Jubelt über das, was Gott Getan hat; Psalm 66

Dienstag, 1. April

Psalm 66, 1-20

»Jubelt Gott zu, all ihr Menschen auf der Erde!« Gleich im ersten Satz dieses Psalms gibt der Dichter die Richtung an, in die er uns mitnehmen möchte. Dieser Psalm ist ein einziger Jubelruf. Er ist nicht nur Ausdruck einer festlichen Stimmung, sondern entzündet sich an der Herrlichkeit Gottes. »Er ist das Echo seiner machtvollen und gnadenvollen Offenbarung, die Antwort auf seine gewaltigen Taten, durch die er seinen Namen in Israel bezeugt und unter den Völkern verherrlicht hat. Er wendet den Blick zu Gott empor nicht zu irgendeinem Gott, wie ihn menschliche Sehnsucht, fromme Phantasie oder philosophische Spekulation erträumt, sondern zu dem Gott der Väter, der sich seinem Bundesvolk namentlich bekannt gemacht hat« (H. Lamparter; lies 2. Mose 3, 13-15; 20, 2; Jer. 32, 27). In jeder der drei Strophen stellt der Psalmbeter einen besonderen Zug von Gottes Handeln heraus: In Vers 1-7 hebt er die Herrschermacht Gottes hervor, in Vers 8-12 jubelt er über die erfahrene Retterkraft seines Gottes, und in Vers 13-20 lässt er uns an der persönlich erfahrenen Freundlichkeit seines Gottes teilhaben. Jubeln, Gott zujubeln, ist das nicht eine großartige Sache, Freude pur? Da bewegt sich in uns etwas, was das Leben erst so recht zum Leben macht. Aber wie oft ist es uns überhaupt nicht zum Jubeln zumute? Unser Alltag sieht vielleicht grau in grau aus. Beziehungen scheinen, trotz aller Bemühungen, unaufhaltsam in die Brüche zu gehen. Eine Diagnose und ihre schlechte Prognose lähmen unser Innerstes. Und nun diese Aufforderung: »Jubelt!« Seltsam, dass es Menschen gibt, bei denen das Gotteslob auch in den tiefsten Tiefen ihres Lebens nicht verstummt. Man hört keine lauten Lieder, aber man spürt ihnen eine tiefe Zufriedenheit ab.

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Mittwoch, 2. April

Psalm 66, 1-3; 34, 2-4

Gott möchte uns helfen, ihn zu loben. Der Psalmsänger beginnt mit Gottes wunderbarer Schöpfung. »Sprecht zu Gott, wie wunderbar sind deine Werke!« Die gewaltige Bergwelt, die unendliche Weite des Meeres, die Zugvögel mit ihrem einzigartigen Radarsystem, die Leuchtkäfer, die in Bruchteilen von Sekunden ihre Lichtimpulse senden, und wir Menschen, die wir ein einzigartiges »Kunstwerk« unseres Schöpfers sind, sollte uns das nicht zum Jubeln und Staunen über Gottes Größe bringen? Uns fallen viele Dinge ein, über die wir uns freuen. Ereignisse und Namen, die unser Herz höher schlagen lassen, aber jubeln über Gott? Vergessen wir es einfach oder sehen wir es als etwas reichlich Abgehobenes an? David, dem der Psalm von verschiedenen Auslegern zugeschrieben wird, fordert uns auf, Gott zuzujubeln. Aber gelingt das auf Kommando? Unser Psalm gibt uns Tipps, wie die Freude an Gott, und vielleicht sogar wieder der Jubel über Gott, unser Herz in Bewegung bringen kann: »Sprecht zu Gott: Wie gewaltig sind deine Taten« (V. 3)! Wenn wir damit beginnen, Gottes Allmacht und seine Liebe zu uns zu loben, wächst in uns die Freude an ihm. Loben zieht nach oben. Loben wirkt wie ein Aufwind, der beflügelt und emporhebt über die Tiefebenen hinweg. Es ist wohl das Geheimnis der Vielen, die sich durch Not und Verfolgung nicht zu Boden reißen ließen, sondern trotz allem Schweren noch jubeln konnten. Einen weiteren Tipp lesen wir in Vers 5: »Kommt und seht, was Gott getan hat.« Wir sind eingeladen, die Bibel zu studieren, über Gottes große Taten nachzudenken, über seine Wunder zu staunen, aber auch sein Leiden und Sterben für uns in Dank und Anbetung zu bedenken. (Lies Joh. 3, 16; Ps. 103, 1. 2; 47, 2. 3; 89, 16-18.)

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Donnerstag, 3. April

Psalm 66, 3; Daniel 3, 24-30

»Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.« Wie ein roter Faden zieht sich diese Tatsache durch die Bibel. Gott ist und bleibt Sieger. Mögen sich Menschen oder Mächte noch so großartig präsentieren und ihren Einfluss demonstrieren, letztlich werden sie alle ihre Knie beugen vor dem König aller Könige und Herrn aller Herren. Die Geschichte Israels ist ein Beweis von Gottes allmächtigem und souveränem Handeln bis in unsere Zeit hinein. Dabei besteht »die ganze Größe unseres Gottes in der Filigranarbeit persönlicher Tröstung und Fürsorge. Gott ist nirgends größer als in den Kleinigkeiten, mit denen er all unsere Kleinigkeiten hebt und heilt, wendet und endet« (H. Bezzel). Diese Gewissheit soll uns helfen, unsere Beziehung zu Gott zu überdenken und, wo es nötig ist, sie erneuern zu lassen. Vielleicht haben wir uns von Gottes starker Hand, die uns bisher geführt und begleitet hat, gelöst. Wir brauchen uns dann nicht zu wundern, wenn die Freude und der Jubel über Gott abgeebbt sind. Nicht umsonst werden wir in den Psalmen immer wieder aufgefordert: »Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet« (Ps. 98, 1. 4; lies Ps. 96, 1-13; 100, 1-5). Wenn wir ihn im Blickfeld behalten, seine Größe und Allmacht anschauen, können uns die feindlichen Angriffe nicht überwältigen. Dann können wir, auch wenns in unserem Leben eng wird, zu seiner Ehre ein Loblied anstimmen, dem Feind zum Trotz. Egal, was uns heute bedrängen mag, es bleibt dabei: Gott ist immer noch größer! (Lies 2. Chron. 32, 7; 2. Mose 18, 11; 5. Mose 33, 26. 27; Ps. 57, 3.)

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Freitag, 4. April

Psalm 66, 4-7; Philipper 2, 9-11

»Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.« Es ist, als ob der Psalmsänger es nicht oft genug wiederholen kann: Gott ist es wert, dass man ihn lobt! Dabei bezieht er alle Völker der Erde mit ein und öffnet ihnen und uns in immer neuen Variationen die Augen für Gottes Größe und seine gewaltigen Taten. Er erinnert voll Ehrfurcht und Staunen an die großen Machttaten Gottes in Ägypten. Pharao musste sich, gegen seinen Willen, dem Allmächtigen beugen und das Volk Israel aus der Sklaverei ziehen lassen. Er bekam zu spüren, dass der, der sich gegen Gott erhebt, den Allmächtigen gegen sich hat. Wer ihm dagegen vertraut, erlebt Gottes Zuwendung. (Vgl. Röm. 8, 33.) Gottes Machthandeln hinterließ im Volk Israel seine Spuren. Von Generation zu Generation sagten sie es weiter, was damals am Schilfmeer geschah, als die feindlichen Ägypter die Israeliten zurückholen wollten in die Sklaverei. Gottes Machtwort teilte die Wasserfluten, sodass diese gegen ihren natürlichen Lauf zurückflossen und wie ein mächtiger Wall stehen blieben. Für die Israeliten war es ein Phänomen, dass sie auf trockenem Meeresboden durch das Schilfmeer ziehen konnten und ihre Feinde an der gleichen Stelle kurze Zeit später untergingen. So groß ist Gott, dass sich Wasserfluten auf sein Geheiß hin teilen und auf sein Wort hin wieder hereinbrechen, dass scheinbar unbezwingbare Mauern einstürzen, dass die Sonne stehen bleibt. (Lies Jos. 3, 13-17; 6, 20; 10, 12. 13.) »Das sind alles kleine Wunder verglichen mit dem Wunder der Bekehrung eines Sünders. Der natürliche Mensch unterwirft sich Gott nicht; er will alles und jedes, nur nicht Gott gehorchen. Es ist gegen seine Natur. Diese Natur überwindet Gott; er kehrt den Gang der Natur um. Er macht Sünder zu Heiligen« (B. Peters).

