Doppeltes ist gewiss: Wir können das »Judas Rätsel« nicht lösen. Es bleiben Fragen offen. Und das andere: Wer auch immer Jesus in sein Leben aufgenommen hat bzw. aufnimmt, wer sich ihm anvertraut (hat), wird nicht verloren gehen. (Lies Joh. 1, 12. 13; 3, 1316; 6, 47.) Nichts und niemand kann uns aus Gottes Hand reißen, und wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er unsere Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit (Joh. 10, 29; 1. Joh. 1, 9).

Anfang

Montag, 6. April

Matthäus 26, 36-46

Jesus weiß, dass seine Todesstunde nahegerückt ist. Nach der Einsetzung des Abendmahls bricht er mit seinen Jüngern auf, um in den Garten Gethse mane zu gehen. Dieser Garten befindet sich am Fuß des Ölbergs. Jesus und seine Jünger suchten den Garten, der auch eine Übernachtungsmöglichkeit bot, oft auf (Luk. 21, 37; 22, 39a; Joh. 18, 2). Der Herr geht ganz bewusst in den Garten Gethsemane hinein. Er weiß, dass Judas ihn hier aufspüren wird. Welch eine Souveränität kommt uns da entgegen! Zugleich war der Herr aber auch »in seinem Geist erschüttert« worden (Joh. 13, 21). Jesus geht ins Gebet. Es wird ein Ringen ohnegleichen werden. Der Herr erzittert nicht nur wegen der großen Schande und der Schmerzen, die man ihm zufügen wird, sondern davor, für einen Augenblick von Gott getrennt zu sein. Diese Last will er mit Petrus, Jakobus und Johannes teilen. Sie sollen mit ihm wachen und beten. Aber das Unfassliche geschieht: »Als diese Welt erregt ist und die Jünger mit Sturm und Wellen kämpfen, schläft Jesus und zeigt gerade darin, dass er der andere ist, der Sohn Gottes. Als aber die große Aufregung zwischen Himmel und Hölle aufbricht und Jesus anfängt zu trauern und zu zagen, da schlafen die Jünger« (R. Damrath). (Vgl. Luk. 21, 36; Eph. 6, 1020.) Der Herr brauchte offenbar die Nähe und Gebetsunterstützung derer, die einmal die »Säulen« seiner Gemeinde werden sollten (Gal. 2, 9). Er hatte seinen Jüngern das Wort Gottes ausgelegt, hatte sie Beten gelehrt, sie zum Dienst berufen und bevollmächtigt und sich ihnen als der Christus offenbart. Jesus wusste sehr wohl zu schätzen, dass sie alles verlassen hatten, um ihm nachzufolgen (Mark. 10, 28ff). Doch ausgerechnet jetzt schlafen diese Män ner. »Wie viele Stunden der großen Geschichte Gottes werden verschlafen« (R. Damrath)!

Anfang

Dienstag, 7. April

Matthäus 26, 36-46

In Gethsemane geschieht eine entscheidende Wandlung. Während Jesus zu Beginn betet: »Meine Seele ist betrübt bis in den Tod« (V. 38), finden wir unseren Herrn nach seinem Gebetsringen fest entschlossen, dem Tod ins Auge sehend: »Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, nahe ist gekommen, der mich überliefert« (V. 46). Ein Ausleger schreibt: »Wie ist es zu dieser Wand lung gekommen? >Er fing an, zu zittern und zu zagen.< Etwas, was uns die ganze Todesrealität vor Augen führt. Wir stehen davor, ratlos. Wir müssen mit zusehen, müssen es miterleben. Wir kennen Jesus anders. Da war er auf dem Berg der Verklärung. Wir sahen ihn mit ruhigem und festem Schritt auf Jerusalem zugehen, wir sahen ihn in der klaren Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Wir sahen ihn auf dem Wege in majestä tischer Weise seine größten Machttaten tun und die tiefsten Wahrheiten über seine Person aussprechen (Matth. 28, 18; Luk. 1, 51). Wir hörten ihn mit göttlicher Ruhe von seinem Leiden, seinem Sterben reden. Wir begleiteten ihn in den Saal zum Passa, zum Abendmahl und wie er seinen Jüngern sein Blut als schon vergossen darreichte. So ging er bisher dem Leiden entgegen, und nun, was ist jetzt passiert? Welch ein Kontrast! Welch eine unbegreif liche Änderung! Der Mann, dem die Elemente der Natur gehorchten, der die Toten auferweckte und die Dämonen austrieb, ist jetzt selber zu Tode erschrocken?! Zitternd, zagend, klagend. Ein Zagen ­ bis fast zum Zusam menbruch.« Wir merken, dass Gethsemane ein dunkler Ort ist, ein Ort, wo geklagt und geweint wird. Es ist aber auch der Ort, an dem Jesus sich völlig mit dem Willen seines Vaters eins machte, um uns zu erlösen. (Vgl. Matth. 20, 28; 1. Tim. 2, 6; Hebr. 9, 1115.)

Anfang

Mittwoch, 8. April

Matthäus 26, 36-46

Der Gebetskampf des Herrn dort in Gethsemane beginnt mit den Worten: »Mein Vater«. So kann nur einer beten, der ein tiefes Vertrauen zum Vater hat. Trotz der unerträglichen Schwere seines Weges lässt der Herr sich nicht erbittern. Er will seinem Vater auch in den schwersten Stunden seines Lebens vertrauen und »lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam« (Hebr. 5, 8). Wenn wir beten: »Mein Vater«, dürfen wir wissen, dass der Vater bei uns ist, auch in der größten Finsternis, im größten Leid, im Sterben und im Tod (Joh.10,29; 16,27). Und wenn Jesus Angst vor der »TodesTaufe« hatte (Luk. 12, 50), dann ist er ein Gott, der mit unserer Angst vor Leiden und Tod mitfühlen kann (Hebr. 5, 2). Es kann unseren Glauben stärken, wenn wir daran denken, dass unser Herr »wahrer Mensch« war, aber sein Vertrauen nicht wegwarf, sondern sein Herz im Gebet vor Gott ausschüttete und darum rang, den Willen Gottes zu tun. Vielleicht ist es gerade die menschliche Seite, die Jesus dreimal seinen Vater bitten lässt, den schweren Weg nicht gehen zu müssen. ­ Ob sich der Apostel Paulus, als er sich im Gebetskampf zwischen Himmel und Hölle befand, an der dreimaligen Gebetsbitte des Herrn Jesus Christus orientierte? (Lies 2. Kor. 12, 710.) Wie sollen wir es halten? Nicht jeder kann und muss wie Hiob in seinem unermesslichen Leid sogleich sagen: »Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen« (Hiob 1, 21b). Wir dürfen vor Gott klagen, ihm unser Herz ausschütten, unsere Fragen, Ängste, Zweifel und unsere Schmer zen vor ihm ausbreiten. Aber wir beten eben vor Gott, unserem Vater, der seine Familie niemals im Stich lässt, der nicht zulassen wird, dass wir in Versuchungen umkommen. Darum wollen wir's sagen ­ unter Zittern und Zagen ­ »Vater, dein Wille geschehe!«

