IM SOG DER GEWALT - DOCH MIT AUSBLICK

AUF DEN ERLÖSER

WIR BETRACHTEN 1.MOSE 4,1-12

SAMSTAG, 1. APRIL

1.MOSE 4, 1. 2

1. Adam und Eva gründen eine Familie Seit Adam und Eva die von Gott gezogene Grenze (1.Mose 2, 16. 17) überschritten hatten (1.Mose 3, 1ff), hat alles einen Knacks. Es geht ein Riss zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch und zwischen Mensch und Mitmensch. Darin liegt das Verhängnis der Sünde für alle nachfolgenden Generationen: Das Geschehen kann nicht rückgängig gemacht werden. Darum zirkuliert in allen Menschen das tödliche Gift der Lieblosigkeit und der Lüge, der Selbstgerechtigkeit und Selbstsucht. Die Tragik der Sünde liegt in ihrem bleibenden Vergiftungscharakter. Ist einer vergiftet, sind alle vergiftet. Doch das andere gilt auch: Kann einer helfen, kann allen geholfen werden. (Lies Hes. 18, 23; 1.Tim. 2, 4; Joh. 3, 16.) Diese Hoffnung hatte der Schöpferherr dem ersten Menschenpaar ins Herz gelegt: 1. Mose 3, 15. So warten Adam und Eva jenseits von Eden auf den »Nachkommen der Frau«, der der Schlange »den Kopf zertreten wird«. Wie mögen sich die beiden auf ihr erstes Kind gefreut haben! Gott schenkte ihnen einen Sohn. Glücklich begrüßt Eva ihren Sohn: »Ich habe einen Mann hervorgebracht, den Jahwe«, so die wörtliche Übersetzung. Eva spricht von ihrem Säugling als »einem Mann«. Noch merkwürdiger erscheint die Aussage, dass sie »den Jahwe« hervorgebracht habe. Jahwe steht im Alten Testament für Erlöser-Gott. Demnach hätte Eva die wunderbare Zusage Gottes noch im Ohr! »Eva sieht in ihrem Erstgeborenen jenen Samen, der das Haupt der Schlange zermalmen soll, und begrüßt ihn als den Erlöser, als Jahwe« (Hj. Bräumer). Auch wenn Eva jetzt in der Welt des Zwiespalts und des Todes lebt, ist sie dennoch »Lebensmutter«, die das Lebenswort Jahwes ernst nimmt und als erfüllt sieht. Die tatsächliche Erfüllung aber sollte noch lange dauern. Nicht Kain wird Menschenretter, sondern der »eingeborene Sohn vom Vater voller Gnade und Wahrheit« (Joh. 1, 14; vgl. Gal. 1, 3. 4; 1. Tim. 2, 5. 6; 2. Petr. 3, 9).

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SONNTAG, 2. APRIL

1.MOSE 4, 1-3

Eva bekommt noch einen zweiten Sohn, Abel. Die Geburt Abels scheint ganz anders verlaufen zu sein. Im Unterschied zur Geburt Kains lesen wir nichts von einer freudigen Begrüßung des zweiten Sohnes. Auch die Bedeutung der Namen weist in gegensätzliche Richtung. Während wir Kain mit »Errungenschaft « übersetzen können, bedeutet Abel »Nichtigkeit, Hauch«. War Abel ein unscheinbares oder schwächliches Kind? Spiegelt sich in der Namengebung irgendeine Enttäuschung wider? Oder kennzeichnet Eva mit dem Namen Abel das Leben jenseits von Eden, das der Vergänglichkeit und dem Tod verfallen war? Wie dem auch sei: Es zeichnet sich bereits mit der Geburt der beiden unglei- chen Brüder eine Spannung ab. Die Verschiedenheit der Söhne zeigt sich auch in der unterschiedlichen Berufswahl: Kain wurde Ackerbauer und Abel Hirte. Beide Berufe gehören zum Aufgabenkreis Adams (1.Mose 1, 26. 28. 29; 2, 5; 3, 23). »Die Herrschaft über das Vieh und die Feldarbeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es sind zwei gleich wichtige, von Gott gegebene Berufe. Das Zerbrechen der Bruderschaft und der Weg zum Mord begannen nicht mit der Aufteilung der Berufe, sondern mit der Trennung im Gottesdienst. Kain und Abel dienten Gott auf verschiedenen Altären« (Hj. Bräumer). Bereits jetzt deutet sich an, dass allen zwischenmenschlichen Zertrennungen eine andere Trennung zugrunde liegt: die Entzweiung mit Gott. »Wer von Gott abgefallen ist, der zerfällt auch mit seinen Mitmenschen. Ist zwischen mir und Gott der Eiserne Vorhang niedergegangen, dann geht er nach etlicher Zeit (4, 3) auch zwischen mir und meinen Mitmenschen nieder« (W. Reuer). Aber wir dürfen aufatmen: Es gibt geordnete Beziehungen von Mensch zu Mensch, wenn unsere Beziehung zu Gott in Ordnung gekommen ist. Kennen Sie andere biblische Beispiele neben Lukas 19, 1-10 und 1. Timotheus 1, 12-16? Welche persönlichen Erfahrungen habe ich gemacht?

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MONTAG, 3. APRIL

1.MOSE 4, 3-5; 1. SAMUEL 16, 7

2. Die ungleichen Brüder bringen Gott ihr Opfer Kain und Abel bringen »dem Herrn eine Opfergabe«. Dabei nimmt jeder vom Ertrag seiner Arbeit. Kain wählt ein Geschenk von der Frucht des Erdbodens, und Abel bringt »von den Erstlingen seiner Herde, und zwar von den Fettstücken «. Die bei den Brüdern unterschiedliche Auswahl der Opfer kann als ein erster Hinweis auf die Herzenseinstellung gelten: Kain will seine religiöse Pflicht erfüllen und bringt deshalb Gott die Frucht, die ihm als erste in die Hand kam. Abel dagegen wählt sorgfältig das Beste aus. »So kommt Kain, und in seinen Händen liegt das Erst-Beste, das, was er gerade fand. Abel aber hatte das Erste und das Beste ausgewählt« (Hj. Bräumer). Wenn nun der Herr »auf Abel und seine Opfergabe blickte und auf Kain und seine Gabe nicht blickte«, dürfen wir diese Reaktion Gottes gewiss nicht als göttliche Willkür ansehen. Sondern vielmehr gilt: Der Herr bemerkt die zwischen dem Geber und der Gabe waltende Beziehung. Gott nahm Abels Opfer an, weil in seinem Geben »herzliche Dankbarkeit« (F. Delitzsch) lag. Der von Herzen Dankbare ist der von Gott abhängige Mensch, der weiß und glaubt: Ich bin in allem auf Gottes Güte angewiesen. Darum schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes (11, 4): »Weil Abel Gott vertraute, brachte er ihm ein besseres Opfer dar als sein Bruder Kain. Weil er sich auf Gott verließ, konnte er vor ihm bestehen, und Gott nahm seine Gaben an. Obwohl Abel tot ist, spricht er durch sein Vertrauen noch heute zu uns.« Gott will auch uns gnädig sein, wenn wir unser ganzes Vertrauen auf ihn setzen. Hebräer 10, 35 - 11, 1. 6 und 2. Korinther 5, 7 möchte ich mir tief einprägen.

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DIENSTAG, 4. APRIL

1.MOSE 4, 5-7

Die Reaktion Kains ist heftig. Wörtlich heißt es: »Da entbrannte seine Nase.« Es wurde Kain vor Neid sehr heiß zumute wegen der scheinbaren Bevorzugung Abels. Der neidische Mensch ist der leicht »entzündbare« Mensch. Die neidische Leidenschaft »ist wie Eiter in den Knochen« (Spr. 14, 30). Wir wissen heute genauer denn je, dass unbewältigte Leidenschaften einen Menschen regelrecht krank machen können. Das gilt für die Einzelperson wie für eine Gemeinschaft. Da sich der Neid grundlegend an einem menschlichen Gegenüber entzündet, kann er sich zu einem gefährlichen Feuerbrand im Miteinander entwickeln. »Neid ist eine Wurzel sozialer Unruhen und skrupelloser Konkurrenz unter Menschen und Völkern. Wo ein Mensch wie Kain es nicht ertragen kann, dass ein anderer mehr besitzt als er selbst, wird er vom Neid wie von einem verzehrenden Feuer gepackt. Der Neid vergiftet und zerstört das Zusammenleben, er verleitet den Menschen, den anderen zu befeinden, herunterzumachen und niederzukriegen. Die Haltung des Neids vergiftet die Atmosphäre, und es fehlt nicht viel, bis aus kaltem Krieg offener Kampf wird« (Hj. Bräumer). Zum Neid bei Kain gesellt sich der grimmige Zorn. »Und er senkte finster seinen Blick.« Mit gesenktem Kopf, in grübelndem Trübsinn kann der wütende Kain keinem Menschen mehr frei in die Augen schauen. Wie gefährlich ist Kains Verfassung: »Zorn ist ein wütig Ding, und Grimm ist ungestüm; aber wer kann vor der Eifersucht bestehen?« (Spr. 27, 4; vgl. 1. Mose 37, 3-11; 1. Sam. 18, 8). Gott weiß am besten, wie es um Kain bestellt ist. Er lässt den Wutentbrannten nicht ungewarnt. Der Herr lässt ihn nicht einfach laufen, ohne ihm konkrete Hilfe anzubieten. Es gibt noch einen Ausweg für den eifersüchtigen Hitzkopf Kain. Niemand ist der Sünde einfach schicksalhaft, unentrinnbar preisgegeben. (Lies 1. Mose 13, 1-9; Ps. 133, 1-3; Röm. 13, 13; 1. Kor. 13, 4; Jak. 3, 13-18.)