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Samstag, 5. April

Psalm 66, 6; 2. Mose 14, 10. 15-18

Mose erhielt einen glasklaren Befehl von Gott, als die Israeliten vor dem Schilfmeer standen: »Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen.« Weiterziehen? Wohin? Manchmal geht es uns heute ähnlich wie dem Volk Israel damals, als sie auf der Flucht vor den Ägyptern waren: Vor ihnen das Schilfmeer, hinter ihnen die Feinde. Ein Ausweg war nicht erkennbar. Eingekesselt von tödlichen Gefahren, wussten sie nicht weiter. Aber Gott der Herr sah sein Volk in seiner inneren und äußeren Zerrissenheit. In die bedrängende Lage hinein sprach er das wegweisende Wort: »Sage den Kindern Israel, dass sie weiterziehen sollen!« Weiterziehen! Könnte das für uns heißen: Geh auf deinem mit Schlaglöchern versehenen Weg weiter; geh auf diesem Weg weiter, auch wenn du im Moment nicht einmal bis zur nächsten Wegbiegung siehst, oder dir das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht? »Gott führt seine Kinder nicht auf gepflegten Marmorstraßen, wohl aber auf der rechten Straße.« Er übersieht niemanden, er überhört auch unsere Schreie nicht, ihm fehlt es nicht an Möglichkeiten, uns zu helfen. Er hat auch in menschlich ausweglosen Situationen einen Weg für uns zum Weiterziehen. Mose, Gideon, Elia, Daniel, Hanna, Petrus und Johannes, Paulus und Silas und viele andere Männer und Frauen der Bibel erzählen uns aus ihrer persönlichen Geschichte, wie Gott in dunkelster Nacht, in größter Schwachheit und unter gefährlichsten Umständen für sie einen Weg zum Weitergehen ebnete. (Vgl. 1. Mose 12, 1. 2; 2. Mose 3, 10; Richt. 6, 14; 1. Kön. 18, 1; Dan. 6, 21-24.) »Geh auf deinem Weg getrost und ohne Sorgen, geh mit Gottes Segen, geh ihn mutig voran. Geh an seiner Hand, du bist bei ihm geborgen, geh mit Gottes Segen, geh ihn mutig voran« (H. Bräuning).

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Sonntag, 6. April

Psalm 66, 8-12; 9, 12

»Lobet ihr Völker, unseren Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen!« Erneut fordert der Psalmbeter zum Lob Gottes auf und bezieht dabei alle Völker mit ein. Sie sahen, dass Gott die grausame Herrschaft der Ägypter über sein Volk zugelassen hatte, aber sie erlebten auch Gottes Allmacht, mit der er Israel aus der Sklaverei herausgeführt hatte. Rückblickend können sie nur Gottes große Treue bezeugen, der über dem Leben so vieler Menschen gewacht hat. Das bringt ihr Herz in Schwung. In ihr ansteckendes Lob über diesen Wunder tuenden Gott sollen alle Völker einstimmen. »Lobt ihn laut, dass alle es hören!« Ihm allein gebührt Anbetung und Dank. »Gott erhält uns am Leben, er lässt uns nicht untergehen« (V. 9). So sehr liegen auch wir ihm am Herzen. Er sorgt dafür, dass wir in den Stürmen des Lebens nicht umkommen. Welch ein Herr! (Vgl. 2. Chron. 16, 9a; 2. Kön. 6, 15-17; Ps. 34, 8; 91, 4; 125, 2.) Und doch spricht der Psalmbeter von Prüfung und Läuterung, wie Silber im Schmelzofen geläutert wird. Er weiß von Kerkerhaft zu berichten und von Lasten, die es zu tragen galt, von Menschen, die niedergemacht wurden. Feuerproben und gefährliche Wasserfluten blieben ihnen nicht erspart. Dabei betont er jedesmal, dass es Gott selber war, der sie in die schwierige Lage brachte. »Wir hatten doch eben gehört, dass Gott sein Volk nicht ins Wasser, sondern auf dem Trockenen durchs Meer geführt hatte. Wie sind sie nun doch ins Wasser gekommen? Hier sehen wir, dass Gott die gleiche Sache, an der er einmal seine Rettermacht und Gnade geoffenbart hatte, ein anderes Mal zur Erziehung seines Volkes verwendet. Gott lässt die Seinen in den Prüfungen nicht untergehen; er erhält ihnen den Glauben und führt sie aus dem Ofen und aus dem Wasser heraus in die Fülle« (B. Peters).

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Montag, 7. April

Psalm 66, 10-12; 40, 3

Der Psalmbeter beschreibt einzelne Prüfungssituationen, die er durchzustehen hatte. Dabei betont er mit Nachdruck, dass es Gott selber war, der ihn prüfte. »Du hast uns geprüft.« David musste durch viele Prüfungen hindurchgehen wie vor ihm schon Abraham, der seinen einzigen, geliebten Sohn Isaak opfern sollte. (Vgl. 1. Mose 22.) Er hatte im Vertrauen auf Gottes Versprechen durchgehalten und erfahren, dass Gott mit seiner Hilfe nicht zu spät kommt. »Du hast uns geläutert wie das Silber im Schmelztiegel.« In Maleachi 3, 2 wird Gott mit einem Schmelzer verglichen, der das Edelmetall von Verunreinigungen befreit. So weiß unser Gott genau, welcher Hitzegrad bei uns nötig ist, damit wir gereinigt werden. Besonders auffallend sehen wir das im Leben von Hiob. Er ging durch schwere Prüfungen, und doch konnte er sagen: »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, . . . Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott schauen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust« (Hiob 19, 25-27). »Du hast uns in einen Turm werfen lassen.« Hier gibt es nach menschlichem Ermessen kein Entrinnen. Aber wieder wird auf erstaunliche Weise Gottes Handeln beschrieben: Du hast uns befreit, so wie es Josef in Ägypten erlebte, oder wie es von Petrus in Apostelgeschichte 12 berichtet wird. »Du hast uns ins Feuer geführt.« Das würde bedeuten, dem sicheren Tod entgegenzusehen. Niemand hatte an eine Rettung der drei im Feuerofen geglaubt; aber der Herr war bei ihnen und errettete sie, »sodass das Feuer ihnen nichts anhaben konnte, ihre Haare und ihre Kleidung blieben unversehrt, ja, man konnte keinen Brandgeruch an ihnen riechen« (Dan. 3, 27). Gott lässt uns in unseren Prüfungen nicht allein, er ist dabei!