Anfang

Donnerstag, 9. April

Matthäus 27, 11-31; Johannes 18, 28-38

Vieles ist geschehen seit dem harten Gebetskampf des Herrn im Garten Gethsemane: Verrat, Gefangennahme, Verleumdungen vor dem Hohen Rat, die Verleugnung des Herrn durch Petrus. Nun steht Jesus vor Pilatus, der offensichtlich schon über die vorigen Geschehnisse Bescheid weiß. Darum eröffnet er die Verhandlung mit der direkten Frage: »Bist du der König der Juden« (V. 11)? Zunächst einmal müssen wir feststellen, dass Pilatus Jesus freibekommen wollte. Er ließ den Barabbas, »einen Aufrührer, der bei einem Aufstand einen Mord begangen hatte«, vorführen. Die Juden sollten ­ ent sprechend damaliger Sitte ­ wählen, ob dieser Mörder zum Fest freikommen sollte oder Jesus. Pilatus fragte: »Wollt ihr, dass ich den König der Juden freilasse?« Hatte er doch längst bemerkt, dass die Hohen Priester Jesus nur aus Neid ausgeliefert hatten. Sie hetzten, gemeinsam mit den Vertretern des Hohen Rats, das Volk auf, die Freilassung des Barabbas zu fordern. Pilatus, von der Unschuld des Herrn überzeugt, wandte sich von Neuem an sie und fragte: Was soll ich mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt? Da schrien sie: »Kreuzige ihn!« (Mark. 15, 713). Dieses »Kreuzige ihn« hallt durch die Geschichte. »Es gilt dem, der unendliche Liebe für alle bewies. Es gilt dem, in dem die göttliche Liebe und Weisheit Gestalt gewann« (G. Maier). Warum hat der Vater im Himmel seinem Sohn das entsetzliche Leiden nicht erspart? Er hat es deshalb nicht getan, weil die Abkehr des Menschen von Gott eine so schwere Kränkung für ihn war und gesühnt werden musste. Die Sündhaftigkeit des Menschen, auch meine, ist Ursache für die Verurteilung von Jesus. Wir lesen Jesaja 53, 112.

Anfang

Karfreitag, 10. April

Matthäus 27, 11-31

Pontius Pilatus gab den Hinrichtungsbefehl zur Kreuzigung von Jesus (Mark. 15, 15). Er ließ den Unschuldigen geißeln und lieferte ihn der Folter römischer Soldaten aus. Dann führten sie Jesus ab, um ihn zu kreuzigen (Mark. 15, 1620). Warum nur musste der Herr diesen furchtbaren Weg gehen? Schon auf den ersten Blättern der Bibel lesen wir vom schlimmsten Ereignis der Geschichte überhaupt, dem Ungehorsam der ersten Menschen Gott gegenüber. Mit dieser Tat trat das Gesetz der Sünde und des Todes in Kraft. Das Entsetzliche dieses Vorfalls liegt darin, dass das Geschehene nicht rück gängig gemacht werden kann. Es ist ja geschehen. Denn »wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben« (Röm. 5, 12). Darum gilt: »Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen, er kann Gott sein Lösegeld nicht geben ­ denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen« (Ps. 49, 8. 9; Hebr. 9, 1114). Diesen Preis kann nur einer bezahlen. Der Sohn Gottes selber kam in unser sündenbeladenes, todgeweihtes Leben. Er widerstand der Sünde und war Gott in allem gehorsam ­ bis zum Tod am Kreuz. Jesus setzte sein unschuldiges, sündloses Leben als Lösegeld ein, um uns von der Last der Schuld, von der Macht der Sünde zu befreien und uns für die ewige Gemeinschaft mit Gott zu erlösen. Warum handelte der Sohn Gottes so? Hätte Gott uns nicht einfach in unse rem Elend sitzen lassen können? Hätte er uns nicht dem ewigen Tod überlassen können? Ja, dass hätte er. Aber er wollte es nicht, weil er ein barmherziger und gnädiger Gott ist. Ein Gott, der uns unendlich liebt. Seine Gerechtigkeit forderte das Todesurteil, aber seine Liebe schenkt uns das Leben.

Anfang

Samstag, 11. April

Markus 15, 24-32

»Nah am Kreuz und fern von Jesus«, so überschreibt ein Ausleger diesen Textabschnitt, und schreibt dazu: »Stellen Sie sich die Szene vor. Die Soldaten hocken im Kreis auf der Erde, die Augen zu Boden gerichtet. Der Delinquent (Verbrecher) über ihnen ist vergessen. Sie würfeln um ein paar gebrauchte Kleidungsstücke. Ich habe mich gefragt, wie die Szene wohl auf Jesus gewirkt hat.« Während oben die Last und Sünde einer ganzen Menschheit getragen wird, findet unten der Kampf irdischer Güter ohne Gewinn für die Ewigkeit statt. Erstaunlich: Die Soldaten waren Augenzeugen des unge wöhnlichsten Ereignisses der gesamten Menschheitsgeschichte und merkten es nicht. Sie würfelten um den Besitz des Messias und vergaßen dabei ihn selbst. Der Evangelist Johannes lenkt in seinem Bericht den Blick ebenfalls hinüber zu den Soldaten, die unter dem Kreuz sind und ein »Würfelturnier« veranstalten (Joh.19,24). Der »Sieger« soll das Gewand von Jesus bekommen. Man mag das als sehr geschmacklos empfinden. Andererseits ist anzuneh men, dass die Vollstreckung von Todesurteilen für die Soldaten Routine war. Trotzdem: Diese Szene, dieses Würfelspiel, ist wichtig. Der Evangelist Johannes fügt ein: »So erfüllte sich die Schrift.« (Vgl. Ps. 22, 19; Mark. 14, 49; Luk.24,44.) Jesus kannte deshalb ­ wie es seiner Gesinnung entsprach ­ keinen Groll, keinen Ärger, keine Rache nach Bestrafung derjenigen, die ihn misshandelten und missachteten. Ist dieser Bericht nur eine traurige Geschichte von damals, die nichts mehr mit uns zu tun hat? »Auch wir sitzen am Fuß des Kreuzes und spielen. Wir spielen darum, wer die meisten Mitglieder hat. Oder den höchsten Status. Wir urteilen und verurteilen. Konkurrenzdenken. Egoismus. Persönlicher Gewinn. Es ist alles da« (nach M. Lucado). Auch wir können nah am Kreuz und fern vom Messias sein.