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MITTWOCH, 5. APRIL

1.MOSE 4, 6. 7

Wie hilft Gott dem eifersüchtigen, zornentbrannten Kain? Zunächst will der Herr ihn durch eine nüchterne Frage zur Besinnung bringen: »Warum ist dir brennend heiß geworden, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt?« Gott fragt nach der Begründung für Kains Reaktion: »Warum?« Wenn Gott nach dem Hintergrund fragt, will er helfen, die Not so konkret wie möglich auszusprechen und herauszugeben. Dann spricht der Herr mit Kain über das Herz des Menschen und seine Möglichkeiten zu reagieren (V. 7). Die positive Möglichkeit nennt Gott zuerst: »Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben.« Gott macht jedem, der von der Sünde bedroht wird, klar, dass das Sündenübel im Herzen des Menschen, in seiner Gesinnung, seiner inneren Haltung liegt. Wenn der Mensch von Gott abhängig sein will, wenn er darum »recht handelt« und also »fromm« (M. Luther) ist, hat er ein gutes Gewissen und kann seinen Kopf frei erheben. »Wenn du dein Herz fest ausrichtest und deine Hände zu ihm ausbreitest - wenn Böses in deiner Hand ist, so entferne es und lass in deinen Zelten kein Unrecht wohnen! - ja, dann wirst du dein Gesicht erheben ohne Makel und wirst unerschütterlich sein und dich nicht fürchten« (Hiob 11, 13-15). Die negative Möglichkeit nennt Gott an zweiter Stelle: »Aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. « Wieder ist das menschliche Herz angesprochen. Aus ihm kommen »böse Gedanken, Unzucht, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit« (Mark. 7, 21. 22). Die Sünden des Menschen sind wie ein lauerndes Raubtier. Doch es gibt Hilfe. Gott hält Kain nicht nur den Spiegel vor, er bietet konkrete Hilfe an: »Du aber herrsche über sie.« (Lies 1. Petr. 5, 5b-9; 1. Thess. 5, 6.)

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DONNERSTAG, 6. APRIL

1.MOSE 4, 7

»Die Sünde lauert vor deiner Tür. Du aber herrsche über sie.« Ist das möglich? Kann ein Mensch, gewissermaßen mit bloßen Händen, einen Löwen bezwingen? So viel ist klar: Ohne Gott gibt es keinen Sieg über die Sünde, aber mit ihm. Er hat uns seine Hilfe versprochen. o Gott verlangt von Kain nichts Absurdes und nichts Unmögliches. Für den wütenden Kain bedeutet das Herrsein über die Sünde: Wende dich ab von deinem Zorn! Wenn Kain auf das Wort Gottes hört und achtet, kann er der Sünde widerstehen. o Jesus, der selber von Satan persönlich angegriffen wurde, zeigt uns, wie auch wir der Versuchung widerstehen können. Er leistete Satan Widerstand, indem er konsequent am Wort Gottes festhielt: dazu Matthäus 4, 1-11. Selbst als der Feind biblisch argumentierte (V. 6), gab es für den Herrn nur eine wirksame Verteidigung: das Wort Gottes. Denn er wusste, hinter dem fromm getarnten Gehabe Satans steht grundsätzlich eine bitterböse Absicht (vgl. Joh. 8, 44). Für Jesus war neben dem Wort Gottes auch das intensive Gespräch mit seinem Vater eine Quelle der Weisheit und Kraft. Das Gebet war dem Herrn von Anfang an für sich selbst und die Seinen wichtig. (Lies Luk. 2, 49; 5, 16; 6, 12; 11, 1-4. 9; 18, 1; 21, 34-36; 22, 39-46; 23, 46.) Das Leben mit der Bibel und der vertraute Gesprächsumgang mit unserem Herrn Jesus Christus sind ein starker Schutz, der Verführungsmacht Satans widerstehen zu können. (Vgl. Ps. 37, 31; 119, 11; Eph. 6, 17. 18.) Schließlich leistete Jesus dem Feind Widerstand, indem er das Lamm Gottes wurde, das die Sünden aller Generationen auf sich nahm und wegtrug (Joh. 1, 29). Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er Satans Macht überwunden. Darum steht uns die Tür ins Überwinderleben offen: Römer 5, 17; 6, 11-13; 1.Korinther 15, 57; 2.Korinther 2, 14; 1. Johannes 5, 4.

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FREITAG, 7. APRIL

1.MOSE 4, 8

3. Gott richtet den Mörder

Soeben hatte Gott mit Kain noch gesprochen und ihm eine Hilfe, ein Wort zum Überwinden seines Zornes, mitgegeben. Doch Kain hörte nicht auf Gott. Er verachtete das Wort Gottes. Was ist nur los mit Kain? Warum lässt er sich von Gott weder befragen noch raten und helfen? Will er seinen Neid, seinen Zorn und Hass nicht loslassen? Welch unheimliche Freiheit des Menschen wird hier sichtbar! Der Mensch kann zu Gott und seinem Wort nein sagen. Kain widersteht nicht der Sünde, sondern Gott. Dabei wartet er nicht erst auf eine Gelegenheit zur Sünde, sondern schafft sie selbst. So beschleunigt Kain die Sünde. Er nimmt Kontakt auf zu seinem Bruder Abel, indem er mit ihm spricht. Es ist ein Sprechen mit negativem Ausgang. Nicht jedes Sprechen führt zu einem guten Ziel. Es gibt ein Reden miteinander, das den Konflikt verschärft und auf die Spitze treibt. Die Gegend, in der die beiden Brüder sich inzwischen befinden, liegt abseits vom Elternhaus. »Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn.« In der Abgeschiedenheit des Feldes »verwandeln sich der Neid und der Zorn Kains zu teuflischem Hass und tierischer Rohheit. Der Hass macht die Welt zu eng für zwei Menschen. Der Hassende wünscht sich, dass der andere nicht mehr in ein und derselben Welt lebt. Hass stellt immer vor die Entscheidung: Entweder-Oder. Hass lässt Gott vergessen. Hass macht den Menschen zum Tier und erzeugt den Mord« (Hj. Bräumer). Allein unter dem Kreuz unseres Herrn Jesus Christus finden wir Hilfe für unsere erregte Gemütsverfassung, für Zorn und Neid und Hass und alles Böse. Wir lesen 1. Johannes 3, 4-24 betend.