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Dienstag, 8. April

Psalm 66, 10-12; 37, 3. 4

Eine Studentin berichtet über ihre Erfahrung mit Psalm 66, 10-12: »Ich hatte mich für eine Praktikumsstelle beworben und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dies verlief sehr gut. Es herrschte eine vertrauensvolle und kollegiale Atmosphäre, sodass ich ohne Bedenken meine Sehbehinderung ansprechen konnte, mit der ich seit meiner Kindheit lebe. Wir kamen gemeinsam zu der Auffassung, dass sich diese Einschränkung bei der Stelle gut kompensieren ließe. So ging ich guten Mutes nach Hause. Umso größer war die Enttäuschung, als ich zwei Tage später per Mail eine Absage bekam. Der Grund war meine Sehbehinderung. Ich war am Boden zerstört. Diese Begründung war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich fühlte mich so hilflos und erniedrigt. Da las ich eines Morgens in meiner Bibel Psalm 37, 4: ÅHabe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht! Diese Worte trafen mitten in mein aufgewühltes Herz. Ich spürte, dass Gott mir diese Worte ganz persönlich zusprach. Also gehorchte ich und bekam innerhalb kürzester Zeit eine andere Stelle. Dies war jedoch nicht alles. Gott schenkte es, dass ich dort ein Thema für meine Diplomarbeit entwickeln konnte und einem Professor begegnete, der mir von sich aus die Betreuung meiner Arbeit anbot. Auch die Arbeit in der Einrichtung selbst segnete der Herr. Ich konnte jungen Frauen von Gott erzählen, weil sie ihre Kinder taufen lassen wollten und dafür Taufgespräche führen mussten. Diese Aufgabe und noch viele andere, die mir für mein weiteres Studium wichtig sind, wurden mir übertragen. Im Rückblick kann ich nur sagen, dass Gott mich, wie in Psalm 66 beschrieben, zwar geläutert und mir eine Last auf den Rücken gelegt hatte, aber mich letztendlich aus der Bedrängnis herausgeführt und mich erquickt hat. Ich durfte einmal mehr in meinem Leben Gottes Treue erfahren.«

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Mittwoch, 9. April

Psalm 66, 12; Jesaja 43, 1-4

»Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.« Mit diesen Worten leitet der Psalmbeter die Wende der dramatischen Lage ein, die er zuvor beschrieben hat. Er bleibt nicht bei dem negativen, fast anklagenden Ton stehen: »Du hast uns geprüft und geläutert, du hast uns in den Turm werfen lassen, du hast Lasten auf unseren Rücken gelegt, du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten.« Er stellt dem Schweren ein klares Aber entgegen. Die Not war nicht das Letzte, sondern Gottes helfendes Eingreifen. In Psalm 93 beschreibt der Psalmbeter eine ähnlich bedrängende Situation: »Herr, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme heben empor die Wellen; die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; aber der Herr in der Höhe ist noch größer!« Auch über der Geschichte Israels steht solch ein rettendes Aber: »Ihr Herz hing nicht fest an Gott, und sie hielten nicht treu an seinem Bunde. Er aber war barmherzig und vergab die Schuld und vertilgte sie nicht« (Ps. 78, 37. 38). Der Psalmbeter beschreibt in Psalm 94 die schwierige Situation, in der er steckte. Von eifersüchtigen, gottlosen Menschen umgeben, von deren himmelschreienden Bosheit niedergedrückt, sagt er: »Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.« Er beschreibt, wie sich »Menschen zusammenrotten gegen den Gerechten und unschuldiges Blut verurteilen«. Dem stellt er wieder ein entschiedenes Aber entgegen: »Aber der Herr ist mein Schutz, mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht« (Ps. 94, 19. 21. 22). Wer heute im Angriffsfeld Satans steht, der kann ihm wie Paulus mit dieser Waffe begegnen und sagen: »Aber der Herr steht mir bei!« (Lies Apg. 23, 1-11.)

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Donnerstag, 10. April

Psalm 66, 13-15; 84, 1-13

Nachdem der Psalmbeter Gottes Eingreifen auf wunderbare Weise erfahren hat, ist es ihm tiefstes Bedürfnis, diesem Gott zu danken. Er möchte ins Heiligtum gehen, den Ort der Stille und Gemeinschaft mit Gott aufsuchen. Dort will er ihm danken und die Versprechen einlösen, die er in seiner Not hinausgeschrien hatte. Es geht ihm ganz ähnlich wie den Kindern Israels damals, als sie nach ihrer Rettung am jenseitigen Ufer des Schilfmeeres standen und sangen: »Du hast durch deine Barmherzigkeit geleitet das Volk, das du erlöst; hast es durch deine Stärke geführt zu deiner heiligen Wohnung « (2. Mose 15, 13). In diese innige Gemeinschaft mit dem Wunder tuenden Gott zog es auch den Psalmbeter. Aus Dank und Liebe wollte er Gott Opfer bringen. »Im Nachdenken über Gott hatte der Psalmbeter immer klarer gesehen, wer Gott ist, wie er sich in Gericht und Gnade offenbart. . . Und während er dasteht und zuschaut, wie seine Brandopfer auf dem Altar verbrennen, begreift er, dass er nur errettet werden konnte, weil ein Stellvertreter für ihn leiden und die Strafe seiner Sünde, den Zorn Gottes, tragen würde« (B. Peters; vgl. Jes. 53, 4-6; Joh. 1, 29). Die Begegnung mit Jesus in der Stille vor ihm zeigt uns immer wieder neu, wer er ist und was er für uns ganz persönlich getan hat. J. Flavel sagt: »Christus wird uns erst süß, wenn wir die Bitterkeit der Sünde erkannt haben.« Zum Nachdenken: Was löst diese Tatsache in meinem Leben aus? »Für mich gingst du nach Golgatha, für mich hast du das Kreuz getragen, für mich ertrugst du Spott und Hohn, für mich hast du dich lassen schlagen. Herr, deine Liebe ist so groß, dass ich sie nie begreifen kann, doch danken will ich dir dafür« (M. Birkenfeld).

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Freitag, 11. April

Psalm 66, 16; 71, 14. 15

»Kommt her, hört zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat!« Schon in Vers 5 hatte der Psalmbeter seine Zuhörer eingeladen: »Kommt und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.« Damals waren es die Völker, denen er anhand der Geschichte Israels zeigen wollte, wie barmherzig und freundlich, aber auch allmächtig, Gott ist. Jetzt wendet er sich an die Gottesfürchtigen, an die, die mit ihm dem lebendigen Gott nachfolgen. Diesmal konzentriert er sich darauf, erfahrene Gebetserhörungen weiterzusagen. Sie erfüllen sein Herz mit großer Dankbarkeit und einer tiefen Freude. Mit Petrus und Johannes könnte er sagen: »Wir können es nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben« (Apg. 4, 20; lies Apg. 21, 19; 26, 22; Ps. 9, 2. 3; 96, 3). Solche Berichte zeigen die Größe unseres Herrn und machen unsere Herzen froh. Kürzlich erzählte eine Frau, wie sie Jesus erlebte: »Ich besuchte ein Seminar zum Thema Gebet. Ein Satz des Referenten machte mich besonders nachdenklich. Er wies uns darauf hin, dass Beten nicht nur Reden mit Gott ist, sondern auch das Hören auf ihn einschließe. In meiner Gebetszeit sagte ich Jesus meine Hilflosigkeit in dieser Sache und bat ihn: ÅHerr, rede du, ich warte auf ein Wort von dir! Ich musste nicht lange auf eine Antwort warten. Plötzlich stand sie vor mir: ÅSei ganz sein, oder lass es ganz sein! Erschrocken horchte ich auf. Die Herausforderung, die hinter diesem Satz stand, traf bei mir ins Schwarze. Ich wusste genau, welche Kompromisse in meinem Leben sich nicht mit einer echten Jesusnachfolge vereinbaren ließen. So entschied ich mich für ein konsequentes und kompromissloses Leben mit Jesus.« (Lies Matth. 10, 38; 16, 24.)