Anfang

Ostersonntag, 12. April

Matthäus 27, 51-54; 28, 1-10

Mit einer dicht gedrängten Aufzählung dessen, was der biblische Bericht über die Auferstehung unseres Herrn weitergibt, wollen wir uns einfühlen in das Ungeheuerliche: Das Erdbeben auf dem Friedhof, der zerrissene Vorhang im Tempel, die Auferstehung vieler Heiliger, der zum Glauben gekommene Hauptmann, das leere Grab, der Engel und seine Botschaft: »Fürchtet euch nicht! . . . Er ist nicht hier, er ist auferweckt worden. Er lebt!« Welch eine Botschaft! Sie entzündet Ehrfurcht und eine große Freude in den Herzen der Frauen. So hatte es der Herr den Seinen eingeprägt: » . . . ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden . . . ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch« (Joh. 16, 20. 22). Lebt diese Freude auch in unseren Herzen? Geben wir sie weiter? »Freudenboten braucht die Welt! Jesu Sieg soll weit erklingen, und du sollst mit Herz und Mund laut von seiner Liebe singen. Freudenboten braucht die Welt! Komm und reih dich freudig ein. Du sollst durch dein Leben selbst Bote seiner Freude sein. Freudenboten braucht die Welt! Dafür will der Herr dich haben. Er, der alles für dich tat, gibt dir reichlich seine Gaben.« U. Aul Die Auferstehung selber ist ein Wunder und bleibt ein Geheimnis. Wir finden aber im Neuen Testament viele Zeugnisse von Menschen, die dem aufer standenen Herrn begegnet sind. Auch die Apostel verkündigten mit großer Überzeugungskraft die Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Bis heute ist sie Kernstück des Evangeliums. (Siehe Apg. 17, 2234.) Durch den Opfertod von Jesus und durch seine Auferstehung von den Toten haben wir eine grundlegende Hoffnung auf das ewige Leben. Christus hat die Möglichkeit geschaffen, die Trennung des Menschen von Gott aufzuheben und im Licht seiner Auferstehung zu leben. (Dazu Eph. 5, 814.)

Anfang

Ostermontag, 13. April

Markus 16, 7-14

Die Frauen am leeren Grab bekommen einen ungewöhnlichen Auftrag: »Geht hin, sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch nach Galiläa voraus geht! Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.« Petrus wird hier besonders erwähnt. Er, der gründlich versagt hat, soll es extra und aus drücklich zugesprochen bekommen, dass Jesus lebt. In einer Auslegung heißt es: »Es ist gerade so, als ob der ganze Himmel zugeschaut hat, wie Petrus umfiel ­ und ihm jetzt unter die Arme greift, damit er wieder hoch kommt.« Petrus bekommt eine neue Chance. Er, der eben noch am Boden zerstört war, hört die frohe Botschaft von der Auferweckung des Herrn. Man sollte meinen, dass auch er und die anderen Jünger sich von der Aufer stehungsFreude hätten entzünden lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Jünger bleiben im Unglauben stecken. Es ist verständlich, dass für sie, die ihr Meister zum Apostelamt erwählt, beauftragt und bevollmächtigt hatte, eine Welt zusammenbrach. Jesus weiß das. Und er lässt die Seinen nicht im Stich. Er geht ihnen nach, enthüllt sich den Jüngern als der auferstandene Herr, isst mit ihnen Fische und Brot, zeigt Thomas seine Wundmale und spricht mit Petrus unter vier Augen. Und er tadelt ihren Unglauben. Das alles sind Erweise seiner Liebe und Treue. So wachsen in den Trümmern ihres Unglaubens und ihrer Hoffnungslosigkeit ein erneuertes Vertrauen und eine erneuerte Liebe. Thomas ­ überrascht von der gütigen Zuwendung des Herrn ­ bekennt: »Mein Herr und mein Gott« (Joh. 20, 28)! Petrus ­ berührt von der vergebenden Liebe seines Meisters ­ bezeugt: »Herr, du weißt alles, du erkennst, dass ich dich lieb habe« (Joh. 21, 17). (Vgl. Ps. 34, 19; Matth. 12, 20; Luk. 22, 32.) SeelSorge-geSPräche im Johannesevangelium (teil1)

Anfang

Dienstag, 14. April

Johannes 1, 15-18. 26-36

Wie oft haben wir es schon gehört und in der Bibel gelesen: Menschen sind Jesus begegnet und wurden verändert. Sie kamen beladen mit Kummer, Sünde und Krankheit und kehrten geheilt und froh in ihren Alltag zurück. Sie lobten Gott mit lauter Stimme, damit alle anderen es hörten. Sie konnten es kaum fassen, dass sie in Jesus der Herrlichkeit Gottes begegnet waren und die Kraft seines Geistes an ihren Körpern und Seelen erfahren hatten (z.B. Matth. 15, 30. 31; Mark. 1, 45; 2, 12; Luk. 5, 25. 26; Apg. 3, 79). Damals fragte man sich immer wieder: Wer ist denn dieser, dass er Menschen die Sünden vergibt und sie von ihren Gebrechen heilt? Wie sagte Johannes der Täufer? » . . . dieser ist es, der nach mir kommt, der vor mir gewesen ist.« Mit anderen Worten: Der jetzt unter uns ist, war schon immer da ­ in der Ewigkeit bei seinem Vater (Dan. 7, 9. 13. 14). Er kann kein anderer sein als Gott selbst, der den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat. Wer Jesus damals begegnete, stand vor dem, der von sich sagte: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich« (Joh. 14, 6; vgl. Kol. 1, 1520). Und heute? Jesus ist nicht mehr sichtbar unter uns. Aber wir können ihm dennoch persönlich begegnen und dürfen unsere Lasten zu ihm bringen. Der Herr hat sein Versprechen gehalten: »Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir« (Joh. 15, 26). Der Heilige Geist öffnet unsere Herzensaugen für Jesus und sein Heil. Ja, mehr noch: Jesus wohnt durch den Heiligen Geist in denen, die ihn in ihr Leben auf genommen haben. Näher kann uns der Herr nicht sein.

Anfang

Mittwoch, 15. April

Johannes 1, 35-37

Zwei Männer suchen nach dem »richtigen Weg« für ihr Leben. Wie viele sind in einer ähnlichen Lage. Man hat sich einer Gruppe angeschlossen, sucht aber weiter nach dem wahren Sinn des Lebens, nach Frieden, Gerechtigkeit und Freude. Andreas und sein Freund befanden sich schon auf einem guten Weg, keine Frage. Sie hörten Johannes (dem Täufer) zu, wenn er predigte, und versuchten zu befolgen, was er sagte. Sie wollten ein Gott wohlgefälliges Leben führen. Aber »irgendetwas« fehlte ihnen. Das spürten sie. Ihr Lehrer Johannes bemerkte das. Er wusste, wonach sie suchten und gab ihnen einen deutlichen Fingerzeig: »Siehe, das Lamm Gottes«! Schaut auf diesen Mann. Er kann euch geben, wonach ihr euch sehnt. Die beiden Johannesjünger hätten diese Weisung ignorieren können. Da sie aber aufrichtige Sucher waren und Hunger nach Wahrheit hatten, gingen sie Jesus hinterher. Sie wollten ihn unbedingt kennenlernen. (Lies Matth. 7, 7. 8.) Gott lässt niemanden sitzen, der nach ihm sucht. Er wartet ja darauf, dass seine Menschen zu ihm kommen und sich von ihrem verzweifelt bösen Schaden befreien lassen. Er leidet mit denen, die sich mit guten Vorsätzen selber quälen oder erfolglos einen Weg aus den Nöten ihres Lebens suchen. Es schmerzt ihn tief, wenn sein Versöhnungsangebot ausgeschlagen wird, weil es anscheinend zu einfach, zu kindisch sei. »Wie ­ einfach nur glauben? Das kann nicht sein!« Und doch, es ist so. »Ein jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden« (Joel 3, 5a). Ihm werden die Augen geöffnet für die himmlische Realität, dass es den Gott der Bibel wirklich gibt und seine Worte wahr sind. Er wird eine Horizonterweiterung erfahren, weil für ihn das Sichtbare nicht mehr der Weisheit letzter Schluss ist. (Lies 4. Mose 21, 49; Hab. 2, 4; Hebr. 11, 1. 3.)