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SAMSTAG, 8. APRIL

1.MOSE 4, 8. 9

Kain, der die Sünde mit Gottes Hilfe überwinden sollte, ließ sich vom Bösen beherrschen. Er wird zum Brudermörder; und Abel, der unschuldig Ermordete, zum ersten Märtyrer. So wird Abel der Vertreter der Gemeinde Gottes, die bis heute von der Welt gehasst und bis aufs Blut verfolgt wird. (Vgl. Matth. 23, 35; Apg. 7, 57-59; 9, 1.) Kain scheint seine grauenhafte Tat zugedeckt zu haben, indem er den erschlagenen Bruder im Acker verscharrte. Denn Abel ist nach dem Fortgang der Geschichte nicht mehr sichtbar. Es sieht alles so aus, als ob nichts geschehen wäre. Das ist geradezu typisch für den Übeltäter. Er sucht das Böse, das er tat, zu verbergen. (Vgl. Jos. 7, 11; 2. Kön. 5, 21-25; Apg. 5, 1-5; Ps. 32, 1-5.) Der Brudermord Kains ist nicht einfach die Wiederholung des Sündenfalls im Paradiesgarten. Der Bruch mit Gott hatte vielmehr den Bruch mit dem Nächsten zur Folge. Martin Luther fasst die Sünde Kains in seiner Auslegung zum ersten Buch Mose so zusammen: »Kain sündigt zuerst mit seiner Vermessenheit und seinem Unglauben, dass er sich der Erstgeburt überhebt und denkt, Gott werde an ihm Gefallen haben seines Verdienstes halber. Diesem Hochmut und Ruhm eigener Gerechtigkeit folgen Neid und Hass gegen den Bruder, nachdem er gewisse Hinweise hatte, dass Abel ihm vorgezogen werde. Dem Neid und Hass folgen danach Heuchelei und Lüge, dass er seinem Bruder, den er doch tot haben will, freundlich zuspricht, damit er ihn desto sicherer mache. Auf die Heuchelei folgt der Totschlag. Dem Totschlag folgt, dass er die Sünde noch entschuldigen will. Schließlich folgt die Verzweiflung, welche der schwere Fall ist aus dem Himmel in die Hölle.« Ob wir den »Kain in uns« entdeckt haben? Doch es gibt Hilfe: Jesaja 1, 18; Titus 2, 11-14; 1. Johannes 1, 8 - 2, 2; Epheser 4, 25. 26; Jakobus 1, 19-21.

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SONNTAG, 9. APRIL

1.MOSE 4, 9. 10; PSALM 130, 4

Kain traf fünf große Fehlentscheidungen: Er sagte nein zum Handeln Gottes (V. 5) und hörte nicht auf sein Wort (V. 6. 7). Er verriet die Gemeinschaft mit dem Bruder und erschlug ihn (V. 8), und Kain versteckte seine Sünde. Wie einst Eva sich immer weiter dem Machtbereich des Bösen öffnete und abglitt, so auch Kain. Gott aber lässt den Sünder nicht laufen. Er stellt ihn in die Verantwortung. Kain muss, wie Adam im Garten Eden (3, 9), dem Herrn Rede und Antwort stehen. Die Verantwortung, die Gott von Kain fordert, ist die soziale Verantwortung, die Verantwortung für den Bruder. Wenn Gott nach dem Ermordeten fragt, will er Kain veranlassen, seine Missetat zu bekennen. Anders kann kein Mensch vor Gott stehen und bestehen. Doch Kain steht nicht zu seiner Sünde. Im Gegenteil, er lügt: »Ich weiß nicht. Bin ich meines Bruders Hüter?« Wo ein Mord geschieht, tritt in der Regel die Lüge hinzu. Dabei verharmlost er seine Lüge mit einem höhnischen Witz: »Soll ich den Hirten hüten?« Dieses Wortspiel kommt einer Belustigung über Gott gleich, dazu der Unwille, sich einem Verhör zu unterziehen. Darum deckt Gott selbst die Schuld auf: »Was hast du getan! Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden her.« Die anschauliche Formulierung vom schreienden Blut weist darauf hin, dass hier ein Mensch in seiner unantastbaren Würde als Ebenbild Gottes (1.Mose 1, 27; 2, 7) beseitigt wurde. So hat sich Kain nicht nur an seinem Bruder Abel vergriffen, sondern auch am Herrn des Lebens (vgl. Spr. 14, 27). Und doch beinhaltet die Befragung Gottes für jeden Übeltäter die außerordentliche Chance, Vergebung und einen Neuanfang zu bekommen, auch für schwerste Vergehen: 2. Samuel 11, 14-17; Psalm 51, 9; Sprüche 28, 13; Apostelgeschichte 7, 22-25. 30-35.

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MONTAG, 10.APRIL

1.MOSE 4, 11. 12

Nachdem Gott den Brudermörder gestellt hatte, traf Kain, der keine Vergebung wollte (!), das Urteil: »Und nun, verflucht seist du von dem Ackerboden hinweg.« Zum dritten Mal spricht Gott Jahwe den Fluch aus: Zuerst wird die Schlange verflucht (1.Mose 3, 14). Der zweite Fluch trifft nicht den schuldig gewordenen Menschen, sondern den Ackerboden (3, 17). Jetzt aber wird der unbußfertige Sünder unter die Fluchstrafe gestellt. Diese durch Gott selbst vorgenommene Verfluchung eines Menschen ist einmalig im ganzen Alten Testament. Wohl gibt es in der späteren Vätergeschichte die Verwerfung von Erstgeborenen (z. B. Esau), doch »die Verwerfung des erstgeborenen Kain ist etwas Besonderes; denn sie ist eine Verfluchung Gottes. Der Fluch Gottes über den Menschen ist die denkbar größte Schrecklichkeit und bringt dem Menschen Verdammnis. Der Fluch hat absondernde und aussondernde Kraft. Der Verfluchte steht außerhalb der Gemeinschaft mit Gott und außerhalb jeder menschlichen Gemeinschaft« (Hj. Bräumer). Die Verwirklichung des Fluches über Kain sollte sich konkret darin bemerkbar machen, dass Kain in seiner beruflichen Bestimmung zum Ackerbauern schmerzlich getroffen wird. Er soll das Kulturland verlassen und sich als umherziehender Nomade in Gebieten aufhalten, die außerhalb der Segens- und Fruchtbarkeitszusage Gottes liegen. Welch unantastbares Gottesurteil! Wir aber dürfen gewiss sein: Niemand, der sich Jesus Christus anvertraut, ist verurteilt zu einem Leben unter dem Fluch. Das Kreuz von Golgatha ist wie ein Blitzableiter, der den Gerichtszorn Gottes vom Schuldigen umleitet auf den Unschuldigen. Jesus »ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes. 53, 5; lies 2. Kor. 5, 21; 1. Petr. 2, 21-25; 1. Joh. 3, 5). Wer an Jesus glaubt, ist und bleibt ein Gesegneter des Herrn. Dazu Johannes 3, 18-21 und Epheser 1, 3ff. SEIN SIEG IST UNSER LEBEN - LUKAS 23,1-24,49

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DIENSTAG, 11.APRIL

LUKAS 23, 1-12

Die Evangelien berichten von einem verwickelten Verhandlungsprozess gegen Jesus auf allen Ebenen der Strafjustiz: o Privatverhör vor dem Alt-Hohenpriester Hannas (nur Johannes 18, 13) o Verhör vor dem Hohen Rat und dem amtierenden Hohenpriester Kaiphas (Matth. 26, 57ff; Mark. 14, 53ff; Luk. 22, 66ff) o Verhör vor dem römischen Statthalter Pilatus (alle Evangelien) o Verhör vor Herodes Antipas (nur Lukas) o Abschluss-Urteil durch Pilatus (alle Evangelien) Auf diesem langen Weg sollte Jesus unter dem Schein des Rechts zum Tod verurteilt werden. Damit »wäre die Unschuld der Menschen gewahrt. Die Justiz, die dem Rechtsspruch dienen soll, wird so zum Rechtsbruch (vgl. Jes. 5, 7b). Jerusalem spricht sich selbst das Urteil - unter dem Schein des Rechts« (H. Egelkraut). Nach dem offiziellen Schuldspruch im jüdischen Hohen Rat war Jesus als Gotteslästerer ein Todeskandidat geworden (Luk. 22, 70. 71). Todesurteile durfte nach damaligem Recht nur der römische Statthalter verhängen (Joh.18, 31). Darum suchen sie jetzt Pilatus auf. Da die Römer ihrerseits kein Interesse an religiösen, sondern nur an politischen Prozessen hatten, mussten die Juden jetzt einen politischen Prozess führen. Von den Anschuldigungen gegen Jesus greift Pilatus nur die »Königsfrage« auf. Aber er kann in Jesus keinen ernsthaften politischen Konkurrenten des römischen Kaisers sehen. Darum schiebt er Jesus an Herodes Antipas, den zuständigen jüdischen Machthaber, ab (vgl. Luk. 3, 1; 9, 9ff; 13, 31ff). Herodes aber ergreift nicht die Chance zur Abkehr von seinem sündigen Lebenswandel, sondern er ist fixiert auf »Zeichen und Wunder« und will nur seine Neugier an Jesus befriedigen (vgl. Matth. 12, 38. 39). Doch der Herr schweigt und erträgt still die Verachtung und den beißenden Spott des Herodes und seiner Soldaten. Ins weiße Gewand des Königskandidaten gehüllt, wird »der König der Juden« von Herodes zu Pilatus zurückgeschickt. Jesus scheint »Spielball« der Machthaber zu sein: Doch in allem Geschehen vollzieht sich der Wille Gottes. (Lies Ps. 2, 2; Luk. 18, 31-33; Apg. 4, 27. 28.)