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Samstag, 12. April

Psalm 66, 16-20; Jakobus 4, 3

Was der Psalmbeter in Krisensituationen lernte, das möchte er weitersagen, um uns in solchen Herausforderungen zu helfen. Die Not hatte ihn drei Dinge gelehrt: erstens zu beten, zweitens mit guten Motiven zu beten und drittens, dass Gott Gebet erhört. Er vergaß nicht, dem Herrn für alle erfahrene Durchhilfe zu danken und ihm die Ehre zu geben. »Als ich zu ihm um Hilfe schrie, wusste ich: Gott wird mir helfen! Deshalb begann ich, ihn zu loben.« Ähnlich wie in Psalm 103 erinnert er sich selber daran: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.« Ganz gezielt und ehrlich spricht der Beter aber auch ungute Motive und geschehenes Unrecht an. Solche unlauteren Motive, die in unseren Herzen verborgen schlummern, wirken wie eine Barriere. Sie können Gebetserhörungen behindern. (Lies Jes. 59, 2. 3; 5. Mose 1, 42-45; 1. Sam. 14, 37; Spr. 28, 9.) Welche Motive prägen unser Beten? »Wir sagen zwar mit unseren Lippen, dass es um Gott und um seine Sache gehe, aber Gott kennt unsere Herzen und sieht, wenn wir unsere Bestätigung und damit unsere Ehre in der Sache suchen, um die wir beten. Er kann und er wird uns so lange nicht erhören, wie wir unsere und nicht seine Sache suchen« (B. Peters). Es gilt, Sünde aus dem Weg zu räumen und unser Leben vor Gott, und wo es nötig ist, vor Menschen zu ordnen, damit wir Gottes Nähe und sein Handeln in unserem Leben erfahren. In den letzten beiden Versen betont der Psalmbeter gleich dreimal: »Gott hat mich erhört er hat auf mein Flehen gehört er hat mein Gebet nicht verworfen.« So kann der Psalmbeter getrost auf Gottes Güte hinweisen, die er ihm bis zu dieser Stunde nicht entzogen hat. (Lies Ps. 52, 10; 36, 6. 8; 89, 31-34; Klagel. 3, 22. 23. 55-57.) Ich bIn deIn du bIst meIn

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Sonntag, 13. April

Psalm 23, 1-6

Ein berühmter Schauspieler, der in eine Familie eingeladen war, wurde gebeten, etwas vorzutragen. Er bat um Vorschläge. Ein älterer Geistlicher wünschte sich Psalm 23. Der Schauspieler, etwas verlegen, willigte unter der Bedingung ein, dass der alte Herr den Psalm nach ihm wiederholen solle. Der Künstler trug den HirtenPsalm mit wundervoller Stimme und klarster Betonung vor. Er erntete reichen Beifall. Nun wiederholte der alte Pfarrer den Psalm. Niemand spendete am Schluss Beifall, aber mancher der Anwesenden war im Innersten bewegt. Da sagte der Schauspieler ernst: »Ich darf wohl sagen, ich kenne den Psalm, Sie aber kennen den Hirten.« Welch ein Unterschied, ob wir sagen »Der Herr ist ein Hirte« oder »Der Herr ist mein Hirte«. Wer zu Jesus Christus gehört, der spricht: »Mein Herr!« »Mein Hirte!« »Mein Heiland!« (Lies Ps. 51, 16; 71, 5; Luk. 1, 47; Joh. 20, 28.) Das bewegte auch Paul Gerhardt. Er dichtete: »Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben.« Das persönliche Bekenntnis »mein Herr«, »mein Gott«, »mein Hirte« ist keine Anmaßung, sondern gründet sich darauf, was Gott für uns getan hat. Wenn er in ein Leben eingreift und spricht »Du bist mein«, geht es nicht um eine engherzige, gebieterische Beschlagnahmung, sondern um seine Liebe. Er sehnt sich nach uns. Er liebt uns und möchte uns ganz für sich gewinnen. Wer sich dafür öffnet und zu ihm spricht »Herr, ich will dir gehören«, auf den legt er seine Hand. Zu dem sagt er: »Du gehörst für immer zu mir.« In den kommenden Tagen wollen wir uns deshalb zuerst mit den Eigentums- Erklärungen Gottes befassen. Sie können uns helfen, ihm tiefer zu vertrauen.

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Montag, 14. April

Matthäus 3, 13-17

Die Eigentums-Erklärungen Gottes Johannes der Täufer rief zur Buße und lud die Menschen seiner Zeit zur Taufe ein. Diese Taufe war eine Taufe zur Buße. Wenn einer seine Sünde erkannte, bekannte und bereute, konnte er diese Taufe empfangen. Auch Jesus, der von keiner Sünde wusste, kam an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Für seine Person brauchte er die Taufe nicht, aber er machte sich eins mit denen, die am Jordan den ersten Schritt des Glaubens wagten. Jesus war »das Lamm Gottes«, das die Sünde der ganzen Welt auf sich nehmen und wegtragen würde. Darum stieg er in dasselbe Wasser, in das die Sünder eintauchten. Er stellte sich ihnen gleich, und im Tod am Kreuz wurde er ihr Stellvertreter. (Lies Gal. 1, 4; 1. Joh. 1, 7; 2. Kor. 5, 21.) »Die Taufe des Johannes ist ein Schrei nach Gnade, ein Schrei, auf den damals noch die Antwort fehlte. Jesus ist es, der den Zugang zum Gnadenthron öffnen wird. Er nimmt gewissermaßen schon bei seiner Taufe das Kreuz auf sich. Seine Taufe wurde somit eine klare Prophetie des Todes von Jesus. Was die Taufe des Johannes nicht kann, das wird Jesus tun« (F. Rienecker). Bei der Taufe von Jesus geschah Wunderbares. Der Himmel tat sich auf, der Heilige Geist kam herab, und Gott redete. Dass sich bei diesem Geschehen der Himmel öffnete, zeigt die heilsgeschichtliche Bedeutung der Taufe von Jesus: Er öffnet Sündern den Zugang zu Gott. Damit wird der Weg zum Vater frei. Er bekennt sich zu seinem Sohn: »Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!« Wegen des Notschreies der Menschen nach Gnade und Rettung lässt der Vater sein geliebtes Eigentum los. (Lies 1. Joh. 4, 10; Hebr. 1, 3.)

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Dienstag, 15. April

Jesaja 43, 1-4

Im Auftrag Gottes gab der Prophet Jesaja dem Volk Israel die Zusage: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.« Diese Zusage dürfen wir auch für uns persönlich nehmen: Für dich habe ich meinen geliebten Sohn hergegeben, er hat das Lösegeld für dich bezahlt. Du bist losgekauft und gehörst nun in zweifacher Weise mir als mein Geschöpf und als mein Kind. (Lies Gal. 3, 13; 4, 5; 1. Petr. 1, 18. 19; Eph. 1, 7; 1. Tim. 2, 6.) »Wenn Gott auf seine Kinder blickt, so sieht er sie verborgen in Jesus Christus. Das ist unsere geschenkte Stellung vor Gott, aus der uns niemand herausreißen kann. Sie ist unabhängig von den Schwankungen unseres Glaubenslebens. Wir bleiben seine Geliebten und werden mit derselben Liebe geliebt wie der Sohn. ÅEr hat uns begnadigt in dem Geliebten« (Chr. v. Viebahn; Eph. 1, 6; Phil. 3, 20; lies Joh. 15, 9). Auch Jesus selber nennt uns sein Eigentum. Im hohepriesterlichen Gebet sagt er zu seinem Vater: »Alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein.« (Lies Joh. 17, 6. 10.) Jesus wollte nichts für sich haben, alles sollte dem Vater gehören. Der Vater sandte ihn zu den Menschen, damit er sie erlöste. Wenn aber Jesus sagt: »Das Meine ist dein, Vater«, dann ist das der Dank des Sohnes dem Vater gegenüber. »Das Deine ist mein« dagegen ist Ausdruck der innigen Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn. Dass Jesus auch viel an der Gemeinschaft mit uns liegt, wird deutlich in seinem Gebet: »Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast« (Joh. 17, 24). Liegt uns auch so viel an der Gemeinschaft mit ihm? (Lies Ps. 27, 4; 63, 2; 73, 25; 1. Kor. 1, 9; 2. Kor. 13, 13.)