Anfang

Donnerstag, 16. April

Johannes 1, 37-39

»Und die beiden Jünger... folgten Jesus nach.« ­ Das ganz natürliche hinter jemandem Hergehen ist hier gemeint. Damit fing alles an. Es war schon die Folge einer getroffenen Entscheidung, sich mit diesem Jesus näher zu befassen. Nicht nur gedanklich. Sie suchten die persönliche Beziehung. Jesus spürte ihre Absicht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Aber wollten sie auch wirklich mit ihm gehen und mit ihm leben? Waren sie bereit, alles Bisherige hinter sich zu lassen? Welche Motive brachten sie dazu, hinter Jesus herzugehen? Darüber möchte der Herr mit ihnen sprechen. Er wendet sich den Johannesjüngern zu und stellt ihnen die einfache, aber ins Schwarze treffende Frage: »Was sucht ihr?« Solch eine Frage fordert geradezu eine ebenso einfache und klare Antwort, wenn sie ehrlich sein soll. Wortreiche Umschreibungen entlarven nur den Unentschlossenen, der sich nicht fest legen mag. ­ Was suchst du? Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, sich darüber klar zu werden, in welche Richtung wir unser Leben steuern wollen. Was suche ich, was will ich? Auf diese alles entscheidende Frage hat ein Dichter folgende Antwort gefunden, die uns helfen will, mit unserem Leben nicht am Ziel vorbeizutreiben: »O Gottes Sohn, du Licht und Leben, o treuer Hirt, Immanuel! Nur dir hab ich mich übergeben, nur dir gehöret Leib und Seel. Ich will mich nicht mehr selber führen, du sollst als Hirte mich regieren; so geh denn mit mir aus und ein. Ach Herr, erhöre meine Bitten, und leite mich auf allen Tritten! Ich gehe keinen Schritt allein« (K. H. von Bogatzky). (Lies Ps. 27, 9; 63, 2; 105, 4; Spr. 8, 17.)

Anfang

Freitag, 17. April

Johannes 1, 38b. 39; 21, 12

Wie sollten die beiden Johannesjünger Jesus antworten? Eine langatmige Rechtfertigung geben, ihre inneren Gefühle beschreiben? Nein. So gradlinig Jesus sie nach ihrem Begehr fragte, so klar und direkt antworteten Andreas und der andere Jünger: »Lehrer, wo wohnst du?« Damit gaben sie Jesus zu verstehen, dass sie ihn näher kennenlernen wollten: Wo bist du zu Hause, wie lebst du, was machst du . . . ? ­ »Kommt und seht.« Eine damals übliche Einladungsformel, aber von Jesus gesagt, bedeutet sie viel mehr. Wenn Jesus zu jemandem sagt »komm«, so ist es eine Einladung zu einem Zuhause, das ewig bleibt. Es ist die Berufung, die aus einem sündigen Menschen ein »Kind Gottes« macht. (Siehe Matth. 11, 28; Jes. 55, 1. 3; Joh. 6, 37.) Andreas und sein Freund waren nun nicht mehr Jünger des Johannes. Sie folgten einem neuen Herrn, dem einen wahren und lebendigen Gott. Nach jüdischer Zeitrechnung war es etwa 16 Uhr nachmittags. Sie hatten Zeit und Ruhe, Gemeinschaft mit Jesus zu haben. Das war die »Sternstunde« ihres Lebens. Ihr Fragen nach Sinn und Ziel hatte die Antwort gefunden. Sie hatten Gott kennengelernt. Sie wussten jetzt, dass es für sie selbst und das Volk in diesem gebeutelten Land Zukunft und Hoffnung gab. (Siehe Jer. 29, 1114a; 31, 16. 17.) Ohne lange zu zögern, suchte Andreas seinen Bruder Simon auf: »Simon! Wir haben den Messias (Christus) gefunden.« Wir können nicht ermessen, was diese Aussage damals bedeutete. Die Erfüllung einer lang gehegten und gepflegten Hoffnung wurde verkündet. Endlich kam der von Gott versprochene Retter des Volkes Israel. Jetzt sollte alles gut werden, im Kleinen wie im Großen. (Lies Joh. 4, 25; Jes. 42, 19; 52, 7.)

Anfang

Samstag, 18. April

Johannes 1, 40-44

Die gute Nachricht, die Andreas überbrachte, veränderte auch das Leben seines Bruders Simon. Er gehörte ebenso wie viele seiner Volksgenossen zu den Hoffenden und Wartenden. Er litt unter den damals herrschenden Zu ständen in Galiläa und Judäa. Die römische Besatzungsmacht war nicht gerade beliebt. Heidentum und Judentum prallten oft schmerzhaft aufein ander. Litt Simon auch an persönlichen Nöten? Drückte ihn manche Schuld? Hatte er Glaubensprobleme? Es wird uns nicht berichtet, wie Simon auf die Botschaft seines Bruders reagierte. War er sprachlos oder skeptisch? Andreas fing offensichtlich nicht an, mit Simon lang und breit zu diskutieren. Er führte ihn umgehend zu Jesus: »Komm mit und schau ihn dir an! Höre selbst, was er zu sagen hat.« Und dann standen sie sich gegenüber ­ der einfache Fischer vom See Genezareth und Jesus, der Sohn und Gesandte Gottes, der Hoffnungsträger Israels und der Völker (Jes.49,6). Ahnte Simon, dass dieser Augenblick den Verlauf seines Lebens bestimmen würde, weit über ein Fischerdasein hinausreichend? Jesus sah ihn einfach an und wusste über ihn Bescheid. Er sah die Bestimmung dieses Mannes, seine Person, sein Wesen, seine Gaben und Mängel. Er sah, was Simon in diesem Augenblick darstellte und wer er einmal sein würde. Kein »aus dir wird nichts« ­ ein Satz, der schon viele die Selbstachtung gekostet hat ­, sondern ein Zu spruch, eine Zusage, die sich gewiss erfüllen würde: »Du bist (jetzt noch) Simon, Sohn des Jonas; du sollst (aber schon jetzt) Kephas bzw. Petrus heißen, das bedeutet Fels.« ­ Der Name steht für die Person und ihre Be stimmung. Nach Pfingsten war Petrus die Stütze der Gläubigen. Auf seinem Bekenntnis gründet sich die Gemeinde des Herrn Jesus Christus. (Lies Matth. 16, 1319; Apg. 2, 14. 38; 3, 1. 46. 12; 4, 8. 19; 5, 3. 9. 15.)