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MITTWOCH, 12.APRIL

LUKAS 23, 13-25

Dreimal stellte der juristisch geschulte Römer Pilatus die Unschuld von Jesus fest (V. 4. 14. 22). Dass Herodes Antipas den Herrn zu Pilatus zurückschickte, galt dem Statthalter ebenfalls als Bestätigung dafür, dass Jesus nichts Böses getan hat (V. 15). Wenn Pilatus den Angeklagten und Unschuldigen dennoch geißeln ließ, suchte er damit zum einen, den Klägern entgegenzukommen, und zum anderen, Jesus davor zu warnen, »künftig noch einmal Schwierigkeiten zu bereiten« (G. Maier). Was Pilatus auch unternimmt, er kann Jesus nicht retten. Selbst die Gegenüberstellung mit dem Kapitalverbrecher Barabbas löst bei den Klägern eine Hetzkampagne gegen Jesus aus. Nun stehen sich zwei Männer gegenüber, von denen jeder eine Welt verkörpert: Barabbas und Jesus. Barabbas steht für die von Gott gelöste Welt der Sünde, der Gewalt und des Todes. Jesus dagegen steht für die neue Welt Gottes, in der Gerechtigkeit und Frieden, Liebe und Wahrheit regieren. Zwischen diesen beiden sollten die Leute damals wählen. Zwischen diesen beiden müssen auch wir wählen. Einmal - und dann immer wieder in unseren konkreten Entscheidungen. Dazu 5.Mose 30, 19. 20; Josua 24, 15. 22; 1. Könige 18, 21. (Vgl. Joh. 6, 66-69.) Pilatus wollte Jesus frei haben und wurde dabei ein Gefangener des Volkes. Er gab nach. Denn er wollte weder den Bruch mit den Juden riskieren (V. 23. 24) noch die Gunst des Kaisers verlieren (Joh. 19, 12). Den Ausschlag gibt der »Wille des Volkes« (V. 25). Der ganze Weg des Sohnes Gottes stand unter dem Willen Gottes. »Volkes Wille, vom Hass und Bösen bestimmt, bringt ihn an das Kreuz. Volkes Wille ist keineswegs Gottes Wille, aber kann ihn auch nicht vereiteln. Gott benutzt ihn trotz böser Absicht und erreicht so sein gutes Ziel. So groß ist Gott« (H. Egelkraut). Zu diesem Geheimnis lesen wir noch Apostelgeschichte 2, 23 und 1. Mose 50, 20.

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DONNERSTAG, 13.APRIL

LUKAS 23, 26-31; SACHARJA 12, 10-12

Die Meinungsführer im Hohen Rat und ihre Anhänger hatten ihr böses Ziel erreicht: Wie ein Schwerverbrecher wird Jesus abgeführt und dem römischen Hinrichtungskommando übergeben. Wir sollten uns aber vor einem Pauschalurteil gegenüber dem jüdischen Volk hüten: Beide, Juden und Heiden, haben am Tod des Herrn mitgewirkt. So würde er auch Juden und Heiden durch seinen Sühnetod am Kreuz von ihren Sünden erlösen. Außerdem halten wir fest: Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte folgten ihm aber »eine große Volksmenge und Frauen«. Jesus hat also im jüdischen Volk viele gehabt, die ihn liebten. Aber wo waren nur die Jünger des Herrn? Sie und auch andere Freunde und Bekannte von Jesus hielten weiten Abstand zu ihm (V. 49; vgl. Matth. 27, 55; Mark. 15, 40). Keiner von ihnen half Jesus den schweren Kreuzbalken tragen. Das tat jener Afrikaner Simon von Kyrene. (Die Kyrenaika ist Teil des heutigen Libyen.) Er ist der erste gewesen, der »hautnahe« Berührung mit dem Kreuz des Herrn hatte. Vielleicht wurde Simon auch im Herzen so tief berührt, dass er später ein freiwilliger Nachfolger des Herrn wurde. Wir lesen dazu Markus 15, 21 und Römer 16, 13. Und Jesus selbst? Der Geschundene, von rasenden Schmerzen Gequälte hat ein offenes Auge für die Traurigen am Wegrand. Er geht nicht wortlos am Kummer der Bedrückten vorüber. Aber der Herr drückt ihnen nicht mal eben ein »Trostpflästerchen« auf die Wunde, sondern konfrontiert die Traurigen liebevoll mit der Wahrheit Gottes: Das Schlimmste ist nicht, dass Jesus stirbt. Das ist das Schlimmste, wenn Menschen in ihrer Sünde sterben, weil sie Jesus abgelehnt haben. Wer das Heil Gottes, das alle Sünden tilgt, ausschlägt, dem bleibt nur das Gericht Gottes. (Lies Joh. 3, 14-21.) Wir lesen den Tagestext betend und mit der Bitte an Jesus: »Herr, lass mich heute ein Stück von deiner Herrlichkeit sehen.«

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KARFREITAG, 14.APRIL

LUKAS 23, 32-49

Das Geschehen auf dem Hügel Golgatha ist, menschlich gesprochen, nur schrecklich, unverständlich und skandalös. Und doch leuchtet in dunkelster Finsternis still und leise Herrlichkeit Gottes auf. Unter dem Kreuz: das neugierig gaffende Volk, lästernde Volksführer, feilschende Soldaten. Aber einer steht da und lobt Gott - der römische Hauptmann. Neben dem Kreuz: ein spottender Schwerverbrecher. Aber da hängt auch der andere, der seine Sündenschuld erkennt und bekennt und der Jesus um Rettung in die ewige Welt Gottes bittet. Über dem Kreuz und um das Kreuz: Finsternis umhüllt das Geschehen als Zeichen für die Gottesferne der Menschheit. Aber der Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel zerriss. Die Tür in Gottes heilige Nähe ist offen. Jeder soll durch Jesus Zugang zu Gott haben (Joh. 14, 6). Am Kreuz: die Tafel mit der Urteilsbegründung und der sterbende, aber allen vergebende Jesus, der geborgen im Willen des Vaters ruht. In seiner Todesstunde spricht Jesus große, gewichtige Worte aus. Welch wunderbare Gewissheit schenkt er dem Schächer: »Heute wirst du mit mir im Paradies sein!« Nun darf der an seiner Schuld Zerbrochene ungebrochene Gemeinschaft mit Jesus haben. - Auch für die anderen, »die nicht wissen, was sie tun«, weil ihnen die tiefere geistliche Dimension des göttlichen Heilsplans verborgen war (1.Kor. 1, 18ff), hat Jesus ein Wort: »Vater, vergib ihnen!« Gibt es eine größere Liebe: Der leidende Gottesknecht betet für die Übeltäter (Jes. 53, 12). »Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes, damit er euch heilig und untadelig und makellos vor sein Angesicht stelle« (Kol. 1, 21. 22). Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah, das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld. Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah, als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering, als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging. Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; und, die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor. Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha. Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja! Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu. Friedrich von Bodelschwingh (1938)

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SAMSTAG, 15.APRIL

LUKAS 23, 50-56; JESAJA 53, 9

Die Grablegung von Jesus bezeugt, dass er wirklich tot war. »Nur wenn er gestorben war, ist wirklich die Sühne für unsere Sünde erbracht; nur so ist die Auferstehung eine wirkliche Auferstehung von den Toten, und nur dann verliert das Grab seinen Schrecken. Das Hinabgestiegen in das Reich des Todes ist nicht nebensächlich« (H. Egelkraut). »Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er's gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten« (Hebr. 2, 14; vgl. 1. Mose 3, 15; 1. Joh. 3, 8). Jesus ist tot. Der Ratsherr Josef von Arimathäa übernimmt die dringliche Bestattung. Dieser Mann ist eine Überraschung: Er gehört zur reichen Oberschicht, aber er hat sein Herz nicht an den Reichtum gehängt, sondern an das Reich Gottes und an Jesus (vgl. Matth. 19, 23; 27, 57; Joh. 12, 42; 19, 38). Aus Ehrfurcht vor der Persönlichkeit des Herrn gab er sein neues Grab her. Dieser inneren Haltung entspricht, dass er das Urteil gegen Jesus nicht gebilligt hat. Wahrscheinlich hat er am Gerichtsprozess nicht teilgenommen. Aber nun tritt er aus der Zurückhaltung heraus und bittet Pilatus um den Leichnam des Herrn. Dieser Schritt bedeutete ein großes Wagnis (Mark. 15, 43). Denn dadurch bekannte er sich offen als Jünger des Herrn. Das hätte ihn nicht nur Ansehen und Ehre kosten können, sondern Ausschluss aus der Synagoge, ja sogar den Tod (Joh. 9, 22; 16, 2). Doch mit Gottvertrauen überwindet Josef seine Angst und Menschenfurcht. »Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde« (Ps. 62, 6. 7).