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Mittwoch, 16.April

Jesaja 43, 1-4; Rut 1, 1-22

Gott spricht von uns Menschen als von seinem Eigentum, wenn es heißt: »Ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland!« Er sagt nicht nur: »Du bist mein«, sondern auch »Ich bin dein« (Jes. 43, 3). Darum kann Paul Gerhardt getrost singen: »Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse.« Als sein Eigentum dürfen wir sagen: Mein Herr, mein Gott, mein Heiland. Das führt uns zum zweiten Teil unseres Themas: Eigentums-Erklärungen biblischer Glaubens-Vorbilder Rut kannte die Götter, die man in Moab verehrte. In einer Entscheidungssituation wählte sie den Gott Israels als ihren Gott. Durch ihre Schwiegermutter Noomi hatte sie ihn kennengelernt; denn Gott blieb Noomis Gott auch im heidnischen Ausland, wohin sie mit ihrer Familie gezogen war. Rut konnte an Noomis Leben ablesen, wer dieser Gott ist. Er kann das Glaubenwollen eines Menschen am Glaubenkönnen eines anderen entzünden. Als Noomi nach Israel zurückging, wollte Rut trotz der starken Bedenken ihrer Schwiegermutter mitgehen: »Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott« (Rut 1, 16. 17). Die Zukunft der jungen Frau war völlig ungewiss. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, wie es ihr in Israel gehen würde, hatte sie doch in Moab miterlebt, dass Gott die Seinen nicht in Watte packt, sondern ihnen manchmal viel zumutet. Trotzdem hatte sich Rut für den Gott Israels entschieden. Ihm wollte sie gehören. »Er ist mein Gott!« Wir haben diese Entscheidung vielleicht vor langer Zeit schon getroffen, aber immer wieder wird sie auf die Probe gestellt. Ist Gott wirklich mein Herr, auch jetzt, auch heute? (Lies Ps. 40, 9; 5. Mose 6, 4; 32, 6.)

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Donnerstag, 17. April

Hiob 19, 25

»Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!« Hiob rechnete in seiner Ausweglosigkeit mit dem rettenden Eingreifen Gottes. Seine gewisse Hoffnung gegen allen Augenschein beeindruckt zutiefst. Er weiß nicht, wann Gott eingreifen wird, aber er vertraut darauf, dass er es erleben wird. Hiob hatte alles verloren: Familie Eigentum Gesundheit. Er war ein dem Tode geweihter Mensch. Aber seine Klagen hatten eine Adresse. Wenn nicht in diesem Leben, so hoffte er im anderen Leben, Gott zu schauen. Für ihn war Gott nicht irgendein Gott, sondern der Lebendige, zu dem er eine Beziehung hatte. Hiob bekennt: »Nachdem man meine Haut so zerschunden hat, werde ich doch aus meinem Fleisch Gott schauen. Ja, ich werde ihn für mich sehen, und meine Augen werden ihn sehen, aber nicht als Fremden« (19, 26. 27). Hiob wusste nicht nur viel von Gott, sondern lebte mit ihm. (Lies Hiob 1, 1. 8; 2, 3; 23, 11. 12; 31, 1ff.) Wie hart der Glaube Hiobs auf die Probe gestellt wurde, können wir nur erahnen. Ganz plötzlich brach das Unglück über ihn herein. Gott kann den Seinen harte, unbegreifliche Wege zumuten. Hiob findet keine Antwort auf sein »Warum?« Aber er begegnet in seinem furchtbaren Leiden dem all mächtigen Gott neu. Der Herr enthüllte Hiob seine hoheitliche Macht und sein souveränes Handeln. Und Hiob anerkennt diesen unbegreiflichen Herrn und sinkt nach hartem Ringen vor ihm auf die Knie: »Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen. Darum verwerfe ich mein Geschwätz und bereue in Staub und Asche« (42, 5. 6). Hiob widerstand der größten Versuchung: »Sag Gott ab und stirb!« (2, 9). Er widerstand den quälenden »Predigten« seiner Freunde und letztlich auch dem großen Widersacher Gottes und der Menschen. Das war wohl nur möglich, weil er seinen Lebensfaden bei seinem Erlöser festgemacht hatte.

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Freitag, 18. April

Hiob 19, 25; Psalm 73, 23-28

Auf dem Tiefpunkt seiner Not leuchtete bei Hiob das Wissen um seinen Erlöser auf. Alles hatte er verloren, seine Kinder, sein Hab und Gut und außerdem war sein Körper todkrank. Etwas, das Hiob aufrecht hielt, war sein Klagen, Weinen und Trauern vor dem Herrn. Indem er vor dem Herrn klagt und ihn gelegentlich leidenschaftlich anklagt (30, 16-23), bleibt der Geplagte im Gespräch mit Gott. Auch wenn der Herr ihm wie ein Feind erscheint, ist Hiob bei Gott niemals vergessen. (Lies Jes. 40, 27-31; 49, 14-16; 54, 4-10.) Der Herr selbst hatte den Forderungen Satans eine entscheidende Grenze gesetzt, indem er ihm gebot, Hiobs Seele nicht anzutasten (2, 6). Gott ist größer als die größte satanische Versuchung und Bosheit. Er ist größer als die grausamste Gewalttätigkeit. Lasst uns in allen Erschütterungen und Nöten, die uns getroffen haben, unser Vertrauen nicht wegwerfen, sondern es auf unseren Erlöser setzen. »Auch wenn Hiob Jesus Christus noch nicht mit Namen kennt, so rechnet er doch mit dem erlösenden Handeln Gottes. Gott wird nicht nur als Schöpfer, Gesetzgeber und Richter, er wird als Erlöser an ihm handeln. Ein erster Morgenstrahl der kommenden Erlösung ist in Hiobs tränenblinde Augen gefallen. Und es ist merkwürdig mit dieser aufgehenden Christussonne: Während die irdische Sonne bei ihrem Aufgehen zuerst die höchsten Bergspitzen beleuchtet, ist es bei dieser Gnadensonne gerade umgekehrt: In den dunkelsten Tiefen nimmt man zuerst ihren Schein war. In der ausweglosen Nacht der Verzweiflung bricht Hiob zu der Gewissheit durch: Mein Erlöser lebt. Die Antwort des Psalms 73 ist erreicht, das Dennoch des Glaubens und der Hoffnung ist ausgesprochen« (H. Lamparter). (Lies Ps. 40, 2-5.)

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Samstag, 19. April

Psalm 23, 1-6

Mit einer Eigentums-Erklärung beginnt auch der HirtenPsalm Davids. »Der Herr ist mein Hirte!« Ein Evangelist wurde vom Herausgeber einer Zeitung nach dem Thema seines nächsten Vortrags gefragt, das er veröffentlichen wollte. »Der Herr ist mein Hirte«, antwortete der Prediger. »Ist das genug«, fragte der Zeitungsmann, »oder muss noch etwas hinzugefügt werden?« »Das ist genug«, sagte der Evangelist und meinte, dass dieser Titel genügen würde. Offenbar hatte es der Redakteur falsch verstanden; denn am nächs ten Tag konnte man in der Zeitung lesen: »Der Herr ist mein Hirte, das ist genug!« Ein Missverständnis und doch keines. David drückte es ganz ähnlich aus: Weil der Herr mein Hirte ist, mangelt es mir an nichts. Ich habe genug, bin bestens versorgt! Das sagt kein Sprüchemacher, sondern ein Realist hat er doch unendlich viele Nöte kennengelernt und erleiden müssen. Aber gerade in den Schwierigkeiten und Gefahren, in Sorgen und Ängsten vertraute er seinem Hirten. So erlebte er die Fürsorge des Herrn. (Vgl. 1. Sam. 17, 1-10. 32-37. 42-47.) Der Herr erfüllt gewiss nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen. Mir wird nichts mangeln! Ich habe alles, weil der Herr mein Hirte ist, das ist genug. »In welcher Lage sich der Gläubige befindet, er steht immer und gerade jetzt unter der Fürsorge des großen Hirten. Er weiß: Mein Hirte sorgt für mich, er wacht über mich, er erhält mich. Mein Herr kann alle meine Bedürfnisse erfüllen« (C. H. Spurgeon). (Lies Matth. 7, 7; Phil. 4, 6. 7. 19.) Wir sollten noch bedenken, dass wir die Gaben unseres Herrn nicht nur für uns selber haben, sondern auch für andere. Es geht nicht zuerst um große oder kleine Zuwendungen, sondern darum, dass die selbstlose und fein fühlige Liebe Gottes uns leitet. »Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.« (Lies 2. Kor. 9, 7-11.)