Anfang

Sonntag, 19. April

Johannes 1, 43-49

Sie finden sich: Jesus und die Männer, die Gott ihm als Jünger geben wollte (Joh. 17, 6). So findet Jesus den Philippus. Er gehörte zum Bekanntenkreis der Fischer Andreas und Petrus. Philippus findet Nathanael und erzählte ihm, wen sie ­ er, Petrus und Andreas ­ gefunden hatten: Jesus von Naza reth, von dem schon die Propheten und Mose geweissagt hatten. Es fällt auf, dass Andreas von Jesus als dem Messias sprach, dessen Kommen so sehnlich erwartet wurde. Philippus dagegen nannte Jesus Sohn des Joseph, der die Vaterstelle vertrat. Philippus spielte also auf die irdische Familie von Jesus mit Wohnsitz in Nazareth an. Nathanael und Philippus kannten offenbar die Heiligen Schriften, sonst wüssten sie nichts von den messianischen Verheißungen. Es hieß aber doch: »Und du Bethlehem . . . aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über Israel werden soll . . . « (Micha 5, 1). Nathanael runzelte die Stirn. Nazareth ­ im heidnisch geprägten Galiläa? Was soll aus diesem Ort Gutes kommen? Philippus hielt sich nicht damit auf, die Wand der Skepsis des Nathanael mit guten Argumenten zu durchdringen. Stattdessen lud er ihn ein, mitzu kommen. »Gerade eine ganze Gewissheit macht uns frei von allem Ereifern, Beweisen und Diskutieren. Sie erlaubt uns die lockere Herzlichkeit, die in dem Wort des Philippus liegt« (W. de Boor). ­ Wie begegnet Jesus nun die sem Skeptiker? Er sah ihn auf sich zukommen und wusste schon, was für ein Mensch Nathanael war. Nein, hier wurde kein Vorurteil gefällt, wie das bei uns der Fall ist, wenn wir so gern Menschen nach irgendwelchen Äußerlich keiten beurteilen. Jesus sah dem jungen Mann direkt ins Herz und erkannte, dass dessen Zweifel einem ehrlichen Suchen nach Wahrheit entsprang. (Siehe Ps. 32, 2b; 26, 24.)

Anfang

Montag, 20. April

Johannes 1, 46-50

»Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist.« Jesus hat die Skepsis Nathanaels nicht übel genommen. Der Herr schätzte dessen Vorsicht und Gewissenhaftigkeit, die ihn gegenüber einer außerordentlichen Nach richt nüchtern sein ließ. Nathanael wollte sicher erst dem Wahrheitsgehalt der Botschaft auf den Grund gehen. ­ Die tiefgründig freundliche Begrüßung von Jesus bringt Nathanael aus der Fassung: »Woher kennst du mich?« Blitzartig weiß er sich von Gott erkannt. Vor dem Heiligen ist alles offenbar. Das erschreckt den jungen Mann bis ins Innerste. Und zugleich spürt er die wahrhaftige Wertschätzung des Herrn. Dann geht Jesus einen weiteren Schritt auf ihn zu: »Ehe dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.« Nathanael vernimmt, dass Jesus ihn schon kannte, ehe er auch nur einen Blick auf Jesus geworfen hatte. Hier stoßen wir auf das Geheimnis der Berufung. (Lies Jer. 1, 5; Joh. 15, 16; Gal. 1, 15; Eph. 1, 4.) Warum erwähnt Jesus den Feigenbaum? Weinstock und Feigenbaum gehör ten damals zu einem Wohnsitz. Der Feigenbaum mit seinen großen Blättern ist ein ausgezeichneter Schattenspender. Er gewährt auch eine gewisse Privatsphäre, in der man sich unbeobachtet fühlen kann. Jesus schaut auch und gerade in diese Privatsphäre hinein und durchleuchtet sie ­ nicht um uns bloßzustellen, sondern um der Wahrheit willen, die uns frei machen will von allem, was uns bindet und das echte Leben verhindert. Nathanael fühlte sich durchschaut, aber nicht wie bei einer Straftat ertappt, sondern von der Liebe Gottes entdeckt. Das öffnete ihm in unbegreiflicher Weise die Augen, wer Jesus wirklich ist und vor allem für ihn ­ den Skeptiker ­ sein will: »Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.« (Vgl. Matth. 16, 16; Jer. 23, 5; Ps. 2, 6.)

Anfang

Dienstag, 21. April

Johannes 3, 1-7

An den Beispielen von Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael sahen wir die lebenverändernde Wirkung durch die Begegnung mit Jesus. Ihr Denken und Tun orientierte sich von da an am Denken und Tun ihres neuen Lehrers. Sie folgten ihm, wohin er auch ging, sie hörten ihm zu, wenn er lehrte, sie hielten sich treu zu ihm ­ auch wenn sie nicht immer verstanden, was er tat und predigte. Jesus war jedoch nicht nur unterwegs, um Schüler zu gewin nen. Er zeigte sich für jeden offen. Er reagierte nicht verstimmt, als ein Mann ihn bei Nacht aufsuchte, um ihn zu sprechen. Da stand jener »Spitzen mann« vor ihm: Nikodemus, Mitglied des Hohen Rats, Pharisäer und »Lehrer Israels«. Warum kam er heimlich bei Nacht? Hatte er so viel zu tun, dass er nicht tagsüber Jesus aufsuchen konnte? Es könnte aber auch sein, dass Nikodemus nicht den Mut hatte, mit Jesus öffentlich zu sprechen. Er hatte seinen Ruf zu verlieren. Er repräsentierte mit seiner Person die jüdische Frömmigkeit und den Anspruch der Aufsicht über die Wahrung der Gesetzes bestimmungen im jüdischen Alltag und am Sabbat. Nikodemus lebte mit der Schrift. Deshalb hatte er daran keinen Zweifel, dass Jesus ein begnadeter Lehrer war und von Gott gesandt sein musste, wenn er mit solcher Vollmacht auftreten konnte: »Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott ge kommen . . . « Nikodemus sprach nicht nur für sich. Er stand mit seiner Er kenntnis offensichtlich nicht allein. Man diskutierte in der Etage hochrangiger Theologen über Jesus und was man von ihm erzählte. Da mag Nikodemus zu dem Schluss gekommen sein: »Wenn ich zu einer wahrhaftigen Beurteilung über diesen Mann kommen will, muss ich mit ihm persönlich sprechen.« ­ Gibt es nicht allzu viele, die gern über Jesus diskutieren, ihn nach dem Maßstab menschlicher Vernunft beurteilen, und sich dennoch der biblischen Wahrheit nicht öffnen wollen, um in persönlichen Kontakt mit ihm zu kommen? (Vgl. Matth. 19, 1622; Apg. 17, 1623. 3032; 26, 2529.)