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OSTERSONNTAG, 16.APRIL

LUKAS 24, 1-12

»Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. « Mit dieser Tatsache konfrontieren die Boten Gottes die bekümmerten Frauen am Ostermorgen. Diese Wirklichkeit stellt die ganze Welt auf den Kopf. Seit Ostern gehört die Welt nicht mehr dem Tod. Sie gehört jetzt dem Leben, genauer: dem lebendigen Jesus Christus. Er hat »dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht « (2. Tim. 1, 10). Aber die Frauen sind noch ganz auf den toten Jesus in seinem Grab fixiert. Schritt für Schritt lassen sich die Jüngerinnen und später auch die Jünger zur Überzeugung und zur Anbetung führen: »Der Herr ist wahrhaftig auferstanden« (V. 34). Wir halten fest, dass der Glaube an den auferstandenen Jesus nicht aus der menschlichen Vorstellungskraft kommt. Leeres Grab, fehlender Leichnam, das unerwartete Auftreten der Engelboten sind für die Frauen unbegreiflich. Sogar Petrus, der das leere Grab inspiziert, wundert sich nur. Weder die Frauen noch die Apostel glauben von sich aus an die Auferstehung. Der Glaube kommt aus dem Hören auf das Wort Gottes. Dabei wiederholen die Engelboten nur, was Jesus den Seinen bereits gesagt hatte: Lukas 9, 22; 18, 33. Jetzt ist es wichtig, noch einmal und immer wieder über die Worte des Herrn nachzudenken und zu prüfen, was er über das Ziel seines Lebens gesagt hat. Das Größte ist, dass der Auferstandene selber in unaussprechlicher Treue an den Seinen festhält. Er führt sie Schritt für Schritt zur Glaubensgewissheit. Darum können auch wir heute Ostern feiern - voll Zuversicht und Freude: Jesus lebt, und wir gehören dem auferstandenen Herrn! Zur persönlichen Vertiefung: Römer 8, 31-39. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben; reines Herzens will ich sein, bösen Lüsten widerstreben. Er verlässt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht. Christian Fürchtegott Gellert (1757)

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OSTERMONTAG, 17.APRIL

LUKAS 24, 13-35

Zwei Männer haben den Kreis der Jünger in Jerusalem verlassen. Auf dem Weg in die Ortschaft Emmaus diskutieren sie lebhaft über Jesus. Aber sie kommen in ihrem Gespräch nicht weiter, treten auf der Stelle, sind geistlich blockiert und blind. Erst durch die persönliche Begegnung mit Jesus gewinnen sie Klarheit und Gewissheit darüber, dass Jesus lebt. Der Herr überwindet Schritt für Schritt ihr Unverständnis und ihren Unglauben. Wie geschieht's? o Durch gezielte Fragen und aktives Zuhören. Dadurch, dass die Männer sich alles vom Herzen reden dürfen, formulieren sie unwillkürlich auch den Grund für ihren Unglauben. Sie haben ein einseitiges Bild von Jesus (V. 19), ein falsches Heilsverständnis (V. 21) und eine klägliche Bibelkenntnis (V. 25). »Falsche Erwartungen führen zu falschen Gedanken und verschlossenen Herzen« (H. Egelkraut). o Durch eine christozentrische Auslegung des Alten Testaments. Jesus erklärt den beiden Männern die Worte, die sich auf ihn bezogen, von den Büchern Moses und der Propheten angefangen, durch die ganzen Heiligen Schriften (z. B. 4. Mose 21, 4-9; Jes. 53, 2-7; Ps. 16, 9-11). Das ganze Alte Testament läuft auf den Gekreuzigten und Auferstandenen zu. So hatte Jesus seinen Jüngern schon immer das Alte Testament erklärt; und genauso tut er es jetzt. Darüber werden erstarrte Herzen warm und Glaubensblockaden gelöst. o Durch die Mahlgemeinschaft am Tisch des Herrn. Auf die dringende Bitte der Jünger hin kehrt Jesus bei ihnen ein. Ungewöhnlich ist, dass der fremde Gast die Rolle des Hausherrn übernimmt. Er »nahm das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen« (V. 30). Genauso beschreibt der Evangelist Lukas den Herrn bei der Speisung der Fünftausend (9, 16) und beim Abendmahl (22, 19). Welch ein Herr! So kann nur einer schenken. Jetzt ist klar: »Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!« Das ist fortan ihr frohes Bekenntnis.

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DIENSTAG, 18.APRIL

LUKAS 24, 36-49

Mit einem brennenden Herzen und einer überaus frohen Nachricht sind die Emmaus-Jünger in den Kreis der Freunde zurückgekehrt. Was jetzt noch fehlt, ist die bleibende Gewissheit und die Beauftragung. Dazu erscheint der Herr in der Mitte der Jüngergemeinde. Er bringt einen vierfachen Segen mit: o Frieden und Gewissheit Der Friede, den Jesus seinen Jüngern zuspricht, ist eng verknüpft mit seinem Leiden und Sterben. Jesus zeigte den Jüngern seine Wundmale. »Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes. 53, 5; vgl. Joh. 14, 27; 20, 19. 20). Jetzt können die Jünger ganz sicher sein, dass der auferstandene Jesus derselbe ist wie der gekreuzigte und begrabene. So wird im Jüngerkreis durch Anfassen, Betrachten, ja Essen die Leibhaftigkeit der Auferstehung dargestellt. Und doch ist die Substanz dieses neuen Leibes eine andere. Paulus spricht von einem »geistlichen Leib« (1. Kor. 15, 44) und meint damit einen Leib, der der Welt Gottes angemessen ist und nicht mehr den materiellen Gesetzen dieser Welt unterliegt. (Vgl. Phil. 3, 21.) o Verstehen der Schrift und die Ausrüstung zum Zeugen-Dienst Mit der Auferstehung des Herrn ist die Endzeit angebrochen. Ihr wesentliches Kennzeichen ist die weltweite Verkündigung des Heils, das in der Umkehr zu Gott und Vergebung der Schuld besteht. Dabei ist die Evangeliumspredigt eine Weiterführung des schon im Alten Testament angekündigten Willens Gottes. (Lies Jes. 42, 6; 49, 5. 6; 52, 7.) Tüchtig ist dazu nur, wer den Auferstandenen aus der Heiligen Schrift und aus persönlicher Überzeugung bezeugen kann (V. 48; vgl. Joh. 5, 39). Die Bevollmächtigung dazu gibt Gott durch seinen Heiligen Geist. (Lies Joh. 20, 21-23; Apg. 1, 8.) Wie zeigt sich und wirkt der vierfache Segen heute, in meinem Alltag?

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IM SOG DER GEWALT - DOCH MIT AUSBLICK AUF DEN ERLÖSER

WIR BETRACHTEN 1.MOSE 4,13-26

MITTWOCH, 19.APRIL

1.MOSE 4, 13-15; 2.KORINTHER 7, 10

Kain weiß um die Größe seiner Schuld. Und doch erscheint ihm die Strafe Gottes untragbar. Gewiss, ein Körnchen Wahrheit liegt im Aufschrei Kains. Wer unter den Schuldigen kann seine Sündenlast wirklich tragen? Niemand vermag es. Aber Kain wollte keine umfassende Entlastung, keine tief greifende Vergebung haben, sondern nur eine Beruhigungspille. Angstvoll klammert er sich an das nackte Dasein und bittet um Schutz für sein irdisches Leben. Doch man hat den Eindruck, Kain denkt nur daran, seine Haut zu retten, nicht aber mit Gott in ein Gespräch über sein Leben und seine Verfehlungen einzutreten. Darum steht Kain Modell für den nur religiösen Menschen, der etwas von Gott haben will, nicht aber den Herrn selbst. Umso erstaunlicher ist die Reaktion Gottes. Der Herr nimmt sein einmal gesprochenes Wort nicht zurück. Aber er modifiziert es. In seiner unbegreiflichen Güte bildet Gott in der Gerichtszone gewissermaßen einen Schutzraum für Kain, indem der Herr ein Zeichen am Brudermörder macht, »damit ihn nicht jeder erschlüge, der ihn fände«. Kain hat den Tod verdient. Gott aber gibt ihm noch eine Frist zur Umkehr, indem er Kain schützt. Wie das Kainszeichen aussah, wissen wir nicht. Aber eins wissen wir: Menschen, die über ihre Sünden erschrecken, erfahren Gottes Erbarmen noch ganz anders als Kain. Sie dürfen sich an den wenden, »der sich am Kreuz nicht nur neben zwei Mörder, sondern an die Stelle des Mörders begeben hat. Es ist derjenige, der stärker ist als Kain, indem er für Kains Brudermord sühnt, stärker als Kain in uns, stärker als Kain in der Welt- und Kirchengeschichte« (W. Lüthi). Zur Vertiefung: Lukas 23, 39-43; Römer 5, 6-11; Epheser 1, 18-21; 3, 20; 1. Johannes 3, 24; 4, 4; 5, 4.