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Sonntag, 20. April

Psalm 23, 1; Jesaja 40, 11; Hesekiel 34, 14. 15

»Es gibt nichts Ohnmächtigeres und Wehrloseres als eine Schafherde, aber wer geht so sorglos und so sicher seinen Weg wie die Herde, die einen guten Hirten hat? So wehrlos und zugleich sorglos können auch Gottes Kinder durch das Leben gehen« (W. Hadorn). Der Herr ist mein Hirte. Im Urtext steht hier kein Zeitwort, da liest man nur: Der Herr mein Hirte. Wenn man im Hebräischen in dieser Weise das Zeitwort weglässt, will man bewusst alle Zeiten umfassen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! Also: Der Herr war mein Hirte! Der Herr ist mein Hirte! Der Herr wird mein Hirte sein! »Was David hier ausspricht, könnte man so umschreiben: Herr, mein Gott, wenn ich zurückblicke auf mein bewegtes Leben, dann kann ich nur staunend feststellen: Du hast dich meiner allezeit so angenommen, wie sich ein Hirte um seine Herde kümmert; danke, Herr, tausend Mal danke. Und du bist auch heute für mich da wie eh und je, meine Seele lebt von dir wie vom täglichen Brot, hab Dank dafür. Und weil du so treu und spürbar mein Hirte warst und auch gegenwärtig derjenige bist, der mich mit allem versorgt, was ich brauche, darum, o Herr, habe ich das kühne und kindliche Vertrauen, dass du in aller nahen und fernen Zukunft ebenfalls für mich da sein wirst wie ein Hirte für seine Schafe. Ach, Herr, verdient habe ich es nicht, und doch ist es die reine Wahrheit: Du bist mein Hirte, immer schon, heute noch und bis ich dich schauen werde von Angesicht zu Angesicht« (W. Putschky). (Lies 2. Mose 3, 13-15; Jes. 42, 8a; Hebr. 13, 8; Offb. 1, 8.)

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Montag, 21. April

Johannes 20, 24-29

»Ich glaube nur, was ich sehe«, das war die Antwort des Jüngers Thomas, als er hörte, dass Jesus von den Toten auferstanden sei. »Wenn ich ihn nicht berühren kann, werde ich nicht glauben.« Dann begegnet Jesus ihm. Der Herr spricht den Unglauben des Jüngers an, und fordert ihn auf: »Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!« Kann man Glauben befehlen? Wenn Jesus uns auffordert zu glauben, sollen wir wissen, dass in seinem Wort schon die Kraft liegt, es zu befolgen. Diesen Gehorsamsschritt kann uns niemand abnehmen. Die Antwort des Jüngers Thomas ist ein willentlich gesprochenes Bekenntnis: »Mein Herr und mein Gott!« Erkenntnis und Bekenntnis treffen in diesem Augenblick zusammen. Thomas weiß, dass er nun ein anderer geworden ist. Er weiß, dass sein Leben nicht mehr dasselbe sein wird wie vorher. Nicht, dass er automatisch vor Ängsten und Zweifeln bewahrt werden wird, nein, Thomas wird sich neuen Herausforderungen stellen – aber nicht, ohne das Leitwort von Jesus im Herzen zu tragen: »Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!« Jetzt geht es darum, in alten Verhältnissen als Glaubender zu leben, als einer, der seinem Gott und Herrn bedingungslos vertraut und gehorcht. Was antworten wir, wenn uns Jesus fragt: Stimmt dein Bekenntnis mit deinem Leben überein? Was hindert dich eigentlich, dich mir ganz anzuvertrauen? Ich bin doch dein Gott, der dich liebt, dein Erlöser, der dich befreit, und dein Herr, der dich führt. – Vielleicht werden wir uns auch zu prüfen haben, ob andere »Herren« unser Leben bestimmen: 2. Mose 20, 3; Josua 24, 14. 15; Matthäus 6, 24; 1. Johannes 2, 15-17. »Ihr habt euch doch von den Götzen zu Gott bekehrt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen« (1. Thess. 1, 9).

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Dienstag, 22. April

Philipper 1, 21; Galater 2, 19. 20

Ein Nachfolger von Jesus kann sagen: »Der Herr ist mein Gott, er ist mein Erlöser, er ist mein Hirte.« Der Apostel Paulus aber fasst alles, was uns im Glauben gehört, in seinem Bekenntnis zusammen: »Christus ist mein Leben.« Er und ich, wir gehören untrennbar zusammen. Er lebt in mir und ich lebe durch ihn – mit ihm – für ihn. Ich lasse mein Leben nicht mehr von meinem alten Ich bestimmen, sondern von dem auferstandenen Christus in mir. Mein Leben auf dieser Erde erhält seinen Sinn durch den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich in seiner Liebe für mich geopfert hat. »Christus ist mein Leben: Dieser kurze Satz, der so vieles aussagt und auch sehr bekannt ist, ist unzählige Male nachgesprochen und gesungen worden. Aber solche Sätze sind besonders gefährdet und gefährlich und müssen durch alles gewohnte Halbverständnis und durch alle bloßen Stimmungswerte hindurch ganz neu von uns gehört werden. Auffallend ist die prägnante Kürze der Sprache, die alle Stimmungsmomente ausschließt. Im Urtext ist in diesem Satz des Paulus das gelebte Leben, also die Tätigkeit des Lebens, nicht das Leben als eine vorhandene Größe gemeint« (W. de Boor). Wir dürfen mit Karl Heinrich von Bogatzky beten: »Herr, mach mich kindlich, treu und stille, dass ich dir immer folgen kann; nur dein, nur dein vollkommener Wille sei für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen, lass mir nichts mehr am Herzen liegen, als deines hohen Namens Ruhm! Das sei allein mein Ziel auf Erden, lass mir’s durch nichts verrücket werden, denn ich bin ja dein Eigentum.« (Lies Eph. 3, 14-21; Kol. 1, 27.)

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Mittwoch, 23. April

Philipper 1, 21; 3, 10-14; Galater 2, 19. 20

»Christus ist mein Leben!« Wörtlich heißt es: »Für mich ist Christus das Leben.« Diese Aussage des Paulus ist »viel aktiver und lebendiger zu verstehen, als wir das gewöhnlich tun. Wir müssen den Satz genauso lesen, wie wir von einem anderen Menschen lesen: Sein Leben war Zeichnen und Malen. Darum ist im Urtext das ›Für-mich‹ ganz deutlich vorangestellt, als wollte Paulus sagen: Woraus das Leben der anderen besteht, weiß ich nicht, es kümmert mich jetzt auch nicht, für mich besteht es aus Christus« (W. de Boor). Wenn Paulus an die Galater schreibt: »Was ich lebe, das lebe ich im Glauben«, dann meint er kein Gedankengebilde, sondern gelebte Verbundenheit mit Jesus. Hier könnte man fragen: Wie lebt man das? Der Philipperbrief gibt uns einige Hinweise dazu. Wir lesen vom ganzen Vertrauen des Apostels zum Herrn. So bekam er die Kraft, seine schwierigen Lebensumstände aus Gottes Hand anzunehmen. Er schrieb ja den Brief vom Gefängnis aus, und es stand nicht gut um Paulus. Aber er sieht, was Christus durch ihn tun will: »Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten« (Phil. 1, 12b; lies Vers 19 und Kap. 2, 17). Es war das Herzensanliegen des Apostels, dass das Evangelium überall bekannt gemacht werden sollte: »Dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium (kaiserliche Kaserne) und bei allen anderen offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu« (Kap. 1, 13. 14).