Anfang

Mittwoch, 22. April

Johannes 3, 3-7; 2. Korinther 3, 12-18

Was konnte Jesus für die beunruhigte Seele des Nikodemus tun? Würde er sich hinsetzen und diesem frommen und gebildeten Mann haarklein ausein andersetzen, was die Propheten über ihn geweissagt haben und dass er der Messias ist? Er tat es nicht. Warum nicht? Hatte Nikodemus kein Recht zu erfahren, wer eigentlich sein Gesprächspartner war? So leicht macht es Jesus diesem Mann nicht. Denn wie er einem Simon tief ins Herz geschaut hatte, so tat er es auch bei seinem Besucher. Nikodemus wusste, was in seiner Bibel stand. Er kannte das Wort Gottes. Aber er wusste nicht, dass ihm Entscheidendes fehlte, um es wirklich zu erkennen. Darauf spricht Jesus ihn an. Um Gottes Wort zu verstehen, reicht es nicht aus, biblische Inhalte zu kennen. Das ist wertvoll und wichtig. Aber wir dürfen nicht im Wissen stecken bleiben. Wir brauchen ein »neues Denken«, ein geistliches Erkennen. Eine Geburt von oben, von Gott her. Man wird noch einmal geboren ­ von daher »wiedergeboren« (Tit. 3, 5). Die Wiedergeburt geschieht durch das Wort Gottes und seinen Geist. Fehlt selbst dem Bibelkenner dieser Geist, bleibt all sein theologisches Wissen und Reden im Netz der Diesseitigkeit hängen und ist ohne jede Heilserwartung und Erfüllung. (Vgl. Hebr. 11, 3; Luk. 11, 13.) Wir dürfen wie David beten: »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist« (Ps. 51, 12). Vielleicht hatte Nikodemus ein spannendes theologisches Gespräch erwartet, in dem er mit diesem neuen Rabbi spitzfindig die Klingen kreuzen konnte. Dagegen wird seine ganze Lehrweisheit ­ auch die seiner Kollegen ­ infrage gestellt, indem Jesus ihm zu verstehen gibt, dass er zwar alles weiß, aber nicht den Kern der Sache versteht. (Lies Phil. 3, 714.)

Anfang

Donnerstag, 23. April

Johannes 3, 4-7; Hesekiel 36, 25-27

Nikodemus versteht nicht. (Vgl. Joh. 4, 1012.) Seine Vorstellung von »Wiedergeburt« ist befremdend. Er weiß nicht, wovon Jesus spricht. Das ist peinlich. Er, der Gelehrte, findet sich in der Rolle eines Schülers wieder. Und Jesus muss ihn belehren. Er unterstreicht seine Aussage über die Notwendigkeit der Geburt von »oben her«, wenn man in das Reich Gottes kommen und Anteil haben will am ewigen Leben. Der Herr gibt eine Hilfe stellung, wie man neugeboren wird: durch Wasser und Geist. Nikodemus müsste wissen, was das bedeutet: Mit dem Wasser ist das Reinigungswasser gemeint, das in großen Krügen für die rituellen Waschungen aufbewahrt wurde. (Vgl. Joh. 2, 68.) Die WasserTaufe des Johannes stellte im Zusam menhang mit einem Sündenbekenntnis die geistliche Bedeutung der Reinigung vor Gott dar. Aber das reicht nicht, um wirklich ein geheiligtes Leben zu führen. Dazu ist der Heilige Geist nötig, der in dem Menschen schafft, was Gott gefällt. Jesus unterscheidet scharf zwischen dem Wert eigener Bemühungen, gut zu sein, und dem, was der Geist Gottes im Menschen schafft (V.6). Nikodemus ist noch vom frommen Leistungsdenken besetzt. Wie stolz kann ein Mensch doch sein, wenn er zufrieden auf seine guten Leistungen und religiösen Taten zurückblicken kann. ­ Jesus wirbt um die Seele seines nächtlichen Besuchers. Er kann ihn aber nicht mit der Wahrheit verschonen, die ihm eine sträfliche Unwissenheit in Bezug auf den Heilsweg Gottes bezeugt (V. 9. 10). Ob Nikodemus es gewagt hat, diesen kleinen Schritt aus Glauben zu tun und Gott um seinen Geist zu bitten und sich von der Bürde der Werkgerechtigkeit befreien zu lassen? (Lies Matth. 11, 2830.) WaS unSere Worte BeWirken kÖnnen ­ Jakobus 3 unter die luPe genommen

Anfang

Freitag, 24. April

Jakobus 3, 1. 2; Sprüche 29, 20

Schon in Kapitel 1, 19. 26 seines Briefs hatte Jakobus die JesusNachfolger auf einen überlegten Gebrauch ihrer Zunge hingewiesen. Jetzt entfaltet er die angesprochene Thematik genauer und kommt zuerst auf die »Lehrer« zu sprechen. Zwei geschichtliche Tatsachen helfen uns, eine in der jungen Christengemeinde entstandene Spannung zu verstehen. · In der heidnischen Umwelt des Judentums wurden mit Vorliebe Weisheits lehrer verehrt, die von der griechischen Weltanschauung geprägt waren. Sie hielten große gelehrte Reden. (Vgl. Apg. 17, 1621.) · Im jüdischen Rabbinat war es zu einer Fehlentwicklung gekommen. Die Rabbinen hielten den besten und dazu kostenlosen Religionsunterricht. Das verlieh ihnen im jüdischen Volk höchstes Ansehen. Darum galt es als beson ders verdienstvolles Werk, einen Rabbi bei sich aufzunehmen und ihm alle Fürsorge zukommen zu lassen. Im Lauf der Zeit entstand aber ein unheim licher Kreislauf von Menschenfurcht, Menschenabhängigkeit und Menschen verehrung. (Vgl. Spr. 29, 25.) Es wurde den Rabbinen sehr leicht gemacht, zu Menschen zu werden, wie Jesus sie beschreibt: zu geistlichen Tyrannen und zu Denkmälern stolzer Frömmigkeit. (Vgl. Matth. 23, 47; Mark. 12, 3840.) Die christliche Gemeinde, die zur Zeit des Jakobus fast ausschließlich vom Judentum herkam, stand in der Gefahr, sich auf den zerstörerischen Trend einer vielgeschäftigen und äußerlichen Frömmigkeit einzulassen. Jesus aber hatte für seine Nachfolger eine ganz andere Spur gelegt: Den Weg der Demut. Wer ihn einschlägt, wird andere nicht »von oben herab« und recht haberisch belehren, sondern in der »JüngerSchule« seines Meisters bleiben. Er sagt: »Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matth. 11, 29). »Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade« (1. Petr. 5, 5).