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DONNERSTAG, 20.APRIL

1.MOSE 4, 15. 16; 1.KORINTHER 1, 9

Gott versetzte Kain in den Stand mit einer Chance. Der Herr versicherte dem Brudermörder, dass er einen an ihm begangenen Mord mit größter Sorge ahnden würde. Darauf weist auch die Zahl sieben hin. Sie deutet im biblischen Sprachgebrauch Gottes Heiligkeit und Vollkommenheit an. Gott verspricht also dem, der den Tod verdient hat, garantierten göttlichen Schutz. Seit die Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus zu uns kam, haben wir einen dreifachen Weg, Konflikte unter uns zu bewältigen: o Menschen Gottes müssen weder sich selbst noch andere rächen. »Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr« (5.Mose 32,35; vgl. Röm.12,19). o Jesus spricht ausdrücklich davon, dass wir dem Bruder, der an uns persönlich schuldig wurde (»gegen mich sündigt«), die vollkommene Vergebung Gottes weiterreichen dürfen - immer wieder (Matth. 18, 21. 22). o Ein Gespräch unter vier, wenn nötig unter mehr Augen, bis hin zur Gemeindeversammlung ist nur dann erforderlich, wenn ein Christ einen Mitchristen eine offenkundige Sünde tun sieht (Matth. 18, 15-17). Dabei wird es wichtig sein, ihn »im Geist der Sanftmut zurechtzubringen« (Gal. 6, 1; vgl. 3. Mose 19, 17; 2. Tim. 2, 24-26). Es ist erschütternd, dass Kain sich nicht helfen ließ, sondern »vom Angesicht des Herrn wegging«. »Und wohnte im Land Nod, östlich von Eden.« Nod ist keine geographische Landangabe, sondern heißt übertragen »umherirren«. Nod bezeichnet das Leben in der Entfernung von Gott, in die Kain jetzt eingetaucht ist - aber unter dem Schutz Gottes. »Anstelle des dunklen und unerklärbaren Kainszeichens tritt das Erlösungszeichen des Neuen Testaments, das Kreuz des Herrn Jesus Christus. Unter diesem Kreuz gibt es kein unstetes und flüchtiges Leben mehr, kein Leben, das sich draußen und entfernt von Gott abspielen muss, denn das Blut des Christus redet mächtiger als das von Abel (Hebr. 12, 24)« (Hj. Bräumer).

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FREITAG, 21.APRIL

1.MOSE 4, 17-22

4. Es gibt Hoffnung in einer Welt voller Gier und Gewalt Kain, der seine Missetat nicht bereute und doch unter dem Schutzzeichen Gottes weiterleben durfte (V. 15), hatte sich vom Angesicht des Herrn entfernt (V. 16). Wie geht es weiter mit Kain? Wird er sich besinnen und sein Angesicht zu Gott erheben, oder wird er sein Leben allein zu meistern suchen? Wir sehen, dass der Heimatlose beginnt, sich eine neue Heimat aufzubauen. Zunächst gründete Kain eine Familie. Woher nahm er seine Frau? Wenn Gott aus »einem (Menschenpaar) jede Nation der Menschen gemacht hat« (Apg. 17, 26), liegt es, zusammen mit 1. Mose 5, 4 nahe, dass Kain eine seiner Schwestern heiratete. Erst in späterer Zeit hat Gott seinem Volk, das eine Abbildung von Gottes Heiligkeit in heidnischem Umfeld darstellen sollte, genaue Anweisung im Blick auf die Partnerwahl gegeben (3.Mose 18, 1ff). - Neben dem Familienbau finden wir Kain dann beim Städtebau: »Und er wurde der Erbauer einer Stadt und benannte die Stadt nach dem Namen seines Sohnes Henoch« (V. 17). Mit seinen Nachkommen will Kain in der Stadt wohnen. Einige Verwandte werden mit Namen und Beruf genannt. Die »kainitische Zivilisation« entsteht. Welch eine Vielfalt an Gaben kommt hier zum Ausdruck! - Gott hat den Menschen Gaben gegeben: nicht zum Angeben, sondern zum Ausgeben (2.Kor. 9, 6-8. 11). Nicht zum Beherrschen von Menschen, sondern zum Dienst (1. Petr. 4, 10). Nicht zum Selbstruhm, sondern zum Gottesruhm (Phil. 2, 3). Über die Beziehung der Nachkommen Kains zu Gott erfahren wir nichts. Nur zwei Namen geben einen Hinweis: Mehuja-el (Gott schafft das Leben) und Metuscha-el (Gottesmann). Inmitten eines sündigen Menschengeschlechts, das nicht nach Gott fragt, gibt es immer wieder Menschen, die Gott ernst nehmen und nach seinem Willen fragen. (Lies Ps. 24, 1-6; 105, 3. 4; Phil. 2, 15. 16.)

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SAMSTAG, 22.APRIL

1.MOSE 4, 17-22

Kain, der Heimatlose, suchte seine Heimat in der Stadt. »Die Frage drängt sich hier auf: Ist es Trotz des Empörers, was den von Gott in die Heimatlosigkeit verwiesenen Kain veranlasst, sich mit Städtebau zu befassen? Will er damit Gott den Gegenbeweis erbringen, dass die vom Herrn verhängte Strafe der Heimatlosigkeit nicht halb so schlimm sei? Dass man durch Städtebau die Gemeinschaftslosigkeit meistern könne? - Für den Fall, dass solch abgründiger Trotz der Beweggrund zum ersten Städtebau ist, fragen wir uns: Wird Kains Demonstration gelingen? Werden die Menschen sich, wenn sie näher beisammen wohnen, einander wirklich auch näher sein? Die Menschheit hat in dieser Sache seit Kain, dem ersten Städteplaner, einige Erfahrungen gesammelt. Allzu optimistisch sind wir heute im Blick auf die Stadt als Wohnort für Menschen nicht mehr . . . Gestern fuhr bei einem der Häuser das Sanitätsauto des gerichtsmedizinischen Instituts vor. Ein Mann wurde herausgetragen, der acht Tage tot gelegen hatte, ohne dass es einer der zahlreichen Mitbewohner des Hauses bemerkte. In der heutigen Stadt ein nicht seltener Fall. In den Städten, wo Kain einst Heimat und Mitmenschlichkeit zu finden hoffte, sind wir heute mit ganz besonderer Dringlichkeit gefragt: Wo ist dein Bruder Abel?« (W. Lüthi). Ob in der Stadt oder auf dem Land, ob in eine Familie eingebunden oder allein stehend, wir können sehr einsam sein. Einer jedoch teilt die Einsamkeit mit uns: der Vater im Himmel (vgl. Joh. 16, 32). Er teilt seine Güte und Liebe, ja seine Herrlichkeit mit uns. Wer von diesem Gnadengeschenk Gottes lebt, wird auch dem Nächsten aufmerksam zugewandt sein und ihn immer wieder überraschen mit einer freundlichen Aufmerksamkeit, mit kleinen Liebesdiensten oder einem Zeitgeschenk - Zeit zum Hören, Zeit zum Beten, Zeit, um Anteil zu nehmen und zu geben. (Lies 5. Mose 15, 7-11; Apg. 2, 45; Röm. 12, 9-13; 2. Kor. 8, 9; Phil. 4, 14-18; 1. Thess. 2, 7. 8.)