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Donnerstag, 24. April

Philipper 1, 21; 3, 7

Wir fragten uns, auf welche Weise Paulus nach dem Grundsatz lebte: »Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.« – Der Apostel nahm seine Berufung als »Heiden-Missionar« ganz ernst (Apg. 9, 15). Er stellte sein ganzes Leben in den Dienst des Herrn. Vielleicht erinnerte er sich dabei auch an 5. Mose 6, 13; 10, 20; Psalm 2, 11 und 100, 1. 2. - Paulus blieb mit seinem Herrn in beständiger Gebets-Verbindung. Darum konnte er freimütig schreiben: »Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden« (Phil. 4, 6; 1. Thess. 5, 17). - Paulus ließ sich nicht von den äußeren Lebensumständen beherrschen, sondern lebte aus der tiefen Verbundenheit mit seinem Herrn: »Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus « (Phil. 4, 11b-13). - Paulus hätte den Christen auch nicht schreiben können, dass sie alles ohne Murren und ohne Zweifel tun sollten, wenn er nicht selber im Gehorsam gegen Gottes Wort gelebt hätte. (Lies Phil. 2, 14.) - Sehr bewusst lebte Paulus auf den Himmel zu. Er wartete auf die Wiederkunft des Herrn. (Lies Kap. 3, 20.) Zur Vertiefung: »Meines Lebens Grund kann nimmermehr in mir selber liegen, ich bin nicht der Lebendige, in mir wirkt und herrscht der Tod. Aber Christus lebt, und er lebt nicht nur für mich in der Herrlichkeit seiner eigenen Person, sondern er lebt auch in mir und macht, dass sein Leben an mir erscheint und mich durchdringt, sodass ich eine Schöpfung und ein Zeugnis seines Lebens bin« (A. Schlatter).

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Da kann man nur staunen über Gott Aus dem Leben Ruts (Rut 1, 1 - 2, 23)

Freitag, 25. April

Rut 1, 1-7b

Die Aufzeichnungen der Geschichte Ruts beginnen mit der knappen Zeitangabe: »Und es geschah in den Tagen, als die Richter regierten.« Kurz und bündig werden uns in den folgenden Versen die Hauptpersonen vorgestellt. Indem die Familiengeschichte Elimelechs aufgerollt wird, wird gleichzeitig die Erinnerung an die Vorkönigszeit geweckt. Sie war ein dunkles Kapitel in der Geschichte Israels, »denn jeder tat, was in seinen Augen richtig war« (Richt. 21, 25b). Während die Untreue Israels in der Richterzeit maßlos war, zeigt das Buch Rut die ewige Bundestreue Gottes als Leitmotiv in der tragischen Geschichte einer israelitischen Familie auf. (Siehe 5. Mose 7, 6-9.) Das Ehepaar Elimelech und Noomi litt offensichtlich mit ihren beiden Söhnen unter der landesweiten Hungersnot. Darum wanderte die Familie von Bethlehem in Juda aus, um sich im Land Moab als »Fremdlinge« niederzulassen. Es war kein leichter Entschluss, denn als Fremdlinge im Moabiterland wussten sie nicht, wie lange sie geduldet werden würden. Über die Grenze zu gehen, bedeutete auch, das Land zu verlassen, in dem Gott seinem Volk überreichen Segen versprochen hatte. Dieser sollte nicht automatisch fließen, sondern er war gebunden an ein gehorsames Leben mit dem Gott Israels. (Lies 5. Mose 28, 1-14.) Es ist gewiss nicht leicht, in schweren und existentiellen Nöten Gott zu vertrauen. Aber genau das ist die Herausforderung, ganz abgesehen davon, dass das Volk Gottes seine Gebote über Jahrzehnte missachtet hatte. Umso erstaunlicher ist es, dass der Herr den Seinen die Treue hält. Er hatte mit Elimelechs Familie noch etwas Großes vor. (Vgl. Jes. 45, 17.) Wenn wir uns auf einem Weg des Ungehorsams befinden, ruft uns der Herr heute zu: Kehr um zu mir; denn ich habe dich lieb. (Lies Jes. 44, 22; 59, 20; Jer. 7, 3-7; Matth. 3, 2. 8; 9, 13; Röm. 2, 4; Offb. 2, 5a.)

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Samstag, 26. April

Rut 1, 6. 7; Psalm 137, 4. 5; Sprüche 27, 8

In der trostlosen Familiensituation tritt eine Wende ein, als Noomi einen Entschluss fasst. (Vgl. Hos. 6, 1.) Sie will heimkehren nach Bethlehem, denn sie hatte erfahren, dass der Herr sich über sein Volk erbarmt und ihm wieder eine gute Ernte geschenkt hatte. »Der Entschluss Noomis, nach Bethlehem zurückzukehren, kommt nicht überraschend. Man weiß, wie Ausgewanderte in den Tagen des Alters und der Not die Sehnsucht nach der alten Heimat überkommt . . . Vers 6b weist darauf hin, dass dieser Entschluss nicht nur in einem allgemein menschlichen, nostalgischen Empfinden begründet ist. Noomi hatte auch in der Fremde nicht vergessen, dass sie zu Gottes Volk gehört und in Gottes Land zu Hause ist« (H. Lamparter). Ihr Entschluss zur Heimkehr war das einzig Richtige, was sie tun konnte. Umkehren und heimkehren ins »Gelobte Land«, in die Gemeinde Gottes, ist der Weg heraus aus mangelndem Gott-Vertrauen und Ungehorsam. (Vgl. 2. Kön. 17, 13; Jes. 30, 15; Matth. 18, 3.) Noomi geht ihren Weg nicht allein. Die beiden Schwiegertöchter begleiten sie. Wieder geschieht ein »Exodus«, wie so oft in der Geschichte Israels. Was die Schwiegertöchter wohl motiviert hat, mitzuziehen? War es die Nachricht von einem Gott, der sein Interesse, seine Aufmerksamkeit den Menschen zuwendet und mit »allen Mitteln durch helle und dunkle Zeiten seine Kinder zu sich zieht, ans Herz drückt, in die Arme schließt, nach Hause bringt«? (M. Holland; vgl. Jer. 31, 3; Ps. 18, 17) Wenn einige Verse zuvor vom Bleiben Noomis und ihrer Familie die Rede war, hören wir hier von einem bedeutungsvollen Aufbruch, der vor allem für Rut eine neue Lebensperspektive eröffnen wird. »Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte« (Ps. 86, 11).