Anfang

Samstag, 25. April

Jakobus 3, 1; 1. Korinther 3, 6-15

Mit einer juristischen Begründung warnt Jakobus vor einem eigenmächtigen Hineindrängen ins biblische Lehramt: »Alle, die Gottes Wort lehren, werden von ihm nach besonders strengen Maßstäben beurteilt werden.« Jakobus will keine Angst einjagen, aber deutlich informieren: »Die >Beurteilung<, die bevorsteht (1. Kor. 4, 4), kann zur >Verurteilung< werden. Wenn ein Arzt etwas versäumt, nicht rechtzeitig nach seinem Patienten sieht, auf fahrlässige Weise die Diagnose falsch stellt, eine falsche Spritze gibt, so hat er unter Umständen ein Strafverfahren und einen zivilen Schadensersatzprozess zu befürchten. Wenn wir Gottes Wort falsch ausrichten, wenn wir Gesetz statt Evangelium predigen, wenn wir die Gnade billig machen, wenn wir am Ernst des BußRufs etwas abbrechen, wenn wir >davon< oder >dazu (Offb. 22, 18. 19), so droht uns keine Verfolgung durch den Staatsanwalt. Doch es droht uns das göttliche Gericht, das nicht weniger schwer wäre als das Gericht Gottes über die Ungläubigen (Luk. 12, 4648)« (F. Grünzweig). Was kann uns, besonders allen Mitarbeitern in Verkündigung und Lehre, helfen, auf dem Dienstweg, wie Jesus ihn gezeigt hat, zu bleiben? · Eine hohe Wertschätzung der Heiligen Schrift. (Vgl. Ps. 12, 7; 19, 811; Spr. 30, 5.) Sie ist das einzige Buch, das uns den allein wahren Gott offenbart, der uns liebt, der uns vom Bösen erlöst und zum Dienst befähigt. · Ein sorgfältiges Studium darüber, wie Jesus selbst mit dem Wort Gottes umging: Matthäus 4, 110; Lukas 4, 1721; 24, 2527. 32. Wenn wir die großen Reden des Herrn lesen ­ Bergpredigt, Gleichnisse, Endzeit und Ab schiedsreden ­, stellen wir fest, wie tief Jesus im alttestamentlichen Gottes wort verwurzelt war und sein Leben ausschließlich im Wort und Willen des Vaters festgemacht hatte: »Muss ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist« (Luk. 2, 49)?

Anfang

Sonntag, 26. April

Jakobus 3, 1; Prediger 12, 9-11. 13. 14

Wir fragten uns: Was kann einem JesusJünger, besonders den Mitarbeitern in Verkündigung und Lehre, helfen, auf dem Dienstweg, wie Jesus ihn gezeigt hat, zu bleiben? · Eine neue Dankbarkeit. Ich darf mir immer wieder bewusst werden: Ich stehe vor Gott, der mich berufen, beauftragt und begabt hat (Röm. 12, 68; Eph.4,11; 1.Tim.2,7). Dafür will ich ihm danken und die Gaben im Vertrauen auf seine Kraft einsetzen. So werden wir bewahrt, uns von Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit leiten zu lassen. · Innere Wachsamkeit. Wenn es darum geht, anderen biblische Lehre mitzu teilen, habe ich sorgfältig darauf zu achten, die Wahrheit Gottes, nicht die eigene Meinung, zu lehren: Kolosser 2, 811; 1. Timotheus 6, 35; Titus 2, 7. 8. · Stille Zeiten mit Gott. Jeder Christ, jeder Mitarbeiter und Bibellehrer erst recht, braucht Zeit und Ruhe für das Gespräch mit Gott. Das sorgfältige und betende Lesen unserer Bibel gibt uns geistliches »Stehvermögen« in einer Zeit, die von Irrlehren und Unsittlichkeit erfüllt ist. · Schlichter Gehorsam. Ich will tun, was Gott mir sagt. Wir werden geistlich wachsen und reifen, wenn unsere persönliche Lebensführung »dieselbe Sprache spricht« wie das Wort Gottes, das wir kennen, lehren und weiter sagen. Es ist wichtig, dass biblisches Wissen und ein Leben, das sich am Wort Gottes orientiert, ineinander und nicht auseinanderwachsen. (Vgl. 1. Tim. 4, 1216.) Welch starke Zusage gibt Gott uns mit Daniel 12, 3 auf den Dienstweg zur Ausbreitung seines Wortes! »Die Verständigen aber, die Gottes Wort bewahren und vielen Menschen den Weg zum Leben gezeigt haben, werden für alle Zukunft leuchten wie die Sterne am Himmel.«

Anfang

Montag, 27. April

Jakobus 3, 2; Sprüche 10, 19-21

Nicht nur Lehrer haben ihre Worte sorgfältig einzusetzen; denn wir alle haben unsere Fehler. Jakobus sagt wörtlich: »Wir alle stolpern oft.« Das betrifft besonders unser Mundwerk. »Es stolpern mehr Menschen über ihre Zunge als über ihre Füße.« Dieser humorvolle Satz auf einer Postkarte bringt treffend zum Ausdruck, dass wir oft aus Gedankenlosigkeit versagen. Man hört gar nicht richtig hin und redet einfach. Man meint schon zu wissen, was der andere sagen will, und lässt ihn gar nicht ausreden. Man findet den Gesprächspartner zu umständlich, wenn er sich äußert, und schneidet ihm das Wort ab. Wir tun uns wirklich schwer mit unserem Reden und NichtReden. Das stellt Jakobus nüchtern fest: »Wem es freilich gelingt, nur das zu sagen, was dem anderen hilft und ihm nicht schadet, den kann man als vollkommen bezeichnen. Denn wer seine Zunge beherrscht, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.« Bezeichnenderweise gibt Jakobus uns jetzt nicht den Rat: »Schweigt euch lieber an!« Wie dick kann doch die Luft sein, wie gespannt die Atmosphäre, wenn man nicht redet! Es ist so: »Die Regelung des Wortes ist das Allerschwerste, das Allerletzte, was wir erreichen« (A. Schlatter). Es gibt nur einen im Reden und Schweigen »Vollkommenen«: Jesus, der sündlose Menschensohn. Sicher hat Jakobus als »Bruder« von Jesus oft darüber nachgedacht, wie der Herr mit den unterschiedlichen Menschen sprach ­ mit freundlich und feindlich Gesinnten, stillen und lebhaften Gemütern, mit schwierigen und oberflächlich wirkenden Leuten, mit akademisch Gebildeten und Facharbeitern, mit Kranken und Starken. In den Evangelien finden wir dazu zahlreiche Beispiele. Zur rechten Zeit das Richtige sagen oder still sein, das lernen wir in der tiefen Freundschaft mit Jesus: Markus 14, 6062; 15, 15; Johannes 18, 3337; 19, 911; 1. Petrus 2, 2125.