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SONNTAG, 23.APRIL

1.MOSE 4, 19. 23. 24

»Lamech aber nahm sich zwei Frauen.« Nachdem sich Adam und Eva von Gott gelöst hatten, mussten sie den harten Folgen auch im Blick auf die Ehebeziehung ins Gesicht sehen. Zur Frau hatte der Herr gesagt: »Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein; er aber wird über dich herrschen« (1.Mose 3, 16b). »Das Ein-Fleisch-Werden war nicht mehr das untrennbare, exklusive Einswerden von einem Mann und einer Frau, sondern wurde nunmehr bestimmt von Siegen und Unterliegen, von Hörigkeit und Gewaltherrschaft . . . Die Polygamie war im Alten Testament nie unumstritten. Sie wurde aber erst von Jesus untersagt. Im Gespräch mit den Gelehrten seiner Zeit spricht Jesus in Matthäus 19 von dem einen Mann und der einen Frau und weist damit zurück auf den ursprünglichen Schöpferwillen Gottes« (Hj. Bräumer). Neben das notvolle Beziehungsgeflecht einer Doppelehe tritt bei Lamech die Verherrlichung kalter Gewalt und maßloser Rachsucht. Lamech geht den Weg des Mordens weiter. Dabei rühmt er sich, die Möglichkeiten des Tötens von Menschenleben zu steigern. Lamech kündigt in Machtbewusstsein und Machtstolz eine maßlose Vergeltung für jede geringste Verletzung an. In der Ankündigung einer rücksichtslosen und maßlosen Rache reißt er den Vollzug der Vergeltung, den sich Gott vorbehalten hat, an sich. Mit einer spöttischen Bemerkung stellt Lamech die von ihm beabsichtigte Rache über die Rache Gottes. Wie aber siebenundsiebzigfache Rache in ihrem Ausmaß unvorstellbar ist, so soll die Vergebung der Christen untereinander ohne Grenzen sein. Wir sind haushoch überfordert, wenn wir uns nicht auf Jesus berufen könnten. Er hat die Macht, jedem aufkommenden Rachegelüst entgegenzutreten und unseren Willen zu immer neuer Vergebungsbereitschaft zu aktivieren und zu stärken. (Lies Luk. 17, 4; 23, 34a; Matth. 18, 23-35; Apg. 7, 60; Kol. 3, 13; 2. Tim. 4, 16; Jak. 2, 13.)

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MONTAG, 24.APRIL

1.MOSE 4, 25

Die kainitische Zivilisation war geprägt von Gewalttätigkeit und Maßlosigkeit. Und doch blitzen in der Nacht der Sünde Hoffnungsfunken auf. Gott lässt seine Menschen nicht fallen. Er fädelt einen neuen Generationsfaden ein - nicht mit besseren Menschen. Der Mensch ist, der er ist: Sünder und zu allem Bösen fähig (vgl. 1. Mose 8, 21b). Das haben Adam und Eva in ihrer Familie schmerzhaft erlebt. Abel ist tot. Wie mochten sie damit umgegangen sein, dass ihr Erstgeborener zum Mörder geworden war? Man gewinnt den Eindruck, dass die Eltern ihren Schmerz mit Gott verarbeitet haben. Denn Adam und Eva bleiben in der Nähe Gottes und behalten ein Herz voller Liebe füreinander. Eines Tages bekommen sie wieder einen Sohn. Eva bezeugt: »Gott hat mir einen anderen Nachkommen gesetzt anstelle Abels, weil Kain ihn erschlagen hat.« Set ist ein Gottesgeschenk. Sein Name bedeutet so viel wie »Neugründung, Gründung neuen Lebens« (U. Cassuto). Set ist nicht einfach Ersatz für Abel, sondern das von Gott gegebene Geschenk einer neuen Nachkommenschaft. Im Unterschied zur Geburt Kains klingen Evas Worte diesmal weniger jubelnd, eher bescheiden und demütig. Sie nennt Gott jetzt nicht Jahwe (wie in Kap. 4, 1), sondern Elohim. Elohim ist der allmächtige Gott. Wenn Eva ihren Schöpfer bei der Geburt Sets als Elohim anredet, liegt darin das Bewusstsein der Erhabenheit Gottes. Er ist viel größer als alle leidvollen Erfahrungen. Gott ist viel größer als die notvollen zwischenmenschlichen Beziehungen. Er ist größer als Kain und größer als Lamech. Er ist Gott, der Allmächtige, der sich durch nichts und niemanden ausspielen lässt. Er behält die Fäden in der Hand. Dieser Herr vermag es, über das Leben und den Lebensweg Sets sorgfältig und liebevoll zu wachen. Dieser Gott ist auch mein Gott: Psalm 91 und 121.

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DIENSTAG, 25.APRIL

1.MOSE 4, 25. 26

Set ist Stammvater einer Menschheit, mit der Gott neu Geschichte schreibt (vgl. die Stammbaumlinie in 1. Mose 5, 3. 6. 29. 32; 11, 10. 26; Luk. 3, 23. 38). Mit Set beginnt der Segen Gottes neu zu fließen. Zunächst lässt sich Gottes Segen darin erkennen, dass das Leben weitergeht: »Und dem Set wurde ein Sohn geboren.« Kinder sind eine Segensgabe Gottes (Ps. 127, 3). Und doch ist sich Set darüber im Klaren, dass der in Sünde gefallene Mensch hinfällig und sterblich ist. Vater Set nennt seinen Sohn »Enosch«, zu Deutsch »der Sterbliche «. Damit wird auch bekundet, dass der Mensch jenseits von Eden lebt und seine Vertrauensbeziehung zu Gott verloren hat. Doch er kann und soll sie wiederfinden. Verheißungsvoll klingt das traurige Kapitel vom Brudermord aus: »Damals fing man an, den Namen Jahwes anzurufen.« Inmitten eines »verdrehten und verkehrten Geschlechts« vertrauen sich sterbliche Menschen dem unsterblichen Gott neu an. Die paar Leute, die damals anfingen, nicht mehr nur erdwärts, sondern auch himmelwärts zu schauen, sind Hinweis auf das, was wir heute erfahren dürfen, dass es nicht allein einen »Kain in uns« gibt, sondern auch einen »Christus in uns«. Christus ist das Ende des Brudermordes, indem er für Brudermörder stirbt und sie mit Gott versöhnt. Wo der »Christus in uns« zu leben beginnt, wo Christenmenschen den Namen Gottes anrufen, da entsteht auf dieser Erde Heimat mitten in der Einsamkeit und Heimatlosigkeit. Doch da gilt auch das andere: »Wo Gott durch den Geist des Gebets in den Menschen zu wohnen beginnt, tritt eine derart grundlegende Änderung ein, dass freudige Bejahung der Heimatlosigkeit in dieser Welt möglich wird« (W. Lüthi). Denn ihre eigentliche Heimat haben die Anbeter Gottes nicht in dieser Welt, sondern in seiner ewigen Welt. (Lies Joh. 14, 2; Hebr. 13, 14; Offb. 21, 1-5; vgl. Hebr. 11, 9. 10. 13-16.)

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DIE GROSSE ENTLASTUNG - PSALM 32

MITTWOCH, 26.APRIL

PSALM 32, 1-5; RÖMER 4, 7. 8

»Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist!« Aus diesen Worten spricht eine unbändige Freude über die erfahrene Vergebung. David betont das Glück der Menschen, deren Schuldkonto ausgelöscht ist. Aufatmen, durchatmen, entlastet und befreit seinen Weg weitergehen, das kann der, der diese Wohltat Gottes erfahren hat. David beschreibt die wunderbare Tatsache der Vergebung gleich zu Beginn seines Psalms in drei Bildern. Sie besteht darin, dass Gott »die Übertretungen vergibt «, die »Sünde bedeckt« und die »Schuld nicht anrechnet«. Wenn das nicht Grund zur Freude ist! Wenn Paulus die Verse 7 und 8 in Römer 4 zitiert, dürfen wir annehmen, dass Psalm 32 auch in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben wird. Wie oft mag er ihn gelesen und über ihn nachgedacht haben! Welch ein Glück, dass Gott Sünde vergibt, selbst dann, wenn jemand sich in vielfältige und schwere Schuld verstrickt hat! (Lies Apg. 22, 6-16.) Erfahrene Vergebung ist das unverdiente und unbezahlbare Geschenk der Gnade Gottes. Das kann auch ein Zeitgenosse dankbar bezeugen: »Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein off'nes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss. So ist Versöhnung. So muss der wahre Friede sein. So ist Vergeben und Verzeihn« (J. Werth). Wer solch eine Erfahrung gemacht hat, wird sie nicht für sich behalten, sondern denen weitersagen, die sich mit der Last ihrer Schuld abmühen. (Lies Micha 7, 18; 1. Joh. 1, 9.)