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Sonntag, 27. April

Rut 1, 7c-19a

Noomi führte viele Argumente ins Feld, um ihre Schwiegertöchter zur Rückkehr nach Moab, ihre Heimat, zu bewegen. Die Fragen und Antworten in diesem Abschnitt geben uns einen Einblick in die Herzens-Einstellung der drei Frauen zueinander und zu Gott. Sie waren einander wohlgesonnen. Sie wollten einander treu bleiben und nicht wegen der Schwierigkeiten auseinandergehen. (Vgl. Spr. 17, 17.) Die jungen Witwen Rut und Orpa fühlten sich ihrer Schwiegermutter gegenüber verantwortlich; diese will ihnen aber auf keinen Fall zur Last fallen. So stellt sie die Sorge um ihr eigenes Wohl bewusst zurück und drückt ihre Fürsorge für die Schwiegertöchter dadurch aus, dass sie sie gerne wieder an der Seite eines Mannes versorgt wissen möchte. Das gemeinsam getragene Leid hatte die drei tief miteinander verbunden und machte eine Trennung sehr schwer. Noomi und Rut, die ihre Schritte Richtung Juda lenkten, wussten, dass sie sozusagen ins »Nichts« gingen. Wir beobachten, dass der biblische Text die jeweilige Entscheidung der jungen Frauen nicht als falsch oder richtig beurteilt. Nur im Fall Ruts wird sichtbar, dass Gott mit langer Hand die Heilsgeschichte vorbereitet hatte. Beim Grenzübergang und auch in der ersten Zeit in der judäischen Heimat war davon noch nichts sichtbar. Aber immerhin, sie waren zurückgekehrt in das Land »ihrer Väter«, das der Herr für sein Volk bestimmt hatte. »Denn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt, dass du ihm als Eigentumsvolk gehörst aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind« (5. Mose 7, 6). Diesem Herrn sollte es dienen. (Lies 5. Mose 10, 20; Jos. 24, 14; 1. Sam. 7, 3; Ps. 100, 2.)

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Montag, 28. April

Rut 1, 16-19

So wie Orpa hatte auch Rut ihre Entscheidung getroffen. Sie entsprang echter Liebe. »Die Liebe fragt nicht, was sie durch ihr Tun selbst erhält, sondern was sie durch ihr Tun dem anderen tut« (E. Zenger). Liebe geht über das Solidaritätsgefühl oder das Pflichtmaß hinaus. Beim Hören auf den hebräischen Wortlaut ihres Versprechens merken wir, dass Rut ihre Schwiegermutter nicht nur für kurze Zeit, sondern für längere Zeit, eigentlich für immer, begleiten möchte. Ruts feste Entscheidung bekundet, dass sie von jetzt an allen »bisherigen nationalen, sozialen und religiösen Bindungen und Beziehungen den Rücken zuwendet« (M. Holland). Sie hat jetzt eine neue Zugehörigkeit. So verhält es sich auch mit der Jesus-Nachfolge: »Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; . . . ! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. Und alsbald rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach« (Mark. 1, 17-20; vgl. 10, 28-30). Durch ein offenes Bekenntnis stellt sich Rut ganz bewusst auf die Seite des Gottes Israels. »Sie weiß, dass sie mit dem Schritt über die Grenze in seinen Herrschaftsbereich eintritt, und sie ist zufrieden, dass der Herr ihr künftiges Leben regiert, egal, welches Los ihr beschieden wird. In diesem Sinn ist ihr Entschluss eine Glaubensentscheidung, der zufolge sie mit all denen in einer Reihe steht, die es gewagt haben, die eigenen Sicherungen loszulassen und mit diesem Herrn in eine völlig ungewisse Zukunft hineinzugehen « (H. Lamparter). (Dazu 1. Mose 12, 4; Hebr. 11, 24ff.)

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Dienstag, 29. April

Rut 1, 19b-22

Noomi und Rut, die gemeinsam den Weg bis nach Bethlehem gegangen waren, sind nun am Ziel angekommen. Hier wollten sie bleiben. Ihre Ankunft bleibt nicht unverborgen, sie brachte die ganze Stadt in Aufregung. Sicher war es nicht die Tatsache ihrer Ankunft, die die Bethlehemer Bevölkerung in Aufregung brachte, sondern das »Wie« der Rückkehr Noomis. »Voll« war sie ehemals von hier ausgezogen »leer und arm« kommt sie nun zurück. »Lieblich« war die Bedeutung ihres Namens gewesen; nun will sie Mara (die Bittere) genannt werden. »Das ist oft als Ausdruck der Verbitterung gedeutet worden. Aber dies stimmt mit der Art, wie sie sich nach allem Bisherigen unter die Hand des Herrn beugte und auf seine nie versiegende Güte für ihre Schwiegertöchter hoffte, nicht überein. Hier spricht nicht ein vergrämtes Weib, das mit seinem Schicksal hadert. Was sie zum Ausdruck bringen möchte, ist ihre tatsächliche Lage« (H. Lamparter). Vielleicht möchte Noomi ihren Landsleuten auch sagen, dass Gott einen Strich durch ihre eigenen Pläne gemacht hat, um sie dadurch wieder nach Hause zu Ihm und zu ihrem Volk zu bringen. Bei all den Aussagen, die Noomi macht, bleibt Rut zunächst eine Randfigur. Das aufrichtige Interesse der Bewohner Bethlehems für ihre Geschichte hat bestimmt in Rut manche Fragen ausgelöst; vielleicht wurde sie sich dadurch auch erst richtig ihrer Notlage bewusst. Beide Frauen befanden sich in tiefem Leid, dem durch menschliche Hilfe kein echter Trost zuteil wurde. Und doch stand die göttliche Hilfe für beide schon vor der Tür. Gott selber hat mit langer Hand ihre Rettung vorbereitet. Auch für uns und unsere allertiefsten Nöte hat sich der große Gott einen einzigartigen Hilfsplan ausgedacht, weil ihm unsere Rettung sehr am Herzen liegt. (Vgl. Ps. 103, 4; Jes. 44, 22; Ps. 18, 20.)

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Mittwoch, 30.April

Rut 2, 1-3

Ein kleiner Nebensatz am Ende des ersten Kapitels leitet über zu den Geschehnissen in Kapitel zwei. »Sie kamen am Anfang der Gerstenernte nach Bethlehem.« Dafür hatte Gott höchst persönlich, nicht der Zufall, gesorgt. Sie kamen zu Beginn der Ernte: Zuerst wurde die Gerste geerntet, dann der Weizen und schließlich die Weintrauben. Alles Gute lag noch vor den beiden mittel- und schutzlosen Frauen. An dieser Stelle wird kurz und knapp Boas, ein Verwandter Noomis, eingeführt. Er war ein wohlhabender und einflussreicher Mann in Bethlehem. Da er zur Sippe Elimelechs gehörte, hatte er nach mosaischem Gesetz auch Verantwortung für die heimgekehrten Frauen. Rut gehörte durch ihre Einheirat in die Familie Elimelechs, zu dessen ganzer Verwandtschaft. Ohne es zu ahnen, hatte sie eine ganz neue Zugehörigkeit. Die Bedeutung war ihr sehr wahrscheinlich nicht bewusst. Für sie hatten andere Dinge Vorrang. Sie musste sehen, wie Noomi und sie überleben konnten. Rut bewegten existenzielle Fragen und wir können mit Staunen wahrnehmen, wie Gott mitten hinein den goldenen Faden seiner Führung webt. Rut zeigt sich als dynamische junge Frau. Irgendwie muss sie vom Armenrecht erfahren haben. Darum bat Rut um Erlaubnis, Ähren lesen zu dürfen. Im mosaischen Gesetz war es vorgesehen, dass Bedürftige, Witwen, Waisen und Fremde in der Erntezeit hinter den Schnittern hergehen durften und liegen gebliebene Getreidehalme auflesen konnten. (Vgl. 3. Mose 23, 22; 5. Mose 24, 19-21.) Durch ihren Entschluss, dieses Gesetz zu beanspruchen, setzte Rut sich harter Arbeit in sengender Sonne aus. Sie weiß, dass sie für diese Arbeit auf Gottes Erbarmen angewiesen ist und er für sie sorgen wird. Durch die Güte und Gnade des Herrn werden auch unsere Schritte auf dem Acker des Lebens zu einem guten Ziel führen. (Lies Ps. 36, 6; 103, 11-18.)

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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