Anfang

Dienstag, 28. April

Jakobus 3, 3-6

Jakobus veranschaulicht mit drei bildhaften Vergleichen, wie grundlegend der Gebrauch unsrer Zunge für unser ganzes Leben ist. Niemand sage vorschnell: »Die Zunge ist doch nur ein kleines Körperteil, nicht so wichtig.« Jakobus setzt dagegen: 1. Vergleichen wir die kleine Zunge mit der kleinen Gebiss-Stange im Maul des Pferdes. Das angelegte Zaumzeug ermöglicht es dem Reiter, das ganze Tier zu zügeln. Die Gangart des Pferdes, seine »Ausstrahlung« rundum, lässt sich vergleichen mit der »Gangart« und Ausstrahlung unseres Lebens. Ob wir uns bewusst sind, welch grundlegende Rolle dabei eine gezügelte oder lose Zunge spielt? Unsere Worte haben vor Gott ein großes Gewicht. Er weiß nicht nur um jedes Wort auf meiner Zunge, er wird mich auch eines Tages beurteilen und prüfen, wie ich's gehalten habe mit unnüt zen und bösen Worten (Ps. 139, 4; Matth. 12, 36. 37). Dann hilft kein Pochen auf meine guten Taten! Viele Menschen, auch Christen, haben hier ihre Schwachstelle. Sie meinen, Worte verfliegen und Taten bleiben. Die Bibel aber zeigt eine andere Richtlinie: Auch Worte zählen bei Gott unter die Taten. Reden und Tun, Sprache und Leben, Worte und Sein gehören untrenn bar zusammen wie Zunge und Lippen. Maßgebend wird sein: Wer sitzt bei mir »im Sattel«? Wer führt die Zügel? Ich selber? Eins ist gewiss: Kein Mensch kann sich selber führen. Er ist darauf angelegt, geführt zu werden. Ich darf mich in allem dem einzigartigen und guten »Reitmeister«, dem Heiligen Geist, anvertrauen. Er führt mich richtig und sicher: Johannes 16, 1315; Römer 8, 14. Gott will sogar seine Worte in meinen Mund legen (Jer. 1, 9; vgl. 2. Mose 4, 12; Matth. 10, 19. 20). So bekommt mein Leben göttliche Ausstrahlung.

Anfang

Mittwoch, 29. April

Jakobus 3, 4; JesAJA 50, 4. 5

Jakobus gebraucht ein weiteres Bild für die große Wirkungskraft der menschlichen Zunge: 2. Vergleichen wir die kleine Zunge mit dem kleinen Steuerruder am mächtigen Schiffsrumpf! Für eine zielklare, geborgene Fahrt auf See sorgen vor allem Steuerruder und Steuermann. Selbst ein Ozeanriese mit seiner Fracht wird durch Wind und Wellen sicher gelenkt von einem kleinen Steuer ruder. Unser Leben soll nicht ziellos verlaufen. Wie schwer beladen wir auch sein mögen, wie stürmisch Winde wehen und Wellen brausen, wir sollen nicht auflaufen und nicht untergehen, sondern den Hafen der Ewigkeit bei Gott erreichen. Noch befinden wir uns auf der Überfahrt von der irdischen in die himmlische Heimat. Noch können wir mit unserem kleinen Steuerruder wichtige Kurs korrekturen vornehmen. Wie kann das ganz praktisch geschehen? · Prüfen wir unsere Sprechgewohnheiten vor Jesus: Wo sind die konkreten Schwachpunkte in meinem Reden? Bin ich bereit, mich verändern zu lassen? · Fragen wir uns immer mal wieder still im Herzen: Ist es nötig, dass ich jetzt rede? Ist es wahr, was ich äußere? Ist es heilsam, hilfreich, aufbauend, was ich sage? (Vgl. Spr. 12, 25; 15, 23. 30; 16, 24.) · Aber nicht nur fragen, sondern auch das kleine Steuerruder tatsächlich in die entsprechende Richtung lenken lassen, wenn Gottes Geist uns ermahnt: »Sag das lieber nicht!« Dann gilt es zu gehorchen. Oder wenn der Heilige Geist uns erinnert: Du solltest jetzt deinen Mund auftun und diese Sache ansprechen, um Verzeihung bitten, eine Information, ein Bibelwort, eine persönliche Erfahrung mit Jesus weitersagen, dann gehorche auch. · Wenn Gott uns »die Zunge eines Jüngers« gegeben hat, dürfen wir uns darauf verlassen, dass er uns heute hilft, mit unserem Nächsten freundlich, wahr und klar zu reden.

Anfang

Donnerstag, 30. April

Jakobus 3, 5. 6

Das nächste Bild beschreibt neben der großen Auswirkung die zerstörende Kraft menschlicher Worte. 3. Vergleichen wir die kleine Zunge mit einem kleinen Feuer! Ein winziger Feuerfunke kann zur Feuersbrunst wachsen. Feuer brennt und frisst ­ erbarmungslos und unersättlich. Steppen, Wälder, Dörfer, Städte wurden schon im Flammenmeer vernichtet. Genauso verheerend kann unsre Zunge arbeiten. »Ein gehässiger Mensch ist ein Ofen voll Bosheit; seine Worte sind wie sengendes Feuer« (Spr. 16, 27). Jakobus bezeichnet das traurige Brandmal menschlicher RedeGlut als »eine Welt der Ungerechtig keit«. Vielleicht erinnerte er sich dabei an Sprüche 16, 28 und 26, 1821. Jakobus mag auch an die Worte des Herrn Jesus Christus in Matthäus 15, 11 gedacht haben, wenn er formuliert: »Die Zunge zeigt sich unter unseren Gliedern als diejenige, die den ganzen Leib beschmutzt.« Über die Ursache der Verunreinigung lässt Jakobus seine Leser nicht im Unklaren. Es gibt gerade im Sprachbereich des Menschen eine Einbruchstelle des Teufels, die sich zeigt, wenn der Mensch sein Leben eigenmächtig in die Hand nimmt. »Die Möglichkeiten solch bösen Einflusses durch das gesprochene, geschriebene und in den Medien gesendete menschliche Wort sind Legion: Lüge, Irreleitung, Verdächtigung, Manipulation, Hetze, Werbung. Und die Folge: Vorurteil, Neid, Hass, Fanatisierung, Ideologisierung, Begehr lichkeit, Zuchtlosigkeit. Bei dem Großangriff des Feindes und seines dämo nischen Anhangs in der endgeschichtlichen Phase dieser Welt wird gerade die Zunge, die das böse Feuer entfacht, eine besondere Rolle spielen (Offb. 13, 5. 11). Das macht die Sünde aus der wundervollen Gottesgabe des Redens!« (F. Grünzweig). Was können wir in einem derartigen Klima schon ausrichten?! Sicher nichts Besonderes und doch das Entscheidende: Wir können Buße tun und instän dig am »Thron der Gnade« um das Wasser des Lebens beten, das allein imstande ist, das Flammenmeer zu löschen und Brandwunden zu heilen.

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

Anfang