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DONNERSTAG, 27.APRIL

PSALM 32, 1-11; 103, 3. 11. 12

David gibt uns in Psalm 32 Einblick in eine schwierige Phase seines Lebens. Der unschätzbare Trost, den er durch die Vergebung seiner Schuld erfahren hat, hilft ihm ehrlich zu sein - vor sich selber und vor anderen. Er blickt zunächst zurück auf jene dunkle Zeit, in der er seine Sünde eigensinnig verschwieg (V. 3. 4). Aber als er dann bereit war, seine Schuld einzugestehen und zu bekennen, vergab ihm der Herr (V. 5). Die Gewissheit und Freude über die erfahrene Vergebung ermutigte David, sich dem Herrn umfassender und tiefer als bisher anzuvertrauen. Selbst in gefahrvollen Situationen vermittelte ihm die Nähe Gottes tiefe Geborgenheit (V. 6. 7). In seinem Gott findet David einen verlässlichen und vertrauenswürdigen Führer für den weiteren Lebensweg (V. 8). Aufgrund dieser Erfahrung warnt David seine Leser davor, sich dem Wirken des Herrn zu verschließen, denn wer Gottes Weisungen in den Wind schlägt, schafft sich Not und Schmerz (V. 9. 10). Doch wer sich vertrauensvoll an Gott wendet, der kann sich wieder von Herzen freuen und jubeln (V. 11). »Dieser Psalm ist eine Mut machende Einladung zur Buße, die sich an alle Friedlosen wendet. Er bezeugt besonders eindringlich, welch wichtiges Stück der Buße die Beichte ist« (H. Lamparter). Alle Versuche, mit Pseudoerklärungen Konflikte zu bewältigen, schaffen keine Befreiung und bewirken keine innere Heilung. »Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen« (Spr. 28, 13; lies Joh. 4, 1-19. 28-30. 39-42). Umkehr, Buße und Bekenntnis führen heraus aus Bindungen, aus Bitterkeit und tiefen Verletzungen. Die Voraussetzung für unsere innere Heilung hat Gott in Jesus Christus geschaffen: »Durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes. 53, 5).

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FREITAG, 28.APRIL

PSALM 32, 1. 2; MARKUS 2, 5

Ein schwedischer Graf besitzt ein eigentümliches Stammbuch, in das drei Staatsmänner ihre Lebensweisheiten eingetragen haben. Der achtzigjährige französische Minister Guizot notierte: »In meinem langen Leben habe ich zwei Weisheiten gelernt. Die eine ist, viel zu vergeben, die andere, nichts zu vergessen. « Unter diese Worte schrieb ein anderer französischer Staatsmann: »Ich habe gefunden, dass ein wenig Vergessen der Aufrichtigkeit der Vergebung nicht schadet.« Nun war auf dem Blatt noch Platz. Dahin schrieb Graf Otto von Bismarck seine Gedanken über Vergebung und Vergessen: »In meinem Leben habe ich gelernt, viel zu vergessen und mir viel vergeben zu lassen.« Im Neuen Testament stoßen wir immer wieder auf dieses wichtige Thema von der Vergebung. Jesus nahm es so ernst, dass er der Vergebung der Sünden eine weit größere Bedeutung zugemessen hat als der Heilung von Krankheiten. Als die vier Männer den Gelähmten zu Jesus brachten, erwarteten sie glaubensvoll, dass Jesus ihren Freund anrühren und gesund machen würde. Doch Jesus sah tiefer. Er sah die innere Not dieses Mannes. Deshalb sprach er ihm zuerst die Vergebung seiner Sünden zu. Dann befahl er dem Gelähmten aufzustehen, seine Matte zu nehmen und nach Hause zu gehen. (Lies Matth. 9, 2-8.) - Ob Petrus in jener Nacht über sein Versagen resignierte, dass er zu den anderen Jüngern sagte: »Ich will fischen gehen?« Wollte er sich selbst ablenken von seiner Schuld und dem schlechten Gewissen, das ihn nach der Verleugnung von Jesus drückte? In der späteren Begegnung mit Jesus bekommt er keine Vorwürfe, keine Anklagen zu hören, sondern nur die dreimalige Frage: »Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?« Damit war zwischen Jesus und Petrus alles gesprochen. (Lies Joh. 21, 1-17.)

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SAMSTAG, 29.APRIL

PSALM 32, 1. 2; MATTHÄUS 18, 21. 22

Persönlich erfahrene Vergebung weckte in Petrus das Bedürfnis, anderen zu vergeben. Doch eine Frage beschäftigt ihn dabei: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal?« Vielleicht war Petrus durch einen Glaubens-Bruder - doch wohl nicht aus dem Jüngerkreis? - , der ihm Unrecht tat, auf diese Frage gekommen. Petrus ist bereit zu vergeben, aber die Frage blieb: Wie oft, wie lange? Er ist zum siebenmaligen Vergeben bereit. Bei den Pharisäern gab es eine Satzung, die besagte, dass man nur dreimal zu vergeben brauche. Petrus geht weiter, er meint, sehr weit zu gehen, aber damit sei es auch genug. Nach jedem Vergeben neue Beleidigungen, neue Stiche, neue Verleumdungen. Er hätte von sich aus längst aufgehört zu vergeben, aber die Stimme in seinem Herzen lässt es nicht zu. So geht er zu Jesus und fragt ihn: »Herr, ist's genug?« Kommt nicht auch manchmal bei uns der Gedanke auf: Soll ich jetzt noch einmal vergeben? Wie schnell sind wir verletzt durch ein ungutes Wort, das einen Stachel hinterlässt! Vielleicht missbrauchte jemand unser Vertrauen und sagte nicht die Wahrheit oder redete abwertend über uns. Wir ziehen uns zurück und brechen innerlich mit dem andern. Dieses Abbrechen, das wir in unseren Gedanken und in unserem Herzen vollziehen, spürt man uns ab. - Petrus bekam von Jesus eine klare Antwort auf die Frage, wie oft er zu vergeben habe: »Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!« Jedes Mal neu, immer wieder, unbegrenzt. Damit gibt Jesus auch uns eine eindeutige Antwort. »Vergebung ist der Schlüssel, der die Tür des Grolles und die Handschellen des Hasses öffnet« (Corrie ten Boom). (Lies Spr. 11, 17; Luk. 17, 3. 4; 1. Petr. 3, 9-11; 1. Thess. 5, 15.)

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SONNTAG, 30.APRIL

PSALM 32, 3. 4; 1. PETRUS 5, 8

Nachdem David von dem großen Glück der Vergebung seiner Schuld gesprochen hatte, blickte er zurück auf die schlimme Zeit, als er nicht bereit war, zu seiner Schuld zu stehen. Das Eingeständnis der eigenen Schuld fällt niemandem leicht. Oft führt der Weg zu solcher Bereitschaft durch tiefe Täler. Solange David schweigt, muss er ständig stöhnen. Bis in seine körperliche Verfassung hinein spürt er die Auswirkungen der Sünde. Alles in ihm bäumt sich auf. Tag und Nacht findet er keine Ruhe, weil »deine Hand schwer auf mir lag, dass meine Lebenskraft vertrocknete wie Wasser in der Sommerhitze«. Die Entfremdung von Gott frisst ihn seelisch und körperlich auf. Heftige Gewissensbisse rauben ihm den Frieden, er ist mächtig umgetrieben. In welch ungesunde, riskante Situationen kann Sünde führen! Nicht bereinigte, totgeschwiegene Schuld raubt mit der Zeit alle Lebenskraft, allen Lebensmut. Sie trennt uns von Gott. Man kann sich eine gewisse Zeit hinter einer Fassade verstecken, aber irgendwann bekommt auch eine noch so großartig erscheinende Fassade Risse, und die Heimlichkeiten kommen ans Licht. (Lies Apg. 5, 1-11.) Doch indem Gottes Hand Tag und Nacht schwer auf David lastete, sorgte der Herr selbst dafür, dass David zur Besinnung und zur Umkehr kam. Auch die »schwere« Hand Gottes ist Zeichen seiner Güte, die uns »zur Buße leitet« (Röm. 2, 4). So viel wert sind wir Gott, dass er uns auch nach viel Versagen nicht laufen lässt, sondern sich um uns bemüht. Er schenkt Vergebung selbst für die schlimmsten Sünden. Welch ein wunderbarer Herr! Seine Einladung gilt heute: »Kommt her zu mir alle, die ihr euch mit eurer Last abmüht; ich will euch zur Ruhe bringen« (Matth. 11, 28; lies Jes. 1, 18).

zur Verfügung gestellt von: bibel.com der Homepage von Christen für Christen.

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